Demokratisches Wochenblatt. No. 10. Drgan der deutschen Volkspartei. Leipzig, den 7. März. 1868. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie bier am Plage einSchließlich Bringerlohn 12 Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nehmen entgegen die Herren M. Dolge am Markt, C. Reichert Hainstraße 27, G. Hofmann Brühl 40, G. Dehler Neumarkt 6, G. Richter Peterssteinweg 7, Leipziger Confumverein Universitätsſtraße und die Expedition d. Blattes G. W. Vollrath Windmühlenstr. 14. Für Dresden Filialexpedition F. W. Grellmann Wallstraße 10. Inhalt: Politische Uebersicht. stellung Polens. Weiße Sklaven. Endlich. Die Wiederher Aus England.- Beilage: Entwurf eines General- Statuts der Dresdener Gesellen- Krankenkassen. Politische Uebersicht. Der französische Preßskandal, den man durch das Gutachten der Schiedsrichter vertuscht glaubte, ist plöglich wieder in hellen Flammen emporgelodert, indem die Redaktion des Pays, eines Regierungsorgans, vor einigen Tagen das Publikum durch die Mittheilung überraschte, sie habe Aftenstücke in Händen, welche die Beziehungen gewisser Zeitungen der einen, entsprechende Kriegsrüstungen auf der anderen Seite. In Frankreich steigende revolutionäre Gährung auf zu fremden Regierungen bewiesen. Von den namentlich gehervor, und es scheint sich bloß zu fragen, ob die Revolution den Krieg, oder der Krieg die Revolution überholen wird. Der Jahrestag der Februarrevolution ist nicht so ruhig vorübergegangen, als die ersten Nachrichten vermuthen ließen; in der Kammer, wie auf den Straßen fam es zu Szenen, welche an die leidenschaftlichsten der französischen Revolutionsgeschichte erinnern, und uns zeigen, daß der alte Vulkan nicht erloschen ist, und daß die siedende Lava jeden Augenblick dem Krater entströmen fann. Man hört hier und da die Vermuthung nannten 6 Blättern haben mehrere die Beschuldigung ruhig eingesteckt, die übrigen lahme Erklärungen hervorgestottert, die den Verdacht nur stärfen können. Redakteur des Pays ist der berüchtigte Granier, eins der ehrlosesten Werkzeuge des zweiten Dezember; und so erfüllt sich hier, bis die Großen an die Reihe kommen, einstweilen an den Kleinen das Göthe'sche Wort: Jeder dieser Lumpenhunde wird vom andern abgethan.Am Sonnabend wurde der Preußische Landtag vom König geschlossen. Ueber die Thronrede ist nur zu sagen, daß die üblichen Friedensversicherungen der üblichen Wärme ermangeln, daß der ganze Ton ein sehr kleinlauter ist, und daß " vor Frankreich erklären zur Genüge diese Schweigsamkeit. Man sagt, die französische Regierung habe gedroht, jede großBische Agenten genährt. An sich wäre das sehr wohl möglich. fehlt, und sogar des Zollparlaments mit feiner Eilbe gedacht Rußland hat wiederholt mit der Revolution gespielt, wo sein Interesse es gebot, und auch der neupreußischen Politik ist nach wird. Die Wahlen in Süddeutschland und die Besorgnisse den Erfahrungen der lezten Jahre Aehnliches zuzutrauen; aber wie die Dinge jezt stehen, wäre eine Revolution in Frank preußische Demonstration in Berlin mit einer französischen Des reich aller Berechnung nach nicht nur nicht vortheilhaft, monstration in Luxemburg zu beantworten. Gewiß ist, daß sondern geradezu verderblich für Preußen und Rußland. Mittlerweile führt die französische Regierung mit größter Gile die Armeeorganisation durch und hat die Gardeurlauber ein berufen. Curiositätshalber erwähnen wir, daß der Better des Kaisers, Prinz Plonplon, eine Reise durch Deutschland unternommen, und dadurch sämmtliche deutschen Bier- und Weinuns den Kopf nicht darüber zerbrechen, welche Mission" der hauspolitiker in fabelhafte Aufregung versezt hat. Wir wollen fettbildnerische Napoleonide hat; jedenfalls wird er fest aufdie französischen Agenten in Luxemburg eifrigst wühlen, und daß die mächtige, durch Preußen von Deutschland losgerissene Grenzfeste jeden Augenblick von den Franzosen in Besiz genommen und binnen 8 Tagen vollständig armirt werden kann, da man Preußischerseits bei der Räumung die Rücksicht auf Frankreich so weit getrieben hat, die Hauptfestungswerte ganz unberührt zu lassen! Mit dem zabmen Charakter der preußischen Thronrede treten, denn er wiegt gut zwei und einen halben Zollzentner. hängt zusammen, daß die offiziöse preußische Presse mit einem Beiläufig ein hübscher Contrast: die Reise eines pringlichen Fallstaff erfüllt Europa mit Angst und Hoffnungen, während drüben in Amerika die Capriolen cines zum Hochverrath ge neigten Staatsoberhaupte nicht mehr Aufsehen machen, als die mal auffallend freundlich gegen das, gestern noch so bitter geschmähte Desterreich thut. Der soeben beendigten Landtagssession, welche dem preußiSprünge eines wildgewordenen Stiers. Troßdem sind Repu- schen Volk 100 Millionen Thaler über das bisherige Budget bliken Heerde der Unordnung", und blüht die wahre Drd" nung" nebst Stabilität" nur in Monarchien. hinaus kostet, widmete der hannover'sche Abgeordnete Windhorst in der legten Sigung den chararakteristischen Nachruf: Nicht welche die merikanische Expedition mitgemacht haben, auch für Heimath über die Leistungen der ablaufenden Session geben Napoleon hat Medaillen für alle Diejenigen prägen lassen, ohne Sorgen denke ich daran, welche Auskunft ich in der die österreichischen Legionäre. Daß man die eigne Schmach foll. Wir haben immer nur Geld bewilligt, aber für die or zu verewigen sucht, hat wenigstens das Verdienst der Neuheit. ganische Gesezgebung, für den Ausbau des Rechtsstaats haben wir nichts gethan." Wie kann der Mann auch in Berlin an den Rechtsstaat" denken! " Um doch gegen Jemand tapfer zu sein, hat die preußische Regierung das Vermögen des Königs von Hannover mit Beschlag gelegt. Schade bloß, daß sie ihm schon vorher so viel ausgeliefert hatte, daß er bequem hundert hannoversche Legionen" unterhalten kann. Der Lufthieb verräth bloß die Der Lufthieb verräth bloß die Furcht. Unter dem Titel: die Todtengräber des kurhes sischen Landesrechts) ist dieser Tage eine Broschüre erschienen, welche auf die Preußische Politik und das Treiben der Nationalliberalen grelle Schlaglichter wirft, und aktenmäßig entwickelt, durch welche schimpflichen Mittel die Annerion Kurheffens mit Hülfe der Dettker's und Consorten vorbereitet und durchgeführt wurde. Nach Durchlefung dieser Schrift können wir uns nicht mehr wundern, daß in Kurhessen ,, aufrührerische" Proflamationen zirkuliren, und ein Krieg zwischen Frankreich und Preußen mit Sehnsucht erwartet wird. Die„ preußischen Patrioten" sind da selbstverständlich mit Landesver rath" bei der Hand; aber wer in Schleswig- Holstein das Wort: Lieber Dänisch als Preußisch, und in Ostpreußen das andere: Lieber Russisch als Preußisch, auf dem Gewissen hat, der darf sich nicht patriotisch an die Brust schlagen, wenn wirklich in Kurhessen das Wort ertönte: Lieber Fran zösisch als Preußisch. So weit ist es indeß hier noch nicht gekommen. Den Preußen ein zweites Jena wünschen, und Französisch sein wollen, das ist zweierlei. Dem ersten Preußischen Jena folgte das Deutsche Leipzig; auch dem zweiten würde es unfehlbar folgen, wenn Rapoleon toll genug wäre, auf Eroberungen in Deutschland auszugehen. " 74 können, und daß unsre tausendjährige Geschichte durch den schärfsten preußischen Säbel nicht auszuradiren ist. " Der Zusammentritt des 3011 parlaments scheint ver tagt; es heißt sogar, der Reichstag solle vorher einberufen werden. Unter den Vorlagen für das Zollparlament befindet sich die Tabakssteuer. Mehr Steuern! Die Soldaten find zwar, productiv", kosten aber dennoch..heidenmäßig viel Geld." Wie sich nach den Ergebnissen der bairischen und badischen Wahlen erwarten ließ, hat sich nachträglich die gesammte De mokratie Würtembergs, mit verschwindenden Ausnahmen, zur Wahlbetheiligung entschlossen. Dasselbe gilt von Rhein hessen, und hier wie dort ist die Niederlage der nationallibe ralen Partei sicher. Wieder ein Reliquie weniger. König Ludwig I. von Bay ern, bekannt durch schlechte Verse und gute teutsche Gesinnung ( mit t) sowie auch durch seine Abenteuer mit Lola Monte ist vorige Woche in Nizza gestorben. In Desterreich will noch immer fein Stillstand eintre ten; die Umgestaltung des Staats geht in der methodischsten Weise vor sich, und die Gothaer Biedermänner find in Ver zweiflung, daß sie im Verdummungsstaat" feinen Verstoß ges gen den parlamentarischen Katechismus entdecken können. Dem Kriegsminister ist sein Budget um 3 Millionen beschnitten worden, was ihn jedoch nicht hinderte, die gräuliche Keberet auszusprechen, eine anderthalbjährige Dienstzeit ge nüge zur Ausbildung des Soldaten. Was das Conkordat an belangt, so glauben selbst die sanguinischsten Schwarzröcke mehr an dessen Erhaltung und fangen an, ihre Augen hof nungsvoll auf Preußen zu richten, den Staat des Pro testantismus und des deutschen Berufs", der den Römlingen jetzt so freundliche Blicke zuwirft. Nichte kann den Umschwung in Desterreich und die neueſte Aera in Preußen besser charakte risiren. nicht in Mazzini hat ein neues Revolutionsmanifest erlassen, dem er die Republf als die einzige Rettung Italiens hin stellt. Es beginnt:„ Das alte Europa stirbt ab! Auf, wacht! Hört ihr nicht jenes dumpfe Geräusch, wie man es in einem vom Sturm zerschmetterten Schiff hört und das den dieses Erdbeben, dieses Brausen, diese geheimnisvolle Strömung unmittelbaren Untergang ankündigt? Und vernehmt ihr nicht welche wie die Brise das Meer und wie der Windhauch di Gipfel des Waldes zwischen der Morgendämmerung und dem Sonnenaufgang in Bewegung ſegt? Das ist das junge Gu ropa, das sich erhebt, das ist die Geburt einer neuen Zeitepode Erhebt euch und schreitet vorwärts! Die Stunde der Frei Wir erwähnten neulich der Resultate der jüngsten Norddeutschen Volkszählung, die ein vermindertes Wachsthum der Bevölkerung als naturgemäße Folge der Bismarck'schen Politik ergiebt. In einigen Ländern, z. B. Altenburg, Reuß Greiz und Waldeck hat die Einwohnerzahl sogar positiv abgenom men. Ein Seitenstück zu dieser verdammenden Thatsache bildet die soeben veröffentlichte Statistik der Auswanderung über Bremen. Darnach haben im vorigen Jahre nicht weniger als 73,971 Personen ihr Vaterland verlassen, von denen auf das nichtösterreichische Deutschland 44,621, auf Breußen allein 24,286 fommen. Nimmt man dazu die vielen Tausende, die über Hamburg aus Schleswig- Holstein, Mecklenburg und Bom mern ausgewandert sind, sowie die Auswanderung über außer deutsche Häfen, so folgt daraus auf das Schlagendste, daß das deutsche Volk an den glorreichen Errungenschaften" des Jah res 1866 ungefähr ebenso viel Gefallen hat wie an der Reac tion im Anfang der 50er Jahre. Im Jahre 1848 wanderten über Bremen 29,947 Bersonen aus, 1849-28,629; dage nen, Belagerungszustand, Ministerkrise. Einer der neuen In Spanien Brodkrawalle, Fütterung mit blauen Bob gen 1852 58,551, 1853 58,111; 1854 In den Jahren 1861 und 1862 sank die Auswanderung auf haften Königin; wenn er zwei tausend Jahre früher 76,875. nister heißt Catalina, und ist ein specieller Freund der tugend 16,540 und 15,187 Seelen; 1865, als das Bismarck'sche Sy- hätte, würde man von„, Catalinarischen Existenzen sprechen, stem Zeit gehabt hatte, sich einzuwurzeln, stieg fie auf 44,665; 1866 auf 61,877, um sich im vergangenen Jahr auf 73,971 zu steigern. Man sieht, die Auswanderung ist ein treuer Barometer der politischen Zustände und sie stellt die preußischen Siege in Böhmen unerbittlich auf gleiche Stufe mit den preußischen Siegen in Dresden und Baden. Jene vernichteten die deutsche Freiheits- und Einheitsbewegung; diese vernichteten heit hat geschlagen. statt von Catilinarischen. Mi gelebt Die Türkei trifft ihre Maßregeln für den fommenden Sturm. Omer Pascha, ihr tüchtigster General, wird mit Truppen an die Donau geschickt. Der Amerikanische ,, Verfassungskonflikt"( so haben d dit Jene vernichteten deutschen Kannegießer das widerspenstige Gebahren John Deutschland. Ein Glüd nur, daß Bölfer wieder auferstehen publik nicht das Mindeste zu schaffen hat und dieselbe nach fe *) Die Todtengräber des furhessischen Landesrechts, ein Beitrag zur Zeitgeschichte, insbesondere zur Charakteristik des ,, nationalliberalen" Gothaerthums. Verlag von Eduard Kummer in Leipzig. son's getauft, obgleich es mit der Verfassung der großen Re ner Seite hin gefährdet) eilt seinem Abschlusse zu. Der Senat ist dem Repräsentantenhause beigetreten, und Johnson wind nun, wenn der Gesetzesverlegung schuldig befunden, in aller Ruhe beseitigt und unschädlich gemacht werden, ohne daß ein Hahn darnach fräht. Auch General Sherman, an den er fi in seiner Noth als letzten Strohhalm anflammern wollte, hat ihm den Rücken gewandt. Amerikanische Generäle sind Bürger, die das Gesez achten, aber nicht ihre Ehre darin suchen, die Vertheidiger des Gesezes niederzuschießen. Meriko erfreut sich der beneidenswerthesten Ruhe- zum großen Aerger der monarchistischen Soldschreiber, die nach dem Fall Maximilian's dem Lande die gräulichste Anarchie prophes zeiten. Dieselbigen Herren haben jetzt die schwierige Aufgabe, das vollkommene Scheitern des Kreuzzugs der kaiserlichen Brasilianer gegen das republikanische Paraguay hinwegzulügen. Es scheint fast, als habe die letzte Stunde der letzten Monarchie in Amerika geschlagen. 75 Ein befreundeter Arbeiter schreibt uns: ,, Gestatten Sie mir, der ich mit Aufmerksamkeit den Gang der social- politischen Bewegung in Deutschland verfolgt habe, ein Urtheil über das Treiben des Herren von Schweizer, wie er sich seit Jahren im ,, Social Demofrat", Organ des Allgemeinen Deutschen Arbeiter Vereins, und neuerdings in der Wiener Arbeiterbewegung gezeigt hat. Beamtenstaat Preußen. Der Norddeutsche Bund wurde als ein scheinconstitutionelles Flickwerk bezeichnet und gegen die er= drückende Militairlast mit einer Schärfe aufgetreten, daß man nicht glaubte, den sonst in diesen Dingen so zahmen und loyalen Herrn von Schweißer, sondern einen Führer der so viel von ihm verleumdeten ,, Volkspartei" zu hören. Um der Ko= mödie die Krone aufzusetzen, wurde gleichzeitig ein geheimnißvoller Aufruf veröffentlicht, in dem er seine Anhänger zu außerordentlicher Steuerzahlung ,,, weil Wichtiges auf dem Spiele stehe", aufforderte. Mitten in dieses Treiben fuhr wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel die Nachricht von der Niederlage seines getreuen Sancho Pansa, des Herrn von Hofstetten, in Wien, und siehe da, die Physiognomie des Blattes war mit einem Mal wie umgewandelt. An Stelle der in den letzten Wochen berserkerartig auftretenden Oppositionswuth trat plößlich wieder der alte, zahme, der preußischen Regierung so ange nehme Ton. " Und was sollte diese ganze Komödie bedeuten? Nach meiner Auffassung wollte Herr von Schweißer, troß allen Ableugnens, mit dem Sozial- Demokrat" von Berlin nach Wien Ich will hier nicht von den Ursachen reden, welche den Rück übersiedeln. Um aber bei den Wiener Arbeitern den Verdacht, fritt der bewährtesten Socialdemokraten von dem Schweißzer'schen ein Werkzeug des Herrn von Bismard zu sein, abzuwälzen, Blatt zur Folge hatten. Nach dem Rücktritt jener Männer mußte der, Social- Demokrat" durch seine heftige Opposition erst im Jahre 65 wurde die politische Haltung des„ Social Demo- unterdrückt werden. Dann bekam Herr von Schweizee eine trar gegenüber der preußischen Regierung mit einigen kleinen wärtyrerkrone und er konnte, den Staub von seinen Füßen oppofitionellen Intermezzos eine immer freundlichere, bis das schüttelnd, Berlin verlassen und in dem„ freien" Desterreich Jahr 1866 mit seinen Siegen der bismarck'schen Politik kam, seine Rolle, vielleicht mit mehr Nußen und Gewinn für seine und nun scheute sich der„ Social- Demokrat" nicht, offen mit Gönner und sich selbst, weiter spielen. Sad und Back gleich so und so vielen Zeitungen der liberalen Terrain vorzubereiten, wurde Herr von Bourgeoisie in das Lager des Herrn von Bismarck überzulau- schickt, allein sein klägliches Fiasko warf alle Pläne über den fen. Die Loblieder, die damals der„ Social- Demokrat" über die Haufen. Herr von Schweißer fand es für gerathen schnell errungene sogenannte Einheit Deutschlands anstimmte, stellen umzukehren, die heftige Opposition gegen die preußische Regiesich den Ergüssen gut national- liberaler Blätter würdig an rung aufzugeben und versucht nun in spaltenlangen Artikeln seinen Freund und Spießgesellen Herrn von Hofstetten zu desavouiren und die Wiener Arbeiter als von den Bourgeois und die Seite. Durch Einheit zur Freiheit" wurde als Parole für den Um in Wien das Hofstetten hingedieselben Verein ausgegeben, die„ Volkspartei" als Gegnerin des nord, Wiener Zeitungs- Redaktionen verführt hinzustellendeutschen Bundes auf das Heftigste bekämpft, des Partikularis. Wiener Arbeiter deren Selbstständigkeit und unabhängiges mus und der österreichischen Gesinnung geziehen und ihre Auftreten er noch vor ganz kurzer Zeit mit Recht rühmend Führer als österreichische Emmissäre denunzirt. hervorgehoben hat. Die Begeisterung für den norddeutschen Bund ging so Wenn es noch eines Beweises bedurfte, um das zweideuweit, daß Herr von Schweizer im legten Reichstag offen tige Treiben des Herrn von Schweizer an den Tag zu bringen, für das neue Militairgesez eintrat und sich bei jeder so ist der Beweis in diesen Vorgängen erbracht; vielleicht dämGelegenheit mit Vorliebe in seinen Reden an die conserva mert hiernach auch manchem seiner bisherigen Anhänger ein tive Partei wandte, auch durch verschiedene Anträge, an- Lichtlein auf." geblich im Interesse der Arbeiter, Herrn von Bismard einen Einfluß auf die sociale Bewegung in die Hände zu spielen fuchte. Da tauchte die Arbeiterbewegung in Desterreich auf in taum geahnter Macht. Herr von Schweißer, dem man eine gewisse agitatorische Schlauheit nicht streitig machen kann, beAm 22. Februar feierte der hiesige Arbeiter Bil dung sverein sein 7. Stiftungsfest, das ein erfreuliches Bild von dem wadern Vorwärtsstreben des Vereins ablegte. Unter den 8-900 Anwesenden befanden sich auch viele Vortragende und Lehrer des Vereins, die Borſteher des StadtverMusikstücke der Hillerschen Capelle eröffneten die Feier, worauf das Vereinsmitglied Herr Kühner einen von ihm selbst gedichteten Prolog schwungvoll vortrug. Ein Lied, exekutirt durch merkte das natürlich auch und flugs war er bei der Hand, ordneten- Collegiums und andere geladene Ehrengäste. Einige durch eifrige Registrirung der dortigen Borgänge, Aufrufe und demonstrative Kundgebungen die Wiener Arbeiter für sich zu gewinnen. Er mochte auch, als die Bewegung in Wien und Desterreich unter den Arbeitern immer größere Dimensionen die Sänger des Vereins unter Leitung ihres tüchtigen Diriannahm, Lust bekommen dort selbst seine Hütten aufzubauen. genten Herrn Greiff folgte, dann ergriff der Vorsitzende Herr Anders wenigstens kann ich es mir nicht erklären, daß er plög. Bebel das Wort, um an den gedruckt vorliegenden Jahresbericht lich vor 4 Wochen, nachdem zuvor ein andrer Redakteur als Strohmann vorgeschoben war, im„ Social- Demokrat" gegen zunächst im Namen des Vereins den Vortragenden und Lehrern Breußen und alles was preußisch ist, den norddeutschen Bund und die sogenannte Einheit Deutschlands in der entschiedensten wendete fich dann gegen mancherlei Angriffe, die der Verein im Beise zu Felde zog. Eine Reihe von Confiscationen folgten. verflossenen Jahre erfahren. Man habe öffentlich behauptet, Diese aber schienen nur die Oppositionswuth zu verstärken, der Verein treibe hauptsächlich politische Agitation und verimmer heftiger wurde die Sprache gegen den Polizei und nachlässige die Bildungsbestrebungen, das sei ein ungerechter des Vereins einige Bemerkungen zu knüpfen. Redner dankte sowie den städtischen Behörden, die den Verein unterstützt, und Vorwurf, wie der Bericht beweise. Man treibe allerdings Po= Titik aber nicht mehr wie nöthig; würde er das nicht thun, dann erfüllte der Verein seine Zwecke nur unvollständig. In einer Zeit, wo der Staat unausgefeßt neue Anforderungen, vor allem an die arbeitenden Klassen stelle, sei es Pflicht, dieselben über Wesen und Zweck des Staats und der staatlichen Institutionen aufzuklären. Sehr unangenehm sei es daher auch empfunden worden, als vor einigen Monaten die Herren Stadtverordneten bei der Berathung der Unterstüßung des Vereins aus städtischen Mitteln ein ähnliches Urtheil gefällt hätten, wozu sie um so weniger in der Lage gewesen wären, da seit 2 Jahren keiner der Herren, mit Ausnahme des dem Vereine freundlichen Herrn Kaufmann Güttner die Schwelle des Vereinslokales überschritten habe. Man habe also sein Urtheil auf die Angriffe einer feindlich gesinnten Presse und die Aeußerungen einzelner dem Verein nicht wohlwollenden Persönlichkeiten hin gefällt. Auffallend sei ein solches Urtheil auch in so fern, als angesehene Mitglieder des Collegiums vor Jahren den Verein zu politischer Thätigkeit veranlaßt haben; man müßte also daraus schließen, es sei nicht die politische Thätigkeit an und für sich, sondern vielmehr die Richtung dieser Thätigkeit, die Anstoß nach jener Seite hin gebe. Der Verein werde sich indeß durch solche Maßregelungen nicht dem für richtig erkannten Wege abbringen lassen, sondern unausgesetzt sein Ziel verfolgen, Nach dem Vortrag eines zweiten Liedes betrat Herr Schriftsteller Schweichel als Festredner die Tribüne. Er gab ein geist volles, klar und scharf durchdachtes Bild der Stellung, welche Arbeit und Arbeiter im Lauf der Geschichte eingenommen ha ben. Die Arbeit allein sei die Trägerin aller Kultur und dem nach müsse auch die Stellung des Kopf wie des Handarbeiters, die heute von der Bourgeoisie ausgebeutet werden, in Staat und Gesellschaft eine andere, auf voller Gleichberechtigung beruhende werden. Wie das Bürgerthum im Mittelalter durch seine höhere Bildung nach und nach den Adel verdrängt, so werde auch dieses, das seine Blüthezeit hinter sich habe und schon jetzt entseglich arm an neuen fruchtbringenden Ideen sei, durch die Arbeiterklasse bei Seite geschoben werden. Dieser mit großem Beifall aufgenommenen Rede folgte der Schluß gesang, worauf alsdann der Ball begann, der bis Morgens 5 Uhr währte. Eine zum Besten der Königsberger Arbeiter veranstaltete Sammlung ergab einen Ertrag von 24 Thaler 11 Neugroschen. von Der hiesige Arbeiterbildungsverein hat folgenden, durch mehrere Unterstüßungsgesuche aus Ostpreußen veranlaß ten Beschluß gefaßt:" In Anbetracht der von Tag zu Tag wachsenden Noth in unsrer nächsten Nähe müssen wir uns zu unserm tiefsten Bedauern außer Stande erklären, ferner weit für unsere hungernden und nothleidenden Brüder in Ost preußen Sammlungen zu veranstalten. Wir erwarten vielmehr, daß die Regierung ihres Staates, die vor zwei Jahren muthwillig und um der Eroberungsluft zu fröhnen einen deut schen Bruderkrieg hervorrief, als dessen Folge zu einem guten Theil die jeßige allgemeine Krisis zu betrachten ist, sich beque men wird, den aus den Contributionen der besiegten Staaten reich gefüllten Staateschaß zu öffnen, um die Provinz von dem drohenden Verderben zu erretten. Wir erwarten dies um so mehr, als die Bewilligungen der Landesvertretung( 12 Millionen für die dotirten Generale und Minister, 24 Millionen für die nichts weniger als nothleidenden Depoffedirten, 1 Million für die Erhöhung der Civilliste des Königs und die Hunderttausende für Aufbesserung der Gehalte der schon früher gut bezahlten Minister und hohen Beamten, 76 ganz abgesehen von dem ungeheuren den Volkswohlstand ruis nirenden Militärbudget) beweisen, daß auch heute noch das geflügelte Wort von dem„ heidenmäßig vielen Geld" im preu ßischen ßischen Staatesädel feine Phrase ist. Der Staat, der Jahrzehnte lang Gut und Blut seiner Bürger in reichlichem Maße beansprucht hat, muß ihnen in Verderben schwangerer Stunde auch ausreichende Hülfe leisten." Der Arbeiterbildungsverein hat ferner beschlossen, an die Regierung eine Petition zu richten, in der Staatshülfe für die Nothleidenden des Lands, namentlich des Erzgebirges ge fordert wird. Wir erwarten, daß alle Arbeiter und Volksver eine Sachsens in gleicher Richtung vorgehen werden. Endlich. In ihrer Nummer vom 1. März bringt die Berliner Zukunft", das Organ Jacoby's, unter der Ueberschrift: Die Nothwendigkeit der Organisation einer demokra tischen Partei, einen förmlichen Absagebrief an die„ Fort schrittepartei". Wir lassen die Hauptstellen folgen: " ..Der tief eingeriffenen Ziel und Willenlosigkeit unfere Volkes einen Damm entgegen zu stellen, ist, wenn wir anders einem Zustande völliger politischer Entartung vorbeugen wol len, nachgerade die allerhöchste Zeit, und die Pflicht, die Ar beit zu vollbringen, richtet ihr Gebot an die Bekenner der Demokratie und ermabnt dieselben zur Organisation einer nach einheitlichen Grundsäßen und Zielen wirksamen politischen Partei. Man sage nicht, die Fortschrittspartei repräsentire bereits die Demokratie und biete diejenige Parteiorganisation, die wir verlangen. Eine solche Behauptung können wir nicht anerkennen. Die Fortschritts partei war von Anfang an eine Compromißpartei, deren Programm und politische Wirksamkeit nicht nur den Compromiß zwischen den verschiedenen Abstufungen des Libe ralismus, sondern auch den Compromiß zwischen der Volks vertretung und der Regierung zur Grundlage hatte. Weder der Name noch das Programm, noch die politi schen Handlungen der Fortschrittspartei berech tigen dazu, dieselbe für eine Partei der Demo fratie auszugeben. Der Umstand, daß sich innerhalb der Fortschrittspartei vereinzelt auch Männer von zweifellos demokratischer Gesinnung befinden, macht deshalb diese Partei noch keineswegs zu einer demokratischen Partei. Im Gegentheil, die unklare, inconsequente und auf oratorische Energie eingeschränkte Hal tung, welche die Fortschrittspartei den Handlungen der Re gierung und den seit dem Indemnitätsvotum tatirenden, die demokratischen Interessen, sowie die positiven Verfassungsgrund lagen gleich sehr schädigenden parlamentarischen Beschlüſſen gegenüber eingenommen hat, macht es vielmehr der Demokras tie zu einer unabweislichen Pflicht, die Solidarität mit der Gesammthaltung der Fortschrittspartei ausdrücklich abzulehnen. Johann Jacoby hat, indem er am 30. Januar d. 3. vor seinen Berliner Wählern die Stellung der Demokratie in Preußen erörterte, dieser Pflicht in der ihm eigenthümlichen politisch- philosophischen Form genügt; bei diesem theoretischen Anfang darf die Demokratie jedoch nicht stehen bleiben; fie muß vielmehr den idealen Gehalt der Rede Jacoby's thatsäch lich zur Geltung zu bringen suchen, indem sie sich um ein bestimmtes Programm als politische Partei so bald als möglich organisirt. Möge sich die Demokratie hiervon nicht durch die irr thümliche Meinung abhalten lassen, daß diese abermalige Bar 77 teiumbildung der Regierungsgewalt zu gute kommen werde und daß es sich im Grunde doch eigentlich um Nichts als um einen Namenswechsel handle. Gegenüber der Fortschrittspartei, die im Kampfe um die Rechte des Landes als glanz bolle parlamentarische Majorität die ihr innewohnenden Macht mittel aussichtslos erschöpft hat und gegenüber der durch und durch antidemokratischen Partei des National Liberalismus, dessen Liberalismus neben dem über Nacht hervorgebrochenen nationalen Vertrauen zu Graf Bismarck und dessen Lehre von Blut und Eisen in das Reich der Träume verwiesen worden ist, wird die Bildung einer demokratischen Partei mit dem Grundsatz: Keinen Kompromiß mit einer Gewalt, die nicht der Ausdruck des Volkswillens ist eine logische und praktische Nothwendigkeit, die wahrhaftig mehr zu bedeuten hat, als einen bloßen Namensaustausch. Wir halten es im Interesse der Beherzigung unserer Mahnung nicht für ersprießlich, der Aufstellung eines positiven Programme, dessen eine bestimmte politische Partei unter allen Umständen bedarf, von dieser Stelle aus vorzugreifen. Wir find vielmehr der Meinung, daß die Formulirung eines solchen Programms das Resultat der Berathungen bewährter Männer aus allen Theilen des Landes sein müsse. Da indeß erfah rungsmäßig derartige Berathungen nur dann zu dem erwünsch ten Biele führen, wenn sie von solchen Mitgliedern gepflogen werden, denen außer dem inneren Beruf auch ein ausdrücklich dazu zu ertheilendes Mandat beiwohnt, so würden wir es für das Zweckmäßigste erachten, wenn sich diejenigen Männer, die sich zu den allgemeinen Anschauungen Jacoby's. dieses unerschütterlichen und über jeden Zweifel erhabenen Vorfämpfers der Demokratie, bekennen, allerorten vereinigten und aus ihrer Mitte die geeigneten Vertreter für einen die praktisch- politische Wirksamkeit der preußischen Demokratie erörternden und feststellenden Gongreß erwähl ten. nicht in Preußen der Großmachtskizel von allen politischen Parteien, die Fortschrittspartei mit eingeschlossen, systematisch gepflegt worden wäre. Ten Preußischen Parti fula rismus und Militarismus, diese beiden Haupthindernisse unsrer nationalen und freiheitlichen Entwicklung zu beseitigen, den Norden Deutschlands mit dem Süden auszusöhnen, das ist die glorreiche Aufgabe der Demokraten Preußens. Die Wiederherstellung Polens. VI. Es wurde bereits erwähnt, daß Peter der Große Preußen in seinem Testamente nicht berücksichtigt hat. Peter der Große starb 1726 und erst 25 Jahre später wurde Preußen durch die gewaltthätige Annexion Schlesiens eine europäische Militärmacht. Wäre das als letzter Wille Peters bekannte Actenstück das Fabrikat einer spätern Zeit, so würde der Verfasser unzweifelhaft auch einen auf Preußen bezüglichen Paragraphen geschmiedet haben. Der Umstand, daß Preußen mit Stillschweigen übergangen ist, spricht also für die Aechtheit des Dokuments, abgesehen davon, daß der Chevalier d'Eon, welcher dasselbe nach Paris brachte, als Gesandter in Petersburg in den genauesten Beziehungen zu den damaligen Ministern Rußlands stand, also wohl auf die eine oder andere Weise in den Besitz des wichtigen Actenstückes gelangen konnte. Auch waren beiläufig sowohl Ludwig XV., wie Wilhelm III. von England von dessen Aechtheit so vollkommen überzeugt, daß sie bis an ihren Tod Rußland in Schach hielten, Konnte also in dem Testament Peters des Großen von Preußen nicht die Rede sein, so wurde doch im Jahre 1859 die Welt darüber belehrt, daß die russische Politik mit Preußen, obgleich es seine Machtstellung lediglich Rußland verdankt, feine Ausnahme zu machen gesonnen sei. In dem erwähnten Jahre erschien nämlich das von 1837 datirte Memoire des russischen Cabinets, welches zur Unterrichtung für den gegenwärtigen Kaiser entworfen worden war. Wir lassen es dahin gestellt sein, ob dieses Memoire, wie damals behauptet wurde, von einer gefallenen Größe des preußischen Reaktionsministe riums der Deffentlichkeit übergeben wurde, um sich für die von Petersburg empfangenen Fußtritte zu rächen, von denen in den Tagebüchern Varnhagen's von Ense manches Ergözliche zu lesen ist. Die auf Preußen bezügliche Stelle des Memoires lautet in der Ueberfeßung: So wenig wir die Eristenz eines unabhängigen Bolens gestatten fonnten, so wenig dürfen wir an der östlichen Grenze Deutschlands die Möge zu diesem Zweck jede vorzeitige und unberechtigte Spaltung unter den Anhängern der Demokratie vermieden werden; möge namentlich die irrthümliche Auffassung, als bestehe zwischen der sogenannten sozialen und der allgemeinen politischen Demokratie irgend ein feindlicher Gegensaß, der flaren Ueberzeugung weichen, daß, bevor nicht der elementare Kampf zwischen der Volks und der fürstlichen Gewalt zum Austrag gebracht ist, jedwede Zersplitterung der Volkskraft den Geburtstag des demokratischen Staates in immer weitere Ferne hinausrückt; möge sich Jedermann, der von seinem absoluten Recht an der Gestaltung des Staatslebens durchdrungen ist, darüber klar werden, daß, ehe er seiner individuellen Ueberzeugung Geltung zu verschaffen vermag, zuvor das Volk als Gesammttheil zu seinem Recht als geltender Staatswille gelangen muß; möge endlich die Demokratie dessen eingedenk sein, Eindringen in jenes Land auch nur so lange aufzuhalten, daß sie allein den Beruf und die Fähigkeit besitzt, dem Bolke seinen, durch eigenes Verschulden und durch das Ges schick und Glück der Gegner beinahe verloren gegangenen Glauben an sich selbst wiederzugeben, und daß das Mittel hierzu in einem einheitlichen Zusammmenschluß und in einem vom demokratischen Prinzip vorgezeichneten gemeinfamen Handeln besteht." Bildung einer Macht dulden, welche im Stande wäre, unser als die andern Staaten Zeit brauchen, sich zu rüsten. Für uns wäre eine Theilung Preußens um so nothwendiger, als wir es mit unseren Absichten auf Polen in Opposition finden möchten. Trotz des Genies feines Regenten( Friedrich II.) würden wir Preußen damals zermalmt und unschädlich gemacht haben, wenn die Kaiserin Elisabeth nur noch zwölf Monate länger gelebt hätte. Aber Peter von Holstein war blind für die Größe unserer nationalen Bolitik; er schloß einen Friedensvertrag und ein Defensivbündniß mit dem preußischen Könige. Er hat gebüßt für seinen Frevel an dem Genius unseres Landes, gleich Aleris dem Sohn des großen Peter.( Dieser wurde von seinem Vater hingerichtet, Jener auf Anstiften seiner Gemahlin Katharina II. ermordet). Unglücklicherweise Somit wäre endlich der Rubikon überschritten. Mislingen kann das Werk nicht, denn in zweifacher Hinsicht ist die Organisation der Demokratie in Preußen eine politische Nothwendigkeit. Zunächst für Preußen selbst, das nur durch Er weckung des Freiheitsgeists und Rechtsgefühle im Volfe vor dem alles Edle erdrückenden Militarismus gerettet werden fann. Und dann für das Gesammtvaterland. Die Zerreißung bestand der preußische Staat während der Regierung KathaDeutschlands wäre dem Grafen Bismard nicht gelungen, wenn rina's II. fort. Aber nichts bewies so sehr die unwiderstehliche Macht unserer Diplomatie und Stellung, als die Thatsache, daß Friedrich II., sonst ein so fluger Politifer, stets unserer Politik dienstbar blieb, selbst wenn die Zukunft seiner Staaten das Gegentheil gefordert haben würde. Friedrich hatte durch die Erfahrung gelernt, wie leicht es war, russische Heere weit in das Land hineinzuwerfen. Um diesem Nachtheil abzuhelfen, ging er auf die Theilung Polens ein; aber dadurch geaber dadurch gewährte er uns eine gewisse Entschädigung für unser Mißgeschick, daß wir sein eigenes Land nicht getheilt hatten." Das ist nur zu wahr! Die Geschichte aber liefert nicht nur den Beweis, daß das Memoire in der That den Grundgedanken der russischen Politik gegen Preußen ausspricht und somit nur die durch die Zeit nothwendig gewordene Ergänzung des Testaments Peters des Großen enthält sondern sie zeigt auch, daß Preußen selbst unablässig dieser Politik seit der ersten Theilung Bolens in die Hände gearbeitet hat. Es ist bekannt, wie in jener chaotischen Periode, welche man die Völkerwanderung zu nennen pflegt, slavische Stämme bis an die Elbe vordrangen. Aus der Eroberung und Germanisirung dieser slavischen Länderstrecken buck sich allmälig der preußische Staat zusammen. Aber nicht nur die Kirche hat einen guten Magen, und als es nach der letzten Theilung Bolens kein slavisches Land mehr zu verschlingen gab, wandte sich Preußens Appetit, der bekanntlich im Essen wächst, von Osten nach Westen, und es begann jene von Friedrich II. eingeleitete Eroberungspolitik in Deutschland, welche von der Gedankenlosigkeit als Preußens deutsche Mission" ausposaunt wird. Den Widerstand zu überwinden, auf welchen diese Vergrößerungspolitik hauptsächlich bei Desterreich und Frankreich stieß, wäre das kleine Preußen allein, troß der Ueber legenheit seiner eisernen Ladstöcke und seiner„ Intelligenz" viel zu schwach gewesen. Es bedurfte also eines Bundesgenossen und diesen fand es in Rußland.. 78 um ju reich verständigt, und sie nahmen die ganze Entschädigung it frage in ihre Hände. Von Preußen war nicht eher wieder die Rede, als bis es Rußlands Vortheil erheischte, Preußen aber mals gegen Frankreich in den Krieg zu hezzen. Bei dem fan Sarge Friedrichs des Großen in der Garnisonskirche zu Pots be dam schwuren sich Friedrich Wilhelm III. und der Kaiser Alexander eine ewige Freundschaft. Was diese ewige Freund bo schaft" Rußlands werth war, zeigte der Tilsiter Frieden, einig be Monate uach Preußens furchtbarer Niederlage bei Jena E Th Rußland, dessen Grenzen durch den Krieg noch gar nicht be rührt worden waren, suchte den Frieden und gab seinen t Bundesgenossen rücksichtslos der Rache Napoleons Preis. Breuden Ben mußte an seinen ewigen Freund" die polnische Provin 1 Bialystock( 206 Meilen) abtreten; den Rest seiner polnischen Befizungen sammt dem cottbuser Kreise erhielt der König vo Sachsen. Zwei Jahre später( 1809) als Desterreich gege Frankreich die Waffen erhob, da war es wiederum Rußland, in der Scheide zu behalten, und Desterreich seinem Schicksale welches Breußen trotz seiner Kriegsbegierde zwang, das Schwert zu überlassen. Als dann 1813 das preußische Bolt sich gegen Napoleon erhob, machte Kaiser Alexander den Bersuch. Ostpreußen in die Tasche zu stecken. Aber die ostpreußischen Landstände tra ten aus eigener Machtvollkommenheit gegen dieses Gelüsten Do ja ga fei et di ita fo ni energisch auf, daß Rußland die Hände zurückzog. Aufgeschoben ist freilich nicht aufgehoben. Der Wiener Congreß gab die Rheinlande und Westpfalen sammt der Hälfte des Königreich Sachsen an Preußen, und dafür nahm Rußland mit Ausnahme der beiden Provinzen Bromberg und Posen alles in Befi was bei der ehemaligen Theilung Polens an Preußen gefalle für Preußen zum Gott erhöht, zu dessen Tempel in dem he war. Kraft der heiligen Allianz aber ward der russische Gat ligen Petersburg preußische Prinzen und Staatsmänner, na na mentlich seit der Revolution von 1848, wallfahrten, um fid Raths zu erholen. Db Rußland seine Genehmigung zu Desterreich plößlich zu Leibe wollte, und zwar mit einem Det Hatte schon der Einzug eines russischen Heeres in Königs- Donquixoterie ertheilte, mit der Manteuffel im Jahre 1850 berg zur Zeit des siebenjährigen Krieges Preußen belehrt, wo seine Achillesferse lag, so wurde diese verwundbarste Stelle durch die Zerstückelung Polens gänzlich bloßgelegt. 3wang Sa bel ohne Klinge, welchem der Griff fehlte, d. h. mit einer von aber schon die Schußlosigkeit seiner Ostgrenze Preußen zur Braunschweig auf die Schlachtbank von Jena lieferte, das wü größten Rücksichtnahme auf Rußland, so band es sich diesem gegenüber vollends die Hände, indem es eine Deutschland feindliche Politik einschlug. Von dem Augenblicke an finden wir Preußen in allen europäischen Wirren auf russischer Seite, und Rußland ist es, welches in Berlin die Politik diktirt. Nicht nur Friedrich der Große, sondern alle seine Nachfolger gt the Fe Tem P DE Tex fic Bu To 10 ebenso unschlagfertigen Armee, wie sie 1806 der Herzog ten wir nicht zu sagen. Gewiß ist nur, daß die Demüthigung de welche Preußen zu Olmüß erfuhr, wiederum Rußland Statten fam. Denn es folgte nun der Congreß- in Warscha auf welchem die aus dem Monde geholten Erbansprüche lands auf die Herzogthümer Schleswig- Holstein von Mächten feierlichst anerkannt wurden. Nun weht zwar Ruf Dell trop dr € le bis auf diese Stunde find in Folge ihres Strebens, sich auf dem heute das schwarz- weiße Banner in den Herzogthümern; Kosten Deutschlands zu vergrößern, der Politik Rußlands allein nicht Preußen, sondern Rußland ist der Bannerhet lo selbst da dienstbar geblieben, wo die Zukunft ihrer eigenen Staaten das Gegentheil erheischt hätte. Friedrich II. erkannte, von seiner Vergrößerungssucht verblendet, nicht, daß die Unabhängigkeit Preußens mit der Deutschlands stehe und falle. Er ließ sich daher im bairischen Erbfolgekriege auf die Seite der Gegner Desterreichs hinüberziehen. Als dann Rußland den Frieden zu Teschen diktirte, wurden zwar Preußens Ansprüche auf Ansbach und Bayreuth anerkannt, allein Rußland ward durch diesen Frieden thatsächlich zum Protektor Deutschlands. Rußland war es und diesmal im Einverständniß mit EngWeiße Sklaven. V. ( Im vorigen Herbste, also vor dem Einbruch des eigentlichen Aus dem Mülsen Grunde. Rothstands" geschrieben.) Der hiesige Arbeiter ist bescheiden in seinen Ansprüchen und Bedürfnissen, und noch nie hat er den Muth gehabt land, welches Friedrich Wilhelm II. zu dem ersten Feldzug seine Leiden der Deffentlichkeit anzuvertrauen. Das Loos der gegen das republikanische Frankreich heßte, der zu dem ewig schmachvollen Baseler Frieden( 1794) führte, in welchem Bände Arbeiter ist ein trauriges, so daß man ganze füllen könnte; die Mehrzal aber schlummert noch dahin, Damit bis Preußen das linke Rheinufer für die Erlaubniß abtrat, sich die übergroße alles überwuchernde Noth auch ihrem Schlafdiesseits durch die Mediatifirung deutscher Fürsten zu entschä digen. Aber schon 1801 hatte sich Rußland selbst mit Frankaber zu spät ein Ende machen wird. Der unterzeichnete Arbeiterverein erlaubt sich nun einem be he m fei m AL 3 ie 85 13 D₂ a. es 15 18 79 jeden achtbaren Manne einige Bilder von den allgemeinen betreffen kann, wenn die Vorschriften dieses Musters nicht geund in der That bestehenden hiesigen Zuständen vor Augen zu stellen, und ist derselbe stets bereit, die angegebenen Thatsachen durch Beisendung von Belegen der Wahrheit treu zu bestätigen, wenn solche Einsendung gewünscht wird. bon 76 brabanter Ellen Länge, und fertigt dieses bei ganz Der größte Theil übernimmt hier ein Stück Arbeit z. B. ge besonderm Fleiß in 8-9 Arbeitstagen und erhält dafür 1 Thlr. 15 Ngr., fage Einen Thaler fünfzehn Neugroschen. Da von muß er nun, da fortwährend 1 Mann nebenbei noch tüchtig zu thun hat,( bei gutem Material) mindestens 15 Ngr. dem Gehülfen abgeben. Der Arbeiter hat nun für sich noch 1 Thlr., davon muß er nun seine eigene, sowie seiner oft zahlreichen Familie Beköstigung bestreiten, ungerechnet der Ausgaben für andere Bedürfnisse, als Wohnung, Feuerung, Benleuchtung, Staats- und Gemeinde- Abgaben, Schulgeld und dergleichen mehr. Wir fragen nun einen Jeden: hat derselbe seine Birthschaft auch auf die ökonomischste Art eingerichtet, ob er bei solchem Berdienst durch tommen fann? 11 t e 0 1 e 3 1 I 1 4 Und doch sind nau befolgt werden; aber von Angabe eines Lohnes ist keine Rede. Giebt es noch einen Kaufmann, welcher den Lohn auf die Musterzettel seßt, so finden wir entweder, daß der Theil des Zettels, wo sich der Lohn aufgezeichnet befand, abgeschnitten ist, oder wenn sich das nicht thun läßt, so bekommt der Weber den Zettel vom Verleger gar nicht in die Hände; der Verleger also giebt dem Arbeiter für seine Waare, was ihm gut dünft. Niemand kann den Verlegern widerstehen, indem die Herren kein Geseß darüber haben, was sie auszuzahlen haben. Welche Ausbeutung!!! ( Schluß folgt.) Aus England. London, den 2. März. Lord Derby, der es sich vierzig Jahre lang zur besondern Aufgabe machte, das Rad der Zeit aufzuhalten und die dedie Mehrzahl der hiesigen Arbeiter dazu verurtheilt, es ist die mokratischen Tendenzen des neunzehnten Jahrhunderts zu bes nadte, traurige Wahrheit; wollte Gott, stattlichen Häusern und schönen Anlagen, so fann der Fremdling Ruhestand zurückgezogen. Die aristokratischen Parteihäupter der Ueberblickt man von der Ferne unsern Ort mit seinen mannschaft niedergelegt und sich, von der Gicht geplagt, in den nicht ahnen, daß neben diesem Wohlleben solch Elend Play greifen kann. Und noch wird den Aermsten der Armen der ferm Drte weniger Sonntags und Heine Berdienst durch den Dampf geraubt. Festtags sieht man den Dampf beiten, während ein armer gedrückter Weber einer harten Strafe verfällt, wenn es ein Gensdarm sieht, daß er sich, von der Roth gedrungen, nachdem er oft ganze Wochen nicht einen Pfennig hat verdienen fönnen, veranlaßt sieht, am Sonntag oder Feiertage einige Garne von der Sonne trocknen zu las sen. Freilich ist das Gefeß aber ist es gerecht? wenn auch gerade in unjedoch in benachbarten Ortschaften arneuern Zeit, Russel und Derby, sind somit vom politischen Schauplatz verschwunden, ihre Führerschaft ist zwei Plebejern, Gladstone und Disraeli, übertragen worden. Die Aristokratie war schon seit Jahren unfähig, die Geschicke des Staates zu lenfen. Die liberalen Whigs" hielten sich nur dadurch, daß sie beständig mit der industriellen Bourgeoisie liebäugelten und ihr von Zeit zu Zeit einige Konzeffionen machten als Dank dafür erlaubte ihnen das radikale Bürgerthum das Budget unter sich zu vertheilen, den Staatsschatz auszubeuten. Nicht wegen ihrer größern Fähigkeit, sondern weil das Volk die„ konservativen" Tories haßte, blieben die liberalen" Whigs so lange an der Regierung. Wie wenig sie das Bürgerthum achteten, geht daraus hervor, daß mit Ausnahme einiger unentbehrlichen Advokaten kein Bürgerlicher zu den höheren Staatsämtern zugelassen wurde, sie wurden stets mit betitelten Familiengrößen besetzt. Wie unfähig die Whigs waren, ihre Zeit zu Interessen verstehen, und das allgemein nothwendig Gewordene zur Staatspolitik zu erheben und durchzuführen, ist dadurch erwiesen, daß Gig in den oben erwähnten Brachthäusern haben; sie nennen Etwas ganz andere ist es mit denjenigen, welche ihren fich auch Weber, aber zu welcher Glaffe gehören sie? Das zu beantworten überlassen wir dem Urtheile der Leser, nachdem wir ihnen einige Bilder vor Augen gestellt haben. der Arbeiter bei dem Kaufmann zu vertreten haben, denn nur wenigen gewöhnlichen Meistern unsres Orts ist es vergönnt, die großen Männer, welche der Freihandelspolitik gefeßliche ihre Waare direkt an den Kaufmann abzuliefern. Es müßte Geltung verschafften ihr Ansehen und ihren Einfluß im Schooße doch gefeßlich sein, daß jeder Arbeiter, er mag haben: Zeitlohn, der Torypartei erwarben. Huskisson, Sir Robert Peel und = politischen Alliirten der liberalen Aristokratie, zum Landesgefeß. Stüdlohn oder Tagelohn, wenn derselbe seine Waare verfertigt Gladstone erhoben die Manchester Doftrin, die Doktrin der hat, auch wirklich wisse, was er verdient hat. Ist es doch bei jeder andern Profession auch der Fall; wenn die Arbeiter Stücks Selbst nachdem Sir Robert Peel die Hauptangriffe auf das lohn haben, wissen sie, was sie erhalten und zu verlangen ha- Schußzollwesen mit Erfolg durchgeführt und die Korngefeße ben. Aber wie sieht es mit dem gedrückten Weber aus, wels abgeschafft hatte, waren die Whigs unfähig, die weiteren Con cher im Schweiße seines Angesichtes fein trockenes Brod essen sequenzen zu ziehen, bis es Gladstone, der abtrünnige Torymuß? Der größte Theil unseres Ortes von Webern liefert minister, für rathsam hielt, Finanzminister der Wigs zu wer männer) welche dieselbe erst dem Kaufmann liefern, von dem sie der liberalen Aristokratie. auch das Material entnommen haben. Folglich sind die Verleger Bertreter der Arbeiter. Es ist selbstverständlich für den armen Arbeiter nur vortheilhaft, wenn er anstatt 3-4 Stun ent bt Der is den. Gladstone war sechszehn Jahre lang die politische Stüße Daß die konservative Aristokratie eben so wenig Fähigkeit besitzt wie die liberale bezweifelt Niemand. Was sie aber vor der liberalen Aristokratie auszeichnet, ist eine Art dienen, sie haben die Fähigkeiten derer, die geneigt waren, ihre den weit seine Waare zu liefern, dieselbe Ablieferung in einer natürlicher Instinkt der Selbsterhaltung. Seit fünfzig Jahren Shinde abmachen kann, und ein Jeder würde auch gern sein haben sich die aristokratischen Tories bescheiden dazu verstanShärflein dazu beitragen, um den Verlegern eine Entschädi- den, bürgerlichen Emporkömmlingen als betiteltes Gefolge zu hgemaßt! Sie stehen da ohne Gesez, ohne Recht und GeAber welches Recht haben sich viele solcher Mittelmänner Sonderinteressen zu vertheidigen, anerkannt. Canning war ande, darauf ist jede Strafe verzeichnet, welche den Arbeiter Baumwollenspinners. In ſeiner Jugend, par Zeit, wo es galt, bürgerlicher Abkunft, Sir der zur eine Karriere zu machen, behauptete Herr Disraeli, in seinen Romanen, daß die Aristokraten die natürlichen Führer des englischen Volks seien; die Art und Weise, wie sich dieses gegenwärtig bewährt, ist, daß er, der Enkel eines flüchtigen vene tianischen Juden, Ministerpräsident ist, und seine aristokratischen Kollegen, die Herzöge, in denjenigen Verwaltungszweigen den Vorfiß führen, in welchen die untergeordneten Sekretäre die Hauptgeschäfte abmachen. Man denke sich ein Ministerium der alten englischen Aristokratie, in welchem der Nachkomme eines befehrten italienischen Juden erster Staatsminister, ein Bürger Finanzminister, ein anderer Bürger Minister des Innern und ein Herzog Präsident des Handelsbureaus ist! So etwas haben die ,, Liberalen" noch nie zugegeben. 80 Zwei irische Journalisten, Herr Sullivan, der Redakteur der ,, Nation", und Herr Piggot, der Redakteur des ,, Irishman", sind zu Gefängnißstrafe verurtheilt worden, weil sie die Hinrichtungen in Manchester als politische Mordthaten charakterisirt und gegen die englischen Grundeigenthümer geschrieben haben. Was Sullivan besonders als Verbrechen angerechnet wird, ist, daß er in seiner Zeitung gesagt hat: ,, Die unglücklichen Männer, welche in Manchester hingerichtet wurden, waren keine Mörder, sondern begeisterte Patrioten, welche ihre Ergebenheit an das Vaterland mit ihrem Blute besiegelten. Das Gefängniß und der Henker sind die Zwillingspfeiler, auf welche sich die britische Oberherrschaft in Irland stüßt." Weiter wird es ihm als ein unverzeihliches Vergehen angerechnet, daß er ein Bild ver öffentlichte, auf welchem die Figur der Britannia mit häßlichen Gesichtszügen gezeichnet ist und in der Stellung eines grausamen, unbarmherzigen Tyrannen dargestellt wird. für Irland gethan werden soll, so ist die erste Bedingung, daß Russell und politische Konsorten nicht an die Regierung kommen. Die zweite, daß nichts vom gegenwärtigen Parlament unter nommen wird. Graf Russell's Bedingungen dagegen sind die gegenwärtige Session und das 1866 abgedankte Ministerium. Es ist sein altes Spiel. Punsch sagte 1848: wäre Lord John 1848: ,, wäre Russell nicht Minister, so würden wir Aufruhr haben," er macht immer Krakehl, wenn er nicht Minister ist. Borigen Dienstag sollte die irische Frage im Unterhause, auf Antrag eines irischen Parlamentsmitgliedes, vorkommen. Montag Abend sagte Lord Malmsbury im Oberhause, daß bei dieser Gelegenheit die Regierung ihre Ansichten über das, was sie zu thun gedenke, mittheilen werde. Dienstag wurde statt dessen die Abdankung von Lord Derby angezeigt, die irische Frage ist deßhalb auf den 10. d. m. vertagt. Die irische Frage, nicht die Gicht, ist wahrscheinlich die Ursache, warum sich Graf Derby zurückgezogen. Der kleine Graf Russell hat einen sehr großen Brief über Irland geschrieben, der 93 Oktav- Seiten im Druck füllt. Er hat ihn an einen früheren irischen Staatsbeamten adressirt, welchem er erzählt, wie er schon Jahre lang mit den Heilmitteln für die irischen Gebrechen schwanger gewesen, aber wegen Mangel an Unterstüßung von Seiten seiner eigenen Partei nicht habe hervortreten können. Endlich sei die Zeit gekommen. Der Vorwurf, daß man aus Furcht nachgebe, sei nichtig. Der König Johann habe die Magna Charta aus Furcht unterzeichnet, und das Niederreißen der Eisengeländer von Hydepark habe das Wahlrecht erweitert.„ Könnte man einen Mann finden, der die brillante Beredtsamkeit von Canning mit der Ehrlichkeit des Lord Althorp verbände, solch einem Manne müßte man die Geschicke Englands und die Aussichten Irlands in die Hände geben! Die Universität von Orford könnte einen solchen Mann verwerfen, aber die große Grafschaft von Lanfaster würde ihn nicht im Stich lassen." Gladstone, dem diese Schmeichelei gilt, ist also der Mann. Graf Russell trägt seinen Grimm offen zur Schau über das Mißgeschick seiner Partei, die jedesmal, wenn es sich wirklich um große Maßregeln handelte, in den Hintergrund geschoben wurde Wir sind", sagte er, vom Schicksal dazu verdammt, immer nur den Weg zu bahnen für Tory- Minister. Es war so mit der Emanzipation der Katholiken; mit der Abschaffung der Korngefeße; mit der Reform- Akte von 1867. Fünfzehn Jahre lang predigten wir vergebens, daß die Arbeiter zum Wahlrecht zugezogen werden müßten". Warum fügt der edle Graf nicht hinzu, daß er selbst als Premier- Minister noch im Jahre 1848 erklärt, daß die Bill von 1832 das Ende aller parlamentarischen Reformen für England sei, und daß seine Partei selbst in 1866 nichts besseres vorzuschlagen wußte, als den Wähler- Census von 10 auf 8 Pfund Sterlinge zu redu ziren, um den Arbeiter auszuschließen. Wenn irgend etwas Berantwortlicher Redacteur: W. Liebknecht. Redaktion: Braustraße 11. Im Norden von England hat sich eine Genossenschaft von Eisenarbeitern gebildet, die in Zeit von einem Monat ihre Produktiv- Arbeit beginnen wird. Die Genossenschaft hat be reits gegen 10,000 Pfd. Sterl. verausgabt. Vierzehn Defen find fertig und zwei noch im Bau begriffen. Man berechnet, daß in kurzer Zeit wöchentlich 220 Tonnen Eisen- Barren pro duzirt werden können. Ein Dampfhammer nebst anderen Gr fordernissen ist bereits errichtet und man beabsichtigt, weitere 5000 Pfd. Sterl. anzulegen, um die erforderlichen Werke zu Schienen Fabrikation zu errichten. Die Genossenschaft besteht gegenwärtig aus 380 Mitgliedern, 5,200 Pfd. St. find geborgt worden, das übrige haben sie selbst zusammengeschossen. schaft gebildet, die hauptsächlich aus Deutschen besteht. Det Im Osten von London hat sich eine Schneidergenoffen Geschäftsbetrieb soll nicht eher angefangen werden, bis sich das eingezahlte Geld auf 1000 Pfd. Sterl.( 6700 Thlr.) beläuft Genossenschaftswesen mehr und mehr laut werden. Thomas Die Londoner Kleinbürger lassen ihren Haß gegen das Hughes, der in der legten Wahl hauptsächlich durch die Arbeiter eines Londoner Distrikts gewählt wurde, ist ein bekannter Berthel diger der Kooperation und ist selbst Theilhaber an verschiedenen Produktiv- Genossenschaften. Die Ladeninhaber des Wahlbezirks, welchen er gegenwärtig im Parlament repräsentirt, machen An stalten, sich gegen seine Wiedererwählung bei der nächsten Wahl zu verbinden. Die Kleinhändler dieses Bezirks haben in neuester Zeit mehr Strafe für falsches Gewicht bezahlen müssen, als das übrige London zusammengenommen. Alle Buchhandlungen( und auch die Expedition des demokratischen Wochenblattes") nehmen Bestellungen an auf die in Genf erscheinende politische und sozial- ökonomische Monatsschrift: Der Vorbote. Organ der Internationalen Arbeiterassoziation, redigirt von Joh. Ph. Becker in Genf, Pré- l'Evêque 33. Preis halbjährig 10 Ngr. oder 36 Kr. Jedem, welcher der gegenwärtig über die ganze civilifirte Welt erstreckenden Arbeiterbewegung folgen will, ist der ,, Borbote" u zählt in England, Frankreich, der Schweiz, Italien, Belgien, Deutschlan und den Vereinigten Staaten von Nordamerika bereits Hunderttau sende von Mitgliedern, und ist auf dem besten Weg ihr Ziel zu er reichen: Vereinigung der Arbeiter aller Länder zu gemein samem Streben. Leipzig. Druck und Verlag: G. W. Vollrath. Expedition: Windmühlenstraße 14. Hierzu eine Beilage. er is