Ur. 61. Abomuments• Hedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Wierteljährl. 330 Mb, monatl. 1,10 SRI., wöchentlich W Pfg. srei ini Haui. Sinzeine Nummer 5 Pfg. Sonntagi- Nummer mit illuftrirter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg> PostAbonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Singetragen in der Post> ZettungS- Preisliste für 1SS7 unter Dr. 74S7. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltsne Kolonel- »eile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und BerfammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate sür die nächst« Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werde». Die Srpedilion ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormtttag» geöffnet. Erscheint täglich«ufjer Moniog». Vevltnev VolKsblakt. Zernsprecher: Amt l, Dr. 1608, Telegramm- Adresse: »SoiiftldemoKral Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. N-daktion: 8V. 19. Wenty-Straße 2. Spedition: 8V. 19. Menty-Strake S. Guittung. Im Monat Februar sind bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge eingegangen: Apolda V.— M. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: I. Kr. SO,—. 2. Kr. 200,— darunter(T. L. 43 3.—. Fruhlingslust SO,—, Ueber- schuft vom„Wahren Jakob" 3,—. Ueberschnß vom Maskenball 4,—.) 3. Kr. 200,—. 4. Kr. s Süd oft) 700,—(darunter Vergolder Mns- kaucrstr. 7,30.) 6. Kr.(Moabit) 250,—. 6. Kr.(Rosenthaler Vorst, u. Gesundbr.) 200,—. Oranienburger Vorstadt und Wedding 200,— Berlin, diverse Beiträge: W. H. 100,—. Von Arbeitern der Eisen- bahn- Hauptiverkstälte 6,—. Dr. L. A. 60,—. Rothe Bnch- binder, Grünstrave, S,—. Sächsischer Genosse in Moabit Jannar— März 30.—. L. und H. B. 5,—. Arbeiter von Schnster u. Bär 16,60. Abgelehntes Honorar v. P. M. G. 1,20. Gegen Unwissenheit 1,—. Von Graveuren und Ziseleuren sür ein Referat des Herrn Dr. Chr. 5,—. Mlh. 10,—. A. E. G., Brniinen- strahe, 12,—. Bamberg, Jäcklein Rohrbach k,—. Cottbus, S. 10,—. Cassel, von Genossen 200.—. Chemnitz, Genosse» des 16. sächsischen Reichstags-Wahlkreises 1000,—. Falkenberg (Obcrschl.) 2,—. Frankfurt a. M., abgelehntes Honorar von B. P. H. 9,—. Grohenhain 50,—. Greiz und Umgegend von Genossen 50.—. Görlitz 300,—. Gießen, E. K. 5,—. Hauiburg, C. Tm. 20,—. Hastedt, von Genossen 10,—. Hamburg, von de» Tabakarbeitern der Firma Pitze Z.-V.-H. 26,00. Hamburg, H. F. 50,—. Hamburg H. K. 50,—. Hamburg St. N. 50,—. Karlsruhe, 10. badischer Wahlkreis 20,—. Leipzig, 12. und 13. sächs. Reichstags- Wahlkreis 1000,—. London Rckzhl. 61,20. Limbach, 15. sächs. Reichstags- Wahlkreis 100,—. München, Waldläufer 5,—. München, durch de» Vertrauens- man» 200,—. Meerane, rother Geburtstag 4,—. Mettmann, Wahlkr. 50,—. Neustadt(Oberschl.), Faschingsvergnügen 9,—, von Genosse» 7,—, Sa. 16,—. Nemvied, Frl. L. 50,— Nürnberg 300,—. Nur»- berg, fürs Recht gesammelt 5,—. Offenburg d. d. Vertrauens»!. 6,—. Plauen i. V. 20,—. Reuchen A. G. 7.—. Sonnebcrg, d. d. Vertrauensm. 20,—. Epremberg, Geburtstagsfeier 2,80. Württemberg 50,—. Zwickau, von Parteigenossen 300,—. In der Quittung in Nr. 37 des„Vorwärts" vom 13. Februar dieses Jahres muß es unter Hamburg 2. Wahlkreis nicht heißen Einigkeit 21,55, sondern Zitherspieler Einigkeit 21,65. >amburg-Eimsbüttel, den 3. März 1897. Für den geschäflsführenden Ausschuß: A. G e r i f ch, Eichcnstr. 4. Ngvavische Hoffnungen. Ans dem konservativen Parteitage in Dresden hat Graf Herbert Bismarck, der als Sohn seines Vaters bei den Reaktionären aller Spielfarben im Gerüche eines großen Politikers steht, hoffnungsvoll verkündet, er sehe einen Schimmer Morgen- roth, was aus dem Festrednerischen ins Prosaische übersetzt so viel heißt, die politische Konstellation in Deutschland verheiße den Reaktionären, insbesondere den agrarischen Liebes- gabenschnorrern die baldige Erfüllung ihrer Wünsche. Denn zufrieden sind die Edelsten und Besten nicht, trotzdem jedes Jahr ihnen noch finanzielle Vergünstigungen zum Nachtheil der minder bemittelten Steuerzahler gebracht hat; trotzdem fevr v. Miquel als agrarischer Vertrauensmann im preußischen iimsterium ihnen Gewähr dafür leistet, daß immer neue kleine Mittel flüssig gemacht werden, um sie bei guter Laune zu erhalten und trotzdem nach wie vor und gegenwärtig be- harrlicher als je, an dem altpreußischeu Grundsatz festgehalten wird, daß den Junkersprößlingen die Anwartschaft auf die fettesten Posten in der Landesverwaltung gebühre. Sie haben sich nun einmal eingeredet, daß die sieben Jahre seit der Amtsniederlegung des Fürsten Bis- niarck für sie den sieben mageren Kühen Pharao's gleichen und nun rechnen sie als bibelfeste Leute aus sieben fette Jahre. Graf Herbert Bismarck ist dazu aus- erkoren, ihnen der vorsorgliche Josef zu werden. Und da sie ivisscn, daß den uothleidenden Junkern Schreien hilft, so schreien sie; schreien laut und vernehmlich ihre Sehnsucht ans, wie zur Brunstzeit die Hirsche schreien in Rominten. Da wittern sie nun die Morgenluft der Reaktion, die ihrem brünstigen Sehnen nach Liebesgaben Erfüllung verheißt. Nicht ohne Grund geben sie sich freudiger Hoffnung hin. Als sie— tüchtige Schacherer, wie Ostelbiens Junker von jeher waren— die gesinnungstüchtige Mühlendamniparole ausgaben:„Kein Kanitz, keine Kähne", haben sie auf die gegen- wärtige Situation gesetzt. Kein einziger der sozusagen„verantwortlichen" Staatsmänner, der nicht die agrarischen Forderungen für unver- schämte Ansprüche unersättlicher Habgier hielte; kein einziger aber auch, der nicht eifrig beflissen wäre, die unersättlichen Forderer in guter Laune zu erhallen. Und dann— wer weiß, wie lanae ein preußischer Minister im Amte bleiben wird? Er selbst sicherlich am wenigsten. Die Ansichten preußischer Minister sind keine Werthe, die man als cnt- scheidende Faktoren bei Situationserwägungen in Rechnung stellen dürfte. Wer bei uns zu Lande Ministerworten trauen würde, hätte aus einen Sand gebaut, den ein Lucanus-Hauch morgen schon fortblasen kann in alle Winde. Ganz andere Faktoren als Ministerideen kommen da in betracht. Zwei Tendenzen drängen sich in der RcichSpolitik in den Vordergrund, die eine ist auf die Vernichtung der Sozialdemokratie gerichtet, die andere auf eine großmächtige Flotte zur Betreibung einer aroßmächtigen Weltpolitik. Beide Bestrebungen sind dem Interesse der Großindustriellen angepaßt. Auf demHalberge beiNeunkirchen findet sich der Kompaß des aller- neuesten Kurses. Beiden Besttebungen stehen die Agrarier kühl gegen- über. Der Kampf mit der Sozialdemokratie brennt ihnen nicht so auf den Nägeln, wie den Großindustriellen, und an der Flottenverstärkung haben sie gar kein direktes Interesse. Aber man braucht ihre Hilfe. Zur Bedrängung der Sozialdemokratie sind sie zivar jederzeit auch ohne besonderes Zureden bereit. Unterdrückung der Volksfreiheit ist traditionelle Politik im deutschen Junkerthum. Halfen doch auch ihre Vorfahren „aus Haß der Städter" dem werdenden Absolutismus zum Durchbruch. Für die Bewilliguug von Kähnen aber wollen sie sich bezahlen lassen. Sie können auch der Ueberzcugung leben, daß ihr Ansehen als würdigste und zuverlässigste Stützen von Thron und Altar wieder im hellsten Glänze strahlt. Die Märker, denen Kaiser Wilhelm II. auf dem Feste des Provinzial-Landtages neulich sein Herz ausschüttete, die er aufforderte zu großen Thaten gegen den Umsturz, waren„Edele" fast durch die Bank. Die„Unfreien" waren alle draußen. Ihre Anwesenheit war auch nicht erforderlich, da sie ja den Edeleu als ihren angestammten Herren so wie so Gefolgschaft zu leisten haben. So oft diese Edelen nun aber in die Arena der Volksagitation oder in den Zirkus herabgestiegen sind, haben sie das Bauerngewand angethan. Sie thun stets, als ob die Bauern, die bei dem großen Bauernlegen übrig gelassen wurden von den Junkern, in diesen Junkern jetzt ihre natürlichen Bundesgenossen und Vertreter erblicken müßten. In der Rede, zu der Kaiser Wilhelm angeregt wurde durch daS Rauschen der Eichenblätter— natürlich dürrer, denn auch in der Mark tragen die Eichen im Winter kein grünes Laub— hat nun der Monarch mehrfach sein Vertrauen auf die„treuen märkischen Bauern", die„dinghaften Bauernsöhne" ausgesprochen. Kann man es da den anwesenden Edeln und deren sonstigen Leidensgefährten unter den geflickten Stroh- dächern verdenken, daß sie, die doch nach ihrer eigenen Behaup- tung die wahren und echten Bauern sind, daß sie diese kaiserliche Vertrauenskundgebung an die Bauern für die Sache des gesammten Agrarierthums in Anspruch nehmen? Sie müßten aber nicht die alten gewiegten Praktiker und Pfiffikusse sein, als die sie sich von jeher im höfischen Salon und auf höfischen Hintertreppen bewährt haben, wenn sie nicht, eingedenk des agrarischen Sprichwortes:„Wer im Rohr sitzt, kann sich Pfeifen schneiden", sich nun auch Pfeifen schneiden würden, nach denen sie das preußische Ministerium, sei es dieses oder ein noch gelenkigeres, tanzen lassen können. Der neuernannte Edle, Herr v. Miquel, wäre als Vor- tänzer bei dem agrarischen Erntkanz gerade der rechte Mann. polikifche Mebevstchk. Ter Neichsta ordnung, die inde ward. Bon dramatischem Etatsposten: richtiger: es Berlin, 12. März 1897. hatte heute wieder eine sehr lange Tages- in vergleichsweise kurzer Zeit erledigt jnteresse— in einigen Momenten von geradezu Interesse— war eine Debatte, die sich bei dem Zölle und Verbrauchssteuern entspann. Oder war ein Gericht, das abgehalten wurde. Auf der Anklagebank saßen zwei arme Sünder einer weiblichen Geschlechts und unkörperlich: die Z u ck e r st e u e r; der andere wohlbeleibt mit glänzendem runden Gesicht und Ahlwardt'scher Stirn: der nationalliberale Agrarier P a a s ch e. Der armen Zuckersteuer ging es erbärmlich— von der Linken wurde sie gebrandmarkt als ein Unrecht am Volk, dem die Taschen geleert werden, um ein paar Zuckerbaronen die vollen Taschen noch smehr zu füllen und dem Ausland auf Kosten der deutschen Steuer- zahler billigen Zucker zu schenken. Und auch von der Rechten ertönten nurWorle des Tadels und des Vorwurfs. Niemand ist mit dem Wcchselbalg zufrieden. Niemand, nicht einmal der unglückliche Vater„von das Kind"— der zweite arme Sünder auf der Anklagebank. Noch unbarm- herziger als mit der Znckersteucr ging man ins Gericht mit dem Vater des Wechselbalgs, dem national- liberalen Agrarier Paasche. Umsonst leugnete er die Vater- schaft ab— sie wurde ihm nachgewiesen und auf die Ahlwardt-Stirne geheftet. Die zwei freiwilligen Staatsanwälte: R ö s i ck e und Barth kannten kein Mitleid, sie iveideten sich mit Wollust an den Qualen des Schlachtopsers. Umsonst wischte Paasche sich den Schweiß von der Ahlwardt- scheu Denkerstirn— der Wechselbalg hing ihm an den Rockschößen. Umsonst wand und drehte er sich— der Wechselbalg saß ihm auf dem Rücken. Und als endlich der Zuckersteuer-Vater mit der Ahlwardt-Stirn in seiner Ver- zweiflung sich die Worte entschlüpfen ließ:„Ich habe nur sür meine Interessen gekänipft— da war unter erdrückendem Aha! das Urtheil gesprochen; und geknickt, zerknirscht sank der Verurtheilte in sich zusammen, rath- und halbbewußtlos vor sich hinmurmelnd: „das Wort war mir nur entfahren, ich habe mich nur ver- sprachen!' Armer Paasche! Das weitere werden die Wähler besorgen, vor denen er sich auch schon oft„versprochen" hat. Der einzige Punkt der Tagesordnung, der noch eine Debatte hätte veranlassen können: Das Gesetz zur Errichtung einer Gedenkhalle, wurde nach einer kurzen färb- losen Begründung durch den Reichskanzler ohne jede Debatte vor eine Kommission verwiesen, die es begraben soll. Wenigstens wird dies von allen Parteien gesagt; das ist in der That sehr bezeichnend, daß alle Parteien des Reichstages sich des Radau-Patriotismus zu schämen beginnen. Für die sozialdemokratische Partei gab Singer die bündige Erklärung ab, daß wir gegen sind und ihn a Hauses— zurückweisen, berathung einzulassen. Morgen keine Sitzung. dem Gesetzentwurf prinzipiell ent- liminö— von der Schwelle des ohne uns auf eine Kommissions- Montag Nebensächliches. Dienstag hofft man die Marinedebatte anfangen zu können.— DaS preußische Abgeordnetenhaus kam auch heute noch nicht mit der zweiten Lesung des Etats der Eisenbahn-Verwaltung zn Ende. Bei den Einnahmen drehte sich die Debatte weniger nm Eisenbahnfragen; der größte Theil der Erörterungen wurde viel- mehr durch das dem Hause zur zweiten Natur gewordene Gezänk zwischen den Vertretern der Landwirthschaft und der Industrie aus- gefällt, so daß man den Eindruck gewinnen mußte, daß eine Jnter- pellation über den agrarischen Nothstand, nicht aber der Etat der Eisenbahn-Verwaltung zur Besprechung stand. Als lautester Rufer im Streite zeigte sich wieder Graf Kanitz, der namentlich gegen die Industriellen im Rheinland und in Westfalen eiferte. Abg. Bueck(natl.), der seine Angriffe zurückwies, glaubte eine ganz besondere Weisheit auS- zusprechen, indem er als Beweis für die herrlichen Zustände im Rheinland und Westfalen die Thatsache anführte, daß dort die Sozialdemokratie am wenigstens verbreitet sei. Die Folge dieser Bemerkung war eine Auseinandersetzung zwischen Bueck und Kanitz über die Verbreitung der Sozialdemokratie im rheinisch-westfälischen Jndnstriebezirk, mit deren Resultat unsere Partei wohl zufrieden/ sein kann, denn Graf Kanitz gab zn, daß die Sozialdemokraten- freilich nur einen Vertreter'aus jener Gegend im Reichstag haben, daß aber die bürgerlichen Parteien uns gegenüber einen schweren Stand hätten. Bei den Ausgaben wurde nach längerer Debatte ein Antrag Rickert, der eine Aufbesserung der Lage der technischen Beamten be- zweckt, abgelehnt. Eme Anfrage des Abg. Rickert, ob es wahr sei, daß den Beamten durch einen Ministerialerlaß vom 13. April 1806 verboten sei, sich mit Petitionen an das Haus zu wenden, beant- wartete der Eisenbahn-Minister Thielen dahin, daß ihm von einer Einschränkung des Petitionsrechts der Beamten nichts bekannt sei. Und mit dieser Zlntwort gab sich das Hans zufrieden!— Morgen wird die Berathung sortgesetzt.— Bei den Reichstags- Verhandlungen über den sozialdemo- kratischen Antrag betreffs Aushebung der Gesinde- Ordnungen ist auch erwähnt ivorden, daß die Klasse der Dienenden sitlndig zusammenschrumpft, weil sich bei der zunehmenden Aufklärung des Volkes mit recht immer weniger Leute bereit finden, sich unter jene unwürdigen und entehrenden Bestimmung:» zu beugen, wobei selbst- verständlich auch eine Reihe wirthschaftlicher Ursachen, wie Rück- gang der Wirthschaft und damit Zwang zur Selbstbewirthschaftung, Heranziehung von Wanderarbeitern auf den Latifundien ic. mit- wirken. In welchem Maße dieser Rückgang in der Zahl der Dienst- boten thatsächlich stattfindet, das zeigen die Zahlen der längsten Berufs- Zählung vom Jahre 1895. Im Jahr« 1882 gehörten im Deutschen Reich zur Klasse der Dienenden noch von je 100 Personen der Be- völkerung 2,03 Personen, 1895 nur noch 2,50 Personen. Hinsichtlich der männlichen Dienstboten hat eine besonders starke Verminderung staltgefunden, nämlich von 0,19 ans 0,10 pCt. der Bevölkerung,— also um fast die Hälfte. Die weiblichen Dienstboten sind zurück« gegangen von 5,56 auf 4,90 pCt. der Bevölkerung. Die Klasse der Dienstboten ist also für das ganze Reich im verhält» iß- mäßigen Rückgang begriffen, für die männlichen Dienstboten sogar im absoluten. 1882 zählte man noch 45 510 Diener, 1805 nur noch 25 364! Kein Wunder! Und dasselbe, was hier für das Reich ausgeführt ist, gilt in noch stärkerem Maße für daS Königreich Preußen,— dasselbe Land, in dem östlich der Elbe die berühmten, das Junkerparadies bildenden Provinzen liegen, und in welchen Provinzen seitens der„Unfreien" besonders über ihre unwürdige Be- Handlung durch die„Edlen" geklagt wird. I» Preußen ist die Dienst- botenklasse in den genanntenJahrenvon 3,25 aus 2,65 pCt.der Bevölkern» g zurückgegangen; und für die männlichen Personen speziell von 0,23 ans 0,11 pCt., also um über die Hälfte,— sür die weibliche» Personen von 6,16 ans 5,11 pCt. der Bevölkerung. Bei dieser Entwickelungstendenz thäten die konservativen Herren, die fortwährend über den Mangel an Dienstboten und ländlichen Arbeitern klagen, in ihrem eigenen Interesse wirklich besser daran, die von unserer Seite angeregte Aushebung der Gesinde-Ordnungcn nicht zu hintertreiben.— De» Staatsstreich zu propagiren waren die Bismarck- blätter, allen anderen die„Berl. N. Nachr." voraus, eifrigst bemüht. Unsere Gesetzlichkeit ist den landesverrätherischen und verfassungsbrechcrischen Anhängern des Herzogs von Lauenburq höchst unbequem und da wir von der Bahn der Gesetz- lichkeit nun einmal nicht abzubringen sind, so erklären die weisen Thebaner, daß die anderen von der Bahn de? Rechts abweichen müssen. Das wird natürlich überschlau al."- staatliche Nothwendigkeit begründet. Die Muster jesuitisöie? Dialektik müssen sick bei dieser Darlegung vor der jesniten-- hassenden und kulturkämpferischen Bismarckgarde verkriechen. Wie schön ist z. B. die folgende Stelle aus den„Berliner Neuesten Nachrichten": Die Sozialdemokratie ist der Feind der Verfassung, der Bruch derselben ist ihre ausgesprochene Absicht und für sie nur eine Frage des günstigen Augenblicks. Wer im Kriege nicht unterliegen will, darf das Gesetz der Schlacht nicht vom Gegner annehmen, sondern muß es ihm vorschreiben. In dieser Lage ist die Monarchie gegenüber der Sozialdemokratie. Es würde sich somit im gegebenen äußersten Falle nicht um „Verfassungsbruch" handeln, sondern um einen einmüthigen Schritt der deutschen Fürsten und freien Städte, einem drohenden Verfassungsbruch zuvor zu kommen. Mit dieser Logik hört jede Verpflichtung, Versprechen, Eide, Gesetze zu achten, auf. Wir können sehr erfreut sein, daß sich unsere erbittertsten Gegner so außer dem Rahmen des Gesetzes stellen. Als Staatsbürger, als staatserhaltende Elemente darf man sich niemals auf den Boden der Bis- märcker begeben, aber wer sich auch als Politiker jenseits von Gut und Böse stellen will, darf dies nur thun, wenn er sicher ist deS R ückhalts im Volke, der Deckung z» zum die urch die Macht. Wie dumm und plump aber das Spiel dieser Burschen ist, beweist ja die fast einmüthige Verurtheiluug ihrer unlauteren Politik. Nicht nur die demokratische, frei sinnige und Zentrums-Presse verurtheilt einmüthig das um stürzlerische Treiben der Bismärcker, selbst die„Kölnische Reitling" hat sich mehrmals in unzweideutiger Weise gegen dieses Gebahren gewandt. Aus der letzten Aeußerung des rheinischen Blattes führen wir die folgende Stelle an: Wir haben dieser Tage unserer Enlrnstuiig darüber Ausdruck verliehen, daß denlsche Blätter, die für den Kamps für Ordnung Eitle und Neligio» einzutreten pflegen, sich nicht gescheut haben, offen einen Bruch der deutschen Reichs Verfassung durch die vereinigten Fürsten zur 9l b w e h eines von sozialdemokratischer Seite drohen den Verfassungsbruches(! Red. des„Vorw.") befürworte». Jetzt wird auf der ganzen Linie Rückzug geblasen und nur noch betont, daß Reichs-Verfassung weder von« Kaiser noch von den deutschen Für st en beschworen»verde. Wir wisse» nicht, ob mit diesem Hiniveis, der noch dazu theilweise falsch ist, gesagt werden soll, daß wegen des mmigelin den Eides die Fürsten die Reichsversassung brechen könnte» Das würde zur genüge die ganze Gesinnungslosigkei keiinzeichne». von der die Verbreiter dieser U m st n r z l e h r ausgehen. Jeder Fürst, der König von Preußen ebenso wie jeder andere, hat bei seinem Regierungsantritt de» Eid auf die eigene Landesverfassung zu leistein In Preußen z. B. lautet der Eid dahin „Ich gelobe, daß ich die Verfassung des Königreichs fest und un verbrüchlich halten und in Uebereinstimmuug mit derselben und den Gesetzen regieren will." Zu diesen Landesgesctzen gehört aber in jedem deutschen Staate auch die Reichsverfassung, die erst am 1. Juli 1867 für Norddeutschland in kraft treten konnte, nachdem sie in jeder Landesgesetz- Sammlung wie jedes andere Landesgesetz veröffentlicht worden war. Der Verfassungs- eid, den jeder deutsche Fürst geleistet hat, erstreckt sich also auch auf den Schutz und das Festhalten der Reichsverfassung «ud wir zweifeln nicht, daß jeder deutsche Fürst den Ver führer, der ihm auch nur den Gedanken eines Eid- und Verfassungsbruches nahelegen wollte, sofort mit einem kräftigen Fußtritt vor die Thür befördern wird. Der Fürst, der dulden wiirde. daß die festesten Stützen seiner Herrschaft, die unbedingte Heilighält»»� von Recht und Gesetz, auch nur durch kecke Redens- arten angetastet würden, er würde seinerseits a m m e i st e n f ü r die Untergrabung seiner eigenen Stellung wirke».— Im Kaiserthum Bhzauz waren sämmtliche Monarchen»groß". nur mit der Abwechselung, daß die«inen auch göttlich waren und die anderen blos himmlisch und heilig. Bekanntlich ging die „Größe" und„Göttlichkeit" bei einzelnen der Monarchen auf deren Pferde und sonstiges Hausgethier über. Daß Versuche gemacht werden, Byzanz jetzt wieder ausleben zu lassen, ist bekannt. Aber innerhalb unserer Grenzen stößt das Experiment doch auf mancherlei Widerstand, wobei wir natürlich die verhärteten Reichsfeinde, bei denen sich das von selbst versteht, auS dem Spiel lassen. Aber auch in den reichstreuesten Kreisen regt sich die Opposition. So spricht zum Beispiel der ultra-nationalliberale Leipziger Stadtrath in seiner amtlichen Bekanntmachung sehr demonstrativ von einer Gedenkfeier für„Kaiser Wilhelm I.". Der„Große" fehlt, und auch die byzantjnischeu Schmeicheleien und Lobeshymnen des Berliner Oberbürgermeisters und Magistrats fehle» in der Bekanntniachung des Leipziger Stadtraths.— Was mit Griechenland geschehen soll, scheinen die Großmächte noch immer nicht zu wissen. Die Situation ist noch immer unklar, die Einigkeit der Großmächte noch immer nicht hergestellt. Unterdessen erntet Deutschland den Lohn für sein Eintreten für die Türkei. Der ,N. Fr. Pr." �wird aus Athen telegraphirt: £v<. Deutschenhaß hat in Athen wie in ganz Griechen land eine derartige Ausdehnung angenommen, daß ganze Familien flüchten und z. B. die Professoren Dörpfeld und Wolters vom deutschen archäologischen Institut in Athen ihre Familien angehörigen schleunigst nach Italien und Deutschland senden. Frau Prof. Dörpfeld wurde in den letzten Tagen auf offener Straße verhöhnt und bedroht, es wurde auch versucht, Dörpfeld's Haus in Brand zu stecken. Nachts wurde die Familie durch Flintenschüsse erschreckt. Aus K a n e a wird telegraphirt: Die Zahl der muselmanischen Flüchtlinge, Männer, Weiber und Kinder, welche ohne Hilfs- und Existenzmittel hierher transportirt worden sind, ist derart angewachsen, daß eine Hungers- noth bevorsteht; außerdem sind Maßnahmen dringend nothwendig, um die Banden von Plünderern, welche die Städte Krela's und deren Umgebung verwüsten, aus den Städten zu entfernen.— Tie internationale SanitiitSkouferenz hat beute ihre Arbeiten beendigt, die sich auf die Prüfung der Beschlüsse der ver- schiedenen Unterausschüffe erstreckten. Die Konferenz wird baldigst aufs neue zusammentreten, um den von einem hierfür besonders«in- gesetzten Ausschüsse bearbeiteten Entwurf einer Sanitätskonvention zu berathen. Alsdann soll die Unterzeichnung der Konvention er» folgen.— Chronik der MajestätSbeleidigungs- Prozesse. Unser Altonaer Korrespondent schreibt uns: Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich am IL. März der Mauer Köhuke aus Ellerau vor dem Altonaer Landgericht unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zu verant- Worten. Der Angeklagte befand sich am Geburtstage des Kaisers in etwas angetrunkenem Zustande in einer Wirthschaft in seinem Wohnorte und soll sich durch eine unbedachte Aeußerung aus ein Kaiserhoch/ die brühwarm der Behörde durch gute Patrioten über- bracht wurde, des ihm zur Last gelegten Vergehens schuldig gemacht haben. Das Landgericht ließ seine Ausrede, daß er sinnlos be- trunken gewesen sei und keine Majestätsbeleidigungbeabstchtigt habe. nicht gelten und verurtheilte ihn zu vier Monaten Ge- sängniß.— »• » Deutsches Reich. — Begnadigungen. Den drei infolge deS Unfalls auf der„Brandenburg" im vorigen Jahre verurtheilten Beamten des „Vulkan", den Herren Schubert, Nicolai und Freyberg, ist der„N. Stett. Ztg." zufolge auf dem Gnadenweg« die Gefängnißstrafe in Festungshaft umgewandelt worden. Kiel, 11. März.(Eig. Ber.) Ein laudräthlicher Ritt- meister abgeblitzt. Der Redakteur der„Apenrader Zeitung", Becker, hatte aus Anlaß des Falles Brüsewitz es als angebracht be- zeichnet, daß die Militärs außer Dienst kein Seitengewehr tragen dürften. Hierdurch fühlte sich der Landrath v. Urlar in Äpenrade in seiner Stellung als Rittmeister der Kavallerie beleidigt und stellte deshalb Strafantrag. Die Flensburger Strafkammer erkannte jedoch auf F r e i s p r e ch n u g beziehungsweise auf Einstellung des Ber- fahrens, da ein Reserve-Ossizier zur Stellung von Strafanträgen nicht berechtigt sei. Die Wirkung deSNord-Ostsee-Kanal» auf den Handel Kiels zeigt ein trübes Bild. Der Kohleniniport ist in einem Jahre um IS pCt., der Holzimport in zwei Jahren nm II pCt. zurückgegangen. Die Einnahmen des HafenS sind in fünf Jahren von 1ö6 0(X) M. ans 110000 M. gefallen.— Dresden, 11. März.(Gig. Ber.) Zurnächsten Reichs- t a g S w a h l machen zetzt schon alle Parteien mobil. Bon der konservative» Reklameversammlung berichteten wir schon. Gestern war Stöcker da, griff die Konservativen an und macht« Reklame für seine Mannen. Heut« sprach nun Zimmermann vor den Antisemiten und vermöbelte den konservativen Plan mit der Auf- pellung Herbert Bismarcks ganz gewaltig. AuS dem„einigen nationalen" Kandidaten Bismarck, dürfte nun doch nichts werden dafür wird die nächst« Wahl und ihre Vorbereitung ein— Schau piet für Gölter.— Meiniiigen, 12. März.(Verl. Tagebl.) Der, Landtag hat das Lotteriegesetz angenominen, wodurch nunmehr die Ein richtung einer gemeinsamen Thüringer Lotterie ermöglicht wird Ferner wurde ein Darlehen von LS 000 M. zu 3 pCt. für die Kor» haus- Genossenschaft bewilligt. Auch das Kohlensäuregesetz wurde angenommen.— Lndwigöhafe», 10. März.(„Pfalz. Post") In seiner gestrigen Nummer giebt der„Landauer Anzeiger" Kenntniß von einem interessanten Zeugnißzwangs-Verfahren, das vor einiger Zeit gegen den verantwortlichen Redakteur des Blattes geschwebt hat. Die Sache hängt mit einer Notiz zusammen, über Ans- schreilungen, die sich ein Gemeiner des 18. Jnf.-Regt. zu Landau namenS Heim im November v. I. in der Kasoru« hat zu schulden kommen und wegen deren er am letzten Freitag vom Militärbezirksgericht zu Würzburg zu vier Jahren Gesängniß und Enifernung aus den» Heere verurtheilt wurde. In einer damaligen Notiz über die Ausschreitung war u. a gesagt worden, der herbeigerufene Feldwebel der Kompagnie habe in der Noll, wehr zum Säbel greisen müssen und dem Hcnn damit «ine Verletzung beigebracht, wegen der er habe ins Lazarcth gebracht werden müssen. Diese Behauptung erivies sich als unrichtig. Der Militärbehörde gab sie«inen willkommenen Anlaß. gegen den Redakteur deS„Landauer Anzeigers" ein Zengnißzwangsl Versahren einzuleiten, um den Einsender der fraglichen Notiz zu erfahren, da sie vermnthete, daß es eine Militärperson sei. Der Redakteur wurde vor den militärischen Untersuchung� richter gelnden, von dem er aufgefordert wurde, den Einsender zu nenne». Als der Redakteur dies verweigerte, wurde er vor den Zivilrichter des Amtsgerichts geladen und von diesem mit drei Mark gebüßt. Aber das war erst daS Vorspiel. Eines schönen Tages erhielt der Redakteur eine abermalige Einladung vor das Amtsgericht, wo ihm die erfreuliche Mittbeilmig gemacht wurde, daß er geiälligst und zwar sofort insLoch zu spaziren habe, wenn er nicht den Namen des Einsenders nenne. Da der Ei» sender— keine Militärperson— seine Ermächtigung dazu schon früher gegeben halte, so erfüllte er nach kurzer Zeit den Willen der Behörde«nd gab den Namen bekannt. Damit war die Angelegenheit erledigt. Weder der Redakteurs, noch der Einsender find noch weiter behelligt worden. Der Militärbehörde war es also ledig- I i ch darum zu t h u n, den Einsender kennen zu lernen. Und um den zu ermitteln, wurde mir nichts dir nichts über den Redakteur das Zeugnißzwangs- Versahren verhängt. Wieder eine Illustration zur vielgepriesenen Freiheit der Presse. Weil die Militärbehörde gern wissen möchte, wer die harmlose, nur in einem Punkte unrichtige Nach richt von einer Soldatenausschreitnng verbrochen hat, und weil sie eine Militärperson hinler dem Einsender vermnthet, nimmt sie sich das Recht berauS, den an der ganzen Sache unbelheiliglen, bei Aufnahme der Notiz doch zweifellos in gutem Glauben han- delnden Redakteur auf die Gewisseusfolter zu spannen und ihm im äußersten Falle eine sechsmonatige Zwongshaft in Aussicht zu stellen Und da schreit man noch über verschärfte Maßnahmen gegen die Presse! Das Interessanteste dabei ist noch, daß der„Land. Anz." kein Oppositionsblall ist, sondern«in nationalliberales, das äußerst militärfromm" ist.— Ans Baden, II. März.(Eig. Ber.) In Offenburg, an der Geburtsstätle, ist am ersten Svnntag des rauhen Märzen die Trennung der siamesischen Zwilling« vorgenommen worden Freisinn und Deutsch« Volkspartei sind jetzt im Lande Baden zwei getrennte Körperschaften. Die Operation scheint eine ehr schmerzliche gewesen zu sein, denn es drang ein schrecklicher Tumult ans dem Lokale, wo der Landesansschuß der früheren Vereinigung tagte. Die V rschmelzung beider Richtniigen des bürgerlichen Land- tnrnieS war vor etwa 10 Jahren das Werk des Anwaltes Muser, zer dieser Verstärkung bedinfte, um für sich und seine Volkspartei Wahlerfolge>zu erzielen. DaS Zentrum, mit dessen Hilfe die Mnser- 'chen sich in den Landtag befördern lasse» wollten, verlangten etwas mehr Hilselrnppen aus dem„liberalen" Lager, als die Volksparlei 'ie bieten konnte. Endlich erschien der Abg. Rickert in der Turn- halle zu Offenburg und dort kam die Union zu stände, zu der sich Politiker der verschiedensten Nuancen zusammenfanden. Od der Erhaltung der Gunst des Zentrums, ohne dessen 'tiesmütterliche Liebe den Freisinn-Demokraten nirgends ein Erfolg vinkte, ging die Fusion nun wieder ans dem Leim. ES handelte Ich um die Proklamirung der Grundsätze, nach welchen bei den be- vorstehenden Landtags wählen resp. Reichslagswahlen Kandidaten anderer Parteien die srcisinn-demokratisch« Unterstützung inden. Von den» freisinnigen Stechtsanwalt Dr. Fried r. Weill in Karlsruhe(früher sozialdemokratischen Anschauungen huldigend) wurde beantragt, den von der Freisinn-Demokratie zu poussirenden Kandidaten auch die Frage vorzulegen: Ist der Kandidat für Er- Haltung der gemischten Schul« in Baden. In dieser Frage- tellung erblickten die Demokraten Muser, Venedey, Heimburger und Delisl« ein A b r ü ck e n v o m Z e n t r u in, somit eine Gefährdung ihrer Chmicen. Trotz de? volksparteilichen Widerspruches wurde der Antrag Weill mit 18 gegen 17 Stimmen angenommen: die„reinliche Scheidung" war vollzogen. Bezeichnend ist die Thatsache, daß von dieser Itio in partes, die hinter verschlosseneu Thüren vor sich ging, das Organ der ZentrumSpartei, der„Bavifche Beobachter", zuerst unterrichtet war. Der März hat den Sturz alter, morscher Systeme auf sich; nun ist auch die pseudo-demokratische Herrlichkeit der Muser'schen von ihm zerschmettert. Die Steamüllerei erschien bei der BürgerauSschuß- wähl in Lörrach im herrlichsten Lichte. Der unsterblich ge- wordene Name deS bisherigen Landtags- Abgeordneten von Lörrach wird wieder allgemein genannt. Stegmüller sorgte für die Nieder- lag« der foziaivemokratischen Partei, indem er«ine antisemitisch- nationalliberale Freischaarenhorde sammelte und sie vor dem Wahltag ins sreisnini g- ullramontane Lager führte, um durch eine herrlich« Koalition der gesammten Ordnungsbrüderschaft z» verhindern, daß die Etadtgemeinde Lörrach durch den Sieg der Rothen nach außen m Mißkredit gerathe".— ES ist ihm auch gelungen, dem Edlen!— Mainz, 11. März.(Eig. Ber.) Nachdem vor einigen Tagen ich auch hier«in Komitee gebildet hatte zur Veranstaltung einer ieier für die Wiederkehr des Geburtstages Kaiser Wilhelm l., rückte man auch hier wie anderwärts dem Stadtsäckel zu Leibe und orderte dir Bewilligung von eintausend Mark. In der gestrigen Stadlverordneten- Versammlung kam dieser Antrag zur Debatte. Unsere Genossen im Stadthause gaben dazu folgende Erklärung ab: „Wir protestireu dagegen, daß aus Gemeiudemitteln Gelder bewilligt werde» zu einer Feier, für welche bei dem größeren Theil unserer Bevölkerung gar kein Verlangen und keine Ber- anlassung vorliegt. Man will das Andenken Kaiser Wilhelm I. feiern, weil er die Einheit des Deutschen Reiches bewirkt habe, während aus dem Tagebuch Kaiser Friedrich III., also ans dem Mund« des eigenen Sohnes, zu ersehen ist, wie wenig Wilhelm I. der Kaiseridee zugänglich gewesen und wie sehr er sich nur für Preußens Ruhm und Größe begeisterte. Auch können wir nicht vergessen die Haltung des Prinzen Wilhelm tm Jahre 1848. Wir können ferner nicht vergessen, daß während der Regierung Wilhelm I. zwölf Jahre lang«in Ausnabmegesetz bestehe» konnte. dns namenloses Unglück über viele Familien gebracht hat. Man kann uns nicht zumulhen, für feine Verberrlichung mitzuwt'.ken, znmnl von anderer Stelle auf diese Feier direkt mit der Aufforderung zur Vernichtung unserer Partei hingewiesen worden ist. Wir bedanern, daß die Stadtverordneten- Versammlung sich «inseitig zu politischen Zwecken benutzen läßt, wogegen man seiner- zeit»ine Resolution gegen die Umsturzvorlage wohl und sicher zu verhindern wußte. Wir protestireu deshalb gege» die Be- willigung." Selbstredend bewilligte hier wie anderwärts die bestehende Majorität das geforderte Geld, ohne sich auf den Inhalt der Erklärung einzulassen. Dagegen stimmten nur unsere Genossen und sieben weiße Rabe» auS den bürgerlichen Parteien. Strasburg i. Elf., 11. März. Ter Landesausschuß hat in seiner heutigen Sihung den Etat für 1897/98 ohne lveseutliche Aenderung des Regierungsentwurfes in zweiter Lesung angenommen. Der Etat balanzirt mit S7 096 214 M. Zur weiteren Dnrchsührung des Dienstalters stufensystems für die Subalternbeamte» wurden die nöthigen Mittel bewilligt.— Oesterreich. Die Wahluachrichten finden unsere Leser in einer b« s o n- deren Rubrik vor den Depeschen.— Zürich, 10. März. Schweiz. (Eig. Ber.) Die »ürcherisch» Ne> g i e r u n g hat den Entwurf zu einem kantonalenÄe werbt» gesetz veröffentlicht, der ein schönes Stück Arbeiter- und Lehrlingsschutz enthält. Das Gesetz erstreckt sich auf alle handwerksmäßigen und industriellen Betrieb- und ferner auf daS H a n d e l s g e w» r b e. Vorbehalten bleiben die Bc- stimm USgen des schweizerischen Obligationenrechts über den Dienst- vertrag, der eidgenössischen Fabrik- und Haftpflichtgesetzgebung und dcS kantonalen Arbeiteriiinenschutz-Gesetzes. Für Dieustmanner, Droschkenführer, Kaminseger, Jnformations-und Plncirnngsbnreaus zc. können die Gemeinderäthe besondere Verordnungen erlassen. Ans dem Berordnungswege soll durch die Regierung auch das Verfahren bei Vergebung öffentlicher oder vom Staat« subventiomrter Arbeiten geregelt werden. Von den wichtigsten Bestimmniigen sind zu erwähnen diejenigen über die Sicherheit deS Betriebes, über die Beschaffenheit der Arbeilsräume, über die Sonntagsruhe und tägliche Arbeitszeit. Die Bestimmungen über die Arbeilsräume erhallen dadurch besondere Bedeutung, daß sie auch für die Hausindustrie gelten solle», welche in den Motiven als ein sich immer mehr ausdehnender Mißbrauch der Unter- nehmer bezeichnet wird.„Wenn Wohnräume als Arbeitsstätten in gewerblichem Sinne benutzt werden, so haben dieselben gleicher- weise allen hygienischen Anforderungen zu entsprechen; sie müssen im Verhältniß der Zahl der darin Arbeitenden hinreichend groß, hell, trocken, heizbar nnd leicht zu lüften sein und dürfen weder zum Schlafen noch zum Kochen benutzt werden. Kellerräume dürfen nicht als Arbeitslokale dienen. Geschäftsinhaber, die Arbeit außer Hans geben, sind dafür verantwortlich, daß die v o n i h r e n A r b e i t e r n a l s St r b e i t s st ä t t e n b e ii ü tz t e n Wohnräume den Anforderungen dieses Gesetzes entsprechen."— Bezüglich der Schlafräume, welche ein Gewerbetreibender seinen Arbeitern oder Lehrlingen anweist, fordert der Entwurf direktes Licht und mindestens 10 Kubikmeter Lnstraum für jede Person; sie dürfen nicht in Kellern gelegen sein, müssen für jede Person ein besonderes Bett enthalten und es muß mindestens alle vier Wochen die Bettwäsche erneuert werden. Der Lehrling darf nicht durch den Entzug des Essens bestrast werden. An Sonn- tagen und den gesetzlichen Feiertagen ist daher gewerbliche Arbeit untersagt, wovon nur in bestimmten Nothfällen Ausnahmen zulässig sind. Die Verweigerung der Arbeit an weiteren kirchlichen Feiertagen darf nicht gebuht werden. Den Gehilsen, Augestelllen, Arbeitern und Lehrlingen ist in jedem Falle mindestens der dritte Sonntag freizugeben. Photographen dürfen an Sonntagen von 9 Uhr vor- bis 4 Uhr nachmittags lhätig sein. Die Friseur« am ganzen vor» mittag biS IL Uhr mittags. Dem Personal ist dafür je«in halber Wochentag freizugeben. Für die tägliche Arbeitszeit finden die Bestinimungen des eidgenössischen FabritgesetzcZ mit dem Elf- st u n d e n t a g Anwendung. In den Motiven wird dazu bemerkt, daß meist nur noch in kleineren Betrieben auf dem Lande die elf- stündige Arbeitszeit besteht, aber dennoch weitergehend» gesetzliche Beschränkungen der Arbeitszeit die Gegnerschaft de« Gesetzes ver- stärken könnten. Es sind also nur taktische,»eine materiellen Gründe, welch« die Ausnahme deS Zehustundentagei in daS Gesetz verhinderten. Der Lohn für Ueberzeitstunden muß um mindestens ein Viertel höher sein, ali für normale Arbeitszeit. Für die kauf- man nischen Bureaus wird die Beschäftigung des Personals an Eoun- und Festtagen untersagt und die wöchentlich« Arbeitsdauer aus S4 Stunden festgesetzt. Auf die Be- timmungen über das Lehrlingswesen werde ich noch zurückkommen. Der Entwurf bedeutet«inen erheblichen sozialen Fortschritt und wäre deshalb die seinerzeitige Annahm« des Gesetzes in der Volks- abstimumng dringend zu wünschen.— Zürich, 11. März.(Eig. Ber.) Im Kanton»argau haben unser« Genossen am Sonntag bei der KantonsrathSwahl mehr Erfolge erzielt als zuerst gemeldet worden. Zu den bisherigen Älrbeitelvertretern wurden 3 neue hinzugewonnen, während noch ein weiterer Genosse in die Stichwahl kommt. Wird er gewühlt, so ieigt die Zahl der Arbeirervertretung auf 6 gegen 2 bisherige.— Neuestens bricht sich der Gedanke der Proportionalwahl immer mehr Bahn und mit dem Vordringen und Erstarken der Sozialdemokratie werden die bürgerlichen Parteien im eigenen Interesse auS Gegnern zu Freunden des Proportional-WahlsystemZ werden. So bat auch der Verfassungsrath des Kantons Schwy, einen Artikel über die Proportionalwahl in die neue Verfassung aufzunehmen beschlossen. Grundsätzlich erhält jede Gemeinde mit wenigstens 200 bis 600 Einwohnern das Recht,«inen Vertreter in den KantonS- rath zu wählen; für zede weiteren 600 Einwohner oder ür eine Theilzahl von über 300 kann je«in weiterer Vertreter gewählt werden. Bei mehr als zwei Vertretern findet dor Proporz Anwendung. Auch die sieben Regierunasräth« werden nach dem Proporz gewählt. Im Kanton Waadt ist vom Kantonsrath daS fakultative Proportional- Wahlsystem für die Bemeindewahlen beschlossen worden. Auch die Liberalen im ultramontanen Kanton Frei bürg haben in ihr Programm für die verlangle Ver- assungsrevifion den Proporz aufaenommen.— Di« Frühjahr». LandeSgemeinden der Kantone A p p« n z e l l» Anßerrhoden nno G I a r u S haben sich auch mit der Abstimmung über neue Steuer- gesetze zu beschäftige». Nach dem Appenzeller Gesetz bleiben 800 Fr. Vermögen steuerfrei und vom Einkommen 800 Fr. für Ledige. 1200 Fr. sür Verheirathete, 1600 Fr. für Familien mit mehr als 3 Kindern, sowie für Wiltwen. Aon jedem Vermögen und Eiiikonimeii bis 2000 Fr. dürfen je 400 Fr. alS steuerfrei abgezogen werden. Die Progressioii der Einkomniensteuer beginnt bei 2000 Fr., der Vermögenssteuer bei 10 000 Fr., sie steigt biS 200 0uu Franks und variirt zwischen 5 und LS pCt., die Erbschaftssteuer ür die vier Seitenlinien des Erblassers beträgt 10 pCt., die Personal- teuer 2 Fr., die WirthschaftSpateut-Taxe 20 bis 180, die Hunde- steuer 6 bis IS Fr. Das glarner Gesetz läßt die Einkommen bi0 1200 Fr. für Ledige, bis 1B00 Fr. sür Familien ohne und biS 1800 Fr. für Familien mit Kmderii, sowie für Wittwcn mit nu- erwachsenen Kindern bis 2000 Fr. steuerfrei. Di« Vermögenssteuer teigt von SO Cts. per 100 bis zu 3 Fr. bei mehr alS 10 000 Fr. 1300 Fr. Einkoniulen zahlt 1,2S Fr., 10 000 Fr. 328,45 Fr. u. s. u>. Auch bei diesen bescheidenen Steuersähen giebt es noch Stenerbetriig. Bern, 11. März.(Eig. Ber.) Nach Droz nun Frey. Wie Bimdesraif) Droz seinerzeit sich zum internationalen Direktor s»r das Eisenbahn- Frachtwesen wählen ließ, so meldet man heute an? dem Bnndesrathshaus die Wahl des BundeSraths Frey zum nter nationalen Telegraphen» Direktor. Während aber elfterer den internationalen Posten ausgesprochenen»«�» nur suchte und annahm, um sein bundesräthliches Gehalt von 16 000 jyr, gegen das höhere des internationalen Direktors vo» IL 000 Fr. zu vertauschen, weil ihm«rsterei Einkomme»— ihm, dem ehrwalige» Uhrenarbeiter— zu wenig war, so hat wohl Frey, der«» Bntet Deiiiokrat und Ardeitersreund ist, den Wechsel nur gesucht, um den iluaufhörlichen Anrempelungen der Konservativen und Ultramontanen zu entgehen»nd wohl auch aus Ulizusriedenbeit darüber, daß alle seine militärischen Reforinversuche an dem Willen der Volksmehrheit scheiterten, von seinen mitunter weitgehenden militärischen Plänen abgesehen, war Frey iinmer ein sympathischer Politiker und Sozial- »«ioruier und mau darf sage«, daß mit feinem Scheide» der Bundesrath ein tüchtiges Mitglied verliert. Wer fein Nachfolger werden wird, das dürste man vielleicht schon in den nächsten Tagen erfahren.— Frankreich. PariS, 11. März. Die neue Untersuchung der P a n a m a-?l n g e l e g e n h e i t ist in flottein Gange. A r t o» wurde gestern von 1 Uhr nachnnttags bis 7 Uhr abends verhört. Er überlieferte dem Untersuchungsrichter zwei Adressen und be- zeichnete die Bücher der Panama�Gesellschaft. in welchen der- selbe seine Behauptungen bestätigt finden werde. Diese waren früher von der Gerichtsbehörde noch nicht durchsucht worden, denn damals richtete sich die Untersuchung nur gegen eine Au- zahl von Parlamentariern und wurde von einer Koni» Mission ausgeführt, die kein Haussuchungsrecht hatte. Herr Poiltevin begab sich gestern zunächst zu dem Liquidator der Panama- Gesellschaft. Leinarquis. beschlagnahmte bei demselben eine Anzahl Gcschästsbücher und fuhr von dort nach der Nue de la Chaussee d'Antin. Ivo sich das neue Geschäftslokal der Panama- Gesellschafl befindet. Auch hier wurden niedrere Geschäflßbücher beschlagnahmt. Doch soll der Hauplersolg des Untersuchungsrichters in den Er- kiindigungen bestehen, die er vom Personal einzog. Die Zeituiigen wollen wissen, daß er Arton jetzt nicht mehr brauche.— — Die Frage der Soldaten- Mißhandlungen beschäfligte vorigen Dienstag die französische Kammer. Wo Militarismus ist, giebt es auch Soldaten- Mißhandlungen— das liegt im Wesen des Militarismus und kann durch kaiserliche Erlasse ebenso wenig geändert werden, wie durch republikanische Gesetze. Auch in Frankreich sind es unsere Genossen, die für die armen gefolterten Soldaten eintreten— und auch in Frankreich hält der Kriegs- minister und die Negierung den Schild des öffentlichen Interesses über die Urheber der Soldaieniniöhandlungen. So verlies die Debatte resultallos. Unsere französischen Genossen aber werden durch das Schicksal ihrer Interpellation in ihrem Haß gegen den Militarismus und in ihrem Streben, denselben auszurotten, nur bestärkt werden.— Auf �Madagaskar kommen die Franzosen nicht aus den Schwimgleitt» heraus. Um endlich reinen Tisch zu machen, haben sie es nun mit recht drastische» Mitteln versucht. Ein Telegramm des Generals Gallieni bestätigt die Meldung, daß die Königin von Madagaskar nach der Insel Nöunion verbannt worden ist. Sie hat Tananarivo am 23. v. Mts. verlassen. Die Adelskaste und die Führer von Banden beharren indeß dabei, sich des Namens der Königin weiter zu bedienen, um die Bevölkerung aufzureizen. In Tananarivo ist ein eingeborener Geueralgonverneur ein- gesetzt worden. Der Palast der Köuigiu ist zur Benutzung für französische Schule» bestimmt worden.— Niederlande. Amsterdam» 12. März.(Franks. Ztg.) Die zweite Kammer hat gestern das Gesetz betreffend die Errichtung von Arbeiterkammern angenomme».— Dänemark. Kopenhagen, 12. März. F o l k e t h i n g. In der heutigen Sitzung erklärte am Schlüsse der dritten Beralhung deS Budgets der Ministerpräsident Baron von Reedtz-Thott, das vom Hause angenommene Budget sei derart, daß das Ministerium damit nicht die Verwaltung führen könne. Wenn an der Ver- Weigerung der Regierungsforderungen festgehalten würde, so könnte das Ministerium die Finanzvorlage nicht annehmen. Der Berichterstatter Christopher Hage erklärte, seine Partei habe den Konflikt nicht gewünscht uud bedauere die Aeußerungen des Ministers. Die Finanzvorlage ist dem LandSthing überfandt worden.~ — Im Folkething stand das ,,P r ü g e l- S e f e tz"(die neulich erwähnte Verschärfung deS Strafgesetzbuchs) zur weiteren Verhandlung. Christenfen und Bönlötke sprachen sich gegen die Prügelstrafe aus. Der Justizminister suchte die statistischen Angaben der sozialdemokratischen Redner zu widerlegen. In viele Verhältnisse sei ein Geist der Selbstgerechtigkeit und Eigenmächtigkeit eingezogen, der nrit allen Mitteln bekämpft werden müßte. Im weiteren wurde er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen(!), weil er die Rede Wiinblad's eine thörichte genannt hatte. W i i n b l a d führt aus, daß der Minister sich in Selbst- Widersprüchen bewege. Wenn man eine Statistik über die Zunahme der Gcwaltthätigkeiten verlangt, sagt er. die Dinge, um die es sich hier handelt, sind so unbedeutend, daß eine Statistik nicht exislirt. Es handelt sich nur um kleine Püffe und Stöße— und dann spricht man wieder von einer Brutalität, die euergischer Bekämpfung bedarf.— Sie wollen nur ein Gesetz zum Schutz der Streit- brecher und gegen die streikenden Arbeiter. Ich nenne es „unehrenhaft', in fremde Länder zu reisen, um die um ihre soziale Stellung ringenden Arbeiter ihres Lohnes zu berauben! Einem solchen Mann noch einen Extraschntz außer den bestehenden Gesetzen zu geben, ist unmoralisch. Schließlich wurde der Antrag an eine Kommission verwiesen. In der gleiche» Sitzung wurde noch daS Zivilehe. Gesetz in dritter Berathung mit b0 bejahenden gegen 24 verneinende Stimmen angenommen. 10 Abgeordnete enthielten sich der Ab- stimmung!— — Im Landesthing stand die Unfallversicherung zur Debatte, die zwei Tage andauerte. Knudsen namenS der Sozialdemokratie sprach für Annahme der Regierungsvorlage. So wenig dieselbe auch biete, sei sie doch besser als nichts. Freilich werde er für die Erreichung seiner erheblich weiter gehenden An- träge kämpfen, so lange eS möglich sei. Die Mehrzahl der Redner sprach sich sür die Vorlage aus. mö Je aber nicht weiter gehen. Auch der Minister des Innern bat, den Antrag anzunehmen. Bewähre sich das Gesetz, stände einer Erweiterung auf andere Arbeiterkreise mchtS im Wege. Eine Versicherung aller Arbeiter erklärt er für unmöglich,(siel) Auch für die Etaatsversicherung könne er sich nicht erwärmen. Einige Redner, wie Bäckermeister Stilling und Maurermeister Fnssing wünschten, man möchte mit dem Gesetze noch etwas warten. (Wahrscheinlich auf den Gl. Nimmermehrstag!) Der Antrag wurde einer Kommission von 11 Mitgliedern überwiesen.— — Da» Landardeiter» AnsiedelungS-Gesetz. In alle» Parlamenten ist es das Schicksal der.vermittelnden' Parteien. bei wichtigen Entschlüssen ihren Anschauungen untreu zu werden, im letzten Augenblick„umzufallen". So ist es denn nun auch wieder bei der dritten Lesung des AnsiedelungS- Gesetzes gegangen. Während bei der zweiten Lesung V3 für und nur 17 gegen das Expropriationsrecht gestimmt halten, wurde bei der dritten Lesung dieses Recht mit 46 gegen 33 Stimme» auf Antrag des Ministers abgelehnt! Es sind also sieben.Linke' umgefallen und auberdem haben die ExpropriationSgegner für Heran- ziehung all ihrer Stimmen Sorge getragen. Dabei hat die Linke seit Jahren den Landarbeiteni erzählt, daß ihr Eintreten für das Expropriatiousrecht der beste Beweis für ihre Arbeitersreundlichkeit sei! Nun ja, im entscheidenden Augenblick haben sie ja bewiesen, w i e ihre Arbeitersreundlichkeit aussieht. Die Landarbeiter werden es in Zukunft nicht vergesse»! Mit Hilfe des ExpropriationsrechtS wäre es überall möglich gewesen, de» Ansiedlern die höchste im Grsetz vorgesehene Größe von b'Fudern Land zu beschaffen, nu» wird man für die ausgesetzte Summe in vielen Gemeinden(wie z. B. aus der Insel Taasinge. wo alles Land einem Grasen gehört) nur «V» Fuder Land erwerben können.— Schwede«. Hj almar Branting'i Antrag auf Ver» ü n d e r ii n g de? kommunalen Stimmrecht» in Schweden im schwedischen Reichstag. Wir haben schon früher über den Antrag deS SozialisteusührerS Branting referirt. Schweden hat für die kommunalen Wahlen daS sogenannte Pluß- ltzstem. Sin Wähler kann btSzu hundert Stimmen haben l Allein in Stockholm sind 37 pCt. der erwachsenen männlichen Be- völkerung ohne Stimmrecht, weil sie nicht zur Wahlberechtigung genügende Steuern bezahlen, dagegen verfügen 1805 Kapitaliste» zeder über 91—100 Stimmen. 3000 reiche Wähler entscheiden über den Aussall der Wadl, obwohl die Stadt jetzt 26 000 Wähler hat und 60 000 haben sollte! Hjalmar Branting's Borschlag fordert nun sür jeden Wähler nur eine Stimme. Der Antrag kam zuerst im Landesthing(dem Oberhanse) zur Verhandlnng, wo der Antrag des Ausschusses auf Verwerfung hauptsächlich nach einer längeren Rede des Bischofs Billing an- genommen wurde. Der Bischof führte hauptsächlich aus, daß Branting in seiner Begründung gesagt habe, daß der Zweck seines Antrages die Förderung sozialistischer Reformen sei. Für solche Reformen bedankt sich der Bischof Billing und mit ihm der schwedische Landesthing. Ja, der Antrag des Herrn Bischofs, nicht nur den Gesetzesvorschlag abzulehnen, sondern auch die Motivirung deffelben zu niißbilligen, fand Zustimmung! Nun weiß das schwe- dische Volk doch wenigstens, was es von seinem Oberhause zu halten hat. Der Antrag kommt nun noch im Folkething zur Debatte, wo ihn Branting als Mitglied desselben persönlich vertreten wird. An demselben Sonnabend stand im Folkething das Militär- b u d g e t zur Debatte. Branting beantragte eine Heradsetznng des für Gewehrfabrikation angesetzten Postens, der mit jedem Jahre größer wird. Natürlich wurde auch dieser Antrag von der will- sährigen Kauunermehrheit verworfen.— Nusjland. — Di» Regierung all VolkSverdummerin. Welche Dimensionen die Furcht der russischen Regierung vor der Ausbreitung auch der elementarsten Volksbildung annimmt, zeigt ein von einem Kreisinspekior verbreitetes Zirknlar, daS in vielen russischen Zeitungen abgedruckt wurde. DieS Zirkular, worin über das Schicksal der Sonntagsschnlen in einem Bezirk von 3 bis 4 Distrikten»»tschieden wurde, enthält solgende Vorschristen:.1. In den Sonntagsschulen dürfen mit den Männer» nur Lehrer sich beschäftigen und mit den Frauen nur Lehrerinnen. Gemeinsame Stunde» sür Schüler beider Geschlechter sind verboten. 2. Das Ziel der Schule muß s ein die Schüler zu lehren, bewußt zu beten und mechanisch russisch und kirchenslavisch zulesen, ein wenig Schreibe» und Rechnen bis 1000'. „Vergehen gegen diese Bestimninngeii werden ftrenae bestraft und die davon betroffenen Sonntagsschulen— so. heißt»S zum Schluß-• werden sofort geschlossen.' Als Ergänzung zu diesem Zirkular kann der UkaZ der Regierung gellen, gedruckt im„Regierungsbolen' vom 1S./2S. Februar, dahin lautend, daß es den Semstwo's(den Selbstverwallungskörperii der Gouveriieiiients) veiboten ist, Volksschulen zu gründen, wenn in der Nähe bereits Kirchenschulen bestehen. Asien. — Goldwährung in Japan. Daß dl« japanische Re- giernng den Uebergang zur Goldwährung beabsichtige, haben wir schon früher gemeldet. Jetzt erfahren wir. daß die Volks- Vertretung von Japan den betreffenden Gesetzesvorschlag an- geiiommen hat. Das ist ein hochbedeulsamer Schritt. Damit löst Japan sich von den astatischen Siiberländern mit schlechtem Geld los und bekundet seine Absicht, auf dem Weltmarkt, wo nur die Goldwährung gilt und gelten kann, in Konkurrenz mit den modernen Kulturländern zu treten. Herr Knacksuß wird ein neues abschreckendes Bild gegen die„gelbe Gefahr' zeichnen müssen.— Neichskttg. 190. Sitzung vom 12. Mär» 1397. 1 Uhr. Am Tische deS BuudesrathS: v. Bötticher, v. Posa» d o>v s k y. Eingegangen ist der Entwurf eines AuswanderungSgesetzes. In dritter Berathung erledigt das Haus zunächst die Uebersicht der Reichsausgaben und-Einnahmen für 1895/96 und genehmigt nachträglich vorbehaltlich der Rechiiuiigslegung die nachgewiesene Elatsüberschreitung und auheretatSmäßigen Ausgaben. Es folgt nach der Tagesordnung die erste Berathung de? Gesetz- entivurfeS betreffend die Vorarbeiten für die Errichtung einer Gedenkhalle zu Ehren der im Feldzuge 1870/71 gesalleneu oder schwer verwundeten Krieger. Die Berathung wird zurückgestellt, und das Haus geht über zur zweiten Beralhung des Gesetzentwurfes wegen Ber wendung übe, schüssiger R e i ch s- S i n- nahmen zur Schuldentilgung. Nach der Vorlage(§ I) sollten die Ueberweisungen an die Einzelstaaten, soweit sie 1397/98 die Matrikularbeiträae übersteigen, zur Hälfte zur Schuldentilgung verwendet werden. Nach g 2 sollten aber, falls die Matriknlarbeiträge 1899/1900 die Ueberweisungen übersteigen, die Matrikularbeiträge unerhoben bleibe», soweit die Ueberschüsse aus dem Jahre 1897/98 zur Schuldentilgung verwendet worden sind. Die Kommission hat einen neuen g 1 beschloffen, wonach die nach der Fraiickensteln'schen Klausel dem Reiche vorbehaltene Summe von 130 Millionen Mark aus den indirekten Steuern für das EtatS- jähr 1896/97 behufs Verminderung der Reichsschuld auf 180 Millionen Mark erhöht wird. Von den Ueberweisungen. soweit sie die Matri- kularbeiträge übersteigen, sollen drei Viertel zur Schuldentilgung verwendet werden. Der frühere§ 2(jetzt 3) ist dahin geändert worden:„Uebersteigen im Etatsjahre 1899/1900 die Matrikular- beiträge da? Etatssoll der Ueberweisungen für die gleiche Periode um mehr als den Betrag der für das Rechnungsjahr 1897/93 über die Matrikularbeiträge hinaus erfolgenden Ueberweisungen, so bleibt der Mehrbetrag insoweit unerhoben, alS auf grund deS g 2 Mittel zur Schnldentilguiig verfügbar geworden sind. Die in- folge defken zur Herstellung des Gleichgewichts im ordentlichen Etat erforderliche Deckung erfolgt zu Lasten des außerordentlichen EtatS. Jedoch ist von dieser Bestimmung nur in dem Maße Gebrauch zu machen, als der BedarsSbetrag nicht durch Mehrerträge bei den UeberweifiiiigSsteuern Deckung findet.' Berichterstatter ist Abg. Lieber tZ). Staatssekretär Graf Posadowsky: ES wird zur Abkürzung der Geschäfte dienen, wenn ich erkläre, daß ich begründete Autsicht habe, daß die verbündeten Regterungen die Beschlüff« der Kommission annedmeu werden. Die§K 1 und 2 werden ohne Debatte angenommen. Zu§ 8 bemerkt Abg. Richter(srs. Vg.): Dem vorjährigen Entwürfe konnte ich zustimmen, weil er sich auf das Etatsjahr de- schränkte. Der neue Entwurf aber verkoppelt 2 Jahr« mit einander. Die Bedenken dagegen habe ich in erster Lesung vorgebracht. Es liegt darin eine Beschränkung des Eiiinahine-Bewjlligungsrechts des Reichstages, denn wenn die Ausgaben des Reiches durch Er- höhuiig der Matrikularbeiträge nicht gedeckt werden können, sv bleibt nichts übrig als neue Steuern einzuführen, oder Anleihe» aufzunehmen, wodurch wiederum die Schulden des Reiches rtchöht werde». Es ist nur die Einführung deS vom Hause zweimal abge- lehnten Automaten für zwei Jahre, wodurch die Finanzen deS Reiches minbersichllich werden. Siaaissekrelär Graf Posadoivöky: Herr Richter will ohne Inanspruchnahme der Gesetzgebung durch den Etat dasselbe er- reichen, was die Borlage will. Aber dieser Weg ist für dit ver- bündeten Regieriuigeii nicht gangbar, weil sie dadurch in eine Zwangslage gebracht werden. Wenn die Malrikulardeilräge nicht in größerer Höhe erhoben werden dürfen, als die lieber. Weisungen belragen. so liegt darin«ine Stärkung der Finanzverivallung. die dadurch Mehrforderungen gegenüber eine stärkere Stellung erhält. Jetzt blinden sich die Bundesstaaten in einer nervösen Unruhe, weil sie niemals wissen, wie sie die Forderung des Reiches lalkuliren und in ihren Etat«iustellcn sollen. % 8 wird darauf angenommen. Darauf wird die zweit« Berathung de? ReichShauShalt Z» Etats beim Etat der Zölle und Verbrauchssteuern fortgesetzt. Die Einnahmen aus den Zöllen 372 480000 M. uud apZ der Tabaksteuer 11293 000 M. werden ohne Debatte bewilligt. Die Zucker st euer ist mit 81 Millionen Mark veranschlagt gegenüber 30 Millionen im laufenden Etat. Abg. Schultz-Lupitz(Rp.) führt aus, daß das neue Gesetz große Ungerechtigkeiten mit sich gebracht habe, namentlich durch die Betriebssteuer. Staatssekretär Graf Posadowsky: Daß zahlreiche Beschwerden eingegangen sind, ist selbstverständlich bei der großen Ausdehnung der Zuckerindustrie. Bei der Branntweinsteuer haben wir bereits erhebliche Erfahrungen gemacht. Eine andere Frage ist aber, ob die vorgebrachten Beschwerden auf grund des Gesetzes berechtigt sind. Daß einzelne Fabriken ein Kontingent erhalten haben, welches sie nicht erfüllen können, ist bedauerlich. Es ist aber vorgeschrieben, daß neue Fabriken nach ihrer Leistungsfähigkeit eingeschätzt werden sollen. Abg. p. Kardorff(Rp.): Es sind Fälle vorhanden, daß eine Fabrik, welche ganz geringe Aenderungen vorgenommen hat, ein Srößeres Kontingent bekommen hat, natürlich auf Kosten anderer abriken. Abg. vo« Staudy(k.) schließt sich den Ausführungen der Vor- redner an. Staatssekretär Graf Posadowsky: Auf die Frage des Ver- waltungs-Gerichtshoses will ich nicht näher eingehen: das wäre ein Novum in unserer ganzen Organisation. Die Anhörung von Sach- verständigen ist jetzt schon gestattet und es ist dabei nicht aus» geschlossen, daß man über die Leistungsfähigkeit der Fabriken Sach- verständige urtheilen läßt. Abg. Paaschs(natl.): DaS neue Ziickerfieuergesetz hat infolge einzelner Bestimmungen den Zweck nicht erreicht, den es erreichen sollte. Das ist eine Freude sür die Herren von der Linken; aber der Vorwurf trifft nicht mich. Die Absicht des Gesetzes ging auf Einschräiikuiig der lleberproduktion. Die Interessenten wünschen, daß die Ueberschüsse des Kontingents, soweit einzelne Fabriken ihr Kontingent nicht erfüllen können, auf die andern vertheilt werden. Abg. Rösicke(b. k. F.): Herr Paasche verleugnet das Kind, welches er in die Welt gesetzt hat, weil er es anders gewünscht häite. Aber wir hallen ihn fest, er muß uns dafür aufkommen. Daß neue Einschränkungen der Zuckerproduktion nicht erreicht würden, haben wir immer dem Herrn Paasche vorausgesagt. Die von Herrn Paasche vorgeschlagene Abänderung macht da? Gesetz aber noch nicht zu einem guten. Die Preise sind gesunken und die Produktion ist gestiegen, so daß jetzt S Millionen Doppelzentner Zncker lagern. Wir wollen doch festnageln, wer daran schuld ist. DaS ist die rechte Seite des Hauses unter der Führung deS Herrn Vaasche. Das einzige Mittel zur Abhilfe ist die Abschaffung der Ausfnhiprämie». Hat die Regierung nach dieser Richtung hin irgend welche Schritte gethan? Sind irgend welche Schritt« zur Einleitung weiterer Verhandlungen erfolgt? Staate sekretär Graf Posadowsky: Die Vorwürfe der Vor- redner haben sich nicht gegen das Gesetz, sondern gegen die Aus- führung desselben gerichtet. Di« Verhandlungen über die Abschaffung der Prämien schweben noch gegenwärtig, und es ist ein erfreuliches Symptom, daß in daS neueste französische Zuckersteuergesetz die Er- inächtiguiig aufgenommen ist, daß die Regierung die Prämien ab- schaffen kann. Uns kann eS nur erfreulich sein, wenn die Prämien vollständig abgeschafft werden. Abgeschafft werden müssen st« doch einmal, es fragt sich nur, ob wir allein dazu kommen oder in Ver» biiidung mit einigen anderen Staate» oder mit allen betheiligten Staaten. Abg. v. Standy(k.): DaS Gesetz verleitet zur Ausdehnung der Produktion. Die Kontingentirung kann dabei nicht Helsen, weil sie sich auf Deutschland allein beschränkt. Daß das Gesetz etwas verändert ist, schließt nicht aus, daß diejenigen, die das Gesetz mit gemacht haben, alle Schuld daran tragen. Im vorigen Jahre hatte ich der Beseitigung aller Prämien zngestiinmt, aber jetzt können wir nicht mehr eins-itig vorgehen, jetzt muß die Aufhebung international herbeigeführt werden. Abg. Barth(srs. Vg.): Herr Paasche verwendet doch ganz nn- taugliche Mittel, um die Verantwortlichkeit von sich abzu- wälzen. Er nieint, die Linke, und nicht die Mehrheit deS HavleS treffe die Schuld. Wir haben jedenfalls gegen die bctrcffcndJn Bestimmungen bestiinint. Die Schuld tragen diejenigen, welche das Gesetz eingebracht und schließlich angenommen haben. DaS war Herr Paasche und seine Freunde.(Sehr richtig! links.) Daß dieses Gesetz zur Ausdehnung der Produktion reiben müsse. haben wir mehrfach ausgesührt. Das Gefetz hat die Steuerzahler geschädigt und die Zuckerproduzenten. Bedanken können sich nur die Kan- fnmenten des Auslandes für das Gesetz.(Sehr richtig! links.) Wenn ich absehe vom Börsengesetz, welches vielleicht noch schlechter ist, so ist das Zuckerfteuer-Gesetz das schlechteste Gesetz und dafür ist Herr Paasche verantwortlich. Abg. Gras Stolberg zk.) tritt dem Abg. Paasche entgegen be. züglich seines Wunsches aus Beseitigung der erheblichen Kontin- gentirungen. Wenn man Herrn Paasche verantwortlich macht, so lhut man ihm Unrecht, denn in der Kommission wurde das Gesetz vollständig umgearbeitet, denn die Vorlage war für unS unannehmbar. DaS Gesetz ist schließlich hervor- gegangen ans einem Kompromiß des Ostens mit dem Westen. Der letztere ist immer noch bevorzugt, denn die Fabriten des Westens haben ein größeres Kontingent, und die Betriebssteuer trifft hauptsächlich den Osten. Allen Versuchen, die bewegliche Kontingentirung wieder zu beseitigen, werden diejenigen, die auf meinem Standpunkte stehen, entgegentreten. Wir müssen erst ein paar Jahre abwarten. Abg. Paasche: ES fällt mir nicht«in, die Verantwortung dafür abzulehnen, daß ein Gesetz ähnlich dem zu stände gekommenen hier beantragt worden ist. Wenn gesagt ist, ich wollte das Kind ver- leugnen, weil es nicht so geralhen ist, wie ich eS beabsichtigt hatte, so muß ich sagen: Es war nicht bloS e i n Vater, sondern viele Väter, die sich mit dem Kind« beschäftigten.(Große Heiterkeit.) Ich habe gekämpft sür meine Interessen.(Große Heiterkeit links), für meine Ansichten. Ich habe keine Interessen an der Zuckerindustrie. Sie(links) scheinen eS nicht zu verstehen, daß man aus Ueber- -eugung für«ine' gute Sache eintreten kann. Gegen meinen Willen ist auf Antrag des Abgeordneten Meyer» Dan, ig die bedenkliche Borschrift in das Gesetz hinein» kommen.(Znrnf: Abstimmung y Ich weiß nicht, wie ich gestimmt habe.(Heilerkeit.) Ich habe wahrscheinlich schließlich ja gesagt.(Heiterkeil.) Sie(linkS) werden die Früchte der Miß- sliimnung der Zuckerinteresseiite» jedenfalls nicht ernten; denn die Herren wissen ganz genau, wer ihre Interessen vertreten hat. Staatssekretär Graf Posadowsky: Die ganze Debatte ist planlos, weil kein Abänderungsantrag vorliegt. Die Zucker- interessenten sind i» der ganzen Well unzufrieden, selbst in Frank- reich, wo die größten Prämien bestehen. Die Zuckerinteressentcn iverden wohl schwerlich ganz zufrieden gestellt werde» könne». In Oesterreich hat mau nicht das Quaiitinu der Erzeugung kontingentirt, sondern die Summe, die zur Prämiirung verwendet werden soll. Daß das Sinken des Zuckerpreises in Zusanuneuhang steht mit dem deutsche» Zuckersteuergesetz, muß ich entschieden bestreiten. Abg. Barth: Daß an eine solche Gesetzgebung sich Spcku- lationeu knüpfe», ist richtig; die Spekulation, die gleichzeitig in allen Ländern stattfand, mußte zur Ausdehnung der Produktiv» dräu gen und dadurch ei» Einken der Preise herbeiführen. Der Regierung muß der Vorwurf gemacht werde», daß sie diese naturgemäße Wirkung nicht vorausgesehen hat. Diejenigen, welche die speziellen Interessen der Zuckerfabrike» vertreten wollte», sind auf einen falschen Weg geralhen und haben ihre Schützlinge geschädigt. Abg. v. Staudy(I.): Nach ineiner Ansicht vertritt derjenige die allgemeinen Interessen, der die Erhaltung der so wichtigen Juckeriudnstrie sichert. Solange«ine so horrende Konsinnsteuer aus dem Zucker liegt, ist auch eine Erportprämie nothwendig. Die Zuckersteuer wird darauf genehmigt, ebenso ohne Debatte die Salzsteuer 45 669 000 M- Bezüglich der B r a» n t w e i n st e u« r(17 066 000 M. Maisch- bottichsteuer und 98 711000 M. VerbrauchSabgabe) derichtet Abg. Pansche und fährt dann unter Widerspruch deS Abg. Richter{ort, über die Erfindung einer Epiritus-Glühlamp» zu sprechen. Präsideut v. Buol meint, daß Redner als Berichterstatter nicht daraus eingehen könne. Abg� Paaschc nimmt darauf als Abgeordneter das Wort �nnd wüst ans eine nell erfundene Spiritus-- Gli'ch cwt«•>'. �'e dollftstirdig die Pctroliuinlawpe ersehen könne. Abg. Richter: Ich weiß sogar noch niebr; nämlich daß das Staats»iinisteri»m bei feierliche» Sitzunge» sich durch Spiritus� lampen erleuchten läßt.(Heiterkeit.) Die Spirilusiildustrie verlangt neue Liebesgaben, um dem Petroleum Konkurrenz zu machen. Dagegen muß ich mich verwahren. t Kardorff: Wenn eine Lampe erfunden sei» sollte, die ttllr-P-11 �"mPf ä" verwenden ist, so wäre das ein enormer Fortschritt. w. Abg. Paaschs: Herr Richter weiß eben doch noch nicht, daß eine Lampe erfunden ist, die ohne Glühstruinpf brennt. Des halb habe ich die Sache vorgebracht, weil der Ingenieur Hempel sich vergeblich bemüht, ein Patent darauf zu erhalle». Da von der Exportprämie für den denalurirten Branntwein Ueber schusse vorhanden sind, könnte man solche Dinge unterstützen.(Sehr richtig! rechts). «. 5 Wir haben doch keine Ursache, für«in bestimmtes Geschäft Reklame zu machen. Die Branntweinsteuer wird genehmigt Das Haus kehrt nunmehr zurück zur ersten Berathung des Gesetzentwurfes betreffend die Vorarbeiten für die Errichtung einer Gedenkhalle zu Ehren der im Feldzuge 1670/71 gefallenen oder 'schwer verwundeten Krieger. Zur Einleitung erhält das Wort Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe: Das Gesetz, das de» Gegenstand der heutigen Berathung bildet, betrifft die Borarbeiten für die Errichtung einer Denkhalle zu Ehren der im Feld- zuye 1670/71 gefallenen oder schwer verivundeten deutschen Krieger. Ich weiß, daß nüchterne Auffassung und die Rücksicht ans die Finanzlage des Reichs der Verwendung einer größeren Summe für einen idealen Zweck entgegenstehen und gegen den Enlivurf geltend gemacht werden. Es stehen sich eben zwei Ausfassungen gegenüber: dte praktische, materielle, die von dem Grundsatze ausgeht, daß mir der Lebende «cht hat, und daß es besser sei, wen» schon Dankbarkeil geübt »Verden solle, den überlebenden Kriegern Unterstützung zu ge- währen, und die ideale Auffassung derer, die meinen, daß es sich • gezieme, an dem Tage, an welchem wir das Gcdächtniß des sieg- reichen Heldenkaisers feierlich begehen, auch neben ihm und den Herren, die ihm zur Seite gestanden— diese können ja nicht vergessen werde»— daß es sich gezieme, auch des einfachen Mannes zu gedenken und ihn vor dem Vergessenwerden zu be- 'wahren— des Soldaten, der furchtlos und treu, der Gefabr bewußt, � mit der überlegene Waffen ihn bedrohten, dem Feinde entgegcnzutrete». >Auch ihnen verdankt Deutschland das, was es geworden ist. 'Mir scheint, daß das Deutsche Reich die Mittel aufwenden kann, um 1 oder 2 Millionen für eine» idealen Zweck, für die B e- thätigllng nationaler Dankbarkeit, zu opfern. Ich rmpsehle Ihnen die Annahme des Gesetzentwurfs. Abg. Bachem(Z.): Die Sache bedarf einer gründliche» Prüfung, deshalb beantrage ich im Name» meiner Freunde die Veriveisung der Vorlage an die Budgetkommisston. Abg. Singer(Soz.): Wir werden gegen die Ueberweisung an eine Kommission stiinnien. Wir weisen die Vorlage-r limine ab, weil wir dieser Ehrung, wie sie den Invaliden zugedacht wird, nicht zustimmeu. Wir haben eine Kommisstonsberath»»g nicht nölhig, wir bedürfen derselben nicht, um unser Urtheil zu bilden. Die Abgg. v. S t u m m(Rp), Schneider(frs. Vp.), B eckh (srs. Vp.). Speiser(südv. Vp.), L i e b e r in a» n v. Sonn e>.- d e r g(Reform-P.) und Graf O r i o l a(natl.) verzichten darauf auf das Wort. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wixtz die Vorlage der Budgetkommission überwiese». Darauf erledigt das Haus die übrigen Titel des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern, ferner den Etat der Reichsstempel- TSzgabe» und des Bankwesens. Ein Titel von 3 120 000 M. zur Vermehrung der Reserven von Verpflegungsmitteln soll nach einem Antrage der Budgetkommission um 2 Milkemen Mark verkürzt werden. Das Haus tritt diesem Antrage bei. Entsprechend einem weiteren Antrage der Budgetlommission wird zum Bau einer zweigeleisigen, vollspurigen Hauptbahn von Bufeiidorf»ach Dillingen die erste Rate von 1 Million Mark ohne �Debatte bewilligt. � Schluß 4»/« Uhr. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr.(Dritte Berathuug des Gesetzentwurfes betreffend die Schuldentilgung und ! Petiti onen.)_ Gevichts-Seikung. Wege» Beleidigung des Kaufmanns Hermann Meyer zu Wilhelmshaven wurde der verantwortliche Redakteur des „H a n d e l s- A n g e st e l l t e n" Genosse Otto Elze am 11. März zu 30 Mark Geldstrafe vernrtheilt. Die Beleidigung wurde in einem Artikel der genannte» Zeitung gefunde», der die iingenügende Be- köstigung einer bei dem Kläger angestellten Verkäuferin beleuchtete. Gegen die Waschbanten-Juhaber innerhalb des Weichbildes Berlin geht jetzt die„örtliche Straßen- Baupolizei" vor. Der Färbereibesitzer Götze focht am 10. März gegen dieselbe vor dem Ober-Verwaltungsgericht einen Rechtsstreit aus; Götze besitzt in der Userstraße„Nen-Kölln an» Wasser" das Grundstück Nr. 9, worin sich schon seit»»ehr als 100 Jahren eine Färberei befindet. Mit den» Grundstück hat G. vom Vorbesitzer auch die im Flußbett an, Ufer liegende Waschbank nebst Treppe gekaust; die Einrichking ist von den zuständige» Behörde» genehmigt. Neuer- diugs hat nun die„örtliche Straßen- Baupolizei" als Besitzerin des Usergeländers von ihn» verlangt, sich bei ihr die Genehmigung sür die im Geländer befindliche Zugangsthür zur Waschbank nachzu- suchen. Götze erhob die Klage und erstritt soivohl beim Bezirks- ausschuß wie beim Ober-Berwaltungsgericht obsiegende Erkenntnisse. >T-r Vorsitzende des IV. Senats führte zur Begründung aus, die Straßen- Baupolizei könne vom Besitzer eines schon lange Zeit� be- stehenden Bauiverks höchstens verlangen, daß dieses ordnungsmäßig abgeändert»verde; die an Götze ergangene Verfügung entbehre in- dessen jeder rechtliche» Grundlage. Nicht in Sprembcrg, sondern in Sperenberg bei Zossen wohnt, »vie uns berichtigend mitgetheilt»vird, der dieser Tage»vegen Be- leidiguug verurlheilte Saltlermeister Raschpichler. Wege» umfangreicher Unterschlaguiigen im Rmle, sowie wegen Urkundenfälschun namens Franz Adolf ist der Käu, nierer'iet Gemeinde Baruih. _____________ � rähse, dieser Tag« vom Schwllrgericht zu Potsdam zu vier Jahren Gesängniß und zwei Jahren Ehrverlust vernrtheilt»vorden. Der Prozeß CurtoiS in Brüssel hat- so schreibt man der „Köln. Volks-Ztg." aus der belgischen Hauptstadt unterm 10. Marz 97 — heute Vormittag mit dem Verhör des Hauptangeklagten Courtors begonnen. Assisen-Prästdent ist der Appellalionsgerichtsrath Jamar. Die Fragen, welche in den beiden heutigen Sitzungen an Courtois ge- richtet ivurde», betreffen die vielfachen Unregelmäßigkeiten und gesetz- »vidrigen Handlungen, welche er sich als Kriminalkommissar im Verkehr mit den» Publikum überhaupt und mit lichtscheuem Gesindel im be- sondere» zu schulden kommen ließ und wodurch seine Amtseiitlassung her- vorgerufen wurde. Seine Trunksucht war notorisch; er fälschteProtokolle und verfolgte ohne Anlaß und Grund Leute, die ihm mißfiele»; gegen- über Verhafteten verübte er grausame Brutalitäten; er pflegte in- limen Verkehr mit allerlei Verbrecheikreisen. die jederzeit Zutritt zu seinem Bureau hatten; er spielte den Beschützer zahlreicher Dirnen. Dabei warf er das Geld mit vollen Händen weg, obwohl sein Amtseinkommen insgesammt kaum den Betrag von 4500 Fr. er- reichte. Trotz alledem konnte er sich im Amte halte», weil er ein ungeivöhnlich intelligenter und eifriger Kriminal-Beamter war, zwei große Diebstähle, zunächst bei einein Rentner, dann rühmte Juwelendiebstahl beim Grafen von Flandern»hn bis der de- in de» Verdacht der Mitthäterschaft brachten. Seine gegenwärtige(zweite) Frau, eine Deutsche,»var Kammerzofe der Gräfin von Flandern und von ihrer Herrin aufs beste gelitten. Aus Rücksicht auf die Frau ließ der Graf von Flandern, sobald der Verdacht sich auf den Kriminalloinmissar gelenkt hatte, die Untersuchung und die Nachforschung nach den Dieben einstellen. Indessen wurde Courtois aus dem Amte entlassen und mit stark 1300 Fr. pensionirt. Da diese Pension sür seine nach wie vor kostspielige Lebenshaltung bei weitem nicht ausreichte, so suchte er angeblich einen Nebeneriverb in der Hühnerzucht; diese warf aber»venig für ihn ab, und eines Tages äußerte er, der Hunger treibe den Wolf aus dem Walde. Auf diese Aeußeriuig machte d-r Präsident besonders aufmerksam lind wies auf die Verbindung hin. welche Courtois mit zwei Leuten Übeln Leumundes zum Zwecke der Einrichtung einer geheimen Branntiveinbrennerei abschloß. Damit ging der heutige Sitzungstag zu Ende. Soziales. Berufsftatistik für Baden. Auch die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der badischen Berufszählung vom 14. Juni 1695 be- stätigen, daß die in der Landwirthschast thälige Bevölkerung verhällniß- mäßig zurückgeht,»vährend die in Industrie, Handel»c. thälige Be- völterung steigt. Die Zahl der erwerbsthälige» Personen steigt, weil infolge des sich verschärfenden wirthschaftlichen Kampfes mehr Personen und in jüngeren Jahren an der Erwerbsarbeil theilnehmen müssen. Die Zahl der berufslosen Angehörigen geht entsprechend zurück. Ebenso sinkt der Antheil der Dienenden; ein Zeichen, daß der Geist der jüngeren Generation mehr auf freie Er- werbsarbeit gerichtet ist. Besonders zeigt sich ein starkes Zunehmen der Erwerbsthätigkeit von Frauen. Die Zahl der s e l b st- ständigen Gewerbetreibenden innerhalb der Gesammtheit der Erwerbsthätigen verkleinert sich,»vährend der Prozentsatz der unselbständigen Arbeiter steigt. Das bedeutet:„Konzentration des Kapitals" und Proletarisirung der Massen! Da die Unternehmungen sich vergrößern, so steigt das höhere kaufmännische und technische Personal,— der berühmte„sich neu bildend« Mittelstand" der zünftigen Sozialpolitiker. Wir wollen darauf verzichten, dies allcS durch die Zahlen zu belegen, da»vir ja demnächst in der Lage sein»verde»», die sür das ganze Reich zusaminengefaßten Ziffern den Lesern vor- zuführen. Nur»venige markante Zahle»: Während 1862 noch 43,1 pCt. von der badischen Gesannntbevölkerung der Landwirthschast angehörten, ist dieser Prozentsatz bis 1895 auf 42,4 gesunken; die der Industrie und den» Handel zuzuschreibende Bevölkerung ist da- gegen von 40,6 auf 44,7 pCt. gestiegen. Im prozentualen SHückgang begriffen sind in Baden jedoch Textilindustrie, Holzindustrie und die Gruppe Bekleidung und Reinigung. Zum Schluß sei noch folgende Tabelle gegeben, die in anschau- licher Weise zeigt, wie stark seit der letzten Berusszählung im Jahre 1832 die Zahl der Erwerbsthätigen zu- und die Zahl der Familien- augehörigen abgenommen hat. Es»varen vorhanden: Erwerbsthälige Angehörige Männer Frauen Männer Frauen 1852... 61.2 21,0 36,1 71,2 1835... 64.3 28,4 31.4 61,0 Das Verhällniß hat sich also bei den Frauen am meisten ver- ändert; die Tabelle zeigt, daß immer mehr Angehörige des weiblichen Geschlechts dem Familienleben entrissen und in den wirth- schastlichen Kampf gedrängt»verden. Bon der„Roth" der Rheder. Die Flensburg- Ekenfunder Dampfschifffahrts- Gesellschaft zahlt ihren Aktionären für das ver- flossene Jahr 1396 10 pCt., die Flensburger Dampfer- Kompagnie " pCt. und die Sonderburger Dampsschifffahrts- Aktiengesellschaft 12 pCt. Dividende. Für die kommunalen Arbeitsnachweise hat sich in Alten- bürg eine öffentliche Geiverischafts-Versammlung ausgesprochen, unter andere»» deshalb,»veil diese das geeignetste Mittel zur Be- seitigung des Stellenwuchers der privaten Gesinde- Verinittlungs- bureaus seien. Durch Uebergaug zur Tagesordnung habe» die Stadt- verordneten in Halle a. S. das Gesuch der Buchdrucker „erledigt", städtische Druckarbeiten nur bei solchen Firmen herstellen zu lasse», die den allgemeinen deutschen Buchdrucker-Tarif bezahlen. Gegen den Uebergang zur Tagesordnung sprachen nur die beiden sozialdemokratischen Stadtverordneten. Das Gesuch, das sowohl von Gehilfen»vie Buchdruckereibesitzern unterstützt»var, richtete sich gegen den Bisinärcker Schivetschke, der Vie Arbeite» der Stadt Halle druckt, aber seinen Gehilfen den Tarif nicht bezahlt. Bauarbeiterschutz. Auf Antrag des Vorstandes der sächsische» BaugewerkS- BerusSgenossenschast hat die Amtshauptmannschaft in "roßenhain für ihre» Bezirk bestimmt, daß bei Dächern von Neubauten, sofern dieselben eine Neigung von 45 Grad und mehr haben und mit Schiefer gedeckt werde», einen Sparren um den anderen, das heißt alle z>vei Meter unterhalb des Firstes — bei Mansarden unter der oberen Gesimskante— verzinkte, schiniedeeiserne, etwa 33 Zentimeter lange und 10—12 Millimeter starke Haken mittels 1—2 Schmiedenägeln zur Sicherung der Dachdecker anzubringen sind. Weiter verbot die Amts- hauptmannschaft das Arbeiten in Räumen, in denen— zum Zrvecke schnelleren Anslrocknens derselben— brennende Koakskörbe aufgestellt sind. In Fürth bei Nürnberg hatte der M a g i st r a t die Ein- führ»»ig vollständiger Sonntagsruhe inHandels- und Engrosgeschästen beschlossen. Der Gemeinderath aber »varf diesen Beschluß durch einen anderen über den Haufen, wonach an zwei Sonntagen im Monat die Beschästigung von Gehilfe», Lehrlingen und Arbeitern in der Zeit vo»'/eil bis 12 Uhr gestattet »Verden soll. Außer den Freisinnigen und Nationalliberalen Uuimten sür diese Verschlechterung des Magistratsbeschlusses 1 Aolksparteiler und— das als Sozialdemokrat geivählte Gemeinde- rathsmitglied Dr. Morgenstern,»vährend»»ser Parteigenoff« Segitz mit Wärme sür den Magistratsbeschluß eingetreten»var. Bon den«ngrhcnren Einnahmen amerikanischer Jndustrie-Gesells chaften giebt der letzte Jahresabschluß der Pullman-Schlafwagen-Gesellschaft«inen Be« griff, der einschließlich der ihr gezahlten Palentabgabe» neunund- dreißig Millionen Mark aufiveist. Davon»vurden zivölf Millionen als Dividende vertheilt. Vie Mahlen in Oepteveeich. > a l i z i e n und Böhmen habe» vortrefflich gewählt. Dem Pyrrhussiege Lueger's, des kleinen Badeni in Wien, folgte ein schwerer Schlag sür den großen Bade»! i» seinem Paschalik, in. Galizien selbst. Die beiden Hauptstädte des Landes, die einzigen Wahlkreise, in denen direkt gewählt wird, entsenden»ach glänzender Wahlschlacht Sozialdemokraten in das Abgeordnetenhaus. Hierüber liegen uns folgende Privat- depeschen vor: Krakau, 12. März.(Privatdepesch« de»„Borw."). Daszynski(Soz.) mit 19 000 gegen 6000 Stimmen gewählt. L e m b e r g, 12. März.(Privatdepesche des„Borw."). In Lemberg- Stadt wurde Genosse Kozakiewiez mit 15 309 von 25 290 abgegebenen Stimmen gewählt. Lemberg, 11. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In Daividow, im Lemberger Wahlbezirke, kam eS wegen Beein- trächtigung der Wahlen i» Konflikten mit der Wahlkommission. Das Auflreten der Gendarmerie reizte die Wähler. Zwei Wähler und ein Mitglied der Wahlkommission blieben todt. 20 Wähler »vurden verhaftet.— Am schwersten hatten den Schlazizen unsere Genosse» das Spiel verdorben, weiteren Aerger bereitet ihnen die Wahl eines Mitgliedes der polnischen Volkspartei, zweier Ruthen«» und eines Anhängers Stojalowski's. Aus Böhmen gehen uns die folgenden Meldungen zu: Pilsen, 12. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Genosse Karl Vratny»vurde mit 434 sozialdemokratischen Wahlmänuer- stimmen gegen 136 Wahlmänuerstimmen der Jungczechen gewählt. Töplitz, 12. März.(Privatdepesche des„Vorivärts".) Genosse Zeller hat mit 36 Stimmen Majorität gegen die koalirten Anli- semiteu und Liberalen gesiegt. Egrr, 12. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die heutige Wahl in der hiesigen fünften Kurie, umfassend die Bezirke Eger, Wildstein, Köuigslart, Asch, Graslitz, Neudek, Falkenau, Elbogen, Joachimsthal, Platten und Karlsbad endete mit einem Siege des Sozialdemokraten Dr. Verkauf. Von 624 Wahl-� >» ä» n e r n übten 533 ihr Wahlrecht aus. Von diesen erhielt Dr. Verkauf 356, der Echönererianer Hofer 224, der Christlich- Soziale Drescher 11 und der Deutschvolkliche Jentscher 2 Stimmen. Reichenbcrg i. B., 12. März.(Privatdepesche des„Vorw.".) Im Wahlkreise Reichenberg Hannich(Sozialist) gewählt niit 530 von 683 Wahlmännerstimmen; im Wahlkreise Trantenau Kiesewetter(Sozialist) in Stichwahl mit 330 von 642 Wahlmännrrstimmcn gewählt. Außerdem hat Leitmeritz den Genossen Anton Schramme! mit 425 von 598 Wahl- männerstil— neu gewählt. Wien, 12. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Das erste Dutzend sozialdemokratischer Abgeordneter ist gewählt. Genosse Steiner ist in Smichow(Umgebung Prags) mit großer Mehrheit gewählt. Ueberall,»vo»vir unterlagen, haben»vir sehr große Minoritäten zu verzeichnen. Von den Telegrammen des Wolff'schen BureauS theilen»vir zur Ergänzung unserer Meldungen mit: Wien, 12. März. Bei der Reichsrathswahl in der allge- meinen Kurie»vurden in Tirol drei Klerikale, in Vorarlberg ein Klerikaler geivählt. Prag. 12. März. Bei den Reichsrathsivahle»»vurden in der allgemeinen Wählerklasse in Böhmen außer de» Sozial- demokraten geivählt: sechs Jnngezechen, ein Deutschsort- schrittler; fünf Stichwahlen sind nöthig. Das Wahlergebniß sür Prag steht»och aus. Graz, 12. März. In Steiermark ivurde» bei den Reichs- raths- Wahlen in der allgemeinen Wählerklasse gewählt ein Klerikaler, ein Christlich-Sozialer, ei» Slovenisch-Konservaliver. Für Graz steht das Wahlergebniß noch aus. Nach der„Franks. Ztg." ist im galizischen Wahlkreise JaroSlau Genosse Körnet Zelaskieiviez in Stichwahl»nit einen» Regierungs- pole». Außer dieser Stichwahl ist die für Genossen H y b e s sehr günstig liegende in Brünn noch ausständig. Damit sind die Wahlen auf grund des allgemeinen Wahlrechts erledigt. In Frage kommt für uns außerdem noch eine am 17. d. M. stattfiiideiide aussichts- reiche Wahl in» Landgemeinden- Bezirk Reichenberg i. B.,»vo Dr.' Victor Adler als Kandidat aufgestellt ist. Bisher besteht die sozialdemokratische Fraktion des österreichische» Abgeordnetenhauses aus folgenden Mitgliedern: Weber H a n n i ch(Reichenberg i. B.)'). Weber Kiese» weiter(Trantenau), Weber Z e l l e r(Saaz), Drechsler S ch r a m m e l(Leitineritz), Rechtsanwalt Dr. V er k a u f(Falkenau- Eger), Glasarbeiter Steiner(Umgebung von Prag), Tischler- meister Vratny(Pilsen), Redakteur B e r n e r(Olmütz). Weber Rieg er(Mährisch-Schönberg), Bergarbeiter Ein gr(Ostschlesie»), Maler Kozakiewiez(Lemberg), Redakteur DaSzynSki (Krakau). Die Resultate von P r a g- S t a d t und G r a z- S t a d t,»vo direkt geivählt»vird, sind bei Schluß der Redaktion noch nicht ein- getroffen. Aus Graz meldet das Bureau Herold: Bei der heutigen Wahl kau, es zu ernste» Streitereien. Zwei Sozialisten wurden durch Messerstiche schwer oerletzt. Di« eingeklammerten Orte ic. bezeichnen die Wahlkreise. Vepefihett und lvtzke Machvichkeu. Dortmund, 12. März.(W. T. B.) Gestern wurden auf der Zeche„Monopol" bei Canien drei Bergleute durch die vorzeitige bxploston einer Dynamitpatrone gelödtet u>»d«in Bergmann schiver verletzt. Frankfurt a. M., 12. März.(B. H.) Der römische Kor- respondent der„Franks. Ztg." erfährt, daß heute in Athen von den Gesandten der Mächte eine neue energisch« Aufforderung überreicht »verde mit einer nur kurzen Bedenkzeit, nach deren Ablaufe die Zwangsmaßregeln beginnen. Griechenland scheint jetzt zur Nachgiebigkeit bereit und»varlet nur das Vorgehen der Mächte ab, um einen an- ständigen Rückzug zu haben. Italien ist jetzt entschlösse»», mit den Mächten energisch vorzugehen, selbst wen» England sich abseits verhält. Frankfurt a. M., 12. März.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus Neiv-Aork: Eine imposante Bürger-Versainmlung befilr- »vorlete warm den englisch-amerikanischen Schiedsgerichts-Vertrag, indessen veranstalten die Jrländer und die Bryanisten eine heftige Gegendemonstration. Leipzig, 12. März.(W. T. B.) Gegenüber der Meldung aus- »värliger Blätter betreffs eines in Leipzig vorgekonimenen Lepra- Falles kann die„Leipziger Börsenhalle" nach Einziehung bester Jiiformatioiien konstaliren, daß Hierselbst eine Erkrankung au Lepra nicht vorgekommen ist. Bern, 12. März.(B. H.) Die Zahl der ausständigen Bahn- arbeiter beträgt 5000. Der Bnndesrath trat heute Nachmittag zu- sammen, um über die Lage zu berathen. Ausschreitungen kamen nicht vor. Basel, 12. März.(W. T. B.) Der von Paris kommende Orientexpreßzng Paris-Wien mußte heute früh 6 Uhr»vege» des Äns- standes aus der Nordostbahn in Basel liegen bleiben. Man glaubt, daß für einige Tage der Orientexpreßzug von Paris und, Wien nicht abgelassen werden»vird. Der Wiener Zug ist heute Abend in Zürich angekommen, ,vo die Reisenden»varten müssen. Auf den» ganzen Netze der Nordostbahn verkehrt kein Zug. der Post- dienst ist vollständig aufgehoben. In Zürich machen sich große II»»- annehmlichkeiten geltend, besonders herrscht großer Mangel an Milch für Krankenhäuser und Kinder. Zürich, 12. März.(W. T. B.) In den Kreisen des Zentral- komitees hegt man die Hoffnung, daß der Streik bis Sonnabeiid Mitternacht beendigt sein wird. Die Delegation des BundeSralhs hofft, durch gegenseitige Zugeständnisse beider Theile eine Ver- ständigllng zu erzielen. �. Wien, 12. März.(B. H.) Einer Meldung der„Renen Freie» Presse" zufolge»vird Bürgermeister Strobach längstens in drei bis vier Wochen seinen Abschied nehmen, um Dr. Lueger Platz z» machen. m Wien, 12. März.(B. H.) Aus Petersburg geht dem. Neuen Wiener Tageblatt" die Meldung zu. daß in Yalta«in Z'-sam"»"' stoß zwischen Türken und Rnflen stattgefunden hat. Sieben Persoi ei» »vurden verwundet, zahlreiche verhastet. Di« Kaffeehamer«uo Bäckereien»vurden gestürmt. Aus Livadia wurde zur HerlleUiing der Ordnung Militär requirirt. Sämintliche Restaurants und Branntiveinschenken sind geschlossen»vorden. Konstantinopel. 12. März.(B. H.) Der«''Sl'sch- Gesandte forderte die türkische Regierung auf, Maßregeln zur Verhmderung der in Adana zu befürchtenden Massakres zu treffen. Cettiuje, 12. März.(B. H.) Wie«« h«'ß*. h»be>. d.e Chefs der Albanesenstämme den Beschluß gefaßt, für lhre der Pforte gegen Griechenland zu leistende Hilfe d,e Autonom»« für Albanien zu. fordern.______ Verantwortlicher Si.dMpr-«ngnft Jacobe, in Berlin. Für den Jnseratmlheil pqantworttich»h.»l** in Berlin,»ruck und Verlag von Max Babing in Berlin.� Hierzu 2 Beilagen. Nr. 61. 14. ZihiMg. 1. NsvlÄnrenkavipches. Der Genioreukonvent hat in seiner gestrigen Sitzung be> schlössen, den Versuch zu machen, am Sonntag, den 21. d. M. ein Festmahl im Reichstag zu veranstalten. Abhängig ist die Ausführung von der ausreichenden Betheiligung der Mitglieder, was durch Zirkulation einer Liste festgestellt werden soll. Ueber die ge< schäftlichen Dispositionen ist verabredet worden, daß die zweite B e r a t h u n g des Etats in der nächsten Woche zu Ende geführt werden und daß eine dritte Berathung dann in der letzten Woche dieses Monats stattfinden soll. Die erste Woche im April wird der G e n e r a l d i s k u s s i o n der Alters» und Jnvaliditäts-Bersicherungs-Novelle gewidmet, nach deren Beendigung der Reichstag in die Osterferien gehen wird. Von mehreren Seilen wurde angeregt, die Berathung der Uns all- versicher ungs-Novelle, die dem Anschein nach in dieser Session nicht zu Ende gelangen wird, zu unterbrechen, um die Alters- und Jnvalidilätsnovelle zur Verabschiedung bringen zu können. Die definitive Entscheidung hierüber wurde ausgesetzt, bis die Parteien Gelegenheit gehabt haben, in der ersten Berathung Stellung zu der Vorlage zu nehmen. Bndgctkomuiissio». Die Kommission tritt in die Spezial- berathung der einmaligen Ausgaben ein. Referent Lieber konstatirt. daß bei dem Bau des Panzerschiffes I. Klasse Kaiser Friedrich III. die bisher bewilligte Bausumme um 1060 000 Mark überschritten sei. Hierüber entsteht eine Debatte, ob eine solche Ueberschreitung, die durch vorläufige Minderausgabe bei anderen Schiffsbanten gedeckt worden, zulässig sei, an der sich die Abgg. Richter, v. K a r d o r f f, H a in n> a ch e r, der Referent und der Staatssekretär der Marine betheiligen. Es wird festgestellt, daß etatsmäßig die für den Bau und Umbau von Schiffen bewilligten Summen untereinander decknngs- fähig seiciu Die Forderung 4. Rate 4 600 000 M. wird be- 'villrgt. Für den Ersatzbau Kreuzer I Klasse Leipzig beantragt der Referent statt der geforderten 4 Millionen Mark als 3. Rate nur 3 Millionen zu bewilligen. Referent tadelt die bedeutend verringerte Bauzeit der Schiffe, die verhindere, mittlerweile bekannt gewordene technische Verbcsserungen anzuwenden und die jährlichen Ausgaben erheblich steigere. Der Korreferent befürwortet die volle Bewilligung der Summe, ebenso Abg. I e b s e n. Der Staats- sekretär ergeht sich in längeren Ausführungen, an denen er die Vortheile nachzuweisen sucht, die aus rascherer Herstellung der Schiffe rcsultirte». Die Abgg. Müller-Fulda und Richter erklärten sich für die beantragte Absetzung einer Million; die A b s e tz u» g dieser Million wird mit 17 gegen 10 Stimmen beschlossen. Die Titel 3, 4»nd 5 von in Summa 12 Millionen werden ohne Debatte bewilligt. Für Erneuerung der Maschinen und Kessel zweier Schiffe der Sachsenklasse, sowie zur Grundreparatur des Schiffskörpers werden nachträglich 2 Millionen M. gefordert, d. h. erheblich mehr als vorgesehen wäre». Der Referent tadelt den Mangel an Vorsicht bei Ausstellung der Reparaturkoste». Titel 7. 2. Rate zum Bau des Panzerschiffes I. Klasse Ersatz Friedrich der Große beantragt der Referent Absehung 1 Million und wird demgemäß beschlossen. Bei Titel 8 Bau eines Kreuzers II. Klasse beantragt der Referent ebenfalls statt 4 nur 3 Millionen zu bewilligen, ein Antrag, der den Staatssekretär zu der Erklärung veranlaßt, daß, wenn die Abstriche so fort gingen, ihre ganze» Pläne über den Haufe» geworfen würden, die Konsequenzen seien unabsehbar. Abg. H a m m a ch e r fragt an, wie es mit der Beschäftigung der Arbeiter stehe, wenn die Streichiingen vorgenommen würden. Der Staatssekretär erklärt, daß er diese Frage erst am Schlüsse der Be- ralhungen zu beantworten im stände sei. Die Abgg. Richter und Lieber machen darauf aufmerksam, daß nach der Perfektion aller Abstriche immer noch doppelt so viel bewilligt würde wie im vorigen Etat, Arbeiter also nicht entlassen zu werden brauchten. Abgeordneter Bebel erklärt, daß die Sozialdemokratie sich nicht mit Rücksicht auf die auf den Werften zu beschästigenden Arbeiter bestimmen lassen werde, die ge- forderten Summen zu bewilligen. Was für Arbeiterbeschäfligung von Reichs wegen ausgegeben werde, hätten die deutschen Arbeiter im wesentlichen zu bezahlen. Nach derselben Logik müßte die Sozial- demokratie für Kasernenbauten und alle möglichen Anforderungen der Militär- und Marineverwaltung stimmen. Die politische Stellung der Partei sei einzig maßgebend für ihre Eni- scheidungen. Nach längerer Debatte, an der sich die Abgg. Hain mach er, Bebel, Prinz Zlrenberg, der Referent und Korreferent und der Staatssekretär betheiligen, wird eine Million mit 17 gegen 11 Stimmen gestrichen. Im gleichen Sinne entscheidet die Kommission bei Titel 9. Die Titel 10 und 13 werden ohne Debatte bewilligt. Titel 14 fordert eine Million als erste Rate zum Bau des Panzerschiffes I. Klasse„Ersatz König Wilhelm", das 14 120 000 M. kosten soll, ausschließlich der artilleristischen Ausrüstung. Der Referent tadelt, daß der noch ini Dienst stehende„König Wilhelm" ohne Befragung des Reichs- tageS deklassirt worden sei, serner daß die Reparaturkosten des„König Wilhelm", der 10 Millionen im Neubau gekostet hat, im Laufe der Jahre fast 9 Millionen beansprucbt hätten, was von einer nicht vorsorglichen Behandlung Zeugniß ablege, im übrigen beantragt der Referent die Bewilligung der ersten Rate. In gleichem Sinne erklärt sich der Korreferent, wohingegen der Abg. Richter sich nach- drücklich gegen die Bewilligung ausspricht, worauf die B e- w i l l i g n n g mit allen gegen 6 Stimmen ausgesprochen wird. Nächste Sitzung Sonnabend Bormittag 10 Uhr, und falls keine Plenarsitzung ist, 11 Uhr. Die freisinnige Volkspartei hat folgenden Antrag ringe- bracht: Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Heranziehung von Militärpersonen zu den Komm unalabgaben. 8 1. Die Verordnung vom 22. Dezember 1363(Bundes-Gesetzbl. C. 6711 tritt insoweit außer kraft, als dieselbe der Heranziehung de? dienstlichen Einkommens der im Ofsizierrang stehenden Militär- Personen zu den Gcmeindeabgaben entgegensteht. 8 2. In betreff der Heranziehung des dienstlichen Einkommens der im Offizierrang stehenden Militnrpersone» zu den Gcmeindeabgaben sind die im §>9 des Reichsbeamtengesetzes vom 31. März 1373 für Reichsbeamte getroffenen Bestimmungen maßgebend. Aliswaudcrnngsgesetz. Der Entwurf des dem Reichstag zu- gegangene» Auswanoeruilgsgesetzes enthält nach der„Post" im wesentlichen die folgenden Bestimmuiigen. Wer die Beförderung von Auswanderern nach außordeutschen Ländern betreiben will, be- darf der Erlaubniß, für die der Reichskanzler zuständig ist. Die Er- laubniß darf in der Regel nur an Reichsangehörige oder Gesellschaften ertheilt werden, die ihren Sitz im Reichsgebiet haben. Vor derErtheilung der Erlaubniß hat der Nachsuchende eine Sicherheit von mindestens 60 000 M. zu bestellen. Die Erlaubniß ist nur für bestimmte Länder, Theile von solchen oder bestimmte Orte und nur für be- stimmte EmschiffungshSfe» zu ertheilen. Die Erlaubniß kann jeden Augenblick beschränkt oder widerrufen werden. Der Unter- nehmer darf Auswanderer nur befördern auf grund eines vorher abgeschlossenen Vertrages. Verboten ist der Abschluß von Verträgen über die Beförderung von Wehrpflichtigen. Verträge über die überseeische Beförderung von Aus- Wanderern müssen auf Besörderung und Verpflegung bis zur Landung im außereuropäischen Landniigshafeii gerichtet sein. Jedes Auswandererschiff unterliegt vor dem Antritt der Reise einer Unter- suchung über seine Seetüchtigkeit. Einrichtung. Ausrüstung und Verproviantirung. Zur Mitwirkung bei der Auswande- rnng wird«in sachverständiger Beirath gebildet, der aus einem Vorsitzenden und mindestevs 14 Mitgliedern besteht. Zur Ueberwachung des Ausivanderungswesens und der ilts Jrartits" Ausführung der darauf bezüglichen Bestimmung sind an den Hafen- Plätzen, für die Unternehmer zugelassen sind, von den Landes- regierungen Auswanderungs- Behörden zu bestellen. Unternehmer werden bei Uebertrelungen mit Geldstrafe von 160—6000 M. oder Gefängniß bis zu sechs Monaten bestraft. Der Termin des Jnkraft- tretcns ist offen gelassen. Aus die Einzelheiten der Vorlage werden wir morgen zurückkommen. Die Margarine- Kommission hat in ihrer Sitzung am Donnerstag Abend beschlossen, den Bundesrath zu ermächtigen, vor- zuschreiben, daß der Margarine ein Erkennuilgsmittel, welches weder die Qualität noch das Aussehen der Waare verändert, bei- gemischt werden muß. Der konservative Antrag, auf je 100 Kilo- gramm Margarine 2 Gramm— Leser erschrecke nicht!— Di- methylamidoazobenzol beizumischen, wurde abgelehnt. Die Mehrheit ging von dem Gesichtspunkte aus, ein bestimmtes Mittel im Gesetz nicht festzulegen, sondern dem Bundesralh freie Hand zu lassen, damit, falls die Wissenschaft ein besseres Mittel finden sollte, dies sofort eingeführt werden kann.— Der Abg. v. Stumm ist aus der U n f a l I k o m Mission ausgeschieden. Vermuthlich geht es dem edlen Freiherrn nicht schnell und schneidig genug mit der Verschlechterung des Unfall- Versicherungsgesetzes._ VÄvkei Zur Maifeier hat die Parteikonferenz für den I. pfälzi- scheu Reichstags-Wahlkreis Spei er, die am 7. März in Oppau abgehalten wurde und von 16 Orlen mit Delegirten beschickt war, wie folgt Stellung ginommeii:„Die würdigste Feier wäre die Arbeilsruhe. Da aber diese bei der gegenwärtigen Wirthschaftslage und den politischen Machtverhältnissen zur Zeit nicht möglich ist, so empfiehlt die Konferenz, daß uuc diejenigen'Arbeiter und Arbeiter- orgauisalioncn, die ohne Schädigung der Arbeiterinteressen dazu im stände sind, den I. Mai durch Arbeilsruhe feiern. Dagegen macht sie es allen auf dem Boden des modernen Klassenkampfes stehenden Arbeiterorganifationen zur Pflicht, am Abend des I.Mai öffentliche Volksversammlungen abzuhalten, in denen für die Bedeutung des 1. Mai deinonstrirl wird." In Mannheim wurde au stelle des verstorbenen Parteigenossen Fritz K ö b e r der Parteigenosse Christian Hütt als Vertreter der dritten Klasse in das S t a d t v e r o r d n c t c n- K o l l c g i u m gewählt. Von der Agitation. In dem Dörfchen R a s ch d o r f, unweit der ehemaligen Festung Silberberg, in deren feuchten Kaseinaltcn seinerzeit Wolf, der Verfasser der„Schlestschen Milliarde" ge- schinachtet hat, wurde am Sonntag eine stark besuchte Volks- versammlniig abgehalten. In das Bureau wollten die Gegner den Bürgermeister von Silberberg, Herrn N a v r o t h gewählt haben, die Versammlung betraute aber mit großer Majorität drei Ge- nosscn mit der Leitung der Versammlung. Das Referat hielt Reichs- tags-Abgeordneter August Kühn aus L an g e n b i e l a u, der unter lebhaftem Beifall über„Alte und neue Weltanschauung" sprach. An der Diskussion betheiligten sich mehrere Gegner, unter anderen Herr Nauroth, welcher die angebliche Roth der Lanowirthschaft als einzig aus dem Arbeitermangel resultirend hinstellte. Seine Ausführungen wurden vom Referenten und anderen Genossen mffend widerlegt. Diese Bersammlung hat wieder einmal bewiesen, daß der Boden für uns aucy in rein länd- lichen Gegenden anbaufähig Ist. Raschdorf gehört zum Kreise Fraukenstein- Münsterberg, einer der sichersten Domänen des Zentrums. AuS Müuchen bringt die bürgerliche Presse die Schauer- Nachricht, das dortige Bürgerliche Brauhaus werde von der sozial- demokratischen Kommission für Festlichkeiten und Versammlungen bopkoltirt werde», weil sich die Beamten und Bediensteten des Brau- Haufes bei den letzten Gemeindewahlen als entschiedene Gegner der sozialdemokratischen Partei dokuinentirt hätten. Es wird in dieser Notiz der Kommission unterstellt, sie wolle die nichtsozialdemokratische Gesinnung mit dem Boykott bestrafen. Wir wissen nicht, ob an der Noti» überhaupt etwas wahres ist, sicher aber ist, daß, wenn ein Boyrott gegen jene Brauerei beab- sichtigt wäre, er nicht aus den Gründen erfolgt, welche die erwähnte bürgerliche Notiz angiebt. Welche Stellung unsere Partei zum Boykott einninnnt, ist auf dem Berliner Parteitag in unzweideutiger Weise festgelegt worden.— Aus Amerika. In New-Uork als Vorort der sozia' l i st i s ch e n Arbeiterpartei ist die Neuwahl des Partei' Vorstandes(National- Exekutiv-Komitee) vorgenommen worden. Genosse Henry Kuhn wurde einstimmig als Sekretär wieder- gewählt. Dessen Adresse ist wie bisher: I-ador Lvceurn, 64£. 4. st. Polizeiliches, Gerichtliches tc. — Der„Begünstigung" angeklagt ist der Verleger der„Volks- wacht" in Breslau, Genosse Schütz, weil er Geldstrafen, die dem früheren verantwortlichen Redakteur Gerhardt auferlegt waren, für diesen bezahlt habe. — Die nationalliberale„Magdeburgische Zeitung" hatte das „Arbeiterlied" des nationalsozialen Pastors Feddersen ver- öffentlicht. Die„V olks stimme" druckte das Gedicht ab und polemisirte dabei gegen das genannt« liberale Blatt. Während die„Magdeburgische Zeitung" wegen des Abdrucks des Gedichts ungeschoren blieb, wurde gegen den verantwortlichen Re- dakteur der„Volksstimme", Genossen V a h l e, Anklage erhoben, weil durch die Veröffentlichung des Gedichts zu Gewaltthätigkeiten auf- gereizt sei. Das Landgericht erkannte jedoch auf Freisprechung mit der Begründung, das Gedicht könne allerdings so aufgefaßt werden, daß darin eine Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten enthalten sei; es könne auch nicht daraus ankommen, was der Dichter, sondern was der Redakteur bei der Veröffentlichung gedacht habe; es sei aber nicht festgestellt, ob der Angeklagte die Absicht gehabt habe, aus- zureizen. — Revision eingelegt hat in Halle a. S. die Staatsanwalt- schast in dem Böllberger Mühlen- Prozeß gegen das Urtheil des Landgerichts, soweit durch dasselbe Redakteur Thiele freigesprochen worden ist. Auch seitens des Rechtsbeistandes der Angeklagten ist Revision eingelegt worden. — Das Ober- Landesgericht in Dresden verwarf die Revision des Genossen Fröhlich, Redakteurs an der„Volks- st i m m e" in Burgstädt, die derselbe gegen sein« wegen Beamten« beleidigung erfolgte Verurlheilung zu 3 Monaten Gefängniß ein- gelegt hatte. Die Verhandlung wurde unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit geführt, weil in der inkriminirten Notiz auch ein Verstoß gegen 8 1�4 enthalten sein soll. Gemevkfrtzctftlickzes. Berlin und Umgebung. Die Agitationökommisfion der Schuhmacher erklärt unsere gestrige Notiz betr. die Differenzen bei K a l l m a n n u. R o s e n- t h a l und Groß als im wesentlichen von falschen Voraussetzungen ausgehend. Denn es sei von feiten der Ägitationskommission zu wiederholten Malen an den Verband der Unter- n e h m e r sowohl, als auch an einzelne Mitglieder des Verbandes das Verlangen gerichtet, zu verhandeln. Die Kommission sei von Anfang an der Ansicht gewesen, daß_ eine einmalige mündliche Aussprache genügt haben würde, die Differenzen zu beseitigen. Allen diesen Anträge» gegenüber haben sich die Unternehmer ablehnend verhalten. In allen ihren Kund- gebungen haben sie auf bedingungsloser Wiederaufnahme der Arbeit bestanden. Soieehtli», 13. Miirj 18S7. Trotzdem hat die Agitationskomniission noch am 11. d. M. einen Versuch gemacht, die Streitigkeiten durch V e r h a n d« l u n g e u zu schlichten und hat einen diesbezüglichen Antrag an den Unternehmerverband gestellt. In der darauffolgenden Ant- wort umgeht der Verband den Kernpunkt der Frage(Verhandlung), stellt aber die früheren Forderungen auf bedingungslose Unterwerfung wieder auf. Dennoch erklärt die Kommission der Arbeiter sich auch jetzt noch bereit, in Verhandlung einzutreten und wird heute(Sonnabend) noch einen letzten Versuch unternehmen. Bleiben die Unternehmer ans ihrem ablehnenden Standpunkt be- stehen, dann tragen sie auch die Verantwortung für die Folgen. Die Arbeiter der betreffenden Firmen sind in diesem Falle bereit, den Kamps aufzunehmen. Soweit die Erklärungen der Agitationskommission. WaS unsere gestrigen Anmerkungen anlangen, so richteten sich diese selbstverständ- lich nicht gegen die Kommission, sondern nur gegen die Arbeiter der betr. Firmen, und zwar unter der Voraussetzung, daß die An- gäbe in den Briefen der Unternehmer, die Arbeiter hätten nicht verhandeln wollen, der Wahrheit entsprach. Der Ausstand der Tapezierer bei der Firma„Berliner Möbelhalle", Wallstr. 25, ist zu Ungunsten der Arbeiter beendet. Als ein Fehler muß es bezeichnet werden, daß die Ausständigen erst nachdem sie die Arbeit niedergelegt hatten, an die Organisation herantraten. Es wird sich empfehlen, in Zukunft bei allen Diffe- renzen vorher die Organisation in Kenntniß zu setzen, damit diese den Berussgenossen mit Rath und That zur Seite stehen kann. Die Ortsverwaltung des Allgemeinen deutschen Tapezierer-Vereins. Die bei der Firma Eduard Cohn, Charlottenstr. 43, aus- gebrochenen Differenzen sind zur beiderseitigen Zufriedenheit g e- schlichtet. Die Ortsverwaltung des Deutschen Schneider- und Schneiderinnen-VerbandeS, Filiale Berlin. Die Sauiiuclliste Nr. 6 zur Deckung der Unkosten des Bau« a r b e i t e r- K o n g r e s s e s ist verloren gegangen. ES wird ge- beten, dieselbe abzugeben bei O. H oh e n s e e, Rixdorf, Stein- metzstr. 49, Qgb. III. Deutsches Reich. Die zwölfte Generalversammlung des Verbandes der Z i m m e r l e u t e Deutschlands wird in der Zeit vom 20. bii 23. April in H a l b e r st u d t im„Odenm", Braunschwcigerstraß«, abgehalten. Die Schuhmacher iu Lübbe« in der Lausitz stellten folgende Forderungen auf: Einführung eines einheitlichen Lohntariss in sämmtlichen Geschäften, Lieferung sämmtlicher Fournituren, Er- richtung von Belriebswerkstätten bis zum 1. Januar 1893, sämmt- liche Arbeiter sollen in der Krankenkasse versichert werden, die Wartezeit bei Empfang von Arbeit soll bei keinem Arbeiter länger als eine Stunde dauern, den Arbeitern sollen bei Empfang von Arbeit sämnitliche Schäfte mit Zubehör geliefert werden; falls die Wartezeit durch Verschulden des Unternehmers eine Stunde übersteigt, soll sie pro Stunde mit 30 Pf. entschädigt werden. Teu Beschluß des Gewerkschaftskartellö in Lübeck, den Streik bei Carl Thiel u. Söhne für beendet zu erklären, haben außer den Streikenden die betheiligten Zahlstellen der Verbände der Metallarbeiter und Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen als für sie bindend nicht anerkannt, da zur Aushebung des Streiks nur die Streikenden selbst berechtigr seien, während daS Kartell lediglich hinsichtlich der Billigung und Unterstützung deS Streiks kompetent sei. Wo bleibt aber der Streik, wenn die Unterstützung ausbleibt? Die Maurer«ud Putzer Stettins befinden sich mit den Unternchuiern in Lohndifferenzen. Auf einigen Bauten wird der Versuch gemacht, den Lohn der Maurer ans 42'/« Pf. die Stunde zu reduziren. Die Putzer haben für dieses Jahr Forderungen gestellt, und ist es auf einem Theil der Bauten deswegen bereits zu Differenzen gekommen. Um den Maurern und Putzern die Durch- führung ihrer Lohnbewegung zu erleichtern, ersuchen wir um Fern- Haltung des Zuzuges. Die Lohnkommission der Maurer Stettins. I. A.: Richard Marks, Friedrich-Karlstraße 24. Ueber de« Ausstand in der Zuckerfabrik in Tanger« münde wird uns telegraphirt: 1500 Arbeiter streiken, darunter 400 Mädchen. Tic Schiffsziiumerer auf der Veddel bei Hamburg sind am 10. März d. I. in eine Lohnbewegung eingetreten. Ihre Forde- rung ist 46 Pf. Stundenlohn, wie derselbe überall in Hamburg ge- zahlt wird. Wir bitten daher jeven Kollegen, den Zuzug strengstens fernzuhalten. Die Lohnkommission. Die Schiffsschlosser der Aktiengesellschaft„Weser" sind, wie die„Bremer Bürgerzeitung" meldet, mit der Werftdirektion wegen L o h n d i f f e r e n z e n in Unterhandlungen eingetreten. Ter Tischlcrstreik in E l b e r f e l d< B a r m e n hat unerwartet eine starke Wendung bekommen. Die Fabrikanten in Elberfeld haben in einer Sitzung, an der auch aus Barmen mehrere Interessenten theilnahmen, beschlossen, die Forderungen der Arbeiter abzulehnen. Ueber die Ausständigen soll eine Liste geführt werden, die man der Polizeibehörde einreichen will. Was mit diesen Maßnahmen bezweckt werden soll, ist nicht rechr ersichtlich, die Unternehmer werden mit diesem Beschluß nur die Mißstimmung in Arbeilerkreisen steigern. Die Zahl der Streikenden ist in Elberfeld auf 206 gestiegen, 40 Ar« beiter sind zu den neueren Bedingungen beschäftigt und 60 stehen in Kündigung. I« einer öffentlichen Bergarbeiter- Versa«, mlung, die am Sonntag in A l t e n d o r f bei Essen abgehalten wurde, gab der Vorsitzende des Gewerkvereins christlicher Bergleute, Bergmann Brust, eine wichtige Erklärung ab. Nachdem der Re- dakteur der„Bergarbeiter-Zeitung", Genosse H u e, die Antwort des Vereins für die bergbaulichen Interessen auf die gewerkverein- liche Eingabe betreffend Lohnerhöhung vorgelesen hatte, ent« gegnele B ru st(nach den, Berichte des Essener„Be- obachters":„Der Gewerkverein wird den Kampf aufnehmen müssen." Vorher hatte Brust gesagt:„Kommt es zu einem Kampf, so werden wir mit Ruhe und Besonnenheit vorgehen, sollte mich dann das Schicksal selbst einmal hinter die schwedischen Gardinen führen, dann werde ich dies leichter ertragen in dem Bewußtsein, daß es im Interesse und zum Wohle des Gewerkvereins geschieht." (Beifall.) Das ist, bemerkt die„Rheinisch- Westfälische Arbeiter- Zeitung" dazu, eine entschiedene Sprache. Ob die Handlungen des Gewerl- vereinS derselben entsprechen werden, muß die Zeit lehren. Jeden» falls drängen die Verhältnisse den Verein genau in dieselbe Bahn, wie seinerzeit den alten Verband. DaS ist die eiserne Logik der Thatsachen, gegen die keine Pastorenvorsicht etwas ausrichten kann. Vo« der Polizeidirektio« i» Hildesheiu» waren durch Ver- fügung vom 23. April 1896 alle dortigen Gewerkschaften auf grund von 8 0 des Vereinsgcsetzes als politische Ver» eine erklärt worden, darunter auch der Ortsverein des Buch« drucker- Verbandes. Der Vorsitzende dieses Ortsvereins wandte sich beschwerdeführend zunächst an den Regierungspräsidenten zu Hildes- heim und dann an den Oberprästdenten der Provinz Hannover, von welch letzterm nach Mittheilung der Polizeidirektion die betreffende Verfügung herrührte. Die Vorstellungen waren vo» einem direkten Erfolge jedoch nicht begleitet. Nunmehr hat das Ober-VerwaltungS- gericht in einer Entscheidung in Sachen deS Holzarbeiterverbandes wider den Oberpräsidenten der Provinz Hannover sich gegen die an- geführte Verfügung ausgesprochen und ist, wie der„Torrespondent" mitthcilt, dem Vorstände des Ortsvereins der Buchdrucker unterm 27. Februar d. I. von der Hildesheimer Polizeidirektion die Mit- thcilnng geworden, daß die Verfügung vom 2S. April ISSC zurückgezogen ist. Ju Hannover werden die S t u ck a t e n r e auf«inigen Plätzen dafür verantwortlich gemacht, wenn beim Stuckansetzen Fugen springen. Eine Versammlung beschloß nun, daß die Etuckateure die Verantwortung hierfür abzulehnen haben, wenn das Fugenspringen in der Vorwendung nasse» Materials oder im Auf- stellen von Koakstöpfe» in de» Arbeitsräumen seine Ursache hat. Sollten hieraus Differenzen entstehen, so haben die organisirten Stuckateure auf Kosten der Gewerkschaft den Rechtsweg zu be- schreiten. I» Leipzig haben, wie uns berichtet wird, 3S Rollkutscher der Speditiousflrma I. Schneider u.Komp. die Arbeit«ingestellt, da ihnen ihre Forderung. IS M. Wochenlohn, nicht bewilligt worden ist. Bisher hatten diese Arbeiter bei 14— 17 stündiger Ar- beitsjjeit 14—16,50 M. Wochenlohn erhalten. Die bei der Firma beschäftigten Auflader haben gestern zum theil die Arbeit der Ausständigen gemacht. Heute haben außerdem noch 12 Ausständige die Arbeit wieder aufgenoinmeu. Den Streikbrechern sind besondere Gratifikationen gewährt worden, während die Ausständigen ins- gesammt nur zu den alten Bedingungen wieder in Arbeit genommen werden sollen. Die Schriftgieffer Leipzigs haben am S. März in allen Schriftgießereien den neuen Tarif vorgelegt. Gewerkschaftliches. Wegen Beleidigung des SetzerS R e- V u s k e in Erfurt wurde der Redakteur des„Korrespondent" für Deutschlands Buchdrucker. Rexhäuser, vom Schöffengericht in Leipzig zu 20 M. Strafe verurtheilt. In eine»» Bericht aus Erfurt halte der„Korrespondent" verschiedene Mitlhetlnngen über die frühere Thätigkeit des Klägers während des Streiks wieder- gegeben. Der Streik der Steinarbeiter i» Riesa dauert jetzt schon fünf Wochen und ist sein Ende noch nicht abzusehen. Wir ersuchen daher die Gewerkschaften Deutschlands, uns thatkrästig zu unter- stützen, dann werde» wir auch unsere Forderungen aufrecht erhalten können. Es sind zur Zeit 33 verheirathele Kollegen mit 67 Kindern zu unterstützen. Anfragen und Sendungen sind zu richten an Emil M a a b in Riesa. Rundtheil 19. Für den Textilarbeiter-Verband unternahm in der Zeit vom 26. Februar bis 7. März Frau Greife»berg eine Agitationstour durch Sachsen. Die Versammlungen fanden statt in Lindenau, Gohlis. Schönefeld, Großenhain, Meißen, Freiberg, Bautzen, Gers- dorf und Ullersdorf in Böhme». Der Besuch war allgemein gut mnd der Verband hat an Mitgliedern neuen Zuwachs bekommen. Gewerkschaftlich orgauisirt waren in der Stadt Alten- bürg im vorigen Jahre in 20 Berufen 1934 Arbeiter und 207 Arbeiterinnen, zusammen 2l41 Personen. 4429 Arbeiter und Arbeiterinnen, darunter 332 Lehrlinge, gehörten keiner Gewerk- schaft an. Ju Offenbach- Oberrad haben die S ch u h f a b r i k a n t e n erklärt, daß sie nur mit ihren Personalen, nicht mit der Lohn- kommisston verHandel» wollen. Ein« öffentliche Schuhmacher- Versammlung trug dem insoweit Rechnung, als sie die Komniissionen der verschiedenen Fabriken beauftragte, jede für sich mit dem be- treffende» Fabrikanten zu verhandeln; eudgillige Abmachungen solle» jedoch nur mit Zustimmung der Lohukommission der Eesammtheit getroffen werden. Liachdem eine Anzahl Firmen sich mit den Arbeiter» geeinigt haben, sind an dem Kampfe noch 394 Arbeiter und 46 Arbeiterinnen, insgesammt 440 Personen betheiligt; davon sind 209 verheirathct, die Zahl der von ihnen zu ernährenden Kinder beträgt 357. I» Nürnberg war in der Heymann'schen Schuh- f a b r i k ein Streck ausgebrochen, woran ca. 120 Mann betheiligt waren. Nach zweitägiger Dauer wurde der Ausstand beigelegt. Der Unternehmer machte folgende Zugeständnisse: Erhöhung der Akkord- preise um 8—20 pCt.; von den'Ausgaben für Founnturen iverdeu l8/5 zurückerstattet; Anerkennung der Organisation; keine Maß- regeluug. Ter Streik der Textilarbeiter in Erlangen ist noch nicht beigelegt. Von den Arbeilerinne» sind nur 12—15 zur Arbeit zurück- gekehrt, die übrigen, 56 an der Zahl, setzen den Ausstand fort. Dagegen hat«in größerer Theil der Männer die Arbeit auf- genommen. Ausland. Aus der Schweiz liegen über die Bewegung unter de» Au- gestellten der N o r d o st b a h n folgende Depeschen des Wolff's Bureaus vor: Zürich, 11. März. Der Ehef des Eisenbahndepartements, B u n d e s r a t h Z e m p hat heute Vormittag den Generalsekretär Dr. Sonrbeck in einem Telegramm eindringlich ermahnt, das Ergebniß der Thätigkeit der Kommisston des Verwaltungsraths der Nordostbahn abzuwarten, da die Folgen einer Betriebs- einstelluug sehr schwere seien und die Verantwortlichkeit dafür dem �Personal zur Last fallen würde. Jndeß wurde heute Abend in einer äußerst zahlreich besnchten Versammlung von Angestellten der Nordostbahn niit großer Mehrheit der Ausstand beschlossen. während ein Antrag auf Abwarten im Sinne des Zemp'schen Telegrammes nur vier Stimmen erhielt. Die Regierung tagt ununterbrochen und sandte nochmals ein Telegramm an !deu Bundesrath mit dem Ersuchen, der gegenwärtigen Lage nnter allen Umständen ein Ende zu niache». Das Militär ist in der Kaserne konsignirt. Ein Gerücht, nach welchem die Regiernng zwei Bataillone aufgeboten haben soll, ist jedoch unbegründet. B er». II. März. Der Bnndesrath hielt heute Abend «in« Sitzung ab. um die Lage bezüglich der drohenden Arbeits- Einstellung der Eisenbal,»angestellten zu besprechen. Endgillige Be- schlüsse wurden einstweilen noch nicht gefaßt. Für den Fall des AusstandeS wurden ungefähr dieselben Maßnahmen vorgesehen wie für den vorjährige» ähnlichen Anlaß. Eine Abordnung des Vundesraths soll sich nach Eintritt des Ausstandes sofort nach Zürich begeben nnd von dort aus Vorschläge an den Bundesrath machen. Zürich. 12. März. Der Ausstand der Anaest-llt-n der Nordostbahn hat heute früh begonnen: auf dem ganzen Bahnuetze verkehrte kein Frühzug; die Ruhe ist nicht gestört. Zürich, 12. März. Der Verwaltungsrath der N o r d o st b a h n ist für Sonnabend Vormittag 10 Uhr hierher einberufen worden. In den Kreisen der Direktion ist man der Meinung, der Ausstand werde wenigstens vier Tage dauern. Die Ausständige» verhallen sich ruhig. Zur Aufrechterhaltung der inter- nationalen Verbindungen soll Personal von auswärl? herangezogen werden. Tie Glafergesellen in Kopenhagen und Frederiks- borg haben die Arbeit niedergelegt. Bisher erhielten die fest- angestellte» Arbeiter 18 Kr. wöchentlich und die Anshilse-Arbeiter 4 Kr. täglich. Die Arbeiter hatten nun eine» festen Wochenlohn von 20 Kr. verlangt. Die Meister wollen aber nicht nur diesen nicht gewähren, sondern noch den Lohn der Hilfsarbeiter auf 3 Kr. pro Tag herabsetzen. 26 Kleinmeister habe» den Tarif der Arbeiter nnterschrieben; sie beschäftigen aber nur 26 Arbeiter, während 52 Meister mit 69 Arbeitern sich weigern. Der Streik umfaßt also 59 Personen. Der Sieg ist ziemlich sicher, da alle Glaser organisirt sind. In Stockholm streiken SOOTelephonistinnen der Allgemeinen Telephon- Gesellschaft. Nur 29 Damen wagten ans Furcht vor Verabschiedung nicht mitzuthun. Ursache» des Streiks sind: das Benehmen des Direktors gegenüber de» Damen, das deren guten Ruf gefährdet. ES laufen darüber in Stockholm die bösesten Gerüchte um. Ferner verlangen die Telephonistinnen monatlich 60 Kr. Gehalt(statt zetzt 40—45 Kr), Herabsetzung der Arbeitszeit und bessere hygienische Einrichtung der Telephonlokale. Die Direk- tion beschäftigt jetzt die 29 muthlosen Damen, 40 Schülerinnen und 20 frühere Telephonistinnen, die sich zu Streikbrecherdiensten her- geben. Die 20 Telephonistinnen der Bellgesellschaft haben sich dem Streik angeschloffen. Auch die Reichs-Telepho- n i st i n n e n fordern 60 Kr. Monatslohn und drohen mit Arbeits- niederlegung. Sie erhalten jetzt, wie es in einem Schreiben an die Direktion heißt, Hungerlöhne. Nonttnunsles. Ter Ausschuß der Ttadtverordneten- Versammlung zur Vorberalhung der Magistratsvorlage wegen Abschluß eines Vertrages mit der Großen Berliner Pferde- Eisenbahn- Gefell- schaft und der Neuen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft über Umwandlung des Pferdebahnbetriebes in einen elektromoto- rischen Betrieb fehle unter Vorsitz des Stadtverordneten Justizrath Meyer nnd in Anwesenheit des Bürgermeisters Kirschner, des Stadtbauraths Geh. Bauralhs Dr. Hobrecht, deS Syndikus Meubrink, des Magistrats-AssessorS Alberti und des Stadteleklrikers Dr. Kallmann heute seine Berathungen fort. Es wurde in der ersten Lesung fortgefahren. ZZ 25 und 26(Reinigung. Besprengung und Be- leuchtung des Bahnkörpers),§ 27(Ausschluß von Betriebsunterbrechungen) wurden ohnewesentlicheAenderungen angenommen. Ebenso gelangten ß 23(Rechtsverhältniffe bei Schadenersatzansprüchen) und § 29(Anordnung von Behörden) zur Annahme. Eine eingehende Diskussion knüpfte sich an den§ 30 betreffend Kreuzung, Anschluß und Mitbenutzung der Anlagen zum Betriebe von anderen Bahne». Der Paragraph betrifft somit die eventuellen Konkurrenzunter- »ehmunge». Der Magistrat und die Berkehrs-Deputatio» hatte die Be- stimmung getroffen, daß die Große Berliner Pferde-Eiseubahn-Gesell- schaft sich diese Milbenutzung durch andere Unternehmer auf-ine Länge von 400 Meter auf je einer Linie des Bahnplanes gefallen lassen müsse und nur auf den Strecken Teltowerstrabe und Schöneberger Ufer. Dorkstraße nnd Landsberger Allee längere Strecken als 400 Meter mitbefahren werden dürfen. Der Ausschuß hat mit 11 gegen 4 Stimmen beschlossen, die Mitbenutzung der Anlagen durch andere Unternehmer von 400 Meter auf 650 Meter zu erhöhen. Ter kürzlich abgeschlossene Verwnltnngsbericht dcö Magistrats über die städtische» Kanalisationswerke und Rieselfelder für das Rechnungsjahr l. April 1895/96 gewährt einen interessanten Einblick in das gegenwärtige Enlwickeluiigsstadium des großartigen Werkes. Das Netz von Kanälen nnd Leitungen ist im Berichtsjahre in gleichem Schritte mit der baulicben Veränderung und Enlwickelung des Stadtgebiets ausgebaut worden. Neu ans- geführt wurden in de» II verschiedene» Adtheilungen(Radialsystemen) der Stadt 2433,36 Meter gemauerte Kanäle und 27 103.99 Meter Thonrohr-Leilungen. In den Gebietstheilen der benachbarten Gemeinden Charlottenburg, Schöneberg und Lichtenberg, denen vertragsmäßig der Anschluß an die Kanalisation von Berlin gestallei ist, sind außer- dem 5869,19 Meter Thourohr-Leitungen und 2,27 Meter gemauerte Kanäle geballt worden. Am 31. März 1896 bargen die Straßen von Berlin 777 793,84 Meter Kanäle und Leitungen, d. h. 103»/« geo- graphische Meilen, und die Straßen des Anschlußgebietes der Nachbar- gemeinden 32 512,76 Meter, d. h. 4'/« geographische Meilen. Dem angeschlossenen Stadlgebiet und de» Nachbargebicten entströmte während des Berichtsjahres eine Zlbwässernugsuienge von 69 612 018 Kubikmeter, d. f. 190 717,66 Kubikmeter pro Tag. Die Abiväffer werden mittels Druckrohr- Leitunge» durch Maschinenlraft den städtischen Rieselfeldern zugeführt. Sie gelaugten während des Berichtsjahres auf eine für die planmäßige Berieselung hergerichtete Fläche von 5420,2l Hektar, während der ganze Besitzstand an Rieselfeldern einschließlich der bebauten Flächen, der Gewässer, Gräben, Dämme, des Unlandes und des von der Berieselung ausgeschlossenen oder zur Berieselung noch nicht hergerichteten Terrains 9251,37 Hektar beträgt. Von de» Adiniiiistrativbezirken im Norde» von Berlin habe» die Bezirke Falkenberg und Malchow eine» ansehnlichen Anbannutzen abge- worfe», während der»euere Bezirk Blankenfelde, der sich noch in einem großen Theil seiner Felder im Uebergangsstadium befindet, einen Zuschuß erfordert. Einen weiteren Zuschuß erforderten auch die im Süden von Berlin gelegenen Güter. Im ganzen beläuft sich der Zuschuß(im vorigen Berichtsjahre noch ca. 188 000 M.) auf ca. 70 000 M. Taö MngistratSkolleginm genehmigte den Vorschlag der Schnldeputation, daß den Kinder» von städtische» Beamten, welche an auswärtigen städtischen Austalte» angestellt sind und daselbst wohnen uiüffen, bei dem Besuche der Realschulen nur das für die Berliner Einwohner bestimmte niedrige Schulgeld berechnet werden soll. Mit brzug aus die an die städtischen Behörden gerichtet« Petition des Berliner G y in n a s i a l l e h r e r- V e r e i n s ist in der letzten Sitzung des Etatsausfchusses der Stadtverordneten- Versammlung angeregt worden, in den Etat der höheren Schulen ein Pansch- quantum einzustellen, damit für den Fall der Annahme der staat- lichen Bcsoldungsverbefferungen für die Oberlehrer an den könig- liche» Anstalten die nöthigen Fonds zur Gewährung von Zulagen an die städtische» Oberlehrer zur Verfügung stände». Der Etats- ansschuß ist auf diese Anregung nicht eingegangen, da er der An- ficht war, daß in dieser Frage zunächst das Ziistandekommen der be- znglichen Gesehvorlage und sodann die Anträge des Magistrats ab- zuivarteil seien. Ter Oberpräfident hat sich, wie bekannt, mit der von de» städti- scheu Behörden beschlossenen Aenderulitz der Grundsteuer- Ordnung mit Weglaffuiig der Bauplahsteuer eiuverstauden erklärt. Die in de» Zeitungen enthalten gewesene Notiz, daß auch die Umsatzsteuer bestätigt sei, ist i» s o f e r n u n r i ch l i g. als eine allerdings nur unbedeulende Abweichung gegen den Magistralsentwurf sich ergebe» hat. Infolge dessen hat die Sladtverordneteil-Versammlung sich mit der Erledigung dieses AustaiideS noch zu beschästigen. Zu Bureaus für die KanalisatiouS-Verwaltnng will der Magistrat den zweiten und drillen Stock in de», Haus« Heiligegeist- straße 13—14, das bis zur Burgstraße durchgeht, zum jährlichen Preise von 40 500 M. miethe». Der Miethsvertrag soll auf die Dauer von 10 Jahren geschloffen werden. Der Sladtverordiiele»- Versammlung wird eine diesbezügliche Vorlagt zur Genehmigung zugehen. Zum Bnrcan-Vorsteher der städtischen Grundeigenthums- Deputation ist an stelle des am 1. Juli er. in de» Ruhestand tretenden Bureau-Vorstehers Henfelder der Ober-Stadtselretär Carl Gender I vom Magistralskollegium geivählt worden. An den Fortbild, ingSanstalteu, Forlbildungsschulen und Fachschulen soll nach Magtstratsbeschlnß aus lauter Patriotismus der Unterricht auch am 23. März aus Anlaß der Zentenarseier ausfallen._ Vokales. Der Kartoffelban durch Arme, den die Armendirektion bisher alljährlich auf zu diesem Zweck gepachteten Ländereien veranstaltet hat, n», kinderreichen, bedürftige» Familien Gelegenheit zu einem kleinen Extraverdienst zu biete», soll vom nächsten Jahre ab ein- gehen. Wir habe» früher mehrfach dargelegt, daß und warum sich diese Einrichtung längst überlebt halte. Im Etatsjahr 1895/96 sind, nach dem letzte» Berivaltungsbcricht der Armendirektion, noch 2505 Familien mit 15 545 Personen, darunter 9301 Kinder unter 14 Jahre», berücksichtigt worden. Di« Parzellen lagen, wie seit einer Reihe von Jahre», nur noch an der östliche», nordöstlichen nnd nördlichen Weichbildgrenze. Der Bericht sagt, sie seien„für die Bebauer in mäßiger Zeit erreich. bar" gewesen. Daiiach muß angenommen werden, daß nur noch Beivohuer dieser Stadttheile zugelassen worden sind; denn von der Gegend des Kreutbergs, wo ja ebenfalls Anne wohnen, kann man die östliche, nordöstliche oder nördliche Grenz« Berlin? nicht„in mäßiger Zeil" erreichen. Der Feldbau soll„im allgemeine» mit Interesse und sachgemäß" betrieben worden sein, doch hat, wie immer,„eine erhebliche Anzahl" der Parzelleninhaber— frühere Be- richte nannten hier bestimmte Zahlen, z. B. für 1892: 702— an regelmäßige Fortsetzung der Arbeit und weitere Zahlung des Kostenbeilrages(7,50 M. in 5 Monatsraten) erinnert werden müssen. In 194 Fällen unterblieb schließlich die Beilragzahlung ganz, doch wurde in 167 dieser Fälle den bedürftigsten Familien gestattet, trotzdem abzuernlen. Pro Parzelle(k 400 Quadratmeter) wurden durchschnittlich 680'/e Kilogramm, das rnnd 9 fache der Aussaal, geerntet. Der Reingewinn betrug, wenn 100 Kilogramm Kartoffeln mit 5 M. berechnet werden und der von de» Theilnehmern geleistete Kostenbeitrag abgezogen wird, durchschnittlich 26,96 M. pro Familie oder 4,29 pro Kopf. Wie viel Zeit und Kraft dafür darangesetzt werden mußte, mögen die Fachleute beurtheilen. In schlechten Jahren ist das Mißverhältniß zivischen ver geleisteten Arbeit und dem erzielten Gewinn natürlich noch größer. In dem sehr trockenen Jahre 1892 z. B. betrug der Reingewinn nur 13,86 M. pro Familie. Die Armendirektion hat freilich den„moralischen Nutzen" dieser Einrichtung stets höher geschätzt als den materiellen Ge- winn. Die Sache besteht hier seit 1833 und wurde namentlich in den ersten Jahren als«ine vielversprechende Errungenschaft gc- priesen. Zur Ueberfttllung der städtischen Krankenhäuser ist in der letzten Stadtverordnete»-Sitzung vom Magistralsverlreler angeführt worden, daß z. B. das Krankenhaus Moabit im November 1896 mit durchschnittlich 576, im Dezember mit 645, im Januar 1897 mit 744, im Februar mit 834 Kranken pro Tag belegt gewesen sei. und daß ein« so starke Zunahme besonders für den Februar nicht habe vorausgesehen werde» können. Demgegenüber weisen wir darauf hin, daß gerade die Anstalt Moabit in den letzten Jahren regelmäßig im Februar die höchste Krankenzahl des ganzen Jahres gehabt hat. Sie war durchschnittlich belegt in den Monaten November bis Februar des Winters 1891/92: mit 599, 675, 733, 752; 1892/93: mit 415, 534, 644, 693; 1893/94: mit 610. 590, 626, 683; 1894]95: mit 624, 623, 633, 682, 1895/96: mit 579, 640, 720, 747 Kranke». Die Steige- rniig kann also, obivohl sie in diesem Winter allerdings größer war als sonst, doch nicht so ganz unerwartet gekommen sei». Im übrigen weiß ja jedermann, daß die Klagen über zeitweilige Uebersüllung der städtischen Krankenhäuser nicht erst von gestern und vorgestern sind, sondexn sich schon seit mehreren Jahren in jedem Winter wiederholen. Die Kalamität, von der in allererster Linie und fast ausschließlich die unbemittelte Bevölkerung getroffen wird, dürfte in den nächsten Jahren bis zur Fertigstellung des vierten städtischen Krankenhauses noch zunehmen. Die arme» Magistratödamen. Aus dem Rathhause heraus klingt folgender Schmerzeusschrei:„Die Magistratsmitglieder haben bereits ihre Karten zur Enthüllungsseierlichkeit am 22. d. M. erhalten. Es ist auffällig bemerkt worden, daß die Damen derselben bisher«ine solche noch nicht erhalten haben, obwohl dem Vernehmen nach bereits Damenkarten verausgabt worden sind. Sollte das letztere sich bestätigen, so wäre das um so auffälliger, als doch die Gemeindeverivaitung ein reges Interesse für die bevorstehenden Feierlichkeiten gezeigt hat." Es est allerdings in hohem Grade rücksichtslos, für 160 000 M. Steuergroschen nicht einmal die Magistratsdainen am patriotischen Schaugepränge theil- nehmen zu lasse». Wie nun, wenn die männlichen Magistrats- Mitglieder, durch ihre besseren Ehehälften„verhetzt", sich unterfingen. die Zentenarseier zu ignoriren! Von Vorderindien bis nach Hintcrpommern hat sich unser auch in Berlin gedräuchliches„Nanu" verirrt. Diese lustig« Ent- decknng hat Professor Reuleaux auf seiner Reise in Indien gemacht. Er schreibt in seinein sehr unterhaltenden Buch„Eine Reise quer durch Indien"(Allg. Verein f. deutsche Lit.) solgendes:„.... Auf einmal klang es aus Dscheddys schwatzendem Munde:„Nanu?!" mit einem so heimathlich klingenden Ausdruck des fragenden Staunens, dab wir alle unwillkürlich in ein gemein- sames„Nanu!" ausbrachen.... Dies kleine Impromptu hatte ich fast ganz vergessen, als ich zu meinem Erstaunen ausfand, daß„nann" wirklich ein indisches, obendrein ein Sanskritwort ist! Und der drolligste Zufall von der Welt will, daß es ganz und gar dieselbe Bedeutung hat wie bei uns.' Frage nach Ursache, Zu- stimmung, Zweifel, Vorwurf, Bitte, Beschäftigung, kurz alles, was der Berliner je nach Betonung, Achselbewegung, Miene in daS ans- drncksreichste seiner Wörter„hineinlegt", bringt auch der Inder, und unter denselben mimischen Formen damit zum Ansdruck. Der Berliner kann viel: daß er aber auch Sanskrit kann, daS habe» feine Steider»och nicht gewußt." Ter„Et>. Kirchl. Slnz." meldet jetzt bestimmt, daß daS Konsistorium der Provinz Brandenburg sowohl dem Prediger Dr. Scipio, der in der Dorolheengemeinde vom Magistrat als Patron präsentirt war, als auch dem in Sophien von der Gemeindevertretung ge- wählten Prediger I s k r a u t die Bestätigung versagt hat. Das finden wir sehr bedauerlich. lieber eine neue Verschlechterung der Beziehungen zwischen Polizei und bürgerlicher Presse weiß die„Mark. VoltS- Ztg." zu berichten:„Während die Kriminalpolizei noch anr 23. Oktober vorigen Jahres in der Lage war, der Redaktion der„Märkischen Volks-Ztg." die kriminalpolizeiliche» Mittheilungen zuzustellen, erklärte das Polizeipräsidium endlich im Februar dieses JahreS, daß die dienstliche» Verhältnisse nur ein« direkte Versendung an 16 hiesige Blätter und an das„Wolff'sche Telegraphenburean" gestatten würden. Was also im Oktober 1896 noch möglich war, ist im Februar 1897 unmöglich geworden. Der jüngst« Mordanfall auf den Pfandleiher Zeidler ist indeß wieder ein neuer Beweis dafür, daß die Kriminalpolizei allen Anlaß hätte, sich der Presse ohne Ausnahme zu vedienen. Wen» die„Er- ivägungen" nichts Besseres zu stände gebracht haben sollten, als sich der Vermittlerrolle des Wolff'schkn Bureaus zu bedienen, dann darf man jede ans die„Erwägungen" verwendete Stunde de- dauern. Dazu kommt, daß das Wolff'sche Bureau der„Mark. Volkszlg." auf eine Anfrage mittheilte, daß es nicht alle, sondern nur die„interessantesten"(!) Fälle an die Redaktionen weitergäbe." Der geschilderte Nachrichtendienst ist der Polizei und der preußischen Intelligenz würdig. Die Bezirkökommandos I nnd II Berlin verlegen am 1. April ihre Diensträume nach den» neuen Landwehr-Dienstgebäude aus dem Tempclhofer Felde, an der General Papestraße bei der Kolonne»- brücke, in dem die Bezirkskommandos III und IV schon seit Jahresfrist untergebracht sind. In dem gesperrten Lokale von Keller m der Köpnickerstrafi« giebl heute die Hutfabrik von I. BambnS u. Ko.. Ehausseestr. 67, die sich während des vorige» Jahres am meisten in der Mab- regelung der Arbeiter hervorthat, ihrem Personal«in Vergnügen, zu welchem von den Unternehmern baar« 250 M. gespendet sind. Wird das eine harmonievolle Schwelgerei werden! Tie Zahlungsschwierigkeiten der Firma Max Simon sind bedeutend größere, als ursprünglich angenommen wurde. Die Passiven belaufen sich ans ca. 1 300 000 M., denen ca. 300 000 M. 'Aktiven an Waarenbestand gegenüberstehen. Ju dem Befinden des Einjährig.Freiwilligen Bortief vom 4. Garde-Regiment zu Fuß, der sich am Sonntag vor acht Tag»,, im Thiergarten in dem Augenblick, als der Kaiser vorüberfuhr, zwei Revolverkugeln in den Kopf jagte, ist gestern eine Wendmig«in- getreten, tue es sehr zweiselhast erscheinen läßt, ob man den jungen Mann wird am Leben erhalten können. Ein Bruder von ihm, der als Einjährig-Freiwilliger in einem schlesischen Regimente dient, iff seit vier Tagen hier aus Urlaub. Bortief's Eltern lebe» in Ruß- land, die Kinder sind in Deutschland naturalistrt. Der Schwer- verwundete ist Apotheker. An der Hobelmaschine schwer verunglückt ist der 26 Jahre alte Hobler Hermann Köhler, der ,n der Ehausseestr. 28 bn Hoffmann wohnt. Der junge Mann gerieth in der Echwartzkops sche» Maschinen- sabrik so unglücklich in da? Getriebe der Hobelmaschine, daß ihm die recht« Hand fast vollständig abgequetscht wurde. Da man ihm vf der Sanitatswache nicht Helsen konnte, so mußte man ihn noch n der Nacht in ein Krankenhaus bringen. Ucber daS Schicksal der elektrischen Thurmbahn ist jetzt endgiltig entschieden. Der Riesenbau ist von einem Unternehmer aekanft und wird in Barmen aufgestellt werden. Der Abriß der Bahn erfordert 30 000 M. Von einem Pferdebahutvagcu wurde am Freitag Morgen 3 Uhr die 17 Jahre alte Tochter Alma der Pförtner Nochmann'schen Eheleute aus der Wilhelmstr. 3 a vor dem Hause Oranienstr. 13b so unglücklich an beiden Beinen überfahren, daß die Bedauernswerthe tn ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Mit dem tvcgeu des Diebstahls im Hohenzollernmusenm verhafteten Kaufmann Adolf Katz aus Pforzheim hat die Behörde einen vorzüglichen Fang gemacht. Adolf Katz ist ein sehr gewiegter Verbrecher. Er war bereits anfangs dieses Monats als der Mord- that in Meißen verdächtig, verhaftet worden, wurde jedoch, da sich seine Unschuld dortselbst herausstellte, alsbald wieder entlassen. Katz reiste unter allen uiöglichen Namen und Verkleidungen. Er ist in Leipzig wegen verschiedener Schwindeleien vorbestraft, trieb sich dann eine Zeit lang in Dresden als Lieutenant Baron Sternheim in Osfiziersuniform herum und verübte dort verschiedene Gaunerstreich«. In Berlin ist er wiederholt„thätig" gewesen. In der Luckwald'schen Juwele»- DicbstahlSsache hat die Staatsanwaltschaft hinler den russischen Kausleuten Rosenzweig und Samkowicz Steckbriefe erlassen. Ihre Spur wird nach zwei Richtungen hin verfolgt. Während die verhafteten Einbrecher Schmidt nnd Hertel und der als Hehler in Haft genommene Arbeiter Sommerseld übcrein- stimmend angeben, daß Rosenzweig und Samkowicz über Amsterdam nach England entflohen sind, sprechen Anzeichen dafür, daß Beide ihre» Weg nach Rußland genommen haben, und wahrscheinlich in Warschau sich noch aufhalten. Dort befindet sich, wie in Spitzbuben- kreisen bekannt ist, eine förmliche Gesellschaft von Hehlern, die nur Gold-, Silbersachen und Juwelen kaufen, und diese dann nach dem Innern von Rußland weiter verschicken. Man nimmt auch an, daß die Waarenlager aus den großen Juwelendiebstäblen von Lindner, Oranienstraße, Janus u. Friedrich, Friedrichstraße. Reiß- müller, Kommandantenslraße, nnd Graßman», Kommandantenstraße, bei welchen vier Diebstählen es sich um Objekte von zusammen 130 000 Mark handelte, ebenfalls nach Rußland verschoben worden sind. Tie freie Liebe in der Praxis einer Ordnungsstiitze. Der durchgegangene Polizei-Wachtmeister H. Schmidt, von welchem dieser Tage gemeldet wurde, daß er ein Dienstmädchen aus der Straße „An den Zellen" unter der Maske des liebenden Bräutigams um 11000 M. beschwindelt habe und am Tage vor der festgesetzten Hochzeit nach Amerika verduftet sei, scheint den Heirathsschwindel Engeos betrieben zu haben. Bisher haben sich acht weibliche Per» sonen gemeldet, welchen Schmidt, der verheirathet und Familien- vater ist, die Ehe versprochen hat und die er sitzen ließ, nachdem er denselben unter falschen Vorspiegelungen ihr Vermögen abgenommen hat. Sämmtliche Fälle liegen aber in neuester Zeit, so daß es wahrscheinlich ist, daß der noch verhältnißmäßig junge Man», der sich auf Kosten der Steuerzahler pensioniren lassen mußte, doch von seiner Pension nicht hätte lebe» können, nach einem großen und einheitlichen Plane gehandelt hat, und den Heirathsschwindel als bestes Mittel ansah, um leicht und schnell zu Gelde zu kommen. mit welchem er inS Ausland gehen konnte, womit er gleichzeitig seine Familie, Frau und drei Kinder, von denen er getrennt lebte, los wurde. Die Pensionirung ist im November erfolgt, die Liebes- Verhältnisse, die er vor der Pensionirung eingeleitet, hat er bis zu seiner Flucht fortgesponne». Unter einigen tausend Mark hat er aber kein Verhältniß angeknüpft, wenn er fand, daß die Mitgift geringer war, sprang er bald ab. Außer der erst bekannt gewordenen 11 000 M. hat er einer Wittwe 8000 M. abgeschwindelt. Die Hussiteustraßc von der Bernaucr- biS zur Stralsunder- straße wird wegen Umpflasterung bis aus weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ter Unteroffizier der Reserve beim 2. Garde- Regiment. Ingenieur Paulmann aus Hannover, hat sich am Freitag Morgen in der Kaserne erschossen. Er soll wegen geschäftlicher Verlust« den Selbstmord begangen haben. AuS de» Nachbarortcu. I» Tegel steht der Arbeiterschaft nur das Lokal von R ü b s a m' Schloßsir. 7/8, zu Versammlungen zur Verfügung. Den„Vorwärts" legen folgende Gastwirthe ans: Rentner, Spandauerstraße lö; Walter, Spandauerstr. 13; K u l i n a, Egellsstraße; Birkholz, Schloßstraße. I» Adlershof weigern sich die folgenden Gastwirthe, der Ar- beiterschafl ihre Lokalitäten zur Verfügung zu stellen: Wöllstein's Lustgarten nnd Stehbierhalle»: Leopold, an der Bahn; Barschow. Bismarckstraße; Stippekohl, Oppenstraße; Haußmaun, Grünauer Chausice; Böhmer. Hackenbergstraße; Konrath, Kaiser Wilhelm- straße; Götzke, Bismarckstraße; und Schmauser. Bismarckstraße. De» Parteigenossen zur Nachricht, daß im Lokal des Herrn Schmauser am Sonnabend, den 13. März, vom Naturheilvereiu ein Vortrag für Herren stattfindet. Wir bitten die Parteigenosse», sich streng nach der Lokalliste zu richten. Die Lokalkommission. Tie Bewegung zum Austritt auS der Landeskirche dürfte in R i xd o r s wesentlich durch eine Steuermaßregel verstärkt werden, ivelche dort von den katholischen und evangelischen Kirchengemeinde» ins Werk gesetzt ist. In diesem Vororte steht es mit den kirchlichen Finanzen äußerst miserabel.- Die kirchlichen Körperschaften sowohl der« v an g e l is ch e n wie der katholische» Kirchengemeinde haben zur Deckung des Fehlbetrages der Kircheukasse sür das Liechuungs- jähr 1896/97 die Erhebung einer prozentualen Umlage von der staatlicher- seitS veranlagte» Einkommensteuer beschlossen, zu welchem Beschlüsse die Genehmigung der kirchlichen Aussichtsbehörden nunmehr erlheilt worden ist. Von den Mitgliedern der evangelischen Gemeinde werde» l2V, pCt. der Staatseinkoinmeusteuer und zwar bereits von dem niedrigen Einkommen von 900 M. an(Steuersatz 6 M. jähr- lich)umd von den Mitgliedern der katholischen Gemeinde allerdings nur 10 pCt., aber sogar schon von einem Einkommen von 660 M. an(Steuersatz 4 M. jährlich) noch in diesem Monat durch die Rix- dorfer Gemeindekasse erhoben werden. Ucber die gegenwärtige vebälkerungszahl der sich a« Berliu unmittelbar aulehnenden, also räumlich vollkommen zu der Reichshauptstadl gehörenden 12 V o r o r t g« ,» e i» d e» enthält die vor einigen Tagen an das Abgeordnetenhaus gesandte Petition de? Eingemeindungs- Ausschusses der Vor- orte sehr bemerkenswerthe genaue Feststellungen, aus denen hervor- geht, daß Berlin, wen» die betreffenden Vororte zur Zeit bereits eing ueindel wären, schon heute eine Eeelenzahl von 2 � 360 aufweisen würde. Das wichtigste dabei ist aber der weitere zluernmäßige Nachweis, daß die Bevölkerung dieser Orte, (Eharlotteuburg. Wilmersdorf, Schöneberg, Tempelhof. Rixdorf, Numnielsburg, Treptow, Stralau, Lichtenberg, Äeißensee, Reinickendorf. Pankow) welche zusammen ein Gemeiudegebiet von 12 731 Hektar, (Berlin 6430 Hektar) besitzen, in den letzten 7 Jahren, d. h. von der Volkszählung im Dezember 1890 bis zum 1. Januar d. I. um genau daS doppelte, nämlich von 21v ö4S a u f 428 350 Per- sonen angewachsen ist. Die praktische Regierungsweisheit bewirkt nun nicht, daß dieser immer rapider anwachsende Gürtel qu Berliu angegliedert werde, sondern sinnt mit Leibeskrästen darüber nach. wie es möglich sei, einer Bereinigung der Vorort« mit der Haupt. stadt vorzubeugen. Tie Spree welche in diesem Jahr bei dem Thauwetter einen sehr niedrigen Wasserstand zeigte, steigt seit gestern ga»,«norm. Während der Wasserstand am 10. d. M. im unteren Laufe normal war. stieg« innerhalb 24 Stund--.» um ea. 8 Zoll. Diese koloffale Anschwellung hält noch an und hat bereits, wie au? Erkner de- sichtet wird, dort zur Ueberschwemmung der Wiesen geführt. Nunst und LvissenMsfk. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Donnerstag wurde die Berliner Gesaugsposse„Moderne Jungfrauen", zu deren Urheber- schast sich die drei Herren Schmasow, Levin und Wicher de- kennen, in diesem, auf die vielseitigste Weise den dramatische» Künste« gewidmete» Institut zum ersten Male aufgesührt. An dem Stück ist Herr Wicher am wenigsten schuldig, er hat nur ein bischen Musik dazu gemacht. Was aber Herrn Schmasow, den vielbeliebte» Herrenabend-Dichler und Komiker des Schiller-Theaters betrifft, so scheint ihn der Hafer zu stechen. Warum mußte er dramatisch dichten? Es war der reine unnütze Uebermuth, daß er sich mit einem Kompagnon hinsetzte und ein Stück wie die„Moderne Jung- fraueu" fabrizirte, deren Witze von so matronenhaftem Alter sind, daß sie einen wahren Spott auf den Titel bilden. Daß in Herrn Schmasow's Posse auch nickt andeutungsweise erwähnt ist, warum sie den angegebenen Name» trägt, möge noch hingehen; aber wie kann ein vernünftiger Mensch so alle Mätzchen, wie die Verladung armer Schauspieler in Kleiderspinde nnd ihre Beschmierung mit bunten Schminkfarben in einem neuen Stücke als Hauptspäße darbiete»? Es thul uns leid um Herrn Schmasow. wce um Herr» Direktor Samst, der am Abend vorher erst in einer verunglückten Vorstellung vo» Schiller's„Don Carlos" wieder den mageren Trost des Eut- spekters Brästg als Pflaster hinnehmen mußte, daß er und sein Personal in der Fixigkeit obenauf, in der Richtigkeit dagegen sehr hiutenan sind. Möge das Friedrich-Wilheimstädlische Theater in der nächsten Saison reputirlichere, dem Publikum wie dem Künstler- personal naheliegende Stücke und entsprechend weniger Experimente bringen, die— ach!— so selten einmal glücken!— Im Volks-Theater wurde gestern vor vollbesetztem Hause zum ersten Mal« die Presse„Signor Piffarello" gegeben. Wen» Possen den Hauplzweck habe», die Lachmuskeln des Publikums anzuregen, so hat das Slück diesen Zweck im höchsten Maße erreicht. Die Schaiispieler, die zum Theil recht flott spielten, riefen, namentlich durch die theilweise recht guten Konplets, wahre Lachsalven hervor. — Der süddeutsche Postillou hat dieses Jahr eine sehr an, sprechende März nummer herausgebracht. Besonderes Lob ver- dienen die Bilder.— London, 10. März. Das„Strand Magazin" berichtet über eine Unterreduilg. die ein Vertreter mit dem Italiener Marconi hatte, der mit seinen Apparaten eine Telegraphie ohne Drähte ermöglicht hat. Mr. Marconi, der noch nicht 22 Jahre alt»st, hatte sich längere Zeit damit beschäftigt, mit den Herz'schen Wellen zu Signalzwecken zu experimentiren. Er änderte die Herz'schen Apparate verschiedentlich ab und fand dabei eines Tages ganz zufällig, daß er mit einem abgeänderten Apparat im stände war, Welle» zu erzeugen, die eine ganz andere weitreichende Wirkung besaßen, als die von Herz. Diese Wirkung besteht hanpl- sächlich in einem llnbeschränkten Dlirchdrinzungsvermögen, während die Herz'schen Wellen durch Metall und Wasser aufgehalten werden. Marconi hat nicht wie gewöhnlich eine» knpsernen parabolische» Refleklor angeivendet, weil die erzeugten Wellen eben alles durch- dringen und weder gebrochen»och zurückgeworfen werden. Er hat im Gebäude des Hauptpostamts auf einer Eillfernung von hundert Metern durch achl starke Wände hindurch Drahtmeldungen gesendet und empfangen. Er erklärte, im stände zu sei», durch ganz London hindurch vo» seiner Wohnung nach dein Hauptpostamt zu telegraphiren. Die Entfernung hinge lediglich von der Stärke der erzeugenden Kraft und den Abmessungen der beiden Konduktoren ab, vo» denen die Welleil ausgingen. Die Kraft der Wirkungen auf zwei Entfernungen verhalte sich wie bei dein Licht umgekehrt wie das Quadrat dieser Entsernunge». Mr. Marconi hält es nicht für»»möglich, späterhin mit seine» Apparaten eine Verbindung zwischen Neivyori nnd London herzustelle». Er glaubt, daß als erzeugende Kraft hierzu ö0— 60 Pserdekräfte genügen werden. Die Koste» der Anlage würden wahrscheinlich noch nicht 10 000 Psd.-Slerl. betragen. Da die Wellen von ihrem Erzellgungs- ort überall hingehen, so werden sie allerdings mich alle Orte erreichen, die ebenso weit entfernt sind, wie Newyork. Marconi ist aber der Ueberzeugung, daß es gelinge» wird, ihnen eine bestimmle Richtmlg vorzuschreiben. Einen besondere» Vorlheit erblickt er in der Nutzbarmachung der Wellen für Lenchlhäuser und Lenchtlbürme u. s. w., wenn Nebel ihrem Licht ein Hinderniß entgegensetzen sollten. Die Leuchtanstalten würden dann eine ständige Quelle elektriscker Wellen sein. Der Aufilahme-Apparat aus den nahende» Schiffen würde rechtzeitig die Lage des Leucht- Hauses meldeii. Der Apparat last- sich auch in gleicher Weise auf de» Schiffen auweildei,, um die Gefahr des Zusammenstoßes vo» 2 Schiffen für die Zukunft anszuschließen. Sowie sich 2 mit den Appa- raten versehene Schiffe einander nähern sollte», würde die Alarm- glocke auf beiden Schiffen ertönen und ein Index die Richtung des anderen Schiffes anzeigen. Augenblicklich arbeiten Mr. Marconi und Mr. Preice, der Chef des elektrischen Departements der eng- tischen Postverwaltung, daran, die Verbindung zwischen der Kiiste von Wales und den Lenchtanstallen daselbst herzustellen. Marconi ist der Ansicht, daß seine Apparate sich sehr gut zu Kriegszwecke» eignen würde». Mir leichten, kleinen Apparaten seien Stäbe und Vorhut zu versehen. um eine einfache, sichere Verbindung zwischen beiden zu erzielen. Zur Eutzündmig von Land- und Wasserminen eignete» sich die Apparate ebenfalls vortrefflich, sie seien also zun» Küstenschutz sehr gut verwendbar. Da die Wellen jedes Metall, überhaupt jedes Material durchdringen, ist also auch eine Entzündung des Pulvermagazins jedes nahenden Schiffes von jedem Leuchthause aus möglich. In der Kriegsmarine aber selbst, von Schiff zu Schiff, sind die Apparate nicht verwendbar, weil der betreffende Sigualirende sein eigenes Pulvermagazin zu- gleich zur Explosion bringen würde. Es fehlt eben hier noch die schon oben erwähnte Verbesserung, daß es ermöglicht wird, die Welle» nur in einer Richtung zu entsenden.— Anmerkung der Redaktion: Es wird sich empsehlen, erst weitere Berichte abzu- ivarten, ehe man sich über die Marconi'sche Entdeckung ei» Urtheil bildet.— Getfiiiks-"Jeihrng. Die Bliithe der Nation.„Ts ist heutzutage keine Art mehr mit den Studenten, daß sie jetzt so oft die Gerichte wegen Gewalt- lhätigkeite», Beleidigung und dergleichen beschäftige»; nächste Woche habe ich wieder 4 Termine wegen Haussriedensbruchs", lneinte der Vor- sitzende der 133. Ablhcilung des Amtsgerichts I in einer VerHand- lnng, in welcher sich der Kandidat JacobnS ans Eoldan wegen Beamtenbeleidigung zu verantworte» hatte. Der Angeklagte hatte eines Nachts auf der Straße eil» natürliches Be- dürfniß verrichtet und war dabei von dem Polizei- Wacht- meister Bleil wiederHoll, aber ohne Erfolg aufgeforbert worden, bei Seite zu gehen, so daß sich der Beamte schließlich veranlaßt sah, den Angeklagtei, zur Wache zu sistiren. Es kam zwischen beide» zu einem Wortwechsel, der beiderseits zieuilich erregt geführt wurde; der Angeklagte meinte u. a.. der Beamte solle sich mit seiner Pickelhaube nur nicht für mehr hallen, während der Wachtmeister Bleil von„Frechheit" sprach und den Angeklagten beim Arm faßte. Der laute und erregte DiZpnt wurde bis zur Wache fortgesetzt; hier lärmte der Angeklagte während der Fest- stellung seiner Perionalien so laut, daß ihn der Wachtmeister wieder- holt zur Ruhe auffordern mußte. Plötzlich trat�der Angeklagte ganz nah« an den Wachtmeister heran und rief:„Sie sind ein ganz unverschämter Lümmel l" Darauf wurde er von de», Beamte» zurück« gestoßen, daß ihm sein Kneifer zu Boden fiel„nd zerbrach. Vorher halte er den Beamten noch damit verhöhnt, daß er ihm seine Sprach- sehler verbesserte, z. B. wenn der Wachtmeister„mir" sagte, wv es „mich" heißen mußte und umgekehrt. Der Angeklagte behauptet nun. der Wachtmeister Kteil habe zuerst von Uuverschänltheit ge- sprachen nnd er ihm dann allerdings hypothetisch erwidert: wen» daZ eine Unverschämtheit ist, dann sind Sie u. s. w. Auch be- hanptete der Angektagle, der Wachtmeister habe ihn nicht zurück- gestoßen, sondern ihm einen hcslige» Schlag ins Gesicht versetzt. Die übrigen als Zeugen vernommenen Beamten haben von dielem Schlage nichts gesehen, sie haben auch nicht gehört, daß der Wacht- meister das Wort„Unverschämtheit" gebrauchte u. f. w. Der Staatsanwalt beantragte 30 M. Geldstrafe, der Angeklagte dagegen Kom« peusation. Der Gerichtshof erkannte auf nur 30 M. Geldstrafe. Wie hoch wäre ein ausständiger Arbeiter bestraft worden, der sich ähnlicher Flegeleien schuldig gemacht hätte? Ein Landfriedenöbruch am Todtensoimtage beschäftigte gestern das Schwurgericht am Landgericht I. Die Anklage richtete sich gegen den achlmal vorbestraften Töpfer Richard Li n d n e r. den gleichfalls vorbestraften Arbeiter Max B e r ck n e r, den Ar- beiter Heinrich Hecht, den neunmal vorbestraften Händler Max Stein und den Töpfer Emil W a ch s m u t h. Den Angeklagten standen die Rechtsanwälte Dr. B i e l s ch o w s k i, Dr. Bollert, Jac. Cohn, Dr. Werthauer und E b st e i n als Vertheidiger zur Seite, den Vorsitz führte Landgerichts-Dircktor W e i n m a n n. die Anklage vertrat Staatsanwalt K a n z o w. Die Angeklagteii halten am Todtensonntage, 22. November, an einem Begräbniß in Weißensee theilgenommen, waren dann in einer Gastwirthschaft ein- gekehrt und gingen gegen 2 Uhr nachmittags mit anderen Personen ihren meist in der Prenzlauer Allee belegenen Wohilungeu zu. Dabei hatten sie das Gehöft des Stellmachers Wilhelm Thews, Prenzlauer Allee 147 zu passireu. Thews hatte Tags vorher hart an dem Wege eine Umsassungsmauer aufrichten lassen, bei welcher als Bindemittel Lehm gebraucht worden war. Als die Angeklagten an der Mauer vorüberkame», meinte der«ine: „Die hat ein Töpser gemacht!" und Berckner und Hecht machten sich sofort daran, aus der oberften Eleinreihe der Mauer Steine heraus zu reißen und auf das GeHöst zu werfen. Thews, der dies wahr- nahm, stürzte mit den Worten:„Ihr Lümmel, Ihr Strolche, waS macht Ihr denn da?" auf den Hof los, die Anaerufeneu liehen sich aber nicht stören, sondern rissen die Mauer w teter ein. Als Thews dem Zerstöruugswerke wehren wollte, stürzten die Angeklagten auf ihn und schlugen mit allem, was sie gerade in die Hände bekamen, auf ihn ein. Der Sohn deS Thews, der mit dem Abfahren eines Wagens mit Müll außerhalb des Gehöfts beschäfligt war. sprang seinem Vater auf dessen Hilfe- rufe bei und schlug mit dem umgekehrte» Peitschenstiel auf die An- greiser ei», Li»dl>er entwand ihm aber die Peitsch« und nun wurde er selbst von allen Seiten mit Hieben und Stößen mißhandelt. In seiner Nothlage rief der alt« ThewS einem Gesellen zu, ihm sein Gewehr herauszubringen und als er im Besitze desselben war, rief er den ülngreifern zu. Platz zu machen, widrigenfalls er eine>. niederschießen würde. Er legte auch auf Berckner an und drückte ab: es stellte sich aber heraus, daß das Gewehr nicht geladen war. DicS war das Signal für einen allgeineinen Ansturm auf den alten ThewS. Alle stürzten über ihn her und bearbeiteten ihn mit Schirmen, Stöcken, Steinen. Der Krawall hatte etwa 30—40 Per- sonen herbeigelockt. Uebel zugerichtet mußten die beiden Thews sich durch die Mauerlücke auf de» Hos und von da in das Haus zurück- ziehen. Nun begannen die Tumultuanten ein Bombardement mit Steinen; sie begügten sich aber nicht damit, einige Fensterscheiben zu zertrümmern, ihre Wnth richtete sich vielmehr auch gegen dcis schuldige Pferd vor dem Thews'schen Wagen, welches sie mit Steinen bewarse». Das Pferd hat acht Tage im Stalle stehen müssen. Der junge Thews ist 14 Tage arbeitsunfähig gewesen, der alte ThewS ist infolge der erlittenen Berletzmij)«»»och heute nicht im stände, irgend eine Arbeit zu verrichten,»st vielmehr krank und elend ge- worden. Der Staatsamvalt kam auf grund der Beweisaufnahme zu dem Ergebniß, daß die Angeschuldigten im vollen Umfange der Anklage überführt seien, Er empfehle aber den Geschworenen, den An- geklagten mildernde Umstände zuzubilligen. Die Bertheidigung suchte de» Nachiveis zu führen, daß der Begriff des Landsriedensbruchs durch das Verhalten der Angeklagte» noch nicht erfüllt sei. Die Geschworenen verneinten die Schuldfragen betreffend den Landfriedensbruch, bejahten dagegen die Schuldfragen betreffend die schwere Körperverletzung unter Ausschluß von mildernden Umständen. bei de» ersten drei Angeklagte», sprachen den Angeklagten Stein der schweren Körperverletzung nichtschuldig und den Angeklagten Wachs- mulh schuldig uiiler Zubilligung von mildernden Umständen. Der Staalsanwalt beantragte gegen Lindner und Hecht je ein Jahr, gegen Berckner zwei Jahre, gegen Wachsinuth neun Moi.ate Gesäiigniß, gegen Stein die Freisprechung. Das Urtheil lautete genau nach dem Antrage deS Staats- ailwalts. Eine»»ächtliche Schlägerei in der Passage beschäftigte gestern die siebente Strafkammer des Landgerichts I. Die Angeklagten, der Fabrikant Johann Meyer und dessen Bruder, der Student Kurt Meyer, ivaren vom Schöffengericht, der erstere zu 300, der letzter: zu 300 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Gegen dies Erkenntnis, hatten sowohl der Staatsanwalt, wie die Angeklagte» Berufung eingelegt. Die erneute Verhandlung endete für die Angeklagten noch ungünstiger als die erste. Es wurde für festgestellt erachtet, daß die Angeklagten in der Nacht zum 16. No- vember i» angetruiikenem Zustande i» das Englische Büffet in der Passage gekommen waren amd sich hier so un- gebührlich betrage» hatten, daß sie hinausgewiesen wurden. AlL der erste Geschäftsführer die Thür hinter den Hinausgehenden zu- machte, erhielt er von draußen einen heftigen Schlag über die Hai'd. Er ging hinaus, um den Angreifer zur Wache bringen zu laffen, erhielt aber sofort von dem ersten Angeklagten einen Schlag mit dem Stock über den Kopf, daß er zu Bode» stürzte. Beide Angeklagte schlugen dann noch weiter auf den am Boden Liegenden ein. Auch der zweite Geschäftsführer, der dem Bedrängten zur Hilfe eilen' wollte, wurde von den Angeklagten geschlagen. Auf dem Wege zur Wache beleidigte der erste Augeklagte die Schutzleute. Der Staats- anmalt meinte, daß die Augellagteu gerade ihrer Bildung wegen besonders scharf angesehen werden müssen, er beantragte gegen dc>: ersten Angeklagten vier, gegen den zweiten drei Monate Gefängniß. Der Gerichtshof verurtheilt« die Angeklagten zu drei Monaten u»ll> einer Woche, beziehungsweise zu zwei Monaten Gefängniß. Nachklänge zum Olympia- Theater. Der B.sitzer des Olympia- Theaters. Herr Kiralfy, hatte in Hamburg mit cinein großen Defizit gearbeitet. Seine Gläubiger, die Herren Busse u.li, Krüger, unternähme» zunächst nichts, weil doch nichts zu hole» na,'. Sie glaubten aber, in Berlin zu ihre», Geld« kommen zu kltNncn, nnd sie täuschten sich auch insofern nicht, als das Olympia-Theate: während der Gewerbe- Ausstellung gute Einnahmen brachte. Es wurde mündlich verabredet, daß Busse und Krug«. als Sozieu für ihre Hamburger Forderungen auS den: Berliner Gewinn vorab befriedigt werden sollten. Zu' einem schrifllichen Bertrage kam eS nicht, weil Kiralfy zu' viel auf Reisen ivar. Der Ueberschuß aus dem Olympia- Theater' wurde bei einer hiesige» Bank niedergelegt. Ali es nun zur Thei- luug des Gewinnes kommen sollte, strengten Busse und Krüger, du sie auf gütlichem Wege nichts erreichen konnten, die Klage aus Herausgabe vo» 80 000 M. an und erwirkten einen Arrest aus daS bei der Bank niedergelegte Geld beziehungsweise den Antheil des Direktors Kiralfy. Di« dritte Zivilkammer deS Landgerichts i wies jedoch die Kläger ab und hob den Arrest auf, da die mündliche Vereinbarung nicht genüge, den Klägern das Recht zu sichern, sich ans dem Gewinne in Berlin sür ihre früheren Forderungen»» decke». Wege» Beleidigung des Bürgermeisters SuchSlaud von Luckenwalde war Genosse Huth als Redakteur der.Brandenburger Zeitung" neuerdings zu einer Woche Gesängniß vrr- urtheilt ivordeu. Das Vorgehen gegen ihn hat«li.e nicht intcressailte Vorgeschichte. In einem Verwaltungsstrcite zwischen dem Luckenwalder Konsumverein„Vorwärts" und dem Bürge:» meister der Stadt wurde vom Ober-Verwaltnngsgerichl»u gunsten des Bürgermeisters entschieden. Dieser liquidirte dann später sür die Wahrnehmung cineS bestimmten Termins an Reisc. tosten und sonstigen Spesen 81 Mark. Der Vorstand des Konsumvereins zahlte dies Geld in den Gerichtskostcn. denilnzirtc aber zugleich EuchSland mit der Begründung bei der Staats»» ivaltschast, daß er jenen Ter«, in gar nicht wahr» f» n o nun e n habe.(Si wurde das mich thatsächlich festgestellt. die Anklage unterblieb aber. Die Behörde glaubte den Angaben Suchslands. der sich nur geirrt zu haben erklärte. Suchsland war am fraglichen Tage zur Hochzeit seines Bruders in Halle gewesen. Die„Brandenburger Zeitung" brachte nun über die Affäre einen Artikel, durch den sich der Bürgermeister beleidigt fühlte. Schöffen- gericht und Landgericht stimmten ihm bei. Die Strafkammer nahm an. daß feine Ehrlichkeit in Zweifel gezogen worden sei, und glaubte auch aus der ganzen Fassung des Artikels auf die Ab- sicht der Beleidigung schließen zu können. Der Angeklagte hat ihrer Meinung nach auch nicht in Wahrung berechtigter Interessen ge- handelt. Er wäre nicht berufen gewesen, die Interessen des Konsum- Vereins wahrzunehme». In der Revision, mit der sich der Straf- senat des Kammergerichts am ll. März beschäftigte, berief sich Genosse Hnth darauf, daß Suchsland doch unstreitig alten- widrig gehandelt habe, wenn er die Kosten liquidirte. Aus de» Akten der Berwaltungsstreitsache hätte er ersehen müssen, daß er jenen Termin nicht wahrgenommen habe. Das Kammergericht v e r- warf jedoch die Revision. Ohne Rechtsirrthum hätten die Bor- instanzen das Delikt der öffentlichen Beleidigung festgestellt. Vermislitzkes vom Tage. — Dr. Fritz F r i e d m a n n. der ehemalige Stern des Ber- liner Thiergarten-Viertels hat sich in Paris als„internationaler Rechtsanwalt" niedergelassen. I» einem Zirkular giebt er bekannt, daß er auch die„gesammte Thätigkeit von Detektivs" und das „Jncaffo von Forderungen" besorge.— —„Deutsche Eichen" in Töpfen werden hier in ver- schiedenen Läden zum Verkauf angeboten. Das soll wohl patriotisch sei». Schon vor so Jahren hat Humboldt geschrieben, daß in ganz Deutschland seit dem Anfang der 20er Jahre b l o s amttika- nische Eichen gepflanzt worden sind, weil diese besseres Holz habe» und besser wachsen als die„deutschen" Eichen.— — Der Germanist Daniel Sanders, dessen Tod wir gestern gemeldet, hat ein dreibändiges„Wörterbuch der deutschen Sprache" geschrieben. Seine„Deutschen Sprachbriefe" sind auch in Arbeiterkreisen bekannt und werden häufig zu rathe gezogen.— -» Freuet Euch, deutsche Dichter, jauchzet und lockt mit der Trommel, schon wieder ist ein Hoher zu Euch herabgestiegen. Herr Krupp, der Kanonenkönig, hat vor einigen Tagen ein Herren- Frühstück gegeben. Bei dieser Gelegenheit wurde ei» Lied gesungen: „Endlich allein." Zu diesem Kouplet hat Herr Krupp höchsteigen- händig zwei Verse hinzugedichtet.— Jetzt wird es nicht mehr lauge dauern, und der Jüngste der„Jüngstdeutschen" ist hoffähig.— — Essen. Auf der Zeche Zentrum, Schacht II, sind bei Abgabe eines Sprengschusses zwei Bergleute ums Leben gekommen.— W. Der in K i e l beheimathete D a m p f e r S p r o t t ist mit 16 Mann Besatzung an Bord seit H Tagen überfällig. Das Schiff ist am 9. Februar von Newport nach Hamburg in See ge. gange» und hätte die Reise in 16—18 Tagen machen müssen, ist jedoch an seinem Bestimmungsort nicht angekommen.— — Ein Vielseitiger. Die Gemeinde Klein abringen bei Weimar sucht einen Mann, der die Aemter eines Gemeinde� dieners, Nachtwächters und Gänsehüters zugleich zu bekleiden hat. Unter den eingegangenen Meldungen befindet sich auch eine solche, deren Absender„gute Schulbildung" zu haben behauptet und gern bereit ist, auch aushilfsweise als Organist und Steuerexekutor thätig zu sein.— Eine Typhusepidemie ist in Bebra infolge schlechten Trinkwaffers ausgebrochen. 30 Personen sind lebensgefährlich erkrankt.— — In Radutsch(Kroatien) stürzte ein verschmähter Liebhaber das Mävche», das ihm einen Korb gegeben, in einen Brunnen und erhängte sich hierauf. Das Mädchen starb bald, nachdem man es herausgezogen.— — In London ist in der Heilsarmee eine Rebellion gegen das Booth-Regiment ausgebrochen. 2S0 Heilskrieger sollen bereits den Dienst quittirt haben.— — oo. A u ch eine H e i r a t h s a n z e i g e. Im„New-Iork Herald" erschien unlängst folgendes Ehegesnch:„Gentleman, der in» Besitze eines Bade-Anzuges und eines Radfahrer- Kostüms ist, wünscht zwecks Verheirathung die Bekanntschaft mit einer reichen, gebildeten und schönen jungen Dame. Heiterer Geselle 460."— � In F e z(Marokko) ist ein Theil der alten Stadtmauer ein- gestürzt und hat 180 Arbeiter getödtet.— Briefkasten der Redaktion. Die juristische Tprechstuude findet Montags, Dienstag?, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. G. B. Ag. K. d. Pr. Br. z. Händen d. Herrn A n t r i ck b. Zubeil, Lindenstr. 166. tZ Handelshilfsarbeiter. Durch den heutigen Versammlungsbericht geschieht die Widerlegung des betr. Vorwurfs viel besser, als durch Ihren Sprechsaal-Artikel. Knowledge. Beides wird gebraucht. Swinemünde. Lungenheilanstalt am Grabowsee bei Oranienburg. G. R. 32. Ihrem Großvater steht ei» Anspruch auf Alters- oder Jnvaliditätsrcnte leider nicht zu, da er Beitragsmarken nicht geklebt hat und bereits vor dem 1. Januar 1831 invalide war.— R. W. 9. So lange die Erbin das Geld nicht erhalten hat, steht nach dem Inhalt des Testaments ein Anspruch aus das Legat nicht zu.— M. 2. 281. 1. Eines Arbeitsbuches bedürfen die aus der Volksschule Entlassenen beiderlei Geschlechts, so lange sie minderjährig sind. 2. Lehrlinge, die nur Unterhalt, also nur Logis und Kost erhalten, sind nicht versicherungspflichtig. -». 100. Der Abzahlungsgegenstands- Eigenthümer kann nach Durch» dringung mit seiner Zahlungsklage alles das pfänden, was ein anderer Gläubiger pfänden darf.- 121. Die Zinsen werden Ihnen, soweit ohne mündliche Rücksprache die Sachlage sich übersehen läßt, mit unrecht vor- enthalten! Sie können sie einklagen.— 100 Sch. Strafbar haben Sic sich nicht gemacht! der Inhalt der von Ihnen unterschriebenen Schnststucfe ist für Sie verbindlich.— Lieschke. Verjährung liegt nicht vor.— Trink- wasser 10«. Der Arbeitgeber hat für geeignetes Trinkwasier in dem Gewerbebetrieb Sorge zu tragen: wenden Sie sich an den Gewerbe- Inspektor.— Genosse Lenz. Ihre Kousine mußte Jnterventionsklage erheben und Einstellungsantrag stellen.— P., Metz, Strastburg. Der betreffende ist kranken- und invaliden-versicherungspflichtig. Strafbar ist nur der Arbeitgeber, nicht der Arbeiter.— Knitter. Eine Klage wäre aus- stchtslos.- G. M. 1000. 1. Nein. 2. Ja. 3. Ja.- A. Z. Nein. — L. U. 23. Sie können Zahlung der Erbschaftsschulden gegen Heraus- gäbe der Sachen verlangen.— R. S. 20. Sie könnten nur Beschwerde im Aufsichtswege einlegen.— 300. W. O. Wenden Sie sich direkt an den Verband mit Ihrer Anfrage.— M. S. 73. Die Aufkündigungssrist bei städtischem Gesinde beträgt, falls nichts anderes vereinbart ist, sechs Wochen; bei monatöweise gemietheten Dienstboten kann am Ib. zum 1. gekündigt werden.- W. 100, R. W. 0. Wiederholen Sie die Anfrage.- 91. Z. 18. Ja.- Zwei Wettende. Ist dumm, aber nicht straf- bar.- R. Nr. 14. 16-12 Mark und eine Mark für jeden Besuch. Witt«r»tigSiibersicht vom 12. März 1807. Weiter- Proauose für Sonnabend, de» 13. März 1807. Kühl, zeitwerse heiter, vielfach ivolkig mit geringen Niederschlägen und ziemlich frischen südöstlichen Winden. Berliner Wetterb u renn. Metallarbeiter I MLontag» 15. März, abends 8 Uhr: 2 öffentliche Versammlungen im Kösliner Hof, Köslinerstr. 8, und im Kouzerthcms Sanssouci, Kottbuserstr. 4s. Tages-Ordnung: vi« kkletslllnetastvlellen, die Centenarfeler und der 1. Hai. Referenten: Paul liltfln und Otto Diaethcr. Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. 113/14 Der Bertranensmann der Berliner Metallarbeiter. O t t o N a c t h e r, dl., Anklamerstr. 44. VerblMd aller i« drr MMmiiltstrie beschäMsten Arbeiter Berlins u. Umg. Heute, Sonnabend, den 13. März 1807, abends 8'/- Uhr, Uertrauettsmattner-Konferettz für den»oniien. Tonntag, de» 14. März 1807. vormittags lo»/- Uhr: VrsnckenverkÄiinnlung der Itakplvgei* und Helfer im liOnlaenntUdtlnclicn Klubhans, Annenstraste 16. 112/11 Der vorstand. der Allgem. Kranken- u. Sterbekafse Metallarbeiter. (G. H. 29.) Filiale Berlin 1. Die zum 13. März bei Zubeil angesetzte Mitglieder- Versammlung findet nicht statt. Beiträge werden w den Zahlstellen entgegengenommen. 113/6 Die OrtavervaltimK. Verband der Mabelpolirer. Montag, de,» IS. März, abends 8»/- Uhr, IlndreaSstraste 2«: JjBT Versammlung."VW Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genoffen Wagner über: Volksschule und Sozial- demokratie. 2. Diskussion. 3. Wahl. 4. Werfftatt-Angelegenheit und Ver- schiedenes. 146/13 Die Kollegen von Baumgart n- Söhne, Gr. Frankfurterstr. 31, «eichel, Thaerstr. 41, Reiche, Langestr. 71, sind hiermit eingeladen. aar- Am 21. März ist gemüthlicheS Beisammensein der Kollege« spezielldes Norden», mit Familie bei Hamlow, Schönhauser Allee 135. Die Vorstellung in der Urania findet am 2. Osterfeiertag, nachmittags 1 Uhr, Taubenstraße, statt.»ev Vorstand. ! A chtung! Ällsikiustrumenteu-llrdejler. Sonntag, de» 14. Mär» 1897. abends 0 Uhr, im großen Saal der dirinlnliallen, Kommandantenftrafte 20: Gr. öffentl. Versammlung. Tagesordnung: Vortrag deS Genoffen Waldeck Manasse über:„Glaubens- kämpfe". Nachdem: Geselliges Beisammensein.— Eintritt 16 Pfi Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet 142/5 »er Vertranensmann. Leder- M WMerie-Arbeiter iluil-Arbeiteriulle«. «m Montag, den IS. März, abends 8V> Uhr Branchen-Bersammlung im Lokale deS Herrn Boll, Adalbertstr. 21. Tagesordnung: 1. Die Beschlüff« deS BerbandstageS zu Halle und deren Wirkungen auf die Lederarbetter-Bewegung. 2. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwarten 25/14 _ Ple Vcrtranenslente. Kistenmacher. _ jionntag, de» 14. März, nachmittag» ff Mglltdtt-Nnsmmlung mit tau im Lokal Anuenstraste 1«. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Massatsch. 34/3 a|jr Nach der Versammlung: Dana.— Gäste willkommen. Lodert Scheere, Restaurant„S ä n g e r h e i m", O. Blumen-Straste 38. Telephon: Amt VII Nr. 3760. Arbeitsnachweis der Möbelpolirer, Brauer, Brauerei-Hilssarbeiter u. s. w. Gr. Bereiuszimmer noch an mehreren Tagen zu vergeben. Franz. Billard Gr. 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Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Man», Rudolf Wittke, Zimmerer, am 3. d. Akts, aus dem Leben geschieden ist. Die Beerdigung findet Sonntag Nachmittag 4 Uhr statt. Neuer Sophicnkirchhof, Freien- waldcrstr._ 375b Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unsere liebe Tochter, meine tnnigstgeliebte Braut, meine gute Schwester W�lllielmlne Becher am Mittwoch Abend 16s/, Uhr nach kurzem, aber schwerem Krankenlager im Alter von 24 Jahren am Herz- leiden ini Krankenhanse zu Britz ver- storben ist. 367b Die Beerdigmig findet am Sonntag, den 14. d. M., nachm. 3t/z Uhr, vom Kreis- Krankenhaus Britz nach dem Britzer Gemeinde-Kirchhof statt. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Statt besonderer Mittheilung. Am Donnerstag, den 11. d. Mts., verstarb plötzlich nach kurzem, schwere»: Kampfe aui Herzschlage meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger- mutier und Großmutter kevrielle Beyer, vcrw. Tacke. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des Neue» Louiscnstädttschen Kirchhofes aus statt. Heeuiann Beyer. Hans ßaakc»nd Familie. Carl Tacke„nd Familie. Banksasnng. Für die liebevolle Thctlnahme bei der Beerdigung lneines lieben Mannes, des Rcslaurateurs Ernst Haschte sage allen Freunden und Bekannten, seinen Kollegen, sowie dem Gesang- verein Jmniergrtt» meinen innigsten und tiefgcstihltesten Dank. 376b Die ttauerndc Wittwe _ Anna Raschle. Danksaeang. Für die liebevolle Thetlnahme bei der Beerdigung meines geliebten Manneö dohannes Sommer sage ich allen Freunden und Kollegen meinen innigsten Dank. Die trauernde Wittwe 3596 Ida Sommer. Danksagung. Hiermit sage ich allen Freunden und Bekannten, namentlich dem Verein der Plättcrinncn für die Thcilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Gastmirths Emil Möhring, sowie für die reichen Kranzspenden meinen innigsten Dank. 3686 Emma Möhring, geb. Lendel. K.P. Gleichzeitig theile ich mit, daß ich das Geschäft meines Mannes in alter Weise fortführe und bitte alle Freunde und Bekannte, das meinem Manne bezeugte Wohlwollen auch auf mich zu überttagen._ Nachruf. Ein„Schlummere sanft in ber Ewigkeit" dem früh dahin gegangenen Genoffen Bäckermstr. Hasenleder, Köpenick. JI. S. Herrn. Jenehen, uSfh. Kranzbinderei«. Blnmenhandlg. Verelnskrttnze 363b mit Wldmnngsschlelfen. Kränze, Guirlanden und Widmungen Empfehle mich den Patteigenoffen, billinst und sauber zu liefern. Julius Springwald. Blumenstt. 68. Warne hiermit jeden, meiner Frau etwas zu borgen, da ich sür nidjt» aufkomme. 356b Fritz Schnlae, Maurer, Liebenwalderstr. 63. AllgeiiieiiltKrllnkeil-li.Eterbe- W der Metilllarbeiter (E. H. 23 Hamburg), Filiale Berlin 2. Sonntag, den 14. März vorm. 16 Uhr Mitglieder-Versammlung im Märkischen Hof, Admiralstr. 18 c. Tagesordnung: Kassenbericht. Filialangelcgcicheiten. Heerdlxnnjgs» Verein Berliner Zlmmcrlente. Sonntag, den 14. d. M., um 7 Uhr: Monats-Sitzung Grenadierstr. 33. Vorttag des Hm. W. B u ch h o l z über:„Unfälle im Bauhandwerk, sowie Entscheidungen im Schiedsgericht und Reichs-Ber- ' Die Mitglieder silberungsamt."— ladet hierzu ein 3576 Der Vorstand. Gnstav Fischer, Verlag in Jena. Soeben erschien: Sozialismus und im neunzehnten Jahrhundert. Von Werner Somhart. Professor a. b.Universttät Breslau| 3.-12. Tausend. Preis: 56 Pfennig. C-nohn rothbraun, verkauft billig. AUffllU, Stubenbeck, Lynarst. 3, IV Obst-, Gemüsegeschäft Bnmnenstr. vcrkäufl. Bernauerstr.76, Zigarrenladen. Posamenticr- Geschäft zu verk. Teinpelhof, Berlinerstr. 41. 355b Schürzen und Wäsche eigener Fabrikation äußerst billig. 3S6b II. IHittelstrass, Jnvalidenstr. 5, Ecke Ackerstraße._ Land zu Beipacht. Zu erfahren bei Krümmel, Falckensteinftr. 6, H. 3 Tr. Haube mit Land ist billig zu verk. Kiefholzstr. 6, Dallmann._ 3666 Wohnungen von 3, 2 u. 1 Stube, Küche u. Zubehör, Pferdeställe u. Re- misen, Lagerkeller bill. z. Venn. 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Für den Jnseratentheil verantworllich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max vading in Berlin. sr-«t.«• mm. 2. Keilaze des„Nmarts" Kerlmer DldsIllM S-«»«,..-». m-89?. LikevttrifÄze KunvfchKU. Tie TiSkusfion über die materialistische GeschichtS- Auffassung in der„Neuen Zeit". In der letzten Nummer der„Neuen Zeit" vom 6. März ist die sehr anregende Polemik der Genossen Kauteky und Vax über die materialistische Geschichtsauffassung zum Abschluß gekomme». Die Diskussion begann im Herbste vorigen Jahres mit der Kritik, die Kautsky gegen einen in der Wiener„Zeil" veröffentlichten Artikel von Vax richtete, und zog sich dann init Unterbrechungen durch sechs Hefte hindurch. Eine große Reihe einzelner, auch historischer Fragen ist in höchst anregender Weise berührt worden. Wenn wir hier ans den Gang der sicher auch für weitere Parteikreise interessante» Erörterungen einen Rückblick werfen, so geschieht das. um aus dem Reichthnm des Stoffes einige der wichtigsten Gesichtspunkte herauszugreifen, durch welche Kautsky, der in der Diskussion weitaus Ueberlegene, das Wesen des historische» Materialismus bestimmter verdeutlicht. Man wird die Bedeutung der allgemeinen Frage, um welche hier mit sehr ungleichen Kräfte» gekämpft wird, am leichtesten verstehen, wenn man sich an das bekannte Bild erinnert, durch welches Marx das Verhältniß der Oekonomie gegenüber de» anderen Lebenssphären und Thätigkeitsformen der Gesellschaft an- schaulich macht Die Oekonomie, sagt er, sei die„Grundlage". Politik, Recht, Religion, Wissenschafl und Kunst dagegen der„Ueber- bau"; der ökonomische materielle Lebensprozeß als Grundlage be- dinge und bestimme den gesammte» Lebensprozeß der Gesellschaft. Diese allgemeine Formulirung ist vortrefflich, indem sie markant nnd plastisch mit der Schärfe des Schlagwortes den Gegensatz des neuen historischen Standpunktes gegenüber dem alten hervorhebt. Aber wie jede epigrammatisch kurze Ausprägung eines Gedankens nothwendig mit einer gewissen Einseitigkeit behaftet ist. weil Kürze und Anschaulichkeit nur durch Unterdrückung der komplizirenden Nüancen erreicht werden können, so auch die Marx'sche Formet. Hier war für eine äußerliche, an W o r t e sich haltende Polemik der Boden trefflich geebnet. Wie kann die Oekonomie, so wird superklug eingeworfen, im Unterschied von de» übrigen gesellschast- lichen Lebensprozeffen als„Grundlage" bezeichnet werde»? Ist nicht jede„Grundlage", richtig aufgefaßt, etwas selbständig be- stehendes, das, selbst unabhängig vom„Ueberbau", auf die Ge- staltung dieses bestimmend einwirkt? In Wirklichkeit kommt aber der Oekonomie eine selbständige Existenz offenbar nicht zu, die Oekonomie ist eine Thätigkeit der Gesellschaft, die ohne andere Thätigkeiten derselben, ohne Familienorganisation, ohne politische Zusammenfassung, ohne Recht, ohne erfindende? Denken und Wissenschaft gar nicht bestehen kann. Und wie sehr auch die Oekonomie auf all« diese Lebenssphären einwirkt, haben andererseits diese gegenüber der Oekonomie doch eine relative Selbständigkeit. Die mannigfachen Anlagen der menschlichen Natur leben sich, das ist das Gemeinsame, in den verschiedensten Gebieten, aus, diese Anlagen selbst aber sind offenbar aus den wirthschaftlichen Verhällniffen allein nicht abzuleiten. Die Oekonomie. darauf würde diese Argu- ni'nlation mithin hinauslausen, dürfe nicht als„Grundlage" bezeichnet werden, da sie mit de» anderen Lebenssphären, die auS der Oekonomie allein nicht abgeleitet und begriffen werden können, in den, Berhält- niß wechselfettiger Abhängigkeit stehe; ebenso wie die Oekonomie, das Handeln der Menschen anregend, auf die übrigen Lebenssphären einwirke, ebenso wirkten diese auf die Oekonomie zurück. Die Oekonomie 7tt nicht dte Grundlage und nicht das bestimmende und bedingende Moment der gesellschaftlichen Eni- Wickelung, sie sei nur ein bestimmender Faktor unter anderen. So aber stelle sich als wirkliche Form, in der das historische Leben verläuft, die allgemeine Wechselwirkung dar. und diese fun- damentale Wahrheil werde von der materialistischen Geschichts- auffaflung, welche die Oekonomie, als das„Bestimmende", den anderen Lebenssphäre», als dem„Bestimmtwerdenden", einseitig gegenüberstelle. prinzipiell verkannt. Das etwa ist in allgemeinen Zügen der Gedankengang, welcher der Polemik gegen den historischen Materialismus zu gründe liegt. Wie unfruchtbar und leer diese Kritik auch erscheint, die sich an de» engen Wortlaut einer Formel klammert, um daraus zu deduziren, daß Marx förmlich blind für die bekannten, im Leben überall herüber und hinüberspielenden Wechselbeziehungen gewesen sei, so hat sie doch wie alles in der Welt auch ihre guten Seiten: Sie treibt die Anhänger der materialistischen Geschichts- auffaffung nothwendig zu Versuchen, ihre wirkliche» Ansichten in ausführlicherer und mehr nuancirter Formulirung darzustellen, i» einer Formulirung, die von vornherein alle solche billigen Ein- Wendungen abschneidet. So treibt sie damit zu immer neuem schärferen Durchdenken des historische» Materialismus selbst. WaS B a x ausführt, läuft gleichfalls im wesentlichen auf de» oben angedeuteten Gedankengang hinaus, er glaubt aber, wie es scheint, selber nicht, durch derlei Erwägungen die materialistische Geschichtsauffassung als solche, sondern nur eine extreme Auslegung dieser Lehre, den„Neumarxismns" der Kautsky, Mehring nnd Plechanow treffen zu können. Die ganze Unsinnig- keit. die sonst der Marx'sche», wird hier beweislos der„Neu- marxistischen" Geschichtsphilosophie in die Schuhe geschoben.„Ju ihrer schärfsten Form genommen, erklärt Bax, besagt die materialistische Geschichtsauffassung nichts weniger, als daß Sitte, Religion und K.mst durch die ökonomischen Bedingungen nicht etwa nur beeinflußt werden, sondern daß sieganz allein dem Gedankenreflex eben jener Be- dingungen im sozialen Bewußtsein entspringen." Religio», Moral, Kunst seien danach„zufällige Erscheinungs- formen, deren Aeußerungen sich direkt oder indirekt aus ökonomische Ursachen zurückführen lassen." Nicht Marx, wohl aber die Plechanow. Mehring, Kautsky hätten in ihren neuesten Leistungen diesen Standpunkt eingenommen. Den großen Einfluß der Oekonomie auf diese Lebensgebiete erkenne er willig an, nur dürfe man über diesem„Einfluß" nicht die Wirkung all der mannigfaltigen seelischen Anlage», die aus des Oekonomie nicht ableitbar sind, übersehen. Alles stehe in wechselseitiger Ab- hängigkeit. Das, wogegen Bax als die„extreme" Richtung des historischen Materialismus ankämpsl, ist offenbar nicht nur eine„extreme", sondern eine widersinnige, in dogmatische Hirngespinste verlaufene Richtung. Kautsky weist diese Art von„Materialismus" init Recht weit von sich. Die materialistische Geschichtsauffassung habe es gar nicht mit einer Erklärung der menschlichen Natnr und ihrer ursprünglichen Anlagen zu thun. Sie setzte vielmehr diese menschliche, ebenso wie die äußere Natur bei ihren Betrachlungen als einen gegebene» Faktor voraus, und beschränke sich darauf, die Veränderungen, welche die Bethätiguug der ursprünglichen Anlagen im Laufe der Geschichte aufweift, zu begreisen. Tie Veränderungen aber könnten natürlich nicht durch den Hinweis auf die konstanten, bleibenden, fondern nur durch den Hinweis auf die veränder- lichen Faktoren des geschichtlichen Prozeffes erklärt werden. Was sich ändert, das ist aber nicht das menschliche Wesen und die Außenwelt, sondern die Gesellschaft,„das heißt, in letzter Linie die ökonomischen Verhältnisse". In ihnen also sei der Grund dafür zu suchen, daß die ursprünglichen Anlagen selbst sich in den ver- schiedenen historischen Epochen verschieden belhätigen. Man kann diesen Gedanken auch so fassen: Die Marxisten be- trachten die geschichtliche Entwickelung in Uebereinstimmung mit den Vertreter» anderer geschichtsphilosophischer Richlungen als eine Entfaltung der menschlichen Natur, die durch ihre eigenen Werke zu immer neuer, die Gesellschaft umgestaltender Bethätiguug ge- drängt wird. Sie nnlerscheiden sich von den anderen Richtungeii hingegen dadurch, daß sie von allen Erzengnissen der Gesellschast die Organisation des ökonomischen Lebens als dasjenige Moment hervorheben, welches ans das schaffende Handeln und Verhalte» der Menschen innerhalb derGesellschaft den a in m e i st e n bestimmenden Einfluß ausübt. Wenn also Werth darauf gelegt wird, können die Ver- lreter der materialistischen Geschichtsauffaffuiig ohne weiteres zu- geben, daß in letzter Linie die menschliche Natur als die Grund- läge aller sozialen Gestaltungen anzusehen sei. Die wechselseilige Bedingtheit aller sozialen Gestaltungen weist schließlich auf die wechselseitig einander bedingenden Anlage», Triebe und Bedürfnisse der menschlichen Natur als gemeinsamen Hintergrund und einigendes Band zurück. Wenn Marx die Oekonomie als„Grundlage", die anderen Lebensgebiete als„Ueberbau" bezeichnet, ist es also unmöglich seine Absicht, etwa zu bestreiten, daß man in dem oben eutwickelten Sinne sehr wohl auch die menschliche Natur als Grund- läge und alle gesellschaftlichen Lebenssphären als wechselseilig einander bedingende Erscheinungen dieser Grundlage auffasse» könne. Das E i g« n t h ü m l i ch e der materialistischen Geschichts- auffaffung ist es. nicht die psychologischen Vorbedingungen des historischen Geschehens oder die Wechselwirkung der gesellschaftlichen Lebenssphären zu leugnen; vielmehr akzeptirt sie, richtig aufgefaßt, diesen Gedanken, aber sie strebt über die triviale Allgemeinheit deffelben hinaus, indem sie, auf ihm fußend, weitere Fragen stellt, vor allem: Welche dieser verschiedenen in sich zusammenhängenden Lebenssphären stellt sich einer ins Innere dringenden Geschichts- betrachtung als die wesentlichste und wirksamste dar? Un dann im Anschluß hieran: W i e wird ferner die menschliche Natur durch die Gestaltungen dieser(der ökonomischen) Lebenssphäre in ihrem ganzen Verhalten bestimmt? Der Unterschied zwischen den Bekämpfern nnd den Anhängern des Marxismus ist schließlich der, daß die Geschichtsphilosophi« jener da stehe» bleibt, wo die Geschichtsphilosophie dieser erst anfängt.— Die Fragen, ans welche die materialistische Geschichtsnnffaffung antworten will. sind unabweislich. Je klarer, aussührlicyer und bestimmter die Be- antwortung derselben formulirt wird, nmsomehr muß jeder Schein von Einseitigkeit, der einem epigrammatisch kurzen Ausdruck deS neuen Standpunktes etwa noch anhastet, verschwinden. Doch kehren wir zu Kantsky's Polemik, die mancherlei zur Auf- hellung jener Grundfragen beiträgt, zurück. Sehr wichtig eben im Sinne schärferer Bestimmtheit ist seine prinzipielle Sonderling zweier von Bax zusainmeiigeworfener Momente: von ökonomischen„Interessen, welche die bewußten Motive des Handelns einzelner Personen bilden", und von„materiellen Bedingungen, die einer bestimmten Ge- sellschaft und damit auch dem Denken und Fühlen der Mitglieder dieser zu gründe liegen." So lasse sich z. B., erläutert er,„ans den materiellen Bedingnngen der römischen ikaiserzeit die Abkehr vom Irdischen, die Todessehnsucht des Christenthums seiner Meinung nach wohl erklären. Aver es wäre doch ungeheuerlich, hinter der Todessehnsucht ein materielles Interesse zu suchen!" Diese scharfe Gegenüberstellung führt über den allgemeinen Gedanken, daß die ökonomischen Verhältnisse bestimmend auf das menschliche Handeln einwirken, bereits hinaus, indem auf das„Wie" der Einivirkung näher eingegangen und eine zwiefache Wirkungs- weise der Oekonomie unterschieden wird. Der Hinweis auf die Oekonomie als den Erklärungs- grund historischer Erscheinungen hat offenbar in beiden Fällen einen ganz verschiedenen Sinn; im ersten Falle, wenn nämlich die ökonomischen Verhältnisse den einzelne» bestimmen, indem sie seiner Jnteressirtheit, seinem Streben»ach Wohllebe» ein gewisses Verhalten als das unter den gegebenen Umständen allein zweckmäßige vorschreiben(mau denke a» die Regeln, denen Käufer und Verkäufer, Kapitalisten und Arbeiter bei freier Konknrrenz- wirthschaft auf dem Markte folgen), erscheint die Oekonomie an- nähernd als ausreichender und zwingender Er- tlärungsgrund für daS menschliche Handeln; im zweiten I Fall aber, das KautSky'sche Beispiel de? ChriftenthumS kann das am besten verdeutlichen, wirkt die Oekonomie nicht als eine zweck« setzende, sondern als eine blos prädisponirende Be- dingung. Nur unter der Voraussetzung gewisser Denkiveisen und Traditionen, die selbst nicht unmittelbar aus der Oekonomie ab- geleitet werde» können, vermag sie die ihr zugeschriebene, über den Kreis ökonomischer Jnteressirtheit hinausgehende Wirkung aus- zuüben. In solchen Fällen kann aber wegen der Bedeutung und Kom- plizirtheit der andern mitwirkende» Faklorc», die Oekonomie als causa sufficiens, als genügender Erklärungsgrund nicht mehr bezeichnet werden.— Diese Folgerungen, durch welche die Wirkungsweise der Oekonomie einmal als B e st i m m u n g s g r u n d, das andere Mal als Bedingung näher charakierisirt wird. scheine» sich mir nnmitteldar aus der Kaulsky'schen Unterscheidung zu ergeben; sie dürften bei einer genaueren Formulirung der materialistischen Geschichtsauffassung jedenfalls nicht übergangen werden. Ter falsche Schein, als ob nach dem historischen Materialismus alles Handeln der Menschen in gleichmäßiger Abhängigkeit von der Oekonomie stehe, und damit viele mißverständliche» Ein- Wendungen würden so von vornherein fortfallen. Auch Bax würde gegen eine solche Formulirung, welche auf die inneren Grad- und Art- unterschiede jeder ökonomischen Erklärung von vornherein aufmerksam macht, nichts einwenden können.„Psychologie" und„Wechselwirkung" finden dabei innerhalb der gebotenen Grenzen volle Berücksichtigung. Wie falsch es ist, der Marxistische» Geschichtsauffassung vor- zuwerfen, sie unterschätze den menschlichen Geist, der, wie gesagt, sogar als Grundlage und treibendes Element der ganzen historischen Entwickelung aufgefaßt werden knn», setzt Kautsky, auch hier die Wirkungsweise der Oekonomie näher analysirend, in einem späteren Artikel auseinander:„Der Geist bewegt die Gesellschaft, aber nicht als der Herr der ökonomischen löerhällnisse, sondern als ihr Diener. Sie sind es, die ihm die Aufgaben stellen, welche er jeweilig zu lösen hat; sie sind es, die ihm die M i t t e l zu ihrer Lösung geben. Und daher sind sie es auch, welche die Resultate bestiinmen, die er unter gegebenen historischen Bedingungen erzielen kann und muß." Jeder Schritt nach vorwärts erzeugt neue un- vorhergesehene Verhältnisse und damit neue weiter drängende Aufgaben und Mittel. In dieser Bewegung aber spielt natürlich auch das einzelne Individuum eine bedeutende Rolle, die der Marxismus, hier auf eine der Grenzen ökonomischer Erklärungs- weise stoßend, durchaus nicht verkennt.„Das Individuum kann keine neuen Probleme für die Gesellschaft erfinden.... Es ist auch in bezug aus die Lösung dieser Probleme an die Mittel gebunden, die seine Zeit ihm liefert. Dagegen ist die Wahl der Probleme, denen es sich widmet, die des Standpunktes, von dem aus es an deren Lösung herantritt, die Richtung, in der es diese sucht, und endlich die Kraft, mit der es sie verficht, nicht ohne R e st aus ökonomische Bedingungen allein zurückzuführen." Hier kommt noch außerdem die besondere individuelle Eigenart, die Begabung und die Entwickelung derselben in betracht; und dadurch könne» einzelne Individuen, als Denker. Künstler, Organisatoren, Taktiker, ja auch als Feldherren,„ihrer Zeit viel, sehr viel geben". Die Klagen über den„Personenkultus". auch innerhalb der sozialistischen Partei, sind danach auf ihr rich- tiges Maß zu reduziren. Eben dieses bedeutsame, aus ökonomischen Verhältnissen allein nicht genügend verständliche Eingreife» einzelner Individuen in den Entwickelungsgang der Gesellschast weist uns»ach Kautsky auf das eigentliche Gebiet der materialistischen Methode hin. Die unendlich verschlungenen, vielfach individuell bedingten Be- sonderheiten der wirklichen Geschichte vermag sie ohne Rest nicht aufzulösen. Aber sie liefert die Grundlagen, von denen aus diese bunte Mannigfaltigkeit des Wirklichen erst recht ver- ständlich wird, indem sie die verschiedenen Entivicklnngsstusen der Oekonomie sondert, ordnet, vergleicht und so den Kern von Ge- sellschaftsformen und Ideen, der bei allen äußerlichen Abweichungen den Völkern einer gewissen ökonomischen EnlwicklungSstuse g e- m einsam ist, herauszuschälen sucht. Sind diese allgemeinen Zu- sammenhänge erst erkannt, so lassen sich die Gründe der im Rahmen des Gemeinsamen auftretenden Mannigfaltigkeit dann leicht erkennen. Dieses hier von Kautsky als Hauptausgabe der Marx'sche» Geschichts- Iheorie bezeichnete Verfahren erinnert an die Methode der theore- tischen Nationalökonomie, welche ja auch die Besonderheiten der Preisbildung im einzelnen Falle nicht erschöpfend angeben kann. die aber die allgemeinen Zusammenhänge der Preisbildung und damit die Grundlage, den Rahmen und die Grenzen, in denen die besondere Preisbildung sich bewegt, untersucht. Auch hier sind die Besouderheilen nur z» verstehen, wenn erst die allgemeine Regel, da? Richtmaaß. von welchen die Besonderheiten mehr oder weniger ab- weichen, gesnndeii worden ist. Zum Schluß spricht Kautsky von dem Unterschiede polemischer und systematischer Bthandlnng eines Gegenstandes. Unseres Er- achtens liegt die Bedeutung dieser Polemik gerade in der Vorarbeit. die sie im Verein mit Marx-Engels'schen und„Neumarxistischen" Schriften für eine systematisch genaue Darstellung de? historischen Materialismus liefert. Die mannigfaltigen hier be- rührten Gesichtspunkte(Rolle der menschlichen Natur in der Ge- schichte; Unterschied von ökonomisch interesstrtem und ökonomisch be> dingten, Handeln; Bedeutung und Grenzen individueller Thätigkeit; Unterschied der allgemeinen Grundzüge und der besondern Aus- gestaltung eines Gesellschaftszustandes) sind für die Einsicht in die Marxistisch« Geschichtsauffassung so wesentlich, daß sie in eine systematische, über die epigrammatische Form hinausgehende Formu- lirung derselben»olhwendig hereingearbeitet werben müßten. Erst so kann die neue Lehre eine völlig festbeslimmte, gegen alle voreiligen Einwürfe wohl gesicherte äußere Gestalt erhalten. C. S. Soziale Vechkspflrge. Ter Miihlburschc Wchuer machte sich eines Morgens bei einer Turbine der Mühle zu schaffen, in der er arbeitete. Er stürzte hinein und es wurde ihm der Ari» zermalmt. Seine» Anspruch auf Unsallrente wies Berufsgenoffenschaft und Schiedsgericht ab. Beide Instanzen nahmen an, W. hätte au der Turbine nichts zu lhuu gehabt. Der Rekurs des Klägers gegen das Schiedsgerichtsurtheil blieb ohne Erfolg. Das Reichs-Versicherungsamt hatte nochmal Beweis erhoben und festgestellt, daß Wehner sich Aale aus der Turbine holen wollte, die sich darinnen gefangen hatten. Es führte aus, dies sei keine Betriebshandlung gewesen und so habe W. abgewiesen werden müsse». Ter gereizte Restaurateur. DaS Dienstmädchen O. verlangte von dem Restaurateur Fischer in der Köpnickerstraße eine Lohn- entschädigung von M, obwohl sie selbst ihre Stellung bei Fischer anfgegeben hatte. Sie begründete ihre Forderung vor de», Gewerbegericht damit, daß Fischer sie gezwungen habe, die Stellung vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit zu verlassen. Den, sehr nervösen Fischer hätte sie es nie recht machen können, und als sie gar am kritischen Tage ein Glas zerbrochen habe, da sei er in furchtbarer Erregung auf sie losgesahren und habe sie so derbe geohrfeigt. daß ihr künstliches Gebiß i» die Brüche gegangen sei. Dann habe er ihr, als sie flüchtete,- das Glas nachgeworfen, sodaß die Splitter in der Thür« stecken geblieben wären. Einige Zeugen bestätigten im wesentlichen die Angaben der Klägerin über das Er- eigniß. Der Beklagte, ein wahrer Hüne, wollte durch die Klägerin „furchtbar" gereizt worden sein; er berief sich auf das Recht zu Züchtigungen des Gesindes, das in der Gefiiide-Ordnnng gegeben ist. Die Klägerin macht- demgegenüber geltend, daß sie vorwiegend im Reftaurationsbetriebe thätig gewesen sei. also als Geiverbe- gehilfin und nicht als„Gesinde" betrachtet werdeii müsse. Ferner gab sie ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß die riesige Hand des Beklagten sie nicht gleich getödtet habe. Das Geiverbegericht verurtheille den Restanrateur. nachdem die Klägerin ihre Forderung ermäßigt hatte, nach dem Klageantrag. Der Gerichtshof war der Meinung, daß»nter den obwaltenden Umständen der Klage. begründung zuzustimmen sei. Durch eine» muthivilligen Streich eines Kollegen wurde der Werkzeugmacher Fränkel i» seiner Erwerbssähigkeir beschränkt. Während er i» der Vesperpause sich mit Arbeitsgenossen am offenen Fenster unterhielt, schoß der erwähnte Kollege aus dem gegenüber- liegenden Fabrikflügel vermittelst eines Rohres ein Brollügelchen »ach ihm und traf ihn damit i»S Auge. Das Rohr war ein bei Seite geworfener, nicht verwendeter Tbeil eines Werkzeugs. Fränkel brachte seine Verletzung mit dem Betriebe in Verbindung und verlangte von der zuständige» Berufsgenossenschaft eine Unfallrente. Die Genoffenschast und auch das Schiedsgericht lehnten jedoch de» Anspruch mit der Begründung ab, daß ein Unfall„beim Betriebe" im Sinne des Gesetzes nicht vorliege. Das Reichs- V e r s i ch e r u n g s a m t hat jetzt ebenfalls zu Ungunsten des Klägers entschieden. Zur Begründung jührte der Borsitzende aus, daß aller- dingS Gefahren als Betriebsgefahren angesehen werde» könnten, di« aus dem Zusaiiunenarbeiten vieler Arbeiter an einer Betriebsstätte hervorgingen. In jedem einzelnen Falle sei indessen von dem ganz bestimmten Gesichtspunkte auszugehen, daß die Gefahr aus d e», Betriebe selbst erwachsen müsse. Das sei hier nicht anzunehmen. Hätte der betreffende Arbeiter zu dem Windschuß statt eines Brot- kügelchenS ein Eifentheilche» aus den Vorräthen deS Betriebes be- nutzt, dann wäre die Entscheidung anders ausgefallen. Eine den BerufSgenoffeuschaften sehr nnangenehme AuSt leguua des tz K7c des Kranken-Versicherungsgesetzes hat der öl. Sena- des O b e r- V e r w a l t u n g s g e r i ch t s getroffen. Auf dem ge- nannten Paragraphen beruht die Berechtigung der Berufsgenossen- schaften. in Erkrankungsfällen. die durch Uiifall herbeigeführt werden. das Heilverfahren aus ihre Kosten zu übernehme». Vom Tage der Uebernahme an bis zur Beendigung des Heilverfahrens oder bis zum Ablauf der 13. Woche des Krankengeldbezuges geht der Anspruch des Erkrankten auf Krankengeld auf die Berussgenossenschafl über, die von jenem Rechte Gebrauch macht. Die Berliner Sektion der Brauerei- und Mälzerei- Bernss- genossenschaft glaubte nun in einem solchen Falle außer dem durch den llnfallzuschlag erhöhten Krankengelde auch noch das gewährte Angehörigen- Krankengeld erstattet verlange» zu können. Sie hatte nämlich den Verletzten in einer U n f a l l st a t i o n behandeln laffe» und somit auch der von der Kasse ja inilübernommenen Ver» pflichtnng. den Angehörigen des Mannes Krankengeld zu zahlen. nachkommen müssen. Den betreffenden Mehranspruch erklärte indessen bnS Ober-Verwaltungsgericht für unberechtigt. Der Vorsitzende führt« begründend aus, sobald die Berufsgenossenschaft erkläre, daS Heil- verfahren Übernehmen zu wollen, gingen die Rechte u»d Pfl>ch!«n der Kasse in vollem Umfange auf sie über. Lasse sie KraiikeuhauS» deHandlung eintreten und müsse sie infolge dessen die Angehörigen unterstützen, dann habe sie das auf ihre Kosten und nicht auf Kosten der Kasse zu thun._ VevsÄMinlttngett. Die Gencrawcrsaimnlnng des Arbeiter- Sängerbundes Berlins und Umgegend, welche am 7. März stattfand, erledigte die laut Statut vorgeschriebene Tagesordnung. Der Vorsitzende gab zunächst den Recheuschasisbericht. Dem Bunde gehören gegenwärtig W2 Vereine mit aKOt) Mitgliedern au. Diese zerfallen in 197 Männerchöre und 5 gemischte Chöre. In Berlin domiziliren 1LS, in der Umgegend 79 Vereine. Aufgenommen wurden im verflossenen Verivaltnngsjahr 17 Bereiue. aus- getreten, aufgelöst und ausgeschlossen sind 22 Vereine. Der Vorstand halte sich in seineu Sitzungen verschiedentlich mit Vereinen zu beschäftigen, ivelche der Uusolidärität beschuldigt waren. Der Besuch der Uebungsstnuden und Ansschubsitzungen liest oftmals zu wünschen übrig, wie der gedruckte Necheuschastsbericht nach- weist.— Der Ausschuß faßte verschiedene wichtige Beschlüsse, unter anderen Geivähruug von Rechtsschutz und Bewilligung von Geldern für streikende Arbeiter, insgesannnt 1700 M. (für die Hamburger Hafenarbeiter 800 M.). Bon den Festen des Bundes ist insbesondere das Süngerfest in Pichelsdorf erwähnenswerth, welches alle bisher staltgefuudenen übertraf. Es wurde ein Ueberschust von zirka löoo M. erzielt. Rnchwehe» hatte daS Sängerfest insofern, als der Vorsitzende angeklagt war, die Er- laubniß zum Vertrieb von sozialdemokratischen Partei-Bons gegeben zu haben. Jedoch wurde derselbe freigesprochen, da kein Nachweis hierfür erbracht wurde. Zwei Schreiben, welche beim Borstande ein- gelaufen sind, und zwar I. Aufforderung des Bundes zur Betheili- gnng an der Zentenarfeier und 2. von der Berliner Packetfahrt- Gesellschaft. Entgegennahme von Bestellungen von besonders gekenn- zeichneten Werthzeichen zur Zentenarfeier, versetzten die Versammlung in große Heiterkeit.— Der spezialisirte Rechenschaftsbericht des Kassirers ergab eine Einnahme von 2333,98 M., eine Ausgabe von 1914,05 M., verbleibt demnach ein Kassenbestand von 419,93 M. Dem Kassirer wurde aus Antrag der Revisoren einstimmig Techarge ertheilt.— Bei deb hierauf folgenden Wahl des Vorstandes wurden Neumann und Hübner durch Stimmzettel wiedergewählt. Tie übrigen Mitglieder des Vorstandes wurden per Akklamation gewählt und zwar sind wiedergewählt: O. Rasche und Fr. Kor- t u m als Echriflsührer, A. Kaiser und N o b e r t M e y e r als Kassirer.— Die eingelaufenen Anträge auf Abänderung des Statuts wurden als solche nicht anerkannt und dem Ausschuß überwiese». Mit einem dreifachen Hoch ans das fernere Gedeihen deZ Bundes und mit dem Gesang des Liedes;„Wir glauben an der Freiheit Sieg", schloß die Versammlung. Eine öffentliche Textilarbeiter- Versammlung fand am 9. d. MtZ. in Henke's Lokal, Naunynstr. 27, statt, zu welcher die Arbeiter und Arbeiterinnen der Velvetfabrik, Köpenickerstraße, sowie die der Färbereien von Riedel und Cabanis eingeladen waren. Kollege K o tz k e hielt einen von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die kapitalistischen Produktionssormen. Eine Diskussion fand nicht statt. Sodann brachte Kollege Kotzke verschiedene Mängel in der Velvetfabrik znr Sprache. Dort müssen Arbeiter in einer Hitze von 30-40 Grad arbeiten, desgleiche» in den Färbereien, wo die Arbeiter bei elf- stündiger Arbeitszeit 9—12 M. verdienen. Diesem könne nur ent- gegengetreten werden, wenn sich alle Arbeiter ihrer Gewertschafts- Organisation anschließen, um dann mit vereinten Kräften den Kampf gegen das Kapital führen zu können. Zu derselben Sache sprachen noch die Kollegen Hübsch und Lehman n. Zum Schluß liehen sich mehrere Kollegen in den Verband aufnehmen. Die Schuhmacher waren am Mittwoch in dem Saale der Königsbank, Große Frankfurterstraße, versammelt, um Stellung zu nehmen zu den gegenwärtig in ihrem Beruf schwebenden Streiks und der von den Fabrikanten geplanten Aussperrung säinmtlicher in den Kartellfabriken beschäftigten Arbeiter. Willncr hielt das einleitende Referat. Nach seinen Ausführungen wurden die bei den Firmen K a l l m a n n und R o s e n t h a I».Groß schwebenden Differenzen noch immer nicht beigelegt, die Arbeiter seien aufgefordert worden. dort die Arbeit wieder zu beginnen, ohne daß ihren Wünschen Rechnung getragen wurde. Im Weigerungsfalle drohe nun der Verband der Berliner Schuhfadrikanten mit Repressalien. Redner verliest die in letzter Nummer(Leider mußte der Bericht in letzter Stunde zurückgestellt werden, um wichtigen Depeschen Vlatz zu machen.) unter Gewerkschaftliches abgedruckten Briese und meint, daß die Fabrikanten ihre Drohung, am Sonnabend alle Kartellfabriken zu schließen, nicht wahr machen würden, sondern nur leere Drohungen niedergeschrieben hätten. Andernfalls seien aber die Berliner Schuhmacher gewillt, den Kampf auszunehmen, da sie der Solidarität der deutschen Arbeiter gewiß und im Rechte seien. Es sei Sache der Arbeiter dieser beiden Fabriken gewesen. sich zu ent- scheiden, nachdem aber dieselben fast einstimmig für Fort» sührung des Streiks seien, schlössen sich die übrigen Schuhmacher ihrem Vorgehen als gerechtfertigt an und würden sie weiter unter- stützen. Jetzt sei es an den Fabrikanten, sich nicht ins Unrecht zu setzen. In der recht lebhaften Debatte betheuerle ein angeblich un- parteiischer Lederfabrikant, Herr Salomo, der Verleger der Fach- schrift„Schuh und Leder", daS beste fei die Harmonie, er empfehle Frieden zu schließen, da die Fabrikanten gelernt hätten, sich zu organisiren und an einen allgemeinen Arbeitgcber-Verband dächten. Alle übrige» Redner, wie Naner, Wenzel, Weber und Frau Schädlich und Krüger sprachen im Sinne des Referenten. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die heutige Versamm- luug erklärt, es dem Personal der Rosenthal'schen und Kallmann- scheu Fabrik selbst zu überlassen, zu den vom Fabrikantenverein ge- stellten Bedingungen die Arbeit aufzunehmen oder nicht! Falls dies nicht geschieht, verpflichtet sich die Versammlung, diese Arbeiter während des Kampfes zu unterstützen. Falls aber der Verband der Berliner Schuhfabrikanten seine Drohung wahr macht, so erklärt die Versammlung die Sache der Ausgesperrten zu der ihrigen zu machen. Aus der darauf folgenden Abrechnung des Vertrauensmannes Willner ergab sich eine Einnahme von Noveniber 1893 bis I. März 1397 von 3123 M.. Ausgabe 4870, Bestand 233,30. Zur Prüfung der Abrechnung wurden gewählt zu Revisoren: Runge, Hildebrandt und Wittig. Sine öffentliche Echmiede-Bersammkung tagte am 10. März in der Alexanderstr. 27e. Eingangs behandelte Genosse Ewald die Frage, was für Lehren aus den letzten Streiks für die fernere» 5tSmpfe der Arbeiterschaft zu ziehen seien. Dem Referat schloß sich eine kurze Diskussion an. Der Vertrauensmann Helm gab hierauf seinen ThätigkeitS- und Rechenschaftsbericht. Zu letzterem er- klärte der Revisor B o s i n, daß er seiner Aufgabe alS Revisors nicht gewachsen gewesen, da die Abrechnung ihm zu komplizirt erschien; er verzichte aus das Anit eines Revisor. Die Versammlung wählte vier Kollegen, die mit Kassen- wesen und Buchführung vertrauter, um die Abrechnung zu prüfen und in nächster Versammlung darüber zu berichten. Bericht und Neuwahl der Delegirten zur Gewerkschaftskommission wurden, des schwachen Besuches wegen, ebenfalls zu dieser Versammlung zurückgestellt. Zum Schlüsse wurde es scharf verurtheilt. daß der neue Herbergsvater Blnhm in Berliner und Provinz-Zeitungen Annonzen losgelassen, laut welcher Echmiedegesellen bei gutem Lohn und dauernder Beschäftigung nach Berlin gesucht würden. Eine öffentliche Versammlung der Maurer tagte am Mitt- woch im Lokale„Sanssouci", Koltbuserstraße 4a. Zunächst berichtete S i l b e r s ch m i d t für die Lohnkommission über die gegenwärtige Situation im Bangewerbe. Nach den Ausführungen des Redners sind die Verhältnisse im allgemeinen für die Berliner Maurer be- deutend günstiger als zu derselben Zeit im Vorjahre. Nicht nur, daß die Maurer im Gegeusatz zu den früheren Jahren die Noth- wendigkeit des Zusammenhalleus gegenüber dem Unternehmerthnm erkannt haben, halten sie auch mtt anerkennenswerther Energie an den gestellten Forderungen fest. Dieses, selbst für die Leiter der Bewegung unerwartete Vorgehen hat ohne Zweifel auch den Unternehmern Achtung vor den Berliner Maurern ab- gerungen, ein Ersolg, der ebenfalls nicht zu unterschätzen ist. Die Behandlung ans den Bauten ist eine weit bessere als früher, wo der Unternehmer der Meinung war, den Manreru, denen das Selbst- vertrauen fehlte, alles bieten zu können. Die in den letzten Wochen und noch in diesen Tagen vorgenommenen Bausperren, ca. 30 an der Zahl, sind ausnahmslos günstig für die Maurer verlaufen. Nach der am 9. März d. I. vorgenommenen Baukontrolle waren 330 Bau- stätten vorhanden, auf denen 3663 Maurer beschäftigt wurden. Gearbeitet wurde auf 498 Bauten von 3213 Maurern zu den gestellten Forderungen: neunstündige Arbeitszeit und 33 Pf. Stundenlohn. Aus 33 Bnustätten mit 431 Maurern wurde neun Stunden, aber unter dem Minimallohn von 35 Pf. gearbeitet. Aus >3 Bauten mit 177 Maurern ist noch die zehnstünstige Arbeitszeit vorhanden und wird ein Lohn von 30 bis 33 Pf. bezahlt. Auf 2 Bauten mit 27 Maurern wird Akkord gearbeitet. Mit diesem gewiß günstigen Resultat, führt der Redner an, erscheint der Nennstundentag sowie der 33 Pf. Stundenlohn gesichert. Aber es muß nicht nur die Aufgabe der Kollegen sein, das Errungene zu erhalten, sondern auch auf die Bauten einzuwirken, wo die Forderungen nicht erfüllt sind, und versucht werden, die daselbst arbeitende» Maurer für die Be wegnng zu gewinnen. Im Gegensatz zu dem bisherigen Verfahren ersucht der Redner die Versanimluug, dem Vorschlag der Lohn- kommission zuzustimmen und auch denjenigen Kollegen, die unter den Forderungen gegenwärtig noch arbeiten, mit Ausnahme der Akkordarbeiter, die Sammel- und Kontrollkarte ansznfertigen. In der Diskussion wurde das Verhalten der Kollegen auf den Akkordbaulen auf das entschiedenste verurtheilt. Der Vorschlag der Kommission wird hieraus gegen 8 Stimmen angenommen. Wie«in Redner mitlheilte, soll der Bund der Bau-, Maurer- und Zimniermeister nun auch dem Stundenlohn von 33 Pf. zugestimmt haben und der Beschluß mit dem l. April in kraft treten. Mithin wären die Forderungen von der Unternehmer-Vereinignng, trotz der Bekämpfung im vorigen Jahre, anerkannt. Die Kommission ersuchte, aus allen Bauten eine rege Agitation zu entfalten, da noch auf zirka 160 Baustellen, wo allerdings verhältnißmäßig wenig Maurer arbeilen, das Kartensystem noch nicht im vollen Umfange eingeführt ist. Nachdem beschlossen worden war, für Charloltenburg und Rixdorf an einem bestimmten Tage eine Kontrolle an einem bestimmten Orte einzurichten, um es den Kollegen bequemer zu machen, wurde dem Vorschlage der Kommission zugestimmt, die Ab- stempelnng der Arbeitslosigkeit nur einmal, und zwar in den letzten drei Tagen der Woche vorzunehmen. Einstimmig wurde hierauf be- schlösse», auf den Gräbern der Märzgefallenen am 18. März einen Kranz niederzulegen. Zum Schlüsse wurde bekannt gegebe», daß das Resultat der Baukontrolle in gedruckter Form am Eonnabend znr Ausgabe gelangt. In einer öffentlichen Versammlung der Klempner am Donnerstag referirie Genoff« Jahn über: Die politischen und wirthschafilichen Kämpfe der Gegenwart. Der Vertrauensmann Zimmermann erstattete hieraus Bericht über die Lohnbewegung der Klempner im vergangenen Jahre und verwies u. a. darauf, daß der Arbeitsnachweis der Organisation mehr in Anspruch genommen und jener der Unternehmer gemieden werden sollte. Desgleichen ist es unbedingt erforderlich, das VertranenSmänner- System in den einzelnen Betrieben und Werkstätten besser als bisher durch»»- führen. Da man erwartet, daß wegen der Hunderljahr- Feier den Arbeitern wieder ein Feiertag aufgedrängt wird, möge man vorsichtig sein und sich nicht provoziren lassen, denn e? fei zu erwarten, daß in einzelnen Betrieben wieder Aussperrungen vorgenommen werden sollen. Auch möge man die Werkftuben- konferenzen fleißig fortsetzen und dem Vertrauensmann über alle Uebelstände rechtzeitig Mittheilung machen. Von Lipp ig, Müller, Panning, Richter und Brandt wurde unter Schilderung der jammervollen Zustände in den einzelnen Fabriken. «ine lebhaftere Agitation als bisher verlangt. Zimmermann wird hierauf wieder einstimmig als Vertrauensmann gewählt. Eine öffentliche Versammlung der Putzer, die am Donnerstag in der Königsbank tagte, beschäftigte sich mit der Frage: Welche Maßnahmen zu ergreisen sind, um das weiter« Sinken der Preise zu verhindern. Eingangs berichtete N e u m a n n für die Kommisston über die gegenwärtigen Arbeitsverhältnisse. Nach den Ausführungen des Redners hat sich die Situation seit der letzten Versammlung nur insofern verändert, als ans den Bauten, wo die Jnnenputzer bisher für 19 Pf. gearbeitet haben, der Preis von 20 Pf. erzielt worden ist. Nicht in dem Maße wie bei den Innen- putzen» ist. der in der vorjährigen Lohnbewegung festgesetzte Tarif von den Fayadenpuhern, die in vielen Fällen weit unter dem Preis arbeiten, durchgeführt. Die von der Kommisston vorgenommenen Untersuchungen haben ergeben, daß wo minderwerthig die Arbeit angenommen ist, der Minimalsatz nur dadurch erreicht wurde, daß die neunstündige Arbeitszeit überschritten und die Pausen verkürzt werden. Der Redner verweist im weiteren auf die Schäden, die durch diese Ueberanstrengung nach jeder Richtung hervorgerufen werden, und ersucht die Versammlung, für die allgemeine Ein- führung des aufgestellten Tarifs energisch einzutreten. Die gegenwärtige Zeit hält der Redner als hierzu geeignet, indem die Konjunktur günstig, die Arbeitslosigkeit nur minimal und vollständig schwinden wird, da in der nächsten Woche noch mehrere Bauten in Angriff genommen werden müssen. Ein größerer Wider- and seitens der Unternehmer ist umso weniger zu erwarten, als es ch um keine neuen Forderungen, sondern nur um die Wieder- Herstellung des früheren Preises handelt.der von ihnen bereits anerkannt wurde. In der hierauf folgenden Diskussion, au der sich Dietrich. L e m p f u h l, S i m a n o w s k i und andere betheiligten, wurde die Nothwendigkeit, durch gemeinsames Vorgehen geregelte Arbeits- Verhältnisse zn schaffen, betont. Von mehreren Rednern wurde das leidige Pntzmeiftersystem. die Zwischenunternehmer im Putzer- gewerbe, wieder angeregt und gewünscht, daß das Borgehen dieser Leute energisch dekämpft werde. Nachdem noch die Aufforderung an die Arbeitnehmer ergangen war, in ihre Kolonnen so viel wie möglich Kollegen einzustellen, um die Arbeitslosen unterzubringen und damit die Konkurrenz zu beseitigen, gelangte eine Resolution mit allen gegen zwei Stimmen zur Annahme, wonach auf den Bauten, wo unter dem Tarif gearbeitet wird, am 13. März der Abwehr- streik zu beginnen hat. Sodann wurde beschlossen, die Streik- Unterstützung in derselben Weise wie im Vorjahre(4 M. pro Tag) zu regeln. Einigen Kollegen, die sich durch die Be- wegung eine Anklage zugezogen haben, wurde Rechtsschutz ge- währt. Zum Schluß wurde den ArbeitSannehmern empfohlen, bei einer event. Arbeltseinstellung auf der Arbeitsstelle zu bleiben, um nicht, wie es bereits vorgekommen ist, von de» Unternehmern regreß- pflichtig gemacht werden zu können. Tie Nothwendigkeit der Oraauisatiou der Rabitz- Putzer stand in einer am Donnerstag Abend tagenden öffentlichen Ver- saininlung als alleiniger Punkt auf der Tagesordnung. Nach dem einleitenden Referat ließ die Debatte, an der sich die Anwesenden rege bethctligle», erkennen, daß die letzteren von Nutzen und Zweck der gewerkschaftlichen Organisation überzeugt und gewillt find, für die- selbe einzutreten und zu agitiren. Man gedenkt vor ollem mit Hilke der Organisation den Nennstundentag zu erreichen, in zweiter Linie soll die Aufbesserung der Löhne angestrebt werden. Borschläge, sich einer der bestehenden Maurervereinignugen oder der der Putzer an- zuschließen, gelangten nicht zur Abstimmung, vielmehr nahm die Versammlung einen Antrag an, nach welchem daS leitende Bureau beauftragt ist, rine neue Versammlung einznberusen, in welcher end- giltig Beschluß zu fassen ist. Tie hiesige Mitgliedschaft deS Zentralvereins der Burean- Angestellten hielt am 4. d.�M. ihre regelmäßige Mitglieder- Ver- sammlung ab. Genosse I. Sassenbach reserirtc über„Die Ver- fassung de? Deutschen Reiches", wobei er zugleich die Aufgaben und Pflichle» der verschiedenen Verwaltungszweige des näheren erörterte. Nach dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage wurde beschlösse.!. zum Andenken an die Märzgefallenen wie stets einen Kranz auf deren Gräber niederzulegen. Hierauf erfolgte„och eine Erörterung über die Verhältnisse der Gerichtsvollzieher- Bureaus, auch ersuchte Bauer die Anwesenden, sich das Ortskrankenkassen> Statut des oeiiauereii anzusehen, späterhin eventuelle AbänderungS- Vorschläge zu mache», damit dieselbe» in der demnächst stattfindende» Generalversammlung der Delegirten in ge- eigneter Weise verwerthet iverden können. Brillke richtete dann »och an die Anwesenden das Ersuchen um pünktliche Zahlung der Beiträge, während ei» Mitglied der Bibliothettommission die Ab- lieserung von Büchern in Erinnerung brachte. Die Filiale>1 des dcntschen ManrerverbandeS verhandelte am 7. d. M. über die Anträge zum Berbandslag. Ein Antrag, daß der Hauptkafsirer keine Beiträg« mehr in Empfang»ehmen solle. tvurde abgelehnt. Ein Aiilrag. zum 18. März«inen Kranz nieder- zulege», fand Anuahui«. Außerdem forderte der Bevollmächtigte zum Schluß noch auf, in die Partei einzutreten und unsere Blätlcr zu lesen. Verband der Konditoren. I» der am 7. d.M. bei Babiel tagenden Milglieder-Versnnnnlung hielt Kollege Koch einen beifällig ausgenommene» Vortrag über:„1000 ovo Vagabunden"; von einer Diskussion wurde abgesche». Sodann wurde Kollege Haas« zum Delegirten für de» diesjährigen Verbaiidstag. der am 20. April in Gera zn tage» beginnt, gewählt. Hiernach erklärt der neugewählte Geiverkschaftsdelegiite, Kollege Stall, daß ihn, wenn die Kon- ditore» bei der letzten Delegirlensitznng als„gefehlt" bezeichnet waren, keine Schuld tläfe, da diese Sitzung kurz nach seiner Wahl stallfaiid und die Einladung noch an den vorigen Delegirten gesandt worden war, welcher bereits Berlin verlassen hat. Zn», Schluß ivurde ie- schloffen, auch in diesem Jahre am 13. März an den Gräbern nnserer 1843 gefallenen Genosse» einen Kranz niederzulegen und iodaun nach Erledigung von internen Angelegenheilen die Versamm- litiig geschlossen; die nächste findet Sonntag, den 21. März, nach- mittags 4 Uhr.»» demselben Lokal stall. Der Verband der Möbclpolircr(Filiale Norde») hielt am Montag, den 8. d. M, seine regelmäßige Versammluiig ab. In der- selben referirle das Mitglied Händel unter regem Beifall. In der statlfindenden Neuwahl der Zahlstellenverwallimg wurde Malchow als Bevollmächtigter wiedergewählt. AlS Kassirer wurde W r n ck und als Beisitzer Faust mann gewählt. Es wurde dann noch ans die am 2. Osterfeierlag stattfindende Borsiellung in der Urania und die Geiieralversnnnnlung am 10. April hingewiesen und um rege Betheiligung ersucht. Tie Arbeiter der HolzbearbeitnngS- Industrie(Filiale I) hielte» am 8. d.M. bei Wilke, Andreasstr. 23, eine Betsammlung ab. in der Herr Dr. Weyl einen Vortrag hielt über:„Hypnotis- mus und Suggestion". Als Delegirle zu der am 13. und 19. April Hierselbst tagenden Generalversammlung wurde» die Kollegen Pichl und Zimpel gewählt An zwei Kollege» waren vom Vorstände je 13 M. Unterstützung bewilligt worden, waS die Versammlung ge- nehmigle. Ferner wurde beschlossen, am 27. Juni«ine Dampfer- Partie nach Rauchsangswcrder zu veranstalte». Ein Antrag deS Kollegen Günther, den Arbeitsnachweis zu verlegen, wurde dem Vorstand überwiesen. Tie Drechsler hielten am 9. d. M. im Englischen Garten, Alexanderstr. 27, eine Branchenversanimlung ab.»» der Kollege Tost einen beifällig aufgenommenen Bortrag über: Welche Lehren haben wir aus dem Hamburger Hasenarbeilerstreik zu ziehen, hielt. Nachdem wurde zur Baudrechslersrage ge- schritte». Nach den eingezogenen Informationen betreffend die Geschäftskonjunktiir, wurde in diesem Frühjahr von einer Lohnforderuna Abstand genommen, und dafür der Spätsommer empfohlen. Es soll nunmehr in anbetracht des noch vorherrschenden Jndifferenlismus in den Bauwerkftätten der Drechsler nnd der in Frage kommenden Stellmacher, ei»« unermüd- liche Agitation entfallet werde». Unter Verschiedenem gaben die Mißstände in diversen Werkstätten noch Veranlassung zu einer regen Diskussion. Allen voran die Werkstelle von Weber Nachfolger, Sebastianstrabe, die übrigens schon seit unserer Lohnbewegung alS gesperrt zu betrachten ist. Ferner sei den Berliner Drechslern noch dringend anHeim gestellt, die jeweiligen Versamm- lnngen reger zu besuchen. Die Kommission hat des weiteren rwch beschlossen, in de» einzelnen Bezirken besondere DrechSler-Versamm- lnngen abzuhalten, und es ist deshalb erwünscht, daß jede Werkstätle vertreten ist. Im Zeutralvprband der Arbeiter deS Handels- und Transportgewerbes hielt Herr Waldeck Manass« einen Vortrag über: F r i e d e n s g e d a n k e n. Zu Geschäftlichem theilt« der Bevollmächtigte mit, daß am 2l. März das erste Familien- fest in Cohn's Festsälen. Beuthstraße 22, stattfindet. Außerdem wurde noch bekannt gegeben, daß gegenwärtig ein Mitglied krank und vier Mitglieder arbeitslos se»n. Nachdem beschwert« sich E. Kahler über die gegen ihn vorgebrachlen Beschuldigung!.... Er erklärte die Sache folgendermaßen: Bei seinem Abgang»us dem Bureau sei allerdings ein Manko vorhanden gewesen. Dieses habe er soweit begliche», daß noch ca. 100 M. bei de», Vertrauensmann für Deutschland verblieben,»vorüber Kahler einen Schuldschein ausstellte mit der Verpflichtung, diese Summe nach Möglichkeit schnellstens zu begleichen. Mithin, so nieinte Redner, könne von einer„V.- untretilliia" keine Rede sein, auch sei ihm jedes Mankogeld, welches bisher alle Kassirer bekommen haben, von dem derzeitigen Vorstands versagt worden. Es wurde hierzu beschlossen, den Sachverhalt im „Vorwärts" bekannt zu gebe», um so den Verleumdungeu die Spitze abzubrechen. Die Wahl einer Sektionsleitung wurde vertagt. Der Fachvereiu der Bäcker hielt am 9. d. M. bei Gründel, Bruimenftr. 138, seine ordentliche Generalversamnilnug ab. Ans dem Bericht des Borstandes, der gedruckt vorliegt, ist z» entnehiucn, daß in dem nun vollendeten zweiten Jahre seines Bestehens der Verein 12 Mitaliederversammlnnge» mit 11 Vorträgen abgehalten bat. Als Syndikus des Vereins ist Rechtsanwalt K a tz ernannt. Weiter wurden. uin den Mitgliedern ein Bild von dem Verhalicn der bürgerlichen Parteien im Reichstage der BundesrathS-Berordnung gegenüber zu geben, 230 Exemplare der Broschüre„Arbeiterschutz- Heuchelei der bürgerlichen Parteien i»> Reichstage" mit einem Nachwort von A. Bebel angeschafft und gratis vertheilt. Uebertrctungen des Maximal- Arbeitstages wurden im vergangeiten Jahre 20, Uebertretungen der Sonntagsruhe 31 den Behörden angezeigt. Dein Kassenbericht war zu entnehmen, daß sich i» dieser Zeit 203 Mit- glieder aufnehmen ließen. 114 mußten ivegen ZahlungS- versäumniß a»Sgeschlosse» werden. Die Mitgliederzahl be- trägt jetzt 300. Die Jahreseinnahme betrug 1338,33 M., die Aull- gäbe 872,73 M. Unter der Ausgabe befanden sich z. B. für Agitation 204,23 M., für Rechtsschutz nach Abzug des Guthabens beim Rechts- antvalt 123,03 M.. für Streiks 90 M. und für Borträge und Broschüren 114,90 M. Den arbeitslose» Mitgliedern wurden ii,£- gesammt 896 Wochenbeiträge unentgeltlich abgestempelt. Die Bibliothek zählt 131 Bände im Werlhe von 312,30 M. und wurde von 133 Mitgliedern in 407 Fällen in Anspruch genomme». Den, Kassirer und dem Bibliothekar wurde auf Antrag der Revisoren Decharge ertheilt. Hierans wurde eine geringfügige Statute»- änderung vorgenommen. In den Vorstand wurden gewählt: Most. 1. Borsitzenoer, I. Klamm eck. 2. Vorsitzender. Reh- f e l d, 1. Kassirer, Rosenberg, 2. Kassirer, B a u« r. 1. Ech, ist» sührer, E i s e n st ä d t. 2. Echriflsührer, T h a m, M ä r z h a u s. 9S dl Iii er, als Beisitzer. Als Revisor wurde A x n i ck. in die RechtSschutzkommission Tally, als Bibliothekar Fisch cr und als Stellvertreter R i e m a n n gewählt. Zu dem am 21. März in Fcuerstein's Feftsäleii. Alte Jakobstr. 73. stattfindenden Stift,»tgs- fest solle» arbeitslose Mitglieder, die mehr als 13 Beiträge bezahlt, freien Eintritt haben. Znr Ehrung der Märzgefallenen wurde be- schloffen. 20 M. dem Komilee zur Errichtung eines Denkmals(?) zu überiveise». Der Verband der Bauarbeiter nahm in seiner letzten Mit- gliederversammlung den Bericht des Delegirte» Renn thaler über die Generalversammlung entgegen.(DaS Protokoll ist ans» sührlich im Fachorgan veröffentlicht.) Redner theilt mit. daß die Zahlstellen des Verbands innerhalb L Jahren von 30 auf 60 gestiegen seien. Di« Versammlung erklärt sich mit den Beichlüssen des VerbandStagZ einverstanden. In den Ansschnb wurden gewählt: Gutsch. Brase, Dralle. Jankowski und Hanizel. Rixdorf. Im hiesigen sozialdemokratischen Verein„Vor- iv ä r t s" hielt Redakteur Damaschke von der national-sozialen „Zeit" am S. Mär» einen Vortrag über das Thema:„Grund- und Bodenreform im Interesse des Gemeimvesens". Einleitend zieh Redner die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" der bewußten lln Wahrhaftigkeit, weil sie mit Rücksicht auf sein Referat in«inei» sozialdemokratische» Verein von einer„Verbrüderung zwischen Sozialdemokraten und Natlonal-Sozialen" gesprochen hatte. > der„Norddeutschen" sicher bekannt sei, hätten zwischen beiden Parteien zu der Abrede geführt, zu referiren. Redner erhofft von seinem Ans- treten, daß die Sozialdemokraten davon überzengt würden, nicht das g e s a m m t e Bürgerthnm sei eine reaktionäre Maffe. Dann ging er zum eigentlichen Thema über und entwickelte in recht inter- essanter Darstellung die bekannte Theorie der Grund- und Boden- bksihreforiner, indem er hervorhob, daß er sich auf Henry George stütze. Wenn Grund und Boden und alles, was Monopolcharalter trage, waS nur einmal da sei, den Kommunen gehören würde und der spekulativen Ausbeutung entzogen wäre, dann könnt« nach seinen Ausführungen die„produktive Arbeit" ungemein enilastet werden und es wäre dann auch Geld da für eine werthvolle kommunale Sozialpolitik. I» den Begriff„produktive Arbeit" scheint Redner das industrielle Unternehmerlhnm einzuschließen.— An der folgenden Debatte belheiligtcn sich die Genoffen Tr. Borchardt, O. Klein, Retzerau, Hoppe und S o l i s ch. Soweit diese Redner auf die Bodenreformfrage selbst eingingen, gaben sie zu erkennen, daß sie reformerische» Maßnahmen in der fraglichen Richtung nicht feindlich gegenüber ständen und daß sie Gemeinden, die entsprechend vorgingen, keine Knüppel zwischen die Beine werfen würden. Jedoch waren alle betreffs der Verwirklichung solcher Reformen der entgegengesetzten Meinung wie der Referent. Sie betonten energisch den sozialdemokratischen Standpunkt des Klaffenkampfcs, besonders Dr. Borchardt legte die Unterschiede klar, die den sogenannten nationalen Sozialismus der Naumann n»d Genoffen vom Sozialismus der Sozialdemokratie trennen. Dort der Versuch, eine riesenhafte soziale Kluft zn überbrücken, unier Be- ruf,»ig auf das natürliche Recht— hier die Einsicht in die soziale Entwickelnng und darin.-- Klassenkämpfen durchsetzt. Nachdem B o n s s e l(Verleger der„Zeil") im national-sozialen Sinne ge sprachen hatte, wurde die Debatte zu über 14 Tagen vertagt. Herr Damaschke sagte sein Erscheinen bestimmt zu.— Wie»ntgelheilt wurde, hat der Besuch der Urania einen Ueberschnß von 29,90 M. »nd das WeihnachtSvergnügen einen solchen von 206,50 M. ergeben. Tie Versammlung bewilligte 10 M. zu einem Kranz für die! daß sich jeder Forlschritt nur in zum Schluß noch Herr gefallenen von 1S4S. Tic Bauarbeiter 'iärz- der Zahlstelle Rixdorf hielten am 21. Februar ihr« Mitgliederversammlung ab. Eh» in die Tages- orduung eingetreten wurde, forderte der Vorsitzende die Anwesenden auf, zur Ehre und zum Andenken der beiden in Berlin verstorbenen Kollegen(Hans Maron und Paul Schröder) sich von ihren Plätzen zn erheben, was geschah. Nachdem ernatlete Kollege H e i n e m a n» Bericht vom Verbandstag. Nach einer längere» und rege» DiS- kusston wurde folgende Resolution angenommen:„Die Mit- glieder» Versammlung der Zahlstell« Rixdorf ist mit den AuS- snhrungen ihres Delegirte» vom VerbandStag« einverstanden, und spricht ihm, sowie dem Hauptvorstande ihre volle Anerkennung aus. Im weiteren forderte der Vorsitzende den Kartelldelegirten H ö p n e r auf, nochmals im Kartell die Frage der Forderung eines Gewerbeschiedsgerichts anzuregen. Zu gleicher Zeit wurde beschlösse», für die Märzgefallenen am 13. März einen Kranz niederzulegen, wozu 10 M. bewilligt werden. Nachdem noch aufgefordert wurde, die knrsirenden Sammellisten(Deckung der Un- kosten für den Bauarbeiter-Kongreß) biS zu der am 21. März statt- findenden Vcrsammleng abzuliefern, erfolgte Schluß der Ver- sammlung. Wilmersdorf. Di« Versammlung der Bauarbeiter am Sonntag, den 7. d. M., nahm den Bericht des Delegirte» zum deutschen Bau- arbeiter-Kongreß entgegen. Mit seiner Thäliakeit auf dem Kongreß erklärt sich die Versannnlung einverstanden. Mit der Aufforderung an die Anwesenden, sich dem Verband anzuschließen, schloß die Ver- sammlung. Baumschuleuweg. In einer Volksversammlung, die am 7. d. M. hier abgehalten wurde, erklärte man sich nach einem Vortrag des Genosse» Hoffmann dafür, den Austritt ans derLandeskirche be- wirken zn wollen. Bekannt gegeben wurde» die Adressen derjenigen Genossen, die bereit find, Abonnementsbestellnngen auf den„Vor- wärts" entgegen zn nehmen. Es sind das die Genoffen Richard Ulbricht, Marienthalersir. 13. Franz Schiefke, Bauin- schulenstr. 34 und Gustav Schmidt, Baumschulenstr. 88. Fricdrichsfelde. Der Arbeiter-Bildnngsverein für Friedrichs- felde und Umgegend hielt am 7. März eine Versammlung ab, in welcher Genosse M e tz n e r ein Referat über: Die Elhik der heutigen Gesellschaft übernommen halte. Eine Dislnssion wurde nicht be- liebt. Unter Verschiedenem wurde von G r» h l das öftere AbHallen öffentlicher Volksversammlungen angeregt, NM die Zlgitatio» zu fördern.— Nachdem noch aus den am 23. März stattfindenden Besuch der Urania aufmerksam gemacht worden war, erfolgte der Schluß der Versammlung. Schöneberg. In der regelmäßigen Mitgliederversammlung de! Arbeiler-Bildungsvereins am 8. März referirle Reichstags-Abgeord» »eter Genoffe PeuS über„Revolutionen früher und jetzt". Der Kranz für die Märzgefallenen wurde einstimmig bewilligt. 11 neue Mitglieder wurden im Verein aufgenommen. Nachdem bekannt ge- geben wurde, daß in der nächsten Versannnlung am 22. März Dr. A r o n s über„Eigenlhum ist Diebstahl" referiren wird, wurde die vollbesuchle Versammlung geschlossen. I« einer Bersammlung des Wahlvereins für Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenbnrg am vergangenen Mittwoch sprach Genosse Jahn über das Thema:„Rechte und Pflichten der Staatsbürger. u»t«r Bezugnahme auf die kommenden Märztage und die Hundertjahrfeier". S i c g r i st, F l e ni m i n g und Röttgen sprachen hierauf über die Feier und Bedeutung des 13. März, welche auch von den Arbeitern CharlottenbnrgS in würdiger Weise begangen werden soll. Auf einen diesbezüglichen Antrag hin be- schloß die Versammlung, wie bisher, auch in diesem Jahre einen Kranz für de» Wahlverein auf die Gräber der Märzgefallenen nieder- legen zu laffen. . Eorniabend Abend von«X Uhr: Südost- Natlonalölonomleb Berlins und Nmgegend. Borsthender Ad. Neningn», Vasewallerstr. s. Alle Slenderungen im BereinSIalender sind zu richte» an Friedrich Dort um, Manteuffelsir.«o, v. s Tr. Arbeit«»- Pnuch-rbnnd Keciin»»nd Zlmgeg«»». Aenderungen t», BereinSkaicnder sind zu richte» a» Hermann Braunschweig, Dresdener- (trotze so, t. Hof, 4 Tr. Hund d«r gesiliig«» Arbiiteruirei»« K»rli»» ,»,d zl>»»eg«»d. Alle csnschrislen, de» Bund betreffend, sind zu richten a» P. Gent, S. TreSdener- stratze 107/8. Lr«ir«ligiSfe««mein»». Sonntag, den i«. März>887, vormittags o Uhr. Rosenthalerstr. ss: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um Ii Uhr vorm. ebendaselbst: Vortrag des Herrn E. Bogiherr:„Menschenvergötterung".— Montag, den is. März, abend« ssj Uhr. Alex gnderstr.-7°(Englischer Siariens: Beschltetzenbe Versammlung. Ta»rist»n-»lub..R»f" tagt Sonnabends, abends s Uhr. DreSdenerftr. ss bei Schulz. Heule Abend Maklenball. Billel» sind im VeretnSlotal sowie bei de» Mitgliedern zu haben. Kild»»gsv»r«in„Mrhv Sicht", Sonntag, den 14. März, abends ssf Uhr, Alexanderstr. 27e: Versammlung. Vortrag des iiienossen Georg Wagner über; „Religion und Evolution!" Darauf: Geselliges Betsammensetn. Verlincr- Z Monat bei 1 »nd Alter»■ Berstche- ; 86, v. 3 Tr. Wiesenstr. 20a, von ffi. StManoivSlt, rbeiterve» treter• Nrrein tagt jeden Dienstag nach dem ersten im Monat bet'BuSle,«renadierstr. 33, abend» e'i Uhr. Unentgeltlicher Rath wird erthetlt: Im Uorde» Kirlin«: Für Unfall-, JnvaltdttätS- rung, abends vo» 7—9 Uhr: W. B u ch h o l z, Hufsill A. D aehn e, Temmincrstr. 66, v. 3 Tr. K. G uthett, 3-9 Uhr abend«. F. Pieschel, Gartenitr. 66, v. 2 Tr. Gartcnflr. 78, Portal 2, s Tr. M. S tuhlm ann, Oderbergerstr.»7, 4 Tr., von 6-9 Uhr abends. N. Tamm. Hussitenslratze 6, von 3-9 Uhr abends. A. Voigt, Wicsenstratze 41—42. E Warnst, Kolbergirstra«'e 7, von 6-?Uhr abends.— Nur für Jnvaltdtläts- und Altersversicherung: F. Blume, Strelitzcrfir. 63. P. R eima n n, Bellermannftr.»3. F. Trapp, Schulstr. 66. von 7-3 Uhr abends. Im Zlxrd- Osten: Nur für Jnvalidttäts- und Altersverstcherung: W. Mohs, Schönhauser Allee 62. Im Ost«»: Nur für Invalidität»- und Altersverstcherung: E.Bader, Gr. Frantfui terstr. 34, v. 4 Tr. I», Süd- Osten! Für Unfall-, Invalidität«-«nd Altersversicherung: S ch a l t h o f f, Michaellirchstr. 13. Im Kiide»: Für Unfall-, Invalidität»- und Altersversicherung! F. St ü gel- maier. Srtmmstratze 3s.— Nur für Invalidität»- und Altersverstcherung: P. Keller, Lainphausenftr. 6. Si» v>id-|tieft«,>: Nur für Unfallversicherung: S. Hänel, Solmsstr. 44. in zlord-zprsten: Nur für Nnfallverficherung: J.Krause, WilSnacker- flratze 19. N. Stephan, Lesstngstr. 34. Im Zentrum: Nur für Unfallversicherung: E. Lössler, Klosterstr. 91. vet säminilichen vorgenannten Personen, bei denen hier leine Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochentags von 7—9 Uhr. Eingelaufene Druckschriften. von der„Neuen Zeit»(Stuttgart, I. H. W. Dietz'«erlag) ist soeben da» 24. Heft d>S 16. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt heben wir hervor: Tie Hasen al» Trommler.— DaS Weib tn seiner GefchiechtStndtotdualttät. Von Dr. H. B. Adams-L-hNiann.— Der Agrarfozialtsmu« in Belgien. Bon Emile Band-rv-Ide.(Schluß>— Da» Eriken,-Minimum.— Literarische Rund- schau.— Notizen: Nochmals der Fall Henclell.— Feutlleto»: vom alten Kasseler Hofe,«on Reinhold Rüegg. l. hlrari», Zentralblatt für Sozialpolitik"(Berlin, Carl Heymann'« Verlags enthält tn ihrer neuesten Nr. 24 folgenden leitenden Auffatz: Die deutsche Gewerbe-Jnspeltion 1396. l. Der badischs FabrtNnspeftionS-Bericht. Bon Dr. M. Hecht. II. Frauen- tind Ktnderarbett t» Bayern»nd Badens Bon vr. zur. M. Quarit.— Gesetzentwurf des GesammtvcrbandeS deutscher Berpstegungsstatione» über mittellose Wanderer.— RetchSenguete über die Lage der deutschen Echreibgehtlfen.— Balteriologilche Dtphtherie-UntersuchungS- Staitonen in Stettin und in Breslau.— Lohnllausel bei städtischen Arbeiten in Antwerpen.— Stäbtische Straßenbahnen in England.— Elellrtsche Straße»- bahn tn städtischer Regte tn Königsberg t. Pr.— Städtische Pstafteruna in eigener Regte. Einholung von Gutachten durch den Berliner Magistrat.— Einziehung der Steuern durch Banlvermtttelung in Berlin.— Soztalpolttik tn Basel-Siadt.— Lohnstetgerungen tn England 1896.— Dtattsttk der Haustier im Deutschen Reich.— Belgische Genossenschaste» 1826.— Tanzverbot für Arbeiter- vereine.— Arbeiter- und HandelSgebilsen-Schutz tn Vtltorta.— Sonntagsruhe »nd Lieferungsfristen im internationalen Eisenbahn-� Arbetterschutz- Konferenz.- Niederländtiche Unsallverstcherungs-Borla Novelle zum deutschen Jnvaltden-VerstcherungS-Gefeh. mätzigkeit der Armenpflege vom Standpunkt der Praxi». C. Brinlmann.— Verbrecherische und verwahrloste Bergleichung. internanonale tele und Zweck- lon Bürgermeister Jugend. Internationale Kür de» Inhalt der Inserate übcrniutint die Redaktion dem Pnbliktim gegenüber keinerlei TheAtev. Sonnabend, den 13. März Qperuhans. Die Meistersinger von Nürnberg. Tchaiisptelhau«. Der Bibliothekar Deutsches. Die versunlene Glocke. Berliner. Der Pfarrer von Kirch- seid. Der Herr Abbe. In Zivil. Marc«««. Zu hoch hinaus. König Saul. Residenz. Aisocisö. Linden. Indigo und die vierzig Räuber. Thalia. Frau Lieutenant. Schiller. Die gerechte Welt. Zentral. Sin fideler Abend. Bolks. Sigiivr Piff-rello. Friedrich-«ilhelmstädtifcheS. Moderne Jungfrauen. Sllexanderplatf. Hcilirich Heiue.— Eine Tafle Thee. Paffage-Panoptikum. 33 Mädchen aus Samva. Slpoilo. Spezialitäten._ Lefftng. Sienes. Ostend. Weste». fidi Btlit-AIliaiitt-Ttwttt Bolks-Borstcttnnq unter Regie von«Sslki»» Dil Soimtaa, den 14. Mär. «astiviel der Damen imb Therese Heinrich S Irk, nachm. 3 Uhr: "artha Frey s der Herren ulz und Wilhelm Rufs. Zuul zweite» Male: Die Jungfrau m Lrleauö. Romaittifche Tragödie von Fr. Schiller. Johanna: Martha Frei). Agnes Sorel! Therese Freyburg. König: Richard Jlirgas. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Ruff. Lionel: Heinrich Schulz. Talvot: JuliuS Türk. Die Kostüme, Requisiten, Waffen find aus de» kunstgewerblichen Werk- statten von P. Hildebrand. Eintrittskarten ü 80 Pf. sind in de» bekannten Äeschisten zu haben. zritdrill, �ilhelmß. toter. «Nachm. 4 Uhr: Die sieben Rabe«. Äroß« phantastisches Zaubermärchen tn 8 Akten von Bolten-BäckerS. Musik von A. Wiedecke.— AbendS 8 Uhr: Moderne Jungfrauen. Berliner Post« mit Gesang in 3 Akten von Alfred Schmasow und R. Niwäl. Musik von Albert Wicher. Morgen, Sonntag, nachm. 4 Uhr: Der Drompeter von Säkkingc». Romantisches Schauspiel in 3 Akten O Bildern) von Emil Hildedrandt und Julius Leller Dirigent: A. Wich«. Abends 8 Uhr: Moderne Jungfrauen. Btllets sind schon drei Tage vorher ohne Bordestellgebühr an der Theaters lasse zu haben. Außerdem im In- vnlidendank, Unter den Linden 24, bei Paul Rouieick, Leipziaerstraßc 8,»ud Julius Lengenseld, Markgraseustr. 50. Sckillov-�szettter Sonnabend, aieilds 8 Uhr: Zu>» ersten Male: Die gerechle Welt. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Ei» Bolks- seind.— Abends 8 Uhr: Eine Palastrevolution. Oftend-Theater. Gr. Franksurtcrstr. 132. Dir. C. Weif,. Zuiit letzten Male: Zn hoch hinaus! Sonntag: Berlin, wie es weint und lacht.. Nur vier Vorstellungen. Siachmittags 3 Uhr, zum letzten Male: PrceioMa. Schauspiel mit Gesang von Pius Ale,'. Woiss. Musil von Carl Maria v. Weber. er. AbendS 8 Uhr: Drittletztes Gaß- spiel des Herrn Karl Pandel vom Thalia-Thc- Operateur und Lotterie- Kollekteur: Karl Pander a. G. Vorher 8 Wr: Eine Dass« Thee. Lustspiel in 1 Alt nach dem Französischen v. W. Drost. Sonntag, nachni. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Die sieben Raben. Großes phantastisches Zaubermärchen in sechs Akten von Bolten-BäckerS. Musik von A. Wiedecke. BilletS sind ohne Borbestellaebühr schon drei Tage vorher an der Theatcr- kafle zu habe». Bormittag» 11— 1 Uhr und abends von V,7 Uhr an. Konieillttua Sanssouci, Kottbnser(tztranne 4a. Jeden Tonutag und Donnerstag: Stettiner Sänger (Meysel, Pietro. Britton. Steidl. Krone. Röhl und Schräder). Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf. SrMvart. 8o»vt»>»?rogr»ww Zum Schluß: »«»»«'« Kouvarvatoriilw titr »lUtiil«. Ensemble v. Meysel. Montag: Biktoria-Branerei. Ans. 8 Uhr. BorverkaufbilletS giltig. Zum Schluß: Mampe'S Konservatorium. Dienstag: Böhmisches Brauhaus. Mittivoch: Moaditcr Stavttheatcr. klOSnis landen- Str-aa»« Ulallla, Itzo. 48-4». Naturkundliche Russtellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ad. Eintritt 50 Pf. Wisse, ischaftl. Theater abeudS 8 Uhr. SterllWarWrSdS Hof. Täglich von 7»/, Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträg«, mit Experi- mentc» u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die TageSanschläge. fsnenge- Pauoptieum. Mädchen ans Samoa. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst- Theater). „Frau Lieutenant." Vaudeville in drei Akten von Paul Ferrier»ud Autouy Mars. Deutsch vo» Hermann Hirsche! Musik von G. Serpette und V. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieuunant." ßoncopdia Variete-Theater UrnnncnMtr. 154. Täglich:(üi-onmc Theater- und 8pesialItilten-'VorMtelInne Da» beste Programm d. Norden». Neu! 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Operette von R u n g e- L a n d>v e h r. Im vorderen Saal täglich: Tyroler-Konzert XI»l» Ebner. Slitfang- 1«ittree: Wocheni. 8 Uhr. Wochentags 20 Pf. Somitags 0 Ubr. I Sonntags 30 Pf. Kei'Iinei' k'ossen-'siieaterö Rtineistrasme 17. (Eingang Königsgraden.) Beute geschloffrii. Am Mittwoch, den 17. März t EinmaltgeS Gastspiel im Mrauberplatz- Theater. ZurAuffilhrung gelangt: it Ka!lhaus-An«ll. er Lumpenball. Schulz' Festsäle, vomi.Paster KTene Könle- Strasse 7. Jeden Donnerstag: 8922 � Damcn-Kr Unzchen, Jeden Sonntag: = Groher Ball.=r Vercins-iininer. Saal ntt Versammlungen frei. Ed. Schulz, Gastwirth. Circus Renz Karletrassc. (JnviläumS- Saison 1896/97.) Sonnabend, den 13. März 1897: Abends 7'/- Uhr: Val a-V orstel lang MM" zum Renellz für die berühmte James Jee. Künstler- Familie Erstes Wtederailftreten I m der Bciicfiziantin Viiß Aniatie Jee als Reitkanstlerin. Doppel-Jonglerie ans 2 Pferden, ausgeführt von den Benestztanten Mr. JameS und Mr. Charles Jee. 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