Demokratisches Wochenblatt. Organ der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. No. 20. Leipzig, den 15. Mai. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 121 Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Universitätsstraße, und die Expedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Die Bororts- und ArInhalt: Politische Uebersicht. Aus England. Raffeler Lehrerversammlung. Bücherschau. beiter- Angelegenheiten. Genf, Fürth, Schwabach, Zwickau, Gera, Meerane, Kirchberg, Glauchan, Berlin, Leipzig. Der deutsch- republikaBeilage: Die New- Yorker Arbeiter- Massenversaminlung( Schluß). Bermischtes. Anzeigen. Der erste Verbandstag der sächsischen Konsumvereine( Forts.). nische Verein in Zürich. Berichtigung. Politische Uebersicht. ,, Volkszeitung" daran, daß von Seiten der preußischen Regierung 1866 nach den amtlichen Rechnungsübersichten über die Kriegskosten zu geheimen Ausgaben für militärisch- politische Zwecke" 729,096 Thaler verausgabt worden sind. War dieses hübsche Sümmchen nicht auch darauf berechnet, sich Kunde über Verhandlungen und sonstige Vorgänge im österreichischen Hauptquartier zu verschaffen? ,, Streng genommen sind die preußischen Mili= tärverträge mit den Süddeutschen Staaten durch Artikel 4 des Prager Friedensvertrages ungiltig Das offizielle und offiziöse Bismarckthum hat die Buth über die ,, veruntreute" Depesche zurüdgeorängt geworden", sagt der österreichische Generalstabsbericht. Das zwingt sich zu lächeln.„ Was braucht uns an der Ber- ſtreng genommen" wird höchstens von einem nationalliberalen -ffentlichung zu liegen? Die Depesche enthält ja nichts, was alicht schon bekannt gewesen wäre." Ja wohl, es war längst die Augen haben zu sehen und Ohren zu hören; mit anderen aber wem? Außer den Eingeweihten nur Denen, bekannt Realpolitiker streng genommen" werden; wer aber fein natio= der Ueberzeugung gelangt sein, daß die bezüglichen Verträge nalliberaler ,, Realpolitiker" ist, wird nach dieser Aeußerung zu für die österreichische Regierung nicht mehr existiren. Da Preußen außer Stand ist, Südwestdeutschland in einem Worten: den Denkfähigen, die im Stande sind, That Krieg mit Frankreich zu schirmen, sind sie ohnehin thatsächlich leider in den sogenannten Europäischen Culturstaaten, das„ Bolt sachen zusammenzureihen und Schlüsse zu ziehen. Und das ist der Denker" nicht ausgenommen, eine verschwindend kleine 11 erloschen. Graf Bismarck hat nach verschiedenen zuverlässigen Mitzur Beruhigung Europas" vorgelegt: Preußen giebt Minderheit; denn unsere gerühmte Bildung" ist bloß ein theilungen dem französischen Kaiser folgenden ,, Vorschlag großer Humbug; das Vorrecht Weniger, läßt sie die Massen Schleswig und das Vermögen des Königs von Hannover unberührt, ist sie nichts als eine oberflächliche Tünche. Wenn heraus; Schleswig wird, mit Jütland vereinigt, zu einem man einen Russen kraßt, kommt der Tartar zum Vorschein", selbstständigen, von Europa garantirten Herzogthum erhoben, sagte ein geistreicher Franzose. Wenn man unsere moderne und dem ältesten Sohn des Königs von Hannover geschenkt, der sich mit einer Tochter des Königs von Dänemark vermählt Bildung" kratzt, kommt die Barbarei zum Vorschein. Die Torbarei, oder wenigstens die Unkultur. Die ungeheure Mehr- und obendrein die Anwartschaft auf Braunschweig erhält. Auf zahl der Menschen lebt in den Tag hinein, unbefümmert um Alles, was ihr nicht in den Geldbeutel greift, oder worauf sie diese Weise wird die Schleswig'sche und die Welfische Frage nicht mit der Nase gestoßen wird. ,, veruntreute Depesche". Da bedarf es keiner Anstrengung der Blut- und Eisenpolitik" so erfolgreich" in eine Sadgasse Hirnnerven Und letteres thut die faßbar, dem Blödesten in die Augen fallend, steht nun die flar und zweifelsohne", dem Beschränktesten ,, brutale Thatsache" vor uns, daß die preußische Regierung aus der Welt geschafft. Graf Bismard hat sich mit seiner trauen können. verrannt, daß wir ihm diesen abenteuerlichen Plan wohl zuWird Bonaparte seine Zustimmung geben? Die Schleswig'sche und Welfische Frage waren und sind für ihn bloß ein Vorwand der Einmischung, und sobald er den Krieg will, wollen muß, wird er leicht Warum nicht? im Jahre 1866 ansschließlich dynastisch- partikularistische Zwecke lionen und aber Millionen dem Elend überlieferte, weil Dußende von andren Vorwänden finden. An geeigneten ,, brenverfolgte, und eine halbe Million Menschen dem Tod, MilKönig Wilhelm ,, vor Allem Werth auf Annerionen legte". Wir, die Demofraten, haben das längst gewußt und gefagt König Wilhelm ist natürlich Redesigur für aber die Masse hat es uns Bismard und Compagnie nenden Fragen" fehlt es ja, Gottlob! nicht in unfrem Fürstenbegnadetem ,, Mitteleuropa. 11 ,, Politisch und sozial das Jahr der Rüstungen", so wird das Jahr 1868 in dem letzten Rechenschaftsbericht des polinicht geglaubt; jetzt weiß es Jedermann, der preußischen Politit tischen Departements der Eidgenossenschaft bezeichnet. ,, Fast alle europäischen Staaten", heißt es in dem Berichte ,,, beschäf= thun sollte, so schreiben wir ihr bloß die Worte: Depesche tigten sich während des Jahres 1868 mit Umänderungen ihrer bom 20. Juli 1866 auf die Stirn, und der häßliche Golem*) fällt in sich zusammen. Waffen und Militärsysteme und rüsteten sich zur Kriegsbereitschaft. Ganz in ähnlicher Weise waren aber auch zwei soziale tungen zu einem für das Jahr 1869 projektirten neuen ökuZur Beleuchtung der Phrase von dem ,, Treubruch", dessen Großmächte thätig. Die römische Kirche traf die Vorberei= Depesche schuldig gemacht haben soll, erinnert die Hannover'sche menischen Concile, und der sogenannte(!) Arbeiterstand formulirte sich die österreichische Regierung durch Veröffentlichung der Bauberei Leben eingehaucht wird, die aber zu Asche werden, sobald man * Golems find nach der Talmudsage Lehmfiguren, denen durch ibnen das Wort: Lüge! an die Stirn schreibt auf internationalen Congreffen sein Brogramm für eine durchgreifende Aenderung der bestehenden gesellschaftlichen Zustände. Auch die Schweiz wurde von diesen Bewegungen vielfach berührt. Sie war ebenfalls damit beschäftigt, ihre Armee mit besseren Waffen auszurüften; sie hatte sich gleichfalls mit bisher unbekannten Arbeiterbewegungen zu beschäftigen und auch sie war schuld an verschiedenen Erscheinungen der neuen Afpirationen* der streitenden Kirche. Obschon der Friede trotz alledem ungestört blieb, so wollte sich doch bis gegen Ende des Jahres auch keine rechte Friedenszuversicht einstellen, und dieser Zustand der Dinge wirkte allseitig lähmend auf den Unternehmungsgeist zurück, so daß das Kapital sich in einer fast noch nie dagewesenen Art in den Banken ansammelte und in einer abwartenden Unthätigkeit verharrte." Ganz recht: das Jahr 1868 war das Jahr der 1868 war das Jahr der Rüstungen. Wird das Jahr 1869 das Jahr der Thaten fein? 11 Der Berliner ,, Reichstag" hat beschlossen, sich Diäten geben zu lassen. Verlorne Liebesmüh! Die Nationalliberalen hatten beschlossen, feine neuen Steuern zu bewilligen, haben aber nachträglich beschlossen, doch etwelche zu bewilligen.„ Wenn man uns nicht das nöthige Geld für unsere Soldaten giebt," drohte die amtliche Provinzialkorrespondenz", so beschränken wir die Ausgaben für Forstkulturen, Land- und Wasser= neubauten, Chausseebauten, Eisenbahnen, Landesmeliorationen und Deichbauten, Wald- und Wiesenkultur, Obstkultur, Schulen, Lehrer, Kunst- und Wissen schaft". Wir bezweifeln, ob sich der Säbeldespotismus je so zynisch als Feind aller Kultur- und Voltsinteressen hingestellt hat. Und gar im„ Intelligenzstaate". Aber es wirkte. Graf Bismard kennt seine Nationalliberalen. und kommt nur auf Rechnung der„ elenden Kleinftaaten". Das Preußische Contingent war stärker, als in irgend einem der früheren Jahre: 36,234 gegen 32,069 in 1868 und 28,852 in 1866. Zahlen sprechen". 11 fagt , Wir sind den Süddeutschen zu liberal" Graf Bismarck. Einen hübschen Beleg dazu liefert der preufische Abgeordnete Barrifius im ,, Volksfreund". Er giebt eine auf Ziffern gestützte Uebersicht über die Vertretung der Aristokratie und Bureaukratie, des Adels und der Landräthe im preußischen Landtage, im Reichstage und im Zollparlament. Das Ergebniß ist seinen Hauptzügen nach das folgende: Was Preußen betrifft, so saß die geringste Zahl von Landräthen und Adeligen in der Nationalversammlung von 1848, waren 7,4 pбt. gegen 92,6 pCt. Bürgerliche; von da an wuchs die Zahl jener mit der steigenden Reaktion, erreichte ihren höchsten Stand, 44,8 pet. gegen 55,2 Bürgerliche, in den Jahren 1855/56, sank wieder mit der neuen Aera und in der Conflictzeit bis beinahe auf das Minimum von 1848, und hob sich nach Königsgräß abermals auf 42,6 pCt. gegen 57,4 pct. In den sog. constituirenden Reichstag wählten die alten Provinzen Preußens 55,4 pct. Adelige und nur 44,6 pCt. Nichtadelige; im ersten Reichstage steigerte sich die Zahl der Adeligen gar auf 59,6 pCt. gegen 40,4 pct. Nichtadelige. Was nun aber die Vergleichung Norddeutschlands und Süddeutschlands anlangt, so stellten zum Zollparlament die alten Provinzen Preußens 59,6 pCt. Adelige gegen 40,4 pct. Bürgerliche, ganz Preußen 52,3 Adelige gegen 47,2 Bürgerliche, Norddeutschland 45,8 Adelige gegen 54,2 Bürgerliche; dagegen Süddeutschland nur 28,2 pCt. Adelige gegen 71,8 pCt. Bürger liche.„ Wir sind den Süddeutschen zu liberal", sagt Graf Bismard. ,, Wenn es erst einmal liberal sein hieße, daß man die Volksvertretung vorwiegend aus Adeligen und Landräthen zusammensetzte, so könnte der Mann recht haben", sagt die Frankfurter Zeitung". Man schreibt uns: ,, Wie der Charakter und die Gesinnungstreue der sogenannten ,, Volkswirthschaftler" durch ihre Bereitwilligkeit zu allen möglichen verkehrsbeschwerenden und irrationellen Steuern, gegen die sie erst auf Congressen und in Vereinen lange Reden gehalten und wuchtige Resolutionen gefaßt, so wird der Standpunkt der Politiker gleichen Kalibers durch ihr Verhalten bei Aufhebung der Postfreiheiten gekennzeichnet. Unter dem Gethue als gälte es die Civil- Liften der Die Verkehrtheit falscher politischer Ideen und Prinzipien Fürsten zu beschneiden( und eben deren Vorrechte bleiben unan- ist nur dadurch zu beweisen, daß sie verwirklicht werden. getastet!), unter dem Vorwande, die erforderlichen klaren UnterAn der Probe der Praxis scheitert die unhaltbare Theorie. schiede in die Rechnung zu bringen, auch wo derselbe Besitzer Was half es, daß die Demokratie gegen den ,, kleindeutschen das Geld nur aus einer Tasche in die andere steckt, Gedanken" ankämpfte und auseinandersetzte, daß die Hegemonie eben in dem einzigen Falle, wo dies zuträfe, bei der Bundes- Preußens nur mit Hülfe des Auslandes durchzuführen sei, und forrespondenz, bleibt alles beim Alten- stopfen sie in Wahr- mit Nothwendigkeit die Zerreißung und Knechtschaft, statt der heit ein Loch dadurch zu, daß sie ein anderes aufmachen. Denn Einheit und Freiheit", zur Folge haben müsse? Die Völker das ist doch klar, daß die künftighin portopflichtige Staats- find gleich den Kindern; erst nachdem sie sich die Finger ver correspondenz den Einzelstaaten gerade soviel Mehraufwand verurbrannt haben, scheuen sie das Feuer. Die„ Mission" des fachen muß, als sie der Bundeskaffe einbringen soll. Durch Durch Grafen Bismard war es, den fleindeutschen Gedanken, indem die Bewilligung eines Zuflusses in die lettere, die ihn entbehren konnte( denn der Bund hat ja angeblich ,, eigentlich kein Deficit" In er ihn auf die einzig mögliche Weise zu verwirklichen suchte, sest man sich also nur in die Lage, den Einzelstaaten erhöhte Hannover, Kurhessen, Nassau, Sachsen, Baden und Bayern Deckungsmittel schaffen zu müssen, weil der Staatsdienst der überall, wo die Idee der preußischen Führerschaft Wurzel ge Dienste der Poft nicht entrathen fann. Das nennt man jest faßt hatte, ist die Lehre des Jahres 1866 auf fruchtbaren ,, rationell", liberal", mit einem Wort- reichstaglich!" Boden gefallen und haben die Vertreter dieser Jdee In Hannover Majestätsbeleidigungsprozesse zu Dugenden, Natürlich mußte diefer Prozeß sich in denjenigen Landftrichen Nationalliberalen oder Fortschrittler an Terrain verloren. I am Schnellsten vollziehen, welche direkt unter preußische Bot - lettere auch, mit göttlicher Gerechtigkeit, auf die mäßigkeit gekommen sind. Doch auch in Südwestdeutschland Krankheit stets frei geblieben ist -mit Ausnahme Württemberg's, das von der preußischen Zeitungskonfiskationen, Konfiskationen von Wahlaufrufen der Volkspartei um die Wahlfreiheit zu illustriren prozesse Preßübrigen Theile des Deutschen Berufsstaates" herabregnend. ,, Gleiches Recht für Alle!" die geht es jetzt mit Diacht Immer massenhafter wird die Flucht vor den Segnungen Masse der Bevölkerung, namentlich die ländliche, von dem vorwärts. Die Zollparlamentswahlen zeigten bereits, daß die des Jahres 1866. Laufe dieses Jahres bereits 50,000 Personen aus Deutschland Bis jetzt sind, wie früher schon erwähnt, im die soeben veröffentlichte Statistik der vorjährigen Auswannationalliberalen Schwindel nichts wissen will. städtische Bevölkerung hielt noch großentheils an Allein die demfelben find noch mitten im ,, wonnigen Monat Mai"! Lehrreich ist gewiffen Berechtigung als Bertreter der städtischen Intelli ausgewandert oder zur Auswanderung angemeldet. Und wir fest, so daß die Nationalliberalen sich noch immer mit einer genz" aufspielen durften. Dies ist nun anders geworden. derung über Bremen. Darnach wurden 1868 auf Bremer Schiffen Mit ungeahnter Kraft entfaltet sich die demokratische Bewe Jahre 1867( 66,433 gegen 73,971), aber die Verminderung wird aller Vorausberechnung nach schon die bevorstehende Landgung in den Städten Badens und Bayerns; und für Bayern zwar im Ganzen nicht so viel Auswanderer befördert, als im *) Bestrebungen. eine tagswahl trotz des unfreifinnigen, den Nationalliberalen gün ftigen Wahlgefezes, einen gründlichen Umschwung bringen, vollständige Niederlage der Nationalliberalen und wenn auch leinen vollständigen, doch einen bahnbrechenden Sieg der Demokraten. würden wahrscheinlich einwenden: Ich habe Leute zum Frühstück; sprechen Sie gefälligst ein anderes Mal vor." Darum ziehe ich den namhaftesten Männern der gegenwärtigen Opposition Herrn Gustave Flourens z. B. vor, den ich nicht die Ehre habe, zu kennen, aber von dem ich weiß, daß er unerschrocken ist." Das kennzeichnet die Stimmung. Wer Rochefort hat Recht. Nichts ist entmannender für ein Bolf als parlamentarische Redevorstellungen; das Parlamen teln geziemt der Demokratie nicht. Die Demokratie hat mit dem Cäsarismus nicht zu diskutiren, in Deutschland so wenig, als in Frankreich. Parlamentarisches Diskutiren setzt eine gemeinsame Grundlage voraus. diskutirt, paftivt*. Wer parlamentelt, parlamentir t. Die Demokratie hat mit dem Cäsarismus nicht zu pattiren, nicht zu diskutiren, sie hat mit ihm zu kämpfen. Wenn sie für seine Kammern oder ,, Reichstage" wählt, soll es bloß sein, um zu protestiren. Und wenn sie protestirt, soll hinter dem Protest die That stehen! Wie sich von selbst versteht, thun die südwestdeutschen Nationalliberalen ihr Möglichstes, um den verlornen Boden wiederzugewinnen, und da muß denn abermals das schwarze Gespenst" herhalten. Die rein förmliche und spaßhaft harm lose Aufforderung des Papstes an die Protestanten, sie möchten doch in den Schooß der allein selig machenden katholischen Kirche zurückkehren, wird als eine Bedrohung der protestantischen Religion hingestellt, und am 31. Mai soll in Worms eine große Protestantenversammlung statt finden, um Mittel und Wege zur Abwendung der Gefahr zu finden, und den lieben Seftenhader frisch, fromm, fröhlich anzufachen. Führer in diesem Kreuzzug ist Bluntschli, in der freien Schweiz einst Borkämpfer des katholischen Jesuitismus, im gefnechteten Deutschland seit Jahren Borkämpfer des protestantischen Jesuitismus Jesuit heute wie damals und also folgerichtig im Denken und Handeln, obschon er heut gegen seine Genossen von damals kämpft.( Die Klügeren von ihnen nehmen es ihm gewiß nicht übel.) Bei dieser Gelegenheit erinnern wir an den von Buckle in seinem Meisterwerf, Geschichte der Civilisation," glänzend und unwiderleglich geführten Be weis, daß der Bildungszustand eines Voltes im umgefehrten Berhältniß zu dem Interesse steht, das es an religiösen Fragen nimmt. Politische Reife kann nur ein Bolt beanspruchen, welches die religiösen Fragen den politiſchen unterordnet; und je mehr es dieselben zurücktreten läßt, desto höher seine politische Bildung. Heutzutage gibt es überhaupt, bei Licht besehen, gar keine religiösen Fragen mehr: Alles, was man so zu nennen beliebt, theils aus Unklarheit, theils um die Leidenschaften zu entflammen z. B. die z. B. die Stellung der Kirche zum Staat und zur Schule u. s. w., das sturzzwecke verfolgten, einen unüberwindlichen Widerstand entalles sind in Wirklichkeit politische Fragen, Fragen der Klassen- und Kastenherrschaft, die nur durch eine Umgestal tung des Staats im demokratischen Sinn, gelöst werden/ fönnen. schwächlich zu reformiren, und die österreichische Sozialdemo Das österreichische Bürgerministerium fährt fort, tratie, fräftig zu agitiren. Der Französische Kaiser hat die Stiefel des Onkels ausgezogen und macht höchsteigenmündig in Frieden und Wahlpropaganda. Vor einigen Tagen war er in Chartres auf der landwirthschaftlichen Ausstellung, bei welcher Gelegenheit er eine Rede an die verfammelten Beamten hielt. Er erinnerte daran, daß er schon 1848 als Präsident der Republik in Chartres gewesen sei und zur Versöhnung der Parteien" aufgefordert habe; heute, wie 1848, aber ausgerüstet mit höherer Autorität und größerem Vertrauen, wende er sich an die ehrenwerthen Männer aller Parteien und fordere dieselben auf, ihn " 1 auf dem liberalen Wege, den er wandle, zu unterstützen und den anscheinend wieder auflebenden Leidenschaften, welche Umgegenzusetzen." Der Telegraph meldet nicht, was für ein Gesicht der Kaiser machte, als er diese Ansprache zum Besten gab. Ob er wohl bei Erwähnung der Republik nicht daran dachte, daß er dieser selben Republif, deren Verfassung er er allein in ganz Frankreich beschworen hatte, am 2. Dezem ber 1851 den Dolch in den Rücken stieß; daß die Versöh nung", die er predigte, die Versöhnung mit den Feinden der ihn anvertrauten Republik war, daß die ,, höhere Auto1 In Frankreich großartige Wahlbewegung. An Einem Tag 14 Wählerversammlungen in Paris! Die Sozialisten rität", mit der er heute prahlt, die Frucht einer grauenhaften und entschiedenen Republikaner gehen Hand in Hand. Mezelei Unbewaffneter ist, daß der„, liberale Weg", den er Rochefort unbarmherzig den Stab. Ich nehme die anerkanntesten Willfür ist; und daß die ,, ehrenwerthen Männer", die er zu Ueber die Thätigkeit der bisherigen Kammeroppofition bricht wandelt, der Weg des Eidbruchs, des Blutvergießens, der Männer der letzten Kammer, schreibt er, und Frankreich soll seiner Unterstützung auffordert, sich seit 20 Jahren stolz von mir antworten: Haben dieselben jemals ein anderes Ver- ihm abwenden? fahren beobachtet, als dieses: sie brachten ein Amendement ein; Wenn der Kaiser es vergessen haben sollte, das fransie führten es aus; man verwarf es; ſie ſetzten sich nieder? zösische Volk hat es nicht vergessen. Das dauert nun so drei Lustra*), von denen jedes, wie die Die spanischen Cortez arbeiten rüstig an der Verfasauf dem Papiere. Ganz wie meisten Lustra, fünf Jahre zählte. Nun denn, da diese Gym fung, und haben bereits eine respektable Portion von Rechten naftit zu weiter nichts gedient hat, als den schlafsüchtigen Zu- und Freiheiten festgestellt stand, in dem wir uns befinden, aufrecht zu erhalten, wäre es das Deutsche Parlament**) vom schönen Monat Mai 1848 nicht Zeit für diese so sanftmüthig friedseligen Deputirten, bis zum ebenfalls schönen( freilich in anderer Weise) Monat Leuten den Blatz zu räumen, welche minder guten Willen ent- Mai 1849. Prächtige Reden hielten sie ein volles Jahr lang, wideln möchten, sich niederzufezen? Ich erbebe vor Schmerz, die redseligen Boltsmänner, die prächtigsten Grundrechte wur wenn ich sehe, wie Greise den Namen, den ihnen der Zufall den entworfen den entworfen auf dem Papier; Freiheit um Freiheit gewar, das Gebäude zu krönen, da kamen plöglich die Männer des Säbels, die unterdeß wenig geredet, aber im Stillen desto = nutzen, um ihr politisches Jnvalidenthum in der Kammer ab= gegeben hat, oder den sie sich auch selbst gemacht haben, be währleistet auf dem Papier, und als man endlich so weit zuigen, wo nicht eine einzige Kraft unbenust bleiben dürfte. Nach den Senatoren des Kaiserreichs haben wir jezt die Se- mehr gehandelt hatten, riffen die papiernen Grundrechte entnatoren der Opposition. Warum Herr Carnot? Wozu Herr zwei und brachten die Parlaments Klappermühle zum StillGarnier- Bagès? Wollen wir das Vaterland retten oder handelt stand. Wohl gab es Männer in Sachsen, in Baden und ant Frankreich an die Thür Eurer berühmen Abgeordneten Klopfen Faust entgegentraten, um die papiernen Rechte und Freiheiten es fich darum, weiße Haare zu ehren? Der Tag, an welchem Rhein, die den Männern des Säbels mit dem Säbel in der würde, um ihnen zu sagen: Bardon, heut müßt Ihr für mich, in wirkliche Freiheiten und Rechte zu verwandeln, aber von Sterben!" wer von ihnen würde dann antworten: Hier bin ich?" Ein einziger, Herr Pelletan, vielleicht. Die Anderen 11 *) Lustra, lateinisch, Mehrzahl von Lustrum, Zeitraum von fünf Jahren. *) Battiren, einen Patt, Bertrag machen, sich in ein Vertragsverhältniß stellen. ** Barlament- auf Deutsch wörtlich übersetzt: Sprechanstalt, Redefabrit; davon Barlamentarismus: Sprechwuth, Hedefrankheit. = den Parlaments Klappermüllern war keiner darunter. Die Männer des Volks rötheten die Erde mit ihrem Blut, sie wurden zu Märtyrein, und erliegend haben sie dem Geschlecht von heute eine Ehrenschuld hinterlassen, die dieses noch abzu zahlen hat. Wird es in Spanien ebenso kommen? Eins steht fest: die Verfassung, welche die Cortes jetzt ausarbeiten, wird nimmermehr ins Leben treten; ehe sie auf dem Pa= pier- vollendet ist, wird der Kampf zwischen den Mienarchisten und Republikanern entbrennen, und da sie den ersteren zu freisinnig, den letzteren nicht freisinnig genug ist, wird sie ohne Gnade in Feßen zerrissen werden. In Portugal ein neuer ,, militärischer Aufstandsversuch“. Ça marche es geht vorwärts. Daß auch in der republikanischen Schweiz noch Manches zu bessern und das Verlangen nach einer Verfassungsreform ein durchaus gerechtfertigtes ist, dafür hat soeben der Schweizer Bundesrath ein höchſtamtliches Zeugniß abgelegt, indem er Mazzini und einer Anzahl italienischer Republikaner den Aufenthalt in den an Italien angrenzenden Cantonen verboten hat. Zur Beschönigung dieser elenden Maßregel wird in einem Wiener Blatt behauptet, der Bundesrath sei dahinter gekommen, daß Mazzini im Einverständniß mit der preußischen Regierung in Italien eine Schilderhebung vorbereitet habe. Gesezt, Mazzini habe. dies gethan, in jedem Falle war es einer republikanischen Regierung unwürdig, gegen einen Republikaner den Häscher eines Monarchen zu machen. Was aber die Anschuldigung betrifft, Mazzini handle im Einverständniß mit der preußischen Regierung, so müssen wir sie als eine niederträchtige Verleumdung brandmarken. Mazzini ist Republikaner und ein Ehrenmann was fann er mit Bismarck zu schaffen haben? aus unwahr; aus dem Aftenstück, welches wir vor 14 Tagen mittheilten, erhellt, daß die Internationale Arbeiterassoziation, weit entfeint aufzuwiegeln, im Gegentheil einen, unter den jetzigen Verhältnissen hoffnungslosen Ausbruch zu verhindern suchte. Wir sind überzeugt, daß die Redaktion des ,, Pfälzer Demokrat" diesen Irrthum, zu welchem sie ohne Zweifel durch die schändlichen Denunziationen der Bourgeoispresse verleitet ward, in der nächsten Nummer berichtigen wird. Die Landesversammlung der Volkspartei findet( am drit ten Pfingstfeiertag) im Lofal des hiesigen Arbeiterbildungs Vereins, Ritterstraße, statt. Anfang Morgens 8 Uhr. Üm pünktliches Erscheinen wird dringend gebeten. Aus England. London, den 5. Mai. Wann werden die englischen Eigenthümer des irischen Bodens sich ruhig schlafen legen können, ohne von dem Gespenste der Empörung und der Rache verfolgt zu wer den? Wo sie gehen, wo sie stehen, bei Tage, bei Nacht, überall sehen sie die drohende Fauft sich erheben, welche Verderben über sie bringen wird, sobald sie die Macht hat. Die höchst tugendhaften Blutegel, die seit Jahrhunderten an dem irischen Nationalförper gesogen, und sich gemästet haben, finden diese stete Gefahr so lästig, daß sie Alles in der Welt gäben und Alles in der Welt thun würden, um das häßliche Gespenst zu beschwören; aber was sie nicht geben wollen, ist das Land, und was sie nicht thun wollen, ist: den Irländern erlauben, sich selbst zu regieren. Da der Empörungsgeist nicht be schworen werden kann, so sollte er wenigstens gebändigt den, und dieses ist jedenfalls das Geschäft der zeitweiligen Regierung. Daher werden die Blutsauger immer besonders unge duldig, wenn hinter dem Rücken der Regierung die drohende Rußland betreibt die Ausrottung des polnischen Ele- Fauft sich etwas höher erhebt als gewöhnlich. Der Taufend ments mit grausamer Methodik. Einem Moskauer Blatte fünstler Gladstone versprach zu bewirken, daß die geballte drohende zufolge hat der General- Gouverneur von Litthauen beim Mi- Fauft sich etwas senke und wollte zum gegenseitigen Friedens niſter des Innern die Uebersiedlung des zu Grunde gerichteten abschluß einen Finger hinhalten, und dann später, wenn sein Adels nach den Steppen Großrußlands und zugleich die unent- Heilmittel ſich vollkommen entfaltet, eine Freundeshand zu geltliche Verleihung von Grundbesitz an die Ansiedler bean- endgültigen Versöhnung auszustrecken. Aber oh weh!, während tragt. Eine gleiche Maßregel ist bereits in den westrussischen das Unterhaus damit beschäftigt ist, die Herensuppe uz Gouvernements Kiew, Podolien und Wolhynien zur Ausfüh- rühren und ihr die Gewürze beizumischen, erhebt sich die bro rung gebracht worden, indem zahlreiche verarmte Familien hende Faust höher als je. Englische Gewalthaber werden des polnischen Kleinadels auf Kosten der Regierung nach Süd- unversehens erschossen und der Bürgermeister der zweiten Stadt rußland übersiedelt worden sind. Erst die Polen ausplünderu, Irlands nennt den Bösewicht O'Farrell, der in Australien Aus Italien wird eine Ministerkrise telegraphirt.„ Es ist etwas( ja sehr viel) faul im liberalen Wuster- Einheitsſtaat. " berauben und arm machen, dann sie als Verarmte deportiren läßt sich ein nichtwürdigeres System denken? Aber noch ist Polen nicht verloren! Zwanzig Millionen, deportirt man nicht. nach einem königlichen Prinzen schoß, einen Patrioten. Die Geständnisse des O'Farrell und die Rede des Bürgermeisters er Sullivan von Cork haben die Aristokratie mit Entſezen füllt. O'Farrell erklärte unter anderm, daß es die Fenier für Die Alabamafrage hat plötzlich eine drohende Gestalt ihre Pflicht gehalten, für die drei Hingerichteten von Man angenommen. Im amerikanischen Senat sind bei Gelegenheit chester: Larkin, Allen und O'Brien, drei Engländer der berr der Diskutirung des bekannten( nicht bestätigten) Vertrags schenden Klasse zu tödten, wovon einer ein Bring fein müffe sehr heftige Reden gefallen, und der Antrag ist gestellt worden, fordern. In England herrscht deshalb große Aufregung und die Frage eines Kriegs mit den Vereinigten Staaten wird von Den Prinz von Wales- den Kronprinz - habe man zu fchonen von England als Entschädigung die Abtretung Canada's zu beschlossen, weil die Fenier überzeugt gewesen, daß er früher oder später das Königthum entehren würde! O'Farrell der Presse diskutirt. Wir glauben nicht an die Möglichkeit viel wie möglich aufzuhängen und sein eigenes Talent hervor scheint sich darin gefallen zu haben, dem Kolonicl- Sekretär fo eines solchen Kriegs. Die amerikanische Regierung wird ruhig zuheben. Er tadelt den Plan des Central- Ausschuffes, die vorgehen und England nach einigem Streuben eben so ruhig beabsichtigte Mordthat in der Kolonie zu vollziehen, erflärt aber, daß er es für seine Pflicht gehalten habe, sich zu fügen, noch rückwärts. Der Triumph der kleinen Republik über ihre kommen, daß er seine Pflicht erfüllt und der Brinz am Leben Die Brasilianer fönnen in Paraguay weder vorwärts da ihm das Loos zugefallen, er sei aber froh, daß es fo ge nachgeben. übermächtigen Gegner fann nicht mehr bezweifelt werden, und der Sieg Paraguay's ist der Untergang der letzten Monarchie in Amerita. geblieben sei. 216 Der Bürgermeister von Cort ist bekannt als ein Mann, der die Fenier in Schutz nimmt und vertheidigt. Das fonfer vative Ministerium hatte ihn beseitigt, die gegenwärtige Zu unserm Bedauern finden wir in einem befreundeten gierung ließ zu, daß er wieder eingesetzt wurde ,, was die Reak Blatt, dem ,, Pfälzer Demokrat"( Nr. 5), die Behauptung, die tionäre für unverzeihlich halten. Genf aus zur Unruhe aufgewiegelt worden." Dies ist durch Costello, aus dem Gefängniß entlassen und am Vorabend ihrer Vor einigen Tagen wurden zwei Fenier, Warren und Abreise nach Amerika wurde ihnen zu Ehren ein Festessen in Cork veranstaltet, bei welcher Gelegenheit Bürgermeister Sullivan den Vorsitz führte. Er verurtheilte die englische Oberherr schaft mit der größten Energie und erklärte sich, wenn er im Stande wäre, bereit, jeden Engländer aus Irland zu vertreiben. In diesem Augenblick, sagte er, ist ein junger Prinz, welcher der englischen Nation angehört, auf Besuch in Irland, eine Stimme: Verdammt sei er!- Beifall). Als der hochherzige Irländer O'Farrell auf denselben Prinzen in Australien schoß, war er von ebenso patriotischen Gefühlen durch brungen wie Larkin, Allen und O'Brien.( Lauter Beifall) Ich glaube; daß O'Farrell fünftig ebenso hochgeachtet sein wird als irgend Jemand, der sein Leben für Irland geopfert hat. ( Betäubende Bravo's) Ein Pole hat nach dem russischen Kaiser geschossen, weil er glaubte, der Kaiser trete die Rechte der Bolen mit Füßen; dieselbe Hochherzigkeit durchbrang O'Farrel, als er auf den Prinzen schoß, er war ein ebenso edler Jr länder als jener ein edler Pole; beide waren von den= felben Gefühlen angeregt, zu thun, was sie thaten. England iſt mächtig genug Irland zu drücken, aber wenn es fünfzig mal mächtiger wäre, kann es doch zum Nachgeben gezwungen werden." Hierauf brachte der patriotische Bürgermeister einen Toast auf die Gäste des Abends aus und erklärte, daß er bereit jei, was er thue, vor der Regierung zu verantworten; er thue seine Pflicht, die Engländer behaupteten ihre Herrschaft durch Gewalt, Unrecht und Unterdrückung. Warren sagte in feiner Antwort, er halte es mit dem Prügel( Shillelagh, die irische Streitwaffe), durch schöne Worte sei eine gesunkene Nation nicht wieder aufzurichten, er sei bereit, seine Schuld an England mit Zinsen abzutragen. Costello rieth, den Schlachtruf aufzustellen:„ Irland für die Irländer und zum Teufel mit den Engländern." Der Stadtrath von Cork hat den Bürgermeister wegen feines Verhaltens zur Rede gestellt: er erwiderte aber, daß er nicht verpflichtet sei zu antworten, fügte jedoch hinzu, man habe im Sommer vor. J. bereits 2 Artikel, betitelt ,, Nekrolog", über die Kasseler Lehrerversammlung in d. Bl. veröffentlicht hat. Ich habe im vorigen Jahre, als ich auf meine mündliche Beurtheilung der letzterwähnten Artikel dem Redakteur des ,, Demofr. Wochenblattes" gegenüber- von diesem aufgefordert wurde, eine Entgegnung zu schreiben, dieß abgelehnt, weil mir aus all dem, was in jenem„ Nefrologe" ge= sagt war, eine vollkommene Unbekanntschaft mit den betreffenden Verhältnissen entgegentrat. Auch heute verzichte ich darauf und werde allezeit darauf verzichten, mag er in diesem Verfahren erblicken, was ihm beliebt. Ich lasse es daher völlig unwiderlegt, wenn der Grabredner, wie er sich selbst nennt, die Allgemeine deutsche Lehrerversammlung, wie sie in Kassel tagte, und auf der ein Demokrat, der sich offen zu Joh. Jacoby's Farbe bekennt, einen Beifallssturm wie kein andrer erlebte, zu einer nationalliberalen stempeln will. Ich gehöre zu den entschiedensten Gegnern der Nationalliberalen, aber habe den nationalliberalen Charakter der Versammlung nicht herauszufinden vermocht. Ich meine auch, wir haben mit den ausgesprochenen Gegnern von jener Farbe vorläufig noch genug zu thun, als daß wir uns das nußlose Vergnügen machen sollten, mit Bassermann'schen Gestalten zu kämpfen. Meine Widerlegung soll sich nur auf das beziehen, was der Leichen- und Gespensterredner gegen die ,, Herren Leipziger" vorbringt. Vorausschicken will ich, daß es eine Allgemeine Lehrerzeitung in Leipzig gar nicht gibt, sondern daß sie nur hier gedruckt wird, während der Herausgeber in Dresden seinen Sitz hat. Das weiß so ziemlich jeder Lehrer in Deuschland. Nun wird von den lobsprudelnden Be= sprechungen in der Allg. deutschen Lehrerzeitung und den übrigen Ergüssen aus dem Preßbureau der Leipziger und Hanseaten" gesprochen und unter ersteren Panitz besonders namhaft gemacht. Wiederum vollständige Unkenntniß. Paniz ist Mitglied des Pädagogischen Vereins zu Leipzig( der zur Hälfte aus Demokraten besteht) und als solches Mitherausgeber der ,, Leipziger Blätter für Pädagogik", die sich der Grabredner doch gelegent= lich einmal ansehen mag. An der Allg. Lehrerzeitung hat Panity gar keinen Antheil, Berthelt, kein Nationalliberaler, rell's mehr mißbilligen als er, aber er könne nicht umhin dessen Beweggründe anzuerkennen. sondern ein Hochkonservativer und specifisch sächsisch gesinnt, Die Konservativen im Unterhause wettern und toben; sie ist deren Herausgeber. Auch Lüben, Hoffmann und Lange, die flagen das Ministerium an, dessen Nachsicht die Ursache alles außer Panis noch namhaft gemacht werden, sind daran unbeUebels jei. Herr Bright wird besonders scharf getadelt, weil theiligt; jeder von ihnen hat sein eigenes Organ. Also des er darauf besteht, daß alles Unglück Jrlands aus der Behand= lung, welche es vom englischen Barlament und der englischen Irrthum. Und nicht besser steht es mit dem Sachlichen. Aristokratie erfahren, herzuleiten sei. Bright behauptet, daß Doch genug, mehr als genug. Möglich, daß mir nach dieser die Zustände Jrlands sich nicht eher befriedigender gestalten Kundgebung der Grabredner den demokratischen Charakter auch fönnen, als bis die Bevölkerung einen beträchtlichen Antheil in Abrede stellen wird. Immerhin, ich mag fein Patent am Landbesitz erhält. Ohne die britische Oberherrschaft, sagt er, hätten diese. Zustände nicht existiren können, und was das britische Barlament binnen Kurzem gezwungen sein werde zu 1 von ihm. Leipzig. Jul. Beeger, Redakteur des Wegweisers". war, wie unser Freund Beeger behauptet, so wird sich Niefreier unabhängiger Staat gewesen. Das gegenwärtige Parla- Wenn es sich herausstellen sollte, daß die Kasseler Lehrerver= ment ist nach Bright's Meinung das erste, welches es wirklich sammlung wirklich von so demokratischem Geist durchdrungen nicht so weit wie Bright. Bright wünscht keine Grundeigen- mand mehr darüber freuen, als die Redaktion des Demokra= thümer, Gladstone will die Bächter mit den englischen Eigen- tischen Wochenblatts" und der Verfasser oes ,, Nekrologs". erust mit der irischen Frage meint. Aber Gladstone geht thümern aussöhnen und sie gegen ihre Habgier b schützen. Die Ariftofratie weiß so gut wie Bright, daß es sich um den Landbesitz handelt, grade darum verlangt sie vom Ministerium, daß es das Bolt niederhalten soll, damit ihr der Bodenbesitz ficher gestellt werde. Die Kasseler Lehrerversammlung. ( Ein Wort zur Erwiderung.) IT Die Red. des Dem. Wochenbl.) Bücherschau. Nach zwanzig Jahren. Streiflichter auf politische und soziale Zustände der Gegenwart. Von F. Bernet, Nationalrath. St. Gallen 1868. Verlag von Altweg- Weber. 146 Seiten. Der Verfasser leitet seine vortrefflich, mit ebensoviel befindet sich ein Artikel, überschrieben ,, Roch einmal die Kasseler geschriebenen Abhandlungen mit einer Betrachtung über die In der Beilage zu Nr. 19. des ,, Dem.- Wochenblattes" Sachkenntniß als Klarheit und in echt republikanischem Geiste Lehrerversammlung", aus der Feder desselben Verfassers, der Schweizerische Verfassung von 1848 ein, und zeigt, daß bei aller Anerkennung der Errungenschaften dieser Verfassung kein Grund vorliegt, sie zu vergöttern als ein unantastbares Heiligthum, sondern daß sie vielmehr als ein Wert zu betrachten ist, welches nur dann auf die Dauer segensreich wirken kann, wenn es ausgebaut wird auf der Grundlage bürgerlicher Freiheit und der Rechte des Volkes. Der Verfasser zeigt hierauf, wie man die seitdem verflossenen 20 Jahre wohl zur besseren Centralisation in finanziellen, militärischen und Verwaltungs- Angelegenheiten benutzt habe, wie aber doch noch das Wenigste bisher zur Herstellung eines wirklichen Schweizerstaats geschehen sei, namentlich nicht auf dem großen Gebiete des allgemeinem Verkehrs und des bürgerlichen Rechts. ,, Ju glücklichen Tagen konnte man Manches übersehen, aber die wachsende soziale Bedrängniß, die über Europa lastet und auch die Bevölkerung der Schweiz in Mitleidenschaft zieht, bringt manche Schäden zum Vorschein und mahnt immer dringender, eitle Ruhmrednerei zu lassen und tiefer in die Uebelstände einzudringen, die auch in unserm Lande an den sonst starken Wurzeln bürgerlicher Wohlfahrt nagen." Und nun erörtert der Verfasser vom sozialistisch- republikanischen Standpunkte aus in einer Reihe von Kapiteln die soziale Frage im Allgemeinen, insbesondere Kreditwesen, Staatshülfe, Selbsthülfe, das freie Bürgerthum, die Volksgesetzgebung, die Zentralisation und die Zukunft der Kantone. Bernet ist Zentralist, erklärt aber für selbstverständlich, daß man nur soweit zentralisiren dürfe, als es im Bedürfniß bürgerlichen Wohles liegt. 6. Diesen und andern volkswirthschaftlichen Zwecken, wie namentlich der Volksschule, zu leben, wird eine Hauptauf gabe der kantonalen Gemeinwesen bleiben. Sie können denselben aber nur dann mit voller Kraft sich widmen, wenn ihre Verwaltungen befreit werden von andern Dingen und die Zivil- und Strafgesetzgebung, sowie die Verwal tung aller allgemeinen vaterländischen Angelegenheiten, namentlich auch des Wehrwesens, ganz vom Bund übernommen wird. 7. Die Zentralisirung der Gesetzgebung ist auch aus andern Gründen nothwendig. Bei der wachsenden Konkurrenz und Bedrängniß ist es für die Existenz des arbeitenden Bürgers jeden Berufes vor Allem nöthig, daß er sich möglichst frei und unbeengt bewege. Diefer freien Bewegung stehen vielföpfige Kantonalgesetzgebungen entgegen. Es ist nöthig, daß ein einfaches, Allen verständliches und Alle gleich behandelndes Recht erstellt werde durch den Bund. 8. Damit die Zentralgewalt hierbei nicht zu mächtig werde, zum Schaden der Freiheit und der Dekonomie, ist ein Gegengewicht nöthig in dem souveränen Recht aller Schweizer bürger über die Gesetze und Beschlüsse der Bundesbehörden endgültig zu enscheiden. 9. Um diese Zwecke zu erreichen und einen schweizerischen Volksstaat herzustellen, zum Schutze der Freiheit im Innern und der Unabhängigkeit gegen Außen, ist eine Revision der Bundesverfassung nothwendig. Vororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. Der Druck des Normalstatuts für Arbeiterverein hat sich etwas verzögert; dasselbe ist in diesen Tagen versandt worden, und erwarten wir, daß neugegründete Vereine das Statut unverändert, die älteren Vereine aber die darin nieder gelegten Grundzüge in ihre Statuten aufnehmen. ,, Es giebt aber, sagt er, eine Reihe von Angelegen= heiten, die besser in kleinen Kreisen besorgt werden, wo das Interesse einer bestimmten Landesgegend, ihre besondere Lage und Beschaffenheit in Frage kommt. Da ist der Platz der kantonalen Wirksamkeit. Es giebt eine Reihe von Angelegenheiten, wo die Eidgenossenschaft zu groß wäre, um sie zu besorgen, und die Kantone gerade groß genug sind dazu; wo die kantonale Gemeinschaft, der gegenseitige Wettkampf der kan tone Wunder wirft, während nichts oder oft Verkehrtes zu Stande käme ohne diesen Wetteifer des selbstständigen kantonalen Lebens. Das sind die natürlichen Gränzen zwischen Bund Gleichzeitig mit dem Statut haben wir ein Circulär vers und Kantonen: Dinge allgemeinen Rechtes und allge- sandt, in dem wir unsere Ansichten über eine andere Orga meiner Interessen dem Bund – Angelegenheiten nisation unseres Verbands niedergelegt haben. Es i speziellerer Juteressen und engerer Gemeinschaft den nothwendig, daß unsere Vorschläge einer gründlichen Diskussion An eine Aufhebung der Kantone wird Nie- in den Versammlungen unterzogen werden, damit zum nächsten Auf das, was Bernet in einem Anhang über Vereinstag die Meinungen klar und die Vertreter genügend die Umgestaltung des Rechtslebens und über die Abschaffung instruirt sind. Die eigentliche Organisationsvorlage werden Kantonen! mand denken." der Juristerei sagt, werden wir ein andermal zurückommen, dagegen ermangeln wir nicht, die 9 Kernsäge, in denen er am Schlusse des Buches seine Ausführungen zusammenfaßt, in Folgendem wiederzugeben: wir in Bälde veröffentlichen. In unserer letzten Sigung tam auch die Abhaltung Arbeitervereins tags zur Sprache. Man einigte sich dahi 1. Die Bundesverfassung von 1848 war nur die erste Stufe Eisenach einzuberufen. Für die Zeit sprach der Umstand denselben spätestens bis Mitte September und zwar nach zur Gründung des schweizerischen Bolts Staates. Ihre daß im Monat August zwei Gewerks- Genossenschafts Schöpfer selbst erklärten sie als eine Halbheit, die baldiger Congreffe und zwar der Metallarbeiter und Schuh Ergänzung bedürfe. 2. Die Gegenwart hat andere Bedürfnisse als die Zeit vor macher, Ende August und Anfang September der Congres 20 Jahren und namentlich die Aufgabe, neben der poli- Vorher kann aber der Arbeitertag unmöglich anberaumt wer der Internationalen Arbeiter- Association stattfindet tischen Freiheit die Gleichheit, die bürgerliche Gleichberechtigung zur Wahrheit zu machen. Ohne diese Gleichheit ist die Freiheit keine Wohlthat für Alle. den. den. Eisenach als Ort des Vereinstags scheint uns für Süd- und Mitteldeutschland, wo unsere Organisation meisten Boden hat, gleich günstig zu liegen, außerdem dürfte Süd- und Mitteldeutschland, 3. Diese Gleichberechtigung ist dann errungen, wenn Jedem, die Abhaltung des Congresses in Thüringen unfern Befte der gehörig arbeitet, eine freie bürgerliche Stellung gefichert ist. bungen dort sehr förderlich sein. 4. Diese freie Stellung der Arbeit wird durch die mächtige unserer Organisation Betheiligten auch alle Diejenigen ein Ferner beschlossen wir, zum Bereinstag außer den an zuladen, welche sozial und politisch mit uns auf dem felben Boden stehen, damit sie an der Berathung für die Allianz des Kapitals immer mehr gefährdet und unterdrückt, wenn nicht die Arbeit sich ebenfalls verbindet, zu Genossenschaften, und wenn nicht, namentlich im Fabrikwesen, die arbeitende Bevölkerung vor Ueberarbeitung und andern Gefahren der Verkümmerung geschäßt wird. 5. Beides kann wirksam nur geschehen mit Hülfe des Staates, welcher die landwirthschaftlichen und gewerblichen Kreditvereine durch seine Kreditinstitute unterstützt und Fabrikgefeße erläßt. dej Bro Neu- Organisation Theil nehmen können. Wir werden halb dem Organisationsentwurf neben dem Nürnberger gramm zugleich auch ein Programm über unsere Stellung der deutschen Frage einverleiben. Die ersten Punkte der Tagesordnung werden bilden: 1. Der Bericht des Bororts. 20 au in te 50 ba 2. Die Organisationsfrage im Anschluß an das Programm SECREES na 3. Die politische Stellung der deutschen Sozialdemokratie. 4. Die direkte Gesetzgebung durch das Volk. 5. Die Echulfrage in Verbindung mit der Wehrfrage. Weitere Punkte der Tagesordnung werden noch bekannt gemacht werden. Anträge für dieselbe ersuchen wir bis spä= teftens Mitte Juni an uns einzusenden. Bei Punkt 2 der Tagesordnung wird ein Antrag der Fürther Gesinnungsgenossen behandelt werden, welcher dahin geht, die Steuer auf 1 Groschen per Vierteljahr zu erhöhen. Wir schlagen vor, die Steuer auf monatlich einen halben Groschen festzusetzen. Für zahlreiche Beschickung des Arbeiter bereinstags durch Deputirte fordern wir schon jetzt auf, Vortehrungen zu treffen und namentlich auf Geldmittel Bedacht zu nehmen. Zahlungen find eingegangen von Wiesbaden, Ronneburg und Coburg. Die Langsamkeit, womit die Beiträge eingehen, veranlaßt uns, die Parteigenossen zu rascherer und pünktlicherer Einsendung aufzufordern. Mit sozial- demokratischen Gruß und Handschlag. Leipzig, 12. Mai 1869. Für den Vorort: A. Bebel, Vorsitzender. Genf. 221 Sonnabend im hiesigen Schüßenhause eine ansehnliche Anzahl Fabrik- und Handarbeiter versammelt, um über die Gründung einer Gewerksgenossenschaft sich zu berathen. Der Vorsitzende des hiesigen Volksvereins, Herr Doßauer, legte das Wesen und den Nutzen dieser Genossenschaften dar und das Ergebniß der Berathung war, daß einstimmig die Bildung einer Gewerksgenossenschaft für Fabrik- und Handarbeiter be schlossen und ein Comité zur Vornahme der nöthigen Vorarbeiten gewählt wurde. Morgen und nächsten Sonntag werden vier Versammlungen in verschiedenen Nachbarorten ab= gehalten, um über Bildung einer Gewerksgenossenschaft der Berg- und Hüttenarbeiter zu berathen und Beschluß zu fassen. Von Gera geht uns unter dem 8. de. Mts. ein längerer Bericht des Hrn. Brockmann zu, worin dieser die Resultate mehrerer Reisen in Thüringen zur Anknüpfung von Verbindungen mittheilt. Derselbe hat überall sehr günstigen Boden gefunden und sind bereits in Neustadt a. d. Orla und Auma neue Vereine auf seine Anregung gegründet worden, in Beulenroda und Apolda steht die Gründung von Vereinen bevor. Der Vorstand des demokratischen Arbeiter- Vereins in Gera ist Schuhmacher Brätter, ein Mann, der sich die gute Sache sehr angelegen sein läßt. Meeraue, den 9. Mai. Unsere Gewerksgenossen= schaft der Weber, Wirker 2c. ist so weit konstituirt, daß die Verwaltung einem provisorischen Vorstand übertragen wurde, dessen Vorsitzender Hermann Freitag und dessen Schriftführer Hermann Thalmann ist. Die Zahl der Mitglieder Die Arbeitseinstellung der Buchdrucker dauert fort. Die Ausständischen wenden sich wiederholt um Unterſtüßung an ihre Collegen. Wir hoffen, daß der Ruf auch in den Herzen der übrigen Arbeiter Widerhall finden möge. 28o immer die Arbeiter den Kampf gegen das Kapital auf nehmen, wird für das Interesse der gesammten Arbeiterklasse gefämpft, und die gesaminte Arbeiterklasse ist zur Hülfe ver- beträgt über 400. pflichtet. Unterstützungen sind zu adreffiren: A la Société typographique, Café Maréchal, en l'Ile, Genève. Die feiernden Damastweber in Bielefeld haben uns diese Woche ein Schreiben um Unterstützung gesandt, wir werden thun, was wir thun können, ihre Sache ist auch die unsere. Meerane, 9. Mai. Die national- liberalen ,, Chemnitzer Nachrichten" haben uns im Volksverein neulich durch einen ungeheuer geistreichen Artikel viel Spaß gemacht, in welchem Bebel Fürth, den 8. Mai. Die bevorstehenden Landtags= wahlen führen bei uns zu harten Kämpfen, an denen sich aber unser Arbeiterverein Zukunft" nach seinem neulich ge= faßten Beschluß nicht betheiligt, weil er sich einfach der Wahl enthalten will. Die Frage, ob Wahlbetheiligung oder Wahlenthaltung, hat im Verein zu lebhaften Diskussionen geführt, pfung der Nordbunds- Politik angegriffen und mit- Moses man tam aber schließlich einmüthig zu dem Beschluß, nicht zu wählen. Die Gründe dafür sind kurz folgende: tarischen Gebiet überhaupt etwas für die von ihm vertretenen und Aron! verglichen wurden. Wir haben den Artikel nach Haspe an den ,, Ulk" zu schicken nicht ermangelt, der dem Ver= parlamen- fasser unfehlbar das wohlverdiente Ehrendiplom ausstellen wird. Unser Volksverein nimmt in erfreulicher Weise an MitRepublik für möglich hält, erreicht werden kann. Dann ist die Brinzipien, deren Verwirklichung er nur in der sozialen gliedern zu, ebenso die Gewerksgenossenschaften. Kirchberg, 10, Mai. Unser Volksverein schreitet = thut. Es haben sich nämlich zwei National Liberale unter lung einer diretten Staatssteuer gebunden*), wodurch viele Ar- Mitglieder genöthigt sein, was man natürlich immer ungern Wahl selbst eine indirette und das Wahlrecht an die Zah- rüftig vorwärts. Leider werden wir zur Ausstoßung zweier beiter vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Unter solchen Um Ständen halten wir uns ferne, wir werden dafür um so eifriger uns eingeschlichen, die Propaganda für das Preußenthum machen ftande wirken, wo wir ein dankbareres Feld unfrer Thätigkeit stand besigen ,,, freiwillig" auszuscheiden. für Verbreitung der sozial- demokratischen Ideen im Arbeiterficher finden, auch geben wir uns der Hoffnung hin, daß bald alle wirklichen Sozial- Demokraten sich vereinigen wer ben, um eine große mächtige Partei zu bilden, die nur in der wollten und, da dies vergeblich war, nicht einmal soviel AnGlauchau, den 9. Mai. Gestern wurde im Theaterlokal eine Arbeiterversammlung abgehalten, welche sehr zahlreich besucht war, und mit Gründung der Gewerksgenossenrepublikanischen Staatsform die Verwirklichung ihrer Ziele schaft der Manufaktur-, Fabrif- und Handarbeiter vorgegangen. Als Referent war Herr Motteller aus Crimmitschau anArbeiter Verein hat sich entschlossen auszutreten und hat Bedeutung der Gewerksgenossenschaften gründlich flax legte; Schwabach, den 10. Mai. Die Opposition im hiesigen wesend, welcher in einer fünfviertelstündigen Rede die große borige Woche, 31 Mann start, einen neuen Verein unter dessen Vortrag wurde von den Anwesenden die größte Aufmerk dem Namen Arbeiter- Bildungs- Verein gegründet. Vor- samkeit gezollt. fizender desselben ist Buchhalter Lindmann, an dessen Adresse, Es wurden hierauf Listen zur Einzeichnung ausgelegt, in noch größere Betheiligung. Ferner wurden die Herren Albert um Berwechslungen zu vermeiden, man auch alle Zusendungen die sich gegen 300 Mann einschrieben; und es ist Aussicht auf zu melden. Auf vorgängige Einladung hatten sich am vorigen und Handarbeiter- Genossenschaft zu dem am 17. u. 18. d. M. Bwickan, 5. Mai. Heute habe ich Ihnen Erfreuliches und Uhlig als Vertreter der Glauchauer Manufaktur-, Fabrik*) Da scheinen uns in Bezug auf Steuern in Baiern noch wahrin Leipzig tagendem Congreß gewählt. Auch einige Laffalleaner waren zugegen, welche sich gegen internationale Genoffenhaft paradiesische Zustände zu fein. Die Bestimmung, daß das Wahl- schaften aussprachen. Dieß machte die Versammlung unwillig, recht nur von Zahlung einer direkten Steuer abhängig, einerlei, ob diese und sie beschloß, Herrn Richter( Laffalleaner), nicht mehr sprechen daß dadurch bei uns in Sachsen wie im ganzen Nordbund keiner hoch oder niedrig sei, ließen wir uns schon gefallen, wir sind überzeugt, männlichen Seele das Wahlrecht entzogen wäre, denn mit Steuern bire ften und indirekten find wir Alle gefegnet. Da gibt's feine Ausnahmen zu laffen*). Der von Herrn Motteler vorgelegte Entwurf wurde mit allen gegen 5 bis 6 Stimmen angenommen. *) Wir hoffen, daß dieser Beschluß wieder zurüdgenommen wird. Berlin. Der Strike der Zimmergesellen dauert fort; am Sieg ist nicht zu zweifeln. Am Sonntag hielt die fortschrittlich- nationalliberale Bourgeoisie eine Arbeiterversammlung" ab, die jedoch blos von etwa 1000 Menschen besucht war. Löwe, Dunder, Schulze -die Invaliden waren allesammt da, es fehlte kein theures Haupt. Natürlich auch nicht der unvermeidliche Hirsch, der wieder mit großem Erfolg das Enfant terrible*) spielte, und das Geheimniß, daß Fortschrittler und Nationalliberale Ein Herz, Eine Seele und Ein Geldsack sind, in der kompromittirendsten Weise ausplapperte. Der Mann ist unbezahlbar für uns. Wenn es einft zum Kampfe käme, und der Duncker'sche ,, Arbeiterführer" Hirsch( Mar, Doctor) uns in die Hände fallen sollte, so würden wir es machen wie Washington mit jenem Englischen General, wir würden ihn dem Feind ohne Lösegeld zurückschicken, nur mit der Einen Bedingung, daß er fortfahre, als Dunder'scher ,, Arbeiterführer" zu fungiren. 222 es in unfrer Macht, auf unfre Unterstützung rechnen können.) Der deutsch- republikanische Verein in Zürich übersandte mir zu Agitationszwecken für die von mir vertretene Sache 500 Francs, über deren Empfang öffentlich dankend zu quittiren ich mich für verpflichtet halte. Leipzig, 11. Mai 1869. A. Bebel. sorgt. Die im" Borboten" angegebene Adresse ist ebenfalls richtig. Das Briefkasten. J. 2. Reschizza: Geld empfangen, Auftrag be Redaktions- Bureau der Arbeiter- Union" ist 10 Springstreet, near Bowery, New- York. Union" Post Box 5542, New- York. Wir haben die Redaktion der Bestellungen können aber auch adressirt werden: An die Arbeiter ,, Arbeiter- Union" ersucht, die nöthigen Schritte zu thun, um dem Blatt den deutschen( österreichischen) Postdebit zu erwirken. Berichtigung. 3 Leipzig, den 11. Mai. Vorige Woche hatten die drei Von dem Verfasser der, in der vor. Nr. von uns be Mann Hatzfeldter hier eine Versammlung einberufen, in der sprochenen Brochüre:„ Die Demokratie c." werden wir darau über die Vorgänge in Gladbach und die Verhaftung des ,, Präfi- aufmerksam gemacht, daß wir irrthümlich die in Absatz 2 u. denten" Mende verhandelt wurde. Herr Pezoldt führte den angeführten Worte aus der Vorrede ihm selbst zuschrieben, Vorsitz. Die Versammlung endigte damit, daß man Herrn während sie doch ausdrücklich als die Quinteſſenz" der be Miende ,, Anerkennung" aussprach ,, für die Entschiedenheit, womit kannten Ansprache Dr. Joh. Jacoby's an seine Berliner Wähler er für das Vereins- und Versammlungsrecht eingetreten". Wir haben uns gefragt, welche Verdienste" denn wohl Herr Mende führung der Verfasser seine Schrift im Grunde nur angesehen vom 30. Jan. v. J. bezeichnet sind, als dessen weitere Aus in Wirklichkeit um das Vereins- und Versammlungsrecht habe? haben wolle. Sein Benehmen in Gladbach war es doch wahrhaftig nicht, gegen, daß er erkläre, fein Sozialiſt" zu sein. Wie Liebknecht Ferner verwahrt Herr von Neering sich da oder war es die Hohensteiner Affaire, die seine Ge= treuen" ausführten, die ihm als ,, Präsidenten" zum„ Verdienst" für ihn identische Ausdrücke, so habe er in diesem Auffage in Nürnberg gesagt habe: demokratisch und sozialistisch ſeien angerechnet werden muß? Uns kommt es vor, als wenn man von gewisser Seite mit den sogenannten„ Arbeitervertretern" gerade den Beweis zu führen gesucht, daß jeder wahre Demo ,, Reichstag" denselben Humbug treibe, dessen sich seiner Zeit Sozialist sein müsse, die Bestrebungen der Lesteren deshalb frat Sozialist, jeder wahre Christ aber Demokrat und nach bestem Wissen und können unterstützen müſſe. 11 der Nationalverein nnd die Fortschrittspartei schuldig machte; jede Kraftphrase gegen den ,, Polizeistaat" wird mit dem ge= bührenden Lob überschüttet und als„ Verdienst" ausgeschrien, dabei hütet man sich aber fein säuberlich, das Fundament des Staates ſelbſt anzugreifen und in Frage zu stellen. Ganz Mende reden gehört, daß er von dem lebhafteſten Wunsch Der Berliner ,, Reichstag" hat so viel über Hrn. Fri wie unsere liberalen Philister. Der Arbeiter- Bildungsverein hat beschlossen, zu Ehren der anwesenden Deputirten bei dem Congreß der Manufaktur Fabrik- und Handarbeiter für den dritten Pfingstfeiertag eine Abendunterhaltung in dem eine Viertelstände von hier gelegenen Gohlis zu veranstalten. Vermischtes. seelt ist, auch einmal Hrn. Frizz Mende selbst reden zu hören Das stimmt nun aber nicht mit den bekannten Instruktionen der gräflichen Frau Präsidentin, welche, in richtiger Würdigung der Fähigkeiten ihres Günſtlings, demselben das Reden ,, Reichstag" bei Leibesstrafe verboten haben soll. Und so denn Hr. Frizz Mende auf das sinnreiche Auskunftsmittel ver eingestellt. Sie haben das Recht auf ihrer Seite, und bei Folge der Düsseldorfer Gefängnißstrafe. Also zwei Fliegen fallen, sich im Reichstag" frank melden zu lassen, frank i der trefflichen Organisation des Cigarrenarbeiter- Vereins kann ihnen der Sieg nicht entgehen. 11 Die hiesigen Maurer- und Zimmergesellen, die mit Freilich, allzu schwer ist diese neue Art Märtyrerthum mit Einer Klappe geschlagen: den ,, Reichstag" um die erboff Rede geprellt, und eine politische Märtyrerfrone erworben nicht Idem jezigen kärglichen Lohn nicht auszukommen vermögen, for denn hat auch die preußische Gefängnißkost, wie wir aus eig dern eine Lohnzulage; wird sie ihnen verweigert, so werden sie die Arbeit einstellen.( Das ,, Tageblatt", Amtsblatt des thätige Einmischung des Stadtraths zu Gunsten der ner Erfahrung bezeugen können, unleugbar ihre abstoßenbe Leipziger Stadtraths, bewirft sie mit Roth und kündigt der Wähler des Herrn Frizz Mende vorzuziehen ist. Jeden Seiten, so steht doch fest, daß sie der Kost von neun Zebntel Meister an! Wir werden auf den betreffenden Artikel zurüd- schwächeren, als er seinen Anhängern, besonders den Hören Da der Verfasser deſſelben den Präsidenten des Ber- seiner un- und außerparlamentarischen Ergüſſe, zumuthet. falls hat Hr. Frizz Mende einen sehr schwachen Magen, einen kommen. bands deutscher Arbeitervereine mit einem Lobe verfolgt, das zu Mißdeutungen Anlaß geben könnte, so sei heute ausdrücklich hiesigen Auzeigen. gefellen auf unfre vollfie Sympathie, und, so weit Deutscher Arbeiterbildungs- Verein Abweichende Meinungen darf man nicht zu unterdrücken suchen. Wir werfen dadurch den Schein auf uns, als fürchteten wir eine Diskussion. Abfichtliche Störer unschädlich zu machen, ist Sache jeder einzelnen Versammlung. D. Red. d. Dem.-W. *) Französisch. Eigentlich schreckliches Kind"; so nennt man die Kinder( und Erwachsene mit findlichen Gemüthern), die arglos die Geheimnisse der Eltern( und Collegen oder Patrone) ausplaudern. in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London Vermählungsanzeige. Christian Hadlich, Nanny Sadlich geb. Müller. Leipzig und Hirschberg a. S., 9. Mai 1869. Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Braustr. 11). }{ Leipzig. Expedition: Peterstraße 18. Drud und Verlag: F. Thiele. Hierzu eine Beilage Beilage zum Demokratischen Wochenblati ur. 20. Die Arbeiter- Massenversammlung in New- haben, so daß die Reichen reicher und die Armen ärmer Yort, am 23. März 1869. ( Schluß.) In der Halle sprach u. A. Herr Ennis. Er machte darauf aufmerksam, daß die Arbeiter es seien, welche den Haupttheil der Besteurung für städtische und staatliche Zwecke zu tragen hätten, und doch beachte man sie nicht bei Verwendung der Steuern; man weigere ihnen gerechte Löhne bei Fertigung der städtischen Druckarbeiten. Da sie diese Drucksachen als Steuerzahler bestreiten müßten, so wollten sie auch ihren Preis beim Arbeitslohn dafür erzwingen. Sie haben ein Recht, als Bürger, ihr Geld zu verwenden, wie es ihnen gutdünkt. Die von der früheren Arbeiter- Versammlung des Staats der Gesetz gebung vorgelegten Gesetzvorschläge dürften nicht unbeachtet bleiben; die Herren in Albany*) möchten sich immerhin darauf verlassen, daß das arbeitende Volk bereit sei, diese Forderungen durchzusetzen. Da sei das Achtstundengeset, angewendet auf alle vom Staat ausgegebenen Arbeiten; da sei ein Lehrlingsgesetz, darauf berechnet, die Tüchtigkeit des amerikanischen Handwerks aufrecht zu erhalten und die Löhne vor dem Mitbewerb von Pfuschern zu schützen; da sei das Verlangen, in den Staatsgefängnissen das Contractsystem abgeschafft zu sehen, welches die Contractschließer auf Kosten des Staates bereichert und die Löhne ehrlicher Arbeiter durch Mitbewerb drückt. Alle diese Forderungen der Arbeiter würden sich schon Achtung erzwingen. Bisher hätten die Nationalökonomen den Arbeitern gegenüber allerhand Schmeicheleien angewendet, hätten ihnen den Ruhm zugestanden, daß die Arbeit die Schöpferin alles Reichthums, die Stüße der Kunst und Wissenschaft und die Grundlage des Staates sei. Nur davon haben sie uns nichts gejagt, wie die Arbeit ihren gerechten Antheil an den Wohlthaten ihrer Schöpfung bekommen kann und soll. Die Arbeiter wollen jetzt den Nationalökonomen zeigen, wie das geschehen fann nnd soll, nämlich durch Geltendmachung ihres Willens. Man werde sie Neuerer nennen auch Columbus war ein Neuerer, als er die neue Welt entdeckte und das Ei auf die 11 werden; = Daß es Zeit ist, ein Ende zu machen mit billiger Philosophie, Schein Menschenfreundlichkeit und hohler Lobhudelei der Arbeit, wodurch die Arbeiter und Erzeuger des Nationalwohlstandes nur in ihre soziale und politische Versflavung geLockt werden; Daß das Capital überall im Lande sich in weniger und weniger Händen anhäuft, die große Industrie die kleine verschlingt, die kleinen Fabriken im Besitz eines Einzelnen großen Manufakturkörperschaften Platz machen, ja in unsern Städten sogar die kleinen Handelsleute von großen Capitalisten verdrängt werden, welche ihre eigenen Importeure*) und Jobbers**) sind, und daß andrerseits eine eigentliche Arbeiterklasse sich bildet und rasch anschwillt, und die Arbeit immer seltener ihren billigen Antheil am Gesammtgewinn von Capital und Arbeit bekommt; Und da keine andere Rettung vor den Uebeln zu finden ist, welche diesem centralisirenden politisch- socialen Systeme entspringen und die Arbeit, das Leben der Arbeiter, der Vielen, zum Vortheile der Wenigen opfern: so müssen die arbeitenden Classen ihre Gefahren einsehen lernen und in der Intelligenz das Rettungsmittel suchen; deßhalb wird Beschlossen: 1. Daß die Künstler, Handwerker und Handarbeiter ohne Unterschied der Beschäftigung sich mit ihren Mitarbeitern verbinden sollten, als erster Schritt zur Erlangung einen billigen Lohnes; 2. Daß der nächste Schritt zur Erlangung eines gerechten Antheils am Arbeitsertrag für die Arbeiter in der Einsetzung eines strengen Lehrlingsgesetzes liegt, das ebensosehr den Knaben an seinen Lehrmeister, als diesen an jenen eine hinlängliche Anzahl von Jahren bindet, um jenem eine tüchtige Fertigkeit in seinem Geschäfte zu geben und so die Ueberfüllung des Arbeitsmarktes mit Pfuschern und Herabdrückung der Ehre und des Lohns des Handwerks zu verhüten; 3. Daß die Herabsetzung des Tagewerks auf 8 Stunden gerecht und nützlich ist, da die zu lange Arbeit die Gesundheit die Tugene gefährdet und unsre gepriesene Ei4. Daß, da die Arbeiter ihren Antheil an Staats-, Stadt- und Nationalsteuern bezahlen, die Behörden aufzufordern sind, das Achtſtundenſyſtem bei allen für Staat und Stadt New- York zu verrichtenden Arbeiten einzuführen; wurde, die Erde stehe nicht still, sondern drehe sich um ihre vilisation beschämt; Are; die Entdecker wurden als Verrückte betrachtet. Trotzdem sich zur Einheit zuſammen und verlangen mit vereinten Kräften auf acht Stunden, während jetzt in den neuengländischen Fabriken Sie verlangen die Beschränkung des Tagewerks 12 bis 13 Stunden, von den Omnibus Condufteuren und Fuhrleuten 14 bis 16, von den Bäckern 18 bis 20, von den Gerechtigkeit. 5. Daß unsere Senatoren und Voltsvertreter von der Stadt New- York ergebenst ersucht werden, die Volksvertretung schleuniger Vornahme der von der Arbeiterconvention des Schneidern fast noch mehr gearbeitet wird, und die Ziegel Staates eingereichten Gesetzentwürfe aufzufordern, welche das brenner am Hudson bei der anstrengendsten Arbeit von vor Verschwörungsgesetz***) und die Regelung der Sträflingsarbeit, Sonnenauf bis nach Sonnenuntergang angespannt werden. so daß sie nicht mit ehrlicher Arbeit in Mitbewerb tritt, c. Die Zeit ist endlich gekommen, daß die Arbeiter ihre eigene betreffen; = 6. Daß wir alle Arbeiter in jedem Kreis und jedem der heutigen auffordern; ihren eigenen Willen zum Gesetz machen. Fort mit den Fach- Bezirk zur Abhaltung von Massenversammlungen im Sinne politifern! Laßt es uns heute den Herren in Albany und im Stadthause zurufen, daß sie nicht länger uns ungestraft unser Recht vorenthalten können!" Folgende Beschlüsse wurden verlesen: In Betracht, daß die in der Arbeiter- Union vertretenen und gerechten Lösung der Frage des Verhältnisses zwischen Arbeit und Capital durchdrungen sind; Nationalökonomen, welche die Aufgabe haben, diese Frage zu lösen, kläglich gescheitert sind, indem sie bloß zu Gunsten des Capitals gewirthschaftet *) In der Stadt Albany haben die Regierung und der gesetzgebende törper des Staates New- York ihren Sitz, obwohl die Stadt Rew- Yort viel größer ift. 7. Das wir unsern Mitarbeitern die Jnbetrachtnahme und Anwendung der Grundsätze der Cooperation+) empfehlen eines Systems, das bei gehöriger Prüfung ihnen einen gehörigen Antheil am Ertrage ihrer Arbeit verspricht; 8. Daß wir die Anstrengungen der Arbeiter- Union, die Arbeiter aller Classen in eine einzige Brüderschaft zu vereinigen, hochschätzen und allen Arbeitervereinen des Staates den Anschluß an dieselbe empfehlen, um deren Wirksamkeit und *) Waareneinführer. **) Spekulanten. ***) Verschwörungsgesetz( Conspiracy Bill), ein Gesetz, welches in Amerika, wie in England, so gefaßt ist, daß es auf Verabredungen der Arbeiter unter einander zum Behuf einer Lohnerhöhung angewandt werden kann. †) Des Genossenschaftswesens. Macht noch bedeutender zu Gunsten der von ihr Vertretenen zu machen. Diese Beschlüsse wurden einstimmig angenommen. Die Versammlung wurde gegen 11 Uhr geschlossen. Jm Ganzen war der Gesichtskreis mehrerer Redner etwas beschränkt, und man sah, daß sie sich nur schüchtern auf das politische Gebiet wagten. Der Geist der Versammlung war offenbar viel entschiedener und zum Fortschritt geneigter als der der Redner. Als Herr Troup folgenden Beschluß einbrachte: ,, Wir, die Arbeiter der Stadt New- York, im Maffenmeeting im Cooper Institut versammelt, verpflichten uns hiermit, hinfünftig alle Parteibande und Parteivorliebe ab= zuschütteln und Männer aus unserer eigenen Mitte in jedes Departement der Regierung wählen wollen" da zeigte sich unbemessener Beifall, und man hätte mit beftem Erfolge dazu fortgehen können, den in der Arbeiter Union gefaßten Beschluß je zwei Arbeiter aus jedem Ward*) mit einer vorläufigen Organisation aller gleichgesinnten Bürger derselben im obigen Sinne zu beauftragen auch hier zur Annahme zu bringen und diese Männer sofort ernennen zu lassen. Daß dies nicht geschehen, brach dem Ausfall des Ganzen die Spitze ab. Es wird in einer fünftigen Massenversammlung geschehen müssen; in der Masse der Arbeiter ist kaum mehr Widerstand dagegen zu befürchten nur die Bertreter derselben ermangeln noch der nöthigen Entschlossenheit. Der erste Verbandstag der Sächsischen Consum: vereine zu Chemnitz am 27.- 29. März 1869. ( Fortsetzung) Ein Antrag aus Ronneburg auf Einem Platze zu kaufen. wird dagegen abgelehnt. Den interessantesten Theil der Tagesordnung bildete der Vortrag des Herrn Direktor Fröhner aus Dresden über die Genossenschaftsgesetzgebung. Er entwickelte die Geschichte un= seres heutigen Rechtslebens, ausgehend vom alten römischen Rechte, das bis auf die neueste Zeit als Grundlage gedient hat für das bürgerliche Rechtsleben in Deutschland, berührt dabei das alte Gesetz über Vergesellschaftung zu Erwerbszwecken, das Gesetz über Stiftungen und das vom seligen Bundestag geschaffene Handelsgesetzbuch, sowie das bürgerliche Gesetzbuch, welche sämmtlich in Bezug auf die Genossenschaften mangelhaft und ungenügend seien. 224 gefezz. Referent räth das sächsische Gesetz zu adoptiren, die wesentlich günstigeren Bestimmungen desselben wohl zu benutzen, und darauf hinzuwirken, daß das norddeutsche Gesetz diese sich zu eigen mache. Herr Germann spricht Namens der Versammlung den wärmsten Dank aus für den belehrenden Vortrag. Er bezeichnet es als einen Mangel des sächsischen Gesetzes, daß dasselbe die Mitgliederzahl beschränke, bezeichnet ferner die Solidarhaft für unsere Verbrauchsgenossenschaften nicht nur als unsere Entwickelung hemmend, sondern als unnöthig. Er macht aufmerksam auf die Bestrebungen der süddeutschen Con sumvereine gegen die Solidarhaft, die den Beitritt von Stiftungen 2c. zu den Consumvereinen hindere, auf das Gutachten der volkswirthschaftlichen Commission der würtembergischen Ständekammer, das sich für beschränkte Haftpflicht ausspricht, ferner auf die Produktivgenossenschaften, für welche die Solidarhaft von sehr zweifelhaftem Nugen sind, ferner auf die wiederholten Erklärungen im norddeutschen Reichstage, daß die Particulargeſetzgebung zwar ein Mehr von Freiheiten gewähren dürfe, jedoch daß unter das Maaß von Freiheiten, welches die norddeutschen Gesetze gewähren, nicht heruntergegangen werden dürfe und verwendet sich dahin, das, was das sächsische Geses biete, zu behalten, bis die norddeutsche Gesetzgebung Bes seres bieten werde. Er schlägt folgende Resolution vor: Das Direktorium wolle dahin petitioniren, daß 1. 2. 3. Die Antheile für ein Gesellschaftsvermögen unter 10,000 Thlr. niedriger als 10 Thlr. normirt werden, Für Verminderung des Gesellschaftskapitals durch Austretende haften die Zurückbleibenden, Das sächsische Genossenschaftsgesetz so lange aufrecht zu er halten, bis im Allgemeinen das norddeutsche Bundesgejes Solidarhaft freistellt und speziell den Punkten 1 und 2 Rechnung trägt. Herr Direktor Fröhner schließt sich nach den Auseinandersetzungen Germanns den Anschauungen der süddeutschen Vereine an, empfiehlt Anlehnung an das sächsische Gesetz und Betition an das sächsische Justizministerium. Herr Sauer( Leipzig) verwendet sich für Annahme der Resolution, welche bei der hierauf vorgenommenen Abstimmung auch einstimmig erfolgte. Nach zweistündiger Pause wird die Sizung wieder aufge= nommen. Es erfolgt Berichterstattung über die Verbandsrechnung und Justification derselben, sowie Berwilligung einer Nachsteuer. den Ein zur Vertheilung gelangtes Muster statut für Con sumvereine mit beschränkter Haftpflicht, das dem Gesetz vom 15. Juni 1868 angepaßt ist, wird von Germann in feinen einzelnen wesentlichsten Punkten ausführlicher erläutert, Bereinen die Berathung und Anpassung desselben an ihre ört lichen Verhältnisse empfohlen, Petitionirung im gegebenen Falle an das Justizministerium empfohlen, ebenso die Anschaffung des Gesetzes von 15. Juni 1868 nebst Ausführungsverordnung. Durch den Meißner Creditverein ward vor einer Reihe von Jahren die Bahn gebrochen zum Bessern dadurch, daß durch Berleihung der Rechte einer juristischen Person an denselben anderen Bereinen der Weg angezeigt wurde, eine gesetzlich rechtliche Stellung zu erlangen. Referent bezeichnet die offenbaren Mängel des Handelsgesetzbuches für die Genossenschaften bei§ 1, der keine klaren Vorschriften enthält für den Einzelrichter. Die Solidarhaft der offnen Handelsgesellschaft, das reichung und beantragter Genehmigung ihrer Statuten mitge Nachdem einzelne Abgeordnete ihre Erfahrungen bei EinVerbot des Ausscheidens der einzelnen Genossenschaften, die theilt, verläßt man diesen Gegenstand, der zu einer Beschluß Formalität der Anmeldung und Abmeldung der eintretenden und faffung zur Zeit feine Veranlassung bietet und geht zur Frage ausscheidenden Mitglieder sind Mängel; das Handelsgesetzbuch über Besteuerung der Consumvereine über. German i hat für die Genossenschaften unserer Tage teine Bestimmungen. als Referent theilt mit, daß die Besteuerung der ConsumberDas durch die Initiative von Schulze- Delitzsch geschaffene preußische Genossenschaftsgesetz und das wiederum durch Schulze's einer Eingabe der Centralſtelle an das Königliche Ministerium eine sehr verschieden gehandhabt worden sei, wie dies auch in Initiative ins Leben gerufene norddeutsche Genossenschaftsgesetz des Junern, Abtheilung für Genossenschaftswesen im Juli vori kennen nur die unbeschränkte Solidarhaft, während das ſäch gen Jahres constatirt sei, worin um eine gleichmäßige sische Gesetz vom 15. Juni 1868 die beschränkte Haftpflicht handlung der Consumvereine petitionirt worden, auf welche gestattet. Legteres Gesetz ist bereits 1865 entworfen, also Eingabe aber leider bis heute eine Antwort nicht ertheilt jei lange vor dem preußischen und norddeutschen Genossenschafts- Er betont die Nothwendigkeit, daß Bereine, welche Bier un Branntwein im Einzelnen verkaufen, Conzession zu lösen *) Städtischer Wahlbezirk oder Stadttheil. Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Brauftr. 11). haben. Drud und Berlag: F. Thiele. } Leipzig.{ Expedition: Betersſtraße 18. ( Schluß folgt.)