e 3 3 D 1 I 2 Demokratilches Wochenblatt. Organ der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. No. 1S. Leipzig, den 1. Mai. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 121% Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nehmen entgegen die Herren G. Hofmann, Brühl 40, Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Universitätsstraße, und die Expedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn . Bebel, Petersstra: 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duenjing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Inhalt: Politische Uebersicht. Theodor Olshausen. Die Segnungen des Nordbunds. Collettiv- Eigenthum. Die Lehren der Mezelei von Seraing. -Der erste Verbandstag der Sächsischen Confumvereine. Vororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. NewPort, Wien, Gladbach, Berlin, Neustadt, Dorschemnitz, Fürth, Schmölln, Willsen, Stollberg, Hormersdorf, Crimmitschau, Leipzig. Anzeigen. Beilage: Eine Bartholomäusnacht der Bourgeoisie. Aus England. Politische Uebersicht. Noch hat man sich in Berlin nicht von dem Schlag er holt, welcher der preußischen Politik durch die jüngsten österreichischen Enthüllungen versetzt wurde, und schon droht ein neuer Schlag: nach einer Depesche aus Wien wird die österreichische Regierung in dem Generalstabsbericht des Feldzugs von 1866 auch die Verhandlungen Bismarcks mit den Ungarn und den Italienern veröffentlichen. Man sieht daraus, daß die österreichische Regierung entschlossen ist, um jeden Preis moralisch zu vernichten. Weiteres steht bevor. Alles läßt schließen, daß die Geheimnisse von Biarriz die längste Zeit Geheimnisse waren. Preußen eingestanden sten demüthig gebeten, dem Reichstag doch dann und wann diplomatische Aktenstücke( ein ,, Blaubuch") mitzutheilen, erklärte Graf Bismard u. A.: In brennenden Fragen ist es von höchstem Werthe, sich die Theilnahme der öffentlichen Meinung schnell in der Richtung, in der man ihrer bedarf, zu sichern. Nun, meine Herren, wenn Fragen erst brennend werden, glaube ich, geschieht das auch regelmäßig, selbst wenn das Parlament nicht versammelt ist. Ich erinnere sie an die Zeit, wo brennendere Fragen vorlagen, als jetzt, an die Jahre 1864 und 1866, an die Zeit des Frankfurter Fürsten- Kongresses. Da wurden die Delicht. Sie können, wenn wir anfangen, Depeschen zu veröffentlichen, pejchen Schlag auf Schlag täglich in den amtlichen Blättern veröffentes fast immer als ein Symptom einer ziemlich ernsten Situa tion ansehen, welche aufängt zwischen uns und den Regierun geu, an welche die Depesche gerichtet ist, sich zu entwickeln. Es ist der Ausdruck des Wunsches, daß das Publikum Kenntniß davon nehme, wie die Sachen liegen, weil wir entschlossen sind, dieselben weiter zu verfolgen auf die Gefahr hin, daß wir die Betheiligung der öffentlichen Dieinung in ihrer vollen Kraft bedürfen würden. Diese Regel ist natürlich feine allgemeine. Es gibt Depeschen, welche überhaupt keine Bedeutung haben. Aber wenn etwas empfindliche Depeschen anfangen, in die Oeffentlichkeit zu kommen, so ijt das ein Symptom sehr ernster Art, wenn es zwischen großen Regierungen vorkommt." Daß Graf Bismard hierbei an die österreichischen Ent= Was die in unserer letzten Nummer abgedruckte Depesche Bismards an Herrn von der Goly angeht, so beweist sie die hüllungen gedacht hat, wird wohl nicht in Abrede gestellt nicht nur auf das Unumstößlichste, daß Preu werden können. Bemerkt sei noch, daß der edle Graf dem Ben 1866 bloß„ Hohenzollernsche Hausmachtspolitik" getrieben Wunsch Tweſtens zu willfahren versprach, jedoch mit dem Zusatz, hat, ſondern wirft auch ein gar schiefes Licht auf den Charak- daß er die zu veröffentlichenden Attenstücke dann ,, unschädlich" ter des ,, ritterlichen" Königs Wilhelm. Dieser selbige König machen, mit anderen Worten, sie laut den Worten seines ersten Ministers ,, vor Allem Werth Wilhelm, der am 20. Juli 1866 Datum der Depesche auf Annexionen legte", versicherte 13 Monate später, am 17. wie sollen wir uns doch ausdrücken, um mit dem Strafgesetzbuch nicht in Collision zu tommen? fie abändern und zurechtkochen" werde. - Da wir gerade bei den ,, Enthüllungen" sind, sei ferner erwähnt, daß der österreichische Generalstabsbericht auch die " Ich sehe mich veranlaßt, Ihnen ausführlich die Gründe dar bayrische Regierung schwer belastet, welche 1866 von Preußen zulegen, welche mich wahrlich gegen meine ursprüng= die Abtretung österreichischen Gebiets verlangt habe. liche Ueberzeugung, und nach wiederholten schweren Beiläufig kündigen die Bismarckschen Soldschreiber GegenMan hätte sie besser gleich gebracht. Wer Kämpfen mit meinem Wunsche, die vollständige Souverä- enthüllungen an. Ich ertheile Ihnen noch In seiner bei Gelegenheit des Münster- Twesten'schen Autrags gehaltenen Rede" pries Graf Bismarck u. A. die Noth= 11 nität meiner früheren Genossen im Deutschen Bunde fortbe- in dieser Weise droht, zeigt, daß er seine Drohungen nicht stehen zu lassen, zu dem jetzt bereits in der Ausführung zu verwirklichen vermag. begriffenen und somit unwiderruflichen Beschluß genöthigt haben, Annerionen vorzunehmen. mals die feste Versicherung, daß meine Plane nie darüber wendigkeit der Dezentralisation, die Unmöglichkeit des Einhinausgegangen sind, moralische Eroberungen zu heitsstaats und die Vortheile der Kleinstaaterei. Wir könnten machen, und daß, wenn ich als 70jähriger Mann zu gewaltthätigen Eroberungen übergehe, ich dies nur thue, gezwungen fortdauernde ,, Nervenleiden" des Grafen erkennen; denn bietet durch die Macht der Verhältnisse." Look on auch die Furcht vor Frankreich einen greifbaren Beweggrund, so würde sie doch bei ungestörter Nerventhätigkeit des this and on this man blicke auf die so würde sie doch bei ungestörter Die französische helm, der ,, vor Allem Werth auf Annexionen legt"; hier der Selbstverurtheilung haben führen können. her Bild und auf jenes: dort der„ itterliche" König Wil- Sprechers nimmermehr zu einer solchen celbſtantiage uns ,, ritterliche" König Wilhelm, der sich nur ,, nach wiederholten Presse nimmt natürlich keine menschenfreundlichen Rücksichten zu Annexionen entschließt. Ein Kommentar wäre Majestäts- hafteren Angriffen reizt, und hält ihm unbarmherzig den Spiegel Kämpfen", nur gezwungen durch die Macht der Verhältnisse" auf den ,, kranken Mann", dessen Schwäche sie nur zu defto bos beleidigung. Enthüllungen jagten, ist seitdem von Niemand Gngerem, Was wir vorige Woche über den praktischen Zwed" der als dem Grafen Bismard bestätigt worden. Von Hrn. Twe seiner Vergangenheit vor. tutionnel", schreibt: Ein Regierungsblatt, der Consti 17 ,, So denkt heute über die Einheit Deutschlands der Staatsmann, welcher seit 1862 aut der Spiße des Ministeriums der auswärtigen An= gelegenheiten in Preußen steht. In diese 7jährige Periode fällt der Congreß der Souverane 1863 zu Frankfurt, welcher die Reform des Bundes von 1815 auf föderativer Grundlage anstrebte, eine Reform welche Preußen als dem Einheitsbedürfniß der Nation nicht Genüge leiſtend, verwarf; ferner der dänische Krieg, der die Autonomie Schleswig- Holsteins begründen sollte, aus diesen Ländern aber eine preußische Provinz gemacht hat; endlich unter dem Ministerium Bismarck der kurze aber blutige Krieg, durch welchen 4 jener deutschen Staaten verschwanden, deren Verdienste der Bundeskanzler soeben vom Standpunkte des mate= riellen wie intellectuellen Fortschritts so gepriesen hat. Man hat diese vier Staaten gerade um der Einheit Deutschlands willen confiscirt, die jezt Hr. von Bismarck als weder nützlich noch historisch bezeichnet; man hat einen Bund vernichtet, der ganz Deutschland umfaßte und der die Autonomie jedes Einzelstaates proklamirte, ganz so wie dies in Nordamerita und in der Schweiz der Fall ist. Voraussichtige und unparteiifche Intelligenzen haben Jahre lang die weisen Doctrinen vertheidigt, zu denen sich jetzt der preußische Premier bekennt, man stieß sie, als Preußen und Deutschland, feindlich zurück." Der Vergleich des deutschen Bundes mit der Schweiz nnd dem großem amerikanischen Freistaat hinkt allerdings sehr start, aber im Ganzen ist die Kritik durchaus treffend, und daß feins unfrer nationalliberalen oder fortschrittlichen Blätter Aehnliches zu schreiben gewagt hat, kennzeichnet recht deutlich die Verkommenheit der großpreußischen Bourgeoisie, der Graf Bismarck in jener ,, Rede" so harte Backenstreiche versetzt hat. Mit Genugthuung melden die preußischen Blätter, daß die Zerstörung der Festung Luxemburg rasche Fortschritte mache. So weit ist es mit dem deutschen Großstaat" gekommen, daß er es als einen Sieg preis't, wenn eine deutsche Festung nicht von den Franzosen genommen, sondern bloß in die Luft gesprengt wird. Mit demselben Recht könnten die preußischen Zeitungen es als einen Sieg auspofaunen, wenn der ganze Nordbund gelegentlich in die Luft fliegt. ( Freilich ein Deutscher Sieg wäre das!) Mit der„ Zerstörung" der Luxemburger Werke hat es übrigens seine eigene Bewandtniß; wie schon früher angedeutet, werden bloß einige Schanzen und sonstige unwichtige Festungsbauten zerstört, wohingegen die Hauptwerke, deren Zerstörung bei der natürlichen Festigkeit des Plates Jahre erfordern würden, unberührt bleiben. Wenn die Franzosen heute in Luxemburg einziehen, so haben sie sofort eine feste Position und können die Stadt binnen 8 Tagen in besten Vertheidigungszustand ſeßen. Neueste ,, Segnungen" des Nordbundes, 6, schreibe ſechs neue Steuern! Die Steuerjagd war also erfolgreich. Glückliche ,, Steuerbrüder"! Die Reichstagsdebatten über die Gewerbeordnung sind nur insofern von Interesse, als sie diejenigen Arbeiter, welche noch Hoffnungen auf den ,, Reichstag" jeßten, gründlich von ihrem Irrthum geheilt haben müssen. Der Beschluß über die Titel- Verantwortlichkeit der Zuzu kunfts- Bundes- Miniſter ist im Papierkorb des Bundesraths begraben worden. Die armen Nationalliberalen werden blutige Thränen weinen. Und wahrhaftig, Graf Bismarck hätte ihnen doch ihr harmloses Spielzeug laffen sollen! " steuer überrascht. Das Bier, dieses namentlich für den städtischen Arbeiter so unentbehrliche Nahrungsmittel, ist be reits dreifach besteuert, erstens im landwirthschaftlichen Broduft, zweitens im Braumalz, drittens in der Gewerbesteuer. Ehe es getrunken wird, soll es also zukündig erst noch zum vierten Mal das Räderwerk des norddeutschen Bundes drehen helfen. Ist es helfen. Ist es da zum Verwundern, wenn immer mehr Leute den Staub von den Füßen schütteln und sich ein neues Baterland suchen? Abermals ist in den Auswanderungslisten die Zahl Derer um volle 50,000 gewachsen, denen die Lust, an der Norddeutschen Bundes- Ehre und an dem Militär- Budget mittragen zu helfen, gründlich vergangen ist. Alle können wir aber nicht nach Amerika; was werden da mit der Zeit die Zurückbleibenden thun müssen? den Landtagswahlen vor. Nach dem„ Nürnberger Anzeiger" In Baiern bereitet sich die Volkspartei auf die nahen wird sie keinen Candidaten aufstellen oder unterstützen, der nicht folgendes Programm unterschreibt: ,, Die Volkspartei erstrebt in der deutschen Frage die freie Vereinigung aller deutschen Stämme zu einem auf Boltssouveränität beruhenden Bundesstaat. Die nächsten Aufgaben, deren Lösung in der Abgeordne tenkammer erstrebt werden soll, sind: Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechts mit geheimer Abstim mung für jede Art politischer Vertretung; Revision der Staatsverfassung nach den Grundsäßen der Selbstregierung und Selbstverwaltung; vollständige Trennung des Staats, mithin für stehende Heere, Einführung des Milizsystems; Aufhebung auch der Schule, von der Kirche; Verweigerung aller Mittel aller Borrechte der Geburt, des Standes und des Beſizes; Beseitigung des Geſeßes über Vereine und Versammlungen, fion des Gesetzes über die Presse, welche von allen Beschrän Herstellung voller Vereins- und Versammlungsfreiheit; Revi fungen und Bedrückungen befreit werden soll; Verantwortlich feit der Beamten, Beseitigung des Pensionswesens; Freige bung der Advokatur ohne Lokalisirung und ohne Anwaltszwang; Schaffung eines einheitlichen Civilgesetzes; Befferung Bertheilung der Steuern, nämlich Aufhebung der indirekten der materiellen Lage der arbeitenden Klassen, durch gerechte Steuern, Einführung einer progressiven Einkommen- und Kapitalsteuer; durch unentgeltlichen Unterricht in allen öffentlichen Bildungs- Anstalten; durch vollkommene Koalitionsfreiheit, Feft ſegung eines Normalarbeitstags und ein Fabrikgesetz zum Schuß der Gesundheit der Arbeiter." Das ziemlich liberale Unterrichtsgesetz, welches dem öftermentarischen Strike“ der polnischen, ſlovenischen und tyroler reichischen Reichsrath unterbreitet ist, hat zu einem„ parla Abgeordneten Veranlassung gegeben. Die Polen haben konfi tutionelle Bedenken; sie behaupten, der Entwurf greife in die Competenz der Einzellandtage ein, was Unsinn ist. Die Sto venen und Tyroler haben an dem Entwurf auszuseßen, daß er den Pfaffen die Hauptquelle ihres Einflusses zu entziehen sucht. Indeß ist der Reichsrath trotz der Nichtanwesenheit ber betreffenden Abgeordneten beschlußfähig geblieben und hat Unterrichtsgesetz in dritter Lesung mit 111 gegen 4 Stimmen angenommen. das Man schreibt uns: Im Berliner Reichstag ange= nehme Abwechselung: je einen Tag beräth man über die Freiheit des Gewerbetriebs, den andern Tag über eine neue Methode, ihn zu besteuern. Als ob noch von Gewerbefreiheit" die Rede sein könnte, wenn das Rohmaterial, die Be triebsmittel, der Grund und Boden, die Lebensmittel, der Kredit, kurz alles, was zum Gewerbe gehört, durch eine unerDie Verfolgung der Sozialdemokraten dauert fort schwingliche Last von Abgaben künstlich vertheuert, und so den Am 26. April wurde der ungarische Reichstag von dem wenig besitzenden Arbeitern die Errichtung eines selbstständigen Kaiser- König in Person eröffnet. Die Thronrede ist reich an Geschäfts ganz unmöglich gemacht wird! In der Sache selbst Ausgleich mit Ungarn, der durch die jüngsten Wahlen einen nen Worten, und macht sich unter Andern den Spaß, den so harten Stoß erlitten hat, als sichere Grundlage" zu zeichnen. bleibt es für den Arbeiter ganz gleich, ob ihm sein natürliches Recht auf gewerbliche Freiheit und Selbstständigkeit durch mittelalterliche Zunftgesetze geraubt wird oder durch den Steuerdruck des modernen Cäsarismus! fchö be Die belgisch- französische Frage steht auf dem alten Da man voraussteht, daß höhere Besteuerung des Brannt- Fleck. Einem Gerücht zufolge hätte die belgische Regierung weins die Fabrikation desselben erheblich abnehmen lassen und so den Gesammt- Ertrag der Abgabe vermindern, dagegen die großen Landwirthe auf die Erzeugung von Bier hinlenten wird, so hat man( nur hübsch konsequent!) den Reichstag, und nicht minder das Land, mit dem Projekt einer neuen Bier eine Conferenz der Schutzmächte vorgeschlagen. Bekanntlich sind Conferenzen dazu da, Schwierigkeiten zu konstatiren( feft zustellen), nicht, sie zu lösen. rüstungen und Demagogenheten. Wahlbewegung in Frankreich, mit obligaten Kriegs 197 In Spanien gewinnt die republikanische Partei immer mehr Boden, wie u. A. aus dem Umstand erhellt, daß 10 foeben vorgenommene Rachwahlen für die Nationalverſammlung sämmtlich zu Gunsten der Republikaner ausgefallen sind, die alle ihre früheren Size behauptet und den Monarchisten vier neue abgewonnen haben. Am meisten freuen sich die Republikaner über ihren Wahlfieg in Tarragona, wo bei der ersten Wahl Prim( der auch in Madrid gewählt ist, wel= ches er in den Cortes vertritt) und der im Duell gebliebene Celestino Olozaga, einer der ausgesprochensten Gegner der Republikaner, eine große Mehrheit erhalten hatten, während diesmal die Republikaner je 10,000, die Monarchisten bloß 1000 Stimmen bekamen. Die Cortesdebatten werden von Tag zu Tag stürmischer, die Entscheidung der Frage: Republik oder Monarchie? ift nicht mehr lange hinauszuschieben. Daß sie nicht im parlamentarischen Kampf erfolgen kann, ist jedem Vernünftigen klar. Die italienische Regierung ist waclig sie fabrizirt Verschwörungen, durch welche sie sich das Bhilisterthum in die Arme zu treiben hofft. Mag sein, daß ihr das gelingt, aber wann hätten die Angstmänner je eine Regierung in der Stunde der Gefahr unterſtügt? Sie haben zwar gute Wünsche, allein leider eine unüberwindliche Schen vor dem Bulvergeruch. Es heißt, unter den italienischer Republikanern sei eine Spaltung ausgebrochen, ein Theil habe sich gegen Mazzini für föderalistische*) Prinzipien erklärt. Soll wohl heißen, autonomistische). Denn eine Föderativ- Republik scheint uns in Italien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Und genügt denn etwa die Autonomie nicht? Wozu besondre Staaten, wenn die Gemeinden, Kreise und Provinzen das Recht der Selbstverwaltung haben, in soweit es nicht den allgemeinen Staatsintereffen widerstreitet? Der amerikanische Senat hat den Alabamavertrag mit allen gegen Eine Stimme verworfen. Das heißt: das Volk der Vereinigten Staaten besteht auf seinem Recht, und wird Theodor Olshausen. Der Züricher Correspondent der ,, Zukunft" schreibt: ,, Geſtatten Sie mir vorab ein Wort der Trauer für einen lieben alten Freund. Jm Januar Georg Fein, im März Theodor Olshausen, die kleine Zahl der deutschen Männer nimmt rasch ab. Olshausen kämpfte fast ein halbes Jahrhundert lang für Freiheit und Vaterland und je älter, desto entschiedener wurde er. Er hielt sich fern ab von denen, die das goldene Kalb des Erfolges, der noch dazu keiner ist, umtanzen. Die alte Garde stirbt, aber sie ergiebt sich nicht." In den letzten Jahren war Olshausen ein geschäßtes und thätiges Mitglied des Vereins der deutschen Republikaner in der Schweiz. Seine letzte Schrift: Die deutsche Lebensfrage" kann als sein Vermächtniß gelten. Hier einige Säße daraus: „ Der Konstitutionalismus ist nichts als eine Farce, die in τρ den Kammern immer von Neuem vor dem Volte aufgeführt, aber sofort wieder eingestellt wird, sobald das Volt und seine Vertreter mit den ihm immer nur noch fümmerlich zugetheilten Rechten Ernst zu machen versuchen." ,, Deutschland kann weder durch seine Fürsten noch mit ihnen Freiheit und Einheit erlangen, so wenig wie mit dem Pabst an der Spitze die firchliche Reformation durchgeführt werden konnte." Die Selbstregierung des Volkes erträgt keine fürstliche Macht an der Spize." ,, Wir haben zu erstreben einen festen, alle deutschen Staaten umfassenden Nationalverband und eine auf den Grundsatz der Rechtsgleichheit gebaute republikanische Verfassung." Die Segnungen des Nordbundes. Sigung das Budget für 1870 in zweiter Lesung genehmigt Der Berliner ,, Reichstag" hat in seiner letzten Sonnabendund zwar mit allen gegen 10 oder 12 Stimmen der Linken und äußersten Linken. Der größere Theil der Herren Fortschrittsmänner hat, wie man das bei diesen Herren gewohnt nig treten, als bis die englische Regierung ihr Unrecht anerzu England nicht eher in ein freundschaftliches Verhält ist, ungeachtet der lebhaften Rede, die in ihrem Namen Herr von Hoverbed für die Entwaffnung hielt, ihr Ja und ihren fannt und den Amerikanern volle Entschädigung für die VerSegen dazu gegeben. in diese Wir haben keinen Grund, die höchst lahme und jedes lufte gewährt hat, welche dem amerikanischen Handel durch die Schwungs entbehrende Debatte, welche sich über das Budget Ausrüstung der Alabama und anderer südstaatlicher Raubfchiffe entspann und bei der die national- liberalen Worthelden die englischen Häfen erwachsen sind. So lange England altbekannten Phrasen zum so und so viel malſten ableierten, Entschädigung vorenthält, muß es darauf gefaßt sein, daß die unsern Lesern vorzuführen, halten uns aber um so mehr verBereinigten Staaten bei irgend einem günstigen Anlaß die pflichtet, die Zahlen aufmarschieren zu laffen, welche die norderlittene Unbill empfindlich rächen. Da die amerikanische Republik die Macht hat, sich zu rächen, ist es nicht zu verwun= dern, daß John Bull Gewissensbisse zu fühlen beginnt. Eintausend achthundert sieben und sechzig zu Ehren der heiligen Militaria aufzubringen haben. Die Gesammtausgabe des Nordbunds soll in diesem Jahr, vorausgesetzt daß das übliche Deficit wirklich nicht eintritt, 75,958,495 Thlr. betragen; von dieser Summe werden 73,711,165 Bon J. G. Eccarius***), Mitglied des Generalraths der In- Thlr. für Militär und Marinezwecke ausgegeben! Mein Liebternationalen Arbeiter- Assoziation, erscheint nächstens im Ver- chen was willst Du mehr? lag von A. Eichhoff in Berlin eine national- ökonomische Broist bei schüre, auf die wir die Arbeiter im Voraus aufmerksam aus den Zöllen und Verbrauchssteuern, und zwar Diese Ausgaben werden aufgebracht durch die Einnahmen den letzteren der Ertrag der Rübenzudersteuer mit geois Dekonomen J. St. Mill und der ganzen Bourgeois 7,573,800 Thlrn., der Salzsteuer mit 8,115,340 Thlen., Dekonomie, und ein glän- der Verfasser ist Arbeiter ein glänzender geistiger Sieg des Proletariats über die Bour- vom Branntwein mit 9,693,920 Thlen., der Br au malz geoifie. Bundesstaatliche der Branntweinsteuer und Uebergangsabgabe und Biersteuer mit 2,737,650 Thlrn. aufgeführt. Nicht gedeckt werden durch die Einnahmen an Zöllen und Verbrauchssteuern und durch die Ueberschüsse des Post- und Telegraphenwesens 25,754,723 Thlr., die durch sogenannte Matrikularumlagen Don Autonomie gebildete Eigenschaftswort, die Selbstbestimmung, Selbst aufgebracht werden sollen, d. h. jeder Staat hat außer dem Autonomie, Selbstregierung, Selbstbestimmung; autonomistisch, das regierung gewährleistend. bat uns zu seinem( schon 1850 geschriebenen, und damals in der ***) Eccarius, nebenbei bemerkt, Verfasser unserer Londoner Briefe, Verlust an den obengenannten Einnahmen noch eine besondere Summe nach Höhe der Kopfzahl der Bevölkerung aufzubringen. Sachsens Antheil bei diesen Matrikularumlagen beträgt beiRheinischen Zeitungs- Revue von Mary und Engels veröffentlichten) spielsweise 2,329,293 Thlr., was auf jeden Kopf der Be= wir Aufsatz über die Schneiderei in London einen Anhang zugeschickt, den nächstens im Wochenblatt abdrucken und, mit dem Aufsatz verbun den, als besondere Broschüre herausgeben werden. völkerung rund 1 Thlr. macht. Mit dieser Art Einnahmen reicht aber der Nord bund noch nicht aus, nachdem erft vor ungefähr anderthalb Jahren die erste Schuld mit 10 Millionen Thaler, hurre, hurre! hopp! hopp! vom Reichstag für Marinezwecke und Küstenvertheidigung bewilligt worden war, kam man in der jezigen Session abermals mit einer Anleihe von 7 Millionen Thlr. für dieselben Zwecke. Die Marine des Nordbunds ,, jüngstes und liebstes Kind", wie sich Herr Laster gemüthlich bildlich auszudrücken beliebt durfte nicht im Stich gelaffen werden, die 7 Millionen Thlr. wurden bewilligt, als seien es Haselnüsse. Ja, etliche der Herren, darunter Herr Meier aus Bremen und ein Herr Dr. Wehrenpfennig aus Berlin, der t bei dieser Gelegenheit seine Jungfernrede in dem bekannten ordnungsmäßig schneidend näselnden Ton eines preußischen Garce- Lieutenants hielt, konnten nicht umhin, ihre große ,, Liebe" für befagtes ,, jüngstes Kind" dadurch zu bekunden, daß sie haarscharf vorrechneten, wie zur weiteren ,, Erziehung" desselben noch ca 15 Millionen benöthigt seien, ehe es sich recht herausgemausert habe. Den anwesenden Herren Marineoffizieren lief bei diesen goldenen Aussichten das Wasser im Munde zuſammen. S come mom som Dem steuerzahlenden Nordbundsbewohner mag es bei diesen Aussichten etwas ,, schwummerig" zu Muthe werden, indeß wir können nicht schließen, ohne der Ankündigung einiger neuer Steuern zu gedenfen, wodurch das Bild voll und ganz abgerundet wird. Zunächst ist dem Reichstag Vorlage betreffend die Erhöhung der Branntweinsteuer zugegangen, bei der Herr Bismard ,,, als lebenslanger Brenner", eine Rede hielt, ungefähr des Inhalts: ,, Meine Herren, wir brauchen Geld, Geld, Geld. Sie hatten die Freundlichkeit, die Ausgabe von 76 Millionen Thaler zu genehmigen, Sie werden sich nunmehr auch in ihrem Gewissen für verpflichtet erachten, die nöthigen Einnahmen zu gewähren. Mehr als wir brauchen, verlangen wir nicht, da mit sie aber wissen, wie und wo sie bewilligen tönnen, legen wir Ihnen eine ganze Musterkarte neuer Steuern vor. Wählen Sie. Wer Vieles bringt, wird Jedem Etwas bringen." Sprachs und setzte sich lächelnd nieder, während der Reichstag ernsthaft sich an die Berathung der neuen Steuern machte. Eine Gassteuer, Bierstener, Besteuerung faufmännischer Geschäfte, wahrscheinlich Wechselstempel, winken in lieblicher Nähe und etwas weiter im Hintergrunde erscheinen die Erhöhung der Tabat- und die Einführung der Petroleum- Steuer, würde die Gelegenheit wahrnehmen, um den anderen niederzuschlagen Ich glaube, es geschieht schließlich das, was von den beiden Löwen in der Fabel erzählt wird, daß sie über sich herfallen und sich gegenseitig auffreffen. Dabei können wir nur profitiren.( Heiterfeit rechts.) hot Kollektiv- Eigenthum. Folgendes ist der Wortlaut der vielberufenen Beschlüsse, die der vorjährige Arbeiter- Kongreß zu Brüssel hinsichtlich des Kollektiv- Eigenthums gefaßt hat. I. Betreffs der Steinkohlen- und andren Bergwerke. Ju Erwägung, daß die großen Hülfsmittel der Arbeit am Boden hasten; daß sie eine bedeutende Ausdehnung des Grund und Bodens einnehmen, des Bodens, der eine der Gesammtmenschheit unentgeltlich ge lieferte Domäne ist; des fernern, daß sie Hülfsmittel von einer Aus dehnung und Wichtigkeit sind, daß fie gegenüber Denten, die sie an beuten und in deren Händen sie ein gefährliches Monopol werden, Geltendmachung der Rechte des Gesellschaftskörpers erheischen; Die in Erwägung, daß diese Hülfsmittel nothwendig der Anwendung von Maschinen und der vereinigten Kraftanstrengung bedürfen; in Erwägung, daß die Maschinen und die vereinigte Kraft der Judi viduen heute einzig im Dienste der Kapitalisten stehen, für die Zutun aber dem Arbeiter zu gut kommen sollen; daß daher jede Industrie, w diese beiden ökonomischen Kräfte unentbehrlich sind, von Arbeitergruppen die für eigene Rechnung schaffen, benützt werden sollen, schlägt det Kongreß vor: 1. Daß die Steinbrüche, die Steinkohlen- und andere Bergwerk die Eisenbahnen in einer wohlgeordneten Gesellschaft der Gesammt heit gehören sollen, der Gesamtheit, d. h. dem nen erstandenen, dem Gesetze der Gerechtigkeit unterworfenen Staat. 2. Daß die Steinbrüche, die Steinkohlen- und andere Bergwert die Eisenbahnen durch den Staat nicht an Kompagnien von pitalisten, wie es heute geschieht, sondern an Arbeiterkompagnie übergeben werden sollen und zwarvermittelst eines Doppelvertrages, einerseits, indem der Staat die wissenschaftliche und rationelle Ausbeutung der Konzession, die Dienstleistungen möglichst de Kostpreise sich annähernd verlangt, sich Einsicht in die Rechnungs stellung der Uebernahms esellschaft vorbehält, folglich niemals Monopol daraus gemacht werden kann; andrerseits indem gegenseitigen Rechte der Gesellschaftsmitglieder gegenüber den theilhabern festgesetzt werden. II. Ju Betreff des landwirthschaftlichen Bodens. Jn Anbetracht, daß die Anforderungen an die Bodenerzeugung die Anwendung der dazu erforderlichen Renntnisse eine Bearbeitung Großen, die Einführung von Maschinen und Zusammenwirkung Die und welche beide letztere wiederum dem Zollparlament" vorgelegt dern, die ökonomische Bewegung selbst zur Kultur im Großen hindrängt werden sollen. Doch nur dann, wenn der ,, Reichstag" sich widerharig zeigen sollte, was ja bekanntlich unmöglich ist. Wir schließen unsern Bericht, indem wir die Rede des Abg. Bebel folgen lassen, die derselbe bei der Budgetberathung gehalten hat. Sie bezeichnet unsern Standpunkt furz und bündig: Ich will nicht darüber sprechen, ob man im nächsten Jahre vielleicht 1000 Tbaler sparen könnte; das will ich Denen überlassen, die auf dem Standpunkte stehen, daß man mit diesem System überhaupt pattiren fönne. Ich bin ein entschiedener Gegner dieses Systems, und fann nur das Heil für das Volk darin finden, wenn dies System in Grund und Boden zertrümmert wird( Heiterkeit rechts). Von diesem Standpunkte aus betrachte ich diesen Etat mit einer gewissen Frende. Es wird uns hier zugemuthet oder vielmehr Ihnen, meine Herren, denn ich stimme dagegen 74 Millionen für Militär und Marine zu bewilligen; das beträgt auf den Kopf der Bevölkerung etwa 2 Thlr. 14 Sgr.; die Familie zu 5 Köpfen gerechnet, macht dies rund 121 Thlr. jährlich an Ausgaben für einen vollständig umproduktiven und nutzlosen Zweck.( Widerspruch rechts.) Denn daß unser Militärwesen uns bisher gar keinen Bortheil gebracht hat, wird Niemand leugnen. Vor 1866 hat man uns immer gesagt:„ Wenn nur einst die Einigung da ist, dann wird auch die Militärlast erleichtert werden." Statt fleiner ist die Belastung größer geworden. Die Militärlast iſt feit 1866 gestiegen und die Vortheile des norddeutschen Bundes laffen auf sich warten. Das liegt in der Natur der Verhältnisse; wenn immer ein Staat den anderen nur an Heer und Flotte und Geschützen zu überbieten sucht, da kann Bolkswohlstand und Volksheil nicht erblühen. Die Stimmung in Süddeutschland beweist, daß diese Staaten lieber heute wie morgen ihr Verhältniß zu Preußen lösen möchten, in das sie 1866 gewaltsam hineingedrängt worden sind. In der Entwaff nung, wie Hr. von Hoverbeck meint, kann ich das Heil nicht finden. Wie einmal die Dinge in Europa stehen, Casarismus hüben und Casarismus drüben, wäre die Entwaffnung absoluter Unfiun; der eine Gäfar erjor in Erwägung, daß daher die Landwirthschaft und der Bodenbefit auf demselben Fuße behandelt werden sollen, wie die Bergwerke; in Erwägung, daß die erzeugende Bodenkraft, die Rohkraft aller Bro dukte, die erste Quelle aller Reichthümer ist, Erzeugniß irgend eines Menschen zu ſein; und zwar ohne ist der Kongreß der Ansicht: daß die ökonomische Bewegung Eintritt des Grund und Bodens in gemeinsames Staatseigenthum einer sozialen Nothwendigkeit erkläre; daß der Grund und Boden bent die Bergwerke und Eisenbahnen an eine acerbautreibende Arbeitergefell schaft abgetreten werde und zwar mit Garantie- Bedingungen für bi Gesammtheit wie für den Einzelnen, ähnlich derjenigen, wie bei den III. Die Kanäle, Landstraßen und Telegraphenanstalten Bergwerken und Eisenbahnen. betreffend: In Erwägung, daß diese Verkehrsmittel eine einheitliche Leitung Unterhaltung erheijchen, welche nicht, wie es gewisse Dekonomisten langen, Privaten überlassen werden kann; ist der Kongreß der Ansicht: daß die Verkehrsmittel Gesellschaft bleiben müssen. IV. Ju Betreff der Wälder: Berwüstung der Wälder führt, Gemeingut bet zet In Erwägung, daß die Ueberlaffung der Wälder an Brivate zu quellen beeinträchtigt und die Ertragsfähigkeit des Erdreichs vermindert und ebenso den allgemeinen Gesundheitszustand gefährdet und das Lebe des Bürgers schädigt; spricht der Kongreß die Ansicht aus, daß die Wälder Gemeingut d Gesellschaft sein müthen. Die Lehren der Metzelei von Seraing. Aus der Affäre von Seraing zieht das Organ" l'Inter nationale" folgende 6 gute Lehren, die fein wahrhaft sozialdemokratisches Blatt seinen Lesern vorenthalten sollte: 1) Die welche uns regieren, lernen nichts. Sie haben den Schrei der Entrüstung vernommen, der zur Zeit der Affäre von l'Epine* erhoben wurde; was haben sie daraus geschlossen? Daß ihre Unterdrückung ungerecht gewesen sei? Nein, sie haben sich gesagt: Es scheint, daß man hier zu Lande am Niederschießen feinen Geschmack findet; nun, das nächste Mal werden wir das Bajonnett nehmen. Nun, das Bayonnett wird ebenso dem ,, Fortschritt" die nen, wie früher das Niederschießen! man wird sehen, was wir in der Provinz Lüttich für„ Fortschritte" machen werden. 2) Die, welche uns regieren, sind ebenso dumm als grausam. Was? seit vier Wochen schreien ihre offiziösen Blätter täglich, daß das Vaterland in Gefahr sei, bezeichnen der Volksrache die französisch gesinnten Blätter, die sich austrengen, den Arbeitern zu beweisen, daß sie mit ihrer Regierung fein gemein james Interesse haben, und, um an die patriotischen Gefühle um an die patriotischen Gefühle der Arbeiter zu appelliren, macht man sie nieder! Vielleicht hat man, im Hinblick auf einen bevorstehenden Feldzug, die Soldaten einüben wollen. 3) Die, welche uns regieren, sind ebenso niederträchtig, als dumm. Was soll man von einer Herrschaft sagen, deren Träger zugleich Richter und Partei sind? Herr Kamp, Bürgermeister von Seraing, ist zugleich ein Beamter von Cockerill; Birmey, Minister des Innern, ist zugleich der größte Aktionär der Kohlengrube„ l'Espérance"( Hoffnung), die im Strife war; Seine tön. Hoheit endlich, der Graf von Flandern hat 1½ Millionen Frants bei Cockerill stehen! Jetzt begreift man freilich, warum so schnell Soldaten gekommen sind: was würde aus den Dividenden dieser Herren geworden sein! 4) So lange das Kapital das Fett von Dem abschöpft, was durch die Arbeit gewonnen wird, so lange werden wir nur Unordnung, Mißvergnügen, Mezelei haben. 5) Soldat und Gensd'arm sind an und für sich Leute, wie alle andere; dagegen wenn sie die Uniform angezogen haben und losgelaffen werden, so werden sie wilde Thiere. Folglich, in welchem Culturzustand sich auch ein Land befinde, des Heer hat. Die Bayonnette denken nicht nach. seine Freiheit wird so lange gefährdet sein, als es ein steheneinem seit beinahe zwei Jahren von Leipzig aus gepflegtem fest zu begründen und gleichzeitig wirthschaftliche Fragen von Unternehmen das Siegel aufzudrücken, das Band statutarisch größerer Bedeutung für Confumvereine zu berathen und da über Resolutionen zu fassen, gleichzeitig aber auch in der mit dem Verbandstag verbundenen Ausstellung von Mustern der guter und preiswürdiger Waaren und Geräthschaften. Wir verschiedensten Artikel sich Belehrung zu verschaffen über Bezug können im Voraus zu unserer Freude sagen, daß nach unsrer Ansicht dieser erste Verbandstag als ein völlig gelungener zu bezeichnen ist.m3 Vertreten waren 55. Vereine durch 77 legitimirte Personen, außer diesen waren noch viele aus der Nähe und Ferne anwesend, die als Gäfte Zutritt zu den Versammlungen hatten. Letztere fanden in dem festlich geschmückten Saal der Abends 8 Uhr durch den Vorsitzenden des Lokalkomités, Herrn Stadt Cöln statt. Die Versammlung am 27. März wurde Schröder mit einer herzlichen Begrüßung eröffnet, worauf Herrn Germann aus Leipzig, übertrug. Letterer begrüßt die derselbe den Vorsitz dem bisherigen Direktor des Verbandes, Versammlung, empfiehlt den Anwesenden die Anschaffung und Lectüre von Schriften über Consumvereine, namentlich die Werke von E. Pfeiffer in Stuttgart, Richter in Berlin, Dr. Schneider in Potsdam und das ſächſiſche Gesetz vom 15. Juni geſetz des norddeutschen Bundes, macht auf die Musterausstel= der vertretenen Produktivgenossenschaften und empfiehlt schließlung aufmerksam unter besonderer Empfehlung der Erzeugnisse lich die gewissenhafte Ausfüllung der zur Vertheilung gelangenden Fragebogen zum Zwecke einer Statistik. 1868 nebst Ausführungsverordnung und das GenossenschaftsZur Constituirung des Verbandstags übergehend werden zu Präsidenten erwählt: Schröder aus Chemnitz, Moteller aus Crimmitschau, Germann aus Leipzig; zu Schriftführern: Jubisch aus Leipzig, Neumeister aus Schedewiß und Ziehl aus Chemnitz; zu Rechnungsrevisoren: Fischer aus Frankenberg, Klotz aus Chemnitz und Lißner aus Schedewitz; als Wahltommission: Loose aus Thum, Ascherberg aus Freiberg, Uhle= mann aus Niederwürschniß, Jentsch und Schreckenbach aus Chemnių, ferner als Commission zur Prüfung und Begutachtung der ausgestellten Muster: Rud aus Leipzig, Ascherberg aus Freiberg, Masalsky aus Ehrenfriedersdorf, Köhler aus Chemnitz, Georgi aus Mylau, Graupner aus Stollberg, Fischer aus Frankenberg. Sodann erfolgt die Feststellung der Geschäftsordnung für Noch weniger dürfen wir auf die Intelligenz der Offi- den Verbandstag, wobei unter anderm feſtgeſetzt wird, daß ziere rechnen. Diese Unglücklichen, durch den Müssigang und jeder beim Verband betheiligte Verein nur Eine Stimme zu die laſter, die er mit sich bringt, verthiert, sind jeder ehr führen habe und daß an den Berathungen nur Vertreter der lichen Empfindung unfähig. An dem Tage, wo wir das Heer Vereine theilnehmen können, welche dem Verband angehören, entlassen und nach Hause schicken werden, wird man diese Herren sowie die Mitglieder des Lokalkomite's. Für die Tagesordeiner langen Kur und moralischen Behandlung unterziehen nung meldet der Bertreter von Schedewitz noch den Antrag müssen, bevor man aus ihnen wird Arbeiter machen können. an auf Eintheilung der Vereine in Kreis- oder Bezirksvereine, der nicht diese Carrière ergreifen zu lassen, die zur Aus- ligten Vereine, worauf die Feststellung der Tagesordnung für Bis dahin fordern wir die Familienväter auf, ihre Kin= sowie auf ein einheitliches Statut aller beim Verband bethei= schweifung und zum Meuchelmord führt. den folgenden Tag erfolgt. Schluß der Sizung um 11 Uhr. Die Versammlung des zweiten Tages beginnt 10% Uhr. dadurch von der absoluten, daß die erstere ihre Staatsstreiche Nach Erledigung einiger geschäftlicher Fragen zur Legitimation 6. Die konstitutionelle Regierung unterscheidet sich nur im Detail macht. Dies wird in einer Broschüre beleuchtet berichtet Germann über die Thätigkeit des bisherigen Cenwerden, zu der einer unserer Freunde die Dokumente sammelt tralfomite's in Leipzig und begrüßt mit herzlichen ermunund die betitelt sein wird: ,, Die Megeleien, verübt durch die ternden Worten die Versammlung. Der bisherige Schriftto nftitutionelle belgische Regierung von 1831 an bis zu unserer führer, Jubisch, berichtet in ausführlicher Weise über die GeBeit." schichte und den jetzigen Stand des Verbands, die Organisation 3 der einzelnen Vereine, den finanziellen Stand und die Thätigricht nur Folgendes: Jm Juni 1867 auf einem Congreß der Der erste Verbandstag der Sächsischen Consum: feit der bisherigen Gentralstelle. Win entnehmen diesem Bebereine zu Chemnitz am 27.- 29. März 1869. Arbeiterbildungsvereine in Frankenberg wurde der Beschluß ge Tagen ein zahlreicher Zufluß von Vertretern der sächsischen sammenzufassen, dessen Zweck es sein sollte, die Vereine mit Bom prächtigsten Osterwetter begünstigt, fand in diesen faßt, die sächsischen Conſum Vereine in einen Verband zuConfumvereine nach der erwählten Feststätte ftatt. Es galt, Rath und That zu unterstützen und die Verwaltung des Leip *) Wo die vorjährige Megelei war. ziger Consum- Bereins mit diesem Beschluß zu beauftragen. Letztere unterzog sich bereitwilligst diesem Auftrage, verschaffte e sich Kenntniß von den bestehenden Vereinen und von ihrer Organisation und hat so Kenntniß erhalten von mehr als 100 bestehenden Vereinen in Sachsen, von denen 60 bis zum Verbandstage sich dem Verband angeschlossen haben, außer dreien außerhalb Sachsens bestehenden. Beim Verbandstage selbst traten noch 9 weitere hinzu. Mangelhaft organisirte Vereine haben sich größtentheils neu organisirt unter Mitwirkung der Centralstelle, andere mit deren Berathung neu gebildet; ein zur Vertheilung gelangendes Musterstatut wird übrigens eine einheitliche Organisation leicht ermöglichen. Berichter statter betont den sittlichenden Einfluß der Consumvereine und ähnlicher Genossenschaften auf das arme Bolt insbesondere, dem dadurch trotz aller Noth die Gelegenheit geboten sei, allmälig einen Nothpfennig zu erwerben und schließt mit der dringenden Mahnung an die Verwaltungen, mit den Sparpfennigen des Armen gewissenhaft umzugehen, demselben für sein fauer erworbenes Geld nur gute Waare zu liefern, und nicht dem Grundsatze zu huldigen: für den Armen ist das Schlechte gut genug! Hierauf folgt Berathung und Feststellung des Verbandsstatuts. Als Zweck des Verbands ist darin festgestellt: 1. Die Vereine auf einer guten, zum Erwerb der Rechte einer juristischen Person geeigneten Verfassung aufzubauen, dahin zu wirken, daß dieselben zum Tagespreise gegen Baarzahlung verkaufen, den Gewinn nach dem Verbrauch vertheilen, aufsparen und zum Erwerb von Betriebskapital so wenig als möglich aus den eigenen Mitteln ihrer Mitglieder beanspruchen, endlich aber zur eignen Produktion und zum Erwerb von Grundeigenthum gelangen. 2. Förderung der Vereinsinteressen, Anbahnung und Unterhaltung einer Geschäftsverbindung der Vereine unter einander zum Nachweis vortheilhaften Waarenbezugs und Erreichung gemeinsamen Waareneinkaufs. 3. Gemeinsame Wahrung der speziellen Interessen der Genossenschaften im Allgemeinen und der Gesetzgebung gegenüber im Besondern. Aufnahmefähig sind alle Consum- Vereine des Königreichs Sachsen und der angrenzenden Staaten, für welche ein besonderer Verband nicht existirt. Organe des Verbandes: 1. Ein aus 3 Personen bestehendes Verbands- Direktorium; 2. Vertrauensmänner, welche die zu Kreisvereinen verbundenen Vereine zu wählen haben; 3. die Verbandstage. Die Vertrauensmänner haben hauptsächlich die Geschäftsführung des Direktoriums zu prüfen und den zu ihrem Bezirk gehörigen Vereinen mit Rath und That beizustehen. ( Fortsetzung folgt.) Wegen Mangels au Naum muß die ,, Bücherschau" diesmal wegfallen. Vororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. New- York. Es wird Sie gewiß intereffiren, zu erfahren, daß August Willich( der bewährte Sozialdemokrat, einer der tüchtigsten Führer in den badischen Schilderhebungen von 1848 und 1849, und tapferer kriegskundiger Feldherr im amerikanischen Kriege) sein Amt als County- Auditor( GrafschaftsControlleur) niedergelegt hat und eine Reise nach Deutschland zu machen gedenkt. Die deutschen Arbeiter in Cincinnati, wo er zuletzt wohnte, gaben ihm ein Abschiedsfest, welches der dortige ,, Bolksfreund" also beschreibt: ,, Die Arbeiter, welche immer Freunde des Generals August Willich, ihres Mitarbeiters und Fürsprechers waren, hatten ein Tanzkränzchen arrangirt, welches in der Arbeiterhalle stattfand, um von dem Vorkämpfer der ArbeiterKlasse in geeigneter ceremonieller und zugleich freundschaftlicher Weise Abschied zu nehmen. Die deutschen Arbeiter fanden sich mit ihren Familien in großer Anzahl ein und ihre aufblühenden Töchter freuten sich ungemein, mit dem Gefeierten des Tages tanzen zu können, da der alte Haudegen heute noch ein eben so guter und galanter Tänzer ist, wie er es vor zwanzig Jahren war. Vor der Eröffnung des Kränzchens hielt Herr Ernst Frankenberger eine Rede, in der er den Zweck der Feier erörterte. Hierauf dankte der General in einer längeren Rede für das ihm gemachte Compliment, und nachdem er Allen, die ihn während seiner Laufbahn als County- Auditor unterstützten, seine Anerkennung gezollt hatte, sprach er die Hoffnung und den Wunsch aus, noch in diesem Jahre in die Mitte seiner wahren Freunde, die ihn stets unterſtüßten, wieder zurückzukehren." In Chicago soll demnächst unter dem Titel: Der deutsche Arbeiter" ein deutsches Wochenblatt( unter der Redaktion des Hrn. C. F. Lichtner) erscheinen, um die Rechte der Arbeit und Arbeiter zu vertreten. Wien, 19. April Abends 8 Uhr begann im großen Saal beim Zobel eine Volksversammlung, zu der sich nahezu 6000 Menschen eingefunden hatten. Sie währte bis gegen Mitternacht. Auf der Tagesordnung stand das Koalitionsrecht und die Normirung der Arbeitszeit. Die Versammlung war außerordentlich lebhaft und lauschte mit der gespanntesten Aufmerksamkeit den verschiedenen Rednern, welche an Klarheit, Schärfe und Energie nichts zu wünschen übrig ließen. Hartung führte den Vorsiz mit großer Gewandtheit und Schlagfertigkeit; von einzelnen Rednern nennen wir Groß, Schey, Mühlhauser, Fischer, Tauschinsky, Metall und zahlreiche Andere. Auch einige Reichsrathsmitglieder, Dr. Roser, Mende und Andere waren anwesend. Dr. Roser sprach einige einfache Worte zur Versammlung und versicherte, daß er an der Erweiterung des Koalitionsrechts noch während dieser Session nicht zweifle. Zum Schluß wurde eine Aufforderung an den Reichsrath um Gewährung des Koalitionsrechts und 10stündige Arbeitszeit einstimmig angenommen. Wer an der Energie des Boltes verzweifelt, der gehe in eine solche Versammlung und er kann sich leicht überzeugen, daß denn doch noch demokratisches Blut in den Adern des Volkes fließt. Man sehe diese Männer der Arbeit, welche, nachdem sie sich den Tag über müde gearbeitet, noch bis in die späte Nacht hinein mit der gespanntesten Aufmerksamkeit den Verhandlungen folgen, mit Blick und Miene verrathend, daß der demokratische Funke in ihren Herzen gezündet. Man höre diese Redner, welche gleichsam aus dem Boden empor schießen und an Gewalt, Nachdruck und Fluß der Rede Alles hinter sich laffen, was unsere parlamentarische Beredtsamkeit leistet. Hier finden wir jene wahre und großartige Beredt famkeit, welche in Kopf und Herz zugleich wurzelt. Wien, den 21. April. Gestern wurden die 10 Mit glieder des vor einigen Monaten aufgelösten sozialdemokratischen Comite's( Tauschinsky', Metall, Prager, Fischer, Pabst, Eichinger, Groß, Hartung, Oberwinder und Bruns haver letterer sitzt bereits wegen Preßvergehens), vom Landesgericht zu 14. Tagen Gefängnißstrafe verurtheilt ,, wegen Uebertretung des Vereinsgefeßes". Sämmtliche Angeklagte legten Berufung ein. Oberwinder, der in erster Instanz wegen eines Prevergehens, das er als Mitredakteur der Volkszeitung( der e nicht mehr angehört) begangen haben sollte, freigesprochen worden war, ist in zweiter Instanz zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Er hat an den höchsten Gerichtshof ap pellirt. daß Um das Bild zu vervollständigen, sei noch erwähnt, die Sozialdemokraten Pfeiffer, Leidersdorf und Subaric wegen unliebſamen Reden in Haft sind. München- Gladbach, 25. April. Der„ Kölnischen Zei tung"*) wird geschrieben: Auf gestern Abend 8 Uhr war durch *) Wir geben den Bericht der„ Kölnischen Zeitung," weil er vo allen uns vorliegenden der wenigst parteiische ist. Daß die Polizei i stellt worden. im ,, Reichstag" bereits ein Antrag auf Freilassung des Hrn. Mende ge Zeitungs- Inferat eine Volksversammlung im Lokale des Gastwirthes Mezer unter Vorsitz des Reichstags- Abgeordneten Fritz Mende angezeigt worden. Der Polizei- Kommissar, welcher dieser Versammlung beiwohnte, fand sich veranlaßt, dieselbe in Folge einer von Herrn Mende gehaltenen Rede aufzulösen. Die energische Aufforderung, den Saal zu räumen, fand unter den zahlreich versammelten Arbeitern versammelten Arbeitern entschiedenen Widerstand, welcher sich durch Auslöschen der Gasflammen und thätlichen Angriff auf der Polzei geltend machte und nicht unbedeutende Verwundungen mehrerer herbeigeeilter Gensd'armen und Polizisten durch Messerstiche, resp. Schläge mit Biergläsern zur Folge hatte. Nach erzwungener Räumung des Lokales setzte die zu Taufenden angewachsene Menge die begonnenen Exzesse durch Einwerfen von Fenster scheiben, so z. B. auch an dem Hause der hiesigen Gesellschaft Erholung" c., in einer Weise fort, daß die hiesigen Behörden sich veranlaßt sahen, die Turner- Feuerwehr zu alarmiren und militärische Hilfe von dem Regierungs- Präsidenten in Düsseldorf zu requiriren. Letzterer Requisition wurde jedoch nicht entsprochen. Herr Mende, welcher vor dem Hotel Moers eine beruhigende Anrede an den massenhaft anstürmenden Böbel gehalten hatte, wurde heute Morgen 4 Uhr verhaftet, per Wagen nach Neuß und von dort aus per Bahn nach Düsseldorf transportirt, dort sofort von dem Untersuchungsrichter bernommen und sofort in das Arresthaus abgeführt. Die Stadt war heute ruhig, obgleich circa fünfzehn Arbeiter verhaffet und gefesselt nach Düsseldorf gebracht wurden. Berlin. Der Strife der Zimmergesellen dauert fort; nur ein kleiner Theil der Meister hat nachgegeben. Die ener= gische Haltung der Arbeiter läßt einen günstigen Ausweg mit Bestimmtheit hoffen. Sie lassen sich weder durch die Drohungen der widerspenstigen Meister noch durch das Einschreiten der Polizei ins Bodshorn jagen, die am Freitag zwei Zimmergefellen wegen Aufwieglung" verhaftete. ihrer Lösung entgegenzuführen, resp. eine wirkliche Verbesserung der ökonomischen Lage des Arbeiterstandes zu erzielen, wird in so lange sich an feiner Landtagswahl betheiligen, bis nicht durch das allgemeine und direkte Wahlrecht Gelegenheit geboten ist, den Willensausdruck des gesaminten Volkes zur Geltung zu bringen." Schmölln, 15. April. Die stetig wachsende Arbeiterbewegung hat jetzt auch unser Städtchen erfaßt. Vor einigen Tagen sind eine Anzahl Arbeiter zusammengetreten, um einen Arbeiter- Verein auf sozial- demokratischer Grundlage zu bilden. Sobald die Constituirung stattgefunden hat, werden wir mehr von uns hören lassen. Mülsen St. Niklas. Unser Arbeiterverein, der in Folge der schlechten Zeiten und mangelhafter Leitung sehr zusammengeschmolzen war, nimmt seit einiger Zeit wieder einen fräftigen Aufschwung, was großentheils der Thätigkeit unseres neuen Vorsitzenden L. Blechschmidt zu verdanken ist. Briefen an den Verein bitten wir zu bemerken: Abzugeben an Alwin Freytag. Auf Stollberg, den 26. April. Gestern hatte hier eine vom Arbeiterverein berufene Versammlung der Wähler und Parteigenoffen des Hrn. Liebknecht statt, um einen Vortrag des letzteren anzuhören. Der Saal des Schießhauses nebst den angrenzenden Räumen war gedrängt voll- selbst in der heißesten Wahlagitation hatten wir nur einmal eine ebenso stark besuchte Versammlung-; der Vorsitzende des Arbeitervereins, Hr. Graupner, führte den Vorsig, und mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschten die Anwesenden dem zweiſtündigen Vortrag, der zugleich einen Rechenschaftsbericht enthielt. Da der Vortrag als Ansprache an die Wähler des 19. Sächſiſchen Wahlbezirks gedruckt werden soll, so sei hier bloß an= gedeutet, was der Redner über seine Stellung zu und in dem Norddeutschen Reichstag fagte. Er habe von Anfang an den Wählern erklärt, daß er im Reichstag eine rein verneinende Haltung einnehmen werde; die Reichstagsverhandlungen seien pure Komödie und die Volkspartei dürfe in derselben nicht mitspielen, wenn sie nicht sich selbst aufgeben wolle. Was speciell die Gewerbeordnungsfrage angehe, so sei für die Arbeiter vom Reichstag absolut nichts zu erwarten. Sich eingehend an ben Neustadt an der Orla, 24 April. Am verflossenen Am verflossenen Sonntag war Herr Straßburger aus Pößneck mit mehreren jeiner Freunde und Herr Brodmann von Gera hier und hielten eine Arbeiterversammlung ab für Gründung eines Arbeitervereins. Die Versammlung war stark besucht und fanden die gehaltenen Reden allgemeinen Anflang. Die Gründung eines Vereins wurde sofort vorzunehmen beschlossen und meldeten sich auch eine große Anzahl der Anwesenden zum Dorfchemnik, den 26. April. Am Sonnabend hatten sich die einbildeten, die soziale Frage gehöre vor dem Reichstag. Wenn Mitglieder des hiesigen Arbeitervereins nebft Gästen aus Beitritt. Debatten betheiligen, heiße leeres Stroh dreschen; weder materiell noch moralisch sei dabei der geringste Vortheil zu erzielen, wohl aber der Nachtheil zu befürchten, daß die Arbeiter sich die Vertreter unserer Prinzipien überhaupt im Reichstag sprä= der Umgegend verfammelt, um einen Vortrag unferes Reichs- chen, so könne es nur sein, um ihren Standpunkt klarzustellen tagsabgeordneten anzuhören. Herr Liebknecht, der vorher keine wirkliche Volksvertretung bestehe, liege der Wirkungsfreis und gegen den Reichstagsschwindel zu protestiren. So lange noch nie in unserem Ort aufgetreten war, traf zur bestimmten der Demokratie ausschließlich im Volt." Diese Auffaffung fand Beit ein und sprach ausführlich über den Reichstag und die politische Lage im Allgemeinen, die Aussichten der Volkspartei und die Nothwendigkeit der Gründung von Gewerks- Genossenaufs Am Abend feierte der Arbeiterverein sein zweites Stif= schaften. An den Vortrag, der mit ungemischtem Beifall auf- tungsfest, das in heiterster Weise verlief. genommen ward, knüpfte sich eine längere Diskussion, an der Wir haben hier mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, tein Sturm mehr entwurzeln wird. Hormersdorf, den 27. April. Jm Glauben, daß unser wir auf Montag eine Volksversammlung mit Herrn Liebknecht fich besonders die Herren Anesorg, Graupner und Jungnidel allein wir haben jetzt einen feften demokratischen Stamm, den aus Stollberg und Lugau betheiligten. Die Versammlung dauerte fie hat unfrer Sache unzweifelhaft sehr genügt. Bemerkt sei Reichstagsabgeordneter Liebknecht bei seinem Besuch nach bis 12 Uhr, wo Herr Liebknecht wieder abreisen mußte; hier noch, daß an Stelle unfres braven Vereinspräsidenten Stollberg auch einen Abstecher hierher machen könnte, fündigten Kaufmann, der erkrankt ist( jedoch zugegen war), Herr Grau p ner von Stollberg den Vorsitz in der Versammlung geführt als Sprecher an. Er konnte jedoch nicht kommen, und schickte hatte.( Der Dorfchemnitzer Arbeiterverein ist einer der rüh uns Hrn. Demmler von Geyer, der sich als ebenso gewandter rigften im Erzgebirge, und viele der größeren Vereine sollten wie muthiger Redner bewies. Es hatte sich nemlich ein Haufich ein Exempel an ihm nehmen. Nirgends steht unfre Par- fen Haßfeldter aus Chemnitz eingefunden, deren Wortführer tei fester und es ist dies wesentlich der aufopfernden Thätigkeit die üblichen, von jedem nicht allzudummen Menschen in zwei Stunden auswendig zu lernenden Redensarten ableierten und Fürth, den 20. April. Zu den Wahlen ist hier fol- von Demmler in jedem Punkt widerlegt wurden. Die Hatzgende Erklärung erschienen:„ Der Arbeiterverein Zukunft, feldter haben hier, trop der Mühe, die sie sich seit einem Jahr dem Muster Nordamerikas und der Schweiz die Möglichkeit hensteiner Geschichte werden sie nur noch als rohe Standalersieht, bei der vollen politischen Freiheit die soziale Frage macher betrachtet. welcher nur in einer Verbindung der deutschen Staaten nach geben, auch nicht einen Anhänger gewonnen, und seit der Ho= Crimmitschau, den 20. April. In der heutigen Vor- Deutscher Arbeiterbildungs- Verein standssitung des hiesigen Arbeitervereins wurde an Stelle des nach Amerika auswandernden bisherigen Vorsitzenden Gutmann Herr A. Colditz zum neuen Vorsitzenden gewählt. Wir bitten daher alle Zuschriften und Briefe für den Verein fünftig an Herrn A. Coldiz, Neustadt 612, Crimmitschau, zu senden. Unserm braven Freund Gutmann aber, der so wacker für die Arbeiterfache gestritten hat und so schwer dafür leiden mußte, wünschen wir von ganzem Herzen, daß er in der neuen Welt das finden möge, das ihm in der alten Welt versagt war. Ist auch in Amerika noch Manches zu wünschen, so giebt es doch dort nicht jene unzähligen leveien und Chikanen, die hier das Leben eines unabhängig denkenden cha raftervollen Mannes vergiften. in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. Der Arbeiterbildungs- Verein in Nürnberg wünscht seine Bibliothek zu vermehren und sucht dies hauptsächlich durch Anschaffung sozialistischer Bücher und Broschüren zu bewerkstelligen. Er ersucht daher Brudervereine, die meh vere Eremplare eines Buches oder einer Broschüre haben und je 1 Exemplar davon gegen billige Berechnung abgeben wollen, ihm mitzutheilen, zu welchem Preise die Abgabe erfolgen kann. Adressen sind zu richten an E. Rüll, Bergstraße 17.1 Mit sozialdemokratischem Gruß: Die Vorstandschaft. Neu erschienen ist: Die Organisation den Borfitz führte Hr. Behold. der Deutschen Arbeiterpartei. * Leipzig, 24. April. Gestern Abend veranstalteten die hiesigen Mitglieder der Internationalen Association im Pantheon- Saale eine Volksversammlung, um die Mezeleien von Seraing und das Verhalten der Internationalen, sowie die verläumderische Haltung eines Theils der deutschen Presse in dieser Angelegenheit darzulegen. Die Versammlung war von 5-600 Personen besucht; den Vorsitz führte Hr. Petzold. Der Erfolg war insofern sehr günstig, als alle unbefangenen Arbeiter ein richtiges Bild von der ebenso besonnenen als energischen Haltung, der die Internationale Assoziation ihre ungeheuere und an keinerlei Persönlichkeit geknüpfte Macht verdankt, empfingen. Die Internationale hat in Folge dieses Vorgehens hier neue und sehr tüchtige Anhänger bekommen. Interessant war, daß die Einzigen, welche in dieser Versammlung gegen die Internationale auftraten und uns bekämpften, gerade Solche waren, die immer das Wort Sozialdemokratie im Munde führen. Die belgische und die deutsche Bourgeoisie möge sich für diese gewiß unerwartete Unterstützung bedanken; wir aber werden selbstverständlich auf dem betretenen Wege ruhig weiter vorgehen. Leipzig. Die Handarbeiter- Genossenschaft, deren Von Carl Hirsch. Arbeiterpreis: pr. Expl. 2% Sgr. bei Entnahme von Parthien nicht unter 6 Expl. Durch den Buch handel bezogen pr. Expl. 5 Sgr. Soeben erschienen! vom Verleger J. Windler in Berlin, 10. Waterloo- Ufer, zu beziehen; Bestellung und Betrag per Postanweisung. Soeben erschien: Verhandlungen Des Statuten seit 3 Wochen der Kreisdirektion mitgetheilt sind, erſten Congresses der Buchbinder 2. wird sofort nach der Messe wo die Packträger und Dienstmänner zu sehr beschäftigt sind ins Leben treten. Die Zahl der Eingezeichneten ist sehr bedeutend, Keiner ist zurückgetreten und keiner zweifelt am Erfolg, der unter solchen Verhältnissen auch nicht ausbleiben kann. Am Dienstag fand im Pantheon eine Abendunterhaltung zum Besten der strikenden Zimmergesellen in Berlin und der gleichfalls strikenden Schneider in Kassel statt.( Derartige ,, Unterhaltungen" zu Parteizwecken sollten hier öfters stattfinden; nur hüte man sich vor einseitigem Vorgehen, durch welches die Sache bloß benachtheiligt werden kann.) Organ Anzeigen. Der Wegweiser. zu Leipzig nach dem stenographischen Bericht. Durch alle Buchhandlungen für 3½ Ngr. oder durch Buch binder Arendt, Sternwartenstr. 25 II., Leipzig, bei frankirter Zusendung oder Nachnahme des Betrags für 2% Ngr. zu ziehen. Regelmäßige be Schiffs- Expeditionen von Bremen nach Newyork, Baltimore und Philadelphia. Zwei Mal wöchentlich, Mittwochs u. Sonnabends, vermittellt der bekannten schnellen Bremer Poldampfer des„ lorddeutschen Lloyd". Zwei Mal monatlich, am 3. u. 17. eines jeden Monats, für die Volksbildung in Deutschland. vermittelst schöner, schnellfegelnder, dreimaffiger Bremer Herausgegeben von Eduard Sack in Berlin, redigirt von Julius Beeger in Leipzig, erscheint wöchentlich( Freitag) in einem großen Bogen. Abonnementspreis pr. Quartal in ganz Deutschland( außer in Preußen) 12% Sgr., in Preußen mit Stempelzuschlag 16 Sgr. 3 Pf.- Bestellungen nehmen sämmtliche Post anstalten und Buchhandlungen an( von der Vereinsbuchdruckerei in Leipzig zu verlangen). Die Bestellungen wolle man recht zeitig machen. Segelschiffe. Im Herbst und Frühjahr regelmäßige Expeditionen nach New- Orleans und Galveston, und im Frühjahr Quebec. nad Bassagepreise. Prompte Beförderung, gute und reichliche Beköstigung, sowie billige Nähere Auskunft durch mich oder meine bekannten Herren Agenten Carl Joh. Klingenberg, #f conceffionirter Schiffs- Expedient Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Braustr. 11). zei Druck und Verlag: F. Thiele. Lepsie Expedition: Petersstraße 18. fc Gierzu eine Beilage www Drunge zum wemonturen wom Eine Bartholomänsnacht der Bourgeoisie. ( Schluß.) Dieselben Szenen wiederholten sich am folgenden Abend ( Sonnabend). Hins hielt, nachdem er sich über die mit einer gewissen Wolluft von den Soldaten verübten Gräuelthaten, durch die Erzählungen der Opfer selbst, genau instruirt hatte, eine Berathung mit dem Serainger Comité der Internationalen. Man beschloß, eine Versammlung abzuhalten und die Arbeiter aufzufordern, der Gewaltsamkeit die Mäßigung entgegenzusetzen. Arbeiter zogen nach allen Richtungen aus, um Stunde und Ort der Versammlung anzuzeigen. Der Saal wurde gefüllt; die sämmtlichen Redner forderten die erschienenen Arbeiter auf, der Unterdrückung keine Handhabe zu bieten, die Arbeiter dürften ja doch nicht stillstehen, sondern müßten im Schoße der Internationalen helfen, die Zukunft vorzubereiten. Die Puddler wurden ermuthigt, von feiner ihrer gerechten Forderungen abzustehen, den Grubenleuten dagegen das Versprechen abgenommen, am andern Tage wieder an die Arbeit zu gehen, um sich die Mittel zur Unterstübung ihrer Brüder zu verschaffen. Nur die Arbeiter der Gruben Cockerill erklärten, im Strike zu beharren. Dadurch, daß die Grubenleute ihr Versprechen hielten, wurde der Strife in bestimmte Grenzen eingeschlossen. Die Versammlung währte bis 18 Uhr und ging friedlich und ruhig auseinander, ganz natürlich, da keine Uniform an der Versammlung theilnahm, obwohl dieselbe öffentlich war. ,, Wir gingen," berichtet Hins weiter, nach dem Bahn= hof. Es war 49 Uhr und wir hörten, daß wir bis zum Abgang des Zuges nach Lüttich noch 1% Stunden Zeit hät ten. Wir verließen die Station, um bei einem Glase Bier zu warten. Raum hatten wir vier Schritte gemacht, da nöthigte nns ein Kavallerie- Angriff, uns schleunigst wieder zurüc zuziehen. Wenige Schritte von uns fiel ein Wann, von ei= nem Säbelhieb getroffen. Nachdem wir 5 Minuten gewartet, verließen wir, ungeduldig, so eingesperrt zu sein, die Station durch die Thüre nach der Straße zu und stürzten uns in eiligem Lauf in das einige Schritt entfernte Cafe Montulat. Wir waren kaum einige Minuten dafelbst, als ein Lütticher Kamerad, der sich unwohl fühlte, die Thüre öffnete, um hinauszugehen. Plöß lich stößt er einen Schrei aus und taumelt, von einem Bayonnet in die Seite gestochen, zurück. Herr Montulat und ein Anderer führen ihn rasch weg. Während sie ihn aufrecht halten, dringt ein Gensdarm in den Vorsaal und sticht Montulat mit dem Bayonnett in die Schulter. Boll Blut treten beide wieder ein; die Frauen schreien voll Verzweiflung; man schließt die Thüre der Schenke und wir sind gefangen. Als wir, von der Ungeduld getrieben, nach einer halben Stunde die Thüre halb öffneten, war die Straße frei, soviel sich in der Finsterniß wahrnehmen ließ. Wir stürzten hervor und gelangten ungehindert nach der Station. Im Wartesaal jehen wir einen halbnackten und mit Blut bedeckten Mann. Es war ein Arbeiter, der drei Bayonnettſtiche in den Rüden bekommen hatte. Wir gehen nach der Seite der Straße hinaus, da ſizen zwei Verwundete. fabrikant aus Lüttich, war mit Kolbenschlägen fast getödtet, der Andere hatte einen Bayonnettstich in der Seite. Die Gensdarmerie tam, wie es schien, um die Reisenden auf dem daß die Leute hier Reisende wären, erwiderte der Führer: " Schweigen Sie, das geht Sie nichts an," und sie fingen an, aufs Geradewohl um sich zu hauen. Während man mir dies erzählte, hören wir im Sturmrzen, vor Schmerz heulend, in den Bahnhof herein, der ein mit einem dem Anprali zerbrachen. Man hätte nur das Angstgeschrei, besonders der zahlreichen Frauen, hören sollen! Und es war thatsächlich Grund vorhanden, zu befürchten, daß man uns bis in das Gebäude hinein verfolgen würde, denn die blinde Wuth, welche die Gensdarmen zeigten, schien zu beweisen, daß die Elenden betrunken waren. Man taun sich feine Vorstellung von der Wuth machen, wechle die im Bahnhof eingeschlossenen Leute erfüllte, als sie sich durch Diejenigen verfolgt sahen, die für die Vertheidiger der Ordnung gehalten werden. Alle diese Meucheleien wurden ungestraft begangen, und doch hatte damals Seraing das Glück, den erleuchteten Herrn Dubois, königlichen Staatsanwalt, in seinen Mauern zu haben. Was that denn damals dieser erleuchtete Beamte? Gewiß machte er einigen Arbeitern den Prozeß, die Fensterscheiben zerbrochen hatten, und dieses wichtige Geschäft verhinderte ihn, so unbedeutende Kleinigkeiten, wie diese Mezeleien zu beachten.- Nur ein Mann theilte nicht die allgemeine Entrüstung. 11 Er gehört zu den Zufriedenen", die keine Ungerechtig feit in Bewegung setzen kann. Ein Lütticher, der ihn kennt, eilt auf ihn zu und sagt: ,, Nun, was sagen Sie zu diesen Scheußlichkeiten?" ,, Schweigen Sie, Sie reden Unsinn." - ,, Wie, sehen Sie nicht, daß man die Arbeiter niedermezelt?" ,, Nun, man hat Recht, sie haben es ganz verdient." Wir geben diesen Mann der Bewunderung von ganz Europa preis: ropa preis: Seine Adresse ist: Adolp Malherbe, Waffenfabrikant, Quai St. Leonhard in Lüttich." Endlich langte der Zug an, und die Menge stürzte sich in die Wagen, glücklich, diesem Schauplatz von Abscheulichkeiten zu entrinnen." Sobald Hins und seine Begleiter nach Lüttich zurückgetommen waren, beeilten sie sich, über den tückischen Angriff, den sie im Café Montulat selbst erlebt hatten, ein Protokoll aufnehmen zu lassen. Hins schließt seinen Bericht mit der Befürchtung, daß die Gerechtigkeit nicht die Urheber so vieler Verbrechen, sondern, wie gewöhnlich, die Opfer verfolgen werde, und erklärt, daß er sich in beiden Fällen, als Zeuge melden werde.( Dem unbequemen Zeugen hat man den Mund D. R.) gestopft- Hins ist verhaftet. Die Gräeulscenen vom Freitag, Sonnabend und Sonntag Abend wiederholten sich, wenn auch in etwas geringerem Maß ſtabe, am Montag Abend. Vor allen Truppen zeichneten sich durch ihre Roheit die Gensdarmerie aus; als Muster der Sol- i daten leuchteten hinsichtlich des Uebermuthes und der Graufamkeit die Offiziere hervor. Am Dienstag begnügte man sich damit, der Besitzerin des Lokals, in welchem die Sektion i der Internationalen zusammenkömmt, durch zwei Offiziere anzutündigen, daß man ihr eines schönen Tages das Haus e demoliren werde. Aus England. London, den 25. April. Wie die industrielle Bourgeoisie die Bevölker= e 11 e r ung der Welt zivilisirt. In Aegypten, heißt es, machen die christlichen Wiffionen erfreuliche Fortschritte. Vielleicht hat der Vizekönig entdeckt, daß christliche Sklaven noch viel gedul= t ger sind, als mohamedanische, und die Klasse der arbeitenden i Sklaven auf eigene Koften fortpflanzen. Wie unzivilisirte e Völker, die sich weigern, die Religion des ewigen Friedens 3 anzunehmen, von der Wahrheit und dem göttlichen Ursprunge des christlichen Friedens- Evangeliums überzeugt werden, beweisen e die Vorgänge in Abyssinien. In China hat jeder Mis- n sionär ein Kanonenboot hinter sich. Der Herzog von Somerset, e der Marineminister des letzten liberalen Ministeriums, rief vore Bayonnettstich durch den Arm, der andere an disite vereinigen Tagen im Oberhause aus: ,, wenn Ihr die Kosten der i wundet. Kaum hatten wir Zeit, uns zurückzuziz i, da lünMarine einschränken wollt, so müßt Ihr vor Allem Eure christlichen Die Missionäre, sem Momente waren 200 Personen im Bah; dieselben von welchen die„ Times" sagt, daß sie die unvorsichtigsten, Aston nach den drei Thüren des Stationsgeb U 3, die unter unerfahrensten und streitsüchtigsten Menschen sind, die es giebt, WAULE Nach den letzten Nachrichten aus Sidney ist ein Schiffskapitän nebst zwei seiner Untergebenen gefänglich eingezogen worden, weil sie auf einer Reise von der Neu- Hebridischen Inselgruppe nach Fidschi drei Eingeborene, die revoltirten, erschossen hatten. Sie brachten 230 eingeborene Polynesier( worunter sechs Weiber), die sie eingefangen hatten, nach Fidschi. Das Wert der Einfangung war in fünf Wochen vollendet worden und brachte 1200 Pfd. St. ein. Die drei Ermordeten hatten die Zelle, in welcher sie gefangen gehalten wurden, durchbrochen, um sich zu befreien. Das Schiff war auf dem Punkt, für eine zweite Expedition abzusegeln, als der Kapitän festgenommen wurde. In den letzten Tagen ist im Unterhause eine neue Bill zum Schuße der Bergarbeiter eingebracht worden. Nach diesem Gesetz- Entwurf soll in Zukunft kein Kind unter 12 Jahren alt mehr in irgend einem Bergwerk beschäftigt wer= den, und kein Junge zwischen 12 und 16 Jahren alt darf mehr als zwölf Stunden hinter einander unter der Erdoberfläche bleiben. Weibliche Personen dürfen in Zukunft nur auf der Erdoberfläche beschäftigt werden und sollen unter der Werkstellen- Akte stehen, nach welcher nicht länger als 10% Stunde während fünf Tagen der Woche und Sonnabends nicht länger als bis 2 Uhr Nachmittags gearbeitet werden darf. Kinder unter 12 Jahren dürfen nur 6½ Stunden täglich arbeiten und müssen wöchentlich 10 Stunden Schulunterricht, der sich über mehrere Tage ausdehnen muß, genießen. Ferner soll verboten werden, daß der Arbeitslohn in Bierhäusern, oder anders als in baarem Gelde ausbezahlt wird und das Material muß in Beisein eines von den Arbeitern ernannten Zeugen gewogen werden. ven risveyorven an, und die jungen Offiziere auf den verschieden Stationen machen sich ein besonderes Vergnügen daraus, mit 50 oder 60 Raufbolden einzufallen und die Widerspenstigen zu mißhandeln. Lord Clarendon, der gegenwärtige Minister des Aeußern, bestätigte dieses und fügte hinzu: ,, wir sind beständig am Vorabend eines Krieges und dieses wird so lange dauern, als die Regierung verpflichtet ist diese Wagehälse zu beschützen." In der neuesten Welt, in dem fünften Welttheil der Erde, breitet sich die englische Zivilisation ein wenig anders aus. Die Eingebornen von Neuseeland und Polynesien sind noch nicht hinreichend entwickelt um das christliche Evangelium zu verstehen und die Erde, auf welcher sie leben, für das Himmelreich, nach dem Tode, zu vertauschen. Dort sind Radikalmittel nöthig. Der Durst der neuseeländischen Kolonisten nach Land treibt dieselben hinaus über die bereits von der englischen Zivilisation in Beschlag genommenen Flächen. Leisten die Eingeborenen Widerstand, so werden sie todtgeschlagen. Merkwürdigerweise gehören die Todtschläger dort einer Klasse von Leuten an, die in der alten Welt für gebildet gelten, es sind die Clerks( Commis, Buch führer, Handelsgehülfen) von Profession. Dieselbe Klasse von Leuten suchte vor einiger Zeit in den Londoner Zeitungen zu beweisen, daß ihr Gehalt nicht hinreiche, um zu heirathen und eine Familie zu ernähren, sie sind daher gegen das Heirathen und bilden die Hauptquelle zur Erhaltung der Prostitution. Sie haben weder den Muth mit Schwierigkeiten zu kämpfen, wie die Arbeiter, noch die Mittel, den Herrn zu spielen. Ihre Race aussterben zu lassen, ist das Allerbeste was sie thun können, sie haben keine Zukunft. Sie sind die Aschenbrödel der KapiSie sind die Aschenbrödel der Kapitalisten, mit der Herrschaft des Kapitals müssen sie verschwin= Mehrere große Kohlenbergwerksbesitzer haben ihren den. Eingeweiht in alle Kniffe der kapitalistischen Geschäfts- Arbeitern Notiz gegeben, daß sie den Arbeitslohn um 10 Proführung, sind sie in solchem Ueberfluß vorhanden, daß Leute, zent vermindern wollen, und die Baumwollenfabrikanten die Geſchaften vorzustehen haben, wo Hunderttausende durch von Ost- Lankashire haben eine Lohnherabsetzung um 5 Prozent ihre Hände gehen, sich mit 150 Pfd. St. das Jahr begnügen angezeigt. Jn Stockport, wo sich 60 Fabriken befinden, die müssen. In diesem Augenblick ist der Name eines gewissen unter gewöhnlichen Umständen 18,000 Personen beschäftigen, Benjamin Higgs in allen Zeitungen groß gedruckt zu lesen. stehen 21 Fabriken mit einem Arbeiterpersonal von 4000 Diefer war Commis und Buchführer einer großen Londoner still; 24 mit einem Arbeiterpersonal von 10,000 arbeiten Gaskompagnie, deren Direktoren sich nicht einmal die Mühe halbe Zeit und nur 6 mit 2000 Arbeitern arbeiten volle nahmen, die Bücher zu untersuchen. Higgs führte die Rech Zeit. Ju den Baugeschäften von London wird ebenfalls nungen und sorgte für die Dividende*) der Aktionäre für 150 von Lohnherabsetzung gemunkelt. Das ist die viel besungene Pfd. St. das Jahr. Higgs verheirathete sich, sprengte' aus ,,, Verbesserung der Lage der arbeitenden Klasse." Und dennoch daß er ein Vermögen erheirathet habe, führte ein großes Haus in der Umgebung von London und eignete sich im Verlauf einiger Jahre 70,000 Pfd. St. an. Er ist jetzt flüchtig und eine Armee von geheimen Polizei- Agenten ist auf den Beinen, ihn zu fangen. = = Aber nicht Alle sind so glücklich, wie Higgs; Viele können um keinen Preis Stellen finden, sie wandern aus. Der australische Times Korrespondent sagt:„ Es sind die jungen Söhne der Bourgeoisie, die total unfähig sind, ihren Lebensunterhalt durch irgend eine nützliche Beschäftigung zu erwerben, die, nachdem sie ihre paar mitgebrachten Thaler verjubelt haben, sich anwerben lassen, um die Eingeborenen für fünf Schillinge den Tag zu tödten, während der Zimmermann u. f. w. das Doppelte verdient. Der Times Scorrespondent legt besonderes Gewicht darauf, daß sich nur Engländer in dieser Lage befinden. Die Deutschen und Amerikaner," sagt er ,,, besißen stets so viel Geschickt, irgend eine nützliche Handthierung zu verrichten, welche so viel einbringt, daß sie ihr Leben fristen können." So erweitert der Auswurf der englischen Arbeiter Ausbeutung das Feld der Ausbeutung, und es finden sich Wagehälse, welche auf die Eingebornen förmlich Jagd machen und die Kolonisten mit billigen menschlichen Lastthieren versehen, den auf diese Weise eroberten Boden zu bearbeiten. Die englischen Arbeiter halten sich für ebenbürtig und verlangen ihren Lohn, welches den jungen Land= Eigenthümern zu beschwerlich ist; sie schicken daher Menschen fänger aus, die sie mit wohlfeileren Arbeitern versehen. *) Der zur Bertheilung kommende Geschäftsgewinn. = Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Brauftr. 11). Ift sind die Hausmiethen höher als je, ist das Volk in seinen Wohnungen mehr zusammengedrängt als je, und ist mehr Kapital vorhanden als je. Lord Overstone, der ehemalige Bantier Jones, sagte vor einigen Tagen im Oberhause, England sei das reichste Land der Erde, es leihe Geld an alle Nationen und die jährliche Kapital- Ersparung belaufe sich auf nicht weniger als 150,000,000 Pfund Sterling. das nicht ein Zeichen, daß die kapitalisten viel zu viel erhal ten, die Arbeiter aber viel zu wenig? Ist die Armuth der einen nicht das unmittelbare Resultat des Heichthums der an deren Klasse? Tausende fliehen von ihrer Heimath, wie die Ratten von einem sinkenden Schiff, und was finden sie in der neuen Welt? Nach einem Bericht von Welles, einem amerikanischen Staatsbeamten, sind die Preise der Lebensbedürfnisse in den Vereinigten Staaten seit 1860 um 78 Prozent gestiegen, der Arbeitslohn dagegen nur um 50 Prozent bei den einfachen*) Arbeitern, und um 60 Prozent bei den geschickten*) Handarbeitern. In den ersten drei Monaten d. J. wanderten aus Eng land über 25,000 Personen aus eine unerhörte Anzahl für die Wintermonate. Welles sagt:„ Der Pauperismus von Amerika vermehrt sich schneller, als die Bevölkerung; die Einwanderung aus Europa trägt unmittelbar dazu bei, das Elend in den östlichen Staaten zu vermehren." *) Einfache Arbeiter, d. H. solche, deren Arbeit so einfach ist, daß sie verrichtet werden kann, ohne daß es einer langen Anlernung, einer langen Lehrzeit bedarf zum Unterschied von den geschickten( skilful) Arbeitern, de eine lange Lehrzeit durchgemacht haben müssen, ehe ſie arbeiten und folglich etwas verdienen können. Druck und Verlag: F. Thiele. } Leipzig.{ Expedition: Petersstraße 18.