Ur. 6B. Abannemtnts■ f rtfnpngt«: Abonnement«-Pret« pränumerando: «ierleljährl. 3�0 Mb. monatl. l.loM.. wöchentlich SS Psg. frei tn» Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag«- Nummer mit tlluftrirter Sonntag»- Beilage»Die Neu- Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen tn der Post-Zettung«- Preisliste für 1SS7 unter Sr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterretch- Ungarn 2 Mari, für da« übrige Butland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Di« InstrNlMW-GtWIHr betrügt für die sechigespaltene Kolvnel- zetle oder deren Raum 40 Pfg.. für Verein«- und versammlungS-Bnzetge», sowie ArbettSmarit 20 Pfg. Inserat« für die nächste Nummer müssen dt« t Uhr nachmittag« tn der Srpedttion abgegeben werdeti. Die Srpedttion ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi» g Uhr vormittag« geöffnet. Erschein! täglich auhcr Moniaga. Devlinev VolklsdlÄkk. Fernsprecher:»in! I,»r. IVOS. Delegramm-Adreffe: ,,»»,«ald»m»krai»erlw". Dentralorgan der sozialdemokratiMen Partei Deutschlands. Jledaktion: 8V. 19. ZZeuty-Straße 2. Spedition: 8V. 19. Mettty-Straße 3. Dev EifenbÄhnerZkreik in Vev Schineiz. Vor einem Jahre tvaren die sehr ernsthaften Differenzen, die zinischen den schiveizerische» Eiseitbahn-Gesellschafte» und ihren Personalen schwebten, ans einer Konferenz von Vertretern beider iparleien, beigelegt worden, wodurch der Gefahr eines Streiks vor- gebeugt war. Mit Ausnahme der Nordostbahn haben alle Bahnen die Abmachungen eingehalten. Die Nordostbah», die gerade die be- deulendste Bahn der Schweiz ist. kehrte sich jedoch fo wenig an die Ab- inachltnaen. daß sie kauni einDrittel dessen einhielt, ivozuste vertragsmäßig verpflichtet war. Di« Vertreter der schweizerischen Eisenbahner- Organisation beschloffen nun in diesem Jahre, der Vertragsbrüchigen Verwaltung der Nordostbahn auf den Leib zu rücken, indem aus einer Delegirtenkonferenz zu Zürich beschlossen wurde, der Verwaltung am I. März eine Eingabe zu überreichen, ivori» folgendes gefordert iverden sollte: 1. Unveränderte Annahme des Anstellungsvertrages. wie er am LS. Febrnar 1896 von der Konferenz in Bern festgestellt wurde. 2. Aufbefferung des gesannnten Personals um eine Gehallsstnie. der Lokomotivführer. Heizer, Zugführer, Kondukteurs um zwei, ebenso der Angestellten, die seit zwanzig Jahren im Dienste der Nordostbah» stehe», um drei Gehaltsstufen mit Wirkung ans 1. Januar 18S6 zurück. S. Die Einreihnng in die Stufen soll unter billiger Be- rücksichtigung des Dienstalters und unter Aufrundung, wo es nöthig ist, in loyaler Weise geschehen— ebenso die Einreihung in die Klaffen. 4. DaS Gehaltsschema der schweizerischen Zentralbahn soll als Richtschnur dienen. S. Die Arbeiter sollen in beziig aus Lohnzahlung analog den Angestellten behandelt iverden. 6. Wegen Theil nähme an der Lohnbewegung soll leine Maßregelung irgend welcher Art stattfinden dürfen. Diese Eingabe wurde dann der Verwaltung mit dem Bemerken übersandt, daß der Präsident des schweizerischen Eisenbahner-Ver- bandes, Mosimann-Zordi und der Verbands- Sekretär Dr. E o u r b e ck bereit seien, mit der Direktion der Nordostbahn vor dem staatlichen Eisenbahn-Departeinent in Bern zu verhandeln, und daß man bis 10. März Antwort verlange. Der auS 60 Mitgliedern bestehende Berivaltnngsrath der Nord ostbahn— unter welchen Mitgliedern sich 20 Vertreter vom Bund und von den Kantonen befinden— verhandelte auf Anregung der letzteren über die Eingabe und beschloß die Einsetzung einer sieben gliedrigen Kommission, der u. a. die Sozialpoliliker Nationalrath E u r t i, Regierungsrath Z o ch e r, Statistiker Kollbruuner angehürten und welche die Aufgabe hatte, die Angelegenheit zu prüfen und einer noch im Monat März abzuhaltenden Verwaltungs. raths-Eitzung Bericht und Anträge zu unterbreiten. Den Werk- stättenarbeitern wurde auf I. Juli Lohnerhöhung und die Einsetzung einer Arbeiterkommission, sowie der halbe Lohn während des Militärdienstes bewilligt. Unter Berufung auf die schwebenden Arbeiten dieser Kommission gab nun die Verwaltung der Nordostbahn am 10. März auf die Forderungen der Eingabe eine ablehnende Antwort. Bundes- rath Z e m p, dem als Vertreter des Bahndepartemeuts diese Nach- richt von der Nordostbahn-Verwaltung gemacht wurde, veraulaßte darauf das Zentralkomitee der schweizerischen Eisenbahn-Angestelltcu, noch einen Versuch zur sofortigen Einigung zu machen, die die An- gestellten verlangten. Dies geschah durch eine Konferenz beider Theile. die am 11. März in Zürich tagte, aber ebenfalls ergebnißlos blieb. Wie schon erwähnt, hatte die Nordostbahn den Werkstätten- arbeitern einige Aufbefferungen bewilligt, vermuthlich um diese Arbeiter von den übrigen Angestellten zu trennen. Von Erfolg ist das aber nicht gewesen. In der Mitternacht des 11. März wurde auf sämmtlichen Linien der Nordostbahn seitens der Angestellten der Betrieb eingestellt. Die Wirkung war außerordentlich. Nachdem sich auch die An- gestellten der übrigen schweizer Bahnen mit den Streikenden solidarisch erklärt hatten, indem sie keine Züge der Nordoftbahn beförderten, war die Ostschweiz von dem Verkehr sowohl mit der Westschweiz und Frankreich wie mit dem deutschen und öfter- reichischen Verkehr vollständig abgeschlossen. Die damit für die ganze Schweiz verbundenen Kalamitäten waren sogroß, daß, einem Gerücht zufolge, der Bundesrath den militärischen Betrieb der Nordostbah» anordnen wollte. Dazu kam es jedoch nicht. Die Direktion der Nordostbahn be- willigte den Streikenden sämmtliche nialerielle Forderungen, versprach niemand zu maßregeln, verstand sich zur Abänderung des Dieustvertrags und erklärte weiter, sich betreffs der endgiltigen Regelung dem Schiedsspruch« des Bundesraths Z e m p, als dem Vertreter des staatliche» Eisenbahu-Departemenls, unterwerfen zu wollen. Die Streikenden stimmten bem zu, mir der Bedingung, daß der durch den Ausstand verursachte Schaden nicht dem Verbände der Eisenbahn- Angestellten auferlegt werden dürfe. Der Verwaltungsrath der Nordostbahn hat diesen Abmachungen ebenfalls zugestimmt und dann die Kommission aufgelöst, die von ihm seinerzeit wegen der Eingabe der Angestellten niedergesetzt worden war. aber ihre Arbeiten noch nicht beendet hat. Seit Sonntag ist der Betrieb auf der Nordostbahn wieder auf- genommen. Buudesrath Zemp hat inzwischen seinen Schiedsspruch schon gefällt. Derselbe lautet, nach Angabe des Wolff'schen Bureaus C L Das Anftellungsverhältniß und die Gehälter des Personals der Nordostbahn sind in Uebereinstimmnng mit dem Anstellungs- vertrag und der Gehaltsordnung sowie der bezüglichen Einführungs- >,nd Vollziehungsbestiminungen der Schweizerischen Zentralbah» z» nrdnen soweit nicht die zur Zeit bei der NordostbaKn bestehende» Normen für das Personal günstiger sind. Auch für die Lohn- v-rbältnisse der Tagelohnarbeiler sollen die Normen der Schweize- riicben Zentralbah" zu gründe gelegt werden. 2 U sind mit den. Personal neue Anstellungsverträge auf dieser Grundlage abzuschließen mit dem Datum vom 1- Januar 1897 und mit Rückwirkung der darin vorgesehenen Lohnerhöhungen auf b" 3! i�benufauf die zu stellende Kaution ist dem Personal die Wahl zwischen Baarkantion und Bürgschafts-Genossenschaft zu lassen. 4. Die Direktion der Nor'-ostbahn„t verpflichtet, die Klasst- fizirung der Stationen einer Revision zu unterziehen. 5. W'zen dieser Lohn- und Auöstandsbewegiing darf die DueUion der Nordostbah» g-g«»über dem Dienstperfoiial weder Entlassung noch irgend welche Maßregelungen eintreten lassen. Auch sind zioilrechlliche Ansprüche gegenüber dem Personal wie auch gegenüber dem Zentralkomilee des Eisenbahner- Verbandes sowie gegenüber dem Verbände selbst ausgeschlossen. Neberdics wird die bestimmte Erwartung ausgesprochen, daß die Direktion der Nordost- bahn durch angemessene Behandliiiig des Personals und das Per- sonal durch newisseiihasle Pflichtersülliing ihr möglichstes beitragen werden zur Herstellung des im beiderseitigen Interesse liegenden guten Einvernehmens. 6. Die Parteien werden eingeladen, sich bis zum nächsten 1. Mai über die AiisteNungsoerträge und die Gehallsfestsetzung zu ver- ständigen. 7. Sollten sich bei der Vollziehung des gegenwärtigen Schieds- spruches Differenzen ergeben, über welche die Parteien sich nicht zu einigen vermögen, so sind dieselbe» dem Schiedsrichter zur Prüfung und zur Entscheidung vorzulegen. 8. Auf weitere Zlusprüche des Personals wird nicht eingegangen. 9. Der Schiedsspruch wird beiden Parteien schriftlich zugestellt Diesen schnellen und in Wahrheit wirklich großen Sieg haben die Angestellten der Nordostbahn wohl vor allem dem Umstände zu danken, daß es sich um einen Kampf gegen eine Vertrags- brüchige Gesellschaft bandelte, deren Auftreten selbst von dem der schweizerischen Negierung iiaheftehendeu Organe, dem Berner „Bund", mißbilligt wurde. Die Streikenden hatten also die Sympathie» des Publikums nicht nur. sondern sicher auch die der Behörden für sich. Durch musterhaftes Verhalten— es ist, wie ans den schweizer Zeitungen zu ersehen, auch nicht die geringste Ungebühr vorgekommen— erhielten sich die Streikenden diese Sympathien und so war es der Regierung möglich, die Partei der Unternehmer nicht ergreifen zu müssen. Etwas enttäuscht hat zwar— so schreibt man uns aus der Schweiz— die Haltung des Bnndesrathcs in Bern, da er die Er- Wartung, er werde eingreifen u»d, um den Streik zu verhindern, den Betrieb auf Rechming der Nordostbahn fortführen, wozu sich ihm das Personal zur Verfügung stellte, nicht erfüllt hat. Welche Gründe ihn zu einer anderen Haltung bestimmten, wird man wohl erfahren. Vielleicht wollte er im Hinblick auf die angestrebte Eisen- bahn-Verstaatlichung dem ganzen Schweizervolke ad demonstrandum vor Augen führen, wohin der Privatbetrieb der Eisenbahnen mit seinen ausbeutungswüthigen und divi dendenhungrigen Aktionären, denen alle öffeutlichen Jiteresse» gleichgillig sind, führt. Dadurch erhielte der Streik auch eine Höhire politische Bedeutung. Im übrigen werden solche Siege nicht erfochten ohne langjährig« gute Organisation. Der schweize- rische Eisenbahner- Verband ist eine solche Orgaiiifaiion. Wären die Angestellten der Nordostbahn nicht gut organisirt. hält« die Bahnverivalluiig also nicht miß einer geschulten Masse zu rechnen gehabt, so würde sie sich mindestens nicht zn so großen Zugeständ- nissen herbeigelassen haben, als es der Fall gewesen ist. ZtaliUfiho Mcbev�rrht. Berlin, 15. März 1897. Ter Reichstag erledigte heute in einer knapp ein- stündigen, sehr schlecht besuchten Sitzung debattclos den Gesetz- entivurf, betreffend Berivendung überschüssiger Reichseinnahmen aus dem Etatsjahre 1897/98 zur Schuldentilgung. Hierauf wurden unter vollster Thcilnahmslosigkeit Petitionen be- handelt.— Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte heute den Etat der Eiscnbahnverwallung in zweiter Lesung. Prinzipielle Fragen wurden kaum noch erörtert, es wurden vielmehr von fast allen Rednern nur lokale Wünsche über neue Bahnhofsanlagen, Schaffiing neiier Linien u. deWl. vorgetragen. Erwähiienswerth ist höchstens die Beschwerde des Abg. Eckels(natl.) darüber, daß der Staat die Interessenten zn den Beitragskosten für neue Hallestellen heranzieht, statt sich mit einer Garantie zn begnügen. Der Minister Thielen erwiderte, daß dies Prinzip bereits von seinen AmtSvorgängern be- folgt sei, und daß er dasselbe durchaus gerechtfertigt finde. MU einer bloßen Garantie der Gemeinden könne der Staat nichts an« fangen, während umgekehrt der Staat bereits oft für Gemeinden Garantien übernommen habe. Morgen beginnt die Berathung des Etats des Handels- Ministeriums.— Ter Staatssekretär HoNmann hat sein Entlassungs- gesuch eingereicht. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" führt diesen Schritt auf die Beschlüsse der Budgetkominission zurück. Wir glauben nicht an diese parlamentarischen Be- denken des Herrn Hollmann. Wahrscheinlicher scheint uns, daß die Ursache der Demission Differenzen zwischen Hohenlohe, Posadowsky und Hollmann sind. Es wird behauptet, daß im Bundesrathe noch größere Abstriche gemacht wurden wie im Reichstag und daß dies die eigentliche Ursache des Rücktritts des Staatssekretärs ist. Eine Entscheidung über das Ent- laffungsgesuch soll nicht beeilt werden.— Die„Köln. Ztg." schreibt zum Entlassungsgefuch des Staatssekretärs Hollmaun: Zunächst werde es sich fragen, welche Stellung Fürst Hohenlohe zur Zuspitzung dieser bereits seit einiger Zeil schleichenden Krists nehme; es sei klar, daß bei der Annahme des Gesuches die Aussichten der Marine für die bisherigen Be- willigungen sehr gemindert würden. Es würden schwere Stnnden sein, die dieser ungeivöhnliche für unsere konstilntionellen Verhältnisse bedenkliche Schritt für den Reichskanzler zur Folge habe» werde. Fürst Hohenlohe sei durch ihn in eine offenbare Zwangslage gekommen, die eine rasche, gründliche Nustlärung erheische; jedenfalls sei eine vorübergehende Verkleisterung des jetzt eingetretenen Risses noch schlimmer; sie würde nur einen Blinden täuschen und die Be- fürchtungen für die nächste Zukunft verstärken. Eine rasche Klärung erscheine unbedingt geboten. Wege« der Justizgreuel in Spanicu hatte die n o r- in e o i f ch«'Arbeiterpartei ans den lO. März in C h r i st i a n i a eine Volksversammlung einberufen. Dieselbe war B sehr zahlreich besucht und beschloß einstimmig folgende Resolution. mit dem Bemerken, daß sie auch in unserem Blatt veröffentlicht werden solle: Eine Versamniluiig norwegischer Männer und Frauen, die Kenntniß genommen haben von den Grausamkeiten spanischer Be- Hörden gegen Menschen, die unter dem Verdacht verhaftet worden sind, Urheber der Bombenexplosion in Barcelona gewesen zu sein, protestirt im Namen der Menschlichkeit und der Zivilisation gegen jede Rechtspflege, die den Gefangenen durch Martern Geständnisse abzuzwingen sucht. Die Bersammlung ist empört über die barbarischen. scheußlichen Mißhandlungen, denen die in Rede stehenden Gefangenen niiterworfe» worden sind, und erklärt jeder Opposition gegen ein solches Rechtssystem ihre wärmste Sympathie und Unterstützung.— Revolution und Gesetzlichkeit. Die englische Schwindel- niitersnchnng wegen des Jameson'schen Ranbansalls ins Trans- v a a l hat zu einigen interessanten Zwischenfällen geführt. Nachdem Herr Nhodcs schon vor mehreren Wochen den Zug Jameson's mit dem in England populären Einfall der Griechen in Kreta verglichen hatte, verstieg ein Spießgeselle deS Herrn Rhode-, Sir Graham Bower, ein englischer R e g i e r n n g s k o m m i s s a r sich dazu, den Einfall Jameson's mit dem Zug Wilhelm's von Ornnieu nach England zu vergleichen. Das hat nun in dem offiziellen England ein solches Entsetzen erregt, daß der unvorsichtige Bower mit schweren Boriviirfeii überhäuft und die Nichterwähnung de£ Jncidents im Protokoll von der Kommission beschlossen worden ist. Jener Zug Wilhelm's ist nämlich der Anfang des heutigen konstitntionelleii Englands. Er bildete vor 200 Jahren den Schluß- akt der Kampfe mit den Stuart-Köiiigen Karl II. und Jakob II., und war der Sieg der sogeiianiiten„großen Revolution", die man hinieiinach zn einer ganz konstitutionellen Handlung zurecht- gelogen hat. Der Vergleich Bower's ist durchaus zutreffend. Alle Regierungen der Well beruhen auf revolutionärer Gewaltthat, die Regierungen wollen jedoch Iilchl gerne daran eriiinerl sein. Der Zivischensall wird zur Folge haben, daß die Untersiichungskoinmiision von nun an den Schein etwas besser bewahren wird als bisher. Schwindel und Possenspiel bleibt aber die ganze Untersuchung.— Griechenland hat noch immer Ruhe vor den Groß- mächten, die sich durch die Setzung einer sechstägigen Frist rundlich blamirt haben. Gerüchte gehen, daß morgen die iokade beginnen soll. Glauben werden wir erst daran, wenn die Blokade stattgefunden haben wird. Ans K a n e a wird der„Kölnischen Zeitung" von gesteril telegraphirt:. Der Kaimakam von Selino Hnffein Bei Janitscharaki Min gab heme im Auftrage der iiiohamedanischen Bevölkerung in Selino folgende Erklärung ob: Wir begrüßen die freudige Nachricht einer beoorsteheiiden Besetzung der Insel durch die europäischen Truppen und hoffen, daß diese Truppenmacht stark gonug bemessen werden wird, uns wieder in unseren Besitz einzusetzen und darin zu sichern. Nur wenn die künstige Verwaltung der Insel unter dauernder, wirklich ausgeübter Aufsicht Europas steht, ist uns Ruhe und Ordnung verbürgt. Bei einem Abzug der europäischen Truppen ist unser ferneres Verweilen ans der Insel unmöglich. Das„Berliner Tageblatt" veröffentlicht auf Wunsch des griechischen Gesandten in Berlin folgendes Telegramm des griechischen Ministers des Aeußern: Athen, 13. März 1897. Griechische Gesandtschaft in Berlin. Nach einer Depesche des Wolff'schen Bureaus hat dort das Gerücht, daß die Denlschen in Athen mißhandelt worden seien, eine lebhaft« Erregung hervorgerufen. Ich bitte Sie, dieser Meldung das sormellste und kategorischste Dementi zu geben, einer Meldung, die augenscheinlich von Uebelwollenden in Um- lauf gesetzt worden ist. Das griechische Volk ist von jeher dafür bekannt, die weiteste Gastfreundschaft zn gewähren und gegenüber seinen ausländischen Gästen die ritterlichsten Gesinnungen zu be- thäligen. S k r u z 6 S. »« Deutsches Reich. — Keine Reichstagsauflösung. Der mit den höheren Reichsstelle» Beziehungen pflegende„Hamb. Korr." läßt sich ans Berlin schreiben: „Im Zusammenhange mit den letzten parlamentarischen Bor- gängen, welche sich an die Ueberraschung de« Reichstages durch die Marine- Denkschrift des Staatssekretärs des Reichs- Marine- Amts reihten, ist auch die Frage mehrfach ausgeworfen, ob es den leitenden Kreisen der Reichsverwaltung eventuell rathsam erscheinen dürfte, z» einer Auflösung des Reichs» t a g e s zn schreiten. Dazu wird uns aus gut unterrichteten frei- konservativen Kreisen geschrieben, daß die verantwortlichen Stellen im Reiche allerdings schon lange im Zweifel darüber sind, ob es nicht schließlich doch besser gewesen wäre, statt dl« längeren fünfjährigen Legislaturperioden, wie sie jetzt ge» setzlich sind, einznführe». es bei dem früheren Status (drei Jahre) zu belassen. Ans den Gedanken aber, von dem Rechte der Auflösung des Reichstages im gegenwärtigen Augenblicke Gebrauch zu machen, ist man an keiner sich ihrer Verantwortlichkeit bewußten Stelle der Leitung der Reichsgeschäft« gekommen." Sehr interessant ist das Eingeständniß, daß sich die fünfjährigen Legislaturperioden nicht bewährt haben. Niemand hat sie ent» schiedener bekämpft, als die sozialdemokratische Fraktion.—' — Der Schluß der Reichstags-Session vor Psingste» ist nicht zu erwarten. Dies wird heute in offiziöser Forin in der„Nordd. Allg. Ztg." bestätigt. Das Blatt schreibt: „In der Presse findet sich die Nachricht, daß im Reich die Beralhiiug der B e s o l d u n g s- B o r l a g e bis zum Herb«: zurückgestellt werden soll. An maßgebender Stelle ist hiervon nichts bekannl, vielmehr dürften die verbündeten Regierungen im Jnteress« der betheiligten Offiziere und Beamten auf baldige Verabschiedung der Besoldnngs-Borlage den größten Werth legen."— — Im V e r e i n s p r o z e ß A n e r u. G e n. hat der Staat?» anwalt Revision beim Reichsgericht eingelegt.— Kiel» 14. März.(Eig. Ber.) Zum Bau der K r n p v- scheu Werft in Kiel. Schon in Nr. 17 meldete der„Vor» wärt»«, daß seit Uebernahme der Germauia-Werft in Kiel durch den Essener Kanonen- und Slahlköiiig zu ganz bedeutenden Veränderungen geschritten würde. Der Nusbau scheint nun noch größere Dimensionen anzunehmen. In der vergangene» Woche war der Geheime Finanz- rath Jähnke, der eigentlich« Leiter des Essener Werkes, hier, um in Gemeinschaft mit der hiesigen Werftleitung die angrenzenden und sonstige zum Ankauf geeignete und in betrachl kom- wende Ländereien der Werft in Gaardeu einer Besichtigung zu unterziehen. In einer der letzten Gemeindesitzungen von Gaarden theilte nun der Gemeindevorsteher»üt, daß die Vergrößerung der Werft iu solchem Nmsange erstrebt würde, daß ein Stamm von 4000 Arbeitern dauernd beschäftigt werden könnte und daß er den Vertretern empfehle, doch bei den Besitzern der in betrachl kommenden Grundstücke dahin zu wirken, nicht zu hohe Preise zu fordern, damit die Werft nicht wegen Platzmangels einzelne Werk- statten nach umliegenden Gemeinden verlege. Diese Annahme ist nicht so ilnbegrnndet, da auch bei Mönkeberg, mehr nach der Außenförde des Kieler Hafens zu, die Werst»in umfangreiches Terrain besitzt, das schon früher für die Anlag« einer Kesselschmiede in Aussicht genomme» winde. Wenn man bedenkt, daß ein Stamm von 4000 Arbeitern beschäftigt werden soll, kann man sich einen Begriff machen, in welch' kolossaler Weise die Werft ausgebaut werden soll. Nachdem im letzten Winter durch umfang- reiche Bohrversuche die Bodenverhältnisse festgestellt worden sind, soll nunmehr zu den eigentlichen Bnuarbeilen übergegangen werde». Außer dem Bau der einzelne» Werkstartsgebäude und der ca. 300 Meter langen CUiai-MaiiSr, soll späterhin auch noch der Bau eines große» Halligs in Angriff genommen werden, damit auch der Bau der größte» Kriegsschiffe keine Schwierigkeit macht. Die Bauarbeiten sollen in solchem Maße beschleuitigt werden, daß schon im nächsten Jahre die Werft den vollen Betrieb aufnehme» kann. Ist dieses der Fall, dann wird Krupp im stände sei», in eigenen Werkstätten ein Kriegsschiff mit voller Ausrüstung und Ar- mirung fertigzustellen. Es ist auffällig, daß gerade die Fertig- ftellung der Werft mit dem Zeitpunkt zusammenfällt, wo die jetzig geforderten Kriegsschiffe nach erfolgter Bewilli- gung würden in Bau gegebe» werden können und da liegt denn auch die Annahme nahe, daß Krupp schon„unter der Hand" von diese» Marineforderunge» erfahren und dadurch zur Uebernahme der Germania-Werst veranlaßt wurde. Krupp wird im stände sei», mit Hilfe seiner immense» Hifsmittel und seiner eigenen Rohmaterialien einer jede» Konkurrenz die Spitze zu bieten oder sie zu übertreffen und da wird er auch den größten Vortheil wieder von der geforderten Vermehrung der Kriegsschiffe haben. So zeigt sich auch hier wieder, daß die ungezählten Millionen, zum aller- größten Theil von de» Arme» und Aermsten im Volke aufgebracht, die in schwimmenden Särgen verpulvert werden sollen, in den Geld- sack der Reichen und Reichste» im Volke fließen. Kassel, 13. März.(Eig. Ber.) Im Dezember vorigen Jahres wurde in Dennhausen bei Kassel ein Bürgerverein ins Leben gerufen, Statuten dein Bürgermeister eingereicht, aber ohne die gesetzlich vorgeschriebene Beschemigung(§ 2 des Vcreinsgesetzes) wieder zurückgegeben. Jetzt wanderten die Statuten»ach dem Land- rathsamt, kamen aber auch von dort mit folgendem Begleitschreiben ohne Bescheinigung zurück: Antwort aus die Eingabe vom IS.'Jannar 1897. Die Statuten Ihres Bürgervereins erhalten Sie anbei mit dem Bemerken ziirück, daß dieselbe» weder von mir noch vom Bürgermeister einer Prüfung und Bestätigung bedürfen. Der Verein geht die Behörde nichts an. Sie können so viele Vereine gründen, als Sie wollen, thäten aber besser, Geld und Zeit anders anzuwende», als sür solch« höchst überflüssigen Dinge. Der Landrath. v. Dörnberg. Der erste Theil der Antwort ist ganz richtig, der zweite zeigt. daß der Herr Landrath sich bester in die Rolle eines patriarchalische» Bureaukraten aus der Zeit des stockschwingenden Friedrich Wilhelm I., als in die Zeit des Ausganges des 19. Jahrhunderts zu finden versteht. Das Nichtertheilen der Bescheinigung ändert an dem recht- mäßigen Bestände des Vereines nichts, wenn der Ortspolizeibehörde die Etatute» eingereicht wurden.— — Württembergischer Landtag. Der„demokratische" Landtag zeigte sich am Freitag, an welchem Tage mit der Einzel- berathung des Etats begonnen wurde, in seinem ganzen monarchischen Lichte. Die Kapitel 1 und 2, welche die Z i v i l l i st e und die Apanagen behandelten, wurden d e b a t t e l o S genehmigt, trotzdem die Ztvilliste gegen das Vorjahr, infolge Erhöhung der Naturalpreise, eine um 7324 M. höhere Summe aufwies. Die Sonnabend- Sitzung war der Generaldebatte über das Justizdepartemeut gewidmet; doch wurde dieselbe an diesem Tage trotz dreitägiger gegenseitiger Aussprache nicht beendet, so daß dieselbe am Dienstag fortgesetzt wird. Der Berichterstatter Hauß- man«(Bp.) drückt seine Befriedigung über den Abschluß des Bürgerlichen Gesetzbuches aus und hofft, daß die AusführungS- Gesetzgebung zu», Wohle des württembergischen Volkes beitragen möge. Redner berührt hieraus eine Anzahl von Einzeilheiten, dabei seine Ansicht kundgebend; er frägt u. a., wie es mit der Erlassung einer zeitgemäße» Gesinde-Ordnnng stehe, wünscht Bei- beHaltung der freiwilligen Gerichtsbarkeit und ver- langt, daß das Grundbuch in den Gemeinden belassen werde. Er bedauert das Scheitern der Jnstizgesetznovelle im Reichs- tag und verspricht, einen Antrag zu stellen, die württembergische Regierung zu ersuchen, im Bundesrath neuerdings für eine gesetzliche Regelung und Entschädigung unschuldig Verurtheilter einzutreten. Für die Besetzung der Strafkammern wünsche er drei gelehrte Richter und zwei Schöffen, für die Strafsenate fünf gelehrte Richter. Nach ihm sprechen der Deutschparteiler Sachs und von Geß, ihnen folgt der Zentrums- Abgeordnete i» e m b o l d. Letzterer Redner bringt«in« Petition zur Sprache, di« bei dem Hause eingegangen ist. bezüglich Verhaftung wegen Ungebühr vor einen, Schöffengericht. Redner führt ans. daß es zwar eine gesetzliche Bestimmung sei, wonach wegen Ungebühr vor Gericht eine Freiheitsstrafe oder Geld- strafe verhängt werden kann und erster« sofort vollziehbar ist, eS sei dies aber bei jungen temperamentvollen Richtern eine bedenkliche Sache, es solle daher nur in den nolhwendigsten Fällen von dieser Bestimmung Gebrauch gemacht werden, denn jedes Schimpfen vorm Amt sei nicht sofort als Ungebühr zu betrachten. Mit den Ausführungen Haußmann's, betreffend Berufung in Strafsachen, Entschädigung unschuldig Verurtheilter«., er- klärt sich Redner einverstanden, denn aus feiner Thätigkeit alS Richter wisse er daS Laien« lement in der Rechtsprechung zu schätzen. Justiznnnister v. Breitling führt aus, daß in de» nächsten Jahren die württembergische Justizverwaltung infolge der Einführung des Bürgerliche» Gesetzbuches unter dem Zeichen der Einsührungsgesetz« stehe, doch könne er jetzt noch keine klare» Ausführungen geben mit Rücksicht aus den derzeitigen Stand der Reichsgesetzgebimg. Eine stebengliedrige Kommission von Ministerialbeamten. Mitglieder» höherer Gerichte und ein Rechtsanwalt befaffen sich unter Vorsitz des Profeffors v. Mandry mit diesen Angelegenheiten, dieselbe habe auch schon den Entwurf einer Geflnde-Ordnung aufgestellt; auch könne er jetzt schon bemerken, daß die wllrltembergische Justizverwaltung bereits in die Erwägung eingetreten sei, ob es nicht möglich sei, von der Landesgesetzgebung aus den Grundsatz zur Geltung zu bringen, daß unschuldig V»rurthe»lten Entschädigung vom Staate zu leisten sei. Der fromme Zentrumsmann Kiene dankt de», Minister für sein« Ausführungen und kann nicht »inhin, sein«„Menschenfreundlichkeit" dadurch zu dokumentiren, daß er bedauert, daß durch de» Gnadenerlaß anläßlich des ReichSjubilämus unwürdige Personen, wie Bettler m>d Stromer der königlichen Gnade thellhaftig wurden. Mit fron, mein Augenverdrehen erzählt er, wie dies« Kategorien gleich nach ihrer Eilllassiing wieder gebettelt haben und deshalb wieder eingeliefert wurden.(Hätten diese„Unwürdigen" das Einkommen deS Herrn LandgerichtSrathS Kiene, sie würden sicher nicht bettet».) Der Abg. Hauß mann führte denn auch Herrn Kiene gründlich ab und meinte, daß man sich dem Mitleid mit diesen Personen nicht verschließen könne. Justizminister von Breitling erklärt am Schlüsse der Sitzung noch, daß die württem- bergische Regierung der Einführung der Berufung stets sympathisch gegenüber gestanden habe, und wenn diese Frage die Reichsgesetzgebimg wieder beschäftigen werde, so werde auch dort die wiirtleinbergische Regierung ihren Standpunkt vertreten.— Ans Colmar i. Elf. wird der„Frankfurter Zeitung" be- richtet: Gestern Nachmittag hielt die elsaß-lothringische Volksparlei eine Versammlung ab, in der Rechtsanwalt Blnnienthal in ein» stündiger Rede über die jüngsten Ereignisse in Elsaß-Lothringen sprach. Redner kritisirt« unter lebhaftem Beifall insbesondere die letzte Statthallerrede über die Presse und forderte die Abschaffung der Diktatur- Ausnahmegesetze und Einsührung der direkten Wahl zum Landesausschusse.— Oesterreich. Wien, 14. März.(Eig. Ber.) Am heutigen Tage sind bis auf zwei Stichwahlen in Prag und Graz, über deren Ausgang sich wenig vorhersagen läßt, die allgemeine» Wahlen in Oeslerreich zu Ende. Die Sozialdemokratie hat" bisher 13 Mandate erobert, acht davon beim erste» Wahlgang, fünf in der Stichwahl. Die indu- striellen Bezirke Böhmens sind unser, die Jndnstriebezirke Schlesiens und Mährens sind durch Sozialiste» vertreten, die Hauptstädte Gali- ziens haben sozialistisch gewählt. Gerade in den letzteren sind es nicht blos unsere Anhänger, die für n»s gewählt haben; alle Armen und Elenden gaben ihre Stimmen den Sozialisten als flammenden Protest gegen die Vergewaltigung ver Szlachta. Um so bitterer muß es empfunden werden, wenn die Hauptstadt Oesterreichs keinen Sozia- listen zum Vertreter hat. Ueber die Wiener Wahlen einige Worte. Wir gingen mit großen Hoffnungen in den Wahlkampf. Sozial- Politiker, Demokraten, Liberale versprachen»ns ihre Unterstützung; aus Bourgeoiskreisen konnten wir also auf annähernd 20 000 Stimmen rechne». Thatsächlich haben nur die Liberale» und diese erst in letzter Stunde Kandidaten aufgestellt, für dieselben aber fast gar keine Agitation entfallet. Die Sozialpolitiker sahen von jeder Kandidatur ab; sie erklärten,»ns die Verlegenheit einer Stichwahl ersparen zu wollen. Hie Sozialdemokrat, hie Christlich-Sozialer rcsp. Bourgeois? Man las auch thatsächlich auf manchen Plakaten keine andere Empfehlung des Kandidaten, als daß er Gegner der Sozialdemokratie sei. Ueberhaiipt hatten die Christlich- Sozialen als Wahl-Parole die Bekämpfung der Sozialdemokratie in der gewöhnlichen verleumderischen Forn,. Zluch hoffte» wir viel Zuzug von Lehrern und Beamten zu erhalten, die von den Christlich-Sozialen trotz der kurzen Zeit ihrer Herrschaft schon zahlreiche Fußtritte erhalten haben. In letzter Linie rechneten wir auf unsere eigene Kraft. Und das Resultat? Von 216 809 abgegebenen Stimmen erhielten wir 83 330, die Christlich-Sozialen 117 102, um fast 30 000 mehr. Selbst die ärgsten Pessimisten, welche nur ans ein einziges Mandat in Wien rechneten, wurden durch dieses Resultat niedergedrückt; dazu kam noch die Hiobspost, daß auch Pernerstorfer, dessen Bezirk als sicher galt, mit fast 2000 Stimmen i» der Minorität geblieben war. Wir hatten noch weniger Grund, uns für geschlagen zu hallen, alS wir vorher für unseren Optinismus keinen Anlaß hatten. Betrachten wir das Wahlresultat und»nsere Chancen genauer, so erscheint es nns eher in. Lichte eines Sieges. Für nns ist ja Sieg nicht mit Mandat- gewinn gleich bedeutend. Darauf, daß die Christlich-Sozialen die Herrschaft in Wien haben und sie zu ihre» gunste» benützei, werde», will ich kein Gewicht lege»; ebensowenig auf die zahlreich vorgekommenen Wahl- schwindeleien. Unsere Chancen waren aber schon durch das Gesetz selbst verringert. Nicht alle, wie z. B. in Deutschland, sind wähl- berechtigt, sondern die Wahlberechtigung hängt von eine», sechs- monatliche» Aufenthalte ab. Zahlreichen industriellen Arbeitern ist aus diese Art daS Wahlrecht genommen, ein Stiinmverlust für unsere Partei, von dem die Gegner fast gar nicht betroffen sind. Dazu noch die Wahlzeit, der Monat März, wo die Arbeitslosigkeit in Wien erst geringer zu werden beginnt. Aus diesem Grunde hätten wir bei einer Wahl, die im Herbste stattgefunden hätte, bedeutend an Stimmen gewonnen. Auch von der Gemeinde Unterstützte sind nicht wahlberechtigt; als Unterstützung gilt eventuell sogar die Belheilignng der Kinder mit Lehrmitteln. Welche Partei dadurch am härtesten getroffen wird, ist klar. Wenn man gering schätzen will, so entsprechen aus diesen Gründen die 83 000 Wiener Wähler mindestens 100000 Wählern in Berlin. Wir wissen ferner, daß unsere Anhänger sich aus den industriellen Arbeitern in erster Linie rekrntiren; dar»», durften wir in den industriellen Bezirken Böhmens und in Brünn aus Mandate rechnen. Wien»st aber keine Industriestadt wie Reichenberg oder Berlin. Sie hat zum theil in den nenangegliedcrten Bezirken reine Land- bevölkerung. zum anderen Theile ist sie Handels- und Beamten- stadt, in höherem Maße alS Berlin. Dazu kommt noch der Einfluß des Klerus. Wo wir in Wie» die Jndustriebevölkerung stark vertreten haben, da siegten wir. Wir erhielten z. B. in Favoriten von 15 823 Stimme» 9120, in Ottakring von 19 401 Stimnien II 095; ja selbst in Margarethe», der Stammburg de? Abgötze» Lueger, brachte es derselbe»nr auf 3002 Stimmen gegen 7567 sozialistische Stimmen. Thatsächlich sind also die Sozialisten auch in Wien die Vertreter der industriellen Arbeiter. Di« Wahlkrcis-Geometrie bewirkte aber, daß die industriellen Arbeiter kein Uebergewicht erlangen konnten. 9l», günstigsten stand es»och anscheinend im 5. Wahlkreise, wo Ottakring die meisten Wähler hat, und zu dem auch Hernals zählt. Aber zu», Hernalser Bezirke gehören die rein ländlichen(rein anti- semitischen) Ortschafte» Dornbach und Neuwaldegg; zum 5. Wahl- kreise gehören serner die stark oder überwiegend ländlichen Wiener Bezirke 13 und 19. Farorite» wieder,»» hat zwar 19 000 Wähler, denen aber 6000 aus de», theilweise ländlichen Simmering, II 500 aus dem Ireicheu Wiedner Bezirke und 23 500 auS dem stark kleingewerblichen, antisemitisch durchseuchten 3. Bezirke gegenüberstehen. I» der Leopoldstadt iiiit ibrcn 30 000 Wählern. ihren vielen Juden, ihrer großen Proletarierbevölkerung, wäre wohl eher eine Niederlage der Christlich-Sozialen möglich gewesen;«S wurde ihr aber die City WienS angegliedert, die auch hier für den Christlich-Sozialen auSschlaggeyend war. Die Wahlkreise waren also so eingerichtet, daß di« Sozialisten nur schwer durchdringen konnten. Dazu kamen noch andere ganz bekannte Dinge. ES war unser erster Wahlkampf, während die Gegner die ganze Wahlmache sehr gut kannten. Und sie benütztcn nicht blos ihre Kennt- nisse, sonder» kämpften mit Lügen. Verdächtigungen und Verleumdungen. Es war ein Jrrthum. zu glauben, daß wir viele Nichtsozialisten mit unseren Prinzipien im Wahl- kämpfe vertraut gemacht haben. Nach wie vor herrscht über unsere Idee» die krasseste Unwissenheit. Diese zu beseitigen ist die Aufgabe der nächsten Propaganda; von einem Erfolge der Wirksam- keit unserer Sozialpolitiker in dieser Beziehung war blutwenig zu merken. Ferner ist die Wiener Bewegung noch lange nicht so alt, wie die Brünner; lang« Zeit wurden unsere Kräfte im Brttderkampse aufgebraucht. Wie in Deutschland sich Berlin zu Sachsen, so verhält sich in Oesterreich Wien zu Nord- böhme» und Brünn. Wir stehen in Wien erst am Anfang«»nd »och lange nicht in der Mitte unserer Agitation. Wir können höchstens auf zehn Jahre unserer Thätigkeit zurückblicken; sind da 90 000 Stimmen nicht ein Riesenersolg, wie ihn Berlin nicht besser halte? Wir haben also recht««habt, auf unsere Kraft stolz zu sein, wenn wir sie auch etwas überschätzt haben. Ein Hauptrechenfehler wäre es gewesen, wenn wir anf di« Zn- sicherungen der Liberalen:c. vertraut hätte. Falsch ist die An- „ahme, dab wir ihnen vielleicht 20 000 Stimmen zu verdanke» haben. Daß wir von ihnen Stimmen haben, ist sicher, aber so viele sind es nicht. In der inneren Stadt erhielt der Christlich-Koziale 8983, wir 2446 Stimmen. Wir erhielten also nicht einmal so viel Stimmen, als bei der letzten Landtags- Wahl vor einigen Monaten Liberale und Sozialpolitiker zusammen; der Zuwach» der christlich- sozialen Stimmen betrug dagegen mehr als der Zuwachs an Wählern überhaupt. Es beweist dies, daß wir also nicht genügend von den Liberalen und Sozialpolitiker» unterstützt wurde», daß dagegen viele derselben für den Antisemiten stimmten. Und das darf kein Wunder nehmen. ES handelte sich un, reine Klaffenwahle», bei denen wir ja selten auf Unterstützung aus Bourgeoiskreisen rechnen dürscn. Wir können rubig annehmen, daß viele tausende Stimmen von Liberalen für die Antisemiten in die Urne geworfen wurden. Hätten die Liberalen:c. für eigene Kandidaten eifrig agitirt, so wäre die Stimmenzahl der Antisemiten bedeutend geringer. Bei der letzten Landtagswahl erhielten die Antisemiten 40 000 Stimmen; bei den demnächst statlfiiidenden Reichstagswahlen ans der Städtekurie, der 4. Kurie, werden sie wohl 50 000—60 000 Stimmen erhalten. Ihr Zuwachs betrug also bei de» allgemeine» Wahlen, bei denen alle Wähler der 4. Kurie, also die oben erwähnten 59—60 000, auch niitstiminten, nur 50 000—60 000, wovon zahlreiche Stimmen für sie eigentlich von Gegnern abgegeben wurden. Ihre Anhängerschaft unter den Proletariern ist also geringer als die der Sozialisten. Sich als einzige VolkSpartei anfzuspieleii, habenZjsie daher kein Recht. Vielleicht wäre es viel besser gewesen, wenn wir auch in Wien Mandate erlangt hätten; der Nutzen derselben wurde aber von unserer Partei nie allzuhoch veranschlagt. Wir könne» sie in den, Bewußtsein verschmerze», daß wir keine Niederlage erlitten habe». daß wir auf unsere Ersolge ganz stolz sei» können. Und unsere Erfolge sind derart, daß wir bei den nächsten Wahlen auf das Wiener Neustädter Mandat und auf die mehrerer Wiener Wahlkreise sicher rechnen können.— — Die Folge eines unserer Siege. Kaplan Vroza in Blansko bei Brünn gerieth über den Sieg des sozialdeniokralischeu Kandidaten Hydesch bei der Stichwahl im Briinner Wahlkreis iu so starke Aufregung, daß er in Tobsucht verfiel und»ach Brünn n die Landes-Jrrenanstalt gebracht werden mußte. Der Kaplan vcrsi.l auf der Fahrt dorthin abermals in Tobsucht, so daß er gefesselt werden mußte.— Ltinberg. 15. März. Die Eskortirung einer zweiten Gruppe verhafteter Bauern aus Dawidow hat abermals ernste Ruhestörungen hervorgernfe». Die Husareneskorte wurde mit Steinwürfen ein- pfange» und mußte sich den Weg mit der Waffe bahne». Hierbei wurden zwei Personen aus der Volksmenge und ein Polizist verletzt. Es wurden drei Verhaftungen vorgenommen. Die Dawidow« Gerichttkommisflon wurde auf dem Wege»ach Leinberg über- fallen, wobei sich die Angreifer der Gerichlsakten zu bemächtigen suchten.— — Eine großartige, in würdigster Form ver- lausende Demonstratio» fand a», letzten Sonntag vor dem Grabe der Märzgefallenen statt. In deutscher, czechischer, ungarischer und italienischer Sprache wurden Ansprachen gehalten. Gegen 100 Kränze wurden niedergelegt. Viele lausende Arbeiter defllirten vor dem Denkmal.— Schweiz. Bern, 15. März. Eine Anzahl radikaler Weftschweizer stellt im Naiioualrath den Antrag, den Bundesrath um Vorlegung eines Gesetzentwurfes über die Errichtung einer schweizerische» National- ba»k zu ersuche». Die Bank soll beschränkte Haftbarkeit und eigene juristische Persönlichkeit habe». Das Kapital der Bank, die ihren Sitz in Bern erhalten soll, soll vom Bunde, den Kantonen und den Kantonalbanken aufgebracht werden.— — In Basel-Stadt nahm daS Parlament den von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf über die Bersicherung gegen 'Arbeitslosigkeit an. Paris, 13. März.(E,g. Ber.) Tie proletarische Forderung der Abschaffung der privaten ArbeitsnachweiS-A»- stalten ist in Frankreich so alt wie diese Anstalten selbst. In ihrer, gegenwärtiaen Form bestehen sie seit 1852, da ein Dekret deS Dezemberhslde», Napoleons III., zun, Zwecke der polizetlichiii Ueber» machung des Proletariat? sie wieder ins Leben rief, eine der wenigen Errungenschaften des Proletariats ivährend der Februar- Revolution vernichteud. Auf jedem politischen und gewerkschafl- lichen Slrbeilerkongreß wird immer und immer wieder die Ab- schaffung der Anstalten verlangt, die jährlich die Pariser Arbeiter allein um mehr als 7 Millionen Franks plündern. In den siebziger Jahren wurde in Paris eine„Liga für Abschaffung der privaten ArbeitsuachweiSbureaus" gegründet, deren stürmische Agitation die Errichtung der Pariser Aroe»lsbörse herbeigeführt hat. Der unentgeltliche ArbeitSnachiveis der in den Arbeitsbörsen vereinigten Gewerkschaften, sowie der Gemeindebehörden kann sich aber neben den polizeilich genehmigten AusbeuterbureauS nur kümmerlich entwickeln. Die Nnternehmer ziehen«S selbstverständlich vor, sich in diesen Bureaus mit Arbeitskräften zu versorgen. In der Kammer wird die ArbeitSnachweiSfrag« bereits seit acht Jahren kommissarisch„behandelt". Die Legislatur von 1839—1893 verging, ohne den fertigen KommissionSentwurf be- treffend Abschaffung der privaten Bureaus einer Berathung ,m Plenum unterzogen zu habe». So mußte die gegenwärtige Kammer wieder von vorne anfangen. Nach 3>/s Jahren feit dem Zusammen- tritt dieser Kammer gelang eZ endlich den Sozialisten, die Frage auf die Tagesordnung setzen zu lassen. Und das Resultat'i Nach drei Sitzungen, in denen die Sozialiste», der radikale Borsitzende der ArveitSkommission und sogar der monarchistische Berichterstatter der Arbeilskommissio», Georges Berry, allseitig und gründlich daS Unwesen der betrügen- sche» Anstalten aufgedeckt hatten, vereitelte gestern der Handels- minister das Zustandekommen der Refor», durch die urplötzliche Er- klärung, er bezw. der Minister deS Innen, iverde einen Regierungö- eutwurf einbringe». Obwohl der Minister eS nicht gewagt hatte. die Bureaux offen in Schutz z» nehmen, ist e? klar, daß sein Eni- wurf nur ein heuchlerisches Flickiverk biete» wird. AnderenfallZ hätte er sich dem KommissionSentwurf anschließen müssen, welcher die Abschaffung der Bureaux binnen fünf Jahren und ohne Ent- schädigniig verlangt. So arbeitet das Kabine! Mcline mit Hilfe einer arbeilerfiindlichen Kammermehrheil auch sür die verächtlichen Ans. beuter. die selbst von dem monarchistischen Abgeordneten Georges Berry' als„Parasiten" bezeichnet wurden. Wie eS überhaupt mit der sozialresormerischen Thätigkeit der Kammer bestellt ist, erhellt aus der Thatsach«, daß in den zwei betreffenden Kommissionen bereits über sechzig Gesetzentwürfe sich angehäuft haben, darunter ein paar Dutzend zur sofortigen Be- rathung fertige»nd die Novelle zn», Frauen- und Kinderschuy-Gesetz von 1892, deren Berathung im Plenum infolge deS böse» Willens der Regierung und ihrer Mehrheit seit dem vorjährige» So»,,»« unterbrochen bleibt.— Ein zweiter Panama-Prozeß steht nun unvermeidlich bevor. Was von Arton'S Enthüllungen in die Presse ge- drungen ist, beruht in der Hauptsache anf zuverlässigen Mit- theiluiigen. Für die Ehrlichkeit des Untersuchungsrichters L c Poittevin bürgt der Umstand, daß er vom radikalen Jnsti)' inimster Ricard ernannt worden war. Und er hat bereits ein« Probe einer Ehrlichkeit abgelegt, indem er sich der Bücher ver Panama-Gcscll- chaft bemächtigte, welche von de», Vextuschcr der ersten Panaina- Intersuchnng Franqueville vorsichtig nicht angerührt worden waren. Bisher nahm man auf grund der ersten Untersuchung an. Ar ton hätte insgesanunt 1200 000 Franks B-stechungsgelder auZgetheilt. Der wirkliche Betrag ist, wie die beschlagnahmten Dokiiinente Arton's Aussagen«Härten,„m eine volle Million höh«. Die Zahl der korrupten Parlamentarier wird entsprechend 4t, ge». Und auch die„blcm-livus", d. h. die Parlamentarier, welche in ocr ersten Untersuchung„mangels an Beweisen" gerettet wurde», werde» von neuem verfolgt werden können, da ganz neues BclastnugS» Material vorliegt. Zu den„dsov-lions" gehöre» u. a. Rouvier »nd Jules Roche, ehemalige opportiniistische Minist«.— Die pananiistisch-kapitalistische Presse ist seit der neuesten fmalen Wcn- dung der Untersuchung mäuschenstill geworden. Es ist ihr di« Lust vergangen, über die Artou'schen Enthüllungen zu spötteln. Der .Figaro". d«r an seinem Theil ein schweres VeftechungSgeld von der Pancnna.Äesellschafl in Gestalt von„P>lbli,itäts''.Kart«n erhalten und zu dessen Mitarbeitern bis heute Jules Roche zählt, klagt gar weh- leidig über die„Skandalsucht" der entarteten Franzosen. Warum nicht die schmutzige Wäsche nach dem Beispiel Italiens in den EriSpi-Gaunereien sein still„vu kamille" waschen?! Der Stoß- zeufzer des ehrenwerlhen Blattes darf aber selbst von Meline nicht erhört werde».— Zu den bekannteren Opfern des neuen Panama- Prozesses dürfte auch der mehrmalige Ministerpräsident R i b o t gehören. Hatte er doch wiederholt und öffentlich seine Unter- Handlungen mit Alton über Auslieferung des„Checkbuches" ab- geleugnet. Das politische Resultat des Panama-ProzesseS wird sein, daß die allgemeinen Wahlen von ISSS sich, wie diejenigen von 1833, unter dem Rufe vollziehen werden:„Nieder mit den Panamisten!" England. London» 13. März.(Eig. Ber.) Gestern ward im Haus der Gemeinen da? Budget der Marine verhandelt. Herr Goschen. der Lord der Admiralität, machte einige nähere Mittheilunge» über die Ausführung deS früher von ihm entwickelten Flottenvermehrungs- Plaues, auf deren technischen Inhalt ich hier nicht weiter eingehe. Politisch enthielt die Rede einen PassuS, der direkt auf Deutschland gemünzt war und jedenfalls Beachtung verdient. Man dürfe, meinte Herr Goschen, sich nicht ohne weiteres inS Bockshorn jagen lasse», wenn irgendwo anderwärts neue Programme von Verstärkungen der Kriegsflotte auftauchen, denn in der Regel bliebe ein gutes Stück dieser Programme auf dem Papier. Aber wenn diese Programme soweit in die Wirklichkeit übersetzt würden,»m das bestehende Gleichgewicht der Mächte zur See zu verschieben, dann würde die englische Regierung die Sache in ernsthaste Erwägung ziehen und ihr eignes Flottenprogramm eulsprechend ändern. Sie sei fest überzeugt, sehte er unter lebhaftem Bcisall des HauseS hinzu, daß sie für jede nothwendige Erweiterung des Programms aus die Unterstützung der Volksvertretung rechnen könne. Sollten im Laufe des Jahres irgendwo anderwärts außergewöhnliche Schiffsbau ten in die Hand genommen»verden, so>v erde das HauS der Regierung, dessen sei er sicher, unbedingt die Nachtragskredite bewilligen, welche die ver» änderten Umstände erheischen. Die Rede begegnete allgemeiner Zustimmung. Keiner der nach- folgenden Redner sprach auch nur ein Wort im entgegengesetzten Sinne. Das Gefühl, daß England eine Marine haben muß, die mindestens der von zwei Großmächten überlegen, womöglich aber der von drei vereinten Großmächten ebenbürtig ist. ist bis in die äußerste Linke hinein fest eingewurzelt, denn bei seinem enormen Seehandel, seiner steigendeci Abhängigkeit von überseeische» Märkten für die Nahrungsmlttelzufuhr ist die Erhaltung dieses Macht» Verhältnisses zur See«in Gebot cher S e l b st v e r t h e i d i g u n g für England, wofür im Nothsalle auch die englische Sozialdemokratie stimmen würde. Schon vor einigen Monaten äußerte sich„Justice in diesem Sinn«. Wie viel auch»n England faul sei, ineinte damals das Organ der Sozialdemokratische» Föderation, im Konzert der Mächte sei eS noch immer dasjenige Land, in dem die Freiheitskämpfer zu allen Zeiten ein Asyl gefnnven hätten. Die Demokratie habe kein Interesse, dieses Land den reaktionäre» Großniächlen des Fest landes gegenüber ohne genügende V-rtheidigungsmiltel zu lassen. Die scharfen Angriff«, die„Justice" Woche für Woche gegen die Rhades und Geuoffen richtet, die Leidenschaft, mit der in diesem Blatt die Sache Indiens gegen die englische Herrschaft vertreten wird, schützen es vor dem Verdacht, hier einem chauvimstischen Ge- fühl Folge zu geben. Die Selbstvertheidigung ist das natürliche Recht und die Pflicht jedes Volkes, auch die deutsch« Sozialdemo- lratie hat wiederholt erklärt, gegebenen Falls für die Vertheidigung des Landes einstehen zu wolle», und wir wünschten nur, sie könnte dafür sich aus gleiche Leistungen Deutschlands für die Freiheit der Völker berufen, wie„Justice" sie für England in Anspruch uehmen durste. Leider ist es in diesem Punkt mit dem offiziellen Deutschland umgekehrt bestellt. Es war oft genug der Gendarm, aber nie der Helfer eines für sein« Frei heit ringenden Volkes. Dies nebenbei. Um noch«in« ander« Stimme aus der Opposition zu zitiren, sei erwähnt, daß das radikale„Daily Chrouicle" in seiner Nummer vom 9. März in Hinblick auf die »enesten deutscheu Flottenvermehrungspläne meinte, daß wenn di wirklich Aussicht auf Annahme im deutscheu Reichstage hätten(w «s indeß bestritt), Deutschland gut thäte, an daS Wort sich zu erinnern, rvelches der Führer der manchesterlichen Friedenspartei einst mit bezug auf Frankreich gesprochen Hab«, nämlich daß wenn dasselbe ernsthast versuchen sollt«, eS in bezug aus die Marine Engl land gleich zu thuu, et bereit sei, hundert Millionen Pfund für Verstärkung der britischen Marine zu bewilligen.„Und", setzt das Blatt hinzu,„die Entschlossenheit und die Mutel dieses Landes sind heute in keiner Weise geringer wie in den Tagen, al» Richard Cobden jenen patriotischen Ausspruch that." Deutsche Chauvinisten werden diese Aeußerungen als«ine Drohung hinstellen, der man nun erst recht entgegenhandeln müsse. Thatsächlich aber sind sie Antivorten aus die Drohungen und kindischen Angriffe, die fast jeder Tag über den Kanal herüberbringt. Cobden war aufrichtiger Friedensfreund und so wenig Gallophove. daß de kanntlich grade er sich das größte Verdienst um das Zustandekommen des berühmte»«nglisch-französische» Handelsvertrages erwarb. Für England ist die Erhaltung seiner Seemacht eine Lebensfrage, und wenn Deutschland daran geht, in agresstver Weise gegen England zu rüsten, so provozirt es einen Wettkampf, der bei den, enormen Vorsprung, den England hat. Millionen über Millionen verschlingen und Menschenalter dauern wird, ehe das Berhältniß des SchiffsdestandeS auch nur um «inen Bruchtheil verändert wäre. Inzwischen aber würde die da» durch geschaffene politische Konstellation denjenigen Mächten Vortheil über Vortheil verschaffen, die, wie ein Echristfteller sich vor einiger Zeit treffend ausdrückte, Deutschland zu Lande„im Schraubstock" haben. Wer die Politik der uferlosen Flotteupläne in Deutschland niiterstiitzt, unterstützt zugleich di« entsprechenden Gegen-Flottenpläne in England und provozirt«ine einmüthige Frontwendung der ganzen englische» Nation, wenn nicht der ganzen englisch sprechenden Welt gegen Deutschland, daS der Freunde unter de» Nationen wahrlich nicht zu viel hat. Dänemark. Kopenhagen, ld. März. Die Kommission deS Folkethings für de» Gesetzeiitivnrf betreffend den Schutz d«S geistigen Eigen« t h» m s erstattete heute ihren Bericht. Dieselbe stimmt mit 8 Stimmen dem wesentlichsten Punkt« des Gesetzentwurfes zu, durch den der Anschluß an die Benier Konvention ermöglicht wird. Di« in der Minderheit gebliebenen fünf Mitglieder der Kommisston wollte» den Gesetzentwurf derart abgeändert wissen, daß der Anschluß unmöglich gewesen wäre. — M i n i st e r k r i s e n. Während der Ministerpräsident Reedtz Thott dem Folkething mit seinem Abgang droht, wenn das Militär budget nicht bewilligt wird, droht im L a n d e S t h i n g ein Konflikt mit dem Landwirthschaftsminister. Minister Echested legte einen Gesetzvorschlag vor vom Handel mit Duugungs- und Futterstoffen sowie Saatkorn. Der Minister hatte erklärt, daß er nuZ dem Ministerinm austreten würde, wenn die Abstimmung im Landesthing seinen Anträgen zuwiderliefe. Daher setzte der Präsident die Be- rathung deS Gesetzes aus. um erst abzuwarten, wie die Reedtz- Thott'sche Krise verlausen wird.— Jtaliett. — Der Wahltampf hat fast seinen Höhepunkt erreicht. In allen Wahlkreisen, wo für die Sozialisten Aussicht auf einigen Erfolg vorhanden, haben sie Kandidaten aufgestellt. Der National. rath und die Erekutivkommission der italienischen Sotialdemokratie erläßt«inen Aufruf, in welchem sie die Genosse» ein letztes Mal auffordert ihre Pflicht zu ersülleu, und trotz der Aer- solgnnge», denen sie ausgesetzt, im Kampfe nicht zu ermüden. Es sei in Italic» das erste Mal, daß die Regierung und die Parteien beinahe geschloffen dm Wahlkampf nnr gegen die sozial» demokratische Partei führen. Das zeige, daß die herrschenden Parteien das vordrängende Proletariat zu fürchten beginnen. Die gewählten Vertreter der Partei werden die Interessen des arbeitenden Volkes zu wahren wissen, sie würden namentlich auf soziale Reformen drängen, daS freie Wahlrecht schützen und aus- bauen, gegen die Großmachtspolitik und de» Militarismus an- kämpfen.— Amerika. Rew-Pork, Ib. März. Die hiesige Presse theilt mit. daß die neue Tarifbill sehr starke Anleihen bei der Mac Kinley-Bill mache. Indeß sei ihre Annahm« zweifellos. Das Zuckerkartell entsallet eine energische Agitation unter den Senatoren für Beibehaltung der jetzigen Zölle, und zwar, wie es scheint, mit Erfolg.— MeichskAg. 191. Sitzung vom 13. März 1897. 1 Uhr. Am Tische des Bundesrathes Graf Posadowsky. Eingegangen ist der Auslieferungsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden. In dritter Berathung genehmigt das Haus den Gesetzentwurf betr. Verwendung überschüssiger Reichseinnahmen aus dem Etatsjahre 1397—98 zur Schuldentilgung ohne Debatte und beschäftigt sich dann mit Petitionen. Di« Petition des Vereins deutscher ZeitungSverleger wegen Auslegung des K 22 des Preßgesetzes(betreffend die Ver- jährung) wird dem Reichskanzler zur Erwägung über« wiese». Die Petition der Landwirthschafiskammer für Schleswig» Holstein zu Kiel um Erlaß eines Reichsgesehes betreffend die Nichteinklagbarkeit der an ausländischen Börsen abgeschlossenen Blauko-Termittgeschäfle in Getreide und Mühlensabrnaten wird dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Die Petition des Oskar Aßmann zu Meißen wegen Herbeiführung einer Vereinbarung wirksamer Maßregel» zwischen den Re- Sierungen der europäischen Staaten zur Bekämpfung des Mädchen- andels wird dein Reichskanzler zur Berückflchtigung überwiesen. Außerdem wurde eine Reihe anderer Petitionen, die aber nicht von allgemeinem Interesse waren, erledigt. Schluß 2 Uhr. Nächst« Sitzung Dienstag 2 Uhr.(AuS- lieserungsvertrag mit den Niederlanden und AuLwanderungsgesetz.) Unter den von der Kommission für daS UuterrichtSwefen im preußischen Abgeordnetenhause vorberathenen Petitionen befinden sich einige von allgemeinem Interesse. Die Petittonen von Schmidt (Königsberg) und Dr. Bruno Wille um Aufhebung der Bestimmungen, durch welche den Lehrer» und Sprechern der Difsidentengemeinven verboten wird, an Kinder von Dissidenten Religionsunterricht zu er- theilen, beantragt die Kommission, der Regierung als Material zu überweisen. Ueber die Petition deS Vorsitzenden der frei- religiösen Gemeinde zu Berlin, Friederici, um Befreiung der Kinder von Mitgliedern freireligiöser Gemeinden vom konfessionellen Religionsnnterricht in der Volksschule, sowie über verschiedene Petitionen um Aufhebung von Verordnungen der Regierungen in Königsberg und Dauzig. nach welchen diezenigen in gemischter Ehe lebenden Eltern, welche ihre Kinder i» einer anderen als der Religion deS VaterS unterrichten lassen wollen, eine protokollarische Erklärung darüber vor dem Landrath abzugeben verpflichtet sind, wird Ueber- gang zur Tagesordnung beantragt. Tie Handwerker-Vorlage ist dem Reichstage Montag zu- gegangen.—_ Vo» der Agitation. In Hannover sprach Liebknecht am Eonnadend über„die Entwickelung der deutschen Sozial demokratie", und am Sonntag sprach er in HildeSheim in zwei Versammlungen„über das Wesen der Sozialdemokratie", und über „AnarchisninS und SozialisimiS". All« drei Versammlungen waren sehr gui besucht, so daß die Säle nicht ausreichten. In Hildeshetm hatten die Zentrumsleute und der Bund der Landwirihe gleichzeitig Versammlungen anberaumt, um uns daS Publikum abzuziehen; sie machten aber nur Reklame für uns und der Besuch ivar um so massenhafter. Frau Emma Ihrer auS Pankow bei Berlin, die bekannt- lich in Schweidnitz von der tilnklage, staatliche Einrichtungen verächtlich gemacht zu haben, freigesprochen worden ist, hielt, da dieser Prozeß ihre Anwesenheit in Schlesien bedingte, dort mehrere Versammlungen ab. So in Langenbielau, Reichenbach, Blumenau und Raschdorf. Sämmtliche Versammlungen hatten sich sehr starken Zuspruchs zu erfreuen und waren von gutem Erfolg. In R a f ch d o r f, Kreis Frankenstein, wo die Gegner alle Hebel in Beivegung gesetzt halten, um die Mehrheit in der Bersammlnng zu erhalten und dann der Rednerin das Sprechen unmöglich zu machen, siegten unsere Parteigenossen dennoch bei der Bureauwahl. Frau Ihrer hielt ihr Referat über die neuesten Forderiiiigeii für Heer und Marine und die auch von Frauen stark besuchte Versammumg nahm mit überwältigender Mehrheit eine Resolution an, worin gegen di« beabsichtigten neiien Ausgaben für Heer und Flotte ent- schieden protestirt und dies« Forderungeii als ein weiterer Grund für die arbeitende Bevölkerung erklärt werden, sich der Eozialdemo- kratie anzuschließeii. ©ei der GewerbegerichtS- Ersatzwahl in Meerane in Sachsen wurden in der Klasse der Arbeitervertreter dt« vom Gewerk schastStartell aufgestellten Kandidaten gewählt. Polizeiliches, Gerichtliche» ,e. — Redakteur Karl John von der Magdeburger „v o l k s st i m m e" trat am Sonnabend«ine einjährige Ge- fängnißstrafe in der Strasanftalt zu Gommern an. Er hat durch eine Besprechung der Letzlinger Hosjagd eine„indirekte Majestätsbeleidigiiiig" begangen, welches Vorgehen mit neu»(!) Monaten Gefängniß geahndet werden mußte, und dann hat er durch die Kritik eines Mißstandes die Firma Koch u. Ko. beleidigt, ivas ihm iveiter« drei Monate Verlust seiner Freiheit einbrachte. Wir können nur wünschen, daß Genosse John die geistige und körperliche Beschwerde des preußischen Gesäugnißlebens überstehen möge, ohne in seiner Gesundheit schiveren Schaden zu erleiden. — Freigesprochen wurde voiu Schöffengericht in Halle a. S. der verantwortliche Redakteur des„Volksblatts", Genosse Solomon, von der Anllage, das Preßgesetz dadurch übertreten ,u haben, daß er«ine von dem Schuhfabrikanteu Seiler in Weißeusels eingesandte Berichtigung nicht ausgenommen hatte. Da di« Berichtigniig nicht dm Ansorderungen des Preßgesetzes entsprach, weil sie nicht vom Einsender nnterschrieben war, beantragte der Amtsanwalt selbst Freisprechung.— Der frühere verantwortliche Redakleur desselben Parteiblattes, Genosse M a n n i g e l. war vom Schöffengericht wegen Beleidigung deS Bergraths Leuschner in EiSIeben zu der horrenden Strafe von 3 Monaten Gefängniß ver- «rtheilt; das Landgericht dagegen fand, daß daS Vergehen mit 1 Monat Gefängniß ausreichend gesühnt würde. — Der Vorsitzende des sozialdemokratischen WahlvereinS in Stettin ist mit seiner Beschwerde, die er an den Oberpräsidenten wegen des Verbots der Rezitation von Hauptmann's„Weber" ge- richtet hat, abgewiesen worden. Die Angelegenheit wird nun im Berwaltiingsstreit.Verfahren ausgesochten iverdeii. — Wegen BeranstalUing einer Kollelte erhielt der Parteigenosse F e l d m a n n, Redakteur unseres Parteiorga»s in Langen- b i e l a u, ein Strafmandat in Höhe von 10 M. Feldmann hatte seiner Zeit bei einem Hinweis auf den Ausstand der Weber in Tannhausen bemerkt, daß die Expedition des Blattes Unterstützungs- gelder in Empfang nehme. Die gegen dieses Strafmandat eingelegte Bernsungj halte zur Folge, daß das Schöffengericht die Strafe ans b M. ermäßigte. DaS Gericht berief sich auf die Polizeiverordnung vom lS. Juni 1887, die für Kolleklen ein« Venehmigung des Ober- Präsidenten fordert. — Ueber eine erfolglos« Haussuchung bei dem Parteigenossen Antweiler in Neuwied berichtet die„Rheinische Zeitung": Veranlassung war folaender weltbewegender Umstand: In der Stadt waren während der Nacht kleine Handzettel aufgeklebt worden, auf denen zum Besuch einer Volksversammlung eingeladen wurde. Aus diesen Zetteln, die übrigens von den Nachtwach-Beamten sofort sorg- fälligst wieder abgekratzt wurden, soll der Drucker nicht angegeben Sewesen sein. Dies gewaltige Ereigniß hält nun schon seit drei Zochen die Neuwieder Behörden in fieberhafter Aufregung und Thätigkeit. — Das„Saalfelder Volksblatt" hatte«inen Fabri- kanten„Geldsacksniensch" genannt, der Fabrikant strengt« Privat« klage an und da? Schöffengericht verurtheilte den verantwortlichen Redakteur T ü r k zu 10 M. Geldstrafe. Das Urtheil genügte dem Kläger nicht, er legte Berusiing ein, wurde aber vom Landgericht in Rudolstadt kostenpflichtig abgewiesen. — Vor dem mitlelfränkischen Schwurgericht hatte sich am Sonn- abend der verantwortliche Redakteur der„Fränkischen Tages- p o st". Genosse Gärtner, wegen Beleidigung des kgl. Försters Teifel aus Abensberg zu veraiitwortm. Das nachts 2>/e Uhr verkündet« Urtheil lautete auf zwei Monate Gefängniß, Tragung der Kosten und Publikation des Urtheils in der„Fränkischen Tagespost". — DaS Verfahren, da? gegen den Verleger der„Mainzer Volkszeitung", Genossen Jost, und gegen Genossen Dr. David als verantwortlichem Redakteur des politisch»» Theils wegen der in der„Neuen Welt" veröffentlicht gewesenen Dichtung „Der Nazarener" anhängig ivar, ist, wie im„Vorwärts" schon mit» getheilt wurde, eingestellt. Nicht eingestellt wurde dagegen das Ver- fahren, daS in derselben Sache gegen Genossen L i e b m a n n als verantwortlichen Redakteur des lokalen Theils anhängig gemacht ist. Derselbe wird sich demnächst vor der Straskammer wegen„Gottes- lästerung" zu verantworten haben. Die Lage in Hnmbnvg« Die SenatSkom Mission fiir die Prüfung der Arbeits- Verhältnisse im Hafen hat, ivie daS„Hamb. Echo" berichtet, am Donnerstag damit begonnen, die Verhältnisse der Seeleute, und zwar der Decksmannschafteii sowohl der Segelschiffe, als auch der aus Dampfern, einer Untersuchun-i z» unterziehen. An der Enquete nahmen theil: der Wasserschoui TetenS, die Herren Laeisz und Mallhies als Rheder, sowie Oberinspektor Meyer als Vertreter der Hamburg-Amerikanischen Packeisahrt-Aklieugesellschaft, die Kapitäne LangerhaniiSz(Dampfer) und Schlüter(Segelschiffe). Di« Seeleute waren vertreten durch Slörnier, Müller, Marx und Meier; als Vertreter des Seesteuermanns-Vereins waren Pickardt nnd Puhlig erschienen. Am Freitag wurden die Verhältnisse des M a s ch i n e n- Personals untersucht. An dieser Kommisstonssitzung nahmen Theil außer den vorgenannten Vertretern des Rhedervereins Ober- Maschineninspektor Blumenthal von der Packetfahrt und die Maschinisten E. Jllig und G. A. Müller, als Vertreter der See- leute die Heizer Herrich und Folkert vom EeemannSverein und die Heizer Wadewitz und Brauer vom Verein der Heizer und Trimmer. Unser Korrespondent meldete am Montag: Di« Differenzen zwischen den schwarzen Schauerle u ten und den Kohlen- im porteuren sind noch immer nicht erledigt. Die Beschlüsse der Arbeiter, die der„Vorwärts" am Donnerstag voriger Woche mittheilte, sind sowohl den Importeuren wie der EenatSkomniission sofort mitgetheilt worden. Die Senatskommission hat sich auch darauf sofort an die Importeure gewandt, aber bis heut« Morgen lag eine Aeußerung derselben noch nicht vor. Inzwischen arbeiten die Kohlenschaucrleute aber sämmtlich, ohne den Revers unterschrieben zu haben. In dieser Branche be- finden sich überhaupt auch nur noch zehn Streikbrecher, die alle bei einem Stauer arbeiten. In den übrigen Branche» der Hafenarbeiter haben bedeutend mehr Streikbrecher sich auch nach dem Streik zu behaupten gewußt. Es sind das zu allermeist Leute, die freilich nicht geborene Hamburger sind, doch aber vor dem Streik schon länger hier gewohnt haben. Die meisten Streik- brccher arbeilen am Etaalsquai. Fiir die Hamburger'Hafenarbeiter gingen bei der Berliner GetverkschaftSkoiiiinissio» folgende Beiträge ein: NudeMub, 8. Male«,50. LandlaMetzcr von SB. MSfer. Llfte mn, «ie«l io,5o. vtst» s««>, Langh opp t,io. List« soos, Wustrow, Klavierarbeiier. 10,06. Liste 6764, Pielchel u,60. Bildhauer der Firma Dchlelcher. 16. Raic 3,—. Schloffer von Paut Heinz«, Köpenickerftr.>00», 4,00. Molielfabrit von dqnlg, «roße Franlfurisrstraß«, 7. Rai« 19,66. Lifte»074 8,15. Lifte 4614 0.66. Lifte «008, fflrtln u. Hettwig B,06. Wertablheiiung der Buchdruckerei M. Badina. l«. Rate 8,—. Listen 4440 und 6006«astwirihSgehilfen durch Zeigte ,,«6. Schraudenfabril S. F. Starte(darunter 18,65 vom I6./1. 07, Patch) 07,6». Listen d. stopp, FrUdrichgverg 297s, 2981, 0000, 0077, oese, ooio, 0020, 2974, 2069, 00,40. ArbeU«r!. (San 0,70, Oetmama in Tegel 07,80, Eisenglesterei Lubw. Löwe u. Co., Sollmann- straste 30,75, G. u. H. Ablyeilung 24 4,—, A. E. S. 8,25,«rbeiier der Gummi- ladrii von Schwann, Müllersir. 6,00) 1 900,75. Sollnger„Freie Presse" 50,—. Ziiiau, von den Buchdruckern, 3. Rate 04,20. Landiagg-Setzer von W. Möser 7.50. Schraudenfabrit von Beutel u. Hund(mit Ausnahme eine» musikalischen Wertzeugmachers) 14,65.«rbeiier von Ludwig Löwe, Hollmannstraße, 7. Raie 9,50. Schristaiesterei von Bürenstein. Buch- druckerei Otto v. Holten,>4. Rate 18,66. Jitie«>14, E. Hücker 4,40. Listen 787, 780, Haugdiener, Ii, 73. Bildhauer von Schleicher, I«. Rate 3,—. Lilien«063, 4810. 4812, 4818, Graveure und Ziseleure 00,00. Wertadiheilimg von Mar Badina, 15. Rate 8,50. Alden Heise, Brunnenstr. II, 3,—. Liste 15. Schmidt, Töpfer. 3,50. Alkuniulalorensabril von Paul Ridbe,«rausenstr. 05, i.od. Listen 0761, soss, 605«,««02.»sftenmacher d. Tsch. 6,60. Lilie 4044, Gieghvii, Tischler, 10,00. Liste 4011 1,— Liste 48«4(darunter Ueherfchust einer Depesche, Tapezirer, Erfurt i,80) 4,85. Listen«013, eoii, 6401, 6910, Chirurgische Branche 12,45. Weitere Beiträge nimmt das Berliner Gcwcrkschasisbiirean (R. M i l l a r g, Berlin S., Annenslr. 16, vorn pari.) in dcr Zeit von V—l Uhr vormittags und(5—8 Uhr abends entgegen. Es wird nachdrücklichst ersucht, die noch aiisstehendtn Listen an obiges Burean sofort einziisenden. GemevkMznfkliches. Berlin nnd Umgebung. An die Zimmerer Berlins nnd Umgegend! Da mit dem 13. März der Zeitpunkt gekommen ist, wo in den Vorjahren in unserem Gewerbe die zehnstündige Arbeitszeit begonnen, werden auch wohl in diesem Jahre einzelne Unternehmer versiichen, dieselbe wieder einzusühreu. Wir niacheii deshalb unsere Berussgenpssen nochmals auf die Beschlüsse unserer letzten öffentlichen Versamm- Timgen aufmerksam und ersuchen dieselben, jede derartige Arbeitsstelle uuverziiglich der Lohnkommisston zu melden, denn nur durch planvolles Vorgehen sind wir i» der Lage, derartige Anschläge abwehren zu können. Auch der Kampf um die Erhaltung des Minimallohncs und die vielen damit verbundenen Maßregelungen legen uns die Pflicht auf, mehr als bisher die Sammlungen zum Streikfonds vor- zunehmen, auf keinem Platz oder Bau darf am Sonnabend die Sammelliste fehle», glaube keiner, daß durch den Beschluß der In- ming unsere Position schon eine glänzende geworden ist.ein einziger Fehl- griff unsererseits kann uns das im Vorjahr Errungene wider entreißen. Die noch immer sehr große und andauernde Arbeitslosigkeit benutzen auch ivieder einzelne mit den Arbeiten zur Z e n t e n a r f e i e r de- traute Unternehmer. Anstatt, Schichtarbeit einzuführen und so die Reserve-Armee zu verringern, werden unsere, durch die lange Ar- beitslosigkeit widerstandslos gemachten Kameraden gewungen, nicht nur Ueberstimde», sondern auch Sonntags zu arbeiten. Jedes Auflehne» gegen die durch niästs gerechtfertigten Maß- nahmen wird mit sofortiger Entlassung geahndet. Die blasse Angst vor etwaigen Arbeitsniederlegungen ist so groß, daß täglich Vorkehrungen getroffen und unliebsame Elemente von der Arbeit ausgeschlossen werden, so daß dieselbe nicht von Berliner Steuerzahlern, sondern vielfach von auswärts heran gezogeneu Leuten fertig gestellt wird. Wir warnen daher unsere dort beschäftigten Berufsgenossen vor unüberlegten Schritten, ein unüberlegtes Wort kann oft sehr üble Folgen für den einzelnen haben; auch bei der am Abend ungenügende» Beleuchtung ist die größte Vorsicht uöthig, wen» nicht einzelne ihre Dienstwilligkeit ivieder mit dem Leben bezahlen wollen. Ganz besonders ersuchen wir aber die Plntz-Depntirte» der be- treffenden Firmen, in der an» Mittivoch Abend, Grenadierstr. 33 stattfindenden Platz- Deputirten- Versammlung zu erscheine» und genauen Bericht über die dort herrschenden Zustände zu erstatten. Die Lohukommisfion. I. A.: Theodor Fischer. Achtung, Bauarbeiter! Hiermit»verden alle diejenigen, welche noch im Besitze von Streikliste» und Generalfonds- Marken oder deren Erlös sind, zum letzte» Male ausgefordert, dies unverzüglich an die folgenden Kommissionsmitglieder abzuliefern,»vidrigeusalls dieselben im„Vorwärts" öffentlich bekannt gemacht werden: C. G u t s ch, Eifenbahnstr. 36b; C. G ö d e l, Lynaerstraße 8; H. Zoschke, Möckernstr. 117; R. Beier, Hussttenstraße 6; F. Schäfer, Frankfurter Allee 1l6a. I. A.: Carl Deredder, Falkensteinstr. 17. v. 8 Tr. Die Branerei-Arbeiter wollen an die Brauereien ein Rund- schreiben erlassen, in»velchem angefragt ivird,»vie diese sich gegen- über denjenigen Arbeitern verhalten»verden, welche an» 1. Mai seiern. Die Haltung dcS GcseNen-AnSschnsses der Bäcker-Innung „C o n c o r d i a" n» der Frage der Aufhebung von Kost und Logis beim Meister findet nicht den ungetheilten Beifall in den Kreisen der Bäckergehilfen. In einer Zuschrift an uns heißt es. daß gerade das Essen und Schlafen im Hause des Meisters das größte Hemmniß bilde für das Vorwärtsschreite» der Organisation. Die Gründe, ivelche den Gesellen-Ausschuß zu dem Standpunkt leiteten, daß die Abschaffung von Kost und Logis den Gesellen so lange nichts nütze, als die Nachtarbeit bestehe, ivird als nicht richtig bezeichnet. Ter Handschnhfabrikant Herr R i e in e r erklärt zu der in unserer Sonnlagsiniiinner veröffentlichen Notiz der Lohnkommisston: Es sei unrichtig, daß bei ihm schlechtes Leder verarbeitet»verde, er kaufe die besten und thenersten Sorten. Diese Leder seien kräftig und die Verarbeitung derselbe»» sei»vohl allerdings etivas schwer. Unrichtig fei, daß bei ihm ein annähernd anskömnilicher Lohn nicht verdient»verden könne; durch die Lohnbücher könne er das Gegen- theil nachiveisen. Deutsches Reich. Der Kongrcst der Maurer Deutschlands ist in M a g d e- bürg zusaiiuiiengetrete». Die Berhaudliinge»» währen voraussichtlich bis Donnerstag und finde» in» Saale Friedrichslust statt. I» Magdeburg hat die partielle Lohnbeivegnng der Schneider bereits einen Erfolg zu verzeichnen, inden» die Firnia Karl Schröter in Sudenburg die Forderungen der Arbeiter sofort bewilligte. Dagegen ist es bei der Firma Schlesinger zum Streik gekommen. Der Zuzug ist deshalb von dieser Firma streng fernzuhaltin. In Tangermllnde hat der Streik der ISOV Zuckerfabrikarbeiter mit dem Erfolge geendet, daß, wie der Magdeburger „Voltsstimn»e" gemeldet»vurde, de»» Personal ca. 16 pCt. Zulage gewährt worden sind. Der bisherige Mindestlohn betrug 1,7ö M. täglich, verlangt wurden 2,50 M. Benierkenswerth ist noch, daß auch die Polen an Zahl 5—600— sich an der B-ivegnng be- theiligte»; sie erklärten sogar, nicht unter 3 M. täglich arbeilen zu »volle». Ei» funkelnagelneuer Bersainmlnngs-AnflösnngSgrnnd— ans Sachsen natürlich. In der rolhe» Schänke in Döhlen»vurde eine gutbesuchte Berg- und Hüttenarbeiter-Bersamm- lung aufgelöst, weil den, U e b er>v a ch e n d e n die Beine froren. Redakteur F r e e s e aus Zwickau hatte etiva !>/« Stunde referirt, als plötzlich der Gendarmeriebrigadier Zeugfang aufstand und in die Versammlung rief:„Ich habe demÄor- sitzende» vor ein erStunde gesagt, er solle e»>»- heizen lassen; das ist nicht geschehen; deshalb erkläre ich dieBersaminlung für aufgelöst!" Wir maßen— schreibt man uns— die Temperatur, es»varen 13 Grad Celsi»,s. Da das sonst so köstliche sächsische Vereins-»nd Versamin- lnngsgesetz keine Bestimmung enthätt, wie hoch die Teinperatur im Versammlungslokal sein niuß— zweifelsohne-ine„bedauerliche Gesetzeslücke"—, so ivird gegen die Auflösung natürlich Beschiverde geführt. Die Steinsetzer in Gera haben das Angebot der Meister, 48 Pf. Stnudenlohn den leistungsfähigen Gesellen zu getvähren, nicht nngenoinnien, sonder» beharre» ans ihren Forderungen: Zeh»stu>»dei»- lag und 50 Pf. Miniiual-Stundeulohn. In Auburg haben die Arbeiter des Baugewerbes die Arbeit»vegen Avlehnnng ihrer Forderungen eingestellt. Zur Schnhiuacherbeweguug in Offenbach-Oberrad meldet das„Offenbacher Abendblatt", daß, nachdem die Verhandlungen der Fabrikkonimissionen mit de» Fabrikanten zu einem den Arbeitern genügenden Resultat nicht geführt haben, die Lohnkominissio» das Geiverbegericht als E i n i g n>» g s a n» t anrufe»»vird. Die be- treffenden Fabrikanten»vollen nur den 10>/estündigen Arbeitstag (einschließlich von je>/4 Stunde Pause für Frühstück und Vesper) beivilligen,»vährend die Arbeiter den Neunstnndentag fordern; zur Lieserung aller Fournituren»vollen sich die Fabrikanten absolut nicht verstehen, ebensoivenig zu einer Loh»erhöhu>»g, ain allerivenigsten zu einer solchen für alle Arbeiter. Ter Gcneraldirektor der batzcrischcu BerkehrSanstalten veröffentlicht das Schreibe», das er a» den Generalsekretär des katholische»» Eisenbahn-er-Berbandes in Bayern auf die Einsendllng der Statute» gerichtet hat. Der Inhalt der Slatnten gebe ihn» zu erhebliche» Bedenke» Slnlaß. Es betreffen diese die angestrebte Uinivandlung des Akkordlohnes in Taaelohn, den Umfang der Sonntagsruhe, die Bemessung der Dienst- zeit, die Beschränkung der Benvendung von Militärauwärtern „nd die Forderung der Aufnahme aller Arbeiter in den Status. Den aufgestellten Forderungen könne keine Aussicht auf Erfüllung eröffnet werden. Absatz 2 des§ 9 könne in seiner dernialigen Fassung dahin führe», dem Personale die Antheilnahine am Vereine zu untersageil. Auch§ 13 der Statinen sei nicht einwandssrei. Das Schreiben schließt:„Wie sich die Verivaltnng zn der von Ihne» ge- leiteten Agitation stellt,»vird von der Art abhänge», in der sie sich entwickelt. Ich mnß in dieser Beziehitng der Verwaltung vollständig freie Hand vorbehalten." Der Herr Generaldirektor hätte das ganz« Statut bis auf den Titel für bedenklich erklären können. Die ultrainonlanen Gründer »»nd Protektoren des Verbandes»vürde» auch dann nicht»vider de» Stachel gs'ökt haben Siimmtliche Politurarbeiter nud Veraolder m der Fabrik von G e r s d o r f u. B r a n d e n b u r g in P a s i n g- M»i n ch e n haben»vegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Alle arbeiter- frenndlichen Blätter, verden um Abdruck ersucht. Verband der Bergolder:c., Z a h l st e I l e M ü n ch e n- P a s i n g. Tic Tischler LudtvigshafcnS haben den Meistern folgende Forderungen unterbreiten lassen: Ol/sstnndige Arbeitszeit; regel- mäßige»vöchentliche Lohnzahlung; für Sonntagsarbcit 50 pCt. Auf- schlag, für Ueberstunden 25 pCt.. für diejenigen Arbeiter, die heute 3 M. und mehr haben, 15 pCt. Ausschlag, für die in» Bat» be- schäftigke» 20 pCt. mehr und bei Umzügen 30 pCt. Aufschlag; Ab- schnffnng der Akkordarbeit; Einführung eines MinimallohueS von 3 M; Abschaffung von Kost und Logis bei den Meistern. Zur Aussperrung der Stciuhauer Straffbnrgs i. E. wird uns geschrieben: Schon drei Woche» sind verflossen, seit der Bau- geiv'-k-Verein die Steinhauer»vegen llnterschriflvcrivcigernng aus- gesperrt bat, nnd noch ist keine Aussicht ans Beendigung des Kampfes vorbanden,»veil der Baugeiverk-Verein sich weigert, mit der Abiv' hrkommifsion in Unterhandlung zu treten. Mit allen Mitteln versuchen die Unternehmer fremde Arbeitskräfte heranzu- ziehen, doch haben sie damit bis jetzt sehr bittere Erfahrungen gemacht, da die angeivorbene» Ersatzkräftc. mit Ausnahme von vier Lothringern, Straßbnrg wieder den Rücken kehrten, nachdem sie über die Sach- läge unterrichtet worden»varen. Wir bitten dringend, den Zuzug anss sirengste fernzuhalten nnd»ins jede mögliche EHdimterstützung zuzinveise», damit wir uns nicht wegen Mangels an Munition bedingungslos ergeben müssen, wodurch nnsere Organisation auf unabsebbare Zeit hinaus lahmgelegt»verden würde. Zn unterstütze» sind 142 Mann, darunter 79 Verheiralhete mit 162 Kindern unter 14 Jahren. Die Abivehr-Kommission der ausgesperrten Steinarbeiter Straßburgs in» Elsaß. Ausland. Der Ausstand der Tabakarbeiterinnen von Marseille ist nach nur viertägiger Dauer zn Ende. Die Arbeiterinnen hatten einen kleinen Erfolg. Besonders beinerkensiverlh ist die besonnene Art.»vie die Arbeiterinnen die Beendigung herbeiführten. Es streikten zuerst»ur 40 wegen Lohndifferenzen. 600 Arbeiterinnen einer anderen Abtheilnug erklärten sich mit ihnen solidarisch und legten ebenfalls die Arbeit nieder. Die Vierzig befürchteten, der Streik könne unter Umständen für viele üble Folgen haben, sie, die an Zahl geringen, gsaubte» von ihre» Arbeitsschivestern solche Opfer nicht annehmen zu dürfen. Sie setzten deshalb ihre Forderungen wesentlich herab, wodurch die Einigung mit der Manufaktur herbeigeführt»vitrde. Ju Oldham in England haben, wie telegraphirt wird, an, Sonnabend 2000 M a s ch i n e n a r b e i t e r die Arbeit niedergelegt infolge eines Beschlusses ziveier Firmen. die neuerdings eriolgte Lohn rhöhung von zivei Shilling pro Woche von dein den Arbeitern gezahlten monatlichen Ge»vsn»antheil in Abzug zu bringen. SozrAles. Bummelei der BcrufSgcltosscnschaften. AlS ein Vorzug des Unfallgesetzes»vurde die Möglichkeit einer schnellen Rentenfest- setzuug hervorgehoben. Die Schlvärmer für die Berufsgenoffen- schaften behaupte», thatsächlich»verde»och heute die Rente auch außerordentlich schnell festgesetzt, und lehnten die An- träge unserer Genosse» aus Festsetzung einer kurzen Frist zur Festsetzung deshalb ab. Sie behaupteten, Fälle,»vo die Berussgenossenschaften erst ein halbes Jahr nach dem Unfall endlich sich äußert, seien sehr selten. Das Gegentheil ist richtig: fast täglich laufe» bei uns Beschwerden über die Langsanikeit der Feststellung«in. Der Arbeiter K. verunglückte an» 18. 5. 1896 im Betriebe, am 16. 2. 1397 lheilte ihm die Knappschafts-Berufsgenosseii- schaft zu Halle mit, demnächst»verde ihn» der Rentenfeststellnngs- Bescheid zugehen. Bis heute, also IVMonate nach dem Un« fall, ist ihm»och kein Bescheid geivorden. Selbst Haftpflicht- Prozesse wurden schneller entschieden. Die Tabakarbeiter- Genoffenschaft Hamburg- Eimsbüttel »veist in ihrem Bericht, der von dem Geschäftsführer A. v. Elm in der letzten Generalversammlung gegeben»vurde, für das Jahr 1896 folgendes finanzielle Ergebniß auf: Der Absatz an Zigarren betrug im letzten Jahre 3983 Mille. Die in» ziveiten Quartal getroffenen Neuerunge»: Einführung größerer moderner Fayons, Herabsetzung des Berkaufspretfes für die Fünfpfennig- Zigarre» »»» 2 M. pro Mille, bewirkten in den nächsten Quartalen eine Steigerung des ülbsatzes um etiva 200 Mille pro Quartal. Die Genossenschaft beschäftigte durchschnittlich 81»lrbeiter. In der Fabrik in Hamburg verdiente» die dort beschäftigten Sortirer durch- schnittlich 26,10 M., die Zigarrenarbeiter 21,30 M. pro Woche; in der Fabrik in Ladenburg die Sortirer 23,46 M., die Zigarrenarbeiter 18,60 M. pro Woche. An Arbeitslohn»vttrden im ganzen gezahlt 68 437,86 M.. an Zoll für Tabak 21 063,30 M. Die Jahres- Bilanz stellt sich wie folgt: Aktiva: Kassen bestand 57,55 M.. Bankbestand 3237.62 M, Inventar 4387,47 M., Ausstehende Forderungen 33 863,11 M., Roh- Material und fertige Waaren 108 562,38 M., Summa 150 108,13 M. Passiva: Geschäftsanlheile der Mitglieder 14 100,90 M., Reserve- Konto 2240,30 M., Waarenschulden 41 677,16 M., Schuldschein- Konto 9718,05 M., Kapital-Konto 67 43l,39 M., Darlehns-Konto 1899,75 M., Wechsel-Konto 5758,02 M., Getvinn 7282,56 M, Summa 150 108,13 M. Die Mitgliederzahl am Schlüsse des Jahres betrug 349. Tie Stadtverordnete» Offenbachs haben sich i,n Prinzip für den Erlaß einer Polizeiverordnung zun» Schutze von Leben»nd Gesundheit derBauarbriter ausgesprochen. Die Gründung eiucs württcmbergischru Arbeiter-Sänaer- bnndcs»vurde aus einer Kouf«*eiiz zn E ß l i n g e n am 7. März von Delegirten verschiedener Gesaugvereine beschlossen. Der Aor> sitzende ist F e r d i n a n d S ch ö n in Stuttgart. Untere Bachstr. 3. Gevirlzfs�Ieiknng. Genoffen Retzcrau und die Rixdorfer Gendarmerie vor dem Kammergericht. Das außerordentlich Harle Urtheil, das gegen den Geiioffe» Retzerau vom Landgericht II»vegen Beleidigung der Rixdorfer Polizei gefällt»vorden ist, unterlag gestern(Montag) der Nachprüfung des Kamniergerichts. Es handelte sich bekannllich»im eine Rede, die Retzerau in der Gemeiiidevertrelung von Ripdorf zur Begründung eines Antrages gehalten halte, der dahin ging, dem Ober-Wacht- meister Peine den Wohnnngsgcldzuschnß zu enlzichen. Schöffen- gericht und Landgericht verurtheilten ihn zn z»v e i Monaten Gefängniß. Für den Angeklagten hatte Rechtsanivalt H e r z f e l d Revision eingelegt. Bor allem stützte er dieselbe darauf, daß der Vorderrichter den» Angeklagte» de» Beivcis der Wahrheit seiner Kenn- zeichnung der Rixdorfer Polizeiverhältnisse abgeschnitten habe, obivohl R. sich anheischig gemacht hätte, den VeiveiS zn erbringen. Thatsächlich»vären i» Ripdorf niaßlose Nebergriff« der Polizei vorgekommen. Uebrigens habe Retzerau � in seiner Eigenschaft als Gemeinde- Vertreter jene Ausführungen gemacht und als solcher sei er dazu nach§ 102 der Landgemeinde-Ordnung befugt gewesen. Durch seine Bernrtheilung sei also auch dieser Paragraph verletzt worden. Schließlich könne von einer � öffentlichen Beleidigung überhaupt nicht die Rede sein, da der Zutritt zu den Verhandlungen der Gemeindevertretung von Rixdorf nur de» dort Ansässigen vorbehaltslos freistehe. Auf jede» Fall habe aber R. in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. Der Strafsenat des Kaniinergerichls»vies indessen die Revision zurück. Der Vorsitzende bemerkte, wenn der Angeklagte aitch »virklich in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt haben »vürde, dann»väre er doch strafbar, da aus der Forin seiner Darlegungen klar die Absicht zu beleidigen hervorgehe. Was die Ablehnung der Beweis antrüge betreffe, so sei sie ans tbat- sächlichen Gründen erfolgt nnd darum nicht angreifbar. Jette Gemeindsvertreter-Sitznng sei als öffentliche anzusehen und somil sei auch die Äeleidigtmg öffentlich gefallen. Gewöhnliche«nd ungewöhnliche«etchenbegängniffe. In einer posensche» Ortschaft besteht eilte D i s s i d e n t e n g e in e i n d e, die sich evangelisch nennt, dessenungeachtet aber von den Vertretern der Staatskirche aufs tiefste gehaßt»vird. Der„Prediger" der Gemeinde namens Stolz betheiligte sich im vorigen Jahre auf Anregung der Leidtragenden an einem Leichenbegängniß. Der Ortspsarrer, der davon Wind bekonunen hatte, ver- anlaßte das Erscheinen eines Gendarmen auf dem Fried- Hofe. Dieser hatte den Auftrag, zu verhindern, daß Stolz auf dem Kirchhofe der evangelischen Gemeinde eine Rede Halle oder aintire. Stolz ließ ein Lied singen, und begann dann eine Art Lithnrgie vorzulesen. Jetzt schritt der Hüter des Gesetzes ein, indesse» kehrte man sich nicht an seine Einrede. Der Dissidenten- Prediger beschiverte sich demnächst über die Polizeiverwallung des Ortes, er hatte aber»veder beim Landrath,»och beim Regierung?- Präsidenten Erfolg. In seinem Bescheide betonte der Regiernngs» Präsident, die§Z 9 und 10 des Vereinsgesetzes rechtfertigten das Vorgeben der Polizei. Ungeivöhnliche Leichenbegängnisse bedürften danach der behördliche»» Genehmigung. Ein solches Leichenbegängniß liege hier aber vor. Frühere Erfahrungen hatten befürchte" lassen, daß eine aufreizende Rede gehalten »verden würde.— Stolz klagte darauf beim Ober-Verival- tungsgericht, das gestern zu seinen g u n st e» erkannte. Der Bescheid des Regierungspräsidenten sei unbegründet. Bei Be- urtheilung der Frage, ob ein Leichenbegängniß ein„gewöhn- liches" sei, komme es nicht darauf an. ob der Be- erdigungsakt in seiner äußeren Form und Ein- r i ch t u n g von dem seither Gewohnten und Her- gebrachten abweiche. Es sei vielmehr entscheidend, ob bei dem betreffenden Leichenbegängnisse die Absicht ob- »valtete, über die Zivecke eines Leichenbegäng- nisses hinausgehen und ob dadurch die gesetzliche„Frei- heil"(!) und Ordnung hätte gefährdet»verden können. Das sei nun hier nicht anzunehmen. Es sei nicht dargethan, daß Stolz jemals bei Begräbniffeu ausreizende Reden gehalten habe. Außer acht zu lassen sei auch nicht, daß durch den Artikel 12 der Verfassung die Freiheit des religiösen Bekenntutsses gemährleistet »verde._ Die ZVahlen in Oefkevveiitz. Wie in Galizien bei den Wahlen gewirthschaftet wird, zeigt schon der Umstand, daß 479 ruthenische Wahlmänner in Unter- snchniigShaft genommen wurden, um am Wahltage ihre Stimme nicht abgeben und den Sieg polnischer Schlachzizen ermöglichen zu können. Im Kreise Jungbnnzlau siegte der Jnngczeche mit blos 13 Stimmen gegen den Kandidaten unserer Partei. In C z e r n o- »vitz»vurde der liberale Kompromiß-Kandidat von einen» Demokraten geschlagen. Ans Tetschen a. d. Elbe»vird gemeldet: Die hie- sigen Sozialisten beabsichtigen, den in der Wiener-Neustädter fünften Kurie durch gefallenen Pcrnerstorfer im hiesige» Landgemeinden-Bezirke aufzustellen. Aus G a b l o n z a. d. Neisse wird berichtet: Die Wahl- niänner der Bezirke Gablonz und Tannivald beschlossen, für den Fall als eine Stichwahl in den» Landgemeinden-Wahlbezirke noth- »vendig sein sollte, ohne Unterschied der Parteirichtung für den bürgerlichen Kandidaten gegen Genoffen Dr. Adler einzutreten. Der Beschluß ist bindend sowohl für die Liberalen, wie für die Nationalen. Nach der„Arbeiter-Zeitnng" sind die in der allgemeinen Kurie für Sozialdemokraten abgegebenen Stimmen aus 800 000 zu schätzen. Ueber die Wahlen an» Montag liegen folgende Depeschen vor: Bei den Reichsrathswahlen der Landgemeinden in Oberösterreich »vnrden 7 Klerikale, von de» Landgemeinden in Schlesien, 2 Deutsch- nationale und ein Polnisch-KIerikaler geivählt. Bei den Reichsrathsivahlen der Landgemeinden in Salzburg wurden zwei Klerikale, bei den Landgemeinde>vahlen in Krain fünf Klerikale geivählt. Bei der ReichSrathswahl in der Kurie der Großgrundbesitzer in der Bnkotvina wurden die drei bisherigen Abgeordneten»vieder- geivählt. Wien, 15. März.(Privatdepesche des„Vorwärts.") Resel- Graz(Soz.) mit 21047 Stimmen gewählt; Gutjahr mit 18 000 Stimmen unterlegen._ Depesikzen und letzte Zluchrilhken. Hamburg, 15. März.(B. H.) Wege» Nichtbeivilligung der verlangten Lohnerhöhung haben heute Morgen 80 Schiffszintmerleut« die Arbeit niedergelegt. Frankfurt a. M., 15. März.(B. H.) Der„Franks. Zeitung" »vird aus Dortmund gemeldet: Di« Nachricht der„Köln. Volks-Ztg.", daß am 23. März in Bochum beide Bergarbeiter- Verbände tagen werde», erklärte in der gestrigen Bersaminlung des Vorstandes christlicher Bergleute der Vorsitzende Brust als falsch. Freiberg iu Sachse», 15. März.(W. T. B.) Der„Frei- berger Anzeiger"»neidet: Heule Nachmittag 2V« Uhr fand in der Dynamitiabrik in Hilbersdorf bei Freiberg eine Explosion statt, bei »velcher fünf Arbeiter getödtet und einer schwer verletzt wttrden. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Der Bahnverkehr der in der Nähe der Unglücksstätte vorübergehenden Linie Dresdeu-Freibcrg hat keinerlei Unterbrechung erlitten. Lndtviaslust. 15. März.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Am 14. d. M. entgleisten bei der Einfahrt des Schnellzuges Nr. 1 in den Bahnhof Bächen in einer Weiche aus bisher noch uiibekannter Ursache die Maschine, der Postivagen nnd 2 Personemvage». Schnell- zug 1 erlitt eine Verspätung von einer halben Stunde,»veiterc Verkehrsstörungen traten nicht ein. Die entgleisten Betriebsmittel wurden zntn theil erheblich, zum theil unerheblich beschädigt. Zwei Postschaffner wurden leicht verletzt, weitere Verletzungen von Personen fanden nicht statt. An» 15. d. M., vorinittags 7 Uhr. konnte der Betrieb auf dem betreffenden Geleise wieder hergestellt werden. Wien, 15. März.(W. T. B.) Bei den Landgemeindewahlen iu Mähren»vnrden acht Jnngczeche»», zwei Deutschnationale und ei» Christlichsozialer, bei denen in Kärnten drei Deutschnationale und ein Slovenisch-Klerikaler geivählt. Lemberg, 15. März.(W. T. B.) Gesten» Abend fand»viederun» eine große Rtenschenansannnlnng statt,»veil man einen neuen Trans- port in Daividoiv Verhafteter erwartete. Ein solcher Transport traf jedoch nicht ein. Die Polizei wurde mit Steinen beivorfen. Fensterscheibe» und Schaufenster»vurden zertniininert. Polizei und Militär zer- streute die Menge. Von letzterer»vurde» hierbei acht Personen verletzt, fünf Mann der Polizei sind durch Steinwürse verivnndet »vorde». Es»vnrven acht Verhaftungen vorgenoium».». Um Mitter- nacht»var die Ruhe»viederhergestelll. Heule Mittag traf ein neuer Transport in Daividotv Verhafteter ein. Paris, 15. März.(W. T. B.) Ans der Rede des Ministcrs des Ausivärlige» Banolaux ist solgense Stelle an» bemerkensiverthesten: Ueber nachfolgende Punkte fei Ueberelnsliinninng herbeigeführt. Antononiie der Insel nitter der Oberherrlichkeit des Sultans, Zurückziehung der griechischen Truppen, Zurückzichung der türkischen Truppe» mit Ausnahme derjenigen, ivelche in Orten konzentrirt sind, die gleichzeitig durch die Mächte besetzl gehalten»verde». Um die Ordnung und die Sicherheil ausrecht zu erhalten, solle jede der sechs Mächte durch ei» Kontingent von 500—600 Mann die aus Kreta gelandeten Detachements verstärke». Wei», Griechenland darauf beharre, die Truppe» des Vassos auf der Insel zu hallen, so würden die von den Admiralen für»oth- »vendig gehaltenen Zwangsmaßregeln nniniltelbar getroffen»verde». Eine strenge Blockade der Insel Kreta würde durchgeführt und»renn nöthig,»vürde» die Adiniräle ermächtigt werden, eine effektive Blockade über Häfen des griechischen Festlandes ausznsprechen und ansznführe»». Dieses feien die von den Mächte» angenommenen Maßregel», und diese Maßregeln unterbreite die Regierung jetzt der Kammer. Bettall. Paris, 15. März.(W. T. B.) Tie Depntirtritk,»»inner nabi» mit 356 gegen 143 Stiinme» eine die Erlärnng genehmigende Tages« ordtHiiij an. ' VerautuioMicher Nedalteur: August Jacobe» m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drn-t und Verlag von Max Babing in P-rltn. Hierzu l Beilage u. Uuterhaltungsblatt. a..a___ Kilqt des Jotniirto" ßttlinft VcksM NourmunÄles. Ter Ansschnß der Stadtverordnete»- Versammlung zur Vorbrrathttng des roia Magistrat der Versammlmlg eiiigereichlen Verzeichnisses der Neu» und U i» p f l a st e r u» g e n von Straßen und Plätze im Verwaltungsjahr 1897/98 hat unter Borutz des Stadtverordnete» Wilhelm Gericke I und in Aiuvesenheit des Geh. Bauraths Dr. Hobrecht, des Bauraths Gottheiner n»d des Stadt- raths Mugdau beschlossen, folgendes der Versammlung zu empfehle»: Es soll ans dem Verzetckniß gestrichen werden: 1. das Schöneberger Ufer, an dessen Stelle die S t e i n m e tz st r a ß e von Alvensleben- bis Göbenstraße(Asphalt) treten soll; 2. ferner wnrden gestrichen dieNeueHochstraße und Schulzen dorfer st raße von Pankbrücke bis Müllerstraße, an deren Stelle die Weißen- burgerstraße tritt, die von Schönhauser Allee mit Steinen und von da ab, soweit die Mittel reichen, mit Asphalt belegt werde» soll; S. endlich sind die Altonaer st raße von Hansa- platz bis zur Stadtbahn, die D r e y s e st r a ß e und die Klopstockstraße aus dem Verzeichniß gestrichen worden und 4. soll die H ä n d e l st r a ß e nicht nur von der Brückcn-Allee bis zur L-ssingftraße sondern bis zur Klopstockstraße mit Asphalt be» legt werde». Dagegen sind neu in das Verzeichniß aufge»omm«n: l. die G e r i ch t s st r a ß e von Kolberger- bis Hochstraße(Asphalt), 2. die Köslinerstraße(Asphalt). 3. Die U n t e r- u>, d O b e r- wasserst raße sowie die Alte Leipzigerstraße(Holz) und 4. Schliem ann st raße zwischen Räumer- nnd Lettestraße (Steine). Der Ausschuß faßte hierbei folgende Resolution: Die Ver- samnilung ersucht den Magistrat, der Baudepntation zur möglichste» Einschränkung bei den Reparaturen der Straße» zu empfehlen. Lokales. Arbeiter-Bildnugöschule. Den Mitgliedern zur Kenntniß, daß in beiden Schule» der Unterricht in Deutsch nnd Rede- U e b u n g während dieser Woche wegen plötzlicher Erkrankung des Lehrers ausfallen muß. Der Vorstand. Gedankenlosigkeit oder Abgestnmpftheit? Unter dieser Stichmarke schreibt die„Deutsche Tageszeitung": „In einer sozialdemokratischen Versammlung ist kürzlich«in vertraulicher Aufruf zur Unterstützung der Freifrau v. Haimncrstein verlesen worden. Der Aufruf sagt weiter nichts, als daß die Frau 70 Jahre alt, sehr leidend und vollkommen mittellos sei, sodaß sie nicht wisse, wovon sie leben solle. Daß die Sozialdemokraten mit solchen Briefen, in deren Besitz sie nur durch Stehlen oder Hehlen ge- komme» sein könne». Geschäfte zu machen versuchen, wundert uns nicht; daß aber ein großer Thcil der anständigen Presse sich vor der Ver- öffentlichung dieses Schriftstücks nicht scheut, nimmt uns doch einiger- maßen Wunder. Ist es denn etwa verwerflich, wenn für eine schwergeprüfte, blutarme, alte Frau gesammelt wird? Was soll sonst die Veröffentlichung für einen Zweck haben? Sie verräth ent- weder Abgestumpstheit oder Gedankenlosigkeit."— Das Organ der Agrarier schießt mit seiner Entrüstung ei» wenig daneben. Erstens war er überhaupt keine sozialdemokratische Versammlung, in der der erwähnte Brief verlesen wurde, dann aber weiß das Blatt sehr gut, daß nicht das Schicksal der armen Frau ver- spottet werden sollte, sondern daß die Gelegenheit ergriffen wurde. um die bekannte Noblesse der hochkonservativen Edelsten und Besten zu kennzeichne», dies es überhaupt dazu kommen ließ, daß für die Frau ihres früheren Heerführers schnorre» gegangen werden mußte. Das war der Kern der Sache. DaS Wartepersonal der Irrenanstalt Dalldorf hat auch im Jahre 1893/96, wie in de» Vorjahre», wieder zahlreich und rasch gewechselt. Es schieden 76 Wärter und 62 Wärterinnen aus, davon 36 bezw. 20 noch im Eintrillsjahre; eingestellt wurden dafür 78 bezw. 62. Ueber die Beschaffenheit des Wartepersonals sagt der neueste Bericht, daß ein Fortschritt bei langjähriger Beobachtung doch nicht zu verkennen sei, daß er sich aber nur sehr langsam nnd allmälig vollziehe und zu einem großen Theile von dem finanziellen Aufwände abhängig sei. Daß die schlechte Be- zahlung des Wartepersonals nicht viele brauchbare Personen zum Eintritt oder zu längerem Bleiben anmuthen kann, darauf haben wir an der Hand der früheren Verwaltungsberichte(die übrigens die Abhängigkeit der Brauchbarkeit von der Bezahlung noch nicht hervorhoben) mehrfach hingewiesen. Wie schwer der Beruf eines Jrrenwärters ist, dafür bringt der neueste Bericht selber wieder mehrere Beispiele; zwei Wärter erlitten beim Transport von Kranken schwere Verletzungen, die eine dauernd« Schädigung zur Folge hatten. Die Anstaltsdirektion hat, um die Beschaffenheit des Personals noch weiter zu erhöhe», die Mittel zu einer Ausbesserung der Löhne beantragt. Im Mittelalter soll es die Kirche just nicht sehr genau mit dem Ursprung der Gelder, die ihr für ihre fromme» Zwecke zuflösse», genommen haben. Sie machte sich, wie die Kulturhiiloriker überein» stimmend berichten, den Grundsatz der römischen Zäsaren zu«ige», daß Geld nicht stinkt, und nahm selbst Stätten rüder Lust, ja sogar öffentliche Häuser unter ihren frommen Schutz, wenn diese Laster- höhlen nur brav blanke Dukaten abluden. An diesen frommen Brauch wird man jetzt vielfach erinnert, wenn man in Zeitungen und an Anschlagsäulen von den Festlich- leiten liest, zu welchen patriotisch» Vereine das Publikum einladen. Tie dreitägige Zenteuarfeier kostet Geld, und zwar vielmehr, als die festfeiernden Vereinigungen in ihrer» Kasse» haben. Da werden denn zur Aushilfe patriotische Wohlthätigkeits- Vorstellungen in öffentlichen Lokalen veranstaltet. Aber ist es Pech oder hat es einen tieferen Sinn: diese wohlhuenden Akte gehen meist in Lokalitäten vor sich, deren flitterputzige, sreche Bacchantenschaar in scheinbar grellstem Gegensatz steht zu der Tugend und mustergiltigen Goltessürchtigkeit jener, welche sich jetzt anschicken, das Nationalsest zu begehe». Im Apollotheater war, um nur einige wenige Beispiele heraus- zugreifen, neulich eine Vorstellung zum besten der Zenteuarfeier, in der neben Trikotkünsten zum ersten Male ein Nalionallied zu Ehren Wilhelms I. paradirte, ei» Heldengesang, de» ein Komponist ge- dichtet hatte, der sich bisher namentlich in Tingeltangelmelodien leistungsfähig zeigte. Aehuliche Feiern fanden in den Reichshallen, in Trikotposscntheatern und so weiter bis zu Instituten wie Gratweil's Bierhallen hinab statt. Den Vogel aber hat entschieden die Direktion des Wintergartens abgeschossen, die in den Abend- blättern ankündigen läßt, daß die durch ihre Flucht mit dem Zigeuner Rigo so hochberühmt gewordene Prin- zessin Chimay demnächst zur pekuniären Kräftigung des Patriotismus auftreten werde. Herr Direktor Baron verkündet es und die Presse druckt es arglos ab, daß die erste Vorstellung der erlauchten Dame zu einen,„patriotisch-wohlthäligen Zweck" statt- finde. Eine wunderbare Wirkung übt doch der Patriotismus heutzutage aus. Wie in, Mittelalter der Kirche, so müssen gegenwärtig i h m alle Dinge zum besten dienen. Selbst die un- heilige Sinnenlust zwingt er in seine Dienste. Ohne Tabbathschändnng geht es, wie mehrfach bei kirchlichen und patriotischen Festlichkeiten, auch bei der Zeutenarfeier nicht ab. An der Ausschmückung des Festplatzes zur Enthüllung des sogenannten Nationaldenkmals für Wilhelm I. wurde am Sonntag Nachmittag fleißig gearbeitet. Besonders waren Zimmerleute mit der Ver- kleidung der Obelisken beschäftigt. Auch die Gipsarbeiter sah man schon dabei, die Platten, die aus Möbelwage» herangesahren wurden, au den Obelisken anzubringen. Die Arbeiten fanden natürlich eine große Menge von Zuschauern, unter denen man allerhand Be- merkunge» über die Sonntagsruhe hören konnte. Durch das schöne Beispiel dieser Art Religiosität soll der kirchliche und national« Sinn des zuschauenden Volkes sich geradezu pyramidal gehoben haben. kkavigaro necesse est. Das Polizeipräsidium theilt mit: Nach- dem der hiesige Magistrat zur Ausschmückung der Schloßbrücke für die Jahrhundertfeier vor den Pfeilern und Oeffnungen der Brücke Flaggenmaste auf eingemauerten Pfähle» errichtet hat, ist dadurch eine theilweise Unterbindung des in gegenwärtiger Jahreszeit ohnehin noch nicht in Gang gekommenen Schifffahrtsverkehrs ein- getreten. Das Polizeipräsidium macht aus diesem Anlaß bekannt, daß die Stadtschleuse vom 17. bis 25. März einschließlich für den Schifffahrtsverkehr gesperrt sein wird. Eine Huldigung freier Bürger. In hiesigen Blättern lese» wir: In Sachen des„Bürger-Festzuges" hat der Minister des Inner» auf allerhöchsten Befehl soeben dem Komilee noch- mals zur genauesten Nachachtung mitgethcilt, daß der Vorbeimarsch nicht länger als eine Stunde dauern dürfe. Der Kaiser wird nach den jetzt endgiltig getroffenen Anordnungen nicht am Denkmal, sondern unter dem Kaiserzelt Auf- stellung nehmen. Der Bürgerzug marschirt mit„ Auge n links" vorbei, die Blicke sind also nach dem Kaiser und nicht auf das Denkmal zu richten. Nur die Gruppenführer salutiren durch Entblößung des Hauptes, alle übrigen Theilnehmer, auch die Vorsitzenden der Vereine behalten die Kopfbedeckung beim Vorbeimarsch auf; jede äußere Kundgebung beim Borbeimarsch ist verboten, auch dem Schrifisteller L a w e r e n z. der mit einer Landsknechtsgruppe des Vereins„Pallas" vor dem Kaiser Exerzitien machen wollte, ist die Vorführung jeder Uebung irgend welcher Art direkt untersagt worden. Der gemein- saine Huldigungsruf nach den drei Kanonenschlägen wird nach den nunmehrigen Anordnungen nicht„Hoch", sondern„Hurrah" lauten. Zn einem ZentcnarfestschmauS sollten auch die städtischen Verwaltnugsbureau- und technischen Beamten und Hilfsarbeiter sich brüderlich-patriotisch vereinen. Die Feier, welche zum Freitag, de» 19. d. M., im Konzerthause Sanssouci angesetzt war. ist jedoch am Montag Morgen durch den Bureauvorsteher des Stadtausschusses, Lasazewski, telephonisch abgesagt worden. Warum, weiß man nicht genau; es wird jedoch angenommen, daß sich zn wenig Theilnehmer gemeldet habe». So fanden sich in einem Bureau z. B. unter 50 Be- amten nur zwei Personen, nämlich der Bureauvorstcher und noch ei» zahlungsfähiger Herr zum patriotischen Schmausen bereit. Zenteuarfeier und städtische Hilfsarbeiter. Uns wird ge« schrieben: Die mit„Kanzlei-Arbeiten beschäftigten sBüreau-Hilss- arbeiter" des Magistrats, die für jeden Pfennig Loh» reelle, tadel- lose Arbeit geliefert haben müssen, schweben iinmer noch im Dunkel hinsichtlich der Aussicht aus Entschädigung für den Verdienstausfall am Tage der Zenteuarfeier, an dem bekanntlich die städtische» Bureaux geschlossen sind und diese Hilfsarbeiter keine Arbeit be- komme» können. Verschiedene Eingaben um Gewährung einer Entschädigung für den 18. Januar v. Js., dem Tage der Errichtung des Deutsche» Reiches, hatten keinen Erfolg gehabt. Wir meinen jedoch, daß denselben dieser Tag ebenso bezahlt werden könnte, wie den im Betriebe der städtischen Gas- und Wasserwerke beschäftigten Arbeitern. Auch die nicht angestellten Kanzlisten der preußischen Justiz- und Eisenbahn- Verwaltung erhalten diesen Tag ohne Arbeitsleistung bezahlt. Warum sollte also auch hier der Grundsatz keine Anwendung finden können: Gleiches Recht für Alle. Ueber HauSwirthSidealiSmuS zur Zenteuarfeier ergehen verschiedene Klage» an uns. So schreibt uns«in Arzt aus dem Westen der Stadt:„Meine Schwester, Frau L., betreibt in der Gegend am Lützowplatz ein Pensionat. Dieser Tage kam ein junger Man» als Bote der Hausbesitzerin zu ihr mit der Aufforderung, doch ja am Tage der Zentenarseier zu illuminiren; eine Liste, welche der Bote mitbrachte, diente offensichtlich zum Einzeichne». Als meine Schwester das Verlangen zurückgewiesen hatte, wird der junge Mann abermals zu ihr gesandt, diesmal mit der Zusicherung, daß die Wirthi» Lichter zur Illumination aus eigener Tasche spendiren werde. Auch die Polizei wünsche(!), daß illumiuirt werde; wer aber nicht illuminire, werde als Sozialdemokrat in die Zeitung kommen. Ein plumper Kniff, die Polizei als Eideshelserin in einer rein private» Sache heranzuzerren. Die Leitung der Werestchagin-NnSstellung hat den Rektoren der hiesigen Gemeindeschulen die Mittheiluna zugehe» lassen, daß, dem Wunsche des Malers entsprechend, de» Oberklasse» der Schulen unentgeltlicher Eintritt zur Ausstellung gewährt werden soll. In der Urania in der Jnvalidenstraße wird am Dienstag. abends 8 Uhr, Herr Gertchlschemiker Dr. Jeserich über„Anwendung der Photographie in der Praxis des Gerichtscheinikers" sprechen. Der hochinteressante Vortrag ist mit Mhlreicheu Projektionsbildern ausgestattet, die zum großen Theil aus der gerichtlichen Praxis des Herrn Dr. Jeserich entlehnt sind. Der Gram um den verlorenen LientenantStitel. Der Ein- jährig-Frciwillige B o r t i e f von der 5. Kompagnie des 4. Garde- Regiments z. F., der sich Sonntag vor vierzehn Tagen nach- mittags in der Nähe des große» Sterns im Thiergarten in dem Augenblick, als der Kaiser vorübersnhr, zwei Revolverkugel» in den Kops jagte, ist an den Wunden verstorben. Es war an die Möglich- keil gedacht worden, daß Bortief mit einem Selbstmord vor den Augen des Kaisers hätte demonstriren wolle». Es handelte sich jedoch nur un» eine» Zufall. Die Veranlassung zum Selbstmord war, daß der Einjährig-Freiivillige sich»vegen unerlaubten Ausgehens in bürgerlicher Kleidung eine Strafe zugezogen und die Beförderung zum Reserve-Offizier verscherzt hatte. Mit 1Z Tansendinark-Scheinen ist dem„B. T." zufolge der 16jährige Kasseuboie Ernst Müller flüchtig geivorden. Er war ain Sonnabend von dem Bankgeschäft Max Priester, Kanonierstr. 39, ivo er in Beschäftigung stand, mit dem Geld« nach der Preußischen Pfandbriesbank gesandt»vorden. ist dort aber nicht eingetroffen. Es ist ivohl kaum anzunehmen, daß der Knabe weit kommen»vird, denn das Wechsel» der Tausendinarkschein«»nuß ihn unbedingt verdächtig machen. Die Nuinmeru der defraudirten Banknoten sind: 1190I.A., 22708a, 41403a, 65722a, 101980a, 132546a, 87615b, 74177b, 74603b, 96306b. 127470b, 188746b, 1636416. I« der Kirche ist am Sonntag Nachmittag die 57 Jahre alte Almosenempsängerin Luise Thüraff geb. Ulrich aus der Belforter- straße 24 gestorven. Die Frau brach»vährend des Gesanges beim Nachmittagsgottesdienst in der Jmmanuelkirche plötzlich zusaminen und»var bald eine Leiche. Der Arzt Dr. Levy aus der Prenzlauer Älllee, den man herbeirief, konnte ihr keine Hilfe mehr bringen, sondern nur noch feststellen, daß der Tod bereits eingetreten war, vermuthlich infolge eines Herzschlages. Tie Tainpfergesellschaft„Stern" hat am Sonntag Vormittag trotz des sehr hohen Wasserstandes der Spree den diesjährigen Dainpf- schifffahrtsverkehr ans der Oberspree eröffnet. Der Verkehr»vird vor- läufig nur Sonntags stattfinden. Zugentgleisung. I» hoher Gefahr schwebten,»vie ein hiesiges Blatt berichtet, an» Sonntag Vonnitlag Passagiere des um 3 Uhr von Hamburg abgehenden Schnellzuges, der unmittelbar vor der Station Büchen entgleiste. Der Gepäckivagen, der Postwagen und ein Personenwagen sind dabei umgefallen. Glücklicheriveise sind Menschenleben dabei nicht verletzt»vorden. AuS be», Fenster seiner in der Dresdenerstr. 31 belegenen Woh,»ll»g hat sich in der Nacht zun» Montag der 32 Jahre alte Kellner Albert Kägler gestürzt. Man fand ihn mit zerschmettertem Schädel a»f den» Hofe liegen. WaS den Unglückliche», der eine Frau und zivei Kinder hinterläßt, zum Selbstmord getrieben hat, weiß man nicht. Zu einem Zusammenstoß zivischen einen, Pferdebahn- und einem Arbeitswagen kam es gestern, Montag nachmittag um 3 Uhr an der Ecke der Anhalt- und Wilhelmstraße. EinsFräulein Lindau. das gerade den Pferdebahnivagen besteigen wollte,»vurde herab- geschleudert und so erheblich verletzt, daß man es nach�der Unfall- station I bringen mußte. Ter Zusainmenstoß hatte eine arge Ver» kehrsstörung zur Folge. Aus LiebeSgrain hat sich die Plätterin Marie G. in ihrer Wohnung Linienstr. 226 erhängt. Sie war von ihrem Verlobten in Stich gelassen worden. Ter Sohn eines Pastors auS der Provinz, Johannes Ech.. »vurde gestern hier sestgenoininen, weil er ohne Befugniß die Uniform eines Polizeilieutenants aus der Straße getragen, sich den Titel eines Polizeilieutenants beigelegt und sich unter Benutzung dieser Uniform und des Titels des wiederHollen Betruges schuldig gemacht hat. Sch. erschien am 22. Februar d. I. in besagter Uniform bei dem Juvelier K. in der Friedrichstraße und kaufte einen Brillantring im Werthe von 300 M. mit dem Versprechen, die Hälfte des Kauf- Preises am nächsten Tage zu bringen. Zahlung ist aber nicht erfolgt. In einen» Militäreffekten-Geschäft in der Friedrichstraße bestellte er sich eine Polizei- und eine Infanterie- Uniform im Werthe von 500 M. Die Polizei-Unisorm ist bereits geliefert worden, ohne daß Zahlung erfolgt ist. Es liegt der Verdacht nahe, daß Sch. sich noch anderer, bis jetzt nicht bekannter Betrügereien in Polizeilieutenants- Uniforin schuldig gemacht hat. Der Mörder des Pfandleihers Zeidler ist noch nicht entdeckt u>»d es ist. wie übereinstimmend berichtet»vird, auch keinerlei Aus- ficht vorhanden, daß er anders als durch eine»vundersaine Fügung des Schicksals gefunden werde. Der geängstigte Bürger, den dies beunruhigt und der in» Galgenhumor höhnt, daß sich in Berlin bald ein stattlicher Klub»»»entdeckter Mörder bilde»»verde, möge Trost in der Versicherung finden, daß die Polizei ihre Pflicht thut. Sie hält auch vor allein auf die Arbeiter nach wie vor ihr scharfes Auge gerichtet und läßt auch nicht den kleinsten Verstoß gegen da? Vereinsgesetz oder gegen§ 153 der Ge,verbe-Ordn»ng»»»gesühnt. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Beim Einsteigen in einen Pferdebahnivagen»vurde am Sonnabend Nachmittag in der Große» Frankfurlerstraße ein Schutzmann durch einen Arbeitswagen uingestoßen und an der Brust und der linke» Hand anscheinend schiver verletzt.— In der Nacht zum Sonntag fiel ans der Kreuzung der Potsdainer- und Büloivstraße der 63 Jahre alte Hanseigenthümer H. beim Aussteigen aus einein noch in Bewegung befindlichen Oimiibus hi» und brach sich das rechte Bein.— Gester» früh stel der 68 Jahre alte Damenschneider Friedrich Timn» vor den» Hause Fischerstr. 2iiffolge eines Fehltrittes hin nnd brach den linke» Unterschenkel.— Nach- mittags gerielh vor den, Hanse Oranienstraße 140 der fünf« jährige Sohn der dort»vohnenden, verwittweten Schankivirthin Münster, iiann unter die Räder einer Droschke und erlitt eine Quetschung der Brust. Im Thalia-Theater(Adolf Ernst-Theater) sollen, wie nnS die Direktion mitiheill,»vährend der Monate Jn»i, Juli und August Opernvorstelltingen stattfinden. Slits de» Nachbarorte». Für die Bäckereien und Konditoreien im Kreise Teltow hat der Landralh Stubenrauch jetzt bestimmt, daß„zur Befriedigung des erHöhlen Bedürfnisses" innerhalb des ganzen Kreises mit Aus- »ahm« des Stadtbezirks Köpenick im laufenden Jahre am 10., 12., 13.. 14. und 17. April, 3.. 4. und 5. Juni. 2. Oktober, 20.. 21.. 22., 23., 30. und 31. Dezember Ueberarbeit gestattet ist. Da- bei ist jedoch zu beachte», daß mit Ausnahme des Tages vor Oster», Pfingsten auch an den für Ueberarbeit freigegebenen Tagen zwischen den Arbeilsschichten den Gehilfen eine ununterbrochene Ruhe von mindestens 8 Stunden, den Lehrlingen eine solche von mindestens 10 Stunden im ersten Lehrjahre, von mindestens 9 Stunde» in» ziveiten Lehrjahre geivährt werden muß. Wegen Errichtung eine? größeren KretSkrankenhanfeS für die>v e st l i ch e n Vororte haben die in betracht koinmenden Orts-Krankenkassen des Kreises Teltoiv in Ausführung eines dieser Tage in Berlin gemeinsam gefaßten Beschlusses an den Kreis- Ausschuß folgende Eingabe gerichtet:„Die heute in Berlin versamlnelten Vorstandsinitglieder bezw. Bevollmächtigben der Orts-Krankenkassen für Schöneberg und Friedenau, Dt.-Wilmers» dorf und Umgegend»»»d Gr.-Lichterselde richten nach eingehender Erörterung an die Teltower Kreisverwaltung das dringende Er- suchen,»n'öglichst bald«in ziveites größeres Krankenhal»s in einen» »vestliche» Vororte und zivar thnnlichst in Groß- Lichterfelde, dein Mittelpunkt dieser Vororte, zu errichten, da es häufig wegen Ueberfllllung der Berliner Krankenhäuser und zur Zeit auch wegen Ueberfüllung des Britzer KreiS-Kranken« Hauses unmöglich ist, unseren erkrankten Mitgliedern die ärztlich für erforderlich erachtete Krankenhaus-Pflege zu gewähren. Ein„Substitut" im Gefängnisse. Der in Charlottenbnrg wohnhafte Bierzapser Scharff Halle unlängst das Pech, zn einer 14tägigen Gefängnißstrafe verurtheilt zu»verde»», zu deren Verbüßung er sich vor einigen Tagen im Hilfs-Strasgefängnisse zu Rummels- bi»rg melden sollte. Da ihm dies erklärlicherweise nicht paßte, so »vußte er einen Bekannten, den Arbeiter Karl Berthold, zu bestimiuei». für ihn die Strafe abzusitzen. Nachdem Scharff seinen Substituten zunächst gehörig gestärkt hatte, zahlte er ihn, zehn Mark als Ent- schädigung sür die„Sitzung" und gab ihn, schließlich auch noch eine Mark Fahrgeld nach Rmninelsburg, woraus Berthold die Reise nach dort antrat und sich auf den Namen Scharff einlochen ließ. Nach einigen Sitzungstagen siel jedoch den Beamten das jugendliche Alter des angeblichen Scharff auf,»veshalb Recherchen angestellt»vnrden. Diese ergaben, daß der eigentliche Scharff„och ruhig an seine», Bierbotlich saß. Er»vurde seftgenommen und hat sich»un mitsammt seinem Substituten Berthold, der bereits fünf Tage abgesessen hatte, wegen intellektueller Urkundenfälschung vor Gericht zu verantivorten. Zwei polnische Ziegelei-Arbeiter. welche in der Gegend von Zachow an Dienstmädchen ein schweres SittlichkeitSverbrechen verübt hatten, sind ain Sonntag dem Landgericht Potsdam eingeliefert »vorden. In Zehlendorf hat sich ein junger Theologe, der Predigtamts- kandidat K. erschossen. Ueber den Grund zum Selbstmord giebt ein Brief Auskunft, in dem es u. a. heißt:„Es ist jetzt gerade ein Jahr her, daß ich das Staatsexamen bestanden habe. Beide theolo- gischen Prüfungen habe ich abgelegt, so schnell es unter den Heuligen Verhältnissen möglich ist. Bei einer Vorstellung bei den» hoch- »vürdigsten Konsistorium erfuhr ich. daß ich in» Juni v. I.»och zirka 350 Vorderleute hatte, eine Anstellung also in den nächsten Jahren nicht zu erivarten ist. Diese Aussichtslosigkeit treibt mich z»lin Wahnsinn, dem ich durch meine That vorbeugen ivill." Gerichts-Seikung. Unser früherer verantwortlicher Redaklcnr, Genosse Roland (Dierl) wurde gestern»vege» Hans Blum-Beleidigung zu 150 Mark Geldstrafe verurtheilt. Ein blutiger Streit zwischen Militär- nnd Zivilpersonen beschäftigte gestern die erste Straskammer oes Landgerichts- Es»vurde folgender Thalbestand festgestellt: Am Abende des 1. Dezember v. I, verließen die beiden Unteroffiziere Schutt und Korpitz eine Restauration in der Kl. Alexanderstraße, lim sich nach ihrer in der Nähe gelegenen Kaserne zu begeben. Korpitz w<"� etwas zurück bliebe» und»vurde von seinen» Kameraden' i sich beeile». I» diesem Augenblick Mgen der Kutsche>.karl Wiegel und der Arbeiter Karl Hanneinan» Schutt vorüber. halten dessen 0?uf auf sich bezogen und dnS Wort„Ochsen" verstanden. Sie stellten ihn wegen dieser unbegründeten Beleidigung zur Rede. Jetzt kam der Unteroffizier Korpitz hinzu, welcher stch erkundigte, was passirt sei Als er von dem Miß- verständniß erfuhr, suchte er die Geschichte dadurch zu er- ledigen, daß er den Zivilisten„befahl", nach Hause zu geHein Dwse enviderten. daß er ihnen nichts zu befehlen habe und Wiegel berührte den Untervsfizier Korpitz dabei vor der Brust. Korpitz versetzte ihm darauf einen Faustschlag ins Gesicht. Wiegel erwiderte durch einen Schlag mit der Schnapsflasche. In diesem Augenblick kamen noch zwei Grenadiere hinzu. Korpitz, der ielbst keine Waffe trug, rief dem einen Soldaten zu:„Seitengewehr er!" Als ihm die Waffe überreicht wurde, schlug er dem Wiegel damit dreimal über den Kopf und brachte ihm dabei klaffende Wunden bei. Dann warf er das Seitengewehr dem Soldaten wieder zil und lief davon, der Kaserne zu. Hanneinann, der Begleiter Wiegel's. lief dem Fliehenden nach und packte ihn. Sie hielten sich gegenseitig so lange fest, bis eine Patrouille kam. die sSmmtliche Betheiliglen zur Wache brachte. Wiegel und Hannemann erhielten Anklage, der erstere wegen schwerer Körper- Verletzung(Schlagen mit der Flasche), der letzlere wegen thät- lieber Beleidigung, die darin gefunden wurde, daß er den Unter- osfizier Korpitz festgehalten hatte. Das Schöffengericht hatte die Sache äußerst milde angesehen, den Angeklagten Hannemann völlig freigesprochen und Wiegel nur zu einer Geldstrafe von 3 M. ver- urtheilt, indem angenommen wurde, daß er sich im Znstande der Nolhwehr befunden hatte und wobei ebenfalls berücksichtigt wurde, daß Wiegel trotz mehrseitigen Anratheus es unterlasse» hatte, auch seinerseits Strafantraa gegen den Unteroffizier zn stellen, weil er ihm für seine Zukunft keine Schwierigkeiten machen wollte. Mit dieser milden Auffassung war der Staatsamvall nicht einver- standen, er legte Berufung ein uud machte in der gestrigen zweiten Instanz geltend, daß dem Angeklagten Wiegel der Zustand der Nothwehr nicht zu gute komme» könne, da er bereits mit der Flasche geschlagen hatte, bevor er die Hiebe mit dem Seiten- gewehr erhielt. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn zwei zwei Monate Gefänguiß, gegen Hannemann 10 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof hielt auch nur eine thätliche Beleidigung des Unter- osfiziers Korpitz für erwiesen, erhöhte aber die Strafe auf 30 M. Hannemann wurde freigesprochen. Wege» verschiedener Diebstähle nnd Hochstapeleien, die er namentlich au Offizieren begange» hatte, ist der Diener Emil Radzilsowski von der 7. Straskammer am Landgericht I. zu 0 Jahren Zuchthaus und 600 M. Geldstrafe, event.»och 40 Tagen Zuchthaus verurtheilt worden. Ei« prügelnder Polizist namens Dütsch ist am Sonnabend vom Landgericht Altona zu vier Monaten Gesängniß verurtheilt worden. Er hatte in der Nacht zum 2. Dezember v. I. einen Kauf- mann Wille arg mißhandelt. Vevfttinmlnngem Eine öffentliche Buchdrucker- Bersammlnng, die sehr zahl» reich besucht war, tagte am Sonntag im Keller'schen Saale. Der Niedakteur des„Correspondent", 3i e x h ä u s e r ans Leipzig, referirte üSer den Tarif und die Tarifgemein fchaft. Der Redner führte aus. daß, wie die Verhältnisse zur Zeit lagen, eine Aufbesserung des Tarifs nicht hätte durchgesetzt werden könne», ohne daß man den Prinzipalen das Zngeständniß einer längeren Dauer desselben machte, und daß die Gehilfenvertreter gewissenlos gewesen wären, wenn sie es auf einen Streik, deffen Ausgang sehr ziveifelhast war, hätten avko»«men lasten wollen. In der vorjährigen Bewegung sei ja auch von Anfang an das Friedensmonient betont worden. Nicht sachliche. sondern nur persönliche Momente hätten den Niß in der Gehilfenschast herbeigeführt. Die materiellen Vortheils de? Tarifs seien ja nur unbedeutend. Einen weit größeren Werth habe dagegen die Verkürzung der Arbeitszeil, was von einem großen Theil der Gehilfen nicht genügend gewürdigt werde. Man sage nun: Die Berbessernngen deS Tarifs wäre» schon recht, nur von der Tarifgeineinschaft wolle man nichts Wiste». Redner behauptet, daß es prinzipielle Gegner der Tarisgemeinschast überhaupt nicht gebe. Die Gegnerschaft richte sich nur gegen die geringe» Vor- theile, welche der neue Tarif den Kollegen gebracht habe. Würden die Bortheile große sein, dann hätte niemand etwas gegen eine lang- jährige Tarisgemeinschast einzuwenden. Redner tritt der Ansicht ent- gegen, daß die Kollegenschast durch die Tarisgemeinschast i» der Bewegungsfreiheit gebunden wäre. Aus ZweckmäßigteitS- gründen habe man noch einmal die Probe mit der Tarisgemeinschast gemacht und gefunden, daß fie sich gut bewährt habe, auch müsse anerkannt werden, daß zur Dnrchsiihrung derselben die Prinzipale das ihrige gethan hätten. BiS jetzt hätten 1600 Finnen den Tarif schriftlich anerkannt, außerdem seien sehr viele mündliche Zustimmungen erfolgt. Das Schiedsgericht habe fich gleichfalls gut angelassen, namentlich in Leipzig. Der Klaffen- kämpf»verde durch die Tarifgeineinschaft nicht beeinträchtigt, dieselbe diene den Interessen der Kollegen und fördere somit auch die moderne Arbeiterbeweguug. Den Ausführungen des Referenten wnrde leb- hafter Beifall gespendet, ebenso den Rednern Besteck, Schliebs, G i e s e ck e und R e i ß m a n n, welche für die Tarisgemeinschast eintraten. Als Gegirer derselben sprachen unter theiliveisem Beifall Kitzler undArendsee, denen Rexhänser in fernem Schlußwort entgegentrat. Die Aussperrung der Schuhu«acher. Eine sehr stark be- suchte Echuhmacher-Versammlung tagte an, Sonntag in der Königs- dank, um den Bericht über die Verhandlung mit den Fabrikanten a»n Gewerbegericht entgegenzunehmen und Maßnahmen gegenüber den vorgenommenen Aussperrungen zu treffen. W i l l n e r be- mängelte die Stellungnahme des„Vorwärts", der unrichtig informirt und demzufolge bei seinem Urtheil über diese An- gelegenheit im wesentlichen von falschen Voranssetznngen ausgegangen sei und das Vorgehen der Unter,»ehuier gewiffermaßen billigte.') Nachdem der Redner die Stellung des Geiverkschasts- kommisstons-Ausschnsses zu dem Verhalten der Schuhmacher den Anivefendei» bekannt gegeben hatte, berichtete er über die Verhandlungen vor den« Gerverbegericht,»vobei er be- »nerkte, daß«S nicht bekannt sei, von»vem das Einigungsamt angerufen wurde. Nach den Ausführungen des Redners gaben bei den Verhandlungen die Arbeiter von Rosenthal u. Groß die Erklärring ab, daß sie auf die Entlasstmg des bei der Firma beschäftigten Z»vickmeisters K a d d a tz verzichten und damit einverstanden sind, daß die Streikenden nur insoweit eingestellt»verden, als deren Stclle»inz>vische»nichtbesetzt>vurden.A»der«rseits verpflichtete stch Herr Rosen thal ausdrücklich, die altenzurZeitstreikendenArbeiter nach und nach wieder einzustellen. Die Arbeiter von der Finna Gebr. K a l l in a n n erklärten, mit der Weiterbeschäftigung der Arbeiterinnen bei dieser Finna einverstanden zu sein. Wohingegen stch andererseits der Mitinhaber dieser Firma, Herr K a l l m a n n. verpflichtete, den von der Firma Rosenthal u. Groß bisher gezahlten Tarif zu bewilligen, sowie die früher bei den Maschinenarbeitern und Arbeiterinnen gezahlten Akkordlöhne wieder einzuführen und die streikenden Arbeiter ohne jede Maßregelung, soiveil Be- schäftigting vorhanden ist, nach und nach einzustellen. Schließlich»vurde noch abgemacht, daß binnen vierzehn Tagen bei der Firma Rosenthal u. Groß der Lohntarif geprüft und eine Verständigung über die einzelnen Lohnsätze an- gebahnt werden soll. Eine Veranlaffung zu einem neuen Streik darf jedoch das Ergebuiß dieser Prüfung nicht geben. Die- i-niaen Arbeiter, welche zur Zeit nicht eingestellt werden könne». sollen ohne Ausnahme durch die Sermittelung des Arbeitsnachweises vakant« St»ven nachgewtesen erhalten. Diese Ab- ') Es ist daS ein Jrrthum. Es handelte stch überhaupt nicht um die Billigung„des Vsrgeheus d-r Unternehmer", sondern viel- mehr um eine Mißbilligung deS iffttchatteiis der Arvetter. die immer vorausgekztzr, daß tue dlesbezpgl'chen Bnefe der Unternehmer den Thatsacke» �sprachen— n»*»« rh an d ein«o ll ti n, bevor nicht gwisse Bedingung«' llt»varen. Die Rcdaktlon. machungen sollten die Vertreter der Arbeiter einer allgemeinen Schuh- macherversammlung zur Genehmigung unterbreiten und die Beschlüsse spätestens am Montag dein Vorsitzenden des Fabrikantenverbandes miltheilen. Die SlnSsperrung der Arbeiter konnte durch die Verhandlungen nicht mehr abgeivendet»verden,»veil,»vie der Vertreter des Unter- »ehmerverbandes erklärte, sie durch hohe Konventionalstrafen dazu gezwungen»väre», sie vorläufig vorzunehmen. Dagegen verpflichteten ich die Fabrikanten, bis dahin kein« neuen Arbeitskräfte einzu- telle». W i I l>» e r bespricht sodann in eingebender Weise die Art der Verhandlungen, die zu den» angegebenen Resultat führten, ,vo- bei er beloute, daß auch der Vorsitzende des Geiverbe- gerichis sich in mißbilligende»» Sinne über die Einrichtungen des Fabrikanten- Arbeitsnachweises ausgelassen hatte und auch das Vorgehen des Herr» Rosenthal tadelte, der durchaus die Wicdereinstellung»nehrerer Arbeiler, darunter eines, der bereits 12 Jahre bei der Finna beschäftigt war und sich zum ersten Mal am Streik betheiligte, veriveigern»vollte. Der Redner »veist in längeren Ausführungen daraus hin, daß die Agitations- ko»»»issio>i in der feste» Zuversicht, die Differenzen auf gütlichen» Wege zu regeln,»viederholt versucht hat. Verhandlilnge» auzubahiien, die aber wie in früheren Fällen, so auch jetzt unter allerlei Vorivände» abgelehnt»vurden. weil die bedingungslose Unteriversung angestrebt»vurde. Obivohl alle Differenzen dem Unlernehmerverband zur Schlichtung»mterbreitel»verde» sollen uud die dann gefaßten Beschlüsse für de» betreffende» Fabritantei», sowohl»vie für die Arbeiter giltig sein sollen, läßt man die Vertreter der Arbeiter, die Agilalionskommission, zu den Be- ralhnngeii und Beschlußfassungen nickt zu, sodaß selbstverställdlich, »ach diesem einseitigen Urtheil. die Arbeiter sich stets iin Unrecht befinden. Auf den letzten Versuch der Agitationskommissioii, die schwebenden Streitigkeiten zu beseitige», antivortete der Fabrikantenverband, ohne eine geineiusame Verhandlung zuzugestehen, in einein ge- »vundenen Schreiben an die Kommisston, in dem das Wort Maßregelung»viederholt mißbraucht wird, daß die Mitglieder des Verbandes au ihren» Beschlüsse betreffs Anstellungs- lind Eick- lassungsrecht, sowie keine organisirten Arbeiter mehr zu beschäftigen, unbedingt festhalten. Thatsächlich»vurde auch den Arbeitern folgender Revers zur Unterschrift vorgelegt: „Ich Endesunterzeichneter versichere hiermit auf Ehren>v ort, daß ich dem Verein der deutschen Schuhmacher(Fachverein) nicht angehöre, noch »vährend meiner Thätigkeil für Ihre Fabrik an- gehören»verde, auch verpflichte ich mich, keinerlei Zahlungen an denselben zu leisten. NE. Nur solche Arbeiter erkalten im Arbeits- nachiveis Scheine,! die obige» Revers unterschrieben haben, solche, die falsche Versicherungen abgeben, sind überhaupt ausgeschlossen." Der a»i, II. März von dem Verband der Fabrikanten gefaßte Beschluß bestimmt hierüber ilnter aildercn» folgendes: Sl m Sonnabend, d c u 13. März, werden alle Arbeiter ii» und außer de in Hause»nit Ent- lassungsschein entlassen. Sollten die Arbeiter den ihnen ein zu händige»den Revers, daß sie dem Verein der deiltscheuSchuhmacher nicht angehören oder aus demselben ausscheiden, unterschreiben, könne,» sie»vieder eingestellt»verde». Bei den Arbeitern a»lßer den, Hause trifft dasselbe zu und z»var au» Zlblieserungstage der bis heute erhaltenen W a a r e. Wie der Borredner, so verurtheilt auch Menzel in scharfer Weis» das Vorgehen der vereinigten Unternehmer. Er erinnert zur Charakteristrung der Bestrebungen dieses Verbandes an die Vor- kommnisse des letzten halben Jahres. Nach diesen Aussührnngen haben die Fabrikanten trotz des bei Beendigung der letzten Lohnbe>ueg«ng gegebenen Verspreche»?, Frieden zu halten und die Arbeitsverhältnisse in derselben Weise zli b-laffen, Lohnrebnzinmgen und Maßregelungen vorgenommen und die schlechte Konjunktur zur Unterdrückung der Arbeiter ausgenützt. Ost mußte die Agitationskoinmission sich die erdenklichste Mühe geben, um die betroffenen Arbeiter davon abzuhalte», in einen Streik einzutreten. In jeder Weise wurde versucht, die Arbeiter zu provozire»», um in der schlechten Zeit einen größeren Ausstand herbeizuführen. Durch den von den Fabrikanten gegründeten Arbeitsnachweis»vurden Ar- beiter, die i»» der Bewegung tisiitig sind oder sonst sich bei den Unternehmern mißliebig gemacht haben, auf 4, 6 und 3 Wochen von den Fabriken ausgesperrt und ihnen Höhnend die Hungerkur empföhle». Trotz allen diesen Provokationen vo» feiten der Unternehnier m»d deren VertrauenSpersone», waren die Arbeiter nachgiebig,»in de» Fabrikanten keine Gelegenheit zu geben, die schon längst geplante Aussperrung zwecks Sprengung der Organisation vorzunehmen. Alle Chikanen haben die Arbeiter über sich ergehen lassen, sie haben ihre Hand stets zum Frieden geboten, um einen Kampf zu vermeide». Der Redner fordert hieraus zum Eintrete» für die Organisation aus und giedt der Hoffnung'- Ausdruck, daß der den Arbeitern auf- gezivungene Kamps zu gunsten der Arbeiter«»»den wird, z»>mal die Geschästskonjunktur gegenwärtig eine sehr gute und ein einheitliches Zufamniengehen der Arbeiter ohne Zweifel ist. In deiffelbe» Weise sprachen sich auch»och S t a u e r und Weber ans, die darauf hinwiesen, daß von denselben Unternehmer»», die jetzt den Arbeiter» das Koalittonsrecht illusorisch machen wollen, die Organisation früher anerkannt»vurde. Hieraus wurde, nachdem die Geniaßregelten ans eine Unterstützung für die erste Woche verzichteten, beschlossen, daß von denjenigen, die keine Kündigung habe»», am Montag die Arbeit nicht ausgenommen werden soll. Sodann gelaugte eine Resolution zur Annahme, nach welcher die Versammlung sich dereit erklärt, die Hand zuin Frieden zu biete» und den Vorschlag des Ei»sg>mgsan>tes anzunehmen,»venu die Fabri- kanten die Organisation der Arbeiter anerkennen und mit den von den Arbeitern gewählten Vertretern zu miterhaudeln ge»villt find,»venu des weitere» den Arbeitern Rechte an dein Arbeits- nachiveise eingeräumt und die bisher schon uuterzeichnelen Reverse zurückgezogen»verde». Sämintliche Beschlüsse»vurden einstimmig und mit Begeisterung gefaßt. Wie mitgetheilt wurde, haben bisher verhältnißmäßig wenig Arbeiter den Revers unterschrieben, oft nur.»veil vordein gar keine Parole ansgegeben und keinerlei Beschlüsse gefaßt waren. Nach oberflächlicher Schätzung, eine genau« Feststellung war bis zur Zeit nicht»nöglich, sind bisher ca. 600 Arbeiter ausgesperrt. Tie nächste Versammlung, zu der die Antivort der Fabrikanten erwartet »vird und in welcher weitere Maßnahmen auch bezüglich der in Kündigung stehende», Arbeiter getroffen werde» sollen, findet ain Dienstag, nachmittags 2 Uhr. in demselben Lokale statt. Der Deutsche Holzarbeiter-Berband hatte für den 8. d. M. acht Bezirksversammlungen anberaumt. In steben derselben wurde von den Genosse» Glocke, Tost, Vorpahl, Ahrens, Kreisch mann, Kunze und P ö tz s ch über„Die Lehren des Samburger Streiks" gesprochen; in der achten sprach Genosse o f f m a>» n über„Glaube und Vernunft". Von einer Diskussion »vurde in mehreren Versailunlungen ZIbstand genommen, in anderen mit den Pnuktei, Löhne und Werkstalt-Angelegenheilen verbunden. In» Bezirk Moabit entspann sich«ine längere Debatte über die Zllstände in der Werkstatt von Thierbach, so>vie über das Verhatten der Kollege» in der Wellblech-Fabrik von Bernhardt. »vo die Tischler 10 Stunden arbeiten und die Zimmerer dagegen, »velche dieselbe Arbeit anfertigen, nur 9 Stunden. Zum Schluß giebt der Vorsitzende bekannt, daß die nächste Versammlung am 27. März abgehalten wird und nach der Versammlung ein gemüth- liches Beisammensein stattfindet. Iin Kolberger Ealou rügte ein Redner, daß in der Fabrik vo» B o r s i g tu Mvabit, Kirchstraße, einem Betriebe,»vo 900 Personen arbeilen, kürzlich, als ein Kollege an der Hobel- Maschine verunglückte, nicht sosort Verbandsstoff vorhanden geivesen sei. Zu Beiträgesammlern»verde» K u p s ch r i k und Fleisch- s r e s s e r. ziun Schriftführer F e n d e l gewählt. In Rautenberg's Salon, Oranienstraße, waren die Kollegen der Werkstätten von Nachbar, Naunynstr. SS. und Preißler. Reichcnbergerstr. 114, geladen. In diesen ist eine lange Arbeitszeit die Regel. Die betreffenden Kollegen»varen nicht erschienen; ihr Verhalten wurde von der Versammlung aufs schärfste verurtheilt. Im O st b e z i r k wurde der Kollege Sauer als Vorfitzender für die Bezirksversammlung, und die Kollegen Oswald, Hoff- ,i, ann, Günther, Juth, Pletner, Win d müller und Finke in die Werkstatl-Kotttrollkoinmission geivähit. Unter Ver- schiedenem wurden die Werkstätten vo» W. Friedrich und Z i e t l o w der Werkstatt-Kontrollkominission itber, Viesen. In F r i e d r i ch s s e l d e fand nur eine kurze Diskussion über den Vortrag statt. Anmerkung der Redaktion. Von drei Bezirksversamm- lunge» sind wir bis heute, den Ib., noch ohne Bericht, ein Beweis jedenfalls, daß die Vorwürfe deS zu späten Erscheinens der Berichte der Redaktion gegenüber häufig genug zu unrecht erhöbe»» werden. Für die Betheiliglen würde es jedenfalls von Vortheil sein,»venu »vir immer in der Weise,»vie heute, einen übersichtlichen allgemeinen Bericht über alle Bezirksversammlungen zu geben in der Lage wären. Eine öffentliche Vcrsam>nlung der Dekateure fai'.d am 12. März i» der Alten Jakobstraße 83 statt. Eingangs referirte Waldeck M a n a s s e unter lebhafte»» Beifall über den Militarismus. Hierauf berichtete der Delegirte der Geiverkschaftskoimnission über die letzthalbjährliche Thätigkeil derselbe» und gab darnach i» seiner Eigenschaft als Vertrauensmann der Dekateure seine» Halbjahrs- Rechenschaftsbericht, zu dessen Prüfung die Versainmlung drei Rcvi- soren ernannte. Ein Vorschlag, mehr Mittel zu Agitations- zivecken zu schaffen, ging dahin, statt der Listensammlungeu das Markensystem einznführe»,»vurde aber nach reger Debatte abgelehnt. Es»vurde beschloffen, daß die Listen- sammler fortan alle 14 Tage mit dein Bertraueusmann abzurechnen haben; wer diesem Beschlüsse nicht»achkomme, solle in der nächsten öffentlichen Bersmnmlung bekannt gegeben»verde». Die angeregte Frage des 1. Mai»vurde zur definiliveu Beschlußfassung bis zur nächsten öffentlichen Versammlung zurückgestellt. Rummclsbnrg. In einer Versammlung des Arbeitervereins für Stralau, Rummelsburg nnd Umgegend hielt ain 9. März Genosse Jahn einen Vortrag über: Pflichten und Rechte der Staatsbürger. Zum 2. Punkt der Tagesordnung: Die Vcr- »venduug öffentlicher Mittel durch die Rummelsburger Gemeinde- Vertretung betr. Zentenarseier legte der Vorsitzende klar, daß die Gemeinde im verflossenen Jahre S6 000 Mark Ueber- schuß hatte, welche größtentheils durch die Biersteuer:c. entstanden sind. Ii» der Gemeindevertretung sei mm beantragt worden, ein Kaiser Wilhelm- Denkmal zu errichten, ebenfalls zur Ausschmückung eine ge»visse Summe zu bewilligen, und endlich Erbauung einer Mittelschule. Hierzu»vird nachstehende Resoliltion einstimmig angenomlnen: Die am 9. März tagende Versammlung des sozialdemokratischen Vereins proteftirl hiermit gegen die Verwendung öffentlicher Mittel,»velche von der Allgenieinheit, darunter auch von unseren Parteigenossen ausgebracht werden, seitens der Geineindevertretung von Ruinmelsburg anläßlich der Feier des 100 jährigen Geburtstages Wilhelms I. Sie hält es für unangebracht, den Personenkultus durch die Mittel der Gemeinde zu fördern,»vährend andere»vichtigere Aufgaben u»- erledigt bleiben. Sie protestirt desgleichen gegen die geplante Vertheilung einer Festschrist an die hiesigen Gemeindeschüler, da sie nicht das Vertrauen hegt, daß das Lebensbild Wilhelms I. streng objektiv gehalten»»»d der historischen Wahrheit entsprechen »vird. Sie protestiren endlich gegen die geplante Er« richtung einer Mittelschule am hiesigen Orte, indem fie darin»vieder»»», eine Bevorzugung der besitzenden Klaffe erblickt aus Kosten der Allgemeinheil und die Errichtung derselben »»»»r vie Vernachlässigung der Gemeindeschul« zur Folge haben würde. Zu Punkt in., die Tendenz bei der letzten Weihnnchlsbescheerung armer Kinder, führt Genosse Ritter anS. daß eine Hausbesitzerin den» hiesigen Frauenverein sechs Kopftücher iin Werth« von zirka z>va»zig Mark mit dem Auftrage, dieselben an arme Kinder zu vertheilen, übersandt hatte. Der Frauenverei», hielt aber die Tücher für arme Kinder als für zu schade und meinte, dieselben»vürden doch»»»r von den älteren Geschwistern auf den Tanzböden getragen. Die Tücher»vurden nun an die BereinSdame». größtentheils HauZbesitzeriunen, verkauft und brachten dieselbe» im ganzen die Summe von 6,30 M. ei». Die Gebsri» war darüber emvört, daß der Wohlthätiakeitsverei», in solcher Weise den arineu Kindern die WeihnachtSbescheernng kürzte. Wohl uin der Besprechung der Sache in der Oeffentlichkeit vor- zubeuaen, habe dann der Frauenverein die Tücher wieder zurück- gekauft und der Geberin als zur Bescheerung nicht geeignet wieder zurückgesandt. Di« Versammlung giebt über solche Handlungsiveise ihrem Mißsallen laut Ausdruck. Zrrb»»,r.O>>»d Aeriln» und Dllmgege«». Aenderungen Im «er, tntratender sind zu richten an Hermann Braunschwotg, Dresdener- strafte so, Hos.« Dr. Ou»d de» gtfcllietn Ardeiterverein» Kerlin« und Zt»»ge«>»d. Alle Luschrtsten. den Bund betressend, stnd i» rtchren an P.® ent, S. Dresdener- strafte»07/». K»««»». Herein für veldoitzinnlich» Wissenschaft. Hinte Abend 9 Udr, bei Hensel, Brunnenftr. 17»; Vortrag de» Herrn«ritschinsly: EtelttUität. Ditkussion.(Säfte willkommen. Zentraloerei» der Kiidhaner. Heule, abend««X Uhr, Annenstr. 15: Bersammlung der in der Holzbranche beschäftigten Kollegen. Kachverein der K»ti- und Krettertrnger Berttn» und Umgegend. Donnerslag de»»». März, abend« s Uhr, im Lokal« de» Herrn«ivaid. Schonleiii- strafte e. Mitgllebctoersammlung. Neue Mitglieder w erden aulgenommen. «emodrattfchrr Herein. Donnerstag, den>s. März, abend» 8', Uhr, tn , JnrnnnhbUen, Koinmönbäntenstt. 30: Versammlung. Vortrag über:„Der Willwmin-n Lehren". Reserenl: Dr. Rudolph Gräser. Säfte sind Witter, iKffSllberstcht vo», 15. Marz 1897. ®• 0 tt 0 n e n. Swinemünd». Hamburg.. Verlin... Wiesbaden.. München.. Wie».... Haparanda.. Petersburg.. Cork.... Aberdee»... Paris.... S-sss i Q >-» jO*■* »Kiixi CS. c S 20 c *> 04 »a « U» 20 � ».S leitet 759 755 768 753 759 764 768 746 753 751 O OSO OSO NO Still Still NNO O S bedeckt bedeckt dedeckt bedeckt Nebel wolkig »volkig »volkig bedeckt wolkig 8 8 4 4 2 —9 —7 4 2 6 Wetter- Prognose für Dienstag, de« 1« März 1897. Ziemlich trübe und regnerisch bei inäßigen südwestliche»» Winde»», «twaL wärmerer Nacht-»ind sinkender Tagestemperatur. Berliner Wetterb ureau. tiüt den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Dienstag, den 1«. März. Opernhaus. Der Barbier von Sevilla. V-rv-UIoria rusticaira. (Bauem-Ehre.) Schanipielhans. 1812. Neues Opern- Theater.(Kroll.) Geschloffen. Deutsches. Moriwri. Berliner. Kaiser Heinrich. Lessing. Comleffe Gnckerl. Neues. Marccllc. Ostend. Berlin, wie eS weint und lacht. Westen. Die vcriibmte Frau. Residenz. Affociss. Linden. Indigo und die vierzig Räuber. Thalia. Frau Lieutenant. Schiller. Am Tage des Gerichts. Zentral. Ein fideler Abend. BolkS. Signa r Piffarello. Friedrich- Wilhelmstädtifches. Moderne Jungfrauen. Sllexanderplah. Heinrich Heine.— Eine Taffe Thee. Paflage-Panoptikum. 32 Mädchen aus Samoa. Apollo. Spezialitäten._ Delle-Alllaute-Tdkater Volks-VorfteNtilta unter Regie von Sonntag, den 2!. März, nachm. 3 Uhr: Gastspiel der Damm Martha Frxh und Therese Freybnrg; der Herren Heinrich Schulz und Wilhelm Russ. Zum dritten Male: Die zvllßsru m Skleavs. Romanttsche Tragödie von Fr. Schiller. Johanna: Matths Frey. Agnes Sorel: Therese Freyburg. König: Richard Jürgas. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Ruft. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot: Julius Tür«. Die Kostüm«, Reqnifiten, Waffen find aus den kunstgewerblichen Werk- statten von P. Hildebrand. Eintrittslatten U CO Ps. sind in den bekannten Geschälten zu haben. Sckillov-T hostev (Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Mittwoch, abends« Uhr: Die gerechte Welt. Ostend-Theater. Gr. Franksutterstr. 132. Dir.«. Weist. Heute Abend 8 Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. Freitag: WohlthättgkeitS- Vorstellung. Prolog. Hierauf: Die Leibrente. Schwant in b Akten von G. v. Moser. Gäste: Frl. Klara Meyer v. Schau- spielhause, Frl. Falke vom Theater des Westens und Herr Franz Dorn. Thalia-Theater. (vormals Adolph Grnst. Theater). Zum 84. Male: .Frau Lieutenant.� Baudeville in drei Akten von Paul Fcrrter und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirsch«! Musik von G. Serpette und B. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trtlbh. (5e«tral-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir.«ich. Schultz. Abends Vi8 Uhr: Zum 39. Male: M fidel« Abend. Morgen sibeler Aben sr 40. Male: Ein Mcich Vilhel«ß. Thtttn. Abends 8 Uhr: Moderne Jungfrauen. Berliner Pofte mit Gesang in 3 Akten von Alfred Schmasow mit R. Niwsl. Muflk von«Ibett Wicher. Mittwoch, zum 1. Male: Liane. die zweite Frau. Charattergemälde in 5 Aufzügen nach dem gleichnamige» Marlittschen Gartenlauben- Roman, für die Buhne bearbeitet von H. W. Merls.— Sonnabend Abend: Der Kampf um den Niederwald. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Borbeftellgebühr an der Theater- taffe zu haben. Außerdem im In- validendank, Unter den Linden 24, bei »WWWWMM~~ , 50. Paul Nomeick, Letpzigerstraßc e.'u Julius Leugenfeld, Markgrafcnstt.! Altksndtiullltz-Thtsttt. Unwiderruflich letztes Gastspiel des Germ Karl Pander vom Thalia- Theater in Hamburg. Abends 8V« Uhr: Heinrich Heine. Lustspiel in 3 Akten von A Weis. Hirsch, Hühneraugen- Operateur und Lottette-Kollekteur: Karl Pander a. G. Vorher 8 Uhr: Eine Tasse Thee. Lustspiel in 1 Akt nach dem Französischen von W. Drost. Mittwoch: Einmaliges Gastspiel des Joseph Aschmger und Leonard Haskel- schen Berliner Possrn-Theaters. Der Lumpenball. Die Ballhansanna. Billets sind ohne Borbeftellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- kaffe zu haben. Bormittags 11-1 Uhr und abendS von W Uhr an._ Welt-Restaurant T«pl6te- und Spezialitäten- Theater. Dresdenerftraste S7. Bnli«,y!«'Sba>>t>»>dIrcht! Bilder aus dem Bollölebm v. E l y. Der letzte Fang. Operette von R u n g e- L a n d w e h r. Im vorderen Saal täglich: Tyroler-Konzrrt �.lul« Ldn er. Tyroter-Konzrrt Alol« Anfang;■ Entree. Wochen». 8 Uhr. Wochentags 20 Pf. Sonntags ß Uhr. J Sonntags 30 Ps. TTpaMia Tanben.Strasse Ulaula, Ko. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ad. Eintritt»0 Pf. Wissenschastl. Theater abends 8 Uhr. �fapttMtll'ft»:3mwW,enstr. 57/62 eMtVUlUUllt Lehrter Stadtbahnhof. Täglich von 71/2 Uhr abends ab SV Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erperi- mentcn u. gr. Lichtbildem ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. Passaie- Panopticum. aas Samoa. � Casian's■■ Pauopticnm. Pygmäen die kleinsteu Menschen der Welt! Damen-Wcttschwimmen. Volks- Theater Z4. Rcichenberger- Strafte 34. Pferdebahnstatwn: Kvttbnser Thor. Siguor kittarello. 'offe mtt Gesang in 6 Bildem von . Willen und S. Haber. Mnstk von G. Michaelis. Die neuen Koupiets und Gefanastezke von R. Brodek, lomp. von R. Thiele. Wochentags 8 Uhr. Sonntage 7 Uhr. Aufm� öeplinei' Possen-Ilieatei' !HUne»tratise 17. (Eingang KönigSgradeu.) Direktion: Joseph Afchinger und Lesutzardy Haskel. Der Lumpenball. Baruchnud Sohn. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Kasseneröffnung 8 Uhr. Entree Sv Pf. Am Mittwoch, den 17. Mörz: Einmaliges Gastspiel im AlMmM-Theilter. Zur Ausfiihmng gelangt: «na. osr Uirnpen -A«« ibail. Circus Renz Karlstrasse. (JnbiläumS- Saison 1896/97.) Dirnstag. de« 16. MSrz 1897, abends V/, Uhr: AujersckMcheMMW. Durchschlagender Erfolg. Ans der Mappe eines RieseilBirgs-WktßAell. Außerdem die hervorrag. Nnmmem des Rep«wtts: 4 arab. Boldlnt- Schimmelhengfte. als Fahnenpferd« dressitt und vorgeführt dvm Direktor Fr. Renz. Die doppelt« hohe Schul« geritten von den Damen Frl. Wally Renz und Frau Robert Renz. Hoch- nnd Weitspttinge über 6. 8 und 16 Pferde, ausgeführt von den besten Springern der Gesellschaft. €/, Uhr. Sonntags 8 Uhr. Umtausch- BilletS haben Giltigkeit. RvkmisekesRraukans l.aadsberger Allee. Heute, sowie jede» Dienstag: Stettlner Sänger sMeysel. Pietr» Britton. Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Anfang 8 Uhr. Entre« 5V Borverkaus 40 Pf.(stehe Plakate). 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Bl. unter N. 83. erbeten. 432b Fantasiefeder- Arbeiterinnen finden bei hohem Gehalt dauernde Stellung bei Louis Fünken- steln, Alte Jakobstr. 81. 4066 Mm-WMrm wünscht stimmbegabte Herren. Meldung Freitag, abends 9 Uhr, Rofenthaler- sttaße 57 bei B-a-bi e l._ 387b Ein Korbmacher findet dauernde Arbeit bei J»Kanzog, Nieder-Schön- Hausen, Ruchholzerftr. 12. 9386 UliiogrSpi! nÄtraße Ä Brun- [9366 »376.1 Kartonarv eitert» sucht«. Backe. Kastanien-Allee 74. Tßchttger Klemvurr. der auch im Schieferdecken gewandt ist, findet bei gutca: Lohn dauernde Stel- lung b. E. Schulz jr., Klempnerei und Bedachungsgeschäst Grüuberg i./Schl. Kinderkleidchen-Arbettertnnen verlangt Schröder, im und außer dem Hause, Pankow, Kaiser-Fttedrich- strafte 45. 430l> der schon W.., Klobenholz geschnitten, auch mit Motor Bescheid weift, verlangt(136/10 Otto Schnutz, Gneisenaustt. 50. Holzarbeiter! DieKollegen derWerkstatt von Grän n. Bettn-lg, Fürbringerstr. 9, haben wegen Loyudiffercnzen die Arbeit eingestellt. 87/1? Zuzug fernhalte»! Die Ortsverwaltnng. Kichere Neilung bei Nerve» u. Magenleiden. Neu!(Jeder Kranke lese diese, erprobtm Rathschlägel) Theil I, unentgeltlich vom Berliue: »erlagstnstitnt, Berlin W,. stlowstraße 31 I. 136/8 S»- 10 öffriltlich- Volbs-Versammlungen DonneM. 18. Wön. abends 8 Kljr, in folgenden Lokalen: 1. Mveis: Cohn's Festsälen, Beuthstraße Nr. 20. Bickei's Festsälen, Hasenhaide Nr. 53—54. 3. Kreis: Bnochnow's Salon, Sebastianstr. 39. 4. Kveis: Bäkmisokes Bnaukaus, Landsberger Allee 11. Bnama, Wrangelstr. 9-10. 5. Kreis: Schützenhaus, Linienstraße 5. 6. Kreis: Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemüuderstr. 35. Berliner Prater, Kastanien-Allee 6-7. Cösliner Hof, Cöslinerstraße 8. Etronen- Brauerei, Alt-Moabit Nr. 49. Tagesordnung in allen Versammlungen: Der 18. März and seine Vedeutung für das Vroletarial. Referenten find die Genossen: Ztavi', Bebel, Förster, Ledebour, Liebknecht, Lutgenau, M. Schippel, Rob. Schmidt, Wurm, Dr. Zadek. Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Vrrkrnnenspersonen. 213/8 Droschkenkutscher! Heute, Dienstag, den 16. März, abends 9 Uhr: Große öffentliche Versammlung der DeosäikenNutsäitr». deren krauen Tages-Ordnung: 1. Die Bedeutung des 18. März. Referent Th. Metzner. 2. Das Bezirts-Bertraueusmännersystem event. Wahl der Vertrauensmänner und Bericht der Revisoren. 3. Diskussion. Da die Tagesordnung für jeden von grober Wichtigkeit ist, so ist eS Pflicht jedes Kollegen, für diese Versammlung eifrig zu agitiren und zahl- reich zu erscheinen. 52/5 Die Vertrauenspersonen. I. A.: H. Schnitz. iöff" ZMoler."Wl Mittwoch, den 17. März, abends präzise 8V2 Uhr, in den Armin Hallen, Kommandantenstratze 20: Große Mitglickr-VersmmlW der ziliale Berliil l. Tages-Ordnung: Vortrag über: Die Erforschung des Nordpols. Referent: vr. JoCl, Neuwahl des Vorstandes. 124/18»er Yoratand._ Verein der graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands(Filiale Berlin). Mittwoch, den 17. Mär», abends 8»/� Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraftc Nr.!Z7e: Mitglieder-Versammlung. Heymai ievenes. im über: TageS-Drdnung: 1. Geschäftliches. 2. Sotttag des Herrn Dr. „Gewerbliche Krankheiten.« 3. Diskusston. 4. Berschie Uul pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht g7/5»1« YerHraltiin(f. yp. Kollegen, agitirt für befferen Besuch unserer Versammlungen. Tapezirer! Mittwoch, den 17. März, abends«V, Uhr. im Lokale de» Herr« Zabell, Lindenstrafte 106: ©cffcutl. VcvsalNlttluttg. Tages-Ordnung!_. I. Bericht und Neuwahl des Vertrauensmanns und deS Delegirten zur Gewcrkfchasts-Kommission. 2. Maifeier. 3. Bericht und Neuwahl der Arbeits- vcrmittlungs-Koinmission. 4. Gewerkschaftliches. Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. 1�0/3 Der Vertraaensmunn der Berliner Tapezirer. Ächtung! �achuevein Ächtung! der Bilderrahmeumachcr. Sonntag, LI. März, in den Arminhallen, Kommandantenstr. SO: IV. Stiftungsfest. Tanz, Festrede, OeHanjgs- n. hnmorltttlMche Vortrüge. IMT* Anfang nachmittags 4 Uhr."VS Eintrittskarten ä 50 und 30 Pf. sind bei den Borstandsmitgliedem, sowie auch an der Kaffe zu haben.— Um zahlreiche Betheiligung der Kollegen und Genossen ersucht_ Der Vorstand. Montag, 22. März, abends 8Vz Uhr, bei(Stramm, Ritterstrabe 121: Vevoins-Vevfsmmlung. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Kollegen dringend erforderlich.__[44/4)__ Der Vorstand. Tempelhot-tSWlariendorf. Donnerstag, 1«. März, abends«:/.. Uhr. bei Gerth-Dempelhof: Liene-Abend de» Arbelter-BIIdnngsvereln». Tagesordnung: 6. Vortrag des Herrn E. Rosenstock: 1848. Diskussion. Itoktabali GrSbte Auswahl! Billigste Preise! Guter Brand! Vorzügliche Qualität! Tämmtliche"TWa (Nene Formen, sehr gr. Answ. k 1,40 M.) Man verlange Preis- » Verzeichnib. 10688' Heinrich Franck, Nr. 18.',. Brunnenstr. Nr. 185. 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Werk stattdifferenzen. Verbandsangelegenheiten. M- Jede Werkstatt muß vertreten sein. 87 16_ Die OrtSvcrwaltung Deutsch. Metallarbeiter-Verband (Verwaltnng Berlin). Dezirks-Vttsammlungtn: Für Osten: Hente, Dienstag, den 16. Bürz, abend» S'/i Uhr, bei Keller, KoppenHtra»»e 26. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Frl. Ida Altmann über: Die Religion unserer schwarzen Brüder". 2. Diskulffon. 121/7 Für Ccntrum und Süden: Mittvoeb. den 17. Hlirz. abend» 8'/- Uhr, im Lionlsen- »tttdtl»chcn Klnbhan», Annen»tr. 16. Tagesordnung; 1. Vortrag des Herrn Dr. Cliri»teIIer. 2. Diskussion.— In beiden Versainmlungen Verbandsangelegenhetten und Ver- schiedenes. Gäste willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet _ Die OrtSvcrwaltung Nerbaud aller in der Melallindnstrie beschäftigten Arbeiter Berlins u. Umg. Mittwoch, den 17. März, abends 8»/, Uhr: Nertrauensmauuer-Konseren; für den Süden in Benlie'» 8aIon, S>'annz'n»tra»»e>'». 97. aar Mitgliedskarte legitimirt."9� 13 112/: Der Vorstand. Mchoerei« der Voll- uHrrttertriiger Berlins und Umgegend. Donneratag:, den 18. lliirz, abends 8 Uhr, Im Cokale de» Herrn Ewald, 8chtf nlein»tras»e 6: Mitglieder* Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnnng vom 4. Quartal 1896 und vom Maskenball. 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreichen Besuch erwartet 84/6_ Der Vorstand. Achtum! Putzer. Achtung! Mittwoch, den 17. März, abends 6 Uhr: Versammlung"WU der Mdeputirte» der Nutzer Kerlins«. stmg. Tages-Ordnung: 132/12 Das bisherige Resultat des Abwehrstreiks und Regelung der weiteren Maßnahmen. In aubetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung muß jeder Bau von Berlw und Umgegend vertreten sein. Die Eobnllomiuisslon. Achtung, Zimmerer! Hlttwoch, den 17. Mllrz, abend» 8 Uhr: Oeff Nersammliing d. NlaßdMtirttn _ bei Baske, Grenadierstr. 38. SV> Zu dieser Versammlung werden besonders die Deputirten von Enreibardt& Bornschein, Renter 4k Hartmann, Stiebitz 4k Kttpchen, Beyer, Hochstraße, Schulz 4k Co., und 8chUpke, eingeladen., 277/1 _ Die Lohnkommissiou. Altiknbmklli Wllkn-Schonhuusku Nohen-zchöiidallsen bei Zlerlin«st. Telephon: Amt Friedrichsberg, Xo. 83."WW Den Herren Gaftwirthen empfehlen wir unsere auS den besten Materialien hergestellten, wohlschmeckenden und gutbekömvllichen Bier« und zwar: Kagerbier(goldgelb), K ilsener Kier(hell, nach Pilsener Art), Grportbier(dunkel, nach Mllnchener Art) in amtlich geaichten Gebinden zum Nettopreise von 15 Pf. per Liter ftei Haus resp. frei Bahnhof Berlin. Die Direktion: MUH. Stnrck. Siebevt. kiltzel- Verkaltsr Ilhrell-Hltlilltimlt zu. WWMM. v. Viesen, Lrünieußr. 171 ATfZS. Path»«• Geschenke. Verbillld der BuGinder it. Den Mitgliedern hiermit zur Nack richt, daß unser Kollege, der Leder- arbeiter s25/15 Gz Hoho am 14. d. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Ter Borstand. OrlZ'KrsitlleiilttZse der Sattler. Am Sonnabend, den 13. d. M, starb nach längerem Leiden das Mitglied 426b Joseph Hohem Die Beerdigung findet am Mitt- wach, den 17. d. M., Nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Louisenkirchhofes, Rixdorf, Hermann- strafte 135, statt. Der Vorstand. Allen Freunden u. Bekannten hier- durch die traurige Nachricht, daft unser lieber Bater, Schwieger- und Graft- vater, der Maschinenbauer s434b Wilhelm Bethge am 12. d. M. plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet anl Mittwoch, den 17. d. M., nachm. 4'/3 Uhr, von der Leichenhalle d. Neuen St. Johannes- Kirchhofes am Plötzensee statt. Berlin, den 15. März 1807. Die trauernden Hinterbliebenen Danksagung. Allen Freunden und Bekannten für die herzliche Theilnahme und reichen Kranzspenden, sowie dem Gesang- verein„Gemüthlichkeit" für den trost- reichen Gesang am Grabe meiner lieben Frau, uns. Mutter u. Schwieger- mittter herzlichen Dank. 425b Der trauernde Gatte nebst Töchtem und Schwiegersohn. 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