Demokratisches Wochenblatt. Organ der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. No. 17. Leipzig, den 24. April. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Blaze einschließlich Bringerlohn 12% Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nehmen entgegen die Herren G. Hofmann, Brühl 40, G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Universitätsstraße, und die Expedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duenjing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Inhalt: Politische Uebersicht. Die Internationale ArbeiterAssoziation. Eine Bartholomäusnacht der Bourgeoisie. Aus England. Vororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. Genf, Berlin, Wien, Nürnberg Mittweida, Lengenfeld, Glauchau, Waldenburg, Neudörfel, Geyer, Crimmitschau. Briefkasten. Beilage: Aus Desterreich. Bücherschau. Anzeigen. Politische Uebersicht. In jüngster Zeit sprengten Berliner Soldschreiber ge= flissentlich aus, zwischen der preußischen und österreichi= schen Regierung habe eine Annäherung stattgefunden; und wer eine blühende Phantasie hatte, sah schon das politische Rühr stück sich abspielen, daß die von den Preußen aus Deutschland hinausgeworfenen Desterreicher diesen selbigen Preußen in überchristlicher Großmuth zu Hülfe eilen und sie davor bewahren würden, ihrerseits durch die Franzosen aus Deutschland hinaus geworfen zu werden. Natürlich waren die betreffenden Gerüchte nur blauer Dunst. Die preußische Regierung hat es allerdings und aus guten Gründen nicht an Versuchen fehlen lassen, die österreichische Regierung für eine Allianz zu gewinnen, und es sollen zu diesem Zweck gar wundersame Frauenintriguen angezettelt worden sein, allein die Antwort lautete unabänderlich: Non possumus!( Wir können nicht), und soeben sind im Auftrag der österreichischen Regierung im neusten Band des Generalstabs- Berichts über den Feldzug von 1866 Aktenstücke veröffentlicht und Andeutungen gemacht worden, so kompromittirend, so verletzend für Preußen, daß bloß noch ein Thor an eine Aussöhnung denken kann, so lang das Bismard'sche Preußen besteht. Aus den Aktenstücken heben wir folgende Note des Gra= fen Bismarck an den preußischen Gesandten in Paris, Grafen bon der Goltz, heraus. Sie trägt das Datum des 20. Juli 1866: " Der König hat zu dem Waffenstillstande seine Genehmigung ertheilt. Barral, der ebenfalls hier ist, erbittet sich Instruktionen und Vollmacht von Florenz. Es ist zweifelhaft, ob diese so rasch eintreffen könen. Der König hat sich nur sehr schwer und aus Rücksicht auf den Kaiser Napoleon hierzu entschlossen, und zwar in der bestimmten Voraussetzung, daß für den Frieden ein bedeutender Territorial- Erwerb im Norden Deutschlands gesichert sei. Der König schlägt die Bedeutung eines norddeutschen Bundesstaates geringer au als nen, die ich allenfalls neben der Reform als Bedürfniß ansehe, weil sonst Sachsen, Hannover für ein intimes Verhältniß zu groß blieben. Der König bedauert, daß Eure Excellenz nicht an dieser Alternative des Programmes vom 9. nach dem Schlußsatze der Depesche bis auf Weiteres festgehalten haben. Er hat, wie ich zu Ihrer ganz intimen persönlichen Direktive mittheile, geäußert:„ Er werde lieber abdanten, als ohne bedeutenden Ländererwerb für Preußen zu= rüdtehren," und hat heute den Kronprinzen hierher gerufen. Ich bitte Eure Excellenz, auf diese Stimmung des Königs Rücksicht zu nehmen. ,, Noch bemerke ich, die französischen Punkte würden uns, vorausgesetzt eine Grenzregulirung mit Oesterreich, auch als Präliminarien für den Separatfrieden mit Sesterreich genügen, wenn Desterreich einen solchen schließen will sie genügen nicht für den Frieden mit unseren übrigen Gegnern, besonders in Süddeutschland; ihnen müssen wir besondere Bedingungen machen, und die Mediation) des Kaisers, die sie nicht angenommen, bezieht sich nur auf Desterreich. Wenn auch wir Italien gegenüber frei würden durch Cession Venedigs, so können wir doch Italien nicht freilassen, bevor das im Trattate für uns stipulirte Aequivalent Venetiens uns gewährt ist." Mit Recht sagt die Zukunft": Die Veröffentlichung dieser Note wird dem Grafen Bismard unangenehmer sein, als ein halb Dußend Usedom'scher Indiskretionen**). Der boshafteste und schlimmste Hieb wird aber der preußischen Politik am Schlusse des genannten Werks versetzt. Nachdem darauf hingewiesen, daß Preußen durch den Krieg des Jahres 1866 einen Gebietszuwachs von 1300 Quadratmeilen mit 3,170,632 Einwohnern erlangt hat, wird gesagt: ,, Gegenüber diesem plötzlichen und unverhältnißmäßigen Anwachsen der preußischen Macht fand nach glanbwürdigen, der kaiserlich österrei= chischen Regierung zugekommenen Nachrichten Frankreich schon damals Veranlassung, unter der Hand in Berlin die Frage der Wiederherstellung seiner Grenzen vom Jahre 1814 anzuregen. Es ward berichtet, daß die französische Diplomatie, als sie auf Zurückgabe von Landau, Saarlouis, vielleicht auch Luxemburgs hindeutete, einer peremptorischen***) Ablehnung nicht begegnete; auch scheint es, daß das preuBische Kabinet gegen eine Erweiterung der französischen Grenzen nach Beliegen hin noch weniger einzuwenden gehabt hätte. Eine nahe zukunft sah die luxemburg'sche Berwicklung auftauchen, in deren Folge schen Bundessestung, deren Werke geschleift werden sollten, zurückzuPreußen genöthigt ward, seine Besatzung aus dieser ehemaligen deutziehen." Solche Enthüllungen pflegen einen praktischen Zweck zu haben. haben. Als die Usedom'sche Note veröffentlicht ward, hatte der französische Kaiser nach dem nachträglichen Geständniß Bismarcs den Krieg gegen Preußen beschlossen, ein Beschluß, dessen Ausführung durch den ,, glücklichen Zufall" der spanischen Revolution verschoben wurde. Kein Wunder, daß sich an diese neuesten Enthüllungen allerlei ,, beunruhigende" Folgerung en knüpfen. So viel ist gewiß, wer Krieg mit Preußen will, muß es des nationalen Nimbus berauben, und den übrigen, ihm noch nicht feindlich gesinnten Staaten verdächtig machen. Beides thut die österreichische Regierungsschrift gründlicher, als je zuvor geschehen ist. Der Berliner ,, Reichstag" sorgt fleißig für Matulatur. Am Freitag hatte wieder eine große Zungenschlacht statt, die den Käsehändlern der Hauptstadt des Intelligenzstaats das Einwickelpapier mit der Zeit wesentlich verbilligen wird. Es handelte sich um einen Antrag auf Einsetzung ,, verantwort*) Vermittlung.**) Unbesonnenheiten, Ausplaudereien.***) Entschiedenen. licher" Bundesminister. Die Laster und Consorten tummelten nach Herzenslust ihr Steckenpferdchen, und Graf Bismarck vollendete die Komödie durch eine stundenlange, Rede", in der er den Süddeutschen Mangel an nationaler und liberaler Gefinnung vorwarf, in Einem Athem die Dezentralisation und den Absolutismus verherrlichte, die Unmöglichkeit eines deutschen Einheitsstaates entwickelte, und den verblüfften Antragstellern noch tausend haarsträubende Dinge sagte. Kritisiren läßt sich diese ,, Rede" nicht, dazu ist sie zu genial" und widerspruchsvoll. Der einzige Gedanke, der klar hervortritt, ist das Bestreben, Frankreich zu versöhnen. Nachdem Graf Bismarck am Schluß der Debatte noch erklärt hatte, gegen den bloßen Titel„ verantwortliche Minister" habe er nichts einzuwenden, wurde der Antrag mit 110 gegen 100 Stimmen angenommen. Somit hätte es der ,, Reichstag" glücklich fertig gebracht, eine ,, Titelfrage" zu lösen. Jetzt beschäftigt er sich mit einem aus der nämlichen Fabrik stammenden Antrag, die Competenz( Machtbefugniß) des deutschen Sonderbundes auf die Gesetzgebung über das ge= sammte bürgerliche Recht, das Strafrecht und das gerichtliche Verfahren, einschließlich der Gerichtsorganisation" auszudehnen. Durch derartige Hinterthürchen hoffen die Nationalliberalen sich in den geliebten ,, Einheitsstaat" einzuschleichen. In ihrer realpolitischen Naivetät vergessen sie, daß der Einheitsstaat, den sie erstreben, nur das Ergebniß eines zweiten sieg= reichen Feldzuges sein kann. Verweilen wir daher nicht bei diesen kindischen Schülerversuchen, deren einzige praktische Frucht ist, daß die in den ,, Bundeskäfig" eingesperrten Mittelund Kleinstaaten sich ernstlich auf die Hinterbeine zu stellen beginnen. 11 Aus Süddeutschland wird der„ Zukunft" geschrieben: ,, Das lange zurückgebliebene Baden regt sich und rührt die Flügel. Vorgestern hat zu Achern, ungefähr in der Mitte des Landes, eine wahre Landesversammlung getagt, Männer von Schrot und Korn, aus dem eigentlichen Volke, delegirt von Vereinen, Ortschaften und Bezirken, sauber auser= lesen, 50 an der Zahl. Dort hätten die Herren Jolly- Beyer hören können, was das Volk über sie und ihre Verpreußung" des so gesegneten Ländchens denkt; da war auch nicht Eine Stimme für den bureaukratischen ,, Gutdünkel", für die stramme Kasernirung, für die bestehende Kammer, oder gar für den Anschluß". Da hörte man die lange in Zeitungsblättern isolirten Worte frisch aus der Mannesbrust hervorquellen: ,, Unsere Bevölkerung will Freiheit und Nationalität mit einander gewahrt wissen; sie will im Verein mit allen Bruderstämmen die große Aufgabe der Zukunft lösen, aber als freies Glied eines Bundes, nicht als unterwürfiges Anhängsel eines herrschenden Führers. Sie will durch die Vereinigung stärker, gesünder an Leib und Seele, wohlhabender werden; sie will nicht das unfreie Werkzeug einer Einzelregierung sein, zu der sie kein Vertrauen haben kann". Deshalb vor Allem eine wirkliche und echte Volksvertretung, Berufung eines außerordentlichen Landtags, dem eine einzige Vorlage zu machen ist: das allgemeine direkte Wahlrecht. Sofort wurde ein Landesausschuß bestellt, der eine Adresse an den Großherzog absenden solle, mit der Bitte, die landesherrliche Initiative zu ergreifen und die jetzige Kammer aufzulösen. Die Wahlreform wurde ausdrüdlich als erstes Erforderniß der freiheitlichen Arbeit" bezeichnet. Man ist die gehobene Stimmung" in unserem viel redenden und bankettirenden Deutschland allzu gewohnt, als daß wir eine derartige Trivialität hier wiederholen möchten; aber es war doch etwas Bedeutungsvolles, zu sehen, wie der badische Starrkrampf zu Achern fröhlich abgeschüttelt wurde und wie die 186 Organe des gesammten Landes sich zur fräftigen That ver banden. Ein Hauptverdienst bei dieser gefunden und viel versprechenden Agitation hat die feit Neujahr neu begründete Mannheimer Abendzeitung", die, wie Dido, alte Zeiten und alte Schmerzen wach ruft; sie ist durchaus tüchtig und besonders in ihren Leitartikeln voller Energie: sie predigt, für den Fall, daß ,, Empfindlichkeit und Ehrgeiz" den Krieg den= noch provoziren sollte ,,, Neutralität" des gesammten Südens, und stellt damit vielleicht das einzig stichhaltige Friedensprogramm auf. Die Stifter des Werkes" müssen absolut dazu gezwungen werden, in sich zu gehen und ihre beängstigende Energie nach Jnnen zu verwenden." Die letzte Landesversammlung der deutschen Volkspartei in Würtemberg war ungewöhnlich zahlreich besucht. Man beschäftigte sich fast ausschließlich mit inneren, d. h. würtembergischen Fragen, und nahm fast einstimmig folgende, von dem Landeskomité beantragte ,, Erklärung" an: Auf der Freiheit der Einzelstaaten beruht die einzige Hoffnung und Möglichkeit der Wiederherstellung des mehr als je zerrissenen Vaterlandes. In der Freiheit der Einzelstaaten liegt die stärkste Gewähr gegen äußere Vergewaltigung. Durch sie verstärkt sich der Widerstand gegen die falsche Einheit, die im Namen der Größe und Ehre Deutschlands verlangt, zn Gunsten der Macht und Gewalt eines Herrschergeschlechts ausgebeutet wird. Heute noch ohne gemeinsame Macht und Mittel von den Regierungen die schöpferische That gesammtdeutscher Einigung oder auch nur die Herstellung eines Südbundes zu erzwingen, welcher, gestützt auf Deutschlands bilden soll, fordern wir die Genossen der deutschen VolksParlament und Volksheer, den Anfang und Grundstein eines neuen partei zu raftloser Freiheitsarbeit in den Einzelnstaaten auf; gemein sam im Glauben, gemeinsam im Wollen, daß nur aus der Freiheit die Einheit entsteht. In diesem Sinne erstrebt die deutsche Volkspartei in Württemberg die rasche Durchführung folgender Reformen: 1. Reform der Verfassung: Aufhebung der Kammer der Standesherren. Entfernung der Privilegirten aus der zweiten Kammer. Einführung des Einkammersystems. 2. Reform der Verwaltung: Herstellung der natürlichen Selbstbestimmung und Selbstverwaltung des Volks. In der Gemeindeverwaltung vor Allem: Abschaffung der Lebenslänglichkeit der Ortsvorsteher. 3. Reform des Steuerwesens: Uebergang vom bisherigen gemischten System direkter und indirekter Steuern zu der einfachen und einheitlichen Steuer auf Vermögen und Einkommen. Nach monatelangem Suchen hat man in Oesterreich ei nen Ministerpräsidenten gefunden und zwar in der Person des Grafen Taaffe. Der Mann- darin stimmen alle Nachrichten überein- wurde bloß deßhalb gewählt, weil er politisch völlig farb- und bedeutungslos ist. Die französisch- belgische Frage hat ein zähes Leben: hundertmal todt gefagt, erfreut sie sich trotzdem der besten Gesundheit und eine Notiz der halbamtlichen Pariser ,, Batrie" läßt schließen, daß wir von einer Lösung weiter als je ent fernt sind. Es ist wahr, diese Frage ist nur ein kleines Bünftchen am Horizont der Tagespolitik, nur ein winzig flei= nes Geschwürchen, allein wenn ein kleines Geschwürchen wäh rend Wochen und Monaten der Kunst der Aerzte spottet, dann weiß jeder vernünftige Mensch, daß die Säfte gründlich ver dorben sind, und es einer Radikalfur bedarf, falls überhaupt noch eine Heilung möglich. Und was von dem menschlichen Körper, das gilt auch von dem politischen Or ganismus. Ueber die infamen Arbeiterschlächtere en im ,, Musterstaat" Belgien bringen wir einen besondern Artikel. In Frankreich kommt die Wahlbewegung immer mehr in Fluß. Die Zahl der Candidaten wird schon auf 1500 veranschlagt. Bonaparte gibt sich alle Mühe, die Napo leonischen Erinnerungen aufzufrischen. So hat er zum Erempel dieser Tage an seinen Staatsminister einen Brief gerichtet, 187 schaften veröffentlicht. Nüßen wird's ihm nicht. Der Umstand aber, daß Diejenigen, welchen es nach Kronen gelüftet, oder die ihre Kronen befestigen wollen, so eifrig um die Gunst der Arbeiter buhlen, wird diese belehren, daß sie es sind, von denen heutzutage das Schicksal der Kronen abhängt. Die Weigerung des Königs von Portugal, den spani= schen Thron zu besteigen, hat die spanischen Monarchisten in die größte Verlegenheit gestürzt- die Aktien der Republik steigen von Tag zu Tag und Prim fängt plöglich an, mit der rothen Müße zu liebäugeln. Erst Präsident, dann Kaiser hoffentlich sind die Republikaner auf der Hut! In Portugal Militäraufstand. Er soll unterdrückt sein. Schade nur, daß Militäraufstände die böse Eigenschaft haben, so lange wiederzukehren, bis sie siegreich sind. Der italienischen Deputirtenkammer liegt ein Gesetzentwurf vor, welcher die Militärpflicht auf die Priester und die zum Priesterstand bestimmten jungen Männer ausdehnt. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber es wäre zu wünschen, daß man das Prinzip der Gleichberechtigung auch auf anderem, als dem militärischen Gebiete, durchführte. Freilich von einem monarchischen Einheitsstaat ist das nicht zu verlangen, denn monarchischer Einheitsstaat heißt: Militärstaat. in welchem er unter einem Wust überschwenglicher und lügen ,, sozialistische" Broschüre über die englischen Arbeitergenossenhafter Phrasen auf den Onkel hinweist, dem Frankreich seine Größe verdanke, und den Entschluß ankündigt, den überlebenden Soldaten der Republik und des ersten Kaiserreichs, die entweder zwei Jahre gedient, oder zwei Feldzüge mitgemacht, oder eine Wunde davon getragen, eine Pension von 250 Franken zu gewähren. Ob diese Großmuth auf Staatskosten auch den deutschen Inhabern der Helena- Medaille zu Gute kom men soll, ist nicht gesagt, aber wahrscheinlich. Der Brief wird von der gesammten liberalen Presse als ein Wahlmanöver aufgefaßt und einer unbarmherzigen Kritik unterzogen. Alle unabhängigen Blätter erinnern daran, daß die Franzosen eine große Nation lange vor Napoleon I. gewesen seien. Es sind nicht, sagt ein Blatt, einzelne Menschen, wer sie auch immer sein mögen, welche die Größe der Nation ausmachen. Es ist ein freies und glückliches Volt, welches diejenigen groß scheinen läßt, die dazu geholfen haben, sein Wohlsein und seine Freiheit zu sichern. Für ein freies Volk braucht es keiner Ausnahmenaturen, feiner geheimnißvollen Wesen, keiner Legendenfiguren es gibt für dasselbe nur große Bürger und ehrliche Staatsoberhäupter, wie Washington. Mit der Theorie der sogenannten ,, providentiellen*) Männer" schafft man Dictaturen, mit den Dictaturen gelangt man zur Tyrannei und mit der Tyrannei zum Untergange der Nationen." Der lügenhafte Cultus von Legendenfiguren, wie Friedrich II. und Napoleon I., hat nicht wenig dazu beigetragen, die schmachvollen Zustände, die allerwärts herrschen, zu ermöglichen; es ist eine der großen Unklugheiten, die sich Louis Napoleon in der letzten Zeit mehr fach zu Schulden kommen ließ, daß er durch seinen Brief Gelegenheit bot, erfolgreich die moralische Basis, auf der er fußt, angreifen zu können. Weder für den Einzelnen, noch für Völker gibt es ,, providentielle" oder„ historische"**) Sendungen; wo immer in der Welt dergleichen vorgeschützt wird, darf man sicher auf etwas schließen, das Hamlet einen ,, spitzbübischen Handel" nennen würde. Wenn erst diese Ueberzeugung sich volle Bahn gebrochen, wird es um die Freiheit der Völker besser stehen. Das Buch vom Grafen Bismard" von Georg Hesekiel wird dann freilich wenige Leser, ein ähnliches Machwerk gewiß feinen Verleger mehr finden. Mehr Glück, als in Frankreich, das sei hier beiläufig das sei hier beiläufig bemerkt hat der kaiserliche Brief in Preußen gehabt: die Deutsche" Fortschrittspartei ist so sehr davon erbaut worden, daß sie Bonaparte seine„ Idee stehlen" und dem Reichstag" einen Antrag auf Dotirung der Kämpfer der ,, Freiheitskriege" vorlegen will. Die Invaliden von 1866 sympathisiren begreiflicherweise mit den Invaliden von 1813, 1814 und 1815. Der Militärstaat" ist überall der Tod des Intelligenzstaats". Ju Frankreich wie in Preußen. Gleiche Ursachen, gleiche Wirkungen. Die französische Kammer, die Hunderte von Millionen für die Armee und Flotte bewilligt, hat eine Viertelmillion zu Pensionen für Lehrer, die über 40 Jahre gedient haben, verweigert! Verhungernde Lehrer und Lehrerwittwen gehören nun einmal zu den Segnungen des modernen Cafarismus. 11 " 1 Louis Napoleon schrieb bekanntlich im Gefängniß zu Ham eine sozialistische" Brochüre über die Abschaffung des Bauperismus, und hat seitdem auch als Kaiser vielfach in ,, Sozialismus" gemacht. Der Graf von Paris, der gern auf dem französischen Thron sitzen möchte, von dem sein Großvater durch die Februarrevolution so unzeremoniös entfernt wurde, hat sich nun ebenfalls auf den Sozialismus verlegt und eine *) Bon der Vorsehung bestimmte. **) Geschichtliche. Die russische Regierung will die orientalische Frage nicht einschlafen lassen; sie protestirt in einer diplomatischen Denkschrift gegen ein von der türkischen Regierung erlassenes Gesez, welches die Gerichtsbarkeit der fremden Consuln be= schneidet und denselben verbietet, türkische Unterthanen unter ihren Schuß zu nehmen. Da Rußland einstweilen, und auf Jahre hinaus in Asien hinreichende Arbeit hat, ist diese Unverschämtheit nur aus der Absicht zu erklären, sich die orien= talische Frage offen zu halten, die übrigens auch von Asien aus in Angriff genommen werden kann. 1 Der Aufstand auf der Insel Cuba ist offenbar nicht mehr weit von dem Punkte entfernt, wo die Rebellionen zu Revolutionen werden und wo der ,, Erfolg" die Volkskämpfer aus Räubern und Aufrührern in Helden und Patrioten, aus ordnungsfeindlichem Gesindel in Gründer der Freiheit verwandelt. Die spanischen Besatzungstruppen werden überall zurückgedrängt, das Mutterland kann nur sehr geringe Verstärkungen schicken, und um die Lage der Spanier vollkommen hoffnungslos zu machen erhalten die Aufständischen nach den lezten amerikanischen Berichten massenhaften Zuzug aus den Vereinigten Staaten. Mit Hülfe dieser republikanischen Freischaaren schaaren meist Veteranen des Riesenkampfes gegen die Sklavenhalter Sklavenhalter werden die spanischen Truppen bald in die Alternative gestellt sein: sich einzuschiffen oder die Waffen zu strecken. Cuba aber, die Perle der Antillen, wird als freier Staat eintreten in den glücklichen und großen Bund der Ver= einigten Staaten zunächst von Amerika. Von den Brasilianern selbst wird nachgerade zugegeben, daß der letzte„ Sieg" über die Paraguiten( ,, Eroberung" von Assumpcion) ebenso unfruchtbar war, wie die vorhergehenden, daß die Macht der tapferen Republikaner keineswegs gebrochen ist, und daß im Gegentheil die Sache der Alliirten äußerst bedenklich zu stehen beginnt. Abgesehen von der drohenden Haltung der Vereinigten Staaten, von welcher in den Brasilianischen Berichten nicht gesprochen wird, abgesehen von den schweren Verlusten durch Krankheiten und das Schwert des Feindes, ist nun auch eingestandenermaßen Zwietracht ausgebrochen in den Reihen der Aŭiirten, was bei den schlimmen Aussichten nicht zum Verwundern. Die Argentiner wollen nicht länger an dem Krieg Theil nehmen, und da auch auf die Uruguiten seit dem Tode des niederträch 188 tigen Diktators Flores kein Verlaß mehr ist, so werden die Brasilianer vermuthlich bald allein stehn, und die Suppe, die fie eingebroekt, allein aufzueffen haben. Unter solchen Umständen muß man sagen, daß der Kaiser von Brasilien eine recht sinnige Wahl getroffen hat, indem er den Grafen Eu zum Oberbefehlshaber aller kaiserlichen Streitkräfte ernannte. Der Enkel des fortgejagten Louis Philippe kennt den Weg ins Eril. " Der ,, Sozialdemokrat" vom 16. d. M. bringt Folgendes: ,, Wir werden von jetzt ab gegen die Herren Liebknecht und Bebel, sowie gegen die sächsische Volkspartei überhaupt keine Angriffe mehr bringen. Wir haben diese Angriffe überhaupt nur zu unserer Vertheidigung für nöthig erachtet und dieser Grund ist jetzt weggefallen; ja, wir bedauern sogar, daß noch in voriger Nummer Angriffe standen, da an demselben Tage eine Verständigung dahin stattfand, daß von nun an die gegenseitigen Angriffe unterbleiben sollen. Wir fügen den Wunsch hinzu, daß auch in den Versammlungen Angriffe auf die sächsische Volkspartei möglichst vermieden werden." " Der Sächs. Zeitg." gingen nachstehende Erklärungen zu: In der Nummer 89 Ihres Blattes wird behauptet, ich hätte in der letzten Freitagssitzung des Reichstags, in welcher der Twesten- Münster'sche Antrag zur Abstimmung tam, gefehlt, obgleich ich in Berlin anwesend war." Das ist unrichtig. Ich bin bereits Donnerstag wegen dringender Geschäfte hierher gereift, habe mir auch Urlaub bis zum 22. ds. Mts ertheilen lassen. Ich konnte also in jener Sitzung nicht zugegen sein; wäre ich anwesend gewesen, dann würde ich selbstverständlich gegen den Twesten- Münster'schen Antrag gestimmt, wahrscheinlich auch ge= sprochen haben. Hr. Liebknecht ist gleichfalls schon Donnerstag wegen schwerer Erkrankung seiner Frau abgereift: daß auch dieser gleich mir gegen den Twesten- Münster'schen Antrag gestimmt haben würde, brauche ich wohl nicht erst zu versichern. Leipzig, den 20. April 1868. A. Bebel. Indem ich auf obige Erklärung verweise, habe ich blos meine Verwunderung darüber auszudrücken, wie die ,, Sächs. 3tg." der am Freitag im Berliner ,, Reichstag" abgespielten Farce*) irgend welche politische Bedeutung beilegen kann. W. Liebknecht. Die Internationale Arbeiter- Assoziation, die Trägerin der modernen Arbeiterbewegung, ist eine Macht geworden, und wir dürfen uns deßhalb nicht wundern, daß sie von dem Haß und der Denunziationswuth der Bourgeoisie verfolgt wird. In Genf, in Basel, in Belgien überall dasselbe Schauspiel. In Genf und Basel blieb es bei den ,, frommen Wünschen." Nicht so in Belgien, wo die Leiter der dortigen Sektion der Internationalen Assoziation, angeblich als Urheber der Meuterei" von Seraing verhaftet wor= den sind. Abgesehen davon, daß diese sogenannte ,, Meuterei" einzig und allein das Werk der Bourgeoisie ist, hat der belgische Generalrath der Internationalen, weit entfernt aufzustacheln, sein Möglichstes gethan, die Arbeiter zur Nachgiebig feit zu bewegen. Wir theilen den Aufruf des Generalraths mit. Er lautet: Kameraden! Zu allen Zeiten waren Schmerz und Elend das Schicksal des Arbeiters, zu allen Zeiten hat das Bolt geftöhnt, während seine Herren luftig waren, hat es gehungert, während die satt waren, die es ausbeuteten. Aber so ist der Mensch, daß er sich an Alles gewöhnt, selbst an die härtesten Entbehrungen. Die Ketten lasten immer auf ihm, aber er trägt sie ohne Murren, er hat sogar das Gefühl des Hasses verloren. Dann ist er in Wahrheit ein Sklave, denn er fühlt nicht mehr das Schimpfliche seiner Sklaverei. Das, Kameraden, ist der unglückliche Zustand, auf den viele Arbeiter heute heruntergekommen sind; auf dieser Schlaffheit beruht die Stärke unserer Tyrannen. Aber, aufs Aeußerste getrieben, wagen die *) Niedere Theaterpoffe. Unglücklichen, die bis dahin ohne Murren litten, Einsprache zu erheben Ihre Herren erstaunen über solche Kühnheit: sie erzittern bei dem Gedanken, daß der Geist der Unabhängigkeit sich in der Arbeiterklasse verbreiten könnte, und um dieses Ungeheuer im Keime zu ersticken, wird niedergefäbelt, niedergeschossen, niederkartätscht. Da geschieht nun aber etwas, was diese herzlosen Menschen nicht voraussehen konnten: anstatt des tiefen Schweigens, das dem Blutbade nach ihrer Meinung hätte folgen müssen, erheben sich von allen Seiten Rufe der Entrüstung; der Haß erwacht im Herzen des Volkes, aufrecht steht es da, knirschend, bereit, seine Ketten abzuschütteln! Kameraden von Seraing, die Ihr drei ganze Nächte hindurch von der Soldateska niedergehauen und gespießt worden seid, wir haben diesen Schrei der Entrüstung ausgestoßen, als wir die Kunde von Euren Leiden erhielten; wir fühlten uns ergriffen vom Haß, und gewiß, wenn die That dem Gedanken folgte, so würden wir im ersten Augenblick die Vernichtung Eurer barbarischen Mörder gewünscht haben. Allein, Kameraden, wenn dieser ersten, so berechtigten Regung der Entrüstung die Ueberlegung folgt, so wird man in einen ganz anderen Gedankenkreis versetzt. Wie oft schon haben die Arbeiter, aufs Aeußerste getrieben, ihre Unterdrücker zu stürzen geschworen und sind, nach einem vorübergehenden Siege, tiefer als je in die Sklaverei zurückgefunken! Es genügt nicht, zu zerstören, man muß auch bauen, und man baut nicht in einem Tage. Darum, Kameraden, unterdrückt einen Augenblick Euren gerechten Zorn, und antwortet nicht auf die herausfordernden Angriffe der Soldaten. Bedenkt, daß Eure Herren nichts lieber sehen würden, als wenn Ihr Gewalt mit Gewalt erwidertet, damit sie einen Vorwand zn noch blutigerer Unterdrückung hätten. Bedenkt, daß Eure Brüder in den anderen Theilen des Landes noch nicht alle die Nothwendigkeit begriffen haben, ihre Ketten abzu schütteln, und daß eine Reihe aufeinanderfolgender Aufstände zu nichts führen würde, als zu ebenso vielen Niederlagen. Bedenkt, daß, wenn sogar alle Belgischen Arbeiter sich verständigten, um ihrer Sache zum Sieg zu verhelfen, sie doch so lange ohnmäch tig sein würden, als in den großen europäischen Staaten der Despotis mus triumphirend über den Leichen seiner Opfer thront. Bedenkt endlich, daß ein vereinzelter Aufstand zu nichts führt. daß vielmehr die Revolution vorbereitet werden muß; daß sie aber an dem Tage, wo sie siegreich sein wird, fast ohne Erschütterung eine neue Ordnung der Dinge wird setzen können an Stelle der alten Ordnung der Dinge, die nur noch Unordnung ist. Darum, Kameraden, Ruhe! Haltet fest an Euren gerechten Ansprüchen, aber laßt Euch nicht zur Gewalt hinreißen! Versteht zu warten! Euer Tag wird kommen. Tretet in Masse ein in die Internationale Arbeiter- Association: da werdet Ihr Eure Rechte kennen lernen und die Mittel, die Ihr anwen den müßt, um ihnen den Sieg zu verschaffen; da werdet Ihr Euch einigen mit Euren Brüdern aus allen Theilen des Landes und der ganzen Welt. Und an dem Tage, an welchem die ganze Macht der Arbeiter geeinigt und über Das, was sie zu thun hat, klar ist, an dem selben Tage werden die Arbeiter an allen Orten zugleich ihre Stimme erheben, um die die Ungerechtigkeit zu stürzen und die Gerechtigkeit auf den Thron zu setzen. An jenem Tage, Kameraden, werden wir Euch nicht mehr sagen: Seid ruhig! wir werden Euch zurufen: Vorwärts! Bis dahin seid geduldig und harret Eurer Stunde! Brüssel, den 13. April 1869. Der Belgische Generalrath: E. Sins. A. Vandenhouten. Ch. Martens. C. de Paepe. P. Robin. J. A. Delvaux. P. Calewaert. 6. Deplande. H. Lerycke. E. Steens. D. Brismee. G. Braffeur. Zebier. Debrouwer. L. Verrycken und C. Standaert. Und dieser Aufruf wird von der Berliner ,, Volkszeitung", dem Organ der deutschen(!) Fortschrittspartei und der Hirsch Dunder'schen Genossenschaften, als eine ,, Brandschrift der schlimmsten Sorte" bezeichnet! Das ist nieder trächtig! Eine Bartholomäusnacht der Bourgeoisie. ( Nach der Internationale".) Brüffel, den 18. April. Am 27. März war es ein Jahr, das in Charleroi die Arbeiter niedergemetelt wurden. Die Machthaber müssen sich erinnert haben, daß sie mit ihrer jährlichen Mezelei im Rückstand waren. Sie beeilten sich in Folge dessen, ihre Befehle zu ertheilen, und so ist denn in Seraing, in dem gelobten Lande der ,, bürgerlichen Freiheit", in dem konstitutionellen Musterstaat Belgien, ein neues Blutbad unter den Arbeitern angerichtet worden, das vom 9. bis zum 12. April währte.= Am Freitag, den 2. April, hatte bei den Puddlern und Schürern in dem Eisenwerk der Gesellschaft Cockerill zu Seraing eine Arbeitseinstellung begonnen. Hauptgrund derselben war, neben einer Lohnherabsetzung von über 20 Prozent und anderen Verkürzungen, daß die Prinzipale willkürlich und unversehens von den Arbeitern verlangten, statt der bisherigen 8 Mal, täglich 9 Mal zu heizen, und demgemäß unter Androhung von der Entlassung zwölfstündige Ablösung( je von 6 bis 6 Uhr ankündigten.( In England heizen die Puddler nur 6 Mal täglich). Die Arbeiter fanden es unmöglich, ein solches Quantum Tages- Arbeit auf die Dauer zu leisten, und weigerten sich, auf die Forderung einzugehen. Der Strike, der hierauf ausbrach, dauerte nur einen Tag( Sonnabend). Bereits am Montag( 5. April) nahmen alle Arbeiter wieder ihre Arbeit auf, nachdem man ihnen zugesagt hatte, 1) den Aufschlag bezüglich der Arbeitsverlängerung zurückzunehmen; 2) die geforderte( unbedeutende) Lohnwiedererhöhung zu bewilligen und 3) einen Arbeiter, der wegen des Strikes entlassen worden war, wieder anzustellen. Die Arbeiter hatten Die Arbeiter hatten sich würdig verhalten, nicht die geringste Unordnung war vor gekommen; mit der Direktion des Werks war durch Dele= girte verhandelt worden. Die Internationale hatte am Tage des Strikes 250 neue Mitglieder nur unter der Bedingung aufgenommen, sich jeder gewaltsamen Kundgebung zu enthalten, ihre Beschwerden anständig vorzubringen und nichts Unbilliges zu fordern. Sie hatten es einmüthig versprochen und sie hatten ihr Versprechen gehalten. Die Arbeiter hatten, wie gesagt, ihre Arbeit wieder aufgenommen, und vier Tage lang herrschte völlige Ruhe im Hammerwert, weil man den gehaßten Meister ferngehalten hatte, von dessen Tyrannei sich die Arbeiter befreit glaubten, als man ihn plötzlich wieder mit dem Direktor erscheinen sah, der erflärte, wer mit dem Wiedereintritt desselben nicht zufrieden sei, der solle nur fortgehen. Sofort verließen alle Puddler das Werk. Der Direktor Der Direktor erschrat nicht darüber, denn man hatte die letzten vier Tage wohl benützt: man hatte unterdeß fertiges Eisen kommen lassen, so daß man die Puddler missen konnte! Die edle Haltung der anderen im Wert beschäftigten Arbeiter vereitelte indeß dieses jesuitische Manöver: die Schürer und Walzer erklärten, daß sie das Leos der Puddler theilen wollten, und das Eisenwert der HH. John Cockerill blieb leer. Dies genügt, um zu zeigen, wer die wahren Urheber des Strifes sind. Man läßt lieber alle Arbeiter gehen, ehe man einen Unterbeamten wegschickt, dessen abscheuliches Benehmen seinen Herren, wie es scheint, sehr gut gefällt. Diese Leute wählen, wie die ,, Internationale" treffend bemerkt, ihre Aufseher nach den Eigenschaften, die man bei den Bulldoggen jucht. Soweit ging alles gut. Unglücklicherweise stellten die Arbeiter in den Cockerill'schen Kohlengruben gleichfalls die Arbeit ein, trotz der vernünftigen Vorstellungen der Serainger Mitglieder der Internationalen", die ihnen die Unzweckmäßigfeit dieses Schrittes darzulegen suchten. Andere Kohlengruben folgten diesem Beispiel, u. A. die Grube„, l'Esperance"( ,, Hoffnung"), deren Arbeiter übrigens längst vergeblich Vorstellun gen gemacht hatten, obwohl es leicht gewesen wäre, auf diefelben einzugehen. Noch war nichts Bedauerliches geschehen; aber die ,, Herren", verrückt vor Furcht, sobald sie vier Arbeiter beisammen 189 sehen( Beweis, daß ihr Gewissen nicht ganz rein ist), lassen Truppen kommen, und diese bringen, wie immer, Verwirrung und Megelei mit. Am 10. April( Sonnabend) Abends kam ein Delegirter der Sektion Lüttich nach Brüssel, meldete dem gerade ver= sammelten Belgischen Generalrath der Internationalen die in Lüttich umlaufenden Gerüchte von einem Arbeiteraufstand und blutigen Gegenmaßregeln und bat den Generalrath, schleunigst einen Delegirten nach Seraing zu senden, der die Arbeiter, welche Exzesse begangen haben sollten, beruhigen möchte. Eugen Hins reiste am nächsten Morgen mit dem ersten Zuge nach Seraing, wo er, nach kurzem Aufenthalt in Lüttich, gegen Mittag anlangte. Ich war", berichtet er, auf den Anblick einer militärisch besetzten Stadt gefaßt. Zu meinem großen Erstaunen ward ich keine Soldaten gewahr; nur hier und da sah man von Weitem die Helme einiger Gensdarmen hervorragen. Eine große Zahl von Arbeitern ging hin und her, andere bildeten Gruppen, aber alle erschienen sehr ruhig. Später verstand ich diese Ruhe: die Truppen verrichteten ihr Geschäft nur unter dem Mantel der Finsterniß. Diese Ruhe würde Jeden so gut als mich getäuscht haben: ich glaubte schon an Uebertreibung und freute mich, jeden Streit beigelegt zu sehen." Erst in Lize, dem Sitze der Sektion Seraing, erhielt Hins Kenntniß von den Gräueln, deren Schauplatz diese scheinbar so friedliche Stadt gewesen war. Er berichtet über dieselben nach den Mittheilungen von Augenzeugen: Am Freitag Abend stand ein zahlreicher Haufe von Leuten in der Rue Cockerill. Fand Seitens der Menge ein Aft der Herausforderung statt? Wurde gleich anfangs mit Steinen geworfen? Wir wissen es nicht, bemerken aber zunächst, daß man auf die Truppen nicht geworfen haben würde, wenn sie sich nicht ganz unnüßer Weise gezeigt hätten, und sodann, daß, wenn unter Hunderten von Personen Einzelne mit Stei= nen werfen, dies noch kein Grund ist, Alle zu verurtheilen. Die drei üblichen Aufforderungen gingen vor sich: Nichts ist so abscheulich als diese Art, sich einen Anstrich von Gesetzlichkeit zu geben. Kann sich eine dichtgedrängte Masse in einigen Minuten so verlaufen? einigen Minuten so verlaufen? Sodann glaubt auch das Volk noch nicht genug an die Niederträchtigkeit seiner Stegierenden, es glaubt stets, man drohe ihm nur im Scherz. fetzte In diesem Momente es war stockfinster( 10 Uhr), zwei Straßenlampen durchdrangen das Dunkel nicht, sich plötzlich die Kavallerie in Bewegung und fegte die Mitte der Straße, während die Infanterie mit gefälltem Bayonnette die Trottoirs entlang lief. Denkt Euch das Gemezel, das in dieser dichten Masse, die getroffen wurde, ehe sie hatte fliehen können, angerichtet werden mußte! Man verfolgte die Unglücklichen bis in die Häuser, in die sie sich geflüchtet hatten; war es ihnen gelungen, die Thüre zu schließen, so erbrachen die Soldaten dieselbe mit Kolbenſtößen, und da sie nicht erkennen fonnten, wen sie verfolgten, so hieben sie, um ja nicht fehl zu gehen, auf Jedermann los. Nicht blos Wirthshäuser wurden derart gestürmt, sondern Privathäuser. Es ist unmöglich, die Zahl der Verwundeten zu ermitteln, aber sie mußte sehr beträchtlich sein; was die Todten betrifft, so nannte man zwei, aber wie viele Unglückliche werden noch abseits und unbemerkt gestorben sein! Auf Seiten der Truppen sind, wie gewöhnlich, nur einige leichte Verletzungen vorgefallen." ( Schluß folgt.) Aus England. London, den 19. April. Die Minorität der Trades Union Kommission) hat nicht lange angestanden, dem Parlament eine Gelegenheit zu geben, sich unumwunden über die Trades Unions auszusprechen. Sie hat eine Bill vorbereitet, welche von Thomas Hughes und Mundella im Parlament befürwortet und wo möglich znm Gesetz erhoben werden soll. Es wird vorgeschlagen, daß alle Ausnahmegesetze gegen die Gewerbe- Verbindungen aufgehoben werden sollen, und daß keine Verbindung als solche ſtrafbar sein soll. Gesetzwidrige Handlungen sollen den allgemeinen Landesgesetzen unterworfen und auf dem gewöhnlichen Wege gerichtlich verfolgt und bestraft werden. Unter der Bedingung, daß sie ihre Statuten alljährig einreichen und Rechnung über ihre Einnahmen und Ausgaben ablegen, sollen die Unions die Freiheit haben, sich als Gewerks- Verbindungen registriren( einschreiben) zu lassen, welches gleichbedeutend ist mit gesetzlicher Anerkennung. Findet der Regiſtrator die Rechnungsablage richtig, so ist er verpflichtet, im Laufe eines Monats ein Zeugniß auszustellen. Er darf Einsicht in alle Bücher verlangen und darf das Zeugniß nur dann verweigern, wenn er begründete Ursache hat zu glauben, daß Ausgaben stattgefunden haben, die nicht in der Rechnungsablage angegeben sind. Die großen Vereine, die ihre Sachen drucken lassen, haben seit Jahren ihre Rechnungsablagen veröffentlicht, nicht allein um den einzelnen Mitgliedern eine vollständige Einsicht in ihren Vereinshaushalt zu geben, sondern auch um Propaganda zu machen. Eine solche Rechnungsablage wurde vor einigen Tagen von dem Sekretär der Vereinigten Schreiner und Zimmerleute veröffent= licht. Diese Union( Gewerksgenossenschaft) besteht gegenwärtig aus 218 Zweigvereinen mit einer Gesammtzahl von 8736 Mitgliedern und 17,179 Pfd. St. in der Kasse. Sie besteht feit 1860 und hatte am Ende des ersten Jahres 618 Mitglieder und einen Kassenbestand von 321 Pfd. St. Die Einnahmen des verflossenen Jahres beliefen sich auf 19,692 Pfd. St., die Ausgaben auf 17,665 Pfd. St. Davon kamen 5874 Pfd. St. auf die Unterstützung von arbeitslosen Mitgliedern; 4204 Pfd. St. für Krankenunterstützung; 830 Pfd. St. Begräbnißtoften; 800 Bfd. St. Pensionen für arbeitsunfähige Mitglieder; 619 Pfd. St. Vergütung für verlorene Werkzeuge bei Feuersbrünsten und 455 Pfd. St. wurden verausgabt um Mitglieder gegen Uebervortheilung durch ihre Arbeitgeber zu schützen. Der ,, Morning Star" Organ des Herrn Bright, bemerkt, ,, nichts würde mehr dazu beitragen, die gesunde Lebenskraft der großen Gewerksgenossenschaften zu entwickeln, als daß sie von Seiten der Gesetzgebung als ein integrirender Theil unseres sozialen Systems anerkannt würden." Was wäre der Fond dieser Geſellſchaft, vertheilt unter ihre Mitglieder? Hätte Je der seine zwei Pfund in der Tasche und stände seinem Verwender( employer Arbeitgeber) als Individuum gegenüber, wie lange könnte er aushalten? Nur dadurch, daß die 17,000 Pfd. St. Kassenbestand jedem Einzelnen, sämmtlicher vereinigter Individuen im Falle der Noth zu Gebote stehen, werden die Uebergriffe der Kapitalisten theils abgewehrt, theils im Keime erstickt. Wie viel würden die 8000 Mitglieder nicht während eines schlechten Geschäfts- Jahres an ArbeitsLohn verloren haben, hätten die Bauunternehmer es wagen dürfen, die Arbeiter im Einzelnen anzugreifen? Jedes Mit*) Die bereits erwähnte vom Parlament ernannte Kommission zur Untersuchung des Wesens und der Wirksamkeit der Trades' Unions ( Gewerks- Genossenschaften. 190 glied kostet es nur einen Schilling( 10 Sgr.) die Woche, alle dergleichen Angriffe zu beseitigen. In Manchester herrscht gegenwärtig große Verwirrung denen Zweige der Bauarbeiter vereinzelte Forderungen, die im Baugeschäft. Seit einigen Jahren stellten die verschie= ihnen vereinzelt bewilligt wurden, So ist es gekommen, daß die Einen 10 Stunden des Tags arbeiten, die Audern 9 Stunden, Andere noch weniger. Selbst der Lohn wird nicht zu derselben Stunde bezahlt. Die Schreiner, Anstreicher und Andere erhalten ihr Geld am Freitag, die Steinhauer am SonnStunden bezahlen und 54% Stunde die Woche arbeiten lasabend. Die Bauunternehmer wollen vom ersten Mai an nach sen; die Steinhauer haben Gegen- Notiz gegeben, daß sie nur Tagearbeit. Die Schreiner und Zimmerleute verlangen nur 48 Stunden die Woche arbeiten wollen ohne Lohnabzug und eine Verkürzung der Arbeitszeit von 24 Stunde die Woche, ebenfalls ohne Lohnabzug. Die Steinhauer stellten die Arbeit vorigen Sonnabend ein, oie Schreiner und Zimmerleute sind mit den Unternehmern übereingekommen, die Sache einem Schiedsgericht zu übergeben. Personen sind außer Arbeit und eine Firma hat Notiz gegeIn Preston hat sich noch nichts geändert. Gegen 9000 ben, am Ende dieses Monats den Lohn um 5 Prozent zu verkürzen. Diese Notiz betrifft 3000 Personen. Ein einziger Mann hat, durch die bestehenden Eigenthumsrechte, über den Broderwerb von 3000 Personen zu verfügen! Und dennoch halten es Leute, die uns weis machen wollen, sie hätten ehrliche Absichten, für Unrecht, daß die Tausende sich zur Vertheidigung gegen die Angriffe der Einzelnen verbinden sollten. Der größte Sklaven- Besitzer des Alterthums, und der mäch tigſte Feudalherr, des Mittelalters hätte keinen ähnlichen Streich ausführen können, wie der moderne Kapitalist, der im Nu Tausende aller Subsistenzmittel berauben kann, ohne auch nur einen Finger zu bewegen. Die Bourgeois- Dekonomen bezeichnen gerne die Zustände des Mittelalters als die feudale Anarchie würde das verkommenste Geschlecht von Leibeigenen sich haben gefallen lassen, was sich der moderne Lohnarbeiter ge fallen läßt? Wahrlich die modernen Lohnſklaven sind sehr langmüthig in den Kämpfen mit ihren Unterdrückern. Was ist der politische Absolutismus der Fürsten gegenüber der Bourgeoisie, verglichen mit der Tyrannei der Kapitalisten gegenüber den Lohnarbeitern! = Ein Bericht über einen Vorgang, der die Lage des mo dernen Lohnarbeiters bezeichnet und unsere Zustände charakteri sirt, hat im Laufe der Woche die Runde durch die Presse gemacht. Drei hundert und zwanzig Personen versammelten sich vorigen Dienstag auf einer hiesigen Eisenbahn- Station, um auszuwandern und jenseits des großen Weltmeers, in den Wüſten von Canada, eine neue Heimath zu suchen. Der Pfiff der Maschine das Zeichen, daß sie ihr geliebtes Bater land auf immer verließen-war zugleich die Veranlassung eines allgemeinen Jubels. Drei donnernde Hochs erschütterten die Luft, als der Augenblick gekommen war, sie von dannen zu führen. Das ist die Begeisterung, die der moderne Lohnarbeiter hat für die Scholle, auf welcher er geboren ward und Weltmeers ist aber auch nicht Alles Gold was glänzt. Ein wo er die Tage seiner Kindheit verlebte. Jenseits des großen alter Bekannter von mir, ein Irländer, der vor einem Jahr auswanderte, sagte vor einigen Tagen in einer Massen- Ber sammlung zu New- York, daß die Ausbeutung der Arbeiter in der Republik viel unverschämter vollzogen werde als in Europa, unter aristokratischen Regierungen*). *) Weil der gesetzliche Schutz ein geringerer; dafür haben aber die Ein Korrespondent des Chicago Workingman's Advocate" schreibt von Philadelphia, daß die Firma W. Sellers und E. eine nationale Berühmtheit hat wegen der guten und wohlfeilen Werkzeuge, welche sie liefert. Die Grundlage dieser Wohlfeilheit ist deutsche Arbeit. Der Arbeitslohn, welcher bezahlt wird, beträgt 6 bis 12 Dollars die Woche, faum die Hälfte dessen, was anderwärts bezahlt wird. Es wird alle 14 Tage abgerechnet und die Firma behält jederzeit ein halbes Wochenlohn zurück, welches sie ohne Zinsen zu zahlen im Geschäft benutzt. Unter mehreren Hun dert Arbeitern, die beschäftigt werden, sind die meisten jüngst angekommene Deutsche. Der Sprache unkundig bleibt ihnen der amerikanische Lohnwerth ihrer Arbeit lange Zeit unbekannt und die Arbeitgeber machen sich diese Unwissenheit, verbunden mit der von Haus aus gewohnten deutschen Genügsamkeit zu Nutz. Der deutsche Werkführer ist in beständiger Korrespondenz mit Auswanderungs- Agenten, die Leute unter falschen Vorspiegelungen bereden, ihr Glück in der neuen Welt zu machen und, wenn die Anfömmlinge in den für sie bereit gehaltenen Höhlen des Lasters und des Elends den letzten Heller verloren haben und hülflos dastehen, bringt sie der wohlwollende Landsmann, der gute Prozente bei diesem Geschäfte machen soll, in Arbeit. Die Eigenthümer der Firma sind musterhafte Kirchengänger, sie sind Quäfer, und wenn sie der Geist Gottes bewegt, sagt der Korrespondent, so wehklagen und beten sie mit einer vierzig ,, Pfaffen- Kraft"( forty parsons' pouver) für das Wohl der Armen, die sie natürlich der besonderen Fürsorge der Vorsehung überlassen, während sie selbst das Schinderhandwerk an ihnen vollziehen. Gehörten die Söhne Jakobs nicht zu den auserwählten Gottes? Nun, wenn diese ihren Bruder Joseph verkaufen konnten, warum fönnen nicht amerikanische Kapitalisten hülflose Deutsche ausbeuten und dennoch gute gläubige Christen sein? Vororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. Zahlungen an die Verbandskasse sind eingegangen von Lichtenstein, Eßlingen, Reichenbach, Luckenwalde, V.-V. und A.- V. Werdau, Würtembergischer Gauverband, Weimar, Leipzig. = Der Vorort. Genf, den 12. April*). Die Steinhauer- und Maurer- Greve wurde vorgestern nach mehrtägigen Unterhandlun= gen zwischen den Delegirten der Arbeiter und der Meister, und zwar mit einem vollständigen Sieg der Arbeiter, been= digt. Heute wurden die Arbeiten wieder auf den Bauplätzen eröffnet. Der stolze Eigensinn der Herren ist also am Felsen der Internationalen Arbeiter- Assoziation zerschellt. Die Greve der Buchdrucker wird wohl noch längere Zeit dauern. Zur Berathung weiterer Maaßregeln wird heute Abend eine Generalversammlung sämmtlicher Sektionen der Internationalen stattfinden. Die Sache wurde schon von vornherein daArbeiter auch eine größere politische Macht und können sich leichter helfen. Was übrigens Fälle, wie den am Schluß unsrer heutigen Londoner Correspondenz erwähnten anbelangt, so find fie bloß in den großen Küstenstädten möglich, wo die ärmsten Einwandrer hängen bleiben, und leider nur zu oft dem furchtbarsten Elend anheimfallen. Eine ähnliche Ausbeutung deutscher Arbeiter, wie die oben geschilderte, kommt beiläufig auch in London ber, und zwar in dem ausgedehntesten Maaßstabe. Kein deutscher Arbeiter sollte nach England oder Amerika gehn, ohne vorher die Anfangs gründe der englischen Sprache erlernt, und vor Allem nicht, ohne fich eine genaue Kenntniß der dort herrschenden Arbeitsund Lohnverhältnisse erworben zu haben. D. R. daß wir nur kurz den Inhalt mittheilen konnten. D. R. *) Der Brief kam uns vorige Woche nach Redaktionsschluß zu, so durch schwierig, daß 35 der besser gestellten Buchdrucker, und zwar meistens Genfer, ältere Leute und Familienväter, jedoch allerdings bei erhöhtem Lohn, fortarbeiteten und das nöthigste, namentlich in der Zeitungspresse, leisteten. Diese Leute haben sich übrigens in eine bedauerliche Lage gebracht und können sich nirgend mehr blicken lassen, ohne die Berachtung der ganzen Arbeiterwelt zu erfahren. Sicher würden die Herren Brinzipale schon längst den ,, aufgedrungenen" Tarif angenommen haben, wenn sie sich nicht fürchteten, öffentlich ihre Niederlage einzugestehen und den Sieg der Arbeiter anzuerkennen. Gewiß ist jetzt schon, daß in Genf nie mehr unter dem Preis des neuen Lohntariffs gearbeitet werden wird. Berlin. Seit drei Vierteljahren suchten die hiesigen Zimmergesellen die Meister zu einer Lohnerhöhung zu bestimmen; aber alle ihre Bemühungen blieben fruchtlos. In Folge dessen haben 1800 Zimmerleute die Arbeit eingestellt. Sie wenden sich in nachstehendem Aufruf an ,, die Arbeiter Berlins, ganz Deutschlands und des Auslandes": ,, Wir haben den Kampf mit dem Kapital aufgenommen, gestützt auf unser unzweifelhaftes Recht, auf die Gerechtigkeit unserer Forderungen und in der Ueberzeugung, daß wir bei der Solidarität der Interessen der gesammten Arbeiterklasse zugleich für Euch Alle, gleichviel welcher Beschäftigung Ihr Euch widmet, den Kampf führen, aber auch in der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß Ihr, ohne alle Ausnahme und ohne alle Rücksicht auf irgend eine politische, etwa verschiedene Parteistellung uns zur siegreichen Durchführung unseres Vorhabens unterstützen werdet, Jeder nach seiner Kraft. Nun denn, Arbeiter aller Art und aller Länder, laßt unsere Arbeit nicht zu Schanden werden! Beweist durch die That, daß Ihr den Wahlspruch des gesammten Proletariats:„ Einer für Alle und Alle für Einen!" zu dem Eurigen gemacht habt. Bedenkt, daß unser Sieg unfehlbar günstig einwirken wird auf die Lohuverhältnisse überhaupt, daß dagegen unsere Niederlage eben so nachtheilige Folgen haben muß. Also Brüder überall, her mit der schwieligen Bruderhand! Wir werden uns Eurer Hülfe würdig zeigen, indem wir mannhaft ausharren, bis auch die geringste unserer gerechten Forderungen bewilligt sein wird. Eure Hülfe fann darin bestehen, daß Ihr uns durch Geldbeiträge unterstützt urd jeden Zuzug nach Berlin verhin= dert. Geldsendungen sind zu richten an den Unterzeichneten und an Max v. Mizel, Nostitzstr. 6. der Brudergruß und Handschlag! Im Auftrage der Commission Zimmergesellen: G. Lübkert, Berlin, 19. April. Verlängerte. Prinzenstr. 1. Wien. Herr Dr. Gistra, ehemals ,, unbestechlicher" Verwaltungsrath und Abgeordneter, jetzt Minister des Innern, hat sich wieder einmal gründlich blamirt. Der große Staatsmann glaubte eine Hauptaktion auszuführen, wenn er eine Demonstration gegen die Sozialdemokraten in Scene setze. Anlaß dazu gab das Gründungsfest des Arbeiterbildungsvereins, über welches wir in unserm letzten Briefe berichteten. Es sollte deshalb ein Fest in Scene gesetzt werden, auf welchem man zeigen wollte, daß ein großer Theil der Wiener Arbeiter von den loyalsten Gefühlen für das edle Bürgerministerium" und den noch edleren ,, konstitutionellen Kaiser" durchdrungen sei. Der von einem heruntergekommenen, im Geruch eines Spigels" stehenden pensionirten Statthaltereirath geleitete und von dem bekannten Ordensjäger Ritter von Wertheim beeinflußte Verein für genossenschaftliche Selbsthülfe" miethete die sämmtlichen Räumlichkeiten des Colosseums und erließ einen pompösen Aufruf zum ,, Ehrenfeste der genos= senschaftlichen Selbsthülfe", welches auch wirklich am 11. ds. stattfand, dessen Verlauf aber allgemeine Heiterkeit erregte. " 1 Als nämlich Herr Minister Giskra Abends nach 11 Uhr den angekündigten Besuch machte, fand er nur etwa 200 Personen vor. Die Säle sahen ganz einsam und verlassen aus, was den Minister wohl stuzzig machte, ihn aber nicht hinderte, eine Rede zu halten, in welcher er erklärte, daß nur die Verfolgung der vom Vereine ,, Selbsthilfe" aufgestellten Prinzipien zum Heile führen könnten, und daß alles Andere vom Uebel fei. Schließlich bedauerte er noch die Verirrungen" eines großen Theiles der Wiener Arbeiter. Sowohl die Volks- wie die klerikalen Blätter machen sich nun lustig über dieses Benehmen und der Volksfreund", welcher dem Organ der sozial demokratischen Partei, der ,, Volksstimme", einen Leitartikel widmet, stellt an den„ Volks"-Minister Giskra die Frage, ob er wohl glaube, mit solchen Mitteln eine so tiefgehende und gewaltige Bewegung, wie die Arbeiterbewegung, erfolgreich betämpfen zu fönnen? Am 19. ds. hatte in Zobels Saal eine von nahezu 6000 Menschen besuchte Volksversammlung statt, in der Beschlüsse zu Gunsten des Coalitionsrechts und der Normirung des Arbeitstags gefaßt wurden. Den Bericht, der uns erst nach Schluß der Redaktion zuging, können wir erst in nächster Nummer bringen. Nürnberg. Die hiesige Holzarbeitergenossenschaft erfreut sich bereits vieler Mitglieder. Es ist ein provisorisches Comité zur Statutenberathung gewählt worden und ist zu hoffen, daß die Genossenschaft in Gemeinschaft mit der gleich zeitig in Fürth gegründeten die Grundlage zu einer internationalen bilden wird. Es kommt nur darauf an, ob auch ähnliche Vereine anderer Städte mit vorgehen wollen, und könnte man einen beschlußfassenden Kongreß recht gut hier abhalten. Der Arbeiterbildungsverein wird gerne mit der Genossenschaft die Vorarbeiten übernehmen.- Die im Laufe d. J. stattfindenden Landtagswahlen fangen schon an, die Gemüther in Bewegung und Wallung zu versetzen. In Erlangen hat bereits die großdeutsche Richtung ihren Candidaten, Hrn. Bürgermeister Pappelier, aufgestellt und dadurch die dortigen national- liberalen Elemente in Wuth versetzt. Dieselben lassen es an Schmähungen und Verdächtigungen nicht fehlen. Eine Broschüre, die Pappelier im vergangenen Jahre geschrieben, in welcher er das von der Fortschrittspartei in den Kammern angenommene Gemeindegesetz einer vernich tenden Kritik unterwirft und den Forderungen der Arbeiter gerecht wird, benüßen diese Leute, um durch den Ruf: dieser Mann liebäugelt mit der Socialdemokratie!- der Bourgeoisie vor diesem Manne Schrecken einzuflößen. Mittweida, 16. April. Wir beabsichtigen nach dem Vorbild der Dresdener und Leipziger Handarbeiter- Ge= ,, Handarbeiter- Genossenschaft" hier eine gleiche ins Leben zu rufen, und zwar wollen wir die Statuten der genannten Genossenschaften zur Grundlage nehmen, um Gleichheit in der Organisation und Verwaltung zu erzielen. Lengenfeld i. Voigtl., 17. April. Vor einigen Wochen hat sich bei uns ein Arbeiter- Verein gebildet, dem als Präsident Ferdinand Teufel vorsteht. Den ersten OsterfeierDen ersten Osterfeier tag hatten wir eine Versammlung, in der Herr Scherf uns einen Vortrag über die Bestrebungen der demokratisch- soziali stischen Partei hielt, und welcher allgemeinen Anklang fand. Ein Lassalleaner, der ebenfalls zugegen war und das Wort ergriff, konnte gegen Herrn Scherf nicht aufkommen. In für zester Zeit beabsichtigen wir wiederum eine öffentliche Versammlung abzuhalten, auch hoffen wir, daß es uns gelingt, in den Nachbarorten gleichfalls Arbeitervereine ins Leben zu rufen. Der Boden ist im Voigtlande günstig. Glauchau. Von hier aus sind den Baselern 19 Thlr. 13 Sgr. 4 Pf. zugesandt worden. Waldenburg im Schönburgschen, 20. April. Ju hiesiger Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Pranie 11 Stadt hat sich am 11. März der Volksverein neu conftituirt und ist bis jetzt die Mitgliederzahl bis auf 40 Mann gestiegen und sehen wir weiterem Wachsthum zuversichtlich entgegen. Die Neuwahl ergab, daß Frdr. Friedrich zum Vorsteher des Vereins gewählt war. In Bezug der Beiträge wurde beschlossen, daß Jeder die Höhe derselben selbst feststellen solle; auch wird beabsichtigt, die Kräfte zunächst für Beschaf= fung einer ordentlichen Bibliothek zu verwenden. = Neudörfel bei Zwickau, 18. April. In der heute von Hrn. Dinter einberufenen Bergarbeiter- Versammlung, welcher in der Hauptsache Mittheilung über den Stand des allgemeinen Knappschaftskassen- Verbands des Zwickauer Jnspektions- Bezirks untergelegt war, befand sich auf der Tagesordnung die Gründung einer Gewerksgenossenschaft, für Berg- und Hüttenarbeiter. Der Vorsitzende, Hr. Diuter, zeigte die hohe Bedeutung der Gewerksgenossenschaften als Verbandsmittel der Bergarbeiter für ihr Interesse, sowie zur Abwehr gegen den willkürlichen Druck, welcher so vielfach von den Grubenbesitzern ausgeübt wird. Hierauf ergriff Hr. Dozauer aus Zwickau das Wort und erklärte, er begrüße mit Freude, daß die Bergarbeiter selbst die vom Volksverein begonnene Gründung einer Gewerksgenossenschaft in die Hand nähmen. Er kritisirte die Genossenschaftsstatuten der 3 ver schiedenen Gruppen und warnte vor Annahme des Hirsch= Dunder'schen, indem jene Herren erfahrungsgemäß durch glatte Worte und feingelegte Netze die Arbeiter in die Schlinze zu ziehen und namentlich die Genossenschaften für die Arbeitgeber auszubeuten suchten. Das Bebel- Liebknecht'sche Statut, her vorgegangen aus den Beschlüssen des Nürnberger Arbeitertags und im Geist der internationalen Arbeiterassoziation entworfen, empfahl schließlich der Redner unter allgemeinem Beifall der Versammlung zur Annahme. Hierauf wurde vom Vorsitzenden dieses Statut vorgelesen, und nachdem Herr Jungnickel aus Lugau noch sehr praktische Erläuterungen gegeben, die Lage der Bergarbeiter lebendig geschildert, und die Trägheit der Arbeiter auf der einen, die Unterdrückungssucht der Werkbesitzer und ihrer Kreaturen mit scharfen Worten gegeißelt hatte, wurde ein provisorisches Comité von 15 Personen und zwar 10 aus Zwidau und 5 aus Lugau gewählt. Unsere Gewerks genossenschaft der Berg- und Hütten- Arbeiter ist damit als gesichert zu betrachten. = Geyer, 13. April. Sonntag, den 4. April, hatten die Hatzfeldter hier eine Versammlung einberufen, in welcher Hr. Hendel aus Chemnitz auftrat und einen längeren Vortrag hielt. Von unserer Seite trat ihm Herr Demmler entgegen und zwar mit solchem Erfolg, daß von mindestens 300 Anwesenden die überwiegende Majorität folgende Resolution an nahm:„ Die Versammlung erklärt, daß sie die Prinzipien der Volkspartei anerkennt und deshalb nicht die Nothwendigkeit einsieht, sich dem Lassalle'schen Allgem. Deutschen Arbeiterverein anzu schließen." Durch diese Versammlung haben wir sehr an Boden ge wonnen. Ich will Ihnen noch mittheilen, daß wir hier seit 2. Monaten eine Kranken- Unterstützungskasse gegründet haben, der 48 Mann angehören. = Crimmitschau. In dem Aufruf an die Manufaktur, Fabrik- und Handarbeiter in vor. Nummer des„ Demokratischen Wochenblatts" war die Zahl der hiesigen Genossenschaftsmitglieder durch einen Irrthum zu niedrig angegeben; sie be läuft sich fast doppelt so hoch, nämlich auf 1500( anstatt 800). Briefkasten. J. Reschiya: Nur„ Volksstimme." Die Adreſſe der Arbeiter- Union it 10 Spring- Street," near Bowery, New- York, U. S. Wenn die Post keine Bestellungen annimmt, sind wir bereit dieselben zu vermitteln. Alle sozialistische Schriften sind durch meine Vermittelung zu beziehen C. E. Seifert, Windmühlenstr. 23. Leivzia [ Druck und Verlag: F. Thiele.