Demokratisches Wochenblatt. No. 19. Organ der deutschen Volkspartei. Leipzig, den 9. Mai. 1868. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie bier am Plage einschließlich Bringerlohn 12½½ Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nehmen entgegen die Herren M. Dolge am Markt, E. Reichert Hainstraße 27, G. Hofmann Brühl 40, G. Dehler Neumarkt 6, G. Richter Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein UniversitätsStraße und die Expedition d. Blattes E. W. Vollrath Windmühlenstr. 14. Für Dresden Filialexpedition F. W. Grellmann Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Inhalt: Politische Uebersicht. An die Volkspartei in Sachfen. Napoleon und die deutsche Demokratie. Weiße Zur Charakteristik der gegenwärtigen Theuerung und GeAus England. Vermischtes. Stieberisches. Sklaven. schäftsstockung. Politische Uebersicht. " Aus dem Zollparlament" wird kein Voll parlament", das ist nun entschieden, Dank den südwestdeutschen Abgeordneten, die ihren Wählern nicht wortbrüchig geworden sind, wie man das vielfach gehofft oder gefürchtet batte. König und Herrn", eine Japanesische Titulatur, unter welcher der König von Preußen verstanden ist, der auf diese Weise durch ein ächt nationalliberales Manöver den Süddeutschen, den Sachsen, Thüringern und anderen noch nicht annektirten Norddeutschen als Großmächtigster König und Herr", vorläufig wenigstens auf dem Papier, aufoftroyirt wird. Nach dieser realpolitischen Servilitätsleistung fahren die Adreßschreiber fort: Das von Ew. Majestät berufene deutsche Zollparlament fühlt fich als Vertretung des deutschen Bolkes gedrungen, Zeugniß abzulegen von dem Streben der Nation. Ew. Maj. bestätigen, wie das Bedürfniß des deutschen Volkes nach der Freiheit inneren Verkehrs und die Macht des nationalen Gedankens den deutschen Zollverein allmälig über den größten Theil Deutschlands ausgedehnt hat. Wir leben der Ueberzeugung, daß jenes Bedürfniß unserer Nation die Freiheit auf allen Gebieten fördern und die Macht dieses nationalen Gedanfens auch die vollständige Einigung des ganzen deutschen Vaterlandes in friedlicher und gedeihlicher Weise herbeiführen wird. Eine naturgemäße Entwickelung bat zur Vertretung der gesammten deutschen Nation bezüglich ihrer wirthschaftlichen Interessen geführt. Die seit Jahrzehnten vom deutschen Volke erstrebte und seiner Zeit von sämmtlichen deutschen Regierungen als unabweisbares Bedürfniß anerkannte nationale Vertretung für alle Zweige des öffentlichen Lebens kann unserem Volke auf die Dauer nicht vorenthalten werden. Die Liebe zum deutschen Vaterlande wird die innern Hindernisse zu beseitigen wissen. Die nationale Ehre wird das ganze Volk ohne Unterschied der Parteien zusammenführen, falls von außen versucht werden sollte, dem Drange des deutschen Volkes nach größerer politischer ..3ollparlament"- was ist eigentlich das 3ollparla. ment?" Schon in dem Namen liegt ein Wiederspruch und eine Unehrlichkeit. Das erste Wort ist ein Spott auf das weite. Eine Körperschaft, die sich bloß mit Zöllen und sonftigen volkswirthschaftlichen Fragen zu beschäftigen hat, ist kein Parlament; und ein Parlament hat sich noch mit an deren Dingen, als Zöllen und sonstigen anderen volkswirth schaftlichen Fragen zu beschäftigen. Wenn das„ Zollparlament" in Wirklichkeit das sein sollte, wozu es nach dem Wortlaut der Berträge zwischen Preußen und den Süddeutschen Staaten bestimmt ist, dann hätte man ihm von Anfang an einen be scheideneren Namen, und jedenfalls auch eine etwas angemessenere, für die Behandlung volkswirthschaftlicher Einigung entgegenzutreten. Unsere Nation achtet fremdes Recht Fragen geeignetere Zusammenſegung geben müssen. Durch die Bezeichnung: 3ollparlament" verrieth Graf Bismarck von und wünscht friedlichen Verkehr mit allen ihren Nachbarn. Sie darf daher Gleiches von anderen erwarten, falls ihr das eigene Wohl eine Aenderung in ihren inneren Einrichtungen nöthig erscheinen läßt. ten. vornherein die seitdem von den Nationalliberalen ausgeplau- Die angekündigten Vorlagen werden wir mit pflichtmäßigem Ernste derte Absicht, durch irgend einen ,, nationalen", prüfen. Das gemeinsame deutsche Interesse wird unsere Beschlüsse letHocus Pocus das ,, 3ollparlament" in ein ,, Boll parlament" zu verwandeln. Die süddeutschen Wahlen und Besorgnisse vor Frankreich zwangen und zwingen jedoch die Preußische Regierung zu einer gewissen Zurückhaltung, die zum Glück von den nationalliberalen Dienstmännern" nicht gheilt zu werden braucht. Diese Herren, bei denen Wollen die Wir Den Handelsvertrag mit Desterreich nehmen wir mit besonde rer Genugthuung entgegen. Wir legen auf die freundlichen Beziehungen zu dem durch Stammesverwandtschaft und mannichfache Bande eng mit uns verbundenen Nachbarlande einen hohen Werth. vertrauen, daß es Ew. Majestät vergönnt sein werde, getragen durch die vereinte Kraft der deutschen Nation und im Einverständniß mit Ew. Majestät hohen Verbündeten den Ausbau des gemeinsamen Werkes zu vollenden, dessen Abschluß Sicherheit, Macht und Frieden nach önnen im umgekehrten Verhältniß zu einander stehen, außen, wie materielle Wohlfahrt und gefeßliche Freiheit nach innen verbürgt. " sich von ihrem bösen Genius zur Einbringung eines idreßentwurfs" verleiten lassen, der allerdings nicht gehauen und nicht gestochen ist, aber immerhin den vollparlamentlichen Ew. Majestät 2c. Mit einer Züge beginnend, endet der saubre Adreßentn f Pferdefuß Jedem sichtbar hinter den verschwommenen Phrasen auch würdig mit einer Lüge. Das Zollparlament eine 2 rhervorstreckt, und dadurch den Gegnern des Großpreußenthums tretung des deutschen Volks" Lüge! Wo sind denn die den ersehnten Anlaß zur Degradirung des Zollpar- Deutsch- Desterreicher, und wo find die Luremburger, die oben lamento" in einen fimplen 3oll und Steuer drein noch zum Zollverein gehören, bei denen man aber, um ausschuß geliefert hat. Der Entwurf richtet sich an den " in Paris nicht anzustoßen, keine Wahl hat vorAllerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten König, Allergnädigsten nehmen lassen? Und das gemeinsame Werk, dessen Ab. 146 Schluß Sicherheit, Macht und Frieden nach Außen, wie materielle Wohlfahrt und geseßliche Freiheit nach Innen verbürgt!" Lüge, dreimal Lüge! Das gemeinsame Werk", das ist die Berreißung und Knechtung Deutschlands; und nicht„ Sicherheit" hat es uns gebracht, sondern Ungewißheit; nicht Macht", sondern Schwäche und Abhängigkeit vom Ausland; nicht ,, Friede", sondern beständige Kriegsfurcht; nicht ,, Wohlfahrt", sondern Handels- und Geschäftestockung, Elend und Hunger; nicht gefeßliche Freiheit", sondern Willkühr, stieberische Wirthschaft. Weg mit den Lügen! weg mit den Lügnern! " Graf Bismard verhält sich zu der Adreßfrage neutral. Machen Sie, was Sie wollen!" soll er zu einem Nationalliberalen gesagt haben. Auf der einen Seite mag er durc eine großpreußische Kundgebung Frankreich nicht reizen, auf der andern Seite muß es ihm lieb sein, wenn in Frankreich der Glaube erweckt wird, Deutschland stünde hinter Preußen. Die verschämten Annexionisten baben einen Antrag auf motivirte Tagesordnung gestellt, also lautend: Das Zelfparlament wolle beschließen: In Erwägung, daß die Neugestaltung des Zollvereins auf Grund des Vertrags vem 8. Juli vorigen Jahres durch die Berufung der Vertreter des deutschen Volks(!) zu gemeinsamer gefeßgebrischer Thätigkeit in Einer Versammlung das Unterpfand stetiger Fortentwickelung nationaler Institutionen gewährt, und dem berechtigten Anspruch der Nation auf eine wirksame Ginigung ihrer Staatskräfte eine befriedigende Erfüllung(!!) fichert; In Erwägung ferner, daß ein einmüthiges Zusammenwirken für die dem Zollvereine obliegenden Aufgaben die Erreichung dieses Ziels am meisten zu fördern geeignet ist, über den Antrag der Abgeordneten Mezz und Genossen( Adreßentwurf) zur Tagesordnung überzugehen." Wir begegnen hier in den Motiven den nämlichen Prätenfionen, das Zollparlament" zu einer nationalen Volksvertretung aufzupuffen, wie in dem Adreßentwurf selbst; und ließen die Süddeutschen Abgeordneten sich in die Falle locken, und für diese motivirte Tagesordnung gewinnen, so hätten fie die Competenzüberschreitung indirekt gutgeheißen, indirekt die Hand zu einer großpreußischen Demonstration geboten und dazu mitgewirkt, daß die Deutsche Frage im 3ollpar lament diskutirt würde. Das muß aber um jeden Preis vermieden werden. Von dem Moment an, wo das Zollparlament" die Deutsche Frage mit Einwilligung der Süddeutschen vor sein Forum zieht, ist es ,, Bollparlament" im nationalliberalen Sinn. Die Süddeutschen Abgeordneten haben dies begriffen. Sie lassen sich auf keine Debatte ein; sie fordern die einfache Tagesordnung, und wird diese nicht angenommen, so verlassen sie unter Protest den Sigungssaal. Nach ihrer Entfernung mag die Norddeutsche Majorität, wenn sie es denn durchaus will, nach Herzenslust kannegießern und laskern; die Süddeutschen„, thun nicht mit" und was zurückbleibt, bildet ein harmloses Privat- Redekränzchen, Rumpfparlament wäre ein zu schmeichelhafter Ausdruck. Ueber die bisherigen Verhandlungen des Zollparlaments" läßt sich nicht viel sagen. Erwähnenswerth ist eigentlich nur das traurige Geschick des Abgeordneten Braun, der heldenmüthig auszog, die sämmtlichen Schwaben zum„ Gabelfrühstück zu verzehren, und dabei das Malheur hatte von dem ersten, der ihm in den Wurf kam ,,, zu Mus zerhackt zu werden", wie sich einer seiner eignen Parteigenossen ausdrückte. Dieses Fiasko, und die aufdringliche Freundschaft Stiebers, der ihm soeben vor aller Welt den Freundschaftskuß gegeben hat, wird unsrem Braun" hoffentlich die politische Carriere etwas verleiden. Zur Illustration der„ Norddeutschen Freizügigkeit" dienen die zwei Thatsachen, daß aus Berlin ein Mecklenburger und aus Hannover eine Braunschweigerin ausgewiesen worden find ganz, wie in der guten alten Hinfeldey'schen Zeit. Ueber die Kriegsfrage schreibt man von Berlin der „ Augeburger Allgemeinen Zeitung": Die seit dem Entstehen der Luxemburger Frage mit wachsendem Gifer betriebenen Rüstungen Frankreichs haben dech, trotz aller Widerrede, bei der preußischen Regierung ernste Besorgnisse in Be treff der Absichten des Tuileriencabinets erweckt. Es ist dem hiesigen Cabinet nicht möglich, mit den friedlichen Versicherungen Frankreichs die täglich sich mehrenden Anordnungen friegerischer Natur in Ginklang zu bringen. Dahin gehören namentlich die mit auffallender Eile ins Werk gesezte Armirung der nördlichen Grenzfestungen, die fort während numerische Verstärkung der Armee, die außergewöhnlich starken Getreideeinkäufe für Rechnung der französischen Regierung, und die vollkommen verbürgte Thatsache, daß innerhalb der letzten Mo nate für das französische Kriegsdepartement nicht weniger als 115,000 Pferde angekauft worden find. Selche Rüstungen erscheinen allers dings doppelt befremdend Angesichts der von Preußen durch die Preis gebung Luxemburgs( selbst in Betreff der Zugehörigkeit des Lan des zum Zollverein), durch die Respectirung der Mainlinie und eine sichtbare Schonung der französischen Empfindlichkeit bewiesenen Friedensliebe, welche sich auch darin deutlich genug ausprägt, daß, während Frankreich im Sturm seine Armee- Organisation zu vollenden sucht, der Nordbund die Errichtung der noch fehlenden Infanterie- und Cavallerie- Regimenter eingestellt hat. Unter solchen Umständen be greift es sich, wenn die preußische Regierung durch den Grafen v. d. Golz über die Bedeutung der franzöfifchen Rüstungen eine Ans frage an das Tuileriencabinet hat richten lassen, und daß dies in der That geschehen sei, wird nicht blos in diplomatischen, sondern auch in solchen Kreisen behauptet, welche dem Hofe nabe stehen. Mit einer solchen Reclamation verträgt sich auch sehr wohl die vom König von Preußen zum 1. Mai verfügte Verminderung der Friedensstärke der Bundesarmee um 12,000 Mann, so wie die gleichzeitig angeordnete Sistirung gewisser Marine- Arbeiten. Denn die Hafenbauten können so wie so erst in Jabren zu Ende geführt werden, und wenn Frank reich wirklich Krieg gegen uns führen will, wird es uns nicht erst den Gefallen erweisen, damit so lange zu warten, bis wir unsere Küften befestigt haben. Auch fann es für uns in einem Krieg gegen Frank reich nicht von Belang sein, ob unsere Flotte um einige Fahr zeuge stärker ist, da sie gegenüber der französischen doch keine andere Aufgabe haben kann, als die Hafeneingänge zu beschüßen. Noch ungefährlicher erscheint die Beurlaubung der Mannschaften, welche bei den vortrefflich entwickelten Communikationsmitteln in Preußen, wie die Erfahrung vom Jahre 1866 lehrt, in kürzester Frist wieder zu ihren Truppentheilen stoßen können. Beide durch die augenblic liche Finanzlage der Bundesmilitärverwaltung eingegebenen Maßregeln tragen daher auch nicht entfernt das Gepräge eines feit ber gründeten Friedens. Zu einem für Preußen befriedigenden Gr gebniß scheinen die wiederholten Besprechungen, welche Graf von der Golß in den lezten Tagen mit dem Marquis de Moustier über diese Angelegenheit hatte, noch nicht geführt zu haben, obgleich, wie man wissen will, die esterreichische Diplomatie lebhaft bemüht sein soll, ihren Einfluß im Interesse des Friedens geltend zu machen. Was die Sistirung der Marine- und Flottenbauten be trifft, so schlägt Hr. v. Bismarck unsrer Meinung nach zwei Fliegen mit Einer Klappe. Erstens hält er den Nationallibe ralen recht drastisch die grauenvollen Wirkungen ihres jüngsten unpatriotischen" Botums vor, und zweitens sorgt er dafür, daß den Franzosen, falls es zum Strieg kommt, einige Preu ßische Schiffe weniger in die Hände fallen. Inzwischen fährt die öffiziöse und offizielle Preußische Presse fort, dem Französischen Kaiser servile Krapfüße zu ma chen, während heimlich unter den Bauern der bekannte Ka lender des Schäfer Thomas unentgeltlich verbreitet, und darin die demnächstige Aufspeisung des Gallischen Hahns durch den Preußischen Adler prophezeit wird. Profit Mahlzeit! Wenn's nur fein Braun'sches Gabelfrühstück wird. Es giebt doch wunderliche Käuze! Der anonyme Ver fasser einer in Bosen erschienenen Broschüre:„ Napoleon an der Spiße des coalisirten Europas", stellt die baldige Wiederherstellung Polens in den Grenzen von 1772 und eine Coalition von Frankreich, Desterreich, England, Ita lien und Preußen gegen Rußland in Aussicht! Das Ro mischte an der Broschüre liegt darin, daß sie dem Grafen Bismard dedicirt ist. Es geschieht dies wahrscheinlich aus Dankbarkeit, denn wir lesen in den folgenden Blättern, daß der Graf bereit sei, dem neuen Polen Posen und Westpreußen abzutreten. Gegen solche unfreiwillige Verleumdungen müssen wir Srn. v. Bismard in Schuß nehmen. An einer Goalition gegen Rußland ist er unschuldig. Ueber das neue Desterreichische Webrgesez, wie es in Ofen zwischen den Ministern vereinbart wurde, fehlt es noch an zuverlässigen Nachrichten. Es ist aber ein erfreuliches Zeichen, daß das Bolk sich ernstlich mit der Wehrfrage beschäftigt, und daß vor einigen Tagen in Wien eine Versammlung bon 5000 Arbeitern die allgemeine Boltsbewaffnung forderte. 147 Das Gesetz zur Abschaffung der Schuldhaft ist vom Raiser fanttionirt; nicht die Gesetze gegen das Conford at. Frankreich erwacht; bei drei Ersagwahlen in Distriften, wo sonst die Opposition sich nicht regen fonnte, find die Regierungskandidaten nur mit Mähe durchgesezt worden. In England wieder eine parlamentarische Seifenblase geplaßt. Das Ministerium kam bei der Beschlußfassung über die Irische Staatskirche in die Minorität. Nach dem ABC- Buch des Parlamentarismus, der ja in England bekannt lich An die Volkspartei in Sachsen. Der Ausschuß der Volkspartei ersu ht deren Mitglieder, die nachstehende Petition des Koburger ArbeiterfortbildungsBreins an das Zolparlament in ihren Versammlungen zu berathen, zu der ihrigen zu machen und, mit den nöthigen Unterschriften versehen, an einen unserer Abgeordneten in Berlin, B: bel, Liebknecht, Shraps, zur U: bergabe an das Zollparlament einzusenden. Eile thut noth. An das deutsche Zollparlament in Berlin. Unter den mancherlei Vorlagen, die Ihnen, den Mitgliedern des deutschen Zollparlaments, wie wir wünschen wollen, zum Segen des Volkes zur Berathung unterbreitet worden sind, befindet sich auch der Antrag um Gutheißung der Erhöhung der Tabaksteuer und Einführung einer neuen Betroleumsteuer. Es sollen also zwei Artikel theils erhöht, theils neu besteuert werden, die heute allgemein nothwendige Lebensbedürfnisse sind und demnach, wie jede indirekte Steuer, die arbeitenden Klassen ungerecht und hart treffen. Wir wissen zwar, daß die Absicht vorliegt, dafür die Eingangszölle auf verschiedene andere Artikel theils herabzuseßen, theils ganz aufzuheben, aber dennoch ist es Thatsache, daß der Ertrag der neuen Steuern den Wegfall der alten schon nach dem Voranschlag erheblich übersteigt und in Wirklichkeit wahrscheinlich noch bedeutender überstreigen wird, auf alle Fälle also eine Mehrbelastung des Volkes und besonders der arbeitenden Klasse stattfindet. zur höchsten Vollendung gebracht ist, hatte das Ministerium die Wahl zwischen zwei Wegen: entweder Abdankung, oder Auflösung des Hauses. Das erste wollen die Tories nicht, das weite will die Königin nicht, und die Folge ist: das Mi nifterium regiert ruhig fort bis zu den Neuwahlen im nächsten Serbst; und erlangt es dann nicht die Mehrheit nun, so fann es wiederum thun, was ihm gut dünkt. Nicht, als ob die Sache von Wichtigkeit wäre. den Ministern resp. den Tories und ihren Gegnern, den Whigs, besteht kein prinzipieller Unterschied; beide sind Aristokraten, beide sind Feinde des Bolks, und das Einzige, warum sie sich streiten, ist der Besitz der Macht und das Recht über die Steuern zu verfügen, d. h. ein möglichst großes Quantum derselben in die herbeiführen wird. Tasche zu stecken. John Bull kümmert sich jetzt übrigens wenig um diese barlamentarischen Spiegelfechtereien; er ist vollauf beschäftigt mit den„, ruhmreichen Siegen" in Abyssinien, die ihm den Kopf ganz benebelt haben. Die neueren Berichte reden allerdings mancherlei schwierigen, auf dem Papier sich recht gefährbon lich ausnehmenden Operationen gegen die Beste Magdala, aber die häßliche Thatsache bleibt, daß kein Englischer Soldat ge tödtet und nur etwa anderthalb Dußend verwundet worden find. 3 widau, 5. Mai. Der hiesige Volksverein hat in seiner am Sonnabend abgehaltenen Bersammlung die Bildung eines Rechtsschutzvereins beschlossen, wie ein solcher bereits in Berlin besteht. Dieser Verein bezweckt, seinen Mitgliedern in Fällen, Too fie in ihren Rechten gekränkt und geschädigt werden, die Mittel zu verschaffen, um zu ihrem Recht, sei es auf gütlichem Wir wissen ferner, daß die Mehrerträge bei den ins Unerträgliche gesteigerten Mehrbedürfnissen für die Armeen sehr, nothwendig sind; wir leben aber der Ansicht, daß der erste 3wed des Staates die Erhaltung kostbarer stehender Heere nicht ist, daß diesen vielmehr die Ursache der allgemeinen Noth wesentlich zuzuschreiben ist, und eine Verminderung der Heere nicht allein große Ersparnisse bezweckt, sondern auch die Wiederbelebung des gesunkenen Vertrauens in Handel und Verkehr Auch ist die jeßige trübe Zeit, wo der größte Theil des Volkes mit Noth und Sorge um das tägliche Brod zu kämpfen hat, am wenigsten geeignet, ihm neue Lasten aufzulegen. Wir richten deßhalb an das hohe Zollparlament die ganz ergebenste Bitte: zu versagen. Die Bewilligung neuer Steuern unter allen Umständen Mit größter Hochachtung und Ergebenheit. ( Folgen die Unterschriften.) Ort und Datum. Stieberisches. Die Zukunft" bringt noch folgende zwei Erklärungen: Vorläufige Entgegnung. Die sogenannte Abfertigung, welche der Abgeordnete LiebWochenblatts in Nr. 149 d. Bl.( 3ufunft") gegen meine legte oder auf gerichtlichem Wege, zu gelangen. Zu diesem Zwecke knecht in seiner Eigenschaft als Redakteur des Demokratischen wird sich der Verein an einige auswärtige Rechtsanwälte wenden, damit dieselben ihm in solchen Fällen rathend und hel- Erklärung veröffentlicht, entspricht vollkommen der Taktik, welche fend zur Seite stehen. beiter und Bolksvereinen zur Nachahmung zu empfehlen. ( Das Beispiel des Zwickauer Vereins ist allen unsern ArDie Redaktion des Dem. Wochenbl.) ich an den Mitgliedern seiner Partei so oft erlebt habe. Anstatt des Eingeständnisses, daß man unwahre Thatsachen in die Welt hinaus verbreitet habe, wird der Bersuch gemacht, die frühere unwahrheit durch Hinzufügen neuer Unwahrheiten zu beschönigen. Da die öffentliche Gerichtsverhandlung gegen den Geschäfts führer der hessischen Volkszeitung Plaut voraussichtlich erst in einigen Wochen stattfinden kann, so verbietet mir die amtliche Stellung, welche ich zu dieser Untersuchung einnehme, dem Herrn Liebknecht auf diese neuen Unwahrheiten zu antworten. Sobald der bezeichnete Zeitpunkt eingetreten sein wird, werde ich öffentlich nachweisen, daß 1) allerdings das Bündniß zwischen den Anhängern der depossedirten Fürsten und der sogenannten Volkspartei, sowohl durch Dokumente als gerichtliche Eingeständnisse unzweifelhaft feststeht. Ich werde dem Herrn Liebfnecht genau verschiedene der Summen nennen, welche die Herren Volksmänner aus den Kassen der depoffedirten Fürsten erhalten haben, und werde die für diese Summe geleisteten Dienste nachweisen, auch die gewechselten Briefe abdrucken; 2) daß die von Herrn Liebknecht wiederholte Behauptung, daß von mir ein Kellner des Hotel de Baviere in Leipzig bestochen worden sei, um die Gespräche der im Hotel verkehrenden Fremden zu belauschen, eine rein aus der Luft gegriffene unwahrheit enthält. Ich werde diese letzte Behauptung zum Gegenstande einer gerichtlichen Klage gegen Herrn Liebknecht machen und derselbe wird ja dann Gelegenheit finden, Beweise für diese neue von ihm gegen mich behauptete unwahrheiten bei zubringen; 3) daß die ebenso allgemein verbreitete und jetzt von Herrn Liebknecht wiederum angedeutete Behauptung, der Redakteur Trabert sei auf eine Denunziation der nationalliberalen Partei, insbesondere des Abgeordneten Braun, von mir tendenziöse verfolgt worden, jeder Begründung entbehrt, daß sich vielmehr die gefeßliche Nothwendigkeit, die Plaut'sche Voruntersuchung auch auf Trabert auszu dehnen, aus dem vorliegenden Sachverhältniß für die betreffenden Gerichtsbehörden ganz von selbst ergeben hat, ohne daß meine Person oder irgend ein Mitglied der nationalliberalen Partei dabei irgendwie betheiligt gewesen ist. Ich habe überhaupt in Kassel nur mit Herrn Plaut und gar nicht mit Herrn Trabert verhandelt. Hierauf erwiderte Liebknecht: Dr. Stieber, Geh. Regierungs- Rath. 148 rungsrath Doktor Stieber wegen dieser mysteriösen Solidarität auseinander zu setzen. Berlin, 16 Charlottenstr., den 2. Mai 1868. W. Liebknecht. In Erwartung des versprochenen Prozesses werden wir unsren Lesern in einer Reihe von Bildern zeigen: wer und was der Königlich Preußische Regierungsrath Stieber ist. Napoleon und die deutsche Demokratie. Nachdem Preußen mit einer Bereitwilligkeit, die dem ,, Starken" so wohl ansteht, die Grenzfestung Luremburg auf geopfert hat, warum soll Napoleon nun nicht auch die Räu mung von Mainz fordern? Er fordert sie, und damit dürfte auch die letzte Frage, aus welcher ein Krieg entstehen könnte, auf die Tagesordnung gefeßt sein. Wie ein Taschenspieler hat der Dezembermann eine ganze Menge von Bechern vor sich stehen, und die Zuschauer haben nur zu bestimmen, unter welchem sie die Kriegsfugel, die er in der Hand hält, wieder zu finden wünschen: unter dem Becher Bolen? dem Becher Schleswig dem Becher Drient? dem Becher Mainz? Zu gleicher Zeit find die imperialistischen Soldfedern geschäftig, das deutsche Bolt für ein Bündniß mit Napoleon gegen Breußen zu gewinnen. Man rechnet in Paris auf den Haß in den von Preußen eroberten und zum Nordbund gezwungenen Staaten und wärmt sich an dem eines Tages in Süddeutschland ausge stoßenen Schrei: lieber Französisch als Preußisch! Wo, fragt man uns, fann Deutschland einen mächtigeren Bundesgenoffen finden, als auf der andern Seite des Rheins, an„ Frankreich" Hat Frankreich" nicht dasselbe Interesse wie ihr, sich den Ber größerungsgelüften Preußens entgegenzustellen und mit alle Macht zu verhindern, daß Deutschland in Preußen verschwinde Euer Vorurtheil gegen„ Frankreich", als sei es der Erbfeind Deutschlands, ist durchaus hinfällig.„ Frankreich" weiß, daß der Rhein für Deutschland ein unantastbares Heiligthum Frankreich" denkt an feine Eroberungen. Frankreich" führt nur für Ideen Krieg, und wenn es das Schwert aus der Scheide zieht, so geschieht es nur als Rächer des in Deutsch land mit Füßen getretenen Rechts. " Deutschland das Tageslicht erblicken, immer wiederkehrt. " 1 ift. Wir Der Geheime Regierungsrath Dr. Stieber stellt mir wegen meiner Angabe betreffend den Kellner des Leipziger Hotel de Baviere einen Prozeß in Aussicht. Das habe ich gewünscht. Aber warum nicht auch wegen meiner Angabe beDas ist der Kern des Raisonnements, welches in den im perialistischen Blättern, fie mögen in Frankreich selbst oder in glauben alles, was man uns von Frankreich" versichert. Der Congreß der Friedensligue zu Genf hat und den Beweis gleichmäßig jede Groberungssucht verdammen und einig sind geliefert, daß die Völker keinen Rassenhaß kennen, daß fie treffend den Optikus Graf, deren er in seiner einigung. Aber es handelt sich gar nicht um Franfreid in dem erhabenen Streben nach Frieden, Freiheit und Ber vorläufigen Entgegnung mit feiner Silbe erwähnt, obgleich sie den Anlaß zu der Auswechs. lung unserer gegenseitigen Erklärungen gegeben hat? Den versprochenen Beweisstücken gegen Volksmänner" sehe ich mit um so größerer Spannung entgegen, als ich schon dom, Kölner Communistenprozeß" her das Geschick kenne, mit dem der Geheime Regierungsrath Dr. Stieber derlei Beweisstücke zu produziren weiß. Ueberall, wo in jenen Artikeln Frankreich" steht, müffen wir Napoleon sezen. Danach steht für die deutsche Demokratie die Frage so: fann sie ein Bündniß mit Napoleon eingehen? Ein Bündniß mit Napoleon heißt ein Bünd niß mit dem Gäsarismus schließen. Cäsarismus und Demokratie find unversöhnliche Gegenfäßt Der Absolutismus ist wenigstens ein ehrlicher Gegner. Er haßt die Freiheit, und man weiß von Anfang an, daß er jede freiheitliche Wenn endlich der Geheime Regierungsrath Dr. Stieber Regung des Volks brutal todtschlagen wird, sobald er die Madt ganz unprovozirter Weise die Person des Reichstagsabgeord- dazu hat. Der Cafarismus dagegen ist der Absolutismus in neten Dr. Braun( Wiesbaden) herbeizieht, um sie zur Verder Maske des Heuchlers. Um das Bolt um so fefter gu theidigung gegen meine Angriffe zu verwenden, so muß ich es dem Reichstagsabgeordneten Doktor Braun( Wies- demokratischen Formen. Der Cäsarismus ist die monarchische fnebeln, geſellt er zu der unumschränkten Gewalt die Lüge der baden) überlassen, sich selbst mit dem Geheimen Regies Despotie mit den demokratischen Stichwörtern, wie Bolf t t 149 souveränetät, allgemeines Stimmrecht u. s. w., auf den Lippen, wodurch er die Gedankenlosen verblendet und gewinnt. Fragen wir, woher die ungeheure Begriffeverwirrung und Entfittlichung tommt, welche fich feit 1849 und 50 in der europäischen De mofratie bemerklich gemacht haben, so ist die Antwort darauf: in dem nichtswürdigen Spiel, welches Napoleon mit den de mokratischen Formen getrieben hat und noch treibt, einem Spiel, welches ihm der zünftige Politiker" Preußens abgelernt hat. Dem Grafen Bismard wurde dieses Spiel freilich zudem noch durch den auf demselben Instrumente herumfingernden Rationalverein" außerordentlich erleichtert. Ohne die Einwilli gung Napoleone hätte Preußen nie den Eroberungskrieg von 1866 unternehmen können. Wohin das Bündniß mit dem Gäfarismus führt, lehrt das Beispiel Italiens eindringlich genug. Nicht einmal die Einheit hat dort die Demokratie mit Napoleons Hülfe fertig gebracht, und nach der Freiheit sieht man sich vollends vergebens um. Zum Ueberfluß fönnte noch auf den Verlust von Nizza und Savoyen hingewiesen werden. wenn man das rege Leben und Treiben unsrer Industrie sieht, nicht darnach aus, daß bittere Noth und Entbehrung hier zu finden ist. Kommt man in etliche Städte, wo die Fabrikation ihren Hauptsiz hat, und bieten sich dem Auge die Etablissemente und Anlagen der Vertreter unserer Industrie dar, so zweifelt derjenige, welcher die Sachlage nicht genau kennt, an dem Elend der Arbeiter. Treten wir dagegen in die Werkstätten der Arbeiter, so erlebt man Scenen, die klar zeigen, wie weit der Arbeiterstand herabgedrückt ist. Vorzüglich ist hier die Weberei die vorherrschende Beschäftigung. Wenn wir nun sagen, daß ein Familienvater mit vier oder fünf Kindern die Woche zwei Thaler Verdienst bei vierzehn- bis sechszehn stündiger Arbeit täglich(!) erzielt( und da muß es noch lohnende Arbeit sein, weil der Weber viele Auslagen hat, die der Fabrifant freilich nicht rechnet, und er soll, muß und will auch seinen Pflichten in Allem nachkommen), so denkt vielleicht mancher Leser, der es nicht genau fennt, es ist eine Lüge. Aber leider ist es die nackte, traurige Wahrheit. Und doch sind diejenigen noch besser daran, die in Städten wohnen, wo Kaufleute sind, als die in den Ortschaften, wo es keine giebt, und der Weber angewiesen ist, sich an die sogenannten Mittel männer oder Verleger( Faktoren) zu wenden, weil es die Kaufleute für gut befinden, schon seit einiger Zeit keinem auswärtigen Meister Arbeit zu geben. Die größte Noth und das schrecklichste Bild des Elende tritt zu Tage, wenn die Pausen der Arbeitslosigkeit eintreten, welche bekanntlich sich des Jahres zweimal einstellen. Vergangenen Winter gab es, und bis jetzt noch giebt es viele Weber, die schon ein ganzes Bierteljahr der Arbeit vollständig entbehren; und die, welche noch zeitweilen ein Stück Arbeit befommen, wie werden die Ein Bündniß der deutschen Demokratie mit Napoleon tame einem Selbstmorde gleich. Es wäre ein Selbstmord in dem Augenblice, wo auch in Frankreich die Demokratie aus ihrem Opiumrausch erwacht ist und den Kampf gegen den Gafarismus auf Tod und Leben begonnen hat. Ein solches Bündniß hieße eben dem Gäsarismus, zu dessen Sterbestunde in Frankreich bereits der Hammer aushebt, neue Lebenskraft in die Adern flößen. Denn ist es auch wahr, daß Napoleon nicht dulden kann, daß sich an seinen Grenzen der preußische Einheitsstaat an Stelle des deutschen Staatenbundes konstituire, so ist es doch noch wahrer, daß es die Regungen des französischen Volksgeistes sind, welche Napoleon zum Kriege ausgebeutet! Der Lohn, der da für viele Artikel dem Arbeiter drängen. Die französische Demokratie soll auf die Schlacht gezahlt wird, ist nicht Lohn zu nennen, es ist ein Almosen, bant geliefert werden, damit der Gäsarismus fortwirthschaften nur daß der Arbeiter nicht ganz verhungert. Es wird Arbeit z. B. ausgegeben, wobei der Arbeiter nicht einmal genaue fann, und dazu soll die deutsche Demokratie die Hand bieten. Das ist's, wozu uns die kaiserlichen Soldschreiber beschwagen Vorschrift der Qualität der zu verfertigenden Waare in die wollen. Ob der Gäsarismus mit zwei oder mit drei Farben Hände bekommt; der Arbeiter fertigt das Stüd, es wird für angestrichen ist, das ist gleichgültig. Ihn zu bekämpfen ist die untüchtig befunden, er bekommt Abzug oder gar feinen Lohn. Lebensaufgabe der Demokratie. Nur erst wenn er am Boden hat nun ein Arbeiter gegen einen solchen Verleger ein Wort liegt, kann die Freiheit eine Wahrheit werden. Weiße Sklaven. X. Hohenstein und Ernsttbal, Ende April 1868. ausgesprochen, das die Ungerechtigkeit an das Licht bringt, so braucht er sich ja nicht einzubilden, von irgend einem der sämmtlichen Verleger Arbeit zu bekommen; denn diese stecken Alle zusammen. Kommt man zu den Verlegern, wenn dieselben Liefertag gehabt haben, und stellt einigermaßen Betrach tungen an über die anwesenden Arbeiter, so tritt deutlich genug hervor, daß der Arbeiter nicht nur zum Sklaven der Arbeit, sondern auch zum Sklaven der Gesinnung noch herabEs sind den Lesern dieses Blattes gewiß die Aufsäge alle im Gedächtniß, welche die Noth und Bedrückungen des Arbei gesunken ist. Welche kriechende Schmeichelworte, und wenn es terstandes unter der Rubrik Weiße Sklaven" wahrheitsgetreu sein muß, wohl auch Verleumdungen gegen andre Arbeiter veröffentlichten. Wir pflichten den Männern bei, die dieses denn es ist die größte Aufgabe der Arbeiter, die ungerech len wir darum fein zu strenges Urtheil fällen über diejenigen, Unrecht aufgedeckt haben und reichen ihnen brüderlich die Hand, zu bleiben und ein Stück Arbeit zu bekommen! Indeß wol tigkeiten und Bedrückungen ihrer Arbeitgeber die es thun, denn wer Familie hat, und die Kinder verlangen frei, unum wunden und öffentlich auszusprechen, Brod und fann feine geschafft werden, solches thut weh. Aber und so zu zeigen, daß der Arbeiter seinen geistigen Werth nicht derjenige, der das nicht kann, der frei, offen und redlich in bergißt und mit eben denselben Rechten und Ansprüchen in die Welt getreten ist, wie jeder Andere, welcher durch Zufall oder Glüd sich auf einen höheren materiellen Standpunkt er seinen Worten und seinem Thun ist, der hat schwer zu leiden, er wird natürlich immer übersehen. Und wie verhalten sich die Herren Verleger dazu? Nun, denen gefällt dies außerorhoben sieht. Darum auch ein Wort über die jeßigen Zustände dentlich, sie sind ganz in ihrem Element. des Arbeiterstandes. Es ist kaum mehr möglich durchzukommen bei den gegenwärtigen Zeitverhältnissen, so hört man Tausende don Arbeitern sprechen, und leider ist es die traurige Wahr heit, die sich Jedem aufdrängt, der unsere Gegend, nämlich das Riedererzgebirge und Voigtland in seinen Erwerbs- Verrichtung. Betrachten wir den Verlegerstand noch etwas genauer! Wir fragen, wer giebt denn eigentlich den Herren das Recht, den Arbeiter ungerechter Weise zu behandeln und zu drücken? Der Verleger hat eigentlich doch nur eine sehr untergeordnete Er empfängt das Material vom Kaufmann, weigen fennt. Freilich sehen unsre blühenden Ortschaften, vertheilt es an die Arbeiter, liefert die fertige Waare ab, zahlt 150 den Arbeitern den Lohn und erhält dafür eine angemes: ne Vergütung für seine Mühe. Die Herren maßen sich aber ganz andere Dinge an. Ein jeder Arbeiter müßte doch wissen, wie vicl Lohn der Kaufmann für ein Stück zahlt, das wäre nicht mehr wie billig; aber das erfahren wir nie. Desgleichen wäre es Pflicht und Recht, wenn ein Arbeiter für ein fehlerhaftes Stück Abzug am Lohn erhält, daß dies durch Stempel und Namensunterschrift des Kaufmanns bezeugt würde. Ist denn das der Fall? Nein, die Kaufleute sammt den Verlegern schei nen dafür kein Interesse zu haben, der Arbeiter ist verurtheilt, Alles zu tragen. Ja es ist sogar Thatsache, daß ein Verleger den andern verdrängt, indem er die Arbeit billiger liefert, freilich auf Kosten der Arbeiter. Es ist unmenschlich und empörend, aber diese Herren haben kein Geseß, und das Gewissen gehört nicht in diese Regionen. Und wie verächtlich und stolz blickt die Mehrzahl dieser Herren auf den Arbeiter herab, durch dessen Schweiß sie doch ihre Eristenz blos gründen, sich sogar in furzer Zeit ein Vermögen erwerben und vornehm leben können! Es scheint ihnen sogar Freude zu machen, sich über den armen Arbeiter lustig zu machen; sie bestellen z. B. Arbeiter von einem Tag zum andern wieder, wenn sie auch schon vorher beschlossen haben, ihnen feine Arbeit zu geben. Ist so ein Arbeiter zur Thür hinaus, so wird über ihn gelacht und es heißt: der kann lange wiederkommen! Also nicht einmal die Ehre und das Menschenrecht scheint diesen Herren heilig zu sein, indem sie solche Arbeiter in den Augen ihrer Mitarbeiter zum Narren machen und in ihrem moralischen Werth zurückseßen. Dieses Alles sind Thatsachen, die streng auf Wahrheit beruhen und jederzeit von denjenigen, die sie aufgestellt, auch nachgewiesen werden können. Es könnte noch viel mehr gesagt werden, wir glauben aber, es ist genug. Wir stellen daher die Frage an alle Leser: Steht der Fabrikant dem Arbeiter gerecht gegenüber? Wir bitten Jeden, sich die Antwort aus Obigem selbst zu ziehen. Zur Charakteristik der gegenwärtigen Theuerung und Geschäftsstockung. II. " nisse ausgeben fann, als sie bei ihrer Arbeit verdient, und daß, wenn sie ihre Bedürfnisse stets zu Preisen bezahlen soll, bei welchen immer den Unternehmern ihr Reingewinn in baarem Gelde verbleiben würde, es ihr nicht möglich sein fann, alle zum Berkauf gebrachten Produkte zu kaufen und zu bezahlen, mit der Zeit also ein gewisser Theil derselben als unverkäuflich liegen bleiben, oder fortwährend und in steigendem Verhältnis verborgt werden muß, indem sie in ihrer Gesammtheit an das ganze konsumirende Publikum naturgemäß nur zu einem Breije verkauft werden können, welcher die Summen, die in Gestalt von Löhnen und Einkaufspreisen für die gesammten Handels güter an das gesammte übrige Publikum ausgezahlt worden sind, nur um so viel übersteigt, als derjenige Theil der Güter beträgt, welchen die Unternehmer zu eignem Genuß oder Ver brauch und zu Aufsparung in natura für sich behalten oder zurücklaufen, und was fie in neuen Unternehmungen al Kavital" wieder anlegen. Welcher Unternehmer verstünde sich aber wohl freiwillig zu solchen Preisen? Hauptsächlich durch geführt, und durch das Verlangen nach Geld als nicht blos das allseitige Ringen nach einem höhern Preise, wie oben an vorübergehendem Werthsubstitut, sondern als bequemtes Zahl aller Zollschranken. Zünfte und dergl. Hemmnisse) erreicht die mittel und Selbstwerth zugleich( und nicht durch Aufhebung Concurrenz die große Bedeutung, mit welcher sie zur Zeit in allen Fächern herrscht, indem es stets einen vom Glüd begünstig ten Theil der Geschäftswelt geben wird, der seine Waaren mit Gewinn verkauft, wobei dem andern Theil dann um so mehr Geld zu befriedigen und doch auch einen Gewinn bringenden von den ſeinigen übrig bleiben muß. Dieses Verlangen nach Verkehr zu unterhalten, ist die Aufgabe der Banken, in welchen die Einen ihr erworbenes Geld niederlegen, und aus denen die Andern Geld zu weiteren Geschäften entleihen können. Da reicht als Circulationsmittel oder portativer Werthrepräsentant aber auch hierbei alles vorhandene baare Geld noch nicht aus für die Massen der Handelsgüter, und bei den enormen Dimens fionen des heutigen Verkehrs, so haben Banken noch die Be rechtigung, eine größere Summe, ale ibre Metallvorräthe be tragen, in Banknoten als Zahlmittel gegen dafür diskontirte Wechsel auszugeben. Nicht allein aber bei bedrohten oder ge störten Verhältnissen im Verkehr, sondern auch nach jeder einiger In unserm ersten Artikel haben wir gesagt, daß durch Verkauf fast aller Handelsgüter aus den oben angeführten das in demselben empfohlene Sparsystem die Ersparnisse we niger Bemittelter diese legtern unfehlbar vor den Folgen der Theuerung schüßten und befruchtend wieder auf Landwirthschaft und Gewerbe wirkten. Die Möglichkeit, auch dieser Art auch Gründen doppelt erschwert, die prompte Zahlungsfähigkeit der Wechselschuldner beschränkt und der Besiß von Edelmetallen oder geprägtem Gelde als Zahlmittel und Werth ein noch angenehmerer als zu andern Zeiten. Die Banfgesetzgebung zu sparen, setzt aber einen dem Lebensbedürfniß mindestens hält deßhalb auch an der obligaten Baareinlösung der Noten, anstalten im Großen. durch ihre und ihrer Leute Thätigkeit erzielten Reingewinn entsprechenden Erwerb voraus. Wenn wir nun vorurtheilsfrei untersuchen, was dem gesammten Volke, Groß und Klein, den als an der wichtigsten Eigenschaft derselben fest und gestattet Verdienst vor allen Dingen schmälert, so werden wir finden, doch eine nur theilweise Fundirung des Notenbetrage durd daß nicht die modernen Sparanstalten allein die Erwerbsfähig Handel und den Gewerben mit ihren Schäßen in kritischen Edelmetalle. In Folge dessen thun die Banfen, anstatt dem feit im Allgemeinen beschränken, sondern daß dieß unter ge- Zeiten zu Hülfe zu kommen und die allgemeinen Greditverhält wissen Voraussetzungen auch die Banken thun, diese Spar- nisse zu heben, das gerade Gegentheil: Um ihre Noten baar Es ist doch klar, daß auch die Geschäftsunternehmer ihren ihren Wechselbestand durch Disconterhöhung und untergraben einlösen zu können, verringern sie ihren Notenumlauf und I nicht in Gegenständen ihrer eigenen Produktion zu behalten, berücksichtigend, daß sie, die Banken, dem Handels- und den Personalcredit, indem sie selbst demselben mißtrauen, nicht erwerben und zu besigen wünschen, so zwar, daß sie jedenfalls guten Zeiten gewährt haben, in mißlicheren wieder entziehen. We Gewerbestand die so nöthigen Zahlmittel, die sie ihm erst mehr Geld zu lösen trachten, als sie in Form von Kapital" also glaubte, seine Zuflucht zu den Banten nehmen und feine für Gewinnung ihrer Produkte aufgewendet haben. Ebenso Popiere dort diskontiren lassen zu können, sieht sich gerade flar muß uns dagegen auch sein, daß die Gesammtbevöl fritischsten Moment, wo er des Gredite am meisten bedürftig ferung eines Landes( oder die gesammte Arbeiterbevölkerung ist, getäuscht und verlassen. Mithin sind es die Banken, die die aller civilisirten Länder) nie mehr Geld für ihre Lebensbedürf Handels- und Geldkrisen theils heraufbeschwören, theils verschärfen, i tr di 111 111 m el be ni ei ei be fü In n De ia ib te m CO be fb ar ho le di fo ju B U m m To m eig u ne be Al To " be in ta be gi An nie im 151 tros Monopol der Notenausgabe. Man fönnte es für Gößen dienst halten, getrieben mit Edelmetallen, wenn man nur solche als depositalfähige Werthe für Zahlmittel erkennt, wenn es nicht mehr Tausch- und Werthrepräsentationémittel geben soll und darf, als Grelmetalle; und fann sich dieses Verfahren un möglich vertragen mit den Anforderungen und Consequenzen eines Weltverkehrs, noch mit der in der menschlichen Natur begründeten Neigung zur Bequemlichkeit auch in Besißverhält niffen. Eine Consequenz dieser Theorie ist, daß, wenn irgend ein Großhändler mit Vortheil Seide für Silber in China einfaufen fönnte, er an diesem Eilberexport" möglichst zu berhindern gesucht wird, gleich viel ob Handel und Gewerbe dabei gewinnen oder verlieren, und mindestens gehen die Zinsen für das in den Banffellern vergrabene Silber und Gold ( welches nicht selten durch andere Werthe, jedenfalls aber durch Pfandbriefe auf Grundbesiß ersetzt werden könnte) dem Rationalwohlstand verloren. Wie es alsdann mit der Baareinlösung der Noten gehen würde, könnte une ganz gleich sein, zumal la auch iegt der Metallvorrath der Banken zum Einlösen ihrer Roten zu gering, mithin zum Nicht einlösen zu bedeu tend, ja überhaupt überflüssig, wenn es nicht gar jammerschade darum wäre. Und übrigens fann durch industrielle Unterneh mungen ja auch kein Edelmetall gewonnen werden, wie man überhaupt nichts gewinnen fann, was gar nicht eristirt, mithin consequenterweise sich die Geschäftswelt auch mit blosen Belegen über die producirten und vorhandenen Werthe als Tauschmittel begnügen müßte und könnte, wenn es kein Metallgeld gäbe. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, bedeutet Geld sparen und in Banken und Sparanstalten ansammeln, nichts anderes als abwarten wollen, was man sich noch entschließen kaufen für das nicht unbedingt benöthigte oder vielmird zu schaffen, die doch im ganzen Leben keinen vollen Werth haben oder erhalten können, indem sie schon deßhalb nicht vollständig verwerthet werden können, weil ihre Produktion nicht mit Berdienst für die Menschheit verbunden ist, lettere also auch wieder nicht als zahlungsfähiges Publikum( als Consument mit entsprechender Kaufkraft) auftreten kann, am allerwenigsten wenn sie sich in Mäßigkeits- und( Geld-) Sparvereine abschließt. Das ist also das Wesen der Ueberproduktion, daß die vorhandenen Güter für Rechnung der Unternehmer und zum Theil ohne entsprechenden Verdienst für das übrige Publikum erzeugt werden, und daß dieses zuweilen Mangel an Lebensunterhalt und Mangel an Arbeit zugleich haben kann, weil alle Borräthe, durch die es Mangel an Arbeit hat, sich nicht in seinen Händen befinden, sondern in den Händen der Unternehmer, welche sich natürlich vor Verlust durch nothwendigen Berkauf derselben zu schüßen suchen, und zwar nicht selten dadurch, daß sie sich in Wechseln neue, aber unnatürliche Zahlmittel schaffen, indem dieselben über„ Geld" lauten, während sie in Wirklichkeit doch keinen andern Werth repräsentiren als den, welcher in Gestalt von unverfäuflichen und daher scheinbar überproduzirten Arbeitserzeugnissen sich in den Magazinen der Geschäftswelt aufgespeichert hat. Die Banken mißtrauen aber nicht ganz mit Unrecht solchen Wechseln, und fönnte man fast sagen, daß durch zeitweilige Verminderung des Wechselbestandes der Banken, was für die Geschäftswelt Krisis bedeutet, der Verkehr in Handel und Gewerbe wieder normaleren Berhältnissen sich nähert; denn wird auf Besitz von Waarenvorräthen Creditfähigkeit gegründet, und werden vermöge dieses Credits in Wechseln künstliche Zahlmittel geschaffen, so daß Mancher noch immer mehr neue Borräthe anfertigen lassen fann, und auch diese Borräthe für einen natur leicht auch reichlich erworbene Geld. Daß hierbei aber Viele, gemäß zu erzielenden Preis( wie oben bereits ausgeführt) aus die nicht gut lange vergeblich auf Arbeit und Verdienst warten Rücksicht auf Zahlungsverbindlichkeiten nicht jederzeit verkauft zu werden brauchen, so find diese Borräthe den Arbeitnehmern, Wohlstand bei lahmgelegter Thätigkeit der Bevölkerung nicht welche sie bei der immerwährenden Concurrenz unter sich zunehmen kann, versteht sich wohl von selbst. Kann nun das Bolk vorläufig feinen direkten Einfluß auf die Bankgefeßgebung Preis herstellen müssen, und denen kein ähnliches Auskunftsmittel hierbei zu Gebote steht, buchstäblich vorenthalten und zwar so lange, als dieses Wechselausstellen sich ausführen läßt und die Banken immer mehr Noten mit nur theilweiser Metallund auf die politischen Weltereignisse ausüben, noch dem mehr und mehr Uebergewicht erlangenden Industrialismus, verbunden so kann es sich doch einigermaßen vor deren verhängnißvollen unterlage gegen solche Wechsel in den Verkehr bringen, bis der mit Fabrik und Maschinenwesen, einen Hemmschuh anlegen, lung der Menschheit aus eigenen Kräften schüßen, wenn es Einwirkungen auf die gesellschaftliche und individuelle Entwicke erstens seinen Bedarf in Verbrauchswerthen, und na unausbleibliche Rückschlag wieder erfolgt und, weil alle Wechsel nur durch ,, Courant" gedeckt werden können, und dieses in gar feinem Verhältniß zu den übrigen Gütern und den darauf ment lich in gewerblichen Erzeugnissen für sich selbst, für seine bafirten Wechseln steht, troß hinlänglichem Besige von Handelstigen e Rechnung durch Arbeit hervorzubringen sucht; wenn es zweitens einen unmittelbaren Austausch seiner Erzeug werthen und dem redlichsten Willen Verlust an Gut und Ehre das Loos Tausender von Unternehmern, und Arbeitsmangel, niffe unter sich selbst herstellt, wobei ihm das Geld nur als Verdienstlosigkeit, allgemeine Berarmung, Massenelend( BauWerthmesser, Waaren- Werth- Scheine aber als Ausgleichmittel perismus) das Loos von Millionen ist. ( wenigstens in Zeiten allgemeiner Geschäftslosigkeit) dienen könSolchergestalt ist der Charakter des modernen Weltverkehrs und die gegenwärtige Geschäftsstockung nur eine sich wiederDrittens alles auf diese Weise Gewonnene in Natural holende vorübergehende Erscheinung, um nicht zu sagen ein hen, und wenn es befig anfammelt und aufspart, was auf dem Vereinswege alles sehr wohl erreicht werden könnte. Erzeugen wir dann mehr permanent werdender Zustand. Aus England. London, den 4. Mai. als wir verbrauchen, so erzeugen wir, wenn auch nicht Geld, so doch Werthe für spätern Verbrauch, mit einem Worte befindet, indem er als Arbeitsprodukt in unsern Händen entBohlstand", welcher sich in unserem unbestrittenen Besize ftanden und nicht gleichbedeutend ist mit Ueberproduktion im wärtigen( schon fast permanent gewordenen) Geschäftsstockung Füßen wachsen zu lassen. heutigen Sinne des Wortes; denn der Charakter der gegen gipfelt ja gerade in der Tendenz des Industrialismus, durch Anwendung von Naturfräften und Maschinen zu den denkbar Die liberale Majorität im Unterhause ist fest entschlossen. Disraeli feine Ruh noch Rast fein Gras unter seinen Seine Kunst zu manöveriren, di e die er während seiner 30 jährigen parlamentarischen Karriere be währt, wird auf die äußerste Probe gestellt. Da durch die niedrigsten Produktionskosten noch immer mehr Werthe zu Abstimmung über die irische Staatskirche, welche vor den Oster 152 No ichli Str Einer, ein Schneider, Namens Melany, seine eigne Haut da durch sicher stellte, daß er der Regierung anbot, als Zeuge gegen seine Mitgefangenen aufzutreten, und nachdem er Alles ver rathen, was er wußte, wurde ein Schuhmacher frei gelassen ohne Prozeß; die übrigen wurden von der Jury freigesprochen. Den einzigen Dienst, welchen er der Regierung leistete, war, einen jungen Mann, Namens Barrett, der in Glasgow in Schottland wohnte, zu denunziren als den Mann, der das Pulverfaß angezündet. Barrett wurde in Glasgow verhaftet, zwei Londoner Jungen bezeugten, daß er der Mann sei, der das Pulver in Brand gesteckt; er ist zum Strang verurtheilt. Was besonders bemerkenswerth, ist, daß auch nicht die geringste Spur von Zeugniß vorliegt, daß Barrett vor der Anzün dung des Pulvers irgend etwas mit der Fenier- Verschwörung 6 zu thun gehabt hat. Ob Barrett schuldig und seine Mitan fra geflagten nur aus Mangel an glaubwürdigen Zeugen von dege Jury freigesprochen worden oder nicht, so viel steht fest, das die Frevelthat das Werk einiger Tollföpfe war, und die ge heime Polizei, ohne freiwillige Verräther, so viel von der Ge schichte ausgeforscht haben würde, wie die Kuh vom Sonntag der Von den drei, der Verschwörung gegen die Königin Angeklagten, tif Burke, Casey nnd Schaw, mußte Casey wegen Mangel an Beweisen freigelassen werden, und alles was gegen Burke be wiesen werden konnte, war, daß er in Birmingham Gewehre getauft und sie fortgeschickt hatte. Er ist zu 15 Jahren schwerer Strafarbeit verurtheilt worden. Vor einigen Tagen wurde behauptet, daß die Ermordung des Prinzen Alfred, des Thron erben von Sachsen- Coburg- Gotha, in London beschlossen und 1pa den australischen Feniern zur Ausführung überlassen worden sei. Bisher haben wir jedoch noch weiter nichts erfahren, daß eine schreckliche Verschwörung über das britische Reich verbreitet sei. feiertagen stattfand, nur beschlossen worden, daß sich das ganze Haus als Comité konstituire, um die Abschaffung der irischen Staatskirche in Berathung zu ziehen", so war noch die Möglichkeit vorhanden, daß die Berathung zur Modifikation, wenn nicht zur Verwerfung führe. Die in die Zwischenzeit von der ministeriellen Partei angewandten Kunstgriffe schlugen wie ich bereits erwähnt fehl. Vorigen Montag wurde die De batte über die erste Gladstone'sche Resolution ,,, daß es nöthig, daß die etablirte Kirche von Irland aufhöre zu existiren als ein Staatsinstitut u. f. w.", eröffnet. Nach einer viernächtlichen Debatte, in welcher außer gegenseitigen Vorwürfen und Anschuldigungen nichts Neues aufs Tapet kam, wurde die Resolution am Freitag Morgen, 343 Uhr, mit 330 gegen 265 Stimmen angenommen. Nach der Abstimmung erklärte Dis raeli, daß es jeßt nöthig sei, daß das Ministerium seine veränderte Stellung gegenüber dem Unterhause in Erwägung ziehe, und trug auf Bertagung bis heute an. Gladstone willigte in die Vertagung, bestand aber darauf, daß die irische Kirchenfrage vor jedweder andern Frage abgethan werden solle. Freitag Nachmittag hatte Disraeli eine Audienz bei der Königin, man glaubt allgemein, um seine Resignation einzureichen, die aber nicht angenommen worden sein soll. In diesem Falle bleibt keine Wahl, das Parlament muß aufgelöst werden. Unter gewöhnlichen Umständen, wenn es zur Auflösung kommt, werden nur die unumgänglich nöthigsten Geschäfte abgemacht und die Steuern auf so lange bewilligt, bis ein neugewähltes Parlament zusammenkommen kann. Durch die Reformbill von 1867 stehen aber einer baldigen Auflösung Hindernisse entgegen. Ein neues Parlament nach dem alten Wahlgesetz zu wählen, geht nicht, und das Neue ist noch nicht fertig. Die Bill von 1867 bezieht sich nur auf England; die reformirten Gesetze für Schottland und Irland sind noch nicht angenommen und die Grenzen der Wahldistrikte find noch nicht bestimmt. Dieses ist eine Arbeit von wenigstens zwei Monaten. Statt dem besiegten Ministerium, nach parlamentarischem Gebrauch, die nöthige Zeitfrist ungeschmälert zu überlassen, die nöthigsten Geschäfte schleunig abzumachen, um die Auflösung so bald wie möglich herbeizuführen, hat Gladstone ein Rundschreiben an seine Unterstüßer geschickt, daß sie sich heute Abend recht zahlreich einfinden sollen, um durch Abstimmung durchzusehen, daß mit den irischen Kirchen- Reso lutionen ungestört fortgefahren werde. Der„ Star" schimpft wie ein aufgebrachtes Fischweib, daß Disraeli nicht unbedingt abgedankt hat und seinen liberalen Freunden Platz macht. # " Vermischtes. Soeben erschien in meinem Verlage: ale ein St und jerr Bi au thu un jab In gli die Ari Bo Bu fab nic bei ord Ominöser Drudfehler. Gegenwärtig macht c ominöser Druckfehler die Runde und erregt die allgemein der Heiterkeit. Graf Bismarck hatte in der Debatte über die Rede br freiheit diese Frage einen preußischen Streit" genannt. der Druckerei der Norddeutschen Allgemeinen" aber, wo stenographischen Protokolle gedruckt werden, hat ein Seß für Streit" in„ Staat" verwandelt. Hiernach sagt Graf Bismard la folgende, an Hochverrath streifende Worte( S. 86. 7. Sigung Groß und Klein, Alt und Jung freut sich darüber, daß„ Für so wichtig halte ich die Frage, ob dieser preußisch das britische Heer den afrikanischen Barbaren König Theodor Staat ein Jahr früher oder später aus der Welt geschal 8. besiegt und zum Selbstmord getrieben hat; dagegen sind Biele wird für so wichtig halte ich diese Frage nicht." unzufrieden, daß diejenigen, welche als vermeintliche Hülfeleister bei der Sprengung der Gefängnißmauer am 13. Dezember in Clerkenwell angeklagt waren, nicht sammt und sonders zum Tode verurtheilt worden sind. Die Londoner geheime Polizei ist gewiß die allerdümmste von der Welt. Erstens war sie davon unterrichtet, daß ein Versuch gemacht werden sollte, die gefangenen Fenier zu befreien, daß dieses durch Sprengung der Mauer u. 1. w. am 13. Dezember geschehen sollte. Sie war zu dumm, die Frevelthat zu verhin dern, oder die Uebelthäter an Ort und Stelle auf der That zu ergreifen. Zweitens war sie seit Jahr und Tag auf den Beinen, die verschworenen Fenier zu bewachen; sie brauchte ein gemeines Subjekt als Berräther, um drei Schneidergesellen und zwei Schuhmachergesellen als verdächtig einzuziehen, von welchen Verantwortlicher Redacteur: W. Liebknecht. Redaktion: Braustraße 11. Preußen und die Gerechtigkeit. Ein Beitrag zur Charakteristik preußischer Rechtspflege. don Adolph Kastendied. 6 Bogen gr. 8°. Brosch. 15 Ngr. Leipzig im April 1868. C. W. Vollrath. Druck und Verlag: C. W. Vollrath. } Leipzig. Expedition: Windmühlenstraße 14. no Be 20 die