Demokratisches Wochenblatt. Organ der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. No. 27. Leipzig, den 3. Juli. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Bostanstalten sowie hier am Playze einschließlich Bringerlohn 121 Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika zc. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. ( Mende.). Ueber die Inhalt: Politische Uebersicht. Bierter Jahreskongreß der Internationalen Arbeiter- Assoziation. Sozialdemokratie. Die Einigung der deutschen An Herrn Dr. Schweitzer in Berlin. politische Stellung der Sozial- Demokratie. Contra Schweitzer- Hayfeldt Fabrit- und Handarbeiter. Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Bororts- und Arbeiter- AngelegenWarrasdin, Nürnberg, Bamberg. Fürth, Hamburg, Berlin, ftädt, Crimmitschau, Reichenbach, Leipzig. Beilage: Aus England. Dresden, Zwickau, Ehrenfriedersdorf, Magdeburg, Coburg, Meran, BurgContra Schweitzer- Hatzfeldt- Mende. Anzeigen. heiten. Politische Uebersicht. Krieg oder Friede? Bor 10 Tagen hielt Bonaparte im Lager von Chalons eine ,, triegerische" Rede, sprach das unverschämte, dem Jenseits des Rheins schießt der Cäsarismus die Menschen todt, diesseits des Rheins läßt er sie verhungern. Es kommt auf Eins heraus, nur daß jene Prozedur etwas rascher und weniger schmerzhaft ist als diese, freilich auch nicht so gründlich aufräumt. Man höre nur: Einen Begriff von der entsetzlichen Höhe des ostpreußischen Nothstandes, schreibt die Berliner„ Zukunft", erhält man jetzt erst aus einer Zusammenstellung der Geburts- und Sterbelisten für den Regierungsbezirk Königsberg. Der durchschnittliche Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle betrug bis zum Kriegsjahre 1866 jährlich 16,572, und zwar im Jahre 1865 volle 16,641 Köpfe. Im Jahre 1866 fant er auf 3072 Köpfe herab; hatte doch der Krieg, außer den Verlusten auf dem Schlachtfelde, noch 9055 Menschenverluste Jm nächsten, durch auffällig Geist des 19. Jahrhunderts ins Gesicht schlagende Lästerwort durch die Cholera im Gefolge. Civi. Die Geschichte unsrer Kriege ist die Geschichte unsrer Civilisation" fielen, Krieg! Krieg! Sprach's und Europa zitterte; die Fonds Bor 8 Tagen hielt der nämliche Bonaparte auf der Vieh ausstellung in Beauvais eine friedliche" Rede, sprach, die Ruhe werde nicht gestört werden- sprach's und Europa jubelte freudig auf; die Fonds stiegen, Friede! Friede! Und so hängt Europa an dem Munde eines Mannes, der sich selber 1 nicht dieses Eine Mal allein, sondern schon zahlreiche Eheschließungen ausgezeichneten Jahre, stieg der UeberIn Folge der schuß der Geburten nur auf 11,672 Köpfe. Trauungen durfte man für 1868 einen Ueberschuß von wenigſtens 20,000 Geburten erwarten; in Folge des Nothstandes aber starben 2329 Menschen mehr als geboren wurden. Das Kriegsjahr hat also dem einen Regierungsbezirke etwa 14,000, das Nothjahr gegen 20,000 Menschenleben gekostet. Nun ist der Königsberger Bezirk nicht so schwer betroffen wor= den wie der Gumbinner, und die Hungersnoth hat sich bis hundert, ja tausend Mal Lügen gestraft hat. Welche Misère! nach Westpreußen und Pommern ausgedehnt. Wir dürfen darum Uebrigens häufen sich in Frankreich von Neuem die krie= gerischen Symptome: aus dem Lager von Chalons sind drei, so beharrlich abgeleugnet haben, der Einen preußischen worden; und die Belgisch- Französische Frage ist urplötzlich Fünfzigtausend Menschenleben kurz nach den durch den Krieg preußische Offiziere in recht unfreundlicher Weise ausgewiesen Provinz fünfzigtausend Menschenleben gekostet hat. wieder aufgetaucht. Dazu fortwährende Rüstungen im folos verursachten Verlusten! falsten Maßstabe. Der Srife in St. Etienne scheint seinem Ende zuzulaufen. Die Grubenbesitzer haben sich bereit erklärt: Neulich, als Wilhelm ,, der Ritterliche" in Bremen war, wetteiferten die dortigen Philister mit einander in hündischster Servilität. Einige Mitglieder des ostpreußischen Provinziallandtags haben diese jämmerlichen„ Republikaner"( die wahrhaftig werth sind, von Großmecklenburg annektirt zu werden) durch ihre mannhafte Antwort auf das Ansinnen, dem König ein ,, Nationalfest" in Königsberg zu veranstalten, recht grausam beschämt, wenn solches Volt überhaupt der Schaam 1) Jm Princip die Gründung einer einzigen Kaffe anzunehmen, welche ihre Hülfsquellen aus Abzügen von den Arbeitslöhnen und freiwilligen Zuschüssen der Compagnien schöpft. Diese Kaffe wäre ins Leben von, durch ihre Kameraden gewählten Arbeitern und von Compagniezu rufen nach Statuten, die in Berathungen eines gemischten Comité Bergmanns in den Gruben, die Anfahrt, die Auffahrt und die Mahl- fähig ist. Sie antworteten dem Landtagsmarschall, der die Delegirten vereinbart worden. 2) In Zukunft soll die Anwesenheit des 3) Ohne eine Discussion über die Arbeitslöhne zurückweisen zu wollen, zeiten mit eingerechnet, in keinem Falle 11 Stunden täglich übersteigen. protestiren die Direttoren gegen einen gleichförmigen Tarif, da die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Theilen des Departements wefentlich verschieden; der von den Arbeitern vorgeschlagene Tarif würde überdies den Betrieb vieler Gruben aufhören machen.(?) Jedenfalls hätten über die Feststellung des Arbeitslohnes die Berglente je mit ihrer Comhandlungen. eingelassen und ist auch mit mehreren GrubenAuf dieser Grundlage haben die Arbeiter sich in Unterbesitzern bereis eine Einigung erzielt worden. pagnie zu unterhandeln. ,, Einladung" hatte ergehen lassen: ,, Ew. Hochgeboren " erlauben wir unterzeichneten Mitglieder des Provinzial- Landtages der Provinz Preußen auf die erhaltene Zuschrift vom 8. Juni ganz ergebenst zu erwidern, daß wir es bedauern, bei dem von Ihnen vorge schlagenen Feste zum Empfange Sr. Majestät des Königs bei Gelegenheit des diesjährigen Corpsmanövers uns nicht betheiligen zu können. Einmal ist die pecuniäre Lage der Einfassen unserer Provinz nicht eine solche, um derartige Feste in Szene zu setzen, und wenn Sc. Majefta in richtiger Beurtheilung unserer Verhältnisse auch jeden unverhältnis mäßigen Aufwand vermieden zu sehen wünscht, so wird derselbe doc immer ein derartiger sein, daß er mit unserer jüngsten Bergangenheit nicht im Einklang steht. Eine Provinz, die vor einem Jahre noch an allen Thüren bettelte, für welche in der ganzen Welt Almosen Die Opfer der Megelei des 16. Juni wurden am 20. Tausende folgten den Särgen und Tausende und aber Tau- gesammelt wurden, eine Provinz, in welcher es viele landrächliche Kreise jende schworen Rache am Grabe der Gemordeten! giebt, in denen seit Monaten fast an jedem Tage ein Landbesitz unter den Hammer des Auctionators fommt, in der täglich und stündlich die Klaffe der Besitzenden sich vermindert und die Klasse der Proletarier fich vermehrt, darf ein derartiges Fest nicht feiern, wenn fie nicht die gerechtfertigt scharfe kritit der Welt auf sich leufen will." Unterzeichnet ist das Schreiben: Käswurm- Puspern, Millauer- Augupönen, Prager- Krausenwalde und Benthöfer, Stadtverordnetenvorsteher in Gumbinnen. Hut ab vor diesen vier Männern! eingeflicte Bestätigungsrecht des„ Reichstags" war eine Lächerlichkeit, da der ,, Reichstag" nur furze Zeit im Jahre zusammen ist und ihm obendrein feinerlei Macht zu Gebote steht, eine Nichtbeachtung seines Bestätigungsrechtes Seitens des Grafen Bismard zu verhindern Es war also auch nicht zu verwun dern, daß der„ föniglich preußische Hoffozialist", Bismards 296 Rathgeber, Geheimrath Wagener, sich warm für die ,, FabrikInspektoren" verwandte. Herr v. Schweitzer zog übrigens den Antrag furz vor der Abstimmung zurück, als er hörte, daß Bebel sich gegen den Antrag zum Worte gemeldet und ihn aufs Entschiedenste bekämpfen würde. Wie halbamtlich aus Berlin gemeldet wird, will die preußische Regierung demnächst, vorläufig bloß provisorisch, einen Generalfabrikinspektor ernennen, welcher die Verernennen ,,, welcher hältnisse der Arbeiter in den Fabriken eingehend zu prüfen und zu überwachen und auf Grund seiner Wahrnehmungen ein vollständiges und definitives Fabrikaufsichtsgesetz auszuarbeiten hat." Ob Graf Bismarck nicht den Hrn. v. Schweizer für dieses Amt in Aussicht genommen hat? Wo nicht, so möchten wir denselben hiermit bestens empfohlen haben. Ist Hr. von Schweitzer doch Urheber des nachstehenden Antrags anf Einführung von Fabrik- Inspektoren, welchen er bei Gelegenheit der Berathung der Gewerbeordnung einbrachte: I. In allen Großbetriebs- Unternehmungen darf ein Lohnarbeiter richt länger als 12 Stunden der Tages- oder Nachtzeit beschäftigt werden. Von dem Augenblicke der beendeten Arbeitszeit eines Tages oder einer Nacht bis zum Wiederbeginn der Arbeit müssen 12 Stunden ver= floffen sein. Unter Großbetriebs- Unternehmungen werden verstanden alle diejenigen Unternehmungen, bei welchen mindestens 10 Lohnarbeiter zur Produktion von Waaren oder zu persönlichen Dienstleistungen thätig find; insbesondere der Geschäftsbetrieb, welcher sich vollstreckt in Fabriken, Werkstätten, Berg-, Hütten- oder Pochwerken, auf landwirthschaftlichen Gütern, auf Schiffswerften, bei Eisenbahnen, Dampfschiffen c. c. In Fabriken und Werkstätten ist innerhalb der 12 Arbeitsstunden, wenn dieselben in die Tageszeit fallen, den Lohnarbeitern eine Pause von je einer halben Stunde Vor- und Nachmittags und von einer Stunde Mittags zu gestatten, so daß also die wirkliche Arbeitszeit in ihrem er= laubten Höchstbetrage fich auf 10 Stunden beläuft. Eine entsprechende freie Zeit ist bei der Nachtarbeit zu bewilligen II. Zum Zwecke thatkräftiger Durchführung der zu Gunsten der Arbeiter getroffenen Bestimmungen werden Bundesbeamte mit dem Titel " Fabrit- Inspektoren" ernannt. Diesen Inspektoren kommen, soweit es sich um Ausführungen dieses Gesetzes sowie überhaupt aller auf den Schutz der Arbeiter berechneten Bestimmungen handelt, alle amtlichen Befugnisse der Polizeibehörde zu. Insbesondere sind alle GroßbetriebsUnternehmer verpflichtet, zu jeder Zeit, namentlich auch in der Nacht, amtliche Vifitationen zu gestatten. Die Fabrik- Inspektoren sollen: 1) überhaupt drauf achten, daß in Gemäßheit der gesetzlichen Bestimmungen verfahren wird. 2) Sie haben gegen die Verwaltungs- und Polizeibehörden, wenn diese ihrer Pflicht nicht nachkommen, sofort bei den Oberbehörden Beschwerde zu führen. 3) Insbesondere haben dieselben sich persönlich durch Visitation der Betriebsstätten, durch unvermuthetes Erſcheinen daselbst zu überzeugen, daß die zum Schutze der Arbeit getroffenen Bestimmungen streng inne gehalten werden. 4) Ebenso haben sie dafür zu sorgen, daß die, in den einzelnen Landes- Gesetzgebungen in gesundheits- polizeilicher Beziehung zum Schutze des Arbeitspersonals getroffenen, beziehungsweise die von der Bundes- Gesetzgebung noch zu treffenden Bestimmungen aufrecht erhalten werden. 5) Strafrechtliche Zuwiderhandlungen, welche ihnen bekannt werden, haben sie sofort dem Staatsanwalte oder der sonstigen kompetenten Justizbehörde anzuzeigen. 6) Sie haben über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen, sowie überhaupt über ihre amtliche Thätigkeit jährlich einmal, und zwar im Laufe des Monats Unsere Aeußrungen über den Berliner Lehrertag hat man uns vielfach verargt. Wir haben nun die Genug thuung, in der besten pädogogischen Zeitschrift Deutschlands, dem ,, Wegweiser" Sad's und Beeger's einem mit dem unfrigen genau übereinstimmenden Urtheil zu begegnen. Der Weg weiser" sagt:„ Der Kampf ist entbrannt, alles drängt nach der Entscheidung hin; Rechts und Links, Fortschritt und Rüd gang Freund und Feind jedes sucht die Fragen, für die wir in den Kampf gezogen, die hochwichtigsten Fragen der Volks bildung zu lösen. Jedes natürlich in seinem Sinne. Die Regierungen drängen, die Priester, die Landtage, die Gemein den, die politischen und sozialen Parteien. Es handelt sich dabei um Fragen der Staats- und Gemeinde- Verfassung, um Fragen, welche tief in das innerste Volksleben greifen. Da fam die 18. allgemeine deutsche Lehrerversammlung. Das ganze deutsche Volk erwartete von ihr einen Wahrspruch zu diesen Fragen. Die 18. allgemeine deutsche Lehrerver sammlung hat geschwiegen. Nur beiläufig hat sie einige Aeußerungen mit lebhaftem Zuruf aufgenommen, leider Aeußerungen, welche den Bestrebungeen der Gegenwart entschieden nicht entsprechen. Wir haben erkannt, daß es unter den deut schen Lehrern eine Partei giebt, welche die Phrase ohne Sinn hoch hält, um dem barten Kampf um die Sache aus dem Wege gehen zu können. Das wollen wir nicht! Uns ist die Phrase nichts, die Sache alles!" In Baden ,, großer Sieg" über die„ Ultramontanen" oder„ Schwarzröcke" in der Schulfrage. Die Demokraten jubeln und die Nationalliberalen jubeln auch. er die Marschall Serrano, der neugebackne ,, Regent" von Spanien, ist nun offen mit der Candidatur des Herzogs von Montpensier hervorgetreten, hat aber erklärt, daß selbe ,, nur auf gesetzlichem Wege" betreiben und die Entschei dung dem„ freien Willen" des Volks anheimſtellen werde. Wie ehrlich er es damit gemeint hat, erhellt aus der soeben in der Kammer abgegebenen Erklärung seines Ministers Sagasta, daß der Ruf: es lebe die Republik! als verfassungswidrig und der von den Certes gewählten Regierungsform feindselig hinfort Januar über das verflossene Kalenderjahr, an den Bundeskanzler verpönt sei! Wenn der Ruf: es lebe die Republik! verpönt Bericht zu erstatten. 7) In diesem Berichte sind auch diejenigen Fabrik Ordnungen zu bezeichnen, welche, ohne gerade gegen das Gesetz zu verstoßen, sich doch durch besondere Härte und Unbilligkeit auszeichnen. 8) Ueberhaupt sollen dieselben alle Wahrnehmungen, welche ihnen in Betreff der Arbeiterverhältnisse erheblich scheinen, amtlich zur weiteren die ist, wird man mit dem gleichen Recht auch bald jedes für Republik gesprochene oder geschriebene Wort bestrafen wollen. Es liegt im Wesen der Monarchie, wie jeder auf Ungleichheit und Autorität gegründeten Regierungsform, daß sie prinzipielle Kenntniß bringen. Der Bundeskanzler bat dafür zu sorgen, Gegner zu unterdrücken sucht; wirkliche Freiheit, Freiheit daß eine genügende Anzahl Fabrik- Inspektoren ernannt wird. Jede Ernennung ist dem Reichstage des norddeutschen Bundes zur Bestätigung vorzulegen. In jeder Stadt von über 50,000 Eindes Denkens und Handelns kann nur der demo fratische Freistaat gewähren. Wir wundern uns wohnern soll ein Fabrik- Inspektor seinen ständigen Sitz haben mit aus- deshalb nicht im Mindesten über die Erklärung Sagasta's( der schließlichem Wirtungskreis für diese Stadt und ihre Umgebung von 5 Stunden im Umkreis. Die jährlichen Berichte der Fabrik- Inspektoren find vom Bundeskanzler spätestens im Monat März zu veröffentlichen Derselbe hat dafür zu sorgen, daß die Berichte in einer Form und nach Gefichtspunkten erstattet werden, welche sie zugleich zu statistischen Zwecken brauchbar machen. bringen, welcher der preußischen Regierung, speziell dem Grabekanntlich die Metzeleien von Malaga auf dem Gewissen hat), Zeiten ihre Nuzanwendung daraus ziehen. und wollen bloß hoffen, daß die spanischen Republikaner bei Der Herzog von Montpensier hat bereits die spanische Gränze überschritten und sucht sich seinen fünftigen Unter 11 Wir fragen, ob es möglich war, einen Antrag einzu- thanen" möglichst angenehm zu machen. Bis jetzt ist ihm das aber nicht gelungen; an verschiedenen Orten haben Kundgebun fen Bismarck die soziale Frage und den Einfluß auf die ganze gen gegen ihn stattgefunden, und der kronentolle Sobn des Arbeiterbewegung vollständiger in die Hände spielte, als dieser fortgejagten Louis Philipp sollte doch nachgerade begriffen Antrag des Hrn. von Schweiter? Das in den Antrag mit haben, daß der spanische Thron, wenn überhaupt noch aufzu richten, nur in Mitten eines Blutmeers aufgerichtet werden kann, das bevor lange den Thron sammt Inhaber verschlingen muß. Sicht der Verblendete nicht den Schatten Maximilian's? Nun was fümmert's uns? Möge der Königssohn dem Bug seines Herzens folgen und uns bald Gelegenheit geben, auszurufen: Ein König weniger! Das Volk hat eine gewisse naturwüchsige Logik, die es besonders in großen politischen Fragen, in Momenten hoher Aufregung meist das richtige Ziel treffen läßt. Wir haben dies vorige Woche an den französischen Arbeitern gesehen, die sich wegen der Blutthat von St. Etienne nicht an die Werkzeuge, sondern direkt an den Kaiser halten. Ganz Aehnliches finden wir jetzt in Italien. Die Leser erinnern sich des Mordversuchs auf den Abgeordneten Lobbia, der einen Schlag geführt hatte gegen die schmachvolle CorruptionsWirthschaft, welche auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens herrscht. Wer hat den Mordversuch gemacht? Der Mörder ist nicht bekannt, und wird bei der elenden Verwaltung des Landes schwerlich je entdeckt werden. Allein wenn auch der Mörder nicht bekannt ist, so kann doch kein Zweifel darüber obwalten, wer ihm den Mordstahl in die Hand gedrückt hat. Nicht als ob sich die Person feststellen ließe; das wird gleichfalls schwerlich je geschehen. Aber was feststeht, ist, daß das Attentat von Leuten ausging, welche die Enthüllungen Lobbia's zu fürchten haben, und daß die unerhörte Käuflichkeit und Verderbtheit, welche diefer an den Pranger gestellt hat, nicht möglich wäre, wenn sie nicht durch das ganze Regierungssystem begünstigt und gepflegt würde. Dies begreift das Volt mit seinem gesundem Menschenverstand, und wie die französischen Arbeiter den Kaiser für die Mezelei von St. Etienne, so macht das italienische Volk den König Viktor Emanuel mit seinen Miniſtern für den Mordversuch auf Lobbia verantwortlich. In Mailand, Turin, Neapel und anderen Städten hat die Entrüftung Tumulte hervorgerufen, und nach den telegraphischen Berichten, die indeß sehr unzuverlässig und lückenhaft find, ist es mehrfach zu Collisionen mit der Polizei und, wie es scheint, selbst mit dem Militär gekommen. Natürlich faselt die Regierungspresse von„ Berschwörungen“, von„ Umtrieben ber Republikaner" als ob man Republikaner sein müßte, um sich gegen die Niederträchtigkeit zu empören! Oder glauben taner können mit dem Compliment zufrieden sein. moralität als solcher Republikaner sein müsse? Die Republi389 " einen starten König" hätten, dann wäre allerdings Kriegsgefahr vorhanden. Wer über Millionen von Menschen ver= fügen, Hunderttausende von Soldaten mit einem Wint auf's Schlachtfeld schicken kann, ist stets in Versuchung, seine Gewalt zu mißbrauchen, weil der Mißbrauch bloß Andern, nicht ihm selbst unmittelbar Nachtheil schafft. Anders, wer nur über sich selber verfügen kann, selber die Folgen seinen Handlungen zu tragen hat. Ein Volt in Waffen" hat kein Interesse au Kriegen wie ein König, dem ein stehendes Heer von maschinengewordenen Menschen blind gehorcht. Warum sollten die Amerifaner sich in einen Krieg mit England stürzen? Angegriffen sind sie nicht, bedroht sind sie nicht über kurz oder lang wird die von der englischen Regierung heute verweigerte Entschädigung und Genugthuung freiwillig gewährt werden, wozu sich übereilen? Die Gelegenheit zur Eroberung Canada's benützen? Aber Canada braucht nicht erobert zu werden; es fällt mit der Zeit von selbst an die Vereinigten Staaten das weiß jeder Amerikaner, das weiß jeder Engländer, das weiß jeder Canadier. Und nicht blos Canada, auch die übri= gen englischen Colonien in Amerika. Kurz ein Krieg gegen England wäre absolut sinnlos. Das Vergnügen, dem Frrwisch Ruhm in den Sumpf der Säbelherrschaft nachzujagen, überlassen die amerikanischen Republikaner den Narren Europas. Herr von Schweizer behauptet in den letzten Nummern des ,, Social- Demokrat", die Bourgeoispreffe habe sich auf Seiten der„ Volkspartei" geschlagen. Das ist eine Lüge, darauf berechnet die Arbeiter zu täuschen. Das Gegentheil ist die Wahrheit. Die eigentliche Bourgeoispresse, d. h. die Or= gane der Nationalliberalen, der Bismarckisch gesinnten Bourgeoisie, steht wie Ein Mann auf Seiten Schweizer's, der an demselben Strange zieht. Daß die Bourgeoisie sich über den Streit im Arbeiterlager freut, versteht sich von selbst. Allein wer ist Schuld an dem Streit? Nicht wir, die wir von Anfang an die Einigung der Arbeiterpartei anstrebten; nicht wir, die wir nach unsrem Auftreten in Barmen- Elberfeld die Angriffe auf Herrn Schweißer einstellten und dem Präsidenten des Allge= meinen Deutschen Arbeitervereins, nicht Herrn von Schweizer, den erbettelten Waffenstillstand ge= währten. Herr von Schweitzer, der die Zersplitterung hervorgerufen hat, wirkte für die Bourgeoisie sowohl als für die preußische Regierung; und sein Fall, der neuen Beweis für die Thorheit des Strebens nach Einheit partei, muß deshalb der Bourgeoisie nicht minder unangeBeiläufig liefern die jüngsten Unruhen in Italien einen gleichbedeutend ist mit der Einigung der Arbeiter= I'm jeden Preis", für das Unsinnige der Devise:„ Einheit vor nehm sein, als der preußischen Regierung. Freiheit". Die Italiener haben die Einheit", und zwar, wenn wir von den unbedeutenden Gebieten Rom's, Savoyen's Herr von Schweiger sagt im legten ,, Sozial- Demokrat": nannten Volkspartei gehört, ist kaum der Rede werth." Einen und Nizza's absehen, die vollständige Einheit- und sind sie zufrieden? Die Herren Liebknecht und Bebel haben unter den Arbeitern Haben sie ihre Lage verbessert? Die nicht aufhörenden Tumulte so gut wie gar keine Partei; was von Arbeitern zur fogeund Strawalle ersparen uns die Antwort. Und ist es den Jtalienern etwa leichter, den Einen großen Tyrannen zu besei- Lügner belehren zu wollen, ist thöricht; aber zur Charak tigen, als die vielen fleinen? Nun, auch hier geben die That- teristik des Erdiktators sei hier Folgendes erwähnt: Auf der sachen die Antwort. Um die vielen kleinen fortzujagen, be= durfte es einiger ziemlich unblutiger Freischaarenzüge, und in Anklagerebe gegen Schweizer:„ Es iſt eine elende Berzwei Jahren ward das Werk vollendet. Mit dem Einen großen leumdung, wir feien eine Bourgeoispartei; nirgends in DeutschTyrannen haben die Jtaliener nun bereits 7 Jahre zu thun, land fallen die Parteigränzen so vollständig mit den Klassenund was haben sie erreicht? Nichts! Theile und herrsche." H Barmen- Elberfelder Generalversammlung ſagte Liebknecht in " gränzen zusammen, wie in dem industriell hochentwickelten fagen unsere Feinde. Und das Bolf soll es umgekehrt machen, Sachsen. Zu uns gehören fast blos Arbeiter; und und seine Feinde einigen! O heilige Einfalt, die das für bernünftig hält! Wir wollen uns einigen das ist recht; aber wer uns zumuthet, die Einheit der Gegner zu fördern, der imuthet uns einen politischen Selbstmord zu. ich stehe nicht an zu behaupten, daß wir in unfrer Organi fation absolut und relativ weniger Mitglied von sogenannter Bourgeois- Herkunft haben, als der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein." hinter Liebknecht saß, laut und vernehmlich aus: leider wahr!" einigten Staaten und England auszubrechen drohe, hat einigermaßen nachgelassen. Es unterliegt keinem Zweifel, in Amerika die England während des Sklavenhalter Aufstandes befolgte; herricht eine tiefe Erbitterung wegen der hinterliftigen Politik, Das Geschrei von einem Kriege, der zwischen den Ver- Bei diesen Worten rief Serr von Schweitzer, der unmittelbar Das Am vorigen Sonnabend wurde dem Redakteur des ,, Dem. Ja, wenn die Amerifaner statt eines machtlosen Präsidenten digungsschrift in Sachen des Fabrikanten Dietel bis zum von Erbitterung zu Feindseligkeiten ist aber ein weiter Schritt. Wochenblattes" vom Bezirksgericht eröffnet, daß die Verthei 13.d. M. eingereicht werden muß, widrigenfalls die Klage des Dietel als begründet angenommen würde. Demgemäß ersuchen wir unsere Freunde in und um Kirchberg um schleunige Beschaffung des Materials, bez. um Angabe der Namen und Adressen aller Derjenigen, welche die in dem infri minirten Artikel( Nr. 2 des, Demokr. Wochenbl.) angeführten Thatsachen beglaubigen können. Die Arbeiter sollen sich nur nicht einschüchtern lassen; sie haben jetzt die beste Gelegenheit ihr Recht zu wahren, ihre schmach volle Lage aufzudecken und an einem ihrer Unterdrücker ein Erempel zu statuiren, das auf die ganze Fabrikanten- und Arbeitgeber- Klasse in beilſamster Weise wirken, und den Arbeitern eine anständigere und achtungsvollere Behandlung für die Zukunft fichern wird. Vierter Jahreskongreß der Internationalen Arbeiter- Assoziation. Der vierte Jahreskongreß der Internationalen Arbeiter= Assoziation versammelt sich am Montag den 6. September zu Bafel in der Schweiz. Folgende Fragen sollen dem Kongreß zur Erörterung vorgelegt werden: 1) Die Frage des Grundeigenthums. 2) Das Recht auf Erbschaft. 3) In wie fern kann die Arbeiterklasse den Kredit unmittelbar für ihre eigenen Zwede nutzbar machen? 4) Die Frage des allgemeinen Volksunterrichts. 5) Der Einfluß der Gewerks- Genossenschaften auf die Emanzipation der Arbeiterklasse. Tagesordnung: 1) Bestätigung der Mandate. 2) Wahl der Kongresbeamten; 3) Bericht des Generalraths und Berichte der Sektionen; 4) Diskussion der Fragen des Programms; 5) Bestimmung des Sizes des Generalraths; 7) Bestimmung der Zeit und des Orts der Versammlung des nächsten Kongresses. NB. Die statistische Untersuchung der Lage der Arbeiterflaffe ist noch nicht vollendet; Beiträge bittet man gefälligft an den Generalsekretär zu schicken. Im Auftrag des Generalraths: Eugen Dupont, Vorsitzender. Cowell Stepney, Kassenführer. J. G. Eccarius, General- Sekretär. 256. High Holborn W. C. London den 22. Juni 1869. Die Einigung der deutschen Sozialdemokratie fann nun als vollendete Thatsache betrachtet werden. Die die Behauptung aufzustellen, die Herren ,, Liebknecht und Bebel hätten bei den Arbeitern gar keine Partei"; ihr Blatt werde nicht durch das Abonnement der Arbeiter, sondern von dem Gelde der Bourgeoisie erhalten"; ,, in Leipzig dürften sie in großen und allgemeinen Arbeiterversammlungen gar nicht mehr erscheinen" und was dergleichen Behauptungen mehr sind. Ob gleich Sie vor einigen Wochen erst durch Liebknecht und mich in den ,, vertraulichen Besprechungen", die Sie ängstlich ge= sucht und erbeten hatten, über den Stand unseres Blattes und unserer Partei genauen Aufschluß erhielten, also wissen, daß Alles, was Sie gegen uns sagen, von Anfang bis Ende erlogen ist, so sprengen Sie solche Unwahrheiten dennoch in die Welt, weil Sie auf die Dummheit der Arbeiter spekuliren und glauben, daß es nur der Verdäch tigung bedarf: wir stünden im Dienste der Bourgeoisie, um die Arbeiter von uns abzuwenden. Vielfach, Herr Schweitzer, ift es Ihnen auch gelungen, bei denjenigen, die blind auf den Inhalt Ihres Blattes schworen, Haß gegen uns hervor zurufen; indeß ein sehr großer Theil Ihrer eignen Anhänger hat bereits eingesehen, daß, wenn der Vorwurf der Käuflich feit, der Verführung erhoben werden darf, er sich nicht gegen uns, sondern gegen Sie, Herr Schweizer, zu richten hat. Die Frage ist ja überall bereits aufgetaucht, woher Sit die Mittel nehmen, beständig in eleganter zweispänniger Equi zweiter Klasse auf der Eisenbahn zu reisen und stets in dop page zu fahren, woher Sie die Mittel haben, erster oder pelter Damengesellschaft: woher Sie die Mittel haben, u mit Champagner und ähnlichen guten Dingen Ihre Anhänger zu regaliren, auf's feinste zu speisen, im Theater die ersten Kurz, wo Sie das Geld hernehmen, um den Aufwand yo Plätze zu besuchen und zwar meist in schöner Gesellschaft mindestens 5-6000 Thaler jährlich zu bestreiten, da dod die bekannte Erbschaft von 80,000 Gulden eine von Ihnen selbst ausgebrütete und in die Welt gesetzte Ente ift. Ind frage ich weiter, zahlt das bedeutende„ Defizit" de ,, Sozial- Demokrat", seitdem Sie Ihren cinstmaligen Freund und Genossen Herrn von Hofstetten bis auf den letzten Heller ausgebeutelt, und ihm dann die Thür gewiesen haben? Wer zahlt die Mittel für die Agitatoren", die Sie ebe wieder nach Nord- und Süddeutschland senden, um für Ihre ,, Präsidentschaft" Propoganda zu machen? Geld aus der Ber einskaffe haben Sie nicht, die ist leer bis auf den Boden Und wer, frage ich, sollte die 1800 Thlr. bezahlen, die Sie erst vor ein paar Tagen einem Ihrer einflußreichsten früheren Anhänger geboten haben, wenn er bei Ihnen bleiben und nicht zur Opposition übergehen wolle? Freilich, Herr Schweizer, Geld aufzutreiben ist leicht, wenn man, wie Sie, mit preußischen Prinzen auf beſtem Fuße künstliche Scheidewand, welche ein für die Bismard'sche Regie- steht, wenn es vorkommt, wie es Mitte April vor einer Reich Conzentrirung der Kräfte, die Freiheit des Einzelnen wahrt, " Sic anrebete bedenken Si rung arbeitender Abenteurer zwischen den verschiednen in der Hauptsache übereinstimmenden Theilen der Arbeiterpartei auf tagsſizung geschah, daß Prinz Albrecht von Preußen gerichtet und Jahrelang aufrecht erhalten, ist endlich gefallen und Ihnen wie einem genauen Bekannten, mit: ,, Mein lieber Schweizer, wie gehts Ihnen!" und der Congreß, welcher vermuthlich Anfangs August zu Ihnen, dem Sozial- Demokraten", der als solcher, wen fammentreten wird*), hat die Aufgabe, eine Organisation zu ehrlich, ebenso gut die Hohenzollern- Monarchie wie die heutig schaffen, die jede Vereinsspielerei ausschließt und, bei möglichster Produktionsweise bekämpfen muß, die Hand schüttelte und statt fanatisirter, blinder Maschinen, Männer heranbildet, wie dieser selbe Prinz Sie fragte: Warum waren Sie gefte Wir haben diese Unterredung nicht vergessen, nicht vergeffen nicht in der Sigung? und wie Sie antworteten: Doch, fönigl Die gemeinsame politische Organisation bringt selbstver- Hoheit, ich war zugegen; wie der Prinz Sie weiter eraminirt ständlich auch die Verschmelzung der Gewerksgenossenschaften welche die Prinzipien der Sozialdemokratie verstehen und entschlossen sind, für sie zu kämpfen. mit fich An Herrn Dr. Schweitzer in Berlin. Ihre bekannte Unverschämtheit und Verlogenheit veranlaßt Sie, in der Nr. 75 des ,, Sozial- Demokrat" vom 30. Juni *) Es ist höchst wünschenswerth, daß der Congreß gleichzeitig mit dem Verbandstag deutscher Arbeitervereine tage, da sonst die Kosten für die einzelnen Vereine zu groß werden. be stimmt erwartet? Haben Sie es vergessen, Herr Schweizer? Und dann weiter, Herr Schweißer, Ihre intime Befannt schaft, ja Freundschaft mit den leitenden Bersonen des Berliner bak be Polizeipräsidiums, wodurch Sie so genau wußten, " man" sehr wenig zufrieden gewesen sei mit der Haltung Berliner Arbeitercongresses, weil man, hört Ihr Arbeiter! viel Politik darauf getrieben." Daher auch Ihre reitwilligkeit, nach der Auflösung des früheren Allgemeinen De schen Arbeitervereins durch die Leipziger Polizei( der et, Be Dent fage man, indirekt durch Sie selbst denunzirt wurde), Hen neuen 2 Verein nach Berlin zu verlegen, ebenso die gesammten Ge= werkschaften. O, es war ein Geniestreich, besser gesagt ein Sch...... streich erster Größe, die ganze Arbeiterbewegung in Berlin, d. h. in den Händen des Berliner Polizeipräsi diums zu conzentriren, damit dieses alle Fäden, alle Na men in seiner Hand hat, um eines Tages, falls die Bewegung zu mächtig werden sollte, dreinfahren" und mit Einem ,, dreinfahren" und mit Einem Schlag alles unterdrücken zu können! Sie haben die Erlaubniß, ja die Ordre, social so scharf als möglich vorzugehen, aber das reaktionäre Staatssystem dürfen Sie nur nebenbei und sehr zahm kritisiren, sonst fönnten ja die Nerven Ihrer Protektoren zu unangenehm berührt werden. Deshalb Ihre Zurückhaltung in allen politischen Fragen im Reichstag und andererseits Ihr Lob für das Berliner Polizeipräsidium. Fahren Sie fort in der bezeichneten Weise zu arbeiten, Herr Dr. Schweitzer, der Tag ist nicht mehr fern, wo auch die Ihnen noch treu gebliebenen Anhänger einsehen werden, in welchen Giftpfuhl sie durch Ihre Leitung gerathen sind. Woche bre Und nun zum Schluß noch eins. Sie sagen: Liebknecht und Bebel hätten keine Anhänger. ,, Man sage uns doch einmal, wo die Herren Liebknecht und Bebel Anhang haben" rufen Sie aus. Ihre Agitatoren", die Sie vor eini= gen Monaten sechs lang nach Sachsen schickten, hätten Ihnen diese Frage leicht beantworten können. Aber ich will Ihnen diese Antwort selbst geben und die Orte aufführen, in denen Vereine unserer Organisation auf Grund des Nürnberger Programms existiren; Sie haben dadurch Gelegenheit einige Agitatoren", ausgestattet mit den Mitteln aus der bekann ten Quelle, zu senden, um das Bekehrungswerk vorzunehmen. Diese Orte sind: Die Frage: welche Stellung hat die Sozial- Demokratie im politischen Kampfe einzunehmen? beantwortet sich leicht und sicher, wenn wir uns über die Untrennbarkeit von Sozialismus und Demokratie flar geworden sind. Sozialismus und Demokratie sind nicht dasselbe, aber sie sind nur ein verschiedener Ausdruck desselben Grundgedankens; sie gehören zu einander, ergänzen einander, können nie mit einander im Widerspruch stehen. Der Sozialismus ohne Demokratie ist Aftersozialismus, wie die Demokratie ohne Sozialismus Afterdemokratie. Sozialismus Afterdemokratie. Der demokratische Staat ist die einzig mögliche Form der sozialistisch organisirten Gesellschaft. Alle Gegner der Bourgeosie stimmen mit der negativen Seite des Sozialismus überein. Wagener und der Bischof Ketteler, die katholischen Pfaffen des österreichischen Reichsraths, die protestantischen Junker des preußischen Musterstaats fie alle verdammen die Bourgeofie ebenso laut, gebrauchen die nämlichen Schlagwörter gegen sie, wie der radikalste Sozialist. Dies zeigt, daß die Bekämpfung der Bourgeoisie an sich nicht nur nicht demokratisch ist, sondern den reaktionärsten Motiven entspringen tann. Hier tritt sofort die Nothwendigkeit zu Tage, neben der negativen Seite des Sozialismus die positive hervorzuheben, welche uns von jenen Reaktionären unterscheidet, und vor Allem: außer dem sozialen auch den politischen Kampf zu führen, und zwar in vorderster Reihe. Weil die Untrennbarkeit der Demokratie und des Sozialismus begriffen haben, nennen wir uns Sozialdemokraten. In diesem damen liegt unser Programm. Programme sind aber nicht dazu da, mit dem Mund bekannt und mit der That verleugnet zu werden; sie sollen die Richtschnur unseres Handelns ſein. Wenn wir uns auf den sozialen Kampf beschränken oder dem politischen nicht die entsprechende Wichtigkeit einräumen, so wird die Gefahr heraufbeschworen, daß unsere Feinde von dem bestehenden Klassengegensatz Gebrauch machen und nach der Maxime:„ divide et impera"( Theile und herrsche!) bald mit der Bourgeoisie gegen die Arbeiter, bald mit den Arbeitern gegen Dresden, Leipzig, Bischofswerda, Großenhayn, Hainichen, Johanngeorgenstadt, Burgstädt, Lunzenau, Penig, Hohenstein, Ernstthal, Oberlungwitz, Bernsdorf, Mitweida, Rödlitz, St. Egidien, Lichtenstein- Callnberg, Ortmannsdorf, Aue, Geyer, Auerbach b. Thun, Stollberg, Hormersdorf, Dorfchemnitz, Lugau, Niederwürschnit, Delsuiß, Mülsen St. Niclas, Lößnitz, Ehrenfriedersdorf, Reichenbach im V., Kirchberg, Schö- die Bourgeoisie liebäugeln. Dieses Doppelspiel fenn=) nau, Haslau, Cainsdorf, Wilkau, Zwickau, Mülsen St. Jacob, zeichnet den modernen Cäsarismus, der wesentlich Thurm, Stangendorf, Mülsen St. Micheln, Niedermülsen, auf der Ausbeutung des Klassengegensages beruht. Waldenburg 6. Glauchau, Remse, Langenchursdorf, Niederlung- In Frankreich„ rettet" das Empire die Bourgeoiswis, Glauchau, Meerane, Crimmitschau, Werdau, Stöcken, Lan- gesellschaft heute vor den Arbeitern, und fofettirt morgen mit genhessen, Gohlis, Waldorf, Ronneburg, Eisenberg, Boelzig, den Arbeitern, um die geängstigte Bourgeoisie in sein Garn zu Großenstein, Gera, Neustadt a. d. Orla, Coburg, Weimar, treiben. Hier in Preußen kopirt der Cäsarismus auch in diesem Bamberg, Nürnberg, Hohenberg in Franken, Fürth, Schwabach, Punkte das französische Vorbild und klopft abwechselnd der Kaiserslautern, Mannheim, Heilbronn, Stuttgart, Eßlingen, Bourgeoisie und den Arbeitern auf die Schulter; und so ist es Aalen, Gmünd, Rottweil, Rothenburg, Freudenstadt, Geißlin- gekommen, daß der Nationalliberalismus, d. h. die als poli= gen, Göppingen, Oberndorf, Laichingen, Ellwangen, Backnang, tische Partei sich darstellende Bourgeoisie, in der preußischen Mezingen, Calm, Schramberg, Tettnang, Weingarten, Gingen, Regierung ihr Heil gegen die Arbeiter sieht, während bethörte Tuttlingen, Schwäbisch- Hall, Groß- Eißlingen, Ravensburg, Blau- Arbeiter beuren, Wiesbaden, Bieberich, Limburg an der Lahn, Berlin, ruption von oben her von derselben Regierung Schutz gegen Luckenwalde, Schwiebus, Hanau, Gelnhausen. bereine in der Gründung begriffen. In Bielefeld, Solingen, Barmen und Elberfeld find Zweig" Schicken Sie also Ihre Agitatoren" oder kommen Sie am liebsten selbst, es wird Ihnen gedient werden. Leipzig, den 30. Juni 1869. Bebel. Ueber die politische Stellung der SozialDemokratie, insbesondere mit Bezug auf den Norddeutschen ,, Reichstag". in der am 31. Mai abgehaltenen Versammlung des Berliner Vortrag Liebknechts demokratischen Arbeiter- Vereins. Arbeiter hoffentlich nicht viele, trotz der systematischen Cordie Bourgeoisie erwarten. Soll die sociale Bewegung nicht dem Cäsarismus zu Gute kommen, so muß der Sozialismus den politischen Vorkampf übernehmen. Vor allen Dingen gilt es Eins festzustellen: die soziale Bewegung ist ein revolutionärer Umgestaltungsproceß, der sich nicht über Nacht vollziehen kann. Die soziale Frage gleicht nicht jener Fabelpflanze, deren Blüthe, nachdem sie ein Jahrhundert in der Knospe geschlummert, plötzlich mit einem Knall aufspringt. Das Wort Revolution hat zweierlei Bedeutungen. Einmal versteht man darunter den einfachen Sturz einer Re gierung, der das Ergebniß einer kurzen Straßenschlacht sein Der weitere fann. Das ist der engere Sinn des Worts. umfaßt den ganzen Entwicklungsproceß eines neuen Gesellschaftsorganismus, der sich die entsprechende Staatsform zu Und dieser revolutionäre Prozeß, der auch in den friedlichsten Berioden nicht ruht, kann wohl beschleunigt, nicht Da es mir im Reichstag diesmal nicht gelungen ist, schaffen hat. zum Wort zu kommen, habe ich mit doppelter Freude diese Gelegenheit zur Darlegung meines sozial- politischen Standpunkts aber willkührlich durch irgend ein wunderthätiges Recept auf ergriffen. ein beliebiges Zeitminimum reducirt werden. Die Bourgeoisie brauchte ein halbes Jahrtausend, um sich zu ihrer heutigen Macht zu entfalten. Das Proletariat, das die auf dem Lohnverhältniß beruhende bürgerliche Productionsweise abzuschaffen und mit der Lohusklaverei die Klaffenherrschaft zu beseitigen hat, wird seine Aufgabe nicht in wenig Jahren zu lösen vermögen. Die moderne proletarische Revolution wird allerdings nicht so lange dauern, als die nun hinter uns liegende Bourgeoisrevolution- im Zeitalter des Dampfes und des elektrischen Telegraphen schreitet die Menschheit rascher vor- tags" festgehalten. wärts, größere Massen sind der Cultur erschlossen, die Armee, welche für die neuen Ideen streitet, hat ein weiteres Refrutirungsgebiet. Aber die neue Gesellschaft steht in unversöhn lichem Widerspruch mit dem alten Staat. Im Feudal, Polizei- und Militärstaat kann sie sich nicht entwickeln. Wer die neue Gesellschaft will, hat daher vor Allem auf Vernichtung des alten Staates hinzuwirken. Unter den jetzigen Verhältnissen ist die Sozialdemokratie deshalb für die rein soziale Frage noch vorwiegend auf das Feld der Theorie angewiesen. Für die soziale Praxis muß sie sich erst den staatlichen Boden erkämpfen. Damit ist die Stellung der Sozialdemokratie zur ,, Neugestaltung Deutschlands" gegeben. Die ,, That" des Jahres 1866 ist für Deutschland, was für Frankreich der Staatsstreich des 2. Dezember 1852 war. Der Staatsstreich Bismarc's, gleich dem Napoleons, richtete sich gegen die Demokratie. Nicht das Gewaltsame dieser Thaten ist es, was sie uns verdammenswerth macht denn wie der Fürsten, so ist auch der Völker letztes Wort die Gewalt sondern daß sie in Frankreich zu Gunsten einer Schaar von verworfenen Abenteurern, in Deutschland zu Gunsten eines nicht mehr eristenzberechtigten Standes, des Junkerthums, begangen wurden. Der sogenannte preußische Verfassungskonflikt" war ein Versuch des Volks, voran der Bürgerklasse, durch parlamentarische Mittel die Staatsmacht zu erlangen. Das Jahr 1866 hat das parlamentarische Ringen zu einer Spiegelfechterei herabgewürdigt, den wahren Kampfplatz auf ein anderes Gebiet verlegt. Der norddeutsche„ Reichstag" hat trotz des allgemeinen Stimmrechts absolut feine Macht, er hat keine be schließende, nur eine berathende Stimme, und kann, weil machtYos, von der Demokratie nicht als Schlachtfeld zur Gewinnung der Macht benutzt werden. Ebenso wie die französische Demokratie dem Kaiserreich, hat die deutsche Demokratie dem Norddeutschen Bund, mit Allem was drum und dran hängt, negirend, feindlich gegenüber zu stehen. Tritt sie aus dieser negirenden Haltung heraus, so giebt sie nicht blos ihr Princip und damit sich selbst auf, sondern verstößt auch gegen die einfachsten Regeln der Braris. " um im ,, Reichstag" ihren negirenden und protestirenden Standpunkt geltend zu machen, daß sie sich aber von den eigentlichen parlamentarischen Verhandlungen fern zu halten hätten, weil dies eine Anerkennung des Nordbunds und der Bismarck'ich en Politik einschließt und das Volk nur über die Thatsache täu schen kann, daß der Kampf im Reichstag" bles ein Scheinkampf, blos eine Komödie ist. An dieser Richt schnur haben wir in der ersten und zweiten Session des ,, Reichstags" festgehalten. Bei Berathung der Gewerbeordnung, welche den Hauptgegenstand der gegenwärtigen Session bildete, glaubten einige meiner Parteigenossen im Interesse der Arbei ter und zu propagandistischen Zwecken eine Ausnahme machen zu müssen. Ich war dagegen. Die Sozialdemokratie darf unter keinen Umständen und auf keinem Gebiet mit den Gegnern, verhandeln. Verhandeln kann man nur, wo eine ge meinsame Grundlage besteht. Mit prinzipiellen Gegnern verhandeln, heißt sein Princip opfern. Prinzipien sind untheilbar, sie werden entweder ganz bewahrt oder ganz geop fert. Die geringste prinzipielle Conzession ist die Aufgebung des Prinzips. Wer mit Feinden parlamentelt, parlamentirt; wer parlamentirt, paktivt. ( Fortsetzung folgt.) Contra Schweitzer- Hatzfeldt( Mende). ( Fortsetzung aus der Beilage.) Erklärung. = Ju Nr. 74 des ,, Sozial Demokrat" heißt es, daß ich dem Vereine das meiste Geld gekostet hätte, von ihm in der jüngsten Zeit gelebt hätte und was ähnliche dem Hatzfeldt'schen Intrigantenwesen entsprechende Verläumdungen mehr sind. Einen solchen Pfuhl von Gemeinheit hätte ich mir nicht ge dacht. Aber leider, es ist so. Diese Verläugnung alles An standes und aller Wahrheitsliebe ist großartig, ich glaube aber nicht, daß es zur Erreichung eines solchen Punktes nöthig ist, sich erst zu„ Denkriesen" herauszubilden, wie Herr Mende, Schweitzer und die Frau Hatzfeldt welche sind. Wahrlich, der Effekt entspricht hier durchaus nicht den Produktionskosten und die Grenzen des„ ehernen Lohngesetzes" find hier noch viel, viel zu weit. Doch zur Sache. Haustein, Kölsch und ich be kamen 200 Thlr. zur Agitation im Süden. Da dieselbe 6½ Wochen dauerte, macht das pro Mann und Tag 1 Thlr. 15 Sgr. Hiervon bestreite Jemand Reise, Placat, Annoncen kosten und, wie an vielen Orten in Bayern, Lofalmiethen, dann noch Etwas für denn Mann selber restirt? ob dauerte es gerade 6 Wochen bis ich( am 15. Mai) die Agita Weiter. Nach der General- Versammlung in Barmen tion in Nassau in Angriff nehmen konnte. Auf eine Maſſe Briefe erhielt ich nur einige Antworten und darin stets die haupt zu dem ,, Reichstag" zu wählen? Ob wählen oder nicht wurde mir eine Vollmacht ertheilt, das Geld der von mir neu Ich komme nun zu der Frage: hat die Demokratie über Stelle, die Kaffe habe noch kein Geld zur Agitation. Endlich wählen ist bei allgemeinem Stimmrecht nur eine Frage der zu begründenden Mitgliedschaften zur Agitation verwenden zu Nüglichkeit, nicht eine Prinzipienfrage. Wir haben ein Recht können. Hiervon Gebrauch machend, hatte ich bis heute( den der Umstand, daß das Recht octroyirt worden, 30. Juni) eine Einnahme von 10 Thlr. 2 Sgr. und eine Ausgabe von 10 Thlr. 26 Sgr. 8 Bf. Wie reimt fich das nun mit der Herren Auseinandersetzung im„ Socialdemokrat" zu wählen F beraubt uns nicht unseres natürlichen Rechts und wenn wir einen Vortheil dabei sehen, so wählen wir. Von diesem Gesichtspunkt aus faßten wir in Sachsen bei Berufung des Reichstags" die Sache auf. Ein Theil war aus Nützlich zusammen? feitsgründen gegen, ein anderer für das wählen. Für das Lassalle abgehaltene Versammlung hineinreiten, als so gefliffentDa wollte ich denn doch lieber noch einmal in eine von denn vom Mai hat Herr v. Schweizer sogar Rechtlosigkeit flarer zum Bewußtsein bringen, für das Wählen, meine Abrechnung in Händen, und die Agitation im Süden daß bei Enthaltung der Demokratie die Gegner in den alleini gen Besitz der Rednerbühne gelangen, allein das Wort haben würden, und so leichter das Rechtsgefühl des Volks verwirren könnten. Diese Erwägung schlug durch-man entschied für wählten Vertreter mit einem Protest in den Reichstag" ein11 Bonhorst. hat er( Schweizer) selbst als erstaunlich billig bezeichnet. Wiesbaden, den 30. Juni. Soeben geht uns noch Folgendes zu: das Wählen. Meine Ansicht ging dahin, daß die von uns ge- gemeinen Arbeiter- Versammlung wurde folgende Resolution Ronsdorf. In der am 27. Juni hier stattgehabten Allihr Mandat niederzulegen. Mit dieser Ansicht blieb ich in der Verbündeten Frau Gräfin Haßfeldt, und dem von denfelben treten und ihn dann sofort wieder verlassen sollten, ohne jedoch Versammlung erklärt, mit Herrn v. Schweißer und feiner hohen von Herrn Hausmann und Wilte eingebracht. Die heutige Minorität; es wurde beschlossen, daß die Vertreter der Demo- neugegründeten Allg. Deutschen Arbeiter- Vereine nicht zufam men gehen zu können, noch zu wollen," einstimmig angenommen fratie jede ihnen passend dünkende Gelegenheit benützen könnten, 350 Dem Herrn L. v. Bonhorst wurde trotz der Verläumdungen des Herrn v. Schweitzer, ein Vertrauensvotnm abgegeben; ferner wurde beschloffen, den seitherigen Vorstand zu Hamburg, sowie mehreren gelesenen Blättern solches einzuschicken, um es zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. Hoffentlich werden die Arbeiter allerwärts, ihrer Aufgabe bewußt, ebenso handeln um zum Ziele zu gelangen und nicht gemißbraucht werden. Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter. Vorort Crimmitschau. nalen Arbeiter- Assoziation. Preis jährlich 6 Franken 1 Thlr. 18 Sgr. 2 fl. 48 Kr. Redaktion Au Cygne Grand Place in Brüffel. Die Arbeiter Union, Organ der nationalen Arbeiter Verbindung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Das Blatt erscheint vom 1. Juli ab, mit Ausnahme der Sonntage, täglich und kostet pro Nummer 3 Cent. Redaftion: Nr. 202 Chatam- Str. New- York. = Der in der letzten Nummer d. Bl. angegebene Preis für 100 Stück der Rede von Castelar wird bei größerem Bartien- Bezuge ermäßigt. Photographien von Karl Marx in London, dem Gründer der Internationalen Arbeiter- Assoziation und dem Verfasser von ,, Das Kapital", find das Stück zu 2% Sgr. 9 Kr. durch uns zu beziehen. Betrag ist den Bestellungen in Briefmarken oder Bosteinzahlung beizufügen, bei Einzelexemplaren auch noch der Portobetrag. Leipzig, den 1. Juli 1869. Für den Vorort: Bebel, Vorsitzender. Der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Schuhmacher haben sich Mitgliedschaften in Gera, Bamberg, Crimmitschau und Osnabrück angeschlossen. Auf Wunsch verschiedener Orts- Mitgliedschaften hat der Berwaltungsrath den Termin zur Einreichung der Mitglieder liften um weitere 14 Tage verlängert, fordert indeß sämmtliche Genossen auf, zur schleunigen Erledigung dieser Arbeit nach Kräften beizutragen, sowie sofort nach Constituirung der OrtsMitgliedschaften, die statutarisch erforderlichen Anmeldungen der Chargirten hierher zu richten. Bestellungen auf Statuten( Geschäfts- und Cassa- Ordnung, Beitragstabellen und Wanderunterſtüßungsbuch enthaltend), Mitgliedskarten, Stempel und Congreßberichte( die letzteren zu 1 Ngr. pro Stück) versenden wir unfrankirt auf Rechnung der Ortskassen und bitten wir um thunlichste Verbreitung aller unsre Gewerkschaft betreffenden deutscher Arbeiter zuſammengetreten, um einen Arbeiter- Berein ins Mittheilungen, besonders des billigen Congreßberichts und unfres Aufrufs. Den letzteren stellen wir in beliebiger Anzahl zur Verfügung den Genossen und Freunden. Ueber eingegangene Zahlungen quittiren wir monatlich im GewerkschaftsOrgan, ebenso werden wir über die Thätigkeit der Verwaltung 3-400 Arbeitern unterm Vorsitz des Rothgießergehülfen Faaz abgeberichten. Crimmitschau, den 29. Juni 1869. Für den Verwaltungsrath des Vororts. Moiteler, I. Vorsitzender. Vororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. Warrasdin in Kroatien, 29. Juni. Die Arbeiterbewegung dringt immer weiter vor, auch in unserm entfernten Ort sind eine fleine Zahl Leben zu rufen. Wir würden unsern Brudervereinen sehr dankbar sein, wenn sie uns bei Gründung unseres Vereins durch Einsendung von Statuten u. dergl. berücksichtigen wollten. Alle Sendungen sind zu richten an Otto Mayer, Feilhauer in Warrasdin, Kroatien. Nürnberg. Eine am 28. Juni im sächsischen Hofe von etwa haltene Arbeiterversammlung nahm in der Gewerksgenossenschaftsfrage einstimmig folgende Resolution an: 1) Es ist Pflicht jedes Arbeiters der Gewerksgenossenschaft seines Faches beizutreten und, wo eine solche nicht besteht, die Gründung derselben zu unterstützen; 2) Es ist ferner Pflicht jedes Arbeiters für die Vereinigung der getrennten Gewerksgenossenschaften zu wirken, damit man vereinigt erfolgreich gegen den Cäsarismus und den Druck des Kapitals kämpfen kann; 3) Den Gewerksgenossenschaften dürfen keine nationalen Grenzen gezogen werden. Nürnberg, 28. Juni. Die Angabe des Lokals für den Metallarbeiterkongreß in der vorhergehenden Nummer ds. Bl. war irrthümlich; nicht im deutschen Haus, sondern im Hotel zum deutschen Sof findet er statt. Tage des Congresses find der 14., 15. und 16. Auguft. Der Holzarbeiterkongreß behufs Constituirung der Internationalen Holzarbeiter- Gewerksgenossenschaft wird seine Vorver sammlung Sonnabend den 7. Auguft im goldnen Baum, Lamm8. und 9. Auguſt im deutschen In seiner 14. Sigung, Sonntag, den 27. Juni verhan= delte der Vorort über die von Bremer, Bracke und Genossen veröffentlichte Erklärung, betreffend die Einberufung eines allge= meinen deutschen sozial- demokratischen Arbeiter- Kougresses. Der Vorort beschloß einstimmig, sich dem Vorgehen der genannten Herren anzuschließen und zugleich die Zustimmung der Vertrauensmänner des Verbandes und der grö- Sof, Pfannenschmiedsgaffe, abhalten. Beren Bereine einzuholen. Der Aufforderung, die Erklärung ob man zustimmen wolle sofort einzusenden, sind bis heute Bormittag nachgekommen: Stuttgart, Eßlingen, Nürnberg, Fürth, Coburg, Ronneburg, Gera, Weimar, Crimmitschau, Zwickau, Werdau, Meerane, Glauchau, Hohenstein- Ernstthal, Mülsen St. Jakob, Berlin, Leipzig, Geißlingen, Zürich, Wien. Beitrag pro 1869 haben eingesandt: Coburg und Lunzenau. Wir haben bereits vor einigen Wochen auf verschiedene Arbeiterorgane aufmerksam gemacht und das Abonnement hierauf Aufforderung und lassen die Namen der Blätter nebst Redaktionsadresse und Preis hier folgen: Bamberg, 30. Juni. Von den Nürnberger Gesinnungsgenossen ist eine Einladung für Beschickung einer sozial- demokratischen Conferenz an uns ergangen, wir werden dieser Einladung Folge leiten. Fürth, 29. Juni. Hier hat sich eine Gewerksgenossenschaft der Tüncher( Maler) gebildet, die 24 Mitglieder zählt und von dem besten Geiste beseelt ist. Vorstand ist Herr Spät, Schriftführer Herr Nelke und Cassirer Herr Drechsler. Die Gewerksgenossenschaft der Holzarbeiter wirkt tüchtig für ihre Ausbreitung. Hier zuwandernde Schreiner warnen wir, sich nicht an den hiesigen Schreinergesellenverein zu wenden, da diefer auf alle Art unsere Bestrebungen zu hindern sucht. Borstand der Holzarbeitergenoffenschaft ist Hugo Engelhardt. Hamburg ,. den 28. Juni. Gestern Abend kam es in der stark beunfern Barteigenossen empfohlen. Wir wiederholen heute diese suchten Mitgliederversammlung des Allgemeinen deutschen ArbeiterVereins über das Vorgehen Schweitzer's und das Verhalten der Oppo= sition( Bremer, Brace nnd Genoffen) zu sehr scharfen Debatten, die bis Nachts 2 Uhr währten. Die Versammlung endete damit, daß der Verein niederlegte und mit einer großen Anzahl Mitglieder seinen Austritt erklärte und die Versammlung verließ. Der Borbote, Organ der deutschen Sektion der Inter- Präsident Geib sein Vorstands- Amt im Allgemeinen deutschen Arbeiternationalen Arbeiter- Association erscheint monatlich 1 Mal unter Redaktion von Joh. Ph. Beder, Pre l'Evêque 33 Genf. Breis halbjährlich 10 Sgr. 35 Kr. Das Felleisen, Organ der deutschen Arbeiter- Bildungsvereine der Schweiz, erscheint jede Woche unter der Redaktion von Amand Gögg und Dr. Ladendorf. Redaktion: Wilhelm Tellsstraße, Genf. Preis vierteljährlich 14 Sgr. 42 Kr. bei der Post. Berlin, 26. Juni. Der Geniestreich der Herren Schweitzer- Mende ist natürlich auch hier mit der entsprechenden Aufmerksamkeit behandelt worden. Am Dienstag stand dieser Gegenstand auf der Tagesordnung des Demokratischen Arbeitervereins. Das Versammlungslokal war gepfropft voll, darunter viele Gäste. Herr Meßner, der früher selbst Mitglied des allg. deutschen Arbeitervereins war, entwarf ein geschichtliches Bild der Thätigkeit dieses Vereins und seiner verschiedenen Die Boltsstimme, Organ der sozial- demokratischen Partei geiter. Die Kritik, die er über das Benehmen Herrit von Schweitzer's jährlich 7 Egr. in Destreich, erscheint alle 14 Tage 1 Mal und kostet viertelHartung, Redaktion: Wiedener Hauptstraße 61. Wien. Internationale, erscheint wöchentlich in französischer 25 Kr. Redakteure: Oberwinder und ausübte, fand allgemeinen Beifall. An der Debatte betheiligten sich, Aron, Havenith, Sladanowsky, Bebel( der als Gast zugegen war), Florian Paul, Cylowsky, Nathan Schlesinger u. A. Der Lettere wäre seines unparlamentarischen Auftretens halber beinah an die Luft gesetzt worden. Cylowsky war der Einzige, der Herrn v. Sprade als Organ der belgischen Abtheilung der Internatio- Schweiger zwar nicht in Schutz nahm, aber doch ihn auch nicht verur theilte, sondern erklärte, daß er vorläufig von der Berechtigung der Angriffe noch nicht überzeugt sei. Dresden, 1. Juli. Die Versammlung der Juternationalen Gewerksgenossenschaft der Maurer und Zimmerleute war wieder sehr zahlreich besucht. Nach Besprechung der hiesigen Lohnverhältnisse tam auch die Frage des sozial- demokratischen Congresses zur Sprache und wurde schließlich einstimmig eine Resolution gefaßt, dahin lautend, daß eine Vereinigung der sozial- demokratischen Arbeiter dringend nothwendig sei. Später hatten wir mit den unter demjelben Dache tagenden Lassalleanern", welche behufs der Präsidentenwahl zusammengekommen waren, lange Erörterungen, die dahin führten, daß man beschloß, die gegenseitigen Bekämpfungen von jetzt ab einzustellen. Unsere Mitgliederzahl beträgt jetzt 253 Mann und werden wir auf das ,, Demokratische Wochenblatt" in 30 Exemplaren dieses Quartal abouniren. ( Dresden bezieht dann 110 Exemplare direkt. D. R.) = Zwickau. Die Internationale- Bergarbeiter= Gewerkschaft wächst in aller Stille mächtig, sie zählt bereits über anderthalbtausend Mann und wird täglich stärker. Die Zahl der Abonnements auf das„, Demokratische Wochenblatt" verdoppelt sich diesmal, statt 30 brauchen wir 60 Exemplare. Ehrenfriedersdorf, den 29. Juni. Am Sonntag feierte unser Arbeiterfortbildungsverein sein erstes Stiftungsfest, welches in der heitersten Weise verlief. Dank den Bemühungen unseres tüchtigen Vorstandes und namentlich des Vorsitzenden Lezzig zählt der Verein bereits an 200 Mitglieder. Magdeburg, 27. Juni. Montag den 21. d. M. hatten wir eine zahlreich besuchte Versammlung von Sozial- Demokraten von hier und der Umgegend veranstaltet, in der auch Bebel aus Leipzig zugegen war. Gegenstand der Besprechung war: Die Ursache der Spaltung unter den sozial- demokratischen Arbeitern und der Staatsstreich des Herrn v. Schweizer. Letzterer wurde nur von Hrn. Bolle in Schutz genommen, alle übrigen Redner waren einmüthig in seiner Berurtheilung, nament lich sprachen sich Bremer, Clees u. A. sehr entschieden aus. Der neugegründete allgemeine deutsche Arbeiterverein darf von hier und Umgegend auf gar feinen Anhang rechnen, wohl aber der nächste sozialdemokratische Arbeiterkongreß auf lebhafte Unterstützung. Coburg, 28. Juni. Die hiesigen Mitglieder des allgemeinen deutschen Schneider- Bereins haben die Zumuthung, ein von einer ganz im Stillen in Cassel zusammengefommenen angeblichen Delegirtenversammlung ausgearbeitetes Statut für den Verein anzunehmen, ein müthig abgelehnt und bei dem Präsidenten Schob in Köln Protest erhoben. Herr Schob und seine Freunde scheinen es Herrn v. Schweitzer in Bezug auf Oktroirungen gleich thun zu wollen. Meran in Tirol, 25. Juni. Den Brudervereinen im weiten Baterland hiermit zur Nachricht, daß auch hier ein Arbeiter- Bildungsverein besteht, der am 27. ds. Mts. fein erstes Stiftungsfest begeht. Unser Verein ist zwar nicht stark, aber im Vertrauen auf die von ihm vertretene gute und gerechte Sache guten Muthes. Es wird uns recht sehr freuen, wenn wir oft Gelegenheit haben, mit unsern gleichstrebenden Brudervereinen uns in Verbindung zu setzen zu gegenseitigem Schutz und Truz.( Uns dünkt, auch im pfaffenumnachteten Tirol werden die Arbeiter es sein, welche die Fackel der neuen Zeit hoch halten und Licht bis in die dunkelsten Winkel verbreiten werden. D. Red.) Burgstädt, 28. Juni. Nächsten Sonntag haben wir hier eine Arbeiterversammlung, in der die Herren Albert und Uhlig aus Glauchau sprechen werden. Crimmitschau, 29. Juni. Am Donnerstag( 24. d. M.) hatte die sozialdemokratische Volkspartei eine Boltsversammlung ins Odeon einberufen, welche auch sehr zahlreich besucht war. Die Tagesordnung bestand 1) in einem Vortrag über die Gewertsgenossenschaften und 2) in einem Bericht des Abgeordneten Liebknecht über die Wahlenthaltung bei den sächsischen Landtagswahlen und die Stellung der Demotratie in und zum Reichstag. Liebknecht war zu dieser Versammlung direkt von Berlin gekommen, wo ihn wichtigere und nüzlichere Arbeiten als die des Zollparlaments und Reichstags zurückgehalten hatten. ( Den uns eingesandten Bericht über die Versammlung, welcher der Vorstand des Volksvereins C. F. Heymer präsidirte und die den schönsten Berlauf hatte, können wir erst in nächster Nummer auszugsweise bringen. D. R.) Reichenbach i. V., 17. Juni. Gestern hatten wir in der Turnhalle eine große Arbeiterversammlung, die etwa von 1000 Mann besucht war, darunter ein starker Bruchtheil der hiesigen Arbeiterbevölferung, wie von der Umgegend. Unserer Einladung zufolge waren die Herren Stolle und Motteler aus Crimmitschau erschienen. Herr M. Löscher eröffnete mit einer furzen Ansprache 4 Uhr Nachmittags die Versammlung und ertheilte hierauf Herrn Stolle das Wort. Redner sprach nun sehr klar über die soziale Frage, die nicht etwa seit 594 angelegentlichste das ,, Demokratische Wochenblatt", erörterte sodann das cherne Lohngesetz über Angebot und Nachfrage, erläuterte schließlich noch § 2 des Statuts der Internationalen Manufaktur-, Fabrik- und Hand arbeiter Genossenschaft und forderte zu recht zahlreicher Betheiligung auf. Herr Stolle unterzog hierauf die Fabrikordnung von Kirchberg einer scharfen Kritik. Den beiden Rednern wurde ungetheilter Beifall gezollt. Nächstens werden wir die Gründung einer Manufaktur- Genossenschaft vornehmen und erwarten eine rege Theilnahme, da in den ausgegebenen Sammelbogen sich bis jetzt gegen 80 Unterschriften befinden, auch nach auswärts werden wir thatig sein. besten Dank. Stolle und Motteler hiermit nochmals unjen 6 jagen den Herren Leipzig, 29. Juni. Am letzten Sonnabend hielt Bebel einen Vortrag im Arbeiter- Bildungsverein über die Ursachen der Spaltung der Arbeiter. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht und beschloß die Diskussion auf nächsten Mittwoch auszusetzen, und bis dahin auch andere den sozial- demokratischen Prinzipien huldigende Arbeiter, welche dem Verein nicht angehören, einzuladen, um an der Debatte und den Beschlüssen Theil zu nehmen. Der Strike der Zimmergesellen ist beendigt und zwar haben die Arbeiter einen fleinen Vortheil erlangt, indem der Arbeitslohn pro Stunde von 20 auf 22 Pf.( sächsisch) erhöht wurde. Der Strife der Cigarrenarbeiter dauert noch fort. Das Strife Comite hat eine Produktiv- Genossenschaft errichtet, in der bereit³ 70 Arbeiter beschäftigt werden.( Das ist der rechte Weg. D. R.) Leipzig, 29. Juni. Als Ergänzung der Notiz in voriger Nummer ds. Blts., die Gründung eines Ortsvereins der Internationalen Ge werksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter in Leipzig betreffend, sei noch erwähnt, daß Herr Hadlich am 20 ds. Mts. einen Bortrag über Zweck und Nußen der Gewerksgenossenschaften und die Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation hielt, woran sich eine Diskussion über die Statuten der obengenannten Gewerksgenossenschaft schloß. Am Sonntag den 27. Juni wurde die Constituirung des Ver eins vorgenommen und der Kammgarnspinner Aug. Kummer zum Be vollmächtigten, Strumpfwirter Chr. Hadlich zum Kassirer und F. Uhlig ebenfalls Spinner, zum Controleur gewählt. Sonntag, den 11. Juli Nachmittags 3 Uhr wird die erste öffent liche Versammlung dieses Vereins im Lokal des Arbeiter Bildungsvereins stattfinden, und es ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß dieselbe nicht nur zahlreich besucht wird, sondern daß auch noch viele dem Verein beitreten; gegenwärtig zählt derselbe 28 Mitglieder. Leipzig, 1. Juli. Der Arbeiter- Bildungsverein hat gestern Abend in einer sehr zahlreich besuchten Versammlung, der auch die bie figen Mitglieder der Internationalen Arbeiter- Assoziation beiwohnten, einstimmig beschlossen, die Einberufung eines deutschen so zal- demokratischen Arbeiterfongresses nach Sträften zu unterstützen. Die hiesige Handarbeitergenossenschaft hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens ihre Mitglieder bereits um das Doppelte vermehrt, unterliegt gar keinem Zweifel, daß sie sehr bald das gesuchteste Institut dieser Art hier sein wird, da nur lauter tüchtige und intelligente Arbeiter ihr beitreten Der Stoffandrang war diese Woche so groß, daß trotz der aus nahmsweise ums vierfache verstärkten Beilage viele Zusendungen, mentlich aus Geyer, Elberfeld, Reichenberg, Stollberg u. f. w. für die nächste Nummer zurückgestellt werden mußten. Die Süddeutsche Post in München, Ita er ein von A. Bogner gegründetes demokratisches Organ, scheint vorläufig wöchentlich 3 mal und kostet das Vierteljah excl. des Postzuschlages bloß 30 kr. Das Blatt vertritt m Entschiedenheit die Interessen der deutschen Volkspartei un kämpft deshalb energisch gegen Cäsarismus, Militarismus und alle sonstigen Erscheinungen der Unfreiheit. Indem Mitglieder und Anhänger der Partei dieses Organ durch Abonnement und Verbreitung unterstützen, ermöglichen sie zugleich, daß die Sache der Freiheit auch in der Hauptstadt Bayerns und überhaupt heute und gestern entstanden wäre, sondern schon in den ältesten Zeiten; Altbayern Boden gewinne. Jin Vertrauen auf diese Mithilfe sollte dieselbe aber richtig gelöst werden, so sei unbedingt nothwendig, beginnt das Blatt den zweiten Vierteljahrgang feit seinem Be stehen und wird wie bisher die Leser durch ständige Original daß der Arbeiter sich vereinige und hierzu sei ihm in den verschiedenen Gewerksgenossenschaften Gelegenheit geboten. Nach einer furzen Bause ergriff Herr Motteler das Wort, wies zuerst einige Verdächtigungen, welche die Bourgeoisie gegen die Arbeiterführer in ihren Organen verbreitet hatte, mit sehr treffenden Worten zurück und empfahl dabei aufs Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Braustr. 11). arbeiten und gutes Feuilleton zu befriedigen suchen. Man abonnirt für das 3. Quartal des lauf. Is. bei allen Bostanstalten und Postboten des In- und Auslandes. Leipzig. Druck und Verlag: F. Thiele. Expedition: Petersstraße 18. Beilage zum Demokratischen Wochenblatt Nr. 27. Aus England. London, den 20. Juni. Die verhängnißvolle Woche, die das Schicksal der liberalen Bourgeois Regierung entscheiden sollte, ist vorüber: das Gewitter, welches die reaktionären Herenmeister herauf beschworen, ist harmlos vorübergezogen. Der vorige Montag war beſtimmt als der Tag, an welchem die irische Kirchenbill zum zweiten Male im Oberhaus verlesen werden sollte. Bei der zweiten Berlesung konnte die Bill in Bausch und Bogen verworfen, nach der zweiten Verlesung nur noch in ihren Details geändert werden. Einige Tage vorher hielten die Reaktionäre eine Partei- Versammlung und beschlossen, die Bill in Bausch und Bogen zu verwerfen; aber merkwürdiger Weise ward der Auftrag, dieses im Hause vorzuschlagen, nicht dem Führer der tonservativen Opposition ertheilt, sondern einem alten Großschwätzer, der das Aschenbrödel der reaktionären Klique ist, ftets bereit ihre schmutzige Arbeit zu thun. Sofort stieg die politische Temperatur trotz der ungemüthlichen Juni- Kälte auf beiden Seiten auf Fieberhitze. Ueberall wurden die politischen Lanzknechte der Reaktion zusammen getrommelt, um große Demonstrationen zu machen und gegen die Bill zu petitioniren. Die konservative Presse ging so weit dem Publikum vorzureden, daß es die Partei bis zu einer Auflösung des Parlaments treiben werde, und daß eine Auflösung eine fonservative Majorität zur Folge haben würde. Die liberale Presse dagegen drohte mit Ueberschwemmung des Oberhauses durch neue Mitglieder, und der radikalere Theil machte selbst Anspielungen, daß ein hartnäckiger Widerstand von Seiten des Oberhauses in einer Abschaffung des Oberhauses enden könnte. Der Recht Ehren werthe" John Bright vergaß sich so weit, einen Brief an feine Wähler in Birmingham zu schreiben, der in einer öffent lichen Versammlung vorgelesen wurde und in welchem er sagte, daß die Mitglieder des Oberhauses nicht überweise seien, obschon einige Klugköpfe unter ihnen wären; daß ihre Aktion als gesetzgebender Körper nur eine Art gesezemacherischer Kessel flickerei sei; daß als allgemeine Regel das Oberhaus stets gegen den Willen des Volkes sei; daß die Verwerfung der Bill möglicher Weise zum Umsturz des Oberhauses führen könne, und daß sie einen Volkstumult erregen würde. So sehr man auch an eine solche Sprache von John Bright als extremem Oppositionsmann gewöhnt war, so durfte sie doch nicht ungerügt von einem Minister der Krone hingenommen werden. Man interpellirte in beiden Häusern. John Bright ließ durch seine Kollegen erklären, daß er es nicht so übel gemeint habe und sehr bedauere, die hohen Herrn unvorsichtiger Weise gekränkt zu haben. Indessen hatten die Lords auch kein Blatt vor den Mund genommen, sie hatten die Bill als eine Plünderungs- Maßregel gebrandmarkt, die nur von Räubern ausgehen könne, und Graf Granville, der Bright im Oberhause zu vertheidigen hatte, nahm sich daß er sich viel lieber als Dummkopf oder politischen Kesselsich selbstverständlich viele Dummköpfe befinden müßten und flicker charakterisiren lassen wolle denn als einen Räuber und Plünderer. Es gibt gewiß kein störrischeres und verstockteres Geschöpf sprachen alle Lords, die an der Debatte Theil nahmen, gegen auf der Erde als den Menschen. Wit sehr wenigen Ausnahmen die Bill. Viele riethen, um des lieben Friedens willen die zweite Berlesung passiren zu lassen und die Bill im Komité hätte sonst nichts für die Abschaffung der irischen Staatskirche gesprochen, so hätten die Gegengründe der Feinde der Bill den Entschluß nur befräftigen können. Der größte Redner, der zum ersten Mal seine Stimme im Hause der Unverbesserlichen ( Incurables) hat ertönen laffen, ein irischer Bischof, der kürzlich nach England versetzt worden ist, unterstand sich beweisen zu = zu wollen, daß die römisch- katholischen Irländer nie ein Eigenthumsrecht auf das heutige Kirchen- Vermögen gehabt hätten. Zur Zeit der ersten Eroberung Irlands seien die Irländer feine Christen gewesen; zur Zeit der Reformation hätten sie es mit der unterliegenden Partei gehalten, und die Sieger hätten nach damaligem Brauch das Land unter sich vertheilt und einen Zehnten für die Kirche ausgesetzt. Die heutige Konfiskation unterscheide sich indessen dadurch von den früheren, daß man damals das Land der Feinde Englands genommen habe aber heute die getreuesten Anhänger zu Gunsten der Feinde plündere. Die Idee, daß die Klerisei*) von den freiwilligen Gaben ihrer Gemeinden und in Armuth leben solle, fand er lächerlich.„ Die englischen Prediger und Herrn", sagte er, , die dem irischen Klerus anrathen die bittere Pille ohne Murren zu verschlucken, hüten sich wohl uns ein Beispiel zu geben. Man schwatzt von apostolischen Zeiten, aber man erinnert sich nicht, daß die Gemeinden der apostolischen Zeiten so arm waren als die Apostel selbst. Aber die Christenheit der apoftolischen Zeiten eroberte eine Welt, und sollen wir den Früchten jener Siege entsagen und wieder von vorn anfangen?" Der gute Mann hat ganz Recht. Das Christenthum ist zur Religion derer geworden, die eine Welt erobert haben und sich in die Güter der Erde theilen. Das Geschäft der heutigen Klerisei besteht hauptsächlich darin den Besitz heilig zu sprechen, das Eigenthum als eine von Gott verordnete Institutionen darzustellen und die Hunger leidenden Massen auf den Himmel zu vertrösten. Nur so lange die Klerisei selbst reich ist, kann sie dieses Geschäft verrichten. Einem hungernden Prediger würde es jedenfalls schwer fallen, den Besitz eines faullenzenden Millionärs heilig zu sprechen. Aber die industrielle Bourgeoisie, die in den Pfaffen nur eine besondere Art von Lohnarbeitern erkennt, begreift das nicht. Der letzte Vicefönig von Irland bewies, daß, ausgenommen in Einer Provinz, die irischen Protestanten so klein an Bahl seien, daß sie unmöglich ihre Priester erhalten könnten, da die reichen Grundeigenthümer nicht auf ihren Gütern wohnten und nichts für die Prediger hergeben würden. Also weil Niemand einen protestantischen Pfaffen braucht, sollen die katholischen Bauern gegen ihren Willen die protestantischen Pfaffen erhalten! Die Hauptbesorgniß ist, daß, wenn einmal die irische Kirche abgeschafft ist, die Reihe auch an die englische komme, und daß die Konfiskation des Kircheneigenthums die Bande des Privateigenthums von Grund und Boden lockern werde. Die Bill ward schließlich mit 179 gegen 146 Stimmen zum zweiten Male verlesen; der Führer der Opposition**) wagte nicht dagegen zu stimmen. London, den 28. Juni. Als Gladstone die Details seiner irischen Kirchenbill nach einander aufgezählt hatte, zeigte er an, daß ihm ein Ueberschuß an Geld bliebe, und er fragte: Was sollen wir mit diesem Ueberschuß thun? Wie bekannt schlug er vor, ihn zu Gunsten der Blinden, Taubstummen, Geistestkranken u. s. w. zu verwenden. Der erbliche Zweig der brittischen Gesetzgebung+) stellt sich heute dieselbe Frage: Was sollen wir mit dem Ueberschuß thun? Graf Russell und Konsorten verlangen, daß bie Geistlichen der nicht- staatskirchlichen Protestanten der Pres byterianer sowohl, als die römisch- katholische Geistlichkeit auf Verlangen einen Antheil an der Beute haben sollen. Indeſſen ſind ſie unter ſich ſelbſt nicht einig. Der Eine will, daß jeder Predigerstelle eine Fläche Land, die nicht über dreißig Acker betragen darf, einverleibt werden soll; der Andere be*) Geistlichkeit, Pfaffenschaft. **) Disraeli, das Haupt des gestürzten Ministeriums. t) das Oberhaus, in dem die Häupter der großen adeligen Familien traft ihrer Geburt einen Sitz haben. gnügt sich mit 25 Acker; ein critter mit 10 Acer; noch Andere wollen auch ein Wohnhaus darauf gebaut haben. Die ,, wahren Freunde der Kirche" wollen den Gladstone'schen Ueberschuß zu Gunsten der abzudankenden Geistlichkeit vermöbeln. Der Erzbischof von Canterbury, der Hohepriester Englands, rerlangt, daß die Privatvermächtnisse, die den Gläubigen blei ben, vom Jahr 1560 statt von 1660 datirt werden und daß das neue Gesetz erst am 1. Januar 1872 statt 1871 in Kraft treten soll. Graf Shaftesbury, der sich in seiner Jugend ( als Lord Ashley) große Verdienste um die ZehnstundenBewegung erworben, schlägt vor: falls beschlossen würde, irgend einen Theil des Ueberschusses zu säcularisiren*), solle man einen Leihfond daraus machen, um kleinen Bauern und Handwerkern den Betrieb ihrer Geschäfte zu erleichtern. Was dem Einen recht, ist dem Andern billig. Die großen Grundeigenthümer borgen Geld von der Regierung, warum sollen die kleinen Bauern nicht auch Staatskredit haben? Das Wunderliche ist nur, daß dieses von einem Reaktionär vorgeschlagen wird. Freund Schulze**) sollte dem edlen Grafen einen Brief schreiben gegen die Staatshülfe. Kommt einmal die Reihe an die Staatskirche in England, so wird sich das Gespenst der Staatshülfe mehr in den Vordergrund drängen, denn hier zu Land halten Viele es für die Pflicht des Staats, daß er arbeitslosen Arbeitern behülflich sei, kooperativen Ackerbau zu treiben; und jedenfalls gibt es keine bessere Gelegenheit, den Anfang zu machen, als die Konfiskation der Kirchengüter, die in England wie in Irland zu Spottpreisen an Verwandte und Bekannte von Bischöfen verpachtet sind. ,, Alle sozialen Revolutionen," sagte der große Redner, der Bischof von Peterborough, vorige Woche ,,, fangen mit dem Kircheneigenthum an, weil man an demselben immer irgend einen Makel entdecken kann, der seine Konfiskation rechtfertigt." Die Reaktionäre sehen zu gewissen Momenten stets weiter, als die gesetzlichen Fortschrittsmänner. Noch ist keine Aussicht vorhanden, daß die Trades'Unions legalisirt werden***). Die von Thomas Hughes eingebrachte Bill soll am 17. Juli zum zweiten Mal verlesen werden bei der vorgerückten Session ein Zeichen, daß sie die dritte Verlesung nicht erleben wird. Die Arbeiter werden etwas ungeduldig; da jedoch keine Aussichten vorhanden sind, den Vorschlag zum Gesetz zu erheben, so bleibt nichts übrig, als sich in das Unvermeidliche zu fügen. Von 658 Mitglie dern des Unterhauses sind nur 30 für die Bill, und diese 30 werden sich nach altem Brauch glücklich schätzen, irgend eine Gelegenheit zu haben, die ihnen eine Entschuldigung gibt, die Bill fallen zu lassen, statt sich der Gefahr auszusetzen, durch eine überwiegende Majorität niedergestimmt zu werden. Eine Deputation wandte sich im Laufe der Woche an den Minister des Innern, um sein Gutachten zu vernehmen; der arme Mann weiß nichts, er kann keine Versprechungen machen, er weiß nur, daß sich das Ministerium früher oder später, vielleicht in der nächsten Seſſion, mit der Frage wird befassen müssen- ob für oder gegen die Arbeiter kann er nicht sagen. Dagegen wird sehr laut gemunkelt, daß man nur im Sinne des MajoritätsBerichts, d. h. gegen die Arbeiter gesetzgebeln wird. muß; aber was und wie es geschehen muß, das sind ihm böh mische Dörfer. mische Dörfer. Hindert doch Niemand die Landarbeiter, ihre Kinder in die Schule zu schicken, und wenn sie nicht wollen, wer fann sie zwingen? Der Staat, sagt Fawcett. Aber nicht ohne Aufsicht antwortet der Minister, und wer soll die Aufseher bezahlen? Contra Schweizer- Hazfeldt( Mende). " 1 Der Staatsstreich", welchen Herr von Schweitzer und bie Gräfin Hatzfeldt, ihrer rein persönlichen Zwiftigkeiten ver geffend, im Interesse des gemeinsamen Herrn und Mei sters Bismarck versucht haben, ist vollständig mißlungen. Alle intelligenten und ehrlichen Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins haben sich ge gen das schmachvoll willkührliche Vorgehen der bei den ,, Präsidenten" erklärt, und die wichtigsten Gemeinden find entweder wie Hannover, Braunschweig, Cassel, Chemnitz u. s. w. und sämmtliche Gemeinden Thüringens und Süddeutschlands ganz ausgetreten, oder sie sind gesprengt, wie die Ge meinden in Hamburg und an vielen anderen Orten. Die ver blendeten Arbeiter, welche den Staatsstreich" ruhig hinge nommen haben, werden unzweifelhaft bald zur Besinnung fom men, und Herr von Schweitzer der gräfliche Schürzenfti pendiat Mende begiebt sich ,, aus Gesundheitsrücksichten" in den Ruhestand! wird mit der Gräfin Hatzfeldt und einer handvoll gekaufter Subjekte als trauriger Ueberrest des soge nannten ,, Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" zurückbleiben. " 1 Der königlich preußische Sozialismus ist todt! Es lebe die Sozialdemokratie! Es lebe die demo kratische Arbeiterpartei! Wir lassen nun die, im Laufe der vorigen Woche weiter veröffentlichten Aktenstücke, betreffend den Bankront det Firma Schweizer- Hazfeldt folgen: nach Schluß der Redaktion noch eine neuere Auflage des Gir Zunächst haben wir zu erwähnen, daß uns vorige Woche culärs der Herren Bremer und Genossen zuging, welches, außer den bereits mitgetheilten Namen, noch die Unterschriften der Herren Aug. Dreyer, Hingstmann und Lehnhoff in Celle, 2. von Bonhorst in Wiesbaden und Kayser in Er furt enthielt. Genossen veröffentlichte Hr. Nippoldt in Gotha Folgendes: Gleichzeitig mit dem Aufrufe der Herren Bremer und Deutsche Arbeitsbrüder! Es ist uns vom Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins ganz plötzlich über Nacht die Vereinigung mit der Hatzfeldt'schen Partei zur Abstimmung vorgelegt und mit Recht sind selbst die Berliner Mitglieder verblüfft gewesen, aber nicht aus großer Freude, sondern wegen des ganz demokratischen, statutenwidrigen Vorgehens unseres Präsidenten. Ihr wißt, unter welchen harten Kämpfen endlich auf der schränkte Diktatur des Präsidenten durch Verbesserung d General- Versammlung zu Barmen Elberfeld die unum Statuten beseitigt wurde und jetzt beseitigt der Präsident Dr. diese Statuten, ohne auch nur die durch den Vorstand repräsentirten jouveränen geblichen Versuch, dem Ministerium ein Versprechen abzudringen, Raschheit, mit welcher wir über die Frage der Vereinigung Mitglieder im Mindesten zu achten, und prellt uns durch die Professor Fawcett machte am Freitag Abend einen verdie Fabrikgesetze betreffs der Weiber- und Kinderarbeit auf den Ackerbau auszudehnen. Fabrikgesetze passen einmal nicht v. Schweizer mit einem Federstrich abstimmen sollen. in den Kram der Liberalen, und da sie in Betreff des Acer- Gewiß fein Arbeiter, der es mit seinen Arbeitsbrüdern ehrlich Die Frage der Vereinigung, wer wollte sie verneinen? baues die Konservativen auf ihrer Seite haben, so können sie meint; aber ich frage Euch, ist es ehrlich von einem Arbeiter getrost die philanthropischen+) Anwandlungen einiger Halb- führer, wenn er, um eine circa 1500 Mitglieder zählende Partei zu unserer 15,000 Mitglieder zählenden, heranzuziehen, Innern bestreitet nicht die Nothwendigkeit, daß etwas geschehen unser demokratisches Statut ohne den Vorstand statuten sozialisten mit Gleichgültigkeit behandeln. Der Minister des *) Kircheneigenthum zu weltlichen Zweden verwenden. **) Der Erheilige von Delitzsch" ist gemeint. Dies zur Gedächtnißauffrischung für diejenigen unserer Leser, welche noch eine dunkle Erinnerung an denselben bewahrt haben sollten. ***) den gesetzlichen Schutz erlangen. t) menschenfreundlichen; in neuerer Zeit hat das Wort meist eine schlimme Nebenbedeutung. gemäß zu fragen bei Seite wirft und dasjenige der schw cheren Bartei, welches die alte Diftatur wieder einführt, nimmt, mit der Phrase: auf der nächsten General- Bersammlung solle sich die Partei nun wieder erst ducch Kämpfe die Dikta tur vom Halse schaffen? Brüder! thut die Augen auf, hier gerade werden die r beiter hinter das Licht geführt. Die Herren v. Schweißer und Mende können das Wohl der Arbeiter nicht im Auge haben. Glauben denn diese Herren wirklich, daß der große Lassalle, als er in seinem Testament schrieb: Becker solle Präsident werden und er solle an der Organisation festhalten, sie würde den Arbeiterstand zum Siege führen" mit der Dummheit begabt gewesen sei, sein Statut unter allen Umständen und allen Zeitverhältnissen aufrecht erhalten zu wissen? Sollte derselbe nicht vielmehr gewußt haben, daß sein Statut die Form die Form je nach der Entwickelung des Vereins zu verbessern sei? Ist nicht vielmehr der Geist, die Lehre Lassalle's die Hauptsache? Lassalle war ein viel zu ehrlicher Demokrat, als daß er nicht wenn er heute noch lebte selbst die Statuten verbessern helfen würde und die Diktatur, welche damals bei Gründung erforderlich war, heute selbst abschaffte. Dieses veraltete Statut sucht Dr. v. Schweißer wieder vor, um sein früheres Handwerk fortzusetzen. Und den Grund ber Raschheit verhüllt er in ein geheimnißvolles Dunkel, damit nicht einmal unser Vorstand mitreden soll. Nun, es ist sehr leicht, den Schleier vom Geheimniß wegzuziehen und die Sache offen vor die Augen zu legen. Eine Partei, in Deutschland circa 10,000 Mitglieder zählend, in nächster Zeit sogar noch durch den Zutritt der deutsch österreichen Arbeiter verstärkt werdend, die ganz auf dem Bruderhand nach uns ausgestreckt, sie ist aber stets von unserem Führer zurückgewiesen worden. Er befürchtete, daß diese Partei msstrecken werde; und deshalb die Schnelligkeit, mit welcher eine so wichtige Sache übers Knie gebrochen werden muß die Partei paßt nicht in feinen Kram, sie hat zu ehrliche Führer. 299 flären, ob es wahr ist, daß Sie in einer Versammlung in Eisenach das Mandat übernommen haben, in Verbindung mit Herrn Dr. Wild einen Ausschuß zur Durchführung der in jener Versammlung gefaßten Resolution zu konstituiren. In diesem Falle fordere ich Sie weiter auf, die anliegende Erklärung Nr. 2 mit Ihrer Unterschrift zu versehen und zur Veröffentlichung durch den ,, Sozial- Demokrat" an mich umgehend zurückzusenden; falls aber die auf die Sache bezügliche ZeitungsNotiz auf unwahrheit beruht, wollen Sie die beiliegende Erklärung Nr. 1 unterschreiben und hierher zum Zweck der Veröffentlichung zurücksenden. Wenn Sie Bedenken tragen, dieser Aufforderung in der einen oder andern Weise nachzukommen, dann muß und wird Ihnen der Eintritt in den neu zu begründenden Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Verein verweigert und dies im Vereinsorgan veröffentlicht werden. Berlin, 18. Juni 1869. Mit sozial- demokratischem Gruß Ihr C. W. Tölcke, Sekretär des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins. Erklärung Nr. 2: eines Ausschusses zur Durchführung einer von der Versamm= In einer Versammlung zu Eisenach ist die Constituirung lung gefaßten Reſolution beſchloſſen und sind Hr. Dr. mile auftragt. Als ich dieses Mandat annahm, befand ich mich in und ich mit den Vorbereitungen zur Wahl des Ausschusses bedem Irrthum, daß meine Eigenschaft als Mitglied des Allg. Deutſchen Arbeiter- Bereins mich nicht verhindere, einseitig auf habe, daß nach der Lassalle schen Organisation nur der Bereinssolche Verbindungen einzugehen. Da ich inzwischen eingesehen präsident berechtigt ist, Namens der Partei derartige Maßnahmen zu treffen oder Verbindungen einzugehen, so erkläre Gotha, Juni 1869. Mitglieder daraus, daß am 16. d. Mts. in einer außerordent: ich hiermit öffentlich, daß ich von dem Unternehmen zurücktrete. Und wie fein v. Schweitzer dabei berechnet, ersehen die lichen Versammlung des Allgem. Deutschen Arbeiter- Vereins der Präsident die Sache verkündet, am 18. erscheint der ,, Sozialblatt" in die Presse, also eine Aeußerung desselben ist unmöglich demokrat", an demselben Tage geht das ,, Demokratische Wochengemacht, am Sonnabend den 19. finden die Versammlungen des An das Präsidium des Allg. D. Arbeiter- Vereins zu Berlin. Gotha, den 21. Juni 1869. Auf die Zuschrift des Vereins- Sekretärs Herrn Tölde 1. Muß ich mich wundern, daß das Präsidium, ohne sich selben Abend erscheint der ,, Socialdemokrat", also eine Aeußerung erwidere ich Folgendes: der eigenen Mitglieder wird ebenfalls unmöglich gemacht, da bis zum Erscheinen der nächsten Nummer( den 23.) schon die genaue Kenntniß von den in Thüringen vollzogenen Thatsachen Erklärungen beim Sekretair eingetroffen sein müssen! verschafft zu haben, auf Grund von Zeitungs- Notizen gegen Nicht ich allein war in Eisenach, sondern sämmtliche Brüder! von solchen Ränkeschmieden haben wir keine Lust mich allein vorgeht. mehr, uns regieren zu lassen, wir fordern Euch auf, weder v. Schweizer noch Mende, welche über einen Leisten geschlagen Mitgliedschaften Thüringens waren vertreten, wie Sie aus der find, sondern zu wählen und sodann zur Berufung eines Congresses nach anliegenden Nr. 25 des ,, Thür. Volksboten" ersehen können, in der der vollständige Bericht über jene Versammlung enthalten ist. Uebrigens will ich bemerken, daß gleiche Resolutionen, wie Gotha- weil hier freies Vereins- und Bersammlungsrecht die in Eisenach gefaßte, auch in den übrigen Mitgliedschaften, riftirtzur Vereinigung aller social- demokratischen ArbeiterVereine mit hinzuwirken. Sollten aber die Arbeiter sich durch die Phraſen des c. v. wo Hr. Bebel und ich gesprochen haben, gefaßt worden sind. 2. Daß wir mit der thüringischen demokratischen Partei ein Compromiß für den Fall politischer Aktion abgeschloffen haben, Schweizer im ,, Sozialdemokrat' wieder breit schlagen lassen, so ist lediglich Sache Thüringens und ist dadurch durchaus nicht fönnen wir nicht umbin, bis zurHerstellung unseres in Barmendas Interesse der social- demokratischen Partei, wohl aber vielElberfeld berathenen Statuts nns loszutrennen, bis die Ar- leicht das einzelner Persönlichkeiten dieser Partei geschädtig beiter endlich auf anderem Wege die Augen geöffnet erhalten Gotha, den 20. Juni 1869. Mit fozialdemokratischem Gruß: J. Nippoldt, Namens der hiesigen Mitgliedschaft. Die nachfolgende Correspondenz des Hrn. Nippoldt mit effantes Licht auf das Benehmen des Hrn. von Schweißer als Diktator des Vereins: Herrn J. Nippoldt in Gotha! Bweißer fordere ich Sie hierdurch auf, sich umgehend zu er Im Auftrage des Vereins- Präsidenten Herrn Dr. von worden. Ein solches Compromiß war nach den thüringisch en politischen Verhältnissen nothwendig, und konnte das Präsidium zu Berlin hierüber fein Urtheil fällen. 3. Ist die in Eisenach in den Augen des Präsidiums als Sünde gegen die Organisation angesehene That nach der Ansicht der Thüringer Mitgliedschaften keine Sünde; denn erstens habe ich speziell das Präsidium davon benachrichtigt, daß Hr. Bebel Thüringen bereise, und dasselbe gebeten, etwas in dieser Sache zu thun, bin aber ohne jedwede Antwort und Instruktion geblieben. Jetzt mun will man mir einen Vorwurf machen, den doch eigentlich das Präsidium sich selbst machen müßte. 4. Daß mir gedroht wird, mir die Aufnahme in den neu zu gründenden Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zu ver= weigern, erkläre ich als Beeinflussung meiner Individualität resp. als Diftatur, welche sich aber kein ehrlicher Sozial- Demotrat gefallen läßt und deren Beseitigung Pflicht eines jeden Mitgliedes ist. 5. Die alleinige Vereinigung mit dem zu Dresden domizilirten Arbeitervereine erkläre ich für eine Verlegung der Rechte der zu Barmen abgehalten Versammlung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, da diese Versammlung die Abänderung der Statuten deshalb vorgenommen hatte, um die Macht des Präsidenten zu schwächen, während durch diese Vereinigung nach den bekannt gemachten Grundlagen dieser Beschluß illusorisch gemacht wird und durch die Schnelligkeit der Vereinigung mit dem zu Dresden domizilirten Allgemeinen deutschen Arbeiterverein die Vereinigung mit den sozial- demokratischen deutschen Arbeitervereinen unmöglich gemacht werden soll, folglich Seitens des Präsidiums gegen die sozial- demokratischen Prinzipien gehandelt ist. = Ich bitte diesen Brief im ,, Sozial Demokrat" zu ver= öffentlichen, da ich Ihren Brief sowohl wie diese Antwort im ,, Demokratischen Wochenblatt" veröffentlichen werde. Mit sozial- demokratischem Gruß J. Nippoldt. An die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins. Freunde! Parteigenossen! Der Vorstand des ehemaligen, zu Berlin domicilirten Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins, derselbe Vorstand, der in der heutigen Nummer des Social- Demokrat" wegen seiner Selbstverleugnung gelobt wird, ist in Sachen der sogenannten Wiedervereinigung der beiden Algemeinen Deutschen Arbeiter Vereine hintergangen und- wir sagen es offen heraus belogen worden. 303 hiermit, daß sie mit Dr. Schweizer nichts mehr gemein haben wollen, sondern ihn des Vertrauens der Partei von Stund an für unwürdig erachten. Nicht leicht wurde es uns, von denjenigen Parteigenoffen, welche bis jetzt mit uns aufs engste vereint waren, vorläufig formell uns zu trennen. Allein es mußte endlich ein kräftiges Veto gegen das unlautere Verfahren des Dr. Schweitzer eingelegt, es mußte erkannt werden, daß nicht diejenigen Partei: mitglieder, welche den vom 22. Juni d. J. datiren Aufruf ( Bremer, Bracke 2c.) erlassen haben, die Organisationsbrecher sind, sondern Dr. Schweitzer, der wie es immer herrlicher aus dem„ Social- Demokrat" erhellt die Vereinigung mit Hatzfeldt- Mende nur eingegangen, um die neuesten, von ihm selbst heuchlerisch befürworteten Barmen- Elberfelder Statuten, in denen die Lassalle'sche Organisationsidee( Bereinigung Aller unter einheitlicher, starker aber verantwortlicher Führung) nicht im geringsten angetastet ist, über den Haufen zu werfen. Abgesehen davon, daß die von Hatzfeldt- Mende und Schweitzer in's Werk gesetzte angebliche Einigung der socialdemokrat. Arbeiterpartei nur eine theilweise ist, geht aus den neuesten Kundgebungen der Mitglieder des ehemal. Hatzfeldt Mende'schen Vereins hervor, daß jener Verein in voller Auf lösung begriffen war und daß seine Mitglieder auch ohne diese Experimente des Dr. Schweißer von selbst zu uns gekommen wären. Der Politifer Dr. Schweitzer ging hierbei in die Brüche, sobald er sich überhaupt jemals den Statuten unseres jetzt aufgelösten Vereins aufrichtig unterordnete. Doch er that letzteres nicht; er wollte den Sturz dieser Statuten und dazu diente ihm die Phrase der Einigung. Beweis No. 73 und 74 des Social- Demokrat," welches Blatt unter der Rubrik Ber einstheil" nur von Dr. Schweizer für gut befundene Artikel enthält. Unerhört ist es, daß in genannter No. 73 die Gräfin Hatzfeldt als die wirkliche Hüterin der Lassalle'schen Organisa tionsidee hingestellt wird, daß man also geradezu unsern gelösten Verein als einen sehr zweifelhaften Bewahrer dieser Jdee brandmarkt! 11 " 1 auf Sozial Arbeiter! Es war am Montag, den 21. Juni, als Herr C. W. Tölcke, bisheriger Secretär des zu Berlin domicilirten Allg. Deutschen Arb.- Vereins, im Auftrage des Herrn Dr. v. Schweißer hierherkam, und in einer Vorstandssitzung über die Gründe berichtete, welche die Vereinigung der beiden bisherigen Ebenso unerhört, als dieser Todtensprung des Dr. Schwei Allg. Deutschen Arb.- Vereine veranlaßt haben sollen. Unter yer, ist das Lügensystem, unter dem der Sozialdemokrat diesen Gründen waren für die Mehrheit zwei entscheidend: einzelne Mitglieder, welche nicht die Rolle der Nationallibera Erstens wurde versichert, daß die Gräfin Hatzfeldt vom neuen Len gegen den Präsidenten zu spielen gesonnen sind, verleumdet! Vereine gänzlich zurücktreten, der Verein also in keinerlei 3. B. Herr Dr. Kirchner in Hildesheim wurde vom Verbindung mit dieser kommen würde. Zweitens wurde im Demokrat"( Präsidium) aufgefordert, sich wegen gegen ihn er Auftrage des Dr. Schweitzer erklärt, das Statut gelte nur für hobener Anklagen zu rechtfertigen. Dr. Kirchner verlangte vo das Provisorium von jetzt bis zur General- Versammlung, in- Sozialdemokrat“( Präsidium) Thatsachen, gegen die er sich dem gleichzeitig Dr. Schweißer die bestimmte Zusage machen vertheidigen habe. Dieses Verlangen blieb unbeachtet, niemals ließ, auf der bevorstehenden General- Vers. für alle diejenigen ist ihm vom Präsidium Schweißer ein hierauf bezüglicher Aenderungen, welche am Statut im Frühjahre auf der Barmen- zugegangen. Dr. Kirchner endlich schrieb seine Rechtfertigung Elberfelder Gen.- Vers. vorgenommen worden, mit allen Kräften und schickte sie am Sonnabend, den 19. Juni, gegen Boftfchein einzutreten. nach Berlin ab. Trotzdem brachte Nr. 72 des ,, Sozialdemokrat Fest steht es, daß ohne diese zwei Gründe seitens des ( vom 23. Juni) eine neue Aufforderung, Dr. Kirchner folle fid Vorstandes eine Befürwortung, wie sie leider geschehen, unter rechtfertigen, sonst nehme man an, derselbe sei zur Volksparte den obwaltenden Verhältnissen nicht erfolgt, und ohne diese übergegangen. Parteigenossen, also mit der Vertheidigung zwei Gründe, die von dem mitunterzeichneten M. Odelmann Angeschuldigten in der Hand, wagt man es mit frecher gegen den Präs. Schweitzer wegen Organisationsbruches beim den Angeschuldigten aufs Neue vor der Partei zu verunglim angedeutete Anklage nicht unterlassen worden wäre. pfen und die Partei selbst zu betrügen, indem man ihr die Allein wie sieht es heute mit diesen Gründen aus? Die Ant- Vertheidigungsschrift vorenthält! Und dies Beispiel steht nicht wort ist nicht schwer. In der Freitags-, sowie in der vereinzelt da. Urtheile nun ein Jeder über die Wahrheits und Gerechtigkeitsliebe des ,, Sozialdemokrat" und feines Gen " 1 fors, seines Beherrschers! Brief Stirn heutigen Nummer des Social- Demokrat" ist sie in den verschiedenen Artikel unter der Rubrik Vereinstheil" enthalten. Diese Artikel fagen uns, daß die Gräfin bleibt, fagen uns, Unerhörter jedoch, als alles dies, sind die Bestechungsent daß an eine Aenderung der Statuten im Sinne der zu hüllungen, welche zum Aergerniß der Partei in den Spalten Barmen- Elberfeld und auf früheren General- Versammlungen ,, Sozialdemokrat" aller Welt präsentirt wurden. Wir fragen, wer ist verächtlicher, der Bestochene, welcher möglicherweise beschlossenen Reformen nicht im mindestens gedacht wird. Ist angesichts solcher Erklärungen der Vorstand noch an handeln kann, so protestiren doch seine unterzeichneten Mit durch die Noth zum Falle kommt; oder der Bestecher, bes welcher feine Abstimmung gebunden? Nein! Er sieht sich hintergangen das Geld der Partei gebraucht, um der Partei die Ehre und und wenn er auch in Folge seiner Auflösung nicht mehr direct die innere Einigkeit durch solche Bestechungen zu rauben? Wer glieder gegen die Constituirung eines neuen Vereins, wie solche und antwortet! Wie es aber mit den Bestechungsenthüllung denkt an Klang's Briefe gegen Mende in Nr. 73 des Soc.- Dem." angezeigt wurde, und erklären steht, das beweist eine Erklärung des unter den Beftochenc ist verächtlicher? genannten Herrn Heinr. Roller, welche gegenwärtig durch die Beitungen geht. 11 In Nr. 74 des Sozialdemokrat" wird Herr Th. York angefeindet, weil er sich mannhaft gegen das Gebahren dieses Blattes und seines Eigenthümers erhoben hat. Man will ihn berleumden wegen seines 1863 bei der Wahl Lassalle's beobachteten Verhaltens, ein Verhalten, welchem Lassalle selbst Aner fennung zollte. Wir würden dies übrigens nicht berührt haben, wenn hieraus nicht wiederum hervorginge, daß das Parteiblatt in Händen des jeweiligen Präsidenten nur dazu da ist, alle diejenigen, welche anders denken und handeln, wie der Präsident, des Verraths und was dergleichen Ueberschwenglichkeiten mehr find, zu zeihen. York will absolut nicht Präsident werden, er wußte nichts von Herrn Nippoldt's Circular, er kann nicht Präsident werden, da er sich dem neubegründeten Verein nicht angeschlossen hat. Damit tennzeichnen sich die bezüglichen Bemerkungen im ,, Sozialdemokrat" als Schläge in die Luft. " ,, Alle Laffalleaner," sagt der ,, Präsident- Sozial- Demokrat," sobald er von denen spricht, welche er als organisationstreu bezeichnet; richtiger müßte es dann aber heißen: ,, Alle Laffalleaner, welche stets unbedingt und blindlings meinen Worten glauben." Parteigenossen, wir brachten Euch Beweise, wie erlogen oft die Sprache des Sozial- Demokrat" ist, wir rufen Euch als treue Anhänger der von Lassalle vertretenen Prinzipien zu: seid Sozialisten, seid Demokraten! Mit der liebe und Begeisterung eines Sozialisten, mit der Wachsamkeit und Selbstständigkeit eines Demokraten haltet den Dr. Schweiber, haltet unsere Freunde, die Unterzeichner des Aufrufs vom 22. Juni( Bremer 2c.), haltet uns selbst im Auge!" Wir schließen uns, indem wir angesichts der obgeschilderten Verhältnisse und als Feinde jedes Weiber- und Jesuiten Regiments dem neugegründeten Allg. D. Arbeiter- Verein nicht beitreten fönnen, dem Vorschlage an, einen allgemeinen Congreß der gesammten sozial- demokratischen Arbeiter Deutschlands zu berufen. Wir fordern Euch auf, ein gleiches zu thun. Wir gehen noch weiter. Wir schlagen Euch vor, der Berufung dieses Congresses zum Sonntag, den 25. Juli, Vormittags 11 Uhr, nach Gaffel zuzustimmen, und werden im Verein mit den Herren Bremer, Brace c. Euch in einem nächsten Flugblatt Näheres betreffs der Delegation, Tagesordnung u. s. w. mittheilen. 301 Allg. D. Arbeiter- Vereins.) Rudolph Praaft. E. Hockemeyer. Joh. Levien. Ed. Prey. H. Schult. H. Engel. Wobben. Erklärung. Da die Redaktion des ,, Sozial Demokrat" in Nr. 66 Verläumdungen gegen mich verbreitete und selbst lügenhafte Angaben beifügte, meine am 19. d. M. abgeschickte ,, Rechtfertigung" unterdrückte, dagegen fortfuhr, auf mich den Schein zu werfen, als sei ich zu feige, die gegen mich vorgebrachten Anschuldigungen zu widerlegen; da ferner der frühere Präsident Dr. von Schweißer, troß meiner Aufforderung, die Wahrheit verheimlichte und die Redaktion eine spätere Erklä= rung, die ich ,, auf Ehre und Gewissen" abgab, abermals unberücksichtigt ließ so erkläre ich eine solche Handlungsweise für eine schurkenhafte. Hildesheim, den 28. Juni 1869. Rechtfertigung. Dr. Kirchner. Erst vor einigen Tagen kam mir der in Nr. 66 des ,, Sozialdemokrat" gegen mich gerichtete Artikel zur Kenntniß, und da eine an die Redaktion gerichtete Anfrage, um den Namen des Verfassers zu erfahren, unbeantwortet blieb, so erfor dern Pflicht und Ehre folgende Erklärung von mir: 1) Es ist eine unwahrheit, daß von Seite des Präfidiums an mich eine Aufforderung ergangen ist, ich solle mich rechtfertigen über die gegen mich gerichtete Beschuldigung. Weder früher noch in jüngster Zeit ist das geschehen. Auch haben die beim Postamt eingezogenen Erkundigungen ergeben, daß überhaupt von Berlin aus unter meiner Adresse hier tein Brief angekommen ist. Es würde mit meinem bekannten Charakter in Widerspruch stehen, gegen mich geschleuderte Verdächtigungen, die meiner Ehre nachtheilig werden könnten, feige unbeantwortet zu lassen. 2) Ebenso wenig ist mir bekannt geworden, daß von Hannover aus ein Antrag auf Ausschluß meiner Person bei der Generalversammlung eingebracht worden ist, vielmehr habe ich in Hannover auf das Bestimmteste erfahren, es sei nur die Anfrage gestellt worden, wie ich zur Partei stehe. Diese Anfrage fonnte für mich nichts Ehrenrühriges enthalten, und ich hielt diese Angelegenheit umsomehr für längst beseitigt, als eine von Hannover an mich ergangene Einladung zum Berbrüderungsfeste die herzlichsten Gesinnungen für mich athmete. Alle diese Mißverständnisse würden bei einer offenen und geraden Handlungsweise eine Unmöglichkeit gewesen sein, und wäre in der großen Vollsversammlung im Ballhofssaale in Hannover, bei der ich die bekannten Reſolutionen des Brästdenten begründete, Gelegenheit gewesen, mich deshalb zu interWie wir es hier thun, so bitten wir Euch auch, Euch in freien Allgemeinen Arbeiter- Versammlungen regelmäßig, wöchentlich mindestens einmal, während dieser Zwischenzeit zu versam meln. In diesen Versammlungen wollt Ihr vor allem die Flugblätter verlesen, welche Euch unserseits zugehen werden, und wollt Ihr Euch über den Inhalt derselben aussprechen. der Neugestaltung der Partei und diesem Provisorium_ver= Durch freiwillige Geldſammlungen sucht die Kosten, welche mit knüpft sind, zu decken. Besonders zur Beſtreitung der Druck- pelliren. tosten der Flugblätter sendet Geld an Herrn W. Bracke jun. Das lag doch so nahe, weil ich in derselben Versammin Braunschweig ein. Es wird darüber auf dem Congreß Be- lung Herrn Liebknecht gegen die Anschuldigung, er sei ,, ein richt abgestattet werden. Benachrichtigt auch entweder W. Verräther an der Volkssache", vertheidigt hatte. Dieß hatte ich Bracke jun. oder 2. v. Bonhorst in Wiesbaden oder mit gethan, weil Herr Liebknecht nicht anwesend war, und weil es davon, für wie viel Exemplare der Flugblätter, die wöchent= Lebens der Volkssache gewidmet hatte, aus Parteihaß herabunterzeichneten Aug. Geib in Hamburg, Rödingsmarkt 12, mein Gefühl beleidigte, einen Wiann, der das Glück ſeines lich mindestens einmal erscheinen, Ihr an den einzelnen Orten gewürdigt zu sehen. Verwendung habt. Jedenfalls stellt diese Flugblätter den Lesern den Zusatzantrag in Betreff des Herrn Bebel,*) der mir von des, Sozial- Demokrat" zu, damit sie erfahren, wer Wahrheit vielen meiner Vereinsbrüder so übel gedeutet wurde; und doch ,, Sozial- Demokrat", denn bald wird ein anderes Blatt an deffen Stelle treten. Verhalten sofort ein. Schickt Eure Zustimmung zu unserm Auf dem Congreß, am 25. Juli, in Cassel werden wir keit, das mich überhaupt auf die Seite des Arbeiterstandes ge= stellt und den Inhalt meiner Lebensbestrebungen gebildet hat. Wenn mein damaliges Auftreten eine Ursache des gegen mich gefaßten Mißtrauens war, so thut es mir leid; aber uns sehen, uns grüßen und uns thatkräftig zum festen Bunde Republikaner nach meinem politischen Glaubensbekenntniß, und wärts denn, vorwärts!! Hamburg, den 27. Juni 1869. zum Kampfe fur die Rechte der Arbeit verbrüdern! VorAugust Geib, M. Odelmann, v. Daade aus Altona.( Borstandsmitglieder des aufgelösten geht mir die Gerechtigkeit über Alles, denn nur sie ist die Mutter wahrer Freiheit. Als Sozialist werde ich immer *) Man möge ihm auch den Dank votiren, für seine Reden im Barlament. auf Seite der enterbten und Ausgebeuteten der menschlichen Gesellschaft stehen, ob sie mir Mißtrauen und Haß, oder Vertrauen und Liebe entgegen bringen. 3) Hätte ich eine Ahnung von dem Mißtrauen gehabt, das auf der Generalversammlung leiser oder lauter sich ausgesprochen hatte, ich würde die Kosten der Reise nicht gescheut haben, um mich vor der ganzen Versammlung persönlich zu vertheidigen. Diese Rechtfertigung würde mir um so leichter geworden sein, als die Herren Bebel und Liebknecht anwesend waren, welche mir bezeugen konnten, daß ich nicht in persönlicher Beziehung zu ihnen stehe. 4) Was nun den Rath anbelangt, den Herr Günther meinen Vereinsbrüdern gibt: ,, mich nicht mehr als Red= ner einzuladen," so ist die Befolgung eines Rathes Jedermanns eigene Sache. Ob ich indeß so ganz unwürdig bin, in Versammlungen unserer Parteigenossen als Redner auf zutreten, scheint mir denn doch einigermaßen zweifelhaft, da in legter Zeit so viele Aufforderungen an mich ergangen sind, daß ich, um ihnen zu genügen, die hiesigen Mitgliederversammlun= gen selten besuchen konnte. Dies ist das einzig Wahre, was Herr Günther schreibt, wenn es auch so, wie er es schreibt, nicht wahr ist. Sagt er doch von mir:„ Er hält im Bil= dungsverein Vorträge, während er unsere hiesigen Mitgliederversammlungen nicht besucht." Im Bildungsverein habe ich seit Jahr und Tag keinen Vortrag mehr gehalten; einige Fragen, die ich im Anfang des Winters daselbst beantwortete, sind in Beziehung auf diese Sache voll kommen irrelevant. Jede Thätigkeit habe ich schon seit Monaten daselbst eingestellt, und zwar von dem Tage an, als die Gewerkschaften ins Leben traten, denen ich meine Thätigkeit widmete und mir dadurch die Mitglieder des Bildungsvereins entfremdete. Wenn man ferner gesagt hat ,,, ich spreche in den Versammlungen der Zünftler, sie möchten ihre Sache hochhalten", so sind das Bourgeoisanzapfungen, die nur meine Lachmuskeln reizen können. Seit einem Jahre habe ich nur in Versammlungen des Allg. D. Arbeitervereins und denen der Arbeiterschaften gesprochen; die einzige öffentliche Ansprache, die ich hielt, war vor einigen Wochen in der Generalversammlung des Bezirkswebervereins Hildesheim. Dort wollte ich den Antrag auf Anschluß an die Gewerkschaften einbringen, überzeugte mich jedoch durch eine Verhandlung, die ich Tags vorher mit dem Vorstand hatte, von der Erfolglosigkeit und unterließ es deshalb. 5) Was die mir in den Mund gelegten Aeußerungen über das allgemeine directe Wahlrecht anlangt, so sind diese schon, als aus dem Zusammenhang gerissen, entſtellt. Ueber diesen Gegenstand habe ich mich öffentlich nie ausgesprochen, und kann daher kein Widerspruch zwischen öffentlichen und privaten Gesprächen daraus gefolgert werden. Als meine beste Vertheidigung führe ich schließlich die namenlose Wuth aller Feinde der Arbeiterbewegung der Bourgeois, Kleinmeister und Zünftler -gegen mich an. Den lieben Vereinsbrüdern von Nah und Fern, die mir auch bei dieser Gelegenheit wiederum einen Beweis ihres Vertrauens gegeben haben, sage ich meinen herzlichen Dank, und gebe ihnen die Versicherung, daß sie mich, wie bisher, so auch ferner unter der Zahl der Kämpfer für die heiligen Volksrechte finden werden, bis zu meinem letzten Athemzug. Hildesheim, den 18. Juni 1869. Dr. E. Kirchner. Die Herren Kärger, Kunze und Ellinger in Berlin haben folgende Erklärung erlassen, die wir dem„ Sozial- Demokrat" entnehmen: Parteigenossen! Die dictatorische Macht war es, die wir seit Jahren auf unseren General Bersammlungen bekämpften; endlich gelang es uns, durch Aenderungen des Statuts dieselbe einigermaßen zu brechen: was nun? Die ganze Arbeit ist durch die letzten Ereignisse mit einem Schlage vernichtet worden, wir haben die Vereinigung bitter erkaufen müſſen; erkaufen? Ja erfaufen mit unserem verbesserten Statut, von den gegenseitigen Führern. In dem Moment, wo dieselben, durch die Verhältnisse gezwungen, sich die Hände reichen und uns, mit einer Schnelligkeit die uns Besinnung und Ueberlegung raubte, die Pistole auf die Brust setzten, und ein entweder oder expreßten, hat sich die, von dem jeweiligen Präsidenten geheiligte Organisation glänzend bewährt; man hat mit uns Comödie gespielt, man hat uns,( wie Fürſten es gewöhnt sind, Völker zusammen zu treiben und gegenseitig aufzureiben, um ihrer dynastischen(!!) Interessen willen, sich dann wieder die Hände reichen und den Völkern den Frieden geben) man hat uns Jahre lang zusammen geheizt um ihrer Ehrsucht willen, man reicht sich die Hände, und auch wir sind einig! Wir haben also unser verbessertes Statut, der Vereinigung wegen, mit dem Lassalle'schen und nit dessen Datum vertauschen müssen, dürfen mithin die ersten drei Jahre keine Aenderung desselben vornehmen; also indem man zurückgeht, sucht man die Ziele der Sozialdemokratie zu erreichen? Vor uns, nicht hinter uns liegt die Verwirklichung unseres Prinzips! Wie aber können wir uns denn streng genommen ,, Lassalleaner" nennen? Sind wir nicht durch die Zeit über Lassalle hinausgetragen worden? Die Agitation für den Normalarbeitstag, die Gewerksgenossenschaften, sind Dinge von denen Lassalle nichts wußte, nichts wissen konnte. Wie werden sich übrigens Mende und seine bisherigen Anhänger zu den Gewerksgenossenschaften stellen? Davon ist in der Proklamation nichts zu lesen. Und nun zur Organisation, der Geheiligten! Die Organi sation ist es, die es möglich gemacht, daß sich Jahre lang Barteigenoffen gegenseitig auf's Aeußerste bekämpften, die Or ganisation ist es, durch welche, wie der Sozialdemokrat" felbst eingestanden, eine kaum denkbare Corruption im Verein mög lich wurde, die Organisation ist es, der sich auf die Länge der Zeit kein denkender Mensch fügen kann, daher auch von jeher das Ausstoßen und Austreten der tüchtigsten und ehrenwertheſten Parteigenossen. " drei Jahre keine Aenderung desselben( des Statuts) vornehmen" Den Worten der obigen Erklärung: ,, dürfen mithin die ersten fügt der Social- Demokrat" nachstehende Anmerkung bei: Welche Logit! Gerade umgekehrt, weil das Statut vom 23. Mai 1863 datirt ist, sind die drei Jahre längst verflossen! Freilich hoffen wir, daß keine Aenderungen gemacht werden, aber formell statthaft find Aenderungen." = Das schreibt die Redaktion des Social- Demokrat". Wer so dumm ist, sich durch dieses Jesuitenkunststück chen Sand in die Augen strenen zu lassen, wird finden, daß Hr. von Schweitzer, welcher nicht verantwortlicher Redakteur des Social Demokrat" ist, obgleich er die Redaktion leitet, sich durch diese Anmerkung in keiner Weise gebunden hat. Zu der Stelle, betr. die Gewerksgenossenschaften, bemerkt die Redaktion des Social- Demokrat": " 1 „ Die Gewerksgenossenschaften sind Sache für sich; kein Mensch i gezwungen einzutreten." Hierzu haben wir zu bemerken: Hr. von Schweizer hat dem Redakteur des„ Demokratischen Wochenblattes" in Gegen und wiederholt erklärt:„ Unfre( die Schweizer'schen) Ges wart Bebel's, Hafenklever's und Frissche's ausdrücklich werksgenossenschaften( Arbeiterschaften) gehören zu Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, sie sind in Wirklichkeit der erweiterte Allgemeine Deutsche Arbeiterverein." Jetzt läßt Schweizer die Redaktion" des„ Sozial- Demokrat" sagen:„ Die Gewerksgenossenschaften find" Sache für sich". Kann man sich eine schaamlosere Ber Logenheit denken? Parteigenossen! Durch gestern einstimmig gefaßten Beschluß der hiesigen Mitgliedschaft des Allg. D. Arbeiter- Vereins sind wir Unter zeichnete beauftragt, das Vorgehen des Präsidenten Dr. vvn Schweizer einer genauen Prüfung zu unterziehen und das Resultat bekannt zu machen. Wir constatiren nun, nach reiflicher Ueberlegung zu dem Resultat gekommen zu sein, die Handlungsweise des Herrn Dr. v. Schweitzer als eine höchft unwürdige bezeichnen zu müffen und können wir nur einen Versuch darin erkennen, nicht allein unsere Organisation zu untergraben, sondern auch die Kluft zwischen den demokratischen Arbeiterparteien immer mehr zu erweitern. Dieserhalb erklären wir uns ganz und gar einverstanden mit dem beigefügten Circulare*) und bitten, uns bis Dienstag Abend, behufs Einleitung weiterer Maßregeln, Nachricht zukommen zu lassen, wie die Meinung unter den dortigen Mitgliedern ist. Vor Allem ist es nach unserer Ueberzeugung nöthig, die Präsidentenwahl vorläufig zu unterlassen. Mit Gruß und Handschlag R. Jacobi, Charlottenstr. 65. F. Kniepert. J. Zoch. 2. Claufing. 6. Rudolph. 6. Reichelt. W. Kriete. Hannover, den 27. Juni 1869.30@ Erklärung. 14 Um zu motiviren, wie weit die Frechheit des Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins gediehen, übergeben wir allen ehrlichen Barteigenossen der Social- Demokratie Nachstehendes zur Beurtheilung: Die Nr. 63 des Social- Demokrat" bringt im Rechnungsabschluß in 7 Rubriken das Verzeichniß der im Rückstand stehenden Mitgliedschaften; in der dritten Abtheilung ist Erfurt wei Mal angeführt, für April und Mai**). 305 Aus Wiesbaden ist uns d. d. 29. Juni Folgendes zugegangen: Geehrte Redaktion! Anbei ersuchen wir Sie, einige furze Bemerkungen aufnehmen zu wollen. In Betreff der Aeußerungen, welche Hr. v. Schweitzer in Nr. 72 des ,, Sozial- Demokrat" gegen Hrn. v. Bonhorst sich erlaubte, scheint es, als stünde der Herr Präsident in dem Moment der größten Verzweiflung; er kann sich wahrscheinlich auf keine andere Art mehr helfen, als indem er seine ehemaligen besten Agitatoren verdächtigt, ja sogar als aufgeblasene Heuchler, als Individuen, welche blos aus materiellem Interesse zum Verein beigetreten feien, kennzeichnet. Es gehört doch wahrlich viel dazu, sich solcher Ausdrücke zu bedienen. Sollte es wirklich Grund haben, daß Bonhorst außer den Geldern, welche an die drei Agitatoren. für Süddeutschland( Bon= horst, Haustein und Kölsch) verabfolgt worden, wobei doch der Eine nicht mehr bekam als der Andere, weitere Gelder zur Agitation denn zu anderen Zwecken werden doch wahrlich feine verabreicht erhalten hat, so bekam er vom Kasfirer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, Hru. Bracke jr. in Braunschweig, so viel wir bestimmt wissen, kein Geld, und zu diesem Zwecke würde Hr. v. Schweitzer aus seiner Privatkaſſe gewiß keine Gelder vorstrecken; es würde also Bonhorst auf diesem Wege dann blos als gekaufter Agitator erscheinen. Wir ferdern daher Hrn. v. Schweißer auf, die an Bonhorſt in jüngster Zeit verabreichten Gelder zur Oeffentlichkeit zu bringen; dann wird es schon herauskommen, wie die Sache sich verhält. Da Bonhorst nicht allein vom Allgemeinen Deutschen ArDies ist richtig. Nachdem hier mehrere Versammlungen beiterverein, sondern auch vom Gewerkschafts- Verband auf den abgehalten worden, die aber zu spärlich besucht waren, um auch beiden letzten Generalversammlungen mit Stimmenmehrheit zum nur die Kosten für die Annoncen decken zu können, und da fer- Agitator gewählt wurde, aber seit einem Vierteljahr trotz unHer in Gemäßheit unfres Statuts der Präsident die Bevoll zähliger Anfragen erft teine, später nur spärliche Antwort mächtigten ernennt und diese Ernennung für hier nicht erfolgte, erhalten hat; da er mit ganzer Hingabe und mit größtem Eifer fo fahen wir uns veranlaßt, die hiesige Mitgliedschaft für todt zu für die Partei socht, so daß seine ganze Existenz dadurch zu erklären, und dieses ward dem Hauptkassirer, Hrn. Brace in Braunschweig, mitgetheilt. Hr. Brace berichtet es dem Prä- einen solchen Wann so hinzustellen. Es scheint fast, als wollte Grunde ging, so betrachten wir es als eine Unverschämtheit, fidenten, und sagt in seinem Kassenbericht Punkt 8( den wir Hr. v. Schweitzer die Gelegenheit benutzen, das Vertrauen, welaber mit dem besten Willen in unserer Nr. 63 gar ches seine Agitatoren ihm schenkten, einer Zwangsversteigerung nicht fanden, kurz für Erfurt gab es keinen Punkt 8***): auszusetzen, in der Absicht, hernach selbst das Meiſte zu bieten, nung eines Bevollmächtigten) ihre Zahlungen eingestellt u. f. w. Hieraus geht hervor, daß die Nr. 63 des Social- Demogefälscht wurde. Demgemäß erklären wir: frat" Der Präsident Hr. v. Schweitzer hat sich Betrug und Fälschung zu Schulden kommen lassen, in Anbetracht deffen wir nicht mehr gefonnen sind, solchen total versumpften, zu allen gemeinen Verbrechen fähigen Menschen als Bräsidenten anzuerkennen. es ist ein Aft der gröbsten Gemeinheit. An ihren Früchten follt ihr sie erkennen!" Nun Gottlob, wir haben ihn und seinen Söldnertroß durchschaut. Ift je ein frecher Betrug verübt worden, so ist es dieser; Indeß wird sich Hr. v. Bonhorst wenig daran stören, es wird ihm auch weiter kein Kopfweh verursachen, aber der Grundsatz, welchem auch wir beipflichten, ist der: ,, daß ge= brannte Kinder das Feuer scheuen". Die bis zum 24. Juni d. J. in Wiesbaden bestandene Mitgliedschaft des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. N. S. An den ,, Social- Demokrat" ist obiges Schriftstück gleichfalls abgegangen. abgegangen.NE Erklärung. Die Unterzeichneten erklären sich hierdurch mit dem im Bufen nährt es eine Meute vermuminter wollüftiger Buben. Das Proletariat fämpft gegen das Kapital, und an seinem„ Demokratischen Wochenblatt" Nr. 26 von Bremer, Bracke jr. Unsere Geduld ist zu Ende! und Genoffen unterschriebenen Artikel An die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" einverstanden. Die Nothwendigkeit erkennend, daß nur das ein= " 1 Wir bitten alle ehrlichen Arbeiter- Organe, Obiges mögwerden und sie zur Erkenntniß fommen, welchen Schwindel die kratischen Fraktionen unsere gemeinsamen Feinde verlicht zu verbreiten, damit den Arbeitern die Augen geöffnet müthige Zusammengehen aller social- demoRedation des Social- Demokrat" treibt. " Beide Nummern 63 des ,, Social- Demokrat" find in nu fern Sänden. Erfurt, den 27. Juni 1869. Kayser. Salm. Östereich. *) Das Girtular der Herren Bremer und Genoffen. ufgeführt; aber nur für Monat April, was allerdings unverständlich ** In unserm Exemplar ist in Punkt 3 Erfurt allerdings 2 mal D. R. d. ,, D. W." **) Ein Bunft 8 findet sich auch in unserm Exemplar nicht. D. R. d. ,, D. W." nichten kann, geben wir auch hiermit die Zustimmung, unsere Namen mit unter die Einladung zum ,, Allgemeinen deutschen sozial- demokratischen Arbeiter- Congreß" zu setzen. Solingen, den 29. Juni 1869. Mit Gruß und Handschlag F. W. Moll. Carl Klein. Carl Repping. Earl v. Gießen. Eduard Müller. G. Mayer, P. Wirg. F. Hösteri. Hr. Roller( der frühere Sekretär des Allg. deutschen Arbeitervereins) in Berlin, der von Schweizer- Mende angeschuldigt war, Geld von zwei Seiten, d. h. sowohl von der Gräfin Hatzfeldt, als von Schweißer angenommen zu haben, hat folgende Erklärung abgegeben, die zur Genüge beweist, daß wir mit unserer Behauptung über die Gründe der Vereinigung der beiden Fraktionen des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins uns nicht getäuscht haben: Auf die Notiz in der Nr. 72 des ,, Sozial- Demokrat", daß ich mich unter Denjenigen befände, welche sich als ,, täuflich erwiesen" hätten, erkläre ich hiermit, daß dies eine niederträchtige Verleumdung ist, deren Urheber ich zur Zeit noch nicht zu bezeichnen vermag. Ich habe auf Aufforderung des Hrn. Mende, ihm zu Schreibgeschäften behülflich zu sein, mich dazu bereit erklärt, dies aber als eine bloße ge= schäftliche Dienstleistung betrachtet, da ich als Stenograph darauf angewiesen bin, mir durch schriftliche Arbeiten mein Brod zu verdienen. Anforderungen der Art aber, dem HatzfeldtMende'schen Verein durch Benutzung meiner früheren Stellung im Schweizer'schen Vereine oder sonstwie irgend welche politische Dienste zu leisten, bin ich und wäre ich niemals nachgetommen. Die Tendenz jener Verdächtigungen ist offenbar keine andere, als mich und manche Andere, die das Wesen jener beiden Vereine und der hinter ihnen stehenden Personen genau erkannt haben, den Mitgliedern beider Vereine als Personen erscheinen zu lassen, denen kein Glauben beizumessen sei; das Wert" der Wiederherstellung der Einigkeit der Lassalle'schen Partei", dessen Entstehungsursachen und eigentliche Zwecke mir fehr wohl bekannt sind, könnte ja sonst allzu leicht gefährdet werden. Aber trotzdem wird auch so die Wahrheit an den Tag kommen. In fürzester Zeit werden die Mitglieder beider 11 " 1 804 einigung nur als ein Act der brutalsten Dittatur angesehen werden muß und nur den persönlichen Eigennutz jener Herren zum Zweck hat; in Erwägung, daß endlich durch diese Dittatur das freie Bestimmungsrecht des Volkes, das Princip der Demokratie in seinen Grundvesten erschüttert ist, beschließt die Versammlung: ,, Die Herren v. Schweitzer und Mende sind unwürdig an den Bestrebungen des deutschen Arbeiterstandes fernerhin Theil zu nehmen und es ist Pflicht eines jeden ehrlichen Arbeiters, jenen Herren in tiefster Verachtung den Rücken zu tehren." ( Was uns noch außerdem contra Schweizer- Haßfeldt zu gegangen, befindet sich im Hauptblatte. D. R.) Anzeigen. Deutscher Arbeiterbildungs- Verein in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. Alle sozialistischen Schriften sind durch meine Vermittelung zu beziehen. Leipzig, Windmühlenstr. 23 Hintergebäude. C. E. Seifert. Bestellungen auf die in Köln erscheinende Bereine erkannt haben, daß das„ Wert" auf der einen Seite Rheinische Zeitung nur den Zweck haben soll, den unvermeidlich gewordenen Bankrout des Haßfeldt Mende'schen Vereins zu mastiren, und auf der andern Seite die wackelig gewordene Diktatur des Herrn von Schweizer durch Wiedereinschwärzung des ursprüng: lichen Lassalle'schen Statuts zu restauriren, auf beiden Seiten aber einen Trumpf auszuspielen gegen die gehaßte und freilich jenen Persönlichkeiten sehr gefährliche demokratisch- sozialistische und antipreußische Richtung, der sogenannten ,, Sächsischen Volkspartei", der Nürnberger Majoritätsvereine und der Internationalen Arbeiter- Assoziation. Berlin, 23. Juni 1869. Heinrich Roller. Organ der Demokratie in Rheinland und Westfalen, wolle man möglichst frühzeitig bei der nächsten Postanstalt machen, damit in dem regelmäßigen Empfange der Zeitung kein Unterbrechung eintrete. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt bei alle Postanstalten einschließlich Porto und Zeitungssteuer 1% Thlt, ( 3 fl. 4 fr.) ( 3 fl. 4 fr.) Anzeigen 1% Sgr. für die Petitzeile. Der„ Nürnberger Anzeiger," ein demokratisches Blatt, Hr. H. Hillmann, in Elberfeld, gegen den Schweizer- ladet hiermit ein zum Abonnement für die Monate Juli Mende eine ähnliche Beschuldigung ausgesprochen hatten wie gegen Herrn Roller, hat in der„ Elberfelder Zeitung" vom 28. Juni folgende Erklärung veröffentlicht: 11 In Nr. 72 des Sozialdemokrat" beschuldigt Herr von Schweißer eine Anzahl von Personen ,,, von beiden Seiten Geld erhalten, oder sich sonst als käuflich erwiesen zu haben." Da billigst berechnet. bem August und September. Das Blatt erscheint täglich, Sams tags mit Unterhaltungsblatt, und kostet vierteljährlich im ga zen Boftvereinsgebiete 1 fl.( wozu die Poſtſpeditionsgebühre kommen). Inserate finden weiteste Verbreitung und werden Der„ Nünberger Anzeiger" steht auf es mir an Zeit und Luſt fehlt, mich in eine Bolemik mit dem densliga. Er kämpft gegen Cäsarenthum und Militarismus Boden der deutschen Volkspartei und der Freiheits- und Frie genügend bekannten Herrn v. Schweißer einzulassen, begnüge gegen Bevormundung und Druck der Bureaukratie und ich mich zu erklären, daß obige Notiz, soweit sie meine Person Hierarchie, gegen die Aussaugung des Volkes durch übermäßig Besteuerung und gegen die in der modernen Produktionsweife betrifft, eine erbärmliche Verläumdung ist. Elberfeld, 28. Juni 1869. Hugo Hillmann." Beschluß der Chemnitzer Gemeinde des( Hatzfeldt'schen) Allgem. D. Arbeiter- Vereins: wurzelnden Uebel und Schäden. Selbstregierung, Selbstverwaltung, Gleichberechtigung, Freiheit im Staate, in der Kirche und Schule, Wahrheit boll Recht, Frieden und Humanismus unter dem einigenden Banner Schwarz Roth- Gold: dies sind die leitenden Sterne feine In Erwägung, daß die fortgesetzten Inconsequenzen. Wirksamkeit; Muth und Ausdauer werden ihn zum Ziele führen Principienbrüche und Charakterlosigkeiten der Herren v. Schweißer und Mende den hohen sittlichen Ernst der deutschen Arbeiterbewegung beeinträchtigen; in Erwägung, daß die von jenen Herren den beiden Lassalle'schen Fractionen angesonnene VerVerantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Braustr. 11). Alle wahren Volksfreunde werden uns in unserm Strebe unterstützen. } Leipzig. Nürnberg im Juni 1869. Die Redaktion und Expedition de ,, Nürnberger Anzeiger. Druck und Berlag: F. Thiele. Expedition: Beterstraße 18 "