11 rt Demokratisches Wochenblatt. Organ der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. 1869. No. 5. Leipzig, den 30. Januar. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie bier am Blaze ein6. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Universitätsstraße, und die Expedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, hließlich Bringerlohn 122 Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nehmen entgegen die Herren G. Hofmann, Brühl 40, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition F. W. Grellmann, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: Die An die Parteigenossen in Sachsen. Verschiedene für die gesammte Partei hochwichtige Fragen veranlassen uns, eine allgemeine Landesversammlung Bartei auf Sonnabend und Sonntag den 5. und 6. März dieses Jahres nach Hohenstein- Ernstthal einzuberufen. dortigen Parteigen offen haben sich auf erfolgte Anfrage bereit erklärt, die nöthigen Vorbereitungen zu treffen. Tagesordnung: 1) Die sächsischen Landtagswahlen; 2) das sächsische Vereinsgeseß; 3) die Gewerks Genossenschaften. bertreten bleibe. Wir erwarten, daß, bei der Wichtigkeit der zu behandelnden Fragen, fein Ort, wo die Partei Wurzel gefaßt hat, unAlles Nähere über die Versammlung werden wir seiner Zeit in diesem Blatte und durch besondere Circulaire an die Barteigenossen bekannt machen. Der Doppelgänger des Herrn Inhalt: Politische Uebersicht. Fortschrittspartei und Volkspartei.- Vororts- und ArAnzeige. Beilage: Die ArbeiterbeweBagener. beiter- Angelegenheiten. Die Schneiderei in London oder der Kampf des Aus England. Der Coburger gung in Wien. großen und des kleinen Kapitals. Schlachten- und sonstige Ruhm. Politische Uebersicht. Die Wolfe, welche im Orient aufgestiegen war, scheint Der Ausschuß der Volkspartei. verdankt ihr folgendes untrügliche Friedensrezept", das sie den Trostbedürftigen mittheilt: Napoleon hat Berstand und sein Verstand muß ihm sagen 1) daß ein Krieg gegen Preußen ganz Deutschland einigen, 2) daß eine Niederlage seine Dynastie in Frage stellen würde, während Preußen recht gut eine Schlacht verlieren könnte, und 3) daß er, selbst unfähig den Oberbefehl zu führen, einen General an die Spiße der Armee stellen und sich in diesem einen gefährlichen Gonkurrenten schaffen müßte. Die glückliche Kreuzzeitung! Schade nur, daß Napoleon ein eben so untrügliches, Kriegs& rezept" hat, sepot ist besser( wie die preußischen Militärs jezt selbst zugeben); 2) ganz Deutschland" ist gegen Preußen; 3) Preußen hat fich verziehen zu wollen: die griechische Regierung hat also lautend: 1) das Zündnadelgewehr ist gut, aber der ChasFolge dessen die Feindseligkeiten ,, bis auf Weiteres" eingestellt. berföhnliche Erklärungen" abgegeben, und die Pforte in nen und sein aussaugendes Militärsystem so im Innern gedieß nichts anderes, als daß Rußland jezt noch keinen Krieg theile als Vortheile bringt; 4) Preußen ist durch die Annerio Da Griechenland bloß die Drahtpuppe Rußlands ist, beweist keinen Bundesgenossen, außer Rußland, das ihm mehr Nachficht gebeffert, und der einzige Unterschied besteht darin, daß schwächt, daß es nach der ersten Niederlage auseinanderfallen die Blicke des geängstigten Europa fich statt nach Osten wieder muß u. s. f. Wir wollen auf beide Rezepte nicht näher einnach Westen richten nach Frankreich, dem eigentlichen gehen. Nur Eine sei bemerkt: Was den Glauben der Kreuz Siß der Kriegsgefahr. zeitung" anbelangt,..ganz Deutschland" werde gegen Frankreich auf. preußischer Seite stehen, so könnte das Junkerblatt die Rechnung ohne den Wirth gemacht haben. In Süddeutschland ist man der Eache nicht so gewiß. Je mehr der politische Horizont sich verdüstert, desto leb das Bibelwort: An den Früchten, welche er trägt, erfennt man In seiner jüngsten Thronrede erinnerte Bonaparte an die Güte des Baums." Unter dem Baum verstand er das Raiserreich. Ein Französisches Blatt erinnert an ein anderes Bibelwort, welches da lautet: Jeder Baum, der keine guten hafter wird die Frage besprochen, ob bei Ausbruch eines Krie Früchte trägt, wird abgehauen und in's Feuer geworfen." ges zwischen Preußen und Frankreich Ersterem Heerfolge ge= Bonaparte weiß aber sehr genau, das sein Baum keine guten leistet werden müsse. Kein Zweifel, die Militärverträge fordern es. Aber abgesehen davon, daß diese Verträge erzwun und in's Feuer geworfen" werden wird, wenn es nicht gelingt, gen und demgemäß nur so lange bindend sind, als der Zwang die Franzosen anderweitig zu beschäftigen." Die Eine blühende Phantasie ist eine schöne Gottesgabe. reuzzeitung" hat eine solche vom Himmel erhalten und aufrecht erhalten werden kann, giebt es etwas, das über allen Verträgen steht: die Nothwendigkeit. Wenn es zum Krieg kommt, ist Frankreich natürlich sehr viel an der Neu tralität Süddeutschlands gelegen. Angenommen nun, die Franzosen erklärten sich bereit, Süddeutschland, d. h. Bayern, Würtemberg, Baden und Südhessen nicht anzugreifen, wenn diese Staaten neutral bleiben was wäre zu thun? Auf seine eigenen Kräfte beschränkt, vermag Süddeutschland Kräfteicht einen französischen Angriff nicht abzuwehren. Es müßte unterstüßt werden. Doch von wem? Von Desterreich, das sonst den Oberrhein zu decken hatte? Aber Desterreich ist 1866 ,, aus Deutschland hinausgeworfen" worden und wird sicher lich nicht auf Preußens Seite kämpfen- vielleicht gegen Preußen. Bleibt also nur Preußen. Aber hat dieses die Macht? Schon vor Jahresfrist gestanden preußische Soldschreiber, im Fall eines Krieges mit Frankreich könne Süddeutschland nicht auf preußische Hülfe rechnen. Und die Badische Landeszeitung", Organ Bismarcks für Baden, sagt ießt mit zynischer Offenheit: ,, Die Annahme, daß Truppen nicht nur von Stuttgart und München, sondern auch von Norden und Nordost nach Germersheim und der Rheinpfalz vorgeschoben werden, ist ein Traum, in welchem der süddeutsche Philister sich nicht wiegen möge. Jede Entsendung und folglich Schwächung, um füddeutsche Löcher zuzustopfen, wäre von preußischer Seite ein militärischer und politischer Fehler." 48 Die„ badische Landeszeitung" hat recht, versicht Breu ßen ja doch nur preußische, nicht deutsche Interessen; und ist die Hülflosigkeit Süddeutschlands ja doch nur die unvermeidliche Consequenz der 1866 er Blut- und Eisenpolitik. Die Wahl, vor der Süddeutschland steht, ist also: Entweder geht es mit Preußen, und wird dann von Preußen den Franzosen überlassen. Oder es bleibt neutral, und sichert sich dadurch die Möglichkeit, bei verlängertem Krieg, an Desterreich angelehnt, den Ereignissen eine für Deutschland günstige Wendung zu geben. Auch die preußischen Staatslenker scheinen an das„ Friedensrezept der Kreuzzeitung" nicht zu glauben. Wenigstens meldet man aus Mainz, daß die Preußen die Festungsglacis rasiren, das heißt, alle in der Schußlinie befindlichen Gegenstände entfernen eine Maaßregel, die man nur dann zu treffen pflegt, wenn eine baldige Belagerung erwartet wird. Das preußische Abgeordnetenhaus muß, wie halbamtlich verkündet wird, schon Ende Februar, spätestens Anfangs März, seine Arbeiten" vollendet haben, und soll dann sofort der Norddeutsche Reichstag" berufen werden. Man hat in Berlin Ursache, sich zu eilen. Nach einer dem Abgeordnetenhaus vorgelegten Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben für das Jahr 1867 beliefen sich in den alten Landestheilen die Einnahmen auf 173,938,666, die Ausgaben auf 176,694,441 Thlr.; in den neuen, d. b. annektirten Landestheilen die Einnahmen auf 56,909,935 und die Ausgaben auf 51,233,400 Thlr. In den ersteren überstiegen also die Ausgaben die Einnahmen um 2,943,468 Thlr., während in den leztéren 5,676,535 Thlr. mehr eingenommen als ausgegeben wurden. Das sind be redte Zahlen. Die Verarmung der alten Provinzen zeigt den neuen ihre Zukunft, zeigt ihnen, wohin die Segnungen" der Zündnadel- Einheit sie führen werden. Auch in dieser Beziehung gleicht der preußische Militärsta at den ehemaligen Sklavenstaaten des amerikanischen Südens, die immer neues Land er obern mußten, weil sie den eigenen Boden rasch erschöpften. " Vor Kurzem noch erklärte Graf Bismarck, er habe von der bekannten Usedom'schen Note erst 10 Tage nach deren Uebergabe Kenntniß erhalten, da die bezügliche Depesche aus& Florenz, wahrscheinlich in Folge der Kriegsvorbereitungen, verloren gegangen sei. Der Zweifel, den diese Aeußerung hervorrief, hat nun unerwartet seine Bestätigung gefunden. In einer Broschüre, welche dieser Tage in Berlin erscheinen wird und Rückblick auf 1866" betitelt ist, findet sich nämlich die folgende Depesche: Herr von Bismarck an Herrn von Usedom in Florenz. Berlin, 13. Juni 1866. Bestehen Sie energisch darauf, daß sich die italienische Regierung mit dem ungarischen Gomité ins Einvernehmen seze. Die Weigerung Lamarmora's fönnte bei und Ber dacht erregen, daß Italien nicht die Absicht habe, einen ernsten Krieg gegen Desterreich" zu führen. Wir sind be reit, die Feindseligkeiten nächste Woche zu beginnen. Aber ein fruchtloser Krieg von Seite Italiens in dem Festungs vierecke würde unsern Argwohn vermehren." Diese Depesche, die um vier Tage früher als die bi jezt befannt gewesene Usedom'sche datirt ist, welche, als Datum den 17. Juni 1866 trägt, enthält in wenig Worten den Kern der Usedomschen Note, und der preußische Gesandte in Florenz hat demnach nur im Auftrage seines Chefs gehandelt, wenn er bei der italienischen Regierung darauf bestand, daß diese auf den preußischen Feldzugsplan eingehe, um„ Desterreich ins Herz zu treffen." Der Bericht der Beschlagnahme Commission ist nun schienen. Bloß Virchow hat gegen die Confiskation gestimmt. Löwe( Calwe) hatte an dem Regierungsantrag nur auszu seßen, daß er nicht weit genug gehe. Er wünschte einfache Wegnahme des Vermögens der Depossedirten. So hätte ein Löwe auch einmal einen Eselstritt gegeben. Die Regierung wie verlautet, ihm den Gefallen thun. wird, Der( freikonservative) Abgeordnete von Kardorff bat einen Antrag gestellt, welcher dahin zielt, den preußischen Band tag zu einem ,, allgemeinen Landtag" wie vor 1848 zurüd gestalten, da es an der Volksvertretung durch den Reichstag ja genug sei. Durchgehn wird der Antrag jetzt noch nicht, aber logisch ist er. Nach Briefen aus London hat die preußische Vers zeihung! die norddeutsche Gesandtschaft dem dortigen deuts schen Rechtsschutzverein deßhalb ihre Protektion nicht gewährt, weil er einen„ Demokraten" in seiner Mitte habe. Nicht ,, kleinlich". Um ihre schöpferische Kraft zu zeigen, hat die ,, Fortschritts partei" ein„ freisinniges" Breßgefeß beantragt. Stoff für die„ Seifenblasen." Ein freisinniges Preßgesez, ist ein Wider spruch in den Worten. Ein Preßgesez fann nie freifinnig sein; freie Staaten fennen kein Preßgesez. Und nun gar ein freisinniges" Preßgefeß im Lande Bismard- Stieber's! Die preußische Regierung hat heidenmäßig viel Geld" für ihre Soldaten, Spione und Soldschreiber; neuerdings hat fte eine, englische Correspondenz" begründet, durch welche die öffentliche Meinung in England bearbeitet werden soll. Eine französische Correspondenz" hat sie bereits; auch ungarisches Organ. Ein tschechisches, das sie sich gelegt hatte, ist soeben aus Mangel an Abonnenten einge gangen. Und wieviel deutsche sie haben mag? ein Da die Geldsammlungen für die nothleidenden Schullehrer des Intelligenzstaats, nicht den gewünschten Erfolg ge habt haben, ist von den Schullehrern des Nordbunds ein Verein gegründet worden, dessen Zweck es ist, armen Leb rer Familien zur Auswandrung nach Amerifa zu verhelfen, wo es weniger Soldaten und mehr Brod giebt. Die Redaktion der Frankfurter Zeitung" ist von der An flage der Verleumdung freigesprochen, aber der Bes leidigung der preußischen Heerführer unter mildernden um ständen schuldig befunden, und zu 10 Thlr. Geldbuße, oder 4 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Es ist das eine Logit, die pre mel Den un Pr far thr bfö ein ab geb Ei B h im di th m få be go in ge 31 5 la b b الله m a b D fe ti 8 8 D die nur Juristen verstehen können. Doch wie dem auch sei, ein preußisches Gericht hat das Schmachvolle der Behandlung, welche der Stadt Frankfurt im Jahr 1866 zu Theil geworden, zugestanden, und damit dem Großpreußenthum ein unverlöschliches Brandmal aufgedrückt. Wir werden auf den Prozeß zurückkommen. Sachsen erfreut sich seit einiger Zeit besonderer Aufmert ſamkeit Seitens der preußischen Regierung. Bald zeigt man ihm die scharfen Krallen, bald streichelt man es mit Sammtbfötchen. Bestern befreite der Bundesoberfeldherr" durch eine einfache Berordnung" alle Militärpersonen von den Gemeinde abgaben, und griff damit rücksichtslos in die sächsische Geschgebung ein; heute schenkt der..Bundesoberfeldherr" in seiner Eigenschaft als König von Preußen dem sächsischen König den Berdienstorden" eine Ehre, die noch keinem Fürsten zu Theil geworden." Und die Moral der Geschichte? Man braucht Sachsen. " 49 Corteswahlen nicht bekannt. Wir wissen aber, daß in den wichtigsten Städten des Landes, Madrid ausgenommen, die republikanische Partei gesiegt hat, und daß auch in Madrid, der monarchischsten unter den größeren Städten Spaniens, eine Minderheit von 15,000 Männern der über ungefähr 34,000 Stimmen verfügenden monarchischen Partei gegenüber getreten ist. Und man muß bedenken, daß die schnöder Weise vom Wahlrecht ausgeschlossene Jugend unter 25 Jahren für die Republik glüht und nöthigenfalls für sie kämpfen wird. Die Regierung fühlt die Wucht dieser Thatsache, und eines ihrer Organe, die Diskussion" spricht es offen aus: Die Wiedereinsetzung der Monarchie ist ohne eine Straßenschlacht in Madrid unmöglich." und ohne Straßenschlachten in verschiedenen andern Städten, fügen wir hinzu. Wie es ohne Kampf abgehen soll, ist schwer zu übersehen. Daß die Republikaner in der Nationalversammlung feine Majorität haben werden, steht bereits fest; ebenso fest steht aber, daß die Regierungsmajorität nicht stark genug sein wird, um den Republikanern einerseits und den Anhängern der alten Königsfamilie( Carlisten und Isabellisten) andererseits mit Aussicht auf Erfolg die Spize bieten, geschweige denn eine neue Monarchie begründen zu können. Staatsstreich oder Republik- ein Drittes ist nicht denkbar. Vorläufig schiffen die süddeutschen Regierungen noch im preußischen Fahrwasser. So hat z. B. vor Kurzem erst die baierische Regierung das Land in zwei Militärdistrikte getheilt und das Kommando über dieselben den Generalen Hartmann und von der Tann übertragen, die durch ihre Unfähigkeit, wenn nicht durch Verrath, den Preußen 1866 den Sieg über die süddeutschen Truppen in die Hände gespielt haben, und die beide nicht bloß von der Volksstimme sondern sogar durch den Spruch von Geschwornen deßhalb verurtheilt worden, find. Ob Hohenlohe aus Neigung oder aus Schwäche im preußischen Sinne arbeitet, darüber sind die Meinungen getheilt; so viel steht aber fest, das bayerische Volk, wie überhaupt das Volk in Süddeutschland, ist nicht gesonnen, den Interessen des Hauses Hohenzollern zu dienen und wird zu ge- sie nicht bezahlen und zieht den schnellen Tod durch die Ku eigneter Zeit seinen Willen zur Geltung bringen. Es heißt, die bayerische Regierung wolle vom Landtag In Italien dauert der Widerstand gegen die Mahlsteuer fort. Nach der„ Riforma" sind bis jetzt bei den verschiedenen durch diese Steuer hervorgerufenen Excessen" 257 Menschen getödtet und 1099 verwundet worden, während die Zahl der Berhafteten 3288 beträgt. Die Regierung braucht für ihre Einheispolitik Geld, viel Geld und kann die Mahlsteuer deßhalb nicht aufheben. Das ausgesogene Volk kanu gel dem langsamen Hungertod vor. Wann wird es sich zu einer nationalen That ermannen, die dem fluchwürdigen 5 Millionen Gulden zur Anschaffung neuer Waffen( Hinter System ein Ende macht? lader) verlangen. Nur zu. Der Sozialdemokrat Pfeiffer wurde in diesen Tagen bom Wiener Landesgericht zu 4 Monaten schwerem Kerker berurtheilt, weit er den Sieg des merikanischen Volksheeres über die Soldaten der beiden Kaifer Napoleon III. und Marimilian I. gepriesen und die Hinrichtung des Leßteren eine ,, Lehre für die Monarchen" genannt hatte. Der f. f. Staatsanwalt hatte 19 Monat schweren Kerker für den Volksredner beantragt, da dieser zu Haß und Verachtung gegen das Staatsoberhaupt aufgereizt" habe! Es ist wahr, eine ähnliche Verurtheilung ist gegen den Redakteur des reaktionären Vaterland" wegen eines ,, Angriffs auf die Verfassung" erfolgt, allein, abgesehen davon, daß Gefeße, die solche Unterdrückung jeder freien Meinungsäußerung ermöglichen, die Ansprüche Desterreichs, ein liberaler Staat zu sein, in einem gar traurigen Lichte erscheinen lassen, so ist es auch unzweifelhaft, daß die Behörden gegen die sozialdemokra tische Arbeiterbewegung in der lächerlichsten Weise eingenommen sind und sie um jeden Preis zu unterdrücken suchen. Freunde des Bürgerministeriums versichern uns, dessen Berhalten entspringe der Ueberzeugung, daß die österreichische Arbeiterbewegung von preußischen Agenten gemacht sei, um die ,, Neugeburt" Desterreichs zu stören. Gemacht" das ist ja findisch. Und was die preußischen Agenten betrifft, so sind diefelben wahrlich überflüssig, da die Herren Giskra und Co. das Geschäft für Bismarck so gut besorgen. " In Ungarn finden Neuwahlen statt. Die Kossuth- Partei, die bekanntlich mit Preußen und Rußland zusammenspielt, entwickelt eine große Thätigkeit; hat indeß keine Aussichten. Noch immer ist das Gesammtresultat der spanischen Hr. Alexander Herzen, den Lesern des Demokratischen Wochenblatts" durch die Kritiken unseres Londoner Freundes S. Borkheim bekannt, hat seine„ Glocke" aufgegeben und kehrt nach Rußland zurück, erfüllt von wüthendem Haß gegen das deutsche Volk, welches so ,, verkommen" ist, der russischen Knute auch in demokratischer Phrasenumhüllung keinen Geschmack abgewinnen zu können. Die Zeitungen fagen, Hr. Herzen habe seinen Frieden mit dem russischen Czaren gemacht. Das ist unzweifelhaft falsch und zwar aus dem einfachen Grund, weil er nie auf dem Kriegsfuße mit ihm gestanden, sondern im Gegentheil stets sehr eifrig, wenn auch öhne Glück, für ihn gearbeitet hat. ,, Der Wegweiser, Organ für die Volksbildung in Deutschland," herausgegeben von Eduard Sack in Berlin, redigirt von Julius Beeger in Leipzig, erzählt in Nr. 2 ausführlich und nach den zuverlässigsten Quellen die so viel Aufsehen erregende Geschichte des Oberlehrer Dr. Preuß. Außerdem bringt diese Nummer in der Rundschau den Schluß des( in der 1. Nummer schon theilweise mitgetheilten) österreichischen Schulgesetes. Nr. 3 enthält außer zwei größeren Artikeln: ,, Die Gelehrtenkaste" und ,, Soll der Unterricht in der öffentlichen Volksschule unentgeltlich sein, oder soll eine Abgabe für denselben gezahlt werden?" in der Rundschau eine sehr reichhaltige Zusammenstellung der neuen Ereignisse auf dem Gebiete der Bolfsbildung, und zwar aus Baden, Desterreich, Preußen, Würtemberg; ferner aus Rußland, Schweden, der Schweiz, Spanien, Ungarn, Amerifa 2c. " 50 Indem wir den Wegweiser, allen Freunden der Volksbildung empfehlen, bemerfen wir, daß derselbe wöchent lich einmal in einem großen Bogen zu Leipzig erscheint und durch alle Postanstalten und Buchhandlungen für 12 Sgr. vierteljährlich bezogen werden kann. Der Doppelgänger des Herrn Wagener. Vor 6 Wochen schrieben wir( Nr. 50 des ,, Demokratischen Wochenblatts", vom 12. Dezember 1868): " „ Im Berliner Sozial- Demokrat" vom 2. Dezember steht geschrieben: In Leipzig wird die Lüge verbreitet, der Vereinspräsident habe im Reichstag für die Militärvorlage gestimmt. Hoffentlich klopfen die Unfren diesen frechen Lügnern gehörig anf den Mund." Das ist eine jesuitische Wahrbeitsverdrehung, gilt aber uns. Herr von Schweizer figt gegenwärtig im Gefängniß und kann sich nicht vertheidigen. Sobald er frei ist, werden wir sein Verhalten in der Militärfrage nach den stenographischen Be= richten beleuchten, und dem frechen Lügner", der die obige Notiz abgefaßt oder inspirirt hat,..gehörig auf den Mund klopfen"." Das wollen wir jetzt thun. Herr von Schweizer ist aus dem Gefängniß, beurlaubt", agitirt" frisch darauf los mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung und kann sich also nicht mehr hinter dem Schild seines zweideutigen oder auch nicht zweideutigen Märtyrerthums verstecken. Zunächst sei festgestellt, daß Niemand behauptet hatte, Herr von Schweißer habe für die preußische Militärvorlage gestimmt Dafür gestimmt hat er nicht, und im Gebrauch dieses Worts liegt eben die ,, jesuitische Wahrheitsverdrehung," deren er sich in der oben mitgetheilten, von ihm selbst herrüh renden Notiz des Sozial- Demokrat" schuldig gemacht hat. Was man Herrn von Schweißer vorgeworfen, war, daß er im Berliner Reichstag für die Militärvorlage gesprochen, ihre demokratischen Gegner aufs Feigste angegriffen, und bei jener Gelegenheit den Prinzipien der Demokratie aufs Frechste ins Gesicht geschlagen habe. Daß dies richtig, werden wir ihm nun aus seinem eignen Mund beweisen: 3wei und zwanzigste Sigung des Reichstage, 17. Oftbr. 1867. Auf der Tagesordnung steht das Militärgefeß. Liebknecht und Bebel hatten dasselbe bekämpft, und Ersterer durch seine Bemerkungen über den Nordbund und die Blut- und Eisenpolitik den bekannten Ausbruch intelligenzstaatlicher Bildung hervorgerufen. Der Antrag auf Schluß wird gestellt. Präsident: Es ist von dem Abgeordneten von FrankenbergLudwigsdorf der Schluß der Diskussion beantragt worden. Ich bitte diejenigen Herren aufzustehen, die den Antrag unterstüßen wollen! ( Geschieht.) Die Unterstüßung reicht aus. Auf der Rednerliste stehen noch auf der Seite gegen": die Abgeordneten von Hoverbeck, Schulze, Duncker, Schraps, Dr. Wigard, Dr. Lowe, von Kirchmann, von Saucken und Dr. von Schweizer, und auf der Gegenseite: die Abgeordneten von Sänger und Wagener( NeuStettin.) Der Abgeordnete Dr. von Schweizer hat das Wort zur Geschäftsordnung. Abgeordneter Dr. von Schweizer: Es ist ein Irrthum, ich habe mich gemeldet für das Gefeß, nicht gegen das Geſetz. Präsident: Ich bin an diesem Versehen unschuldig, ich habe die Liste so mitgetheilt, wie sie mir mitgetheilt worden ist. ( Stenographischer Bericht- amtlich, von den Rednern selbst revidirtSeite 455.) Der Schlußantrag blieb damals in der Minderheit. Bald nachher ward er wiederholt. Präsident: Der Abgeordnete Cornely hat den Schlußan trag erneuert. Ich bitte diejenigen Herren sich zu erheben, welche den Antrag unterstüßen.( Geschieht.) " Mil mer Die Unterstüßung reicht aus. Die Rednerliste steht so; auf der Seite gegen" stehen die Abgeordneten Duncker, Dr. Löwe, Schraps, doch Dr. Bigard, Schulze, von Kirchmann, von Saucken; auf der Seite , für die Abgeordneten von Sänger und Dr. von Schweizer. ( Stenographischer Vericht, S. 456.) Drei und zwanzigste Sigung des Reichstags, Oftbr. 1867. Auf der Tagesordnung ist das Militärgese Spezialdebatte. Gleich zu Anfang ergreift das Wort batte eint ord daß erfo Gif nim Abgeordneter Dr. von Schweizer: Meine Herren! Jch, mich ursprünglich für die General- Diskussion gemeldet, weil ich einigen Ausführungen des Herrn Liebknecht entgegentreten wollte, indem i es höchlichst bedauern würde, wenn der Glaube entstände, als ob die jenigen, die ich vertrete, und insbesondere die Tausende von Arbeitern, die mich als ihren Führer anerkennen( Oh! oh!) auf dem Standpunkt des Herrn Liebknecht ſtänden. Leider ist es mir unmöglich gemacht, meine Gegenausführungen vorzubringen, und es ist mir kein anderes Mittel verblieben, als in einer öffentlichen Versammlung zu Berlin, die am nächsten Sonntag stattfinden wird( große Heiterkeit), dieſe tiefs gehende Meinungsverschiedenheit zum Austrag zu bringen. Diesem Hohen Hause gegenüber kann ich nichts Anderes thun, als in Anknü pfung an den vorliegenden Paragraphen meine Grundanschauung wenige Säße zusammenzufassen. ſtalten in Meine Herren, in diesem ersten Paragraphen ist die allgemeine fnecht müßte auch fie verworfen werden, denn für diesen Standpunkt ist es gleichgiltig, ob ein Prinzip gut oder schlecht ist, nach diesem Standpunkt soll überhaupt kein Gesez gemacht werden, weil der ganz Norddeutsche Bund überhaupt nicht eristiren soll. Wir Unsere ſeits, meine Herren, wollen den Norddeutschen Bund freiheitlich ge und ich glaube, wir stehen hierin mit der Fortschrittspartei auf Einem Boden wir wollen ihn freiheitlich gestalten, aber, meine Herren, wir wollen nicht in Gemeinsamkeit mit Herrn fnecht und seinen Freunden, den depossedirten Fürsten und dem neidischen Auslande**) dahin trachten, Preußen und den Norddeutschen Bund zu ruiniren und zu zerstören! Wir baben erkannt, lange mißachtet war, dem Auslande gegenüber endlich zur Geltung und zur Ehre gebracht hat und dies auch künftig thun wird und es liegt uns ferne, mit Jenen selbst diejenigen Eigenschaften Lieb Den Ari aus The line ift wel mie Rei The ma ihm mot mäl tags und so an Preus ßen läugnen und bemäkeln zu wollen, welche im vorigen Jahre eine feindliche Welt bewundernd anerkennen mußte***). Wir mit einem Wort, obwohl unzufrieden mit den inneren Zuständen und dahin strebend, dieselben gründlich zu ändern, stehen innerhalb des neu sich bilden den Vaterlandes, jene aber steben außerhalb desselben, wollen außers halb desselben stehen. Das ist es was uns von ihnen trennt und das mußte hier bestimmt constatirt werden. au ich fein flär tun berf tent Da einf ( Stenographischer Bericht, S. 470 u. 471.) Gegen Herrn von Schweißer wandte sich Liebknecht in ..persönlicher Bemerkung". Abgeordneter Liebknecht: Meine Herren! Der Abgeordnete von Schweizer bat mir einen großen Gefallen gethan, denn er hat mir die Gelegenheit gegeben, die ich bis jetzt vergebens gesucht habe, 34 erklären, daß ich allerdings mit dem Doppelgänger des Herrn Wagener nichts zu thun habe. ( Stenographischer Bericht, S. 471.) Herr von Schweizer antwortete nicht, obgleich alle Blide auf ihn gerichtet waren. Einige Minuten nachher, vor der Abstimmung, entfernte er sich plöglich aus dem Saal. ficht die um enti berf heit hera Ert unf part In *) Das alte Lug- und Trugwort der preußischen Agenten. allen Staaten des europäischen Festlandes, mit Ausnahme der Türkei, besteht die allgemeine Wehr pflicht. Das worum es sich handelt, ist die allgemeine Erfüllung der Wehrpflicht d. h. die allgemeine Wehr haftigkeit; und gerade für diese hatte Liebknecht gesprochen, gerade darum das preußische Armeesystem angegriffen, weil es das fich von anderen undemokratischen Militärsystemen nur dadurch unter scheidet, daß es die Aufstellung eines relativ größeren Heeres ermög licht, und das Volk sicherer um Freiheit und Wohlstand bringt. **) Durch diese infame Lüge führt Herr von Schweißer fich als würdiges Mitglied in der Bund der Stieber, Braß, Braun, Zeidler und Consorten ein. ***) Noch kein Adlerorden? Ber eine ner Gine rafte Nr. che Der ite 8. $ te en 女 # e 11 t Das der aftenmäßige Hergang. Wagt Herr von Schweißer zu leugnen, daß er für die Militärvorlage gesprochen? Gegen Hrn. von Schweißer ist doch wohl Herr von Schweißer ein vollgültiger Zeuge. Und wer ist nach diesem Zeugen der„, freche Lügner?" Doch halten wir uns an den Kern der Sache. Daß Herr von Schweißer für das preußische Militärgefeß eintrat, daß er den Denunzianten spielte, ist von untergedaß er die Berechtigung des Norddeutschen Sonderbundes anerkannt und sich auf den Boden der Bismarckschen Blut- und Eisenpolitik gestellt hat. Wer aber diesen Standpunkt einnimmt, der ist durch eine breite unübersteigliche Kluft von der Demokratie, von der Sozial- Demokratie getrennt.*) Fortschrittspartei und Volkspartei. Leipzig, den 26. Januar. Nachrichten aus Dresden melden uns den Eintritt einer Arise in den dortigen Parteiverhältnissen, den wir längst vor ausgesehen. Das Bündniß unserer dortigen Freunde mit einem Theile der Altliberalen, welches seine Ausläufer bis in den linken Flügel der freisinnig deutschen Partei" hinein erstreckte, ist nachgerade unhaltbar geworden, nachdem die Hauptperson, welche den Kitt dieses Bündnisses abgab, Wigard, wiederum, wie durch die Sechser- Erklärung" nach Schluß des zweiten Reichstags, in einseitigem Vorgehen mit Männern, die zum Theil ziemlich weit rechts stehen, den Anlauf zu einer abermaligen neuen Parteibildung nehmen zu wollen scheint. Mit der ,, demokratischen Partei", Adv. Gruner, ebenfalls einer der ,, Alten", während der Dritte derselben, der frühere Amtmann und Landtagsabgeordnete Hißschold von Wolfenstein, sowie Händel und Petermann an dem Ausschreiben einer Versammlung aller Freunde und Anhänger der demokratischen oder Fort shrittspartei"( als wenn das Eine und dasselbe wäre!) feinen Theil haben, letterer sogar bereits öffentlich durch Erflärung seines Austritts aus dem Vorstande seine Mißbilligung fundzugeben für nöthig erachtet hat. Wie wir hören, sollte am nächsten Freitag eine Parteibersammlung stattfinden, in welcher unter Anderem die statutenmäßige Neuwahl des Vorstandes stattzufinden gehabt hätte. Daß man wenige Tage vor einer anberaumten Versammlung 51 durch ein ähnliches Kunststückchen, wie jetzt die Gleichstellung von ,, demokratischer" und Fortschrittspartei", in die preußische " Fortschrittspartei hinübergeleitet haben würde, und die, nach der Verwandtschaft des Ideenganges zu schließen, mit der neuen Ansprache wohl einen und denselben Verfasser haben mag. Wir haben, wie gesagt, schon damals gegen solches Beginnen Mißtrauen gefaßt und uns fernerer Beziehungen zu den Machern solcher Sachen enthalten. Die neusten Vorkommnisse geben und wahrlich keine Ursache, mit unserm Berhalten von damals unzufrieden zu sein. Suchen wir die Beweggründe zu dem Verfahren der Unterzeichner des Arufs, so dürften wir wohl nicht fehlgreifen, wenn wir folgende Berechnung bei ihnen vorausseßen: ,, Bei den Reichstagswahlen, wo das allgemeine Stimmrecht entschied und infolge dessen die Massen den Ausschlag gaben, mußten wir schon auf die Partei, die in diesen wurzelt, Rücksicht nehmen. Bei den Landtagswahlen, an denen nur die Wohlhabenden Theil nehmen, würde uns diese Verbindung nichts nüßen, ja uns vielleicht gar in den Augen mancher Bürger ebenso compromittiren, wie die etwaige Gemeinschaft mit den offenen Anhängern der preußischen Partei. Da müs sen wir uns eine andere Parteigruppirung, welche diese„ Extremen" vermeidet, zurecht machen." Nun gut, so macht Euch nur eine Partei für die Landtagswahlen nach dem königlich sächsischen Wahlgesch vom 3. Dezember 1868 besonders zurecht- und seht zu, wo ihr bleibt, wenn diese besonderen Borausseßungen Eurer superflugen Spe= culation Euch einmal unter den Füßen entschwinden. Dann werdet Ihr vergebens an den Prinzipien einen rettenden Anhalt suchen, die Ihr jetzt als unzeitgemäß bei Seite geschoben habt, und deren Bekenntniß Euch Niemand mehr zum Verdienste anrechnen wird, wenn Ihr damit wieder nur eine Rücksichtnahme auf die veränderten Zeitumstände bekundet.- Das mögen sich die Dresdner Fortschrittler zum Abschied gesagt sein lassen. Die Krisen, denen wir allem Anscheine nach aufs Neue entgegengehen, machen zuverlässigen Charakter zum ersten Erforderniß des Volksmannes. Für Leute, denen diese Eigenschaft abgeht, giebt es in der Volkspartei keinen Blaz. Einem uns zugehenden Privatbriefe über die Dresdner Borgänge glauben wir zur Vervollständigung des Vorstehenden Nachfolgendes entnehmen zu sollen: ,, Die ganze Geschichte ist, wie ich von Anfang an muthmaßte, wieder einer jener unglücklichen, erfahrungsmäßig ihren einseitig den Entschluß kundgab ,, was geradezu wie eine ab- Zweck vollkommen verfehlenden Vermittlungsversuche, mit denen fichtliche Brovocation erscheinen fönnte, möchte vielleicht durch gutherzige Männer, wie Wigard, schon wiederholt überrumpelt die Absicht, den Nationalliberalen, welche mit demselben Plane umgegangen sein sollen, zuvorzukommen, in gewissem Grade entschuldigt werden, wenn nur die Grundsag und Namensberfälschung des Ausschreibens an sich entschuldbar wäre. Aber was in aller Welt soll bei dieser Verschwommen " 1 morden sind. Der Ausdruck Ueberrumpelung ist im gegenwärtigen Falle vielleicht noch zu gelind, da seine Unterschrift, wie ich höre, unter Versprechungen gewonnen ward, die nicht gehalten wurden, namentlich was Zahl und Namen der Unterzeichner anlangt. Ursprünglich sollten bloß ein Paar alte und beit, welche alle entschiedenen Grundsäße scheut, denn überhaupt durch keinerlei Seitenverbindungen verdächtige Parteimitglieder berauetommen? So haben wir uns schon nach der Sechser unterzeichnen, das sich innerhalb der Partei haltende PrivatErklärung" gefragt, die bekanntlich auch zum Eintritt in die, unferes Wissens nirgends eristirende deutsche Fortschritts unternehmen aber derselben bei ihrer näcßien Zusammenkunft zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Statt dessen wurden Dartei" einlud, thatsächlich aber, wenn sie Erfolg gehabt hätte, ohne Wigard's Vorwissen noch verschiedene weder zur ,, alten Garde" Ber als College des Herrn- Braß, und hält bei dieser Gelegenheit 7) Im vorlegten„ Sozialdemokrat" präsentirt sich Hr. v. Schweieine gefinnungstüchtige Lobrede auf die preußische Regierung, mit einer obligaten Stieberiade gegen die sächsische Volkspartei". Eine Besprechung dieses charakteristischeu Ergusses, wie der ebenso cha= Nr. önnen wir wegen Mangel an Raum erst nächste Woche bringen. ratteristischen Bemerkungen Schweiger's über die Notiz in unserer vor. noch zur demokratischen Partei gehörige Personen hinzugezogen, durch deren Betheiligung das Ganze den Charakter einer, auf Sprengung der bestehenden Parteiverhältnisse und Neuconsti tuirung derselben mit Hinzunahme gemäßigt nationalliberaler und conservativer Elemente hinauslaufenden Intrigue erhielt. Wigard's Wille ist dies nicht gewesen; das Resultat wird aber wohl kaum ein anderes werden. Nach der unter den alten Angehörigen der Volspartei herrschenden Stimmung ist es sehr zweifelhaft, ob sich die Vereinigung der demokratischen Partei" noch über die nächste Versammlung hinaus fortführen läßt." Vororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. 52 Der Volksverein zu Gainsdorf hat uns 6 Thir. 6 Ngr. und der Arbeiter- Bild. Ver. Schwiebus 1 Thlr. 1 Ngr. übersandt, um diese den feiernden Färbern in Basel zu übermitteln. Wir sind diesem Wunsch nachgekommen, bitten aber unsere Parteigenossen, die Sendungen direct an den Vorstand der Intern. Arbeiter Association, Herrn Jos. H. Frey, Weiße Gasse 6, in Basel zu richten. Der Vorort. Brüssel. In der Kammersißung vom 19. d. M. forderte der Genter Deputirte Del hougne ein Gesetz, das die Arbeit der Frauen und Kinder in den Kohlenbergwerken verbiete; Frere Drban bekämpfte ihn im Namen der„ Freivon nun an mit feinem anderen ähnlichen Verein mehr in Verbindung treten. Grämen thun wir uns dar über nicht, es ist immer gut, wenn man fühlt, wie weife und vorsorglich wir regiert werden. Die Adresse wegen der Gemeindeordnung die Reichsrathskammer" gerichtet. mit meni babe tedt ift an erthei motr nid tion Der Verein spricht darin aus, daß die Gemeindeordnung, wie sie aus der Berathung des Abgeordnetenhauses hervorgegangen ist, den berechti Edi ten Anforderungen des Arbeiterstandes entspreche. Man habe schon früher bei der Sozialgeses Roti bung an die Abgeordnetenkammer das Ersuchen gerichtet, diese Gesetzgebung die Gleichberechtigung Aller, die Autone mie der Gemeinde, das unentgeltliche Ansässigmachungs Berehelichungsrecht aufzunehmen. Das sei alles von Det Abgeordnetenkammer unberücksichtigt geblieben. Weiter heißt es in der Adresse: Mas laute tigte einer Bier Punkte sind es besonders, auf deren Abänderung wir hohen Werth legen: 1) daß das Bürgerrecht nur dur Verleihung und nur gegen Bezahlung erworben werden kann 2) daß nur die Gemeindebevollmächtigten und nicht auch gistrat und Gemeindebeamte durch direkte Wahl ernannt heit", und die Debatte verlief resultatlos. Im Namen der Freiheit! Der Freiheit der Unterdrückung. So fkämpften die Sklavenhalter Amerikas ,, im Namen der Freiheit" gegen die Nordstaaten, welche die Ketten der Sklaven brechen wollten. Und mit demselben Recht kann der Raubmörder ,, im Namen der Freiheit" gegen die Eingriffe des Staats protestiren, der ihm die Polizei auf den Hals schickt. Wien. Im Abgeordnetenhause kam am 19. d. M. der Antrag Roser's auf Einführung der Zehnstunden- Arbeit zur Verhandlung. Dr. Roser wies nach, wie bei der jeßigen, der Zeit nach völlig unbeschränkten Ausbeutung der wer Dit night ter c und leder denn nicht Der Roch mehr fozial den; 3) daß in den Städten des diesseitigen Bayern zwei Collegien, Magistrat und Gemeindebevollmächtigte, für Gemeindeverwaltung zu bestellen sind; 4) daß in Städten mit magistratischer Berfassung nur die Gemeindekollegien, ni Hauptsächlich von unserem Standpunkte aus legen wir a aber die Gesammtbürgerschaft das Geldbewilligungsrecht haben die Abänderung des ersten Punktes, der alle Minderbemittelt vom Gemeindewahlrecht ausschließt, das größte Gewicht auf Die berei Anfa Arbeiter durch die Kapitalisten erstere geistig und körperlich halten die Durchführung dieser Bestimmung um so ungerecht zu Grunde gehen; und beantragte schließlich die Ernennung fertigter, als hiedurch sogar ein Rückschritt gegenüber unferer früheren Gemeindeordnung nach welcher mindestens jede welde Insasse wahlberechtigt war enthalten ist und selbst Regierungsvorlage in diesem Betreff noch viel liberaler wa indem Art. 9 des Regierungsentwurfes allen Denjenigen, ,, Arbeitererzee" getroffen in der Gemeinde ansässig sind und eine direkte Steuer bezablen einer Kommission von 12 Mitgliedern, um die Frage zu untersuchen. Das Haus trat dem Antrag bei, auch die Minister stimmten dafür. Als Curiosum sei erwähnt, daß der Polizei direktor von Wien für jenen Tag die umfangreichsten ,, Vorsichtsmaßregeln" gegen erwartete hatte. Nürnberg, 29. Jan. Die bayerische Polizei, scheint's, hat von irgend einer Seite her Winke bekommen, gegen die Arbeiterbewegung einzuschreiten. Neuester Tage ward der hie fige Gewerksverein der Schuhmacher( nationalliberal) das Gemeindebürgerrecht zugetheilt wissen wollte. befin an a Alles Det Aus diesen Gründen stellt der ergebenst unterfertigte beiterverein Zukunft" an eine Hohe Kammer das Ersuchen dieselve wolle den Gefeßentwurf für die Gemeindeordnung Pfalz auch auf die übrigen Provinzen Bayerns ausdehnen, even ab mit i aber fabled der sich dem Hirsch'schen Entwurf angeschlossen hatte, für po- tuell aber den diesseitigen Entwurf, wie er aus den Beschlüffen litisch erklärt und heute nach§. 17. des Vereinsgesetzes aufgelöst, weil er als politischer(?) Berein mit andern sich verbunden habe! Der betreffende§. 17. des bayerischen Vereins Geseßes lautet folgendermaßen: ,, Politischen Vereinen ist nicht gestattet, mit andern in der Art in Verbindung zu treten, daß entweder die einen den Beschlüssen und den Drganen des andern unterworfen oder mehrere solcher Vereine unter einem gemeinsamen Organe zu einem gegliederten Gangen vereinigt werden."( Wir können unsern Parteigenossen in Baiern nur den Rath geben, sofort eine Agitation für Beseitigung des jeßigen VereinsGesezes ins Leben zu rufen. Der Landtag ist soeben in München versammelt, versuche man also zu erreichen, was möglich ist. D. Red.) 3 uder Abgeordnetenkammer hervorgegangen, in der Weise ändern, daß: Fürth, den 22. Jan. Unser Arbeiterverein kunft" erließ vorige Woche hier einen Aufruf, worin er die Arbeiter zu einer Demonstration gegen die neue Gemeindeordnung aufforderte, weil dieselbe durch hohe Aufnahmegebühren fast den ganzen Arbeiterstand vom Gemeinde- Bürgerrecht ausschließt. In Folge dieses Aufrufs ist unser Berein von der 1) das Bürgerrecht auf alle selbstständigen, in der meinde wohnenden und heimathsberechtigten, eine Schic Arb 34 2 fich d fann aber Ge fallen refte Staats- Steuer zahlenden Männer auszudehnen und die Erhebung einer Bürgeraufnahmegebühr zu lassen sei; Wir Beisp 2) daß auch der Magistrat zusammt den Gemeindebeam ten durch direfte Wahl sämmtlicher Gemeindebürge also nicht von den Gemeindebevollmächtigten, wählen sei; 3) daß statt der bisherigen zwei Collegien, Magistrat Gemeindebevollmächtigte, auch in den Städten Gemeindeverwaltung zu bestellen sei; un Gen bon beiter wird melde Di haus einbe mar einen Ara name geftat berwa Comi Der borzu gen. Herr diesseitigen Bayern ein einheitlicher Körper für pi 4) daß, gleich wie in den Landgemeinden, auch in den Städten für neue oder erhöhte Gemeindeumlagen Zustimmung der Gemeindebürger nothwendig ist" Ferner hat der Verein im ,, Fürther Tageblatt" eine lang Erklärung erlassen, worin er die Gründe angibt, warum sich an die Reichsraths( Adele) Kammer gewendet habe. De Polizei für einen politischen" erklärt worden, d. h. wir dürfen 8. und legte Punkt dieser Erklärung lautet: Wenn wir aud Staa weil ju m Comi par imit dieser Petition gar nichts bezwecken, so hoffen wir doch wenigstens, jenes Schwindelsystem genugsam charakterisirt zu rechte spricht, dieses Ehrenrecht aber nur gegen Bezahlung ertheilt!" 53 Ulig, Beirisch, Straßburger u. s. w. beauftragt, auch die einleitenden Schritte zur Gründung einer Gewerks Genossenschaft auf Grund des vom Vorort entworfenen Statute zu thun. Die Aufforderung des Herrn Hadlich, daß sich die Arbeiter Großenhains mehr an dem ArbeiterbildungsVerein und seinen Bestrebungen betheiligen möchten, war nicht ohne Erfolg, es erklärten sofort eine Anzahl der Anwesenden Darmstadt. In der hessischen Kammer haben die deis Edinger einen Antrag zu Gunsten des vollen Goali ihren Beitritt. mokratischen Abgeordneten Dumont, Dechener und tionsrechts der Arbeiter eingebracht. Den Antrag nebst Motiven werden wir in nächster Nummer bringen. 10 Det rd 20 Die 耐 it met Glauchau, den 25. Jan. Gestern Abend hatten wir im Hahn'schen Lokal eine von den paar hiesigen ,, Haßfeldtern" einberufene Arbeiterversammlung, die von 160-200 Mainz, 21. Jan. Keine Politik in den Arbeitervereinen tigte des allgemeinen Deutschen Arbeitervereins erflärte es in fißender, da Haßfeldter und Schweißerianer bei der Wahl zu lautet die neueſte Ordre Schweißer's. Der hiesige Bevollmäch Mann besucht war. Ihr Bevollmächtigter Mai wurde Borſammengingen und unsere Leute noch im Volksverein zurück einer Arbeiterversammlung. Es scheint, daß diese Ordre bei ter am legten Sonntag abgehaltenen Conferenz von Schweißer waren, wo ebenfalls Bersammlung und Neuwahl des Borund Genossen in Frankfurt beschlossen wurde. Denke sich ein Leser das Uebrige. Geld ist bei diesen Leuten vorhanden, jeder denn sie lassen es an Agitationsreisen und Versammlungen standes angefeßt war. Nach geschehener Wahl machte man 10 Minuten Pause, wo sich mittlerweile unsere Leute einfanden. Auf unseren Antrag wurde dem Referenten 34 Stunden, nicht fehlen. Ob die Art der Agitation bei dem besren Theil jedem folgenden Redner 4 Stunde zum Sprechen eingeRoch eine kleine Weile, und die gestrengen Herrn regieren nicht frage, aber was er sagte, kann ich nicht wieder geben, es war mehr. Das Beste fiegt zuletzt und der politisch flaren fozialdemokratischen Arbeiterpartei gehört die Zukunft. berein hier hat mit sehr großen Hindernissen zu kämpfen. Johanngeorgenstadt, den 22. Jan. Unser ArbeiterAnfange waren unsre meisten Mitglieder Bergarbeiter. Diese befinden sich hier in einer vielleicht noch mißlicheren Lage als So lange sich die Leute recht kindlich gefallen lassen, was die Herren Schichtmeister u. s. w. an anderen Drten. Alles mit ihnen thun, werden sie ganz gut behandelt. Wenn sie aber selbstständig denken und handeln, dann geht es ihnen Schlecht. Unser Berein erregte bald den Zorn der Herren Schichtmeister und Steiger und sie verboten ihn den Arbeitern. Da nun Jeder, der den gestrengen Herren nicht der reine Quatsch. Dann kam Herr Nebel aus Chemniß, der zur Einigkeit mahnte und sich über die Rechtlosigkeit unserer Volksvertretung beklagte. Ihm folgt ein Herr Eich horn aus Chemniß, der in Kraftausdrücken, Fäusteballen und Gesichterschneiden zum Ergößen der Anwesenden das Mögliche leistete und recht viel ironische Bravos erntete. Herr Albert von unserer Seite antwortete und zwar derb, Die da fingen die fremden Lassalleaner einen Höllenlärm an. beiden Parteien geriethen heftig hintereinander, bis endlich wieder Ruhe wurde und Herr Albert seine Ansichten über den heutigen und den demokratischen Staat, leßterer der zuerst errungen werden müsse, um die soziale Frage lösen zu können, entwickeln konnte., Da die Viertelstunde um war unterbrach diesen. Albert verlangte darauf abermals das Wort, der VorWillen ist, Gefahr läuft, sein Brod zu verlieren, so fügten der Vorsitzende Herrn Albert und ergriff das Wort gegen fann es den weißen Sklaven" kaum verdenken. Wir halten sigende verweigerte es ihm. Albert bat ums Wort zur Gefich die Leute Einer nach dem Andern. Und wahrhaftig man " aber trotzdem aus. Wir Eine beffere Zeit muß fommen. ( Ja! Aber nur, wenn die Arbeiter sich selbst helfen. hoffen die Bergleute von Johanngeorgenstadt folgen dem Beispiel der Lugauer und betheiligen fich an der Gewerfe Genossenschafts- Bewegung. Daffelbe erwarten wir von den andren dortigen Arbeitern. Sind einmal die Ar beiter überall in Gewerke Genossenschaften vereinigt, dann wird man sie nicht so zu unterdrücken wagen, wie oben gemeldet ist. D. Red. d. dem. Woch.) 3 haus abgehaltene( vom Vorstand des Arbeiter- Bildungs- Vereins Großenhain, den 24. Jan. Die heute im Schüßenallgemeine Arbeiter Versammlung schäftsordnung," auch das wurde ihm verweigert. Darauf kam es zu erneuten Streitigkeiten in der Versammlung, in Folge dessen dieselbe durch den Vorsißenden geschlossen wurde. Leipzig, den 25. Jan. Für gestern Vormittag 10 Uhr hatte der hiesige Zimmergesellenverein eine Arbeiter versammlung in dem Wiener Saal einberufen, in der Herr Lübkert aus Berlin einen Vortrag über Arbeiterorganisation hielt. Die Versammlung war von faum 200 Personen besucht und wurde Herr Georg zum Vorsitzenden ernannt. Herr Lübkert kritisirte in seinem Vortrag unter anderem auch die verschiedenen Gewerksgenossenschafts Statuten und war sehr zahlreich besucht. Herr Hadlich aus Leipzig hielt pries den Schweizer'schen Entwurf gebührend an, während er einen längeren, mit Beifall aufgenommenen Vortrag über die Statuten von ,, Liebknecht- Bebel" wegen ihrer förderativen & rantenfaffen und Assoziationswesen, und betonte namentlich, daß es nach den neueren Geseßen den Arbeitern Bestattet sei, selbstständig Krankenkassen zu gründen und zu Grundlage" in Grund und Boden verurtheilte. Auch Herrn v. Schweißer fah sich Herr Lübkert veranlaßt gegen die Verdächtigungen der Volkspartei" in Schuß zu nehmen. Dabei berwalten. Nach kurzer Debatte einigte man sich dahin, ein passirte es ihm aber, daß er das Längeren auseinanderseßte, Comité zu Der Statuten mehrerer hier bestehenden fleineren Kranfenfassen borzunehmen und wenn möglich zu einer größeren zu vereiniwählen, und dasselbe zu beauftragen, eine Revision Herr Hadlich hervor, daß es nur einem wirklich demokratischen " wie sie, die Präsidenten der Arbeiterschaften, in der Redaktion. des Sozial Demokrat," und zwar gegen den Willen des Herrn v. Schmeißer ,,, reine Wirthschaft gemacht hätten.( Es muß dennoch vorher dort schmußig ausgesehen haben. A. d. Red.) Schweißer fönne gar nichts machen, man sehe ihm Staat möglich sei, derartige Genossenschaften zu unterstüßen, scharf auf die Finger, er( Schweizer) sei ihre( der Arbeiter= " ,, Creatur." ju Militairzwecken zu verwenden; schließlich wurde genanntes Schweizers mit der conservativen Partei bei der ElberComité, bestehend aus den Herren Täuscher, Hesse, Huhn, felder Wahl suchte Herr Lübkert zu rechtfertigen. Bebel ant 54 wortete. Er gab ein kurzes Bild der Organisation der Gewerksgenossenschaften nach dem Vororts- Musterstatut und wies nach, wie dieses bei aller Selbstständigkeit der einzelnen Ber cine in örtlichen Angelegenheiten, eine Centralisation schaffe, die allen gerechten Ansprüchen nachkomme, dabei aber durch die Organisation der Centralleitung der Möglichkeit eines Gewaltmißbrauchs durch eine einzelne Person vorbeuge. Hierauf wandte sich Bebel zu den Aeußerungen Lübkert's über Schweizer. Er unterzog das Benehmen des Leßteren im Jahre 1866, wo er, als ,, Kranfer" aus dem Gefängnisse entlassen, für die Bismarck'sche Politik Propaganda machte, einer scharfen Kritik und erinnerte an den gegenwärtigen sehr ähnlichen Fall, wie Schweißer fürzlich ,, wegen Familiengeschäften" aus dem Gefängnisse beurlaubt worden sei und nun ganz offen im ,, Sozial- Demokrat" mit seiner Namensunterschrift agitire. Zu Ostern habe Schweißer eine Generalversammlung einberufen, er rechne also darauf, bis dahin nicht ins Gefängniß zurückkehren zu müssen, denn der Generalversammlung beizuwohnen, das werde er sich um keinen Preis nehmen lassen. Er( Schweizer) habe in Berlin und namentlich in Hamburg auf den beiden legten Generalversammlungen aus dem Munde der intelligensten Mitglieder seines Vereins hören müssen, was man über ihn denke, wie man ihm mißtraue. Spreche man dieses nicht öffentlich aus, so geschäbe es nur, weil man glaube, ihn vorläufig nicht entbehren zu können. Auch habe Schweizer bei ( Red par der in رقام The der agi fie Die Gef und Ert Bei den Ber in die hin, daß man jetzt angreifen solle, wo wir jetzt am meisten zu leiden hätten, das seien die Maßregelungen der Polizei au Grund unseres schlechten Vereinsgesetzes. Er warf die Frage auf, ob nicht von Berlin aus, vielleicht durch die preußische Regierung, ein Druck ausgeübt werden könne auf Sachfen. Wir seien ja Norddeutsche und müßten doch alle gleich behandelt werden. Seyfferth sprach ebenfalls vermittelnd, er hätt gewünscht, daß die Angriffe auf die Bolkspartei unterblieben wären, dann hätte diese nicht antworten können. Bebel geschlossen für ein neues Vereinsgesch einzutreten. Auf die meinte, er sei mit Taute in so weit einverstanden, als es gelte preußische Regierung könne und dürfe man keine Hoffnungen feßen. Erstens habe die preußische Regierung kein Recht, in die inneren Angelegenheiten der Einzelstaaten sich zu mischen, da Vereins und Preßgesetzgebung den norddeutschen Bund und die Bundesverfassung nichts angehe. Zweitens hieße, die preußi sche Regierung anrufen, den Bock zum Gärtner seßen. Das preu sische Vereinsgefeß sei um kein Haar besser wie das sächsisch Die preußische Regierung könne so gut wie die sächsische auf Grund des Vereins Gesezes alle Gewerfs- und Arbeiter schaften aufheben. Thue sie das nicht, so sei dies ihr gnädiger Wille, sogenannte ,, milde Praxis," von der er ner) aber nichts wissen wolle, denn sie täusche das Volk über die wahre Natur der Gesetzgebung. Wenn Herr Taute glaube fau eine Täuschung. Der allgemeine deutsche Arbeiterverein habe man könne nur im Großstaat freie Geseze haben, so sei das in Preußen die Polizei doch genugsam kennen gelernt, wohin gegen in den meisten thüringischen Staaten, in Hessen, Baden und namentlich Würtemberg die freiesten Vereinsgesetze ten. Die Herren Lübkert, Pezoldt und Andere betheilig ten sich noch an der Debatte; zuletzt sprach Liebknech fön Er führte aus, wie die Taktik Schweiger's, auf sozialem biet möglichst tapfer und auf politischem möglichst zahm zugehn, einzig und allein der preußischen Regierung zum theil gereichen könne. Allerdings liege eine..Personenfrage partei stehe nur die Person Schweizers. Diese müsse be vor. Zwischen den zwei Fraktionen der deutschen Arbeiter seitigt werden, damit eine Einigung erfolgen könne, das sei di „ Personenfrage". So jämmerlich denke er( Liebknecht) nicht von den Mitgliedern des allgemeinen deutschen Arbeiterverein daß sie ihre Organisation nicht aufrecht zu erhalten vermöch dessen Fähigkeiten hundertmal so groß, als die des Hrn. von ten, wenn sie einen einzelnen Mann entfernten, und feien Schweizer. Zum Schluß sprach Redner über das Verhältniß der„ Bolkspartei" zur Sozialdemokratie. Um 1 Uhr wurde die Versammlung durch den Vorsitzenden geschlossen.( Lübkert schreibt in dem„ Sozialdemokrat", die Versammlung sei von über 300 Personen besucht gewesen, und spricht von dem Mißerfolg der Herren Bebel und Liebknecht". Nur hübsch gelogen! Einen Mißerfolg" hatte beiläufig nur Hr. Lübkert da die Versammlung ganz resultatlos verlief. A. d. R.) einer Conferenz in Frankfurt a. M. den für die süddeutsche Agitation bestimmten Mitgliedern streng auferlegt, keine Politik in ihren Vorträgen zur Sprache zu bringen und das sei doch für einen Sozial- Demokraten, obendrein von einem " Führer", der sehr gut wisse, daß die Politik von der sozialen Frage nicht getrennt werden könne, ein starkes Stück. Während der Rede Bebels erhoben die anwesenden Schweißerianer einen starken Lärm, es wurde mit den Füßen getrampelt, gezischt und geschrieen, so daß der Sprecher mehreremale ein halten mußte. Die Versammlung nahm von jeßt an einen sehr erregten Verlauf. Liebknecht nahm ebenfalls das Wort. Er wies nach, wie von unserer Seite Alles geschehen sei, um den Zwiespalt in der Arbeiterpartei zu beseitigen, wie aber Herr v. Schweißer und immer wieder Herr v. Schweizer jeden Einigungsversuch systematisch vereitelt habe. Ueber die Motive Schweißers wolle er nicht reden; jedenfalls habe der selbe durch sein Verhalten in der Militärfrage bewiesen, daß er kein Demokrat sei, und folglich könne er auch kein Sozial Demokrat sein. Man suche die Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins durch allerhand Lügen gegen die Volkspartei aufzuheßen, z. B. durch die verläumderische Be hauptung, fie arbeite für die depoffedirten Fürsten oder gar für Napoleon. Ferner benüße man gegen sie das Schlagwort Centralisation. Jeder Demokrat sei für Centralisation, es handle sich bloß um den größeren oder geringeren Grad. Db Deutschland, nach dem jeßigen Provisorium, ein sogenann ter Einheitsstaat, oder ein sogenannter Bundesstaat werde, hänge von dem mehr oder weniger revolutionären Charakter der kommenden Krise ab. Redner sprach dann des Längeren über das Thörichte des Personenfultus. Wer einen Mes sias braucht, der gehe ins Kloster, und wer absolut einem Führer" blind gehorchen will, der gehe unter die Soldaten. Der Befreiungskampf der Arbeit kann nicht von Maschinen gewonnen werden, sondern nur von selbstbewußten, selbstdenfenden Männern." Taute sprach im versöhnlichen Sinne. Es wies darauf Berantwortlicher Redacteur: W. Liebknecht. Redaktion: Braustraße 11. Anzeige. eriftir Ges vor Vor Deutscher Arbeiter- Bildungs- Verein in London ( Hr. ter wa ein Daß So fati den mir daf fich tag Dr als zu bil Be reit foa gele tun Am ber iche ftar auf ind Ari den erfi Ar die bef cire Charles- Hotel, 71 Dean Street, Soho Square. W. London. Leipzig.{ Druck und Verlag: 6. W. Vollrath. Expedition: Petersstraße 18. Hierzu eine Beilage nebst einer Ertra- Beilage. -11 11 11 r en age che ent. Delt ttt Den el Ite die en Die da 10 uf et Beilage zum Demokratischen Wochenblatt No. 5. Die Arbeiterbewegung in Wien. ( Fortseßung). Wien im Januar. Volk Desterreichs beschlossen, worin die sozial- demokratischen Grundsäße erläutert, das Ziel der Arbeiterbewegung dargelegt und die Arbeiter vor Spaltungen nach Nationalitäten gewarnt werden sollten. Das von diesem Comité redigirte Manifest wurde auf dem fünften Wiener Arbeitertage( 10. Mai) genehmigt. Die bemerkenswerthesten Stellen dieses Manifestes lauteten:„ Der Staat muß vollständig auf demokratischer Grundlage eingerichtet werden. Die Grundbedingung hierzu ist: die Einführung des allgemeinen direkten Wahlrechtes. Mit der Erlangung der politischen Freiheit muß auch die Emanzipation der arbeitenden Klassen von der Herrschaft des Kapitals angestrebt Nach den rastlosen Kämpfen, welche die junge Arbeiterpartei nach Außen zu bestehen hatte, folgten einige Momente der Ruhe und des Stillstands. Aber jetzt mußten, wie immer in solchen Fällen, innere Kämpfe zu Tage treten. Man sah blößlich Leute in der Bewegung auftauchen, denen es augen scheinlich nur darum zu thun war, ihren Namen recht oft in der Zeitung zu lesen. Es fehlte diefen Leuten wohl nicht an agitatorischem Talent, doch ging ihnen jede Bildung ab, die he die Dauer zu übernehmen. Es begann darum jenes widerliche Geſchrei gegen die Doktoren oder die sogenannten Nichtarbeiter, und die Seele dieser Schreier war der Nordbahnarbeiter Ertl. Ertl, der am meisten dazu beitrug, die Bewegung für furze hoffen. Die Wiener Arbeiter haben die Borurtheile der Reli Zeit denn eine Bewegung, welche erst um die Anerkennung ihrer Berechtigung fämpft, duldet nicht, daß persönliche Bestrebungen in den Bordergrund treten. In die Zeit der inneren Kämpfe fällt auch der Versuch der Gründung eines Parteiorgans durch J. B. von Hofstetten aus Berlin. Hofstetten hatte sich an werden. Die Bewohner der Provinzen sollen die Arbeiter Wiens in diesem Bestreben unterstüßen; denn nur als ein einiges, geschlossenes und wohlgegliedertes Heer kann das Bolk auf den Sieg der Freiheit und der Idee der Gleichberechtigung denn die Zeit der Nationalitäten- Absonderung ist vorüber und das Nationalitätsprinzip steht nur mehr auf der Tageordnung der Reaktionäre. Es handelt sich darum, das arbeitende, das produzirende Volf zu erlösen, indem es zur Gleichberechtigung in der Gesellschaft und im Staate emporsteigt." Es wurde die ihm als ehemalige Mitglieder des Allgem. Deutschen Arbei- beschlossen, dieses Manifest in alle Landessprachen Desterreichs tervereins bekannten Herren Oberwinder und Hartung gewandt und sie um Auskunft darüber gebeten, ob in Wien ein Arbeiterorgan eristiren könne. Es wurde ihm bedeutet, daß die Sache sehr schwierig für einen Ausländer sei, doch fönne ein gesinnungstüchtiges Blatt auf Abnehmer rechnen. Hofstetten wollte jedoch von den Wiener Arbeitern die Autori: sation( Ermächtigung) zur Gründung eines Blattes, und nachdem die Herren Oberwinder und Hartung ihre thätige Mitwirkung unter diesen Umständen verweigerten und erklärten, daß eine derartige Autorisation nicht erfolgen könne, wandte fich Hofstetten an Herrn Fischer. Dieser berief einen Arbeitertag ein, dessen Resultat der Beschluß war, die Gründung eines Organs der freien Conkurrenz zu überlassen. als der Versuch gemacht wurde, die Arbeiter in Nationalitäten zu spalten. Es wurde zur Gründung eines slavischen Arbeiterbildungsvereines in Wien für Sonntag den 29. März eine Bersammlung beim ,, Stadtgute" einberufen, in welcher die bereits entworfenen Statuten für einen Verein genehmigt werden r. follten, Ein frischeres Leben fam wieder in die Arbeiterbewegung, um durch ein zu wählendes Comité der Behörde vorgelegt zu werden. Allein diese Versammlung wurde wegen Am 3. April v. J. hatte der Ausschuß des Arbeiterbildungstumultuarischer Auftritte vom Polizei Commissar aufgelöst. zu übersetzen und unter die Arbeiterbevölkerung aller Kronländer zu vertheilen. Um das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Arbeitern zu heben, wurde ferner beschlossen, im Sommer v. J. ein Arbeiter- Verbrüderungs- Fest in Wien abzuhalten, und ein aus 20 Arbeitern aller Nationalitäten gewähltes Comité mit den Vorarbeiten für dieses Fest betraut. Auf demselben Arbeitertag wurde auch auf Antrag des Herrn Julius Brüs= haver eine Resolution angenommen, in welcher für sämmtliche Staatsbürger Desterreichs dus allgemeine und direkte Wahlrecht verlangt wurde, und der Beschluß gefaßt, diese Resolution durch eine Deputation zur Kenntniß des Ministeriums des Innern zu bringen. Herr Minister Giskra empfing auch die Deputation und nahm nach einer sehr erregten Unterredung die Resolution mit dem Bemerken an, daß das allgemeine direkte Wahlrecht in Desterreich undurchführbar sei. Bezüglich des Arbeiter- Verbrüderungs- Festes äußerte Herr Minister Giskra, daß dasselbe verboten werden würde, da man in Wien kein zweites Genf wolle. ( Fortsetzung folgt.) bereines mit den Führern des nun wirklich begründeten slavi- Die Schneiderei in London oder der Kampf des großen schen, Arbeitervereines eine Conferenz, und wurde eine Ver ständigung dahin erzielt, daß die letzteren versprachen, Alles aufzubieten, um eine Vereinigung beider Vereine zu erzielen, indem sie nur Gleichstellung mit den deutschen Mitgliedern des Arbeiterbildungsvereines verlangten, sich im Uebrigen aber mit den Brinzipien, welchen dieser Verein huldigt, einverstanden erklärten. Es wurde nun zur Besprechung dieser Fragen ein Arbeitertag für den 5. April 1868 ausgeschrieben, zu dem auch die Slaven ihr Erscheinen zusagten, und der wirklich an dem besagten Tage im Universum unter dem Vorfiße des Arbeiters Minder, eines 72 jährigen Greises, bei einer Theilnahme von circa 3000 Personen abgehalten wurde. Es wurde der Erlaß eines Manifestes an das arbeitende und des kleinen Kapitals. Von J. G. Eccarius. ( Fortseßung-) Betrachten wir nun diese beiden Zweige der Schneiderei, deren Produktionsweisen total verschieden sind, etwas näher. Die Produktionsweise des respektablen Schneidermeisters unterscheidet sich von der mittelalterlichen nur dadurch, daß der Konsument die Rohstoffe nicht mehr selbst kauft. Der kleinbürgerliche Schneidermeister muß noch heute wie ehedem auf die Bestellung eines Kunden warten, bevor er einen Anzug produziren kann. Daher beschränkt sich der Markt für seine Produkte auf die nächste Umgebung seines Etablissements. 56 Der Fabrikant produzirt seinen Anzug, bevor er sich nach einem den sehr unzufrieden sein, indem es ihnen höchst unbequem Ro Konsumenten umsicht. Wie jeder andere Fabrikant, läßt er wäre, jeden Augenblic einen andern mit ihren Muden und bie eine Quantität Waaren verfertigen und versendet sie im Großen Deformitäten bekannt zu machen. Der Fabrikant weiß ungemö nach denjenigen Märkten, wo er sie abzusehen glaubt. Sein fähr, wie viel er das Jahr hindurch abseßt. Er kann daher fo Markt beschränkt sich daher nicht auf die Stadt, nicht auf die alles auf's Genaueste einrichten. Seine Zuschneider brauchen Provinz, nicht auf das Land, in welchen die Waaren produ- feinen Augenblick müßig zu sein. Da ihm wenig darauf a zirt werden; sein Markt ist der Weltmarkt. Da der Markt kommt, ob die Sachen einen Tag früher oder später fert De des Schneidermeisters ein sehr beschränkter ist, muß er auch werden, indem er stets Vorrath hat, drückt er den Arbeitslohn seine Einkäufe im Kleinen machen. Er kann höchstens schwarzes noch unter das Minimum. Der Schneidermeister hat demna Tuch und einige andere gangbare Stoffe im Stück faufen. Bunte Zeuge machen eine Auswahl nöthig, und da er nicht seitigen Geschäftsbetriebs sind eben so verschieden als alle feinen einzigen Vortheil für sich. Die Beweggründe des beider vorausseßen kann, daß Alle, oder die Mehrzahl seiner Kunden Geschmack an einem und demselben Stoff finden, so darf er feine großen Quantitäten einkaufen. Er ist deßhalb an den übrigen Verhältnisse. Der kleinbürgerliche Schneider ist immer ein Mann, der selbst die Profession erlernt hat. Er schwingt fi daher vom Arbeiter zum Meister empor. In den meisten Kleinhändler gebunden; dazu kommt noch, daß er seinen Kun- Fällen fängt er mit wenig oder gar keinem Kapital an. Alle was ihm zu Gebote steht, sind einige Gönner, die ihm hier Kredit verschaffen. Er treibt daher sein Geschäft, um zunäch den kreditiren muß. Daher muß er in den meisten Fällen seine Waaren selbst auf Kredit nehmen, wodurch er sich unter feiner Bedingung vom Kleinhändler lossagen kann. Der Fas brikant fann vermittelst seines ausgebreiteten Marktes nicht allein alle Waaren im Stück, sondern selbst die Stücke in bedeutender Anzahl einkaufen. Er kann daher sein Rohmaterial direkt von der Fabrik beziehen, um so mehr, da er sein Produkt nur gegen baare Bezahlung verkauft. Da der Einkauf des Rohmaterials unter verschiedenen Verhältnissen stattfindet, so müssen auch die Produktionskosten verschieden sein. Das Geschäft des Großhändlers ist die Waaren aus der ersten Hand im Großen einzukaufen und dieselben in kleineren Quantitäten an die Kleinhändler wieder zu verkaufen. Dieser verkauft sie in noch fleineren Quantitäten an die Schneider. Während dieses Prozesses fallen eine Masse Auslagen und Arbeiten vor, welche die Waaren vertheuern und keinen andern Nußen haben, als daß sie die Produktion und Cirkulation hemmen. Der Großhändler muß nebst einem Waarenlager Träger und Commis halten, die durchaus weiter nichts zu thun haben, als die Waaren von einem Orte zum andern zu legen. Von hier werden sie zum Kleinhändler transportirt, wo dasselbe Spiel wieder von Neuem beginnt, nur mit dem Unterschied, daß es ellenweise, nicht wie beim Großhändler stückweise geht. Daher ist es auch um so viel kostspieliger, denn es macht eben so viel Arbeit, eine eizige Elle zu verkaufen und in die Bücher einzutragen wie beim Großhändler ein ganzes Stüd. Der Schnei dermeister muß diese Arbeiten, Miethen, Ertrazinsen und Profite in dem Preis seines Rohmaterials bezahlen. Der Fabrikant vermeidet diese unnöthigen Kosten ganz. Der kleine Schneidermeister muß aber auch für seine Arbeit mehr bezahlen, als sie nach den Gesetzen der Konkurrenz werth ist. Da die Bestellungen sehr unregelmäßig eingehen, muß er beständig eine größere Anzahl Leute im Hause haben, als er im Durchschnitt beschäftigen kann. Dieses erfordert wieder, daß er ein größeres Lokal als Werkstelle hält, als für die Größe seines Geschäfts nöthig ist. Es werden mehr Kohlen, mehr Gas verbrannt, denn das Ganze muß für die größtmögliche Anzahl eingerichtet sein, die vielleicht nur zwei Monate im Frühling beschäftigt wird. Da nun die Arbeiter, so schlecht auch immer ihr Lohn sein mag, von dem, was sie in der Werkstatt verdienen, leben müssen, muß der Lohn immer so gestellt sein, daß sie für die Zeit, welche sie müßig fißen, theilweise entschädigt werden. Die Kosten für Zuschneider und Ausläufer sind dieselben das sich und seine Familie zu ernähren. Außerdem will er aber auch für seine Kinder sorgen, d. h. er will Kapital erwerben Der Fabrikant treibt sein Geschäft nur, um sein Kapital beffer zu verwerthen, als es sich verwerthen würde, wenn er es nur Seine häuslichen Ausgaben sind reine Nebensache. Der kleine Meister will also erst Kapital aufbän fen. Deßhalb muß er hohe Zinsen und Profite nehmen. Fabrikant will nur das aufgehäufte Kapital verwerthen Det und ist mit dem durch die Konkurrenz bestimmten Zins und Profit zufrieden. Nehmen wir an, daß der Fabrikpreis einer gewiffen = 100 Pfd. Sterl. sei, so gestaltet fi Quantität Waaren der Verkaufspreis der Kleider ungefähr wie folgt: Kleinbürgerliche Schneiderei. Einkaufspreis des Großhändlers. Transport und andere Kosten Zins und Profit 10 Prozent Einkaufspreis des Kleinhändlers Transport und andere Kosten Zins und Profit 15 Prozent Einkaufspreis des Schneiders Arbeitslohn und andere zur Produktion gehörigen Kosten 60 Prozent Zins und Profit 30 Prozent Berkaufspreis. Einkaufspreis Pfd. St. Sh. 100 188 12 1828 P.) De De De De De Ra Ko t mi fe no fid fel n di 5 -10 10 115 10 £ 2 19 14/5 146 145 87 13 31225 I 70 773/125 303 108 195 . 5 Pfd. St. Sh. P. 100 shit 5 58 8 10% 25 32 13 981 315 196 2 Fabrikmäßige Schneiderei. Transport und andere Kosten Arbeitslohn und andere zur Produktion gehörigen Kosten Zins und Profit 20 Prozent Verkaufspreis. 7141/15 Wir sehen also, der Fabrikant kann dieselbe Quantität und Qualität um mehr als den dritten Theil wohlfeiler liefern als der Kleinbürger und dabei doppelten Zins und Profit machen. Die Theuerung ist aber nicht der einzige Nachtheil den die kleinbürgerliche Industrie hat, sie hat noch etwas im Gefolge, das überhaupt stockend auf den Berkehr einwirtt ganze Jahr hindurch wie in den zwei pressirtesten Frühlings- Nehmen wir an, daß die verschiedenen Transaktionen zwifchen monaten. Der Schneidermeister fann feinen fortschicken, wenn die gute Zeit vorüber ist, weil zuweilen doch Tage vorkommen, wo sie gebraucht werden, und wollte er sie je nach den Schwankungen des Geschäfts wechseln, so würden seine Kun*) Das Pfund Sterling = ling Penny). = 6 Thlr. 20 Gr. theilt sich in 20 Shil 10 Gr., und der Shilling hat 12 Pence( in der Einzahl D " nem Konsument und Produzent unter den günstigsten Verhältnissen, und die es in der bürgerlichen Gesellschaft geben kann, d. h. in 1g möglich kurzer Zeit und mit baarem Gelde abgemacht werden, ther so stellt sich Folgendes heraus: hen an rtig Kleinbürgerliche Der Großhändler braucht. oh Der Kleinhändler 10 tad Det Der Schneider Der Konsument. Schneiderei. Pfd. St. Sh. P. 105 57/25 138 11 alle 233 15 mer 303 18 108/ fid ften Lee, Der Fabrikant braucht Moderne Schneiderei. Pfd. St. Sh. P. jter 163 8 pal 196 359 2 11 5 chit Der Konsument 10 207 125 57 Regierung Etwas für die Auswanderung der Feiernden zu thun gedenke. Es wurde angeführt, daß früher in ähnlichen Fällen Geld bewilligt worden sei für Auswanderungslustige. Um zu beweisen, wie groß die Noth ist, wurde nachgewiesen, daß der in den Regierungswerkstellen ausbezahlte Arbeitslohn bis Ende Oktober monatlich 30,000 Pfd. St. betragen habe, während er im Monat November auf 20,000 Pfd. St. gefallen sei. Der Kriegsminister antwortete mit Nachdruck, daß weder Aussicht auf fünftige Arbeit, noch auf Unterstüßung auswanderungslustiger Arbeiter von Seiten der Regierung vorhanden sei, man beabsichtige im Gegentheil weitere Be schränkungen der Ausgaben.. Wie glücklich müssen sich die armen Schlucker von Woolwich schäßen, daß sie durch ihre Stimmen den großen NationalDefonomen Gladstone in den Stand gesetzt haben, seinen Blaz als Premier- Minister im Unterhause einzunehmen! Wie Die kleinbürgerliche Industrie muß mehr als das doppelte glücklich müssen sie sich schäßen, daß sie einen Vertreter im ParRapital in Cirkulation seßen, um dasselbe Produkt an den bet Konsumenten zu bringen. en Fer in Der ofit Fich Wir haben gesehen, wie die moderne große Industrie überall vernichtend auf das Kleinbürgerthum einwirkt. Es ist in der That weiter nichts als ein Rest der feudalen Gesellschaft und ist seiner sozialen Stellung nach durchaus reaktionär. Ge liegt in seinem Interesse, sich gegen jeden industriellen Fortschritt aufzulehnen, und wenn es fich für den politischen Fortschritt begeistert, so weiß es selbst nicht, was es thut*). ( Schluß folgt.) Aus England. London, den 22. Januar. Die so sehnlich erwartete Geschäftsprosperität läßt sich noch nirgends wittern. Wegen schlechten Geschäftsganges haben die Kohlenarbeiter von Yorkshire ihre neuliche Notiz auf eine Lohnerhöhung zurückgezogen, in anderen Distrikten ist der Arbeitslohn herabgefeßt worden. In Glasgow, in Schottland, lament haben, der fest entschlossen ist, die Staatsausgaben zu vermindern, aber mit der skrupulösesten Gewissenhaftigkeit" zu Werke gehen will, damit ja nicht einem überflüssig angestellten Civilbeamten ein Haar gekrümmt oder ein protestantischer Pfaffe in Irland durch die Abschaffung der Staatskirche um einen Heller benachtheiligt werde! Wir sehen, daß auch in England in Geldsachen die Gemüthlichkeit auf einem gewissen Punkte aufhört. Als es sich darum handelte, dem Arbeiter eine Stimme zu geben, damit er ein Ministerium Gladstone und Bright möglich mache, sagte Gladstone: die Arbeiterklasse ist von demselben Fleische und Blute als wir", aber wenn es sich darum handelt, die Staatsausgaben zu beschränken, da verfallen die Arbeiter dem Geseze der Zufuhr und Nachfrage", nicht aber die höheren Staatsbeamten und Pfaffen. Warum nicht die Bischöfe und Generäle dem ,, Geseße der Zufuhr und Nachfrage" unterwerfen? Die könnten doch, während sie in Arbeit sind, so viel ersparen", daß sie einige Jahre nachher leben könnten. Ein einziger Jahresgehalt eines irischen Bischofs würde hinreichen, 1000 überflüssig gewordene Arbeiterfamilien von Woolwich nach Amerika zu schaffen und lebenslänglich zu versorgen. Aber Herr Gladstone sichert den irischen Bischöfen, nachdem sie durch seine eigenen Maßregeln überflüssig geworden, ihren Gehalt und überläßt den bis dato noch nicht überdie Straßen reinigen und andere öffentliche Arbeiten verrichten, flüssig gewordenen Arbeitern von Woolwich die Sorge für die in Blackburn wollen die Baumwollen- Fabrikanten den Arbeitsdie Leinen- Fabrikanten während der nächsten drei Monate nur 50 Stunden statt 60 die Woche arbeiten zn lassen. In London wurden vor acht Tagen so viele Bauarbeiter entlassen, daß während der legten Woche zahlreiche Gruppen verschiedene Stadttheile durchzogen und das altbekannte Trauerlied jangen: ,, We've got no work to do." zu thun. Wir haben keine Arbeit Borigen Freitag hatte eine Deputation der UnterstüßungsGesellschaft von Woolwich eine Audienz beim Kriegsminister, deren Zweck war, die Regierung um Hülfe anzusprechen für die überflüssig gewordenen und zwingt sie durch die allgemeinen Steuergeseze noch obendrein, ihr Schärflein zu den Pensionen überflüssig gewordener Staatsbeamten beizutragen. Der General der abyssinischen Expedition, der die Ehre Englands vor einer Hand voll Barbaren rettete, wurde bei seiner Rückkehr mit Ehrenbezeugungen überhäuft und ist, wie die profelytenmacherischen Naseweise, welche den Krieg erzeugten, reichlich belohnt worden. Aber die armen Schneider, Schuhmacher, Sattler u. s. w., welche die Expedition ausstatteten, die haben keinen Antheil an der geretteten Ehre, sie sind nicht dasselbe Fleisch und Blut wie die Generäle, hinweg mit den Hallunken! Die großmüthige englische Nation konnte unter der Leitung der früheren liberalen Regierung Hunderttausende vergeuden, um dem todten Sterl. für die Hülfsbedürftigen gesammelt habe, und daß die zeigte an, daß die Gesellschaft eine Summe von 1700 Bfd. Prinz Albert ein Grabdenkmal zu ſeßen, sie kann heute unter erhalten, sich auf mehr als 800 belaufe. Er fragte bestimmt an, ob irgend welche Aussicht auf fünftige Arbeit sei, oder ob die Oder sollte es nicht instinktmäßig fühlen, das nur eine politischjoziale Umgestaltung ihm Rettung bringen, wenn auch nicht seinen Untergang als Klasse abwenden kann? Anm. d. Ned. der Leitung von Gladstone, Bright und Co. nicht einige Tausende gewähren, um tausend lebendige Familien, die eben so viel Antheil an der abyssinischen Expedition haben, als General Napier, der Verkümmerung und dem Hungertod zu ent. reißen! Und dennoch wundern sich die Londoner Philister, daß die Straßen unsicher sind. Der mohlhabende Philister, der seine Armensteuer, seine Polizeisteuer und alle übrigen Steuern regelmäßig bezahlt, verlangt wenigstens so viel Sicher heit, daß er an einem nebeligen November- oder DezemberAbend ausgehen kann, ohne seine funkelnde Kette und seine goldene Uhr zu Hause zu lassen. Dies ist aber nicht der Fall. Nichts ist gewöhnlicher in den Straßen von London, als daß ,, respektablen" Leuten ihre goldenen Uhren und Ketten gestohlen werden. Besonders merkwürdig ist, daß die Diebe eine besondere Vorliebe für die Uhren und Ketten der Pfaffen und Advokaten zu haben scheinen; dagegen laufen nie Klagen ein, daß Aerzte bestohlen werden. Ob die Thatsache, daß die Aerzte nur Uhren tragen, um die Zeit zu messen, während die Pfaffen und andere Drohnen sie nur zur Schau aushängen, etwas mit dieser Diebspraris zu thun hat, wage ich nicht zu entscheiden. Die Philister beschuldigen die Polizei der Nachlässigkeit und verlangen schärfere Maßregeln. Statt wie bisher zu warten, bis ein Dieb des Diebstahls überführt wor58 haben aber die„ langen Stunden" und die Nachtarbe an den übrigen Tagen, und in Privathäusern an all Tagen noch nicht aufgehört. Wo fein Kläger ist, fann fe Richter sein. Das Gesez von 1867, welches die Zehn Stunden Acte auf alle Geschäfte und Werkstellen ausdeh wo Weiber und Kinder beschäftigt werden, hat der Gesundheit polizei die gefeßliche Verfolgung der Uebertreter anheim gefte und die Verfolgung noch obendrein durch gefeßliche Hinde nisse erschwert. nisse erschwert. Bevor eine Klage eingeleitet werden kan muß der Kläger in der Werkstelle gewesen und Leute bein Arbeiten angetroffen haben. Bevor er in die Werkstelle dringen kann, muß er eine besondere gerichtliche Bollma haben, die nur für eine bestimmte Werkstelle gilt. Die ordent lichen Fabrikinspektoren fönnen Kraft ihres Amtes überad Gi tritt verlangen, aber im Londoner Bezirk giebt es keine cin den, ehe man ihn verurtheilt, verlangt man, daß die Polizei spektoren. So ist es gekommen, daß im Laufe des verfloss die Absicht zu stehlen entdecken, und daß die erwiesene Absicht eben so streng wie die That selbst bestraft werden soll. Eins ist gewiß, daß die wirklichen Diebe sehr selten die Sachen, die sie stehlen, an andere Leute verkaufen als an Solche, die mit gestohlenen Gütern Handel treiben. Stiehlt z. B. der Taschendieb von einem Würdenträger der Kirche eine goldne Uhr, die 50 Pfd. St. werth ist, so giebt ihm der Händler mit gestoh lenen Gütern höchstens 5 Pfd. St., dieser verkauft sie vielleicht für 20 Pfd. St. Die Londoner Philister verlangen also, daß Alle, die im Berdacht stehen, mit gestohlenen Gütern zu nen Jahres faum ein halbes Dußend vornehmer Puhmacherin nen wegen Verlegung des Gesetzes vor Gericht geladen bestraft worden sind. handeln, unter strenge polizeiliche Aufsicht gestellt werden; daß hat Herzog Ernst es vorgezogen, sich durch seinen Staate Jeder, der in Verdacht steht Dieb zu sein, ale strafwürdig behandelt werden soll, wenn er nicht nachweifen kann, daß er sein Brod auf ehrliche Weise verdient; und jeder Hauswirth soll bestraft werden, der Leute in seinem Hause hat, von denen er feine Beweise hat, daß sie sich redlich ernähren! Während eine Versammlung von Delegirten verschiedener Stadtbezirke in London eine Denkschrift an das Ministerium im obigen Sinne annahm, setzte der Minister des Innern dem Ganzen durch eine Rede in Schottland die Krone auf. Er erklärte, daß er entschlossen sei, dem Verbrechen Einhalt zu thun 1) dadurch, daß er ihm die Quelle verstopfe, 2) durch verschärfte Strafen. Aber die Urquelle der gemeinen Diebereien ist die Der Coburger Schlachten- und sonstige Ruhm. Anstatt abermals vor die Schranken des Gerichts zu geb Minister" Seebach auf dem sprichwörtlich geduldigen vertheidigen zu lassen, und zwar in einer Broschüre, betitelt Offenes Sendschreiben an den Archivrath Dr. Onno klop über die Ereignisse vor der Schlacht bei Langensalza." " Papie Uns ist die Broschüre noch nicht zu Gesicht gefommen Die„ Deutsche Volkszeitung" in Hannover sagt über dieselbe „ Durch diese Broschüre soll nachgewiesen werden, daß theils die Thatsachen, aus denen Dr. Onno Klopp sein Urtheil über Verhalten des Herzogs in seiner Broschüre: Rückblicke auf Preußische Annexion des Königreichs Hannover" bal dit gebilde Folge hat, nicht begründet, theils die aus denselben gemachten rungen nicht gerechtfertigt seien. Die Broschüre des Herrn Noth, und dieser abzuhelfen, fällt, wie wir bereits gesehen Seebach mag gegen Dr. Onno Klopp beweisen, was sie wolle: haben, dem Ministerium nicht ein. Die gemeinen Diebe stehlen jährlich 8,000,000 Bfd. St., wie viel stehlen die vor nehmen? Ein Mr. Peake sagte vor einigen Tagen vor dem an dem Urtheil über das Berhalten des Herzogs wird fie in der öffentlichen Meinung nichts mehr ändern. Dasselbe ist für alle Zeiten unabänderlich durch die eidlichen Aussagen zweier St. für seine Bankaftien bezahlt habe. Wie viele Taschen Rittmeisters v. d. Wense in den Schwurgerichtsverhandlungen Gerichtshof in der Gurney- Angelegenheit, daß er 84,000 Pfd. Ehrenmänner, des Herrn Obersten Dammers und des Herrn diebstähle macht das? Mr. Thomas Howard sagte, er sei gegen den Dr. Zander zu München festgestellt worden. Jeden " ein Gentleman", er treibe fein Geschäft; 1865 schuldete er Bankrut. Howard braucht keine Steine zu flopfen, um trocken weisen können, daß sie ihr Brod redlich verdienen, in's Geund den Howard's geschehen? Alexander Redgrave, der Ober- Fabrik- InspekVot die Unterhandlungen mit dem König von Hannover den falle hat der Herzog die Katastrophe von Langensalza, ob ab Gurney 331,000 Pfd. St., er konnte nicht bezahlen und machte sichtlich oder unabsichtlich, dadurch herbeigeführt, daß er dur Brod zu verdienen. Wenn verdächtige Leute, die nicht nach- marsch der hannoverschen Armee durch Eisenach aufgehalten fängniß geworfen werden sollen, was soll mit den Gurney's schüre, daß der Hauptmann v. Zielberg, weicher im hannover hat. Neu, wenigstens uns unbekannt, ist die Angabe der Bro schen Hauptquartier erschien, um die Unterhandlungen im Na men des Herzogs anzufnüpfen, von diesem dazu nicht beauf gemachte Angabe an Wahrscheinlichkeit, daß Herr von Zielberg Dadurch gewinnt die von anderer Seite schon in Göttingen gewesen, um die hannoversche Armee zu beobachten und diese auch zu demselben Zwecke weiter begleitet habe, bis er es für geeignet gehalten, fich als Unterhändler einzuführen. Wenn dem so ist, dann würde die ganze Sad lage im Zusammenhange mit der Angabe des Herrn von bach noch eine neue, eigenthümliche Beleuchtung gewinnen." Leipzig. tor für Großbritanien und Irland, hat vergangene Woche durch die öffentlichen Blätter bekannt gemacht, daß von jeßt an in allen Fabriken, Berkstellen, oder wo immer Weiber, Minderjährige und Kinder beschäftigt werden mögen, die Arbeit Sonnabends Nachmittags um 2 Uhr eingestellt werden muß. Die Baugewerfe hören regelmäßig Sonnabends um 2 Uhr auf, und die großen Geschäftshäuser sind schon seit längerer Zeit um dieselbe Stunde geschlossen worden. Damit Berantwortlicher Redacteur: W. Liebknecht. Redaktion: Braustraße 11. Druck und Verlag: G. W. Bollrath. Expedition: Petersstraße 18. See f ย t 1 6964 8 S h li rbe Le fei br bnt eit Stell Extrabeilage zum Demokratischen Wochenblatt, No. 5. it Die a Dit : Der ein cin act ent rin 199 Manifest A an die deutschen Buchbinder, Portefeuille- und Cartonagenarbeiter. Berufsgenossen? Mit dem Aufhören des Zunftwefens, das dem Arbeiter in der freien und vollen Verwerthung seiner Arbeitskräfte unübersteigliche Schranken, entgegenseßte, sind leider auch alle jene Institute gefallen. die dem Arbeiter Gelegenheit gaben, in Beiten der Arbeitsfähigkeit und des Verdienstes sich mit geringen Opfern insoweit zu versichern, daß ihm bei eintretender Krankheit oder Arbeitslosigkeit die Hülfe seiner Berufsgenossen zu Theil wurde, Ebenso ist jene innige Verbindung der Collegen gestört worden, mit der es in vergangenen Zeiten so oft möglich war, Angriffe auf die Rechte von Gewerksgenossen abzuwehren. War schon in früheren Zeiten die Einigung der Collegen insofern von außerordentlicher Bedeutung für die Betheiligten, als sie neben einem innigen geselligen Berkehr die Versicherung für die schlimmen Folgen der Wechselfälle im menschlichen Leben bot, so ist sie heut um so dringender erforderlich, als die sich immer mehr steigernde Einwirkung der Großproduction auf die Verhältnisse des Arbeiters, dem die Aussicht auf Selbstständigkeit mehr und mehr genommen wird, diesen zwingt, den Schutz vor dem Gefolge von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Erwerbsunfähigkeit, den er sich früher in der Selbstständigkeit begründen konnte, heut in der Bereinigung mit seinen Standesgenossen zu suchen. Wollen wir nicht ferner unsere wandernden Brüder zwingen, sich und den ganzen Stand im Bettel zu entehren, wollen wir nicht ferner unsere erkrankten und arbeitsunfähigen Genossen dem Verderben der Ürmuth Preis geben, so gilt es, die gestörte Vereinigung wieder herzustellen, ihr bessere, den Erfordernissen der Gegenwart entsprechende Formen zu geben, um in geschlossener Phalanx dem Drucke der gesellschaftlichen Mißverhältnisse erfolgreichen Widerstand entgegenseßen zu können. Um eine solche Vereinigung herbeizuführen, haben die am hiesigen Orte lebenden Berufsgenossen in einer am 24. d. M. abgehaltenen Versammlung beschlossen, die Gründung eines allgemeinen deutschen Buchbindervereins anzustreben und die Unterzeichneten mit der Erledigung der nöthigen Vorarbeiten betraut. Dem uns gewordenen Auftrage gemäß, laden wir nun alle deutschen Arbeiter des genannten Gewerks ein, diesem Bereine beizutreten, sowie den Gongreß, welcher während der Osterfeiertage hier tagen und über die Organisation des Vereins berathen und beschließen wird, durch Abgeordnete zu beschicken und uns Ihre Beitrittserklärung, sowie die Anmeldung Ihrer Abgeordneten baldigst zugehen zu lassen. Indem wir Ihnen einen Statuten- Entwurf behändigen, fügen wir hinzu, daß wir Ihnen damit keineswegs unsere Anschauungen aufoctroyiren wollen, sondern bitten Sie, bei anderer Meinung uns Ihre Anträge bis spätestens 14 Tage vor dem Congreß gefälligst unter der Adresse:„ Ernst Werner, Petersstraße 18" zu behändigen, damit wir solche der Tages. ordnung der Delegirtenversammlung rechtzeitig einfügen können. Betreffs des Anschlusses an einen der projectirten Gewerkschaftsverbände behalten wir die Entscheidung dem Beschlusse Congresses vor, gestatten uns aber, hinzuzufügen, daß wir einen solchen formellen Anschluß erst dann für gut halten, wenn unser zu gründender Verein sich innerlich befestigt hat. Brüder und Berufsgenossen! Was wir mit Obigem erstreben, ist eine Nothwendigkeit, die schon längst erkannt ist. Es gilt für die Arbeiter, sich zu organisiren. Ohne Organisation sind die Arbeiter Nichts, mit Organisation Alles. Drum wollen auch wir dazu beitragen, daß der Arbeit die ihr gebührende Stellung im gesellschaftlichen Leben eingeräumt werde. Lasset uns, frei von allem Parteihader, einander die Hand reichen zu gemeinsamem Wirken! Leipzig, den 30. Januar 1869. Das provisorische Comite des allgemeinen deutschen Buchbindervereins. Gotter, Jhde, Kunath, Minkwig, Schwanebeck, Werner. Alle Leser dieses Blattes ersuchen wir, Vorliegendes ihnen bekannten Buchbindern zur Einsicht vorzulegen. Collegen stellen wir Aufruf mit Statuten für 20 Ngr. per Hundert in größerer Anzahl zur Verfügung. Sagungen des allgemeinen deutschen Buchbinder- Vereins. Der Verein führt den Namen ,, Allgemeiner deutscher BuchbinderVerein" und hat seinen Siz vorläufig in Leipzig. §. 1. Zweck des Vereins ist die auf Gegenseitigkeit gegründete Unterstüßung in Fällen der Arbeitslosigkeit und Erwerbsunfähigkeit. §. 2. Die Unterstüßung besteht a) in Geldprämien und b) in unentgeltlichem Arbeitsnachweis. §. 3. Zur Mitgliedschaft sind berechtigt alle in Deutschland oder der Schweiz aufhältlichen, in Arbeit stehenden Buchbinder, Portefeuilleund Gartonagenarbeiter, wenn gegen deren Sittlichkeit nichts einzuwenden ist. Zur Mitgliedschaft berechtigt sind ebenfalls Kleinmeister, die nicht mehr als 4 Arbeiter beschäftigen. Solche Arbeiter des bezeichneten Gewerkes, welche wegen eines entehrenden Verbrechens bestraft worden sind, haben nachzuweisen, daß sie sich nach verbüßter Strafe ein Jahr lang untadelhaft aufgeführt. Es ist jedoch zu ihrer Aufnahme nöthig, daß sich die Mehrheit der Mitglieder am Orte der Aufnahme mit derselben einverstanden erklärt. §. 4. Antheil an den Rechten der Mitglieder erlangen die Eintretenden erst, nachdem sie ein Vierteljahr dem Vereine beigesteuert haben. Es ist durchaus nicht gestattet, fich die Mitgliedsrechte durch Vor- oder durch Nachzahlung der Steuerbeträge zu erwerben, vielmehr können dieselben nur dadurch erworben werden, daß die Eingetretenen 13 Wochen lang dem Vereine als steuernde Mitglieder angehören. §. 4. leidet jedoch auf Diejenigen keine Anwendung, die sich dem Bereine im ersten Bierteljahre seines Bestehens anschließen. §. 5. Beim Eintritt in den Verein ist ein Eintrittsgeld von 14 Thlr. zu zahlen. §. 6. Die laufende Steuer beträgt wöchentlich 2 Ngr. und monatlich pränumerando 2 Ngr. zu den Verwaltungskosten. Machen vermehrte Ausgaben eine Erböhung der Beiträge erforderlich, oder gestattet der Kassenbestand eine Verminderung derselben, so hat das Directorium, nach vorheriger Zustimmung des Ausschusses, hierüber zu beschließen. Jede Erhöhung oder Verminderung des Beitrages muß 14 Tage vor dem Zeitpunkte, mit welchem sie eintreten soll, allen Betheiligten be= kannt gemacht werden. §. 7. Der Mitgliedschaft wird verlustig, wer mehr als 6 Steuern restirt, und wer die Kasse in betrügerischer Weise benußt. Jm legteren Falle entscheidet das Directorium, resp. der Ausschuß. §. 8. Wer in irgend einem Amte sich ein die Vereinskasse schädigendes Vergehen zu Schulden kommen läßt, wird aus der Reihe der Mitglie= der gestrichen, kann aber nach Verlauf eines Jahres, falls er vollständigen Ersaz geleistet hat, und sonst gegen seine sittliche Führung nichts einzuwenden ist, in den Verein wieder aufgenommen werden, niemals jedoch darf eine solche Person wieder ein Amt im und für den Verein bekleiden §. 9. Militärs find während ihrer activen Dienstzeit von ihren Rechten, sowie von ihren Pflichten suspendirt. §. 10. Jedes Mitglied hat die Verpflichtung, der Krankenkasse seines Gewerbes am Aufenthaltsorte, widrigenfalls es alle Rechte an die Kaffe verliert. Ausnahmefälle kann der Bevollmächtigte resp. der Ausschuß ge= statten. §. 11, Jedes Mitglied hat das Stimmrecht in allen Angelegenheiten des Vereins, soweit dieselben nicht zu den besonderen Befugnissen des Vorstandes gehören, und ist zu jedem Amte wählbar.. 34 to Deg b ortes neral Abent fgaft teln S Dafig §. 12. Geldunterstüßung wird jedem Mitgliede, welches außer Arbeit getreten, vom ersten Tage der Arbeitslosigkeit an gewährt. Die Unterstüßung wird nicht gewährt: 1) sobald dem arbeitslosen Mitgliede sofortige annehmbare Arbeit nachgewiesen wird; 2) solchen Mitgliedern, die wegen unittlichen Betragens oder streitsüchtigen Cha rafters entlassen worden sind. Bei Streitigkeiten in solchen Fällen wird vom Directorium eine Commission zur Entscheidung ernannt. §. 13. In Fällen, wo über 10, oder sämmtliche Mitglieder eines Ortes ihre Beschäftigung verlieren, baben dieselben sofort, womöglich vorher, Anzeige an das Directorium zu machen, welches bestimmt, an welchem nächstgelegenen Orte zur Prüfung der Verhältnisse eine Commission zu wählen ist. = Die Unterstützung beträgt für den Tag/ Vereinsthaler Xr. rheinisch, wird täglich ausgezahlt und kann in außerordentlichen Fällen vom Ausschuß erhöht werden. §. 14. mind Dener eft C tie i Das teit we 52% Amts tung rifch lung Spau licher lichen Drta den felbe bered Mitglieder, die das Alter von 40 Jahren erreicht haben, find zum 50. Jahre steuerfrei. bis Vom 50. bis 55. Jahre erhalten dieselben eine Altersunterstübung von 1 Thlr. pr. Monat. Vom 55. bis 60. Jahre pr. Monat 3 Thlr. Vom 60. bis zum Tode 5 Tblr. pr. Monat. Mitglieder, welche bei Gründung der Kasse bereits in der Nähe dieses Alters angelangt sind, müssen noch 5 Jahre steuern. Ebenso erhalten solche Mitglieder, welche durch Unglück arbeits unfähig werden, wöchentlich 1½ Thlr. §. 15. Berechtigte Mitglieder, welche sich auf der Reise befinden, erhalten in allen Orten, wo sich ein Bevollmächtigter des Vereins befindet, Reisegeld. Die Reiseunterstüßung beträgt für jede in gerader Rich tung zurückgelegte Meile 2 Ngr., jedoch ist der Reisende verpflichtet, alle zehn Mellen mindestens einmal das Geschenk zu erheben; befin det sich auf der zurückgelegten Strecke kein Ort, welcher dem Vereine angehört, so werden dennoch unter allen Umständen uur bis zu fünf zehn Meilen vergütet, selbst wenn die Entfernung eine weitere ift. Wiederholt an einem Orte wird diese Unterſtüßung nur an Arbeitsus suchende, und nur, wenn enn ein Zeitraum von sechs Monaten seit der vorherigen Reiseunterstügung verflossen ist, gewährt. Im Fall der Reisende an einem Orte in Arbeit tritt, hat er doch das Reisegeld nicht zurückzugeben. §. 16. Dea beite Borb ther füllt nur betr mad Mit eins jow nid Sti Ber aus und fag Alle bin ang Ge terb Erkrankt ein auf Reisen befindliches Mitglied und wird dasselbe von der zuständigen Behörde verpflegt, so erhält es aus der Gasse des Bereins wöchentlich einen Drittel- Thaler Taschengeld. Ist dasselbe nach ärztlichen Zeugnissen transportfähig, so hat die Ortskasse unseres Vereins, wo es sich befindet, für Rechnung der Centralkasse auf sein Verlangen für seinen Transport in die Heimath zu sorgen. Stirbt ein auf der Reise befindliches Mitglied, so hat, wo die be treffende Ortsobrigkeit nicht für ein nach den gewöhnlichen Begriffen ehrenhaftes Begräbniß sofort Sorge trägt, die betreffende Ortskape unseres Vereins für ein einfaches Begräbniß verlagsweise zu Lasten der Gentralkasse zu sorgen. §. 17. Stirbt ein berechtigtes Mitglied, so erhalten dessen legitime Er ben 12 Thlr. Begräbnißgeld. Wenn bei der Aufnahme der Bevollmächtigte oder die Mitglieder Bedenken über den Gesundheitszustand des Aufzunehmenden haben, so hat der Betreffende ein ärztliches Zeugniß beizubringen, welches seine Gesundheit constatirt. §. 18. Alle Angelegenheiten des Vereins verwaltet ein Gesammtvorstand, bestehend aus einem Direktorium und einem Ausschuß. Das Direkto rium besteht aus dem Präsidenten, einem Hauptkassirer, einem Beifiger und deren Stellvertreter. Der Ausschuß besteht aus 11 Perfo Das Direktorium hat sein Domicil an dem Drte, wo der Berein seinen Siz bat, in welchem Orte auch der Haupt- Kassirer und Beis fizer, sowie die Stellvertreter des Directoriums durch eine General versammlung der daselbst befindlichen Vereinsmitglieder alljährlich neu nen. Unt Mi tigt Tech Bu gut wählen find. Die Wahl des Ausschusses ist durch die Mitglieder ortes, welcher dreijährig wechselt, innerhalb 14 Tagen nach dieser Gevon der Generalversammlung des Gesammtvereins ernannten Borneralversammlung vorzunehmen und am Tage nach der Wahl dem Prä- übergeben werden. Gelder von der Bank können nur vom Hauptkass denten zur Anzeige zu bringen, welcher die Ueberführung der Ge= häfte vom alten auf den neuen Ausschuß binnen 8 Tagen zu vermits teln hat. An dem Drte, wo das Directorium seinen Siz hat, find von den dafigen Mitgliedern aus ihrer Mitte drei Revisoren zu wählen, welche denen aber auch die Befugniß zusteht, diese Controle auszuüben, so mindestens vierteljährlich einmal das Directorium controliren müssen, eft es ihnen nöthig erscheint. Diese Revisoren haben gleiche Rechte, wie der vom Ausschuß gewählte Revisor. §. 19. Das Directorium ist die ausführende Gewalt. Jedoch ist zur Gültig, Obliegenheiten und Befugnisse der Verwaltung. teit bindender Verträge für den Verein die Unterschrift von mindestens wei Mitgliedern des Directoriums erforderlich. Zu den besonderen Amtsverrichtungen derselben gehören: a) für den Präsidenten: Bertretung des Vereins nach Innen und Außen, Correspondens, parlamenta tische Leitung aller Haupt- und Directorialversammlungen, Vermitte= lung des Arbeitsnachweises, Controle der Bevollmächtigten: b) für den Haupt- Kassirer: Führung der Hauptkasse, wozu Vollziebung aller ordent lichen, vom Präsidenten genehmigten Ausgaben, Abfassung vierteljähr= licher Rechnungsabschlüsse unter Beisein der von den Mitgliedern des Drts, wo der Siz des Vereins ist, gewählten Revisoren; und c) für den Beifizer: Unterstüßung des Präsidenten durch Beratbung mit dem felben, und Anwesenheit in allen Directorialfizungen, in denen er stimm berechtigt ist. §. 20. des Bereins. Als solche berathet und beschließt er in allen Angelegen= Der Ausschuß ist die berathende und beschließende Körperschaft beiten, soweit dieselben nicht ausschließlich den Hauptversammlungen dorbehalten find; er kann jederzeit einen Caffenrevisor ernennen, wel= cher das Recht hat, wenn ein Directorialmitglied seine Pflicht nicht er. füllt, dasselbe seines Amtes vorläufig zu entheben, und, jedoch ebenfalls betrauen, muß aber sofort Anklage und Vertheidigung an alle Bevollvorläufig, irgend ein anderes Vereinsmitglied mit dem Amte zu mächtigten senden, um durch die von denselben sofort einzuberufenden Mitgliederversammlungen die endgültige Entscheidung durch alle Vereinsmitglieder berbeizuführen. Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern, nur Soweit nicht solche Vereinsangelegenheiten betreffen und vom Directorium geschlichtet werden können. entscheidet der Ausschuß mit einfacher Stimmenmehrheit. Gegen einstimmig gefaßte Beschlüsse ist keine Berufung an die Hauptversammlung gestattet. Der Ausschuß wählt aus sich heraus einen Geschäftsführer, an welchen alle Anträge und Zuschriften für den Ausschuß zu richten sind und welcher die Erfagmänner beim Ausscheiden von Ausschußmitgliedern einzuberufen hat. Anträge, welche vom Directorium ausgeben, hat der Ausschuß Alle binnen 14 Tagen zu erledigen, widrigenfalls fie vom Directorium als angenommen betrachtet werden können. Alle andern Anträge hat der terbreiten. §. 21. sicheren Bank niederzulegen, für die Tageskaffe aber ein laufendes Conto zu eröffnen. Sobald die Tageskaffe 300 Thlr. erreicht, müssen sofort wieder 100 Thlr. zinsbar angelegt und der Bank zur Aufbewahrung firer im Beisein der am Orte gewählten Reviseren( fiehe§. 18) gekün digt und erhoben werden. Die Rechnungsabschlüsse sind im Vereinsorgan zu veröffentlichen. Der Haupt- Kassirer hat eine Kaution von 50 Thalern und zwar mit 25 Thalern baar und mit 25 Thalern, die durch monatliche Gehaltsabzüge allmählich aufgebracht werden, oder eine sichere Bürgschaft im gleichen Werthe zu hinterlegen. Die Einsammlung der Mitgliederbeiträge und die Auszahlung der Unterstüßungen zu ermöglichen, ist überall da, wo sich mindestens 10 Mitglieder befinden, von denselben aus ihrer Mitte ein Bevollmächtigter des Directoriums, vermittelst des allgemeinen directen Stimmrechts, zu wählen und dem Präsiden anzuzeigen. §. 22. Der Orts- Bevollmächtigte hat für die Wahl eines Orts- Kassirers zu forgen. §. 23. §. 24. Das Vermögen des Vereins ist während seines Bestehens untheilbar. Ausscheidende Mitglieder haben keinen Anspruch an das Vereinsvermögen. Die Auflösung des Vereins kann nur dann erfolgen, wenn die Hälfte der Mitgliederzahl dafür ist oder zu dem Vermögen des Vereins der Concurs eröffnet wird, in welchem Falle der Präsident eine Hauptversammlung einzuberufen hat; diese wählt eine Commission, die von da ab die Angelegenheit zum Austrage bringt. guten, sichern zinsbaren Actien eder Staatspapieren an- und in einer Sicherstellung der Kasse. Das Vermögen des Vereins ist in §. 25. Die regelmäßige Hauptversammlung findet alle drei Jahre in der Zeit von Anfang Juli bis Ende September statt. Zu ihren be= sonderen Befugnissen gehören: a) Prüfung, beziehentlich Bestätigung der Rechnungsberichte; b) Wahl des Präsidenten, c) Bestimmung der Beamtengehalte und des Vororts. Außerordentliche Hauptversammlungen können vom Präsiden ten, jedoch nur in Uebereinstimmung mit der Mehrheit des Ausschusses, jederzeit einberufen werden; er muß sie aber einberufen auf einstim migen Antrag des Ausschusses, sowie auf Antrag vom sechsten Theile sämmtlicher Vereinsmitglieder. §. 26. Die Hauptversammlungen können an jedem beliebigen Orte inners balb Deutschlands und der Schweiz abgehalten werden. Die Bestimmung des Ortes ist Sache des Präsidenten in Uebereinstimmung mit der Mehrheit des Ausschusses. §. 27. Jede Hauptversammlung muß mindestens 8 Wochen vor dem Tage, an dem sie stattfinden soll, mit Angabe des Grundes im Vereine durch das Vereinsorgan bekannt gemacht werden. §. 28. Anträge, welche auf die Tagesordnung kommen sollen, müssen bis 14 Tage vor jeder Hauptversammlung beim Directorium eingereicht werden. §. 29. Die Sagungen des Vereins können in jeder Hauptversammlung abgeändert werden; der darauf zielende Antrag muß jedoch bis spätestens 14 Tage nach erfolgter erster Bekanntmachung der Hauptver sammlung schriftlich dem Präsidenten zur Veröffentlichung übergeben werden. §. 30. Gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung, zu deren Fassung die einfache Stimmenmehrheit hinreicht, ist nicht zu protestiren. §. 31. Der Präsident wird auf drei Jahre, die übrigen Mitglieder des Directoriums und deren Stellvertreter, sowie der Ausschuß, werden auf ein Jahr gewählt. §. 32. Alle Beamten, sofern sie nicht wegen Pflichtverlegung ihres Amtes enthoben worden sind, können wieder gewählt werden. Druck von C. W. Vollrath in Leipzig. ■ .■ » ' .