Demokratisches Wochenblatt. Organ der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. No. 25. Leipzig, den 19. Juni. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Plazze einschließlich Bringerlohn 12% Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Confumverein, Üniversitätsstraße, und die Erpedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. An unsere Leser! Mit Ende dieses Monats beginnt ein neues Abonnement auf das ,, Demokratische Wochenblatt". Wir ersuchen unsere geneigten Leser ergebenst, ihre Bestellungen auf das neue Quartal recht bald aufgeben zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintritt. Diejenigen unserer geehrten Abonnenten, welche das Blatt unter Kreuzband zu empfangen wünschen, ersuchen wir höflichst, den Betrag von 15 Ngr. per Quartal prænumerando einsenden zu wollen. An unsere Parteigenossen richten wir die Aufforderung, auch zum neuen Quartal mit ganzer Kraft für die Weiterverbreitung unseres Organs zu wirken. Bir können zwar mit Genugthuung erklären, daß von Quartal zu Quartal, und namentlich im letzten, der Abonnentenstand unseres Blattes sich bedeutend gehoben hat; noch aber sind wir nicht geringe Opfer zu bringen gezwungen. Wir hoffen deszuversichtlich, daß Jeder in unseren Reihen es als eine Ehrensache betrachtet, uns diese Opfer abnehmen und dadurch zugleich den Wirkungskreis der Partei immer mehr erweitern zu helfen. halb gegen Staven. Die Redaktion und Expedition des Demokratischen Wochenblattes. Inhalt: Politische Uebersicht. Aus England. Sklaven Humboldt über den Berliner Hof. Das sächsische Diwreußen. Thüringen und die demokratisch- sozialistische Bewegung. Ein eigentlicher Kampf fand nirgends statt, aber Viele wurden verwundet und Tausende von Bürgern gefangen. Am Freitag war die ,, Ruhe" noch nicht hergestellt; erst am Sonnabend Nürnberg, Berlin, Dresden, Crimmitschau, Glauchau, Langchursdorf, gelang es den vereinigten Bemühungen der republikanischen Hormersdorf, Leipzig. Rormalarbeitstag. Beilage: Die Schneider in London. Anzeigen. Politische Uebersicht. Der Führer und der Polizei, die Straßen dem gewöhnlichen Ver fehr zu öffnen und seitdem ,, herrscht Ordnung" in Paris! Die Zahl der Verhafteten beläuft sich auf 7000; die Hälfte ist wieder in Freiheit gesetzt, die übrigen füllen die Gefängnise und Kasematten von Bicetre und Vincennes. Die zwei republika Die letzte Woche hat den Beweis geliefert, daß das Wort Bonaparte's: Die Aera der Revolutionen ist geschlossen! nischen Zeitungen ,, Rappel" und ,, Reveil" haben aufgehört zu ene lügenhafte Brahlerei war; fünf Tage lang zitterte das erscheinen, weil die meisten Redakteure verhaftet sind, und kein französische Kaiserreich; fünf Tage lang duldete es angstvoll, Drucker den Druck übernehmen will. wie ihm das Volk seine Verachtung ins Gesicht warf; fünf Eins erhellt aus einer unparteiischen Betrachtung dieser VorTage lang ließ die stärkste der„ ,, starken" Regierungen in Paris gänge: Die Regierung sowohl als die Demokratie wich einem den Aufruhr toben, und wagte nicht das Schwert zu ziehen, bewaffneten Zusammenstoß aus. Die Regierung hat das Be aus Furcht ihn zur Revolution zu machen! Schildern wir kurz die Ereignisse: Am Sonntag vor 8 Tagen fanden in Frankreich die Nachwahlen statt; überall zeigte sich eine weit mächtigere Aufregung als bei den allgeAn verschiedenen Punkten: in Troyes, meinen Wahlen. wußtsein der überlegenen Macht verloren, und die Demokratie den Moment noch nicht für günstig erachtet, die letzte Entscheidung zu suchen. Die Demokratie hat Heerschau gehalten über ihre Streitkräfte und, um uns militärisch auszudrücken, eine großartige Rekognoszirung vorgenommen. Wahltagen zu heftigen Tumulten, die sämmtlich einen repu fühlt, und die Schwäche des Feindes. Sie hat gelernt, daiz blitanischen Charakter trugen, sich aber bald wieder legten, ohne daß es des Einschreitens der Truppen bedurft hätte. Doch das war ftürzte sich in die Bewegung. Schon am zweiten Wahltag gab es Zusammenrottungen auf den Boulevards. Anfangs nur unbedeutend, leicht von der Polizei zerstreut. nur das Vorspiel. Auch die Hauptstadt ichon ernster Am Dienstag hier und da leistete man der Behörde Wider das Kaiserreich besiegbar, und seine Besiegung nur eine Frage der Zeit ist. Wie lange wird der Waffenstillstand dauern? Denn ein Waffenstillstand ist es, kein Friede. Vielleicht bringt schon die nächste Zukunft den Kampf, den beide Gegner in der vorigen Mehrere der in Paris gewählten Woche vermieden haben. Staneudi Trappen wurden fonfignirt, die Kanonen geladen, Republikaner, die auch an anderen Orten gewählt sind, dar unter Bancel und Gambetta, haben für Paris abgelehnt, und dte eftungen in und um Paris ITI Apie chipet sites muß. dort also von Neuem gewählt werden. Rochefort, der Ap nei. Perthelff woch und Donnerstag baute man Barrikadengolbiellufröhnlinis eine odes Raiserreichs, ist wieder als Kandidat afte wurden verlesen, die Truppen stürmten die Barrikaden aufgestellt, und die zweite Nachwahl könnte das Signal, nicht eines Aufruhrs werden sondern einer Revolution. vish die Menge auseinander Man hat behauptet, die letzten Unruhen seien das Werk ,, ausländischer Agenten". Das ist findisch. Solche Ausbrüche des Volkszornes laffen sich nicht künstlich hervorrufen. Und welche ,, ausländische" Regierung sollte ein Interesse haben, das Kaiserreich durch eine Revolution zu stürzen? Diejenigen, welche dieses Mährchen ausgeheckt haben, denken an Preußen. Gewiß, die preußische Regierung und noch einige andere Regierungen wären recht froh, wenn das Kaiserreich über Nacht beseitigt und durch ein Bürgerkönigthum à la Louis Philippe ersetzt würde; allein das ist nun einmal außerhalb des Bereichs der Möglichkeit. Dem Kaiserreich kann nur die Republik, und zwar die sozialdemokratische Republik folgen, welche den betreffenden Regierungen unendlich gefährlicher wäre als das Kaiserreich. Nein- fie mögen den Dezembermann noch so sehr hassen, die preußischen und die russischen Junker, aber dennoch werden sie während der verflossenen Woche auf den Knieen gebetet haben, daß er der Revolution nicht erliegen möge, der gemeinsamen Feindin. Das franzö fische Kaiserreich ist der Schlußstein der europäischen Reaktion. Fällt es, so fällt mit ihm das reaktionäre Europa. Ein die Stimmung in Paris kennzeichnendes Faktum sei noch erwähnt: Die Nationalgarde, welche nach dem Staatsstreich aus Anhängern des Kaisers gebildet ward, fängt an, schwierig zu werden und will nicht mehr den von der Regierung ernannten Offizieren gehorchen. Ein ganzes Bataillon hat offen den Gehorsam verweigert, und die Behörden wagen nicht ein= zufchreiten. Gambetta, der, wie schon bemerkt, für Paris ablehnte, hat an seine Marseiller Wähler ein Programm gerichtet, in dem es heißt: ,, Man mag uns auch noch so oft zurufen: ,, Ihr seid die Anarchie, ihr seid die Demagogie", ich antworte, mehr noch um der Wahrheit die Ehre zu geben, als um euch aufzuklären: diese Anschuldigungen kehre ich gegen die zurück, von denen sie ausgehen. In der That ist die aufrichtige Demo tratie der einzige Feind der Demagogie, der einzige Wall gegen die Angriffe der Demagogie jeder Gattung. Es gibt zwei Arten von Demagogen, sie heißen entweder Cäsar oder Marat. Sei es durch einen Einzigen, sei es durch eine Partei, immer ist es mit Hülfe der Gewalt, daß die einen wie die andern verdankten. Dies zeigt zweierlei: Erstens, daß der Cafaris mus die parlamentarische Opposition nicht fürchtet. Und zweitens, daß grade jene ,, Honneten" oder„ Fortschrittsmänner", wie sie sich in Deutschland nennen, die den weiter Gehenden stets den Vorwurf der Reaktion in die Hände zu arbeiten" machen, selber die bewußten oder unbewußten Verbündeten, die bewußten oder unbewußten Werkzeuge der Reaktion sind. So weit sich bis jetzt berechnen läßt, wird die neue Kammer 73 Republikaner der verschiedenen Schattirungen, 24 soge nannte Unabhängige( d. h. Leute, die das Kaiserreich bei erster Gelegenheit verrathen wollen) und 196 Creaturen der Regie rung enthalten. Und nun die Frage, die auf jeder Lippe schwebt: Was wird die französische Regierung falls sie die gegenwärtige Krisis übersteht, angesichts des Wahlausfalls und der immer drohender werdenden Volksstimmung thun? Es sind nur vier Mög lichkeiten denkbar: Entweder Bonaparte verharrt in der bisherigen Politik; aber das hieße einfach den sichern Untergang abwarten, denn die bisherige Politik hat die Entfaltung des revolutionären Geistes nicht nur nicht verhindert, sondern im Gegentheil be günstigt, wie aus einer Bergleichung des Resultats der jüngsten Wahl mit dem der früheren Wahlen erhellt. Oder die Regierung spielt die Karte des ,, demokratischen Kaiserthums" aus und sucht ihre Feinde durch Zugeſtändnisse zu entwaffnen. Aber das hat sie schon mehrmals versucht, versucht, wiederum mißlingen; denn die Demokratie kann sich und es ist ihr stets kläglich mißlungen und wird, wenn wiederum nie zu einem Paft mit dem Absolutismus hergeben, wenn sie nicht aufhören will, Demokratie zu sein. Prinzipien sind ent weder ganz, oder sie sind gar nicht. und Leben und Tod und sucht in den schärfsten Bedrückungsmaßregeln Oder die Regierung erklärt der Demokratie den Krieg auf ihr Heil. Aber damit kehrte sie blos zu ihrem Ursprung 3 rück, und würde einfach den alten Kreislauf wieder zu beginnen haben, der sie schließlich in die gegenwärtige Verlegenheit ge bracht hat. Und vollenden würde sie ihn nicht. De Staatsstreich von 1851 gelang, weil die Demokratie noch po der Junischlacht erschöpft war. Vor der Junischlacht, ohne ihren Ehrgeiz und ihre Gelüste befriedigen wollen. Diese zwei die Junischlacht wäre er nicht möglich gewesen. Jetzt steht Demagogen finde ich gleich verhängnißvoll und hassenswerth. die Demokratie neugekräftigt dem Kaiserthum gegenüber, Die radikale Demokratie im Gegentheil wünscht und erstrebt ein neuer Staatsstreich würde aller menschlichen Berechnung nichts anderes als die Entwicklung der Gerechtigkeit und der nach durch eine Revolution beantwortet werden. Freiheit unter den Menschen. Sie geht von der Souveränetät des Volkes aus, um die Souveränetät des Individuums zu stärken, und weil sie die Regierung des Menschen durch sich selbst will, will sie auch die Regierung des Landes durch das Land. Ihr Recht beruht in der Vernunft, ihre Kraft im Volke. Sie spricht es als ihr Recht aus, die Majorität für ihre Doktrinen zu gewinnen, überzeugt, daß der Tag ihres friedlichen Regierungsantritts nahe ist, und daß, wenn sie einmal wissenschaftlich organisirt sein wird, sie der menschlichen Thätigkeit die wunderbarste Entwicklung eröffnen wird. In diesem Schreiben ist der Begriff der Demagogie nicht richtig entwickelt. Nicht die Anwendung der Gewalt konstituirt den Demagogen- dann wäre jeder ehrliche Demokrat, der den Muth hat, für seine Prinzipien zu kämpfen, ein ,, Demagoge"-fondern nur das handwerksmäßige eigennützige nüßigen Zwecken und unter dem Vorwand das Interesse des Der Bleibt die vierte Möglichkeit: Krieg. Kein Zweifel; Krieg ist ein Wagniß, aber, wenn der Friede die Revolution ist, und ein siegreicher Feldzug die Vertagung der Revolution muß dann der Krieg nicht als das kleinere Uebel erscheinen? Wir verlassen Frankreich. Herr Delbrück*) benutzt es( experimentum in corpore vili**), Das preußische Zollparlament tagt lebensmüde fort an ihm zu beweisen, daß die Langeweile nicht tödtet, und der unglückliche Körper" muß sichs gefallen lassen. 3 In Galizien hat die österreichische Regierung die pol geständnisse an die Polen( und sonstigen nicht ungarischen nicht deutschen Nationalitäten) sind in Aussicht gestellt. Mittlerweile läßt man in Wien den Aerger darüber, das Werk der ,, Ausgleiche" nicht über Nacht gelingen will, und dab Streben nach Gewalt und der Gewaltmißbrauch zu eigen den Sozialdemokraten aus. Die Regierungsblätter drohen ihnen mit ,, einem wuchtigen Schlag", der sie plötzlich vernichten" Volkes fördern zu wollen. Cäsar, gleich den modernen Gäsaren, soll. Auf der letzten großen Volksversammlung theilte der be war ein Demagoge, nicht aber Marat, der selbstloseste, wie der energischste der französischen Republikaner. In Bezug auf die Wahl von Jules Favre und Garnier " 1 kannte Sozialdemokrat Mühlwasser, der im Namen der Brünner *) Durch einen Schreibfehler wurde der„ Vizebismarck" in vorige Bagés, denen bekanntlich Raspail und Rochefort gegenüber Nummer Devind genannt; wir bitten den berühmten Parifer Cholo ladefabrikanten, der ein anständiger Mann sein soll, um standen, ist nun erwiesen, daß diese„ honneten Republikaner", die weiland zu den Schlächtern der Juni- Insurgenten gehörten, ihren Sieg über die sozial- demokratischen Gegenkandidaten den Stimmen der dazu kommandirten bonapartistischen Wähler geordneter Art. Die Aerzte nehmen dazu gewöhnlich Frösche, **) Experiment( Versuch) an dem Körper eines Geschöpfs unter Tauben; die Bolitiker Reichstage, gefeggebende Körper, Abgeordnete häuser, Zollparlamente u. f. w. Kröten 13 C ein Arbeiter auftrat, mit, daß ihm der Regierungsrath v. 2. nach bergeblichen Befehrungsversuchen kategorisch erklärte: ,, Sie sind ein Kämpfer der Sozialdemokratie, ich bin ein Vertreter der Regierung. Zwischen uns ist keine Versöhnung denkbar, nur schonungsloser Kampf, welchen wir auch durchzuführen entschlossen sind. Sie verlassen sich auf die Massen? Wohl! vergeffen Sie aber nicht, daß wir über besser geschulte und besser bewaffnete verfügen!" Sind die Menschen verrückt? Wenn es dem Kaiser einfällt, Kehraus mit der ,, neuen Aera" zu machen, wer soll dann der Reaktion" die Stirn bieten, wenn nicht die Arbeiter? Wer? Doch nicht die Bourgeoisie, der es gleich gültig ist, unter welchem Regiment sie die Ausbeutung betreibt? Doch nicht das kleinbürgerliche Philisterthum, das wohl für die Freiheit redet, aber nie für die Freiheit kämpft.? Für den Linzer Bischof haben die Schwarzröcke noch keine Demonstration zu Stande gebracht. Gegen ihn soll nächsten Sonntag in Liuz, also im Schafstall selbst, unter der Nase des treuen Hirten, eine Volksversammlung stattfinden, an der die Arbeiter sich massenhaft zu betheiligen gedenken. zu erwarten. Karl Marx wird in diesem Sommer einen Besuch in Deutschland machen. Zu gleicher Zeit ist die Veröffentlichung des zweiten Bandes seines großen nationalökonomischen Werks Wir geben uns der Hoffnung hin, daß Marr dem sozialdemokratischen Congreß in Eisenach( oder Weimar) und dem Congreß der Internationalen Arbeiterassoziation in Basel beiwohnen wird. 269 Berordne Jch,. S. Grant, Präsident der Bereinigten Staaten, hiermit, daß an und von dem heutigen Tag an, wegen solcher Verminderung der Arbeitszeit, fein Abzug gemacht werden soll von dem Taglohn, welchen die Regierung besagten Handlangern, Arbeitern und Handwerkern bezahlt. Zur Beglaubigung des Vorstehenden habe ich mit eigner Hand unterschrieben und das Staatssiegel der Vereinigten Staaten beifügen lassen. Geschehen in der City von Washington, den neunzehnten Tag des Monats Mai im Jahre des Herrn eintausendachthundertneunundsechszig, und im dreiundneunzigsten Jahre der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten. Der Präsident U. S. Grant. Der Staatssekretär Hamilton Fish. Die Bourgeoispresse hält es nicht der Mühe werth, dergleichen Dokumente zu veröffentlichen. In dem Acht- Stunden- Gesetz hat die ,, Nationale ArbeiterUnion" einen dauernden Sieg erfochten, der sich in kurzer Zeit auf alle Privatgeschäfte erstrecken wird. = Der Präsident dieser Arbeiter Union hat dem Generalrath der Internationalen Arbeiter- Assoziation den Empfang seiner Adresse durch folgenden Brief angezeigt: Philadelphia, 26. Mai 1869. ,, Euer Brief vom 12. ds. Mts. nebst der Adresse kani geſtern an; ich freue mich, so freundliche Worte von unsern Mitarbeitern auf der andern Seite des Meeres zu empfangen. Unsere Sache ist eine gemeinsame. Es ist ein Krieg der Armnth gegen den Reichthum. Die Arbeit nimmt in allen Theilen der Welt dieselbe niedrige Stellung ein, das Kapital ist überall derselbe Tyrann. Ich sage daher, unsere Sache ist eine gemeinſame. Im Namen der Arbeiter der Vereinigten Staaten reiche ich Euch, und durch Euch allen Denen, die Ihr vertretet, und allen niedergetretenen und unterjochten Söhnen und Töchtern der Arbeit in Europa die rechte Hand der Brüderschaft. Fahrt Die norddeutsche Gewerbeordnung wird noch in diesem Monat publizirt werden und mit Ausnahme der Bestimmungen über das Hausiergewerbe, die erst am 1. Jan. 1870 in Straft treten, schon am 1. Oktober dieses Jahres Gesetzestraft erhalten. Wir werden das Gesetz in einer der nächsten Nummern tagswahlgesetz, welches die bisher in den Einzelstaaten gül- herrlichste Erfolg Eure Bestrebungen frönt! Das ist unser tigen Reichtagswahlgesete außer Kraft setzt, werden wir ge= legentlich zum Abdruck bringen. fort in dem guten Werk, welches Ihr unternommen, bis der Entschluß. Unser jüngster Krieg hat zur Begründung der infamſten Geld- Aristokratie der Erde geführt. Diese Geldmacht verzehrt das Lebensmart des Volkes. Wir haben ihr den Krieg erklärt und sind entschlossen, zu ſiegen durch den wenn nicht, so wollen wir zu ernstlicheren Mitteln unsere Zuflucht nehmen. Ein kleiner Aderlaß ist in verzweifelten Fällen nöthig." ( Schluß folgt.) Am 24. ds. Mts. wird die erste Nummer der ,, Fraternité"( Brüderlichkeit), unsres Freundes La Rigaudière in Heidelberg erscheinen, Stimmkasten wenn wir können zunächst bloß 2 Mal den Monat. Allein es ist zu hoffen, daß dieses„ internationale Organ der Demokratie", das die Berständigung und das Zusammenwirken des demokratischen Frankreich und Deutschland anstrebt, sich bald in ein Wochenblatt wird verwandeln können. Jedenfalls ist es Ehrenpflicht der deutschen Demokraten, die Bruderhand warm zu ergreifen, welche der französische Gast uns im Namen seiner republikanischen Landsleute darreicht. Aus Brünn schickt man uns die Probenummer einer ,, Arbeiterzeitung" zu, die unter Redaktion des Sozialdemokraten Mühlwasser halbmonatlich erscheinen wird. Aus England. London, 17. Juni. Der Präsident der Vereinigten Staaten von NordStlaven gegen Stlaven. Um die Löhne der deutschen Arbeiter noch mehr herunterzudrücken, sind einige Spekulanten auf den Gedanken gekommen, in Schweden, wo die Löhne sehr tief stehen, das Leben aber auch verhältnißmäßig billig ist, Arbeiter anzuwerben und an deutsche Arbeitgeber auf bestimmte Fristen zu vermiethen. Ganz nach dem Muster des westindischen Culihandels, der sich von dem altmodischen, unsre empfindlicher gewordenen Nerven verletztenden Sklavenhandel nur dadurch unterscheidet, daß der Verkauf nicht auf Lebenszeit, sondern auf so und so viel Monate oder Jahre stattfindet. Die Spekulation ist gelungen und das Geschäft seit einiger Zeit in schönster Blüthe. Anfangs tag in den Regierungswerkstellen, mit gleichem Arbeitslohn wandt. Jetzt will man sie aber zur Unterdrückung der Strikes bezahlt werden soll wie früher zehn Stunden, durch folgende benutzen. Broklamation erledigt: In der preußischen Provinz Sachsen soll der Anfang geRongreßakte bestimmt, daß von jenem Tag an acht Stunden Lohn, und drohten, als dieser verweigert ward, mit Arbeits" In Erwägung, daß die am 25. Juni 1868 bestätigte macht werden. Die dortigen Zuckerarbeiter forderten höheren und Handwerker, die von der Regierung der Vereinigten eine Ladung schwedischer Arbeiter verschrieben, die auch glückeinen Arbeitstag ausmachen sollen für alle Handlanger, Arbeiter, einstellung. Die Antwort der Fabrikanten war: daß sie sich Staaten beschäftigt werden, und daß diese Congreßakte alle Afte lich angelangt ist. und Theile von Aften, die nicht mit dieser Bestimmung in Einklang stehen, aufhebt, Die Magdeburger Zeitung", wohlgemerkt ein Bourgeoisblatt, ergeht sich darüber in folgender Betrachtung: ,, Heute( 28. Mai) traf in Egeln ein Trupp von über hundert Köpfen beiderlei Geschlechts hier ein, Leute von einer sehr wohlthuenden äußern Erscheinung, von starkem Körperbau und von einem sehr wohlgenährten Aussehen. Es machte aber einen sehr schmerzlichen Eindruck. Diese Leute wurden nun von ihren fünftigen Brodherren oder deren Vertreter ganz nach Art der Sklaven besichtigt, gewählt, taxirt und vertheilt und dann truppweise theils zu Wagen, theils zu Fuß nach ihren Bestimmungsorten abgeführt. Auch schien es, als ob diesen Leuten bei dem Engagement in ihrer Heimath von den Agenten ganz andere Aussichten über ihre hiesige Stellung gemacht wor den seien, als sie jetzt zu gewärtigen befürchten, denn mehrere von ihnen und besonders die, übrigens sehr wohlgestalteten Mädchen schienen sich trüben Gedanken hinzugeben und weinten recht bitterlich." Aber nicht blos ausländische Sklaven kauft sich das deutsche Kapital, um die deutschen Sklaven in der Lohnknechtschaft zu erhalten; auch deutsche Sklaven, Sklaven in Uniform( von der Conkurrenz der Arbeiter unter sich sei hier nicht geredet) hat es sich zu diesem Zwecke gemiethet: in Kassel und in Leipzig sind Soldaten an die Arbeit gestellt worden, um die strifenden Arbeiter ,, unter zu kriegen". Also nicht genug, daß der Arbeiter den Soldat zu ernähren hat, muß er sich auch noch gefallen lassen, daß dieser von ihm gefütterte Soldat für ein kleines Taschengeld( denn seine Löhnung hat er ja vom Schweiß der Arbeiter) ihm das Brod vom Mund wegnimmt, um ihn durch Hunger zur Unterwerfung unter den Meister zu zwingen. Diese modernen Dragonaden zeigen das Bündniß des Kapitals mit der Staatsmacht: der uniformirte Sklave, der heut den nicht uniformirten in der Werkstätte niederzu arbeiten hat, erhält vielleicht mor= gen den Befehl, ihn auf der Straße niederzuschießen. Zweierlei erhellt aber aus diesen Vorgängen: Das Kapital ist international, darum muß der Kampf gegen das Kapital international geführt werden Proletarier aller Länder ver= einigt euch! Der sozialen Unterdrückung entspricht die politische. Darum muß der soziale Krieg auf politischem Gebiet ausgefochten werden. Keine Befreiung von der Lohnslaverei außer im freien Volksstaat! ist das unwahr, entrüstet sind höchstens diejenigen, welche keine Noth haben. Das, Chemnitzer Tageblatt" fährt dann fort: ,, Wer freilich in den guten Fransen Perl und Posamentenjahren 1864 und 65 sein Geld verjubelt hat, ohne für spätere Zeiten sich Sparpfennige zu sammeln, wem die zarten Fransen- und Posamentierfinger wehe thun, wenn er einmal zu härterer Arbeit greifen muß, die mögen klagen und an flagen, aber nur sich selbst." Also der Arbeiter hat sparen sollen! Welcher Unsinn. Wer berechnen will, was mit 2% und 3 Thlr. zu thun ist, die man in den genannten Jahren verdienen konnte, der wird finden, daß an Sparen nicht viel zu denken war, besonders wenn man sich satt essen und kleiden wollte, worauf man damals sah und sehen mußte, weil man ganz abgerissen war. Wenn der Arbeiter bei solchem Einkommen sparen soll, wie kommt es, daß Andere mit bedeutend höherm Gehalt nicht auskommen? Daß ferner dem Posamen tier die Finger nicht wehe thun und er feine Arbeit scheut, ist eine bekannte Thatsache. Es wird wenig Posamentiere geben, die nicht schon Jahre lang schwere Handarbeit getrieben haben; der Schreiber des Tageblatt"-Artikels macht es frei lich keinem Posamentier nach. Betreffend den Nothstand habe ich heute nur hinzuzu fügen, daß viele Arbeiter wieder ohne Beschäftigung sind und, wenn in einigen Tagen feine Aufträge eingehen, so wird es mit einem Schlage aus. Es sind schon mehrere Fälle befannt, wo der Mann auswärts arbeitet und die Frau und Kinder zu Hause hungern; wir haben diese Fälle jetzt berüc sichtigt und werden dieselben unterstützt. Ueber den Besuch des Hrn. Kreisdirektors Folgendes: Den 29. vor. Mts. Mittag 1 Uhr kam derselbe mit Extrapost hier an. Um 4 Uhr ließ er Hrn. Demmler holen; dieser constatirte, daß bei dem jetzigen Lohnverhältniß bei voller Arbeit nicht auszukommen sei, geschweige wenn die Geschäfte nicht gehen wie dieß zeither der Fall sei und daß bei Geschäfts stockung dann ein Rothstand entstände; er gab über die Lohn verhältnisse wahrheitsgetreue Einzelheiten. Allein mau mußte den Hrn. Kreisdirektor bereits anders berichtet haben; denn er erklärte, daß man ihm gesagt habe, ein Posamentier könne 2 Thlr verdienen, während in anderen Städten die Weber noch weniger verdienten und dabei zufrieden seien, weil es ja nicht zu ändern sei. Aber in ganz Geyer giebt es fei nen Posamentier, welcher 2 Thlr. verdienen kann, mithin hat man den Hrn. Kreisdirektor angelogen. Hr. Demmler stellte dies vor, allein die Zustände wurden nicht Alexander v. Humboldt über den Berliner so schwer erachtet als sie sind; freilich war grade 8 Tage vorher Hof. ,, Alexander von Humboldt sagte es gäbe feinen Ort in Europa mehr, wo der Hof und die vornehme Gesellschaft so völlig geistlos, roh und unwissend sei und es sein wolle, wie hier( in Berlin). Man lehne mit Wissen und Willen jede Kenntniß eines andern Lebens und anderer Meinungen und Stellungen ab, wolle die übrige Welt, auch die nächste, ignoriren, sich einschließen in hohlem Absondern und elendem Stolze." Varnhagen, Blätter aus der preuß. Geschichte, Leipzig, Brockhaus 1869.( Diese Aeußerung stammt aus dem Jahre 1836. An dem oben geschilderten Hose erhielt der jetzige König von Preußen feine Erziehung; aus der oben geschilderten Gesellschaft sind die jetzigen Lenfer Preußens hervorgegangen.) Das sächsische Ostpreußen. II. Geyer, 10. Juni. Daß einige Zeitungen schreiben, das ,, Demokratische Wochenblatt" habe gelogen, hat hier in der ganzen Umgegend den gerechten Zorn der Arbeiter erregt. Wenn das ,, Chemnizer Tageblatt" sagt, das„ Demokratische Wochenblatt" habe die allgemeine Entrüstung hervorgerufen, so etwas Arbeit eingegangen, welche, beiläufig bemerkt, jetzt z Ende ist. Der Hr. Kreisdirektor bemerkte noch, daß es nicht schön sei, die große Glocke anzuschlagen und daß ein braver Bewohner und ein guter Patriot teinen solchen öffentlichen Lärm machen solle, sondern in Geduld warten bis es von selbst besser werde*); der Staat tönne auch nicht helfen, weil zu viel solche und noch schlechter beſtellte Städte wären; die in Aussicht genommenen Abhülfe- Mittel( Berg und Bahnbau) zerschlügen sich natürlich ohne weiteres, indem dazu die Staatsunterstützung erforderlich wäre. Ein weiteres Resultat kann ich Ihnen nicht berichten, als daß das„ Chemnißer Tageblatt" behauptet, der Kreisdirektor habe sich von der Unwahrheit des„ Demokratischen Wochen blattes" überzeugt. Aber nicht das Demokratische Wochen blatt" hat gelogen, sondern die, welche sagen, der Posamentier verdiene 2 Thlr. Hr. Demmler war auch schon einige Mal beim Bürgermeister, welcher ihn rufen ließ, um über Abhilfe zu berathen, allein die Mittel sind schwer und ohne Kapital ist nichts zu beginnen! So viel für heute. Ehrenfriedersdorf, 15. Juni. Die im„ ,, Demokratischen Wochenblatt" erschienenen Aufsäge, den Nothstand in Geyer be *) Mit andern Worten, ruhig verhungern solle.„ ,, Rube ist die erste Bürgerpflicht." treffend, haben viel Aufsehen erregt und Widerspruch gefunden, obgleich diese Schilderung nicht allein für Geyer, sondern auch für Ehrenfriedersdorf, bezüglich der Arbeitslosigkeit der Posamentiere, die vollste Wahrheit ist. Auch wir könnten eine Statistik aufstellen, welche lauten würde: von 20 Posamentiren 4 beschäftigt und 16 nicht; aber trotzdem sucht man in der Presse die Wahrheit zu läugnen und die Posamentiere zu verdächtigen, als ob dieselben mit ihrem Verdienst schlecht Haus hielten. Wir Posamtiere sind von jeher an derartige Verdächtigungen gewöhnt und halten es daher nicht der Mühe werth, hier eingehender davon zu sprechen. Nur wollen wir solchen Verläumdern rathen, ihre Nasen erst tiefer in die Verhältnisse der armen Posamentiere zu stecken, ehe sie ein ungerech tes Urtheil über uns fällen. Das Bewußtsein tröstet uns, daß solche Artikel nicht von Männern herrühren, die mit der Arbeit vertraut sind, sondern gewöhnlich von solchen, die sich erst vom Schweiß der Arbeiter bereichert und gemästet haben. Ein Beispiel möge hier Platz finden, um zu beweisen, wie selbst solche Leute, die es am allerwenigften nothwendig haben, sich an dem Handwerker zu reiben, es doch auf die unverschämteste Weise thun. Vor einigen Tagen befanden sich in der hiesigen PostRestauration einige Herren, darunter Hr. Schullehrer May aus Schönfeld; es wurde über den Rothstand von Geyer debattirt, und Hr. May sagte im Laufe des Gesprächs: ,, Den Posamentieren von Geyer kann es nicht anders gehen, denn was sie bei gutem Geschäftsgange verdienen, das versaufen dieselben auch wieder." Diese unverschämte Aeußerung richtet sich selbst. Ich für meinen Theil denke, Bummler und Flegel gibt es in jeder Klasse der menschlichen Gesellschaft; ich habe z. B. Gelegenheit gehabt, einen Schullehrer zu kennen, der selten nüchtern wurde, aber deshalb wird es keinem nur einigermaßen gebildeten Mann einfallen, zu sagen, die Schullehrer ,, verfaufen, was sie ver= bienen". Ein Posamentier. Thüringen und die demokratisch- sozialistische Bewegung. Schon die vorige Nummer d. Bl. enthielt Berichte über Versammlungen in Ronneburg, Gera und Neustadt a. d. Drla, in denen Bebel Vorträge über die soziale Frage und ihren Zusammenhang mit der politisch- demokratischen Bewegung gehalten hatte. Wir stellen nun eine Reihe von Berichten zusammen, wie sie uns über die anderen Versammlungen zu gegangen sind, in denen Bebel gesprochen und gewirkt hat. Diese Agitation in Thüringen, veranlaßt durch das Bestreben, be möglich eine Einigung und ein Zusammengehen aller demotratischen Fraktionen zu Stande zu bringen, hat ihren Zweck, wie wir mit größter Genugthuung aussprechen dürfen, bollständig erfüllt und wird, daran zweifeln wir nicht, ihren Einfluß auf die weitesten Kreise ausüben. fand am 8. d. M. eine von Straßburger geleitete Ver In Pößneck, das eine sehr starke Arbeiterbevölkerung hat, sammlung im Saale des Schießhauses statt. Vom dortigen Arbeiter- Verein einberufen, war die Versammlung gut besucht. Sie wäre aber entschieden noch besser besucht gewesen, wenn man nicht den Fehler begangen hätte, ein Entrée von 6 Kr. zu erheben, um die hohe Saalmiethe zu decken, was viele Arbeiter zweifellos fernhielt. Besser man nimmt fünftig ein etwas kleineres Lokal, das aber wenig oder nichts kostet. batte entstand erst dadurch, daß Krabbe, Vorsteher des Mar Bebel's Vortrag fand den allgemeinſten Beifall. Eine DeHirsch'schen Gewerkvereins der Porzellandreher, sich zwar Versöhnung mit der Hirsch- Duncker'schen Partei sei unmöglich; beide Parteien ständen sich gegenüber wie Feuer und Wasser. Auf die Bemerkung eines Arbeiters, daß der Hauptunterschied der beiderseitigen Statuten wesentlich nur in§ 2 zu finden sei, wo nach Hirsch- Duncker auch die Arbeitgeber in die Gewerkschaften aufnahmefähig wären, antwortete Bebel, Statuten seien nur Formen, die man zwar möglichst gut machen müsse, auf die es indeß nicht allein ankäme. Hauptsache sei, daß das richtige Prinzip durch die Statuten gewahrt werde; das sei bei Hirsch und Duncker, die im Bourgeois- Interesse arbeiteten, nicht der Fall, was am Deutlichsten durch§ 2 be= wiesen werde. Er richte an die Arbeiter die Frage: für wen die Gewerkschaften gegründet würden? Doch nur für die Ar beiter gegen die Unternehmer. Da sei es blödsinnig, die letzteren aufzunehmen, denn sie würden bewirken, daß im Gewerkverein sich keiner ihrer Arbeiter gegen sie heraustraue. Er frage, ob die Fabrikanten in ihren Fabrikantenverein Arbeiter auch zuließen? Ihm sei davon nichts bekannt. Diese Bemerkungen schlugen durch. Da die Leiter in Pößneck, noch unentschlossen, auf welche Seite sie sich schlagen sollen, die Absicht hatten, Dr. M. Hirsch nach Bößnec kommen zu lassen, um auch ihn zu hören, so erklärte Bebel öffentlich unter allgemeinster freudiger Zustimmung, alsdann ebenfalls nach Pößneck zu kommen, um Mar Sirsch gegenüberzutreten. Geschicht dies, dann ist kein Saal groß genug, die Massen für dieses Redeturnier zu fassen; wer fallen wird, wissen wir schon im voraus. Jena sah eine Volksversammlung, wie es sie ähnlich selbst während der schleswig- Holstein'schen Krise nicht gehabt, Mittwoch den 9. Juni in seinen Mauern. Saal und Nebenräume des Goldnen Engel" waren bereits um 8 Uhr bis auf den letzten Platz überfüllt. Hunderte mußten wegen Mangel an Blaz umkehren. Professoren, Kauflente und Gewerbtreibende, Arbeiter und Studenten sah man friedlich nebeneinander dichtgepfercht sitzen und stehen. Bei der aufs Höchste gestiegenen Temperatur hielt Bebel seinen nahezu 2stündigen Vortrag, der mit gespannter Aufmerksamkeit angehört und mit Beifall beLohnt wurde. Dr. Sy, als Vorsitzender, forderte nach dem Vortrag zur Gegenrede auf, allein es meldete sich Niemand; so schloß er die Versammlung. Die anwesenden Arbeiter, vorzugsweise Maurer, Zimmerleute und Gehülfen von Handwertern erklärten sich bereit, einen Arbeiterverein zu gründen, ebenso Gewerksgenossenschaften. ebenso Gewerksgenossenschaften. Unser alter braver Parteigenosse Dr. Sy, der von Jena aus als„ getreuer Eckhard" Bebel auf seinen Zügen durch Thüringen begleitete, erklärte sich bereit, die Sache in die Hand zu nehmen, und soll nächsten Sonnabend bereits die Gründung des Vereins vorgenom= ( Fortsetzung folgt.) men werden. Vororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. Graz, 16. Juni. Die Arbeiterfache gedeiht bei uns in erfreulicher Weise. Unser Arbeiterverein„ Borwärts" zählt bereits 900 Mitglieder und steht ein weiterer bedeutender Zuwachs ihm bevor. Unser Verein hat eine Delegirten= Ver= sammlung sämmtlicher Fabriken einberufen und diesen das sozial- demokratische Programm vorgelegt. Jede Korporation hatte 3 Delegirte und kamen im Ganzen 30 zusammen. Unfre drei Delegirten hatten einen harten Kampf zu bestehen, schließ= lich wurde aber unser Programm einstimmig angenommen. Auf unsere Anregung hat sich in Leoben ein Arbeiterverein Vorwärts" gebildet. In Agram ist ein Verein ebenfalls im Entstehen, in Breonle in Kärnthen wird die Gründung und andere Sozial Demokraten aus dem Hirsch'schen Blatte Der Gewerfverein" verlas. Das gab nun Bebel erwünschte Gelegenheit, seine Stellung zur Fortschrittspartei und den von mit Bebel einverstanden erklärte, aber einen Angriff auf diesen gleichfalls vorgenommen werden. Bruck in Kärnthen, 16. Juni, Wir haben mit unferm Wirth, dessen Lokal wir im Besitz haben, Skandal bekommen. Der gute Mann erflärt, plöglich mit Schrecken wahrgenommen Hirsch Dunder begründeten Gewertvereinen darzulegen. Eine zu haben, daß er einen Verein in seinem Lokal aufgenommen, = der nichts geringeres als Revolution wolle. Er habe gesehen und gehört, wie wir über Politik gesprochen, ja sogar die Religion angegriffen, damit sei er nicht einverstanden, wir brauchten uns nicht um solche Dinge zu kümmern. Der Herr aus Graz( Straßer), der neulich dagewesen, habe ihm schon einen verdächtigen Eindruck gemacht, und mun gar die Zeitungen die wir läsen! Er habe sein Lokal auf zwei Monate hergegeben, und wenn die um seien, sei er todtfroh, dann möchten wir machen, daß wir weiter kämen. So und ähnlich äußerte sich der Wirth. Unsere Einreden konnten den Herrn nicht andrer Meinung machen, so werden wir denn gutes Muths den Staub von unseren Füßen schütteln und uns anderwärts Quartier suchen. 11 Wien, den 12. Juni. Die Redaktion der Volksstimme" hatte die Absicht, die in der spanischen Nationalversammlung gehaltene Rede Emilio Castelar's zu Gunsten der republitanischen Staatsform in einem Separat- Abdrucke als Broschüre erscheinen zu lassen.*) Noch vor Ausgabe dieser Druckschrift erschien jedoch vorgestern Abends in Auer's Buchdruckerei, wo die ,, Volksstimme" gedruckt wird, ein Beamter der staatsanwaltschaftlichen Preßpolizei, konfiszirte die bereits gedruckten Exemplare dieser Broschüre und verfügte die Zerstörung des noch in der Presse befindlichen Satzes. Für den Fall, als diese Beschlagnahme von Seite des Landesgerichts bestätigt werden follte, wird dagegen der Rekurs ergriffen. Nachschrift. Hartung, welcher die verantwortliche Redaktion der ,, Bolksstimme" führt, ist wegen Preßvergehens, und zwar wegen angeblichen Abdrucks einer Notiz aus einer in Desterreich verbotenen Zeitung( ,, Vorbote") von Seite der Staatsanwaltschaft in den Anklagestand versezt und die Schlußverhandlung schon auf den 25. Juni festgesetzt worden. Diese gewaltige Eile erklärt sich daraus, daß am 1. Juli die Geschwornengerichte für Preßvergehen ins Leben treten, und dann an eine Verurtheilung nicht mehr zu denken wäre.(!) 272 Arbeitslohn herbeigeführt werde. Diesem vernünftigen Vorschlage schloß sich glücklicher Weise die Majorität an, und so läßt sich erwarten, daß die Brünner Arbeiterfrage auch ohne Dragoner und Uhlanen, welche bereits zum Einmarsch beordert sein sollen, zur Lösung gelange. Der Nachfolger im Bürgermeisteramte Dr. Gistra's hatte schon martialische Proklamationen an die Arbeiter der mährischen Hauptstadt erlassen, um die ,, Ansammlungen" auf Straßen und Plätzen zu verhindern; diese. Proklamationen machten aber wenig Effect. In Wien haben die Feilhauer und Bürstenbinder die Arbeit eingestellt, um eine Lohnerhöhung herbeizuführen. Nürnberg, 8. Juni. Auf Einladung von Fürther Arbeitern hatten sich gestern in Doos einige Hundert Arbeiter aus Nürnberg und Fürth eingefunden. Zweck der Versammlung war, eine Verständigung unter den Arbeitern anzustreben. Nach langer eingehender und lebhafter Debatte wurde mit sehr großer Majorität beschlossen, zu erklären, daß die Nürnberger und Fürther Arbeiter keinen Nutzen darin erblickten, sich gegenseitig zu bekämpfen, daß es vielmehr den Intereffen der Arbeiter, sogar wenn sie verschiedenen Nationalitäten angehörten, nicht entspreche, einander feindselig gegenüber zu treten. Cäfarismus im Staat und der Druck des Kapitals, beide könnten nur durch die Arbeiter beseitigt werden. Deshalb beschlossen die verschiedenen in Nürnberg und Fürth vorhandenen Fraftionen der Arbeiter, sich zur Vertretung ihrer Interessen zu verbinden und gegenseitig zu unterstügen. diesen Beschluß hat der Vorstand des Ortsvereins der Mar Hirsch- Duncker'schen Schuhmacher- Genossenschaft protestirt und zwar ,, Namens der Nürnberger Schuster." = = 11 Gegen ( Daß die Hirsch Dunckerlinge den Zwiespalt zu erhalten suchen, fann uns nicht wundern, da die ganze Hirsch- Duncker'sche Agitation nur zu dem Zweck ins Leben gerufen ist, die wirk liche Arbeiterbewegung zu hemmen. D. Red.) Sonntag Berlin, den 14. Juni. In der letzten Versammlung bes demokratischen Arbeitervereins hielt Herr Hepner einen Vortrag zur socialen Stellung des Gelehrtenstandes", dem wir Folgendes entnehmen: Die Geistesarbeiter, sagte Redner, feien wie die Leibesarbeiter, die bezahlten Lohnarbeiter der Bourgeoisie und eben so wenig im Stande, unter den heutigen ökonomischen Verhältnissen von dem untersten Rande der gewohnheitsmäßigen Bedürfnisse emporzuklimmen. Welcher Art fönnte nun Jemand fragen-ist euer Sozialismus, Wien, 12. Juni. Eine massenhafte Arbeitseinstellung Nürnberg, 14. Juni. Der Kongreß der Metallin den Fabriken von Brünn, der Hauptstadt Mährens, hat arbeiter am 14., 15. und 16. August soll so abgehalten Diejenigen, welche früher kurzweg behaupteten, es gebe gar werden, daß die Vorversammlung Sonnabend den 14. Auguſt werden, daß di feine soziale Frage in Desterreich, sehr verblüfft, und sie schrei- Abends 7 Uhr im Gasthaus zum Essigbrätlein, die Haupt ben den Strike künstlichen von auswärts angezettelten Agita- versammlung Sonntag den 15. August Vormittags 10% Uhr tionen zu. Es ist jedoch ganz natürlich, daß auch die Brünner im Gasthof zum Deutschen Haus stattfindet. Fabrikarbeiter sich der allgemeinen Bewegung anschließen, welche Abend im Contomaz- Garten Gartenfest, Montag Fortsetzung zuerst in Wien einen fräftigen Ausdruck fand. In den Pader Berathung. läften der Fabrikherren sieht man die Lage der Dinge freilich anders an, als in den Kellerwohnungen der Weber und Spinner, welche eine Erhöhung ihres fargen Arbeitslohnes verlangen. Einige Fabrikbesitzer haben Frieden mit ihren Arbeitern geschlossen, indem sie die Forderungen derselben be= willigten, und als Zeichen der Versöhnung weht die weiße Fahne von den Zinnen der betreffenden Fabriken. Andere aber schreien nach der Polizei und dem Militär, um den Verführern" Einhalt zu thun, welche die Arbeiter, die sonst ,, ganz zufrieden" gewesen wären, zum Austritt aus den Fabriken verleiteten. Der in Brünn erscheinende ,, Mährische Correspon dent", ein sehr gemäßigtes Blatt, ertheilt dieser Klasse von Fabrikanten den Rath, sie möchten anstatt die Hülfe der Staatsgewalt für ihre selbstsüchtigen Interessen in Anspruch zu nehmen, lieber einige Humanität gegen die Arbeiter zeigen. In In einer Conferenz der Fabrikherren wurde der Antrag gestellt, sämmtliche Fabriken zu sperren, bis eine Vereinbarung über die fortan zu bewilligenden Einheitslöhne getroffen sei. Baron Herring dagegen schlug vor, ein Comité zu bilden, welches untersuchen solle, ob nicht durch willkürliche Lohnverkürzungen oder andere Mißbräuche den Arbeitern Grund zu Beschwerden gegeben worden sei. Ritter v. Offermann beantragte, Dele girte der Arbeiter zuzuziehen, damit eine allseitig befriedigende Vereinbarung über Arbeitszeit und " *) Wir werden die Rede Castelar's für die Republit auszugsweise in dem ,, Wochenblatt", und vollständig in einem besondern Abdruck veröffentlichen. Näheres in nächster Nummer. da ihr nur den Leibesarbeitern durch Assoziation und Staats intervention helfen, die Geistesarbeiter aber ihrem Schicksale überlassen wollt? Dem sei zu entgegnen, daß Lohnveränderung der Leibesarbeit schon jetzt, unter dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, eine Rückwirkung auf die qualifizirtere Geiftesarbeit üben müsse und schon hieraus folge, daß die Männer der Wissenschaft die Ersten sein sollten, den Kampf mit der Bour geoisie als Vorkämpfer des Leibesproletariats aufzunehmen. Freilich werde Mar Hirsch, wenn ihm während seines sechs wöchentlichen sozialen Studiums in England im Salon eines Bourgeois vielleicht ein Professor zufällig begegnet sein sollte, auch die Harmonie zwischen Kapital und Geistesarbeit profla miren. Dem gegenüber berechnete Redner, daß ein unbemittelter Student durch Privatunterricht nur zwischen 70 und 180 Thlr. jährlich erwerben könne, so daß er mit Schulden belastet die Universität verlasse. Hieraus sei die Nothwendigkeit der Staatsintervention ersichtlich. Wo Geld für Kasernen vorhan den, sollte dies viel mehr für den akademischen Bürger der Fall sein, um ihn nicht der Herabwürdigung auszusetzen, sich Ein bon blafirten Söhnen Merkurs*) Wohlthaten spenden zu laffen. Der Staat( worunter Redner stets die demokratisch organisirte Gesellschaft versteht), habe ein Interesse, tüchtige Sachwalter, Lehrer und Gesundheitspfleger des Volkes zu erziehen, wovon vor Allem nicht die Armen, wie geschieht, sondern, durch strenge Examina, die Unfähigen ausgeschlossen werden sollten. Staat, der hierfür kein Geld habe, begehe einen vielfachen geiftigen Mord. Das Prinzip der Staatshilfe sei in den vom Staate an Universitäten ausgesetzten Ehrenpreisen für wissenschaftliche Leistungen trotz und vor Schulze anerkannt, in Rußland mehr als in den ,, zivilisirten" durchgeführt und müsse für die Wissenschaft auf einen größeren Maßstab ausgedehnt werden. die Arme. -selbe nun aus den nachgeschriebenen Notizen zusammengestellt werden, wozu es uns bisher an Zeit fehlte.) Dresden, 9. Juni. Gestern hatte wieder eine Versammlung von Maurern und Zimmerleuten statt; dieselbe war von etwa 300 Personen besucht und verlief auf das Beste. Ehe zur Statutenberathung übergegangen wurde, berichtete der Vorsitzende über den Strike*) der Leipziger Zimmerer. Die Versammlung sprach einstimmig ihre Zustimmung mit deren Vorgehen aus, und hieß die bereits vom Comité veranstaltete Sammlung für die Feiernden gut und es fiel diese trotz der schlechten Zeitverhältnisse und trotz der Entgegenstrebung von vielen Seiten nach Wunsch aus. Die verbreiteten Aufrufe werden das Ihrige beitragen und noch mehr Interesse erwecken. Die Statutenberathung ging schnell von Staaten; so weit die Statuten vom Comité vorberathen waren, wurden sie von der Versammlung angenommen. Morgen Abend wird das Comité die andere Hälfte berathen und dieselbe nächsten Dienstag der Versammlung vorlegen; dann werden wir die Statuten sofort zum Druck einsenden. Es wurden 22 neue Mitglieder aufgenommen; haben wir erst die Statuten dann wird die Anwerbung schneller gehen und auch nach auswärts betrieben werden. Dresden, 16. Juni. Mit unserer Internationalen Ge= werksgenossenschaft der Bauarbeiter geht es flott vorwärts. In der gestrigen Situng waren trotz des sehr schlechten Wetters an die 200 Mann da, die Mitgliederzahl ist auf 180 ge= stiegen. Ju Stolpen und Tetschen haben wir am Sonntag bei einer Fahnenweihe, wo über 50 Vereine versammelt waren, Aufrufe vertheilt. Für das„, Demokratische Wochenblatt" haben wir für das nächste Quartal bereits eine ganz anständige Zahl Abonnenten beisammen. Selbst aber erläuterte Redner nach den statistischen Erhebungen von Engel die bemittelten Gelehrten, welche ca. 5400 Thlr. Erzeugungskosten repräfentiren und zu deren bloßen Ersatz und Reproduktion vom 25. bis 63. Jahre jähr= lich 934 Thlr. verdienen müßten, kommen nicht auf ihre Kosten. Eugel sage darüber: ,, sicher und unaufhaltsam geht ein Volt zu Grunde, das fortgesetzt seine Arbeit unter dem Selbstkosten preise hergiebt." Der schlechte Erwerb der Gelehrten( z. B. Brivatdozenten gar kein Gehalt, außerordentliche Professoren bon europäischem Ruf oft weniger als die Universitäts- Kastellane) führe Viele derselben der geistigen Prostitution" in Redner zog eine Parallele zwischen förperlicher und geistiger Prostitution, die beide im sozialistischen Freistaat mit den Motiven dazu fortfallen würden. Den deutlichsten Beweis, daß keine Harmonie zwischen Kapital und Geistesarbeit bestehe, liefere das Verhältniß vieler Redakteure zu den Verlegern, ebenso alle Erfinder, alle Schriftsteller, so hätte z. B. Schiller 10 Jahre länger leben können, wenn er einen Aufenthalt in Italien hätte bestreiten können, während Cotta aus jeinen Werken Millionär wurde. Der in Weimar stattgehabte 4. Schriftstellertag habe eine erstaunliche Unwissenheit an den Tag gelegt, indem er über die Frage: ,, ob der Staat verpflichtet sei, zu Zwecken der Literatur jährlich eine bestimmte Summe auszuwerfen und ob es überhaupt wünschenswerth sei, den Staat zu Gunsten der Literatur in Anspruch zu nehmen", zur Tagesordnung übergegangen sei. Bis auf ein einziges Mitglied sei derselbe trotz seiner ,, Bildung" noch gar nicht zur nöthigen Einsicht in die Verhältnisse gelangt, und doch wolle man demi Arbeiter einreden, daß die Bildung gar direkt seine Berhältnisse bessern würde. Bildung sei ein so schönes, so trag. Bildung sei ein so schönes, so mächtiges Wort, daß Schulze mit demselben die Arbeiter stets auf beffere Zeiten habe vertrösten können. Wie könne man nur die Stirn haben, den Hunger mit Bildung stillen zu wollen? An dem gelehrten Proletariat könne man sehen, wie die Bildung die materiellen Verhältnisse bessere! Redner, der mit den Worten: Proletarier aller Länder und aller Berufsarten, vereinigt Euch!" schloß, schlug folgende Resolution vor: " Der demokratische Arbeiterverein erkennt an: 1) daß das Proletariat der Geiftesarbeit unter den heutigen gesellschaftlichen Zuständen ebenso der Macht des Kapitals unterworfen ist, wie das der Leibesarbeit, und daß die Emanzipation beider Klaffen durch den Sozialismus erfolgen 2) daß die Geiſtesarbeiter berufen sind, die Borkämpfer des Proletariats in Wort und Schrift zu bilden." Nach längerer lebhafter Debatte ward die Resolution von wird; Unsern auswärtigen Fachgenossen, welche uns um Statuten angegangen haben, bemerken wir, daß diese eben im Druc sind und schnellstens versandt werden sollen. Alle Briefe sind an W. E. Müller, kl. Frohngasse 5, Dresden zu richten. Crimmitschau, 15. Juni. Für gestern Abend hatten wir in Gewertsschaftsangelegenheiten zwei Bersammlungen anberaumt, eine für die Schuhmacher, eine andere für die Maurer und Zimmerleute. Da Stolle, der bei letzteren sprechen sollte, abgehalten war, so wurden die beiden Versammlungen vereinigt und hielt Motteler einen nahezu zweistündigen Vortrag. Alsdann wurde einstimmig beschlossen, die betreffenden Statuten von Dresden resp. Leipzig kommen zu lassen und sich auf Grund derselben zu organisiren, Liſten zur Einzeichnung auszulegen und die wöchentlichen Beiträge zu erheben um die Congresse durch Delegirte beschicken zu können. Vom nächsten Quartal bekommt das„ Demokratische Wochenblatt" von hier starken Zuwachs. Die Metallarbeiter sind bereits vorigen Sonnabend zujammengetreten und zwar ca. 50 Mann. Ein Delegirter fommit sicher zum Kongreß nach Nürnberg. Der Geist unter unfern Metallarbeitern ist vortrefflich, sie wollen auch die Nach= barstädte zu gewinnen suchen.( Brav! nur immer fräftig„ gewühlt" und gearbeitet. D. Red.) Crimmitschau, 14. Juni. Der Verwaltungsrath der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter hielt am Freitag ſeine ihre erste konstituirende Sigung und wurde beschlossen, die wöchentlichen Sitzungen jeden Freitag abzuhalten. Wir bringen dies Anträge, Mittheilungen u. s. w. so abzusenden, daß sie in jeder Woche bis zur Freitags- Sitzung rechtzeitig eintreffen. Glauchan, 14. Juni. Am 1. Juni hielten wir hier eine der großen Majorität der Anwesenden, worunter sich zahlreiche den Mitgliedschaften mit dem Bemerken zur Kenntniß, Gäste befinden, angenommen. Stellung der Sozialdemokratie können wir erst Den Vortrag Liebknecht's über die politische in nächster Nummer veröffentlichen. Durch ein Versehen wurde öffentliche Arbeiterversammlung ab, welche sehr zahlreich es versäumt, die Rede stenographiren zu laffen, und muß die besucht war. *) Merkur, der römische Gott des Handels. Söhne des Merkur, Raufleute. Tagesordnuag war: Referat über den Ge= werksgenossenschafts- Congreß und ein Vortrag über *) Wird Streit ausgesprochen. Rechte und Pflichten der Arbeiter. Herr Uhlig wurde zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt. Hr. Albert referirte über den ersten Punkt der Tagesordnung und erläutert die Paragraphen, welche auf dem Leipziger Congreß einige Abänderung erhalten hatten. Niemand aus der Versammlung hatte etwas gegen die Abänderungen einzuwenden und es zeichneten sich viele der Anwesenden in die ausgelegten Listen. Herr Otto hielt nun einen längeren Vortrag über Rechte und Pflichten der Arbeiter; er sagte daß die Pflichten der Arbeiter sehr groß seien, ja daß jetzt schon viele Arbeiter mit dem besten Willen ihre Pflichten nicht mehr erfüllen könnten; daß es hingegen mit den Rechten der Arbeiter sehr schlimm aussehe, wäh= rend die Bourgeoisie als vollkommen privilegirter Stand zu betrachten sei. Redner unterzog die Bourgeoisie einer scharfen Kritik und meinte, daß es die höchste Zeit sei, daß sich die Arbeiter organisirten, um sich ihre heiligen, ihnen vorenthaltenen Rechte zu erringen. Die Versammlung gab durch Bravorufen ihre Zustimmung zu erkennen. Nun ergriff Herr Richter ( Laffalleaner) das Wort und erläuterte in längerer Rede die foziale Frage, wies selbstverständlich auf Lassalle( als den Gott) hin, behandelte aber die soziale Frage immer nur als Magenfrage. Hr. Albert ergriff nun das Wort und zeigte Hrn. Richter, daß die soziale Frage nicht blos Magenfrage, sondern eine Kulturfrage sei, daß wir nicht blos materiell unsere Lage verbessern, sondern auch politisch geistig frei werden wollten, auch wollten wir keinen bevorrechteten Stand schaffen, sondern verlangten Gleichberechtigung für Alle. Diejenigen, Diejenigen, welche die soziale Frage blos als Magenfrage behandeln, hätten die soziale Frage noch nicht richtig erkannt; vor Allem aber sei es nothwendig, daß die Arbeiter Politif trieben um den freien Volksstaat zu schaffen, denn blos in letzterem sei die soziale Frage endgiltig zu lösen. Wer noch glauben könne, im jetzigen Staat sei die soziale Frage zu lösen, der sei ein Thor oder Berräther an der Arbeiterfache, und die sogenannten SozialDemokraten, welche jetzt noch Privilegien mit schaffen helfen, gehörten unter die königlich preußischen Hofsozialisten, wie Wagener. Nachschrift. Bei einer in St. Egidien abgehaltenen Bersammlung wegen der nun beendigten Landtagswahl, wo sich Adv. Krause aus Dresden für den dortigen ländlichen Wahlkreis aufgestellt hatte, traten Albert und Uhlig dem Adv. Krause und dessen Freund Adv. Judeich aus Dresden so kräftig gegenüber und fertigten sie so gründlich ab, daß diesen Herren wohl die Lust vergangen sein wird, mit unsern Leuten sich je wieder in einen Kampf einzulassen. 274 lung einnehmen, und vergaß dabei nicht, scharfe Hiebe gegen die National- Liberalen auszutheilen. Mit der größten Aufmerksamkeit hatten die Anwesenden zugehört und gaben durch lauten Beifall ihre Anerkennung. Hr. Uhlig von Glauchau sprach auch noch längere Zeit, er erläuterte ausführlich das Programm der Volkspartei, wies ebenfalls auf die Nothwendig keit der Organisation der Arbeiter hin und forderte zum Beitritt in den Verein auf. Er erntete ebenfalls allgemeines Bravo. Es erfolgten zahlreiche Einzeichnungen. Vorsteher des Vereins ist: Ernst Müller, Strumpfwirker. Hormersdorf bei Thum. Bei der neuen Vorstandswahl unsres Arbeitervereins ist Hr. Friedrich Richter zum Vorsitzenden gewählt worden, und bitten wir an diesen alle den Berein betreffenden Zusendungen zu richten. Leipzig, den 16. Juni. Am Freitag hielt Liebknecht im Buchdruckerverein einen Vortrag über Zwed, Organisation und Geschichte der Internationalen Arbeiter assoziation. Er schloß mit den Worten: ,, die Internationale Arbeiterassoziation ist der Anfang der Vereinigten Staaten - nicht vou Europa, sondern der Welt." Der und Am Montag versammelten sich in Esche's Restaura tion die Schuhmacher in Sachen ihrer Gewerfs- Genossen schaft. schaft. Es mochten etwa 150 Mann zugegen sein. Versuch einiger Skandalmacher( obenan Petzold ,,, Bevollmäc)= tigter" des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins verunglückter Agitator für Sachsen" die Versammlung zu stören, scheiterte an der energischen Haltung des Comités, welches sofort eine Zählung vornehmen ließ, wobei sich deat herausstellte, daß die Schreier wie immer eine winzige Minorität bildeten. Nachdem ihnen ein für allemal bedeutet wor den war, daß wir ihnen das Recht zuerkennen, unter sich ( im Pantheon u. s. w.) nach Herzenslust zu lärmen, nicht aber in unser en Versammlungen zu standaliren, und daß wir in diesen keine Ungezogenheiten dulden werden, entfernten sich die getäuschten Schreivirtuosen um so eiliger, als sie ja sonst auf eine Diskussion hätten eingehen müssen. Liebknecht hielt nun einen längeren Vortrag über Gewerksgenossenschaften, und setzte die Nothwendigkeit einer internationalen Organisation auseinander. Es fand eine ziemlich lebhafte Debatte statt, die schließlich zu einer vollen Verständigung führte. Einge zeichnet haben sich 58 Mitglieder. Anzeigen. Deutscher Arbeiterbildungs- Verein in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. Alle sozialistischen Schriften sind durch meine Vermittelung zu beziehen. Leipzig, Windmühlenstr. 23 Hintergebäude. C. E. Seifert. Langchursdorf b. Waldenburg, 14. Juni. Hier wurde gestern eine öffentliche Volksversammlung abgehalten, um einen Volksverein zu konstituiren. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht. Hr. Vogel aus Niederlungwit( Vorsteher des dortigen Volksvereins) wurde zum Vorsitzenden gewählt. Tagesordnung war: Die Stellung der Volkspartei zur sozialen und politischen Frage. Hr. Albert von Glauchau nahm nun das Wort und erläuterte in einem längeren Vortrag, indem er bis ins Alterthum zurückgriff, wie sich Stände gebildet, die sich stets als bevorrechtigt geltend ge= macht hätten und die Arbeiter stets ausgebeutet; wie ein Stand den andern wieder verdrängt hätte, wie sich jetzt aber ein Stand geltend mache( die Bourgeoisse), der im Bezug auf Ausbeutung gegen den Arbeiter alle andern Stände überträfe und darum sei es die dringenste Pflicht der Arbeiter, sich zu organi siren, um dieser Ausbeutung ein Ende zu machen. Der Redner wies nach, wie sich der Nationalreichthum immer mehr vermehrt, jedoch blos in den Händen Weniger sich anhäuft und die Maſſenarmuth der Arbeiter immer mehr überhand nehmen und u. s. w. Betreffend die politische Stellung der Volkspartei setzte er der Versammlung auseinander, daß und warum gegen den norddeutschen Bund eine streng oppositionelle Stet test. Neue Badische Landes- Zeitung Mannheimer Anzeiger. Demokratische Zeitung, redigirt von Dr. Josef Stern. Täglich 2 Mal in Groß- Royal- Format. Auflage 6800. Für das dritte Quartal 1869( Juli, August, September) im Ber Lage 1 fl. 15 fr. 22 Sgr., auswärts 1 fl. 34 fr. 26 Sgy.iry Anzeigen, für die inaltige Petitzeile 3 fr. sieran, lapetin si mie reichön sio Mannheim, im Buni antib Die Verlagsbuchhandlung J. Schneider. (* silk and Verantwortlicher Rechtsyssur Leipzig. ( Redattion: Bat. 11). Drud und Verlag: F. I biele. Expedition: Petersstraße 18. 11 Bellage zum demortuitjujen woujeva ut. U Die Schneiderei in London, oder: Der Kampf des großen und des kleinen Kapitals. Von J. G. Eccarius. ( Fortsetzung.) Bei der feinsten Tucharbeit ist der geschickte Handarbeiter noch immer Hahn im Korbe, die Maschine dient ihm als Handmagd, um die Schönnäherei zu machen. Arbeitet er in einer Werkstelle, so hat er gewöhnlich selbst eine Maschine und einen Maschinisten oder eine Maschinistin für die Verzierungen. Arbeitet er zu Hause, so hat er gewöhnlich selbst eine Maschine und näht abwechselnd mit der Hand und der Maschine. Nach den Berichten der„, Children's Employment Commission"( des Ausschusses zur Untersuchung der Kinderarbeit) arbeitete schon im Jahr 1863 nur ein Fünftel der Londoner Schneider in den Werkstellen ihrer Arbeitgeber. Die meisten arbeiten zu Hause mit einem oder zwei Frauenzimmern. Hier muß der Maschinist mit der Hand nähen können, denn es giebt nicht Arbeit genug, um die Maschine beständig im Gange zu halten. So oft etwas für die Maschine bereit ist, wird der Fingerhut ab= genommen und die Nähmühle in Bewegung gesezt. In den Wertstellen, wo Viele arbeiten und die Nähmaschine den ganzen Tag im Gange erhalten werden kann, braucht der Maschi nist nicht nähen zu können. Aber hier fällt es häufig vor, daß der Schneider, welcher die Handarbeit thut, der Maschine zusehen muß, während sie den ihr vorbehaltenen Theil thut. Dieses ist eine Art Zwitterbetrieb, der entweder das Handwerf oder die Mechanit, vielleicht beides zn gleicher Zeit nothzüchtigt. Doch giebt es selbst schon im Westend Leute, welche die Sache systematischer betreiben. Es sind ebenfalls Schneider, die zu Hause arbeiten, aber Arbeit, hauptsächlich grobe Arbeit d. h. andere Zeuge als geschorenes Tuch mehreren Geschäftshäusern holen und wieder Andere engagiren, die für sie zu arbeiten haben. Sie sichern sich die grobe Arbeit dadurch, daß sie sie billiger machen als die Arbeiter in den Werkstellen. Diese haben gewöhnlich Maschinisten, die weiter nichts thun als mit der Nadel arbeiten, und sie lassen nichts durch Handarbeit thun, was die Maschine thun kann. Der Schneider, der hier arbeitet, sorgt nur dafür, daß Alles an den rechten Ort kommt und der Rock oder die Hose die rechte Form erhält. Er näht keinen Stich, den die Maschine oder die mit ihm arbeitenden Weiber nähen können. aus Stich zu thun oder je einen Stich gethan zu haben. Sie kennen so viel von der Schneiderei, daß sie einen Rock von einem Scheunenthor unterscheiden können, sie haben Geld um Maschinen zu kaufen, und bieten dem Kapitalisten, der ihnen die Waare anvertraut, eine gewisse Sicherheit gegen die Mög lichkeit eines Verlusts, welche der arme Sloparbeiter nicht bieten kann. Diese Middlemen revolutioniren die Schneiderei. Weil jeder Pfennig, den sie dem Arbeiter abwenden können, für sie ebensoviel Verdienst ist und die Röcke stets hundertweise gemacht werden, so wird die Arbeit bis ins Kleinste getheilt, und der Arbeitslohn variirt mit der Arbeit. Es giebt schon Middlemen, die außer dem Presser oder Bügler gar keinen Mann mehr beschäftigen. Die Maschinistin erhält 15-16 Schillinge die Woche; die Vorrichterin, die für die Maschine vorbereitet, 12-14 Schillinge; die Knopflochmacherin, von denen viele keinen Stich andere Arbeit thun können, 14-15 Schillinge; die Nachnäherin 7-10 Schillinge. Der Presser erhält ein Pfund Sterling.*) Hier hört alle Gewerbe- Ordnung auf. Es ist Kleidermachen ohne Schneider, oder mit Schneidern, von denen Keiner eine Nachtjacke machen fann ohne die Hülfe Anderer. Der Eigenthümer des Geschäfts hat ungefähr so viele technische Kenntnisse von der Schneiderei wie ein großstädtischer Fetthändler von der Viehzucht. Er ist gleichzeitig Eigenthümer einer Hut, Stiefel-, Hemden- und Nachtmäßenfabrik, Alles unter einem Dache. Sein Zuschneider braucht nur zu wissen, wie man einen Rock schneidet und wie ein Rock aussehen muß, wenn er fertig ist. Es giebt schon Zuschneider, die von der Schneiderei weiter nichts gelernt haben. So haben wir 1. den Zuschneider, 2. die Vorrichterin, 3. die Maschinistin, 4. die Knopflöchermacherin, 5. die Nachnäherin, 6. den Bresser. Diese sechs Personen vereinigen unter sich die Eigenschaften Eines Schneiders, d. h. die Geschicklichkeit einen Rock zu machen, aber keine von ihnen kann ohne alle übrigen einen Rod machen. Daß flingt wie moderne Industrie. Der Presser lernt sein Geschäft irgendwo, nur nicht in der Schneider- Werkstelle. Ein Bekannter von mir ging vor einiger Zeit nach einer Presserstelle, und sagte zu dem Mann, der den Presser brauchte: ,, Ein Pfund ist aber sehr wenig, so viel fann ich bei der schlechtesten Arbeit mit Nähen verdienen." Er dachte, das Pressen sei mehr werth weil anstrengendere Arbeit. Dh!" erwiderte der Mann ,,, ich will ja keinen Schneider! einen Handlanger oder Steinbrecher, einen starken Kerl." So ist die Thongrube oder der Steinbruch bereits eine Pflanzschule der Kleiderfabrik geworden. Wo ist des SchneiderhandEr tann einen ganzen Rod machen, weil er zünftig gelernt werks ,, goldener Boden?" hat, aber seine Arbeit ist zu kostspielig; deshalb thut er Nichts, In London ist es schon seit längerer Zeit was Andere thun können, die weniger Geld bekommen. Diese Gebrauch, daß kleine Meister die wohlfeilen Leute thaten uns während des Strifes von 1867 sehr viel Alltagsröcke ihrer Kunden aus den großen LaSchaden. Bis dahin hatten sie hauptsächlich für Geschäfte gern beziehen. Wie im Buchhandel erhalten sie gewisse weiter Klasse gearbeitet. In den ersten Geschäften mußte mit Prozente des ordentlichen Verkaufspreises, was ihnen mehr einDer Maschinenarbeit sehr vorsichtig zu Werke gegangen werden. bringt, als wenn sie die Sachen selbst machten. Die Vollpreiskunden waren entweder ganz und gar gegen die Und wo kamen alle die Schneider her, die London seit Maschinenarbeit, oder sie verlangten einen billigeren Rock. All vierzig Jahren überfüllten? Vom Lande. 1861 verhielt sich mählich gewöhnten sie sich daran, die Maschinenarbeit nicht die Zahl der Jünglinge von 15-20 Jahren zur männlichen mehr als etwas anzusehen, das an sich selbst gemein war, und 10 der Strike verscheuchte die letzten Strupel. An der groben hältniß bisher hinreichte, eine sich vermehrende Bevölkerung zu Arbeit war immer am meisten zu verdienen, seit dem Strife erhalten, und noch Raum gab zu einer bedeutenden Auswan in der Embryo- Fabrik und folglich dahin geschickt.*) Schneiderlehrlinge von demselben Alter im Verhältniß zu den die Middlemen**), die zwischen dem eigentlichen Arbeiter und Die Blutsauger, die durch die Waschine entstanden, sind Erwachsenen zahlreicher waren, um so mehr, da die Schneider weniger auswandern als andere Leute. Unter den irischen dem Kapitalisten stehen. Sie verdienen viel Geld, deshalb Auswandrern fam in den 50er Jahren ein Schneider auf 489 arbeiten sie nicht. Im Ostend, bei der Sloparbeit, giebt es deren, die wöchentlich 300-400 Röde liefern, ohne selbst einen auf 300 Mann. * Embryo Fabrit im Kleinen, eine im Entstehen begriffene Fabrik. **) Eigentlich Mittelmänner, Zwischenleute, Vermittler; dasselbe was bei der Weberei die Faktore oder Berleger. der Keim, die unreife Frucht; Embryo- Fabrik, eine Mann, im ganzen Königreich Jrland vor 1863 ein Schneider Seitdem wandern sie zahlreicher aus, aber bei Weitem nicht im Verhältniß der Bevölkerung. 1841 famen *) 1 Pf. St. 6 Thlr. 20 Gr.; der Shilling 3 Sh. 1 Thlr. 10 Gr., also in London 10 Lehrlinge auf je 105 Erwachsene, in England außer London 10 auf 49, in Schottland 10 auf 34, in Jr land 10 auf 41. 1861 in London 10 auf 120, in England außer London 10 auf 57, in Schottland, in den Ackerbaudistrikten 10 auf 29, in den Stadtdistrikten, 10 auf 49, in Jrland 10 auf 35. Von den Schneidern der vereinigten Königreiche, die 1841 über 15 Jahre alt waren, fanden sich 1851 73 Prozent am Leben d. h. über 25 Jahre alt. Aber in Irland waren nur 43 Prozent, in Schottland 49 Prozent, in England dagegen 81 Prozent, in London 86 Prozent am Leben. Die verschiedenen Altersstufen ergaben 1861 Folgendes: Schneider- Alter in fünfjährigen Perioden. Irland Schottland London 30-35 15-20 20-25 25-30 3,880 3,303 1,991 1,757 2,566 2,189 1,864 1,700 2,600 1,725 1,634 2,517 Der Strom von Außen reicht nicht allein hin, die Lücken, welche der Tod macht,- und diese sind nicht klein in den in den höhern Altersstufen auszufüllen, sondern selbst die Zahl noch zu vermehren. Außer Irland, Schottland und den nördlichen und westlichen Grafschaften von England liefert der Kontinent*) von Europa sein Kontingent. 1861 war jeder 14. Ausländer in London ein Schneider und auf je 17 fremde Schneider tamen 9 Deutsche. Und hier finden wir abermals die Bauern vorherrschend. Von den 1,730 Ausländern waren 913 Deutsche, unter den Deutschen waren 17 Destreicher, 256 Preußen, 640 aus den fleinen Fürstenthümern. Unter den Slopschnei dern habe ich nie einen Franzosen gefunden, nie einen Schotten, wenige Engländer, aber viele Irländer, Deutsche und polnische Juden. Die jungen polnischen Juden ziehen die Lon doner Sloparbeit dem russischen Militärdienste vor. ( Schluß folgt.) Der Normalarbeitstag. I. Unter ,, Normal- Arbeitstag" versteht man gesetzliche Bestimmungen( Normen) über die Zahl und Eintheilung der Tagesstunden, während welcher Arbeiter in Werkstätten und Fabriken beschäftigt werden dürfen, wie z. B. Beschränkung der Arbeitszeit überhaupt, der Nachtarbeit insbesondere, Festsetzung der Arbeitspausen u. s. w. In Frankreich gilt ein Normal- Arbeitstag seit 1848: es darf in allen Ateliers und Fabriken Niemand mehr als 12 Stunden täglich beschäftigt werden, Kinder von 9 Uhr Abends bis Morgens 5 Uhr gar nicht. Da in den meisten fabrikmäßigen Produktionszweigen die Arbeit Erwachsener mit der von Kindern derart verbunden ist, daß die einen den andern ,, in die Hände" arbeiten, so ist durch letztere Bestimmung die Nachtarbeit in vielen Branchen auch für die Erwachsenen, wenn nicht direkt, so doch indirekt faktisch verhindert. In England existirt ein Normal- Arbeitstag für Kinder, Personen unter 18 Jahren und Frauenzimmer jeden Alters in den hauptsächlichsten Produktionsgebieten. Die wichtigsten Bestimmungen hierüber sind in den Fabrikgesetzen von 1833, 44, 47( der sogenannten Zehnstundenbill) 50, 53, 60, 61, 63 und 67 enthalten. Diesen Gefeßen zufolge dürfen Kinder unter 13 Jahren täglich nur 6½ Stunden und bei Nacht gar nicht, junge Leute bis zu 18 Jahren und Frauenzimmer jedes Alters nur 10 Stunden täglich, und bei Nacht ebenfalls gar nicht, beschäftigt werden. war, daß die Praxis auch den Arbeitstag der erwachsenen männlichen Fabritarbeiter auf 10 Stunden beschränkte und die Nachtarbeit unterdrückte, aus dem bereits angegebenen, in der Produktionsweise liegenden Grunde. Die englische Fabrikgesetzgebung umfaßt ursprünglich alle Baumwoll-, Woll-, Flachs- und Seidenfabriken( Spinnereien und Webereien); 1845 wurden ihr auch die Kattundruckereien unterworfen, 1860 die Färbereien und Kunst- Bleichereien, 1861 die Spizenfabrikation und Strumpfwirkerei, 1863 die Töpferei, Glaserei, Porzellanund chemische Fabriken, Sammt Scheererei und zahlreiche andere Arbeitsprozesse, 1863 die ,, Natur- Bleicherei"( im Freien) und die Bäckerei, neuerdings die Bergwerke, die Cigarrenfabrifation, Buchdruckerei, Buchbinderei und viele andere Fabrikationszweige. Sowohl in Frankreich als in England sind die Arbeitgeber, welche den die Arbtitszeit normirenden Gesetzen zuwider handeln, mit Strafe bedroht und sind Behörden eingesetzt, welche die Ausführung dieser Gesetze überwachen. Das find Thatsachen. Thatsachen sind ferner, daß in Frankreich ein weiter beschränkter Normal- Arbeitstag erstrebt wird, daß die englischen Arbeiter ihre Praxis zum Staatsgesetz zu erheben große Anstrengungen machen, daß sich durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika, vom atlantischen bis zum stillen Ocean die Agitation für einen achtstündigen Arbeitstag erstreckt( der vom Congreß bereits für die Staatswerkstätten eingeführt ist) und daß auch in Deutschland demokratischer Seits, abgesehen von Kinder und Frauenarbeit, auch für den Arbeitstag der männlichen erwachsenen Arbeiter, und zwar für städtische wie für ländliche, gesetzliche Bestimmungen verlangt werden. = Von anderer Seite nun wird dieses Verlangen mit zahl reichen Gründen bekämpft. Man sagt, wenn weniger gear beit würde, so würde auch weniger Lohn bezahlt werden, namentlich bei Akkord- Arbeit, und das wäre doch nicht gut, zumal da schon jetzt fast allgemein über zu niedrige Löhne ge klagt werde. Man bestreitet, daß die tägliche Arbeitszeit in allen Geschäften eine annähernd gleiche sein tönne, da der Grad der Anstrengung ein sehr verschiedener sei. Man sagt ferner, es sei grausam, einem ,, zurückgekommenen" Arbeiter, der z. B. eine zahlreiche Familie habe, die Ueberarbeit, mit der er sich herausziehen" könnte, durch Gesetze zu untersagen. Man erklärt eine gesetzliche Normirung des Arbeitstags für eine Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit und der Frei heit des Verkehrs, indem man davon ausgeht, daß die Arbeit die Waare des Arbeiters sei, und es ihm freistehen müſſe, wie jedem Kaufmann, so viel oder so wenig von seiner Waare täglich zu verkaufen als er könne und wolle. Man verweist und auf den Druck, den sie ja auf die Arbeitgeber durch Coa die Arbeiter auf die freie Vereinbarung im Privatwege hin, litionen c. zur Verkürzung der Arbeitszeit ausüben können, will aber von Zwangsgefeßen nichts wissen. Derartige Ge also die Macht und den Einfluß der Regierungen, während seze, sagt man, erfordern eine eigene Polizei, vermehren man doch gerade genug Polizei habe und eher über zu viel, als über zu wenig Regiererei flage. Verbesserungen der Produktionsweise( Maschinen) so hofft man endlich, duktionsweise( Maschinen) die Arbeitszeit von selbst verkürzen. würden Gehen wir nun an eine unbefangene Prüfung Deſſen, was auf der einen Seite gefordert, und dessen, was auf der andern Seite dagegen eingewendet wird. Bestellungen auf die Mannheimer Abendzeitung, Organ der deutschen Volkspartei in Baden, Die nächste Folge dieser Bestimmungen wollen für das 3. Quartal möglichst frühzeitig bei der nächsten Boſtanſtalt gemacht werden. Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. I ( Redaktion: Brauftr. 11). Verlagspreis vierteljährlich 1 i., durch die Post bezogen 1 fl. 15 fr. Inserate 3 fr. die einspaltige Petitzeile. Probenummern stehen franko und gratis zu Diensten. } Leipzig.{ Druck und Verlag: F. Thiele. Expedition: Petersstraße 18.