Nr. 60. Abmmenmtt«.Kedwsu«ze«: BbonnementS- Preis prinmnerando: «ierteljährl. 3�0 Mi., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«» Nummer mit illustrtrter Sonntag«- Beilage„Die Neue WeltMO Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Pr-t«Itst- für iss? unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich nutzer Moniig«. Devltnev VolKsblAkt« 14. Jahrg. Die Instrtio«». Gebühr beträgt für die fechSgespallene»olonsl- «eile oder deren Raum tß Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Aiizeige», sowie Arbettsmartt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bt» 4 Uhr nachmittag» in der Erpeditto» abgegeben werden. Die«rpedttion ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bt» g Uhr vormittag» geösfnet. Fernsprecher:»mt l, Nr. 1303. Telegramm-Adresse: ,,0o,t»ldenwKr«l»erltn". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: 8V. 19, Weuty-Straße 2. Freitag, de» IZ. Marz t89'7. ßFpedition: 8V. 13, ZSeuty-Strnße 3. Dcrs neue Innnlidennevfichevnttgs- Gefetz. (Schluß. Artikel.) Organisation der Versicherung?- A, ist alten: Vertheil ung der Rente nla st. Veranlassung zur Einbringung der Vorlage hat die finanzielle Lage der ostelbischen Versicherungsanstalten gegeben. Aus ihr heraus glaubt die Vorlage einen andere» Modus der Verlhcilung der Renten- last ableiten zu müssen. In der Tt>at hat die sechsjährige Er- fahrung. die mit dein Gesetz gemacht ist, schlagend bewiesen, baß die jetzige Organisation der Allers- und Jnvaliditälsversicherung eine verfehlte und daß die einzig gesunde Vasis für eine Organisation eine Reichs-Verficherungsanstalt, wie s,e von den Sozialdemokraten stets verlangt ist, wäre. Eine Reichs-Veisichernngsanstalt gewähr- leistet eine einheitliche und zentrale Leitung, Gleichartigkeit der Verwaltnngs-Einrichtungen, jederzeilige rasche Uebersicht über den Stand der Finanzen, einfachere und billigere Verwaltung, kurz: größte Wirkung bei geringster Kraftanstrengiing. Aber die Jnleressen- sucht unserer Ostelbier und der Parlikularismus der Einzel staaten blieben diesen Vorgängen gegenüber blind und haben eine Organisation geschaffen, wie sie schwerfälliger, kostspieliger, ungleichartiger wirkend kaum auszudenken war. An stelle der einen Reichs-Versicherungsanstalt snngire» jetzt 31 staatliche Versicherungsanstalten, darunter 13 preußische und 8 bayerische, sowie 9 besonder« Rasseneinrichtunge». DaS Vermöge» jeder einzelnen Anstalt soll in sich zur Bestreitung der für ihre» Bezirk zu zahlenden Renten ausreichen. Verschiedene Umstände mußte» bewirken und haben bewirkt, daß die Vermögensansammlung sich bei den einzeln.» Versicherungsanstalten verschiede» ge- staltet. In betracht kommt dabei die Mangelhastgkeit in der Verwaltung und Kontrolle, sowie auch der agrarische Ein fluß. Während in Deutschland die durchschnittliche Beitragswochen Anzahl jedes versicherte» 41 beträgt, beträgt sie im ostelbischen Agrarierland wen g über 30.— Strengere Kontrollvorschriflen sollen in der Zukunft dieser Wirthschafl in Ostelbie» etwas abHelsen. Von dieser Mißwirthschaft im Krautjnnkerland abgesehen, sind aber für die Vermögensansammlnng und für die Belastung der einzelnen Am stalten von wesentlichem Einfluß: die Verschiedenartigkeil der Lohm Hassen und die Altersgruppirung, endlich auch die Zulassung der Bildung zu kleiner Anstalten. Wo die höheren Lohullaflen überwiegen, werden schneller große Beträge angesammelt, da bei allen Invalidenrenten ein gleich hoher Grundbetrag von 60 M. in Rechnung gestellt wird, und da die Beiträge der höheren Lohnklassen höhere Sicherheitszuschläge enthalten, als diejenigen der niederen Lohnklassen. Die Verschieden- heit der Altersgruppirung der Versicherlen in den einzelnen Anstalten ist sür die Zahl der jährlich fällig werdenden Renten von größter Bedeutung. In Berlin gehören der Altersklasse von 20 bis 34 Jahren, in der die Jnvaliditätsgesabr sehr gering ist, 66.3 pCt. aller Versicherten an, ivährend sie in Ostpreußen nur 54.8 pCt. bc- trägt. Hingegen gehören der Altersklasse von 50—69 Jahren in Berlin 8.7 pCt., in Ostpreußen 17,6 pCt. der Ver- sicherten an. Für die gleiche Anzahl von Versicherlen in Ostpreußen sollen nach den Motiven rechnungsmäßig 83 pCt. Jnvaliditätsfäll« mehr als für Berlin zu erwarten sein. Nach de» bisherigen Erfahrungen sollen auf je 1000 Versicherte in de» Altersjahren 20 bis 40 durchschnittlich jährlich 1 Jnvaliditätsfall. in den Altersjahre» 41 bis 50 jährlich 4. bei 51 bis 60 Jahr alte» 14, in den AlterSjahren 61 bis 70 jährlich 46 Jnvaliditälsfällc entfallen. Demnach müssen die Versicherungsanstalten, in deren Bereich die Zahl der älteren Leute überiviegt. finanziell zunächst sich ungünstiger entwickeln. Solche Versicherungs- anftalte» sind in erster Reihe die ostelbischen, da schlechte Behandlung und unmenschlich schlechte Löhnung naturgemäß die jüngeren Kräfte nach anderen Gegenden treibt. Ein Blick auf die amtlichen statistischen Nachrichten über die Ansang 1896 angesammelt gewesenen Vermögen bestätigt unsere Auffassung. Darnach wird nämlich das gesamiute am I. Januar 1396 angesammelte Vermöge» aus 409 Millionen Mark und der U e b e r- schuß dieses Gesamintvermögens über das erforderliche sogenannte Deckungskapital der gesammten lausenden Rente» aus 223 Millione» Mark berechnet.(Unter Deckungskapital versteht man das- jenige Kapital, das nebst Zins und Zinseszins erforder- lich ist. um die Rente ivährend ihrer ganzen Bezugs- daucr zahlen zu können: als Ueberschuß bezw. als Fehl- betrag bezeichnet man die Differenz zwischen dem vorhandenen Ver- niögensstande und dem Deckungskapital). Der insgesamnit am 1. Januar 1896 vorhanden gewesene Ueber» schuß von 223 Millione» Mark vertheill sich nun aber in sehr ver- schiedenem Verhältniß auf die einzelnen Träger der Versicherung. Bei der Versicherungsanstalt Berlin ist er so groß, daß dieselbe demnächst ihre gesammle Rentenlast schon aus den Ziusen des angesammelte» Vermögens würde bestreiten könne», ohne ans Beiträge augewiese» zu sei»; er berechnet sich nämlich auf 19 666 000 M. Bei der Ver- sicheruiigsanstalt Ostpreußen aber ist nicht nur kein Ueberschuß, sondern bei einem Verinögensstande von über 6 Millionen und cinein erforderlichen Deckungskapital von nahezu 12 Millionen ein rechnungsmäßiger Fehlbetrag von 5 371 400 Mark vorhanden welcher sich bis zum Schlüsse des Jahres 1900 auf II 606 000 Mark und bis zum Schlüsse des Jahres 1905 auf 2l 923 000 M. erhöhen würde. Aehnlich steht es mit der Versicherungsanstalt Niederbayern. 3war keinen Fehlbetrag, wohl aber einen verhältuißmäßig geringen Ueberschuß weisen per 1. Jannar 1896 nach die Versicherungs- anstalten Westpreußen, Pommern. Pose». Schleswig- Holstein. Um diese» defizilartigen Zustand zu beseitige», könnten diese Ansialten mit einer Erhöhung der Klebebeiträge vor- gehen 3» einer solchen, die Arbeiter und Arbeitgeber delastenden Erhöhung berechtigt das Gesetz ausdrücklich durch die Bestimmung i»§98 welche'jeder Versich-'ingsanstalt schon für die erste 10jähriqe BeitragSperiode oder innerhalb derselben das Recht gicbt, für ihren Bezirk andere Beitragssätze als die in, Gesetz festgestellten zu beschließen. Geschieht eine solche zurAusgleichung des Defizits bestimmie anderweite Feststclluna der Beiträge aber nicht, so würde nach§44 des Gesetzes, wenn das Anstaltsvermögen zur Deckung der Verpflichtungen der Versicherung-.,»smlt nicht ausreicht, also im angeführten Fall die ssrovinz Ostprenßen und eventuell der Staat Preußen aufzukommen haben. Die Vorlage wünscht die Nothweudigkeit der Erhöhung der Beiträge der Versicherungsanstalt Ostpreußen und anderer Anstalten zu beseitigen. Allein diesem agrarischen Liebesgedanken verdankt die Novelle ihre Geburt. Sie macht zu diesem Behuf Vorschläge, deren wesentlichster in§ 65 dahingeht: „Jeder Versicherungsanstalt verbleibt, unbeschadet der dem Reich zur Last fallenden Beträge, die Hälfte derjenigen Belastung, welche aus den von ihr festgesetzten Renten erivächst. Die andere Hälfte wird von sämmtliche» Versicherungsanstalten gemeinsam gelragen und auf dieselben nach Maßgabe der§§ 89 ff vertheilt. Die Bersichernngsanstalten können vereinbaren, auch die ihnen nach Absatz 1 verbleibenden Lasten bis zur Hälfte gemeinsam zu tragen. Bestehen sür das Gebiet desselben Bundesstaates mehrere Versicherungs- anstnlten, so können sie durch Anordnung der Landes-Zentralbehörde hierzu verpflichtet werden. Erstrecken sich die Bezirk« dieser Ver> sicherungsanstalten über Gebiete mehrerer Bundesstaaten, so etil scheidet über die Anordnung, falls ein Eiuverstäudniß der be> ltzeiligten Landesregierungen nicht erzielt wird, der Bundesrath. Die vorstehend bezeichnete Anordnung kann auch durch Ver. einbantng mehrerer Landes-Zentralbehörde» sür die Versicherungs� anstallen ihrer Gebiete getroffen werden." Die Motive sühren zur Begründung dieses Vorschlages unter anderent an:„Wesentliche Ungleichheiten in der Bemessung der Bei träge oder der Leistungen bei den einzelnen Anstalten würde» mit der Bedeutung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung als einer allge- meinen, für alle Bewohner des Reichs ohne Unterschied ihres ört lichen Wohnsitzes gleichmäßig wirkenden Reichscinrichtung nicht vereinbar sein; insbesondere durften trotz der Bestimmung des§ 98 des Gesetzes nicht so erheblickie Verschiedenheiten in der Belastung der einzelnen Theile des Reichs herbeigeführt iverden, tvie dies nach den jetzt bestehenden Verhältnissen der Fall sein würde." Geiviß kann man dem in diesen Worten liegenden Grundgedanke» zustimmen. Dann sollte man aber auch konsequent sein und die auch für die Zukunft beibehaltene Ermächtigung, die Beiträge der Versicherten zu erhöhen, streichen und an Stelle der 40 kostspieligen Einzelanstalten eine Reichs- an stall endlich einsetzen. Die Erfahrung, die die Regierung nun endlich den sozialdemokratischen Prophezeiungen ans dem Jahre 1889 entsprechend macht, sollte nicht zu einer abermaligen Halbheit führen, deren agrarischer Ursprung gewiß nm so weniger eine Enipschlutig ist, als durchaus kein Grund zu der Annahm« vorliegt, daß die agrarische Begehrlichkeil die Verwaltungssähigkeit wird zu ersetzen vermögen. Zum mindesten ist, falls der Partitularismns gegen die einheitliche Reichsanstalt siegen sollte, zu fordern, daß statt verkrachter Kraut- jnnker oder Pension. rter Offiziere und Unteroffiziere die Versicherten selbst das Heft der Verwaltung der Versicherungsanstalten in die Hand bekommen. Von den sonstigen Abänderungsvorschlägen des Entwurfs heben wir folgende hervor: I. Die den Versicherungsanstalten gestattete vorbeugende Kranken pflege ist weiter ausgestaltet und den Versicherungsanstalten die Be sugniß zur Einleitung eines geeigneten Heilverfahrens auch zu dem Zweck eingeräumt worden, um dem Empfänger einer Invalidenrente die Erwerbsfähigkeit wieder zu verschaffen.(§§ 12, 33 des Entwurfs.) Die auf dem Gebiete der Unfallversicherung mit den Rentenqnetschen gemachten üblen Erfahrungen nöthigen, mit vermehrter Energie auf eine hinreichende Vertretung der Arbeiter in den Versicherungs anstalten zu drängen. 2. Die Rechte des Staatskommissars sollen erweitert, die Selbst- vertvaltungsbefugniß der Versicherungsanstalten in unangentessener Weise eingeschränkt werde»(§§ 55 und 63 des Entwurfs). 3. Die obligatorische Anhörung der Vertrauensmänner und der Krankenkassen soll fortfallen; das würde häufig zum Schaden der Versicherten ausschlagen. 4. Verständig wird vorgeschlagen, daß eine Berufung oder Revision bei jeder Behörde eingelegt werden kann. 5. Die bei der freiwilligen Versicherung gegenwärtig erforderliche Beibringung theurerer Doppelmarken, bei denen der Werth des Zusatzbeitrages dem Reich zufließt, fällt fort; die freiwillige Ver sicherung wird nicht mehr aus die Lohnklasse II, wohl aber zeitlich aus das beim Einkleben der Marken abgelaufene letzte Kalenderjahr beschränkt. Die Besugniß zur sreitvilligen Versicherung, verbuuden mit einem Erftattungsanspruch gegen den Arbeitgeber bezüglich eines Tdeiles der freiwillig geleisteten Beiträge, wird auch denjenigen Personen eingeräumt, welche zwar gegen Entgelt beschäftigt, aber aus besonderen Gründen der Versicherungspflicht ausnahmsweise nicht unterworfen sind. Auch denjenigen Versicherten, welche sich in das Ausland begeben, wird die freiwillige Fortsetzung der Versicherung gestattet(§§ 3a, 8, 111», iiih deS Entwurfs). Die vorstehenden Darlegungen der hauptsächlichsten Neuerungen zeigen, daß zwar in einigen Punkten kleine Besserungen vor- geschlagen sind, daß aber nirgends der ernstliche Wille zit einer radikalen Beseitigung der auf dem Gebiete des Ver- sicherungswesens bestehenden großen Mängel erkennbar wird. Der Entwurf beschränkt sich trotz der zahlreichen Abänderungs- vorschlüge auf die Revision einzelner Bestimmungen. Der immer brennender werdenden Frage der Reform der gesammten Arbeiter- Versicherung und deren Vereinfachung durch Zusammenlegung aller oder mehrerer Zweige der Veisicherrng geht auch dieser Entwurf aus dem Wege und begnügt sich mit dem Trost, daß „die Frage" der Vereinigung der Unfall-, Kranken- und Jnvali- ditätsversicherung„im Auge behalte» und ihre Lösung einer späteren Zeit vorbehalten bleiben soll". Wir haben wiederholt dargelegt, daß die Frage der Vereinigung längst spruchreif und»othwendig ist. Die Motive hebe» mit einem nichts weniger als zutreffenden Lobe des gegenwärtigen Gesetzes an. Sie meinen, das Gesetz habe „in erheblichem Maße dazu beigetragen, die wirthschaflliche Lage der arbeitenden Klassen zu verbessern." Diese kühne Behauptung sucht die Vorlage im wesentlichen durch die Anführung zu erweise», daß seit dem Bestehen des Gesetzes bis zum 31. Dezember 1896 515 783 Renten in Gesammthöhe von 142 746 975 M. zur Auszahlung gelangt sind. Unmittelbar hinter dieser zutreffenden Mittheilnng müsse» aber die Motive anführen, daß die� in derselbe» Zeit in Gestalt von Klebeuiarken entrichtete» Beiträge 491848443,72 M. betragen haben. Die Hälfte dieser Beiträge, also 245924221,81 M., haben die versicherten Arbeiter aufbringe» müssen. Hinzu tritt, daß der Reichszufchuß(50 Mark pro Rente) durch indirekte Besteuerung, also vorzugsweise von der arbeitenden Bevölkerung anfgebracht wird. Aus der Tasche der arbeitenden Klasse sind demnach mehr als 246 Millionen auf grund dieses Ge- g- Ll setzes genommen und noch nicht 143 Millionen an einige besonders schlecht gestellte Arbeiter gezahlt. Glauben die Regierungen wirklich, daß die Lage der arbeilenden Klasse dadurch gebessert werde, wenn »mit ihr 246 Millionen nimmt und nur 143 Millionen zurück- eriiatiet, so sollte» sie diese Art Logik auch bei Ausbesserung der Gehälter der hohen Beamten beibehalte». In der That kann von einer Besserung der Lage der arbeitenden Klasse» durch das Jnvaliditätsgesetz im Ernste schwerlich die Rede sein. Die Folge des JnvalidiiätsgesetzeS ist und mußte fein, daß die Armenlasten der Geiueinden durch das Gesetz etwas verringert sind, daß der in Gestalt der Klebemarken zu zahlende Theil der Armenlasten von den Schultern der Wohlhabenderen in stärkerem Maße als vordem auf die Schultern der Aermeren gelegt ist und daß eine Anzahl Beamter Anstellung »nd Besoldung erhalten haben. Das sind Vortheile sür die wohl- dabcndere Bevölkerung. Der Bortheil, den die Jnvaliditäts- und Altersversicherung sür die Arbeiter habe» kann, besteht ledig- lich darin, daß der Empfang von Alters- und Invaliden- reute nicht wie der Empfang von Almosen den Empsänger der politische» Rechte beraubt und daß der Arbeiter ein klagbares Recht ans Gewährung dieser Rente» hat. Aber diesen Vortheil muß der Arbeiter sichchurch für ihn sehr hohe Beilrage erkaufen; auch wird dieser Vorlhetl fast illusorisch, so lange die Renten die sprichwörtlich gewordene Niedrigkeit behalten. Ob es unsere» Genosse» im Reichstage gelingen wird, die Vor- sicherungs-Vorschläge des Entwurfs abzuwehren und die seit der ersten Berathung aufgehellte» Forderungen durchzusetzen? Fast scheint es so, als' lirqe-an dem Ztistandekommeii einer die schweren Schäden des Gesetzes bessernde» Novelle herzlich wenig: sonst hätten die Regierunge» wohl'schwerlich erst zum März eine derartige Materie dem Reichstage vorgelegt. polikifchv Aebevjtchk. Berlin, 11. März 1897. Aus dem Reichstage. Der Antrag unserer Fraktion auf Beseitigung der Ausnahmegesetze, unter denen da? esammte Gesinde sowie der weitaus größte Theil der and- und Forstarbeiter stehen, hat eine sehr nnifasseude Debatte zur Folge gehabt. Daß ein modern eii't?stndcnder Mensch für die diversen Gesinde-Ordnungen mit dem Prügelrecht und der Schiildknechtschaft nicht sein kann, versteht sich am Rande; aber wieviel modern empfindende Mettscheu befinden sich im Reichstag? Nicht einmal die freisinnigen Abgeordneten konnten sich dazu aufschwingen, die einfache Beseitigung der veralteten Normen für die Gesindesklaverei zu verlangen, sondern sie brachten es nur zu dem schtvächlichen Verlangen, an stelle der eittzelstaallichen eine Reichs- Gesinde- Ordnung zu setzen. Unser Antrag wurde von dem Genossen Stadthagen in längerer Rede in trefflicher Weise begründet. An einer Reihe krasser Beispiele zeigte er, zu welch geradezu unleidlichen Erscheinungen der gegenwärtige Rechtszttstattd führt. Die au- gesührten Thatsachen berührten sichtbar auch die Junker, welche ja zu den enragirten Vertheidigern der Gesinde-Leibeigenschaft gehören— so unangenehm, daß sie Sachliches nicht zu ettt- gcgnen wußten, und ihren Radaupastor gegen unseren Genosse» ins Treffen führten. Die Herren von der Rechten wissen, daß, wenn Pastor Schall das Wort nimmt, jede ernstliche Behandlung einer Sache aufhört und so mußte auch heute Herr Schall, als lustige Person, der Rechten über ihre Verlegenheit hinweg helfen. Zum theil wurde der Zweck auch erreicht. Herr Schall war ganz auf seiner Höhe und soweit er mit seinen unglaublichen Behauptungen nicht all- gemeines Hohngelächter hervorrief, machte er krampfhafte Anstrengungen, unser» Genossen Stadthagen nach außen zu denunziren. L e n z m a n n sprach für eine Reichs-Gesinde-Ordnung und fand er bei dem nationalliberalen Marquardsen und dem Zentrumsmann Dr. Bachem Unterstützung. In der Sache stimmte auch Stumm mit dem freisinnigen Antrag überein, aber er hielt ihn zur Zeit für überflüssig. In gepfefferter Form wies S t a d t h a g e n die Angriffe Schall's zurück, wobei er von dem Vizepräsidenten S ch m i d t. wie es uns scheint, ganz unangebracht, zweimal zur Ordnung gerufen wurde. In kurzer, aber prägnanter Weise faßte M olkenbuhr in seinem Schlußworte alle Gründe, welche sür uiiseren Antrag sprechen, noch einmal zusammei,. Bei der hierauf erfolgenden Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag mit allen gegen die Stimmen unserer Genossen a b- gelehnt und dann der Antrag Lenzmann gegen die Rechte und ein paar Stimmen aus dem Zentrum— Trimborn Fusangel, Dr. Lingens— angenommen. Die Anfrage wegen der Bäckereiverordnung wurde hierauf von der Tagesordnung abgesetzt und dann die Sitzung geschlossen. Morgen 1 Uhr mittags Sitzung, in der neben anderen tunkten die Forderung für die Vorarbeiten zur gemauerten tammrolle der Kriegshelden auf der Tagesordnung steht.— Das prcnsiischc Abgeordnetenhanö setzte heute die Berathung des Etals der E i s e n b a h n v e r iv a l t u n g bei der Petition der Bergiscven Handelskamnier zu Leititcp um Einführung von Kilometerheften auf den Staatsbahnen fort. Eisen- bahnminister Thielen führte aus, daß durch die Einführung von Kiloinetcrheften der Schalterdienst erheblich erschwert würde und daß diese Einrichtiing auch wesentliche sinanzielle Ausfälle zur Folge haben tvürde. Das Projekt des Ministers Maybach, das bekanntlich arnicht an den Finanzminister gekommen, s ondern schon an dem Vidersprnch sämintlicher Bezirks-Etseubahnräthe gescheitert ist, hätte einen Aussall von 35 Millionen ergeben. Auch in Baden hätten sich die Kilometerhefte nicht bewährt. Bei unS sei durcy die vierte Klasse Gelegenheit geboten, weit billiger zu reisen, alS«Z in Baden mit den Kilometerheften der Fall fei. Für die Einführung von Kilometerheflen traten nur die Abgg. Dr. B ö t t i n g e r(natl.) und R i ck e r t ein, während die Abgg. Graf Limburg-Stirum(k.), P l e ß(Z.), und Graf K a n i tz dagegen sprachen. Letzterer wandte sich gegen die Berbilligung der Personentarife im allgemeinen, mit der seit« sameu Begründung, daß der Zonentarif der Berliner Stadt» und Ringbahn rund um Berlin eine Reihe von so,ialdemolratischen Kolonien geschaffen habe. Kein Mitglied des Hauses widersprach dieser herrliche» Logik, nur Abg. Rick e r t glaubte konstatiren zu müsse», daß Graf Kanitz dem Munster den Vorwurf gemacht habe, ein Züchter der Sozialdemokratie gewesen zu sein. Auch diesen denkwürdigen Aus- spruch mußte das Hans über sich ergehen lassen. Was die Agrarier im preußischen Abgeordnetenhause sich alles erlauben dürfe», das beweist unter anderem der heutige Ausspruch des Grafen Limburg-Stirum, daß der Bundesstaat Baden sich stets als Bersuchsstalion unpraktischer Experimente auf politischen und anderen Gebieten gezeigt habe. Daß Graf Limburg, wie Abg. Rickert meinte, diese Aeußcrung nur gethan hat. um dem ihm verhaßte», aus Baden stammenden Staatssekretär v. Marschall einen Seitenhieb zu versetzen, ist sehr wenig wahr- scheinlich; wer unsere ostelbischen Junker kennt, der weiß eben, daß sie nur die Zustände in ihrer Heimath alS»achahmenswerthe preisen. lieber die Petition auf Einführung von Kilometerheften wurde schließlich zur Tagesordnung übergegangen. Nachdem das Hans sich noch eine Zeit lang über Spezialsragen, namentlich über die ver- nieinllichen Bortheil» und Nachtheile von Staffeltarifen unterhalten hatte, wurde die weitere Beralhung auf morgen verlagt. Bemerkens- Werth ist noch, daß der.Freisinnige" Ehlers die Entscheidung über Festsetzung der Tarife dem Minister und seinen sachkundigen Rüthen überlassen wollte. Also, wozu denn üverhaupt noch par» lamentiren? DaS probateste Liigenrezept lautet: lüge frech, lüge oft, und hast Du frech und oft genug gelogen, dann sagst Du, alle Welt erkenne eS jetzt an. daß die Lüge Wahrheit sei. Dann ist die Lüge Wahrheit. Eo haben die Regierungsparteien eS mit der FafchingSlüge ge- macht, Boulanger habe 1S87 über daS unvorbereitete, foldalenlose, von der bösen Opposition planmäßig geschwächte Deutschland her- fallen wollen. Nie ist frecher gelogen worden, und jeder, der Augen hatte zu sehen, sah das auch sofort, und die andern sahen eS bald nachher. Heut« nun kommt die.Kreuz-Zeitung" und sagt keck und kühn in ihrem Leitartikel:.jetzt weiß ein jeder längst, daß eine Wahlniederlage der nationalen(Lügen-) Parteien damals(1687) mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Weltbrande geführt haben würde." Ja, wenn die ganze Welt so viel Koana! getrunken hält«, wie Bismarck in seiner berüchtigten„Wir fürchten Gott sonst nichts auf Erdin"-Rede(die nach nationalliberaler Berechnung roohlgezählten sechzehn Kognaks. Grogs das Leben kostete), dann hätte es aller- dmgs einen erschrecklichen Weltbrand gegebtn, wie die Welt noch keinen gesehen.— 5C«tt Unternehmer-Syndikaten hat der preußische Eisenbahn- minister Thielen im Abgeordnetenhause ein Loblied gesungen. Er sagt«: «Wir haben mit einer Reihe von Syndikaten zu arbeiten. Es»st nicht zu leugnen, daß die Syndikatsbildung manigfaltige wirthschaftliche Gefahren in sich birgt, die ernst»verde», wenn die Verwaltung nicht vorsichtig geleitet ist. Ich kann aus»neiner Erfahruizg— und ich habe die Zeil vor den Syndikaten auch erlebt, ebenso die wüste Konjunktur anfangs der siebziger Jahre — nur sagen und bin vollständig überzeugt,»venn»vir die Syndikate nicht gehabt hätten, so hätten wir kolossale Preise zu zahl«» gehabt und solche Schwankungen, daß sie die ganze EtatSaufstell»l»g erschüttert hätte». Es ivürde ferner eine >bererzeugi.ng in den verschiedenen Produktionsziveigen ein- getreten fem. Auch»väre es nicht möglich gewesen, die Arbeiten '.»> I".sand« herstellen zu lasten und den in diesen Produktiv»»?. ziveigen beschäftigten Arbeiter» eine regelmäßige, dauernde Arbeit zu schaffen. Gegen ein.Zuviel" von Zumuthungen seitens der Syndikate Hab« sich die Verwaltung erfolgreich beivährt." Daß der preußisch« Staat den Syndikaten geringere Preise zu verdanken hätte, als er sonst bezahlt haben»viirde, ist»in» so iveniaer einleuchtend, als die Syndikate durch Beschränkung der Produktion die Preis« in die Höhe zu schrauben und zu erhalten pflegen. Aber abgesehen davon. Wenn der Minister den Syndikaten nachrühmt, daß sie den Arbeitern eine regelmäßige, dauernde Arbeit schaffen, so trifft daS in viel größeren» Maße auf die beruflichen Organisationen der Arbeiter, auf die Geiverkschaften zu. Diese beabsichtige» z. B. durch Verkürzung der Arbeitszeit de» Arbeitern des Berufs, für den sie errichtet sind, ebenfalls eine regelmäßige, dauernde Arbeit zu ver» schaffen. Dabei fällt ihnen nichts»veniaer ein. alS etwa die Pro- duktion zum finanziellen Schaden des Konsumenten«inzuschränken. »vi« eS die Unternehmer-Syndikate thun. Die Geiverkschaften aber »verden in Preußen und dem übrige» Deutschland nicht nur nicht gefördert, sondern auf Schritt und Tritt durch Polizei und Re- gierungSbehörden in ihrer ruhigen Entwickeluug gestört. Ihnen die Verfolgung, den Unternehmer-Organifationen die Förderung, das ist ja heute Trumpf!— Die Lage im Orient ist unveräitdert. Die Türkei hat auf die Note der Großmächte überhaupt noch nicht geant- »oortet.— »» Deutsches Reich. — Die Handwerker-Borlage ist nach der„Freis. Ztg." an diesem Donnerstag von dein Plenum des Bundesraths erledigt »vorden im Eiune der Mehrheitsbeschlüsse des Ausschusses. Dar- nach ist die allgeineine Zlvangsorganisation,»vie st« der preußische Entwurf ins Auge faßte, verworfen worden, und soll eine Zivangs> Innung nur dort gebildet werden dürfe», ,vo«ine Mehrheit der betreffenden Handwerksmeister sich dafür ausspricht. Auch der HandwerkSauSschuß. welcher att örtliche Organisation für die Gesainmtheit der Innungen und die nicht den Innungen zuge- theilten Handwerker im preußische» Entivurf vorgesehen war.iftnach den Beschlüssendes Ausschusses gestrichen worden. DieHandwerkerkaininer». die Bestlmmungen über die Lehrlingsprüsl»ng und über die Be- rechtigung zur Führung des Meistertitels sind,»vie die Ausschüsse beantragt hatte»», im wesentlichen auS dein preußischen Entivurf bei» beHalle»»vorden.— — Zilm Projekt der DenkmalShalle beabsichtigt die Zentrumsfraktion nach der.Post" sich in Gemäßheit der Fraktionsberathung am Mittwoch Abend ablehnend zu ver« halten.— — Gegen die A er m st en richtet sich ein neuer Vorschlag deS GeheimrathS von Maffoiv. Er hat im Auftrage deS Gefammt- Verbandes deutscher Verpflegungsstationen einen Gefetzentivurf auS» gearbeitet, dein die„Soziale Praxis" unter anderem folgendes ent» Arbeitsfähige Personen, welche auf der Wanderschaft öffentliche Unterstützung in Anspruch nehinen, sind in einer Beschäftigungsanstalt unterzubriligen, wenn sie nicht nachweisen könne», daß sie in den letzten 3 Monaten mindestens 24 Tage gearbeitet haben. oder wenn anzunehmen ist, daß es ihnen in absehbarer Zeil nicht ge- linge» wird, Arbeit z» finden. Wer mittel- nnd arbeitslos ohne BefchäftigUNgS» und Wanderschein auf der Wanderschaft betroffen »vird, soll einem Landstreicher gleichgeachtet werden. Ueber alle Personen, welche»vegen Bettelns, Landstreichens rc. verurtheilt »vorden sind, soll die Jnternirung verhängt»verde» können, und dieselben strafrechtlichen Folgen sollen auch die Abiveichung von der Route, das Verlasse» der BeschäftigungsanftaU oder der Widerstand gegen die Vorschriften der Austaltsverwaltung nach sich ziehen.— Der Kernpunkt des ganzen Vorschlages ist der auch hier wiederkehrende alle LieblingSgedanke deS VerfafferS, den mittellosen Menschen die Freizüaig» keit zu nehinen(Jnternirung); wie überhaupt der Ent- »vurf durch die völlige Rechtlosigkeit des wandernden Arbeitslosen charakteristrt wird. Die Befugniß der Verivaltungen, für die An- stalten Hausordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen, ist so n»- beschränkt gedacht, daß nicht einmal Vorsorge dagegen getroffen ist, die Insassen vor willkürlichen Freiheitsentziehuiigen und Prügel- straien zu schützen. Die BeschäftiguiigSanstalten. in welche die Arbeitslosen bis zu S Monate» überiviesen»verde» können, sind trotz des schönen NamenS nichts anderes als Gefängniß- und Korrigenden- Anstalte»,»vie den» auch dein Verfasser in seine»»§ 4 der Ausdruck „Detenlionsfrist" entschlüpft. — Anarchistische Konsequenz. Herr Wilhelm Spohr schreibt unS: „Einige Auslassungen unter der Epitzinarke„Anarchistische Konsequenz" sowie der Verfaii»mlungsbericht über eine am 3. März abgehaltene Protestversainmlung, beides enthalten in»„Vorivärls" vom Freitag, den S. März, veranlassen mich zu folgenden Klar- stellnugen: 1. Die Versammlung war weder als eine Versammlung der Anarchisten noch alS eine solche der Arbeiterschaft Berlins gedacht, als Ivelche sie der„V.", sich selbst widersprechend, in» Hauptblatt und in» Beiblatt bezeichnete, sonder» als eine all« angehende all- g e in e i n e P r o t e st v e r s a in n» l u n g. 2. Herr Bebel bat mir— in anerkennenSwerther Weife, ohne irgend einen BestimmuugSversuch von unserer Seite abzuivarten— seine Absicht zu erkennen gegeben, daß er im Reichstage den Staats- sekrctär des Zlnsivärtigen AmtS»vegen des Deutschen Hüffcl inter- pelliren wolle. 3. Ich habe nicht„bedauert, daß die Anarchisten keinen ver- treter im Reickstage habe»". Ich machte allein die in Laune hin- geivorfene Beinerkung, daß man.für iolche Fäll« fast wünschen möchte, einen Vertreter iin Reichstage zu haben". 4. Diese Fassung oder die JhreS Korrespondenten giebt gar keine Veranlassung zu der Behauptung, daß die Anarchisten plötzlich für den Parlamentarismus iuklinirlen. Ebeusoiveuig die von einem Sozialdemokraten auS Weißens«« vorgeschlagene und da»» angenoinmene Resolution. Beweis: Es handelt sich»im«ine Interpellation, die selbst einem Anarchisten keine Schande machen würde, und nicht»nn eine g e s e tz- geberische Maßnahm«, für ivelche ich nicht die Hand biete» würde. 5. Es bandelt sich— daß das betont werde, ist für den Ausfall der Interpellation von ganz besonderer Bedeutung— nicht um .unsere", der Anarchisten Interessen, sondern um daS Interesse deS gefangene» Heinrich Hüffel, der nicht Anarchist ist. Ich glaube, daß diese Erklärungen die Vorgänge in der Ver- sainmlung in einem anderen Lichte erscheinen lassen, und bitte ich deshalb um ihre Veröffentlichung. Auf das beleidigende Drum und Dran der Notiz der„Politischen Ueberflcht" einzugehen, muß ich mir versagen." Wir begreifen wohl. daß Herrn Wilhelm Spohr unsere Be- Merklingen über die anarchistische Konsequenz recht unbequem waren nnd sind. Wir können auch nach Empfang seiner„Berichtigung" kein Wort von dem,»vaZ»vir sagten, zurücknehmen. Daß die Herren Anarchisten die Redner an diesen, Abende waren, daß sie gegen die Resolution sich nicht peivandl hatten, ja für dieselbe stimmten, steht fest und daß all' dies zu den Angriffen der Landauer, Spohr und Genossen gegen unsere Partei, zu ihrer Haltung auf den internationalen Kongressen in schärfstem Widerspruche steht, ist für jedermai», klar, außer etiva slir Herrn Spohr. Das ist uns aber höchst gleichgiltig.— — Wohin Pastor Kötzschke verbannt wird, weil er König Stumm nicht gefällt. Hierüber»vird unS geschrieben: Der Ort heißt S i r a k o>v i y. liegt 4 Meilen oder 6 Stunden von Bereut, das ungefähr VOIX» Einwohner zählt und die Hauptstadt der bekannte» Kassubei ist, entfernt. Di« Bevölkerung von Sira- koivitz besteht größlentheilS aus Polen, unter 13 einstöckigen Häuser sind 11 auS Lehm gebaut und mit Strohdächern versehe». Nirgend? habe ich eine derartige versnmpste Be- völkeruug gesehe»»vie in S i r a k o»v i h nnd in der Umgegend. Der Gutsbesitzer, Gendarm ui»d Geistliche sind dort die höchsten Per- sonen. Am Tage arbeiten die Schariverker, oder wie sie hier ge- nannt»verde», die Tagelöhner voi» des morgens 3 Uhr bis abends, »ven» es dunkel wird, oft auch bei Licht für sage und schreibe. Männer im Sommer 75 Ps. bis 1 M.. Frauen für bO— 7S Pf., dabei müssen die Leute sich selbst beköstigen. Am Abend geht es ins WirthShauS, dort wird SchnapS nnd»vleder EchnapS und nochmals SchnapS getrunken, bis die Köpfe erhitzt und die Schlägerei in, Gange ist. Sirakowitz ist in den Kreisen Bereut, Carthaus, Lauen- bürg nnd Bütoiv als Schlägernest bekannt; der Gutsbesitzer, der nebenbei AintSvorsteher und Palron der katholischen Kirche ist, ist ein Jude. Eine«vangilische Kirche existtrt in Eirakoivitz nicht, nur ein Pfarrhaus, dort»verde»» die Andachten abgehalten. DaS ist der VerbannungSort für einen politisch»»»bequeme» Geistlichen. Kiel, 10. März.(Eig. Ber.) Die Vermuthnng, die wir in Nr. d2 deS„VorivSrlS", an gleicher Stelle, äußerten, daß ein der englischen Zeitschrift„Spectator" entnoinmener Artikel, der«ine» Vergleich zieht zwischen der deutschen und der englischen Marine und de» wir auf seine wahren Beiveggründe zurückführten, jeden- fall? noch mehrfach herhalten müsse,»nn den Steuerzahlern die Roth, v e n d, gleit einer Vermehrung unserer Flotte klar zu machen, hat sich bestätigt. Der konservative Graf Holstein hat den Artikel auch in der Blldgetkommisston deS Reichstage? angezogen. Der genannte Herr meinte, eS müsse«inen kränken, einen solchen Artikel zu lesen und man müsse sagen; Dir(England) bist groß und ich(Deutschland) bin klein, und kain zu dem Schlüsse, daß der Reichstag die Flotte zu einer Großmacht gestalten müsse,»vie sieden» deutschen Reiche gebühre. Der GroßmachtSdünkel des Herrn scheint ihn»virklich glauben z» lassen, daß es jemals möglick» wäre für Dentfchland. es»nit England aufzunehmen. Nachzuiveisen, daß dieses niemals möglich ist, ist für die Leser des„Borivärts" über- flüssig, aber es dürfte sie vielleicht interessiren, daß England feine Flotte seit 1669»»m ca. 240 Schiffe vermehrt hat. Und»lnter diesen Schiffen sind 29 Schlachtschiffe. 16 Kreuzer 1. Klasse, 46 Kreuzer 2. Klasse und 15 Krenzer 6. Klasse. In den» gleichen Zettraum hat der Maunschaflsetat sich uin 33 900 Man» vermehrt. Gegenwärtig sind in England in Bau oder sollen nächstens in Bau gegeben werden 14 Panzer von je über 10 000 Tons. 3 9000-Tons.Krenzer (1. Klasse), 9 Kreuzer 2. Klasse(3300 TonS) und 10 S. Klaffe. Der englische Marine-Etat beläuft sich auf ca. 440 Millionen Mark im Etatsjahr 1897/98. Nnd da»vagt man eS, daran zu denken, daß Deutsck,land da jeinals mitmachen könne.— Leipzig, 11. März.(Eig. Ber.) Der Etadtrath verlangte von den Stadlverordnete» 13000 M. zur Feier des Ivojährigen GebtlrtStagS Kaiser Wilhelm I. Iin Namen der sozialdemokratischen Abgeordnete» gab Genosse Lehmann die Erklärung ab. daß die Arbeiterklasse eS den» Bürgerthum überlasse, solche Tage zu feiern, sie prolestire gegen die Verwendung städtischer Gelder zu solchen Zwecken, um- somehr, als die Arbeiterklaffe unter Kaiser Wilhelm I. die schärfste wirthschaftliche. gesellschaftliche und politische Bedrückung zu«r- leiden gehabt hat. Die Summe wurde schließlich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten beivilligt. Bei der Gewerbegerichtsivahl unterlag die Liste der Nicht- Jnnilngsmeister mit 169 gegen 1006 Stimmen. Die Innungen hatten mit Hochdruck gearbeitet. Württembergischer Landtag. Die Generaldebatte über den Finanzetat war auch ain ziveiten SitzungStage(Mittivoch) eine sehr lebhafte. Ans der l'/estündigen Rede deS Abg. H a u ß- mann vom Montag Abend»väre hervorzuheben, daß derselbe sich, wie sein Vorredner Kinne, ebenfalls gegen die neuen Militär- und Marinevorlagen»vendele,»»nd die Ablehnung der GehaltS- aufbesserung der Beamten befürivortete; wenn die Beamten, meinte der Redner, fragen, was sie mit der Marineforderung zu schaffen haben, so antivorte»nan ihnen: Ihr müßt es auch empfinden, daß Deutschland in Waffen starren muß. ihr»nübl es auch empfinden, daß Deutschland eine große Schlachtflotte schaffen »vill, ihr müßt«S weiter empfinden, daß infolg« dieser Forderungen in manchen Hänsern infolge der erhöhten Lasten Mangel herrschen wird.(Da wird den Herren Beamten der Hurrahdusel schon vergehen,»venn sie mit ihren» eigenen Geldbeutel die Kosten bezahlen müssen.) Redner»vendet sich sodann gegen die Fleischsteuer, die Wohnfteuer. das Unigeld und streift in feiner Rede alle Gebiet« des Etats.— I» der Mittivoch- Sitzung sind»vie am vorhergehende» Tage alle sechs würtlenr- bergischen Minister anwesend. Den Reigen der Redner eröffnet der deutschparteiliche Abg. Sachs, ihn» folgte der Privilegirt« v. W ö l l- >v a r t h, welcher eil» Klagelied über das andere anstimmte. Jedermann sei froh, daß unsere Sch»verter scharf und unser Pulver trocken sei: daß deulfche Volk könne Gott danke», daß über Heer und Marine nicht im württembergischen Landtag entschieden »verde. Nachdem der Finanzminister Dr. v. R i e ck e einige Auf- klärungen gegeben hatte, sprach Ministerpräsident v. Mittnacht in längerer Ausführung. Auf die Anfrage deS Abg. Kinne er- »viderte der Minister, daß der Vertreter der»vürttembergische» Re- gierung den» Marine-Etat bei seiner Vorlage im Bundesrath z u g e st i in in t habe, ebenso dem Militär-Etat, auch glaube er, daß kinne's Freunde im Reichslage auch keine erhebliche?lb- striche machen werden, ja, er hofft sogar, daß dieselbe» für die neuen Geschütze zu haben sind. Nachdem der Herr Minister noch die Greuel eines Kriege? in den grellsten Farbe», schilderte, ging er zu der Ver- fassungsreform und der Proportionalivahl über und»vünscht von de» Ab- geordneten i» einer späteren Besprechung genau über die Wünsche und Ansichten des BolkeS unierrichtet zu»verde», dir Abgeordnete» »nögen ihre letzte Entscheidung erst dann treffen, wenn das Ganze vorliegt, die Regierung habe ihre eigene Schluß- entscheidung noch nicht gefaßt. Nach Besprechung der Eisenbahnverhältuisse folgte ihm der fozialdemokratischc Abg. Kloß als nächster Redner. Derselbe»vendete sich gegen den Privilegirte» Freiherrn v. Wöllivarth wegen seiner Aeußerung betr. der scharfen Schiverter, das Volk seien die adeligen Standesgenossen nicht. Betreffs der Beamtengehälter-Regulirung verinißt der Redner, daß für die Arbeiter und die niedergestellten Beamten»venig oder gariiichtS geschehen sei, während man für die höheren Beamten mehr Fürsorge an den Tag lege. Betreffs der Steuerreform»vendet sich der Redner gegen alle V e r b r a u ch S st e u e r n. Nachdem die Abgg. Hang und Ren, bold(Z.) ihre Ansichten zum besten gaben, sprach Kultusminister v. S a r w e y,»vorauf die Abgg. Kinne, Hauß- mann, v. M i t t n a ch t und v. W ö l l»o a r t h»viederholt das Wort ergriffen. Letzterer Redner konnte nicht umhin, noch zu kou- statiren. daß Deutschland noch lange nicht an der Grenze der Leiftllngsfähigkeit angelaugt sei, denn der Tabak sei noch lange nicht hoch genug besteuert. Nach einigen persönlichen Beinerkungen schloß die mehr als dreistündige Debatte.— Auf der Tagesordnung der Donnerstag- Sitzung steht: Rechenschaftsbericht des ständischen Ausschusses.— Mülhausen, 10. März.(«ig. Ber) Unsere beiden in den Gemeinderath gt»vählte» Genossen B u e b und H i ck e l lassen dieser Körperschaft und den, Bürgermeister keine Ruhe. Noch sind nicht alle ihre Interpellationen erledigt und schon kommen sie »vieder mit einer neuen, die unserem Bürgermeister nicht gerade an- genehm ist. Die gestern eingereichte Interpellation enthält drei Fragen an de» Bürgermeister, die folgendermaßen lauten: 1. Wo sind die in früheren Jahren bei Kavalkaden gesammelte», der Stadtverivaltung mit der Bestimmung der sofortigen Veriveiidung für Arnienunterstützung übergebeneu Summen geblieben? 2. Mit welchen, Recht resp. auf grund»velcheu Gemeinderathsbeschlusses sind die fraglichen Summen bisher ihrem ursprünglich«»» Zweck, zu dem sie sowohl gesainmelt»vi« gegeben worden sind, vorenthalten ge- bliebe», oder ist diese Vorenthaltung im Einverständniß mit den Vorständen der damalige» Kavalkaden-Veranftaltuugen geschehen? 3. Ist der Herr Bürgermeister geivillt, die fraglichen Summen nun- »nehr in» S»nue der Geber und Sainmler zur Verlvendung gelangen ,u lassen? Di« Beantivortung dieser Interpellation soll bereits au» Freitag erfolge». Man ist aus die Antwort des Bürgermeisters ge- spannt, das umsomehr, als selbst bis tief in die loyal-bürgerliche» Kreis« hinein große Unzufriedenheit über die Verwendung resp. Nicht- verivendung der beim letzte» Karneval gesainmelte» Gelder herrscht. Man hatte envartet, daß bei der Geschäftsstockuiig in der Textil- industrie ein Theil der Gelder an die arbeitslosen Textilarbeiter zur Vertheilnng gelangen»verde. DaS ist aber nicht geschehen und des- halb die Erregung der Bevölkerung, die zu beschwichtigen, der Vürgermeister kaum»»ehr in» stände sein»vird.— Oesterreich. Die Wahlnachrichte» stnden unsere Leser in einer bsson- deren Rubrik vor den Depeschen.� Schweiz. Zürich. 9. März.(Eig. Ber.) Am letzten Sonntag fanden außer in Tessi».»vorüber»vir schon berichteten, in den Kantonen A a r- g a>» nnd Waadt die Kan t on sr a t h s- W a h len statt, an denen sich auch die Sozialdemokraten betheiligten. Im Aargan fordert das von denselben aufgestellt« kantonale Program n» die UnentgeUlichkeit der Lehrmittel. Volttwahl der RegierirngS- und Siänderäthe, Proportional- Wahlsystem, staatliche obligatorische Mobiliar- verstchernng. Revision des SteuergesetzeS zur Erhöhung des steuerfreien Existenz- Minimums mit Berückstchtigirng des Familienstandes, Höherbesteiiernng der großen Kapitalien und der Aktiengesellschaften, kantonales Arbeiter-Jnspektorat, bessere Durchführung deS gesetzlichen Ardeiterschutzes, kantonales Arbeiter- schutzgesetz für alle nicht unter dein Fabrikgesetz stehenden Arbeiter nnd Angestellten. Geiverbeaerichte. kantonaleS Geivtrbeaefctz, Ein- führung staatlicher Biehleihiassen, Regelung deS HypotdekenwesenS, unentgeltliche Beerdigung und»veibiiche Fortbildungsschulen. Die beiden bisherigen sozialdeinokratische» Verlreter, Seidenfabrikant Honegger»n Brenngarlei» und der Arbeiter Morger in Zostnge«, wurden wiedergewählt. In Baden kandidirle zun» ersten Mal« ein Sozialdemokrat und erhielt 260 Stiinmei»,»vas für den Anfang ein ganz schöner Erfolg ist. In L a»» s a n»« haben die vier Parteien über die 24 von der Stadt zu»vählenden KantonSräthe vereinbart, daß in» ersten Mahlgang jede Partei selbständig vorgeht, dagegen bei eine»» zweiten Wahlgang ein freiivilliger Proporz verembart werde» soll. — Der an» Sonnlag im Bezirk G ö s g e n(Kanton Solothnrn) zum Oberamtmann(Landrath) mit 2103 gegen 1992 sozinldemolratischc Stiinmen gewält« freisinnige Meier hat die Wahl abgelehnt,»vcil die Sozialdemokraten dagegen einen Rekurs ankündigten. D-r sozialdemokratische Kandidat»var Genosse Buhler i» Ölten.— In Lausanne erhiellen die Sozialdemokraten«»ehr Stimmen als vor drei Jahren und außerde»» die meisten von allen vier konknr- rirenden Parteien. Bon 6030 abgegebenen Stimmen erbielt die sozialdemokratisch« Parte» 2462 und zehn Vertreter sür den Kantons- rath. drei inehr als bisher.— Im T« s s i n blieben die bisherigen Vertretungsverhältnisse ziemlich nnveräuderl: 33 Liberale»n>d 49 Ultramontane. Auf die vier sozialdemokratische» Kandidaten in Bellinzona entfielen nur 60 Stiinmen, aber gleichivohl ist damit der Anfang zu einer selbständigen Partei gemacht.— In» Kanton O b- »valden wird ein Jnitiativbegehren auf BerfassimgSrevisiou zur Reduktion des HypothekenzinsfußeS auf 4 pCt.gestellt.— Bern, 11. März. Der Binidesrath hat heute die Berathnng der Vorlage betreffend den Rückkauf der Eifenbahneu be- gönnen.— Frankreich. � Pari», S. Mär».(Eig. Ber.) DaS Kab inet Meli ne hat sich gestern wieder eininal durch eine» jener»vürdelofen K»«ss« gerettet. welche vor ihm in der Geschichte des französischen Parlamentarismus unbekannt»varen. Justizniinister D a r l a>» hatte sich zu verant- »vorlen wegea Ernennung eines notorischen, vom Gericht gebrandmarkten WahlfälscherS zum Vorsitzenden des GencklS von Corte(aus Korsika). Die Er»ei'»,ung war erfolgt selbstverständlich deshalb,»veil der betreffende, namens Gabrielli, alS ebemaliger Bonapartist ein treuer Parteigänger de» Kadinets Meli»»« ist. Der Skandal ist>»m so empörender, als Gabrielli gerade in dem Wahlbezirl von Corte an der Spitze ver opportunistischen Klique stand und unmittelbar vor seiner Ernennung in den Lokalwahlen nach einer heftigen echt lorstschen Kampagne unterlag. Der vom korsischen Abg. Luce de Casabianca dargelegte Eachverhalt stach so in die Augen, daß die Kammer die von der Regierung verlangte einfache Tagesordnung mit 24S gegen 223 Stimmen verivarf. Die Niederlage des Ministeriums mar nur noch zu vervoll- ständigen durch das Votum der oppostttonellen Tagesordnung, worin die Maßnahme des Justizministers getadelt wurde. WaS thal nun aber Meline? Er bestellte rasch einen Vertraue nSzusatz zum TadelSvotum und der Jnstizminister erklärte unverfroren, die Regierung akzeptire die dergestalt„ergänzte" Tagesordnung... Auf verlangen der Opposttion wurde zwar über die beiden Theile gesondert abgestimmt. Nach der ministeriellen Erklärung sank aber die Annahme deS tadelnden Theiles zu einer plumpen Posse herab, indem die ministeriellen Kerntruppen und die Minister selber für den Tadel stimmten! Darauf wurde der VertrauenSzusatz von der opportunistisch monarchistischen Koalition votirt— und daS Ministerium nebst seiner Mehrheit hatte eine Nichtswürdigkeit mehr auf dem Kerbholz.— Ein radikaler Abgeordneter rief nach der Abstimmung, sie bedeute für die Regierung eine» Pyrrhussieg. Jndeß zählt Meline bereits so viele ähnliche Pyrrhussiege, daß ihn, einer mehr nicht weiter schaden kann. Die Ordnnngsmehrheit hält eben trotz alledem an diesem dickhäutigen Handlanger der Bour» geoisie fest. Die gestrigen Präsidiums- Wahlen im Pariser G e>» e i n d e r a t h standen unter dem Zeichen der anti- sozialistischen Koalition der Radikalen, der Opportunisten und der Rechten. So kam es, daß zum Präsidenten S a u t o n. ein sehr blasser Radikaler, gewählt wurde und daß die Sozialisten anstatt der frühere» zwei wirklich sozialistiscye» Vizepräsidenten, Landrin und Brousse, nur einen Vizepräsidenten erhielten, der überdies sich mehrfach gegen den JnternatiöualiSmuS ausgesprochen hatte. Er heißt Breuillä und gehört zu der seltenen Gattung der chanvi- nistisch gefärbten ehemalige» Blanquisten. Unter den vier Schrift- führern sind drei Sozialisten. Die opportunistisch-monarchistische Minderheil hat die Wahl eines sozialistischen Präsideuten verhindert, ohne aber dafür den erhoffte» Lohn erhalten zu habe». Die Radi- kalen ließen deren Kandidaten ausnahmslos durchfallen. Paris, II. März. Die Untersuchung der Bücher der Panama- Gesellschaft soll die Angaben Arton's vollständig bestätigt haben. Die Meldung rief in Kammerkreisen groß« Sensation hervor.—_ Meichskag. 189. Sitzung vom 11. März 1897. 1 Uhr. Am Tisch« des BundeSrathZ; von Bötticher, Graf Posadowsky. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag der Sozial- demokraten(Auer und Genossen): „Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage bis zur nächsten Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, wodurch sämmtliche landesgesetzlichen Sonderbestimmungen über die R e ch i s- Verhältnisse Lei land- und f orstw i r t h s ch a s t- lichen Arbeite� und des Gesindes zu ihren Arbeit- gebern, beziv. zu ihrer Dienstherrschaft aufgehoben werden und an deren Stelle die Bestimmungen der Reichs-Gewerbe-Ordnung treten.« Hierzu liegt folgender AbänderungSantrag deS Abg. Lenz- mann(frf. Vp.) vor: „Die verbündeten Regierungen zu«rsuchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, wodurch die Rechts. Verhältnisse zwischen dep land- und forstwirtbschafllichen Arbeitern sowie dem Gesinde einerseits und deren Arbeitgebern andererseits reichsgesetzlich geregelt werden.« Abg. Gtadthageu(Soz.) weist darauf hin, daß bereits bei der Berathung des Bürgerliche» Gesetzbuches diese Frage gestreift worden sei. Der Antrag fand in der Kommission lebhaft« Znstinimung und nur, weil die Freisinnigen nicht mitstimmten, wurde er abgelehnt. Aber man dürs« doch wohl nicht annehmen, daß darin die wirtliche Meinung deS Reichstages ausgedrückt fei. Man wollte nur da» Bürgerliche Gesetzbuch in seiner Fertigstellung nicht aufhalten. Die Verhältnisse des Gesindes können nicht beibehalten werden, wie sie jetzt bestehen. Denn von einem freien Arbeitervertrnge sei dabei keine Rede. Aber das genügt nicht. Wer die ländliche« Arbeiter und daS häusliche Gesinde den andern Bürgern gleichstellen will, der kann nur wollen, daß die kränkenden, mittelalterlichen Ausnahme� bestimmungen der etwa hundert verschiedenartigen Gesinde. Ordnungen und Gesetze in dieser Hinsicht aushören. Durch unser« Resolution ist daS Prinzip aufgestellt, die Ausnahme- bestimmungen zu beseitige» und die Rechtsverhältnisse der ländliche» Arbeiter und deS Gesindes gleichzustellen, anzugliedern den Rechts- Verhältnissen für geiverbliche Arbeiter. Wenn Sie den Antrag Lenzmann annehme», würde» Sie nur diese klare Rechtsanschaunng verwirren. Die Berschiedenartigkeit der Gesinde-Ordnungen entspricht der poli- tischen Zerrissenheit, in der früher Deutschland sich befunden hat. Der heutige Gesiudevertrag schafft genau wie in frühere» Jahrhunderten de» Vertrag deS ZwangsgesindeS und der Leib- eigenschaft. Von ZwangSgesinde ist allerdings im Deutschen Reich nicht mehr di« Rede, aber der Gesindevertrag enthält immer noch der historischen und wirthschaftlichen Enlwicktliing hohnsprechende Be- ftandtheile aus längst vergangenen RechlS- und Wirthschasteperioden. Die mittelalterlichen Unterwerfungs- und Schutzverträge sind heute auf alle» anderen Gebieten geschwunden, nur nicht im Gesinderecht. Die Pflichten des Gesindes sind erhöht.die der Herrschaft vermindert ivorden. Bis jetzt muß daS Gesinde Sklaven gleich alle Befehle der Herr- fchast ausführen. DaS steht nicht im Einklänge mit der Würde des Menschen und der Fortentwickelung des Rechts. Scheltworte und Züchtigungen der Herrschaft müssen widerspruchslos, ja sogar mit Ehrerbietung und Bescheidenheit aufgenommen werde». Wie weit dieses Züchtigungsrecht der Herrschaft eingeräumt ist, geht aus einem Erkeuntuiß des Amtsgerichts zu Neiße hervor; das Züchtigungsrecht sei soweit zulässig, soweit nicht Leben und Gesund- heit dabei gefährdet werden. Mißhandlungen, die nur«in längeres Schmerzgefühl hervorrufen, das Gesinde auch nicht an der Ver- richlung des Dienstes hindern, gehöre» also nicht dazu. Ich bin der Meinung, daß das Gesinde unter Umständen den Dienst verlassen und klagbar werden könnte. Wunderbarer Weise haben wir einige Gesinde-Ordnungen, auch in Mecklenburg, in denen ein Züchtigungsrecht nicht gegeben ist. Geprügelt wird natür- lich in Rostock trotzdem, wie der Fall eines Domänen- Pächters beweist. Wir haben hier in Berlin selbst vor kurzer Zeit den Fall erlebt, daß selbst ein evangelischer Prediger es für noth- wendig hielt, daS Züchiigungsmittel seinem Dienstmädchen gegenüber anzuwenden, so daß dieses längere Zeit krank war. Es handelt sich hier wie überhaupt bei den Rechten deS Gesindes, nicht etwa darum, daß man dem Gesinde besonders große Rechte gebt, sondern lediglich darum, den Großgrundbesitzern entgegen- zutreten, die von ihrem Rechte im schamloser Weise Gebrauch machen und diesem Gesinde, insbesondere dem weiblichen, Zumuthungen stelle», die mit dem Anstand nicht in Einklang zu bringen sind. Es kommt vor, daß den Dienstmädchen von den Dienstherren unsittliche Anträge gestellt werden und daß sie im Weigerungsfälle mißhandelt werden. Di« Ausnahmestellung des Gesindes aufrechterhalten heißt also nichts anderes als der nacktesten Gemeinheit auf sittlichem Gebiet« «orschub leisten. ES ist dringend nothwendig, daß nicht den partikularen LandeSgesetzgebungeu ein Recht gegeben wird, hier Aenderunge» zu treffen, sonderS daS ist Reichssache. Die Herren, die meine» daß der Patriotismus geweckt werden müsse, sollen doch bedenken ob es gerechtfertigt ist. den Patriotismus deS ländliche» Arbeiters noch mehr zu untergraben, als es ihre rückschrittliche � D�e� Laiidleute� jubelten im Anfang des Jahrhunderts den Franzosen z». welche ein« freiheitlichere Gesetzgebung brachten. besonders di, Beseitigung der Gesinde-Ordnung. Soweit waren die Freisinnigen 1898 ebenfalls. Jetzt sind si« etwas rückschrittlich geworden, wohl weil di« Marineforderungeu ihre Ansichten etwas ver- bessert haben. Stein hob die Gesinde-Ordnung deS Landrechts auf, weil es nur noch freie Leute in Zukunft geben sollte, aber die Junker schufen eine neue Gesinde-Ordnung.(Zuruf des Abg. v. W i n t e r- s e l d t: Welche Junker sind denn das gewesen?) In Preußen hat cS immer nur ostelbische Junker gegeben, also die Krautjunker! (Heiterkeit.) DaS Deutsche Reich ist geschaffen worden, um gemein- sameS Recht für alle zu schaffen, wir wollen eS auch für daS Gesinde schaffen. WaS bedeutet denn der Begriff„Gesinde"? Gärtner, die Köchinnen und dieKöche der großen Restaurants und ähnliche Angestellte sind doch gewerbliche Gehilfen, müßten also dem Gewerberecht uuter- liegen, nicht solchen Ausnahmebestimmungen, wie die Führung der Gesindedicnstbücher und die Koalitionsbeschränkung für ländliche Arbeiter es sind. Das Gesetz von 1SS4 ist lediglich deshalb gegeben worden, weil damals die gewerblichen Arbeiter ebenfalls außerhalb des Koalitions- rechts standen. Nachdem seit dem Jahre 1869 die brutalsten Be- schränkungen des Koalitionsrechts der gewerblichen Arbeiter auf- gehoben sind, wäre also die einfachste Konsequenz, nünmehr die Koalitionsbeschräukuug der ländlichen Arbeiter aufzuheben. Zu dieser Ansicht ist seinerzeit auch ei» konservativer Minister ge- kommen. Im Jahre 1866 ist ein Gesetz betreffend die Ver- adredung von Arbeitseinstellungen durch den Handelsminister von Jyenplitz vorgelegt worden. In diesem Gesetz war vor- geschlagen, die Koalitiousbeschränkung auch für die läud- lichen Arbeiter in Preußen aufzuheben, weil die bisherige Beschränkung nur der wucherischen Ausbeutung Vorschub leiste. Das Gericht ist vorgelegt worden mit dem Eingänge: Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen u. f. w. Wenn in diesem Jahre die Gedenkfeier und di« Geburt desselben Mannes, der hier genannt ist, festlich begangen wird, dann wird der ländliche Arbeiter sagen können: Ja es ist uns einmal ein Gesetz verheißen worden, das uns Menschenrechte wiedergab, und das Recht. unS vereinigen zu dürfen, um besser« Lohn- und bessere Arbeitsverhältnisse zu erringen. Das ist ge- geben worden kurz vor Ausbruch des Krieges und als der Krieg dann wieder gut zu Ende ging, war davon nichts mehr zu hören. Wir ländliche» Arveiter scheinen also nur die Laste» der Deutschen tragen und kein« Rechte genießen zu sollen. Das Koalitionsrechl ist ein Menschenrecht und seine Verhinderung ein Verbrech«» brutalster Art. Derjenige, der di« Kraft der Arbeiter biS zum äußersten ausbeutet, ist der elendeste und erbärmlichste Wucherer, und wer diese Ausbeutung ermöglicht dadurch, daß er diejenigen unter Strafe stellt, welkste bessere Loh»- und Arbeitsbedingungen haben wollen, ist der Wucherer sch limmster, und wer solchen Gesetze» zustimmt, ist ein Hehler und schlimmer als der Stehler. Es ist nicht zufällig, daß in dem ostelbische» Äkiche derartige brutale Bestimmungen bestehen, und daß der Weggang der Arbeiter von dort von Jahr zu Jahr zunimmt, weil die Aus- beutung der kleinen Bauern und Arbeiter durch den Grc grundbesitz von Tag zu Tag steigt und immer unerträglicher wird. Was nützt die Versicherung, daß man ein warmes Serz für die Arbeiter hat und st« dann mit harten chlägen prügelt und unter Entbehrungen arbeiten läßt. Das ist nur ei» Zeichen, daß man die Brutalität zu verschleiern sucht und daß der Staat nur der Mächtigen und Reichen wegen da ist. Nachdem aber das Zentrum beim Bürgerliche» Gesetzbuch cinen ähnlichen Antrag wie den unsrigen gestellt hat. hoffe ich, daß das Zentrum und auch die Freisinnigen unserer Resolution zustimmen iverden. Der freisinnige Antrag will nicht die Gewerbe- Ordnung auf die ländlichen Arbeiter anwenden. Etwaige Aenderungen des Gewerberechts, welche aus der Natur der ländlichen Arbeit folgen. könne» ja in der zn machenden Vorlage vorgeschlagen werden. Aber mit einer ReichS-Gestude-Ordnung, wie der freisinnige Antrag sie verlangt, ist gar nichts gesagt; denn damit wird der freisinnige Standpunkt von 1893 verleugnet. Ich bitte Sie. uns zu Helsen, daß wir aus diesen Ausnahmeverhältnissen endlich herauskommen. (Beifall bei den Sozialdenwkraten.) Mecklenburgischer Ministerialdirektor Langfeld: Der Vor- redner hat unter den speziellen Fällen auch einen auS Mecklenburg ansgesührt. Das Züchtigungsrecht des Dienstherrn gegenüber dein Gesinde ist in Mecklenburg vollständig ausgeschlossen. Gleichwohl soll daS Oberlandesgericht in Rostock den Grund- satz aufgestellt haben, daß der Gutspächler sei» Gesinde prügeln darf. DaS muß ich in Abrede stellen. Es wird sich die betreffende Entscheidung wohl durch die besondere Lage des betreffenden Falles rechtfertigen lassen. Es handelie sich dabei nur um einen Gänsejnngen/ der im Alter von 12—13 Jahren stand. Das Gericht wird angenommen haben, daß die Eltern dem Dienstherrn das ZüchtigungS- bezw. Erziehungsrecht übertragen hatten. Abg. Lenzmann(frf. Vp.): Der Abg. Stadthagen hat uns zu unrecht bezichtigt, daß wir unseren arbeitersreundlichc» Standpunkt aufgegeben hätten. Wir wollen die Frage durch reichsgesetzliche Spezialgesetzgebnng, die sich eng an die Gewerbe-Orduung anschließt, regeln. Daß besonder« Verhältnisse in beziig anf das ländlich« und häuslich« Gesinde bestehen, hat Herr Sladthagen selbst anerkannt. Wir werden eS nicht dnlden, daß in diese Reichs Gesinde- Ordnung«ine einzige Bestiiumung hineinkommt, welche diese Arbeiter schlechter stell«, als die gewerblichen. Von dem Züchtigungsrecht wird nach dem Erlaß deS Bürgerliche» Gesetzbuches wohl kein Gebranch mehr gemacht werden. Denn da dieses Gesetzbuch das Züchtigungsrecht aushebt. wird jeder ver- nünflige Richter die Berufung auf die Gesinde-Ordnung zurück- weise». Den Antrag der Sozialdemokrat«» können wir nicht an- nehmen, weil wir damit bei der Regierung kein Glück haben wer- den; denn die einfache Anwendung der Gewerbe-Ordnung ist nicht möglich. Trotz allen Respektes vor der Gleichberechtigung aller, vor diesem Grundsatz des ChristenthnmS, welches keinen Unterschied macht zwischen„edel" und„unfrei«, zwischen seelig und hochseelig (Heiterkeit), kann man doch der Mernnng sein, daß ein Unterschied besteht zwischen dem Arbeiter im Gewerbe, der nur dem Erwerb des Arbeitgebers dient, und dem Arbeiter, der in der Haushaltung des Arbeilgebers lebt. Dem Gesinde werden die Kinder an- vertraut und manche Dinge, die man den gewerblichen Arbeitern nicht anvertraut. Der ländliche Arbeiter steht mehr inmitten der Familie des Arbeitgebers alS der gewerbliche. Daher ist eine verschiedenartige Regelung der Rechtsverhältnisse nothwendig. wenn man nicht direkt die sittliche Stellung des Ge- sindes verkennen will. Das weibliche Gesinde wird nach der Gesinde-Ordnung von der Ehefrau gemielhet. Eine solche Be- stimmung kennt die Gewerbe-Ordnung nicht. Was will man mit den Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung über die Sonntagsruhe bezüglich der Dienstboten machen? Daß wir das Koalitionsrecht sür diese Arbeiter nicht antasten wollen, geht aus unserer ganzen Stellung und aus unserem Programm hervor. Ter von uns ein- genommene Standpunkt ist der allein praktische, der zum Ziele snhrt. Ich hoffe, daß wir zu einem Gesetze kommen werden, welches den armen dienende» Leuten mehr Sorgen bringt, als die doktrinäre» Wünsche der Sozialdeinokraten. Abg. Schall(k.): Der Antrag der Sozialdemokraten ist für die Praxis uuaunehmbar. aber auch der Antrag Lenzmann liegt nicht im Interesse der Sache, denn die Gesinde-Ordnung ist den Einzel- Landtagen vorbehalten, und das war sehr vernünftig bei der großen Berschiedenartigkeit der Verhältnisse in den deutschen Einzelstaaten. Es liegt auch gar kein dringendes Bedürfniß vor. eine reichsgesetzliche Regelung zu schaffen. Redner wendet sich dagegen, daß die land- und sorstwirthschastlichen Arbeiter und das Gesinde die geknecdteten Personen sind. Das Gegentheil ist vielfach der Fall. Die land- und sorstwirth- schastlichen Arbeiter und namentlich die Dienstboten knechten die Herrschafte». Man findet kaum noch Dienstboten.(Sehr richtig! rechts.) Die Arbeiterfrage erschwert die Landwirtd- schaft, ja, macht sie fast«»möglich. Diese Frage ist fast noch schlimmer alS die niedrigen Getreidepreise, Gegenüber den Brntalitäten der Züchtigung durch di« Herrschaft steht viel öfter der Fall, daß das Gelinde sich an der Herrschast vergreift.(Lachen bei de» Sozialdemokraten.) Darüber mögen Sie lachen, daß durch Ihre Thäligkeit solche Zustände erzeugt werden(Sehr richtig! rechts.), daß daS alte patriarchalische V-rhältniß immer mehr verschwindet. Suchen Sie doch einmal die Herren, welche gute Dienstboten habe»!(Zuruf links: Wie der Herr, so das Gescherr!) Daß das Gesinde nicht mehr zur Familie gerechnet wird, liegt an der großen Unbotmäßigkeit. Wenn das ZüchtigNNgs- recht mißbraucht wird, so sind wir die letzten, die das verurtheilen(Große Heilerkeit), die daS nicht verurtheilen (Heiterkeit). Der Reform bedürftig ist die Gesinde-Ordnung. aber das ist eine Aufgabe der Einzelstaaten(Widerspruch links), die sich dieses Recht nicht ohne weiteres nehmen lassen werden, weil sie im eigenen Hause Herr sei» wollen. Herr Stadthagen hat auch des verstorbene» Kaisers Wilhelm und der kaiserlichen Botschaft gedacht. Wenn die Worte, wie er sie gebraucht hat. in dem stenographischen Berichte unverändert bleiben, so sind sie ein Schlag ins Gesicht der deutschen Nation.(Zustimmung rechts. Unruhe links.) Abg. Bachem(Z.): Die Sache verdient doch eine nüchterne und ob- jcktive Behandlung. Wenn man aber die Rede des Herrn Stadthagen hörte, da rasselte es ja nur so von Brutalitäten. Ausbeutungen u. s.w.. daß man annehmen mußte, die Hälfte aller Herrschaften müßte morgen ins Zuchthaus kommen.(Heiterkeit.) Welche Erfahrungen hat bei», Herr Sladthagen mit seineu Dienstboten gemacht?(Heiter- keit.) Die Gesinde-Ordnung verdient eine Reform, aber nicht wegen der Ausnahmesälle, die Herr Stadlhagen vorgebrocht hat. Auch was Herr Schall vorgetragen hat über die Haltung des Gesindes sind Ausnahmefälle. Die Hineinziehung des Kaisers Wilhelm in diese Frage hat auch mich empört; damit nützt man der Sache der Dienstboten nichts, es handelt sich schließlich nur darum, ob wir eine reichsgesetzliche Regelung vornehmen oder die Sache den Einzelstaaten überlassen. Im letzteren Falle würden wir statt der 80—90 Gesinde-Ordnungen 22 bekommen. Damit ist nichts erreicht. zumal da die Dienstboten aus allen Theilen des Reiches in alle Theile desselben gehen. was dringend einheitliche Be- stimmungen verlangt. Darüber hat der Reichstag auch schon einen Beschluß bei dem Bürgerlichen Gesetzbuche gefaßt. Daß dieser Beschluß des Reichstages noch nicht ausgeführt ist. ist doch sehr begreiflich. Aber es ist nicht zu bezweifeln, daß das Reichs-Justizamt sich dieser Arbeit nicht entziehen wird. Dre seit- samen Bestimmunge» der Gesinde-Ordnung stehen doch zum größten Theil aus dem Papier und werden nicht mehr angewendet. (Zuruf: Schaffen wir sie doch ab!) Nur derjenige lu-int es gut mit dem ländlichen Gesinde, der sich nicht auf den Standpunkt des Antrages Auer stellt. Deshalb werden wir gegen den Antrag stimmen. Der Antrag Lenzmann unterscheidet stch von dem bereits gefaßten Reichstagsbeschluß nur dadurch, daß statt „baldthunlichst" das Wort„baldigst" gesetzt wird. Aber es wird nichts schade», wenn man den Antrag annimmt, ohne dre Sache ijjj übrigen agitatorisch zu behandeln.„. At-g. v. Marqnardse»(natl.): Sowohl die Rede de? Herrn Stadtdagen wie auch die des Herrn Schall zeigen lieber treib»»' gen. Wir iverden sür den Antrag Lenzmann eintreten. Eine gemeir same Grundlage fssr die Gesinde-Orduung des Deutschen Reiches muß ge- schaffen werden weil die Dienstboten sich ja a»S allen Landescheilen rekrutiren. Von c'inem besonderen Rechte der Einzelstaaten auf ihre besonderen Gesinde-iOrdiiungen kann keine Rede sein. Abg. Rickert(dfr. Vg.): Die bestehende Gesinde-Ordnung ent- hält längst vergessene u»!? veraltete Bestimmungen. Das muß ge- ändert werden. Wir müssen im Reiche vorgehen, weil di« preußische Regierung ein Bedürfniß zuc Aenderung der Gesinde-Ordnung nicht anerkennt.>. �., Abg. Stadthage»(Soz.): Ach bin erstaunt darüber, daß mir mein« Rede zum Vorwurfe gemacht. wird. Das kann nur geschehen, wenn man meine Rede nicht gehört t�at. Meine Dienst ooten können mit mir keine schlechten Erfahrungen gMacht haben, Venn ich habe keine. Ich möchte aber hiinveise» anf die'Ipehr»ls patriarchalischen Beziehungen zu Dienstboten, die stattfanden, Eltens eines Herrn, der auch den Name» Bache», trug.(Große Unruhe. �Vizeppäsident Schmidt bittet de» Redner, solche Zitatione» zu unterlapAN.-(Zilstimniung� Was habe ich denn bezüglich des Kaisers Wichel,' � fi�chüt• o") habe auf die Vorlage von 1866 hingewiesen, die ich durchaus billige, wonach das Koalitionsrecht den laiidwirihschastUchen. HbeiUr» re gebe» werden sollte. Als der Krieg vorbei war, war von dem Gesetze keine Rede inehr, sodaß die ländlichen Arbeiter jetzt bei der Hundertjahrfeier sich sagen können: Wir haben die Lasten deS Reich? zu tragen, aber haben unsere Menschenrechte nicht erhalten. Ich habe damit nur sagen wolle», daß Sie(die Konservativen) das nachholen sollen, was bis- her versäumt worden ist, was der angeblich von Ihnen so geliebte Kaiser de» ländlichen Arbeiter» schon geben wollte.(Große Unruhe. Rufe: angeblich. Vizepräsident Schmidt: Der Redner schiebt den Abgeordneten andere Gesiniiunge» unter, als sie bekunden. Das ist nicht in der Ordnung. Ich rufe ihn deshalb zur Ordnung! Beifall.) Ich habe keine andere Gesinnung unterschoben. wenn ich von„angeblich" sprach(Vizepräsident Schmidt: Wenn Sie die Ausführungen wiederholen, so ist das wieder nicht in der Ordnung. Ich rufe Sie zum zweiten Male zur Ordnung»nd mache Sie aus die Folgen anfmerksam; welche die Geschäftsordnung darauf setzt! Betsall). Es handelt sich bei dem Äinlrage nicht um Agitation, sondern um eine Forderung, die wir seil Jahren verfochten habe», di« auch der Reichstag durch seinen Beschluß als berechtigt anerkannt hat. Die heutige Verhandlung hat gezeigt, daß man aus Mangel an fachlichen Gründen persönliche Vorwände zu Hilfe nimmt. Abg. v. Stumm(Rp.): Daß die Rede deS Herrn Stadthagen das Hans verletzt hat, haben die beiden Ordnungsrufe bewiesen. Der Antrag Lenzmann ist formell richtig, aber ich werde dagegen stimmc», weil eiiie Wiederholung des Beschlusses vom November meinem Gefühle widerspricht. Abg. Spahn(Z): Herr Stadlhagen hat einen Herrn in die Debatte hineingezogeu, der nicht dem Hause angehört. Er hat dabei ans Dinge angespielt, die hierbei garnicht in Frage koinnien. Die ei»- fache Aushebung der Gesinde-Ordnung führt nicht zum richtigen Ziel, sondern es muß eine reichsgesetzliche Neuregelinig erfolge». Wir schwächen di« Wirkung de? Beschl»sses vom November 1896 ab, wenn wir heute de» Beschluß wiederholen, wo zwei große Parteien gegen den Antrag stimme». Herr Lenzmann sollte deshalb seinen Antrag zurückziehen. Abg. Schall führt auS, daß der Abg. Stadthagen gesagt habe. die Nichlgeivährung des Koalitionsrechtes sür die Landarbeiter sei eine wortbrüchige Hinderung des Koalitionsrechtes, ein brutaler Aus- fluß der wucherischen Ausbeutung der Landarbeiter. Dagegeii hat sich mein Patriotismus empört.(Lachen links). Sie werden sich doch nicht darüber wundern, daß ich Patriotismus habe, wenn er auch bei Ihne»(den Sozialdeinokrate») fehlt. Herr Lenz- mann ist ja bibelfest, ich habe ihn ja einmal i» meiner Gemeinde gehabt. Gewiß, die Bibel unterscheidet nicht zwischen frei und un- frei. Aber Herr Lenzmann und Herr Sladthagen sind ja beide nicht verheirathet, sie haben alio keine Erfahrung bezüglich der Dicnstbole».(Große Heiterkeit.) Ob Herr Lenzinann auch i» feinem früheren Verhältnisse seinem Burschen gegenüber gesagt hat, es giebt nicht frei und unfrei? Ob er seinem Burschen auch einmal die Stiefel geputzt hat?(Große Heilerkeit.) Abg. Lenzmann(frf. Vp.): Selbst auf die Gefahr hin, daß nicht das gesammte Zentrum sür meine» Antrag stimmt, werde ich nieinen Aiurag nicht zurückziehe», weil er nicht vollständig über- einstimmt mit den, Beschluß vom November 1896. Daß ich bei Herrn Schall eingepfarrt gewesen b>», weiß ich nicht. Von seiner Seelsorge habe ich wenig gespürt. Von der Bibelfestigkeit bin ich nicht, die den Haß gegen Leute, die zufällig keine Christen sind, ge- stattet. Als Christ in diesem Sinne möchte ich nicht anf- gefaßt werden.(Rufe rechts: Zur Sache!) Wenn Herv Eckall in spöttischer Weise von meinem Christenlhmn spricht (Widerspruch rechts), so muß ich antworten, lieber mein Christen ihnm zu nrtheile», sind Sie(Herr Schall) nicht berufen, ob- wohl Sie einmal Seelsorger meiner Geiiieinde gewesen sei» wollen. (Heiterkeit.) Abg. Stumm: Wenn der Antrag Lenzman» nur eine Ein- schränkling des Beschlusses vom November v. I. ist. dann ist es um so bedenklicher, ihm zuzustimmen. Damit fchliebt die Debatte. Persönlich bemerlt Abg. Stadthagcn, daß die von Herrn Schall angeführten Worte nicht mehr in Verbindung mit der Aeußerung über Kaiser Wilhelm gestanden haben. Abg. Molkcnbuhr(Soz.) erhält als Mitantragsteller das Schluß- mort. Er wendet sich dagegen, daß die Gcsindc-Ordiiimg zur Zu- ständigkeit der Einzelstaateu gehöre. Jedes Neichsgcsctz greife in dieselbe ein. Herr Schall widerspricht sich selbst, indem er ausführt, daß man keine Dienstboten bekommen könne, aber andererseils die Gestnde-Ordnungen aufrecht erhalle» will. Es ist ja kein Wunder. daß niemand mehr unter der Geltung solcher Bestimmungen Dienst- böte werden will. Wenn die Herren in den östlichen Provinzen ihren Arbeitern mehr Lohn zahlen wollten, würden sie schon Gesinde genug bekommen. Welche Bedenken bestehen, daß die Gewerbc-Ordnung auf die ländlichen Arbeiter und das Gesinde angewendet wird, ist nicht zu ersehen. Die Bestimmungen über die Sonntagsruhe ent- halten so viele Ausnahme», daß man auch in der Landwirthschaft damit auskommen kann. Wo ist denn auch die Grenze zu finden da- für, was als Gesinde zu betrachten ist? Man muß mit dem Gesinde- recht einfach breche» und alle ländlichen'Arbeiter ebenfalls als freie Männer betrachten nnd behandeln. Darauf wird der Antrag der Sozialdemokraten gegen die Stimmen der letzteren abgelehnt; der Antrag Lenzmann wird gegen die Stimmen der Konservativen und eines Theils des Zentrums und der denlsch-sozialen Reformpartei angenommen. Den Antrag wegen Aufhebung der Bäckereiverordnung beantragt Abg. P i ch l e r von der Tagesordnung abzusetzen, weil seitens des Bundesrathes Erhebungen angestellt wurden, die noch nicht ab- geschlossen seien, auf grund deren aber der Reichstag erst ei» Urtheil fällen könne. Abg. v. Kardorff(Rp.): Es ist dringend nothwendig. daß eine baldige Entscheidung des Bnndesraths herbeigeführt wird, damit nicht die Bäckereien inzwischen zu gründe gehen. Das ver- langen zahlreiche Bitten der Meister und auch der' Gesellen. Gegen die Stimmen der Konservative» und der Rationalliberalen wird die Absetzung von der Tagesordnung beschlossen. Abg. v. Kardorff: Ich will nicht dre Berathung des Antrages für morgen fordern, aber für den nächsten Schwerinstag haben wir für unseren Antrag das Vorrecht und da wird das Zentrum um die Verhandlung nicht herumkommen. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(RechnungS- fachen, Vorlage wegen der Denkhnlle und Gesetzentwurf wegen der Schuldentilgung und Etat der Zölle und Verbrauchssteuern, Stempel- abgaben u. s. w.)_ I)AvlermenkÄvifrszeS. Der Bnndesrath hat in seiner Heuligen Sitzung den Ausschuß. antragen zu dem Entwurf eines Gesetzes, betrcffend die Abänderung der Gewerbe-Ordnung sowie zu dem Entwurf einfcf Gesetzes über das Auswanderungs wesen die Zustiizvilfung ertheilr. Dem Ausschußberichte über die Vorlage, betreffend�eu Auslieferungs- vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dez, Niederlanden und dem Nusschußbericht über die Berechnung h.« nach dem Reichshanshalts- Etat für 1697/93 aiifzubringeiüde» Matrikularbeiträge wurde gleichfalls die Zustimmung ertheil� Budgetkonimission. In der Sitzung vom Donnerstag verlangt der Abg. v. S t o l b e r g bei dem Kapitel Neichsbank die gleiche Behandlung der Pfandbriese mit d�,, Staatspapieren im Lombard- verkchr. Reichsbank-Präsident D*. Koch entgegnet, daß eine gleich- mäßige Behandlung der Pfandt,riefe vorläufig nicht eintreten könne, da gegenwärtig schon die Pombardanlage von Psandbriefen eine starke sei. Er gedenke abey. j» Zukunst einen gleichmäßigen Lombard- zinsfuß einzuführen. L>eim Kapitel Reichs-Eisenbahn wird vom Kriegsministörium in ausführlicher Begründung der Bau einer Eisen- bahn von Vilsendorf„�ch Dillungen gefordert. Die Bahn erfordert bei einer Länge jao,, ungefähr 3 Meilen einen Kostenaufwand von rund 9000000 Die Verzinsung des Anlagekapitals wird aus 1�/epCt. berechnet untu dürfte sich die dauernde Belastung des Etats bis zu -iner dreiz�eozeutige» Verzinsung auf Il2 009 M. belaufen. Die Forderung wird bewilligt. Bei dem Titel: Vermehrung der Reserven an Verpflegungsmitteln, für de» 3 120 000 M. in Ansatz gebracht sind, nimmt die Kommission einen Abstrich von L Millionen Mark vor. Die Kapitel: Zölle und Verbrauchssteuern werde» nach dem Etatsansatz genehmigt. Nächste Sitzung Freitag: Marine-Etat. Vebev die Unge in Hnnlburg wird uns geschrieben: Die Differenzen zwischen den Kohlen- A k k o r d- A r b e i t e r n(schwarze» Schauerleuten) und dem Verein der Importeure englischer Kohlen, wolle» nicht zu Ende kommen. Wie in der Dienstag-Nummer des„Vor- wärts" mitgetheilt wurde, war von der Senatskommission zu Montag eine gemeinsame Sitzung der Arbeiter und der Importeure anberaumt, an der die Senatoren O' S w a l d und Holthusen theilnahmen. In dieser Sitzung kam es nach über fünfstündiger Debatte infolge entschiedenen Eingreifens des Senators O' S w a I d schließlich dazu, daß die Vertreter der Importeure erklärten, sie nolllen ihren Auftraggebern empfehlen, den Tarif der Kohlen- schauerlente vom Ib. Juli 1696— derselbe wurde damals durch einen zweistündigen Streik erreicht— anzuerkennen, dasür sollten aber die Arbeiter folgenden Revers— der vom Arbeit- geber-Verbande vorgeschrieben ist— unterzeichnen:„Ich Unter- zeichneter verspreche hierdurch auf Ehrenwort, daß ich in Ruhe und Flieden arbeiten will, sowohl mit während des Strerks neu- eingetretenen, wie auch mit de» Leuten, welche sich dem Streik nicht angeschlossen haben. Das gleiche gilt auch in bezug aus sämmtliche Arbeit r in anderen Hafenbetriebe». Ich will alle diese Leute in keiner Weife belästigen und ihnen in keiner Form Vorwürfe machen. daß sie wahrend des Streiks gearbeitet haben. Ter§ 153 der Reichs- Gewerbe- Ordnung ist mir bekannt. Ich verpflichte mich,„ach dem Tarif vom 15. Juli 1896 oder nach einem diesem gleichwerthigen Tarif zu arbeiten. Dieser Tarif soll zunächst bis zum 1. März 1898 in Geltung bleiben und immer auf-in ferneres Jahr als verlängert gelten, wenn nicht bis spätestens zum 30. November Abänderungen von dem einen oder andere» Theile beantragt werden." Ueber diese Vereinbarung be- riethen am Mittwoch Abend dieKohlcnschauerleute in einer sehr stark be- suchten Versammlung. Um nun einen Ausgleich z» schaffen, schlug die Lohnkommission vor, man solle den Importeuren auch einen Revers zur Unterschrift vorlegen, der folgende Fassung hat:„Die Unter- zeichneten erklären hiermit, nichts unternehmen zu wollen, welches die jetzigen Kohleu-Aklord-Schauerleute in irgend einer Weise schädigen könnte, und erklären ferner, de» Tarif der Kohlen-Akkord-Schauer- lcule vom 15. Juli 1696 oder«inen diesem gleichwerthigen Tarif genau innezuhalten, danach ohne irgend welche Ab- züge oder Verkürzungen zu bezahlen und diesen Tarif bis zum 1. Mai 1893 als einen beide Theile bindenden Vertrag anzuerkennen, der immer auf ein ferneres Jahr als verlängert gjft, wenn nicht bis spätestens zum 30. November Abänderungen von der einen oder andere» Seite beantragt werden." Nach langer, sehr lebhafter Debatte wurde dieser Vorschlag der Lohnkommissio» angenommen und befchlossen, den von den Importeuren aufgestellten Revers zu unterschreiben. Am Freitag wird dann wiedernm eine gemeinschaftliche Sitzung der beiden Parteien im Beisein der Senatoren O'Swald und Hollhusen abgehalten. Hoffentlich kommt es dort endlich zu einer Einigung.__ Partei""Mschvichten. Aus Tresdc» wird uns geschrieben: I» einer Parteiversannn- luna i» der Altstadt wurde über den Stand der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" berichtet. Dieselbe hat sich im letzten Gescbältsiahr trotz der hohe» Strafen, die ihre Redakteure erhielten, wieder kehr gut entwickelt, soivohl ideell als auch materiell. Man geht seitens der Dresdener Genossen von der Ansicht aus. daß Ueber- schüffe immer dazu verwendet werde» sollen, das Blatt inhalt- lich z» vervollkommne». Der Abonnentenstano hat sich beträchtlich vermehrt._______ 'iauiuwuuacijer dUirniieiii: Angnst Jarobep in Berlm. Sur den Ins Ueber die Stellung zu den im Herbst vorzunehmenden Landtags wählen refcrirte Dr. Gradnauer. Er vertrat den Standpunkt, daß auch die Dresdener Genossen trotz der Wahl- rechts-Verschlechterung niit aller Energie an die Wahlbetheiligung und Wahlarbcit gehen müssen, welche Ausführungen ungethcilte» Bei- fall fanden. Mit den Vorarbeiten zur Maifeier beauftragte die Versamm- lung eine vierglicdrige Kommission. Aller Voraussicht nach wird dieses Jahr die Maifeier in Dresden und Umgegend ganz besonders imposant ausfallen. Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Das sozialdemokratische Agitationskomitee der b a y e r i s cki e n R h e i n p f a l z, das seit etwa 6 Jahren besieht und der Polizei seine Statute» eingereicht, wie auch den Zeitpunkt seiner regelmäßigen Zusammenkünfte mitgetheilt hat, beschäftigte sich nach der Neuwahl in seiner ersten Sitzung damit, sich zu konstitniren. Von dieser Sitzung �ist die Polizei nicht benachrichtigt worden. Das Komitee wurde deshalb der Veranstaltung einer geheimen politischen Vereins- Versammlung angeklagt. Das Schöffengericht erkannte auf Frei- sprechung, da es sich lediglich um„eine Vorbesprechung zur Gründung eines Vereins, nicht um die Abhaltung einer Vereins- Versammlung handelte". Die Staatsanwallschaft legte gegen dieses Urtheil beim Landgericht in Frankenhansen Berufung ein. I» der Verhandlung vor dieser Instanz führte der Staatsanwalt gegenüber dem Schöffengerichtserkenntniß aus, daß der Verein in den« Augenblick gebildet worden sei, als das Komitee durch die Ortsversammlnng gewählt war; die Vorstandswahl sei nur ein Ausbau der inneren Organisation. Da jedoch zu der Versammlung nicht öffentlich eingeladen, also weitere Kreise zur Theilnahme nicht animirt worden seien, liege ein strafbares Vergehen trotz unter- lassener Anmeldung nicht vor. Der Staatsanwalt heantragte des- halb selber die Freisprechung. Das Urtheil wurde Dienstag dieser Woche gefällt und lautete auf Freisprechung. GewevkMznftlirhes. Der Deutsche Holzarbeiter- Verband(Branche der K a in in in a ch* r und B e r u f s g e n o s f e n) fordert alle in dieser Industrie beschäftigten Kollegen auf, sich dem Verbände an- zuschließe»., damit die Organisation kräftiger die Interesse» der Mitglieder vertreten kann. Die Kommission der Kamm- m a ch e r- B r a n ch e. Für die Schuhmacher steht, soweit sie bei den Ring- s-Tr m e n beschäftigt sind, eine allgemeine Aussperrung bevor. (Siehe auch unfern heutige» Versammlungsbericht.) Die Differenzen zwischen dem Unternehmer- und Arbeiterverband sind durch folgende Vorkommnisse gezeitigt worden: Die illrbeiter der Firma Gebr. K a l l m a» n hatten wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. waren aber bald durch Arbeiterinnen ersetzt worden. Das Anerbieten der Firma, in Verhandlungen einzutreten, lehnten die Streikende» ab, so lange die Arbeiterinnen nicht entlassen seien. Darauf erhielten sie vom Verband der Berliner Schuhfabrikante» am 9. März folgendes Schreiben: „iliachdem Sie trotz unserer Bereitwilligkeit, diefLohnstreitigkeiten bei unserem Mitgliede Gebr. Kallmann gütlich zu schlichten, erklärt haben, in eine solche Verhandlung nicht einzutrete», bevor die bei Kallmann noch arbeitenden Arbeiterinnen entlassen sind, hat der unterzeichnete Verband beschlossen, diese Forderung zurückzuweisen. und falls dieselbe bis Sonnabend nicht zurückgezogen wird, e i n m ü t h i g am 13. März die Arbeit niederlege» zu lassen." Im Austrage des Verbandes der Berliner Schnhsabrikanten zur Wahrung gemeinsamer Interessen: Der Vorstand. Echlizweg. Manff. Fürstenheim. Bei der Firma R o s e n t h a l u. Groß waren die Differenzen entstanden durch das Verlangen der Arbeiter auf Entlassung des Zwickmeisters, dessen ungebührliches Benehmen den Arbeitern Anlaß zu berechtigten Klagen gegeben haben soll. Die Firma verweigerte, dem Verlangen der Arbeiter nachzukommen und diese antworteten mit der Arbeitsniederlegung. Auch in diesem Falle hat der Unternehmer-Verbaud die Sache zu der seinigen gemacht und folgenden Brief an die Arbeiter von Rosenthal u. Groß abgesandt:„Der Ver- band der Berliner Schuhfabrikanlen hält an seinem un- bedingten Anstellungs- und Entlassungsrecht fest und hat in gestriger Sitzung beschlossen: In Erwägung, daß die Arbeiter von Rosenthal n. Groß erklären, die Arbeit nicht wieder anfznnehmen, bevor der Zwickmeister entlassen ist, alle derartigen Maßregelungen von feiten der Arbeiter zurückzuweisen und die Arbeit einmüthig am Sonnabend, den 13. März, niederlegen zu lassen." Der Vorstand: Schlizweg, Manff, Fürst« n hei in. Wir können nicht umhin zu erklären, daß uns das Verhalten der �Arbeiter durchaus inkorrekt erscheint. Wie wir uns stets mißbilligend ausgesprochen haben, wenn die 11 n t e r n e h m e r in protziger Weise das Verhandeln ablehnten, so halten wir auch die Arbeiter für verpflichtet, zunächst alle Mittel zu er- schöpfen, die geeignet sind, o h n e K a m p f zu einer V e r st ä n d i- g n n g zu gelangen. Es ist nicht blos gerecht und billig, dem Gegner zu gewähren, was man von ihm selbst verlangt, sondern auch taklisch klug, zumal dann, wenn man, wie in diesem Falle die Schuhmacher, schon von vornherein auf die Sympathie und das S o l i d a r i t ä t s g e f ü h l der übrigen Arbeiter rechnet. Angesichts der großen Opfer, die jahraus jahrein von den klaffen- bewußte» Arbeitern gebracht werden müssen, hat keine einzelne Berussgruppe das Recht, solche zu beanspruchen, bevor nicht alle gangbaren Wege beschritten sind. Die Seidcuhutmacher Berlins haben jetzt, nachdem die für ganz Teutschland geplante Lohnbewegung zur Zeit als nicht aus« sichtsvoll erschien, im Wege der Vereinbarung mit den Berliner tabrikanten eine wesentliche Erhöhung der Akkordlöhne durchgesetzt. ie Arbeitgeber, welche ausschließlich neue Hüte fabriziren, haben schon vor einigen Wochen die geforderte Lohnaufbesserung anstands- los bewilligt, während sich diejenigen Fabrikanten und Klein- meister, die sich mit dem Aufarbeiten alter Hüte befassen, da- gegen sträubten. Nach mehrfachen Verhandlungen zwischen Ver- lretern der Arbeiter und solchen der letztgenannten Fabrikanten sind nun auch in dieser Branche die Forderungen der Arbeiter anerkannt worden. Die Fabrikanten haben aus diesem Anlaß eine Vereinigung begründet, um die nothwendig gewordene Preiserhöhung den Grossisten gegenüber ausrecht erhalten zu können. Sollt« dies nicht gelingen, dann erscheint es zweifelhaft, ob die den Arbeitern be- willigte Lohnerhöhung, welche 20—40 pCt. beträgt, auf die Dauer innegehalten wird, da hier mit der Ronkurrenz auswärtiger Fabriken zu rechnen ist. Tie Putzer beschloffen gestern.Abend in einer gut besuchten Versammlung, am Montag, den 15. d. Mts., überall da, wo der Tarif, der in der Lohnbewegung im vorigen Jahr« festgesetzt wurde, nicht innegehalten wird, die Arbeit niederzulegen. Tie Kellner wollten in einer öffentlichen Versammlung die Mißstände in dem Hotel„Der K a i s e r h o f" besprechen. Die freisinnigen Herren Zensoren und Pächter der Anschlagsäulen N a u ck n. Hart mann haben das Plakat in diesem Wortlaut zurückgewiesen. Nutzen wird das allerdings wenig; es wird so auch gehen. Tie Tischler in Guben haben den Meistern folgende Forde- rungen zugestellt, die vom 1. April an gelten sollen: 20 pCt. Lohn- ausschlag; 22 Pf. Mindestlohn pro Stunde; Abschaffung von Kost und Logis beim Meister; Abschaffung der Akkordarbeit, wo selbiges nicht möglich, Aushängen eines Tarifs; 25 pCt. Aufschlag für Ueberstunden von 6 bis 9 Uhr, nach 9 Uhr 30 pCt.; wöchentlich volle Lohnzahlung; Sonnabends soll eine halbe Stunde und am Oller-, Pfingst- und Weihnachtshnligabend sowie am Sylvester 2 Stunden früher Feierabend gemacht werden, ohne daß der Lohn verkürzt wird; ferner wird Freigabe eines h albcn Tags am 1. Mai verlaugt. ratentheil veraiuwortlich: Th. Glocke in Berlin. Truil und Vertag von fc Ueber eine AuSweismig berichtet unser Korrespondent au» Dresden: Am Montag früh wurde der in Böhmen gebürtige Sattler F e l i x T r e i t n y a r vor das hiesige Polizeipräsidium ge- laden. Um Ve7 Uhr bekam er die Bestellung, um 9 Uhr sollte er schon da sein. Es wurde ihm verkündet, daß er das herrliche Sachsen binnen 24 Stunden verlassen solle. Und warum? Er war Mitglied des Volks-Bildungsvereins und der Sattlergcwerkschaft und ist von seinen Berufsgenossen als Delegirter zum Erfurter Saltlerkongreß gewählt worden. Deshalb fiel er„politisch lästig". Aus Zürich wurde am Donnerstag telegraphirt: Die Kon- f e r e n z, welche heute zwischen dem Zentralkomitee der Eisen- b a h n- A n g e st e l l t e n und der Lohnkommission der N o r d o st- bahn unter dem Voisitze des Regierungspräsidenten Locher stattfand und die zwei Stunden dauerte, verlief ohne Ergebniß. Der Ausstand in dem ganzen Netze der Nordost- bahn wird wahrscheinlich heute um Mitternacht ausbrechen. Heute Nachmittag sollen Aufrufe an die Bevölke- rung und das Personal verlheilt und in einer heute Abend ab- zuhaltenden Versammlung sollen dem Personal Verhaltungsmaßregeln ertheilt werden._ Die Tvnhlrn in Gefkeeeei�. Tie Stimmenzahlen in den fünf Wiener Wahlkreisen waren: I. Kreis. Abgegebene Stimmen 31 930(76 pCt. der Wahlberechtigten) Absolute Mehrheit IS 96S Stimmen. Es erhielten: Bielohlawek(chrisllich-sozial)... 16 056 Stimmen (siegte also mit blos i>1 Stimmen) Reumnnn(Sozialdemokrat).... 13 610 M andere Kandidaten....... 1 947„ II. Kreis. Abgegebene Stimmen 47 164(76 pCt. der Wahlberechtigten) Absolute Mehrheit 23 582 Stimmen. Es erhielten: I. Prohazka(christlich-sozial)... 25 III Stimmen (siegte mit 1529 Stimmen) Dr. Victor Adler(Sozialdemokrat). 19 lS4„ andere Kandidaten....... 2 463„ III. Kreis. Abgegebene Stimmen 43 351(80 pCt. der Wahlberechtigten) Absolute Mehrheit 21 676 Stimmen. Es erhielten: Dr. Karl Lueger(christlich-sozial). 23 938 Stimmen (siegte mit 2262 Stimmen) Nemec(Sozialdemokrat)...,, 13 076„ andere Kandidaten....... 1 171„ ungiltige Stimmen...... 145„ IV. Kreis. Abgegebene Stinimen 46 530(78 pCt. der Wahlberechtigten) Absolute Mehrheit 23 265 Stimmen. Es erhielten: Axmann(christlich-sozial)..,, 27 177 Stimmen (siegte mit 3912 Stinmien) Skaret(Sozialdemokrat)..... 16390„ andere Kandidaten....... 2 557„ V. KreiS. Abgegebene Stimmen 47 570(77 pCt. der Wahlberechtigten) Absolute Mehrheit 23 785 Stimmen. Es erhielten: Karl Mtltcrmaycr(christlich-sozial). 24 820 Stimmen (siegte mit 1035 Stimmen) Schuhmeier(Sozialdemokral).,. 20 920„ andere Kandidaten......, 1 405„ Die Wahl in Brünn endete, wie wir schon gemeldet hatten, ohne«ndgiltiges Ergebniß. Abgegeben wurden 36 916 Stimmen, die absolute Majorität beträgt 18 454 Stimmen. Es erhielten Hybesch(Sozialdemokrat) 17 454, Müller(Jungczeche) 12 890, Barll(deutsch- liberal) 286S, Rapp(christlich- sozial- czechifch) 3181, Dworak(christlich- sozial- deutsch) 472 Stimmen. Es ist also Stichwahl zwischen Hybesch und Müller. � Der deutsch- fortschrittliche Wahlausschuß beschloß, der Wählerschaft zu empfehlen, bei der Stichwahl der allgemeinen Wählerklaffe Brünns für den sozialdemokratischen Kandidaten gegen den czechisch- klerikalen zu stinimen. Die„Arbeiter-Zeitung" schließt ihre Betrachtungen über di» Wahl in Wien mit folgenden Sätzen: Der Augenblick ist bitter. Aber wir haben keine Zeit zu schmerzlichem Erwägen: Vorwärts müssen wir! Wir sind ge» schlagen, aber nicht besiegt, und nicht einen einzigen Augenblick soll schwachmülhige Verzagtheit unserer tapferen Schaar den Fuß hemmen. Wir werden vorwärts gehen, weil wir vorwärts müssen, Hoch die Herzen, die Fahnen hoch! Dreimal hoch! Es lebe die internationale Sozialdemokratie! Am Donnerstag wählte die allgemeine Kurie in Ober-O st erreich und G a l i z i e n. Hierüber liegen die folgenden Meldungen vor, Wolff's Bureau meldet:~ In Ober-Oesterreich wurden in der allgemeinen Wahlerklaffe drei Anhänger der katholischen Volkspartei gewählt. Lemberg, 11. März. Bei den Reichsraths-Wahlen der allge- meine» Wählerklasse von Galizien sind bisher gewählt: Sechs Kan- didaten des polnischen Zentralkomitees, ein von dem Polenkomitee unterstützter Ruthen« und ein Sozialdemokrat. In vier Fällen kommen Kandidaten des polnischen Zentralkomitees zur Stichwahl. Drei Wahlen sind noch ausständig. Lemberg, 11. März.(Privatdepesche de?„Vorwärts".) Von 14 960 Stimmen in Lemberg Stadl erhielt Kozakiewicz(Soz.) 9455. Mehrere Bezirke stehen noch aus. Krakau» 12. März.(Privattclegramm deS„Uoiw.'O- TaSzynski(Soz.) mit 10 OVO gegen 6000 Siimmeu gewählt. An» Freitag werden die Wahlen in der V, Kurie abgeschlossen sein. A» diesem Tage wird in Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Böhmen und Dalmatien gewählt.— Deprprtzen und letzte Ltachetchlen. Stendal, 12. März.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) 400 Ar- beiter der Znckerrasfinerie Tangcrmünde, größtentheils organisirt. streiken. Rcustrelitz, II. März.(W. T. B.) Professor Daniel Sanders ist heute in Slrelitz gestorben. Frankfurt a. M., 1l. März.(B. H.) Ein Telegramm der „Franks. Ztg." aus Madrid besagt, daß General Polavieja, der krank geworden ist, abberufe» und durch Primode-Rivera ersetzt wurde. Letzterer begiebt sich mit 10 000 Mann Verstärkung nach den Philippinen. Leipzig, II. März.(Privatdepesche deS„Vorwärts") Bei den heutigen Gewerbegerichlswahlen erhielt die Liste der vom Gewerk- sckiafts-Kartell anfgestellten Kandidaten der Arbeitnehmer 4061 Stimmen. Gegenliste war nicht aufgestellt. Paris, II. März.(B. H). Der„Temps" meldet a»S Kon. stautinopel; Die diplomatischen Agenten Griechenlands im Ans, lande haben Weisungen erhalte», den europäischen Regiernngcn milzuthcilen, daß die griechische Regierung sich im Prinzip dem Vorschlag nicht widersetzen werde, Kreta unter der Oberherrschaft des Sultans zu lassen, wenn griechische Truppen zur Herstellung der Ordnung auf Kreta zugelassen würden. Brüssel, II. März.(B. H.) 29 Abgeordnete, meistens Sozial. demokraten und Radikale, habe»«in Sympathie-Telegramm nach Griechenland gesandt. Madrid. 11. März.(W. T. B.) R»S Manila wird genicldet. daß Oberst Salcedo die Aufständischen in ihrer befestigten Slellnng in San Nicolas angriff und sie aus derselben nach erbittertem Kampfe veririeb. bei dem hundert Ansständische und acht Spanier fielen, sowie dreißig spanische Soldaten verwundet wurden. ■ ax Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Ilnterhaltilneetlait � «>«»■" wmi. KW Ks Jonirls" KM» DcksdlM.»»>,>« Vommunales. Stadtverordneten Bersammlung. Oefs entliche Sitzung vom Donnerstag, 11. März, nachmittags 5 Uhr. Der EtatSausschuß hat bereits über eine Anzahl von Spezial- etats berathen. Beim Etat der B a d e- A n st a l t e n ist im Ausschuß die Er- höhung der Besoldung der Bademeister und Bademeisterinnen an- geregt worden, ein besonderer Antrag war aber nicht gestellt. Ei» Antrag, die Wannenbäder 1. Klasse in den Volks-Badeanstalten auszuheben, ist mit 9 gegen 6 Stimmen abgelehnt worden. Nachdem Stadtv. Schwalbe sich ausdrücklich gegen die Ein- richlung von Bädern I. Klasse in den städtischen Volks bade- Anstalten ausgesprochen und die Zustimmung des Stadtv. Wallach erhalten hat, der den Antrag aus Beseitigung ausdrücklich wieder aufnimmt, schließt sich auch Stadtv. Singer diesem Antrage an. In den Bolksbade-Anstallen sollten keine Klassenunterschiede gemacht werden. Der Antrag wird mit geringer Mehrheit abgelehnt, der Etat »»verändert genehmigt. In den neu zu errichtenden Volksbade- Anstalten sollen Wannenbäder I. Klasse nicht eingerichtel werden. Ohne Debatte passiren die Spezial-Etats„Grundstücke in der Stadl, ländliche Grundstücke inner- und außerhalb, sowie Mielhs- grundstücke außerhalb der Stadt und Kalksteinbruch in Rüdersdorf, Berechtigungen". Am Etat der K r a n k e n h ä u s e r hat der Ausschuß nur beim Krankenhans am Urban zwei Aendernngen vorgenommen, nämlich die Einnahme an Kur- und Verpflcgungskosten um 10 000 M. aus 215 000 M. erhöht und an den Ausgaben für Beköstigung - 253 000 M.— 3000 M. abgestrichen. Zum Etat für das Krankenhaus Friedrichshain bemerkt Stadtv. Singer: In jüngster Zeit sind wiederholte Ab- Weisungen von Kranken in unfern Krankenhäusern erfolgt. Eine Reihe solcher Fälle hat die Presse namhaft gemacht. Auch theill mir ein befreundeter Kollege mit, daß ein Kranker im Krankenhaus Friedrichshain abgewiesen worden ist. obwohl ein Bett vorhanden war, dieses habe eventuell für einen noch schwerer Kranken reservirt werden müssen. Ich wünsche zu wissen, ob die Zurückweisungen aus Mangel an Raum stattgefunden habe», oder ob die Zeitungs- Nachrichten unrichtig sind. Trifft das erster« zu, so muß die Hilfskrankeuftation in der Gitschinerstraße endlich belegt iverden. Für die Bürgerschaft bedeutet diese Abweisung ein« große Un- nnnehmlichkeit. In erster Reihe muß dafür gesorgt sein, daß die Erkrankungsfälle, die in normalen Zeiten vorkomme», auch Unterkunft in den städtischen Anstalten finden können. Die Beunruhigung hierüber muß beseitigt werden. Etadtrath B a i l: Im Februar waren die Krankenhäuser sehr überfüllt und es sind Leichtkranke und Auswärtige, welche hierher kamen, deshalb abgewiesen worden und zwar mit recht. Schon bei Beginn des Winters ist den Ortsvorständen der ganzen Umgegend von Berlin mitgelheilt worden, daß in den Wintermonaten keineKrankeu von dort aufgenommen werden könnten. Es wird nämlich von dort aus geradezu ein Mißbrauch mit unseren Krankenhäusern getrieben, dem wir umsomehr steuern müffen, als wir nachher gewöhnlich nur «ine Mark pro Tag für jeden Kranken von den Gemeinden er- langen können, weil es sich meistens um Arme handelt. Der svall aus dem Krankenhaufe Friedrichshain ist mir nicht bekannt. Die HilfS-Krankenstation ist von uns eingerichtet worden, weil das Charitee-Kran kenhaus seine Bettenzahl wegen des Umbaues erbeblich reduziren wollte. BiS jetzt ist daS aber nicht eingetrelen. Hätten wir die Station frühzeitig geöffnet, so würde sie sehr bald belegt worden sein und wir hätten wiederum keine Reserve. Für die ge- wöhnliche Zunahme der kranken ist in Moabit ausreichend Für. sorge getroffen durch Erbauung von fünf neuen Baracken zu 150 Betten. Richtig ist, daß in Moabit zwei Kranke abgewiesen worden sind. Der eine Fall beruht auf einem Versehen des auf- nehmenden Arztes, der dafür rektisizirt worden ist. Der zweite in den Zeitungen sehr aufgebauschte Fall betraf«ine Frau aus Nauen, welch» mit Rheumatismus behaftet war und von unseren Krankenhäusern mit recht abgewiesen worden ist. Andere Fälle sind nickt zu unserer Kenntniß gekommen. Die Nothwendigkeit, die Filiale in der Gitschinerstraße zu eröffnen, liegt zur Zeil nicht vor. Die- jenigen, welche in Bororten wohnen und welche in Berlin im Arbeitsverhältniß stehen, werden natürlich nach wie vor in die Krankenhäuser aufgenommen. Stadtv. Singer: Ich bin am meisten über den Schluß dieser Mitlheilung erfreut; auf die Konstatirung, daß die in den Vororten wohnenden Berliner Arbeiter nicht jf den Auswärtigen gerechnet werden, kam es mir wesentlich an. Leider sind die Zahlen der Ab- gewiesenen nicht mitgelheilt worden; sollten darüber keine Auf- zeichnungen gemacht worden sein, so hätte das in Zukunft zu ge- schehen. Stadtv. Birchow: Bis jetzt ist die Klage allgemein, daß für die Unterbringung der Säuglinge, sür die Beschaffung einer menschen- würdigen Existenz für diese jungen Weltbürger in Berlin nur sehr mangelhaft gesorgt sei. Dem Kinderkrankeuhause werden von allen Seiten Säuglinge zugeführt, die eS bei», besten Willen nicht aus» nehmen kann, da es sich doch bei diesem Krankenhanse hauptsächlich um die Heilung von ansteckenden Kinderkrankheiten handelt und die uns zugeführten Säugling« doch nicht dazu destimmt sind, an- gesteckt zu werden. Wir haben schließlich eine«igen« Abtheilung sür Säuglinge eingerichtet, aber mehr als 25 Betten können wir nicht hergeben. Es ist leider vorgekommen, daß Säugling« haben ans die Straße gesetzt werden müffen. Hier existirt also noch ein wunder Fleck, der die Aufmerksamkeit der Sladtbehörden inter- «ssiren sollte. Die Etats für die Krankenhäuser Am FriedrickShain, Moabit und Am Urban sowie für die Hilkskrankenstalion Gilschinerstr. 101-105 werden nach den AnSschußvorschlägen fest» gesetzt,«benso diejenigen für die I r r« n» und Jdioten-Anftalt in Dalldorf, für die Irrenanstalt Herzberg« bei Lichtenberg, für die Anstalt für E p i l e p t i s ch e. W u h l g a r t e n bei Biesdors, für die öffentliche Desinfektionsanstalt in der Reichen- bergerstraße, für die Heimstätten für Genesende und sür verschiedene Einrichtungen für die öffentliche Gesundheitspflege. Am Etat der P a r k- u n d G a r t e n v e r w a l t u n g hat der Ausschuß die 7000 M. abgesetzt, welche der Magistrat zur Be- leuchlung des WnfferstnrzeS im Viktoriapark verlangt hatte. Diese Beleuchtung sollte an einem noch zu bezeichnenden Wochentage während der Belriebszeit erfolgen. Stadtv. P r e tz e l regt die Aufstellung neuer resp. die Aus- besserung der vorhandenen Bänke Unter de» Linden an. Die Versammlung beschließt nach dem Ansschußaulrage. Mit der Vermielhung der Vieh- und Schlachthof. Restauration vom I. April des Jahres auf 5 Jahre zum Preise von 52 000 M. jährlich an den gelernten Koch Hans F l e ch s hat sich der niedergesetzte Ausschuß nach drei Sitzungen mit 6 gegen 3 Stimmen einverstanden erklärt. Aus Antrag des Stadtv. Kreitling soll die Sache in geheimer Sitzung verhandelt werden. An die Stelle des bestehenden BekleidungS-RegulativS von 1372/73 für die Berliner W a i f e n v e r w a l t u n g soll eine neue Bekleidungsordnung treten, weil die Waisenpflege der Stadt Berlin nachdem das Regulativ 25 Jahre lang unverändert beobachtet worden ist in der Ausstattung der Kinder nicht hinter den nothwendigen Lebensbedürfnissen zurückbleiben will. Die hauptsächlichsten Aenderungen sind wie schon mitgelheilt, die folgenden: l. Statt lediglich baumwollener Strümpfe werden bäum- wollene und wollene eingesnhrt. 2. Die Knaben in Rummelsburg sollen a) statt alle 3 Jahre, alle 2 Jahre eine Mütze. d) statt jährlich l Taschentuch. 3 Taschentücher, c) statt jährlich 2 Hemden. 3 Hemden erhalten; 3. in der ganzen Waisenpflege wird der Gebrauch von Zahn- bürsten eingeführt. 4. bei der Konfirmation erhalten die Knaben Stiefel und Hüte statt Schuhe und Mützen, außerdem Handschuhe, Hals- tücher und Kleiderbürsten; 5. sür die Mädchen wird der Gebrauch von Bein Neidern eingeführt. Die jährlichen Gesammt-Mehrausgaben werden überschläglich 14 532,35 M. betrage». Uebrigens stellt diese Bekleidungsordnung lediglich eine Voll- macht sür die Verwaltungsbeamten dar; die Zöglinge oder An- gehörigen derselben erlangen durch dieselbe keine Rechte. Die Vorlage wird ohne Debatte genehmigt. In der Markthalle XII(Gesundbrunnen) wird der Verkehr durch in der Nähe befindliche Winkelmärkte so erheblich beeinträchtigt, daß bereits die Schließung dieser Markthalle in Antrag gebracht war. Der Magistrat beschloß jedoch, noch den Versuch zu machen, durch Herabsetzung der Standgelder de» Verkehr zu heben. Der Erfolg war ein außerordentlicher. Im Oktober 1393 waren nur 271li Quadratmeter von Verkäufern besetzt, dagegen im November nach Herabsetzung der Tarife 1209 Quadratmeter. Wenn auch diese Zahl sich seitdem wieder etwas vermindert hat, so sollen doch die herabgesetzten Standgelder noch ei» Jahr in Geltung bleiben. Die Versammlung stimmt ohne Debatte zu. Der Festsaal des Rathhanses soll kostenlos am Sonntag, den 4. April d. I., mittags 12 Udr an die C o m e n i u s- G e f e l l- s ch a f t zu einer Gedenkfeier fijr den„deutschen Philosophen" Schuh- macher Jakob Böhme(zur Förderung der Errichtung eines Denkmals für denselben in Görlitz) überlassen werden. Das Opern haus soll„zur Erhöhung der Feuersicherheit" umgebaut iverden, wozu 330 Quadratmeter Straßenterrain gebraucht werden, dessen kostenfreie Abtretung die königliche Intendantur der Schauspiele verlangt; der Kaiser hat die Absicht, dem Kaiser Friedrich III. auf der nördlichen Spitze der Museumsnisel ein Denkmal zu errichten, wozu eine Veränderung der Uferlinie zwischen Kupfergraben und Ebertsbrücke und eine Veränderung der Baufluchtlinien an dem gegenüberliegenden Militärgrundstück er- forderlich wird; die Intendantur des Gardekorps will das Kasernengrnndstück amKnpfergraben neu bebauen. Nach der Ansicht des Kultus- und des Bantenministers kann die Stadt ihre voransgesetzte srendige Geneigtheit, sich an dem dem Andenken des Kaisers Friedrich gewidmete» Werke zu betheilige», am besten dadurch beweisen, daß sie die beiden Brücken baut, welche von der Spree und vom Kupfergraben aus zur Jnselspitze, zum Denkmal und zum daneben aufzustellenden Kaifer Friedrichs-Mnsenm führe» solle». Der Magistrat ist bereitwillig aus dieses stattliche Bouqnet staatlicher Wünsche eingegangen und hat nur die Bedingung gestellt daß die Stallstraße zwischen Ebertsbrücke und Nniversitäls- straße gerade dnrchgelegt und das Terrain der Büchsen- macherei freigelegt wird. Die beiden Brücken sollen gebaut werden und zwar vom Fiskus, dem dafür 200 000 resp. 300 000 M. von der Stadt zu zahle» sind. Letztere erhält 41 13 am, tritt aber über 2000 gm mehr an den Fiskus ab! Der Magistrat tröstet sich darüber mit der zu erwartenden Förderung des Verkehrs durch die gerade Durchführung der Stallstrabe; dem Spreebrücken- bau will er nur zustimmen, wenn gleichzeitig eine Fahrstraßen- Verbindung mit der Oranienbnrgerstraße hergestellt wird. Die Straßen „Weidendamm" und„Knpfergraben" sollen je 19 Meter an Breite erhalten. Bon verschiedenen Seiten ist AuSschnßberathung beantragt. Stadtv. Lüben hält die Frage, ob das Denkmal für den Kaifer Friedrich aus der Spitze der Mnfeuinsiusel den passendsten Platz finde, noch sür offen; jedenfalls werde diese Frage auch noch Ve Stadtbehörden beschäftigen. Ausschußberathung fei unvermeidlich. Stadtv. Rast ist derselben Meinung, da die Sache der Stadt jedenfalls viel Geld kosten werde, auch die Stadt, was den Terrain- austansch betreffe, anscheinend ein sehr unvortheilhasteS Geschäft mache. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 12 Mitgliedern. Schluß 7-/« Uhr. »» » In der am Mittwoch abgehaltenen zweiten Sitzung des Etatsausschnsses der Stadlverordneten-Versammlung gelangte» die Etats des Höheren Schulwesens, der Gemeindeschulen, der Taub- stummen-Sckule, der Blindenanstalt, des Fortbildungs- und des ge- werblichen Unterrichtswesens, sowie der Armenverwaltung unver- ändert zur Annahme. Die bei der Louisenstädtischen und Friedrich- Werderschen Ober-Realschule vorgesehenen drei neuen Oberlehrerftellen wurden genehmigt, ebenso die hei den Realschulen(höheren Bürger- schule») beantragten fünf neuen Stellen. Bezüglich der Lehrer- bibliotheken der städtischen Höheren Lehranstalten wurde eine Re- folution beschloffen, wonach der Magistrat ersuch« werden soll, bei Verwaltung der Bibliotheken dafür Sorge zu tragen, daß nur solche Zeitschriften und Druckwerke angeschafft werden, welche einem dauernden Bedürfniß dienen, nicht aber Werke, die besser aus anderen öffentlichen Bibliotheken entliehen werden. Ferner soll der Magistrat ersucht werden, in Erwägung zu ziehen, ob künftig nicht eine höhere Summe zu Stipendien für Studirende an der hiesigen Universität im Etat flüssig gemacht werden soll. Die im verfloffenen Jahre bereits beschlossene Resolution, nach welcher zur Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts 4000 M. in den Etat eingefetzt werden sollen, ist vom Ausschuß iviederholt worden. Mit der vom Magistrat vorgeschlagenen Herab- fetzung der Normalzahl für die dritte» Klassen der Gemeindeschulen auf 50 Schüler hat sich der Ausschuß einverstanden erklärt. Im Etat sür das Armenwese» sind an Kosten für den Kartoffelbau durch Arme auch diesmal 20000 M. flüssig gemacht. Wie im Ausschuß mit- gelheilt worden, wird die Position künftig fortfallen, da die Ariilendirektion beschlossen hat. de» Kartosfelbau durch Arme mit Schluß des laufenden Jahres eingehen zu lassen, lieber die Petition des Ortsverbandes der Maschinen- n»d Metallarbeiter Berlins und Umgegend wegen leibweiser Hergabe sämmtlicher Lehrmittel sür den Schulbedarf in de» Geiueindeschulen seitens der Stadt ist der Etatsausfchuß zur Tagesordnung über- gegangen. In der ziveiten Lesung des Gemeindeschul-Elats. welche an, Freitag stattfindet, wird über den Antrag wegen Umwandlung der bestehenden sechsklassigen Vorfchule in eine achtklassige Beschluß gefaßt werden. Ter PferdebahnauSschusi der Stadtverordnetenversammlung hielt am Mittwoch Abend die zweite Sitzung. Ohne wesentliche Disknssion wurden§ 7(Entnahme der Betriebskraft ans den städtischen Elektrizitätswerken),§ 3(Schutz- und Sicherheits- maßregeln) angenommen. Bei§ 9(Fristen sür die Umwandlung) wurde aus Autrag S i n g e r's beschlvssen. in der zweiten Lesung eine Bestimmung zu treffen, wodurch die Gesellschaften zur Zahlung einer Vertragsstrafe verpflichtet werden, wenn sie die rechtzeitige Nachsuchung der staatsbchördlichen Genehmigung zur Umwandlung nachzusuchen unterlasse». Zu§ 10 beantragt Singer, daß auch der Tarif für Güterbeförderung der Genehmigung des Magistrats unterliegt. Es wird demgemäß beschlossen, tz 11(Gegenleistung der Gesellschaft, Abgabe und Geiviilnbetheilnug) wird nach der Vorlage genehmigt. Die tztz 12-21(Bau- und Betriebsbedingunge» »och nicht ausgeführter Linien. Schutz der städtischen und privaten Anlagen. Ausschuß der Behinderung sonstigen Wagenverkehrs. Vergütung für Pflasterungskosten an die Stadt) werden ohne Aenderung nach der Vorlage angenommen. Zu tz 22 wird bestimmt, daß die von den Gesellschaften zu errichtenden Wartehallen im Winter erwärmt werden müssen. Singer beantragt einen neuen Paragraphen, wonach die Wagen im Winter zu heizen sind. Der Antrag wird angenomme». tz 23(Abschaffung des Verkehrs auf den äußere» Trittbrettern bei den Sommerwagen) wird nach der Vorlage angenommen. 824(Pflasterunterhallung seitens der Gesell- schafte») ohne Aenderung angenommen. Wegen vorgerückter Zeit wird die weitere Berathung vertagt, Nächste Sitzung heut Abend 3 Uhr.— UoKsles«. Achtung, Parteigenofse» nnd Genossinnen. In der Ver« sanimlung. welche am Sonnlag. den 14. März, abends 3>/s Uhr, beini Genossen Zubeil, Lindeustr. 103, stallfindet, wird Genosse Dr. Lütge»»» über„Die Volksschule, wie sie ist und wie fie sein soll" referiren. Um rege Betheiligung wird ersucht. Marx- Gcdächtnißfeier! Wie den Parteigenoffen schon be- kannt ist, wird auch in diesem Jahre zur Erinnerung an de» Sterbetag unseres Vorkämpfers Karl Marx eine Gedächtnißfeier für die Berliner Parteigenoffen veranstaltet werden. Dieselbe wird, arrangirt vom Leseklub„Karl Marx", am Sonnabend, den 13. März. begangen. Wir machen die Genossen auf das reichhaltige Programm ansmerksam und empfehlen einen zahlreichen Besuch des Fest-s. (Siehe auch Inserat.) Auf das Winterfest, welches die Parteigenoffen des vierten Berliner Wahlkreises(Südost) morgen, Sonnabend, im Konzerthaus Sanssouci veranstalten, machen wir unsere Leser aufmerksam. DaZ Programm, sowie die vortragenden Gesangskräfte bürgen für eine im parteigenössischen Sinne gnte und werthvolle Unterhaltung. Mit der Gründung eines Vereins„Freie Volksbühne" wird sich heule Abend eine öffentliche Versammlung beschästigen, die in Keller's Fesisälen, Koppeuslr. 29. einberufe» ist. Wir machen die Freunde dieser Bestrebungen hiermit ganz besonders auf diese Ver- sammluug aufmerlsam._ Eine neue Auflage der deutschen Verlustliste anS dem gräßlichen Bruderkriege von 1370/71 toll bekanntlich in Erz gegossen aus Koste» der deutschen Steuerzahler in Berlin hergestellt werden. Ueber die Platzfrage iveiß jetzt der„Bärsen-Courier" zu melden. daß die Gegend zwischen dem Brandenburger Thor und dem Thier- garte» in Aussicht genommen sei. Ist dem so, so liegt es ja am Reichslage, entweder den landschaftlichen Reiz, den heute die Gegend vor dem Thiergarten bietet, gründlich„verrüngenireu" zu helfen oder auch über das geniale Projekt in aller Seelenruhe zur Tagesordn»-g überzugehen. Verbote» wurde soeben, wie der„Berliner wissenschaft'ichen Korrespondenz" mitgelheilt wird. Heinrich Lee's Lustspiel„LcndV- berger, der Hanswurst", welches zur Aufführung am Berliner Theater bereits angenomme» ivar. Trotzdem das Polizeipräsidium, als crste Instanz, dem Stücke eine durchaus harmlose Tendenz bescheinigte auch im Kultusministerium soll es vorgelegen und Billigung gesunden haben, ist nun doch i» letzter Stunde vor der geplanten Ausführung der abschlägige Bescheid ans dem Zivilkabinet des Kaiser? ein- getroffen. Im Schiller-Theater wird morgen zum«steil Male das Reuling'sch« vieraltige Schauspiel„Die gerechte Welt" in folgender Besetzimg der Hauptrollen gegeben: Baron von Weitershausen: Julii's E y b e n, Ella. seine Tochter: Greihe Meyer; Bankier Hugo Großmann: A." r P a t r y; Banlier Gerhari Grohmann: Paul P a u l y; Baron v. Thoussam v Max Laurence; Karl Hügel, Mechaniker: Willy Kraböse; Anna, seine Schwester: Paula Levermann; Frau Sturin, ihre Tante: Agnes Werner; Baumaiin, Tischlermeister: Eduard v. Winter st ein. Tie Befürchtung vieler Lokal- nnd Gartenbesther» daß Früdkonzerie an Sonn- nnd Feiertagen in diesem Frühjahr und Sommer wegen des neuen Gesetzes über die Sonntagsruhe polizei- lich verbalen werden könnte», wird sich nicht bestätigen. Aus eine Anfrage, die verschiedene Lokalbefitzer in der Hasenhaide an die sür diese Angelegenheii maßgebende Stelle haben richten lassen, ist ihnen der Bescheid erlheill worden, daß im allgemeinen gegen die Ab- hallung von Friihkonzerten an Sonn- und Feiertagen nichts einzu- wenden fei. Die Wirthe sollten nur ihre darauf bezüglichen Anträge bei den Polizeihauplinaniischasten ihres Bezirks einbringen, da diese in den nächsten Tagen mit den entsprechenden Weisungen versehe» werden würden. I» einer Besprechung deS„Falles Liebking" erinnert ein Mitardeiier der„Franks. Zig." an einen Ausspruch, den Bülow ge- than haben soll:„Der X. ist mir der liebste Berliner Musikkritiker; er nimmt ja auch, aber nachher schimpft er doch." Ferner heißt eS darin: Der Schreiber dieser Zeilen sprach neulich mit einem Künstler über einen dieser zweifelhaften Rezensenten. Der Künstler schwor Slein und Bein, daß der„Kerl Geld nehme".„MS ich mein letztes Konzert gab." fuhr er fort,„war ich schon hart daran, ihn aus die Probe zu stellen."„Warum haben Sie es nicht gelhan, Sie scheuten sich wohl doch?"„Nein", sagte er, und ich bemerkte, daß er rolh wurde,„mir fehlt« blos zufällig die Bestechungssummc." Schade, daß Herr Liebling sich nicht weiter über die Empfänglichkeil von Berliner Rezensenten ausläßt. Ter Thätcr des Diebstahls im Hohenzollern-Musenm ist entdeckt und dingfest gemacht worden. Dem Kriminalkommiffarin,. v. Bnckman» war die Festnahme eines Mannes gelungen, der sich hier unter dem falschen Namen„Adolph d'Homel" aufhielt und mehrerer Diebstahlsverfuche verdächtig war. Die Beschreibung de' Verdächtigten stimmte genau mit derjenigen des Mannes überein. der einen im Hohenzollern-Museum gestohlenen Ring einer Kellnerin geschenkt hat. Der Verhaftete, der richtig Adolf Katz heißt und an» Pforzheim stammt, ist geständig, am 19. Februar den Diebstahl im Hohenzollern-Museum verübt zu haben. EI» herrenloser Hundertmarkschein. Am 22. Februar, nach« mittags gegen 5>/s Uhr haben zwei Knaben im Alter von etwa 7 bis 10 Jahren aus einem hiesigen Postamt einen Einhundert- markschein wechseln wollen, sich indeß unter Zurücklassung des Scheines entfernt, als der Schallerbeamte, dem das Benehmen der Knaben auffiel, sie nach dem Eigenthümer deS Geldes fragte. Di« Knaben gaben an, den Schein von einem aus der Straße wartenden Herrn zum Umwechseln erhalte» zu habe». Angaben, die zur Auf- kiärung des Sachverhaltes dienen könne», werden im Polizeipräsidium, Alexanderplatz, 2Tr., Zimmer 244, a» den Wochentagen vormittags von 9—1 Uhr entgegengenommen. An Maurer richtet sich der folgende Aufruf, der uns mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zugesandt wird:„Alle Maurer, welche in der Zeit vom 1. Oktober bis Dezember 1393 an dem Bau Rostockersir. 9 gearbeitet und«inen Stundenlohn von 37 res». 55 Pf. nicht erhalten habe», werden ersucht, ihre Adresse an Maurermeister Franz Mietz. Alexandrinenstr. 103. 2. Etage, zu senden, da Unregelmäßigkeilen betreffs Lohnzahlung häufig vorgekommen sind und ich beim Revidireu der Wochenzettel die Unregelmäßigkeiten nachträglich(nach meiner Krankheil) gefunden habe und auch von andern mir obiges bestätigt worden ist. Franz Mietz, Maurermeister." Aus dem Fenster gestürzt hat sich gestern Morgen gegen 7 Uhr in dem Haus« Landwehistr. 14 der dortselbst wohnende Schuhmachermeister Strelow. S., der die Thal vermuthlich in einem Anfall von Irrsinn begangen, erlitt schwere innere Ver- letzungen und wurde in hoffniingslosem Zustande nach dem Kranken- Hause Friedrichshai gebracht. Einer großen Gefahr entgange« sind durch das entschlossen» Einschreiten eines Arbeiters die Passagiere eines PferdebahnwagenS «r Linie Weddingplatz— Kotlbuser Thor. Als sich gestern Noch. inittag ein vollbesetzter Wagen dieser Linie vor bei» Hause Chaussee- straße 29 befand, jayte durch die Einfahrt des Gebäudes das scheu- gewordene Pferde eines Köpenicker Kaufmannes, den Wagen hinter sich her schleifend. Ein Arbeiter, welcher das drohende Unheil noch rechtjeilig sah. schloß schnell die eisengitterne Hausthür. um das Hinausdringen des Pferdes auf die Straße zu verhindern. Das wüthende Thier rannte jedoch mit solcher Gewalt gegen das Gitter, daß dieses zertrümmerte, während das Pferd über den Bürgersteig ans den Pserdebahnwagen zu jagte. Bei dem Anprall gegen das Eisengitter hatte das Pferd jedoch so schwere Verletzungen erlitte». daß es, ehe es die Tramway erreichte, kurz vor derselben zusanime»- brach. Das werthvolle Thier mußte der Abdeckerei überwiese» »verde». Einen schauerlichen Selbstmord hat gestern früh der 37jährige Sohn Otto des Privatiers Strehlow ans der Landwehrstraße ver- übt. Otto Strehlow lag seit zwei Wochen krank an der Influenza. Des Nachts schlief er mit seinen hochbetagten Eltern— der Vater »st 84 Jahre alt und fast erblindet— in demselben Zimmer im Vorderhause. Die letzte Nacht konnte er garnicht schlafen und weckte durch seine Unruhe wiederholt auch den Vater. tcute Morgen»veckte den Vater ein heftiges Klingeln an der orridorthür. Der Schuhmacher Seele, der ans dem Hofe im linken Seitenflügel»vohnt, brachte den alten Leuten ein« schreck- liche Botschaft. Seele hörte, während er noch im Bett lag, einen dumpfen Fall und glaubte, daß in der Wohnung unter ihm etwas geschehen sei. Als er hinunterging, fand er den jungen Strehlow, einen großen starken Mann, blutüberströmt auf dem Hofe liege». Man holte sofort einen Arzt und stellte fest, daß der Man» mit dem Rasirmesser seines Vaters sich die linke Schlagader am Halse durchgeschnitten und dann aus dem Fenster hinabgestürzt halte. Der Schwerverletzte starb bald darauf. Man nimmt an, daß die In- fluenza plötzlich zu einer Geistesstörung geführt hat. Aus den Nachbarorte». Schöneberg. Das erfreulicherweise immer mehr zunehmende Bestreben der Arbeiter, sich an den Werken unserer Freiheitsdichter zu erbauen, hat wiederum einen Fortschritt zu verzeichnen. In S ch ö n e b e r g hat ei» großer Theil von Parteigenossen eine» „Verein der Kunstfreunde" gegründet, ivelcher, trotz seines ganz kurzen Bestehens, am kommenden Sonnabend, abends 8'/» Uhr, in der Schloßbrauerei, seinen dritten Dichter- Abend (Märzdichter) veranstaltet. Werke von Henvegh, Freiligrath, Heine:c. jc. kommen zur Aufführung. Aufnahme von Mitglieder» durch den Vorsitzenden Kleinerl, Gleduschstr. 6, In Schöneberg ertheilt der Parteigenofle Karl SSume, Coburgstraße 5, vorn 4 Tr., uneulgeltliche Auskunft in Geiverbegerichts- Angelegenheiten. Die VereiuSfestlichkeit des sozialdemokratischen Arbeiter Vereins zu Köpenick findet eingetretener Hindernisse halber nicht am Sonntag, den 14. d. M., sondern bereits am Sonnabend, den 13. März, abends 7 Uhr statt.(Siehe auch Inserat.) Der Torstand. Ueber den Unglücksfall in der Spandauer Artillerie Werkstatt rvird uns von der Firma Siemens». Halske»och be- richtet: Seit Anfang voriger Woche werden in der königl. Artillerie Werkstatt in Spandau Messungen des Kraftverbrauchs der ver- fchiedenen Arbeitsmaschinen aus elektrischem Wege unter Mitwirkung der Firma Siemens u. Halske vorgenommen. Gestern früh ivurde» derartige Versuche an einem großen Schleifstein von 1900 Millimetee Durchmesser und 300 Millimeter Breite in Angriff genommen. Nach den Aulassen des antreihenden Elektro- motors las der Monteur Hongerer der Firma Siemens u. Halske an einem Buß-Sombart'schen Tachometer eine Tourenzahl des Schleif- steins von 9b Umdrehungen in der Minute ab. Um diese Touren- zahl auf den normalen Betrag von 90 Umdrehungen zu erniedrige», i vandt« er sich der Regulirvorrichtung des Elektromotor« zu, und wollte den Regulirhebel entsprechend stellen. Ehe er noch dazu kam, barst der Schleisstein in vier nahezu gleich große Stücke aus- einander, ivelche mit furchtbarer Vehemenz nach verschiedene» Rich- tunge» fortgeschleudert nmrden, und die bei den Versuchen Bethn- ligten, den Werkmeister Bartmann der Artilleriewerkstalt, de» Monteur Rieprich der. Firma Siemens u. Halske und den schon genannten Monteur Hengerer derselben Firma trafen. Monteur Rieprich »vurde auf der Stelle getödtet. Meister Bartmann wurde an beiden Beine» schwer verletzt. Monteur Hengerer erlitt eine» Beinbruch und stark« Quetschung. Der geborsten« Schleifstein war erst seit vierzehn Tagen in Betrieb und war vor Ingebrauchnahme mit einer um mehr als ein Drittel höheren Tourenzahl geprüft»vorden, als dem normalen Betrieb« entsprach, also mit einer Tourenzahl, die bei dem so unglücklich abgelaufenen gestrigen Versuch nicht erreicht »vurde. Der getödtete Monteur ist der Sohn des Gastwirths Rieprecht von der Hopfenblüth«, Unter den Linden; er wollte am 1. April als Einjährig-Freiwilliger bei einem Eisenbahn-Regiment eintreten; er ist von mehreren Steindlöckeu förmlich zerquetscht worden. Der schwerverletzte Meister Bathmann ist 21 Jahre hindurch in der Artilleriewerkstalt beschäftigt; ein Bein dürfte ihm amputirt werden, ebenso wie dem zweiten Monteur ein Fuß. Wie durch ein Wunder vor dem Unglück bnvahrt wurde ein Sattler, welcher dem Schleif- stein am nächsten in gebückter Stellung stand und nach der Trans- »nission sah, ob diese in Ordnung wäre. Die abspringenden Stein- blocke wurden über ihn hinweggeschleudert und er blieb völlig un» versehrt. Ein ähnlicher Unglücksfall trug sich in der Werkstatt vor 20 Jahren zu; auch damals»vurde ein Mann getödtet und mehrere schwer verwundet. Merkwürdige Folgen soll, wie ein Berichterstatter meldet, eine Freisprechung haben, welche von dem hiesigen Landgericht ge- fällt worden ist. Der frühere Amlsdiener Lippert aus Weißensee hatte sich eine Anklage wegen Bestechung im Ainle zugezogen,»vurde jedoch freigesprochen und zivar,»veil er,»vi« gerichtlich festgestellt wurde, ein auf dem Gemeindeamt Angestellter ivar, jedoch eine Beamtenqualifikation nicht besaß. Andererseits hatte jedoch Lippert früher häufig Konflikte mit Weißenseeer Einwohner», die zu Anklagen wegen Widerstands gegen die Staatsanwalt-Beamten- beleidignng u. s.»v. Veranlassung gab und durchweg zur Berurtheilung der betreffenden führten. Ein Theil dieser Bestraften glaubt nunmehr Veranlassung zn habe», die Aufnahme eines neuen gerichtlichen Verfahrens fordern zu dürfen, da ja ihre Bestrafung durch die gerichtlich festgestellte Thatsache, daß L. kein Beamter war, zu unrecht erfolgt sei. Bis jetzt haben Wiederaufnahme-Verfahren in ähnlichen Fällen unseres Wissens keinen Erfolg gehabt. Die zu »»»recht verurtheilten Einwohner unseres geliebten preußischen Muster- staates werden sich wahrscheinlich bescheiden müssen. Gerichts-Jettimg. Der beleidigte Referendar. In, Thiergarten wurde am Morgen des 9. Mai v. I. die Leiche eines jungen MädcheirS ge« funden, welches sich erschossen hatte. Es war die Tochter des Zimmermanns Friedrich Valentin, welche nicht bei den Eltern »vohnte, weil sie sich einem als unsittlich bezeichneten Lebensivandel ergeben hatte. In einen» letzten Schreiben hatte sie angegeben, sie nähine sich das Leben,»veil der Referendar B.(den Namen nennt der Berichterstatter leider nicht), mit dem sie ein Liebesverhältniß unterhalten, sich von ihr zurückgezogen habe. Nachdem Valentin fein Kind bestattet hatte,»vandte er sich zunächst an die ver« heirathete Sch'vester des Referendars und verlangte zunächst die Erstattung der Beerdigungskosten, da ihr Bruder seine Tochter in den Tod getrieben habe. Er wurde mit seinen An- sprachen abgeiviesen. Darauf»vandte Valentin sich an seinen lang- jährigen Nachbarn, den Bankbeamten Grüneberg. der nach den An- gaben des ersteren einen Brief an den Referendar aufsetzte. Es wurden dem Adressaten darin schwere Vorwürfe gemacht und von ihm ein Betrag von 240 M. verlangt, theils für die Brerdigungs- kosten und theils für Ausgaben, die im Jahre zuvor durch eine Krankheit der Verstorbenen entstanden seien. Wolle der Referendar diese» Ansprüchen nicht genügen, sondern sich nach Art derartiger Ehrenmänner in Schiveigen hüllen, so würde »na» die Sache seinen Vorgesetzten unterbreiten, wodurch jedenfalls seine Laufbahn gehen, int»Verden würde. Die Folge dieses Schreibens»var, daß Valentin und Grüneberg sich gestern vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I»vegen versuchter Erpressung zu verantworten halten. Beide Aiigeklagten bestritten, daß sie von den» unsittlichen Lebenswandel der Verstorbenen Kenntniß gehabt halte». Der Angeklagte Valentin»vill den Angaben seiner Tochter, sie sei in einem Schirmgeschäfl anzestelll und verdiene gut, geglaubt habe», ebenso habe er es für erklärlich gehalten, daß sie in der Nähe des Geschäfts sich habe einmiethen müssen. Das Verhältniß zwischen seiner Tochter und dem Referendar habe er für ein solches gehalten,»velches mit einer Heiralh enden solle, den» beispielsiveise habe der Referendar seiner Tochter französische und englische Bücher zliin Selbsterlernen dieser Sprache» geschenkt. Ferner habe derselbe ihm selbst gegenüber einmal gesagt, daß er für alle Be- erdigungskoslen aufkommen»verde. Nach der Vernehmung der An- geklagten,»velche vom Rechtsanwalt Ulrich vertheidigt wurden, ivurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Aus der Urtheilsverkündigung ging hervor, daß der Gerichlshof zu giinsten der Angeklagten an- genounne» hatte, daß sie die erhobene» Ansprüche für berechtigt hielten. Eine versuchte Erpressung liege demnach nicht vor. Da- gegen seien die Angeklagten wegen verschiedener in dem Briefe angewandter beleidigender Ausdrücke zu bestrafen und z>var Valentin »Nil 30, Grüneberg mit 20 M. Geldstrafe. Tie Standespflicht deS Polizeiraths v. Oerthel. Einen überraschenden Verlauf nah», die Verhandlung einer Privatklage, ivelche der Polizeirath und Hauptmann a. D. A. v. O e r t h e l in Groß-Lichterselde gegen seinen früheren Hausivirth, den Fabrikanten C. W i t h u ß, angestrengt halte und die gestern daslSchöffengericht am Amtsgericht II beschäftigte. Vom Balkon des Herrn v. Oerthel war eines Tages Staub und Schmutz herabgefegt»vorden, der nun auf den Balkon des Herrn Withuß fiel. Dieser rief in seinem Aerger: „DnS ist eine Gemeinheit, anderen Leuten den Schmutz auf den Kopf zu werfen!" Dies hörte Herr v. Oe. und darauf hatte er Herrn W. wegen Beleidigung verklagt. Der Richter erinahnte eindringlich, die Streit- axl zn begraben und die Sache durch einen billigen Vergleich au? der Welt zu schaffen. Der Kläger lehnte jedoch strikte jeden Ver- gleich ab n»d verlangt« die Bestrafung des Beklagten,»veil er dies der Ehre und den Pflichten seines Standes schuldig sei. Nunmehr erhob aber der Anwalt des Beklagten Widerklage und da stellte sich de»», im Laufe der Beweisaufnahme heraus, daß der Herr Polizeirath dem Beklagten soivie dessen Frau recht schlimme Dinge nachgeredet hatte»»nd zwar öffentlich, für die er nicht den Schein eines B e- »v e i s« s beizubringen vermochte. Der Gerichlshof hielt die dem Beklagten widerfahrenen Ehrenkränkunge» für so schwere, daß der Kläger auf die Widerklage zu 200 Mark Geld straf« ver- urtheilt»vurde,»vohingegen der Beklagte nur in eine Geldstrafe von 5 Dt. genommen»vurde. Der Staatsanwalt als Ethiker.„Arbeiter, welche Treue gegen ihren Arbeitgeber halten»vollen, müsse» be- sonders� in der Heuligen Zeit vor Verhetzung energisch g e s ch ü tz t»v e r d e n!" So erklärte gestern der Staatsanivall vor dem Schöffengericht bei der Verhandlung einer gegen die Metall- schleifer Diener und Schmidt gerichtete» Anklage»vegen Be- drohuug und Vergehens gegen die§Z 152 und 153 der Gciverbe- Ordnung. Zu diese», Schutz« der Treue fühlte sich der Staatsamvalt aus folgenden Gründen beivogen: Beide An- geklagte waren in der Eisengießerei von Zimmermann u. Buchloh lhätig. Hier brach Ende Januar ein Ausstand aus, weil die Arbeiter, die bis dahin in Akkord standen, gegen einen Stundenlohn arbeiten sollte»», bei dem sie»ach ihrer Ansicht ver- hungern konnte»». Nur»venige Arbeiter, unter ihnen der Dreher S ch»v e i tz e r, bliebe» in der Fabrik thätig, alle übrige» legten, »vie es ihre Solidarität gebot, die Arbeit nieder. Wie es bei solche» Gelegenheiten nothiveudig,»vurde die Fabrik dann von Streikende» observirt,»amentlich patrouillirten die beiden Angeklagten tag- täglich vor der Fabrik. Am 2. Februar, als der treue Schiveitzer seine Arbeitsstätte verließ, sollen die Angeklagten»un schellend hinter ihm hergegangen sein und am Bahnhof Gesundbrunnen dein unglück- liche» Trenbundler gedroht haben. Wie Schiveitzer eidlich be- kündete, haben die beiden Angeklagte» schauerlich drohend ein Beil erhoben und ihm in Aussicht gestellt, daß sie ihn niederschlagen »vürden, falls er die Arbeit nicht niederlegen sollte. Di« Angeklagten bestritten dies und behaupteten, daß sie keinerlei Drohungen aus- gestoßen»nd auch gar nicht versucht hätten, den treuen Schiveitzer zur Betheiligung an der Arbeitseinstellung zu zwingen. Da aber Schweitzer den» Staatsanivalt nicht unglaubwürdig und auch einige Zeugen austraten, die beschivoren, daß sie „fuchtelnde Handbewegungen" dir Angeklagten gesehe» hatten, so hielt der Staatsanwalt die Anklage für eriviesen und beantragte unter der oben mitgetheilten Begründung für jeden der Angeklagten einen Monat Gefängniß. Rechtsanivalt H e i n e m a n n beantragte eine geringere Strafe, da die Angeklagte» höchstenfalls in ihrer Erregung über die«utstandene Lohndifferenz über die zulässigen Grenzen der Agitation hinatlsgegangen seien. DaS Gericht schützte die„Arbeitgebertreue" deS Schiveitzer und verurtheilte den schon vorbestraften Diener zu einen» Monat, S ch»n i d t zu einer Woche Gefängniß. Ob der Staatsanwalt»vohl schon darüber nachgedacht hat. wie es kommt, daß die Arbeiter, die in der„Arbeilgebertrene" kein ver- dächtiges Haar finden, so erbärmlich gering an Zahl sind, und daß dagegen die Arbeiter, die in der Treue gegen ihres- gleichen die höchste Ehre suchen, allen Strafprozessen znin Trotz zu ihren»ach hnnderttaufenden zählenden Schaaren tagiäglich tausende neuer Rekruten hinzuiverbe»? Was den treue» Schweitzer noch betrifft, so sei beinerkt, daß der Staatsanivalt in diesem Schützling gerade keine allzu glänzende Aquisilion gemacht hat. Der treue Schweitzer trat in einer Geiverk- schastsversammlung, die über die erforderlichen Schritte gegen die Lohnheradsetznng verhandelte, mit überaus energischer Suada f ü r den Streik ein, zog es dann aber, als die Sache ernst wurde, Plötz- lich vor, der lohndrückenden Firma treu zu werden. Allznhoch scheint die Firma Zimmermann u. Buchloh die Treue ihres be- drohten Arbetters aber nicht angeschlagen zu haben, denn klirze Zeit nach Stattfinden der Versammlung entließ sie den treuen Mann. Wie wird Schweitzer sich gefreut haben, daß er wenigsten? vor Ge- richt sich den Lorbeer für feine Treue erkämpfen konnte! Von Herrn Nenkirch, dem Angeklagten in dem kürzlich ver- handelten Rixdorfer Gendarmerie-BeleibigungSprozeß, wird uns mit-, aetheilt, daß der Vertheidiger nicht Hirschfeld, sondern Dr. Herz- selb war. In der LandeSverrathSsache gegen den ehemaligen Depot- feldwebel Meinecke ist, wie das„Leipziger Tageblatt" hört, die Bor- Untersuchung abgeschlossen worden. Das Hauptverfahren sei noch nicht eröffnet, es»verde jedoch die Eröffnung desselben in den nächsten Tage» erivartet. Wegen der Fleischlieferunge» fiir die« b r a h a m' s ch e „BolkSeruährnng" aus der Berliner Gc>verbe-Allsstelli»ig hatten sich am Mitlivoch vor dem Schivurgericht in Güstroiv in Mecklen- bürg der Sattlermeister und Fleischhandler Jhde aus Grevesmühlen und der Schlächtermeistrr Hallier miS Tossow zu verantworten. Wie noch bekannt fein dürfte, erregte es seinerzeit großes Aufsehen, als gemeldet»vurde, daß bei der„Volksernährung" von der Polizei tuberkulöses Fleisch beschlag»ah»»l»vorden sei. Der Leiter der Anstalt, Hermann Abrahain,»var zivecks billige» Bezuges von Fleisch mit den» Saltlermeister und Fleischhändler Jhde aus Grevesmühlen in Mecklenburg in Verbindung getreten und hatte auch mehrmals von ihm Fleisch bezogen. Am IS. Mai vor. Js. traf wiederum ein größerer Posten Fleisch in Berlin ein. Zi» gleicher Zeit erhielt die Berliner Polizeibehörde aus GreveSmühle»«in anonymes Schreiben, in dem mitgetheilt»vurde, daß soeben au die„Volks- ernährung" einige Zentner verdorbenen Fleische? abgegangen feie». Der Absender sollte sogar geäußert haben:„Für die Berliner ist es zum Fr..... noch gut genug." Es erschienen infolge dessen am 20. Mai früh morgens einige Beamte der Fleischuntersuchung-- Station in Berlin und beschlagnahmten das Fleisch»vährend des Abladens; einige Kolli»varen bereits i» den Keller geschafft»vorde». Das Fleisch»vnrde bei der Untersuchung theils als tuberkulös, theils als verdorben befunden. In dem gegen ihn eingeleiteten Ermittelungs- verfahren bestritt Abraham, von dein verdorbene» Zustande des einge- troffenen Fleisches Kenntniß gehabt zu haben. Er habe bei Jhde gutes Fleisch bestellt, und dieser habe ihm auch das abgesandte Fleisch als thierärztlich untersucht bezeichnet. Jhde dagegen beziveifelte in einem gegen Abraham angestrengten Zivilprozeß die Identität des be- schlaanahmteu Fleisches»nil seiner Sendung, da nach den Angaben der Güterexpedition des Lehrter Bahnhofes das Fleisch bereits am Nachmittag des 19. Mai abgeholt sein müsse. Er»vollte vollkoinmen gesundes Fleisch abgesandt habe», so daß es sich hier nin eine zweite Lieferung von anderer Seite handeln müsse. Die Zeuge»« vernehniunge», namentlich des Spediteurs und der Angestellte!» der„Volksernährung" ergaben aber, daß der Kutscher am 19. Mai um 7 Uhr abends die Eilgutsendung nicht mehr ausgehändigt er- halten hat. und daß das Fleisch, als es am nächsten Morgen ab- geladen ivurde, beschlagnahmt»vorden»var. Jhde ivurde, da das Gericht die Identität des Fleisches als»achgeiviesen ansah, mit seiner Klageseinerzeit kostenpflichtig abgeiviesen. DasErmittelnngsverfahrei» gegen Abraham ivurde im Dezember v. I. eingestellt. Nunmehr »var aber gegen Jhde und den Schlächtermeister Hallier, der dein ersteren das Fleisch geliefert halle, Anklage erhoben wegen Ver- brechenS wider ßZ 12 und 13 des Nahrungsmittelgesetzes,»veil sie »vissentlich verdorbene Nahrungsmittel, die geeignet sind, Leben und Gesundheit von Menschen zu gefährde», iu den Handel gebracht haben.— Die Geschworenen sprachen, der„St.-Ztg." zufolge, den Schlächtermeister Hallier frei, den Fleischhändler Jhde schuldig des Verbrechens, die Gesundheit von Menschen durch Vertrieb ver- dorbener Nahrungsmittel gefährdet zu haben. Der Staatsanwalt beantragte z,vei Jahre Gefängniß und fünf Jahre Ehrverlust. Der Gerichtshof verurtheilte Jhde zu einen» Jahr Gefängniß. Des Be- triiges hatten ihn die Geschworenen nicht schuldig befunden. Folgende Episode aus der Zeugenvernehmung deS Herrn Abraham verdient Beachtung.— Zeuge Rentier! Hermann Abraham- Berlin, seinerzeit Borsteher der„Volksernährung" auf der Berliner Geiverbe- Ausstellung, bekundet, er sei mit Jhde in Verbindung wegen Lieferung von Kalbfleisch und Rindfleisch getreten. Präsident: Wie viel sollte gezahlt»verde»?-» Zeug«: Für Kalbfleisch 40 Pf.—Präs.: Und fiir Riniffitnsch?— Zeuge: Das weiß ich nicht mehr genau.— Präs.: Vielleicht 35 Pf. pro Pfund?— Zeuge: Das kann stimmen. Einer jeden Sendung hat ein ärztliches Attest beigelegen.— Präs.: Hatten Sie das vereinbart?— Zeuge: Nein! Jhde hat sogleich gesagt, daß er jeder Sendung ei» solches Attest beizulegen pflege.— — Präs.: Dursten Sie sonst nicht das Fleisch sür die„Volks- ernährilng" venvenden?— Zeuge: Jhde»var der einzige Lieferant von ausivärls.— Präs.: Ich frage, ob bei Fleisch- sendiingen für die„Volksernährung" ein GesundheitSatltest uolhwendig»var?— Zeuge: Ich kann es nicht fagen.— Präs.: Oder wurde trotzdem i» Berlin das Fleisch nochmals untersucht?— Zeuge: Nein. I» Treptoiv haben wir keine Fleischschan. ES sind von Jhde drei Sendungen, am 12., 15. und 18. Mai, eingelaufen. Die letzte Sendung»vurde am 18. Mai ab- gesandt; an» 19. Mai nachmittags traf in Treptoiv das Avis von» Lehrter Bahnhof ein. Dasselbe»vurde zum Spediteur Borgmann gebracht. Als ain anderen Morgen das Fleisch abgeladen»verde» sollte,, vurde es beschlagnahmt. Versantmlungen. Eine Brot«stversamml»,ng gegen die Bevorzugung und Mono- pelisirung der Große» Berliner Pierdebahn-Gesellschast war von freisinniger Seite an, Mittivoch nach den» Buggenhagen'schen Saal einberufen. Nach einem llleferat des Stadtverordneten PerlS, der die unerhörte Ausbeutung des Publikuins durch die Pferdebahn- Gesellschaft schilderte, sprach der Stadtverordnete R o s e n o w üder die Verhandlungen in der Verkehrsdeputation, worauf folgende Resolution zur Debatte gestellt»md zum Schluß einstiinmig an- genominen wurde: Di« Versammlung richtet an die Stadtverordneten-Versammlung daS dringende Verlangen, den vom Magistrat vorgelegten Vertrags- entwurf mit der Großen Berliner Pferdebahn-Aktieirgesellschast nur unter folgenden Bedingungen zu genehmigen: 1. Mitbenutzungsrecht der Geleise bis auf 1000 Meter zur Herbeiführung einer gesunden Konkurrenz. 2. Sofortige Einführung des 10- Pfennig-Tarifs bei den, Jiikrafttreten des neuen Vertrages auf sämmtlichen durch- gehende» Linien der Großen Berliner Pferdebahn-Aktiengesellschaft, ob mit elektrischen» oder Pferdebetrieb versehen. 3. Eiuführuna billiger und dem lO-Psennig-Tarif entsprechender Abonnements. 4. Entgegen dem letzten Beschlüsse der Ber'chrsdcplltatioii gleichzeitiger Vertragsabschluß mit den Gesellschaften, welche bereits Straßenbahnen ii» Berlin im Betriebe haben. 5. Konzesstonirung neuer Linien sind nur unter Heranziehung anderer solider Koiikurren, firmen zu be- »virke». 3. Heizung der Waaen im Winter. 7. Besserstellung der Angestellten, besonders Einführung von Pensionskassen für die Be- diensteten der Pferdebahn-Aktiengesellschaft. 3. Forderung einer mindest so hohen Abgabe an die Stadt von der Brulto-Einnahme und vom Reingewinn, wie dieselbe von anderen Unternehmern an- geboten worden ist. In der Diskussion sprach unter anderen auch ein Herr Klee- selb, welcher meinte, obgleich er Aktionär der Pierdebahn-Gefell- fchast sei. beurtheile er diese Angelegenheit doch objektiv und müsse sagen, daß die Mißstimmung im Publikum durch diese Versa»»»»»- lungs-Agitationen über Gebühr erregt»vorden sei. Die in der Sic- solution aufgestellten Forderungen seien nicht geeignet, eine» günstigen Abschluß der Verhandlungen zu ermöglichen, denn sie standen in gar keinein Verhältniß zn den der Gesell« scha>t gemachte» Zugeständnissen. Man ivürde sich vor der ganzen Welt blamiren, ,ve»n dieser jahrelange Streit resultatloS verlaufen sollt« und alleS beim alten bliebe. Diese» Einivänden trat der frei- sinnige Stadtverordnete G o l d s ch m i d t energisch entgegen. Er betonte, die Animosität in der Bürgerschaft hätte niemand künstlich erzeugen können, wenn die Pferdebahn-Gesellschast nicht selber den Grund dazu gelegt hätte. Er will in der Stadtverordneten- Versaminlung beantragen, die Pferdebahn-Gesellschast zu ver- anlassen, daß sie in de» Wagen Schilder anbringe mit der Ausschrift:„Nicht in den Wagen spucken." Der antiseinitische Stadtverordnete Prötzel wies ans den Nutzen hin, ivelcher der Stadt erwachse,»venn sie die Pferdebahn in eigene Regie nehme, und versprach, in der Stadtverordnete»-Versaminlung dafür einzn« treten. Ein Antrag: Kein Mitglied der Stadtverordneten-Ver- saminlung.»velches an der Pferdebahn interesfirt ist, solle sich an de» diesdezüglichen Abstimninngen betheilige,», gelangte nicht zur Annahme, weil die Herren R o s e n o»v und G o l d s ch m i d t bemerkten, daß die Etädleordiiung dasselbe vorschreibe und sie be» jedem ihrer Kollegen ohne weiteres voraussetzten, daß er demgemäß handeln werde. rettaa«dend» Uhr dl»»oX Uhr: S ttboN. !aiur.«rIeni,tiN»>d»ng«rch»I,. Schule.«Saldeuiarftraß« 14: betrachtung. Problem d-r Wellbildung im«lierlhum. griechisch« Weisheit -----------------•-" der«rde au» ihrer bevor, uglen erlmetti-lle siorschuuz. und e Ueberlteserung _„_ Die Entthronung__ Stellung im«elten-ill. Ä-chantstisch- Auffassung und erperimeulell« lzorsqan.,. Die«inrethung des Menschen in da» Nalurgan»« ILama�-charmiM. Xcz Seelenproblem,«iomismu» und Malerialismu».»rrnzen der Nalur-«rrennlntb.) v-rr Dr.«. Joel.- Nord-Schole, Brunnenstr.««�Uehung(T.e wichtiaften lechnische»»rundsSe« für die«uns» de« osfeiillichen medens. Lehr« vom Ausbau eine« vortrage»., Herr Heinrich Schul,. »»»»d«'fch»r Kt-nographenu-rei» v-ute Abend» Uhr. Lützowslr. 8», Restaurant Schultheis: llmerrichl und Uebung.— Adihetlui.g „«orwärt»«. Abend» S� uhr. Adaldenstr. Zi: s>»ung. Briefkasten der Redaktion. W. ip. 1 Ja. 2. Die Soften beS Anwalts Ihrer Gegnerin und die dieser auferlegten Gerichtslvsten haben nicht sie zu zahlen.— H. K. IVO. 1. Ja, wZre aSer wirkungslos, 2, Die Frau muh Seim NmtSgerickit den Niiikkehrbefehls-Aiitrag stellen: in dem Rückkehrbefehl wird eine Frist voin Gericht bestimmt 3. Nein,— Barsch. Die Pfändung ist zulässig, — A. Z. Der Antrag aus Rückerstattung der Hälfte der Klebemarken muh innerhalb Z Monaten nach Eheschluh bei der Jnvaliditätsansialt unter Beibringung der HeirathSurkund« und der Bescheinigung über mindestens 233 Wochen Klebemarken bei der Berstcherungsanstalt(in Berlin Kloster- Strahe Nr, 41) gestellt sein,— Schwarz, Rinteln. 1, und 2. Nein,— Cc. I. 50. 1. Keiner. 2, Nein,— Erzzebetfohra. Auslieferung wäre möglich,— P. 2. 10. 1. Ja, 2. Das Testament ist giltig,— A. B. Verjährung von Beleidigungen erfolgt in fünf Jahren, der Strasantrag muh aber binnen 3 Monaten nach erfolgter Kennwih von der Beleidigung gestellt sein,— F. 104. Der Amtsvorsleher hat kein Recht, dem Gastwirth z,i verbieten, den Äutöarbcitern Getränke zu verkaufen oder gar ihm evcnt, mit Konzesflonsentzichung zu drohen. Der Gastwirlh soll eventuell Be- strafung des AmtsvorsicherS bei der Staatsanwaltschaft beantragen, — Zl-C. Rückforderung findet nicht statt,— K. W. 50. 1. u, 3. Nein' 2. Sie können Widerklage erheben,- M. T. 168. Ja, da sie Prcuhe und Sachse sind,— Dumm. 1. Ja, 2, Nein,— Zl. 2. 1, Nein, 2, Dadurch erledigt,— Zl. B. 1400. Der Wirth hat Recht,— R. 07. 1. Im allgemeinen in 10 Jahren, 2, Man kann gegen radaulustige Nachbaren auf Unterlassung dcö über das allgemeine Mab von Ruhestörung hinausgebenden Lärms klagen.- 117. 1, u, 2, Nein,- Lehvterstr. Der Wirth ist zum vollen Schadensersatz verpflichtet. Für die Klage ist daS ordentliche Gericht (Amtsgericht: bei einem Objekt über 300 M, Landgericht) zuständig,— L. M. Rtxdorf. 1, Ja, 2, Die Frist ist uns nicht bekannt,— Kl. 1, Nein, kostet 3 M. 2, Das Gericht setzt die Zeit in jedem Falle fest, 3, Jede Legitimation genügt,— Schneider. 1, Nein, 2, Der Vater muh zahlen, 3. Nein— so weit sind wir denn doch noch nicht,— P. Nein, — Zinna K. 1. Der Wirtb ist im Recht. 2, Die Ihnen gemachte Mit- theilung ist irrig.— E. 2. 07. 1, Nein. 2, Nein,— E. 11. Das Hochzeitsgeschcnk gehört beiden Eheleuten gemeinsam,— H. 2p.. Fulda. Das Datum vermögen wir nicht anzugeben. Es genügt der Hinweis, dah Sie kein Plakat, leinen Aufruf und keine Bekanntmachung vertheilt haben und deshalb nach dem Gesetz und auch nach Ansicht des Kammergerichts straflos sind,— Zlrinendirektton. Zu Ratenzahlungen ist zu rathen. Es kann Pfändung erfolgen. Die eventuelle Zeitdauer für Verlust des Wahl- rechts beträgt 1 Jahr,— Bö. M. 18. 1 Ja, 2. Das ist verschieden,— Richard St. in Gent. Sie können auf Herausgabe und eventuellen Schadenersatz klagen,— G. P. 60. Nein— es sei denn, daß die Wohnung bezogen ist.— W. 2ch. Die Angabe der einzelnen Vennögensbestandtheile ist im Testament keineswegs ersorderlich.— A. M. 10 u. O. Z.: Am 1, April, Wetter- Prognose für Freitag, den 12. März 1807. Vielfach Heller, am Tage etwas wärmer bei schwachen südwest» lichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner W e t t e r b u r e a u. WitterniigSliberflcht vom 11. März 1807. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Theater. Freitag, den 12. März. Opernhaus. Mignon. Schauspielhaus. Maria Stuart. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Faust, Lesfing. Der Herr Abbü. In Zivil. Reue». Marcelle. Oftend. Der deutsche Michel. Weste«. Die berühmte Frau. Residenz. Affocies, Linden. Indigo und die vierzig Räuber. Thalia. Frau Lieutenant. Schiller. Mit Vergnügen, Zentral. Ei» fideler Abend. Bolls. Signor Piffarello, Friedrich- Wilhelmstädtisches. Moderne Jungfrauen. Alexanderplah. Heinrich Heine. Pasfage-Panoptituni. 32 Mädchen aus Samoa, Zlpollo. Spezialitäten._ Me-Maute-Theater Volks-Borftellnng unter Regie von Salle»» TUrir. Sonntag, den 14. März, nachm. 3 Uhr: Gastspiel der Damen Martha Frey und Therese Frcyburg; der Herren Heinrich Schulz und Wilhelm Ruff. Zum zweiten Male: Die Zitkgsm von Orleans. Romantische Tragödie von Fr, Schiller, Johanna: Martha Frey. Agnes Corel: Therese Freyburg, König: Richard Jürgas, Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Ruff. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot: JuliuS Türk. Die Kostüme, Requisiten, Waffen find aus den kunstgewerblichen Werk- slätien von P. HUdebrand. Eintrittskarten L 60 Pf. sind in den bekannten Geschiftrn zu haben. Sckillov�Gheatev Freitag, abends S Uhr: Mit Ber- gnüge«. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Die gerechte Welt. rtticiirirti Mhel«ß. Theater. Heut« und die folgenden Tage: Moderne Jungfrauen. Berliner Poffe mit Gesang in 3 Akten von Alfred Schmasow und R. Niwsl. Musik v. Albert Wicher. Anfang 8 Uhr. Sonnabend, den 13. März, nach- mittags 4 Uhr: Die 7 Raben. Groß« phantastische Zauberpoff« mit Gesang und Tanz in 7 Bildern von Beruh, Bäckers. Mnstl v.«. Wiedecke. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellgebühr an der Theater- lasse zu Hadem Auherbem im In- validendank, Unter den Linden 24, bei Paul Romeick, Leipzigerstraß« 6. und Julius Lengenseld, Markgrasenstr. bO. II mm mSa Taubon-StrnH»o UraUlrt, Xo. 48-4«. Naturkundliche Zlusstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf. Wiffenschafti. Theater abends 8 Uhr. StemwarttWA« bof. Täglich von 71/, Ubr abends ab 50 Ps. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erveri- m erneu u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tages auschläge. > c u t e und die folgenden Tage: jr* Gastspiel des Herrn Karl Zander vom Thalia- Theater in Hainburg. 8-/. Uhr: Heinrich Heine. Lustspiel in 3 Auszügen von A. Mels. Hirsch, Hühneraugenopcrateur und Loiterie-Kollekleur: Karl Pander a.G. Vorher 8 Uhr:«ine Tasse Thee. Lushpiel in 1 Akt nach dem Französischen v. W. Drost. Sonntag nachmittags 4 Uhr: Kinder- Vorstellung: Die sieben Raben. Großes Zaubermärchen mit Gesang und Tanz in 7 Bildem von Bernhard Bäckers. Musik von A. Wiedecke. Billctö sind ohne Borbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- lasse zu haben. Bormittags 11—1 Uhr und abendS von>/,? Uhr an. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst. Theater) „Frau Lieutenant.» Vaudeville in drei Akten von Paul Ferrier und Antony MarS. Deutsch von Hermann Hirscheil Musik von G. Serpette und B. Rogen. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenants_ Volks- Theater 34. Reichend erger. Strafte 34. Pserdebahnstation:«ottbuser Thor. Freitag, 12. März, abends 8 Uhr: 0 Zum 2. Male: Signor Piflarello. Posse mit Gesang in 6 Bildern von H. Willen und S. Haber. Musik von w. Michaelis. Sign. Piffarello: Ernst«ettaer. Marion: Gertha Senden. Preetz: Arthur Winkler. Schünnan»: Heinrich Kam«. LipS: Gnstav Eonrad. Passage- Panopticum. Mädchen ans Sarnoa. ■■ Castan's■■ Panopticum. .S Pygmäen die neinften Menschen der Welt! Damen-Wettschwimmeu. Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Abends Vj8 Uhr: Zum 36. Male; Ein Prikt Abend. Korgen: Z fideler Abenl Morgen: Zum 27. Male: Ein '—«fc. ygerestchagin-AusstellünB Altes Reiclistags-6ebände 4 Lelpzlgerstr. 4. Napoleon I. in Rnssland 1812 Photographien vom Türkischen Kriege. Geöfifti. v. lOvorm.b.OUhrab. SC Entree 50 Pf.-M« Berliner Possen-Theater lHünastraBMo 17. (Eingang Königsgraben.) DireMon: Joseph Aschingcr und Leonharvy Hostel. Allabendlich Punkt%10 Uhr: Baruchund Sohn. Am Mittwoch, 17. März: Einmaliges Gastspiel im AlexanderplaU-Theater. Zur Aufführung gelangt: Der Lumpenball. Die Ballhausanna. Anfang der Borsielluna 8 Uhr. Kafleneröffnung 7 Uhr. Entree 30 Ps. BilletS find von heute ab im Bureau in der Zeit von 11 bis 1 Uhr und abends an der Kasse zu haben. Osteud-Theater. Gr. Fraukfuriersir.l32. Dir. C. Weift. Freilag: Zum besten der Ceutenar- stier: Fest Borstellung. Prolog, verfaßt von M. Rinckleben. Aus all- gemeines Verlangen: Der deutsche Nüchel. Anfang 8 Uhr. Sonnabend: Zu hoch hinaus! Volksstück mit neuen Gesangseinlagen von M. Günther. Sonntag Nachmittag halbe Preise: PrecloK». Abends: Berlin, wie es weint nnd lacht. förcu» Renz KarUtrasae. Freitag, den 12. März 1897 t Abends 71/, Uhr: ZMäilUlS-KorsttllMig verbunden mit einer Gnuule Soirte gquestre anläßlich der 40. 4.atrührnns:-MG Aus der Mappe eines RitstkgtbirsS-PHlllltllste«. Außerdem: Der ostpreußische Hengst Blondel(Original- Dressur). Hier- aus Monstre-Dableau von 70 der edelsten yreihtttspferde, dresstrt und vorgeführt v. Dir. Fr. Renz. Razar- Beh. arabischer Schimmelhengst, als Springpferd dreff. und vorgeführt v. Herrn Hugo Herzog. Hierauf: Die beliebten Freihciisp'crde Mazud u «thargnel. El Bolero, spanische Hobe Schule, geritten von« Damen und 6 Herren. Sonnabend, den 13. März: Benestz für die hervorragende Retttünstler- Familie James Jee. Ein BeretnSzimmer mit Piano für Parstigenoffen. J. Droggan, Eltsabeth-User 18-17. 3446 Concordia Varize-Theater Urunnenatr. 154. Täglich: Entree- Wochent. 8 Uhr. Wochentags 20 Ps. Sonntags 6 Uhr.> Sonntags 30 Ps. Kr. Möbelverkäuf wegen Umzugs des Möbelspcichers Ro,e»thalerstr. 13. 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Bf Ahl, GlaShüiiensiratze 37, Hamburg. -Heute, Freitag, abends 8'/« Uhr. bei CoUn, Beuthstr. 20/31: Sitzung der OrtsverNxiltung.«1,1» Btuitche der MMmacher. vorm. 10 Uhr, bei RuM«I, Roseuthalerstr. 57. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Kretschmann. 2. Diskussion 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet._ Große öffentliche Versammlung der Bnuier, Böttcher und Brauereiliilfsarbeiter am Sonntag, den 11. Mär», präzise IV- Uhr, bei Herrn»«irnmnn(Englischer Garten). Alexanderstr. 27«. Tages-Ordnung: 11/11 1. Vortrag(Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht). 2. Was lehrt uns der Bericht des Arbeitsnachweises. 3. Neuwahl von Gewerkschafts-Delegirten. i. Maifeier und Verschiedenes. I>v>- Rlniberakei'. KB. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten, da der Saal um ö Uhr geräumt werden muh._ Verband der Arbeiter in Gnsansinlteu. nils Holz- und KGenliliilien und sonjtiflkr Arbeitsleute Tlerwaltnng I. Sonntag, den 14. Mär», abends 6V2 Uhr, bei Klntz 4c Comp., Alte Jakobstrasie Nr. 83: 2. Disklsston.*"""~" 70/3 Tagesordnung: 1. Vortrag. 4. Verschiedenes. 3. Wahl der Revisoren Der Borstand. Wml Vergolder. Mim! öffentliche Versammlung am Montag, den l5. Mär» 1807, abends 8>/2 Uhr, in den „Arminhallen», Kommandantenstrasie 20. Ejpertmental-Vortrag des Herrn Fr. Clausen über:„Die Röntgen scheu X-Strahlen.» Zur Deckung der Unkosten Eintritt ä Person 20 Pf. 225/14 _ nSüam Gäste haben Zutritt. lMBDIBI IM- Eine Extra- Monatsversammlung findet im Monat März nicht statt. Der Borstand. Filiale Berlin. Ionkvsl�VerbAnt» der Töpfer und Ziegler VeuWiands Mitglieder-Bersammlnng 't Sonntag, den 14. März 1807, vormittags 10 Uhr, im Lokal RaMol, Roscnthalerstraste Nr. 57. Tages-Ordnung: i. Berichterstattung der Kommission über Arbeitslosen-Unterstützung. 2. Gewerkschaftliches. t2 Der Borstand. I ckMid dfliWr dinednlt Zahlstelle Berlin. Am Sonntag, den 14. März 1807, vormittags lOVz Uhr in den _„ArminhuIIcn", Kommandantenstr. 20: iÖF" VersammSung."WW Tagesordnung: 1. Was lehrt uns der Hamburger Hafenarbeiter- troik? Referent: Genosse Timm. 2. Anträge zum Provinzial-Verbands- tz in Berlin. 3. Wahl der Delegirtcn zu demselben. 254/9 Die Versammlung wird pünktlich erijffnet.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand. Achtung! Achtung! Maurer! "" Versammlung' d°s Mins zur Wahrung der Znieressen der Maurer Berlins am Sonntag, 129/14 bei Spltnlg, und Umgegend den 14. März, vormittags UV- Uhr. Frankfurter Allee 103. T.-O.: 1. Welche Vortheile bietet uns die Lokalorganisation gegenüber der Verbandsorganisation. 2. Diskusston. 3. Gewerkschaftliches. gW- Alle Maurer werden ersucht, in dieser Versammlung zu erscheinen, ganz besonders die von Friedrichsberg, Lichtenberg und Umgegend. Neue Mitglieder werden aufgenommen._ Der Borstand- Achtung, Zimmerer! Sonnabend, den 13. März, abends 7 Uhr, bei Buske, Grenadierstr. 33: Geffentliche Versammlung sämmtlicher bei de» Arbeiten inr Ccntenarseler beschäftigten Zimmerer. Tagesordnung: Die Zustände bei den Zimmerarbeiten zur Centenar- feier._ 257/12_ Die Lohnkommifston. Siimmti. Wetparbetter Kerlins a. Umgegend werden zu der am Sonntag, den 14. d. M., bei Krüger, Seidelstr. 30, vorn,. 10 Uhr, stattfindenden„lfloi-ssi,«pi'»«I»S" hiermit eingeladen, Zahlreiches Erscheinen erwartet 173/8 I. A: Carl Daschntt, Charlottenburg, Schlobstr. 30. Köpenick. Sozialdemokratischer Arbeiter- Berein. Vereins- Veennugen zu Ehren unseres Vorkämpfers Karl Marx Sonnabend, den 13. März, abends 7 Uhr, Hotel Kaiserhof, kl. Saal. Entree frei. 91/82 Der Borftand. i s s e n s e ei «M» Sonntag, den 14. März 1807, nachmittags 3 Uhr, bei Speckmann, Königs-Chauffee 55: Oeffentliche Zimmermersammlimg. Tagesordnung: 1. Rechte und Pflichten der Zimmerer in den Bororten Berlins. 2. Ver- schicdenes... �. Zu dieser Versammlung werden auch die Zimmerer aus dem Norden Berlins eingeladen... 257 11 I»«i> VerlwuiSiisniaiti». mit Kontrollmarke (nur aus der Genossenschafts- Hutfabrik bezogen) verkaust im einzelnen zu Engrospreisen billiger als jede Konkurrenz Oscar Arnold, Hut-EngroB-Cieschiirt, 116 AMimstr. 116 Achtung! Freitag, den 12. März, Achtung! abends 8'!, Uhr, in Mellens F'eMälen» Koppenstrahe 20: Gr. öffentl. Nolks-Uerfammlnng n Tages-Ordnung: Wie stellt sich die Arbeiterschaft Berlins zur Gründling eines Vereins Freie Volksbühne"? Referent Pmtt Dupont. 2. Event. Statutenberathung sowie Wahl des Vorstandes und des Ausschusses. Arbeiter Berlin»! Das Interesse, da» ihr der„Freien Bolksbnhne« entgegengebracht habt. lästt uns eine zahlreiche Betheiligung an dieser Bersammlung erwarten. 230/7 Ilascilold. Cohn. Dnpont. KrUmke. Dr.]TIehrIng. Meyer. Sahm. Skalier. Schmidt. Schüler. Schulz. Schweichel. Stahl. Stoltenberg. Teichniann. Türk. Wiiikeltnann. Wurm. Frau Dr. Zadck. Letzte Annonce! Achtung! Varteigenoffen Kerlins! Achtung! Soimabend. 13. Mar;, abends 8 Uhr. im Feen-Palast, Narx-KeckäeKiaiss-reier veranstaltet vom t„esehluh Aso-I Man» unter gest. Mitwirkung der Konzertsängerin Frl. Gertrud Rieb(Alt) und des Herrn Paul Friedrichs (Bariton) sowie der Arbeiter-Gesangvereine:„Kreuzberger Harmonie«,„Froh' Hossnung«,„Grüne Eiche«,„Zukunft". Dirigent: Herr Dillenberger. Musik von Zivil-Berufsmusikern. Dirigent: Herr Georg Schonert. Festrede: Genosse km. Prolog: Genosse Winzler. Großer Kall. Killet 30 Pf. Tanz 30 Pf.-7JSS Da» Comite: Lankow, Bülowstr. 21 pt.; Schüler, Mittenwaiderstr. 43 v. II bei Zilowsky. Deutscher Holzarbeiter- Terband. Den Mitgliedern zur Mittheilung, daß der Kollege, Einsetzer Angnst Schröter am 9. März verstorben ist. Die Beerdigung findet statt ani Sonntag, den 14. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Markus- und Andreas-Kirchhoses zu Wilhelmsberg. Um rege Betheiligung ersucht 87/11 Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, das; meine liebe Frau am 10. d. M. sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. ds., nachm. 5 Uhr, auf dem Schöneberger Kirchhos, Maxstrahe, statt. Der trauernde Gatte nebst Tochter, August Koch. Tischler, Kysshäuier- strahe Nr. 18. 34Sb Am Dienstag, den 9. d. M., vormittags 11 Uhr, verschied nach langem, schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger- u. Grohvater, der Bautischler und Einsetzer August Sebröler im Alter von 56 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der St. Markus- und Andreas- Gemeinden in WilhelmSberg aus statt. tf. Thttringer Käse! für Restaurateure u. Wiederverkäufer sehr lohnend, per Schock 2,50 M. frei Berlin gegen Nachnahme empfiehlt Rud. Nüstli. 335b Saubach bei Bibra in Thüringen. Me Bereinigung der Dauarbeiter Derlins. Mitglieder- Versammlung am Sonntag, den 14. März 1807, vormittags lO'. Uhr. im Lokale des Herrn Wllke, Audreasstrafse 26. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Neue Mitglieder werden ausgenommen. 31/6 WW Üdifmiß!-Wk Verband der Sattler n. Tapezirer Filiale Berlin I. Sonnabend, den 13. März, abends 0 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraste Nr. 27 e: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Wegen Protest-Erhebung Neuwahl von zwei Delegirten zur Generalversammlung. 2. Stellung von Anträgen. 3. Ver- schicdenes. 156 Mitgliedsbuch legitimirt.— Um zahlreiches, pünktliches Erscheinen er- sucht Die Ortsverwaltung. FieinickenitaHF. Sonnabend, den 13. März 1807, abends 8 Uhr, im Restaurant„Seepark�, Markstrastc 1—3: Grotze Volks- Versammlung. Tages-Ordnung: I.Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Arthur Stadthagen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Entree 10 Pf.— Um zahlreichen Besuch wird gebeten. 222/17 Der Bertrauensmann. Achtung! Lolleert- Raus LausLouei. Sonnabend, den 13. März: Lnosses Winter-Fest. Arrangirt von den Parteigenossen des 4. Wahlkreises(Süd-Ost), unter Mitwirkung der Gesangvereine St. Urban und Ulederlnst, sowie Auftreten des Gesangö-Humoristen Herrn Oe»tereleh. lOOO Hark Belobnnne:- Aufgeführt vom Gesangverein St. Urban. Programm 25 Pf.«Üro«»er Ball. Tanz 60 Pf. _ Die Vcrtranenapersonen. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Galauteriewaaren-Jndustrie beschäst. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. (Mitgliedschaft Berlin.) Morgen, Sonnabend, den IS. März K8S7: Feier des X. Stiftungsfestes in Cohn's Festsälen, Beutdßr. 20—21, unter gütiger Mitwirkung des berühmten„Berliner Ulk-Trio" und der turnerischen Vereinigung„Feste Stiege". Die Konzert- und Ballmusik wird von den Mitgliedern der„Fr. Bereinigung der Zivil- und BcrufSmusiker" unter Leitung des Herrn R. Bühle ausgeführt. Nach dem Kouzert: Gvotzrv Vall. Herren, welche am Tanze theilnchmcn, zahlen 50 Pf. nach. .Anfang 8>-'2 Uhr.— Programme am Eingang gratis. JHP- Eintrittskarten ä 25 Pf. sind in sämmtlichen Zahlstellen, im Bureau, Annenstr. 50(Geschäftsstunden 3—1 und 3—6). Am Festabend nur in der Zahlstelle Restaurant zur„Neuen Post", Beuthstr. 21, sowie bei den Kommissionsmitgliedem zu haben. 25/10 Uul zahlreiche Betheiligung der Kollegen und Kolleginnen ersucht Die Beranügungs-Kommissio». SiB. Die Zahlstellen bleiben abends geschlossen. AlMnuim! WlM-MiAOn Mhell-Schönhansttl bei Berlin M. FM- Telephon: Amt Friedrichsberg, A'o. 83. Den Herren Gaftwirthen empfehlen wir unsere aus den besten Materialien hergestellten, wohlschmeckenden und gutbekömmlichen Bicre und zwar: Fagerbier(goldgelb), Nilsener Kier(hell, nach Pilsener Art), Grportbier(dunkel, nach Münchener Art) in amtlich geaichtcn Gebinden zum Nettopreise von 15 Pf. per Liter frei Hags resp. frei Bahnhof Berlin. Die Direktion: UVilh. Skarck. Siebevt. Buchdrucker! o n n t a g, den 14. März, vormittags 11 Uhr, in Keller's Feffsafe«, Koppenstr. 29: Allgemeine Tages-Ordnung: 1. Der Tarif und die Tarifgemciuschaft. Referent: Undwig Rexhanscr, Redakteur des„Korrespondent". 2. Diskussion. DM- In anbetracht der interessanten Tagesordnung ersuchen wir die Kollegen um vollzähliges Erscheinen. 35/6 Der Einberufer: Massini. Topographie Gesangverein Berliner Bnchdrncker n. Schriftglcsser (Dirigent: W. B ö 1 k e.) Sonntag, den 14. März 1897, tu Kcller's Festsälen, Koppenstr. LS: Vokal-Konzert unter güttger Mitwirkung der Konzertfängerin Frl. Johanna Thiele. 53b Anfang präzise 0 Uhr. Enttee im Vorverkauf 30 Pf., an der Kasse 50 Pf., Kinder 15 Pf. Borverkauf-Billets sind auf der Berwaltung des Bereins Berliner Buchdrucker und Schriftgiefter, Ritterstr. 88, II, in der Musikalien- Handlung von Richard Kann, Grüner Weg 17, im Sestersaal de« „Vorwärts", bei Herrn Nettermann, Bandelstr. 45, bei Herrn Siewert. Gräfcstr. 69/70, Freitags im UebunaSlokal des Vereins(Cohn's Festsäle), sowie tu allen mit Plakaten belegten Verkaufsstellen zu habe». Nach dem Konzert: Bcllle Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Das Rauchen vor und während des Konzerts sowie das Re- servire» der Plätze ist nicht gestattet._ Der Vorstand. Belle-Allilmce-Theater. Sonntag, den 14. März, nachmittags 3 Uhr: YdllK-Yorslellung unter Regie von Julius Türk. Zum zweiten Male: Die Jungfrau von Orleans. meine Kranken- und Tterbekasse der Metallarbeiter (Filiale Rixdorf). Sonnabend, de» 13. März, in den Fiktoria-Sftlen zu Rixdorf: Grober Wiener Maskenba?. Der Ucberschuß wird für ausgesteuerte Mitglieder verwandt, Lungen- u. Magenleidende hört heute, Freitag, abends SVa Uhr, bei Joel, Andreassttatze 21, den Vortrag vom prakt. Naturheilk. Grandmann, Der Vortrag wird an einem künstlichen Menschen, welcher mit den leidenden Organen verschen ist, und an zahlreichen Modellen niit der Entstehung und Heilung durch daS Naturheil- verfahrm erklärt. Gäste, Damen u. Herren, willkommen. Eintritt 10 Pf. Berein für Körper- nnd Natnrheilkunde. 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Druck und Verlag von Max Badiag in BerM�_.