Demokratisches Wochenblatt. No. 28. Organ der deutschen Volkspartei. Leipzig, den 11. Juli. 1868. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Plage einSchließlich Bringerlohn 12½ Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nehmen entgegen die Herren M. Dolge am Markt, 6. Reichert Hainstraße 27, G. Hofmann Brühl 40, G. Dehler Neumarkt 6, G. Richter Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein Universitätstraße und die Expedition d. Blattes C. W. Vollrath Windmühlenstr. 14. Für Dresden Filialervedition F. W. Grellmann Wallstraße 10. Street, Grosvenor Square, London. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Inhalt: Politische Uebersicht. Die alten Parteien des sächfischen Verfassungskampfes.- Der Anfang vom Ende in Frankreich. -Aus Deutsch- Desterreich. Aus England. Politische Uebersicht. Zuchtruthe des übermüthigen Desterreich und Rächer des preußischen Rechts" wird Graf Bismarck auf dem Denkmal genannt, welches der, dankbare Bürger" Graf Limburg Styrum zu Großpeterwitz in Schlesien ihm hat seßen lassen. Ein hübscher Scherz. Nun, dem übermüthigen Desterreich" ist die ..Buchtruthe" sehr gut angeschlagen, aber das preußische Recht"? Wo ist es? Und warum zeigt der gestrenge heir Graf nicht einmal die Zuchtruthe" dem wahrhaftig übermü thigen" Frankreich? Doch wir vergessen er hat ja, wie uns gegen einen Krieg mit Frankreich." Derselbe ist vom Zollbundesrath als„ Competenzüberschreitung" in den Papierkorb geworfen werden, ohne daß sich auch nur Eine Stimme für ihn erhoben hätte. Etwas auffallend, und wohl bloß aus den figlichen Beziehungen zu Frankreich erflärlich ist dieß allerdings, da Graf Bismard bekanntlich bei Diskussion des Antrags mit großer Heftigkeit die Competenz des Zollparlaments betonte. Es war damals, als er sagte, daß ein Appell an die Furcht keinen Widerhall fände in deutschen Herzen. Vielleicht glaubt der Herr Graf nicht mehr an sein ,, deutsches Herz". Das Kieler Kreisgericht verurtheilte neulich einen jungen Mann zu 2 monatlichem Gefängniß, weil er einen Unteroffizier in einer Schlägerei verhindert hatte, einem Betrunkenen mit dem Säbel den Kopf zu spalten! So gewinnt Preußen die annef tirten Schleswig- Holsteiner. In Berlin hat man bloß die verführten" hannover'schen Hochverräther"„ begnadigt", die„ Berführer" aber müssen fortfißen. Den Begnadigten", lauter unbemittelten Leuten, gab man fein Reisegeld, so daß sie nur unter den größten Ent behrungen in die Heimath gelangen fonnten. Zwei hanno ver'sche Dienstmädchen, die das Kukukslied in Gehörweite eines fangen, wurden zu 8 Tagen Gefängniß liche Produkt der letzten Reichstagesession hat schließlich doch Das sogenannte„ Nothgewerbegeseß" das färgdie Zustimmung der preußischen Regierung erhalten, und wird Ausnahme Mecklenburgs, dessen Regierung ihre Einwilligung urtheilt. Den preußischen Soldaten in Hannover ist es bei versagt hat; und außer für militärische und polizeiliche Zwecke Strafe dreitägigen Arrests verboten, irgend etwas bei einem cristitt bekanntlich im Nordbund eben so wenig eine„ Einheit", Krämer zu kaufen, der während des königlichen Besuche keinen dis weiland im deutschen Bund. Da die übrigen nord: schwarzweißen Enthusiasmus zur Schau stellen wollte. – Der deutschen Kleinstaaten, namentlich Sachsen, schon längst alle Aktiengesellschaft, welche die Deutsche Volkszeitung" in Hannover gründete, ist vom preußischen Ministerium die Genehmigung versagt worden. So gewinnt Preußen Die annefficten pannoveraner. feast daſſelbe bloß für Breußen als ein Fortschritt zu betrachten, welches im Jahr des Heils 1868 ungefähr, nicht ganz, so weit fommt, wie Desterreich im Jahr 1859. Natürlich wird Die anneftirten Kurhessen gewinnt es durch Maß. regeln wie die famose Polizeiverordnung betr. die Frage über fchaft nicht verhindern, Preußen nach wie vor den Intelli cheliche oder uneheliche Geburt. Nach den Jeremiaden der echt genz" und Culturstaat". Desterreich dagegen den zurückge annexionistischen Morgenzeitung" zu schließen, läßt die Wirkung bliebenen Pfaffenstaat" zu nennen. Auch der Umstand wird ne nicht daran hindern, daß die Pfaffen, denen es in Desterreich zu warm, oder richtiger zu nichts zu wünschen übrig. Es zeigt sich dieß auch in den koloffalen Prügeleien, die feit einiger Zeit in Kassel zwischen den kurhessischen und altpreußischen Soldaten die Bundeshell geworden ist, allen Ernste daran denken, sich in die ihnen liebe" bethätigen, und wobei die beiderseitigen Schlachtrufe besser zusagende preußische Atmosphäre zu begeben, und mit der protestantischen Bormacht" ein Compagniegeschäft zu machen. einzigen politischen Ei ergangen, das die Nationalliberalen im Weniger gut, als dem, Nothgewerbegefeß" ist es dem lauten: Bismärder" und blinde Hessen". Wie gründlich man endlich die annektirten Nassauer gewonnen hat, das erhellt aus folgender Auslassung: ,, Um die Annexion an Preußen populär zu machen, hatte man Bergleichungen der Steuerlast in Nassau und in Preußen angestellt und dem Volke eine große Erleichterung versprochen. Man hätte .3ollparlament" gelegt und mit so lautem Triumph- Gegaker damals schon wissen können, daß der Staat Preußen ungeheure begrüßt haben. Wir meinen den Bamberger'schen Antrag". Summen brauche, daß Preußen die stärkste Militärmacht präsent halte, daß die ungeheuren Ausgaben auch eben solche Einnahmen nothwendig machten, daß aber die Einnahmen aus dem Säckel des Volkes genommen werden müßten. Es wurde gegen unser Justizwesen mit feinen gewaltigen Kosten, gegen das Forstwesen, gegen alle Zweige der Verwaltung mit Recht agitirt, aber man hätte nicht dagegen die preu= ßischen Einrichtungen als trefflich preisen sollen. Die Annexion er= folgte, dann der Wolkenbruch der Verordnungen, Vermehrung der Steuerlast, Steigerung aller der Mißstände, welche man bei Nassau getadelt. Gegen die Kosten der neuen Justizpflege erschienen die nassauischen Taren sehr unbedeutend; vor Allem wurden die Gebühren der Advokaten bedeutend gesteigert. Hierin fand nun das Bolk den Grund der ganzen Agitation. Täuschung führt nie zum Segen; durch die falschen Erwartungen mußte das Volk, als es die Täuschung erkannte, gegen die Parteiführer erbittert werden; zugleich aber mußte dieses Verfahren Mißstimmung gegen das neue Regiment erzeugen. Das Verfahren hat die Verschmelzung mit den älteren Provinzen erschwert." So schreibt das Organ der nassauer Nationalliberalen, der Rheinische Courier". Die Niederlage bei der jüngsten Bürgermeisterwahl scheint ihnen die Augen geöffnet zu haben auf wie lange? Der„ man", welcher das nassauer Volk wissentlich getäuscht und ins preußische Netz gelockt hat, das find beiläufig dieselbigen Nationalliberalen, die jetzt den obigen Nothschrei ausstoßen. Der jüngste Versuch Preußens, Großmacht zu spielen, ist kläglich gescheitert. Für die berühmte ,, Marine" sollte in Costa Rica eine Station erworben werden; die Unterhandlungen waren auch schon ziemlich weit gedichen, als die amerikanische Regierung sich ins Mittel legte und auf Grund der„ Monroe Doktrin"( Amerika für die Amerikaner") einen ablehnenden Bescheid hervorrief. Jegt möchte die offiziöse Presse den gescheiterten Versuch für das eigenmächtige Vorgehen eines Schiffsfapitäne ausgeben. Ueber den Ausgang des würtembergischen Wahl kampfes liegen noch keine Nachrichten vor. Die Volkspartei hat jedenfalls ihre Schuldigkeit gethan, und eine bewundernswürdige Thätigkeit entwickelt. Es wird jetzt versichert, die bayerische Regierung sei mit einem Südbund projekt hervorgerückt.„ Das Projekt", so lautet eine halbamtliche Notiz ,,, nähert sich in vielen Bunkten dem Compromisse zwischen Desterreich und Ungarn, namentlich in allem, was die gemeinsamen Angelegenheiten und die Dele-gationen angeht. So werden gewisse Angelegenheiten, welche gemeinsam die vier betheiligten Staaten angehen, von Delegirten behandelt werden, deren Ernennung den vier Kammern derselben zusteht. Der Plan ist vom Fürsten Hohenlohe nach vorheriger Uebereinkunft mit Freiherrn von Barnbüler aufgestellt worden. Würtemberg hat das Projekt en bloc ange nommen; doch liegt es zur Zeit noch den Höfen von Darmstadt und Karlsruhe vor." Wir wissen aber, daß der Karlsruher Hof, der völlig unter preußischem Einfluß steht, keinen Südbund will; und es ist auch bemerkenswerth, daß der wür tembergische Minister Mittnacht sich in einer Wahlrede gegen einen Südbund erklärte. Das Wiener Schüßenfest verursacht den Großpreußen viel Kopfschmerzen: ein deutsches Nationalfest in Wien, das ja nicht zu Deutschland gehört, ist freilich etwas unpassend. Unter der Hand hat man von Berlin aus bei dem Festcomite Schritte gethan und von diesem die Antwort erlangt, es werde keine„ partikularistischen" Tendenzen begünstigen. Aber das ist gerade das Bedenkliche, daß eine gesammtdeutsche Kundgebung beabsichtigt ist. Die päpstliche Allofution hat eine scharfe Note" Beust's veranlaßt und wird von dem österreichischen Volk nach Verdienst abgefertigt. Eine große Arbeiterversammlung hat bereits fräftig gegen die Anmaßung des römischen Stuhls protestirt; ebenso der Wiener Gemeinderath, und überall regt es sich in 218 ähnlichem Geist, während für das Pfaffenthum sich nirgends eine Stimme erhebt. Wir empfehlen diese Thatsache denen zur Beherzigung, die seit Jahrzehnten das österreichische Volk als durch und durch ,, verdummt", von den Pfaffen geknechtet, hin zustellen bemüht sind. In Wien glaubt man beiläufig dahinter gekommen zu sein, daß Preußen, welches jest troß seines protestantischen Berufs recht eifrig um die Gunst der Römlinge buhlt, den Papst zu der Allofution veranlaßt habe. Die österreichische Regierung hat die Beurlaubung von 36,000 Soldaten angeordnet. Im Fall eines Kriegs stünden dieselben natürlich sofort wieder zur Verfügung; einstweilen wird aber dem Lande eine namhafte Erleichterung verschafft. Ueber die Verhandlungen mit den Tschechen lauten die Nachrichten widersprechend; jedenfalls sind sie nicht gescheitert, wie die Freunde Preußens behauptet haben. Bei dieser Ge legenheit sei erwähnt, daß ein in Nancy befindliches polnisches Emigrationscomite dem ,, Bulletin International" schreibt, meh rere polnische Flüchtlinge, darunter Mieroslawki, hätten mit dem Tschechen Joseph Frycs, der 1866 im preußischen Sold stand, einen Vertrag abgeschlossen, um in Prag eine Insur rektion ins Werk zu setzen". In der Schweiz wird die direkte Gesetzgebung des Volkes rasch zur Wahrheit. Dem Beispiel Zürichs folgt j der ehemals so aristokratische Kanton Bern. Regierungsrath Weber, welcher ein eifriger Vertheidiger der Erweiterung de Volksrechte ist, hat die Initiative ergriffen und bereits seinen Kollegen folgenden Gefeßentwurf zur Berathung und Vorlage im großen Rath vorgelegt:„, 1) Alle Geseße sind dem Bolke zur Annahme oder Verwerfung zu unterstellen. In jedem Ge sez sind die Bestimmungen speziell zu bezeichnen, deren Boll zichung durch ein Dekret des großen Raths oder durch eine Verordnung des Regierungsraths zu ordnen ist. 2) Die Fi nanzverwaltung ist durch ein besonderes Gesetz zu regeln. Auf einen Finanzplan gegründet, welcher eine Periode von wenigstens 10 Jahren umfaßt, soll das Gesetz enthalten: a) einen summarischen Voranschlag der jährlichen Bedürfnisse des Staatshaushaltes; b) einen vollständigen Amortisation plan der Staatsschulden; c) einen summarischen Voranschlag der ordentlichen Jahreseinnahmen; d) die Steuerquoten. Dieses Gesetz ist jeweilen im ersten Jahr einer neuen Verwaltungs periode einer Revision zu unterstellen. Außerordentlich fann eine Revision durch den großen Rath beschlossen werden. 3) Die Abstimmung über die im Laufe des Jahres erlassenen Gesetze findet ordentlicher Weise in den Monaten April oder Mai statt, außerordentlich wann es der große Rath bestimmt 4) Dieses Geseß wird dem Volke zur Annahme oder Verwer fung vorgelegt." das weiß Der Pariser Korrespondent der„ Indépendance Belg schreibt, daß in allen Klassen der französischen Gesellschaft Mißbehagen sehr groß ist, daß alles unzufrieden und voll un ruhe. ,, Das Gefühl ist allgemein, daß dem Kaiserthum nu der Krieg als Mittel der Selbsterhaltung bleibt; man dabei, daß der Kaiser den Krieg fürchtet und das Land del Frieden will. Zwanzig Jahre denselben Mann an der Spi des Staates zu sehen, heißt den heutigen Galliern zu viel z gemuthet. Sie schreien wie jener deutsche Philister: Es mu anders werden! und scheuen doch vor jeder kleinen Bewegung zurück." zurück." Das französische Budget, das jezt den Kammern vorliegt, beträgt für dies Jahr die kleine Summe pon Anleihe bestimmt. Seit 1852 bis heute, sagen die„ Débats 1800 Millionen Franken. Diese decken zu belfen, ist die hat Frankreich 4 Milliarden( vier tausend Millionen geborgt, also im Durchschnitte jährlich 250 Millionen. Steuerzahler haben demnach jedes Jahr 8 Millionen Rent Dit ath Der zen age Olfe oll ine in. mon ne lag fee ии well. zen Der mt. Der ge" Das Deiß Den Dige ing Don Die n) Dit ent m Den Ten Die ert, He's hee eb mit old ur De gur als in ter mehr als das Vorjahr beizusteuern gehabt. Das führt mit Nothwendigkeit zum Bankrott, oder,( was die Débats" aller dings nicht sagen können,) zum Sturz des heutigen Regiments. Die französischen Budgetdebatten sind sehr stürmisch. Das Wort Jules Favre's: Frankreich ist nicht reich genug, das Kaiserreich zu bezahlen, hat eine gewaltige Aufregung in dem offiziellen Sumpf hervorgebracht. Aber die Finanzzerrüttung ist so groß, der nahende Ruin, auch dem blödesten Auge so sichtbar, daß selbst Redner der sonst so gefügigen Rammermajorität einen Theil der Wahrheit enthüllen. Thiers hat wieder eine große Rede" gehalten und sich darin biel mit deutscher Politik beschäftigt; er ist mit dem preußischen Einheitsstaat unzufrieden und wünscht uns das alte Bundeselend zurück. Ein frei gecintes Deutschland kann der alte bankrotte Diplomat nicht begreifen. Sein Zorn gegen PreuBen ist indeß offenbar ein erheuchelter; denn Thiers weiß so gut wie wir, daß Frankreich nach 1813 zu feiner Zeit einen solchen Einfluß auf die deutschen Verhältnisse ausgeübt hat, als seit dem Gelingen des preußischen Staatsstreichs von 1866. Mittlerweile wird der Oppositionsgeist in Frankreich von Tag zu Tag mächtiger; auf Grund des neuen, obschon äußerst reaktionären Breßgefeßes sind viele unabhängige Blätter entstanden, denen die Regierung durch Confiskationen und sonstige Polizeimaßregeln das Lebenslicht auszublasen sucht. Nach einem Telegramm aus Madrid hat die spanische Regierung ein halbes Dugend Generale verhaften lassen. Also ein neuer Staatsstreich vollbracht, oder eine neue Revolution im Anzug, oder Beides! 219 Christen sich bis auf eine Hand voll bezahlter Spißbuben und Buschklepper von der ganzen Komödie fern hielten, und daß alle die blutigen Schlachten und Gefechte, von denen die Telegramme zu erzählen wußten, bloß auf dem Papier geschlagen wurden. Eine Zeit lang hatten sich auch die Regierun gen Frankreichs, Englands und Desterreichs täuschen und selbst dazu fortreißen lassen, der Pforte zur Abtretung Kandias zu rathen; allein sie sind nun von ihrem Irrthum zurückgekommen, und haben neuerdings dem Sultan entsprechende Versicherungen ertheilt. Nach den letzten Berichten ist die türfische Armee bis auf ein kleines Corps von der Insel zurückgezogen worden, um an der Donau verwandt zu werden, wo es bald ernsthaftere Arbeit geben könnte. Die serbische Skuptschina( Nationalversammlung) hat den jungen Milan einstimmig zum Fürsten ausgerufen und cine Regentschaft von drei Mitgliedern niedergesetzt. Sie ver tagte sich wieder, nachdem sie noch in aller Gile nachstehende Anträge angenommen hatte: Bis zur erfolgten Großjährigkeit des Fürsten Milan wird die Skuptschina alljährlich wenig stens einmal einberufen. Die vom Fürsten Michael ernannten Behörden und Beamten verbleiben in ihren Stellungen. Dem Fürsten Michael soll in Topschider eine aus Volksmitteln herzustellende Denksäule errichtet werden. Die Entwickelung der Wehrkraft des Landes soll schleunigst nach den Grundsäßen der allgemeinen Volksbewaffnung durchgeführt werden. Die Polizeibehörde von Belgrad soll wegen mangelhafter Umsicht in Untersuchung gezogen werden. Jeder Serbe ist für das Leben des Fürsten Milan verantwortlich.(!) Die Regierung soll die von dem Fürsten Michael eingeleiteten freundschaftlichen Beziehungen zu den auswärtigen Mächten strenge aufrecht erhalten. Dem neuen türkischen Staatsrath rühmen Wiener Blätter sehr viel Gutes nach. Derselbe hält zahlreiche SißunAuf die Zustände des italienisch en Einheitsparadics ses wirft die Rede des Ministers Cadorna über die Griminalstatistik im Gebiet von Ravenna ein grelles Schlaglicht.„ Ich habe", sagt der Minister, zur Feststellung der gegenwärtigen Lage, die Zahl und die Qualität der Delicte und Verbrechen erhoben, welche in jener Stadt und Provinz seit dem letzten 1. September bis zum legten 31. Mai d. J. begangen wurden. Jene Provinz hat 209,512 Einwohner. Ich habe nun gefunden, daß in dem genannten Zeitraume 64 Morde( Senfation), 237 Raubanfälle, 110 Schlägereien und Verwundungen, 481 Diebstähle und Gaunereien, 5 Brandstiftungen, 11 Empörungen gegen die öffentliche Macht stattgefunden haben. ein Heimathsgesetz, welches bisher ganz fehlte, und ein UnterBähle 53 gen, und in demselben kommt es, was im alten Divan unerhört war, zu lebhaften Debatten. Zunächst hat er seine Geschäftsordnung in Angriff genommen, diskutirt jedoch gleichzeitig mehrere Geseßentwürfe über die Competenz der einzelnen Ministerien und die Vorlage über die Gemeindeverfassung von Stambul, welche unerwarteter Weise lebhaften Widerspruch gefunden hat. Außerdem werden in den betreffenden Sektionen von dem elenden Zustande der Volksschulen überzeugt hat, beabsichtigt den Elementarunterricht ganz den Händen der Imams ( Priester) zu entziehen. Also Trennung der Schule von der bom 1. September bis zum 31. Mai d. J. die Totalanzahl bon 1119 Bergehen".( Allgemeine Bewegung.) Der Miniter zog dann eine Parallele mit der Provinz Bologna, welche die doppelte Seelenzahl der Bevölkerung hat. Er fand, daß dort in demselben Zeitraume blos 7 Morde, 114 Straßenraube, Schlägereien mit Berwundungen, 395 Diebstähle oder Gaunereien, 2 Brandstiftungen und 5 Widerseßlichkeiten gegen die öffentliche Macht vorkamen, so daß in der Provinz Bologna groß die patriotische Begeisterung, das erhellt aus der That im Ganzen die Zahl von 610 Delicten sich ergiebt. Kirche in der Türkei! Aus Südamerika melden die Brasilianer wieder neue Siege, die Paraguyiten neue Niederlagen der Brasilianer. In Paraguay ist man des endgültigen Siegs gewiß; und wie sache, daß sich eine Amazonenlegion zum Schuß der Republif Wir dürfen hier nicht verschweigen, daß Ravenna Jahr- gebildet hat. Es ist indeß gegründete Aussicht auf baldige hunderte lang unter päpstlicher Mißregierung seufzte. Aber Beendigung des Kriegs vorhanden. Des Protestes der Vereigehört schon seit 7 Jahren zum Königreich Italien, und hätte die italienische Regierung statt ihrer Landgier zu fröhnen, und ihre Kräfte an Durchführung der strammsten" richtet, die englische Regierung wolle sich ins Mittel legen. Centralisation zu verschwenden, das Wohl des Volkes im Auge gehabt, so wären solche Greuel einfach unmöglich. nigten Staaten gegen die Invasion der Brasilianer haben wir bereits Erwähnung gethan, nun wird auch aus London beals Aus Schleswig- Holstein wird uns geschrieben: Nr. 26 Ein Franzose, Jules Bullot, der als begeisterter Philhel lene den„ Befreiungskampf der Kandioten mitgemacht hat, dies. Blattes brachte den Wortlaut eines Programme, welches in schüre. Der Inhalt läßt sich kurz dahin zusammenfassen, daß deutschen Volkspartei vorgelegt aber nicht angenommen beröffentlicht seine Erlebnisse und Erfahrungen in einer Bro- der neumünster'schen Versammlung der Mitglieder der der ganze ,, Befreiungskampf" von Anfang bis zu Ende nichts wurde. Das statt dessen angenommene hat hinsichtlich des ersten und dritten Abſaßes mit etwas veränderten Worten völlig den gleichen Sinn wie denn sämmtliche Theilnehmer darin einig waren, die Ansprache des Dr Johann Jacoby an seine Wähler( vom 30. Januar), resp. seine Antwort an den demokratischen Verein in Hamburg als Grundlage eines Brogramms hinzustellender dritte Absaß, die soziale Frage betreffend, erhielt aber eine erheblich abgeschwächte Fassung. ( ,, Die Arbeiterfrage wird als berechtigt anerkannt, und die Volkspartei macht es sich zur Aufgabe, dieselbe im Interesse der Arbeiter zu lösen.") 220 Lobte die Demofr. Corresp." neulich an jener Antwort Jacoby's, daß er vor keiner Consequenz seiner Forderung der ,, allgemeinen direkten Theilnahme des ganzen Volkes an der Gesetzgebung wie Regierung" zurückschrecke, so müssen wir von den meisten unserer völlig ehrlichen Demokraten sagen, daß sie diese Consequenzen in sozialer Beziehung noch nicht zu ziehen vermögen. schlechter sanft und wohlwollend von Charakter bekannt war. Politi sches Ungeschick, welchem sich höchstens die Mißgriffe der neuesten Zeit an die Seite stellen lassen, brachte auch das schier Un glaubliche zu Wege. Als wäre es nicht genug an der scho nenden Rücksicht auf verchrte Persönlichkeiten, von denen eine tief eingreifende reformirende Thätigkeit bei ihrem vorgerückten Alter nicht wohl mehr erwartet werden durfte, nicht genug an der Gefügigkeit, womit die unveränderte Fortdauer politischer Zustände ertragen wurde, zu denen selbst ein guter Theil ihrer hervorragendsten Repräsentanten in innerer Opposition sich befand, stellte man die Geduld des Volkes auch noch in einem Bunke auf die Probe, auf dem es heute wie damals dings keinen Spaß versteht im Punkte des Kirchenwesend. Auf ihre firchliche Revolution im 16. Jahrhundert find die Sachsen nicht minder stolz als die Franzosen auf ihre po litische im 18. Jahrh. Was für diese die Prinzipien von 1789 das ist für die Sachsen der Protestantismus". Die Wenigsten, denken dabei an den positiven konfessionellen Inhalt des Aug burgischen Bekenntnisses. Im Gegentheil, wer ihnen damit fommt, der macht sich fatholifirender Tendenzen" verdächtig Reiner firchlicher Oppositionsgeist, fanatischer Haß gegen Pfaffenherrschaft, das ist der Grundzug des sächsischen Prote stantismus", wie er sich, vorzugsweise die oppositionelle Seite das Protestiren" betonend, am liebsten nennt. In Schleswig- Holstein, wo die Großindustrie noch in den allerersten Windeln liegt, den Allermeisten noch ein völlig unflarer Begriff ist, glimmt die foziale Frage, die Arbeiternoth eigentlich nur in den größeren Rittergüter- Distriften, wird aber in den allermeisten Fällen von der Humanität der Arbeitgeber zugedeckt, weshalb wir sicher nicht hinsichtlich unserer politischen Gesinnung wohl aber unserer volkswirthschaftlichen Anschauungsweise den Namen„ Partikularisten" verdie Nun, wer A sagt, muß auch B sagen. Wer nur für die allgemeine Theilnahme des Volkes an der Regierung" tämpfen will, der kann darnach die Lösung der sozialen Frage ,, im Interesse der Arbeiter" getrost diesen selbst überlassen." nen. " Die nicht Eine stärkere Provokation für diesen konnte ce gar geben als das Verbot einer demonstrativen Feier des dreihun dertjährigen Jubelfestes der augsburgischen Confession. Tausend die sich für die Glaubensartikel der letzteren sonst in feiner Weise erhigt hätten, ergriffen jezt Partei gegen die seit Jahren ..jesuitischer Umtriebe" und heimlicher Broselytenmacherei" b Nach dem soeben veröffentlichten amtlichen Bericht über schuldigte Hofpartei. Den ersten Tumulten in Dresden und die Resultate der Rekrutenaushebung, welche im März des vo- Leipzig folgte auf dem Fuße die Nachricht von der siegreichen rigen Jahres im Königreich Sachsen stattfand, betrug die Ge- Julirevolution in Paris. Ihr Nachzittern brachte wiederum sammtzahl der Gestellten" 22,319. Aerztlich untersucht wur die politischen Wünsche in den Vordergrund. Zudem hatten den 18,876, davon wurden wegen Kränklichkeit, Schwächlich- die neuerlichen Conflikte mit dem ob seiner Brutalität mi keit oder Verkrüppelung 9676, also über die Hälfte; wegen liebigen Organe der öffentlichen Ordnung( dessen Name felb ,, Untermäßigkeit" 3343 zurückgewiesen; 1109 wegen derzeit un- so verhaßt war, daß er nachher auf längere Zeit aus der entwickelten Körpers um 1 Jahr zurückgestellt. Die normale offiziellen Sprache verschwinden mußte) das Volk rechtzeitig Entwickelung hatten von den 18,876 Untersuchten nur 4748, d. h. kaum mehr als ein Viertel! Wir empfehlen diese Ziffer in der Verwaltung Manches faul sei. Während Leipzig daran erinnert, daß. mehr noch als in dem Kirchenwesen, aud Denjenigen zum Nachdenken, welche unsere moderne bürgerliche dem zuletzt siegreichen Kampfe gegen seine örtlichen Tyrannen stehen blieb, richtete sich die Bewegung in Dresden alsbalt gegen den obersten Bunft, von dem das Mergerniß ausging den allgewaltigen Cabinetsminister von Einsiedel und fein System. Beim Polizeihaussturm vom 9. September 1831 Welt für die beste aller Welten halten. Das Berliner Kammergericht hat die Schließung der vereins ausgesprochen. Auch im Rheinland wird der Verein neuerdings vielfach verfolgt. Die preußische Regierung hat beG for 99 fiti erl bo bli ibr ge lai in tag me Ve bie Ke die fai for in Be ייג To ge no fid zu ob faj sie in mi feir ger for fu ba ab bei ab jur ter zu im na ma Dee da Be Berliner Gemeinde des Allgemeinen Deutschen Arbeiter wurde bereits offen ausgesprochen, daß man hierbei nicht fteben biciben dürfe. Die Tendenz der Bewegung, mit der auch die griffen, daß sie den Allg. Deutschen Arbeiterein nicht gebrau stadtkundig, daß der Hof es gar nicht abwartete bis fie fid höheren bürgerlichen Kreise im Herzen sympathifirten, war fo in ihren Angriffen höher hinaufverstieg. Wohl hätte man de sei es, daß der Eindruck der Bolkssiege im Auslande läbmend selben noch mit Waffengewalt Herr werden können. Allein einwirkte, sei es, daß man das Peinliche eines offenen Stampfes chen fann, und die milde Praxis" hat ein Ende, ganz wie in Frankreich mit der Internationalen Arbeiterassoziation. ( Fortsetzung.) zwischen Regierung und Volk vermeiden wollte, man 80 bie Si un 100 ju tig che gal gej fei far Der Die alten Parteien des sächsischen Verfassungskampfes. vor, den Liberalismus durch Concessionen zu beschwichtigen St und überließ die Sorge für Wiederherstellung der äußern Or Nichts schien damals ferner zu liegen, ale ein so zu sagen Die Patrioten alten Schlages glaubten ihre fühnsten Hoffnun nung den Schichten, in welchen derselbe hauptsächlich wurzelte persönlicher Conflikt zwischen der Bevölkerung und dem Herr gen erfüllt zu sehen. Constitution, Reform des Steuerwefend der Gemeindeverfassung und der bäuerlichen Verhältniffe, Ga glüd von 1815 wie jest wieder in Hannover, zum Theil rantien gegen firchliche Verfinsterung hatten sie wie im Sturmt auch in Sachfen, wie nach dem Tilsiter Frieden in Breußen, erobert. Sogar eine das Militär an Zahl weit übertreffende die Anhänglichkeit des Volkes an die Dynastie erst recht auf bewaffnete Macht( die Comunalgarde) stand plößlich zu ihrer geflammt! Dazu stand man einem Greise gegenüber, der als Verfügung. Wer hätte sich träumen lassen, daß von solchen scherhause. War doch erst vor einigen Jahren, nach dem UnLa 4 1 1 0 1 0 D P W De ret Garantien geschüßte Errungenschaften wieder verloren gehen fönnten! 221 Und doch zeigte sich gar bald, daß die bürgerliche Opposition die Bedeutung ihres Sieges weit überschäßt hatte. Die erlangten prinzipielle Zugeständnisse, mit denen die Revolution vor der Hand auf ein Jahr kalt gestellt war, nüßten ihr augenblicklich eben so wenig als etwa gegenwärtig den Desterreichern ihre im Prinzip" festgestellten, aber ohne Bollzugsverordnun gen der Regierung, welche vor der Hand noch auf sich warten laffen, nicht in die Wirklichkeit übergehenden Grundrechte. Und in Desterreich sitzt doch die„ fiegreiche Partei" sowohl im Reichstage wie im Ministerium! In Sachsen aber hatte an den weitläufigen Verhandlungen über die Ausführung des gegebenen Berfassungsversprechens das Volk gar keinen Theil; sie wurden vielmehr in tiefer Stille zwischen der Regierung und den alten Feudalständen( die eben beseitigt werden sollten!) geführt. Daß die leßteren sich für den liberalen Charakter der neuen Verfassung nicht allzusehr erhißten, versteht sich von selbst. Es lag somit ganz in der Hand der Regierung, wie viel Liberalismus in das Verfassungswerk hineinkommen sollte! Der Bauernstand, der, wie heutzutage noch ein großer Theil des Arbeiterstandes, fast nur soziale politische Bedürfnisse noch gar nicht kannte, wurde durch dieselben Bestimmungen vom Bürgerstande fern gehalten. Eeine Vertreter im Landtage, die er nicht aus der Reihe derer nehmen durfte, welche, indem sie dem Adelsregimente zu Leibe gingen, am Wirksamsten für seine Freimachung gestritten, bemerkten bald, daß die Städter dort nicht das Heft in den Händen hatten. Sie wendeten sich also dahin, wo sie allein noch eine wirksame Unterstüßung zu finden hoffen durften, wenn man den Gedanken, allein durch den Adel zu herrschen, fahren ließ an die Regies rung, und diese griff eifrig nach einer Bundesgenossenschaft, welche ihr, da es sich nicht um politische Fragen handelte, von eignen Rechten nichts kostete, dagegen, wenn sie wollte, für Beseitigung anderer Fragen, die den Bauer nicht speziell interessirten( und dahin gehörten die meisten Fragen der bürgerlichen Freiheit und des humanen Fortschritts) eine nicht zu verachtende Stimmenzahl zur Verfügung stellte. Die liberale Bureaukratie endlich ward aus den Kammern so gut wie gänzlich dadurch ausgeschlossen, daß man die Vertretung auf die historischen Stände" gründete, wobei das als bloßes Anhängsel des Fürstenthums( was es freilich nicht mehr war, aber werden sollte) betrachtete Staatsbeamtenthum, weil es zwischen Ritterschaft. Bürger- und Bauernstand keine Stelle fand, gänzlich ausfiel. Nur durch zufällige Nebenumstände wie Man hat in neuerer Zeit oft rühmend das korrekte Verfahren" bei Einführung der Verfassung von 1831 dem rechtswidrigen" bei der Reaktivirung entgegengestellt. Das ist so ein Stückchen Formenklauberei, worüber das Wesen vergessen wird, jener Auffassungsweise, welche selbst heutigen Tags noch nicht dahinter gefommen zu sein scheint, daß es gar kein sichereres Mittel giebt, den Constitutionalismus gründlich todt zu machen, als die exclusive Pflege konstitutioneller Formen ohne entsprechenden Inhalt. Bei Lichte betrachtet ist die ,, Verfassungsverleihung" von 1831 von der Verfassungsent ziehung" des Jahres 1850 gar nicht so schr verschieden. Was in dem einen Falle mit Gewalt, that man in dem andern mit List; in beiden Fällen ging das Volk des größten Theile feiner geträumten Errungenschaften verlustig. Hätte man nur gewollt, so ließ sich recht wohl ein Weg finden, der, ohne das formelle Recht im mindesten zu verlegen, die Verfassungsur durfte, also die parlamentarische Regierung auf die feinste Rittergutsbesig, Ansässigkeit und in Folge derselben erlangtes Bürgerrecht gelangte der Beamte überhaupt zur Wählbarkeit. Aber dann lag es wieder in der Hand der Regierung, einen Beamten, dessen Anwesenheit in der Kammer ihr nicht genehm mar, durch Urlaubsverweigerung auszuschließen. Selbst das scheinbar von höchster Sorge für die Unabhängigkeit der Kammer eingegebene Verbot der Wahl aktiver Staatsminister ließ noch eine andere Lesart zu. Damit, daß kein Miniſter Abgeordneter sein fonnte, war indirekt zugleich ausgesprochen, daß kein Abgeordneter auf der Ministerbank ſizen Weise, nämlich unter dem Anscheine eines recht eifrigen Constitutionalismus( von jener schon geschilderten rein formellen funde zu einer in Wahrheit zwischen Fürst und Volf vercinbarten" machte, während sie jetzt auch so hieß, in Wahrheit aber doch nur zwischen der Regierung und der Ritterschaft Art), beseitigt. abgemacht war. Wie leicht war es, den vertagten Landtag zur Botirung eines Wahlgesches wieder einzuberufen und mit der auf Grund des letzteren gewählten Rammer das Weitere zu verhandeln! Das war der Weg, den man, nur allzuspät, im Jahre 1848 betrat, und daß er der richtige war, hat sich nachher wirklich insofern bewährt, als es der Reaktion un möglich gemacht war, ihre Absicht anders als auf dem Wege des Staatsstreichs" durchzuführen. Im Jahre 1830 hatte sie das nicht nöthig. Mit den alten Feudalständen wurde eine Verfassung zu Stande gebracht, welche alles lahm legte, worin bis dahin die Fortschritte bestrebungen wurzelten. Barlamentarisch wurde zunächst das Bürgerthum in den Alles in Allem konnte man von der neuen Verfassung fagen Sie sicherte den alten Feudalelementen eine aparte Kammer und dadurch ein fortdauerndes Veto gegen jedes liberale Gesetz. Sie gewährte ihnen außerdem durch eine ansehnliche Vertretung in der zweiten Kammer die Möglichkeit eines Einflusses auf das Zustandekommen liberaler Anträge in ihrem ersten Entstehen, welche sie der bürgerlichen Opposition bei den Verhandlungen über die Verfassungsreform versagt hatte. Sie legte die ausschlaggebende Macht in dieser Kammer in die Hände des völlig unpolitisch zugestuzten Bauernstandes, d. i. in die Hände einer der Regierung fast unbedingt ergebenen Klaffe. Sie zerfaserte endlich den den Städten gelassenen Rest von Macht durch die mit dem Bezirkszwange( wovon die zur unter welchem die Wahl der Bolfsvertreter vor sich gehen Machtentfaltung bestimmte Ritterschaft natürlich frei war) beDas Wahl: dingte Isolirung der Städte von cinander. Das Element am nöthigsten gewesen wäre und an dem es auch in der That nicht fehlte, der freisinnige Beamtenstand, schloß sie nicht nur von jeder selbstständigen Mitwirkung bei der Gesetzgebung, wie sie im Ständesaal möglich gewesen wäre, aus, sondern septe auch alle Hebel an, es aus seiner dermaligen einflußreichen Stellung in der Exekutive mehr und mehr zu verdrängen. Näheres darüber müssen wir dem folgenden Artikel vorbehalten. ( Fortseßung folgt.) großen sympathifirend, entbehrten doch meist der Gelegenheit endlich, welches zur liberalen Durchführung der Staatsreform zu jenem persönlichen und geschäftlichen Verkehr, jener vielsei tigen ,, Reibung", wenn wir es so nennen dürfen, unter welcher sich Beaufsichtiger der Regierungsgewalt, die ihrer Aufgabe gewachsen find, am leichtesten entwickeln. gefeß hinderte fic, etwaigem Mangel an geeigneten Persönlich teiten in ihrer Mitte durch Berufung landesbekannter Bor fämpfer aus den Hauptstädten abzuhelfen, wie es andererseits der großstädtischen Opposition überhaupt die Sicherheit, das Land hinter sich zu haben, zu verfümmern suchte. Der Anfang vom Ende in Frankreich. 222 Material zusammensucht. Die Wahl Napoleons kann daher nicht zweifelhaft sein. gemein ten, heit baar pap rung herv rung Einen anderen Ausweg als den Krieg giebt es für ihn nicht mehr. Es kann sich im besten Falle nur noch um eine kurze Galgenfrist handeln. Nach dem Staatsstreiche hat Na poleon bekanntlich jahrelang das Bürgerthum ausgepreßt, um dem Proletariat Brod und Arbeit zu verschaffen. Jetzt ist auch damit zu Ende und Napoleon kann sich der Bourgeoisie gegenüber nicht mehr auf die Arbeiter stüßen. Sein lebte Rohr ist die Armee. Die Arbeiter verschmähen es, schaftliche Sache mit ihm zu machen; sie wollen von dem Ga sarismus nichts mehr wissen. Vergebens hat sich der Minister des Innern in der letzten Zeit unter ihnen herumgetrieben nicht und sie zu überreden gesucht, ihre sozialen Interessen von der Frage der politischen Freiheit zu trennen. Sie sollten die legtere verleugnen und aufgeben, um der Wohlthaten d Es sollte Mißtrauen und Regierung theilhaftig zu werden. Zwiespalt gestiftet werden zwischen der Demokratie und Der auße nicht fich gefeb Land den gleid offen und dam erfte Ga Arbeitern. Aber die gegenwärtige Arbeiterbewegung Frankreich zeichnet sich eben dadurch aus, daß sie die Freiheit als unerläßliche Bedingung fordert und jede Staatshülfe des Der Thron des Mannes mit dem Regenschirm, das Bürgerkönigthum Louis Philipps, brach vor der sittlichen Ent rüstung des Volkes über die Demoralisation, mit welcher die Regierung achtzehn Jahre lang die französische Nation verderbt hatte, zusammen. Wie unschuldig aber erscheint diese Demoralisation gegen diejenige, mit der Napoleon III. nun schon zwanzig Jahre lang die Franzosen vergiftet?*) Seit dem Verbrechen am 2. Dezember 1851, wo er die Republik mordete, hat er außer den gewöhnlichen Steuern und Abgaben nicht weniger als 4 Milliarden Franks aus den Taschen der Franzosen herausgelockt und spurlos verschwinden lassen. Die Schwindler der Finanzwelt, die Blutsauger des Beamtenthums, die Hetären( Buhldirnen) und Schmaroßer, die Armee haben sich mit diesen ungeheuren Summen gemästet. Unter der Bedingung, Kaiser sein zu dürfen, warf Napoleon seinen Kreaturen Frankreich als Beute hin. Ist die Freiheit theuer, wie ihre Feinde sagen, die Demoralisation ist noch theurer. Als Franz I. in der Schlacht von Pavia gefangen genommen wurde, rief er: ,, Alles verloren, nur die Ehre nicht!" Louis Philipp setzte an die Stelle der Ehre die Werthpapiere. Als er am 24. Februar 1848 in die Droschke gepackt wurde, die ihn aus Frankreich schaffen sollte, galt sein letztes Wort seiner Mappe, welche diese kostbaren Papiere, den Ertrag seines Börsenspiels enthielt, und er war erst ruhig, als man ihm das umfangreiche Portefeuille in den Wagen schob. Was wird das legte Wort Napoleon III. sein, wenn der Giftpilz des Empire endlich platt? Daß er zu plagen droht, beweisen die Budgetdebatten, welche am 29. Juni ihren Anfang genommen haben. Selbst die„ Mamelucken", auf deren Ja in der Kammer Napoleon bisher fest rechnen fonnte, beginnen abzufallen und verurtheilen die wüste Wirthschaft des zweiten Kaiserreichs. Die Ratten merken, daß das Schiff dem Untergange entgegentreibt und verlassen es daher. Der Anfang des Endes ist da. sarismus entschieden zurückweist. Bei dem jüngsten Proje gegen die Pariser Arbeiter, welche angeklagt waren, der Inter aus. aud Der Rath Berle Gem offen Bert ten r fertig geleg find. Brote pinji nationalen Arbeiterassoziation anzugehören und deshalb verurtheilt wurden, sprach dies einer von den Angeklagten ,, Wir werden verurtheilt", sagte er ,,, weil wir mit Regierung nichts gemein haben wollen, weil wir jegliches Patronat zurückgestoßen haben, weil wir Republikaner unferer Nicht ohne Stolz sehen wir uns verurtheilt wegen Treue für das Heiligthum der Freiheit. Wenn wir in de Gefängnissen das Verbrechen, Sozialist zu sein, büßen müssen eichn werdet Ihr uns doch nicht das Glück des Selbstbewußtseins rauben können, daß wir als Männer handeln, die eines freien Vaterlandes würdig sind. Eure ohnmächtigen Verurtheilung unter werden den erhabenen Geist der Völker- Solidarität noch meht verbreiten, nämlich den gemeinschaftlichen Gedanken, die Men Die einiti ten& Meni Ausei muje den gouvernementalen Bänken dem Kaiser entgegen. Aber schenwürde und die Gerechtigkeit in den sozialen Verhältninister ,, Sparsamkeit! Frieden! Freiheit!" schallt es auch von Sparsamkeit ist unmöglich, denn sie würde alle jene Kreaturen, welche sich aus dem Staatssäckel mästen, in die wüthendsten Feinde des Kaiserreichs verwandeln, und andere Anhänger zählt es in Frankreich nicht. Ebensowenig vermag Napoleon sein Gebäude zu frönen", worauf die Franzosen seit 16 Jahren wie die Kinder auf den Weihnachtsbaum vertröstet werden. wieder herzustellen. Nie werden Eure Berurtheilungen Höhe der persönlichen Opfer erreichen, welche wir bringen wollen, um im Schatten der Freiheit die Grundlagen ein gerechten Gesellschaft zu errichten." auf Verlassen von den Arbeitern, deren Freiheitssinn hell lodert, verlassen von seinen Kreaturen, die ihren schmachvoll auf bor f Der 8 Inns Buch gleid Von dem Despotismus Freiheit erwarten, heißt ihm zumuthen, Raub in Ruhe genießen möchten, bleibt Napoleon in der Theh de 17 daß er sich selbst vernichte. Freiheit wird nicht geschenkt, wie schon Börne sagt, sie wird genommen. Der Frieden endlich ist nur so lange möglich, als es Napoleon nicht an den Mitteln fehlt, die Armee zu bezahlen. Der geringe Rest von Achtung, welchen er noch in Frankreich genießt, beruht lediglich nichts übrig, als seine Armeen, welche durch die Hoffnung Dal Beute an ihn gefettet sind, sobald wie möglich über den Rhein zu führen, selbst auf die Gefahr hin, darin zu ertrinken. Verhalten der französischen Arbeiter zu Napoleon weist zugleich der sozial- demokratischen Partei Deutschlands ihre aber Stel mit Drten men fajun Der th Dern chem find auf der Scheu Preußens vor den Chassepots. An demselben lung gegenüber dem Gäfarismus an. Mögen die depoffedirt Fürsten ihre Wiedereinsegung von dem napoleonischen Dege erwarten, die Sozial Demokratie kann keine Gemeinschaft schimpflich weggejagt zu werden, oder den Krieg anzufangen, diesem haben. Die Grundlage besserer sozialer Berhältni Tage, an welchem die Legislative wirklich den Schnitt in das Budget thut, hat Napoleon nur noch die Wahl, entweder für den Prinz Plonplon gegenwärtig auf seiner Reise das *) Der Pariser Publizist Rochefort macht in der neuesten Nummer der„ Laterne" den Vorschlag, dem Minister Teste( der unter Louis Philipp wegen Annahme einer Bestechungssumme von 100,000 Franks verurtheilt worden war) für sein eben so großes als unverdientes Mißgeschick" ein Denkmal zu seßen mit der Inschrift:„ Dem Gedächtniß des Herrn A. Teste, der drei Jahre lang Minister war und wäh rend seiner Amtsführung nur ein einziges Pot de vin von 100,000 Franks annahm". Die„ Diebe" des Bürgerkönigthums waren freilich nur Stümper, verglichen mit den Staatsplünderern en gros des zweiten Raiserreichs. Anm. der Red. Die G fann nur in einem freien Staate gelegt werden; nur in einem freien Staate wird der Arbeiter zur Anerkennung feiner Men schenwürde gelangen. Der Cäsarismus und parlamentari Namen der Staatshülfe" Almosen an die Arbeiter vertbe len, aber nur auf Kosten der Gerechtikeit, und statt die sozial hängigkeit und schüren sie den Klassenkampf bis zur höch Frage zu lösen, erhalten sie die Arbeiter in unmündiger Erbitterung. Radyb Befes auf Tebe 9 Grun Befell bani nicht C Aus Deutsch Desterreich. Wien, den 6. Juli. 223 der österreichischen Coupons von Staatswegen die gesammten Staatspapiere im vollen Steigen begriffen sind, dürfte durch die gestern bekannt gewordene Militärreducirung feine Einbuße erleiden, wenn man auch nicht sanguinisch genug ist, das Gegentheil zu behaupten. Immerhin ist die Mas senbeurlaubung von 20 Mann per Compagnie macht circa 36,000 Mann ohne daß heuer noch eine Recrutirung stattgefunden hätte, eine finanziell und volkswirthschaftlich bedeutende Thatsache und bei dem Mangel an Erntekräften ein doppelter Gewinn. Wie lange in maßgebenden Kreisen noch die chinesische Mauer für die einzig gesunde Militärorganisation das Milizwesen bestehen wird, wer fann dies wissen? Gerade hier in Desterreich haben wir schon die wunderbarsten Dinge erlebt. Aus England. London, den 6. Juli. Der hiesige deutsche Arbeiterbildungsverein und der franEs gab einst eine Zeit, da Herzen und Geister aufhorch ten, wenn Rom sprach. Diese Zeit liegt zum Heile der Menschheit hinter uns. Rom sprach wieder, ganz so hart und widerbaarig wie immer, aber die Wirkung von damals fehlt. Die päpstliche Allocution hat in der österreichischen Bevölke tung nicht mehr als eine leichte, oberflächliche Wellenbewegung bervorgerufen. Und selbst diese Bewegung ist nur die Aeußerung der Entrüstung über die Keckheit einer Macht, die sich außerhalb der Landesgrenzen befindet, und nichts mehr und nichts weniger thut, als einen ganzen Band von Gesezen als nicht bindend für die katholische Bevölkerung erflärt. Es frägt sich nicht, ob oder wie gut diese verdammten Kinder unserer gefeßgebenden Körperschaften sind; sie sind aber vollgültige Landesgesetze geworden und beanspruchen von jedem Bürger gleiche Achtung. Man könnte dieß den ersten Grundsay der offentlichen Moral nennen. Was thut nun aber der Papst und feine Helfershelfer, die hochwürdigen" Bischöfe? Sie verdammen die Geseze, fordern zur Nichtachtung derselben alle zösische Zweig der Internationalen Arbeiterassoziation feierten Katholiken des Landes auf, sie sind Berleugner der öffentlichen Moral Gemeinderath der Stadt Wien ist in seiner Eigenschaft als Vertretung des größten Municipiums den übrigen Körperschaf dächtnißfeier jener Bluttaufe der modernen Arbeiterbewegung ten mit zwei geharnischten Resolutionen gegen die ungerechtfertigte Einmischung der römischen Curie in hiesige Landesan zahlreich von Franzosen und Engländern besucht. Bradlaugh gelegenheiten vorausgegangen, und täglich mehren sich die Broteste aus Stadt und Land. Am meisten erfreulich in dieser Fahne des Herrn Felix Pyat, die das heutige Regime als den Hinsicht muß der Verlauf des sechsten Arbeitertages bezeichnet werden. Volle 4000 Menschen waren versammelt, um einstimmig den Protest gegen die Allocution und den bekann ten Hirtenbrief zu fassen und, in dieser Frage ein Ministerium unterstüßend, das noch lange nicht den angebornen Rechten jedes Menschenfindes gerecht werden will oder fann, mit dem Rufe auseinanderzugehen:„ Es lebe die Freiheit! Es lebe das Mimas sie immer waren Der sind unmoralisch. vorigen Montag den Jahrestag der Pariser Juni- Insurreftion von 1848, durch eine öffentliche Versammlung. Jahrelang überließen die erilirten Franzosen die alljährige Gedem Deutschen Arbeiterverein. Die leßte Versammlung war und Mrs. Law sprachen. Die reinen Republikaner" unter der Grund alles Unheils, nicht als den Ausfluß der bestehenden Verhältnisse betrachten, benutzten die Gelegenheit, die Pflicht der Auflehnung gegen den Tyrannen zu proflamiren. Die Arbeiterbewegung erscheint diesen Herren zu vulgär, und das Studium der ökonomischen Verhältnisse viel zu beschwerlich, als daß sie sich mit der sozialen Frage beschäftigen, mit den sozial- demokratisch gesinnten Arbeitern gemeinsame Sache machen nisterium!" Liegt in diesem Rufe Gefühl für's besser werden sollten. Sie sind wie die Bourbonen, sie lernen nichts und T müssen, oder ist das österreichisch- deutsche Naivetät? vor kurzem fein Morgenroth aufdämmern lassen wollten, auf Daß der Kampf gegen die dunklen Nachtschatten, die bis er ganzen Innsbrucker constitutionellen Vereins." Derselbe kauft eine Linie entbrannt ist, beweist auch das Vorgehen des vergessen nichts.„ Tod dem Tyrannen" ist ihr erstes und letztes Wort. Das Oberhaus hat Gladstone's Bill, in Betreff der irischen Staatskirche, mit 192 gegen 97 Stimmen verworfen. Wäre derselbe Vorschlag vor zwei Jahren von einem Buchdruckerei und ist im Begriff ein Blatt zu begründen, das radikalen Bürger gemacht worden, kaum ein Dußend von den in dem Lande der Glaubenseinheit das Licht der Glaubensgleichberechtigung und jeder wahren Freiheit predigen soll. Andere tyroler freifinnige Vereine, die an verschiedenen 97 erblichen Gesetzgebern würde dafür gestimmt haben, aber die Berhältnisse drängen wir maschiren mit Dampf. Das Oberhaus ist seit Jahren als ein Hinderniß des nationalen Orten fid) langsam organisiren, dürften dieses brave Unterneh- Fortschritts betrachtet worden: je halsstarriger es sich widermen unterstüßen und man kann hoffen, daß durch diese ,, Ver- sezt, desto leichter wird seine Abschaffung. Die alten Chartisten faffungscolonien", wie die Schwarzen diese Vereine nennen, der I tyroler Urwald zu glücklich bebauten fruchtbringenden FelDern umgewandelt werden wird. Der Reichsrath wurde endlich nach sechszehnmonatlinennen es The House of Incurables das Haus der Unheilsein Auftreten in neuerer Zeit hat seine Würde nicht baren gehoben. Die Arbeiterfrage ist, wie die Engländer sagen, the dem Beisammensein bis zum September vertagt. 82 Gesege all absorbing topic- das Thema, welches alles Andere O durch ihn berathen und beschlossen worden, unter denen find die Staatsgrundgesetze im Gegensatz zu unserm nördlichen Rachbar überwiegt oder wie das Wort eigentlich sagt, Alles aufsaugt, in sich aufnimmt. Die ängstlichen Bemühungen der Gesetze sind jedenfalls von dem freiesten Geist beseelt, der noch je kussion unter dem Vorsitze des Bischofs von London, sind die auf österreichischem Boden mit Aussicht auf Dauer einem Ge- deutlichsten Beweise. Sie führen zu nichts, verrathen aber Tege Leben gegeben, und in ihnen vor allem müssen wir die Grundlagen einer freien Entwickelung unserer staatlichen und Besellschaftlichen Verhältnisse erblicken. Wer dies vor der das Bewußtsein der Unsicherheit der bestehenden Zustände. Die vertagte Diskussion endete in der Wahl eines Comites von aristokratischen Philantropen, welche die gemachten Vorschläge Sand in etwas anderem sieht, dürfte entweder seine Zeit erwägen und einer späteren Versammlung Bericht erstatten nicht verstehen oder in Utopien arbeiten; beides gleich schlecht. sollen. Dieser Diskussion folgte auf dem Fuße ein it, so Die merkwürdige Erscheinung, daß nach dem Beschneiden ( Schwindel). Die„ nationale Assoziation zur scen, daß Graf " 224 Ar fchlie 5. 9 Straß Agen Stre schluß von einer Gesellschaft, deren Mitglied er sei, in die Def fentlichkeit geschickt werde. Er machte einen Verbesserungsvorschlag, der von einem Schreiner unterstüßt wurde, welcher die Gelegenheit benußte, den bemoosten Häuptern, die um die Tribüne versammelt waren, die Tribüne versammelt waren, einige derbe Wahrheiten zu sagen. Der lieben Einstimmigkeit wegen wurde die erste Resolution zurückgezogen. Eine andere, welche die Identität der Interessen zwischen Kapitalist und Arbeiter behauptete, ward ohne Diskussion zurückgezogen, eine dritte mißliebige ver tagt. Lloyd Jones, ein Schneider und alter Socialist, warnte vor schulmeisterlichem Einmischen in die Arbeiterfrage, haupt No sächlich in Hinsicht der Nachfrage und Zufuhr. Ausfins, ein wissenschaftlicher Belletrist, der sich in neuerer Zeit mit Na tionalökonomie, besonders mit der Cooperativ Bewegung be schäftigt hat, machte sich lustig über das„ Natürliche" des Nachfrage und Zufuhrgefeßes. Er fragte: wenn ein Tag beit zu verrichten ist und hundert Arbeiter vorhanden sind, ihn zu verrichten, was ist der Arbeitslohn nach den Gesetzen der Nachfrage und Zufuhr? Er fragte ferner: ist Kapital im heutigen Sinne des Worts eine unerläßliche Bedingnng det Production? Er deutete auf sociale Zustände, in welchen die Produktionswerkzeuge fein Kapital sind. Die nächste Frage war: wenn heute das Kapital cine Nothwendigkeit zur Pro duktion, ist der individuelle Kapitalist eine Nothwendigkeit? Die bemoosten Häupter schwiegen, die Arbeiter und einige junge Advokaten klatschten. Das Ende vom Liede war, daß die Interessen der Kapitalisten und Arbeiter als nicht iden tisch zu betrachten seien; daß sie nur durch die Theilnahme der Arbeiter am Geschäftsgewinn identisch gemacht werden könnten, und daß es hohe Zeit sei, daß die Arbeitgeber über Alles, was die Lohnfrage betrifft, mit den Repräsentanten der Gewerbevereine als solchen unterhandelten. zialer Wissenschaften" berief eine Versammlung auf Sonnabend den 4. Juli, um ein Gomite zu erwählen, welches sofort Maßregeln zur Beseitigung der allgemeinen Unwissenheit über die ,, natürlichen" Geseße der Nachfrage und Zufuhr, welche die Rate des Arbeitslohns bestimmen, treffen sollte. Man hatte Gladstone bewogen, in dieser Versammlung als Lockvogel den Vorsitz zu führen. Die Mitglieder der Assoziation waren durch cin Rundschreiben eingeladen und ihnen Karten für Freunde" zur Verfügung gestellt worden. Auf diese Weise erhielt eine ziemliche Anzahl Arbeiter Zutritt. Gladstone erkannte in seiner Eröffnungsrede die Wichtigkeit der Frage an, und bemerkte, er glaube, daß Leute, die eine soziale Stellung haben und nicht direkt als Arbeitgeber den Arbeitern gegenüberstehen, viel thun könnten; aber es sei nöthig, dem Arbeiter freundschaftlich entgegenzutreten, ihn zu überzeugen, daß hinter dieser Vermittelungsrolle keine Klasseninteressen verborgen seien, vor Allem aber den Charakter des Arbeiters als Mensch, als Mitglied der Gesellschaft, welches berechtigt und fähig ist sein eigenes Urtheil zu fällen, anzuerkennen. Die Tagesordnung bestand aus einer Reihe Resolutionen, die theils ein Verdam mungsurtheil über das Verfahren der Gewerbevereine aussprachen und sie der Unwissenheit anflagten, theils Rath ertheilten, wie vorkommende Streitigkeiten über den Arbeitslohn am leichtesten geschlichtet oder überhaupt beseitigt werden könnten. Der erste Beschluß lautete:„ Es ist die Meinung dieser Versammlung, daß Arbeitseinstellungen, Bestimmungen gegen das Privatgutachten in Betreff der Stück- oder Ueberzeit Arbeit u. s. w., Einschüchterungen zur Durchsetzung solcher Bestimmungen und der Arbeitseinstellungen, trotz der Möglichkeit augenblicklicher Erfolge, im Laufe der Zeit nicht bloß den Profit, sondern auch den Arbeitslohn herabdrücken müssen und eine große und beflagenswerthe Unkenntniß der den Arbeitslohn bestimmenden Geseze verrathen, und daß zur Beseitigung dieser Unkenntniß sofort Maßregeln zu treffen sind." Der alte Mann, der die Rolle des Vorschlagers" übernommen, erging sich des Langen und Breiten über die Abschaffung der Leibeigenschaft und den Mißbrauch, den die Arbeiter mit ihrer Freiheit getrieben; er schilderte mit grellen Farben die von ihm total misverstandene kommunistische Bewegung, die nach seiner Meinung nie rechten Fuß in England gefaßt, behauptete aber, daß den Gewalthaten, welche sich hie und da die Gewerbevereine haben zu Schulden kommen lassen, und der Gleichmachung des Arbeitslohns, welche sie anstreben, eine fommunistische Tendenz zu Grunde läge. Da sie jedoch nicht beseitigt werden könnten, so müsse man sie durch Gesetze und Belehrung unschädlich zu machen suchen. Da der auserwählte ,, Unterstüßer"*) nicht zugegen war, so erbot sich ein halbergrauter fecker Naseweis das Amt zu übernehmen. Er hieb mit der unverschämtesten Frechheit rechts und links auf die Arbeiter los, wurde aber bald durch ein lautes, nachdrückliches und wiederholtes no! no!( Nein, nein!) aus einer Ecke des Saales unterbrochen. Es war dies die Ecke, wo sich die Arbeiter gruppirt hatten. Dieser unerwartete Protest machte seine Rede mäßiger und' brachte ihn bald zum Schweigen. Seine Behauptungen wurden von einem Arbeiter zurückgewiesen. Darauf erhob sich ein Advokat Namens Ludlow, der durch seine schriftstellerische Thätigkeit in Betreff der Arbeiterfrage viel Zutrauen unter den Arbeitern hat, und sagte, er könne nicht zugeben, daß ein solcher BeDie Deutsche Volkszeitung, *) Nach englischem Gebrauch muß für jeden Antrag außer dem Antragsteller noch ein Unterstüßer( seconder) sprechen. nur Stümper, ten Kaiserreichs. Verantwortlicher Redacteur: W. Liebknecht. Redaktion: Braustraße 11. Stali Der g Organ für die deutsche Partei und für die besonderen Interessen Hannovers, Ange Rede Des eröffnet zum 1. Juli ein neues Vierteljahrs- Abonnement und ersucht ihre geehrten Leser um recht zeitige Anmeldung desselben, damit die Zusendung des Blattes ihren ununter brochenen Fortgang nehmen kann. = Die fortgefeßte Steigerung unserer Abonnenten Zahl und viel der und mütt Allee fein Coll artif fich bein fie fi gezog dara fo m dag Sta mind gefich bon cingi Schr Bolt fache Beistimmungs- Zuschriften aus allen Theilen des Landes und allen Schichten des Volkes sagen uns, daß die Haltung unseres Blattes Gesinnung der Hannoveraner entspricht. Wie das hannoversche zu uns, werden auch wir fortfahren zu dem hannoverschen Volke z stehen, indem wir hochhalten unser Panier: schwarz- roth- gold und gelb- weiß! Abonnements- Preis: praenumerando vierteljährlich für das steuer, für alle übrigen Länder 212 Sgr. excl. Postaufschlag, Kös für nigreich Preußen 1 Thlr. 512 Sgr. incl. Postaufschlag und Zeitungss die Stadt Hannover 1 Thlr. 2½ Sgr. incl. Zeitungssteuer und Brin Insertionsgebühr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum gerlohn. 1½ Sgr. Hannover, den 18. Juni 1868. Leipzig. 1 erflä niteu Rapo bat, jeine jung mit nord Reit triful Das fest, gen Der N folger Ginge Dent Die Expedition, Burgstraße 40. Druck und Verlag: E. W. Vollrath. Expedition: Windmühlenstraße 14.