Demokratisches Wochenblatt. Organ der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. No. 23. Leipzig, den 5. Juni. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 12 Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Üniversitätsstraße, und die Erpedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Sendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Aujiralien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. wahlen 2c. Inhalt: Politische Uebersicht. Die sächsischen Landtags Bororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. Aufruf der Leipziger Zimmergesellen. Aufruf des Comités der Jut. Schuhmacher- Gewerksgenossenschaft. An die Baugewerksgenossen aller StaaZürich, Pforzheim, Nürnberg, Berlin, Dresden, Eisenberg, Leipzig. Briefkasten. Anzeige. Beilage: Aufruf der Internationalen Manufaktur Gewerksgenossenschaft. Weiße Sklaven. Bücherschau. ten. Politische Uebersicht. Der Absolutismus, in welche Form er sich auch hüllen möge, ist in unserer, ihrem ganzen Grundzug nach demokratischen Zeit gleichbedeutend mit Gewaltherrschaft; nur durch Gewalt kann er aufrecht erhalten werden und die verkörperte Gewalt sind die stehenden Heere. Darum ist der Militarismus unzertrennlich von dem Absolutismus: man blicke nach Frankreich, Rußland, Preußen in allen despotischen Staaten derselbe widerliche Soldatenkultus, derselbe bürgerfeindliche Kafernengeist. Und obgleich ein preußischer General die Behauptung aufgestellt hat, der Soldat sei produktiv", so beweist doch die Geschichte der Gegenwart, daß es keinen zehrenderen Krebsschaden, keine das Mark der Völker methodischer aussaugende Einrichtung giebt, als die stehenden Heere. Wie die Seuchen dem Krieg, wie das Verbrechen der Noth, so folgt mit unwandelbarer Logik dem Militarismus die Volksverarmung, das Defizit, der Staatsbankerott. In Frankreich und Rußland sind diese Folgen seit Jahrzehnten zu Tage getreten: der dritte der großen Militärstaaten, Preußen, schien lange eine Ausnahme machen zu wollen. Die bewundernswürdige Geschicklichkeit, mit der in Preußen Alles dem Militarismus untergeordnet und angepaßt wurde, die oft gradezu tnickerhafte Sparsamkeit auf allen anderen Gebieten, der mehr oder weniger volksthümliche Charakter der Landwehr und darum ihre vergleichungsweise Billigkeit- dies alles trug dazu bei, die preußischen Finanzen auf lange dem allgemeinen Fluch des Militarismus zu entziehen. Jedoch mit dem Jahre 1866 tam der Wendepunkt. Nachdem die Landwehr vermittelst der soge nannten Militärreorganisation zu einem Anhängsel des stehenden Heeres herabgewürdigt und in ein willenloses Werkzeug der Regierung umgeschaffen war, führte Graf Bismard den be= gesinnten, für die deutsche Einheit, wie die Preußisch gesinnten sagen. Der Schlag gelang, so weit solche Schläge gelingen fönnen für den Augenblick. Preußen siegte, und die Besiegten hatten den preußischen Staatsschatz mit Kriegsfontributionen zu füllen. Der Nordbund begann somit unter den für einen Militärbund, was er ja ist, günstigsten Bedingungen. Wohlan, erst dritthalb Jahre sind verstrichen, und schon ist der Nord bund bauferott; oder, um es genauer auszu gewöhnliche, schon aufs höchste angespannte Besteuerung nicht zu deckendes Defizit, während die Vasallenstaaten, die zum Theil 1866 schwere Striegskontributionen an Preußen zu bezahlen hatten, sich sämmtlich des geordnetsten Finanzwesens erfreuen, und nur durch den Bund mit Preußen in den Strudel des gemeinsamen Bankerotts hineingerissen werden. Das Alles steht, schwarz auf weiß, in Ziffern, die gleich Soldaten aufmarschirt sind, in der jüngst veröffentlichten Denkschrift des preußischen Finanzministers. Jm Jahr 1867, heißt es darin, trat das Defizit hervor mit der Summe von 577,000 Thlr.; daß es sich nicht höher stellte, verdankte man lediglich den 3,232,000 Thlrn. die aus den noch nicht ausgesaugten annektirten Ländern ge- zogen wurden. Für das Jahr 1866 ergab sich dann ein„, eigentliches Defizit" von 9,863,437 Thlen. Wie dieses Defizit, welchem Betrage an nachträglich für das Jahr 1868 an den Norddeutschen Bund zu zahlenden Matrikularbeiträgen noch etwa 2,100,000 Thlr. hinzutreten, zu decken sein wird, muß weiterer Erwägung vorbehalten bleiben." Also ein Defizit von 12 Millionen! Und für 1869 und 1870 ein ähnliches Defizit in sichere Aussicht gestellt! Um das Defizit zu decken, schlägt Hr. von der Heydt, der preußische Finanzminister, unter den 8 schon bekannten ,, neuen Steuern"( Branntweinsteuer( 2,531,300 Thlr.), Biersteuer ( 1,250,000 Thlr.), Gassteuer( 425,000 Thlr.), Wechselstempelsteuer, Börsensteuer( beide zusammen 2,260,000 Thlr.), Petroleumſtener( 308,000), 3uderfteuer( 539,000 Thlr.) und Quittungsstempelsteuer( 800,000 Thlr.) noch eine neunte Steuer eine Steuer von 10 Prozent auf die Eisenbahnbillette mit muthmaßlichem Ertrage von 3,154,450 Thlrn. vor. In Allem sollen die 9 vorgeschlagenen' Steuern 11,268,000 Thlr. jährlich einbringen. Davon würden auf Preußen 9½ Million fallen, was ,, allerdings nicht vollständig zur Deckung des Defizits ausreichen, aber immerhin die Mittel gewähren würde, den Staatshaushalt mit einem knappen Etat ohne wesentlichen Nachtheil für das Land weiter zu führen." Zur Charakteristik des Nordbundes sei noch bemerkt, daß das Gesammtbudget für 1868 75,790,000 Thlr. beträgt, wovon 74,976,000 Thlr. auf das Militär und die Marine tommen; und daß das Budget für das laufende Jahr auf 77,700,000 festgesetzt ist, wovon 76,400,000 Thlr. für Armee und Flotte! Da sage noch Einer, der Militarismus sei nicht die Seele des Norddeutschen Sonderbundes! Bezeichnend ist, daß in der Denkschrift des Finanzministers von dem Militärbudget, der Wurzel des Uebels, mit kei= ner Silbe die Rede ist, und daß auch die Nationalliberalen in der Steuer- Debatte des Militärbudgets mit keiner Silbe erwähnt haben. Im Haus des Erhenkten spricht man nicht vom Strick, sagt das Sprichwort. Ein Redner der brücken, der Hauptstaat des Nordbunds, Preußen, das 1866 Fortschrittspartei, Hr. Löwe( von Calwe), wies allerdings auf die Kriegskontributionen einfackte, hat ein wachsendes, durch die Beschneidung des Militärbudgets, als das einzige Heilmittel, hin, allein seinen Worten wurde dadurch die Spize abgebrochen, daß die Fortschrittspartei sich auf den Boden der Annexionspolitik gestellt hat und folglich, da sie A gesagt, auch B sagen muß. Die Herren Fortschrittler gleichen jenem Mann, der zufällig in den Besitz gestohlenen Eigenthums gekommen war, und dasselbe behalten, aber doch auch ein ehrlicher Mann blei ben wollte. Er behielt es und wanderte schließlich an den Galgen. Wer die Annexionen behalten will, muß auch das stehende Heer behalten, denn nur durch dieses können sie behauptet und vertheidigt werden. Also: Entweder Bruch, vollständiger Bruch mit der Annexionspolitik. Oder: Mitgegangen, mitgehangen. Aus diesem Dilemma wird die preußische Fortschrittspartei sich durch keinen Trugschluß herauswinden. Das wurde ihr recht unangenehm klar gemacht bei Disfussion des ,, Hagen'schen Antrags", der darauf hinausging, die berüchtigte preußische Militärverordnung, welche die Be= freiung der Militärpersonen von den Gemeinde abgaben für alle Nordbundstaaten dekretirt, außer Kraft zu setzen. An sich war der Antrag eine lächerliche Inkonsequenz. Das Militärbudget mit seinen 76 Millionen wagt man nicht anzutasten, über ein paar Tausende von Thalern, die den Gemeinden aufgewälzt werden, ereifert man sich! Die Annexionen, diesen brutalften Eingriff in das Recht ganzer Stämme hat man gutgeheißen, und über einen winzigen Eingriff in das Recht der Gemeindeverwaltung geräth men in sittliche Entrüftung! Schöner konnte die Fortschrittspartei das biblische Wort vom Elephantenverschlucken und Mückenseihen nicht illustriren. Hr. Hagen, der Antragsteller, hatte sogar die Kindlichkeit, an den Satz zu erinnern: justitia fundamentum regnorum die Gerechtigkeit ist die Grundlage der Reiche. Darauf gab ihm der Kriegsminister Roon die realpolitische und niederschmetternde Antwort: Die Siege der Armee haben diesen Bund und diesen Reichstag erst möglich gemacht." Und Moltke, der ,, geniale" Feldherr, der die Siege von 1866,, organisiri" hat, erklärte, die bürgerliche Canaille habe in die soldatischen Angelegenheiten nicht hinein zureden, der Soldat habe mit dem Bürger nichts gemein, und der Bürger, statt dem Soldaten seine Privilegien zu be= neiden, muß ihm im Gegentheil zu Dank verpflichtet sein. Natürlich fiel der Hagen'sche Antrag durch, und wurde eine Resolution angenommen, die nicht Fisch, nicht Fleisch ist, einen frommen Wunsch ausspricht und-hübsch Alles beim Alten läßt. Die Armee hat ja den ,, Bund und den Reichstag erst möglich gemacht". Wie konnte der Reichstag sich gegen die Armee, seine Mutter, empören? Erwähnt sei hier noch des Auftretens des hessischen Bundesrathsbevollmächtigten, der die Unzufriedenheit seiner Regierung mit der betreffenden Militärverordnung energisch ausdrückte. Bereits im Zollparlament trat der hessische Bevollmächtigte furchtlos gegen Hrn. von Bismarck auf. Die kleinen Bundesregierungen haben aufgehört, Preußen zu fürchten. Und das läßt auf Manches schließen. Um seine Jämmerlichkeit zu verhüllen, hat der„ Reichstag" einige der neuen Steuern verworfen. Ob er alle endgültig verwerfen wird, ist jedoch sehr die Frage. Das Zollparlament tritt am 3. Juni( nicht am 2., wie ein Druckfehler in unsrer letzten Nummer besagte) zusammen, und der Reichstag wird sich fortlangweilen. Auch das preußische Abgeordnetenhaus soll nächstens berufen werden, und föstlich wäre es, hätten diese drei Körperschaften gleichzeitig zu tagen. Da die Mehrheit des Abgeordnetenhauses, des Reichs tags und des Zollparlaments aus den nämlichen Bersonen besteht, würde dann der Norddeutsche Parlamentarismus in flafsischer Weise ad absurdum*) geführt werden. Wenn wir die Bedeutung des bayrischen Wahlergebnisses würdigen wollen, müssen wir die Zusammensetzung des neuen Landtags mit der des vorigen vergleichen. Im letzten Landtag zählte, außer dem Demokraten Kolb und 7,, wilden", feiner Partei bestimmt angehörenden Mitgliedern, die ,, Mittel*) in seiner Widerfinnigkeit gezeigt werden. partei", welche die zu Preußen hinneigende Politik Hohenlohe's unterstützt und auf dem Boden der Militärverträge steht, 76, die Fortschrittspartei", welche für den Anschluß an Preußen ist, 45 und die preußenfeindliche Klerikale Partei 25 Mitglieder. In der neuen Kammer zählt die Mittelpartei 20, die Fortschrittspartei 57 und die klerikale Partei 76 Stimmen. Die Mittelpartei hat also 56 Size verloren, während die Fortschrittspartei 12 und die klerikale Partei 51 gewonnen hat. Das in der Mittelpartei und Fortschrittspartei vertretene preußenfreundliche Element hat demnach im Ganzen 44 Site verLoren, das preußenfeindliche 51 gewonnen. Der Eine großdeutsche Demokrat, Kolb, der auch in die neue Kammer gewählt ist, wird bei allen entscheidenden Abstimmungen den Ausschlag im deutschen Sinn geben können, um so gewisser, als sich unter den der ,, Fortschrittspartei" zugerechneten Mitgliedern mehrere befinden, die von ihren preußischen Tendenzen geheilt worden sind. Bedenkt man, daß die Fortschrittspartei in ihrem Wahlprogramme die annexionistischen Bestrebungen verläugnet hat, bedenkt man ferner, daß das bayrische Wahlgesetz die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung, welche das Großpreußenthum haßt, des Wahlrechts beraubt hat, so erhellt, daß das bayrische Bürgerthum, welches bisher in seiner Majorität preußenfreundlich gesinnt war, zum größeren Theil von seinem Wahn zurückgekommen ist. Seit Graf Bismard seine ,, nationale" ,,, deutsche" Politik durch Bildung einer ungarischen Legion bethätigte, ist Ungarn unausgefeßt der Gegenstand preußischer Aufmerksamkeiten gewesen, wie weiland in der Note des Hrn. Werther, des preu ßischen Gesandten am österreichischen Hofe, enwickelt ward. Nach einem Wiener Wochenblatt, dem Osten", würde neuer dings zwischen dem Stoß- ins- Herz- Grafen und Hrn. Kossuth über folgende Punkte verhandelt: ,, Von Seite Kossuth's verpflichtet man sich im Namen der Partei: 1) im Falle eines preußisch- französischen Konfliktes die österreichische Neutralität unter allen Umständen wenn nicht anders, auch durch offene Revolution- zu erzwingen; 2) auf vollständige Selbstständigkeit der Honved- Armee, Beeidigung der selben auf die Verfassung und ausschließliche Verwendung felben innerhalb der Landesgrenzen zu bestehen. der= Von Seite Preußens verpflichtet man sich: 1) zu Geldsubsidien in bedeutender Höhe für den Fall einer Aktion; 2) allen direkten und indirekten Einfluß des preußischen Kabinets, besonders im Orient, in Rumänien, Serbien u. s. w. dahin geltend zu machen. um bei einem etwaigen Zerfall Desterreichs Ungarn als ein selbstständiges Reich in die europäische Staaten familie einzuführen. Das sind die Hauptpunkte der von beiden Seiten gleich ernstlich angestrebten Abmachung; einige mehr persönliche Dinge will ich aus dem Spiele lassen. Zu definitiven Abmachungen ist es bis zur Stunde noch nicht gekommen, da Kossuth noch mit seinem letzten Worte zurückhält. Kommt es aber zu solchen, so dürfte Herr von Bismarck wieder die Rechnung ohne den Wirth gemacht und sich über die faktische Stärke einer ungari schen ,, Aktionspartei", wie er sie zu einem Stoße gegen Defter reich bereit haben will, entschieden Illusionen hingegeben haben." Wir wissen nicht, ob die Mittheilungen des„ Osten" richtig sind; was wir aber wissen, ist, daß Herr Kossuth, dessen Gesinnungslosigkeit und Feilheit wir seiner Zeit im„ Demokra tischen Wochenblatt" an den Pranger stellten, wohl fähig ist, sich an Bismarck zu verkaufen. Das Resultat der französischen Wahlen erscheint un so bedeutungsvoller, je genauer man es betrachtet. Die Oppo sition hat gleich bei der ersten Abstimmung 29 Size errungen 4 mehr als sie in der vorigen Kammer hatte; unde unterliegt feinem Zweifel, daß sie in den meisten der bevor stehenden 59 Stichwahlen den Sieg davon tragen wird. Die Opposition wird voraussichtlich fast den vierten Theil des ge sezgebenden Körpers bilden, was bei dem, Seitens der Regie rung ausgeübten Druck auf eine, unfre tühnsten Hoffnungen übertreffende Kraft des Widerstandsgeists schließen läßt. Aber noch günstiger gestaltet sich das Verhältniß, wenn wir die bei der ersten Abstimmung in ganz Frankreich für und wider die Regierung abgegebenen Stimmen nebeneinanderstellen. Für die Regierung 4,500,000. Gegen die Regierung 3,400,000! Drei Millionen, viermal hunderttausend„, unversöhnliche Feinde" des Kaiserreichs! Im Jahr 1857 waren es nur 571,000; bei der Wahl von 1863 waren es schon 1,900,000 und jetzt 3,400,000! Der Kaiser möge sich hüten! Und die Hauptstadt marschirt dem Lande voran. Paris war nie bonapartistisch, aber eine Zeit lang war es gelähmt. Wie es sich allmählig erholt, welch kolossalen Aufschwung die Opposition, die in Paris und überhaupt in Frankreich wesentlich republikanisch ist, in dem letzten Jahrzehnt genommen hat, zeigt ein vergleichender Blick auf die sämmtlichen Pariser Wahlen seit Errichtung des Kaiserreichs. = 1 Im Jahr 1852, unmittelbar nach dem Staatsstreich wurden sieben Regierungsfreunde Guyard Delalain, Devinc, Perrot, Fouché- Lepelletier, Lauquetin, Königswarter und Dr. Veron und zwei Republikaner: Carnot und Cavaignac gewählt. Die beiden letzteren verweigerten den Eid und räumten ihren Sitz, eine Ersazwahl ward nicht vorgenommen; 1857 wurden gewählt: vier Regierungsfreunde Guyard- Delalain, Devind, Königswarter und Fouché- Lepelletier, und fünf Regierungsgegner: Carnot, Cavaignac, Goudchaur, Ollivier und Darimon. Die drei ersteren der Oppositionskandidaten verweigerten den Eid und wurden bei der Nachwahl durch General Perrot, einen Regierungsfreund, und Picard und Jules Favre, Regierungsgegner ersetzt; 1863 ward fein Regierungsfreund gewählt. Die neun Gewählten: Havin, Thiers, Ollivier, Picard, Favre, Guéroult, Darimon, Simon, Pelletan gehörten den verschiedenen Schattirungen der Opposition an. Statt Havin's und Favre's, die für Provinzialdistrikte annahmen, wurde Carnot und Garnier Bagès gewählt, von denen der erstere nun den Eid leiſtete. Die gegenwärtige Wahl ist noch nicht zu Ende. Gewiß ist aber, daß kein Regierungskandidat durchdringen, und nur ,, unversöhnliche" Gegner der Regierung durchgehen werden. Noch augenfälliger tritt uns die wachsende Macht der Opposition in den Zahlen der Wähler entgegen, die bei den verschiedenen Wahlen in Paris gegen die Regierung stimmten. 1852: 86,101. 1857: 101,207. 1869: 231,778. 1863: 149,406. Jest enthält Paris in runder Summe 400,000 Wähler. Von diesen haben sich 90,000 enthalten und 305,531 getimmt; für die Regierung blos 74,504, d. h. 9000 weniger als bei der vorhergehenden Wahl, während die Feinde der Regierung seit 1863 über 80,000 Stimmen gewonnen haben. Paris ist nicht Frankreich. Aber es schlägt die Freiheitsschlachten Frankreichs. Bonaparte möge sich hüten! zunehmende Haltung zusammengehen. 4) Die föderale Junta dieser Provinz wird ein Manifest zu Gunsten der Föderativrepublik an das Land richten." Diese 4 Artikel bilden den sogenannten ,, Pakt von Tortosa". Es ist zu hoffen, daß dies Beispiel bei den Republikanern der übrigen Provinzen rasche Nachahmung finden wird. In einer der letzten Sizungen der Königsberger Stadt= verordneten, wo es sich um die Wahl eines Mitglieds der Provinzialstände handelte, gab Johann Jacoby folgende Erklärung ab: „ Ich halte das Bestehen der Provinzialstände für verfassungswidrig und werde daher nicht wählen. Die Ausfüh= rung des Herrn Referenten brauche ich nicht zu widerlegen, da bereits in der letzten Versammlung unser geehrter Vorsitzender die betreffenden Gesetze vorgelesen und zur Genüge dargethan hat, daß die Provinzialstände zwar de facto,*) aber nicht de jure*) be= stehen. Auch alle andern Redner haben sich in gleichem Sinne ausgesprochen; trotzdem glaubten sie wählen zu müssen, weil die Stände über öffentliche Gelder, Provinzial- Anstalten u. dgl. zu verfügen haben und möglicherweise aus einer Wahlenthaltung der Stadt Nachtheil erwachsen könne. Heute tritt die Frage aufs Neue an uns heran, Frage aufs Neue an uns heran, und obwohl ich nicht hoffen kann, Diejenigen zu überzeugen, die um jeden Preis wählen wollen, halte ich es doch für Pflicht, Sie nochmals auf die Wichtigkeit und Bedeutsamkeit des Schrittes aufmertsam zu machen, den man Ihnen anmuthet. Man sagt: Nüzlichkeitsgründe rechtfertigten die Vornahme der Wahl. Ich will nicht untersuchen, inwieweit die Gründe, die man anführt, richtig sind oder nicht; so viel aber steht für mich fest: wäre der materielle Schaden des Nichtwählens noch so groß, der mor a= lifche Schaden des Wählens ist jedenfalls von unvergleichbar größerem Gewicht. Im konstitutionellen Staate und in einem solchen leben wir doch liegt vor Allem dein Bürger die Pflicht ob, für Aufrechthaltung der Verfassung einzustehen; weder Aussicht auf Nuzen, noch Furcht vor irgend einem Nachtheil darf ihn bewegen, Etwas zu thun, gutzuheißen oder zu unterstützen, was der Verfassung zuwiderläuft. Handeln Sie anders, meine Herren, lassen Sie da, wo es sich um eine Verfassungsfrage handelt, durch Näglichkeitsgründe sich bestimmen, dann darf es Sie nicht wundern, noch weniger dürfen Sie sich darüber beklagen, wenn auch die Regierung ihrerseits die Verfassung unbeachtet läßt, so oft ihr dies für das Gemeinwohl nüßlich und zweckmäßig erscheint. Erwägen Sie wohl, was Sie thun! Politische Gewissenhaftigkeit ist der einzig wirksame Schutz für die Unverbrüchlichkeit der Verfassung; nehmen Sie der Verfassung diesen moralischen Halt, dann ist sie keinen Pfennig mehr werth, als jedes andere Stück Papier. Man wird Ihnen vielleicht sagen: ich sei kein politischer Mann, ich huldige dem verderblichen Grundfaße: fiat justitia, pereat mundus*** Sie sollen sich nicht verleiten lassen, einer unpraktischen Schritt zu thun, der das Interesse der Stadt beeinträchtigen könnte. Nun, meine Herren, ich acceptive den Grundsatz fiat justitia etc., meine Uebersetzung aber lautet: Thue recht und fürchte nicht, daß deshalb die Welt zu Grunde gehe: Und so rufe ich auch Ihnen zu: Thun Sie recht, meine Herren, und fürchten Sie nicht, daß die Stadt Schaden erleide!" In Spanien hat die republikanische Partei eine abwartende Haltung angenommen. Ob das flug ist, oder nicht, muß die Zukunft lehren. Die Delegirten der republikani schen Comite's in Barcelona, Tarragona, Lerida, Valencia, Castellon, Taruel, Saragossa, Hueska und derjenigen auf den Balearischen Inseln sind zu Tortosa zusammengetreten und haben folgende Resolutionen angenommen: „ 1) republitanische Partei von Catalonien und Aragonien ist der Ansicht, daß die Abstimmung zu Gunsten der Monarchie keine Veranlaffung zur bewaffneten Erhebung gegen die konstituirenden Cortes bieten dürfte, aber sie protestirt energisch und feierlich gegen diese Abstimmung, welche furchtbare Folgen haben kann. 2) Die Haltung der republikanischen Partei muß so lange friedlich ihre Vortheile. und zuwartend bleiben, als die von der Revolution proklamirten Rechte nicht offen verletzt werden. 3) Die conföderirten Republikaner der Provinzen, welche ehemals das Königreich Aragonien bildeten, werden stets in allen Fragen über die einIn der Debatte über den Hagen'schen Antrag meldete sich der Reichstagsabgeordnete Liebknecht siebenmal zum Wort; obgleich er sich möglichst bemerkbar machte, gelang es ihm nicht ein einziges mal, das Auge" des Präsidenten auf sich zu lenken. Gleich gewöhnlichen Sterblichen sind Reichst agspräsi= denten nicht allsehend, und die alte Rednerliste hat doch " *) Thatsächlich.**) Rechtlich, zu Recht. ***) ,, Das Recht muß zur Gelinng gebracht werden, und wenn die Welt darüber zu Grunde geht." Die sächsischen Landtagswahlen und die Ent- Arbeitern auch der mittlere Bürgerſtand zu ihr zählt, Candihaltung der Volkspartei.*) Am 4. Juni sollen die sächsischen Landtagswahlen auf Grund des neuen Wahlgesetzes vor sich gehen. Die Volkspartei wird, nach dem Beschlusse ihrer Landesversammlung, feinen Anlaß finden, sich daran zu betheiligen. Immerhin wird es unsern Lesern, auch beim Mangel eines unmittelbaren praktischen Interesses, erwünscht sein, einige Bemerkungen über die Landtagswahl von unserm Standpunkt aus hier aufgenommen zu finden. Das erste Bedenken, welches dem Wahlgesetze vom 3. Dez. 1868, nach welchem die Wahl vorgenommen wird, entgegen steht, ist sein Ursprung. Es fußt auf der Reaktivirung ( Wiederinkraftsetzung) des Wahlgefetzes von 1831 durch die Verordnungen vom 3. Juni 1850, und schon deßhalb kann die Volkspartei sich nicht an der Wahl betheiligen. Aus diesen oftrovirten Zuständen heraus gibt es nur Einen Weg, will man nicht auf das Wahlgesetz von 1848 zurückgehen: die Einführung des allgemeinen gleichen direkten Wahlrechts, das seine Berechtigung in sich selbst trägt, und bei dem jedem erwachsenen Staatsbürger die Möglichkeit, das angeborene Recht, gut regiert zu werden, geltend zu machen, in die Wahl gegeben wird. Das Wahlgesetz vom 3. Dez. 1868 hat diesen Weg nicht eingeschlagen. Es hat mit dem Makel seines Ursprungs, trotz mancher eingeführten Verbesserungen, auch den verwerf lichen Grundsatz jener Reaktivirung beibehalten, den bei weitem größeren Theil der Staatsbürger vom aktiven**), noch mehr aber vom passiven***) Wahlrecht auszuschließen. Es macht die Wahlberechtigung zur zweiten Kammer von einem Zensus direkter Steuern von jährlich 1 Thlr., die Wählbarkeit von einem Zensus von jährlich 10 Thlin., abgesehen von den außerdem aufgestellten Erfordernissen der dreijäh= rigen Staatsangehörigkeit und der Erfüllung des 25. Lebensjahres für das Wahlrecht, des 30. für die Wählbarkeit, abhängig. Damit ist dann der bei weitem größte Theil der Arbeiter von dem Wahlrecht, sind alle Arbeiter von der Wählbarkeit ausgeschlossen. Den Interessen der Arbeiter ist damit grundfäglich eine Bertretung in der zweiten Kammer verweigert. Die Verbesserungen gegen die früheren Wahlgesetze, daß dreijähriger Grundbesitz, dreijährige Gemeinde- Mitgliedschaft am Orte( Bezirkszwang) nicht mehr erfordert wird, sind für die Arbeiter gleichgültig. Die Zahl der solchergestalt von der Wahl ausgeschlossenen erwachsenen Männer ist vom Ministertische aus auf 150,000 geschätzt worden. Wenn man bedenkt, wie die indirekten Steuern vorzugsweise von den unbemittelten Klassen der Bevölkerung aufgebracht werden, dann liegt die Frage nahe, warum das Merkmal politischen Verständnisses vorzugsweise in den direkten Steuern gesucht wird, und mit welchem Recht diejenigen, welche sie entrichten, in Gesetzgebung und Steuerverwilligung über Wohl und Wehe der Ausgeschloffenen verfügen sollen? Es wird da ein Gegensatz aufrecht erhalten, der mit einem gefunden Staatsleben unverträglich ist, und welcher vor Allem einem Staate schädlich sein muß, welcher in seiner gefährdeten Lage der Anhänglichkeit aller Schichten der Bevöl ferung sich versichern sollte. Für die Volkspartei bietet das neue Wahlgesetz. zwar die Aussicht, daß sie in einer Anzahl von Bezirken, wo außer den *) Dieser Artikel traf zu spät für die letzte Nummer ein; obgleich beim Erscheinen dieser Nummer die Landtagswahlen beendet find, so theilen wir den Artikel doch seines belehrenden Charakters wegen noch mit. **) Recht, zu wählen. ***) Recht, gewählt zu werden. daten durchzusetzen hoffen könnte. Allein mit einem Verfassungswert, wie dem geschilderten, darf man sich nicht auf Compromisse einlassen. Mit viel mehr Aussicht auf Erfolg wird die Volkspartei die Einführung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts fordern, wenn keiner ihrer Angehörigen auf den Boden der Reaktivirung und Oftroyirung getreten ist. Auch die bisherigen Aenderungen der oftroyirten Wahlgesetze sind nicht aus dem freien Antrieb der Majorität in der 2. Kammer, sie sind durch die Agitation außerhalb der Kammer gekommen, und in dieser Agitation fortzufahren, sie zu verdoppeln, ist unsere Pflicht. Das fennzeichnet übrigens auch die Stellung der Volkspartei zur Fortschrittspartei und zu den Nationalliberalen, welche seiner Zeit für das Wahlgesetz von 1848 sich ereifert haben, nun aber wohlgemuth an der Wahl sich betheiligen, ja theilweise, wie es scheint, zu gemeinsamen Candidaten sich ver einigt haben. Eine sonderbare Art von Landtag wird übrigens, allem Anscheine nach, zufammentreten. Die feinen Schattirungen der ,, Bundesstaatlich- Conservativen", die sich mit dem Nordbund versöhnt haben, der ,, National- Liberalen" und der„ Fortschrittspartei" von einander zu unterscheiden, dürfte den Ange hörigen dieser Parteien selbst sehr schwer werden, wie denn in Dresden die ,, Fortschrittspartei" unter Anderen eine Liste von Candidaten aufgestellt hat, auf welcher in trauter Gemeinschaft mit den früher fortschrittlichen Gegnern ein Candidat empfohlen wird, der nach seinen bisherigen Antezedentien der Klasse der ,, konservativ" oder ,, bundesstaatlich- konstitutionell" bezeichneten Partei zugezählt werden müßte. Jedenfalls wird ein fanfter Annexionsdrang mehr und mehr im Vergleich mit frühern Landtagen sich geltend machen, während die Elemente des Widerstandes in den sogenannten „ Conservativen" theilweise gemindert erscheinen werden, neue Widerstandskräfte aber, wie sie die Volkspartei gestellt haben würde, von vornherein ausgeschlossen sind. Bei der nicht geringen Anzahl ganz neuer ,, Kräfte"( au Nachwuchs fehlt es eigentlich allen alten Parteien, wie denu für eine ziemliche Anzahl von Bezirken überhaupt nur ein Candidat bei drei sich betheiligenden Parteien aufgestellt ist), welche, nach den Candidatenlisten zu urtheilen, in die Kammer eintreten werden, darf man auf wunderliche Kapriolen des Miniaturparlamentarismus gefaßt sein. Vororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. An die Parteigenossen in Sachsen! zu Von den verschiedensten Seiten kommen uns Klagen 3 über die Schwierigkeiten, welche die Behörden der Selbstver waltung der Arbeiter- Kranken- und Unterstützungskassen in den Weg stellen. Wir fordern unsere Parteigenossen auf, mit aller Entschiedenheit ihre Rechte zu wahren. Den Umfang dieser Rechte schreibt das Gesetz vom 23. Juni und die Verordnung vom 15. Oftober 1868 vor. Die Parteigenossen werden gut thun, wenn sie sich das neue Gewerbe- Gesetz, das die oben an gegebenen Bestimmungen enthält und in jeder Buchhandlung zu haben ist, anschaffen. Die Arbeiter sind in ihrem Recht vielfach beschränkt, um so energischer wahre man das Recht, wo man, wie hier, es in der Hand hat. Leipzig, 2. Juni 1869. Für den Vorert: Bebel. Eine 8-10tägige Agitationsreise, die ich vom 5. d. M. an zu unternehmen habe, veranlaßt mich, darauf aufmerkjam zu machen, daß, falls an mich eingehende Briefe nicht sofort beantwortet werden, dies dem Umstand meiner Abwesenheit zu zuschreiben ist. Leipzig, 2. Juni 1869. Bebel. An die Arbeiter aller Berufsarten! Die Zimmergesellen in Leipzig, 1100 an Zahl, haben heute die Arbeit eingestellt, und zwar aus folgendem Grunde. Die hiesigen Gesellen erhielten bisher für den 12 ftündigen Arbeitstag( 6-7 Uhr) 18 bis 22 Groschen; dasselbe für Sonntagsarbeit von 6-5 Uhr. Ueberstunden wurden in demselben Berhältniß bezahlt. Da wir Zimmerleute nun im Jahre höchstens 210 bis 240 Arbeits- und Verdiensttage haben, so folgt, daß ein mitteler Arbeiter bisher höchstens 140-160 Thlr. verdienen konnte, also wöchentlich kaum 3 Thlr. Davon aber selbst eine fleine Familie zu ernähren, ist bei den stets steigenden Preisen der Lebensmittel von Tag zu Tag weniger möglich, geschweige denn eine zahlreichere Familie. Wir waren daher genöthigt, die Herren Meister um Lohnerhöhung zu bitten und es geschah dies auf ein stim migen Beschluß. Die von uns geforderten Lohnsätze waren, je nach der Jahres- und Arbeitszeit, für Wochentage: von 6 Uhr Mrgs. bis 7 Uhr Abds. 1 Thlr.- Gr. = 6 = = 7 H = = 6 5 712=== 412== und für Sonntagsarbeit: von 6 Uhr Mrgs. bis 5 Uhr Abds. 7 = = = = 4 = 3= 27%= 221/2 = = = 20= 1 Thlr. 10 Gr. 1= 4= = 1 = 11 = 712== Nach diesem Lohn- Tarif würde durchschnittlich ein Arbeiter etwa folgendes Einkommen haben: a) von Wochentagen: 115 Arbeitstage von 6 bis 7 Uhr 115 Thlr. 48 = b) von Sonntagsarbeit 12 Sonntage = 6= 6 = 44 18= = 16= 24 7 5= 1 24 = == 712= 412 = 6= 5 10 5 = = 712= 3 16 = 7= 4= 11%= = 15= = im Ganzen 238 Arbeitstage jährlich für 225% Thlr. oder wöchentlich, wenn die Arbeit flott geht und feine Unterbrechung leidet, noch nicht ganz 4½ Thlr., wovon noch ein namhaftes Geld für Anschaffung und Reparatur des Geschirres Arbeit eine unbillige Forderung? abgeht. Ist das bei unserer so harten und lebensgefährlichen Nachdem wir nun zuerst am 10. Mai den Herren Meistern unsere Forderung brieflich mitgetheilt und begründet hatten, luden wir sie nochmals zu einer Zusammenkunft ein, um uns gütlich zu verständigen. Es erschienen im Ganzen 8 Meister, von denen einer noch einen neunten vertrat. Diese 9 Herren nun konnten sich der traurigen Lage, in der wir uns befinden, und der Nothwendigkeit einer Verbesserung nicht verschließen, erklärten aber, daß sie nicht einseitig und vereinzelt vorgehen fönnten. Wir waren also genöthigt, die Arbeit einzustellen. Am letzten Freitag( 28. Mai) ist dieser Beschluß von 7-800 Zimmergefellen einstimmig gefaßt und im Pantheon einer Arbeiterversammlung von 3000 Personen vorgelegt und ebenfalls einstimmig gebilligt worden. An die Schuhmacher aller Länder! Der Ruf nach Vereinigung durchtönt bereits die ganze Arbeiterwelt! Jm Often wie im Westen, im Norden wie im Süden, ein Glied nach dem Andern schließt sich der allgemeinen Arbeiterbewegung an! Und was ist es, was alle diese Arbeitergruppen veranlaßt, sich zu vereinigen und zu organisiren? Es ist das Bewußtsein, daß der Einzelne im Kampfe um die Existenz, um ein menschenwürdiges Dasein untergehen muß. Auch in unsrer Branche ist das Sprüchwort: ,, daß das Handwerk einen goldnen Boden hat," zur Lüge geworden! Auch im Schuhmachergewerke wird es dem Einzelnen immer schwerer, immer unmöglicher, zum selbständigen Betriebe seines Geschäftes zu gelangen! Jminer abhängiger, immer ohnmächtiger wird auch der fleißigste Arbeiter und Kleinmeister dem Großkapital und der Großindustrie gegenüber. Die Concurrenz der Großproduktion, welcher der Nutzen und Vortheil der Arbeitstheilung zufällt, drückt Taufende und aber Tausende herab zu einfachen Fabrik- und Lohnarbeitern, die auch bei der angestrengtesten Thätigkeit nicht so viel verdienen, als zur allernothwendigsten Befriedigung der Lebensbedürfnisse ausreicht. Gewerksgenossen! ermannt Euch zum Handeln! Legt ab alle Gleichgültigkeit, alle Lauheit und alles Mißtrauen! lernt es exfennen: daß die Interessen der Arbeiter überall die gleichen sind! Verbindet Euch zum Schutz und Trutz gegen Brutalität und Inhumanität des immer mächtiger werdenden Großkapitals, bedenkt ,! daß wenn Eure Arbeitskraft erschöpft ist und Ihr alt und gebrechlich werdet, Euch Noth und Elend bevorsteht! Lernt aber auch einsehen, daß Ihr nur durch Vereinigung Eure Lage beffern, einem forgenfreien Lebensabend entgegen gehn könnt. Macht Ehre unfrem Hans Sachs und Jakob Böhme, die, obgleich sie schlichte Arbeiter, wie wir, waren, schon vor Jahrhunderten für Licht und Wahrheit kämpften! Tretet ein mit uns in den Kampf für Humanität und Gerechtigkeit für Alle und ehrt somit das Andenken oben genannter, unfrem Gewerke einst angehörender Männer! Groß an Zahl, wie wir sind, ist eine tüchtige Organisation das Allernothwendigste. Eine solche zu schaffen, war unser Hauptbestreben. Wir legen sie Euch in dem beigefügten Statut vor. Dasselbe ist geeignet, die Kollegen in und außer Deutschland mit einem festen Bande zu umschlingen, geleitet von einheitlichem Willen, den zu be stimmen in Eurer Macht liegt. Wie das Kapital nicht nach Landes- und Nationalitätsgrenzen fragt, wenn es sich um Nußen und Gewinn handelt, so muß auch der von ihm ausgebeutete Arbeiterstand ohne Rücksicht auf die Landesgrenzen sich zu verbinden suchen. Es soll nicht gesagt sein, daß dieser Organisationsplan nicht zu verbessern sei! Wir betrachten ihn vielmehr nur als Provisorium, das endgültig festzustellen einer Generalversammlung, beschickt von Euren Vertretern, vorbehalten bleiben soll! Vorläufig aber gilt es, sich überall auf Grund unsres Entwurfes zu vereinigen und dazu, Gewerksgenossen! fordern wir Euch dringend auf! Tretet zusammen! Vereinigt Euch! Sei die Zahl auch noch so klein, und habt Ihr die im § 20 des Statuts genannten Beamten gewählt, so zeigt uns dies an! Sobald eine Anzahl Orte sich auf Grund unfres Wir sind fest entschlossen, die Arbeit nicht eher wieder Entwurfes konstituirt haben, werden wir eine Generalversammund durch die Unterschriften der Herren Meister anerkannt sind. Anfangs August dieses Jahres thun zu können. aufzunehmen, als bis unsere gerechten Forderungen bewilligt lung einberufen und hoffen wir dieses bis Ende Juli oder Um aber siegen zu können, bedürfen wir eures Beistands, Kameraden. Nicht auf unsere Stärte allein hin haben Zum Schluß rufen wir Euch nochmals zu: Unterstützt uns durch Eure Theilnahme in unfrem Vorwir den Kampf mit dem Kapital aufgenommen, sondern im haben, das der Hebung unserer materiellen Lage gilt, damit ficheren Bertrauen auf eure brüderliche Hilfe. Ihr wißt, daß sich immer dichter und fester schließe jene große Kette von unsere Lage auch die eurige ist, unser Kampf der eurige, unser Arbeiterverbänden, die unter dem Namen: GewerksgenoffenSieg der eurige. Wir ersuchen euch daher, uns so rasch als schaften" dem Arbeiterstande eine bessere Zukunft und ein gebenden Beiträge sollen in den Parteiorganen veröffentlichtund über die Berwendung der Gelder ebenso Rechnung abgelegt werden. Leipzig, 31. Mai 1869. Mit brüderlichem Gruße Die Strife Kommission. A. Georg. Gelder und Briefe sind zu adreffiren an: A. Georg, Fregeftraße Nr. 11, Leipzig. Mit collegialischem Gruß und Handschlag: Das Comite der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Schuhmacher. Staub, Vorsitzender, Ullrich, Hammer, Heidler, Rosenbaum, Jllert, Windler, Hanke. Anfragen und Zuschriften erbeten unter der Adresse: Peter Ullrich, Gewandgäßchen Nr. 4. An die Baugewerksgenossen aller Staaten! Kameraden und Berufsgenossen! Welcher Nationalität Ihr auch angehören, welche Sprache Ihr auch sprechen möget, Eines haben wir doch Alle gemeinsam in unserm schwierigen Berufe, nämlich den Druck, den die Minorität der Bemittelten und Bevorzugten auf die große Masse der Arbeiter übt. Das Kapital nicht allein, die Spefulation, welche oft auf die leichtsinnigste Weise mit Hilfe unseres Schweißes, unserer Kräfte zu ersterem gelangt und zum großen Theil schon gelangt ist, stempelt uns auf Lebenszeit zu willenlosen Werkzeugen der Geldmacht: Bei keinem andern Gewerbe mit wenigen Ausnahmen ist die Erlangung einer Selbstständigkeit so schwierig wie beim Baugewerke, ja, was das Traurigste bei der Sache ist: je älter ein Maurer oder Zimmerer ist, desto mehr muß er, troß seiner reiferen Erfahrungen und Fachkentnisse der Jugendkraft weichen. nun auch die Zeit bald hinter uns, wo der Geselle vom Meister mit dem vertraulichen(?) Du angeredet, oft zum niedrigsten Knechtesdienst verwendet wurde; ist auch in manchen Orten durch Aufhebung der Meisterprüfung jedem andern intelligenten Manne die Aufführung von Bauten gestattet, dadurch wird die Konkurrenz nur gesteigert und die Löhne gedrückt und dem unbemittelten Arbeiter bleibt nur die Wahl, oft stundenweit der Arbeit nachzugehen und bei drückender Sonnenhiße, überhaupt jedem Witterungswechsel ausgesetzt, sein kümmerliches Dasein zu fristen, um nur für Einen ein besseres Dasein zu schaffen, nur Einen in furzer Zeit zur Wohlhabenheit zu bringen. Darum, Kameraden! Brüder! Lasset uns zusammentreten zu einem großen Ganzen, um mit vereinten Kräften an der Berbesserung unserer Lage und der Abschaffung aller gemein samen Uebel zu arbeiten. Das Erstere wollen wir durch gegenseitige Unterstützung in allen Wechselfällen der Noth, Letzteres durch gemeinsames mannhaftes Entgegenkommen bei Bedrückungen aller Art, welche die gesellschaftlichen Mißverhält nisse hervorgebracht haben. Demzufolge sind wir am hiesigen Orte am 25. Mai d. J. zu einer Internationalen Gewerksgenossenschaft der Maurer und Zimmerleute zusammengetreten, ohne irgend welche Parteinahme. Das unterzeichnete Komité ist beauftragt, einen Statutenentwurf auszuarbeiten, was mit möglichster Sorgfalt geschehen und welcher in nächster Zeit veröffentlicht werden soll. Wir fordern daher alle Gewerksgenossen auf, sich zusammen zu schaaren, zu organisiren, um baldigst in einem Con= gresse die Vereinbarung, Statutenberathung und die Wahl der Berwaltungsorgane vornehmen zu können. Eile thut Noth! Der Zeitpunkt ist günstig und das Interesse bereits überall erwacht. Lasset uns daher, fern von allem Partei- und Nationalitätenhasse, frei von partikularistischen Sonderinteressen einander als Brüder die Hand reichen zu gemeinsamem Handeln! Dresden, den 1. Juni 1869. Das Komité der internationalen Gewerkschaft der Maurer und Zimmerleute: Wilh. Ehregott Müller,( Maurer) Vorsitzender, wohnhaft kleine Frohngasse 5, parterre. Wilh. Adolph Wecke,( 3im mermann), Schriftführer. Böhme, Mende, Leonhardt, Weber, Große, Jakob, Neiße, Hunger, Ludwig. Ist " arbeiter an sämmtliche badische Arbeiter erlassen hat. I besagtem Aufruf werden die Arbeiter aufgefordert, eine Adresse zu unterschreiben an Seine Königliche Hoheit den Groß herzog", worin die Gewährung des allgemeinen und direk ten Wahlrechts mit geheimer Stimmgebung verlangt wird. Der Aufruf enthält Säße, die stark sozialistisc gefärbt sind. So wird im ersten Satz des Aufrufs erklärt daß die Arbeiter ,,, das machtlose Proletariat", auf sich selb gestützt vorgehen müssen. Man sucht zwar im zweiten Sas sich dagegen zu verwahren, daß die Arbeiter eine„, besondere Klasse bildeten", muß aber doch zugeben, daß ,, die Interessen der Arbeiter gegen die der übrigen Gesellschaft ganz andere sind", und namentlich die Fabrikarbeiter bei der immer sid steigernden Großproduktion„ ,, in eine immer abhängiger Stellung gerathen". ,, Die freie Concurrenz- das soziale Fauftrechtwelches die Gewerbefreiheit in sich birgt, bringt es mit sich, daß sich nach und nach das Kapital nur in einzelne wenige Hände vereinigt, das Proletariat fig immer mehr vermehrt und der Lohn des Arbei ters immer weiter herabsinkt, so daß wir in man chen Gegenden unseres engeren Vaterlandes unsern Brüder im Norden nicht mehr viel nachstehen. Dazu kommt noch, daß die Staatslasten durch die vielen indirekten Steuern zumei auf dem Arbeiterstande lasten." So lautet wörtlich der dritte Satz des Aufrufs. Da muß ja dem Dr. M. Hirsch ver Schreck die Butter vom Brode fallen. Die freie Konkurren sei das soziale Faustrecht", so etwas schreibt ein Hirsc Duncker'scher Gewerkverein? Fürwahr, es geschehen Zeichen und Wunder! Wenn so etwas am dürren Holze geschieht, was foll da aus dem grünen werden? Und dann heißt es gar: je mehr das Kapital in einigen wenigen Händen sich vereinige, zahlreicher wird das Proletariat und um so mehr sint der Lohn des Arbeiters!" Also so weit geht die Kezere schon, daß sogar das ,, Naturgesetz" von Angebot und Nachfrage in Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereinen als von Uebel angesehen wird! Wir könnten noch ähnliche Proben eines unbewußten Sozialismus anführen, wir glauben indeß, dies genügt. Der Aufruf wurde hervorgerufen durch die Circulation von drei andern Adressen, wovon zwei, die der katholischen Volks partei und der demokratischen Volkspartei, Auflösung der Kam mer und Einführung des allgemeinen gleichen direkten Wahl rechts verlangen, die dritte eine national- liberale Ergeben heitsadresse an den Großherzog ist. Leider hat auch ein fleine Zahl Arbeiter durch den Druck ihrer ,, Herren" sich bestim men lassen, die letztere Adresse zu unterzeichnen, sehr viele aber haben mit anerkennenswerther Entschiedenheit sich geweiger Die National- Liberalen, die früher hier und in der Umgegen alles beherrschten, haben die Leute von dem von ihnen fult für virten Schwindel selbst kurirt. Erst ließen sie ihre Leithämmel die Herren Kiefer u. Comp., hier große Reden halten das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht, und als diefelben Herren dann nach 4 Wochen in Offenburg zuſammentamen waren sie dagegen, weil sie fürchten, das Volk möchte dan sein Berdammungsurtheil gegen die Politik der Blunschli Consorten aussprechen. Der Ortsverein der hiesigen arbeiter zählt an 2300 Mitglieder. un Gold per Nürnberg, 31. Mai. Wie Ihnen bekannt ist, wur der„ Nürnberger Anzeiger" und unser Arbeiter- Bildung Bürich, 30. Mai. Dem Aufruf zur Beschickung eines Verein wegen ,, Veröffentlichung eines Aufrufs zu einer Congreſſes der Metallarbeiter behufs Gründung einer Inter- botenen Sammlung" für die Baseler Arbeiter, in Anklagestan nationalen Gewerksgenossenschaft der Metallarbeiter versezt. Das hiesige Stadtgericht erkannte auf Freisprechun wie er von den Nürnberger Collegen ausgegangen ist, schließt Der Staatsanwalt legte Berufung ein und arbeitete eine Dent sich der hiesige Internationale Berufsverband der Metall- schrift aus, worin er des Langen und Breiten die Stellun des Arbeiter- Bildungs- Vereins zur Internationalen Arbeiter affoziation zu beleuchten versuchte. Der höchft mißlungene Ber Pforzheim, 30. Mai. Dem ,, Arbeiterführer" Dr. Max such konnte jedoch nur dazu dienen, die Grundlosigkeit der A arbeiter hiermit an. Morf, Präsident. Da Hirsch wird eine Gänsehaut über den Nacken laufen, wenn er flage zu beweisen und ist nun die Berufung verworfen, den Aufruf liest, welchen unser, auf Grund der Hirsch freisprechende Urtheil bestätigt und die Deckung der Klageto der Staatskaffe überwiesen worden. Der national- liberal Dunder'schen Statuten gegründeter Ortsverein der Gold f gt Pt, d Bundestag" in Caffel, die Delegirtenversammlung des Bourgeois- Bundes der sich Arbeiter- Bund nennt, scheint gründlich Fiasko gemacht zu haben. Die hiesigen Blätter ( ,, Kurier" und ,, Fortschritt"), die in gemeinen Schimpfereien im vergangenen Jahre gegen die Majorität des Nürnberger Arbeitertages den Münchener ,, Volks- Boten" überboten haben, gaben sehr fleinlaut Bericht über den Casseler Bundestag, um ihre Lügen vom vorigen Jahr über die, wie sie es nannten durch die Volkspartei ,, erschlichenen" Majorität nicht ans Licht tommen zu lassen. Mit der frechsten Ungenirtheit brachten sie damals erlogene Zahlen bei; um zu beweisen, daß die eigentliche Majorität hinter ihnen stünde. Wie sehr sie der Wahrheit ins Gesicht geschlagen, hat der Bundestag bewiesen. Berlin, 27. Mai. In der am Sonntag Vormittag in der Tonhalle vom„, Demokratischen Arbeiterverein" veranstalteten Arbeiterversammlung, welche von mehr als 300 Personen besucht war, referirte der Vorsitzende des Vereins, Milke, in einstündiger Rede über die gegenwärtigen Arbeitseinstellungen, die Internationale Arbeiterassoziation und das Verhalten der belgischen Regierung bei den Vorgängen zu Seraing. Nach dem Referate über dieses Thema, welches den Lesern dieses Blattes genügend bekannt ist, schlug Milke folgende Reso= Intion vor: ,, Die Erkenntniß, daß die Arbeits- Einstellungen, so be= rechtigt und nothwendig sie auch gegenüber unmenschlichen Lohnverhältnissen und den Arbeiter entehrenden Anforderungen sein mögen, nicht allein im Stande sind, die völlige Befreiung der arbeitenden Klasse von der Ausbeutung des Kapitals herbeizuführen; die Erkenntniß ferner, daß die Interessen der Arbeiter aller Länder die gleichen sind und die Erreichung ihrer Ziele nur durch ein brüderliches Band in allen Ländern ermöglicht werden kann, beſtimmt die Versammlung, sich mit den Grundsätzen der internationalen Arbeiter- Assoziation einverstanden und den freien Volksstaat, also die Republik, als die nothwendige Vorbedingung zur Lösung der sozialen Frage zu erflären Es traten darauf die Herren Blund und Schmidt auf und vertheidigten unter Bravo und Zischen die Fortschritts partei und die Volkszeitung gegen die ihnen von Seiten des Referenten gemachten Borwürfe, daß sie den faktisch bestestenden Streit zwischen Kapital und Arbeit wegläugnen und die Internationale verdächtigen. Blund und Schmidt nahmen sich der Herren Schulze= Delizich und Dunder- Hirsch warm an und empfahlen den ArNachdem noch Dr. Meyerstein über verschiedene, das Thema nicht streng berührende Dinge gesprochen, entwickelte Aron in längerer vortrefflicher Rede die politische Seite des Themas, indem er die Republik als das letzte Ziel des Strebens jeder wahrhaften Demokratie hinstellte. Die politische Frage sei von der sozialen nicht zu trennen und die Lösung der einen ohne die andere nicht möglich. Einerseits könne man die Lösung der sozialen Frage vom jezigen Staate, d. h. der Monarchie, und sei sie noch so freisinnig, nicht erwarten. Andererseits sei die Republik allein, ohne Lösung der sozialen Frage, nicht geeignet, uns etwas zu nützen. Beweis: Amerika und die Schweiz, wo die soziale Lage der Arbeiter ebenso elend sei, als bei uns. Unser Wahlspruch sei: Die Republik müsse die Produktionsver= hältnisse umgestalten. Die verschiedenen politischen Parteien betrachtend, keun= zeichnete er besonders den sozialistischen Nationalliberalismus. Die beantragte Resolution ward nach 3stündiger Sizung mit großer Majorität angenommen. Die hiesige Volkszeitung" berichtet über unsere Versammlung: Wir unsererseits halten es für überflüssig, die gegen die Fortschrittspartei sowie gegen die Volkszeitung in der Debatte laut gewordenen, bei diesen Leuten üblichen Verläundungen an dieser Stelle zu widerlegen. Der allen offenliegenden Thatsachen hohnsprechenden Behauptung des Vorsitzenden dieses sodeutsche Fortschrittspartei mit dem gegenwärtigen Ministerium genannten demokratischen Arbeitervereins gegenüber, daß die Kompromisse geschlossen habe, wollen wir aber mit unfrer Meinung nicht zurückhalten, daß derartige Resolutionen, wie sie am Sonntag von einer winzigen Anzahl Personen gefaßt sind und die überspannten Reden, welche in der Volksversamm= effen der Arbeiter von der großen, gemeinsamen Aufgabe des lung gehalten worden sind, und die darauf abzielen, die Interdeutschen Bürgerthums zu trennen, lediglich und direkt dem herrschenden System zu Gute kommen können. Indessen haben wir die Ueberzeugung, daß die große Masse der intelligenten Berliner Arbeiter von diesen Ueberspanntheiten Extravaganzen einiger Schreihälse sich nicht verlocken und zu bewußten oder unbewußten Bundesgenossen der Reaktion stempeln lassen wird." und Nachdem also die Redaktion dieser biedern ,, Volks"-Zeitung sieben Monate lang vergeblich bemüht war, uns ganz beitern das Schulze'sche Radikalmittel: Bildung und das Hirsch- todtzu schweigen, verdächtigt sie uns jetzt bei ihren Lesern. Grund der Muſterſtatuten. Dagegen wandte Hepner ein, daß wirklich an, weil sie sich dadurch nur compromittiren würde. unserer angeblichen„ Berläumdungen“ führte die Bolkszeitung die Bildung" nicht sofort den materiellen Wohlstand herbei daß das soziale Elend bestehe. Gerade die wirklich Gebildeten zeitung gegenüber jenem würdevollen Aufruf der Inter= führe, sondern höchstens zur Erkenntniß und Einsicht führe, Referent Milke fennzeichnete nämlich das Gebahren der VolksDas gelehrte Proletariat. gern studirt", so könne auch umgekehrt ,, der knurrende Ma= Wie ,, der volle Bauch nicht den ruſt haben!" Erſt müſſe der Arbeiter etwas im Magen haben und dann werde er sich ,, bilden". und Vermittlung" nach Hirsch- Dunder'schen Muſterſtatuten ausWas eine Aussöhnung richten könne, das hätten die jüngsten Tage gelehrt. Viele der Berliner Materialwaarenhändler, welche sich schriftlich verpflichtet zeichnet hatte und diese Bemerkung des Referenten hat natürlich die Volkszeitung so außer sich und in Flammen gesetzt, daß sie uns aus Wuth und Rache zu„ Bundesgenossen der Reaktion“ stempelt, wie sie es einſt mit Ferdinand Lassalle gethan. Wie lange noch wird dieses Hoforgan der Bourgeoisie den Volksgeist korrumpiren können? Berlin, 2. Juni. Am Dienstag hatte der ,, Demokratische hatten, auf Grund jener Muſterſtatuten am Sonntag Nachmit Arbeiterverein" eine öffentliche, sehr zahlreich besuchte Versammtag von 2 Uhr ab das Geschäft zu schließen, seien wieder lung, in welcher Liebknecht über die politische Stellung der davon zurückgetreten und noch mehr würden in Kürze den RückSozialdemokratie, insbesondere mit Rücksicht auf den Nordfall bekommen. Es sei daher nothwendig, daß der Staat deutschen Reichstag sprach. Der Redner entwickelte, daß die soziadurch ein Gesetz den Normalarbeitstag festsetze. listische Bewegung reaktionär wirken müsse, wenn die Sozialisten geleitet wird, sei hier bloß bemerkt, daß eine der von dem Leitungsaus- führen; daß der politische Kampf sich vor Allem gegen die preu= Sehr gründlich. Um zu zeigen, in welchem Geist dieser„ Bund" nicht im strengst demokratischen Sinne den politischen Vorkampf Schuß( Borort) vorgelegten Refolutionen die Internationale Arbeiteraffo- ßische Regierung richten müsse; daß der Glaube, durch das allziation den reaktionären Regierungen Europas denunzirt, und die gemeine Stimmrecht unter dem jetzt herrschenden System etwas feien durch die Internationale Arbeiteraffoziation dazu verführt worden, ebenso infame als stupide Bourgeoislüge enthält, die belgischen Arbeiter fich von den belgischen Soldaten niedermezzeln zu lassen! erreichen zu können, blos geeignet sei, die Thatkraft der Arbeiter zu lähmen, und daß die sozialdemokratische Partei somit von jeder Wirksamkeit im Norddeutschen Reichstag als einer begrüßt, tonnte er endlich ausreden und verlangte Debatte über zwecklosen Vergeudung der Kräfte abzusehen habe. ( Den ausführlichen Bericht, welcher uns zugesandt worden ist, können wir erst in nächster Nummer mittheilen. D. Red.) Dresden, 1. Juni. Die Internationale Gewertsgenossenschaft der Bauarbeiter( Maurer, Zimmerleute 2c.) ist gegründet. Am vergangenen Sonnabend hielten wir hier eine Versammlung ab, an der sich ungefähr 500 Personen be= theiligten. Herr Bebel aus Leipzig hielt einen Vortrag über Zweck und Wesen der Gewerksgenossenschaften und erntete dafür reichen Beifall. An den Vortrag knüpfte sich eine Debatte, an der eine ganze Reihe der Anwesenden sich betheiligte, und zwar sprachen sich sämmtliche Redner für sofortiges eingreifen des Vorgehen aus. Schließlich wurde ein Comite aus 11 Bersonen gewählt, welches die weiteren Arbeiten in die Hand neh men soll. In erster Linie wurde hierzu das Bureau, bestehend aus Herrn Müller als erstem Vorsitzenden, Herrn Böhme, zweitem Vorsitzenden, und Herrn Wecke, Schriftführer, gewählt. Mit einer kräftigen und zu Herzen gehenden Ansprache forderte hierauf Herr Müller die Anwesenden auf, der Gewerksgenossen schaft beizutreten; das Resultat war, daß sich sofort 150 Mann einzeichneten und ihre Einschreibegebühren bezahlten. Um 11 Uhr schloß der Vorsitzende die außerordentlich ruhig und taktvoll verlaufene Versammlung. Wir hoffen in ganz kurzer Zeit bedeutend zu wachsen, namentlich werden wir die um Dresden liegenden Dörfer, in denen die Hauptmasse unsrer Collegen wohnt, ins Auge fassen, dort Versammlungen abhalten und zum Beitritt aufmuntern. Eisenberg im Altenburgischen, 31. Mai. Gestern hatten wir hier ebenfalls eine Arbeiterversammlung, die von vielleicht 250 Personen besucht war, in der Herr Brodmann aus Gera einen Vortrag über die Arbeiterbewegung hielt. 31 Zeugmacher und 8 Fabrik- und Handarbeiter erklärten sich bereit, der Juternationalen Gewerksgenossenschaft beizutreten, auch beschlossen ungefähr 20 anwesende Maurer und Zimmerleute bei ihrem Quartal, das nächsten Montag sein soll, ihre Collegen zum Anschluß an die Internationale Gewerksgenossenschaft der Bauarbeiter aufzufordern. = Leipzig, 3. Juni. Wir sind heute in der Lage, über eine Skandal Versammlung sonder Gleichen berichten zu müssen. Für gestern Abend hatte das Comité der„ Internationalen Gewerksgenossenschaft der Metallarbeiter" eine Metallarbeiterversammlung einberufen, und Hrn. Bebel als Referenten dazu eingeladen. Die Versammlung war von 5-600 Berfonen besucht, darunter aber auch viele Cigarrenmacher, Schneider und Zimmerleute von den Schweitzer schen Arbeiterschaften. Der Zweck der Anwesenheit dieser Leute wurde bald klar. Hr. Jungmann eröffnete die Versammlung und forderte zur Wah eines Vorsitzenden auf. Hr. Schmalz ner) erhielt dadurch d'ie Majorität, daß die fremden Gewerke Es den Antrag, resp. für sich das Recht der Vertheidigung. ist uns nicht möglich, den weiteren Verlauf der Versammlung zu schildern. Hr. Klang, Literat, früher in Diensten der Gräfin Haßfeldt, seit 8 Tagen gutbezahlter Agitator" des Schweitzer'schen Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, unterstützte in heftiger Rede Hrn. Petzoldt. Die Versammlung wurde schließlich so unruhig und tumultuarisch, die Entrüstung über das freche Auftreten und die parteiische Handhabung der Ord nung durch den Vorsitzenden so mächtig, daß letzterer plötzlich die Versammlung schloß. So war den Standalmachern zwar die Hintertreibung der Versammlung gelungen, gewonnen aber haben sie dadurch nichts. Nach der Versammlung traten sofort ungefähr 30 Me tallarbeiter, Angehörige fast aller größeren Werkstätten und Fabriken zusammen und beschlossen, die Agitation mit aller Energie zu betreiben. Es wurden sofort die nöthigen Statuten und Aufrufe vertheilt und Listen angefertigt, die in den Wertstellen und Fabriken zur Unterschrift zirkuliren sollen. Bis Sonn abend den 12. Juni sollen diese Listen eingezogen werden und die Constituirung stattfinden. Ohne Zweifel wird die Bethei ligung eine sehr zahlreiche. 11 Was übrigens der Vorsitzende Leineweber für ein Mensch ist, geht daraus hervor, daß in Nr. 61 des Sozial Demokrat" der Ortskassirer der Holzarbeiterschaft in Berlin öffentlich vor ihm warnt, und um Anzeige des Aufenthalts bittet, um ihn vor Gericht belangen zu können. Die hiesigen Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins kannten diesen Steckbrief, ihr moralisches Gefühl setzt sich aber über solche Kleinigkeiten hinweg. Den Literat lang betr., ver weisen wir einfach auf sein früheres Blatt, die ,, Freie Zeitung" welche ihin einen Nachruf widmet, der ihn zum würdigen Gol legen Leineweber's stempelt. Leipzig, 1. Juni. Unser hochweiser Stadtrath hält es für nothwendig, im ,, Tageblatt" die feiernden Zimmerge fellen auf die betreffenden Paragraphen des Gewerbegejeze aufmerksam zu machen, wonach jeder moralische oder materielle Zwang zur Arbeitseinstellung mit Strafe bis zu 6 Wochen die vorige Woche die Gerichtsamtsbehörde der feiernden Eigarren Gefängniß belegt wird. Eine ähnliche Bekanntmachung erlies arbeiter wegen. Man will damit, behaupten die Einen, Arbeiter vor unbedachtsamen Schritten warnen, Andere meinen, die Arbeiter, wenn man ihnen die Strafparagraphen unter d das sei eine gelinde Pression und ein Einschüchterungsversuch gege Nase hält. die Leipzig, 3. Juni. Die hiesigen Zimmergesellen haben die Arbeit nunmehr definitiv eingestellt.( S. oben.) Wir bit ten die Parteigenossen, Beiträge entweder durch den Voront oder direkt an A. Georg, Fregestr. 11 hier einzusenden. Zur Kennzeichnung der Art, wie die Meister kämpfen, dien und Hr. Leineweber wurden vorgeschlagen, letzterer( Cassallea- daß sie u. A. falsche Plakate anheften ließen, nach denen trotz der Einwendungen Hrn. Jungmanns für ihn stimmten. ist zu fonstatiren, daß Zimmerleute aus dem Militär aushilfs das Comité der Strikenden die Arbeit erlaubt habe! Ferner Hr. Leineweber erklärte unter lebhaften Protesten des Comités weise verwendet werden! Die Gesellen haben beim Kriegs die Versammlung für eine allgemeine. Hr. Luscher( Hatzfeldter), von den Schweizer'schen auf den Schild gehoben, wurde 2. Vorsitzender. Darauf nahm Hr. Pezoldt, Schuhmacher, das Wort, und begründete, indem er vorgab, zur Geschäftsordnung zu sprechen, in längerer Ausführung, wobei er häufig von dem Rufe zur Geschäftsordnung!",„ Schluß!" unterbrochen wurde, eine Resolution, wornach Hr. Bebel laut Beschluß einer Arbeiterversammlung vom 19. März„ unwürdig“ sein sollte, in einer Versammlung wieder zu sprechen. Beifall und lebhafter Widerspruch. Der Vorsitzende, der sich durch die größte Barteilichkeit auszeichnete, wollte ohne Debatte über den Antrag Bezoldt's abstimmen lassen, allein Bebel protestirte und verlangte das Wort. Anfangs von den Lassalleanern heftig unterbrochen, mit Pfeifen, Zischen und einem hundeartigen Gebell Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht ( Redaktion: Brauftr. 11). ministerium energisch dagegen proteſtirt, hoffen wir: gutem Erfolg! mit Brieffaften. Arbeiterbildungsverein Judenburg: Die 2 Guldenfcheine reichen für 2 Quartale; Sie erhalten also die Nummern des ganzen laufenden und des nächsten Quartals( bis zum 1. Ottbr.) Bericht über den ersten Verbandstag der Sächsischen Consum- Vereine. Breis 4 Ngr. Jn Partieen 10% Rabatt. Bestellungen Bestellungen au das Verbandsdirektorium in Leipzig. Jubalt: 1. Geschäftsbericht der Centralstelle des Verbandes 2. Verhandlungen des I Berbandstages. 3. Bericht über die mit dem I. Verbandstag verbundene Waarenausstellung. 4. Sächſiſches Genoffen schaftsgesetz nebst Ausführungs- Berordnung. 5. Musterſtatut für Gon fum- Bereine. 6. Statut des Verbandes Sächsischer Consum- Bercine } Leipzig. Druck und Verlag: F. Thiele. Expedition: Petersstraße 18. Sierzu eine Beilage Bettage zum wemonturyjujen wonjenom***. 20. Aufruf der Internationalen Manufaktur-, Fabrik- und HandarbeiterGewerksgenossenschaft beiderlei Geschlechts ( Sit Eßlingen a. N. in Würtemberg) an alle Weber, Zuch-, Buckskin- und Zeugmacher, Wirker und Bosamentirer, Spinnerei-, Appretur: und Färberei- Arbeiter, Garn und Waarendrucker und Affommodeure, sowie Fachverwandte und Silfsarbeiter jeglicher Stellung. = Arbeitsgenossen aller Länder! Der Vereinstag deutscher Arbeitervereine hat im vorigen Jahre zu Nürnberg durch die Mehrheit seiner Mitglieder den Grundsatz der Internationalen Arbeiter- Association, daß die Befreiung und Selbstständigmachung der arbei tenden Klaffen durch die Arbeiter selbst, und nur durch diese, anzustreben sei" zu dem seinigen gemacht. Wie wir durch unsere damaligen Bertreter unser überzeugungsfestes Ja dazu gesprochen haben, daß wir diesen Satz als richtig anerkennen und ihn wahr machen wollen, so haben wir bei Einberufung eines Congresses unferer Berufsgenossen nach Leipzig( zu Pfingsten) den erſten Schritt vom Wort zur That gemacht. Die Gründung eines Verbandes unserer Arbeits- und Leidens- Gefährten ist in den verfloffenen Pfingsttagen zu Leipzig beschlossen worden,- eines Verbands, durch den uns die Mittel gesichert werden können, um neben all dem vielfach Versuchten und Ergriffenen zur Besserung unserer Lage einen nachhaltigen Schutzdamm für unsre Klassen- Interessen und unsre Ehre aufzurichten. beiderlei Geschlechts, an Euch ist es zunächst, auf den Kampfplatz zu treten. Nur im Vertrauen auf Eure bewährte Ausdauer und Treue haben wir die Führung für das erste Lehrjahr unseres Werkes zu übernehmen gewagt! Niemand weiß, wann die Noth bei ihm angeht, wann Krankheit und Unglück über ihn kommen, an Euren Verstand, an Euer Herz zugleich, Ihr ledigen und freien Arbeiter und Arbeiterinnen, an Euer Gewissen, Ihr Familienväter und Mütter, laßt unsre Worte dringen. Laßt sie nicht ungehört! Ihr sinkenden Kleinhandwerker, wählt, wo Ihr hingehört, wo Eure Existenz noch gegen die Concurrenz des Großkapitals Schutz findet! = Und wie wir Euch Alle hiermit zur That ermahnen und begeistigen wollen, so sind wir auch jeden Augenblick bereit, mit Muth und Ueberlegung Alles für Euch aufzunehmen, was Ihr uns als Ehren Arbeit auferlegt. Der geistige VerkehrsOrt, den der Congreß vorläufig für uns gewählt hat, das Demokratische Wochenblatt zu Leipzig," wird uns in stetiger Fühlung erhalten. Pflegen wir unser Organ, verbreiten wir es eifrig, als den Mittelpunkt unfres Sinnens und Schaffens, als unsern Dolmetscher nach allen Seiten hin! zeit Nachricht und Rechenschaft über unsre Arbeiten geben, werJm ,, Demokratischen Wochenblatt" werden wir Euch jederden wir einen Arbeitsmarkt für unsre verschiedenen Branchen zu eröffnen suchen; die befreundeten Blätter der verschiedenen Gewerksgenossen! Trachtet darnach, daß Ihr nicht länger mit Länder und Zungen werden uns brüderlich zur Seite sein. den Arbeitsgesuchen, deren Zahlung Ihr Euch am Munde Organ in die Reihe der gelesensten Blätter emporabdarbt, die gegnerische Presse mästen müßt; helft unser heben, daß unser Wille ungefälscht kund werde und unfre öffentlicher Versammlung,( vor Boltstribunalen) fordert Rechte zu Gehör aller Welt gelangen. In der Presse, wie in Wie unsre Noth und unsre Leiden allerwärts meist von denselben Ursachen herrühren, so dürfen auch die Mittel zu deren Bekämpfung und Beseitigung, wenn sie wirksam sein sein sollen, keine getheilten sein, und indem wir in der neubegründeten ,, Jnternationalen Manufaktur- und Handarbeiter Gewerksgenossenschaft beiderlei Geschlechts" den weitesten Raum zur Betheiligung der Berufsgenossen ohne Unterschied von heit und Wahrheit, Mäßigung und Gerechtigkeit feien die Dränger und Feinde auf, zu Rede und Gegenrede; OffenSprache und Lebensstellung gegeben haben, dürfen wir Eure Waffen und Euer Schild! Dessen aber bleibt immer erwarten, daß unser Ruf genügen werde, um Euch zu Taufen eingedenk, daß kein Recht ohne Pflicht, keine Pflicht den in unsere Reihen zu führen. Der Grundgedante unſerer Vereinigung iſt: dem bitter ohne Recht sein soll! Wir bauen auf Eure Schultern mit der Zuversicht rechtsbewußter Kämpfer; einmüthig handelnd und ausdauernd, wird unser gutes Recht, unsre Armuth, nicht zum Spotte der Gegner werden; unser Wirken und Streben ihren traurigen Folgen in erster Linie abwehrend zu be= gegnen und ihn überall muthig anzugreifen, wo er als Drohung gegen die Ehre und das Recht der bedrängten Arbeit sicher zuführen, als es unsrem Werke Leben und Achtung, eine auftreten follte. Die Opfer, die wir uns zur guten Stunde dazu aufheilbringende Zukunft bereiten wird. Vorort: Crimmitschau i. Sachsen, 26. Mai 1869. = erlegen müssen, sind unerläßlich und auf dem Leipziger Congreß Die Internationale Manufattur, Fabrit und Sandarbeiter genau bemessen worden, damit es auch dem Aermsten möglich werde, sich uns anzuschließen. Je stärker Eure Betheiligung, desto leichter werden die Lasten, desto geachteter wird unser Wille sein! Nahezu an 4000 Köpfe haben sich auf dem ConGewerks- Genossenschaft. Jul. Motteler erster H. E. Müller zweiterf Vorsitzender. Wir richten hiermit an sämmtliche Mitgliedschaften das fichere Beitritt in Aussicht gestellt. Beachten wir indeß, daß der Statuten zu wählenden Beamten, also: eines Bevollmäch greß vertreten lassen, von annähernd ebensovielen ist uns der Ersuchen, uns sofort die Namen und Adressen der nach§ 20 unſeren Reihen die bitterste Armuth, die sprüchwörtliche tigten, eines Beitragsammlers und eines Controleurs anzuWebernoth", thatsächlich heimisch gemacht hat und Tag für zeigen. Name und Adresse desjenigen, bei dem die Wandersich in Tag steigert unterstützung ausgezahlt werden soll, ist ebenfalls mitzutheilen. Kann die Wanderunterstützung nur innerhalb bestimmter Stunden am Tage erhoben werden, so ist dies ausdrücklich in der Anzeige zu bemerken. Ferner ist uns die Zahl der starten, Statuten und Quittungsbücher anzugeben, die jeder Ort braucht, auch sind innerhalb 14 Tagen die vorläufigen Mitdie Bosamentire von Geyer, an ( denkt an den Mülsener Grund, an die Spizentlöppler im Erzgebirge, an die Bandweber von Basel!) Kräfte reichen, für die gemeinsame Sache einzutreten, Säuund wir müssen uns angetrieben fühlen, so weit unsere mige aufzumuntern, Unklare zu flären, Zuwachs zu werben. Unser bündig gehaltenes Statut bietet Jedem Weifung und gliederlisten einzureichen. Anhalt zur Aufklärung und zur Organisation neuer Mitgliedjchaften. Alle Briefe und Einsendungen sind an den Unterzeich neten, alle Gelder an den Hauptkassirer Ernst Stehfest hierCrimmitschau, 29. Mai 1866. ihren Werberuf in die Runde; jeder Einzelne fühle sich be= Wo irgend eine solche sich gebildet hat, da entfende sie selbst einzusenden. bern auch weiteren Anhang zu schaffen, dann werden unsere Kräfte erstarten und ausdauern, unsere Thaten Bestand haben. Mitglieder unfres Verbandes, deutsche Arbeitsgenossen Für den Verwaltungsrath: Jul. Motteler. Weiße Sklaven. Man schreibt uns: ,, Daß in unserm civilisirten Sachsen ebenfalls gemüthlich geprügelt wird, davon ein Beispiel, welches sich in letzterer Zeit auf dem Freigut Strießa bei Oschatz zugetragen hat. Ein beim Besizer Rennert in Dienst stehender Knecht ward von Ersterem in Folge eines unbedeutendem Versehens dermaßen mit der Reitgerte traktivt und das Auge dei dieser Exekution so schlimm verlegt, daß er nothgedrungen sich andern Tags in die, eine halbe Stunde entfernt liegende Stadt Oschatz begeben mußte, um sich einen Arzt zu suchen. Gleichzeitig wollte er einen Advokaten nehmen, der ihm zu seinem Recht verhelfen und bewirken sollte, daß seinem noblen Herrn die Heilkosten nebst Entschädigung zuerkannt würden. Aber hier hatte sich der arme Knecht gründlich verrechnet. Er klopfte bei diesem und jenem Advokat und Arzt an, erzählte jedem jeine traurige Lage aber seiner wollte, obgleich sie seinen Zustand für sehr bedenklich hielten, sich feiner annehmen, indem dieje Herren sich das Mißfallen des Herrn Rennert nicht zuziehen wollten; derselbe hat nämlich in dortiger Gegend ein bedeutendes Jagdgebiet, und es wäre doch gar zu schlimm gewesen, dann nicht mehr zur Jagd eingeladen und in den sonstigen Freundschaftsbezeugungen beeinträchtigt zu werden! Der hülflose Mann trat nach langem, vergeblichem Um hersuchen den Rückweg an, mit dem Bewußtsein, daß er nirgends Beistand bekäme. Um eine Kleinigkeit zu kaufen, begab er sich in einen Kaufladen; sein Ausschen fiel auf und man fragie ihn, warum er das Gesicht verbunden habe, worauf er den ganzen Vorgang erzählte. Der Ladeninhaber und noch meh rere Anwesende waren so empört, daß sie augenblicklich auf Mittel sannen, dem armen Menschen zu helfen. In diesem Augenblic ging ein Militärarzt der dortigen Garnison vorbei, und die Leute machten den Knecht auf diesen menschenfreundlichen Mann aufmerksam. Der Knecht ging hinaus und er zählte dem Arzte die Sache, worauf dieser mit dem Weißhan delten sofort in seine Behausung sich begab und ihm versprach, weitere Schritte in der Angelegenheit zu thun." ( Es wäre zu wünschen, daß die Namen der sauberen Herren Aerzte und Advokaten, die dem Weißhandelten ihre Dienste verweigerten, der Oeffentlichkeit übergeben würden. Eine wahre Schmach wäre es aber, würde Herr Rennert nicht vor die Schranken des Gerichts gezogen. Bücherschan. D. Red.) Der Anschluß Süddeutschlands an die Staaten der preußischen Hegemonie; sein sicherer Untergang bei einem französischpreußischen Kriege. Mahnung an alle Patrioten. Mit wissenschaftlichen Gründen dargethan von einem deutschen Offizier.( Artolay.) Motto: Such nur die Menschen zu verwirren! Sie zu befriedigen, ist schwer!( Goethe.) Zürich. Verlags- Magazin. 1869. 58 Seiten. Was nützt es, Leuten, die nur an die Gewalt glauben, von Moral zu predigen? Moral, Ehre, Gewissen, Freiheit, Humanität, Hecht, alles das ist ihnen nur Phrase, wenn es ihnen von Seiten Derer vorgehalten wird, die das Jahr 1866 mit seinen ,, herrlichen Thaten" für das größte Ver= brechen halten, das je an Deutschland und in Deutschland be= " 1 Sprache, der muß ihnen zeigen, daß sie gerade das, wonach ihr ganzes glühendes Streben ging, wonach sie so verzweifelt rannten, neben sich Alles im Stich lassend, daß sie gerade Das auch nicht erreicht haben! Das Schattenbild, nach dem die Großpreußen jagten, war die Macht." Die Klugen, die oben stehen, wissen seit der Luxemburger Schmachgeschichte bereits, daß von ,, Machtzuwachs" keine Rede ist. Aber das Volk hat es noch nicht gewußt. Im Nordbund und in Süddeutschland, ja selbst in Desterreich, giebt es noch sehr viele Michel, die ehrlich glauben, durch die Mezeleien von 1866 habe Deutschland wenigstens nach Einer Seite hin an Macht und Sicherheit zugenommen, nämlich im Norden; und der Süden habe eigentlich doch nicht so sehr viel, diesem Vortheil gegen über, verloren, da ihn der starke Freund im Norden, wenn etwa Gefahr von Frankreich her drohen sollte, schon ebensogut beschützen werde, als früher. Da ist es nun das Verdienst Streubel's, eines freidenkenden großdeutschen Offiziers, unter dem Namen Artolay, die Frage des Anschlusses Süddeutschlands an den Nordbund untersucht und in einer zugleich wissenschaftlichen und populären Weise dem ganzen Bolte verständlich dargestellt zu haben. Das Ergebniß seiner Untersuchung ist die Thatsache, daß besagter Anschluß bei einem französisch- preußischen Striege der sichere Untergang Süddeutschlands wäre. Damit hat Arkolay den Lobrednern der Gewalt und des erobernden Preußenthums eine Wunde geschlagen, die nie wie der vernarben wird! Die studirte Kriegskunst, sagt er sehr richtig in der Einleitung, ist gar nicht so schlecht..... Es war nur der Fehler, daß sie seither einzig dem Interesse der Dynasten diente, daß sie fast nie herübertrat auf die Seite des freien Denkens, auf die Seite des Volts." Artolay, auf die Seite des Boltes fich stellend, fritijir zunächst das Treiben der ,, Nationalen" und konstatirt, daß dieselben, obwohl ganz und gar unvermögend, den Anschluß an den Nordbund durch ihr komisches Drängeln, Leitartikeln und Resolutionenfaffen durchzusetzen, dennoch die schon durch das bloße Dasein des Nordbunds an sich vorhandenen permanenten Schuß des deutschen Bundes hat aufgehört. Die Südstaaten Kriegsgefahren ganz überflüssiger Weise vermehren. Der politisch vogelfrei; sie sind nur so weit sicher, als ihre poli sind bei eintretenden Berwicklungen seit Auflösung des Bundes tische Macht reicht. lay, wird bei einem Conflikt mit Frankreich jedenfalls einen harten Stand haben. Es wird ihm, noch dazu an der Spit des Despotismus, nicht leicht werden, ganz Deutschland aufzurufen gegen das nämliche Ausland, welchem der Nord bund zu einem großen Theil sein Bestehen verdankt, und welches vor nur wenig Jahren die Aeltern desselben( faum ohne Aus jicht auf gute Gebühren!) feierlich zu traute! ,, Aber Preußen?" ,, Preußen, sagt Arto Biarri gegen Dann ,, Wir haben viel auszufezen an Preußen und an feinem Thun. Gleichwohl wünschen wir ihm in einem Kampfe Frankreich den Sieg, wäre es auch nur deshalb, weil dan der Schüler im Despotismus seinen Meister besiegte, weil so ein Sieg bei der heutigen Lage Europa's ganz andere Folgen hätte, als Herrn von Bismarck angenehm fönnte. und gewiß jein ,, Allein mit diesem Wunsch ist noch lange nicht bewiejen gangen wurde. Alles das prallt von der marmornen Bruft daß es siegen werde, noch weniger, daß der deutsche Süde der Machtanbeter zurück und erregt ihnen höchstens endlose einen solchen Zusammenstoß provoziren*) müsse, wie es bi Heiterkeit! Nein, wer sie widerlegen will, wer ihnen beweisen will, daß ihre Moral unmoralisch, ihre Ehre ehrlos, ihr Gewissen gewissenlos, ihr Recht die Rechtlosigkeit, ihre Humanität Barbarei und ihre Freiheit die Knute ist, der muß in ihrer Sprache mit ihnen reden, in der Blut- und EisenBerantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Braustr. 11). „ Nationalen“ zu erstreben scheinen. * Herausfordern. " ( Schluß folgt.) Leipzig. Druckt und Verlag: F Thiele Expedition: Petersstraße 18.