Ur. 59. Absimement«-Dedwgungen: Abonnement«- Preis pränumerando: Bterteljährl. 3,30 Mb, monatl. 1,10 MI., wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«. Nummer mit illustrtrter Sonntag«. Betlage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 330 Marl pro Quartal. Eingetragen In der Poft-gettungZ- Preisllste für 1897 unter Et. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Jnftrtions- Gebühr beträgt für die fschSgefpaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für verein«- und VerfammlungZ-Anzetgen, sowie ArbettSmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen di« t Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedtlion ist an Wochentagen bt« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bt« S Uhr vormittag« geöffnet. Erscheint täglich auher LZontag». Devlinev Volksblakk. Fernsprecher: Amt I, Ar. 1008. Telegramm- Adresse: «Vozialdemokrai Berti»". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Nedakttsu: 8W. 19, Meuly-Straße 2. Spedition: SW. 19, Me»ty-Straße 3. Vrsv» Jszv Oelkevveichev! Zum ersten Mal stehen die österreichischen Arbeiter ans dem Boden des allgemeinen Stimmrechts im Wahlkampf. Bis dahin war ihnen die politische Mündigkeit versagt, die Volks« Souveränität und deren Ausübung eine verbotene Frage ge- wescn. Jetzt endlich hatten sie das Wahlrecht erlangt, aber mit tausend Beschränkungen und Hemmnissen. Und mit dieser unvollkommenen Waffe, deren Gebrauch ihnen noch möglichst erschwert ward, mit diesen tausend Beschränkungen und Hemmnissen mußten sie in den Wahlkampf treten. Z u m e r st e n Mal! Ohne vorherige Erfahrung. Ja ohne vorherige Erziehung zum öffentlichen Leben, außer soweit die Sozial demokratie, selber verfolgt und gehetzt, sie hätte ertheilen können. Wie ganz anders stand die Sache für die Belgier, als sie 1894 den ersten Wahlkampf begannen.— Wohl er- mangelten sie der Schulung des allgemeinen Wahlrechts, allein in dem seit undenklicher Zeit freien Belgien waren die belgischen Arbeiter zu politischer Freiheit und zur Ausübung politischer Rechte erzogen. Nicht so in Oesterreich, wo das Volk noch heute nach alter Metternich'scher Weise in Unmündigkeit gehalten wird, und wo das Wahlrecht den Arbeitern auch nicht als ernsthafte Waffe, sondern als Spielzeug gewährt worden ist. Aber die österreichischen Genossen nahmen das Spielzeug ernst, und machten Ernst mit ihm. Es war ein erhebendes Schauspiel, wie begeistert, wie bc sonnen, wie opfermuthig sie in den Wahlkampf gingen und ihn führten. Herzerfrischend war das Vertrauen ans die Sieg- haftiakeit unserer Sache, war das kecke Gefühl innerer Ueber- legenheit, das sie in den letzten Monaten unter den schwierigsten Verhältnissen bewiesen haben. Ueberall wuchset! vorher un- bekannte Kräfte aus dem Schooße der Partei hervor— überall im Reich nahm die Partei den Kampf auf, und überall kämpfte sie frisch, fröhlich und tapfer, und würdig der Partei. Nach langer Vorbereitung gestern endlich der erste Haupd Schlachttag. In drei Wahlkreisen Mährens und Schlesiens wurde gesiegt— in Wien zwar kein Mandat erobert, aber eine Stimmenzahl, welche die kühnsten Hoffnungen übertraf. Ueber achtundachtzig tausend sozialdemokratische Stimme»! Das ist ein großartiger Erfolg— ein weit größerer Erfolg, als drei oder vier Mandate(überhaupt sind der fünften Kurie in Wien blos fünf Mandate gewährt) bei vergleichsweise geringer Stimmenzahl. Die ganze Größe der von unseren Genossen erlangten Stimmenzahl komnit uns erst zu vollem Bewußtsein, wenn wir bedenken, daß die Sozial demokratie von Berlin, das mehr Einwohner hat als Wien, bei der letzten Wahl(1893) nach 27jähriger Erfahrung und Uebung des allgemeinen Stimmrechts 151 990 Stimmen zu verzeichnen hatte. Die Arbeiter Oesterreichs haben sich wohl verdient ge- macht um die internationale Sozialdemokratie; sie haben ihren politischen Befähigungsnachweis glänzend erbracht, und, was imnier das Ergebniß der noch ausstehenden Wahlen sein möge, sie haben ihre Kraft erprobt und s i e wissen jetzt und w i r wissen es: in dem harten Ringen, daS ihnen wie der Gesammt Partei noch bevorsteht, w e r d e n s i e siegen. Ein Hoch! den österreichischen Brüdern. ** Ueber das Wahlresultat liegt unS ferntt die folgende Privatdcpesche vor: „I» Wien wurden 88 lOZ Stimmen für die Kandidaten unserer Partei abgegeben, davon waren höchstens IS(MK1 Stimmen der demokratischen und liberalen Intelligenz, für die Kandidaten der Liberalen wurden 6000, für die der Deutsch- Nationale» 2500 Stimmen abgegeben. Die antisemitischen Kandidaten brachten es auf 117 102 Stimmen. Auch in den übrige» niederösterreichischen Wahlkreisen unterlagen unsere Kandidaten trotz der sehr erhebliche» Stimmenzahlen, die wir auf- zniveisen haben. I», Wahlkreise Korneuburg erhielt unser Kandidat 9009, im Kreise St. Pölten erhielten wir 10 090, im Bezirke Krems 3460 Stimmen. In Wiener Neustadt unterlag Pernerstorfer mit 21 987 gegen 23 840 antisemitische Stimme». Die ganze Klerisei hatte gegen Pernerstorfer gearbeitet. Der Gottesdienst am Sonntag bestand im ganzen Wahlkreise darin, daß von allen Kanzeln der„Teufelsbündler" Pernerstorfer verflucht wurde. In Mähren siegte Genosse R i e g e r in Schönberg und Genosse B e r n e r in Olmütz. In Brün» erhielt Genosse Hybes 17 454, der Tscheche Müller 12 890 Stimmen, eine am Freitag stattfindende Stichwahl hat erst endgiltig über die Vertretung Brünns zu entscheiden, die Aussichten für uns sind sehr günstig. In Schlesien ist Genosse Ellenbogen mit großer Minorität gefallen. Genosse C i n g r siegte in der Stichwahl." Am Donnerstag finden die Wahlen in Ober-Oesterreich und Galizien statt. Von den 20 Reichsrathswahlen der allgemeinen Wähler- klaffe in Nieder-Oesterreich, Mähren. Schlesien, Kärnten und Salzburg sind bisher 15 bekannt, und zwar sind gewählt worden: 5 Antisemiten, 3 Sozialdemokraten, 2 Deutsch-nationale, 1 katholisch- konservativer, 4 Czechen. Bei der Wahl in Trieft blieben unsere Genoffen mit 4400 Stimmen in der Minorität; bei den am Mitt- woch ftattgesundenen Wahlen in der allgemeinen Kurie wurde in Jstrien Bartoli(italienisch-national), in Goerz Gregorcic(slovenisch- radikal) und in Krain Krek(christlich. sozial) gewählt. Zugleich wählten in der Bukowina die Landgemeinden die bisherigen drei Vertreter wieder. Was an Wahlbeeinflnssung, an Verleumdung, an Aus- streuen von falschen Gerüchten, an Stimmenkaus seitens der Antisemiten in Wien geleistet wurde, übersteigt nach Dar- ftellnng der Wiener Presse alles, was über amerikanische Wahlpraktiken bisher bekannt geworden ist. Nur die Mandate konnten sie uns vorenthalten, die eindrucksvolle Stimmenzahl, die wir schon beim ersten Wahlgange in Oesterreich auf weisen können, bleibt bestehen. Bon der Leitung der sozialdemokratische» Partei ist gestern folgende Depesche abgesandt worden Arbeiter-Zeitung, Wien. Brüderliche Glücktvünsche den österreichischen Genosse» zu dem gewaltigen Aufmarsch bei der Wahl. Unsere 88 000 Stimme» in Wien, sowie die glänzenden Erfolge in der Provinz verbürgen den baldige» und vollen Sieg der Sozialdemokratie. Immer vorwärts! Die Parteileitung der deutschen Sozial» demokratie. Auer. Bebel. Liebknecht. Meister. Singer. zl>olikic-lhe Llcbrvlirijk. Berlin, 19. März 1897. Der Reichstag verhandelte heute über einen agrarischen Antrag auf Beseitigung der Zollkredite auf Getreide. Die Debatte war ganz belanglos, der Verein zur Abwehr agrarischer Uebergriffe und der Bund der Landwirthe führten vor spär- lichen Zuhörern langweilige Zwiegespräche, aus die näher einzugehen nicht verlohnen würde. Die von agrarischer Seite beantragte Resolution wurde angenommen. Wegen mangelnden Verhandlnngsmaterials ist auch morgen Schiverinstag. An erster Stelle steht unser Antrag ans Ab- schaffnng der Gesinde- Ordnung ans der Tagesordnung. Sollte dieses noch erledigt werden, so würden die Konservativen wieder einmal einen Vorstoß gegen die Bundesraths-Verord- nung über den Arbeiterschntz der Bäcker machen können. Den Schluß der Tagesordnung bildet der antisemitische Antrag auf Aenderung der Eidesformel.— Daö preußische'Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Lesung des Etats der Eisenvahnverwaltung fort. Die Debatte drehte sich zunächst um die Kleinbahnen, wobei von verschiedenen Seite» der Wunsch auf eine schnellere Erledignng der Konzessions- gesuche für den Bau von Kleinbahnen ausgesprochen wurde. In der hierauf folgenden Diskussion über Tariffragen begründete Abg. B r ö m e l(frs. Bg.) in fast ziveistündiger Rede seinen Antrag ans Vereinfachung und Verbilliguug der Personen- und Gütertarife. Redner wies an der Hand eines reich- haltigen Materials»ach, daß, während überall weitgehende Re- forme» durchgeführt würden, der preußische Eisenbahnminister sich auch der geringste» Verbesserung aufs entschiedenste widersetze und z. V. noch nicht einmal die so lange begehrten Kilometerheste ein- geführt habe. Die Ueberschüsse der Eisenbahnen würden nicht ans der Benutzung der erste»»nd zweiten, sondern aus der dritten und und vierte» Wagenklasse erzielt, sie stammten also von den minder wohlhabenden Klasse», und deshalb sei eine Ver- billigung der Pcrsonentarife ein einfacher Akt der Gerechtigkeit. Am Schluß seiner Rede unterzog Abg. B r ö m e l die Mißstände der Berliner Stadt- und Ringbahn, namentlich die Ueberfüllung der Wagenabtheilungen und die Tarifungleichheiten, einer scharfen Kritik. Ebenso betonte Abg. Schulz(Berlin, frs. Vp.) die Verpflichtung der Regierung, sür ausreichende Verkehrsmittel Sorge zu tragen. Die Stadt Berlin werde sich hüten, selbst die Regelung des Verkehrs in die Hand zu nehmen, denn man wüßte ja nicht, ob sich nicht die Staatsregierung oder die Krone wieder ihren Absichte» widersetzen würde. Das Hineinziehen der Krone in die Debatte zog dem Redner eine scharfe Zurechtiveisung des Vizepräsidenten Dr. Krause z», was ihn jedoch nicht abhielt, nochmals die Richtigkeit seiner Behauptungen zu betonen. Die Abgg. Krawinkel(natl.) und Schmie- ding(natl.) wandten sich gegen die Ansicht, daß die Eisenbahn- vcrwaltnng für die Verkehrsverhältnisse Berlins zu sorgen habe; ersterer glaubte auch für den Antrag gegen eine Verbilligung der Personen- tarise sprechen zu müssen, während sein Frnklionskollege Brömel eintrat. Die Konservative», in deren Namen Abg. Jrmer sprach, sind ebenfalls gegen eine Reform der Personentarife, halten aber eine Reform der Gütertarife sür angebracht, falls hierbei die>virthschaft< lichen Verhältnisse und namentlich die Lage der Landwirthschaft berücksichtigt würden. Vom Zentrum sprach Abg. P I e ß für den Antrag Brömel, während die Regierung bezeichnenderweise sich ans- schwieg. Auf Antrag des freikonservativen v. T i e d e m a» n- B o m st ging das Haus schließlich über den Antrag Brömel z» r T a g e s o r d n u» g ü b e r. Es wird alles beim alten bleiben. Eine Petition des Vereins„Zonentarif" wurde ebenfalls durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.— Morgen Fortsetzung der Berathnng.— Die Wasser-Chauvinisten faseln davon, was Deutsch- land jetzt alles im Orient hätte thun können, wenn es mehr Schiffe hätte. Nun, bei dem Geist, welcher heute die deutschen Flitlten und Kanonen richtet, wäre unser Ansehen in der Klilturwelt dann höchstens noch mehr erschüttert worden, als leider der Fall ist. Gewiß hat Deutschland ein Interesse, und zwar ein sehr lebhaftes, an einer friedlichen und humanen Lösung der orientalischen Frage. zu einer solchen Mission bedarf es jedoch keiner Schiffe. Wenn die deutsche Reichsregierung in Wien und in Petersburg die Erklärung abgiebt, daß Deutschland die österreichische Regierung in deren Bestreben, die Ruhe auf der Balkan-Halbinsel aufrechtzuerhalten, unterstütze, so wird auf der Balkan-Halbinsel kein Schuß abgefeuert. Und wenn die deutsche Regierung weiter erklärt, daß sie R e f o r m e n in der Türkei und absolute Autonomie der einzelnen Völkerschaften wolle, so wird das Reformwerk sicher- lich besser vorangehen als bisher. Aber erstens ist die deutsche Regierung nicht in der Lage em nng, Bildung techaffung des >alt. Selbst ikel gar zu � inefrage alle nne Purzel«' u. lichst dienst-' Bei der erste»' und nicht gesonnen, der russischen Regierung gegenüber einen der russischen Politik widersprechenden Willen zu be« thätigen; und zweitens ist die deutsche Regierung eine Feindin aller der Grundsätze, durch deren Anwendung die Regeneration der Orientländer allein zu erwirken wäre. Also— es ist sehr gut, daß die deutsche Regierung nicht mehr Schiffe zur Verfügung hat. Sie hatte schon zu viel vor Kreta.— Ei» EntlassungSgesuch hat Admiral H o l l m a n n in der That eingereicht, aber aus ganz anderen Gründen, als es in der Presse der Flottenparteien dargestellt wird. Die„Freis. Ztg." schreibt dazu: Der Schatzsekretär und der Reichskanzler waren am Freitag aufs äußerste überrascht, als Herr Hollmann, direkt von Wilhelmshaven kommend, frisch, frei, sröhlich, ohne vorherige Verständigung weder mit dem einen noch mit dem andereii Minister seine Schrift in der Budgetkommission vertheile» lie'ß mit den Ankündigungen von neuen hohen Forderungen sür t sie nachfolgenden Etalsjahre. Darüber haben dann nach der Sitzt»ig der Blldgetkommission Auseinandersetzungen stattgefunden, weiche de» Staatssekretär Hollmann veranlaßten, seine Entlassung ein- zureiche». Der Kaiser hat dieses Entlassungsgesuch abgelehnt, und nunmehr blieb dem Reichskanzler und dem Schatzsekretär, wenn' sie nickt selbst ihre Entlassung nehmen wollten, nichts anideres. übrig, als sich möglichst dem Standpunkt des Staatssekretärs Holl-. mann zn nkkomodiren in der Weise, wie es in den nachso'lgende» Sitzungen der Budgetkommission der Fall gewesen ist. Mit diesem Ende voriger Woche eingereichten Entlaffungsgesuch des Staats- sekrelärs Hollmann hängt auch die am Dienstag in der Budget- kommission erfolgte Aeußerung Hollmann's zusaimnen, er würde nicht im Amte bleiben, tvenn er die Ueberzeugung gewänne, daß er nicht mehr das Vertraue» des Reichskanzlers besäße. Parlamentarisch ist das Verbleiben des Staatssekretärs Holl- mann im Amte völlig gleichgiltig, denn Herr Hollma'» hat stets! dasjenige vertreten, was ihm anfgetrage» wuroe, z» vertrete». Daraus resultiren alle seine einander widersprechenden Erklärungen: vor dem Reichstag.' Flottenspektakel. Einige konservative und nstionalliberale Blätter überbieten sich in Ausmalung o-"' niögliche» Schrecknisse, wenn»icht die im' geforderten Schiffe sännntlich bewilligt wert eines rein agrarischen Ministeriums, Staa Reichswahlrechts u. s. w. werden a» die dem freikonservativen„Hamb. Torr." ist d. toll; er nieint, daß einige Blätter auch in de. Besonnenheit verloren hätten. Man schlägt bäume in gewissen Kreisen, um nach oben hin sich eifrig zu zeigen. Der ganze Servilismus und geiviffer Parteikreise kommt dabei zum Ausdruck. Etatsberalhung hatten sich alle Parteien gegen eine Zustimmung zn! den im Etat für 1897/98 gestellten Forderungen erklärt. Dann kamen die bekannten Soireeunterhaltungen im Kastanienwäldche». Seitdem erst' ist man in gewissen Zirkeln von der;Ueberzeugung durchdrungen/ daß das Vaterland in Gefahr ist, wenn nicht jeder Kreuzer und jedes Panzerschiff bewilligt wird. Es sind, sagt richtig die„Freist; Zeitung", wahrhast ekelerregende Erscheinungen politischer B e d i e n t e n h a f t i g k e i t, die sich jetzt derart' zur Schau stellen."— Ten König der Belgier soll unser Genosse Redakteur Franz F e l d m a» n- L a n g e n b i e I a u durch eine Notiz in Nr. 101 vom vorigen Jahre des„Proletarier aus dem Eulengebirge" beleidigt. haben. Es handelt sich um die bekannten fast von der gesammten Presse gebrachten Nachrichten. Wie es scheint, gedenkt der König � der Belgier sich durch massenweises Verklagen die Genugthuung zu> schaffen, die er im eigenen Lande nicht finden kann. Wenn er abcr s nur sich dabei nicht schneidet! Um ein naheliegendes Beispiel zn gebrauchen, wollen wir an den Fabrikanten Mohr erinnern, der seine Massen-Anklageii mit dem Verschwinden aus der Oeffentlichkeit bezahlen mußte und König Leopold kann eS ähnlich ergehen!— In Frankreich bereiten sich— anläßlich der neuesten Wondung der Kreta-Frage— unsere Genoffen, in Verbindung mit den Radikal- Republikanern zu einem neuen General- Angriff auf die Regierung vor. Morgen— Donnerstag— wird die Schlacht in der Kammer geschlagen werden. Unsere Genossen erstreben die Zerreißung des Bündnisses mit Rußland, den Austritt Frankreichs aus dem„europäischen Konzert" und die Einleitung einer demokratischen Orientpolitik. Der Sieg unserer französischen Ge- »offen wäre ein klärendes nicht bloS, auch ein befreiendes Ereigniß. Unsere besten Wünsche begleiten sie in diesem Kampse.— Die Grieche» warten in Ruhe ab, was die Großmächte gegen sie zu thun versuchen werden, nachdem sie sich darüber geeinigt haben, was bisher noch nicht der Fall ist. Es scheint sich zwischen den Dreikaisermächten und Frankreich, Italien und England schwer eine Einigung herbeiführen zu lassen. Aus K a n e a liegen folgende Meldungen vor: Die vor einigen Tagen gemeldete und später in Abrede gestellt« Niedermetzelung von Muselmanen bei Sitia wird jetzt bestätigt. Die Muselmanen verlangen die Ernennung einer Untersuchung�- kommtssioii über diesen Vorfall. Die fremden Konsuln in Kandia stellen auf grund von Zeuge» aussagen und mit Hilfe von Namenlisten fest, daß 400 Personen in den Ortschaften Dathnes. Alhania, Siva und Episkopi getödtet wurden. In Siva wurden 66 Männer, 32 Frauen und 71 Kinder getödtet, wobei die nicht identifizirteu Opfer nicht mit inbegriffen sind. Die Zahl der in der Ortschaft Kaunioni Getödteten ist nicht bekannt. Unter den nach Kandia geflüchteten Türken befinden sich neun Verwundete, darunter ein vierjähriges Kind mit einer Schnittwunde am Halse, ein kleines Mädchen mit abgeschnittenen Ohren und mehrere sowohl durch Feuer- als durch Hiebwaffen verwundete Frauen. Die europäischen Mannschaften, welche mit der Befreiung der in Kandano Belagerten beauftragt waren, waren unter den gemeinsamen Befehl mit gleichen Vollmachten ausgerüstete? französischer und englischer Offiziere gestellt. Die Aufständischen ließen die Belagerten abziehen, nachdem sie dieselben entwaffnet hatten. Der englische Konsul blieb während des Vorganges der Befreiung an Bord. Die Befreiung der Gefangenen von Kandano vollzog sich unter großen Gefahrein Die Truppen-Abtheiliingen brachten d23 Männer, 1647 Frauen und Kinder sowie 340 Soldaten von Kandano fori, außerdem 112 Soldaten, die in Spaniako ein geschlossen waren. Infolge der ungenügenden Zahl der vorhandenen Schiffe ist die Beförderung aller mohamedanischen Familien vor der Hand unmöglich. Bis alle eingeschifft sind, werden die Truppen abtheilnngen in Selino verbleiben.— Chrvuik der Majcstätsbcleidignngs- Prozesse. Wege» Majestälsbeleidigung war der Brinksitzer Oeckermann aus Äldel Heide denunzirt und stand dieserhalb Sonnabend Verhandlung vor der Strafkammer des Landgerichts in Oldenburg an. O. sollte beim Singen des Liedes„Unser Kaiser liebt die Blumen" der Melodie einem unflalhigen Text unterlegt habe». Von den vorgeladenen Zeugen wollte jedoch nur der Denunziant dieses wahrgenommen haben, weigerte sich aber, einen diesbezüglichen Eid abzulegen. Oeckermann wurde daraufhin selbstverständlich freigesprochen, der Zeuge, au? dessen veranlassung der ganze Apparat in Thäligkeit gesetzt war, wurde in scharfen Worten ob seines leichtfertigen Gebahrens vom Präsidenten der Strafkammer getadelt.— Deutsches Reich. — Daß die Medizinalreform außerordentlich dringend in Preußen ist und daß eine der ersten Vorbedingungen derselben eine ausreichende Bezahlung und damit eine nach jeder Richtung unabhängige Stellung der Physici ist, wurde in unserem Blatte des öfteren ausgeführt und niemals bestritten. Trotzdem und trotz aller Riesenüberschüffe im Reiche und in Preußen ist aber an eine den Anforderungen der Wissenschaft und des praktischen Lebens e»t- sprechende Medizinalreform vorerst noch lange nicht zu denken, denn heute möge» Kulturaufgaben so leiden, daß wir uns hinter Japan und Bulgarien verstecke» können, wir müssen das Geld, in dem wir schwimme», für Kanonen und Panzerplatte» verwende». Durch die folgende amtliche Bekanntmachung deS kgl. Polizeipräsidiums werden wir zu diesen Bemerkungen wieder veranlaßt: Ein Bezirksphysikat in Berlin ist durch Ausscheiden des bisherigen Inhabers erledigt. Geeignet» Bewerber um diese Stelle lönnen sich bis I. April beim Polizeipräsidium schriftlich melde» unter Beifügung des Lebenslaufs, der Approbation als Arzt und des Fähigkeitszeugnisses zur Ver waltung einer Physikats stelle. Die Stelle bringt 900 M. als nicht p e n s i o n s b e r e ch< tigtes Gehalt, gewinnbringende Nebenämter können einstweilen nicht in Zl u s s i ch t gestellt werden. Für ortspolizeiliche, im öffentlichen Interesse vor- genommene Verrichtungen werden nur die F u h r k o st e n ver« tort ütigt.— — Staatssekretär v. Stephan ist nicht unbedenklich erkr ankt.— Frankfurt a. M.. 9. März. Im Franks..Generalanzeiger Nr. 57 von heute ist folgendes Inserat: liegen den Baron Theodor von Ungern-Sternberg aus Kertel.' auf der Insel Dayon bei Finnland, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Betruges verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das nächste Justizgefängniß abzuliefern WictSbaden, den S. März 1897. Königliche Staatsanwaltschaft. — Der frühere Kultusminister und jetzige Ober-Landesgerichts-Präsident Dr. Falk hat sich. sobald er von der Sammlung erfahren hat, jedes Geschenk zu seinem Jubiläum verbeten.— Dresden, 9. März.(Eig. Ber.) Die bevorstehenden sächsischm» Landtags wählen werden ein schönes Bild geben. Der gund der Landwirthe, ebenso die Hausbesitzer, wollen den„politisch ,, Parteien" besondere Kandidaten gegenüberstelle».— — Der Landtag von Sachsen- Gotha tritt am Montag, ven.. h. M., zusammen. Die erste Tagung nach der Neuwahl. B'-i den\9 Vertretern entsandte bekanntlich unsere Part.-?* 9- dnet«- Mgische' Landtag. In derDienstagsitznng trat die wiirttÄldgeord letenkammer in die Generaldebatte Über p t- 7° �tna« zetat 1897/99«in. Der Berichterstatt«(Vo'a ckspartei) konnte konstatiren, daß die gegen- wärtig«s M Staatshaushalts eine durchaus befriedigende sei. Wartungen seien noch übertroffen worden. Redner ii.'.o.>, daß das Eisenbahndcfizit zu Ende de? Jahr .,i.»�irte oerschwinden werde, falls der VerkehrszuwachS wie seither anhalte, und wünscht, es solle die jetzt günstige Zeit zur Durch führung ver Steuerreform nicht versäumt werde». Nach ihm sprach der deutschparteiliche Führer v. G e ß, der sich u. a. auch gegen die Nebenbeschäftigungen der Beamten wendet; ihm folgte der Zentritmsmann sKinne und der volksparteiliche Abg. Hauß- »> a n n-Gerabronn. Interessant waren die Schlnßausführungen des Abg. Kinne, welcher sich gegen die neuen Reichslasten(Militär- und Marinevorlagen) wendete und von der württembergischen Regierung erwartet, daß sie gegen dies« Lasten Front macht. Redner meinte, für eine große Kriegsflotte sei im Volke kein Verständniß, der Staat sei nicht blas für Militär und Marine da, er habe auch kulturelle Aufgaben. Doch sind diese Worte nicht ernst zu nehmen, denn da? Zentrnm wird wohl wieder bei diesem Kuhhandel ein Geschäftchen machen.— Offenburg, 10. März. Auf dem hier stattgehabten sParteitage der demokratischen und freisinnigen Parteien Badens erfolgte eine vollständige Trennung der süddeutschen Volkspartei und der freisinnigen VolkSpartei.—_ — D i e Geschäftsordnung der Ditziplinar-ve- Hörden für die Schutzgebiete wird heut« im„Reichs- Anzeiger" veröffentlicht.— Schweiz. Ber«, 10. März. Der vom Nationalrath niedergesetzte Aus- fchuß hat den Gesetzentwurf betreffend die Einführung der obligato- rischen Kranken- und Unfallversicherung unter finanzieller Mithilfe des Bundes einstimmig angenomnten.— Frankreich. Pari», 7. März.(Eig. Bericht.) Die Interpellation des Genossen R o u a n e t hat wieder einmal die unendlichen politisch- sinanziellen Skandal« zur Sprache gebracht. Neben dem Eüdbahn- schwindet, der, wie aus der Antwort des Justizministers hervorgeht, den Gegenstand einer süuften Untersuchung bildet, rührte Rouanet die halbvergessene Bankerott-Affäre der Diskonto-Bauk(Baron Soubeyran und Konsorten) auf. eine Affäre, an welcher ebenfalls Parlamentarier betheiligt sind, ohne aber in die(seit Februar 1894!!) noch schwebende Untersuchung verwickelt worden zu sein. Auf rein finanziellem Gebiet besprach der Interpellant an der Hand unwiderlegt ge- bliebener Dokumente die systematische Raubwirihlchast einer Reihe fauler Bankunternehmen, die von 1883 bis 1894 die vertrauen«- seligen kleinbürgerlichen Aktionäre um 3V00 Millionen geprellt haben i vermittelst des betrügerischen, aber straflos gebliebenen Bankrotts. UebrigenS hatte selbst Leon Say, der Abgott der Hochfinanz, schon 1832 im„Jonrnal des Eeonomistes" den bezeich- nenden Stoßseufzer gethan:„Die Spekulation hat Frankreich um mindestens den gleichen Betrag gebrandfchatzt, wie daS siegreiche Deutschland nach den Niederlagen von 1870—1371." Ferner wies Rouanet nach, daß die scharfen Bestimmungen des Straf-Gesetz- buchS, die sich, ähnlich wie das neueste deutsche Börsengesetz, gegen betrügerische Börsenmanöver richten, nicht angewendet werden, ebenso wie die strafgesetzlichen Bestimmungen gegen da? Aufkäufer- thum und die Kartelle. So kostet der von elf großen Häusern monopolisirte Getreide- und Mehlhandel den landwirthschastlichen Produzenten und Brotkonsumenten»00 Millionen Franks jährlich— auf diesen Betrag stellt sich die Differenz zwischen dem künstlich herabgedrückten GetreidepreiS und dem künstlich emporgeschnellten Mehlpreis. Das Kartell der Petroleum» Raffineure Deutsch- Rothschild- Mallet brandschatzt die Konsumenten im Ver- gleich mit den deutschen Pretroleumpreisen, unter Abzug des Einfuhrzolles von zwölf Franks pro hundert Kilo. um 15 340 000 Fr. jährlich. In Nordfrankreich sind die Kartellpreise um 50 pCt., in Südwestfrnnkreich gar um 100 pCt. höher als in Deutschland. Das Chlorkali-Kartell hat die Preise verdoppelt, das Soda-Kartell verkaust die Tonne, die einen Eelbstkosten-Werth von 60 Fr. hat, zu 100 Fr. im Auslande und 150 Fr. auf dem vor der Konkurrenz gesicherten inneren Markte... Der Justiziuinister antwortete kein Wort aus den letzteren Theil der Interpellation, unter dem Vorwand, nicht vom Interpellanten im voraus über alle Fragen verständigt worden zu sei». In bezug auf die Korruptionsaffären verschanzte er sich hinter die bekannte „Unabhängigkeit der Justiz". Die von Rouanet eingebrachte Tages ordnnng, die weiter nichts bezweckte, als die Justiz durch Ver- mitielung des Justizministers zur Anwendung der b e stehenden Gesetze aufzufordern, wurde aber von der Re gierung als ein indirektes Tadelsvotum abgelehnt. Und die Kammer, die Ende Oktober 1395 durch Annahme einer ähnlichen Tages ordnung das Kabinet Ribot gestürzt hatte, verleugnete zum xlen Mal ihr früheres Votum und gab der Regierung— selbstverständ lich mit Hilfe aller offenkundigsten Panamisten—«in Vertrauens votum. ES fand sich zwar zugleich eine Mehrheit, welche die Regierung verpflichtete, nach Abschluß der Südbahnuntersuchung der Kammer sämmtliche Untersuchungsakten vorzulegen. Es ist aber hundert gegen eins zu wetten, daß dieses Votum hinfällig werden wird, indem die Untersuchung über die Lebensdauer des gegenwärtigen Ministeriums oder auch der gegenwärtigen Kammer hinansgeschleppl werden wird. Die Mittheilung der Untersuchungsakten wurde von der Opposition verlangt zum ausdrücklichen Zwecke, die koinproimttirten Parlamentarier, die von der„unabhängigen" Justiz verschont bleiben sollte», dem Urtheil der Oeffenllichkeit preisgeben zu können.— Belgien. Brüssel, 10. März. Der sozialistische Abgeordnete Demblon hielt gestern in der Kammer«ine hesiige Rede gegen das Loskauf- system und erklärte, König Leopold sei Anhänger der persönlichen Wehrpflicht. Der Vorsitzende bemerkle, der Redner dürfe, den neuen Kammerreglements zufolge, die Person des Königs nicht in die Debatte ziehen. Demblon erwiderte, er habe sich in der Bergangen- heit nicht gescheut, dem König die Wahrheit zu sagen und werde diese auch in Zukunft nicht zurückhalten.— Serbien. Belgrad, 10. März. Die gesammte Reserve und beide Miliz aufgebote wurden abiheilungsweise zu je achttägigen Uebungen im März und April einberufen.— Bulgarien. Sofia, 9. März. Die Sobranje hat die mit Oesterreich-Ungarn und mit Mehrheit genehmigt.— Türkei. — Politische Verhaftungen. Die Zahl der bisher wegen jungtürkischer Umtriebe verhafteten Schiffssähnriche und See- kadetten beträgt nach Privatberichten aus Konstantinopel fünfzehn.— Afrika. Prätoria, 9. März. Präsident Krüger hat sich nach Bloemsontein begeben, um über die Frage eines engeren Zusammenschluffes zwischen Transvaal und dem Oranje-Freistaat zu verhandeln.— Amerika. Washington, 10. März. Der Etat-Ausschuß des Repräsentanten Hanfes hat gester» die in das neue Tarisgesetz anfzunehmenden Zollsätze für Zucker festgesetzt. Hiernach wird der Zoll für Roh- zucker von 96 Grad nach dem Polariskop auf l'/e Cents(6 Pf.!!) pro Pfund festgesetzt. Für Zucker unter 96 Grad wird eine gleitende Skala aufgestellt, die bis zu etwa einem Cent(4 Pf.) pro Pfund herabgeht. Der gegenwärtige Zollsatz für Zucker von 75 Grad be- trägt 40 pCt. vom Werthe, der neue Zollsatz dagegen ungefähr 70 pCt. Der Differenzialzoll auf Zucker, welcher aus Ländern kommt, die Exportprämien zahlen, soll gleich dem Nettobetrage die Export- Prämie sei» und wird verändert, je nachdem die Exportprämien ver« ändert werden. Zu Zwecken der Reziprozität soll der Präsident aber ermächtigt werden, den Zoll um V8 Cent herabzusetzen, wenn der Zucker aus Ländern kommt, die entsprechende Gegenvortheile gewähren. Der Unterschied des Zolles für rohen und raffinirlen Zucker wird wahrscheinlich i/s Cent betragen. Die Zollsätze sind durchweg Gewichiszölle. Der Ausschuß hat sich einstimmig gegen eine Bundesprämie ausgesprochen.— Rio de Janeiro, 9. März. Durch Maueranschlag werden die Republikaner zu einer Versammlung ausgefordert, in der über die Mittel zur Rettung der Republik und zu einer Gedenkfeier für den Oberst Moreira berathen werden soll.— Veichskss. andelSverträge erbten mit großer März 1S97. 1 Uhr. v. Bötticher, Graf Posa» 183. S i tz u» g v o in 10. ' Am Tische des Bundesraths: o w s k y. Das Haus ehrt das Andenken des Abg. R u d o l p h i(Z.) in der üblichen Weise. Auf der Tagesordnung steht die Berathung zweier auf die Zoll- kredit« für Getreide bezüglichen Anträge. Der Antrag des Grasen Schwerin(k.) schlägt einen Gesetzentwurf vor wegen Be schränkung des Zollkredits bei der Einfuhr von Getreide; danach soll die Zahlung des Zolls spätestens 14 Tage nach der Einfuhr erfolgen und bei der Abfertigung der Wanre auf Transitlager sollen die kreditirten Zollbeträge und die Mühlenkouten mit 4 pCt. verzinst werden. Die ausgestellten Einfuhrscheine sollen nicht erst nach 4 Monaten, sondern sofort in Zahlung genommen werden können. Ein zweiter Antrag, den der Abg. P a a s ch e(natl.) stellt, wird von dem Antragsteller zurückgezogen. Abg. Graf Schweriu(dk.) weist darauf hin, daß vor drei Jahren der preußische Staatsrath die Aufhebung der Transitlager, soweit sie nicht lediglich dem Verkehr mit dem Auslande dienen, be- chlossen. Die Vertreter der verbündeten Regierungen haben auch eine Beschränkung in Aussicht gestellt, aber bisher ist nichts ge- schehen, vielmehr sind die Transitlager Zoll- Kreditanstalten auf Landeskosten geivorden. Die Statistik des Niederlags- Verkehrs ist allerdings sehr unvollkommen, aber es ergiebt sich doch eine erheb- liche Vermehrung, zum Beispiel bei Weizen in den letzten Jahren um 200 000 Tonnen. Dadurch erwachsen nicht blos der Landwirthschaft, sondern auch dem Mühlengewerbe große Nachtheile, denn durch die Transitlager werden wir trotz unserer guten Ernten mit überflüssigem ausländischen Getreide überschwemmt. "ört! rechts.) Die Einfuhr ist gesteigert durch die Handelsverträge. ört! rechts.) Alle Vortheile, welche diese Verträge anderen Erwerbszweigen gebracht haben, können den Schaden nicht aus- gleichen, den die Landwirthschaft erlitten hat.(Sehr richtig! rechts.) Dazu kommt die Schädigung des deutschen Müllereigewerbes durch die Mühlenkonten der großen Exportmühlen. gegen die jetzt die kleinen Müller energisch Front machen. Die Transitlager und Mühlenkonten müssen sämmtlich beseitigt werden. Die Zollverwaltung betrachtet die Getreidezölle immer noch als Schutzzölle und will deshalb bei der Zolleinziehung nicht allzu scharf vorgehe». Die Privilegien für die Großgrundbesitzer sind vor fünfzig Jahren abgeschafft, obgleich sie doch nur sehr ideeller Natur waren. Hier hat man Privilegien für den Großhandel, die sehr materieller Natur sind. Hier sollte endlich gleiches Recht sür all« geschaffen werden.(Beifall rechts.) Abg. Rickert(frs. Bg.): Die Herren hätten konsequent sein ollen und die Liebesgaben ausheben sollen, welche dem Großgrundbesitz durch die Steuerpolitik der letzten Jahre. durck die Branntwein- Steuer und so weiter zugeflossen sind. (Zustimmung links. Widerspruch rechts.) Ich nehme an. daß der Staatssekretär die übertriebenen Behauptungen des Vorredners über die Bedeutung des Zollkredits widerlegen wird. Jedenfalls muß der Antrag einer Kominirs» überwiese» und gründ- lich geprüft werden. Die leere» Bänke des Hauses scheinen aber zu zeigen, daß man den Antrag nicht für so erbeblich hält. Die Folge des Antrages wird sein, daß die großen Händler alles monopolistren(Widerspruch rechts). Ein hervorragender Land- wirth, ein Mitglied des Bundes der Landwirthe, hat offen erklärt, daß dieser Antrag nicht blos den Handel, sondern auch die Land- wirthschaft schädige.(Widerspruch rechts.) Abg. Gcrstcnbcrgcr(Z.) Warum sollen die armen Leute für die inländische Waare sofort die Steuern bezahlen, während sür die ausländischen Waaren Zollkredite gewährt werden? Abg. Graf Arnim(Rp.): Auf grund der Zollkredite haben die Mühlen den Import gefördert, weil der Export von Mehl erleichtert werden sollte, was man aber nicht erreicht hat. denn es ist nur etwa ein Fünftel des eingeführten Getreides als Mehl wieder ausgeführt worden. Der Staatssekretär Graf Posadon'sky hat erklärt, daß die Sache erwogen werde, aber seit 2 Jahren ist nichts geschehen. Die großen Mühlen haben allerdings einen Borlheil davon. wenn sie das gleichmäßige ausländische Getreide vermählen könne». Aber sie würden nicht so stark die kleinen Müller übertreffen lönnen, wenn nicht die Gesetzgebung durch die Zollkredite ihnen eine besondere Begünstigung zuwendete. Das ausländische Getreide wird zum Drücken der Preise benutzt und geht dann nachher auf die Mühle. Die Zollkredite reizen zur Anschaffung von Schundwaare, die aus Mühlen gebracht wird. Es ist festgestellt worden, daß das eingeführte ininderwerthige Getreide mit Bakterien behastet ist, die durch den Backprozeß nicht vernichtet werden. Die Frage bedarf jedenfalls einer gründlichen Untersuchung. Von den 36 000 kleinen Mühlen sind in den letzten Jahren 1100 schon eingegangen. (Zuruf des Grafen Kanitz: 1400!) Dadurch wird der Heerbann der Sozialdemokratie immer mehr verstärkt. Deshalb appellire ich an die verbündeten Regierungen, damit sie sür die Erhaltung des Mittel- standes eintreten.(Beifall rechts.) Abg. Fischbeck(fr. Vg.): Die Gründe für den Antrag sind die alte», längst widerlegten. Es soll den Kaufleuten eine große Wohl- that zufließen. Herr Gerstenberger hätte nur daran denken sollen, daß den Tabakbauern auch die Tabaksteuer kreditirt wird. Das bischen Zollkredit mehr oder weniger schützt den kleinen Müller nicht vor dem großen. Daß der Zoll innerhalb 14 Tagen bezahlt werden soll, ist unmöglich, weil das eingeführte Getreide in dieser Frist meist gar nicht an seinen Bestimmungsort gebracht werden kann. Abg. Graf Kanitz(k.): Wenn die Bedeutung der Zollkredite wirklich eine so geringe ist. weshalb legen dann die Herren(links) einen so großen Werth auf die Beibehaltung? 1894 erörterte die Berliner Kaufmannschaft ans Anlaß der Aushebung des Jdentitäts- Nachweises die Frage, ob danach Zollkredite für Getreide überhaupt noch nothwendig seien. Jetzt wehrt sie sich gegen die Aufhebung derselben und berechnet, daß die Kaufleute ein um 42 pCt. größeres Betriebskapital haben müßten.(Hört! rechts.) Herr Rickert sagt immer: wenn die Tranfltläger aufgehoben wer- den, so fällt die Mischung mit ausländischem Getreide fort, die daS deutsche Getreide exportfähig macht. Graf Posadowsky hat aber festgestellt, daß das Mischen von Getreide auch in einem Handels- lager stattfinden kann. Das Transitlager in Thorn ist aufgehoben und trotzdem kommen von dort keinerlei Klagen. Anstrengungen, die Weltmarktpreise zu verbessern durch Maßregeln gegen die Börsen. haben wir niemalsgemacht. Das kann nurgeschehen durch Erhöhung des Zolls und ähnliche Maßregeln. Wenn das Getreide jetzt un- verkäuflich ist, so liegt das an der kolossalen Einfuhr von Getreide im vorigen Jahre, wo sie von 36 auf 52 Millionen Doppel- zentner stieg. Ich lege daS Hauptgewicht aus die Beseitigung deS Zollkredits für die Mühlen und aus die Aenderung des RendemenlS- Verhältnisses. Durch dre Konkurrenz der III großen Mühlen, welche das Vorrecht der Zollkredite habe», sind 1400 kleine Mühlenbetriebe vernichtet worden. Wenn französisches Mehl auf den detttscheto Markt kommt, so liegt dies an den niedrigen Mehlzöllen, die mir infolge der Handelsverträge haben, während die französischen Mehl». zölle doppelt so hoch sind. Abg. Hilpert(Bayr. Bauernverein) erklärt sich für den Antrag. Abg. Meyer-Danzig(Rp.): Nach dem vorgehen des Herren- Hauses hoffen wir, daß die Konserenzen, die der Reichs- Schatz- sekretär einberufen, dazu führen werden, die kleinen Müllereien zu schützen.(Beifall rechts.) Staatssekretär Gras PosadowSky: Es entspricht nicht der Stellung der verbündeten Negierungen, Stellung zu nehmen zu An- trägen, die nicht die Zustimmung des Reichstages gefunden haben. Ich habe um das Wort gebeten, um Herrn Rickert zu bemerken, daß es theoretisch allerdings möglich ist, daß Getreide füns Jahre lang zollfrei lagert. Aber praktisch wird daö nicht eintreten, den» ich kann mir nicht denken, daß ein Kaufmann Getreide auf die Gefahr hin, daß eS schwindet und daß«s Lagergebühr kostet, so lauge lagern läßt. Die verbündeten Regierungen sind jetzt damit beschäftigt, den Be- griff des gebeutelte» Mehls genauer zu fassen und ein Versahren zu finden, welches leicht ermitteln läßt, ob gebeuteltes Mehl vorliegt oder nicht. Dazu werden die verbündeten Regierungen nicht bereit sein, ein Programm anzunehmen, welches den Interessen der Groß- müller entspricht. Wird das Rendement zu niedrig bemessen, so geht das Getreide zollfrei nach Deutschland«in.(Sehr richtig! rechts.) Ich kann mich über die Erfolge der Konferenz nicht näher äußern. ich hoffe aber, daß das Ergebniß ein solches sein wird, daß darüber das Interesse der kleinen und mittleren Müllereien und der Land- wirthschaft gewahrt wird.(Beifall rechts.) Abg. Rettich(k.) stellt fest, daß in Berlin hauptsächlich aus- ländisches Getreide vermählen wird, welches viel unreiner ist, als deutsches Getreide, daß daher die Kleie sehr viel schlechter ist. Die Schädigung des Viehes durch die Versütterung der Kleie sei eben- falls festgestellt, waS Redner durch Borsührung einzelner Beispiele Abg. Graf Arnim(Rp.): Bezüglich der Kleie habe ich dem betreffenden Herrn Mühlenbesitzer erklärt, daß ich nicht behaupte» wollte, daß die Berliner Kleie schlechter sei als andere. Abg. Fischbeck(frs. Vg.) weist darauf hin, daß er nicht Mit- glied des Schutzverbandes gegen agrarische Hebelgriffe sei, daß er vielmehr in der Gründungsversammlung dagegen gesprochen habe. Abg. Barth(srs. Vg.): Das bemängelte Flugblatt ist mir be- kannt. Ans der Korrespondenz von dem Grafen Arnim und den betheiligten Mühlenbesitzern geht für mich hervor, daß er sich im Unrecht befunden hat. Abg. Richter: Graf Arnim hat gegen mich polemisirt. obgleich ich nicht von dem Zollkredite gesprochen habe. Ich habe ihn an- gegriffen wegen seiner Behauptungen über falsche Loko-Notirungen an der Berliner Börse. Daß ich den Angriff nicht hier im Reichstage, öndern im Abgeordnetenhause gebracht habe, liegt an der Zuständig» keit der Parlamente. Ich habe die Frage besprochen bei der Aussührung des Börsengesetzes durch den preußischen Handelsmiuister. Wenn ich hätte versuchen wollen, gegen ihn im Reichstage zu sprechen, so würde Herr v. Mendel sich beschwert haben, daß ich nicht im Abgeordneleiihause gesprochen hatte, und hätte ich an beiden Stellen gesprochen, so hätte Graf Limbnrg-Stirum vielleicht noch behauptet, ich hätte das im Herrenhause vorbringen müssen, daS mir nicht zu- gänglich ist. Abg. Graf Arnim: Ich bitte, mir nachzuweisen, wo ich die Be- hauptung aufgestellt habe, daß an der Börse falsche Nolirungen lattfanben. Davon habe ich gar nicht gesprochen. Abg. Richter: Ueber falsche Loko-Notirungen an der Börse hat Graf Arnim in der„Post" vom 5. Juli 1396 geschrieben. Abg. Graf Arnim: Es ist«in Unterschied zwischen falschen Preisen und unberechtigten Einwirkungen aus die Preisbildung. (Gelächter links.) Abg. Rickert: Ich bin nicht der Verfasser deS Flugblatte»; aber nach den heutigen Verhandlungen möchte ich fast glauben, daß alles darin Behauptete wahr ist! Abg. Graf Schwerin: Ich möchte Herrn Rickert und Herrn Richter bitten, zu warten, bis ich in einigen Tagen im Ad- geordnetenbause ausführen kann, daß ich niemals behauptet habe. daß die Börsenkommissivn ihre Pflicht bezüglich der Pretsttotirungeu verletzt habe. Damit schließt die Debatte. Als Mitantragsteller erhält das Schlußwort Zlbg. Paasche(natl.), welcher ausführt, daß der Antrag nur auf der linken Seile Widerspruch gefunden habe. Es handele sich darum, daß die ohnehin begünstigten großen Müllereien durch die Zollkredile noch iveiier begünstigt würden. Zur Geschäftsordnung bemerkt Abg. Nickert: Graf Schwerin hat mich ausgefordert, zu beweisen, daß er'den Steltinern falsche Notirungen vorgeworfen habe. Ich erlaube mir, seinen eigene» Bericht auf de» Tisch des Hanfes medsrzulegen. Darauf wird der Antrag des Grafen Schwerin gegen die Sliinme» der Sozialdemokraten und Freisinnigen angenommen. Schluß nach d Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag t Uhr. (A u t r a g Auer betr. die Gesinde-Ordnung, Antrag Kardarff wegen Aufhebung der Bäckereiverordnung und Antrag Lieberman» von Sonnenberg betr. die konfessionelle Eides« formet.)_ Z�nrlcnnenkAvifLxes. Dem Reichstage ist eine Denkschrift, betreffend die finanzielle Entwickelung der Jnvaliditäls« und Altersversiche- rungs-An st alten und der zugelaffenen besonderen Kassen» »inrichtungen, zugegangen. Arbeit für die Wahlprüfungs Kommission. An den Reichs« tag sind jetzt drei Ansechtnuge» wegen der Reichstags-Ersatzwahl im zweiten badischen Wahlkreise gerichtet worden, eine von de» Sozial- demokraten, eine in zwei Schristsäyen seitens des Zentrums und eine von den Nationalliberalen gegen Zentrumsumtriebe. Tie Bndgrtkommission vertagte am Mittwoch ihre Sitzung, da der Referent Abg. L>eber durch Krankheit am Erscheine» ver- hindert war. Abg. v. K a r d o r f f erklärte zu Beginn der Sitzung, daß die Annahme des Herrn Hammacher, die er in der vorige» Sitzung äußerte: alle Parteien billige» die Politik der Regierung i» der krelennschen Frage, unrichtig sei; seine Partei habe manche Be- denken gegen diese Politik und habe aus gewissen Rücksichten mit ihrem Urtheil zurückgehalten.— Die Agrarier werden in den nächsten Tagen die Regierung über die Durchführung des Börsengesetzes interpellire». Zuerst soll im Abgeordnetenhause und eventuell nachher auch im Reichstage die Interpellation eingebracht werden.— Der Reichstags-Abgcorduete Dr. Wilh. Theodor Rudolph'!, Gymnasialdireklor a. D., geboren am 30. März l82S, ist beute Nacht gestorben. Rudolphi war seit 1871 Vertreter für Bergheim— Ens kirchen(3. Köln) im Reichstage, und seit 1870 im Abgeordnete»- Hause. Er zählte zur Zentrumspartei und war einer jener seltenen Abgeordneten, welche mit größter Regelmäßigkeit alle» Plenarsitzungen beiwohnen. Er soll in den 27 Jahren seiner parlamentarischen Thätigkeit bei keiner einzigen namentlichen Ab» ftimmung gefehlt haben. Dr. Rudolphi hatte einen der sichersten Wahlkreise der Zeulrumspartei inne. Bei der letzten Wahl erhielt er von 14 676 abgegebenen gillige» Stimmen 14 439. Blos ei» Sozialdemokrat war ihm entgegengestellt. Derselbe erhielt aber nur 203 Stimmen.— VsvkKi-MsLzvichten. Der Landes Vorstand der Sozialdemokraten Württem bergS beruft die diesjährige Landes-Versammlung auf Sonntag den 18. und Montag den 19. April(Ostern) in die .Arbeiterhalle" nach Stuttgart ein. Die provisorische Tages ordnnng lautet: 1. Thätigkeits- und Kaffenbericht. 2. Bericht über das Partei-Organ. 3. Bericht des Landtags-Abgeordnelen Kloß über feine Thätigkeit im Landtag. 4. Die württembergische Steuer reform. S. Erledigung etwaiger Beschwerden. 6. Anträge. 7. Neu« wähl de? LandeS-VorstandeS. 8. Verschiedenes. Der Gemeinderath in UntermhauS bei Gera hat eS mit 11 gegen b Stimmen abgelehnt, eine von einem Privatkomitee verlangte Summe von 160 M. zur Feier des Geburtstags Kaiser Wilhelms I zu bewilligen. Diese Summe sollte dazu verwendet werden, an die Schulkinder Festschriften zu vertheileu und den Veteranen von 1870/71, bez»ehentlich deren Hinterbliebenen eine Unterstützung zu überreichen. Unser Genosse E e i f a r t h verwies gegenüber dieser Geldsorderung darauf, daß die arbeitende Bevölkerung gar keine Veranlassung hat, die Feier für«inen Regenten zu unter» stützen, unter dessen Regierung auf grund des Sozialistengesetzes mehr alS 1000 Jahre Gesängniß über Personen verhängt wurden, die weiter nichts verbrochen hatten, als auch unter einem Ausnahmegesetz ihrer sozialistischen Ueberzengung Ausdruck zu geben, und von denen eine Anzahl selber auf den Schlachtfeldern Frankreich? gekämpft und dadurch zur Er- richtung des Deutsche» Reichs beigetragen haben. In Beziehung aus die geplante Unterstützung der Veteranen verwie« Eeifarth darauf, daß im Reichs-JnvalidensondS Mittel genug vorhanden sind, um die Veteranen oder ihre Hinterbliebenen ausreichend zn unterstützen. Wegen der Ablehnung der, wie gesagt, noch dazu von einem Privatkonsortium geforderten Summe wird nun in der sogenannten gutgesinnten Press« der übliche Lärm gemacht. Aus dem allgemeinen Beutel die Kosten für Fürsten-Ehrungen zu bestreiten, hat das Patrioten- thnin, für das diese Presse schreiben muß, freilich allezeit angenehmer befunden, als in die eigene Tasche zu greifen. Anderseits billigen es die- selben Patrioten, wenn städtische Lokalitäten, die allen bürgerlichen Parteien offen stehen, den Arbeitern für die Maiseier verweigert werden. Es genügt, auf diesen Widerspruch in dem Verhalten der .Patrioten" hinzuweisen, um ihr Gezeter über unser« Partei in das richtige Licht zu stellen. Todtenliste der Partei. In Offen dach hat die Partei durch den Tod deS Drechsler? Ludwig Dertinger und de? Schuhmachers Karl H e f f e einen schweren Verlust erlilten. Beide, die im besten ManneSalter starben, haben sich durch treues, eifriges Wirken für den Sozialismus um unsere Partei sehr verdient ge» macht. In welch' hohem Maß« sie sich die Sympathie des kämpfenden Proletariat? erworben hatten, zeigte die große Theilnahme bei der Beerdigung. 3—4000 Personen erwiesen ihnen die letzt« Ehre. In Gera ist der Parteigenosse Karl Herfeld im Alter von fast 76 Jahren aus dem Leben geschieden. Er war z» Köln am Rhein geboren. Bereits als Jüngling schloß er sich begeistert den Kämpfen um die Erweiterung der Volksrechte an, und seit eS in Deutschland eine sozialistische Bewegung giebt, war Herfeld einer ihrer rührigsten Förderer. 1843 befand er sich in Düsseldorf in den Reihen der Kämpfer, die sich auf Lassalle's Ruf zum Schiitz« der Verfassung er- hoben hatten. 1849 widerfuhr ihm daS Mißgeschick, daß er, alS Landwehrmaun zur preußischen Leibgarde eingezogen, mit gegen die badischen Freischärler zu Felde ziehen mußte. In Gera hat Herfeld gegen 20 Jahre als Zcugdrucker in der Fabrik gearbeitet, bis er diese Arbeit vor ö Jahren wegen Altersschwäche ausgeben mußte. Da ihm eine kleine Rente und einige Erspaeniss« zu Gebote standen, konnte er sich in da? dortige Hospital einkaufen und sein« letzten Lebensjahre in ruhiger Zurück» gezogenheit und Zufriedenheit hinbringen. Er stand ohne Angehörige da. Mit Herfeld, schreibt die„Reuß. Tribüne", verliert die Sache de? Proletariats einen ihrer treuesten Anhänger und Förderer, der mit seinem klaren Verstand« in überzeugnngskräftiger Sprach« die Grundsätze unserer Sache vertrat und vorbildlich unter den Arbeitern wirkte. Seine zahlreichen Freunde werden ihn nie vergessen. Polizeiliches, Gerichtliche» rc. — Im August 189t) hat Frau Emma Ihrer auS Pankow bei Berlin in Schlesien mehrere Bersammlungen abgehalten, unter anderen in Liegnitz uud Hayna». Die in diesen beiden Städten gehaltenen Reden trugen ihr eine Anklage wegen Ver. ächtlichmachung staatlicher Einrichtungen ein. Das Landgericht in Liegnitz erkannte aber am 10. Juni v. I. aus Freisprechung, da in de» beiden Reden keine Thatsachen behauptet und folglich auch keine Slaatseinrichtungen verächtlich gemacht worden seien. Gegen die Freisprechung legt» dt, Staatsanwallschaft Revision ein. Da» Reichsgericht hob auch das Urtheil, soweit es sich auf die Rede in Liegnitz bezog, auf, weil es in den vom Liegnitzer Landgericht festgestellten Worten der Redneri»:.Die Gejetze über die Sonntagsruhe und die Krankenkassen hätten keinen Werth, denn sie böten viele Hinterthüren; es werde hinter ver- schlössen«» Thüren weiter gearbeitet und Polizei und Unternehmer reichten sich die Hände," kein Urtheil er- blickie, sondern«ine Behauptung von Thatsachen. Zur erneuten Eulscheidung wurde die Sache an das Landgericht in S ch w e i d n i tz verwiesen; weshalb sich denn am 9. März Frau Ihrer dort zu ver- antworten hatte. Das Schweidnitzer Gericht erachtete auf grund der Beweisaufnahme die oben angeführte» Worte nicht für erwiesen, die Augeklagte habe sich nur an die amtlichen Berichte über die Gewerbe-Jnspektion gehalten und diese seien ohne weiteres als wahr zu erachten. Die Angeklagte habe weder Thatsachen entstellt noch erdichtet und deshalb sei ans Freisprechung zu erkenne» gewesen. Außerdem sprach das Gericht Frau Ihrer die Erstattung der ihr seit dem Liegnitzer Urlheil in der Prozeßsache erwachsenen noth- wendigen Auslagen zn.— Ter Staatsanwalt halte 100 M. Geld- strafe oder 10 Tage Gesängniß beantragt. — Wegen Beleidigung der Breslauer Polizei wurde der Redakteur der dortigen„Volksmacht", Genosse Zahn, vom Landgericht zu 1S0 M. Geldstrafe verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte 1 Monat Gesängniß beantragt. Das Vergehen ist in der Wiedergabe einer vor Gericht gefallenen Aeußerung über die Polizei gesunden worden._ Gemevkschastlichrs. Berlin und Umgebung. Achtung, Schneider! Bei der Firma Ed. Sohn, Char- lottenstraße 48, sind wegen Lohnabzüge Differenzen ansgebroche». Vier Kollegen, welche damit nicht einverstanden waren, sind«nt- lassen: ebenfalls zwei gänzlich unbelheiligle. Zuzug ist ftengstens zu meiden. Die Täschner nnb Koffermacher werden sich auf dem am 18. April in E r f u r t tagenden Satllerlongreß durch einen Delegirten vertreten lassen. Der GesellenauSschnst der Bäckerinnnng„Konkordia" theilt uns zu unsrcr gestrige» Notiz, in der es nach Berichten bürgerlicher Blätter hieß, daß die Vertreter der Gesellen mit den Meistern vollständig übereinstimmten darin, daß es„ganz unmöglich sei. Kost und LogiS im Hause des Meisters abzuschaffen," folgendes zur Berichtigung mit:„Der Gesellenausschuß, der übrigens durch weg ans gewerkschaftlich orgamstrte» Arbeitern besteht, hat sich durchaus nicht die Meinnug der Meister zu eigen gemacht, sonder» hat nur erklärt, daß, solange die Nachtarbeit besteht, die Abschaffung von Kost uud Logis beim Meister den Gesellen wenig Vortheile bringe» werde. Denn eS würde» sich nur wenig Schlaf ftellenvermielher finden, die sich den Unannehmlichkeiten würden aus setze» wollen, die die Anivesenheil eines tagsüber schlafenden Menschen mit sich bringt. Dieselben U»annehmlichk«il«n ergeben sich sär die Geselle» selbst beziehentlich der Mahlzeiten, die sie durch ihr« Nachtarbeit auf sonst bei Arbeitern ganz ungewohnte Zeiten verlegen müssen. Daher erklärten die Gesellen zunächst für Auf- Hebung der Nachtarbeit eintrete» zu wollen." In dieser Frage decke» fich, wie a»S dem Bericht des Meister- orgauS„Konkordia" ersichtlich, die Wünsche der Meister mil denen der Gesellen, auch die Meister sprachen sich für die Abschaffung der Nachtarbeit aus, freilich aus ganz andere» Gründen. Sie meinen daß der Maximal- Arbeitstag den Großbetrieb großziehe und den Kleinbetrieb vernichte; dieser lönne nur durch Abschaffung der Nachtarbeit erhalten bleibe». Die Maurer»ud Zimmerer in Kalkberge-RüderS- d o r f wolle» vom 1.'April an anstatt 3S Pf. 40 Pf. Stundenlohn fordern. Wahrscheinlich dürfte ei zum Streik kommen und ist daher schon jetzt Zuzug sernzuholten. Deutsches Reich. Die Brandenbnrgcr Manrmneifter haben die Forderung der Maurer auf 40 Pf. Slundenlohn rundweg abgelehnt. Sie bieten eine» Höchstlocm von 38 Pf. Die Arbeiter halten an ihren Forderungen fest. Streikbrecher haben sich noch nicht gefunden. Die Organisation der Maurer ist 400 Mitglieder stark. Zum Ttschlerstrcik in Elberfeld-Barmen. In Elber» feld erklärten sich die Nnternehmen in einer gemeinschaftlichen Be- sprechung zn Unterhandlungen bereit und scheint auch für die Forderungen der Streikenden ein Entgegenkommen vorhanden z» sei», wenn die Arbeiter ans die Verkürzung der Arbeilszeit ver- zichte». Die Versammlung der Streikenden hat jedoch diesen Ver- zicht abgelehnt und beschlossen, daß von denjenigen Arbeiter», die ihre Forderung bewilligt erhalten, Unverheiralhete wöchentlich 2 M. und Verheiralhete 1 M. zum Streikfonds beisteuern sollen. In verschiedene» Werkstätten befinden sich die Arbeiter»och in Uuterhandluiigen. Von den Unverheiralheten sind 50 abgereift. In Barmen befinden sich 130 Tischler im Ausstand, welche Zahl sich im Laufe der Woche noch um b0— 60 vermehren dürfte. Zu den Werlstätte», wo die Forderungen anerlannt wurde», sind noch einige hinzugekommen. Von den AuSständigen ist auch hier ein größerer Theil abgereist. In der Holzwaaren-Mannfaktur von Gebr. Echmidtchen in Altwasser(Schlesien) habe» die Tischler und die Bild- Hauer die Arbeit eingestellt. Die Drechsler und Drechsler- poltr« rinne» werden wahrscheinlich ebenfalls z»m Streik ge- zmungen sein. Am letzten Lohntage ist de» Poliminnen«in Abzug von 2ö pCt. gemacht worden, so daß eine Arbeiterin überhaupt nur l.vv M ausgezahlt erhielt. Aufragen sind zu richten an i Fritz Thienst, Allwasser III, Bez. ISd. Die Tischler Elmshorns haben mit den Nnternehmern einen Vergleich abgeschloffen, wonach sie vom 1. Mai ab einen Slnnden lohn von 33 Pf., beim Umziehen 4S Pf. und 25 pEt. Ausschlag für Ueberstunden erhallen. Die Leipziger Manrer gedenken in diesem Jahre in ein« Be wegung um Verkürzung der ArbeilSzeit und Erhöhung deS Lohnes einzutreten. Durch einen Beschluß deS EinigungSaniteS des Geroerbe« gerichtes war ihnen 1395 ein Slnndenmindestlohn von 42 Pf. bei zehnstündiger Arbeitszeit zugebilligt. Gleichzeitig war aber eine spätere Erhöhung deS Lohnes ausgesprochen worden. In einer am Dienstag Abend abgehaltenen und von«lwa 1300 Personen besuchten Versammlung ist nun beschlossen worden, die neunstündige Arbeitszeit und 50 Pf. Etnndenmindestlohn zu fordern. Der Banarbeitgeberbnnd hat für Allersfchwache und Junggesellen 43 Pf., für die übrigen Arbeiter 48 Pfennige Mindestlohn bewilligt, will aber entschieden an der zehnstündigen Arbeitszeit sestballen. Um in dieser Frage zu verHandel», haben fich nun die Maurer dein Borschlag der Innung der Maurer- und Zimmermetster angeschlossen nnd 6 Kameraden zu den Verhandlungen delegirt. Die Zimmerer werden gleichfalls mit in die Verhandlungen eintreten und 3 Mann delegiren. Bei den Zimmerern ist der Etundenmindestlohn. infolge der Bewegung bei den Ausstellungsbauten so wie so schon aus 50 Pfennige be messen. Die Bauthäligkeit verspricht dies Jahr besonders stark zu werden, was dem Arbeiter sicher bei einer eventuell eintretenden Lohnbewegung zu statten konimen würde. AnS Mainz wird berichtet, daß die Maler- und Tünchermeister den Gehilfe» de» Zehnstunden tag, 10 Pf. Zn- schlag für Ueberstunden und 20 Pf. Zuschlag für Nacht- und Sonn- tagsarbeit bewilligt, die Abschaffung der Akkordarbeit und die ge- forderte allgemeine Lohnerhöhung von 10 Ps. die Stunde dagegen abgelehnt haben; nur die besseren Arbeiter sollen 3 Pf. die Stunde mehr bekommen. Ein« Versammlung der Maler- und Tüncher- gehilfen beanftragte die Lohnkouunisston, da» Gewerbegericht als Einigungsamt anzurufen. «uSland. An» Bern wurde am Mittwoch telegraphirt: Die heute bei dem Schweizer Bahndepartement angelangte Antwort der Nordost- Bahn auf die Arbeitersord«rung«n lautet unter Hinweis auf die vom Verwaltungsrath eingesetzt» Kommisston ablehnend. Der Generalsekretär der Eisenbahner- Organisation, S o u r b e ck. berieth vormittags mit dem Bundesralh Z e IN p und reiste sodann nach Zürich ab. Aus Veranlassung des Bahndepartements wird das Zentralkomitee der Eisenbahnen noch einen Versuch zur Verständigung machen und die Mitglieder der vom Verwaltungsrath eingesetzten Kommisston auf morgen zu einer Konferenz nach Zürich laden zur weiteren Prüsnng der Forderungen des Personals. Sollten aber die Verhandlungen kein für das Personal befriedigendes Ergebniß haben oder sollte in der Ausführimg der gemachten Zusagen Verzug ein» treten, so erscheint der A u s st a n d unvermeidlich. Dem„St. Galler Stadt-Anzeiger" zufolge hat der Verwaltnngs« rath für die Werkstätten-Arbeiter bereits solgende Lohnordnung fest- gesetzt: Der Arbeitstag ist der zehnstündige, der Lohn Stundenloh», für Ueberarbeitszeit mit einem Zuschlag von 25 pCt. Die Löhne be- tragen für Arbeiter über 2t und unter 60 Jahren: bei den Hand- werkern wenigstens 40 nnd höchsten? 68 ClS. pro Stunde, bei den Handwerksgehilsen nnd Maschinenarbeitern 33 und 52, bei den Hand- langern 37 und 44 Cts. Die Ausbesserungen erfolgen je nach zwei Jahren an dem An- fang eines Kalenderiahres und betragen bei den drei Kategorien 4, 2 und 1 Cts. bii zur Erreichung eines Stundenlohnes von 60, 43 und 42 Cts. Die Maximalsätze können bei wichtigen dienst- lichen Leistungen gewährt werden. Die Einreihung(und erst- malige Erhöhung) beginnt den 1. Juli 1333, die zweite den 1. Januar 1399. Tic Hafenarbeiter-AuSsperruna in A a r h u S in Dänemark ist beendigt und zwar, wie man uns im Gegensah zu den Angaben der„Köln. Ztg." schreibt, mit einem entschiedenen Siege der Arbeiter. Die Differenzen begannen am 2. Januar, weil die Arbeiter sich weigerten, eine Hamburger Dacht zu löschen, worauf der Unlernehmerverband sämmtliche Hasenarbeiter— 500 an der Zahl— aussperrte. Nun hat sich die Direktion des Unternehmer- Verbandes verpflichtet, alle alten Arbeiter wieder anzu- nehmen und die neuangenommenen baldmöglichst zu entfernen. Es wurde ferne?«ine Verhandlung mit der Leitung des Fachvereins betreffs einer Lohneryöhung für die Kornboden- Arbeiter zugesagt und damit die Arbeiterorganisation anerkannt. Die neu an- genommenen Arbeiter weigern sich indessen, mit den alten zusammen zu arbeiten. Es scheint, als wenn dies zu neuen Konflikten Ver- anlassung geben soll. Der Kongreß der belgische» Bäckereiarbeiter, der am Sonntag in Brüssel abgehalten wurde, beschloß einen Verband zu gründen, dessen Leitung ihren Sitz in Brüssel haben soll. 'Abschaffung der Nachtarbeit, staatliche Inspektion der Bäckerei- betriebe. Erringung eines Minimallohnes und gesetzliche Festsetzung einer Maximalarbeilszeit sind die Ziele, die der Verband zu /ur- folge» hat. Der nächst» Kongreß soll noch Ende dieses Jahre 13 abgehalten werden._ Ankernehmev�VevbÄndo. Zu einer allgemeinen Preiserhöhun-z für Nasiren und Haarschneiden fordert der Haux)tvorstand deS«„»des deutscher Barbier-, Friseur-«nd iperrilcken- macher-Innungen all« dem Bund angehörenden Jnr-ungen auf. Sie sollen sämmtlich in ihren Osterquarlals-Bersamnilungen be- schließen, die Preis« für da? Rasiren auf 15 beziehentlich 20 Pf., für das Haarschneiden auf durchschnittlich 40 Pf. zu„.höhen. Auch der Zeitpunkt, wann die Preissteigerung Geltung erlangt, soll einheitlich geregelt werden. Besondere AuSno.'ymen betreffs der örtlichen Berhällnisse und der Art des Betriebes sollen nicht zulässig sein, dagegen wird den Geschäft.«», die hauptsächlich auf Arbeiterkundschaft angewiesen sind, freigestellt, als Uebergangsstadium«in nur unwesentlich erhöhtes Abonnement einzurichten. k Wenn der Bund auch das sein« dazu thtfn wollt«, daß die Innungen die fast durchweg überaus«lerrden Löhn« der Gehilfen aufbessern und deren erb arm un g S w ürdig lange Arbeitszeit abkürzen, so ließe gegen d>« Preiserhöhung nichtS einwenden. Aber damit wird*»•"*-l hapern. Eine Bereinigung der Schnhwaarenhändler«. i» W««»- berg, Fürth und Umgegend ist gegründet w.-irden. Haupi des Vereins ist die Wahrung gemeinsamer Interessen uno« kämpfnng des in der Schuhwaarenbranche üdery.mu» netjn nnlanteren Wettbewerbes. Es soll darüber gewacht wt?b?tz. v p Milglieder weder in ihren Schaufenstern noch durch Relläi.. Preise anlündigen, die den Thatsachen nicht entsprechen, serner daß sie keine Ausverkänse arrangire», falls es sich nicht um«ine thatsächlich« Aufgabe des Geschäftes handelt. Mit den Fabrikanten und Grosststm, die an Bazare nnd Waarenhäuser, welch« nicht speziell Schuh» geschäfte sind. liefern, haben die Mitglieder jeden geschäftlichen Verkehr abzubrechen. Sogenannte Lockartikel, deren PreiS sich nur wenig über den Einkaus-preis erhebt oder noch unter demselben steht, dürfen nicht geführt werden. Gegen die Geschäfte, dt« zn Schleuderpreisen Ednihwaaren verkaufen, soll in einer jeioeilt näher zu bestimmenden Weise vorgegangen werden. Der Verein wird, nach der„Frank. Tagespost", um die Erlheilung der Rechte«nur juristischen Person nachsuchen. In Odessa hat stch«in Syndikat gebildet, daS den«er. kauf der landwirthfchastlichen Produkt« und de» Ankauf landwirthschastticher Maschinen besorgen will. Das Ziel des Syndikats ist, jede andere«ermiltelung zwischen den Landivirlhe» und den Konsumenten einerseits und andererseits zwischen den Landivirthen und den Maschinenfabriken zu beseitigen. Das Syndikat hat Filialen in London, Antwerpen und Marseille._ Sozittles. Die deutsche überseeisch- Auswanderung betrug im Jahre 1896 32152 Personen gegen 37493 im Jahre 1895. Davon wurden befördert: über Bremen 12 543, Hamburg 12 824, ander« deutsche Häsen(meist Slettin) 899, Anlwerpen 5199, Rotterdam und Amste» dam 1144, französische Häfen 38. Von der Gesammtzahl der A»S- wauderer gingen nach den Vereinigten Staaten 27 360, nach Britisch- Nordamerita 634, nach Brasilien 986, nach anderen Theilen von Amerika 1470, nach Afrika 1346, nach Asien 144 und nach Auslralie» 174. Seit dein Jahr« 1871 bis einschließlich 1896 sind inSgesainmt 2 403 110 Personen ausgewandert. Seit dem Jahr« 1879 ist die Auswandererzahl des Jabres 1896 die bei weitem niedrigste, die höchste Zahl weist daS Jahr 1380 mit 220 902 Auswanderern auf. Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle im Jahre I8VS. Die Zahl der Eheschließungen im Deutschen Reich betrug im Jahre 1835 414 213 oder 7,97 auf 1000 Einwohner gegen 403 066 oder 7,34 im Jahre 1894; ihre Zahl ist sowohl absolut wie im Ver- hältniß zur Bevölkerung größer olS der Durchschnitt der letzten Jahre. Die Zahl der Geborenen betrug 1 94l 644 oder 37.36 aus 1000 Einwohner gegen 1904 279 oder 37.07 iin Jahre 1394, die Zahl der Gestorbenen 1215 854 oder 23,40 aus 1000 Ein-- ivohuer gegen 1 207 423 oder 23,50 i. I. 1394. Der Ueberschuß der Geborene» über die Gestorbenen betrilg danach 725 790 oder 13,96 aus 1000 Einwohner gegen 636 374 oder 13,57 im Jahr« 1394. Die Geburtenzahl des Jahres 1335 überragte. absolut genommen, den zehnjährigen Durschschnitt. blieb ober in ihrer relaliven Höhe dahinter zurück. Die absolute Zahl der Ge- storbenen war l8S5 kleiner als im Jahresdurchschnitt; die Relativ- zahl der Sterbesälle, die schon im Jahr« 1894 besonders niedrig war. ist 1695 noch weiter gesunken. Ei» gleich günstiger Stand der Sterbeziffer ist seit 1841. biS wohin die für das gesammte Reich vorliegenden Nachrichten über die Sterblichkeitsverhältnisse zurück- reichen, nicht beobachtet worden. Der Geburtenüberschuß stellte sich für 1395 absolut und relativ höher als im Durchschnitt von 1886/95. Um de» Milzbraudvergiftungeu vorzubeugen haben die Arbeiter und Arbeiterinnen der Bürste»« und Pinsel» Industrie in Nürnberg seinerzeit eine Kommisston eingesetzt. die die Behörde» für die Sache zn interessiren hat. Es Handell sich vor allem darum, ein Desinfektionsmittel ausfindig zu machen, das den auf den Borsten hastende» Milzbrandbazillns vernichtet. ohne den Borsten zu schaden. In einer Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen der Nürnberger Bürsten- und Pinselindnstrie wurde nun lder Kommission das Ein- verständniß mit ihrer bisherigen THKtigkeil ausgesprochen und der Erwartung Ausdruck gegeben. daß, wenn die bis jetzt vor- handenen Desinfektionsmittel geprüft sind und die Prüfung zn keinem befriedigenden Resultat geführt hat, unverzüglich vom Magistrat Schritte geschehen werden, um in kürzester Zeit in Gemeinschaft mit den betheiligten� Interessenten das schon mehrfach besprochene Preis- ausschreibe» für das geeignete Desinfektionsmittel zu erlassen. Femer erwartete die Versammlung, daß auch vom Reichs- Gesundheitsamt i» Berlin der Sache mehr Interesse als bisher entgegengebracht und der Abschluß der Verhand- lungen beschleunigt wird. damit nicht noch eine Anzahl Ar- beitcr und Arbeiterinnen der Milzbrandvergiftung zum Opfer falle», ehe umfassende Verhütungsmaßregeln für das ganze Deutsche Reich erlassen sind. Rrbeiter-Ristko. Aus Beuthen in Oberschlesien wird tele- graphirt, daß in der F n l v a- H ü t t e am Mittwoch durch Platzen eines Dampfrohrs 14 Arbeiter verbrüht worden sind: ein Arbeiter ist todt. Arbeitcriuuetl- Löhne. Nach sehr sorgfältig geführten Er- kundigungen der„Stuttgarter Vereinigten G e w e r k- schaften" erhielten in neun Berufen, wo der Verdienst ermittelt werden konnte: I6li Arbeiterinnen je 12 M. Wochenlohn, loo..„ 10„ 31'1«» 9» H 1390„ 8„ 450 7 „„•«„ Ju Neuhofen(Rheinpfalz) ließ die Zuckerfabrik Franke n thal durch die Ortsschclle den Landwirtheu für den Zentner der Heuer zn pflanzenden Zuckerrüben 90 Pf. oficriren. Am verflossenen Sonntag traten 35—40 Bauern zur Berathung über das gemachte Angebot zusammen. Man fand dasselbe zu niedrig, erachtete den Rübenbau hierfür als durchaus unrentabel und einigte sich einstimmig dahin, unter diesen Umständen vom Anbau von Zuckerrüben für das lausende Jahr abzusehen. VevVawnrlunAct?-. Der Wahlvereiu fiir deu vierte» Reichstags- Wahlkreis (Osten) hielt am Dienstag im Lokal Königsbank eine Versammlung ab, in der Genosse Dupont einen sehr beifällig aufgenommenen Vort rag über„Vorkommnisse und Besch l'ü s s e im R o t ch e n Hause" hielt. An der anschließenden Diskussion de- theilig.teu sich zwei Genossen. Nach einem kräftigen Schlußwort des Reseremte». in dem er ersuchte, Beschwerden jeglicher Art über die Nonnnuoalverwaltung den Vertretern der sozialistischen Arbeiter- schaft zu unterbreiten, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit der Mahnung, stets für regen Besuch der Wahlvereins- Versamm- lungen zu agitireu. Der twozialdemokratische Verci» Vorwärts hielt am»er- gangenen Dnenstag eine Versammlung in der Bclsorterstraße ab. Genosse Wagner rcferirte über das Thema: Die heiligsten Güter der Deutschen unter Bezugnahme auf die bevorstehende Hunderljahr- stier. Redner verweist u. a. aus die Völker des Alterlhums, die trotz ihrer scharf betonten Vaterlandsliebe dennoch zu gründe gingen, weil der nationale Gedanke nicht im eigentlichen Vollsbewußtscin begründet war. Das deutsche Volk, das in den sogenannten Befreiung?- kriegen sein Guz und Blut fürs Vaterland hingegeben, wurde zum Lohne dafür entweder seiner Freiheiten beraubt, oder die ver- sprochene Verfassung nicht gewährt. Was in dieser Beziehung die Fürsten unterlassen, vollendete das jämmerliche Bürgerthum durch das Ausnab'-regesetz, um den letzten Rest von Freiheit zu vernichten. ■um? damals, jo mich heute, hat das eigentliche Volk seine ganze -traft einzusetzen für Erhaltung und Verbesserung der heiligsten ni®'rle Diskussion fand nach den mit Beifall aufgenommenen .UiSfuhrungen nicht statt. Nach einer Aufforderung deS Vor- »tzenden um rege Agitation für den Wahlverein wurde nach einigen allgemeinen Mf.uheilungen die Versammlung geschlossen. Ajsi griffe der„Post"«ud der„Germania", welche diese �.ätter gegen die Kommission zum Austritt aus der Landeskirche gerichtet halten, bildeten die Tagesordnung einer Versammlung, die am Dienstag im Kolberger Salon stattfand. In der Dislnssio» wurde ein Brief verlesen, der von hochgestellten Persönlichkeiten unterzeichnct ist und in dem der Klingelbeutel geschwungen wird für die Frau des ehemaligen„Kreuz-Zeitungs"-Redaktetirs, Herrn v. Hammer- stein. Ein anderer Diskussionsredner, der von den Polizeibeamten wegen einer ganz harmlosen Bemerkung verhastet worden war, befand sich am Ende der Versammlung bereits wieder auf freiem Fuße. Ii» der Freien Vereinigung der Häudlcr und Händ- lerinne» hielt Kollege Luther einen Vortrag über ein grwerk- schafiliches Thema, an dem sich«ine rege Diskussion anschloß. Sodann beschäftigte sich die Versammlung mit Bereinsangelegenheiteu. Es wurde»>' Mitglieder anfgenoinmen. Kollege T r u n s ch machte bekannt, daß die nächste Aereinsversammlung am Freitag nach dem 13. d. Mts. bei Scheere, Blumeustr. 33, stattfindet; serner, daß in diesem Jahre keine März-Zeitu»g erscheint. Ferner erklärt die Vereinigung, daß sie nicht identisch ist mit dem Verein, der am 13. Januar d. I. sein Fest abhielt mit einer Bannerweihe. Die Stukkateure hörten i» ihrer letzten Vereinsversammlung eine» Vortrag des Genossen Sonntag über:„Der Kamps ums Dasein." Von der Firma Professor Lessing, welche die Arbeit an der Schloßfreiheit übertragen erhalten hat. wurde berichtet, daß Sonnlag- und Ueberstundenarbcil wieder an der Tagesordnung sind, während hunderte von Kollegen schon 10 bis 11 Woche» ohne Beschäftigung sind. Es wurde angegeben, daß allein für Ueberstuudeil 10 M.(in welcher Zeit? Red.) verdient worden sind. Von der Masse der Kollege», die gegenwärtig dort arbeiten, hatte es trotz Einladung keiner der Mühe werthgehaiteu, zu erscheinen. Der Vertraueiisman» wurde beanstragt, zum Montag den 1ö. d. M. eine öffentliche Versammlung bei Buske einzuberufen. Zum sSchluß wurde auf die Lohnbewegung in Magdeburg aufmerksam ge- macht und aufgefordert, daß sich kein Berliner Kollege zum Streik- brecher hergeben möge. Der Verein zur Wahrung der Interesse» der Maurer VcrlinS und Umgegend hielt am 4. d. M. eine Versammlung ab, tu der Genosse Hansen einen Vortrag hielt. Das Mitglied Wartenbcrg wurde aus dem Verein ausgeschlossen. Die Ver- sammlungcn sindcn in Zukunft an den Sonntagen nach dem ersten und fünfzehnlen eines jeden Monats statt. Die Posaincntcnarbciteriunr» und Arbeiter hicllcii am Montag eine öffentliche Versammlung ab, in der das ßiesultat der vorgenommenen Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse in dieser Brauche bekannt gegeben.-wurde. Nach dem Bericht sind von den 38 Fragebogen, die 21 Fragen enthalten, bisher 26 ein- gegangen, die Auskunft von 217 Arbeitern, wovon 120 organisirl sind, und 399 Arbeiterinnen geben. Der Lohn schwankt nach den gemachten Angaben bei den Arbeiten! zwischen IS und 24 M., in einzelnen Fällen 2S bis 30 M., bei den Arbeiterinnen 7, 8 bis 12 M. und nur selten darüber hinaus. Die Arbeitszeit wurde auf 9 bis 10 Stunden angegeben. Kündigung ist bei IS Firmen nicht vor« Händen. Die Frage»ach den sanitäre» Einrichtungen ist häufig dahin beantwortet, daß dieselben ungenügend, schlechte Ventilation in den mit Staub geschwängerten Arbeits- räumen, mangelhaste Sauberkeit, vorherrschend ist. Getrennte An- kleideräume werden öfters als nicht vorhanden bezeichnet. In mehrere» Fällen werden Arbeiterinnen entgegen den gesetzlichen Vorschriften des Sonnabends über die Zeit von'/ell Uhr binans beschäftigt. Die Behandlung der Arbeiter und Arbeilerinnen seitens der Werkführer und Fabrikanten wird bei einigen Firmen als schlecht bezeichnet. Für eine Lohnbewegung sprachen sich von de» befragten Arbeitern nur 60 aus, die fast durchwegs neunstündige Arbeitszeit und 27 M. Lohn forderten; dagegen stimmten 157. In der hierauf folgenden Diskussion wurden die Zustände bei mehreren Firmen kritisirt und auch die Lauheit der Arbeiter und Arbeiterinnen bemängelt. Gleich der Agitationskommission sprachen sich auch die anderen Redner vorläufig gegen eine Lohnbewegung unter den gegebenen Umständen ans, forderten aber zum festen Zusammenschluß und zur regen Agitation aus, sowie zu einer besseren Betheiligung an de» Sammlungen zum Reservefonds, als dies bisher der Fall war. Nachdem die Abrechnung vom Reservefonds, der gegenwärtig über 000 M. beträgt und die der Agitationskommission gegeben worden waren, wurde dieSienwahl der Agitationskommission vorgenommen. Die Komniisston besteht, wie die vorige, aus S Personen und sind die ver- schiedenen Spezialbranchen darin vertreten. Wie im weiteren mitgetheilt wurde, soll auch in Landsberg und Brandenburg in nächster Zeit eine rege Agitation entfaltet werde». Bezüglich der Maifeier wurde be- schloffen, an den Veranstaltungen der Textilarbeiter, die eine Zu- sammenkllnft im Restaurant Haverlandt in Ober-Schöneiveide planen, theilznnehmen. Bekannt gegeben wurde»och, daß am Montag, den 15. März, im selben Lokal, Roßstraße 3, eine Filial-Versamm- lung stattfindet. Die Lage der Angestellten in de» Versicherungsgesellschaften wurde in einer Versammlung, die am Dienstag von den Bureau- Angestellten nach den Armin hallen einberufen war, einer eingehenden Erörterung unterzogen. Die Gerüchte, welche im Umlauf waren, daß es den Angestellten verschiedener Bureaus verboten war. diese Versammlung zu besuchen, resp. ihnen anHeim gestellt wurde, dieselbe zu meiden, lassen darauf schließen, daß die Versicherungsgesellschafte» nicht besonders erbaut von dieser Tagesordnung waren. Das Referat Hatte der Genosse Alex Sailer übernommen, dem ein sehr reichhaltiges Material über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Angestellten mehrerer Gesellschaften zur Verfügung stand. lieber die Gehalts Verhältnisse in den Bureaus der Anwälte sind folgende Zahlen bezeichnend: Von 402 An- gestellten im Alter von 20 bis 40 Jahren hatten nach der Ausstellung der betreffenden Orts-Kra»ke»kasse 146 ein monatliches Einkommen von 100 Mark und mehr, 210 einen Arbeitsverdienst von 50 bis zu 100 Mark, 106 ein monatliches Einkommen von weniger als 50 Mark. I» den Bureaus der Gerichtsvollzieher erhalten von den 03 Angestellten i m A l t e r von 20—40 Jahren 17 ein Gehalt von 100 M. und mehr, 30 erzielen ein monatliches Einkommen von 50 bis 100 M., 21 haben einen monat- liehen Arbeitsverdienst von unter 50 M. zu verzeichnen. In de» Betrieben der Anwälte sowohl als auch in denen der Gerichtsvollzieher werde» vorwiegend jugendliche Arbeitskräfte mit demenlsprechender niedriger Entlohnung beschäftigt. So beträgt die Zahl der Angestellten bei den Rechtsanwälte» im Alter von unter 15 Jahren 51, von 15 bis 20 Jahren 849 neben 402 Angestellte» im Aller von 20 bis 40 Jahre». Bei den Gerichtsvollziehern werden 13 unter 15 Jahren. 132 von 15 bis 20 Jahren und nur 03 Angestellte im Alter von 20 bis 40 Jahren beschäftigt. Der Redner schildert hierauf die Folgen der durch das so äußerst minimale Einkommen bedingten Ernährungsweise, die sich besonders durch hohe Krankheits- und Slerblichkeit-ziffern geltend machen. Sin den Todesfällen soll in diesem Berns die Schwindsucht mit 70 und sogar 90 pCt. betheiligt sein. Der Redner verurtheilt die den Angestellte» oft zn theil werdende Behandlung, die sich der Arbeiter eines anderen Berufes niemals bieten lassen würde, und kritisirt das ablehnende Verhalten der Majorität im Anwaltverein gegenüber den Forderungen der Bureau- Angestellten. Uebergehend aus die Zustände bei de» Versicher ungs- gesellschafte» giebt der Redner ein trauriges Bild über die Arbeitsverhältnisse in diesem Spezialfach. Recht sonderbare Be- stimmungen sind bei der Versicherungsgesellschaft „Viktoria" vorhanden, die sonst bei jeder Gelegenheit ihre fogenaunte„Volksversicherung", die der arbeitende» Klasse zu gute käme, rühmt und mit ihren humanen Einrichtungen prahlt. Nach den Ausführungen des Referenten, der dabei bemerkt, daß auch bei anderen Gesellschaften, abgesehen von einigen unwesentliche» Abweichungen, gleichartige rigorose Bestimmungen für die An- gestellten eingeführt sind, werden die Arbeitsverhältnisse bei der „Viktoria" durch eine ganze Sieihe vo»„Verordnungen" der Direktion einseitig festgesetzt. So kann laut Anstellungsrevers die Entlassung innerhalb des ersten Dienstjahres täglich, vom 2. Jahr ab, monatlich erfolge». Die Löhne sind äußerst Minimal und belaufen sich auf 75 M. monatlich sogar für Kanzliste» und die im Nechnnngs- wesen beschäftigten Beamten. Das Gehalt der akademisch vorgebildeten Angestellten beträgt 100 M. Wie behauptet wird, waren früher sowohl dieAnfaugsgehälter.als auch dieGehälter im allgemeinen noch niedriger und erst im Dezember v. I.. als diese Versammlung bereits geplant war, wurden dieselben erhöht. Obwohl die Arbeitszeit auf acht Stunde» festgesetzt ist, muß häusig länger gearbeitet werden, ivofür eine Entschädigung nicht bezahlt wird. Auch für die Sonntagsarbeit, die abwechselnd von den Angestellten der ver- schiedenen Abtheilungen verlangt wird, findet eine Bezahlung nicht statt. Strafgelder werden in ganz enormer Höhe und bei jeder Gelegenheit erhoben. Unter anderen: für Verspätung über 10 Minuten mindestens 10 Pfennige, außerdem aber bei Sinaiiger Verspätung im Monat, je nach der Höhe des Gehalts 2,50, 5,00 und 7,50 M.; sür liegenlassen von Arbeit ans den Tischen, Steckenlasse» von Schlüsseln ec. 3 M. Für NichtMeldung dieser Unordnung muß der Tischälteste 3 Vi. bezahlen. Genuß von Bier u. dergl., auch Himbeerwasser zieht eine Strafe von 5 M. nach sich. DaS Mit- bringen dieser Getränke wird mit 10 M. geahndet. Im Wieder- holnngsfalle tritt sofortige Entlassung ein. Das Betreten des Akten- lresarS wird mit 10 M. bestrast. Wie behauptet wird, wurden Fehler in den Arbeite» mit 30, 50, sogar mit 100 M. bestraft. Im letzteren Fall soll davon ein An- gestellter betroffen worden sein, der bereits 13 Jabre bei der Gesellschaft beschäftigt ist. Der Vorsteher Th euer kauf, so wurde angeführt, verfügt bei vorkommenden Fehlern je. über den Betreffende» vier Wochen Sonn tagsarbeit. Gespräche miteinander und der Aufenthalt in fremden Bureaus ist verboten. DaS Ver- lasse» des Zimmers, selbst zu geschäftlichen Zwecken, muß erst beim Bureauvorsteher gemeldet werden. Zerbrochene Gegenstände(Lampen- glocken, Glühkörper. Fensterscheiben ic.) müssen von den Angestellten, bezahlt werden. Bei allen möglichen Gelegenheile» wird die Strafe der Entlassung angewandt. Nach diesem Muster sollen noch eine ganze Reihe von Strafbestimmungen exisliren. Eine Petition der Angestellten eineAenderuugderSIrbeitszeiteinirelenjulassen.wnrdenichtberücksichtigt. Anträge auf Gehaltserhöhung sind zurückgewiesen worden und den betreffenden anheim gegeben, sich eine lohnendere Stellung ander- wärts zu suchen. Nachdem der SHedner»och weitere Mißstände kritisirt und auch die sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen dieser Gesellschast beleuchtet hatte, die absolut für die Angestellten keinerlei Vortheil« bieten, wies er auf die hohen Dividenden hin(im Jahre 1395 29'/» pCt.), die die Gesellschaft nicht zum ge- ringsten Theil auf Kosten der Angestellten erzielt hat. Die Aktien der„Viktoria", auf die 600 Mark«ingezahlt wurden, hatten am 31. Dezember 1395 einen Lurswerth von 4200 Mark. Das Gehalt des Direktors soll außer den Tantiemen jährlich 80 000 M., das der drei Direktorialbevollmächtigten je 30 000 bis 35 000 M. betragen. Zum Schluß forderte der Referent die Ver- sammelten zum Anschluß an die Organisation auf, um gemeinsam sür die Erringnng menschenwürdiger Arbeitsbedingungen ein- zutreten. Ten mit lebhaftem Beifall aufgenommenen AuZsühnmgen folgte eine längere Diskussion, in der die vom Referenten gemachte» An- gaben noch vielfach ergänzt wurden. Ein Redner, der wohl zugeben mußte, daß die Verhältnisse derartige sind, glaubte aber doch noch für die Bersicherungsgesellschaslen in die Schranken trete» zu müssen und bemängelte, daß der Referent keiner vo» seineil Berufskollege» fei. Die nachfolgenden Redner gaben dem Herrn zu verstehe». daß sich leider von diesem Spezialfach keiner finde, um öffentlich in dieser Weise anfzutrelen,>veil die Gesellschaften die leiseste Auflehnung mit Maßregelungen beantworten. Recht hart verurtheilt wurde das Verhalten der Bureanvorfteher Hausmann und Theuerkauf. Nachdem wiederholt zum festen Zusammenschluß aufgefordert worden war, gelangte eine Resolution zur Annahme, in der sich die Versammellen mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklären und sich verpflichten, dem Zentralverein der Bureau-Aiigestelltei, beizutreten, Die HandelsHitlfsarbciter nahmen in einer öffentlichen Ver- sammlung am Dienstag in den Arminhallen Stellung zu de» Be- schlüssen der Leipziger Berusskonserenz. Der Delegirte Kamp er- stattete im ersten Punkt der Tagesordnung Bericht über die daselbst gepflogenen Verhandlungen. In der Diskussion unterzogen die der zentrale» Richtung angehörigen Redner Michaelis, Schertel und Oertel die Beschlüsse dieser'Konserenz einer absprechenden Kritik, während dieselben von Pohlitz, Putzer, Alboldt, Keßlinke, Kerlscher. Freude vertheidigt ivnrden. Schließlich gelangte eine Resolution, welche sich mit diesen Beschlüssen einverstanden erklärte, zur Annahme. Zu Revisoren für den Vertrauensmann der Handels- Hilfsarbeiter Deutschlands wurden S l e i n i ck e und K e ß l i n k e gewählt. Im Punkt„Verschiedenes" erörterte Pohlitz die Ans- Hebung des Boykotts über die Privatpost- Gesellschast in der letzten Versammlung der Berliner Gewerkschastskommission und empfahl der Versammlung, sich mit diesem Beschluß einverstanden zu erklären. Die Versammlung schloß sich nach längerer Debatte diesem Vor- schlage an. Eine öffentliche Versammlung der Täschner und Koffer- arbciter, zu ivelcher auch Lederarbeiter eingeladen waren, tagte am 9. März bei Brochnow in der Sebaftianstraße. Eingangs hielt Ge- nosse M e tz n e r einen recht beifällig aufgenommenen Vortrag über die Lohnkämpfe der jüngsten Zeit und ihre Lehre für die Arbeiter- schaft. Im Anschluß hieran erörterte Holefleisch die Zustände in der Branche. Die Arbeitszeit betrage meist 10, häufig bis zn 12 Stunden bei Löhnen von 12 bis 15 M. Zur Seltenheit gehöre es, wenn es jemand einmal aus 20 M. bringe. Thatsächlich käme es vor, daß Kollegen die ganze Woche hindurch sich kein warmeS Mittagbrod leisten könnten. Ein weiterer Uebelstand sei die eben- falls gebräuchliche Heimarbeit; theils heimlich, theils öffentlich würde nach Feierabend nocb Arbeit mit nach Hause genomine» und andern Morgen fertig mitgebracht. Schon vor 1>/2 Jahren wurde ein schüchterner Versuch gemacht, solchen Zuständen abzuhelfen, doch scheiterte» die Schritte hierzu an der Muthlosigkeit der Kollegen- schaft. Die Täschnerei ist ei» Zweig der Sattlerei. Vor der Gründung der hiesige» Filiale der Täschner und Kofferarbeiter gehörte» ver- einzelte Angehörige dieser Branche der Organisation der Sattler an. Ilm den Organisationspunkt entspann sich eine Polemik zivischen Sattlern und Täschnern und Kofferarbeitern, die durch Annahme einer Resolution ihren Abschluß sa»d, laut welcher sämmtliche in Täschner- und Kofferwerkstätte» beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen verpflichtet wurden, der Filiale III. der Täschner und Kofferarbeiter beizutreten. Ohne Erfüllung dieser Vorbedingung sei einer Lohnbewegung lein Erfolg gesichert. Da die seinerzeit herausgegebenen statistischen Fragebogen bisher nur sehr sparsam eingelause», wurde» die Kollege» verpflichtet, energischer für Wiedereinbringung derselben, auch wenn unbeschrieben, zu sorgen. Schließlich wurde bestimmt, daß der Delegirte zu der am 19. und 20. April in Erfurt stattfindenden Generalversammlnng der Täschner und Kofferarbeiler gleichzeitig mit einem Mandat betraut werde zu dem am 18. April in Erfurt stattfindende» Sattlerkongreß, hauptsächlich wegen der zur Verhand- lung gelangende» Gesängnißarbeit. Ter Verein der Plättcrinucn beschloß in seiner letzten Mit- gliederversammlung, nachdem Genosse Jahn einen Vortrag ge- halten, auch in diesem Jahre einen Kranz auf den Gräber» der Märzgefallenen niederzulegen. Tie Ausführung wurde einer Kom- Mission von drei Mitgliedern übertragen. Eine andere Kommission wurde gewählt, um Erkundigungen über ein hilfsbedürftiges Mit- glied einzuziehen und demselben eventuell 30 M. zn überreichen. Eine gut besuchte Versammlung der Kistenmacher tagte am 3. März in den Arminhallen. Die Streitigkeiten in den einzelnen Werkstellen, welche als erster Punkt der Tagesordnung behandelt wurden, erregte» eine lebhafte Debatte, an der sich die Kollegen Puhl mann, Tschernig, Märten, Franz Schulz, Schwanherz und Torfstecher betheiligten. Zum Punkte„Verlegung deS Arbeitsnachweises" wurde beschloffen, in der nächsten Versammlung geeignete Lokale i» Vorschlag zu bringen. In Wristcnsee tagte am 23. Februar eine stark besuchte Frauenversammlung, in ivelcher Frau R o h r l a ck- Berlin referirt« über: Di« wirthschastliche und soziale Lage der Frau. Ii, Charlotteuburg fand am 3. d. M. eine nur schwach be- suchte öffentliche Versammlung der Bureau-Angestellten statt, in der Genosse I a h n referirte. 3 Kollegen ließen sich in den Verband ausnehmen. Wilmersdorf. Im Arbeiter-Bildungsverei» hielt am 3. d.M. der Genosse F l e m m i n g«inen beifällig anfgenommenen Vortrag über die Landarbeiterfrage. Die nächste Versammlung findet am 17. März bei K l i u g e» b« r g. Wilmersdorf. Berlinerstr. 40, statt. Dez»vss" Knlim MsdlM. VommunAles. Tie Umsatzsteuer- Ordnuug, durch welche die Bestimmunae» der„Ordnung für die Erhebung einer Gemeindesteuer bei dem Er- werde von Grundstücken im Bezirk der Stadt Berlin vom 4./20. Mai 1895" abgeändert wird. ist. der„Post" zufolge, mit der Genehmigung des Oberpräsidenten versehe», gestern beim Ober- bürgermeister von Bertin eingegangen. Nach derselben wird künstig beim Erwerbe unbebauter Grundstücke an Umsatzsteuer ein Prozent, beim Erwerbe bebauter Grundstücke ein» solche von einem halbe» Prozent des Werthes erhoben werden. Zum Strasteubahnkrieg. Die Firma Siemens u. Halske, welcher städlischerseits bereits im Juli v. I. die prinzipielle Zustimmung zur Weitersnhrung ihrer elektrischen Bahn Pankow-Gesundbrunnen in das Jnnere der Stadt bis zur Oranienburgerstraße ertheilt war, hat nunmehr beim kgl.Polizeipräsidium die kleinbahngesetzlicheGenehmi- ynng für diese Strecke nachgesucht und hierbei gebeten, ihr auf der Strecke zwischen Garten- und Arlilleriestraße anstatt der anfangs in Zlnssichl genomnienen Tracensührung durch die Kleine Hamburger- und Linienstraße, die Führung durch die Elsasser- und verlängerte Artilleriestraße zu gestalten, da bei der sehr ungünstigen Kurve an der spitzen Ecke der Kleinen Hamburgerstraße und Linienstraße sowie der engen Beschaffenheit dieser Straßen, die nur ein- gleisige Anlage erlauben würde, die Führung durch die genügend breite Elsasser- und verlängerte'Arlilleriestraße bei weitem vortheilhaster sei. Da das königl. Polizeipräsidium die Anordnung von zwei Geleisen neben den in der Elsasserstraße bereits bestehenden Geleisen der Großen Berliner Pferde- Eisenbahn- Gesellschaft nicht gestaltet, ist die Durchführung nur unter Mitbenutzung der Ringbahn geleise ans etwa 50 Meter Länge möglich. Die Große Berliner Pferde- Eisenbahn- Gesellschaft befürchtet, durch die hierdurch noth- wendig werdenden Doppelkurvcn und Weichenanlagen wesentliche Erschwerungen und mich Gefährdungen für die Sicherheit des Ringbahnbetriebes und hat gegen die beabsichtigte Bahnführung Einspruch erhoben. Die städtische Ban-Teputation hat heute unter Vorsitz des Stadtraths Voigt beschlossen, um den Verkehr aus der Strecke von der Köpenicker- bis zur Mühlenstraße besser zu gestalten, in der Verlängerung der Eisenbahnstraße eine neue Verbindung� straße anzulegen.— Zur Festsetzung von Fluchtlinien für eine neue Straße zwischen Siemens- und Waldenserstraße hat die Deputation ihre Zustimmung ertheilt.— Der Kommerzienralh Spindler hat seine Grundstücke in der Wallstr. 94— 94a der Stadtgemeinde zun» An- kauf für den Preis von 60 000 M. angeboten. Die Deputation hat dies Angebot für angemeffen erachtet und»vird den Gemeinde behörden den Ankauf derselben einpsehlen.— Zur Verbreiterung der Sebastiaustraße ist von dem Eigenthümer der Grundstücke Sebastian- straße 87/38 eine Fläche von 100 Quadratmeter freigelegt. Die Bau-Deputation hat beschlossen, diese Fläche für den Preis von 150 M. pro Quadratmeter anzukaufen. Hiermit»vird die von den dortigen Auivohnern sehnlichst erivünschte Durchführung der Ver- breiterung der Sebastianstraße bis z»lr Alten Jakobstraße um einen weiteren Schritt gefördert. Vokales. Arbeitcr-Bilduugsschulc. Die Theilnehmer am Unterrichts- fach„Rede-Uebu»g"in beiden Schule»»Verden gebeten, da an» Donnerstau und Freitag der Unterricht in Rede-Uebung Umstände halber ausfallen muß, au» nächsten Sonntag, vormittags um 10'/, Uhr, im Lokale der Nordschule erscheine» zu»volle». _ Der B o r st a n d. In dcu IS städtischen Markthalle»»varen im' März 1896 Verkaufsstände von zusammen 13 971 Quadratmeter Fläche besetzt. Zur Besetzung vorhanden»vare» überhaupt 30 454 Quadratmeter. Unbesetzt blieben also 11 483 Quadratmeter. Die größte verfügbare Fläche halten die beiden Zentralhallen, die Detailhalle 5214 Quadrat- meter, wovon 4469 besetzt waren, die Engroshalle 4304,»vovon 3512 besetzt waren. Die Besetzung ist in den letzten Jahre» i» sänimt- lichen Detailhallen zurückgegangen, in vielen recht erheblich, an» bedeutendsten in der Halle Grünthaler- und Badstraße(von 643 Quadratmeter im Februar 1892 al»f 42 im März 1396, »vährend 1150 zur Besetzung vorhanden»vare».) Der neueste Verivaltungsbericht führt den allgenleine» Rückgang daraus zurück, daß ein Theil der Händler»veggeblieben ist, nachdem „die intelligenteren Händler sich durch beffere Waare, mäßige Preise, hösliche Behandlung der Käufer sich die größere Kundschaft erobert" hatten, auch darauf, daß den Standinhabern d»lrch benachbarte Ladengeschäfte»ind Straßenhändler Konkurrenz gen, acht»vird. In früheren Berichte»»vurde auch auf die Ungunst der wirthschastlichen Verhältnisse als eine der Ursachen des Rückganges hingeiviesen. Selbstverständlich ist auch heute noch das Geschäft im allgemeinen i» denjenigen Hallen am miserabelste», die in den ärmeren Stadt- theilen liegen. Di« Bebaudluug erkrankter Dienstbote», welche durch den jüngsten Zivist zivischen der Berliner Aerzteschast und den» Dienst- doten-Abonnemenlsverein»viedcrholt berührt»»wrden ist, scheint— »venu man der Zuschrift eines Arztes an die„Medizinische Reform" Glanben schenke» darf— anch dann geivisse» Schwierigkeiten zu begegnen,»vein» es sich um die Aufnahme der Dienstboten in ein Krankenhaus handelt. Es habe— so schreibt der betreffende Arzt — auf ihn den Eindruck gemacht, als ob die öffentlichen Kranken- hänser sich dagegen sträubten, erkrankte Dienstbote» der beim Verein abonnirten Herrschaften aufzunehmen. Wiederholt sei es in seiner Praxis vorgekomme», daß die armen kranken Dienst- boten von Lazareth zu Lazareth geschleppt und überall abgeiviese» worden seien. Nachdein zehn und mehr Mark für Droschken veraus- gabt worden, seien die Kranken wieder zu ihrer Herrschaft zurück- gekehrt und hätten iin Hause behandelt oder zu Berivandten gebracht werden müssen. Ein besonders eklatanter Fall ereignete sich erst kürzlich. Auf die Beschiverde dein» Abonnementsverein»vurde der betreffenden Herrschast der Bescheid, eine bestimmte Privatheilaustalt in der Gr. Hamburger Straße»vürde das Dienstmädche» sicherlich aufnehmen; die Anstalt sei von den» Eintreffe» der Kranken bereits benachrichtigt»vorden. Vorsichtshalber wurde» vor- her Verhandlunge» der Dienstherrschaft mit der Anstalt ein- geleilet und»vas geschah? Nicht nur, daß»»an das ganz berechtigte Verlangen eines Nachiveises der Nichtansteckbarkeit der Krankheit stellte, es»vurde anch der Herrschaft im Westen Berlins zugemuthet, zunächst persönlich mit der Oberin Rücksprache zu nehme». Derartige Rücksichtslosigkeiten,»inter denen ganz unschuldige Menschen recht schiver leiden, verdienen, öffentlich gerügt zu»verde». Wie koinmt es aber, daß der genannte Verein nicht besser für die Dienstboten der bei ihm versicherten Herrschaften Sorge trägt? Auch hieran zeigt sich»vieder,»vie nolhivendig die staatliche Kranke». Versicherung der Dienstboten ist. Der Fehlbetrag bei der Berliner Gcwerbe-Ausstcllung wird, wie nun feststeht,«tivas»veniger als 45 pCt. der gezeichneten Beträge in Anspruch nehinen. Die kaufmännisch genaue Feststellung der Summe, die beiin Erscheinen der Schlußrechnung zu erivarten ist.»vird daran voraussichtlich nichts ändern. Ueber den»»glück- lichen Antrag, eine Geldlotterie zu gunsten der Deckung des Fehl- betrageS zulassen zu»vollen, ist noch iinnier kein« Entscheidung ergangen. Ter ArbeitS-AuSschuß der Geiverbe-Ausstellnng hat in der Streitfrage mit den Architekten letztere» einen Vergleich äuge» boten,»vonach der Arbeits-Ansschuß das strittige Honorar von 25 000 M. nebst entstandenen Gerichtskosten zahlt, die Architekten von der Erhebung»veiterer Ansprüche Abstand nehmen. Hierdurch »vürde sich die Position des Arbeits-Ausschusses, bei Vorlegung der Schlußrechnung dem Gesainmtvorstande gegenüber etivas bessern. An eine Reform des Stadt- Ringbahn- Tarifs iin Sinne einer Eriveiternng des Fünfstationen-Tarifs ist,»vie aus Eisenbahn- kreisen verlautet, nicht zu denken. An Reforinen zu gunsten des Publikums ist unter heutigen» Eisenbahnregime überhaupt nicht zu denken. DaS boykottirte Berlin. In Leipzig hat man in diesem Jahre eine Sächsisch-Thüringische Landesausstellung ins Leben ge rnfen»lnd großmüthigeriveise auch dazu die Provinz Brandenburg zugelassen; nur die Industrie Berlins ist, der„Märk. V.-Z." zufolge. streng ausgeschlossen und das»vird so streng gehandhabl, daß zum Beispiel Industrielle aus Charlottenburg als Provinziale zugelassen »verde», aber Moabiter wiederum nicht! Ter deutsche Professor. In einer iin Evangelischen Vereins Hause gehaltenen Rede hat der„Kreriz-Zeitung" zufolge ein Professor Dr. Lasson über Wilhelm I. sich dahin ausgesprochen:„Man könne ihn nennen den Großen, den Friedfertigen, den Siegreiche»», den Deutsche», de» Frommen: immer»vird nian das rechte treffe» Jeden Ehrentitel, der je einen» Herrscher zu theil ward: Kaiser Wilhelm darf ihn»nit recht tragen." Das ist entschieden der Rekord»inter den bisher vernoinmenen Lobeshymnen auf den ersten Kaiser. Ein großer Maler vor den» Herrn»var der preußische König Friedrich Wilhelm I., der sogenannte Soldatenkönig. Allerdings beschäftigte ih» diese Kunst nur in den Tage», Ivo das Podagra ihn an den Rollstuhl fesselte. Seine Bilder tragen denn auch alle die Bezeichnung „in tormentis", das soll heißen in Schmerzen gemalt,»vird aber von spoltlnstigen Kritikern auch dahin gedeutet, daß man diese Erzeugnisse königlicher Kunst nur„in Schmerzen" anschauen kan». Als Modelle dienten dein König Soldaten und immer»vieder Soldaten, besonders die„lieben blauen Kinder", die Potsdamer Grenadiere. Wollte das Bild nicht gelinge»», so bekam das unglückliche Modell Stockprügel, der König»vars ihm auch»vohl den Farbentopf in das Gesicht und schrie:„Nun bist Du gerviß getroffei»!" Einmal faßte den großen Maler auch der Ehrgeiz. Er ließ einen Berliner Kunsthändler koinmen und bot ihm ein Bild zum Kaufe an. Bei der sklavischen Furcht, die das Volk vor dein König und seinen» stets schlagfertigen Stock empfand, ließ der Mann sich nicht lange nöthigen und zahlte für die Farbensudelei eine» ziemlich hohen Preis. Am Abend rühmte sich der König im Tabakskollegiuin seines künstlerischen Erfolges; sei» Stolz sollte indessen bald einen Dämpfer erhalten. An» nächsten Tage prangte das Bild»nit dem Vermerk„gemalt von» König" im Schaufenster des Kunsthändlers, und die Witze, »vclche das Publikum darüber machte,»varen nicht gerade die aller- seinste». Der König»vurde»vüthend, schickte dem Mann sein Geld zurück und verlangle sofortige Herausgabe des Bildes. Dßr Händler ließ indessen sagen:„Mazestäl mögen das doppelte bezahlen, er hätte das Bild geka»>ft, um daran zu verdiene», zun» Einkaufspreise »väre es nicht feil." Wohl oder übel mußte Friedrich Wilhelm sein Geklexe also noch theuer bezahlen und hatte schließlich nur sich selbst geprellt. Ter Hunger. Verz>veislung über seine traurige Lage trieb am Dienstag Abend den 36 Jahre alten Hulmacher Karl Behnseld aus der Siegfriedstr. 2 zu Friedrichsberg ins Wasser. Behnseld hat eine Frau und sechs Kinder und sieht abermals einem Fainilie» zuivachs entgegen. Da er schon lange keine Arbeit»»ehr hatte, so»var die Roth groß und die Zukunft gab nur noch schlechtere Aussichten. Aus Verziveiflung sprang daher der Unglückliche abends»»» 71/2 Uhr von der Jannmvitzbrücke kopfüber in die Spree, um sich zu ertränks». Schutzmänner und Bürgersleute fuhren ihin »nit Rettungskähnen nach, ui» ih» zu retten. Behnseld versuchte, ihnen durch Schivimmen zu entkommen, um schließlich entkräftet unterzusinken, unter der Waisenbrücke aber holten ihn die Retter ein und brachten ihn gegen seinen Willen ans Land»»nd in ein Krankenhaus. Solche geringe Mißklänge machen im vorschrifts- mäßigen Zentenarjnbel»venig aus. Trotz alles inneren Elends sind »vir doch das herrlichste, größte, unerreichteste Volk der Welt, das vor lauter Wonne und Jubel nicht aus»och ein»veiß. Gelegentlich der TSstlludigeu Centeuarfcier richtet der Magistrat„an unsere Mitbürger zun» 22. März"«inen schivülstig- gequälten Aufruf, in welchem Wilhelin I. als Gründer des neuen Deulfchen Reiches bezeichnet und die Bürgerschaft aufgefordert»vird, ihm zu Ehren Flagge» und Stearinkerzen hervorzuholen. Anch ohne einen solchen Aufruf hätte» die Hoflieseranten ihr Geschäftsspesen- Konto nach Gebühr belastet. Unter de» Segnungen der Svzialrcform. Traurige Folgen hat ein Banunfall gehabt, der im Juni v. I. dem bei den» Zimmer- »neister Buchholz beschäftigte» Zimmerma»»» Rudolf Wiltke zustieß. Bei einen» Sturze fiel sich Wink« die linke Schulter aus und»var seitdein nicht»»ehr voll eriverbssähig. Er versuchte es, i»it leichteren Arbeiten den Lebensunterhalt für sich, seine Frau und drei Kinder im Alter von 11, 9 und 3 Jahren zu erivcrben und bemühte sich auch, beim Zeitungsverkauf unterzukomme». Als ihn, alles fehlschlug, klagte er aus die Rente für völlige Eriverbsunsähigkeit gegen die nordöst- liche Baugeiverks- Berufsgenossenschast. In erster Instanz ab- geiviesen,»vandte er sich mit der Berufung an das Reichs-Versiche- rungSamt. Auch das»vies ihn im vorigen Monat ab,»veil er die gesetzliche Frist versäumt hatte. Da er nun Ende vergangenen Jahres auch noch Siheumatismus bekommen hatte und andere kleinere Leiden ihn auch»och in» Eriverb hinderten, gerielh der Mann i» Verziveiflung. Seit 14 Tagen»ahm er von seiner Frau keine Speisen mehr an und litt Tag für Tag Hunger. Gestern Abend gegen 9 Uhr, als seine Frau eben aus dem kleinen Ziinmerchen in die Küche gegangen»var, schoß er sich in seiner Wohnung in der Alte» Schönhauserstr. 14/15 eine gievolverkugel in den Kopf. Auf den» Transport zur Klinik starb der Unglückliche. Die Waffe hatte er sich vom letzten Krankengelde gekaust. Auf nach Kreta! Die in Berlin und der Provinz Branden- bürg»vohnenden griechischen Reservisten, die i» den Jahren 1866 bis 1873 geboren sind,»verde« vom hiesigen griechische» General- konsul Adelssen im Namen der griechische» Regierung aufgefordert, sich ohne Zeitverlust nach Griechenland zu begeben, uin sich zu den Fahnen z»» stellen. Ter Berliner Rsylverein für Obdachlose hat soeben seinen Jahresbericht pro 1396 fertiggestellt, aus»velchem folgende inter- essanlen Punkte hervorzuheben sind: Nach der Frequenzstatistik fanden im Jahre 1896 109 578 Männer(1895: 113 073) und 10 143»veibliche Personen»ind Kinder(1895: 12 015) in den Asyl- Häusern des Vereins Anfnahine. Und in den 23 Jahren seines Bestehens hat der Verein 2 958 054 Personen Obdach und Be- köstigung und dainit eine kleine Hilfe in der schlimmsten Roth geboten. Die Statistik über die verabreichten Bäder ergiebt, daß im Jahre 1896 in, Männer-Asyl 40 647(1395: 40 280) und im Frauen-Asyl 733(1895: 803) Bäder genmnmen wurden. D»e Vermögensverhältnisse des Vereins haben sich dank großherziger Schenkungen bedeutend gebessert. An Legaten und Stiftungen flössen dein Verein 393 917 M. zu,(1895 nur 9902 M.), an Jahresbeiträgen 19 215 M., an eilimaligen Beiträgen 17 207 M.. als Zuschuß der Stadt 2000 M.>». f. w. Die gesamin- ten Einnahmen betrugen 452 027 M., die Ausgäben 49 544 M. und der Vermögensbestand delief sich am 31. Dezember 1396 auf 1042 061 M. Trotz dieser großen Ziffer, in»velche die Grundstücke. die der Asyl-Berein besitzt, eingerechnet sind, ist dieser keineswegs schon iinstande, aus den Zinsen seines Verinögens alle Ausgaben zu decken und bleibt fortgesetzt aiif besondere Beiträge angeiviesen. DaS Adreßbuch für Berlin und Vororte, Verlag von Aug,»st Scherl. kündigt an. daß in seinen, Verlage den, nächst der Nachtrag des Jahrgangs 1897 des Adreßbuchs zur Ausgabe gelangt. Im Interesse der Vollständigkeit des Nachtrags bittet die Redaktion des Adreßbuchs die Einivohnerschaft Berlins und der Vororte, ihr möglichst umgehend, spätestens jedoch bis zum 5. April er., vo», allen Veränderungen Kenntniß zu geben, welche von» Erscheinen des Jahrganges 1397 des Adreßbuchs bis Anfang April eingetreten sind. Sämmtliche Eintragungen in den Nachtrag, welcher allen Käufern der Hauptausgabe des Jahrganges 1397 unentgeltlich abgegeben »vird, erfolgen kostenfrei. Es verlautet, daß die neue Baupolizei-Verordnnng nicht, wie bisher angenommen»vurde, ain 1. April, sondern voraussichtlich erst am 1. Mai in krast treten werde. Im Friedrich-Wilhelin städtischen Theater findet heute Donnerstag die erste Aufführung der Berliner Posie in 3 Akten von Alfred Schmasow und R. Mwel, Musil von Albert Wicher:„Moderne Jungfrauen" statt. Im Schiller-Theater mußte die Erst-Aufführung von„Die gerechte Welt" von Freitag auf Sonnabend verlegt werden. Es stellt sich der Spiel- plan nun folgendermaßen: Heute Donnerstag findet eine Wiederholung des Rofeggerffchen Volksfchaufpiels„Ain Tage des Genchts" statt, morgen Freitag wird„Mit Vergnügen" gegeben, Sonnabend ist zum ersten Male „Die gerechte Welt", Schauspiel in 4 Akten von Carlot Reuling. Im Fccnpalast genießt das Publikum zur Zeit allabendlich ein in bedenklichem Grade»viderwärtiges Schauspiel. Auf die Bühne steigt ein Schulkind, dessen Alter von der Direktion aus»eu» Jahre angegeben wird, und leistete in pikant sein sollenden Kouplets und Geberden etiva so viel,»vie sonst eine ausgeivachsene Soubrette. Ganz nach deren„künstlerischen»" Vorbilde begleitet das Mädchen die Tingeltangelverse durch entspreche>»de Gesten, plinkelt mit den Augen und giebt, jedesmal bei»» Schlnßrefrain kankanirend, die Unterkleider den neugierigen Blicken eines x. t. Publikums preis. Es ist unerfindlich,»vie jeinand auf die Uebelthat verfallen konnte, das unglückliche Wesen zu derartigen Künsten abzurichte»; als beschäme», d aber muß es bezeichnet»verde»», daß die Zuschauer anscheinend Ge« fallen an dem Auftreten des bedauernsiverthen Kindes sinden. In dem Progrannn des Feenpalastes bildet diese„Attraktion" zuin Glück so zieinlich den einzigen Mißgriff. Ein geivandter„Schlangen- imitator" ist Herr Collcad, und als Jongleuse leistet Fräulein Moser achtungsiverthes. Als ein geübter Künstler auf dem Tanz- seil prodnzirt sich Herr„Blondin jr.",»vogegen in halsbrechenden Turnübungen Herr Francis seinen Mann sucht. Eine sehr ge- scheidte Affenfainilie präsentirt Herr Moglia geivandt nach dein alten Rezept von Zuckerbrot und Peitsche. In dem unvermeidlichen Genre der Excentrics sind dieHerrenJapp und Mari» obenauf. Etwa.? verunglückt»var gestern die Vorführung der lebenden Photographie; vielleicht»vird hierin bei späteren Vorstellungen die Schaulust des Publikuins besser befriedigt. Großes Aufsehen verursacht in hiesigen kaufmännische» Kreisen der Konkurs der Firma Max Siino», Frankfurt a. M. und Berlin. Dieselbe errichtete,»achden» sie schon mehrere Jahre in Frank- furt a. M. etablirl»var, Ende vorigen Jahres in der Rvsei, thaler- straße Hierselbst ein riesiges Waarenhaus; die Kosten des letzteren »varen jedoch enorn» und so gerieth die Firma schon vor längerer Zeit in Zahlungsschivierigkeite». Die Bemühungen verschiedener Gläubiger, die Angelegenheit vermittelst Einigung beizulegen, bli'.bcn erfolglos, und nunmehr»vurde der Konkurs soivohl über das Frank- fnrter als auch über das Berliner Geschäft eröffnet. In Mitleiden- schaft gezogen sind zahlreiche Berliner Engrosfirmen mit zum theil sehr bedeutenden Beträgen. Uns wurden Summen von 36 000, 16 000, 28 000 Mark k. genannt. Die Gesammtschuldenlast soll sich auf»veit über 500 000 Mark beziffern. Ter Polizciprästdeut v. Windheim hat heut« die Amts- geschäste wieder übernoinnien. Tie Einbrecher in, Lnckwaldt'schen Juivclengeschäft, Lcipzigerstraße, die 40 000 M. Juivelen staifiei», find gestern in tamburg verhastet»vorden. Es handelt sich um den' Ai'oetltt� chinidl und den Tischlergesellen Hertel, d,e beide schon mehrfach' mit Zuchthaus vorbestraft find. Hertel, der Hauptthäter, gab an, er habe die gesammte Beute für 100 M. an einen Händler verkauft, der in Sierich wohne. Derselbe soll bereits nach Holland ab- � gedampft sein. Den Kouseqneuze» eines Schurkenstreiches hat sich der Polizei-Wacht meifter H. Schmidt durch die Fluch, ,�.-h 'Amerika entzogen. S. war auf einen» Polizeibureau.n Südosten Berlins angestellt. Er lebte von seiner Familie getrennt, seine Fvau »var mit ihren drei Kindern nach ihrer ostpreußischen Heiinath gc- zogen. Seit der Trennung lebte S. auf Freiersfüßen. Vor ändert-- halb Jahren hatte er die Bekanntschast eines älteren DienstmädchenS gemachr,»velches bereits seit 18 Jahren bei einer Herrschaft dient., Nachden, er erfahren, daß das Mädchen ein theil« ererbtes, theilS, erspartes Vermöge» vo» 11000 Mark besaß, versprach er ihr die Ehe und sie nahm dieses Versprechen freudig an. Er beschivindelte das Mädchen um mehrere tausend Mark ,l»d zeigte ihr an dem Tage, an»velchem die Trauung angesetzt war, an, baß er sich aus den» Wege nach Amerika befinde. Der Hauptmann a. D. Robert v. Leutzsch aus der Ranke- straße 4 zu Charlottenburg ist gestern plötzlich im Hause Tauben- straße 8/9 in dem Augenblick gestorben, als er bei dem dort wohnenden Kausmann Rabuske«in Zimmer miethen wollte. Der Kuopfarbeiter Oehmcheu, Breslauerstr. 8a, theill u»S zu dem vorgestern von»ins berichteten Vorfall mit, daß seilte Frau nicht aus Furcht vor ihn» aus dem Fenster gesprungen sei; sie sei seit längerer Zeit gemülhskrank gewesen und habe, als er in völlig nüchternem Zustand« und nichts Schlimmes ahnend, abends 8 Uhr nach Hause gekommen sei, sofort und ohne jeden äußeren Anlaß den beklagensiverlhen Sprung vollführt. Unter diesen Umständen erhält die traurige Angelegenheit natürlich eine andere Färbung, und»vir stehen nicht an, unsere»» Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß auf Herrn Oehmchen durch die erste Meldung ein unberechtigter Verdacht fiel. Vom Mörder des Pfandlcihers Zeidler hat die Polizei bis jetzt»och keine Splir entdeckt. Der Ermordete wird heute Nachmittag beerdigt. Vom Tode des Ertrinkens gerettet. Eine aufregende Szene spielte sich an der Uebergangsbrücke beiin Kanal an der Gasanstalt in der Kielerstraße ab. Hier vergnügten sich mehrere Knabe» in, Alter von vier bis sieben Jahren, uiiter denen sich auch der fünf- jährige Sohn Walter des in der Boyenstraße»vohnenden Monteurs t offmann befand, mit Schnelllaufen. Die Knaben kamen in vollen, rabe aus der Scharnhorststraße gerannt, und der kleine Waller Hoffmann konnte sich nicht mehr halten, rannte über das Ziel hin« aus und fiel Kopf über ins Wasser, während seine Spielkaineraden, vor Schrecken bestürzt, das Weite suchten. Der Vorfall»var aber von den, Musiker Wiedemani, der achte» Batterie deZ Artillerie« Regiinents in der Scharnhorststraße beobachtet»vorden. Rasch e»t- S blossen entledigte er sich seines Säbels und sprang in voller niform in den Kanal. Mit großer Mühe gelang es ihm, den Knaben zu ergreifen und ihn an das Ufer zu bringen. Unglücksfälle im Straßenverkehr. An» Dienstag Mittag fand auf der Schloßbrücke ein Zusammenstoß zwischen einer Droschke. deren Pserd durchgegangen»var, und einem anderen Fuhriverk statt, wobei die beiden Insassen der Droschke aus dem Wage» geschleudert »vurden. Hierbei erlitt die eine, Fräulein Emilie Gossauer, außer einer Quetschung der linken Backe einen Bruch des Unterkiefers. Sie»vurde nach der Unfallstation V. gebracht,»vo ihr ein Verband angelegt»vurde. Die andere Dame blieb tlnverletzt.— An der Ecks der Linien- und Kl. Hamdurgerstraße lief der 56 Jahre alte Schrift- setzer Gustav Sachse gegen einen Geschäftswage», gerieth unter die Räder und zog sich«ine Quetschung der Brust zu. Er fand in, St. Hedivigs-Krankenhause Aufnahme.— Abends siel der 40 Jahre alte, obdachlose Arbeiter Karl Igel in der Trunkenheit in, Hause Weberstr. 22 von der Treppe n»d erlitt einen Bruch des Knöchel- «Klents am linken Fnp. Er»vurde nach dein Krankenhause am Friedrichshai» gedacht. Sttts de» Nackibarortei». Die Parteigenosse» von Steglitz nnd Friedenau machen wir daraus aufmerksam, daß an» Sonnabend, den 13. März, abends >» den Gesaminträumen des„H o h e>i; o l l e r»" zu Friedenau das diesjährige„Stiftuiigskräiizchen". von Mitgliedern des Arbeiier- Bildniigsvereins arrangirt, statlfindet. iltege Belheilignng wird erwartet. � Tic Verhaftung des Raubmörders Hahn, der im Sonnner 1992 mit dein inzivischen hingerichte» Ardeiter Kuhn den Bauer Mützelbura zivischen Wcis>e»see und Französisch-Buchholz ermordete und beraubte, wurde von einer Lokalkorrespondeuz gemeldet mit dem Hinzufüge», daß die Verhaftung in Weibeusee ans grund einer Denunziation durch einen Jugendsreund Hahn's durch eine» Berliner Rriininalschutzinann erfolgt sei. Die Nachricht hat sich der„Post" zufolge jedoch nicht bestätigt, wenigstens wurde dem Blatte auf dem königl. Polizeipräsidium auf seine Erkundigung die Auskunft ertheilt, da» der hiesige» Kriminalpolizei von dieser Berhastung nichts be- kannt sei. In der Artillerie-Werkstätte in Spandau entstand gestern Vormittag. wie berichtet wird, eine Explosion. bei der drei junge Leute verunglückten, darunter ei» Sohn des Wirthes der Hopfen- blülhe, Herrn Ripprich. Der Zustand des Verunglückten soll sehr bedenklich sei». Nach anderer Mitlheilung wurde ein Monteur ge- tödtel, ein Monteur und der Meister Barlmann von hier schwer verletzt. Die Monteure sind Berliner aus der Fabrik von Siemens u. Halske._ Gevichks"Bclf wnß. Der Vorjährige Streik der Augestclltcn der Berliner PriVatpost beschäftigte gestern wieder cuunal das hiesige Schöffengericht, vor dessen 149. Abtheilung sich der frühere Privalpostfahrer. jetzige Arbeiter Georg Weisser ivegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung zu verantworten hatte. Weisser gehörte zu den- jenigen, welche in de» Streik eingetreten waren. In der Vor- Versammlung soll sich nach der Bchauptnng des Angeklagten auch der Fahrer Otto für de» Ausstand erklärt haben, was Otto jedoch bestreitet. Soviel steht jedoch fest, daß er an dem Streik nicht theil- nahm, sonder» in den Diensten der Privatpost blieb, bei welcher er noch jetzt beschäftigt ist. Am 28. Mai v. I. begegnete der Angeklagte, der sich in Begleitung eines anderen Streikenden befand, dem mit seinem Dreirad auf der Tour befindlichen Otto. Diesem soll nun der Angeklagte unter Hinweis auf den Streik gedroht und außerdem die Worte nachgerufen haben:„Dir Hund verfl...... müßte man auch was in die Fr.... geben." Otto fuhr weiter, wandte sich aber an einen Schutzmann; ans diesem Wege erfuhr die Direktion der Privalpost von dem Vorsalle und sie erstattete gegen Weisser Strafanzeige. Otto seinerseits hat einen Slrafantrag wegen Beleidigung nicht gestellt. Der Angeklagte erklärte, daß ihm der Streik ziemlich eyal gewesen sei, da er doch nicht mehr hätte bei der Privatpost arbeclen können; er habe sich damals mit dem ersten Prokuristen der Gesellschaft gezankt gehabt und dieser hätte schon dafür gesorgt, daß er nicht wieder an- genommen würde. Im übrigen könne er sich wegen der Länge der Zeit auf den Vorfall überhaupt nicht mehr recht«rinnern. In dem polizeilichen Protokoll defand sich ein Passus, wonach der Angeklagte thatsächlich mit Rücksicht auf den Streit eine Drohung gegen Otto ausgestoßen habe» soll. Letzterer aber meint, daß das auf einem Jrrthum beruhen müsse; er habe eine derartige Mit- theilung dem Polizeibeamte» nicht gemacht, da er nicht gehört habe. daß der Angeklagte vom Streik sprach; er habe nur die Beleidigung gehört, allerdings habe der Beamte vom Streik gesprochen. Der Staatsanwalt hielt nicht für ausgeschlossen, daß bei der Ausnahme des Protokolls ei.» Jrrthum vorgekommen sei und beantragte aus diesem Grunde, da ein Strafantrag wegen Beleidigung nicht ge- stellt die Freisprechung. Der Gerichtshof erkannte nach diesem Antrage. Die Abenteuer des„falsche» Einjährigen" sollten gestern, Donnerstag, vor dem Schivurgericht des hiesigen Landgerichts I zur Verhandlung kommen, der Termin ist aber im letzten Augenblicke aufgehoben worden, weil Prof. Dr. Mendel, der über den Geisteszustand des Rcstaurateurssohns Kühler Auskunft geben soll, /Fnderr ist und es deinlBerlheidiger R-A. Leonhard Fried mann uch wünschenswerth erscheint, daß sich Sanitälsrath Mitten- zweig noch einmal eingehend mit dem Geisteszustand de? An- geNagten Hi st ermann, der für Köhler das Einiährigen-Examen gemacht, beschäftige. Die Voru»tersnch»»g gegen den vor etwa sechs Monaten in Uutersnchungshast genommenen Bankdirektor Oskar Schuster von der Norddeutsche» Handelsgesellschaft hat einen Umfang aligenommen, daß an ihrem Abichluß vorläufig noch garuicht zu denken ist. Es handelt sich um höchst verwickelte Rechtsgeschäfte, und da zur Zeit von den» Untersuchungsrichter Telle noch immer neue Sachverständige geladen werden, so dürfte die Ansetzung eines Termins zur Haupt- Verhandlung noch lange auf sich warten lassen. Um de»„Judeugott",„Ritualmorde" und andere schöne Dinge drehte es sich wieder bei einer Privatklage des antisemitischen Zeitungsredakieurs Karl S e d l a tz e k gegen den Herausgeber der „Allgemeinen Israelitischen Wochenschrift" L e v i n und den Rabbiner Dr. Singer anS Koblenz. Letzterer hatte in der Nr. 47 der „Allg. Fsr. Wochenschr." einen Artikel unter der Ueberschrift„Vom Tage" veröffentlicht, in welchem er Betrachtungen über Ahlwardt. Sedlatzek, das Märchen vom Ritualmorde w. anstellte und satyrische Ausfüll« gegen die enragirtcn Feinde des JudenthumS machte. Herr Sedlatzek. der in seinem„Generalanzeiger" den Juden gegenüber an drastischer Ausdrncksweise nichts zu wünschen übrig läßt, fühlte sich dadurch beschwert, daß die„Allg. JSr. Wochenschr." in Verbindung mit seiner Person Ausdrücke wie„dunkle Ehrenmänner", „Verleumder",„Tintenfisch, dessen Berührung man am besten ver- meidet" w. in Anwendung gebracht hatte. Am meisten gekränkt war Herr Sedlatzeck darüber, daß der Artikel in einer gegen Herrn Ahlwardt gerichteten Spitze gesagt hatte:„Vielleicht überläßt er veräuderungshalber sein Mandat dem festgesetzten„Deutschen" Sedlatzek um eine» billigen Preis und wäre es auch nur gegen Uebernahme der Abzahlung, der Gerichtskosten, welche Ahlwardt in seinem berühmten Ehrabschneide-Prozeß zu zahlen hat. Rechts- anwalt Ulrich erblickte hierin den schwer beleidigenden Vor- wurf. daß Herr Sedlatzek im stände sein würde, um das hohe Amt eines Volksvertreters Schacher zu treiben. Der Gerichtshof hielt nur einfache Beleidigungen(§ 185) für vorliegend und verurtheilte den Angeklagten Levi» zu 100 M., Dr. Singer zu 50 M. Geldstrafe. Verleumderische Beleidi- gung könne nicht angenommen werde», denn die Angeklagten, die als religiös gesinnte Juden von dem Kläger oft so schroff an- gegriffen worden, konnten sich durchaus in gutem Glauben bestnden, wenn sie annahmen, daß Sedlatzek wider besseres Wissen das Vor- kommen der Ritualmorde behaupte, weil sie von ihrem Standpunkte aus fest davon überzeugt sein konnten, daß jeder Mensch mit fünf gesunden Sinnen die Unsinnigkeit dieses Märchens erkennen müßte. Bismarck-Euthusiastcu. Der Direktor der im Jahre 1895 ver« anstalteten BiSmarck-Ausstellung, Herr Eckhoff, jetziger Geschäfts- führer des Komitees für die Hundertjahrfeier, beschäftigte gestern die Zivilkammer des hiesigen Amtegerichts l. Die Ausstellung war zu Sunsten einer Stiftung, die den Zweck hat, in Noth gerathene» mndwerkern unter die Arme zu greifen, veranstaltet worden; 10 pCt. der Einnahme sollten dem Direktor für seine Thätigkeit zu- fallen, der Rest aber der genannten Stiftung überwiesen iverden. Die Ausstellung erfreute sich eineS sehr gute» BesucheS und soll nach Angabe Eckhoff's 30 000 M., nach anderen Quellen sogar 50 000 M. an Gewinn gebracht haben, nichtsdestoweniger erhielt die Stiftung nur einige hundert Mark(wie man uns mitlheilt 700 M.). Rech- nungslegung wurde von dem Beklagten beharrlich verweigert. DaS Gericht lehnte einen Antrag Eckhoff's ans Erklärung der Nnzu- srändigkeit als unbegründet e» vertagte aber die Sache bis zum 7. Mai. Der Sattlcrmeister August Raschpichicr zu Spremberg war vom Schöffengericht zu Zossen wegen Beleidigung eines Sergeanten vom Eiseudahn-Rsgimeul zu e i n e m Monat G e f ä n g n i ß ver- urlheilt worden. Das Landgericht II Berlin hatte dieS Urlheil be- stäligt; die beim Reichsgericht eingelegte Revision hatte aber Erfolg. denn die früheren Erkenntnisse wurden aufgehoben und die Sache wurde zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht I Berlin verwiesen. J» der gestrigen Verhandlung vor der jünften Be- rufnngs- Strafkammer wurde festgestellt. daß der Augeklagte über den betreffenden Sergeanten an das Oberkommando eine An« zeige gemacht hatte, weil derselbe nach Ülusicht des Singeklagtcn mehrere Untergebene zu Unrecht bestraft habe. Diese Annahme erwies sich als nnrichtia, aber dennoch kam das Gericht zn einem freisprechenden Urlheil, da einestheilZ nicht erwiesen sei, daß der An- geklagte wider besseres Wissen gehandelt habe nnd andernlheiis ihm der Schutz des K 193 Str.-G.-B. zu gute komme, denn jeder Staats- bürger habe das Recht, vermeintliche Straflhatcn zur Anzeige zn bringen. Wegen TittlichkeitSverbrechenS hatte sich der Schutzmann Carl»! o ß d e n t s ch e r vor der VII. Strafkammer des Land- gerichts I zn verantworten. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffenllichkeil statt. Wie ans der öffentlichen Urtheilsvcrkündi- gung zu entnehmen war, hat sich der Angcllagte,«in Mann niit schneeweißem Haar, der unmittelbar vor seiner Pensionirnng stand, an einem Mädchen im Alter von 6—7 Jahren vergangen. Das Urtheil lautete auf 1 Jahr 6 Monate Gcfängniß und 2 Jahre Ehr- Verlust. Die bekauuteu Fleischliefernugen an die„Volkseruähvung" auf der Berliner Gewerbe-Ansstellnng deschäsligten gestern das Schwurgericht zn Güstrow i» Mecklenburg. Ans der Anklagebank sitzen der Satilermeister und Fleischhändier Jhde aus Grevesmühlen nnd dessen Lieferant, der Fleischermeister Hallier ans Dossow. Beide sind angeklagt wegen Verbrechens wider ßtz 12 und 13 des Nahrungs- mittel-Gesetzes, weil sie wissentlich verdorbene Nahrungsmittel, die geeignet sind, Leben und Gesundheit von Mensche» zu gefährden, in den Handel gebracht haben. Wegen dieses Verbrechens kann auf Zuchthaus bis zu 10 Jahren erkannt werden. Aus Hamburg wird uns vom 9. März geschrieben: Heute Morgen verkündete das aus dem Dr zur. O. Goßler als Vor- sitzenden und dem Ingenieur Diederichsen, Kapitän Kier, Ingenieur Stommel und Kapitän Volkersen als Beisttzenden zusammengesetzte Hamburger See- Amt seinen Spruch bezüglich des See- Unfalls auf dem deutschen Pelrolenm- Dampfer„Deutschland" am 13. Dezember v. I. Bekanntlich stellte der Reichskommissar Kontre- Admiral z. D. Prjemisinski in der Hauplverhandlung am 25. Februar den Autrag, dem ersten Maschinisten Wüstner das Patent zu eutziehe», weil derselbe durch seine schroffe und inhiimane Handlungsweise verschuldet habe, daß der Trimmer Reinking in selbstmörderischer Absicht über Bord gegangen sei und auch seine» Tod in de» Wellen gesunden habe. Das Seeamt schloß sich dem Antrage des Reichskommissars nicht an, sondern ver- kündete folgenden Spruch:„Der Kohlenzieher Friedrich Wilhelm Ferdinand Reinking aus Ochtrup ist am 13. Dezember 1896 während der Fabrt des DampferS„Deutschland" von Roltcr- da», nach Netv-Uork über Bord gesprungen und hat seinen Tod im Meere gefniide». Wenngleich das Verhalten deS ersten Maschinisten ernstlich zu tadeln ist, weil er sich zn wenig um daS ihm unterstellte Maschinellpersonal gekümmert hat, so hat die Beweisallfuahine doch nicht ergeben, daß Neintitig durch sein Ver- halten in den Tod getrieben worden ist. Die Befugniß zur Aus- Übung des Maschinenpatentes ist Wüsiner daher zu belassen. Die angestellten Rettungsversuche blieben ohne Erfolg, da»lau Reiitking nach dem Ueberbordspringe» nicht wieder zu Gesicht bekam. Das Aussetzen eines Rettungsbootes war bei den, stürmischen Wetter unmöglich." Ein anderer Spruch war trotz der scharfe» Vernrtheilung des Verhaltens des ersten Maschinisten seitens des ReichskommissarS nicht zu erwarte». Anders werden die Sprüche des Seeamtes erst einmal werden, wen» dasselbe eine gehörige Besetzung habe» wird, wenn nämlich, statt daß nur Jngeiltetire, Rheder, Direktoren nnd Kapitäne zn urlheilen haben, erst einmal Seeleute, Heizer und Trimmer, kurzweg Arbeitnehmer mitzuspreche» haben, denen das Leben ihrer Arbeitskollegen mehr gilt, als de» Herren Arbeitgeber» mit dem berüchtigten Rheder Schiff in Elsfleth an der Spitze. Vevpttmmlungvtt. Verband der in Buchbindereien ic. beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiterinnen. I» einer am Montag abgehaltenen Mit- gliederversamnilung berichtete S a i I e r über den Verbandsiag. Er bemerkte unter anderem, daß die Verhandlungen über die Lohn- belveglmgen den wichtigsten Punkt des Vorstandsberichts bildeten. Obgleich nun vor dem Verbandstag ein gewisser Gegensatz zwischen dem Berbandsvorstand und der hiisigen Lohnkonimisston bestanden habe, seien die Debatten doch in durchaus sachlicher Weise ge- führt worden. Ter Verbandsvorsttzende Dietrich Hab« aber, dem parlamentarischen Brauch zuwider, das Schlußwort dazu be- nutzt, den Berliner Kollegen den Vorwurf zu machen, sie hälten seinerzeit die freie Konferenz nur deshalb zusainme»berusen, um dem Verbandsvorstande Opposition zu machen. Gegen diese Unter- stellung, welcher auf dem Verbandstage nicht mehr entgegengetreten iverden konnte, müsse entschieden protestirt werden, da nur sachlich« Gründe die Einberufung der freie» Konferenz»Slhig machten. AlleS in allem— schloß der Referent— sei das Resultat des Verbandstages kein besonders günstiges gewesen. Es folgte nun eine lange Debatte, die sich hauptsächlich um die auf dem Verbandstag beschlossene Er- höhung der Beiträge auf 35 Pf. pro Woche, sowie um die bean- tragte Verlegung der„Bnchbinder-Zeitung" nach Berlin drehte. Daneben wurde auch die dem Berbandsvorsitzende» bewilligte Gehaltserhöhung besprochen. Bei dieser Gelegenheit bezeichneten vor alle» S ch i l d w a ch und Schmiedeknecht de» Vorsitzenden Dietrich als einen Mann, der seinem Posten, namentlich den Redaktionsarbeite», nicht gewachsen sei. All« Redner stimmten darin überei», daß mit der Beilragserhöhunz den Jutereffen des Ver- bandes nicht gedient sei, daß dieselbe de» Berliner Verhältnissen nicht Rechnniig trage, und daß besonders die Lederarbeiter daran Anstoß nehme» würden. Mehrere Redner empfahlen, über dieseu Punkt eine Urabstimmung vorzunehmen. Von allen Seite» wurde lebhaft bedauert, daß die Berliner Mitgtiedschaft nicht, wie es ihr zustand, zwölf, sondern»ur acht Delegirte enlsandt habe. Diese Bescheidenheit hätten die Berliner schwer gebüßt, indem sie in den wichtigsten Fragen von den süddeutschen Kollege» überstimmt worden wären. In Zuklinft würden die Berliner stets die ihnen zustehende Zahl von Delegirten entsenden. Schmidt und Jahn denkeil nicht so pessimistisch über den Erfolg des Verbandstages. Letzterer meinte, daß die Verlegung der„Buchbiiider-Zeitllilg" nach Berlin auch künftig wieder er- örterr werden müsse, nameiitlich wenn die Zeitung jetzt. nachdem das Gehalt Dietrichs erhöht worden sei, nicht besser werde. Es gebe auch in Berlin Leute, welche sich zum Redakteur eignen. Schmidt»ahm schließlich den Verbands- Vorsitzenden gegen die an demselben geübte�zum theil sehr abfällige Kritik in Schutz. Namentlich trat er dem von Schmiedeknechl er- hobeuen Vorwurf, Dietrich werve zwar vom Verband besoldet, arbeite aber hauptsächlich für die Partei, entgegen, indem er be- merkte, der Verband habe doch die Arbeitskraft seines Vorsitzenden nicht für Tag und Nacht gekauft und könne demselben ebenso wenig, wie irgend einem Mitglied« wehre», seine freie Zeit der Partei zu widmen. Die Arbeiter-Fraueufrage wurde am Dienstag in einer öffentlichen Gewerkveretns-Bersammlung behandelt, zu der sich etwa 300 Personen, Männer und Fralieu, meist den kleinbürgerliche» Kreisen angehörend, einaefunde» hatten. AlS Ncserent trat Dr. Max Hirsch auf. Er wollte als Mann und Gewerkschaftler über die Frauenfrag» sprechen, während Frau Schulralh Kau er als Korreferentin die Frage als Frau und Voi sitzende des Vereins „Franemvohl" behandeln sollte. Dr. Max Hirsch führte ans: Die Arbeiterinneiifrage sei nur ein Theil der allgemeine» Frauensrage. Die Arbeilerinnen seien doppell bedrückt, sowohl alsFrau wie als Arbeiterin. Deshalb hätten auch die deutsche» Geiverkvereine von Ansang a» Theilnahme für die Frauen, besonder? kür die Slrbeiterfrauen b wiesen. Im Prinzip und vom idealen Standpunkt sei es zweifellos/ daß die Frau ihre Wirksamkeit in der Familie zu entsalten habe. Es sei einer seiner Herzenswünsche, daß in unsere» Verhälinisfen eine Rückbildung dahin staltfinde. daß die Frau der Familie znrückgegebe» werde. Durch Gesetz solle die Franenarbeil aller- dings nicht verboten werde», wohl könne aber der einzelne i» dieser Hinsicht elwaS thun; es gebe Arbeitersrancn, die für den Erwerb arbeiten, obwohl sie eS nicht nöthig hätten. Diese glauben ihre wirthschafiliche Lage dadurch aiifzubissern. daß sie dem Verdienst deS Mannes einige Mark hinzufüge», während eS doch sittlich und wirthschnfllich von weit größerem Werth sei, wenn die Frau zu Hause bleibt. DaS sollte in Sirbeiierversalnin- lungen mehr betont werden. Die Frau werde ihrem biblischen und wirlhschastlichen Beruf entfremdet und zur Konkurrentin des Mannes gemacht. Eine Aenderung dieses Zustandes müsse sowohl durch die Gesetzgebung(Maximal- Arbeits- tag, weibliche Fabrikinspektoren) wie ans dem Wege der Selbsthilfe augestrebt werde». Die niedrigen Löhne der Arbeiterinnen seien eine der Haiiptursachen der Zunahme der Frauenarbeit. Wenn die Löhne für Männer und Frauen die gleichen wäre», so falle ein Grund für die Frauenarbeit fort. Daher»»iisse eine Besserung der Frauenlöhne erstrebt werde». Der Untergrund aller Aerbessernng liege aber im Bildnngsivesc». Die Zirbeiterfrau bcdürse einer bcsscrc» Bildung, als ihr in den heutigen Volksschlilen geboien wird, diese lliüßieu also gehoben werde». Da von der Gesetzgebung gegenivärtig nicht viel zn hoffe» sei, so müsse die Selbslhilse in erster Linie platzgreifeu, die Frauen müßten sich, um höhere Löhne und über- Haupt soziale Einsicht zu erlange», gewerkschaftlich orgauisiren. A»> besten seien die Gewerkvereine, wer aber für diese keine Sympathi« habe,»lüge sich allenfalls einer gegnerischen Organisation anschließen. Die Hauptsache sei. daß sich die Frauen überhaupt orgauisiren. Frau K a u e r führt aus: Sie habe«in warmes Herz für die Arbeiteriiiiie», sie stehe aber, weil sie nicht selbst Arbeilerm sei und nicht ans eigener Anschauung die Verhältilisse kenne, der Arbeiterinnensrage bang und zag gegenüber. Daß die Frau der Familie zurückgegeben werde, wünsche auch sie, aber es sei Thatsache, daß die industrielle Frauenarbeit fortgesetzt zn- nehme. Es sei im allgemeinen schwer, die Frauen für die Organi- sation zu interessiren, weil sie die Eriverbsthätigkeit nicht als ihren Lebcnsberuf ansehe». Das arbeitende Mädchen hoffe doch immer ans eine Ehe, i» der es nicht mehr für den Erwerb arbeiten brauche. Wenn sie sich später als Frau deiiuoch geuölhigt sehe, etwas zu verdienen, dann arbeite sie lieber zn Hause, wie in der Fabrik, weil sie glaube, sich in diesem Falle auch ihre» Kindern widmen zu können. waS aber der arbeiiendc» Frau nicht möglich sei. Aus dieser Thatsache beruhe die Hansilldnstrie mit ihrem ungeheuren Elend, welche ebenfalls die Orgailisation der Frauen«»gemein erschwere. Die Rednerin plädirt für gewerkschaft- liche Organisation der Frauen, und zwar gemeiiisam mit den Männern, wo sie mit solchen zilsammen arbeiten. Gerade bei einem Streik sei es nöthig. daß Männer und Frauen fest zusammen- halte», um ihre Forderungen durchzusetzen. Die sozialdeinokratischen rauen— so schließt die Rednerin— nehmen regen Antheil an den rganisationsbestrebungen. Das müssen Sie(die Anbängerinnen der Hirsch-Duncker'schcn Richtung) auch thu». Wenn Sic uns, die wir ein warmes Herz für die Arbeiterinne» haben, Gelegenheit gebe», Ihre Bestrebungcn durch Vorträge und dergleichen zu»nierstützen, dann werden wir nicht Nein sagen. Aber erst zeigen Sie, daß eS Ihnen ernst ist. I» der Diskussion sprachen von sozialdeinokratischer Seite Eng ler, Lissauer und Frau W e n g e l s. Die letztere fordert die Frau K a u e r ans, in ihrem Verein darauf hinzuwirken, daß dort nicht Stellen zn so niedrigen Löhnen vermittelt würden, wie dies neulich in einer Versammlung von Haildlungsgehllsinnen in Gegenwart und ohne Widerspruch der Frau Kauer dargelegt worden sei. Die Rednerin betont, daß die Frauensrage nur gleichzeitig mit der Arbeiterfrage gelöst werden könne. Von gegnerischer Seite nahm der Redakteur G o l d s ch m i d t daS Wort. Nachdem dann noch Herr G i e f e die Verdienste der Gewerkvereine gerühmt hatte, wurde durch Annahme eines Schlußantrages, der anscheinend vom Bureau ausging, de» Genossen Litsin und Rüther daS Wort abgeschnitten. Frau Kauer bemerkte, daß nicht sie persvn- lich, sonder» die bürgerlichen Frauen der Arbeiterinnenfrage bang und zag gegenüber stehen. In der von Frau WengelS an- gezogenen Versammlung habe sie deshalb nicht das Wort ergriffen. weil dort bezüglich des kausmännifchen HitssvereinS nur Eni- sielllmge» vorgebracht worden seien, nnd sie es unter ihrer Würde hielt, darauf zu antworten. Sie bestreitet, daß dort Stellen mit einem Monatsgehalt von 10—15 M. vermittelt würden; solche An- gebot« würden vielmehr zilrückgewiesen. Nach einem Schlußwort t-eS Dr. Max Hirsch wurde eine Resolution angenommen, welche die Frauen zum Eintritt in die Geiverkvereine auffordert. Arb»!ter-KIld»»g«sch»lr. TonncrNag Abend o Uhr dlSioXllhr! s ii d o t>- schul«, Waldemnrftr. u: Rede-Uebun«(Die wichliallen technischen»rundsSe« sür die»unft de» öfsenllichen Reden». Lehr, vom Ausbau eine»«orlraaet). Herr Heinrich Schulz.— Nordschule, Brunnenftr. 2»: Seschichte(Alle Sefchlchl». Urzeit,«ntslehung der Reltgionen. Orientalische Völker,»riechen und Römer). Herr Dr. S. Pinn. Pi, xrsehalle der Zirbeiter-Hildungoschule, Brunnensir. t», ist Wochentag» von 6—3 Uhr, Sonnlag» von 6— 9 Uhr, unenlgelllich sür jedermann aeössnet die» e s ch ä s t» st« I l e der Schule It., Bcunnenslrabe i«. die den Verein»- vorständen zur Berniitteluna von Vorträgen wissenschastlichen«lharaster» zur Versügung steht, ist ebensall» von 6- 9 Uhr nachmtltag» geössnel. Ard,it,r-Ki»>verl>»«d Berit»» und Uingegettd. vorsthender Ad. Neumann, Paseivallersir.». Alle Aeuderungen im Veretnllulender sind zu richten an Friedrich « o r l u u>. Manteusselstr.«9, v. 9 Dr. Arbeiter- Ziancherbnnd Kerlln» und u«>»»»«»». Aenderunae» im vereinSlalender stnd zn richte» an Hermann Brau» schweig, Dresdener- strahe so, ,. Hos,« Dr. g)»»d der geselligen Arbeiterverein» Serlin« NN» jli»g»««nd. Alle »schrillen, den Bund delresfend, sind zu richte» a» P.»int, S. Dresdener- raste 107/». berliner Ziawrlieilverein 9, Heute, abend»«X Uhr, im Saale de» verein« junger«austeule, veulhstraste 90: Anatomischer Vortrag, zugleich: ein Blick in da» Innere de» Menschen, speziell Herzleiden und Bluckret»lauf. Reserent: Herr«rundmann. Verband deutscher«jarbier», krisenr» nnd perriichenmacher lZweig. verein Berlin!. Versammlung am Donnerstag, den kl. März, bei Babiel,»tose»- thalerslr. b?.«oruag de» Kollegen«tarrasson über da» Jahr 1868. freie Vereinigung der Miliiiirmiihen-Zirbeiier Berlin*. Sonnabend, den i». März, bei BuSke, Srenadterstr. SS: Berlaminlung. Vortrag über:„Die Lust und ihre verstüsstgung." Reserent: Herr Wollhetm. Arbeiter-Vit düngen ereil» f riedrichahagen. Sonnabend, den lZ. März, abend» 9 Uhr, im»ei-lljchastShaufe, griedrtchstr.««: Versammlung. Herr RechlSanivait Roth spricht über:„Der Zivil-Prozest, wa» ihm vorangehl an» wa» ihm solgt." Aufnahme neuer»itlglteder. Wetter-Proauose für Tonuerstag, den It. März IStv?. Zeitweis« heiter, vielfach wolkig, am Tage ziemlich warm mit etwas Regen und mäßigen bis frischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterdureau. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet MontagS, Dienstag», Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Oesterreicher. Dr. Bittor Adler ist noch in dem Landgemeinden- Wahllreis Rrichenberg in Böhmen ausgestellt, wo aber erst am 20. d. M. die Wahl stattfindet. ®. K. 23 c. Tarnow. W. ff. R. Wenden Sie fich an die„Märkische BolUstimme" in Frankfurt a. O. O.G.. Stegliperstr.»00. Leider darf die Herrschast daS Weihnacht?- gefchenk zurückfordern, wenn das Gesinde den Dienst innerhalb eines Jahres verläßt oder aus demselben infolge eines Verschuldens auf seiner(Seite entlasten wird.— Sticpelt. Die Kündigung ist giltig.— R. 200. 1. und 2. Stein.* 3. Solch Verkauf würde die Psändung durch den Bcrichiö- Vollzieher nicht hindern. 4. Im Fall der Auktion ist in erster Reihe der Wirth aus dem Erlöse zu befriedigen.-«. Z.. Sarau 91.-8. Stein. - P. Maybach, Ufer. Ihre Süchte hat als Handlungsgehilfin leider keinen Anspruch auf Unfallrente.— Genth. K. 103. Loynbefthlagnahme wegen Alstnente sür ehelich««inder oder für dt« Ehefrau ist zulässig, jür aukereheliche Kinder noch nicht.- E. K. War Ihr Junge, als er die Scheibe zerschlug, noch nicht sieben Jahre alt, so haften Sie für den vollen Werth; war er damals älter, so hasten Sie nicht.— O. A. Leider uns unbekannt.— D. B. 81. Ja, falls nicht etwa testamentarische Be- stiuiinungcn entgegenstehen.— A 10 Monate; Dispens ist zulässig.- Paul 77. Ja, sofern nicht der Eigenthümer des Platzes entgegenstehende Bestimmungen gekosten hat.— Nr. ß« Hellcrigt Halberstadt. Nein. - M. K. 78. 1. o. 2. Ja.- L. K. 88- Das deutsche ZivWands- Wesetz vom ö. Febmar lS?ö hat die obligatorische Ztvilehe und die Standes- ämler sür ganz Teutschland mit dein 1. Januar 1876 eingeführt Zur Ver- ehelichung ist das Geburtsattest der BrantlkUte, ihre Einwilligung zur Eheschtieming, sowie die Einwilligung des Laters der noch nicht 24 Jahre alten Braut und des noch nicht 2ö Jahre alten Bräutigams erforderlich- <5-. K. Ißß. Versährung tritt nicht ein. da ein Mieths-, nicht ein Rauf-. Bertrag vorzuliegen scheint. Die Forderung ist also berechttgt.— (f. H. Der Piann ist leider im Recht. Sine Klage wäre erfolglos,»et Ratenverttägen wird der Käufer gewöhnlich übers Ohr gehauen.--«schwarz,. Marbach.'Als Adreste genügt: Reichstag—#1. W. 10 Monats, jedoch lst Dispens zulässig.— ß8. Hellvoigt, Halberstadt. Eine Klage� gegen den Kuticher-Etgentbümer wäre erfolglos.— X.X Ißßß. Soweit ersichtlich, ist das Utthetl des Amtsgerichts zutreffend- A. Z. 4. Nein. Adreßbuch für Verlin und Vororte. Der verehrlichen Einwohnerschaft der Reichshauptstadt und der Vororte gestatten wir uns, die ergebene Mittheilung zu machen, daß im Laufe des Monats April der Nachtrag 189? des Adreßbuchs für Berlin und seine Vororte zur Ausgabe gelangt, in welchem die vom Erscheinen des letzten Jahrganges unseres Adreßbuchs bis Anfang April eingetretenen Veränderungen Aufnahme finden sollen. Wir richten deshalb an alle Interessenten die höfliche Bitte, uns möglichst umgehend, spätestens jedoch bis zum 5. April, von den sie betreffenden Veränderungen, insbesondere auch von den bevorstehenden April-Umzügen, Kenntniß geben zu wollen. Sämmtliche Eintragungen in den Nachtrag des Adreßbuchs erfolgen gänzlich kostenftei. Der Nachtrag wird allen Käufern des Jahrgangs 1897 des Adreßbuchs für Berlin und Vororte unentgeltlich verabfolgt. Berlin. 10. März 1897. Redaction bei „Adreßbuch für Herlin und Uororte" SW, Zimmerstraße 40/41 Wir machen schon jetzt darauf aufmerksam, daß wir vom nächsten Jahrgang ab das zweibändige Adreßbuch auch getheilt, d. h. jeden Band einzeln, zum Preise von 4 Mark abgeben werden. Damit Höffen wir. denjenigen einen Dienst zu erweisen, welche glauben, mit dem ersten bezip. zweiten Band allein auskommen zu können. Wir liefern also künftig bei Vorbestellung den Elnzelband des zweibändigen Adreßbuchs für 4 Mark, das vollständige Adreß- buch, wie bisher, in einem Bande dauerhaft gebunden für 6 Mark, in zwei Bänden elegant gebunden für 8 Mark. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dast»leine liebe Frau und gute Mutter und Schwiegermutter Emilie LUeke geb. Mietsch Dienstag, den 9. März, 4»/, Uhr früh nach kurzem aber schwerem Kranken- lager saust entschlafen Ist. Die Be- »rdtgimg findet Sonntag Nachm. 2 Uhr, vom Trauerhause, Drcsdenerstr. IZO, nach dem neuen Jakobskirchhos statt. Der kauernde Gatte nebst Töchtern und Schwiegersohn. 3336] Ferdinand Surfe, Putzer. I>anksagnng;. Für die liebevolle Theilnahme, sowie diehcrrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines ge- liebten Mannes, des Holzbild- Hauers 307b Wilhelm Fiiadt sage dem Personal deS Herrn I.>>> r v s ch t u s meinen tief- gefühlten Dank. Die kauernde Wittwe Ottilie FUnrtt geb. Seimig. ?niikHagiiiig. Für die vielen Beweise Herzlich« Liebe und Theilnahme sowie für die vielen kostbaren Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Gatten, Vaters, Großvaters u. Bruders, des Gastwirtlis HVIiiielm Itcgenberg sagen wir allen lieben Benvandten, Frennden u. Bekannten, dem Personal der Firmen A. Ketttier und Harne- mann, den Stammgästen, den ver- ehrten Brauereien und Lieferanten, dem Verein der Gast- u. Schankivirthc „Süd-WefK unseren herzlichste» Dank Die trauernden Hiiiterbliebciic». Dankaagung. Für die liebevolle Theilnahme bei der Beerdigung meines Mannes Cito Dommasch sage all. Freud., insbes d. Musikkapelle d. Herrn Degen, sowie dem Gesangv. Morgenroth m. tiefgcf. Dank. D. trauernde Ww.BerthaDommasch. Bttiilitigilllg. Die in der gestrigen Nummer ent-� halten« Todesanzeige Martha Graß-' mann enthält«wen Druckfehler. Es muß Clro»»Btaiu» heißen. OankKagnng. Für die zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung meines Sohnes Kiekawl sage ich allen Freunden und Bekannten, d. Verband der Buch- binder u. d. Firma Walter, d. Gesangverein Rosalia herzlichen Dank. 32öbl Wlldelm Klottke. Danksagung. Allen Freunden und Belannten, ins- besondere dem Rauchklub Edelweiß und den Kollegen d. Arbeiter-Raucherbundes f. d. rege Betheiligung u. Kranzspenden bei d. Beerdigung unseres guten, nnver- gcßlichen VaterS, Schwieger- und Grob- vaters Hermann Garz sagen wir mneren aufrichtigsten Dank. 3386 Die trauernden Hinterbliebene». Möbel- Kauf gelegenheit, passendste Gelegenheit für Brautleute. In ineineinMöbelspeicher, Neue Söiitg- straßc öS, und Möbel- Magazin. Gneisenaustrasie Ik», sollen viele Wohnungscinrichtnitgen, verliehen ge- wescnc und neue Möbel zu jedem an- nehmbaren Preise verlaust werden. Besonders zu empsehlen ist der grobe Vorrath verliehen gewesener Möbel, tvelche fast neu sind und zum halben Preise abgegeben werden. Durch große Gclcgciihcitscinläusc ist cö mir mög- lich, schon ganze Witthschaften für 100, 300 Mark obzugebe». Ebciisalls Hochseine, herrschaftliche Einrichtungen von 300 bis 5000 Mark, Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. 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Frau Lieutenant, Schiller. Am Tage des Gerichts. Zentral. Ein fidelcr Abend. BolkS. Signor Pjffarello, Friedrich- Wilhelmstädtisches. Modenie Jungsraue», Alexanderplah. Heinrich Heine, Passage-Panoptiknm. 32 Mädchen ans Sanroa, Apollo. Spezialitäten, Delle-Alliante-Theater Nviks-Norstellnttg unter Regie von Julius Türk. Sonntag, den 14, März, tiachm, 3 Uhr' Gastspiel der Damen Martha Frey und Therese Freyburg; der Herren Heinrich Schulz und Wilhelm Rufs. Zum zweiten Male: Die Klllgfrllu voil Lrlcans. Romantische Tragödie von Fr, Schiller, Johanna: Martha Frey, Agnes Sorel: Therese Freyburg, König: Richard Jürgas. Dunois: Heinrich Frey, Burgund: Wilhelm Rufs, Lionel: Heinrich Schulz, Talbot: Julius Türk, Die Kostüme, Requissten, Waffen sind aus den lunstgewerblichen Werl- statten von P, Hildcbrand, Eintrittskarte» k CO Pf. sind in den bekannten Geschäften zit haben, Sckillvv�szeakev ( Wallncr-Theater). Donnerstag, abds. 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Freit, g, abends 8 Uhr: Mit Ber> gNtgö». Oftend-Theater. Gr, Fr.akfurterstr, 132, Dir.(5. Weih. Wiedcrmftreten von tsai'l Zu h v ch hinaus! Volksstü' mit neuen Gesangseinlagen .von M, Günther, HE-' Ansang 8 Uhr. sreitag-"-! Freitag Zun: besten der Ccntenar- feier: 1*><> 1« g, verfaßt von M, Rinckleben.Dann, Her tleutsake Zllvkvl. SonntagRachml.tag halbe Preise: I�r�olusr. Frichch Wilhelmst. Theater. Donnerstag zum e r st e n Male: Moderne Jungfrauen. Berliner Posse mit Gesang in 3 Akten von Alfred Schmasom und R, Riwäl, Musik v. Albert Wicher, treitag: Dieselbe Lorstellung, onnabend, den 13, März, nach- mittags 4 Uhr: Euscmble-Gatsspjel der Neinen Geschw, Seitz. Zuni ersten Male: König Allgold oder: Tie drei Thräncn. Romantisches Mär- cheu in 3 Alten von Rudolf Kneisel, Abends 8 Uhr: Moderne Jung- frauen. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellgebühr au der Theater- kasse zu haben. Außerdem im In- validendank, Unter den Linden 24, bei Paul Rouieick, Leipzigcrstrabe 6, und Julius Lengenseld, Markgrafenstr, 50, Alexandervlah-Thtater. Heu t e und die folgenden Tage: HM" Gastspiel des Herrn Karl P a n d e r vom Thalia> Theater in Hamburg, 83/4 Uhr: Heinrich Heine. Lustspiel in 3 Auszügen von A, Mels, Hirsch, Hühneraugenoperateur und Lotteric-Kottektellr: Karl Pandcr a.G. Vorher 8 Uhr: Eiue Tasse Thee. Lustspiel in 1 Akt nach dem Französi- scheu v, W, Drost, Sonntag nachmittags 4Uhr: Kinder- Vorstellung: Die sieben Raben. Grobes Zaubermärchen mit Gesang und Tanz in 7 Bildern von Bernhard Bäckers, Musik von A, Wiedeckc, Billets sind ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher au der Theater- kasse zu haben, Vonnittags 11—1 Uhr und abends von V,7 Uhr an, IIitaniQ Tauben-Strasse UlilDln, 5fo. 48-4». Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 1» Uhr vorm. ab, Eintritt 50 Pf. Wissenschastl. Theater abends 8 Uhr, TsktMlMtlH�Ju�Menstr, 57/62 AlkHIuMllk Lehrter Stadtbahn- Hof, Täglich von 7r/z Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erpen- inen teu ii. gr, Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge, Passage- Panopticum. ans Samoa. Castan's mB Panopticum. Pygmäen >ic kleinsten Die beiden indischen_ die kleinsten Mellschm der Welt! Damen-Wcttschivimmen. Ceaatral-Theater. Alte Jakobstr, 30, Dir, Rich, Schultz, Abends V28 Uhr: Zum 35. Male: iin fideler Abend. Morgen: Zum 36, Male: Ein fidcler Abend. Konzerthaus Sanssouci, Kottbuser Strasse 4a. Heute, sowie jeden Sonntag und Donnerstag: Stettiner Sänger lMeysel, Pictro, Britton. Steidl, Krone. Röhl und Schräder). Anfang präz, 8Uhr, Entree 50 Pf. Vorverkauf 4« Pfennig in der Zigarrenhandlung bei Kessler, Kottbuser Thor, Zum Schluß: HUmp«'» Konservatorium für Husike. Ensemble v, M e y s e l. Morgen, Freitag, Soiree in der Biktoria-Brancrei. Circus Renz Karlstrasse. (Jubiläums- Saison 180K/S7.) Donnerstag, den 11. März 1897: Abends 71/2 Uhr: Durchschlagender Erfolg. Aus der Mappe eineS Riestllgtbirgs-Phlliltll steil. Außerdem: 0 trakehner Fuchs- Hengste, vorgeführt v, Herrn Hngo Herzog. Albarae, geritten v, Air, Gaberel, Die doppelte hohe Schule, acr. von Frl. Wally Renz u, Frau Robert Renz mit den Schulpferden Cromwell und Maestoso und den Steigern Alep und Solon. Großes Springpotponrri von 16 Springakro- baten. Die vorzüglichsten KlownS und Sünstler-Spezialitäten. Morgen: Jubiläunis- Vorstellung, Zum 50, Male: Ans der Mappe eines Riescngebirgs-Phantasten. Sonnabend, den 13, März: Benestz für die hervorragende Reitkünstler- ' amilie James Jee._ Volks-Theater 1 Thalia-Theater. 34. Reichenberger- Straffe 34. Pfcrdebahnstation: Kottbuser Thor, Donnerstag, II, März, abends 8 Uhr: Zum 1. Male: Lignor Piffarello. Posse mit Gesang in 6 Bildern von H. Willen und S. Haber, Musik von G, Michaelis, Sign, Piffarello: Ernst Kettncr. Marion: Gertha Senden. Preetz: Arthur Winklcr. Schürmann: Heinrich Kamm. Lips: Gustav Conrad. Concortlia Variete-Theater Urunnenstr. 154. Täglich: Orossc Theater- und SpcKlalitUten- Vorstellung. Das beste Programm d. Nordens. Neu! T r 0 u p e R i ch a r d t(1 Herr, 1 Dame, l Kind) Akrobaten, Ne»! Kathi Nichter, Tyrolienne, Neu Long and little Adolfi, Tauzduettisicn. Neu! Ein geplagter Dichter, Posse. Anfang Wod>cntagS T/2 Uhr. Sonntags 6 Uhr, Umtausch- Billets haben Giltigkeit, Berliner Possen-Theater slliinxstrassc 17. (Eingang Künigsgraben,) Direktion: Joseph Aschinger und Leonhardy Haskel. Allabendlich Punkt Vjl« Uhr: Barnch und Sohn. Am Mittwoch, 17. März: Einmaliges Gastspiel im Alexandcrplaff-Theater. Zur Aufführung gelangt: DerLninpenball. Die Ballhansanna. Anfang der Vorstellung 8 Uhr, Kasscneröffnung 7 Uhr, Entree 3« Pf, Billets sind von heute ab im Bureau iu der Zeit von 11 bis 1 Uhr und abends an der Kasse zu haben. CIRCUC Busch Itahnhof Börse. Donnerstag, 11. März 1897: Abends 71/2 Uhr: Grande Soiree �questre. 150 Pferde llllch eiimder iilherMlttgt. Spezialitäten 1, Ranges, Vorzügliche Klows, Zum Schluß: Nach Sibirien. Morgen; Nach Sibirien. Centenar-Feier Freitag, den 12, März: Wohl- thätigkcits-Borftellnng zum besten der Kriegcrverbände. DM- Der Ertrag gelangt am Centenartage zur Vcrtheilung an be- dürftige Invaliden, Am 22, März: Freier Eintritt für die Ritter des Eisernen Kreuzes 2. Klasse Am 23. März: Freier Eintritt für die Inhaber des Militär-Verdicnst- krcuzes und d, Ritter des Eisernen Kreuzes 1, Klasse, Eintrittskarten beim Jnvalidendank, Unter den Linden 24. (vormals Adolph Ernst-Theater) „Frau L i c n t e n a» t." Vaudeville in drei Akten von Paul Ferrier und Antony MarS, Deutsch von Hermann Hirschel, Musik von G. Serpette und V, Roger, Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant," Feen-Palast, Direktion Winkler& Fröbel. Stürmischen Jubel erregt allabendlich die einzig da stehende unerreichbare gjährige _ lt Kolossalen Beifall erzielen'die unübertrefflich originellen Ledetlden Photogrohien. Dazu das sensationelle Riesen- März- Programm. Anfang T/2 Uhr, Sonntags G/z Uhr, Entree 30 Pf, bis 1 Mark 50 Pf. Sonnabend, 13, März: Geschlossen, Abrar Tarlöt�-Theater I.Rangcs, Dresdenerstr. 52 53(City-Passage) Annenstraffe 42/43. Geschwister Gottliev. Prof. Roberts. Wendini. Anfang: Sonnt, 6 Uhr, Wochent, 8 Uhr Freikarten in der Woche giltig, Entree 30 Pf, Die Direktion. Apollo-Theater. Durchschlagender Erfolg des März-Programms k 5 Bisters Ii0i'i'i80n Aggy, Fanny, Cissy ti.Xetty am Strande v, Trouvtlle. Carmencita Der vollkommcuste und beste 1/� T 11 r k a tg r ä �4 lj mit dem Scnsationsvilde: W> Fndllch allein!■■ KasseneröffntiiigG/z Uhr, Ans, 7:/, Uhr, Welt-Restanrant Varl6t£- mul Spezlalltftten- Theater. Drcsdcnerstraffe 97. Berlin, wie's baut nnli kracht! Bilder aus dem Volksleben v, E l y, Der letzte Fang. Operette von R u n g e-L a n d w c h r, Im vorderen Saal täglich: Tyroler-Konzert Alois Fbner. Anfang: 1 Entree: Wochent, 8 Uhr. Wochentags 20 Pf. Sonntags 6 Uhr,| Sonntags 30 Pf, RQphODrP Blumen- . dtüCttlC, straffe 38. Gr. Bereinszimmer frei Dienstags und Freitags, lSinpsehle allen Freunden u. Bekannten 1! mein Weiss-, Bairlschbler- nnd gr. Speisegeschiirt. Reich- Haltiges Frühstück von 30 Pf,, Mittag mit Bier 50 Pf, sowie Abcndtisch k la carte von 30 Pf, an. 2 Vereinszimmer mit Klavier für 20—50 Personen.* H. Stramin, Rest,, Ritterstr. 123. Der Neuester Schlager von Siegwart Genthes in Kaufmann'Variete! als Sultan der Türkei. iöctUitcv Gewerkschafts Kommission. Freitag, den 12. März 1897. abends 8>/z Uhr: � Oeffeutl. Versammlung der Delegarten im Louisenstädtischen Klubhaus, Anncnftraffe 10. Tagesordnung: 1. Was Ichren uns die letzten Streiks und welche Aufgaben fallen der Berliner Gewerkschafts-Kommission zu'? 2. Stellungnahme zum 1, Mai. 3. Verschiedenes........ Die Delcgirten werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erschelnen. 271/1 Ter Ansschuft. I, A,: B. Millarg. Achtung! Dekateure. a*dit""9! Freitag, den 12. März, abends 8 Uhr. Alte Jakobstr. 83: Oeffentliche Versammlung.__ Tagesordnung: 1. Bericht des Vertrauensmannes und Wahl der Revisoren. 2. Bortrag.(Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. �•11/b Zahlreichen Besuch erwartet Der Bertrauensmaun. KBempner! Donnerstag, den 11. März, abends 8 Uhr, in Cohns Festsäle« (grober Saal), Beuthstr. 21, I: Oetfentlictm Kiempner-Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen.Jahn über: Die politischen und wirthschaftlichc» Kämpfe der Gegenwart. 2, Diskussion, 3, Be- richt deS Vertrauensmannes und Neuwahl desselben, 4, Verschiedenes, Es werden alle Kollegen ersucht, recht rege für diese Versammlung zu agitiren, 118/11 JJM- Bei folgenden Kollegen stehen noch die Listen vom vorigen Klempnerstreik aus: Nr, 85: Vogel, Gürtler, Lortzinkstr, 2, nach Angabe verloren gegangen, „ 98: Kurt, Schnittarbciter, Gubenerstr, 12. „ 176: Nagel, Klempner, Lottumstr. 16, „ 288 und 289: N o m e tz, Klempner, Stromstr, 7 v, 3 Tr. „ 292: Ho Ilm an», Klempner, Weißen sce, König-Chaussee 45d, „ 312: S t e i n h i l b, Klempner, Kaslanien-Allcc 89, arbeitet bei Karnen, Teltowerstrafte, _ F. Zinnii e rmann, Vertrauensmann, Forsterstr, 3, Orts-Krankenlmffe für das t Buchdruckgewerbe|U Iftltll. Sonntag, den 28. März, vormittags IOV2 Uhr, in der„Berliner Ressonrce", Kommandantenftraste 5#: Ordentliclie General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung pro 1890 durch den Rendanten, 2, Bericht deS RechnungS-Ausschusses bezw, Dcchargc-Ertheilung, 3. Ergänzungswahl deS Rechnungs-AuSschusics für 1897. 4, Anträge der Mitglieder, 5, Ver'chledcnes, IM- Legitimationen werden den Delegirten zugestellt.-VC Berlin, 9. März 1897. 3306 Der Vorstand. Gustav Günther. Vorsitzender. Paul Magna», Rendant. W. Noack's Festsäle, Bruttueustraße 16, sind noch Sonnabende in den Monaten April und Mai unter koulanten Bedingungen zu vergeben. 234b Altes Sthöjjenhaiis, Liiiieilstr.3, empfiehlt seine 8tUe, 560 Personen fassend. Neu eröffnet: Katurgarten. Sitzplätze für 300 Pers. Sonnabende im April, Mai, Juni, Juli zc. noch frei. GÄnzlichev DUtsnevlaemf. Wegen vollständiger Aufgabe unseres Geschäftslokals Alexander- straßc 54, verkaufen wir die bedeutenden Restbestände in 1176L* Herrenstoffen» '«iilardtuchen, Frieff. Flanell und Pferdedecken, um bis zum 1. 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