Demokratisches Wochenblatt. Organ der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. No. 29. Leipzig, den 17. Juli. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postaustalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 12%, Ngr.; einzelne Nummern 1 Nr. Abonnements für Leipzig nimunt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Conjumverein, Universitätsstraße, und die Erpedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Gendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Inhalt: An die deutschen Sozial- Demokraten. Politische Uebersicht. An die Parteigenossen. Contra Schweitzer- Hatzfeldt( Mende). Bororts- und Arbeiter- Angelegenheiten. Nürnberg, Genf, Zürich, Neu- Pest, Kölu, Mainz, Burgstädt, Poelzig, Gößnig, Nürnberg, Leipzig. Beilage: Was Bürger drüben können und hüben könnten. Ein Arbeiter über das Versammlungsrecht. Aus England. Aus Desterreich). Int. Gew.- Gen. der Manufaktur, Fabrik- u. Handarbeiter. Das sächsische Ostpreußen. Der Doppelgänger Wagner's c. 2. An die deutschen Sozial- Demokraten. Parteigenossen! In der jüngsten Zeit haben sich im Schooße unserer Partei Ereignisse vollzogen, die jeden ehrlichen Sozial- Demokraten mit Freude erfüllen müſſen. Der Bann, welcher bisher auf der sozial- demokratischen Arbeiterbewegung lastete, ist gebrochen; die Selbstfucht Einzelner, welche sich wie ein spaltender Keil in das Mark, in das Herz unserer Partei geschoben, ist entlarvt und niedergeschmettert, und es gilt nun, rasch zu handeln, damit die Früchte des Siegs uns nicht wieder entriffen werden, und damit aus der heilsamen Revolution, welche sich soeben vollzogen hat, die Prinzipienreinheit und die einheitliche Organisation hervorgehn mögen, ohne die unsere Partei den ihr gebührenden Einfluß nicht ausüben, die ihr innewohnende Kraft nicht entfalten kann. Lange, leider zu lange, war es dem Egoismus und der Bosheit Einzelner möglich, die Partei in sich zu verfeinden. Doch eine neue Zeit ist angebrochen; mit ehernem Finger zeigt sie uns auf die Nothwendigkeit hin, die Partei der gesammten sozial- demokratischen Arbeiter Deutschlands in sich zu einigen und dieselbe in die richtige, einzig zum Siege führenden Bahn der auf internationaler Grundlage beruhenden, großen Arbeiterbewegung hinüber zu leiten. Wer, der ein aufrichtig denkender Sozial Demokrat ist, sollte sich dieser Nothwendigkeit verschließen können? Wer = jollte die unberechenbaren Vortheile für unsere Bartei nicht ahnen, die sich aus einer derartigen Einigung auf Grund einer gemeinsamen Organisation, eines gemeinsamen Programms, eines gemeinsamen Auftretens in der politisch= sozialen Welt ergeben? Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß die große, die überwältigende Mehrheit unserer Parteigenossen der besseren Erkenntniß huldigt, daß sie gern und freudig die Hand zu dem stolzen Werke bietet, das endlich unsere Bartei zur großartigen und wirksamen Machtentfaltung befähigt! Conferenz über die hierzu zunächst erforderlichen Schritte völlig verständigt, und berufen hiermit in Gemäßheit des dort gefaßten Bon dieser Ueberzeugung durchdrungen, haben wir uns auf einer in Braunschweig am 6. Juli ds. Js. stattgehabten Beschlusses einen allgemeinen deutschen sozial- demokratischen Arbeiter- Congreß auf Sonnabend, den 7. Auguft, Sonntag, den 8. Auguft, und Montag, den 9. Auguft, nach Eisenach. Auf die Tagesordnung des Congresses sind, unbeschadet weiterer Anträge, folgende Punkte gesetzt: 1. Die Organisation der Partei. 2. Das Parteiprogramm. 3. Das Verhältniß zur Internationalen Arbeiter- Affoziation. 4. Das Parteiorgan( Blatt). 5. Die Vereinigung der Gewerkschaften( Gewerks- Genossenschaften). Die auf diese fünf Bunkte der Tagesordnung sich beziehenden spezielleren Anträge, z. B. Vorlage betreffs der Parteiorganisation u. s. w., werden ihrem Wortlaute nach spätestens Ende ds. Mts. gedruckt verfandt werden. den fie abgeordnet sind, sowie die Zahl ihrer Wähler, die sie vertreten, angegeben sein muß, zu legitimiren. Es kann solche Die Delegirten( Abgeordneten) zum Arbeiter- Congreß haben sich durch ein Mandat( Bollmacht), worin der Ort, für Legitimation erfolgen entweder durch Mandate, welche im Namen von Vereinen oder deren Mitgliedschaften, oder welche auch im Auftrage von zum Zwecke der Beschickung des Congreffes stattgehabten Volksversammlungen ausgestellt sind, oder endlich malche mit den Unterschriften der an eine Drie anwesenden Barteiaenoffen versehen find. Mehrere Orte, 518 denen es zu schwer wird, je einen Delegirten zu senden, mögen zusammentreten, um mindestens gemeinsam einen Delegir abzuordnen. Es ist dringend nothwendig, daß der Congreß schon am Sonnabend, den 7. August, Abends 8 Uhr eröffnet wird, damit die Wahl des Bureaus und die Feststellung der Geschäftsordnung erfolgen kann, weshalb denn auch die Delegirten noch an diesem Tage( 7. August) in Eisenach eintreffen wollen. Wir geben uns der frohen Hoffnung hin, daß von allen Orten des großen Gesammt- Deutschlands, ivo die Arbeit im Kampfe mit der Kapitalmacht, wo der Volkswille gegen die staatliche Reaktion tagtäglich im Ringen nach Freiheit begriffen ist, Vertreter zum Congreß abgeordnet werden wir hoffen es zum Wohle und Wachsthum der Partei, welche die politischen und sozialen Rechte des gedrückten Volkes mit Flammenschrift auf ihre Fahne schrieb. = Auf, Parteigenossen, zu wirken für den allgemeinen deutschen Arbeiter- Congreß, zu wirken durch ihn für die Größe und Einheit der Partei! Mitglieder des ehemaligen Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins: J. Bremer in Magdeburg; Hoffmann in Neustadt- Magdeburg; W. Klees in Buckau bei Magdeburg; Th. York, Lehmann in Deutsch republikanischer Verein und deutscher Arbeiter= Verein in Zürich: Dr. Ladendorf, H. Greulich, F. Beuft, Seelos. Für die Arbeiter Oestreichs: A. Straßer in Graz. Harburg; August Geib in Hamburg, Rödingsmarkt 12, M. H. Oberwinder, H. Hartung in Wien; W. Beschan, A. Macher, Ockelmann, Rudolph Praaft, E. Hockemeyer, Joh. Levien, Ed. Brey, H. Schultz, H. Engel in Hamburg; v. Daacke, Wäge, Eckstein in Altona; Aug. Dreyer, Hingstmann, W. Lehnhoff in Celle; E. Heyder in Bremen; W. Bracke jr., H. Ehlers, C. Lüdecke, A. Schrader in Braunschweig; Dr. E. Kirchner in Hildesheim; C. F. Barnecke in Peine; C. Müller, S. Spier, A. Viewieg in Wolfenbüttel; Kayser, Desterreich, Salm in Erfurt; Th. Riemann in Eisenach; J. Nippoldt, Sauerteig in Gotha; Rudolph Blanchard in Altenburg; L. Albani, C. W. Schumann in Limbach; Fr. Polling in Dessau; G. Kauffen meyer in Gera; C. Knieling, Dr. A. O. Walster in Dresden; F. Breuer in Breslau; Fr. Ellner in Frankfurt a. M.; L. Jelle in Augsburg; Rüdy in Freiburg i. Br.; E. Müller in Biebrich; 2. v. Bonhorst, Carl Stück in Wiesbadent; B. Henning in Coblenz; C. Berg, Schob in Cöln; Ernst Wilke Namens der Parteigenossen zu Ronsdorf; Leyendecker in Mainz; J. M. Hirsch in Winkel i. Rheingau; R. Feyer jr. in Osnabrück; C. Sartor in Schwelm; A. C. Leiverfus in Barmen; C. Naters in Halberstadt; Aug. Günscht, A. Welke in Frankenhausen; Louis Schumann, A. Ellinger in Berlin. Mitglieder des Laffalle'schen Allgem. Deutschen Arbeitervereins: Carl Freundschuh in Chemnitz, Präsident des Vereins. A. Brühl, Gustav Wunsch in Harthau bei Chemniz. Die deutsche Abtheilung der Internationalen Arbeit erassoziation in Genf: Joh. Ph. Becker, Präsident; Remy, Sekretär. Das Central- Comité der deutschen Arbeitervereine der Schweiz in Genf: Luick, Präsident; Hofener, Arnold. Amand Gögg, Redakteur des ,, Felleisen". Politische Uebersicht. Der theilweise Rücktritt des Grafen Bismarc bildet für die national- liberalen Bolitikusse noch immer ein ungelöstes Räthsel. Wir sagen: Rücktritt, denn um einen bloßen ,, Urlaub" handelt es sich nicht, sonst würden die halbamtlichen Blätter nicht so unverblümt auf die Möglichkeit hinweisen, daß der edle Graf nie wieder seine Funktionen im preußischen Staatsministerium übernehmen werde. Und, das kann sich Jeder an den fünf Fingern abzählen, wenn Graf Bismarck nicht wieder ins preußische Staatsmini rium zurückkehrt, dann ist es auch mit der Bundeskanzlerschaft vorbei. Denn nicht als Bundeskanzler hat er seine Macht, sondern als königlich preußischer Minister; der Nordbund, wie männiglich bekannt, ist nichts anderes, als ein um etwa ein Fünftel erweitertes Preußen, sein Schwerpunkt liegt Der Verband der deutschen Arbeitervereine: Für den Vorort Leipzig: Bebel, Vorsitzender; Baer, Schriftführer; Hadlich, Kassirer; Ullrich, Schmalz, Martin, Thebus, Beifizer; Liebknecht, Redakteur des Vereinsorgans ,, Demokrati sches Wochenblatt"; Seyferth, Taute, E. Werner in Leipzig. J. Vahlteich, Kobitzsch, W. Müller in Dresden; J. Motteler, E. Stehfest, Stolle, E. Müller in Crimmitschau; Eberlein, Wohlfahrt, Hermann in Meerane; Albert, Uhlig in Glauchau; Scherf, Schubert in Werdau; Krauße in Mülsen St. Jakob; Demmler in Geyer; Wilhelm, Schmiedel, Bohne in HohensteinErnstthal; Kölz, Mathes in Lichtenstein- Callnberg; A. Fischer, H. Grunert in Mittweida; Frick, Engelmann in Hainichen; Heffe, R. Teuscher in Großenhain; Löscher in Reichenbach i. B.; Hupfer in Lunzenau; Jungnickel, Hering, Uhlmann in Lugau; H. Päßler, Fr. Wolf in Thurm; Wilh. Krannich, H. Müller in Burgstädt; Engelhardt in Ronneburg; Brätter in Gera; Dr. Sy in Jena; A. Müller, Kraft in Weimar; Heimann, Rüger, Franz Göpfert in Coburg; Löwenstein in Fürth; Rüll, J. Faaz, Carl Hirsch, J. Siebert, K. Böhm in Nürnberg; Not in Stuttgart; Schoeck, Banzhaf, Waelde in Eglingen; F. Simon, Holzbauer in Aalen; Fr. Wilhemy in Geißlingen; Karl Bürger, J. Bronnenmeyer, Kuttner in Göppingen; Het sacker, Koth in Reutlingen; W. Atz in Hall; Teufel in Tutt lingen; Eckert in Giengen i. B.; Stier in Rottweil; Dorn in Apolda; Zierfaß, P. Stumpf in Mainz; K. Klein, F. W. Moll, E. Kepping, C. v. Gießen, Ed. Müller, G. Mayer, P. Wirtz, F. Höstery in Solingen; Rob. Hülsip, Otto Röll, H. Kuhlmann in Bielefeld; Szymanowsky, Beuthner, C. Sieland Hillmann, R. Schmelzer, G. Walter in Barmen= Elberfeld; in Luckenwalde; Fr. Milke, F. Megner, Wilh. Eichhoff, H. Havenith, A. Reimann, 2. Aron, G. Kaerger, W. Wellner, H. Vogel, Ad. Kunze, H. Peter in Berlin. R. in Preußen, und wer in Preußen herrscht, herrscht auch im im Nordbund. Wer aber nicht in Preußen herrscht, fann auch nicht im Nordbund herrschen. Uebrigens sind wir der Meinung, daß die jetzige ,, Ministerkrise" noch einmal vorübergehen werde, und zwar aus dem schon früher angedeuteten Grund, weil Graf Bismard feinen Nachfelger finden wird. Wer wird die Erbschaft des Jahres 1866 antreten wollen? Man erzählt sich, ehe Graf Bismarck nach Varzin ge gangen, habe er mit Rücksicht auf die jüngsten Ereignisse in Frankreich und mit einem Wink auf die preußischen Verhält nisse spottend gesagt:„ Wenn der franz. Kaiser eine parlamen tarische Regierung einführt, nehme ich den Gesandtschaftsposten in Paris." Hat Graf Bismarck wirklich diese Aeußerung ge than, so hat er damit bewiesen, daß er die Unvereinbarkeit des Cäsarismus mit der Freiheit, und wäre es auch nur einer par lamentarischen", vollkommen begreift,- besser als die Herren Nationalliberalen und Fortschrittler, die sich zu der Erkennt niß dieser einfachen Wahrheit nicht emporzuschwingen vermögen. So jubeln die guten Leutchen jetzt über ein soeben für den Nordbund veröffentlichtes Gesetz ,,, das die Gleichberech= tigung aller Confessionen" in bürgerlicher und staatlicher Be ziehung verkündet. Da die ,, Gleichberechtigung aller Confessionen" seit Jahrzehnten in Preußen und den übrigen Staaten des Nordbunds verfassungsgemäß besteht und Hr. v. Mühler ruhig im Amt bleibt, so liegt der einzige Werth besagten Gesetzes darin, die Norddeutsche Bundesmakulatur um ein Stück Papier" zu vermehren. 11 Uebrigens beginnt doch selbst in den Köpfen der preußischen Spießbürger die Ueberzeugung aufzudämmern, daß der norddeutsche Parlamentarismus blos ein jämmerlicher Humbug ist. Die„ Bossische Zeitung", das unter dem Berliner Mittelstand am meisten gelesene Blatt, welches sich keiner der ,, liberalen" Kliquen angeschlossen hat, enthielt vorige Woche einen bemerkenswerthen Leitartitel, der dieß unverblümt ausspricht. Nach Erörterung der Frage, welche Folgen etwa die Vorgänge im ,, Reichstag" in Belgien und England gehabt haben würden, fährt das Blatt fort: ,, Aber wir machen solche constitutionelle Ansprüche nicht und können sie auch nicht machen, denn in der That haben wir keine Verfassung mehr die Verfassung des Norddeutschen Bundes ist eine Geschäftsordnung; denn ihr fehlen nicht nur große und wichtige Verwaltungszweige, sondern auch die constitutionell unentbehrlichen Grundrechte, Verfassungsgarantien und das verantwortliche Ministerium, sie ist eine lockere und oberflächliche Anordnung für den Geschäftsverkehr zwischen den Bundesregierungen und der Volksvertretung nicht beschränkt durch konstitutionelle Paragraphen, tritt die Persönlichkeit in ihr Recht, die Verfassung des Norddeutschen Bundes ist Graf Bismard. Und was Graf Bismard auch anfangen mag, aus seiner Natur kann er nicht heraus wo feine Person zur Geltung kommt, nimmt er die angeborenen Vorstellungen des preußischen Junkerthums, wenn auch unter anderen Formen, mit; von dem übrigen Deutschland hat er bei jeder Gelegenheit eine möglichst niedrige Meinung ausgesprochen; er kennt nur die materiellen Mittel Preußens zur Lösung einer nationalen Aufgabe, von den sittlichen und geistigen hält er nichts; statt auf die Wiedergewinnung der entfremdeten Glieder der Nation, ist sein Augenmerk mehr auf die Vergrößerung der Hohenzoller'schen Hausmacht gerichtet!" sich nämlich fortwährend und schon liefert Süddeutschland, namentlich Baden, ein starkes Kontingent nach Berlin." Man sollte nun eigentlich denken, der Nordbund sei ein wahres Paradies der Soldaten. Sonderbarer Weise scheinen die Soldaten anderer Ansicht. Die ,, Augsburger Allgemeine Zeitung" bringt unter der Ueberschrift: Der Selbstmord im norddeutschen Bundesheer einen Artikel, der folgende statistische Tabelle aufstellt: Es kam jährlich ein Selbstmord im norddeutschen Bundesheer( 1868) auf ca. in Dänemark( 1845-56) 11 Sachsen( 1847-51) 2238 Individuen 3900 " 11 " 5000 " " 1 " 11 Hannover( 1848-55) 8800 11" 1 " Baden( 1852-55) 9000 " 1 " 11 " 1 11 Norwegen( 1846-55) 9000 " " 1 11 Preußen( 1849-52) 9000 " 11 " 1 " ,, Württemberg( 1846-60) 8784 " " 1 17 11 Frankreich( 1849-54) 10000 " "" " Schweden( 1840-50) " 1 " 11 Bayern( 1844-51) " 1 " 1" 1 Belgien( 1841-50) 15000 15000 17800 " 1 " 1 " " 11 11 11 Das Blatt fährt fort: ,, Da nun z. B. in Frankreich drei männliche Selbstmorde auf einen weiblichen kamen( in Württemberg jogar 4, 4 männliche auf 1 weiblichen), so ergiebt eine einfache Rechnung, daß ebendaselbst auf ca. 6666 männliche Personen ein Selbstmörder kam( dagegen erst auf 20,000 weibliche Personen eine Selbstmörderin), und jetzt erst können wir vergleichen, und können sagen, daß der männliche Selbstmord im norddeutschen Heere beinahe dreimal stärker ist als in der männlichen Bevölkerung des französischen Reichs. Freilich auch so noch ist das Verhältniß kein reines, schon darum, weil unser letztes französisches Zählungsjahr um 14 Jahre hinter dem norddeutschen zurückliegt." Indem endlich das Blatt konstatirt, daß im norddeutschen Heere auf 1458 Gestorbene 134 Selbstmörder, also auf 11 Todesfälle ein Selbstmord kommen, schließt es den Artikel mit den Worten: ,, Woher nun aber, so fragen wir, jenes schauerliche Verhältniß? Vor einigen Tagen haben wir, noch ohne Kenntniß desselben, die Wissenschaft der Statistik eine ethische Nationalmathematik genannt; wir haben einen traurigen Grund mehr, diese Benennung heute zu wiederholen. Unter nicht ganz 11 Todesfällen ein Selbstmord das streift an Wahnsinn." Diese Statistik ist nicht vollständig; es wäre vor Allem Welche Jeremiade indeß die„ Boſſiſche Zeitung" nicht hin- nöthig nachzuweisen, wie sich in den einzelnen Bundeskontigendern wird, dem Grafen Bismard eine Lobhymne zu singen, falls er nochmals den ,, nationalen" Klepper besteigen sollte. " ,, Sparen" ,,, Sparen" ist fortwährend die Losung in Berlin. Natürlich ,, Sparen", wo es dem ,, Militärstaat" keinen Abbruch thut. Man spart" so eifrig, daß z. E. die Bundestelegraphenbureaux, deren Beamtenpersonal auf das Minimum herabgespart worden ist, die einlaufenden Depeschen nicht mehr befördern können, und Telegramme oft später anlangen, als gleichzeitig aufgegebene Briefe. Freilich, da auch im Postwesen die nämliche„, Sparsamkeit" herrscht, wird das richtige Verhältniß zwischen Telegraphen- und Post- Geschwindigkeit wohl bald wieder hergestellt sein. Desto fröhlicher entfaltet sich der Militärstaat". Nach halbgintlichen Andeutungen soll der Etat pro Kopf des norddeutschen Bundessoldaten mindestens um 10, vielleicht aber auch um 15 Thlr. erhöht werden. Das würde die fleine Summe von 3-4½ Mill. Thlr. jährlich ausmachen. Vielleicht wächst aber, bemerkt dazu der Berliner Korrespondent der„ Frankfurter Beitung", der Appetit noch, ehe die Mahlzeit angerichtet wird. Es wachsen ja die Bedürfnisse für Alles. Unser Kadettenhaus, das einen Flächenraum von 8 Morgen hat, soll bekanntlich bergrößert werden; ein Terrain auf Charlottenburger Gebiet bon 16 Morgen Größe war für die neuen Gebäude bestimmt. Jest soll, wie es heißt, der Bau nicht begonnen werden, weil 16 Morgen nicht ausreichen. Die Zahl der Kadetten vermehrt ten die Zahl der Selbstmorde vor dem Eintritt in den Nordbund zu der Zahl der Selbstmorde nach dem Eintritt verhält. Was Sachsen anbelangt, so ist es eine landkundige Thatsache, daß die Zahl der Selbstmorde unter den Soldaten sich seit Einführung des preußischen Militär= Reglements haarsträubend vermehrt hat. Aus Darmstadt schreibt man: ,, Es ist wahrlich kein Vergnügen, über unsere Kammerverhandlungen zu berichten, namentlich wenn man, wie heute, die schimpfliche Thatsache mitzutheilen hat, daß die Prügelstrafe, welche im Großherzogthum gefeßlich unzulässig war, von Preußen aus wieder importirt wird, wenn auch nur für das Militär, und daß unsere Abgeordneten die Schamröthe kommt mir fast in's Gesicht sich nur mit 6 Ausnahmen der ,, Nothwendigkeit" fügten. Nur Dumont erklärte, wenn ihm je ein Prügelfall zu Ohren komme, das Kriegsministerium wegen Ungesetzlichkeit Die Nationalliberalen zur Rechnung ziehen zu wollen. ſtimmten natürlich für Brügel, sie kommen ja aus dem Staate des deutschen Berufes, und was von dort kommt, ist vortrefflich." Die Hessendarmstädter mögen sich trösten. Es ist doch ein schönes Ding um die Einheit, und wäre es nur die Einheit des Stockes. Wir in Sachsen können auch ein Liedchen von der Einheit" singen. In das einheitliche" Gesetzbuch, welches für den Nordbund ausgearbeitet wird, ist die Todes= " Strafe aufgenommen worden und es ist sehr wahrscheinlich, daß wir sie der Einheit" zu Lieb wieder einführen müssen! Aus Oesterreich meldet man mit Triumpfgeschrei, daß der erste Preß prozeß vor dem Schwurgericht stattgefunden hat. Gleichzeitig meldet man ohne Triumpfgeschrei die abermalige Beschlagnahme der Castelar'schen Rede. Bürgerminiſterlich. Während die Arbeiterbewegung thatsächlich in der Kleinlichsten Weise verfolgt wird, klingt es wie ein schlechter Spaß, daß der österreichische Kaiser, wie der Bürgermeister von Wien neulich dem Gemeinderath anzeigte, geruht hat, sich über die Nothlage der ärmeren Voltsklassen theilnehmend auszusprechen." Was nutzt die Theilnahme", wenn sie sich nur in Worten äußert? Doch, wie sollte sie sich anders äußern? In die alten Schläuche läßt sich der neue Wein nicht fassen, und ein Thor, der da glaubt, auf der morschen Grundlage des alten Staats lasse sich die neue Gesellschaft aufbauen! " 1 In Krakau wurde die Beisetzung der kürzlich durch Zufall entdeckten Ueberreste des polnischen Königs Kasimir zu einer nationalen Kundgebung benutzt, die von der österreichischen Regierung sichtlich begünstigt ward und daher in Berlin und Petersburg einen doppelt unangenehmen Eindruck gemacht hat. Der ungarische Reichstag will nicht recht nach der Wie ner Pfeife tanzen; fast in jeder Situng fommen heftige Szenen vor, die den provisorischen Charakter des ,, Ausgleichs" bloslegen. Was wir vorige Woche über die angebliche Lösung der belgisch- französischen Frage bemerkten, hat schon durch die Thatsachen seine Bestätigung gefunden. Es sind plötzlich ,, unerwartete Schwierigkeiten" aufgetaucht und die Angelegenheit ist genau auf dem alten Fleck. Uebrigens wird man wohl die Eisenbahn- Streitigkeit bald durch ein Abkommen erle= digen, da die belgische Regierung in allen Punkten nachgibt; allein damit wäre, wie schon gesagt, nur ein Vorwand aus dem Weg geräumt, und Vorwände beseitigen ist eine undankbare und hoffnungslose Arbeit; wie der lernäischen Schlange für jeden Kopf, den Herkules ihr abschlug, zwei neue hervorwuchsen, so treten an Stelle jedes entfernten Vorwands ihrer zwei und mehr. Herkules wußte sich zuletzt mit Feuer zu helfen; aber Graf Bismard ist fein Herkules troß der nationalliberalen Mythologen, die ihn dazu stempeln wollen. Mittlerweile hat Bonaparte in Paris eine neue Komödie in Szene gesetzt. Am Montag ließ er im gesetzgeben: den Körper folgende Botschaft" verlesen: ,, Durch meine Erklärung vom 28. v. Mits.*) theilte ich Ihnen mit, daß ich Ihnen in der ersten ordentlichen Sigung die Entscheidung über Gesetzentwürfe unterbreiten würde, welche geeignet erscheinen möchten, die Wünsche des Landes zu verwirklichen. Der gesetzgebende Körper scheint indessen den Wunsch zu begen, die beschlossenen Reformen sofort kennen zu lernen. Ich erachte es für nützlich, diesen Bestrebungen entgegen zu kommen. Es ist mein fester Entschluß, den Befugnissen des gesetzgebenden Körpers diejenige Erweiterung zu geb.n, welche verträglich ist mit den Grundlagen der Berfassung. Ich will durch diese Botschaft die im Conseil gefaßten Beschlüsse auseinandersetzen. Der Senat wird so bald als möglich zusammen berufen werden, um die folgenden Fragen zu prüfen: 1) Dem gesetzgebenden Körper soll das Recht beigelegt wer= den, seine Geschäftsordnung festzustellen und seinen Vorstand zu wählen. 2) Die bisherige Einrichtung bei Einbringung und Prüfung von Amendements soll vereinfacht werden. 3) Die Regierung übernimmt die Verpflichtung, dem gesetzgebenden Körper Tarifveränderungen in den auswärtigen Handelsverträgen zu unterbreiten. 4) Das Budget soll nach Kapiteln berathen werden, um *) bei Gelegenheit der Kammereröffnung. die Controle des gesetzgebenden Körpers wirksamer zu machen. 5) Aufhebung der Unverträglichkeit des Deputirtenmandats mit gewissen Staatsämtern, namentlich mit denjenigen der Minister. 6) Ausdehnung des Interpellationsrechtes. Die Regierung wird auch Fragen prüfen, welche den Senat interessiren. Die wirksamere Solidarität, welche die Fähigkeit, die Funktionen eines Deputirten und eines Ministers gleichzeitig auszuüben, zwischen Kammer und Regierung vorstellen wird, die Anwesenheit aller Minister bei den Kammerverhandlungen, die Berathungen der Staatsangelegenheiten im Conseil, das loyale Einvernehmen mit der vom Lande constituirten Majorität, alles das sind Garantien, welche wir in unserer gemeinschaftlichen Sorgfalt erstreben. Ich habe schon zu wiederholten Malen gezeigt, wie sehr ich im öffentlichen Interesse geneigt war, gewisse Prärogative( Kronenrechte) aufzugeben. Die Aenderungen, welche ich mich entschieden habe in Vorschlag zu bringen, bilden die natürliche Entwickelung derjenigen, welche successive in die Institutionen des Kaiserreiches hineingetragen sind. Dieselben sollen übrigens die Prärogative, welche das Volk mir in der klarsten Weise anvertraut hat, und welche die wesentlichen Bedingungen sind für eine Staatsgewalt, welche die Schuzwehr der Ordnung und der Gesellschaft ist, unberührt lassen." Alles schon dagewesen! Schon vor 3 Jahren versuchte es Bonaparte mit der Freiheit" und die ,, Freiheit" wollte nichts von ihm wissen, und auch jetzt wird sie ihm einen Korb geben. Für uns hat die kaiserliche ,, Botschaft" nur in so fern ein Interesse, als sie den Bankerott des Cäsarismus ankündet. Jin Vorbeigehen sei erwähnt, daß Rouher, der„ Vizetaiser" seine Entlassung gegeben und erhalten hat. Also ein Bedientenwechsel Verzeihung, wir wollten sagen Ministerwechsel. Auch ist der gesetzgebende Körper auf einige Zeit vertagt worden, damit Bonaparte mit Ruhe anf dem Windei brüten fann. Bei Gelegenheit der Wahlprüfungen sind so skandalöse Dinge zu Tage gekommen, daß die Kammermajorität bei einer Wahl gegen die Regierung stimmen mußte. Auf derlei Unabhängigkeitsgelüfte ist indeß durchaus kein Werth zu legen, und die Phantasiepolitiker, welche daraus schon auf eine ernsthafte und erfolgreiche Opposition des gesetzgebenden Körpers schließen, befinden sich im nämlichen Jrrthum, wie diejenigen unsrer Landsleute, die da glauben, der Norddeutsche ,, Reichstag könne sich auf die Hinterbeine stellen und einen staatumge staltenden Einfluß ausüben. Der Despotismus trete er nun als nackter persönlicher Absolutismus oder als, mit demokratischen Formen spielender Cäfarismus auf, schließt die Möglichkeit der Reform von vornherein aus. Parlamentarismus, den er duldet, ist nur ein Scheinparlamentarismus, und sollten die Herren Scheingesetzgeber so vermessen sein, sich als wirkliche Gesetzgeber aufspielen zu wollen, so jagt man sie einfach zum Tempel hinaus. Der Mittlerweile fährt Bonaparte in seinen Kriegsrüstungen fort fort auf militärischem wie auf politischem Gebiet. Neuerdings soll er der italienischen Regierung die Räumung Roms für die Neutralität im Fall eines Krieges zwischen Frankreich und Preußen angeboten haben. Da der Mordanschlag auf Lobbia mißlungen ist, muß nun die italienische Kammermajorität die gegen verschiedene, der Regierung bedenklich nahestehende Volksvertreter erhobene Anklage auf Bestechlichkeit von einer Commission untersuchen Laffen. Wie nicht anders zu erwarten, wird Alles aufgeboten, um die Schuldigen der gebührenden Bestrafung und Brandmarkung zu entziehen und namentlich um den Beweis unmög lich zu machen, daß die Regierung selbst die Verantwortlichkeit für die herrschende miserable Wirthschaft trägt. Ohnehin ist die juristische Begründung solcher Auflagen überhaupt sehr schwierig. Der Bestecher hat ebenso gut als der Bestochene ein Jnteresse, die Sache geheim zu halten; Zeugen des Atts der Be ftechung giebt es natürlich nicht, da Niemand zugegen ist, der nicht eingeweiht, folglich Mitschuldiger ist. Direkte Beweise sind also nur dann vorhanden, wenn einer der Mitschuldigen sich aus dem einen oder dem anderen Grunde bewogen findet, die Wahrheit zu sagen, oder wenn die gröbste Unvorsichtigkeit obwaltet. Je höher gestellt aber die Schuldigen sind, desto seltener ist dies der Fall, und man wird deshalb fast immer auf den indirekten Beweis, den Indizien beweis beschränkt sein, der stets schwer zu führen ist. Dies zeigt sich auch bei der vorliegenden Untersuchung: die Zeugen geben ausweichende Antworten, besinnen sich nicht mehr auf frühere Aeußerungen oder leugnen sie geradezu ab und da nun die Commission fast ausschließlich aus politischen Freunden der Angeklagten besteht, so kann man sich von den Hindernissen einen Begriff machen, mit denen Lobbia und sein Mitanfläger Crispi, das Haupt der äußersten Linken, zu kämpfen haben. Indeß ist schon genug Material von ihnen zu Tage gefördert worden, in jedem Unbefangenen die Ueberzeugung hervorzurufen, daß die Anklage eine wohlberechtigte war. um Wesentlich gebessert wird die Lage der spanischen Repu= blikaner durch das Zerwürfuiß, welches im Schooße der monar= chischen Majorität ausgebrochen ist. Die verschiedenen Fraktionen derselben sind über den Balg des noch nicht erlegten Bären einander so in die Haare gerathen, daß eine Ministerkrise unvermeidlich und die Regentschaft Serrano's in Frage gestellt scheint. Wie die Uneinigkeit der Gegner den Republikanern bisher die Zeit gab, sich zu organisiren, so wird sie ihnen vielleicht bevor lange den endgültigen Sieg geben. Man schreibt uns, Herr von Schweitzer verbreite unter dem Häuflein seiner Getreuen das Mährchen, die Internationale Arbeiterassoziation stünde auf seiner Seite. Der in unsrer letzten Nummer veröffentlichte Beschluß der deutschen Sektion in Genf muß die Angelogenen schon stupig gemacht haben. Wir können weiter versichern, daß der General rath der Internationalen Arbeiterassoziation über Herrn von Schweitzer genau so denkt wie wir, jedoch, um der deutschen Arbeiterbewegung ihre vollkommene Unabhängigkeit zu lassen, es nicht für zweckmäßig erachtet, sich jetzt thätig einzumischen. Falls Herr von Schweizer die Stirn haben sollte, sich, wie er angekündigt hat, zu dem nächsten Internationalen Arbeiter Congreß einzufinden, so würde ihm einfach die Thür gewiesen werden. Ist das deutlich? die bedeutendsten der übrigen Städte Desterreichs vertreten sein. Auf dem bevorstehenden Congreß werden außer Wien auch 321 Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins auf dem Congreß durch= drücken sollen. Gleichzeitig mit dieser Nummer des ,, Sozial- Demokrat" geht uns ein Schreiben aus Berlin zu, worin uns angezeigt wird, daß dem Hrn. Dr. Schweißer durch Vermittlung der Gräfin Haßfeldt eine große Summe Geldes zur Verfügung gestellt sei, um eine größere Anzahl der fanatisirtesten Mitglieder seines Vereins nach Eisenach spediren zu können. Es sei auf eine Sprengung des Congresses abgesehen. Weiter wird uns in diesem Schreiben mitgetheilt, daß die auffallende Rücksicht, welche die Berliner Polizei gegen Dr. Schweiger beobachtet, der eigentlich nach Schluß des Reichstags und Zollparlaments den Rest einer dreimonatlichen Haft hätte antreten müssen, auf das Innigste mit den Agitationen des Dr. Schweitzer in Verbindung stehe. ,, Schweitzer arbeitet, heißt es in dem Schreiben, pour le roi de Prusse für den König von Preußen- da kommt es auf einige Hundert Thaler nicht an, die geheimen Fonds sind gefüllt." In Bezug auf letztere Nachricht müssen wir allerdings constatiren, daß kein Sterblicher in Preußen sich je einer milderen Behandlungsweise von Seiten der Polizei zu erfreuen gehabt hat wie Herr Dr. Schweitzer. Die Abjitzung der dreimonatlichen Haft, zu der er in Folge der Herausgabe einer Broschüre verurtheilt wurde, ist ihm wunderbar leicht gemacht worden. Einige Wochen saß er vor Weihnachten ab, da wurde er wegen schwerer Krankheit seines Vaters der Haft entlassen. Der Vater starb, zu Neujahr kehrte Dr. Schweißer nach Ber= lin zurück und im ,, Sozial- Demokrat" wurde angezeigt, daß Schweizer wieder ins Gefängniß gehe. In der darauffolgen= den Nummer aber wurde bereits mitgetheilt, daß Schweizer „ zir Ordnung dringender Familienverhältnisse" Urlaub bekommen habe, und zwar dauerte dieser Urlaub volle sieben Wochen; erst am 18. Februar ging Schweizer wieder ins Gefängniß, d. h. knappe 14 Tage vor Eröffnung des Reichstags, wo er als Reichstagsmitglied wieder freigelassen werden mußte. mußte. hat aber Dr. Schweitzer während jener Zeit sich der Agitation enthalten? Nein! Er berief die Barmen Elberfelder Generalver= sammlung ein, er ordnete und leitete die Agitation in Süddeutschland und Sachsen, alles unter den Augen der Berliner Polizei. Daß die Berliner Polizei andern Preßverurtheilten gegen= über weniger glimpflich verfährt, beweist folgender Fall aus der neuern Zeit. Dr. G. Weiß, Redakteur der ,, Zukunft", war zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt. Das Urtheil war furze Zeit gefällt, da erschienen eines schönen Sonntag Morgens um 5 Uhr Schutzmänner in der Wohnung des Herrn Auf der letzten Volksversammlung in Berliu sagte Has Dr. Weiß, holten ihn aus dem Bett und führten ihn ab in selmann( Drahtpuppe Schweizer's): die österreichischen Arbeiter hätten sich dem Schweißzer'schen Verein blos deßhalb nicht an= geschlossen, weil das Vereinsgesetz sie daran hindere. Abgedie Stadtvoigtei. Das geschah dem ,, bürgerlichen De= mofraten" Dr. Weiß wegen einer Gefängnißstrafe von 14 Tagen, dem ,, Sozial- Demofraten" Dr. Schweitzer, schmackte Rüge. Die österreichischen Sozial- Demokraten wollen der zu 3 Monaten verurtheilt ist, läßt man den Gefängnißmit Hrn. v. Schweitzer nichts zu thun haben, weil sie ihn für termin sich selber wählen und beurlaubt ihn nach seinem Be= einen unehrlichen Menschen halten. In der letzten Nummer ihres Organs( der Volksstimme") ist's mit einer Deutlichkeit gesagt, die nichts zu wünschen übrig läßt. 11 An die Parteigenossen! Leipzig, den 14. Juli 1869. In der heutigen Nummer( 81) des„ Sozial- Demokrat" macht Herr v. Schweitzer bekannt, daß der Allg. Deutsche Arlieben, um zu agitiren. Herrn Schumann in Berlin, einem früheren Anhänger Schweitzer's, ging es ähnlich wie Dr. Weiß. Er war zu vier Wochen Gefängniß verurtheilt und vor einigen Monaten ward er unerwartet eines Tages in seiner Wohnung durch Schutzleute gefaßt und ins Gefängniß abgeführt. So ging's dem Diener, den Herrn läßt man laufen. Noch ein zweites Beispiel polizeilicher Fürsorge für Dr. Schweißer. Im Jahre 1866 war Dr. Schweißer zu 1 Jahr 4 Monaten Gefängniß verurtheilt. Nachdem er kaum einige aus dem Gefängnisse entlassen beiterverein, d. h. Herr v. Schweitzer, sich auf dem Eisenacher Monate gesessen, ward er 11 Congreß werde vertreten lassen und veröffentlicht zu diesem wegen angegriffener Gesundheit". Herr Dr. Schweißer war Bwed eine Reihe von Refolutionen, welche die Mitglieder des also frank und hätte sich pflegen müssen; statt dessen benutzte er den Urlaub, um während des Krieges in Norddeutschland ( Leipzig, Erfurt 2c.) herumzureisen, öffentliche Versammlungen abzuhalten und in diesen für die Bismarc'sche Politik und die Preußischen Darlehnscheine Propaganda zu machen. Das that der ,, kranke" Dr. Schweitzer unter den Augen der preu ßischen Polizei, d. h. mit ihrem vollen Einverständniß. Als der Krieg beendigt war, kam die Amnestie, damit war auch Dr. Schweißer seiner Strafe enthoben. Thatsachen sprechen. Wir fordern Hru. Dr. Schweitzer hiermit öffent: lich auf, diese Anklage zu widerlegen. Wir fordern ihn weiter öffentlich auf, nicht allein seine Werkzeuge nach Eisenach zu schicken, sondern selbst hinzukommen. Ein Wort bei der Berliner Polizei und der Urlaub wird bewilligt falls Herr Dr. Schweißer sich überhaupt noch anstandshalber sollte einsperren lassen. Contra Schweitzer- Hatzfeldt( Wende). ( Fortsetzung aus der Beilage.) An die Mitglieder des Allgemeinen deutschen Schneider-, Kürschner- nad Kappenmacher- Vereins.*) Auf die Anzeige in Nr. 80 des ,, Sozial- Demofrat", verfaßt von Liebisch in Hamburg und den nachstehenden Brief von E. J. Schneider in Frankfurt a. M., erwiedere ich Folgendes: Es ist eine grobe Unwahrheit, daß ich durch das freundliche Entgegenkommen von Bonhorst mir hätte den Kopf verdrehen lassen, indem ich schon acht Tage vorher zu Cöln in einer Versammlung von Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins meinen Rücktritt von dem Vereine erklärt habe, so lange als Dr. Schweißer an der Spige stehe, indem ich das letzte Vorgehen des Herrn von Schweiger in teiner Weise billigen kann und darf. Im Gegentheil hat Herr Tölcke bereits bei meiner Ankunft den Versuch gemacht, eine Pression auf mich anzuwenden, indem er, bei meiner Ankunft in Mainz mich fragte, ob ich auf der Seite von Schweitzer stehe, worauf er die Antwort: Nein! von mir erhielt. Hierauf entgegnete er mir, in diesem Falle wäre ich politisch todt und gälte auch im Allgemeinen deutschen Schneider- Verein nichts mehr. Ich überlaffe es mun sämmtlichen Mitgliedern, selbst zu urtheilen, ob man in solcher Weise gerecht verfährt, indem man Jeden nicht blinden Anhänger des zc. Schweizer zu verdächtigen und zu beseitigen sucht. Ferner heißt es in dem Briefe, daß ich, der Präsident, es doch zuwege gebracht habe, die Gelder nicht an den Verband zu schicken von Seite des Ausschusses; dieses ist jedoch nicht der Fall; ich habe nur die Uebereinkunft mit dem Außschuß getroffen, vorläufig die Gelder nicht abzuschicken, bis die Wirren sich gelegt, und sich heraus gestellt habe, daß dem Verbands- Präsidenten keine Schuld aufzubürden sei! Mehrere Briefe liegen sogar vor, welche ebenso das Mißtrauen gegen das Verbandspräsidium hervorheben und sich dahin aussprechen, unter den obwaltenden Umständen kein Geld an die Kasse zu schicken. 322 Blätter, welche ich bei mir führe, wodurch er sich anmaßt, den Schulmeister oder gar Erzieher von mir zu spielen und mir vorzuschreiben, nur solche Blätter zu lesen, welche nach seinem Geschmack sind, und kann ich dem Herrn Schneider versichern, in dieser Hinsicht nur kaltes Blut zu behalten; hätte Jeder meinen Charakter, die gegenwärtigen Wirren wären jedenfalls nicht vorhanden. Zum Schluß fordere ich Herrn Liebisch auf, mich der in obengenanntem Blatte bezüchtigten Verrätherei auf diesem selben Wege mit schriftlichen Beweisen zu überführen, widrigenfalls benannter Herr in unserem Vereinsorgan als Verläumber bloßgestellt wird. Cöln, 13. Juli 1869. Heinrich Schob, Präsident. An die Mitglieder des Allgemeinen Dentschen SchneiderVereins. Collegen! Es ist nothwendig, daß wir uns über die Umtriebe, welche gegenwärtig von einigen Mitgliedern in Scene gesezt sind, klar werden. Der Bevollmächtigte Liebisch aus Hamburg war so un vorsichtig in Nr. 80 des ,, Sozial- Demokrat" sich selbst zu entlarven; so wie er jetzt unsern Präsidenten nach lange vor hergegangener Ahnung kennen will, kannte ich ihn( Liebisch) schon längst. Ich hielt Liebisch seit dem Artikel in Nr. 45 des„ Sozial- Demokrat" für einen Faselhans, und, da ich ihm auf seinen Artikel antwortete und damit keine Aufnahme fand, für ein gekauftes Individuum des Herrn Dr. v. Schweitzer, was auch aus Nr. 75 des Sozial- Demokrat" deutlich hervor geht. Es liegt jetzt flar am Tage, daß Liebisch unsern Prä fidenten damals unter dem Deckmantel der Scheinheiligkeit zu schänden suchte, um ihn jetzt, da er nicht in sein Horn bläst, desto sicherer zu verderben. Unser Präsident hat durch den Besuch des Congresses einen Mißgriff gemacht, da er jedoch zur rechten Zeit noch zur Einsicht kommt, so ist auch dieser verzeihlich und das Ber trauen eines jeden ehrlich denkenden Mitgliedes hat er sich da durch erworben. Nur auf diesem Wege fortgefahren! Wenn Liebisch so kurzsichtig ist und glaubt, er brauche sich nur vom Diktator zum Präsidenten ernennen zu laſſen, so ist seine Spekulation verfehlt. Präsident des Schneider Vereins und Agitator des Herrn Dr. v. Schweitzer ist jeden falls zweierlei. Wenn Wenn Liebisch nicht so faselig wäre, müßte er wissen, daß unter mindestens 3000 Schneidern verschiedene sind, einen Schwindel zu durchschauen. einen Schwindel zu durchschauen. Collegen! Liebis spricht von ,, dummen Jungen", die sich nicht sollen verrathen Lassen vom Präsidenten; daß wir keine dummen Jungen sind, darin hat er Recht, nur bezeichnet er die Ehrlichkeit als Ber rath. Unser Präsident hat nicht aus eigner Ueberzeugung allein, sondern auf Anfuchen von verschiedenen Vereinen, der Ehrlichkeit flarer sehen, wie H. Liebisch, Nein gesagt und darum ehrlich gehandelt und keinen Verräther gemacht. welche in Jedes flar denkende Mitglied wird bei genauer Erwägung herausfinden, daß wir nicht so gestellt sind, daß wir Hrn. Di v. Schweizer jährlich mindestens 1300 Thlr. zur Verfügung stellen können. Der wöchentliche Verbandsbeitrag von 3 P macht für 3000 Mitglieder 1300 Thlr. jährlich.) Persönliche Verdächtigungen gegen Schweizer, in der Eigenschaft als Verbandspräsident, sind von mir nicht erhoben worden und die einzige Antwort auf die Frage des Herrn Schneider war einfach die, daß wir unter den obwaltenden Umständen unsere Gelder zurückhalten würden, welche jedoch welche jedoch nach gründlicher Regulirung der Sache sofort an die VerbandsKaffe verabfolgt werden. Ebenso ist es unwahrheit, daß ich, nach dem Bericht des Herrn Schneider, geäußert habe, daß, wenn die Führer abfielen, die Mitglieder eine Null bildeten; nur Einer stellen, der gar nichts von der ganzen Organisation ich habe sogar mehr als einmal das Gegentheil erklärt: daß kennt und Schob fonnte auch nichts Besseres thun, als dieselbe ein Präsident sich nicht einbilden dürfe, die Mitglieder seien um seinetwillen, sondern er um ihretwillen da. Ferner bedaure Was die Weisheit des Herrn Joseph Schneider aus Frank furt a. M. betrifft, so ist sie wirklich bewundernswerth; den eine Frage nach Gründen der Schuld des Präsidenten ignoriren. fann Wenn er zu gleicher Zeit behauptet, der Ausschuß bätte ich die große Angst des Herrn Schneider in Betreff der sich beeinflussen lassen, so ist das wieder eine ganz verkehrte Ansicht. Ein Ausschuß von 12 Mann, der das Vertrauen von mindestens 3000 Mitglieder besißt, läßt sich so leicht nicht vereins hat sich, wie schon vorige Woche mitgetheilt ward, von Schweizer kaufen; anders ist es mit einem einzelnen Mitglied, deffen Weisheit so weit gediehen ist, daß er das Recht vom Unred *) Herr Schob, Präsident des Allgemeinen Deutschen SchneiderLosgesagt. nicht zu unterscheiden vermag und immer im blinden Nebel auf die Luftschlösser, mit denen er genarrt wird, lossteuert. Schließlich noch die Lächerlichkeit der Volkssouveränität, dieses traurige Armuthszeugniß! Was haben wir nach§ 25 und 26 des neuen Statuts zu sagen? Ear nichts! Einer, der die Frechheit besitzt, diese Gewaltmaßregelung Souveränität“ zu schimpfen, der sollte unter allen Umständen ins nächste Irrenhaus geschafft werden, damit er Muße hat, seinen zerrütteten Verstand wieder einigermaßen zu sammeln. Mit Gruß und Handschlag Coburg, den 12. Juli 1869. Carl Rüger, Bevollmächtigter. Vororts: und Arbeiter- Angelegenheiten. Die Verbandsbeiträge pro 1869 find bis spätestens den 31. dieses Monats einzusenden, ferner fordern wir die Verbandsgenossen, welche Broschüren bezogen und diese noch nicht bezahlt haben, auf, den Betrag hierfür innerhalb der nächsten 14 Tage einzusenden. Für den Vorort: Bebel, Vorsitzender. Sechster Vereinstag des Verbands deutscher Arbeitervereine. Montag, den 9. August dieses Jahres in Eisenach. Tagesordnung: 1. Bericht des Vororts. 2. die Frage: welche Stellung soll der Verband zu der neuen Organisation der sozial- demokratischen Partei einnehmen? event. Auflösung des Verbandes. Wir erwarten, daß kein Ort auf dem Arbeiterkongreß und Vereinstag unvertreten bleibt, denn die Verhandlungen find hochwichtig und entscheidend für die Stellung der gesammten deutschen Arbeiterpartei. Kann ein Ort für sich selbst= ständig keinen Deputirten schicken, dann vereinige man sich zu diesem Zweck mit den Nachbarorten. Die Mandate für den Vereinstag sind von den Mandaten für den Arbeiterkongreß zu trennen; es sind also je zwei Man= date, eins auf den Arbeiterkongreß, das andere auf den Vereinstag lautend, auszustellen. Leipzig, den 11. Juli 1869. Der Vorort: Bebel, Vorsitzender. Baer, Schriftführer. Hadlich, Kassirer. Ullrich, Martin, The bus, Schmalz, Beisitzer. Nürnberg, den 14. Juli. Der Congreß der Internatio= nalen Gewerksgenossenschaft der Solzarbeiter ist in Rücksicht auf den Eisenacher Congreß vertagt, da sonst beide Congresse zu gleicher Zeit stattfänden. Der Congreß der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Metallarbeiter findet dagegen am 14., 15. u. 16. August statt. Neuerdings haben sich in Bamberg, Stuttgart, Darmstadt, Geißlingen, Höchst Mitgliedschaften der Int. Gewerksgenossenschaft der Metallarbeiter 020 berg für den 3. und 4. Juli zu einer Conferenz einzuladen. Die Conferenz, die Sonntag den 3. Juli mit einer Vorbesprechung begann, war beschickt von 12 Corporationen: worunter Vertreter der Mitgliedschaften des Allg. deutschen Arbeitervereins: München( Neff), Augsburg( Tauscher und Scheller), Ansbach betraute noch verspätet Herrn Tauscher mit der Vertretung; andrerseits waren die sozialdemokratischen Arbeitervereine des Leipziger Verbandes u. A. durch Nürnberg, Fürth und Bamberg vertreten. Der Kaiserslauterner demokratische Arbeiter- Bildungsverein tonnte in Anbetracht der Reisekosten sich nicht vertreten laffen, genannter Verein behielt sich aber eventuelle Zustimmung zu den zu fassenden Beschlüssen vor. In der Vorbesprechung wurde durch den Referenten C. Hirsch den Vertretern der Zweck der Conferenz dargelegt, man wolle, sagte er, eine Verbindung der sozialdemokratischen Arbeiter- Corporationen Bayerns auf Grund folgender Vorlage vorschagen, jedoch unbeschadet der derzeitigen anderweitigen Organisationen der verschiedenen Schattirungen der Partei. Die Vorlage lautet: In Erwägung: = 1) daß die Lösung der sozialen Frage nur durch die arbeitende Klasse selbst bewirkt werden kann und muß; 2) daß gegenüber den verbündeten, durch Geburt, Macht und Besitz bevorrechteten und darum um so gefährlicheren Gegnern, das einmüthige und einträchtige Zusammenwirken aller republikanisch gesinnten Sozialdemokraten dies- und jenseits des Oceans unumgänglich nothwendig; 3) daß eine solche Verbrüderung derart organisirt sein muß, daß deren leitende Centralbehörde sich außer dem Bereiche der freiheitsfeindlichen Gewalten befindet; 4) daß die stehenden Heere zur Unterdrückung und Knechtung der Völfer, zur Niederhaltung jeder freiheitlichen Bewegung mißbraucht werden; 5) daß, was speziell Bayern betrifft, auch hier der Grundsatz:„ Wer Nichts hat ist Nichts" durch die Gesetzgebung faktische Geltung erlangt hat. In Erwägung aller dieser Gründe beschließen die anwesenden Ver= trauensmänner der bayrischen Sozial- Demokraten, daß ein zunächst ganz Bayern umfassender Verband der bayerischen Sozial- Demokraten geschaffen werden muß, auf folgender Grundlage: a) Es wird zunächst eine ganz Bayern umfassende sozialdemokratische Partei gebildet. b) Die Mitglieder derselben bekennen sich zu den von der Internationalen Arbeiter Association proflamirten Grundsätzen und verpflichten sich, diese durch Wort, Schrift und That in allen Schichten der Bevölferung zur Geltung und Anerkennung zu bringen. c) Insbesondere soll darauf Bedacht genommen werden, die Wehrpflichtigen aller Abstufungen für die soziale Frage zu intereffiren. d) Die durch die neuen Sozialgesete hervorgerufene Mißstimmung soll für die Verwirklichung sozialdemokratischer Prinzipien möglichst nutzbringend verwerthet und als wirksame Waffe gegen die Feinde ver= wendet werden. e) Es ist auf Abschaffung aller die Freiheit der Person, des Vereins- und Versammlungsrechts und die Preßfreiheit unterdrückenden Gesetze energisch hinzuwirken und zugleich die direkte Gesetzgebung durch das ganze Bolf zu erstreben. f) Ein inniger Verkehr mit den internationalen Parteigenossen ist ununterbrochen zu pflegen. Die Vertreter von Augsburg und München erklärten ihr Einver ständniß mit der Vorlage, ersuchten jedoch, da ihr Mandat ihnen nicht geftatte, eine einheitliche Partei für Bayern mit zu gründen, für den nächsten Tag blos die geistige Vereinigung der bayerischen Partei auf die Tagesordnung zu setzen. Die Hauptbesprechung, Sonntag den 4. Juli Vorm. 11 Uhr angesangen, begann mit der Wahl des Borsizes; Küll wurde 1, Neff( Minchen) 2. Vorsitzender; Popp( Bamberg), Weller( Nürnberg), Schriftführer. Nach Begründung der Vorlage durch Hirsch brachten die Vertreter von München und Augsburg folgenden Antrag ein: ,, Da unsre Verbindlichkeiten als Mitglieder des Allg. deutschen Arbeitervereins uns im Genatürlich auch wieder materielle Verbindlichkeiten für uns erwachsen, uns anzuschließen, erklären die Deputirten von Augsburg und München wie folgt: gebildet. Der Vorsitzende der hiesigen Metallarbeiterschaft, sammten nicht möglich machen, einer andern Bereinigung, aus der J. Faaz, ist seiner Agitation wegen gemaßregelt worden und außer Arbeit gekommen. Der Arbeitertag zu Nürnberg. Nürnberg, 7. Juli. Lesters schon hatten es die Nürnberger und Fürther SozialDemokraten schmerzlich empfunden, daß die Agitation in der engeren ,, Sie erachten es als wünschenswerth und im Interesse des Arbeiterflandes sogar für geboten, wenn sich die sozialdemokratisch gesinnten Arbeiter durch ganz Bayern in der Frage des allgemeinen, gleichen und direkten Stimmrechtes, in Betreff der Coalitionsfreiheit und des freien Vereins- und Versammlungsrechts zu gegebener Zeit zu einheitlicher Heimath( Bayern) sehr gestört war durch die Spaltungen, die innerhalb Agitation vereinigen und empfehlen schließlich zur gegenseitigen Wechselder sozialdemokratischen Partei herrschen. Diese Weißstände traten recht augenscheinlich an den Tag bei Gelegenheit der letzten Landtagswahlen, und war es dem Mangel einer wirtung fleißige Correspondenz unter sich. Neff. Tauscher. Scheller." In Folge der Diskussion, in welcher entschieden gegen diesen Antrag von der andern Fraktion Protest erhoben und derselbe als ungeeinheitlichen Organisation zuzuschreiben, daß fast überall, wo die Partei nügend bezeichnet wurde, erklärte Neff: daß sie auch ihren Antrag gern vertreten ist, dieselbe eine andere Haltung gegenüber den anderen Par Diese Mißstände veranlaßten die Lokal- Mitglieder des teien einnahm. Internationalen Arbeiterbundes von Nürnberg und Fürth bei einer ihrer Zusammenkünste den Beschluß zu fassen, auf Grundlage des Programms und der Bestrebungen der Internationalen die bayerischen Sozial- Demokraten behufs Gründung eines Gauverbandes nach Nürnerweitern lassen würden und daß sie der Gründung der bayerischen sozialdemokratischen Partei nicht entgegen sein wollen, namentlich nach dem, was sie in Nürnberg gesehen und get ört hätten. Nach fernerer eingehender Debatte wurde ohne Widerspruch unter dem augenblicklichen Vorsitz Neff's die Vorlage angenommen und die bayerische sozialdemokratische Partei gegründet. Die Augsburger und Münchener fonnten sich an der Abstimmung nicht betheiligen, da sie ibr Mandat nicht dazu ermächtigt hatte. Mit einem Hoch auf die Juteruationale schloß Rfill die Conferenz. Ein gemüthlicher Abend, bei welchem alle Vertreter betheiligt waren, trug zu fernerer Verständigung der Parteigenossen wesentlich bei. Genf, 9. Juli. Unser deutscher Arbeiterverein hat in seiner vor ein paar Tagen abgehaltenen Generalversammlung auch über die Abhaltung des allgemeinen deutschen sozialdemokratischen Arbeiter= congresses debattirt und auf Antrag des Centralpräsidenten Quick einstimmig beschlossen, den Congreß zu billigen und womöglich auch einen Deputirten zu dem Congreß zu senden. Das Centralkomité der deutschen Arbeiter- Bildungsvereine der Schweiz, das hier seinen Sitz hat, wire an die übrigen deutschen Arbeitervereine in der Schweitz mit der Ausforderung, sich an dem Congreß zu betheiligen, hervortreten. ( Ist, wie die neueste Nummer des Felleisen" ausweist, bereits geschehen. D. R.) Zürich, 10. Juli. Vorigen Sonntag hat sich in Winterthur eine Mitgliedschaft der Internationalen Metallarbeiterschaft gebildet. Von hier aus waren zwei Vertreter dorthin geschickt; das Resultat war, daß sich die Anwesenden einmüthig für den Anschluß aussprachen. Neu- Pest, 4. Juli. In Ungarn gehts mit der Arbeiterbewegung allgemach vorwärts, so hat sich auch hier ein Zweigverein des ungarischen Allgemeinen Arbeitervereins gebildet, der sein VereinsTotal im Gasthaus Niedermayer eingerichtet hat. Wir verfolgen die Arbeiterbewegung in Deutschland mit großem Interesse und freuen uns, daß es überall so gut vorwärts geht. Köln, 12. Juli. Eine Arbeiterversammlung, welche gestern Vormittag in einem Lokale vor dem Ehrenthor stattfand, war sehr zahlreich besucht. Verschiedene Redner sprachen über die Lage der arbeitenden Klasse, über Zunftwesen und Gewerbefreiheit und über die Arbeitseinstellung als Mittel zur Besserung der ökonomischen Lage. Für die feiernden Zimmergesellen wurde eine Sammlung veranstaltet. Man nabm schließlich gegen 10 Stimmen folgende von Rittinghausen vorgeschlagene Resolution an: ,, Die beutige Arbeiterversammlung erilärt, daß sie die Zusammenberujung des auf den 7., 8. und 9. August in Eisenach anberaumten Allgemeinen deutschen sozial- demokratischen ArbeiterCongresses billigt und den Zusammentritt desselben auf jede Weise energisch zu unterstützen gedenkt." Mainz, 6. Juli. Am letzten Sonnabend hielt die SchreinerGewertsgenossenschaft eine außerordentlich zahlreich besuchte Verfammlung ab. Gegenstand der Tagesordnung war die Beschidung des Congresses der Internationalen Holzarbeiter- Gewerksgenossenschaft und wurde schließlich Herr Zierfaß einstimmig zum Delegirten gewählt. Mainz, 6. Juli. Der rheinische Arbeitertag, den die ehe maligen Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins am Sonntag hier abhielten, war zahlreich durch Delegirte des Rhein- und Main= gans beschickt. Die Debatten waren sehr erregte, Herr Tölcke aus Berlin war als Agent des Herrn Dr. Schweiger ebenfalls zugegen, legte aber das charakteristische Geständniß ab, daß er für die Sünden des Herrn Dr. Schweitzer nicht einzutreten gesonnen sei. Schließlich wurde mit 10 Stimmen Majorität eine Erklärung zu Gunsten Dr. Schweizer's durchgedrückt. Dieser Sieg ist aber in Wirklichkeit eine Niederlage, denn die Majorität wurde durch die noch fanatisirten Mitglieder der Mainzer Schuhmachergewerkschaft erzielt, die eigentlich gar kein Recht allesammt mitzustimmen hatten( obgleich es ihnen zugestanden wurde), während die große Mehrheit der Delegirten sich gegen Dr. Schweizer erklärte und damit im Sinne der Ortschaften handelten, die sie vertraten. Burgstädt, den 11. Juli. Vor vierzehn Tagen hat sich hier eine Mitgliedschaft der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Manufaktur, Fabrik- und Handarbeiter gebildet. Unser Arbeiterverein erfreut sich unausgesetzt eines fleißigen Befuchs, die Versammlungen werden alle 14 Tage abgehalten, und bildet in der Regel den Mittelpunkt der Diskussion der Inhalt unseres Ver944 Nürnberg. Der Arbeiter- Bildungsverein hat nach eingehender Berathung über die Organisation der deutschen Arbeiterpartei folgende Beschlüsse gefaßt: 1) Es ist Pflicht jedes Arbeiters für die Vereinigung der Arbeiterpartei auf demokratischer Grundlage zu wirken. 2) Die Gleichheit der Principien, Namen und Statuten der sozialdemo tratischen Vereine betrachten wir als eine Garantie für den Erfolg der Bestrebungen der Arbeiterpartei. 3) Die Gründung von sozialdemokratischen Vereinen sowohl, als die Umänderung der Arbeiter- Bildungsvereine, Bolks- Vereine und der verschiedenen Mitgliedschaften des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins in sozialdemokratische Vereine muß eine der Hauptaufgaben des bevor stehenden sozialdemokratischen Congresses sein. Der Arbeiter- Bildungsverein hat weiter einstimmig seinen Beitritt zur sozialdemokratischen Partei in Bayern erklärt und ferner beschlossen, in nächster Zeit ein großes Arbeiterverbrüderungsfest dahier ab zuhalten. Leipzig, 10. Juli. Heute Abend hielt Herr Liebknecht vor einer zahlreichen Versammlung im Arbeiter Bildungsverein einen Vortrag über das Christenthum schichte der Menschheit und legte er bierbei Kolb's CulturgeGrunde. Während sonst allgemein gelehrt wird, daß das Christenthum wesentlich die Cultur gefördert habe, wurde hier das gerade Gegentheil nachgewiesen. Die ersten Christen ge hörten vorzugsweise den niederen, angebildeten Ständen an; sie verach teten und haßten die damalige Cultur, weil diese heidnisch war. Auf den Concilien wurde oft über die Unwissenheit, Robheit und Verderbtheit der Priester geklagt, die häufig nicht einmal lesen und schreiben konnten. Selbst als die christliche Religion zur Staatsreligion erklärt worden war, konnte sie den Verfall des römischen Reiches nicht aufhalten, son dern beförderte ihn im Gegentheil und bekämpfte systematisch die Bildung. Nicht die Mohamedaner, wie die verfälschte Geschichte sagt, haben die be rühmte große Bibliothek in Alexandrien verbrannt, sondern die Christen Ebensowenig haben wir den Klöstern die Erhaltung der alten Klassiler zu verdanken, im Gegentheil sind Viele derselben in den Klöstern dadurch vernichtet worden, daß man die Schrift von dem Bergament abwusch und Heiligenbilder darauf malte oder Legenden darauf schrieb. Als nach der Zerträmmerung des römischen Reiches eine mehrhundert jährige Barbarei über ganz Europa hereinbrach, waren die viel geschmähten Mohamedaner die einzigen, welche die Wissenschaften sorgsam pflegten, während in der christlichen Welt die tiefste geisige Finsterniß herrschte ( Das oströmische Reich, das nur eine widerliche Scheinkultur pflegte, und sich gegen die übrige Welt abschloß, fann hier nicht in Betracht kommen. Die schweren Anklagen gegen die christliche Kirche stehen im innigften Zusammenhange mit ihrer Lehre, daß die Heimath des Menschen nicht die Erde, sondern der Himmel sei. Daher finden wir auch noch heute, wie jedes Zeitungsblatt zeigt, die Kirche in einem erbitterten Kampf gegen Wissenschaft, obwohl sie einsehen muß, daß diefer ein vergeblicher ist. Auch ein zweiter Lehrjatz der verfälschten Geschichte wurde bündig wider legt, der nämlich, daß die Klöster wesentlich den Ackerban gefördert hätten. Allerdings finden wir die Klöster durchgehends in den schönsten fruchtbarsten Gegenden, allein an der hier blühenden Kultur waren Mönche unschuldig, im Gegentheil waren sie durch diese angezogen eifrig bemüht, ebenso wie die kleinen Feudalherren, die freien Bauern auszurotten. Kolb hat nachgewiesen, daß in der Pfalz, seiner Heimath, mehr Dörfer durch den Einfluß der Klösier von der Erde verschwunden find, als durch den dreißigjährigen Krieg. Zum Schluß empfahl Her Liebknecht Kolb's Culturgeschichte der Menschheit den Arbeitern und beitervereinen angelegentlichst zur Anschaffung und zum fleißigen S dinm.( Da bereits der erste Band vollendet, wird der Vorort bemüht sein, bei der Verlagsbuchhandlung für die Arbei tervereine einen wesentlich ermäßigten Preis auszuwirken. ( D. R.) die und die und Zur Beachtung! Der Verleger von Karl Marx' Werk:„ Das Kapital" hat sich bereit erklärt, dasselbe bei Abnahme größerer Bartien an Arbeitervereine zum halben Preise abzulassen. Wir bitten damit wir dieselben, sobald eine genügende Anzahl eingelaufen ist, dem bandsorgans. Die projektirte Vereinigung aller ehrlichen sozial- demo- Bestellungen an uns( Redaktion des D. W." oder Vorort) zu richten, tratischen Elemente haben wir freudig begrüßt. Poelzig bei Ronneburg, 10. Juli. Der Vortrag, den Anfang Juni Herr Bebel in Ronneburg hielt, war Veranlassung, daß sich hier ein Arbeiterverein bildete, der jetzt schon 50 Mitglieder zählt. Die Polizei hat die Anerkennung unserer Statuten deßhalb versagt, weil wir feine Bestimmung in dieselben aufgenommen hatten, wonach jungen Leuten unter 20 Jahren der Zutritt versagt war. Angeblich soll dies eine Bestimmung unseres Vereinsgesetzes sein. Gößnitz bei Meerane, 8. Juli. Endlich soll's auch bei uns Ernst werden mit der Gründung eines Arbeitervereins. Wir wollen in nächster Zeit hier eine große Arbeiterversammlung abhalten, um den Verleger überweisen können. rufe sowie auch die Fortsetzung des Vortrags ,, Ueber die politische Stel Wegen Stoffandranges mußten wieder mehrere Berichte und Auflung der Deutschen Sozial- Demokratie" zurückgestellt werden. Letzterer erscheint im Laufe der nächsten Woche als Broschüre zum Preis von 1 Groschen. Der Abdruck im Blatt wird unfehlbar noch vor dem Con greß vollendet.) Anzeigen. biefigen Arbeiterſtand aufzuflären, der bis jetzt ängstlich auf die Gefichter Deutscher Arbeiterbildungs- Verein der Polizei und der Fabrikanten fah, wenn er etwas unternehmen wollte, und wir hoffen, daß dann die Stärke unseres Vereins hinter der der Nachbarorte nicht zurückbleiben wird. in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Brauftr. 11). } Leipzig. Druck und Berlag: F. Tbiele. { Expedition: Beferstraße 18. Beilage zum Demokratischen Wochenblatt Nr. 29. Was Bürger drüben können und hüben könnten. Die Bollendung der Pacific Eisenbahn, jenes Riesenbaues, welcher drüben in Amerika den nördlichen Continent durchzieht und die beiden großen Weltmeere mit einander verbindet, gibt der ,, Demokratischen Correspondenz" Anlaß zu folgenden Betrachtungen: Es hat etwas Grandioses, wenn über den Wirrfalen der Gegenwart die Gestalt der Menschheit sich aufrichtet und in dem Wandel des Kleinen und Bergänglichen ihre ewigen Züge weist so ruhig, so siegesgewiß, so tröstend groß. Wenn die Cäsaren nur noch Stoff sein werden für Würmer und Schulbuben, wenn die Zollern nur noch den kleinen Raum einnehmen werden von ein paar Ziffern und Zeilen in einer Tabelle der Weltgeschichte, wie jetzt etwa eine Dynastie aus Alt- Egypten oder ähnliches archäologisches Zeug, wenn die Rouher und die Bismarck, die Louis und die Wilhelm bei Namen zu kennen als ein Zeichen besonderer Gelehrsamkeit gelten wird, dann wird die Menschheit noch des eröffneten Weges ziehen, lebensfroh, lebensmuthig, genießend, strebend, schaffend, Herr des Erdballs für den sie geboren, Herr des Alls dessen Gesetze sie erforscht und verwerthet. es abschaffen müssen, dies rettende Heer, weil es sonst ihr Verderben geworden wäre, und daß sie, was sie mußte, auch gethan, das ist ihr Stolz, ihr Ruhm und Heil. Und wie hat es das gemacht, dieß kluge Volk des Vorwärts?! Sagen wir lieber: wie hat sich's gemacht? Denn das ist an der Klugheit wohl das Klügste, das an dem Ruhm wohl das Rühmlichste: von selbst hat sich's gemacht; nicht eine Stimme hat sich erhoben für Beibehaltung jenes rettenden Heeres; seine Beseitigung galt sofort als selbstverständlich, keine Partei hat mit der Frage seiner auch nur theilweisen Beibehaltung politisches Kapital zu machen gesucht; die siegreichen Generale und Offiziere traten, als ob's so natürlich wäre wie's natürlich ist, in die Reihen der Bürger zurück, und zum ersten Mal vielleicht, seit die Welt steht, ist die ungeheure Gefahr, die für die Volksfreiheit in einem siegreichen Heere liegt, an einem Staate vorübergegangen, weil das Heer der Union eben ein Bürgerheer, ein Boltsheer geblieben war. So blieb der Charakter des Staatswesens unverändert, so konnte die Union sich sofort wieder ihren bürgerlichen Aufgaben zuwenden, so die Mittel finden zu neuen produktiven Anlagen im größten Stil. Wohl ist das ein festgegründeter Bürgerstaat, der das übersteht und es so übersteht; wohl ist das ein Freiheitsstaat für die Ewigkeit, der in siegreicher Bekämpfung eines schweren Uebels, ja eines menschheitlichen Fluches nicht einmal in Gefahr kommt, dem schweren Uebel, ja dem menschheitlichen Fluche zu verfallen, an welchem die alte Welt darniederliegt. Ja, etwas Grandioses, Erhebendes ist in solchem Wert. Man muß es lesen, wie von St. Franzisko bis New- York Tausend und aber Tausende auf die Kunde von seiner Vollendung harren und wir in dem Augenblick, als der letzte Bol- Mit welchen Empfindungen uns das überkommt, uns zen in die letzte Schiene hineinfuhr, das elektrische Signal Bürger dieser alten Welt! Es scheint zu uns herüber wie wiederhallte vom stillen Meer zum atlantischen Ocean, verkün= reicher Glanz in eines Armen Hütte. Kein Junkerthum, das Idend die Botschaft dieses neuen Bundes, und nun in allen mit militärischem Blendwerk das Volk lockt, um es desto sicherer Städten ein Gottesdienst des Fortschritts anhob zu verderben an Recht und Freiheit! Kein hochmüthig Offidas stolzen Ge- zierswesen, das sich als Herrn der Schöpfung dünkt! kein fühl: ,, fo, nun ist auch das Stück Schwere und Ferne überwunden", um den Triumph zu verstehen, den der Menschengeist Mal in solchen Militarismus aufzugehen für seiner Nation da feiert. elend Professorenthum und Advokatenthum, das nun mit einem Bestimmung erklärt! Nichts von all dem Zeug, mit dem des Es ist ein doppelter Triumph, wenn man die Verhält- Schicksals Hohn das deutsche Volk der Denker" so bös heimnisse erwägt, in denen die Amerikaner das Riesenwerk geschaffen sucht. Sind wir gebildeter, sie sind dafür reichlich so viel gehaben. Ein furchtbarer Krieg, wie ihn die Welt drüben nie gescheiter; sind wir gelehrter, sie dafür um so weniger verkehrt. gesehen, ist erst wenige Jahre vorüber. Ein Bürgerkrieg, der dieses Beispiel der nordamerikanischen Union uns entgegen. Ob das Verbrechen besiegt, und einem Volke, das in seiner Schwäche Bürger des Staats die tiefgreifendsten Besitzveränderungen be= wir doch nur zu oft von deutschen Piepmeyern jenseits des wirkt hat. Noch blutet das Land an den Wunden, noch traMeeres hören, daß selbst sie, obschon sie mit der Nase drauf nennen sich die Amerikaner ein Volf des Vorwärts( a go- ahead Unterschied ist zwischen einem Bolte, das aus eigener Kraft gen die Einzelnen an den Nachwehen, aber nicht ohne Grund gestoßen werden, ja gerade sie am wenigsten ahnen, welch ein people): mit der einen Hand bezahlen sie die Schulden der Bergangeheit ab in einem Maaße, wie noch nie ein Bolt ge- und Elendigkeit dem Verbrechen erliegt. Möchten doch die than, und mit der andern arbeiten sie einer Zukunft vor, deren fünfzig Lokomotiven von St. Franzisko mit ihrem Pfeifen jedBerhältnisse sich je länger je weniger an hergebrachtem Maaße weden deutschen Piepmeyer und Erfolgsanbeter recht deutlich messen lassen. Eben noch auf dem Punkte zerrissen zu werden, in die Dhren gellen: laut und herzhaft verdienst Du ausge einigen sie nun auch das entferntefte; was den Norden vom Süden zu trennen drohte an menschlichem Unverstand und Unrecht, das haben sie überwunden; was den Westen ve. Osten fchied an natürlichen Hindernissen, das überwinden sie nun. pfiffen zu werden! Alle unfere europäischen Begriffe reichen nicht an die Wuncer Ein Arbeiter über das Versammlungsrecht. biefer Entwicklung ohne Gleichen. Aber gar wohl reichen sie dahin, auch aus der Ferne zu begreifen, auf welchem Grunde Das Versammlungsrecht als ein heiliges Recht des stand und Vernunft zu beleuchten. Es geziemt keinem Sozialder stolze Bau sich erhalten hat und immer höher und präch Volkes, namentlich der Arbeiter, kann nur die Bestimmung tiger hinansteigt. Nur auf dem herrlichen Grund der Freiheit haben, im Interesse der Masse alle Fragen der Zeit mit Verift solches möglich. Mit Pflug und Sichel, mit Schreibgriffel und Rechenstift, Demokraten die Versammlung zu einer bloßen Rednerbühne bas Es ist ferner frech gehandelt, wenn man den in privaten Angeworden, was sie ist; erhalten und gerettet hat sie sich sönlichen Eitelkeit, um als großer Geist gelten zu wollen. auf weniger friedliche Weise mit einer Pordinstrument. Ein Heer hatte sie schaffen müssen, um ch behaupten in gelegenheiten verlegten Ehrgeiz der Versammlung vorführt, ihrem äußeru Bestande, ein kostbares, a erschlingendes Heer. um dem lieben Jch Geltung und Nachdruck zu verschaffen. mir Mouth ainay Para oder eines Systems nicht richtig zu beurtheilen verstehen, weil fie, wie es jetzt häufig vorkommt, allein das, was zum Gemüth spricht, höher halten, obgleich es, mit Verstand betrachtet, höchstens als schöner Traum erscheint. Es ist daher um so mehr nothwendig, wenn die Freiheit nicht zur Unfrei heit ausarten und wenn der wahre Fortschritt erzielt werden soll, daß allen Solchen, die Fähigkeit und den guten Willen zeigen, der Freiheit und dem Fortschritt zu dienen, niemals auf Versammlungen das Wort entzogen oder verweigert werden darf. Es wäre wünschenswerth, daß man einen allgemeinen Grundsatz aufstellte, an dem jede Versammlung als selbstverständlich festhielt, etwa, daß der Referent in der Regel ½ Stunde, alle nachfolgenden Redner 4 Stunde sprechen; daß man ferner, wenn 2 Parteien oder Meinungen auftauchen, abwechselnd die Redner für und gegen sprechen ließe; ferner, daß Solche, die zu roh sind und durch Gebrüll, Pfeifen und sonstiges Toben den Gegner überzeugen wollen, aus der Verſammlung verwiesen würden; desgleichen daß solchen Rednern, welche die Leidenschaft der Zuhörer anstacheln und durch Schimpfen und Verdrehung die Wahrheit entstellen, das Wort entzogen, und beim Skandalmachen das Lokal verwiesen würde. Der Vorsitzende muß selbst als Parteimann bestrebt sein, da, wo es sich darum handelt, die Vernunft und das Recht zur Geltung zu bringen, es als höchste Ehre und Pflicht betrachten, unparteiisch die Versammlung zu leiten. Je mehr er bemüht st, dem Gegner das volle Recht einzuräumen, um so mehr wirft er zur Klärung schwieriger Fragen, und um so mehr nöthigt er den Gegnern Achtung ab. = Aus England. London, 5. Juli. Wenn, wie so mancher Schriftsteller behauptet hat, die Völker nur Familien im Großen sind, so ist es gewiß, daß sich in diesen Volks Familien sehr viele Stief- Geschwister be finden. Auf einigen Quadratzollen Papier, die vor mir liegen, steht obenan: ,, Festschmans der Minister Ihrer Majestät." Es ist die Ueberschrift eines Berichtes des letzten Banketts, das der Bürgermeister von London in der ägyptischen Halle des Rathhauses( Mansion House) gegeben. Ungefähr dritthalbhundert Personen nahmen Theil- ,, ein Schauspiel von großer Bracht und Herrlichkeit". Nach Tische erhob sich der Bürgermeister und trank auf die Gesundheit der Königin; er schloß feine Lobrede mit folgenden Worten: ,, Möge sie lange regieren über ein freies, trenes und blühendes Volk". Kehren wir das Blättchen um: etwas weiter unten auf demfelben Papier heißt's: Tragödie in Smithfield Leichenschau". Vorigen Montag Morgen erhielt die City: Polizei folgenden lakonischen Brief: ,, Meine Herren, Ihre Gegenwart wird 15 Hosier Lane erfordert. Ein anderer Brief, den ich an meinen Bruder 12 Milf Street Bristol geschickt habe, gibt Näheres. Der Jhrige W. G. Duggan." Ein ,, Bolizeimann"*) verfügte sich an Ort und Stelle, das Haus war verschlossen, es wurde aufgebrochen: Duggan, seine Frau und sechs Kinder lagen todt in ihren Betten, vergiftet mit Blausäure. In dem Brief an den Bruder stand die Geschichte der unglücklichen Familie. Duggan war Silberschmied, litt an der Schwindsucht und wohute in seines Arbeitgebers Haus. Er war aus der Arbeit entlassen worden und sollte das Haus räumen. Krant, mit kränklichen Kindern, ohne Arbeit, mit einer großen Familie und keiner Fürsprache früherer Brodherr weigerte sich ihm eine Empfehlung zu geben326 redete er seinen Meister, ihn noch eine Woche bleiben zu lassen. Am Freitag sagte dieser zu Duggan: Nächsten Montag müssen Sie mein Haus räumen oder ich setze Sie und Ihre Habseligfeiten auf die Straße. Der Meister stellte die Behauptungen Duggan's in Abrede und die Jury urtheilte, daß Vater und Mutter ihre Kinder und sich selbst in einem Zustande der Geisteskrankheit ermordet hätten. Damit ist Alles wieder gut. Fort mit den Duggans! Sie gehören zu Brittannia's Stief= kindern. Ein andres Bild auf demselben Stückchen Papier: Die Her zöge von Newcaſtle sind leibliche Kinder der Brittannia, eine Zierde der brittischen Familie. Vor vielen Jahren verkaufte ein im Staatsdienst beschäftigter Sprößling der Newcastles dem Haupte mehrere hundert Acker Kronländer für 25 Silbergroschen den Acker. Der gegenwärtige Herzog ist ein junger furze Zeit Herzog, ein Lebemann, der viel Bergnügen aut Mann von 35 Jahren, ein geborner Gesetzgeber. Er ist erst Wettrennen findet. Er hat unglücklich gewettet, Schulden und zuletzt Bankerott gemacht. Da er Herzog ist, so können seine Gläubiger nur seine Mobilien in Beschlag nehmen.*) wollte einen Vertrag mit ihm abschließen. Er sollte drei Jahre lang sich auf 10,000 Pf. St. jährlicher Ausgaben gleich 67,000 Thlr.) beschränken, in der Zwischenzeit hätten alle seine Schulden bezahlt werden können er zog leer, seine Keller leer den Bankerott vor. Seine Zimmer sind leer, seine Ställe leer, ſeine Keller leer vierundzwanzig verschiedene Sorten lebt, er ist kein Stiefsohn, er kann nicht aus dem Haus ge Wein wurden versteigert,- aber der Herzog von Newcastle worfen werden. Man Die nächste Spalte des nämlichen Papiers enthält den Bericht einer Auswanderungs- Konferenz der Londoner Armen verwaltungs- Bezirke. Der allerlästigste Theil von Brittannia's Stieftindern wird unangenehm zahlreich. In zehn Jahren haben sie sich in London von 68,826 auf 144,469 vermehrt, es sind die Baupers. Man hat berechnet, daß, wenn man jähr lich einen Penny( 8-9 sächs., 10 preuß. Pf.) von dem besteuerbaren Einkommen der liegenden Güter der Hauptstadt erhebt, jähr lich 5000 Paupers nach Australien befördert werden können; aber es geht nicht ohne die Zustimmung der Regierung. 3 Hause kosten sie ihren reicheren Brüdern jährlich 7 Pf. St. per Kopf verschuldeten Herzog. Für 14 Pfund kann man sie nad - also 1428 Pauper- Stieffinder sind gleich einem Australien schicken, dort werden sie glücklich werden, den Handel und die Industrie der Heimath befördern. Man wird sie nicht alle auf einen Platz schicken, man kann sie vertheilen, Listen bereit halten, wo australische Bürger, die ihrer Dienste dürfen, ihre Namen einschreiben könnenfort, fort mit den Paupers, sie sind Stieftinder, hier eine Last, in Australien werden billige Arbeiter gebraucht. werden billige Arbeiter gebraucht. Also fort mit ihnen! Die Steuer soll auf zehn Jahre ausgeschrieben werden in Jahren kann man 50,000 fortschaffen. Hätte man vor zehn Jahren angefangen, so würden von dem Zuwachs der letzteren zehn Jahre noch immer 24,600 übrig sein. Dieses mit dem ursprünglichen Vorrath von 68,826 gäbe die Summe yo 93,426. Ist das nicht ein unfehlbarer Weg zur Regeneration ( Neugeburt) der Gesellschaft? Weise Kinder, diese Staats- und Geſellſchafts- Doktoren! Der Londoner Bürgermeister ist ein enthusiastischer Befürworter der Arbeiterauswanderung. Sind das nicht glückliche Zustände und„ blühende" Völker, welche ihnen Leben? Noch hat sich die Konferenz nicht geeinigt, Verhandlung ist vertagt. be зери in bie Eines ihrer Stieffinder nach Australien zu schaffen toftet der Gesellschaft 14 Pf. St., das Parlament hat dem Prinzen Alfred 3,300 Pf. St. vergütet für die Gunstbeze - fein gungen, die er auf seiner Luftreise nach Australien in der Form von Geschenken erwiesen hat. Also 235 Stiefföhne der Gefell fonnte er keine Wohnung finden. Nach seiner eigenen Aussage über- fchaft sind gleich den Gunstbezeugungen eines rechten Sohnes * In England nennt sich selbst der Polizeidiener einen Bolizeimann. Charakteristisch. TES *) Das Grundeigenthum des Englischen Adels ist unverkäuflich Aus Oesterreich. Wien, 14. Juli. Der Klärungsprozeß, welcher sich gegenwärtig in der deutschen Arbeiterpartei abspielt, erregt natürlich auch hier großes Interesse. Da uns die nähere Kenntniß der Persön lichkeiten, welche in dieser Krisis eine so unliebſame Rolle spielen, mangelt, so können wir nur vom prinzipiellen Standpunkt aus urtheilen. Es ist vielleicht ein Glück, daß dem so ist, sonst hätten wir diese nähere Kenntniß wohl auch mit so und so viel Irrthümern, Falschheiten und Thorheiten be zahlen müssen, wie jede politische Partei, welche den Schwer punft nicht in sich selbst, sondern in ihren Führern hat. Prin zipielle Urtheile scheinen zwar in der Form milder zu sein, dem Juhalte nach sind sie um so gewichtiger, niederschlagender; sie sprechen nur über Leben und Tod. All' die zahllosen Aeußer ungen der Persönlichkeiten, die verschiedenen Formen, in welchen sich der einzelne Mensch kundgiebt, verschwinden vor der Einen Frage: auf welchem Prinzip steht er? Nun, stellen wir diese Frage mit ruhiger Ueberlegung ohne persönlichen Haß den Herren v. Schweißer und Mende gegenüber. Die Antwort ist kurz und klar. Beide stehen auf dem Prinzip der Autorität und wir, die Arbeiterpartei, deren ganze Thätigkeit es eben ist, dieser lernäischen Schlange den glühenden Stumpf in den Rachen zu stoßen, wir sollen uns von ihnen leiten lassen! Vor Kurzem erst rief Rogeard seinen Landsleuten zu:„ Das beste Mittel frei zu werden, ist, zu handeln, als ob man es wäre; das beste Mittel die Republik zu erlangen, ist, zu leben als wäre man in einer Republik." Die Herren v. Schweitzer und Mende wissen das besser: Das beste Mittel, um frei zu werden, ist, ein Heer von Sklaven heranzuziehen, das beste Mittel republikanisch zu werden ist sich absolutistisch zu organisiren. Schlaue Köpfe die Ihr seid! Mögt Ihr erkauft sein, wie Eure Feinde sagen, oder schlecht oder ehrgeizig, uns fümmert das nicht. Wir sehen bloß Eure Dummheit und deshalb klopfen wir Euch auf die Finger, weil es sich für Menschen Eures Schlages nicht schickt, in Dingen das große Wort zu führen oder überhaupt mitzusprechen, welche das Wohl und Wehe unserer Zeit bestimmen. Tretet ab vom Schauplatze und begrabt Euch selbst, damit wir nicht die Mühe haben, den Schutt auf Eure Gräber zu werfen. Herr Mende, der unter Muhamed vielleicht einen tüchtigen Storporal abgegeben hätte, bildet sich ein, ein Jahrtausend später das Volk zu führen. Der Geist der Freiheit zuckt Der Geist der Freiheit zuckt durch die Glieder unseres Vaterlandes und wir haben nichts zu thun, als die Worte eines großen Mannes auswendig zu lernen, der sich selbst im Grabe umdrehen würde, wenn er die lächerliche Parodie seiner Epigonen sähe. Wohl, auch wir Wohl, auch wir berehren Lassalle, den Rufer zum Streit, aber wir leben in dem thörigten Wahne, das beste Mittel einen großen Mann zu ehren, sei, zu beweisen, daß man ihn nicht mehr nöthig habe. Freiheit" ist der Pulsschlag unseres Herzens und Mende predigt uns sklavische Nachbeterei; kämpfet, rin= get, strebet" tönt es in unserer Brust und dieser Hohepriester ruft uns zum Gebet. in der er über die Ereignisse von 1866 unter Anderem die goldenen Worte sprach: Er erkenne mit Freude an, daß die Siege in Böhmen den preußischen Namen allerwärts zu Ruhm und Herr v. Schweitzer hielt einst eine Rede im Reichstag, lich nach langem Mühsal tritt seine erste Verwirklichungsarbeit, der internationale Arbeiterbund und die Friedensliga ins Leben und der Mann, welcher die revolutionäre Partei führen, welcher die Revolution sein will, spricht über den Krieg, wie ein Schuljunge, welcher eben den Julius Cäsar liest. Die wirkliche Inhaltslosigkeit dieses letzten Krieges, die erbärmliche Nichtigkeit der Interessen, welche ihn hervorgerufen und welche jetzt in den kleinlichsten Formen fortleben; diese furchtbaren Folgen, welche die Saturnalien des modernen Staates und der modernen Gesellschaft vielleicht um 20 Jahre verlängern; diese Vernichtung der Ruhe in Europa, welche heute in dem fortwährenden Wanken und Erzittern der sozialen und politischen Gesammtlage jich kundgiebt: all' das und noch viel mehe sieht der große Revolutionär nicht oder tauscht es ein für dir paar Groschen Ruhm, welchen sich sein Musterstaat bei sämmtlichen Dumiköpfen der Welt erworben. Ja, Herr v. Schweitzer, Sie haben Recht. Sie wähnen, mit 200,000 Arbeiter- Soldaten lasse sich die soziale Frage lösen." Nicht mit einer Million, fagen wir Ihnen, selbst wenn Sie ihr General sind. Freie Männer brauchen wir, eine freie Zukunft zu schaffen, nicht Soldaten, welche blind dem Commandowort ihrer Führer gehorchen! Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur, Fabrik- und Handarbeiter( Vorort Crimmitschau.) Dritte öffentliche Sitzung der Vororts- Verwaltung(. Juli). Neben verschiedenen Eingängen, unsere Organisation be= treffend und einigen lokalen Vorlagen, beschäftigte die heutige Sigung hauptsächlich eine von der Mitgliedschaft Werdau eingegangene Zuschrift, worin die baldigste Gründung einer ,, allgemeinen Krankenkasse" unsrer Gewerkschaft beantragt war. Damit zusammenfallend kam zugleich die hierorts vielseitig gewünschte baldigste Organisation einer allgemeinen ,, Jnvalidenund Alterversorgungs- Kasse" zur Berathung, und entschied man sich einmüthig für Aufstellung und Festhaltung folgender Gefichtspunkte zu möglichst beschleunigter Jnangriffnahme der Vorlagen: 1) Die Mitgliedschaft wird aufgefordert, durch rascheste Einrichtung der Lokal- Organisationen, Aufstellung und Einreichung der Mitgliederlisten c., der Verwaltung Gelegenheit zu geben, die in§ 2 a vorgesehenen Mittel( als Fonds der Gewerkschaft) feststellen und darauf hin weiter disponiren zu können. 2) Hiernach soll in Betracht kommen, ob, und binnen welcher Frist, außer mit entsprechenden Statuten- Entwürfen, solche Lokalmitgliedschaften aus der Central- Gewerkschaftskaffe im Verhältniß zu ihrer Kopfzahl unterstützt werden können, welche eine der beregten Organisationen, bis zur Erstarkung der Gesamt- Gewerkschaft, in Angriff nehmen wollen. 3) Soll die Mitgliedschaft Luckenwalde hiermit ausdrücklich aufgefordert werden, ihre Erfahrungen( wo möglich und bald durch das Organ der Gewerkschaft) zur Kenntniß der Genossen und des Vororts zu bringen. 4) Werden alle Gewerksgenossen, als Mitglieder der verſchiedenen in den Einzel- Orten bestehenden Krankenkassen aufgemuntert, innerhalb ihrer Vereine zunächst am Orte selbst für Ansehen gebracht. Dieser Satz ist so schön, so ungeheuer wahr volle Freizügigkeit zu wirken und darnach unter den verschiede= und so ungeheuer bezeichnend, daß selbst der Kurzsichtige die ganze Gedankentiefe dieses Mannes durchschauen kann. Wir nen Orten engerer, wie weiterer Distrikte, Vereinigungen und Rückversicherungen( Cartel- Verträge der verschiedenen Bereiniwählten diese scheinbar unschuldigen Worte, weil sie in der gungen) mit aller Kraft zu erstreben. That den Mann nach allen seinen Seiten charakterisiren. Es ist die vollendete Korporalsphilosophie. Wie? Seit 20 Jahren 5) Würde hiernach die Möglichkeit und der kürzeste Weg treibt und drängt der revolutionäre Gedanke heraus aus den geboten sein, mit Benutzung aller schon bestehenden Hilfsquellen, neue und weitere aufzuschließen, die es dann den verschiedenen innersten Eingeweiden des Volkes, der Gedanke der Solidarität, in den bestehenden Kranken-. Kaffen vertretenen Gewerken, der Gemeinsamkeit der Intereffen; eine Welt von Tradition, mit der Zeit ermöglichen dürften, sich selbstständig und je zu Unwissenheit und Verkehrtheit stemmt sich ihm entgegen; end- allgemeinen Raffen" emporzuheben. 6) Beiderlei Geschlechter sollen unbeschadet ihrer natürlich verschiedenen Berufs- und Lebensstellung in allen Kassen gleichberechtigt und gleichverpflichtet zugelassen werden, bestehende Frauen- Kassen u. s. w. vorzüglich bei Rückversicherungs- Verträgen, jedes mögliche Entgegenkommen geboten erhalten. Es ist hier am Orte die Vereinigung der Weber-, Zeug, Tuchmacher- und Tuchscheerer- Kranken- und Sterbe- Kaffen bereits angebahnt und soll der Verband ,, vorläufig" den Namen der ,, Vereinigten Handwerker- Kranken- und Sterbe- Kaffe tragen, um den Anschluß aller einschlagenden Branchen zn ermöglichen. Im Statut soll vorgesehen werden, daß größere Vereinigungen, ohne Preisgebung der gewonnenen Mittel jederzeit stattfinden können; bei Gründung neuer Organisationen, soll neben der Schöpfung lebensfähiger Reserve- Kassen, ganz besonders eine genügende Unterstützungsquote den Mitgliedern zu sichern gesucht werden. Als entschieden zweckwidrig und verwerflich wird das Anfammeln von Geldern durch Hilfskaffen, Behufs hypothekarischer Anlage, gekennzeichnet, wie es leider in verschiedenen älteren Kaffen, auf Kosten einer genügenden Unterstützung hilfsbedürf tiger Mitglieder, Statt gefunden hat. Entsprechende und dauernde Hilfeleistung wird durch die angeregten ,, Rückversicherungs- Verträge" bei normalen Reserve- Kassen möglich bleiben. Wir fordern zu rückhaltslosem Meinungsaustausch in unserm Organe, wie zu dessen möglichster Berbreitung unter den Mitgliedern der verschiedenen Kranken- 2c. Kassen auf, und empfehlen Ausschüssen und Vorständen derselben das offizielle Halten des Demokratischen Wochenblattes". Rathschläge und Vorlagen sind allerwärts erbeten und finden nach Kräften Berücksichtigung. 11 Aufstellung der verschiedenen Localbevollmächtigten 2c. c. werden wir innerhalb der bekannten Frist veröffentlichen. Für den Verwaltungsrath des Vororts: Motteler, 1. Vorsitzender. Das sächsische Ostpreußen. IV. Und Geyer, den 2. Juli. Darf man sich wundern, daß man von der Geyer'schen Arbeiter- Bevölkerung einen Nothschrei vernimmt, wenn man bedenkt, daß der dortige Bürgermeister Meister als Vorfizzender des Armen Vereins in acht Jahren, sage in acht Jahren!!! keine einzige Armen- Deputationssigung abgehalten hat? Ist das nicht unerhört? Die Mitglieder des Armen- Vereins( Distriktsvorsteher oder Armenpfleger genannt) find theils durch den Tod ausgeschieden, theils von hier weggezogen, aber keine anderen an deren Stelle gewählt worden. so ist dieses Institut unter der Leitung des hochweisen und unfehlbaren, so fürsorgenden und väterlichen Herrn Bürgermeisters so gut wie ausgestorben und zu Grabe gegangen. Heißt das auch seines Amtes warten, für das die Stadt jährlich 800 Thlt. bezahlt? Heißt das für das Wohl der Stadt und ihrer Armen sorgen? Ist das keine Noth, die da zum Himmel schreit, und über welche die Bürger, insbesondere die Armen schreien und die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchten? Oder ist das etwa auch ein ,, unberechtigter Ausfall gegen die Gemeindevertretung in Geyer", wie sich der Verfasser des Artikels im ,, Chemnitzer Tageblatt" auszudrücken beliebt hat? Als Entgegnung auf seinen Artikel sei hier nur so viel gesagt: Wenn es in demselben unter Anderem heißt: Wer freilich in den guten Fransen-, Perl- und Bosamentenjahren 1864 und 1865 das verdiente Geld verjubelt hat, ohne für spätere Zeiten fich Sparpfennige zu sammeln, der möge flagen und anklagen, aber nur sich selbst", so fragen wir ganz einfach: wer ist denn zunächst Schuld daran, daß das Geld verjubelt worden ist und nichts gejpart? Doch wohl der, der die Gelegen heit dazu gegeben hat, der es erlaubt hat, daß fast jeden und Sonntag an zwei, oft sogar an drei Orten Tanzmusit ge halten worden ist? Für Orte wie Geyer wäre es vollauf ge nug, wenn jeden Monat nur einmal Tanzmusik gehalten werden dürfte. Und das Gesetz schreibt es wohl auch so vor; warum wird es denn nicht gehalten? Wäre es aber auch keine gesetzliche Bestimmung, so wäre es Pflicht der Ortsbehörde, als Wächterin über das Wohl der Stadt, es sofort zum Ge setz zu machen. Und dieses häufige Tanzmusikhalten findet nicht blos in guten Zeiten statt, sondern auch in schlechten, in Zeiten der Noth, wie wir's neulich gesehen und erlebt haben. Wenn z. B. an einem der letzten Sonntage ein Fremder durch Geyer gegangen und auf den Markt gekommen ist, hat aus dem Rathhause und Gasthofe die Jubeltöne der Tanzmusik herüber- und hinüberschallen hören, dann wird derselbe gewiß kopfschüttelnd und erstaunt gesagt und gefragt haben: ,, Giebt's denn hier Noth, wo es so zugeht? Jubeln und Spektakeln und über Noth schreien, wie reimt sich das zusammen?" Und wer nun noch dazu des Nachts das Schreien, Lärmen, Toben und Quiken der nach Hause wandernden Tanzschaaren mit anhören muß, der möchte allerdings versucht werden, das Reden von Noth in Geyer für Fabel und Mährchen, für reine Erdichtung zu halten. Ganz abge sehen davon, daß auch oft noch in der Woche an man chen andern Orten das Geld verschmaust, vertanzt und verjuchhet wird. Wie oft hört man ordentliche, arbeit- und sparsame, von der Arbeit müde und nach Schlaf und Ruhe sich sehnende Leute Wagen über das nächtliche Lärmen und Toben, wodurch sie oft aus dem Schlafe aufgeschreckt werden, nicht wissend was vorgeht, ob es da oder dort brennt, oder etwas Anderes dergleichen geschieht. Sollten diese etwa auch sich selbst anklagen- vielleicht darüber, daß sie nicht lieber selbst mitmachen? Ein in der That sauberes und liebliches Beruhigungsmittel!!! Hat der Verfasser jenes Artikels etwa noch mehr solcher Heilpflästerchen und Pülverchen in Bereitschaft? Es wäre wenigstens interessant, sie fennen zu lernen. Warum begünstigt man aber solchen Unfug, wodurch die Taschen Leer, die Leute leicht und liederlich werden, und geistig und förperlich verarmen? Wen soll man nun aber darüber und deswegen anklagen? Der Verfasser jenes Arti tels würde geschwind antworten:„ Die mögen flagen nnd sig selbst anklagen, die in solche Noth gerathen sind"; und wir sezzen hinzu: Zuerst und zunächst mag man die anklagen, die Andere sorglos in solche Noth gerathen lassen, deren Amt und Pflicht es ist, solcher Noth zu steuern, die aber weder Herz noch Sinn dafür haben und ganz gemüthlich zusehen, e mag gehen, wie's will. ein So viel einstweilen darüber für heute, nächstens mehr! Denn es ist nun die höchste Zeit, die Geyer'schen Zustände, welche hauptsächlich an der Verarmung der Stadt die Schuld tragen, ans Licht zu ziehen und sie zur Kenntniß der Ober behörde zu bringen. Jedermann wird dann selbst darüber urtheilen können, ob die klagen wahr oder unwahr, gerecht oder ungerecht sind. Die Saite ist aufs Höchste gespannt und die Geduld hat nun Ende, wir können und dürfen nicht länger mehr ruhig zusehen und schweigen. Denn nicht blos das Armenversorgungswesen liegt so im Argen, sondern fast die ganze Verwaltung selbst in den wichtigsten Angelegenheiten, wie denen der Schule, zeigt ein so jämmerliches Bild, daß die guten und wohlgesinnten Bürger darüber entrüstet sind und sein müssen. Zum Schluß sei hier noch bemerkt, daß wir für die Wahrheit dessen, was wir schreiben, einstehen und jeder Zeit bereit sind, es zu vertreten. Geyer, den 5. Juli Vont Bis jetzt sind an uns folgende Gelder eingegangen: A.-B.-V. Leipzig 25 Thlr.; vom V.-V. Crimmitschau 1 Thlr. 23 Ngr.; vom A.-V. Crimmitschau 1 Thlr. 7 Ngr.; vom B.-V. Waldenburg 18 Ngr.; vom Berein Waldenburg 1 Thlr.; vom Verein ,, Liedertafel" in Walden " Erholung " in burg 1 Thlr. und vom A.-V. Niederzwönitz 2 Thlr., Summa 32 Thlr. 18 Ngr. Für obige Summe sagen wir unsern herzlichsten Dank. Gebessert hat sich in unsern Zuständen nichts; es herrscht wieder großer Arbeitsmangel. Carl Demmler. Der Doppelgänger Wagener's. Während seiner Wahlkampagne im Barmen- Elberfelder Kreis richtete Herr von Schweißer folgenden Aufruf An die conservative Partei. Zwei Wahlmanöver der traurigsten und widerlichsten Art sind noch im letzten Augenblick von liberaler Seite versucht worden, um die Conservativen von der Arbeitersache abwendig zu machen und in das Fortschrittslager überzuführen. 325 Eistens hat die ,, Baumer Zeitung" einige, wenn auch derb humoristische, so doch immer nur scherzhafte Aeußerungen von mir, welche ich unter sechs Augen machte, dahin verdreht, als habe ich allen Erustes drohen wollen, in eigener Berson, in Verbindung mit Andern, die Druckerei der„ Barmer Zeitung" zerstören zu wollen! Diesen Unsinn hat man, an der Spize des Blattes fett gedruckt, als wirklichen Ernst dem Publikum Das Alberne dieses Manövers springt in die Augen und ich bin überzeugt, daß nicht ein einziges Mitglied der conservativen Partei in diese plumpe Falle gehen wird. verkündet. stimmteste erkläre. ja, auf's Ge= Das zweite, wo möglich noch schmählichere Manöver be= steht darin, daß man in den„ Barmer Anzeiger" eine Annonce hat einrücken lassen, worin" der Inhalt eines von mir in meinem 23. Jahre geschriebenen Buches auf's Gehässigste und Wahrheitswidrigste wiedergegeben wird häſſigste und Wahrheitswidrigste, was ich hiermit auf's Be Die Lügenhaftigkeit erreicht darin ihren Gipfel, daß eine Stelle, von welcher ich in meinem Buche ausdrücklich sage, daß hier nicht von der Religion die Rede ist, so abgedruckt wird, als sei sie von der Religion gemeint. Man hat also die namenlose Unverschämtheit, mich als einen hinzustellen, der gewaltthätig gegen die Religion vorgehen wolle, während ich in Wahrheit in meinem Buche jede Gewaltthat gegen die Religion und ihre Diener( ich sage ausdrücklich, daß diese beiden unzertrennlich find) auf's Entschiedenste verurtheile. mit dem Inhalt desselben nicht einverstanden sein, aber sie Mögen die Conservativen mein Buch lesen. Sie werden werden mir, wie dies strenggläubige protestantische und fatho lische Priester öffentlich und privatim wiederholt gethan haben, das Zeugniß ausstellen, daß ich von der Religion stets mit derjenigen Achtung spreche, welche derselben ein Jeder schuldet, und daß ich insbesondere frei bin von der frivolen Sprache jener liberalen, sogenannten ,, aufgeklärten" Philifter, welche da fel gezogen; ich brauche daher in dieser Beziehung nichts zu sagen. In politischer Beziehung bemerke ich, daß ich gemäß den Grundsätzen der Partei, der ich angehöre und die mich zu ihrem Führer erforen(!), in Fragen der Freiheit und des Bolksrechtes unwandelbar mit der äußersten Rinken( der Fortschrittspartei! A. d. R.) stimmen werde. Sollten ernstliche Gefahren vom Auslande her das deutsche Vaterland bedrohen, so werde ich den König von Preußen, in dem jetzt die nationale Machtstellung Deutschlands gipfelt, und seine Regierung mit aller Kraft, die einem Einzelnen zu Gebote stehen kann, in dem Parlamente wie außerhalb desselben zu unterstüßen bestrebt sein. Im Namen der ganzen Partei, die ich vertrete, danke ich aus tiefstem Herzen den social- demokratischen Arbeitern des Wahlkreises für ihre unvergleichliche Haltung, für ihr so grenzenloses opfer- und mühevolles Ausharren, durch welche dieser große und glänzende Sieg ermöglicht wurde. Den conservati= ben(!) Arbeitern(?) sage ich Dank dafür, daß sie in richtiger Erkenntniß der Sachlage dem Arbeitercandidaten ihre Stimmen gaben und dadurch auch ihrerseits zu dem Siege beitrugen. Sie hatten richtig erkannt, daß vor Allem die Arbeiterfrage der Gegenstand meiner Bemühungen ist. Eine große Partei hat dahier meine Wahl auf's Aeußerste befämpft. Ich kann versichern, daß in meinem Herzen gegen Niemand der leisefte Groll ist. Mögen aber auch meine Gegner nunmehr mit unbefangener Gerechtigkeit meine Haltung verfolgen, und ich gebe mich der Hoffnung hin, manchen Feind höchſtes Glück, für die Arbeitersache zu wirken; aber ich werde es thun mit jener Schonung und Milde, welche man den bestehenden Verhältnissen schuldet! Sind doch diese Verhältnisse nicht das böswillige oder überhaupt willkürliche Machwerk Einzelner, sondern das Ergebniß der geschichtlichen Entwickelung! zum Freunde zu gewinnen. Es ist meine Pflicht und mein Ein freundliches Lebewohl dem Wupperthal! Ein freundliches Lebewohl insbesondere Euch, Ihr treuen, trefflichen Arbeiter! Barmen- Elberfeld, 9. September 1867. J. B. v. Schweißer. Contra Schweitzer- Hatzfeldt( Wende). Bur Schweitzer- Hatzfeldt( Mende)' schen Versöhnungskomödie. Ein äußerst charakteristisches Schlaglicht auf den Bund zwischen Herrn v. Schweißer und der Gräfin Haßfeldt wirft die Art und Weise, wie Beide das von ihnen neu bewahr= meinen, die tief ernste Bedeutung der Religion mit der Schneiderelle ihres Hausmannsverstandes und ihres glatten heitete Sprüchwort ,,, Pad schlägt sich, Back verträgt sich", Rationalismus messen zu können. Möge auch dieses Wahlmanöver wirkungslos bleiben und mögen die Conservativen bedenken, daß es bei der engeren den von ihnen bethörten und corrumpirten Arbeitern gegenüber zu entschuldigen und zu rechtfertigen suchen. Natürlich können sie nicht offen zugestehen, daß sie bisher nur ein gegenseitiges Scheingefecht zu Gunsten einer und derselben Person oder Wahl in ihrer Sand liegt, der Fortschrittspartei einen glänz Sache ausgeführt haben. Sie nehmen also ihre Zuflucht zu zenden Sieg oder eine furchtbare Niederlage zu bereiten. folgendem Mittel: Herr von Schweißer ließ durch seine bezahlten, be= Wahl zwischen diesen beiden Möglichkeiten für jeden Conjer- wußten oder unbewußten Werkzeuge, u. A. einen gewiffen LiBarmen- Elberfeld, den 20. März 1867. vativen eine leichte. An die J. B. v. Schweizer. teraten Hirsch,*) der jetzt nach Schweitzer'scher Directive die Politit im ,, Sozial- Demokrat" zu verarbeiten hat, den noch mit Bedenken gegen die Gräfin Hatzfeldt erfüllten Mitgliedern Einwohnerschaft des Wahlkreises Barmen- Elber- ,, seines" Vereins begreiflich machen, daß die Person der Gräfin nur unter einem Präsidenten à la Mende gefährlich oder be= feld erließ Herr von Schweitzer nach seinem Wahlsieg, den er, wie aus dem oben mitgetheilten Aftenstück erhellt, der erbet denklich sei, nicht aber ihm, Schweizer, der selbstständig sei telten Unterstützung der Reaktionäre verdankte, den nachstehenden Aufruf( Siehe Sozial- Demokrat" vom 11. September 1867): 11 und sich von ihr nicht beeinflussen laffe.**) Es handle sich bei *) Nicht zu verwechseln mit dem bekannten Dancer'schen Dr. Mar Hirsch, noch mit den ehrlichen Sozialdemokraten Carl Hirsch und **) Genau dasselbe behauptete von sich Herr Mende, der bei Eintritt feiner Bolljährigkeit ein ,, anftändiges Vermögen"" geerbt" haben wollte, wie Herr v. Schweizer nicht gang" 80,000 fl. geerbt" hat. wiefen, mich zu seinem Vertreter im ,, Norddeutschen Reichstag" J. W. Hirsch. Der Wahlkreis des Wupperthales hat mir die Ehre er erwählen. Ich werde suchen, mich dieser Ehre würdig zu zeigen. Mein socialer Standpunkt wird von Niemand in Zwei au der Vereinigung mit der Gräfin lediglich darum, Geld zu er= halten; die Gräfin habe nur zu ,, blechen", weiter nichts.*) Die Gräfin Haßfeldt ihrerseits ließ durch den Bieder mann Försterling ihren" Mitgliedern vorsagen, Schweitzer habe sich gebessert", seine Irrthümer eingesehen und alle verlangten Concessionen gemacht. Sollte er aber wieder rückfällig werden, oder sollte es sich herausstellen, daß er wirklich ein Schurke und Verräther ist, so sei dies gar nicht so schlimm; deshalb habe man ja die Freie Zeitung" behalten. Der Gewinn sei dann der, daß nunmehr auch die Schweitzerschen Mitglieder die„ unverfälschte" Organisation Ferdinand Lassalle's angenommen, ihre Vorzüge eingesehn hätten und da von unmöglich wieder abfallen könnten.**) Kurz, das würdige Paar, das nach Außen hin Ein Herz und Eine Seele zu sein erklärt, muß sich unter der Hand, insgeheim, den Anschein geben, als suche nur eins das andere zu überlisten und auszunützen. Der eigentliche Sachverhalt bei dieser ganzen niederträch= tigen Komödie ist aber wohl sehr einfach. Was Herru v. Schweizer betrifft, so mag dieser immer unheimlicher die Verlegenheit empfunden haben, wohl auch von anderer Seite darauf aufmerksam gemacht worden sein, wie er sich über den unverhältnißmäßigen Aufwand, den er treibt, vorkommenden Falles, wenn es nämlich verlangt würde, ausweisen könnte. Der Erbschaftsschwindel ist als solcher längst schon ziemlich allgemein erkannt worden und kann ernstlich nicht auf recht gehalten werden; der„ Sozial Demokrat" soll sich nach Herrn v. Schweiger's eigener Behauptung trotz der über 5000 Abonnenten, noch immer nicht rentiren, wirft aber jedenfalls noch nichts so Erhebliches ab, um Herrn v. Schweiger's Lurus nur einigermaßen zu ermöglichen; ebenso läßt sich der auf die beiden genannten, mebr oder minder zweifelhaften Vermögensobjefte zurückführbare Bersonalcredit des Herrn v. Schweizer auch nicht annähernd als so bedeutend darstellen, um einen plausibel scheinenden Erklärungsgrund für die Mittel zur Befriedigung der zahlreichen nobeln und unnobeln Passionen jenes Herren abzugeben. Dazu nun eignet sich ganz vortrefflich die Gräfin, welche Vermögen besitzt und von der viele Leute ( unserer Ansicht nach, freilich mit Unrecht) glauben, daß die von ihr für für die ,, Agitition" gespendeten Gelder aus ihrer eigenen Tasche flöfsen. In Wahrheit steht es nämlich überhaupt mit dem Vermögen der als ziemlich geizig bekannten Gräfin nicht se sonderlich glänzend; auch kann sie nicht über den Kapitalstock selbst disponiren, sondern bezieht nur eine fire Rente. Herr v. Schweizer wird nun allerdings möglichst viel Geld zur Bezahlung seiner„, Agitatoren" und sonstigen ,, Agitations" Unfosten zur Rettung des köstlichen Kleinods der Partei" von der Gräfin zu erhalten suchen, aber durchaus nicht so viel von ihr empfangen, als nöthig wäre, die Kosten seines Luxuriösen Lebens zu bestreiten. Da aber hierfür schon von anderer Seite gesorgt sein wird, ist dieser Umstand für ihn nur von geringer Bedeutung; sein Zweck ist damit erreicht, daß nun alle Struhköpfe der Meinung sein werden, das viele Geld komme theils von der großen Erbschaft", theils von der Einnahme aus dem Sozial- Demokrat" und theils von der großmüthigen reichen Gräfin. " gelten; zweitens mußte sie ihr mit vielem Gelde auf die Beine gebrachtes und erhaltenes, trotzdem aber in der Auflösung begriffen gewesenes Heerhäuflein in Sachsen eiligst mit den zerstreuten, dort völlig ohnmächtig gewesenen Mannschaften des Herrn v. Schweizer vereinigen, damit dieser, in den Feldherrnkünften erfahrener als das„ jugendliche Genie" Fris Mende's, die vereinten Streitkräfte gegen die gehaßte und ge fährliche demokratisch- sozialistische sächsische Volkspartei" führe; drittens endlich hat die Gräfin mit ihrem Fritz Mende und ihrer Freien Zeitung" als Reserve und Rückzugsstützpunkt zu dienen, für den Fall, daß der Feldherr Schweitzer die Hauptschlacht verlieren und sich persönlich unmöglich machen sollte. Ferner bezeichnend für Herrn v. Schweizer und seine gräfliche Verbündete sind nachstehende, uns verbürgte Thatsachen. Der„ edle" Herr v. Schweizer hat auch unter den Ber liner Mitgliedern seines" Vereins aussprengen lassen und gegen eine uns bekannte Persönlichkeit selbst geäußert, sein einſtmaliger Freund Hofstetten bezöge gegenwärtig ,,, obwohl der Sozial- Demokrat" noch nichts abwerfe", von ihm( Herrn v. Schweitzer) 600 Thlr. und sei überhaupt mit ihm ,, nur vorübergehend brouillirt", da er„, unsinnige und ungerechtfertigte Anforderungen" an ihn gestellt habe, auf welche er( Herr von Schweizer) nicht habe eingehen können. auf Wir sind von Herrn v. Hofstetten erinächtigt, dies insgesammt für unverschämte Lügen zu erklären. Hofstetten hat sich von Herrn v. Schweitzer völlig losgesagt, seitdem die fer ihn durch betrügerische Benugung eines ihm in betrügerischer Absicht gegen Betheuerungen Ehrenwort u. s. w. abgeschwindelten Dokuments feinem abhängigen Soldschreiber machen und allen Einflusses auf den Sozial- Demofrat" für immer berauben wollte. Seit jener Zeit hat Hofstetten mit Herrn v. Schweißer in feiner Weise etwas zu thun, weder etwas von ihm anzunehmen noch abzulehnen gehabt. Er besteht nach wie vor auf seinem vollen guten Recht und hat uns ermächtigt, in feinem Namen Herrn v. Schweizer für einen gemeinen Betrüger und ver dächtigen eigennütigen politischen Schwindler zu erklären. " Die Frau Gräfin v. Haßfeldt hinwieder hat nach der Generalversammlung von Barmen- Elberfeld durch Herrn Mende mehrmals aber vergeblich Hofstetten zu bewegen gesucht ,, für ein außergewöhnliches Honorar" seine Beschwerdeschrift gege Herrn v. Schweiger in der Freien Zeitung" veröffentlichen 3 lassen und die Redaktion der ,, Freien Zeitung" zu übernehmen. Hofstetten lehnte, wie gesagt, dies unter Angabe seiner Gründe und in einer weder für die Gräfin und Mende noch für Schweitzer schmeichelhaften Weise entschieden ab. Als hierauf Herr Roller, welchen die Gräfin befragt hatte, ob ihm denn gar feine zur Redaktion ihres Blattes befähigte Persönlichkeit bekannt sei, Herrn v. Hofstetten nannte und hinzufügte, er freilich nicht wisse, ob dieser sie auch übernehmen möchte, bemerkte die gräfliche Präsidentin mit naiver Entrüstung: Sehen Sie mir doch mit Hofstetten, der ist ja ein Narr; mit dem ist nichts anzufangen; er steht nicht auf dem Die neueste Haltung der Gräfin dagegen, welche früher fappter Marrianer, der es mit Liebknecht und mit Standpunkt Ferdinand Lassalle's und war von jeher ein ver Herrn v. Schweißer scheinbar zu bekämpfen hatte, wird durch diesen Leuten hält. Auch hätte er sich sonst nicht von einem einen von gewisser Seite erhaltenen Wink veranlaßt worden Schweizer" betrügen lassen." sein, dieser Wink aber durch die gewonnene Ueberzeugung, daß 11 daß Denselben Schweitzer, mit dem sie heute auch äußerlich die Agitationen der Gräfin auf die bisherige Weise nach keiner auf dem freundschaftlichsten Fuße steht, bezeichnete sie damals Seite hin von Erfolg begleitet und der Unkosten nicht werth noch als Verräther" und mit ähnlichen Schmeichelworten. waren, welche sie verursachten. Die Rolle, welche jetzt der edlen Dame zugedacht wurde, ist eine zweifache, eventuell dreifache. Erstens hat sie vor der Welt der Einfältigen im Geiste) je nach Umständen als die theilweise oder alleinige Urheberin des auf Herrn v. Schweitzer niederströmenden Goldregens zu *) Für die Richtigkeit der obigen Angabe können wir einen glaubwirdigen Zeugen namhaft machen. **) Auch hierfür können wir Zeugen anführen. Natürlich: " ,, Back schlägt sich, Back verträgt sich." Gegen- Erklärung. In Nr. 72 des Social- Demokrat" hat sich ein gewiffer Hr. Liebisch*) in Hamburg veranlaßt gefunden, eine mit der *) Er- ,, Agitator für Sachfen", in welcher Eigenschaft er uns viel Ueberschrift zum Schmäh- Artikel des Vorboten'" versehene Erklärung zu veröffentlichen. Es ist nicht meine Absicht, das ganze Geschreibsel des Hrn. Liebisch durchzuhecheln; nur die Hauptpunkte, die derselbe gegen das Organ der Internationalen Arbeiter Assoziation, sowie gegen den Redakteur desselben vorzubringen die Stirn hat, will ich hier hervorheben, um zu zeigen, daß wir es wieder mit einem von jenen jesuitischen Wahrheitsverdrehern zu thun haben, die in der Schweitzer'schen Gesellschaft nicht sehr selten zu finden sind.Hr. Liebisch sagt in feiner Erklärung gegen den ,, Vorboten" erstens: Das Internationale Prinzip: Proletarier aller Länder vereinigt euch! ist durch den Genfer Vorboten" von Joh. Phil. Becker in den Staub getreten worden." Wodurch dies geschehen, sagt Hr. Liebisch allerdings noch nicht. Doch bald werden wir's hören; aber gleichzeitig werden wir bemerken, daß wir es mit einer ,, Eintagsfliege" zu thun haben. 331 " " 1 Zöllner", diefe Wagener'schen Zauntönige im sozialen Reiche!" Ich bin zu Ende, Hr. Liebisch, und will Ihnen zum Abschiede nur noch Eins sagen: nämlich daß wir fest entschloffen sind, gegen jenes Berliner ,, Zöllner- und Zaunkönigthum" Krieg, unversöhnlichen Krieg zu führen, wegen des Schachers, den diese Junker" mit den armen Arbeitern treiben. Der Ruf: „ Proletarier aller Länder vereinigt euch!" wird nach wie vor von Genf aus durch die Welt ertönen, und nicht vom Berliner Zöllner- und Zaunkönigthum" dessen, Hr. Liebisch, dürfen Sie gewiß sein! Elberfeld. Rich. Schmelzer. Solingen, 7. Juli 1869. An eine geehrte Redaktion des ,, Demokratischen Wochenblattes" in Leipzig richten wir hiermit das Ersuchen, nachstehenden Artikel, welchen wir unterm 24. Juni ds. Js. an die Redaktion des„ Sozial- Demokrat" in Berlin zum Abdruck eingesandt, welchem Verlangen aber bis jetzt noch nicht nachgekommen wurde,( auch im Briefkasten ward nichts bemerkt) in die Spalten Ihres Blattes aufnehmen zu wollen. Warum hat die Redaktion des Sozial- Demokrat" die Veröffentlichung unseres Artikels unterlassen will sie das Recht der Vertheidigung auch beschränken? Mit Erstaunen lefen wir in Nr. 72 des ,, SozialDemofrat" einen Artikel von Hamburg, in welchem der alte unermüdliche Kämpfer für die Menschenrechte, Joh. Pht. Becker in Genf ein„ Zöllner" genannt wird. Ein ,, Zöllner" und Zaunkönig" Derjenige, welchen selbst Lassalle, der große Agitator, welchen aber Viele zum modernen Christus machen wollen Den Namen Lassalle im Munde, läßt Hr. Liebisch sich bernehmen wie folgt:„ Wir sind Lassalleaner, wie unsre Feinde uns auch nennen mögen, und wir fühlen alle im Herzen wohl, welche Aufgabe uns gestellt ist im Kampfe gegen die Ausbeu= tungssucht des Kapitals und der Reaktion". Also wirklich, mein lieber, bester Hr. Liebisch, Sie wollen auch wie Schweitzer in erster Linie die Ausbeutungssucht des Kapitals beseitigt wissen, und dann erst die polititsche Reaktion? Großer Herr Liebisch, von wem haben Sie das gelernt? Von Lassalle sicher nicht; derfelbe hat in erster Linie auf den freien demofratischen Volksstaat hingewiesen; dieser muß erst, ehe von einer vollständigen Beseitigung der„ Ausbeutungssucht des Kapitals" die Rede sein kann, errungen werden, woran allerdings bei Mende- Schweizer und Genossen im Eruſte nicht zu denken iſt. Hr. Liebisch sagt ferner: Jetzt kommt ein Genfer Zöllner, der sich au seine Brust schlägt und laut ruft: Gott der Liebe und Freiheit, ich danke Dir, daß wir hier nicht Lumpenproletarier sind und keinen unter uns dulden. Amen! Es gibt viele Zauntönige im sozialen Reiche, aber solche Allerweltsvormünder kann es nur in Genf geben". Hr. Liebisch, Hr. Liebisch, haben Sie gar nicht daran gedacht, als Sie die Wörtchen Zöllner" und Bauntönig" in Bezug auf den„ Vorboten" resp. auf dessen Redakteur niederschrieen, daß es Ihnen schwer fallen könne, jene perfiden Ausdrücke aufrecht zu erhalten? Wenn der„ Borbote" das Wort„ Kumpenproletariat" gebraucht, so bezieht sich dasselbe ich glaube, Sie wissen dies selbst nicht arbeitsscheue„ Führer" dieser Partei, die ja wirklich vorhanden sind, und die auch wirklich keine rein demokratische Richtung verfolgen, sondern nur Privat- und Sonder- Interessen tigte für Elberfeld oft genug an den Tag gelegt hat! Großer Herr Liebisch ,,, köstlicher Knabe", der Sie sind! Also Wörtern ,,, wie behauptet wird" angeführt; also behauptet es durch das Wörtchen Lumpenproletarier" ist bei Ihnen das jener Artikel nicht selbst. internationale Prinzip in den Staub getreten worden; mit " Verfasser bewußten Artikels möge doch noch einmal im Vorboten" Nr. 5 den Artikel, überschrieben Genf, 18. Mai, mit Bedacht und ohne Vorurtheil lesen als , Alters Präsident" bezeichnete, ein Beweis, daß Lassalle Becker's frühere Wirksamkeit für die Arbeiterfache anerkannt( und diese Wirksamkeit wird Becker nie aufgeben). Was nun der Hauptpunkt der Beschuldigung gegen den„ Vorboten" resp. Becker, wegen der ,, arbeitsscheuen, bestechlichen Proletarier" betrifft, so sind wir überzeugt, wenn überhaupt Becker der Verfasser jenes Artikels ist, daß er damit nicht die gesammte Mitgliedschaft des Allg. deutschen Arbeitervereins gemeint, sondern nur verschiedene Judividuen, denen, wie sie zur Genüge bewiesen, Dieses können wir be= vollkommen jener Titel gebührt. haupten, ohne eine Anspielung auf jene, in Nr. 72 des„ So= zial- Demokrat" genannten Personen machen zu wollen; und wenn in dem Artikel des Vorboten" von einer anderen, als streng demokratischen Richtung in Bezug auf den Allg. deutschen Arbeiterverein gesprochen wird, so wird dieses mit den Wir unserseits sind von Anfang an Mitglieder des Allg. Einem Male kann es jetzt nicht mehr existiren, darf es nicht deutschen Arbeitervereins gewesen und sind es auch noch länger aufrecht erhalten werden; gilt es doch jetzt, unter fühlen uns aber nicht im Geringsten getroffen, wenn man von ( dafür kennen wir Becker), daß er damit uns Proletarier in Rumpender Maske Lassalle's einen Kampf gegen die wirklich arbeitsscheuen, bestechlichen Lumpenproletariern spricht, nehmen demokratischen Brüder in Deutschland einzufädeln. auch jene Aeußerung Joh. Phl. Becker's nicht so auf Gilt es doch vor allen Dingen, diejenigen Partei und die= jenigen Partei- Elemente zu verläumden und zu verdächtigen, fleidern gemeint, sondern nur jene Schmaroßer, welche aus welche nicht auf dem Boden der ,, Blut- und Eisen" Politit schmutzigem Eigennutze unsrer großen allgemeinen Sache beigestehen wie Junker Menday*) und Junker Schweizer. Ha! Sehen Sie doch diese Bismard'schen Zöllner", sehen Sie Becker nicht widerstritten. Auch haben wir an Becker nie jenen doch diese Wagener'schen ,, Zauntönige im socialen Reiche" solche Allerweltsvormünder", Hr. Liebisch, sind allerdings nur treten sind; und daß es dieser Subjekte nicht auch dort gibt, hat Zöllner" gefunden, welcher an seine Brust schlagend ausruft: ich danke Dir Gott, daß ich nicht bin wie andre in Berlin und nicht in Genf zu finden! Wie sie so zwei- Leute! Was das Wort„ Zauntönig" gegen Becker gewendet felsohne" und unschuldsvoll im weißen Gewande dastehen und anbetrifft, so ist uns dieses Wort zu ordinär, um darauf auf ihre reine Vergangenheit zurückblicken, diese Bismarck'schen etwas zu erwiedern! Vergnügen und seinem Brodgeber viel Kummer verursachte. Da Der Verf. des Hamburger Artikels möge sich daher solcher unbegründeter, ordinärer Aeußerungen enthalten, und Schweitzer den Jntelligenzen" Krieg auf Leben und Tod angekündigt darauf bedacht sein, den Verein, dessen Wiedervereinigung(?) hat, so mußte fich Liebisch in der gegenwärtigen Krise natürlich auf Seite Schweiger's ftellen. *) Ein lateinisches Wort, das auf deutsch Lilgner heißt. sesal dia A. d. R. wir freudig begrüßen, von dem sogenannten ,, Lumpenproletariat"( Schmaroßern) zu befreien helfen, anstatt daß er jene Aeußerungen im ,, Vorboten" falsch auszulegen und, dieselben nach seinem Begriffe( wir wollen die ehrliche Meinung des Ver= faffers nicht im Geringsten verdächtigen) auf die ganze Partei auslegend, darzustellen sich bemüht. Im Auftrage: S. W. Moll. An die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen ArbeiterVereins sowie alle parteigenossen! Der Sozial- Demokrat", oder vielmehr der Redakteur v. Schweitzer, strengt sich ungeheuer an, seine Niederlage zu vertuschen. Die Sozial- Demokraten, welche abfallen, trotzdem fie Sozial- Demokraten sind und bleiben, werden weidlich Verräther u. s. w. geschimpft, weil sie die Möglichkeit eines Verraths durch das Zertrümmern der dieselbe bergenden Form be seitigen und nur den Geist der Lassalle'schen Lehre für die Hauptsache halten. Trotz dieses Schimpfens wird der Zusammensturz des Schweitzer'schen Gebäudes nicht aufgehalten, und aus den Trümmern desselben wird ein schöneres edleres Gebäude erſtehen, an welchem sich die Augen und das Herz eines jeden Arbeiters weiden werden. Was nun die würdige Vertretung der Partei durch Herrn c. v. Schweitzer betrifft, so wird doch jeder denkende Arbeiter einsehen, daß der Führer einer großen politischen Partei, wie der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein ist und sein soll, vor allen Dingen ein moralischer Mensch sein muß; und tein Arbeiter, der Vertrauen zur Führerschaft haben muß, darf einen Makel an demselben finden. Im gewöhnlichen Leben verzeiht man Fehler der Menschen, aber auf dem Gebiete der Politit muß Reinheit des Charakters die erste Grundbedingung bilden, da ohne dieselbe alle höheren edleren Ziele, als Befreiung eines Volks oder eines Theils desselben, nur in den Staub der Erniedrigung gezogen und zu egoistischen Zwecken benutzt werden. Inwiefern v. Schweizer die Partei würdig vertreten hat, darüber möge Folgendes Auskunft geben: In Gotha hatte sich bei der Nachwahl zum Reichstag im April d. J. ein national- liberales Wahlcomité gebildet, dem ein sozial- demokratisches Wahlcomite nach Schweitzer's Ansicht als besondere Thüringer Arbeiterbewegung eine Sünde!!! gegenüber stand. 1 Im national- liberalen Comité hatte der hiesige Justizrath Hr. Sterzing allerdings aus Aerger, daß wir Sozial- Demokraten bei der Wahl selbstständig vorgingen geäußert: ,, Er begreife nicht, weshalb wir mit Schweißer so eine Begebenheit machten, derselbe habe beim Frankfurter Schützenfest 2000 ft. unterschlagen." Als echte Mitglieder des Allgemeinen Deutschen ArbeiterVereins, und weil unser Ansehen bedeutend gelitten, war es unsere Pflicht, die Wahrheit oder Unwahrheit dieser Behauptung zu erforschen. Ich schrieb deshalb an Hrn. Sterzing, ob er diese Aeußerung wirklich gethan und ob er dieselbe beweisen könne, worauf mir derselbe einen Brief*) zugehen ließ, in welchem die Beschuldigung gegen Hrn. von Schweizer im vollften Umfange aufrecht erhalten wird. Wir bekamen natürlich einen merkwürdigen Begriff von der Ehre unseres Präsidenten, ferner von der Art und Weise, wie c. Schweitzer die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins resp. die Ehre des Arbeiterstandes vertritt und erfuhren auch, daß Hr. Schweißer sich vor der Einrede der Wahrheit wahrscheinlich gefürchtet, denn Hr. v. Hofstetten soll den Thatbestand als wahr bestätigt haben. Ich frage die Mitglieder der Partei, kann ein solcher Mann, der nach Alinea 2 des§ 6 des früheren Statuts des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins vom Vorstande deshalb ausgestoßen werden muß, weil er durch seine sittliche Haltung die Würde des Arbeiterstandes beeinträchtigt hat, Präsident eines solchen Vereins sein? Es ist uns aus diesen Gründen auch ganz gleichgültig, ob uns Hr. c. Schweitzer Verräther nennt oder nicht, wir hätten für ihn passendere Namen; da wir es jedoch mit der Sache und nicht mit Bersonen zu thun haben, so glauben wir bes rechtigt und verpflichtet zu sein, blos solche Thatsachen zur Veröffentlichung bringen zu müssen, welche der Sache Schaden zufügen können, trotzdem sie von einzelnen Persönlichkeiten nicht zu trennen sind, ohne uns auf Schimpfereien einzulassen. Die Begriffsverwirrung ist so groß nicht, wie Hr. Schwei zer meint, wenn wir behaupten, daß er einen Staatsstreich im Kleinen ausgeführt habe; ist nicht Louis Bonaparte auch ,, vom Bolte gewählt" und wird Hr. Schweißer behaupten können, daß Napoleon feinen Staatsstreich ausgeführt habe? Der sogenannte Staatsstreich des c. Schweißer liegt nicht in der Abstimmung über die Vereinigung, sondern er liegt hauptsächlich in der da durch erfolgten Beseitigung der auf der General- Versammlung zu Barmen- Elberfeld berathenen Statuten. Die Vereinigungs frage wurde blos als Lockspeise geboten, um die Arbeiter in die Despotenfalle zu locken, aus der sie sich kaum mühsam be freit hatten. Also Arbeitsbrüder, schaart Euch zusammen, kämpft mit uns sowohl in unserer Partei und mit derselben gegen jede Tyrannen- Macht, Lug und Trug!!! J. Nippoldt, Namens der Gothaer Sozial- Demokraten. Herr Roller theilt uns mit, daß er auf Grund der ver läumderischen Notiz in Nr. 72 des ,, Sozial- Demokrat" gegen Grüwel( den nominellen Redakteur) und Schweizer bei der Staatsanwaltschaft wegen öffentlicher Verläumdung und Be leidigung die Verfolgung beantragt habe. ( Fortsetzung im Hauptblatt.) Vermischtes. *** Unter dem Titel:„ Vom spanischen Revolutions und Geschichten von Gustav Rasch, wird in der Wiener schauplaze." Spanische Zustände, Charakteristiken Berlagsbuchhandlung von A. Hartleben in der nächsten Zei ein Buch erscheinen, welches die gegenwärtige Lage Spaniens schildert. Sämmtliche Schilderungen aus Madrid, Burgos, Damit war also nicht allein c. Schweitzer, sondern mit Sevilla, Cadix, Cordoba, Malaga, Barcellona u. f. w. find halb unserm Bertreter auf der General- Versammlung in Barmen- Elberfeld Hrn. J. M. Hirsch in Erfurt Brief, mit dem Auftrage Hrn. Dr. v. Schweizer zu ersuchen, alle Charakteriſtiken der einzelnen Persönlichkeiten, beispielsweise aus eigener Anschauung des Verfassers entstanden, sowie diesen der ehemaligen Königin Isabel, ihres Gemals Francisco von Assis, Pater Claret's, der Nonne Patrocinio, gegen Hrn. Sterzing Klage zu führen resp. sich zu vertheidigen, Prim's, Serrano's, Topete's, von den Führern der republi ter hat sich aber nicht nur nicht vertheidigt, sondern auch noch fultat persönlicher Bekanntschaft oder ihm in Madrid zugäng erklärt ,,, da hätte er viel zu thun, wenn er den Gothaer Mitgliedern zu Gefallen flagen solle!" lich gewordener amtlicher Quellen und Mittheilungen von in Als das Ziel der spanischen Revolution stellt der Verfasser den früheren spanischen Hofkreisen verkehrenden Personen find. *) Wir haben den Brief, welcher dem Manuskript dieser Erklärung die Republik hin, deren Proclamirung nach seiner Anschauung beigelegt war, an Hrn. Nippoldt zurückgesandt. D. R. Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Braustr. 11). unzweifelhaft und nahe bevorstehend erscheint. Verlag: F. Thiele. } Leipzig.{ Expedition: Beierspraße 18