Demokratisches Wochenblatt. Orgar: der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. No. 30. Leipzig, den 24. Juli. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Blaze einschließlich Bringerlohn 121 Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Nichter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Universitätsstraße, und die Expedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Gendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Inhalt: Politische Uebersicht. Aus Desterreich. Zum Congreß Contra Schweitzer- Hatzfeldt( Mende). Bororts- und Arbeiter- Angelegenheiten: Der 6. Vereinstag; Zur Beachtung für den Congreß und Bereinstag; Nürnberg, Hainichen, Altenburg, Crimmitschau, Mütfen St. Nitlas, Berlin Leipzig. Brieftasten.Anzeigen. Beilage: Aus England. Contra Schweizer- Hatzfeldt( Mende). Politische Uebersicht. Bankerott des Cäsarismus in Berlin und in Während Graf Bismard auf seinem Landgut der Baris. Papierfabrikation lebt und sehnsüchtig nach einem ,, Staatsmanne" ausschaut, der verwegen genug ist, die Lenkung der festgefahrnen Nordbundskutsche zu übernehmen, ist die Maschinerie des fran zösischen Kaiserreichs vollständig in's Stocken gerathen. einigen Tagen schilderte ein, nicht durch ,, Unversöhnlichkeit" auszeichnendes Blatt, der Gaulois", die Lage wie folgt: Vor fich ,, Wohin gehen wir? Der gesetzgebende Körper, der in seinem Schooße 55 beanstandete Mitglieder zählt, ist vertagt; der Senat eristirt noch nicht, da er auf den 2. Auguſt einbe rufen ist; ein Ministerium giebt es nicht mehr, da die Minister ihre Entlassung eingereicht haben. Es iſt unmöglich, ein neues und wirkliches Stabinet zu bilden 1) weil die konstitutionelle Reform, welche die Unverträglichkeit der Funktion des Miniſters mit der Stellung als Deputirter aufhebt, vom Senat noch Entſchluß gefaßt haben, um deffentwillen sie zu beglückwünſchen sind; Emile, Ollivier, Buffet, Talhouet und Latour- du- Moulin haben nämlich erklärt, daß sie nicht eher ein Portefeuille an= gestellt ist. Wir haben folglich kein Ministerium mehr, keinen ntöglich und der Senat tritt noch vor dem 2. August zusam men. Das ist das Resumé der Situation, welche noch er= Die Beeinflussungen und Fälschungen auf seine Schultern genom= men hatte, hat seinen Posten behalten weil kein Andrer zu finden war. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. finden war. Ehrlichkeit hatte nie etwas mit dem Kaiserreich zu schaffen nun wendet sich auch das unehrliche Talent von ihm ab, denn es will nicht in den Sturz des morschen Baues verwickelt werden. Unmittelbar vor der Entfernung Rouber's ſagte der alte Thiers in einem Gespräch: Sehen Sie, es ist von den Fürsten nichts, absolut nichts zu hoffen, sie sind ohne Ansnahme kleinLich, engherzig und unglaublich verstockt. Nehmen Sie nur den unfrigen, der doch seine Erhebung nur einem Akte des Boltswillens(??) verdankt. Ist er nicht ebenso beschränkt, als jei er legitimen Ursprungs? Man muß durchaus mit der veralteten Regierungsform brechen. In der Exwartung von Besserem mache ich mich verantwortlich, mit der Niederwerfung des Vizekaisers Rouher zu beginnen." Nun, der Vizekaiser ist gefallen. Jetzt hätte also der Erminister Louis Philipp's an dem staiser selbst sein neugebacnes Müthchen zu fühlen. gebacknes Müthchen zu fühlen. Der braucht sich aber nicht vor ihm zu fürchten. Auch Er wird fallen aber nicht durch Thiers, ebenso wenig durch die redeluſtigen Herren vom Schlage der Jules Favre und Garnier Bagés. reich mit ängstlichen Blicken. Rouher, der jest bei Seite geschoben ist, galt als Gegner der Kriegspolitik, man besorgt, der Kaiser werde sich in seiner Verlegenheit nicht anders zu helfen wissen, als durch eine Aktion nach Außen. Mit diesen Befürchtungen hängen die Gerüchte von einer beabsichtigten Wiedereinsetzung der„ depoſſedirten" Fürſten zusammen. Wir legen denselben übrigens kein Gewicht bei, denn obgleich der status quo in Preußen und Deutschland unhaltbar in den Bereich der Unmöglichkeit. schwert wird: 1) durch die offen ausgesprochene sehr lebhafte ist, so gehört doch eine Rückkehr zu den Zuständen vor Unzufriedenheit der 55 beanstandeten Deputirten, welche durch die Brorogation in eine sehr peinliche Lage kommen; 2) durch die unangenehme Ueberraschung, welche die Bekanntmachung der Bertagung int, Offiziellen Journal", ehe sie der Kammer mitgetheilt worden war, in letterer hervorgerufen hat; 3) endlich durch die allgemein verbreitete, und durch eine Aeußerung bor dem Monat Oktober nicht wieder zusammentreten wird. Seitdem ist die Verwirrung, das„ Gachis", um einen drastischen französischen Ausdruck zu gebrauchen, noch ärger geworden. Nicht einmal zu einem Bedientenwechsel hat die Rouher, das Haupt des sogenannte ,, Ministerkrise" geführt. Kabinets, ist allerdings für den Moment geopfert worden, allein die andren Lafaien find im Amt geblieben, und der ,, Miniſter" des Innern, Herr Forcade de la Roquette, der in der Kammer die Verantwortlichkeit für die bei der letzten Wahl geübten phrafenbalte( Sharatter- und Brinziplosigkeit. *) Bohl am Besten durch Mittelpartei" zu übersezen dieselbe 1866 Wie in Preußen, das ja den Schutz der Deutschen in Auslande auf seine Fahne geschrieben, resp. von den Nationalliberalen sich hat darauf schreiben lassen, die eigenen Unterthanen zu schüßen vermag, wird durch folgenden Vorgang, ben die ,, Königsberger Hartung'sche Zeitung" mittheilt, aufs Neue " illustrirt: Am 6. d. M. fuhr der Bäckermeister Busse von Willenberg nach der zwei Meilen entfernten Grenzstadt Chorzillen, wie er das wöchentlich ein paar Mahl zu thun pflegte. Auf der dortigen Zollfammer angehalten, erklärte er auf Befragen, daß er außer dem Futter für seine Pferde nur Geld zum Ankauf von Waizen bei sich führe. Er mußte letzteres vorzeigen und wurde, da sich sieben Rubel Kupfermünze( rusfiche) vorfanden, verhaftet, die sieben Rubel, sein übriges Geld, Pferd und Wagen aber confiscirt, weil angeblich verboten sei, mehr als drei Rubel Kupfermünze über die Grenze zu bringen. Nur mit Mühe gelang es ihm, für seine Person loszukom= men, nachdem er noch fünfzehn Rubel bezahlte, die er sich von einem ihm bekannten Juden lieh. Folgenden Tages erhielt 2c. Busse sein Fuhrwert zwar auf Reclamation unseres Bürgermeisters, aber erst, nachdem er nochmals und zwar im Ganzen 75 Rubel bezahlt hatte, zurück. Es scheint, als ob durch solche und ähnliche Chicanen von Seiten der russischen Grenzbeamten der preußsche Grenzverkehr mit Rußland vollständig unterdrückt werden soll, denn daß ruſſiſches Papiergeld nicht nach Polen herübergebracht werden darf, wiffen wir längst, und außer diesem und der unter dem Namen ,, Brummer" bekannten Scheidemünze existirt kein anderes Geld in Polen. Was helfen uns, die wir an der der russischen Grenze wohnen und auf den Grenzverkehr angewiesen sind, Zollconventionen mit Frankreich, Italien und Amerika, was helfen uns Kartelconventionen, norddeutsche Generalconsulate und Militärbevollmächtigte? Der russische Beamte kehrt sich an Nichts, hat er es doch nur mit einem ,, Nemiec"( Deutschen) zu thun." " Jm ,, Staat der Intelligenz" werden für's Militär jährlich von den Staatseinahmen nicht weniger als 47 Proc. verwen= det, für Unterricht und Bildung des Volkes aber nur- 4 Proc.! Die Folge davon ist, daß die Erziehung, zumal der sogenannten untersten Volksklassen in unglaublicher Weise vernachlässigt ist. Dafür spricht unter anderm die traurige Thatsache, daß von den in den Jahren 1859-1861 eingelieferten männlichen Sträflingen 13,3 Proc. weder lesen noch schreiben fonnten; 18,9 Proc. konnten lesen aber nicht schreiben; von den weiblichen Sträflingen konnten 25 Proc. weder lesen noch schreiben und 27 Proc. lesen aber nicht schreiben. Dafür spricht ferner, daß im Jahre 1861 durchschnittlich 16,8 Proc. schulpflichtige Kindr ohne allen Schulunterricht waren und in der Metropole der Intelligenz selbst, in Berlin sogar 26 Procent. Dafür spricht schließlich der Gehalt der Schullehrer, welcher nach den in dem Hause der Abgeordneten vorgelegten Akten= stücken an manchen Orten nicht einmal dem Lohn der Maurer gefellen, der Fabrikarbeiter, ja manchmal nicht dem eines TageLöhners gleichkommt, dessen Aufbesserung aber, so oft sie auch verlangt worden ist, aus dem einfachen Grunde nicht erfolgen, oder doch nur in gänzlich ungenügender Weise erfolgen kann, weil Kasernen und Soldaten die Staatseinnahmen verschlingen. ,, Der Militarismus ist mehr als je vorherrschend. Der Regent ist Militär, der Ministerpräsident desgleichen. Auch sind die Soldaten die einzige klasse, welche regelmäßige Zahlungen erhält, und auf welche Ausgabebeschränkungen feine Anwendung erleiden. Jeden Tag wird diesem oder jenem Punkte der Verfassung zuwider gehandelt, so besonders durch Verlegung der garantirten persönlichen Sicherheit." Dieses wahr heitsgetreue Bild entwirft das Organ des Grafen Bismarck, die ,, Norddeutsche Allgemeine Zeitung". Freilich sie spricht von Spanien, und daß sie mit den dortigen Zuständen unzufrieden ist, dünkt uns ein recht hoffnungsvolles Symptom. Nach dem Erkenntniß eines preußischen Gerichts in Hannover ist es erlaubt, den Nordbund eine ,, Zwangsjacke" zu nennen, foftet es aber 15 Thlr. Strafe, von einem ,, norddeutschen Bundesfäfig" zu reden. Ad notam zu nehmen. Zu fühnen und zu büßen, schreibt die ,, Frankfurter Zeitung", wäre Manches im Nordbund. Wir glauben aber kaum, daß die Diocesanversammlungen des Königreichs Sachsen an die Sünden, die wir vor Augen haben, gedacht, als sie sich zu dem Beschlusse einigten, beim Bundesrath die Herstellung einer gleichmäßigen Bußtagsfeier im ganzen norddeutschen Bunde zu beantragen. Die Zukunft" vertraut dem Scharf sinn ihrer national- liberalen Freunde, daß sie den mächtigen Einheitszug, der in diesem Wunsche weht, nicht verkennen und in nächster Reichstagsfession zum mindesten den Antrag auf einen versteht sich verantwortlichen Bundes- Mühler darauf gründen werden. 331 Herr Beust hat wieder ein Rothbuch veröffentlicht, und darin seinem norddeutschen Nebenbuhler verschiedene boshafte Siebe beigebracht. Unter anderm schreibt er in einer der publizitten Depeschen über die rumänische Angelegenheit: ,, Die au die rumänische Regierung gerichteten energischen Abmahnungen mußten wir an die Oeffentlichkeit bringen. Es waren besonders auch die Länder der ungarischen Kroue, welchen wir diese Genugthuung schuldeten. Wenn dabei auch auf die Politik des Landes, welchem Fürst Karl durch seine Geburt angehört, einige Streiflichter gefallen find, fo wird wohl überhaupt kein politischer Bericht aus Bukarest die Fäden, die zwischen dieser Stadt und Berlin gezogen sind, ignoriThatsachen konstatirt. Vielleicht hätten wir in einem Berichte des ren dürfen. Wir haben uns nicht mit Konjekturen befaßt, sondern Freiherrn von Eder die Stelle, die von einer persönlichen Einwirkung des Königs von Preußen spricht, unterdrücken können, aber auch bei der sorgfältigsten Sichtung des Materials fann es geschehen, daß hie und da eine wünschenswerthe Emendation des Tertes unterbleibt. Will man sich über die Depesche an den Grafen Karoly beklagen, worin wir unsere Bereitwilligkeit aussprechen, wegen des Orients mit Preußen Verständigung zu pflegen, zugleich aber den Mangel an Gegenseitigkeit in dieser Beziehung tonstatiren? Legt Preußen nicht Werth auf den öffentlichen Ausdruck jener Bereitwilligkeit, so muß uns doch wenigstens unbenommen sein, die Nichtigkeit des Geredes zu zeigen, als ob es bloß von uns abhänge, im Orient den vollsten Eintlang zwischen den Bestrebungen der norddeutschen Macht und den unserigen zu erhalten. Aber der Sympathien Süddeutschlands haben wir uns förmlich und feierlich belobt! Verletzt auch dies in Ber lin, so muß ich entgegnen, daß wir im Prager Frieden zwar auf jede Einmischung in deutsche Verfassungs- Angelegenheiten verzichtet haben, daß aber nicht nur das Recht uns geblieben ist, Sympathien zu kultiviren, wo wir sie finden, sondern man uns fraft jenes Vertrags auch erlauben muß, gerade auf selbstständige Gesinnungsesses Werth zu legen. Hätten wir aus Norddeutschland übrigens ähn Aeußerungen der süddeutschen Staaten aus Gründen des eigenen Interliche Berichte über Theilnahme der dortigen Bevölkerung an unserer Verfassungs- Entwicklung erhalten, wir würden sie sicher ebenso gern der Deffentlichkeit übergeben haben. Aufrichtig gesprochen, Graf Bismard hat einst gesagt, die norddeutsche Verfassung sei für die Süddeutschen zu liberal", es kann also nicht in seinem Sinne liegen, uns vorzu werfen, daß wir aus dem Liberalismus unserer Institutionen politisches Kapital schlagen wollen." Am 12. Juli wurde der widerspenstische Bischof von Linz vom Schwurgericht zu Linz wegen ,, Widersetzlichkeit zu vierzehntägigem Gefängniß verurtheilt, was großen Jubel beim liberalen Bürgerthum hervorrief. Zwei Tage später wurde der Bischof vom Kaiser begnadigt. Die gefangenen ,, SozialDemokraten" sind nicht begnadigt worden. In Brünn, dem ,, österreichischen Manchester", fam es am 16. ds. zu einer furchtbaren Arbeitermezelei. Obgleich seitdem 8Tage verstrichen sind, ist der Hergang doch noch nicht aufgeklärt, aber so viel steht fest, daß das Verfahren der Behörden ein durchaus ungerechtfertigtes war. Die Arbeitermezeleien machen die Runde durch die Welt. Seraing, Mold*), Genf( hier allerdings nicht mit tödtlicher Wirkung), St. Etienne und nun Brünn! Die Worte des Kaisers von seiner„ Theilnahme für die ärmeren Klassen" haben ihren blutigen Commentar gefunden. In der absoluten Monarchie, in der konstitutionellen Monarchie, in der Republik mit Königen, wie man den belgischen Muster staat genannt hat, in der Republik ohne Königüberall Verfolgung der Arbeiter, Polizeibrutalität, Gewalt thätigkeit bis zur Niedermegelung. ,, Da seht Ihr's, rufen die ,, reinen(?!) Sozialisten" vom Schlage des Herrn Schweizer- da seht Ihr's, Eine Staats form ist so schlecht wie die andere, wir werden von der Bour geoisie unter jeder Staatsform verfolgt, ergo fämpfen wir einzig und allein gegen die Bourgeoisie und fümmern wir uns nicht um oie Staatsform." nicht um die Staatsform." Wahr ist hieran nur, daß auf den Namen der Staatsform nichts ankommt, daß es ziemlich gleichgültig ist, ob die Klassenherrschaft unter republikanischer, constitutioneller oder despotischer Firma ausgeübt wird und daß sich gegen die Klassenherrschaft als solche und unter jeder Berkleidung unsere Anstrengungen zu richten haben. Aber dies ändert Nichts an der Thatsache, daß ein Gesellschaftszustand, der auf Gleichheit der Individuen beruht, also die Klassenherrschaft überwunden hat, nur in einem freien Staat oder sagen wir gleich, in einem Freistaat ge dacht weiden kann, woraus denn weiter folgt, daß, wer die freie Gesellschaft anstrebt, auch den freien Staat anstreben muß. *) In England.( S. unsere Rundschau in Nr. 24.) Die Session des ungarischen Reichstags ist zu Ende. Die wichtigste Debatte betraf das Justizwesen, welches in Ungain noch mittelalterlich barbarisch ist; und obgleich die Debatte kein positives Resultat hatte, so warf sie doch solch grelle Schlagschatten auf die Justizverwaltung, daß das Bedürfniß nach einer Reform sich mit unwiderstehlicher Kraft Bahn brechen muß. 335 Trotz der offiziellen Siegesberichte aus Cuba greift dort der Aufstand immer mehr um sich. Die Londoner ,, Times", welche in solchen Dingen einen sehr feinen Justinkt hat, redet bereits der Postrenuung der Colonie von Spanien offen das Wort. Die Brasilianer verbreiten wieder Siegesbulletins. Da sich die früheren niemals bestätigt haben, glauben wir auch an die neuen nicht. Von Berlin schreibt man uns unter dem 19. d. Mts.: nung Sonnabends früh das ,, Demokratische Wochenblatt" in der Redaktion des ,, Social- Demokrat" erwartet und sein Juhalt verschlungen wird. Namentlich hat die letzte Nummer des ,, Wochenblatts" dort furchtbar eingeschlagen, Schweizer war wie vor den Kopf geschlagen. Die Enthüllungen über die Elberfelder Wahl, sein Verhältniß zur Berliner Polizei und seine Gefängnißhaft waren tödtliche Hiebe für ihn, er entsch loß sich noch selbigen Tages, den Rest feiner Haft anzutreten, um den erhobenen Beschuldigungen die Spize abzubrechen. Die Mauern der Stadtvoigtei sind indeß für ihn nicht undurchdringlich, er wird, wenn auch im Gefängniß sißend, der geistige Leiter des Kampfes im ,, Sozial- Demokrat" sein, da Tölcke's täppisches ungeschicktes Wesen dem Kampfe nicht gewachsen ist. Tölcke hat die Führung der Schweißer'schen auf dem Eisenacher Congreß übertragen erhalten." Ich bin fern davon" schreibt ein Korrespondent der ,, N. freien Presse" aus Pest- ,, für Ungarn eine Revolution zu prophezeien. Die materiellen Interessen schlingen tausend Neße um die sonst so fampfbereiten Arme, sie wirken bestvik- ,, Sie machen sich keinen Begriff, mit welch' unbehaglicher Spankend und mildernd auf die innersten Komitate hinein. Aber ohne blutige Zusammenstöße wird die Zertrümmerung der Sippenherrschaft nicht möglich sein, denn seines Lebens wehrt sich der Mensch, und wehrt sich das Junkerthum mit Verzweiflung. Eine wirkliche Demokratisirung des Staates ist auch unter dem jetzigen Stabinete nicht denkbar, denn letzteres repräsentirt nicht das Bürgerthum, ſtützt sich nur hin und wieder auf dieses. Der Kampf, der im Augenblicke ausgerungen wird, ist vorherrschend ein Streit zwischen hohem und Kraut- Adel. Die Aristokratie ist naturgemäß gebildeter, einsichtiger als der Bundschuh- Adel, welch letzterer, mit den seltensten Ausnahmen, ohne jeglichen Unterricht aufwächst. Der eben in Ungarn ganz ein3ige Umstand, daß ganze Bezirke adelig sind, daß- nach nach meiner ungefähren Schätzung unter den fünf Millionen magyarischen Seelen sich etwa 700,000 Adelige befinden, führt freilich oft die wunderlichsten Berwickelungen herbei. Die von dem Komitatsadel betriebene Opposition ist oft wirklich demokratisch), d. h. auf Gleichberechtigung Aller hinzielend, weil eben stellenweise alle Welt adelig ist. Andererseits sind wieder die Regierung und die Reichstags- Majorität demokratisch, weil sie die Zerbrechung der Adelsmacht austreben. Dazu tritt noch der Umstand, daß die Nichtmagyaren, also zwei Drittel der Bevölkerung, femen Adel befizen, sintemal mit feltenen Aus nahmen der Adel magyarisirt ist, daß also auch das Verhält niß der beiden kämpfenden Parteien zu den Nationalitäten je den Augenblick anders wird. So entsteht ein seltsames Durch einander, ein gegenseitiges Abnüßen der Kräfte. Das aber ist es gerade, was eine bessere Zukunft verheißt, denn bei der numerischen und Charakter- Schwäche des Bürgerthums, das immer nur frei denti, nie frei handelt, ist es unmöglich, daß jenes durch eigene Kraft das Joch des Junkerthums abschüttle. Die beiden Adelsparteien müssen sich erst erheblich schwächen." Die Spanischen Cortes haben sich auf zwei Monate ver tagt. In einer der letzten Sigungen stellte Garrido, der bekannte Republikaner, den Antrag, eine parlamentarische Commission niederzusetzen, welche über Maßregeln zur Bess rung der Lage der arbeitenden Klasse berathen solle. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Wir legen diesem Beschluß keine allzugroße Bedeutung bei, möchten aber doch fragen, wo ist in Europa eine zweite Volksvertretung, die einstimmig einen solchen Beschluß gefaßt hätte, oder zu fassen gewillt wäre? Man will in Madrid eine Militärverschwörung endeckt haben, welche die Wiederherstellung der absoluten Monarchie bezweckte. Mittlerweile arbeitet die republikanische Partei mit unermüdlichem Eifer an ihrer Organisation. Diese ist bereits so weit vollendet, daß man sie als Grundlage der fünftigen Republik betrach ten kann. Nachdem sich die einzelnen„, Bundesstaaten" gebildet und ihre Mittelpunkte gewählt haben, ist jetzt auch der erste Schritt geschehen, das gemeinsame Band herzustellen, welches die ver schiedenen Glieder umschlingen und den Mittelpunkt der ConCatalonien, Valencia und den balearischen Inseln hat soeben Was unser Berliner Freund uns unter dem 19. schreibt, wird durch den ,, Sozial- Demokrat" vom 21. d. Mts. bestätigt. Schweißer nimmt darin einen rührenden Abschied, um seine 8wöchentliche Gefängnißhaft abzubüßen und hofft, nach seiner Befreiung den Allg. Deutschen Arbeiter- Verein stärker denn je zu finden. Tölde erläßt einen Aufruf für Beschickung des Congresses in Eisenach und fordert auf, Geldsendungen an den Kassirer Herrn Hasenclever in Halver zu richten. Das letztere hätte er sich ersparen können, die Fonds für Beschickung des Congresses liegen bereits in Berlin, von Schweizer deponirt, zu seiner Verfügung. Alle Beschuldigungen aber, die wir gegen Dr. Schweizer erhoben, schweigt der Sozial- Demokrat" einfach todt. 11 PP Eines Arbeiters Widerlegung der national ökonomischen Lehren John Stuart Mill's" von J. George Eccarius.( Berlin, Verlag von Albert Eichhoff.) Diese meisterhafte Schrift, auf die wir unsere Leser bereits aufmerksam gemacht haben, ist endlich erschienen und von Arbeitervereinen zum Preis von 5 Sgr. zu beziehen. Soeben ist in Broschurenform erschienen: ,, Das Ziel der deutschen Volkspartei." Rede des Abgeordneten Dr. J. Jacoby, vor seinen Berliner Wählern am 30. Jan. 1868. Zweite, durch einen Anhang vermehrte Auflage. Königsberg. Th. Theile's Buchhandlung. Aus Oestereich. Wien, 15. Juli. Wir wundern uns, daß Ihnen über die jüngste in Linz abgehaltene Volksversammlung keine näheren Nachrichten zugegangen find. Sie bot des Interessanten so viel, daß es sich sehr wohl der Mühe lohnt, auch jetzt noch darauf zurückzukommen. Hervorgegangen aus einer Berſtändigung der Wiener Sozial- Demokraten mit dem Linzer Arbeiterverein, erregte sie besonders auch deßhalb in den weitesten Kreisen Aufmert Vorsitzende Manuel Bes Hediger zeigt seinem caftilischen Colle- samkeit, weil die Affaire des widerspänstigen Bischof's auf der Aus Wien waren tüchtige Männer getommen, um auf dem Hauptplay von Oberösterreich einen gefunden Boden zur Entwicklung der sozial- demokratischen Prinzipien zu schaffen. Die Versammlung fand unter freiem Himmel gen Orense einen gefaßten Beschluß an ,,, den übrigen Bundes- Tagesordnung stand. tagen eine Zusammenkunft von Vertretern vorzuschlagen, um ein Schutzbündniß zur Sicherstellung der in der SeptemberUmwälzung ausgerufenen Grundfäße zu beschließen." statt und viele Tausende waren aus Nah und Fern erschienen. Erfreulich und interessant war namentlich die große Menge von Landleuten, welche mit lebhafter Aufmerksamkeit den Reden folgten und die schlagenden Auseinandersetzungen mit großem Beifall belohnten. Fünf Punkte der Tagesordnung behandelten die allgemeinen Fragen, Wahlrecht, Vereinsrecht u. s. w. Der legte galt, wie gesagt, dem Bischof Rudigier. Dies mochte die Ursache sein, daß außer dem Landvolk auch das Bürgerthum sehr zahlreich vertreten war. Schey von Wien hatte den Herrn Bischof auf's Korn genommen und endloser Beifall folgte seinen marfigen Worten. In seinen zahlreichen Nutzanwendungen über Concordat u. s. f. traf er stets den Nagel auf den Kopf und die freudige Erregung des Landvolkes läßt hoffen, daß die freien Worte nicht spurlos vorübergehen werden. Ist es doch bei den dermaligen Zuständen der Gesellschaft schon viel werth, wenn auch nur ein Windhauch von Freiheit den Bauern um die Köpfe bläst. Das gilt anderswo, noch viel mehr aber in Desterreich! Daß das nationale Denken, so weit es sich im Bürgerthum darstellt, heutzutage von den Zeitungen fabrizirt wird, dieser Satz hat auch hier seine erschreckende Wahrheit. Nicht genug, daß deshalb nie und nirgends auch nur ein prinzipieller Gedanke das Tageslicht erblickt, die öffentliche Meinung ist, auch wieder deßhalb, dazu verdammt, sich ewige Zeit mit den geringfügigsten Dingen von der Welt zu quälen. Wir wollen es dem Herrn Bischof verzeihen, wenn er sich der Regierung gegenüber widerspenstig zeigt, das ist auch unsere schwache Seite; daß er aber durch seine Weigerung, nicht vor Gericht zu erscheinen, 2 Monate lang tagtäglich seitenlange Leitartikel und andere schöne Meditationen heraufbeschworen hat, das können wir ihm nicht verzeihen. Der Herr Bischof ist besser daran als wir, er faltet die Hände und liest all' das dumme Zeug nicht, was gegen ihn geschrieben wird. Wir aber sind verurtheilt, die Zeitungen zu lesen und sind überglücklich, wenn wir nach 14 Tage langem vergeblichem Suchen endlich irgendwo ein Sandforn des Verständnisses gefunden. Der Liberalismus hat es trotz seines Zetergeschrei's gegen die Ultramontanen in ganz Desterrich zu keiner irgendwie bedentenden Kundgebung gegenüber den Uebergriffen der Kirche gebracht; auch in der Rudigier'schen Sache mußten es die Arbeiter übernehmen, fkurz und schlagend der Kirche gegenüber den Standpunkt des Volkes zu wahren. Das Bürgerthum freut sich herzlich darüber, wie Jeder, dem ein Anderer die Kastanien aus dem Feuer holt. Die gemeinschaftlichen Delegationen von Ungarn und Desterreich tagen nun auch wieder, und somit hat die innere Politik wieder ihren Schneckengang begonnen. Wir haben uns schon längst daran gewöhnt, von diesen Regierungsmaschinerien keinerlei reelle Arbeit zu erwarten, sodaß wir bald auch das ober= flächlichste Interesse für sie verlieren. Nicht bloß ihre Thätigkeit sondern schon der Augenblick, wo sich das Rad in Bewe gung setzt, ist für uns schädlich, da wir ihre ganze Wirkungszeit hindurch keine Volksversammlungen unter freiem Himmel abhalten dürfen. So lautet nämlich ein§ der Verfassung. Ein freier Windzug wird von derartigen Körperschaften nicht gut ertragen. Jüngst brachte das„, Baterland" Organ der feudalen und flerifalen Partei, einen Leitartikel, welcher das Wiener Leben nach allen Seiten hin in schrecklichen Farben malt. Vergnügungssucht, Leichtsinn, Gleichgültigkeit, Tanzmusit, ein Volksfängerthum in zotenhaften Liedern u. s. f. sind noch die mildesten Ausdrücke, in welchen das Medium geschildert wird, welches der Wiener athmet. 336 Gestern haben in Wien die ersten Schwurgerichts verhandlungen begonnen. Von der Reaction Anfangs der 50er Jahre aufgehoben, stellen die Schwurgerichte nunmehr eine der wichtigsten Errungenschaften der neuen Aera dar. Möchten sie sich auch in den Verfolgungen gegen uns bewähren; nur die Zukunft kann es lehren. Bischof Rudigier wurde zu 14 Tagen Kerker verurtheilt und unmittelbar darauf vom Kaiser begnadigt. Der Staatsanwalt hatte 6 Monate beantragt. Wehmüthige Erinnerung beschleicht uns an unsere Freunde, die schon Monate lang im Kerfer fizen, und doch hatten sie die Regierung nicht stärker angegriffen als seine Hochwürden. Aber dieser sprach im Namen Gottes er wird begnadigt; jene spra chen im Namen des Volkes sie werden gefesselt! Ein anderer Prozeß, der vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelt wird, erregt die öffentliche Aufmerksamkeit auch im höchsten Grade. Der Redacteur einer ziemlich radicalen Zeitung, Scharf, hatte einen der größten Börsenmatadore, Namens Schiff, in mehreren Artikeln sehr stark angegriffen und ihm schmutzigen und gemeinen Handel an der Börse vorgewor fen. Dieser flagte auf Ehrenbeleidigung und Scharf hatte seine Angaben zu beweisen. Der Prozeß wirft ein grelles Schlaglicht auf das Treiben an der Börse. Die ersten Finanz größen Wien's waren als Zeugen geladen, ihre Aussagen be stätigten den Satz, daß all' diese Helden der Börse wie Kletten zusammenhalten, und wenn man Einen sticht, schreien sie alle laut auf. Scharf sprach zwar das stolze Wort, er habe der Geldaristokratie den Fehdehandschuh hingeworfen, aber im Laufe der Unterhandlung ergab sich, daß es Privatverluste an der Börse waren, welche ihn zu diesem an sich guten Schritte veranlaßt hatten. Für uns wird vor Allem ersichtlich, daß das Spiel am grünen Tisch rosige Unschuld ist gegenüber dem verwerflichen Schacher, welcher um Existenzen würfelt und von der Höhe einiger Millionen herab ungestraft seine versengenden Blize nach allen Seiten hin schleudert. Wer in diesem speciellen Falle von Beiden Recht hat, weiß ich nicht Doch es will mich schier bedünken Daß der Rabbi und der Mönch, Daß sie alle Beide stinken. wird uns geschrieben: Zum Congreß Es war gar nicht zum Verwundern, daß Hr. v. Schweißer sich entschlossen hat, eine möglichst große Anzahl ,, Laffalleaner" nach Eisenach zu senden, um daselbst die üblichen Ruhestörungen ausführen zu lassen. Je nachdem dabei ein„ Sieg" zu e warten wäre, würde er sich auch höchftselbst an dem glorreichen Unternehmen betheiligen. Das Unehrenhafte, was darin liegt, hat für ihn und seine Leute" nichts zu bedeuten, er hat sic ja schon längst über das Urtheil der Welt hinweggesetzt sie haben fraft ihrer herrlichen Organisation Nichts zu ( die straffe militärische Ordnung bringt's so mit sich), son dern einfach auszuführen, was der„ Präsident der Menschheit anordnet.run und denken Verwunderlich ist es aber, daß die Redaktion des De mokratischen Wochenblattes" gegen die beabsichtigte Störung unseres Congresses nicht Wittel zur Abwehr vorschlägt, son dern Herrn von Schweizer sagt, er möge nur fommen. Wenn es sich hierbei um ein parlamentarisches Duell handelte, so müßte zwar eingehalten werden, daß wir in Gisenach ausgesprochener Maaßen zusammen kommen wollen, u uns gegenüber Hrn. v. Schweißer und seinem" Verein zu Leider ist daran nur zu viel wahr! organisiren, daß also hierüber gar nicht mehr zu debattiren ist, allein man könnte den geistigen Kampf, zur Aufklärung etwa noch unklarer Köpfe, wohl aufnehmen. Dem ,, demokratischen" Tagblatt bot dieser Entrüftungsschrei willkommenen Anlaß, um furchtbar gegen das ,, Vaterland" zu Felde zu ziehen. Es bewies, daß in Wien allerdings 30 bis So steht die Sache aber nicht. Herr von Schweizer 40,000 Lumpen beiderlei Geschlechts leben, die übrigen Bewird sich sehr hüten in parlamentarischer Form mit uns zu wohner aber seien lauter ehrliche, brave Leute. Unter allen rechten, für ihn handelt es sich einfach um einen Akt brutaler in so despektirlichem Tone zu reden. Nur gemüthlich! Durch Standalszenen. Wer, wie er, hierbei Geld hat, um Söldlinge zu entsenden, wem das rohefte Material zur Verfügung steht, der ist Sieger. An Geld aber werden es die Schweitzer- Hatzfeldt'schen Hintermänner für so schöne Zwecke nicht fehlen lassen und das Andere findet sich auch. bon pizdy 250 Die einfachste Kriegstaktik, das Interesse unsrer Sache und die Rücksicht auf die materiellen Opfer, welche Delegirte und Vereine für den Congreß bringen, gebieten aber, denselben würdig und ersprießlich durchzuführen; ich schlage deßhalb vor, die Einberufer des sozial- demokratischen Congresses zu Eisenach mögen erflären: Jn Anbetracht daß Herr von Schweißer die Absicht hat, den projektirten Congreß durch seine Anhänger zu beschicken, daß dies aber ausgesprochener Maaßen lediglich zu einer Bereitelung des Congreß- Zweckes beabsichtigt ist, beschließen wir: ds daß nur solche Delegirte Eintritt zum Congreß haben follen, welche nicht nur nicht vom Präsidium des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins abgesandt sind, sondern in ihren Mandaten den ausdrücklichen Auftrag haben, als Gegner des Herrn von Schweitzer und der jetzigen Organisation des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins aufzutreten. Julius Vahlteich. ( Hierzu haben wir folgende Bemerkungen zu machen: Wir dürfen Schweißer feine Gelegenheit geben, zu triumphiren. Wir dürfen Schweizer keine Gelegenheit nehmen, sich zu blamiren. Wir können Niemand ausschließen, der sich den Bedingungen des Aufrufs unterwirft. Wir werden Niemand zulassen, der sich diesen Bedingungen nicht unterwirft. Jeder ehrliche Arbeiter, der kommt, auch mit der Absicht uns entgegenzutreten, ist willkommen. Jeder bezahlte Standalmader wird behandelt werden, wie er es verdient. Uebrigens sind wir der Ansicht, daß Schweitzer's Hauptzweck, als er die Beschickung des Congresses anfündigte, der war, die Eisenacher Polizei zu einem Verbot des Congresses zu bestimmen. Eine Ueberrumpelung fündigt man nicht vier Wochen vorher an. D. R.) Durch ein Versehen kam unter die Unterschriften des Aufrufs zum Congreß der Name des Hru. Kuhlmann. Statt deffen hätten für Bielefeld die Namen Heidbrind und Herbot stehen müssen. Ferner bittet man uns zu berichtigen, daß Hülfiep, Hillmann, Röll und Schmelzer( Elberfeld) als Mitglieder der Internationalen Arb.- Assoziation unterzeichnet haben. Daffelbe gilt auch von Seyferth, Taute und Werner in Leipzig. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß eine genaue Sonderung nicht möglich war, weil sehr viele der unter an dern Gruppen Aufgeforten gleichzeitig der Internationalen Arbeiter- Assoziation angehören. ( Fortsetzung aus der Beilage.) Contra Schweitzer- Hatzfeldt( Mende). Gewerkschaft der Schneider, Kürschner und Kappenmacher. Da für uns die Spalten des„ Sozial- Demokrat" nicht hören dahin auch Diejenigen, welche die Flugblätter oder andere Arbeiterorgane lesen, den ,, Sozial- Demokrat" soll Jeder als die allein seligmachende Zeitung lesen. Herr Liebisch und Consorten thäten flug, wenn sie ebenfalls andere Schriften und Blätter außer dem„ Sozial- Demokrat" läsen, vielleicht dämmerte dann auch bei ihnen die Erkenntniß. Die Mainzer Mitglieder fühlen sich veranlaßt, folgende Erklärung abzugeben: Die Mainzer Mitglieder erklären sich in den Verbandsangelegenheiten vollständig mit dem Vorgehen des Präsidenten Schob einverstanden und fordern sämmtliche Mitglieder auf, den bevorstehenden Congreß in Eisenach zu be= schicken und beantragen die Einberufung einer Generalversammlung nach dem Congreß. Zweitens beantragen die Mitglieder von Mainz die Supendirung des Präsidenten zu unterlassen, da dazu keine genügenden Gründe vorliegen und Herr Schob das vollste Vertrauen der Mainzer Mitglieder besigt. Mainz, 15. Juli 1869. Im Auftrage J. Leyendecker. Die Altenburger Holzarbeiterschaft hat folgende Erklärung zu Gunsten des Präsidenten York gefaßt: In Erwägung, daß Hamburgs Mitglieder durch Drohung des Austretens aus der Holzarbeiterschaft eine Pression auf die kleineren Mitgliedschaften ausgeübt; in Erwägung: daß der Vicepräsident Oskar Lehderer in Hamburg durch elende Mittel und jesuitische Verdächtigung unsern jeßigen ehrenwerthen Präsidenten Th. York vom Amte bringen und sich dessen Posten aneignen will; in Erwägung: daß derselbe Lehderer, weil er Bevollmächtigter der Hamburger Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins geworden und um nun seine knechtische Gesinnung gegen Schweizer zu zeigen, die Zersplitterung in unsere Gewerkschaft gebracht( und nicht, wie er behauptet, Hr. York) auch dadurch den Anlaß zu den andern Gewerkschaftsfämpfen gegeben hat, beantragen die Altenburger Mitglieder: Ostar Lehderer von seinem Amte abzusetzen. Sollte dieses nicht geschehen, sondern der Jesuitismus triumphiren, so daß York abgesetzt wird, so erklären die Altenburger Mitglieder ihren Austritt und werden sich den Nürnberger Holzarbeiter- Congreß- Beschüssen anschließen." ( Die Holzarbeiterschaften von Braunschweig, Wiesbaden, Mainz, Erfurt, Altona u. j. w. haben sich ebenfalls für Hrn. York erklärt. Auf dem Nürnberger Congreß kommt unzweifelhaft die Einigung zu Stande. D. R. d. D. W.) Erklärung. Es scheint, als ob theilweise die Mitglieder des noch jetzt bestehenden Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins mit denselben Lügen zu Tage treten, wie es bis jetzt Herr von Schweitzer gethan. So finden wir in Nr. 81 des ,, Sozial- Demotrat" einen Bericht des Hrn. Nadge von 7. ds. M. worin es heißt, es seien 26 der tüchtigsten Mitglieder dem Vereine treu geblieben. Wir können nicht mit Bestimmtheit sagen, daß es jetzt 26 sein mögen. Jedoch in der Versammlung am 26. Juni ergab sich das Resultat, daß 12 für Schweißer, 34 aber gegen SchweiBer waren. Ferner führt Nadge an, daß sich die Zahl bald verdoppeln würde. Wir glauben schwerlich; denn die paar alt bewährten Mitglieder, die dem Berein treu blieben, überzeugen sich allmählich von der Wahrheit und kommen zu uns deren Blättern der Partei zum Abdruck zu bringen. Arbeiter! Herrn Nadge fragen, welche Mitglieder er für die tüchtigsten oder die es wirklich durch die That bewiesen haben und heute trat" Herr Liebisch veröffentlicht und seht, wie man gegen unfern Bräsidenten Echob vorzugehen sucht, weil derfelbe noch beweisen? nicht mit Herrn von Schweizer einverstanden ist. Beantragen Denn wir fämpfen für die Sache, nicht für die Person, 11 diese Herren doch sogar Suspendirung Schob's! Man sagt: wir fördern die Wahrheit zu Tage und treten die Lügen mit wer nicht für uns ist, ist wider uns, d. h. mit andern Worten, Füßen. Freilich ist dies eine Unterwühlung", indem wir erst wer die Fußsohlen des Herrn von Schweißer nicht gehorsam die Wahrheit aus dem Pfuhl der Lüge herauswühlen müssen. füßt, ist ein Verräther an der Partei. Selbstverständlich ge= Dazu können sich Diejenigen aber nicht verstehen, die auf die 566 Worte eines einzelnen Mannes zehn Eide schwören, der selbst durch Lug und Trug seine eigne Souveränität zu wahren sucht. Für uns steht Herr v. Schweizer um fein Haar besser, als ein sogenannter Todtengräber. Denn hier sieht man's nur zu klar: Wer andern Gruben gräbt, fällt endlich selbst hinein. Der Wahrheit bleibt der Sieg! Wolfenbüttel, den 18. Juli 1869. Im Auftrage der sozial- demokratischen Arbeiter C. Müller und Geffers. An die Mitglieder des allgemeinen deutschen Schuhmacher- Vereins. Der Ausschuß des Allgemeinen deutschen Schuhmacher Vereins hat mich auf den Verdacht hin, mit andern Parteien in Verbindung zu stehen, meiner Funktion als Präsident des Vereins enthoben und ein Directorium eingesetzt, welches eine Neuwahl angeordnet und mir außerdem den jetzt gäng und gäbe gewordenen Titel Verräther beigelegt hat. Was nun die Schimpfereien und Verdächtigungen anbetrifft, so werde ich nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, sondern mich lediglich darauf beschränken, Klarheit in die Situation zu bringen. Collegen, niemals habe ich mit einer Gegenpartei in Verbindung gestanden, sondern nur den Wunsch ausgesprochen, sämmtliche focial- demokratischen Arbeiter zu vereinigen; ferner habe ich offen erklärt, daß wir uns von Herrn v. Schweizer und der Frau Gräfin v. Hatzfeldt lossagen wollen: dann habe ich einen Verband befürwortet ohne die Führung Schweizer's und dazu habe ich Gründe genng, die zwar alle hier anzuführen zu weit führen würde. Collegen, ich will nichts mit einem Manne zu thun haben, der nach meiner vollen Ueberzeugung nur für die preußische Regierung Propaganda macht! Wir wollen Staats- Hülfe, teine Regierungs- Hülfe und Bevormundung, und wenn Herr von Schweiger den Muth hat, sich mit mir in eine Diskussion einzulassen in Gegenwart unparteiischer Männer, so werde ich demselben die Beweise bringen, daß er es nicht ehrlich mit den Arbeitern meint; ich werde den Arbeitern beweisen, daß wir der Spielball einiger ehrgeiziger und habsüchtiger Führer waren, und die Arbeiter, welche heut im blinden Fanatismus Jeden für einen Verräther ansehen und ausschreien, der nicht in das Horn des Herrn von Schweißer bläft, würden dann anders denken und handeln. Ich für meinen Theil halte es immer noch für besser, Berräther genannt zu werden, als in Wirklichkeit einer zu sein. Collegen, da ich zur Einsicht gekommen bin, so mußte ich mich lossagen von Herrn v. SchweiBer. Thut Jhr es nicht, so kann ich es nicht hindern, ich erfläre aber hiermit wiederholt, daß ich mit keiner Gegenpartei in Verbindung gestanden, daß ich mich vielmehr nur losgesagt habe von einem Mann, der es vielmehr verstanden, die Arbeiter firre zu leiten und der uns nimmer zum Siege führen wird. Darum, Collegen, handelt nach Eurem Gewissen, nach Recht und Pflicht, und die Zeit wird kommen, wo auch Ihr einsehen werdet, daß ihr von meinen Feinden, die auch die Euren sind, unter der Maske der Freundschaft hintergangen worden seid. Also nochmals, ich kann nicht ferner mit Herrn v. Schweitzer gehen und werde es nicht thun! Es lebe eine einige sozial demokratische Arbeiterpartei! Mit Gruß und Handschlag Berlin, 10. Juli 1869. Männer der Arbeit! Deutsche Sozial- Demokraten! L. Schumann. Endlich ist es Tag geworden, die Morgensonne der Selbstbestimmung geht über dem so lange in Schatten der Ver= trauens- Nacht versunkenen Volke auf. Es ist Tag, deutsche Mannen, für Euch geworden, und in blendender Helle seht Ihr in die argliftigen, verschmigten, von Selbstfucht verzerrten Züge Eurer seitherigen Führer! Welches ehrliche Arbeiterherz empört sich nicht bei dem Anblick dieser Gestalten, welche fernigschwielige Faust balit sich nicht bei Erkenntniß ihrer Schlech tigkeit und schmutzigen Thaten! Wir waren Angeführte im wahren Sinne des Wortes wir waren mit sehenden Augen blind blind in dem Wahne, daß es Ehrlichkeit noch auf der Welt gäbe, und oaß Diejenigen, die sich zu Führern des Volts aufwerfen, am ehrlichsten sein müßten. Wir sind geheilt von dieser Krankheit und müssen die Wiederkehr derselben verhüten. 10 Nehmen wir daher unsere Regeneration selbst vor- hal ten wir fest an den unwandelbaren Prinzipien der Demokratie und dem Rechte der Arbeit; eilen wir hin ins Thüringerland; Lasset uns auf der Höhe der Wartburg die Warte der deutschen Arbeiterverbrüderung bauen, kräftig und urdeutsch sei dort unser Wort und unsere Handlung hinaus soll es tönen als Evangelium der Völker, die frei sich geeint zu frischer That ein Echo sollen unsere Beschlüsse finden im Herzen jedes ehrlichen Arbeiters, in jeder für Völkerfreiheit glühenden Seele. Eine Organisation werde geschaffen, getreu im Geiste un seres großen Meisters Ferd. Lassalle; fern aber halte sich jene Hydra, jener Vertrauensdusel, der uns jetzt so tödtlich verwun det. Der freie Mann übe frei sein Recht nieder mit alleu cäfaristischen Bestrebungen das sei fortan unsere Pa role! Drum auf, Ihr Brüder in allen Gauen unseres schönen Vaterlandes, reicht Euch die Hand zu wackerer männlicher That, entfendet allüberall Eure Vertreter, die Ihr geprüft als solche gebt ihnen den Willen als Befehl auf den Weg, der ausgesprochen in den erhebenden Worten unseres Dichters ,, Wir wollen sein ein einig Volf von Brüdern, In keiner Noth uns trennen und Gefahr!" Mit Brudergruß Ulm, 14. Juli 1869. C. Freundfchuh, Präsident des Lassalle'schen Allg. deutschen Arbeitervereins. Erklärung. Wie wir durch Zufall erfahren, führt uns der„ Sozial Demokrat" immer noch als Mitglieder des Algemeinen Deut schen Arbeiter- Vereins auf; denunzirt uns aber auch zu gleicher Zeit wegen der rückständigen Beiträge pro Mai und Juni. welche Wir erklären andurch, daß wir nicht gewillt sind, uns von dem Expräsidenten Schweißer noch länger am Narrenfeil herumführen zu lassen, und bemerken wir nur noch, daß es eine Frechheit sondergleichen ist, Leute wie Bonhorst 2c., dem Verein ihre besten Kräfte gewidmet und in jeder Hinsicht unbescholten dastehen, der Bestechlichkeit zu beschuldigen. Ze teres tann auch nur ein Mann vom Charakter Schweiger's Der Congres wird jedenfalls diese Bestbeule, welche der Sozial Demokratie seither angehangen, vertilgen. Auf zum Congreß! Fernere Zusendungen wolle man für die Folge an den Unter zeichneten und nicht mehr an den Bevollmächtigten Carl Jüngst, welcher abgereist, richten. Herborn in Nassau am 16. Juli 1869. Im Namen der hiesigen Mitglieder rieſigen A. Heinz. Vororts: und Arbeiter- Angelegenheiten. Sechter Vereinstag des Verbands deutscher Arbeitervereine. Montag, den 9. August dieses Jahres in Eisenach. Tagesordnung: 1. Bericht des Vororts. 2. die Frage: welche Stellung soll der Verband zu der neuen Organisation der sozial- demokratischen Bartei einnehmen? event. Auflösung des Verbandes. Wir erwarten, daß kein Ort auf dem Arbeiterkongreß und Vereinstag unvertreten bleibt, denn die Verhandlungen sind hochwichtig und entscheidend für die Stellung der gesamm ten deutschen Arbeiterpartei. Kann ein Ort für sich selbst 339 ftändig teinen Deputirten schicken, dann vereinige man sich zu diesem Zwed mit den Nachbarorten. Die Mandate für den Vereinstag find von den Mandaten für den Arbeiterkongreß zu trennen; es sind also je zwei Mandate, eins auf den Arbeiterkongreß, das andere auf den Ver: einstag lautend, auszustellen. Leipzig, den 11. Juli 1869. Der Vorort: Bur Beachtung für den Congreß und Vereinstag. Die Deputirten zum Congreß und Vereinstag fordern wir hiermit auf, ihre Reise so einzurichten, daß sie bis zur Vorversammlung, Sonnabend den 7. August Abends 8 Uhr in Eisen a ch eingetroffen sind. Der Congreß wird im Saale des ,, goldnen Löwen" abgehalten, und werden die Deputirten gebeten, sich nach ihrer Ankunft sofort dorthin zu begeben um ihre Mandate abzu geben und gegen Legitimationstarten einzutauschen. Ohne Legitimationskarte hat Niemand auf dem Congreß Zutritt. Weiter ersuchen wir die Deputirten, die Fahrkarten nur von einer Bahn zur andern zu entnehmen, weil dadurch, indem auf vielen Bahnen das Gepäck extra berechnet wird, eine Preisermäßigung eintritt, auch die auf den meisten Bahnen eingerichteten mehrtägigen Tages( Retour-) Billete dann benutzt werden können. Braunschweig, 12. Juli. Die Fahne der nationalen und internationalen Einigung der Arbeiter ist in Deutschland erhoben, gegenüber einer Vereins- Willkürherrschaft, die sich über jedes Leben in wahrhaft demokratischer Form hinwegsetzte und welche die nach politischer und so= zialer Befreiung, sowie nach Einigung ringenden Arbeiter zum Werkzeug einer absolutistischen Reaction herabwürdigen wollte. Der Allgemeine deutsche Arbeiter- Verein in seiner jetzigen Form wird sein Scheinleben nur noch kurze Zeit fristen( mag die preußische Polizei ihn hätscheln oder nicht); aus der Asche aber wird sich neues, großes, wahres Leben entfalten in der Einigung aller sozial- demokratischen Arbeiter Deutschlands, die auf dem nach Eisenach berufenen Congreffe am 8. August ds. Js. diejenige Form des Vereinslebens finden wird, die den heutigen Zeitverhältnissen angemessen ist und ein gemeinschaftliches Wirken mit der internationalen Arbeiter- Assoziation verbürgt. Zu dieser Einsicht sind die Arbeiter Braunschweigs jetzt vollständig gelangt. Nach mehreren freien Versammlungen sozialdemokratischer Arbeiter, in denen alle Verhältnisse der Partei gründlich diskutirt wurden, fand am 8. Juli im Odeon eine große Arbeiter- Bersammlung statt, diesen Gegenstand, an der sich n. A. Bracke, Ehlers, Bonhorst( Wiesdie von circa 1000 Mann besucht war. Aus der lebhaften Debatte über baden), Spier( Wolfenbüttel), Großkopf( Berlin), Streif, Kirchner und Ebeling betheiligten, ging folgende Resolution als Majoritätsbeschluß ( gegen eine oder zwei Stimmen) hervor: Die am 8. Juli 1869 im Odeon in Braunschweig stattfindende Versammlung von circa 1000 Arbeitern erklärt sich für die Aufrufe der Herren Bracke, Bonhorst, Geib 1. A. gegen Dr. von Schweitzer und beschließt, den auf den 8. August ds. Js. nach Eisenach berufenen Allgemeinen deutschen sozialdemokratischen Arbeiter- Congreß durch Delegirte zu beschicken." Am Schluß der Versammlung brachte Herr von Bonhorst ein dreifaches Hoch auf die Ronsdorfer Arbeiter, Lassalle's alte Garde, unter begeisterter Zustimmung der Versammlung aus; auch das vorher von demselben angeſtimmte Hoch auf den Congreß riß die Versammlung zu jubelnder Begeisterung hin. Sainichen, 20. Juli. Hier hat sich eine Mitgliedschaft der Internationalen Gewerksgenossenschaft der Manufaktur- Arbeiter An die Direktorien der ,, Thüringer Eisenbahn", Leipzig Dresdner Eisenbahn" und" die„ Sächsischen Staatsbahnen" haben wir Gesuche gerichtet, die Tagesbillete von Sonnabend früh, dem 7. Aug., bis Dienstag Abend, den 10. Aug. für die Deputirten zum Congreß gelten zu lassen. Bis heute gebildet, die gegen 30 Mann start ist. Nächsten Sonntag werden hat das„ Direktorium der Leipzig Dresdner Eisenbahn" zutimmeno geantwortet, von den beiden andern Verwaltungen find noch keine Antworten eingetroffen. 11 Die Deputirten, welche die gewährte Vergünstigung be= nußen wollen, haben sich bei dem Unterzeichneten zu melden, um eine Karte als Legitimation gegenüber den Bahnbeamten in Empfang zu nehmen. Die Deputirten des sächsischen Voigtlandes und Erzgebirges werden am Besten die Tour von Gößnig über Gera nach Weißenfels einschlagen. A. Bebel. Leipzig, den 20. Juli 1869. Bebel, Vorsitzender. Baer, Schriftführer. Hadlich, Kassirer. Ullrich, Martin, Thebus, Schmalz, Beisitzer. Den Verbandsbeitrag haben bezahlt: Gohlis, Saalfeld, Nürnberg, Bernsdorf, A.-B.-V. Crimmitschau, V.-B. Zwickau, B.-B. Hohenstein- Ernstthal. 31. ds. M. einzusenden. Leipzig, den 20. Juli 1869. Die noch rückständigen Beiträge sind bis spätestens den Für den Vorort: A. Bebel. Zürich, den 18. Juli. Unterzeichneter bittet alle Gelage bestehen, um Zusendung ihrer Statuten zur Agitation. werksgenossenschaften, welche auf internationaler GrundHermann Greulich. Neumünster- Zürich. Das Fest wird für uns die Nürnberg, 19. Juli. Bom herrlichsten Wetter begünstigt, bielten toir gestern ein Arbeiterverbrüderungsfest auf der Lilienau, wo sich etwa 3000 Menschen eigefunden hatten. Es war ein prächtiges Feft und trugen die verschiedenen Reden hauptsächlich zu einer gehobenen Stimmung bei. Herr Dr. Schäfer aus Berlin, Sprecher der freien Gemeinde und Mitglied des demokratischen Arbeitervereins dort, hatte die eigentliche Festrede übernommen. günstigsten Folgen haben. Nicht nur haben sich sehr Viele zur Aufnahme in unfern Verein gemeldet, sondern wir haben auch viele Anfnüpfungspuntte nach auswärts gewonnen, die unsern Bestrebungen förderlich sein werden. In Mögeldorf soll in Folge dessen in dieser Woche eine Arbeiterversammlung stattfinden, ebenso in Schweinau. Auch aus Amberg und Erlangen find Aufforderungen an uns ergangen, hinzukommen und zu agitiren. wir eine Zusammenkunft mit den Burgstädter und Mittweidaer Gesinnungsgenossen haben, bei der wir uns über die Gewerksgenossenchaft und über die Beschickung des Eisenacher Congreffes verständigen wollen. Altenburg, 18. Juli. Die hier bestehende Holzarbeiterfchaft hat Herrn R. Blanchard als Deputirten zum Eisenacher Congreß tratischen Vereine unseres Ländchens zu einer Conferenz einzuladen ernannt, auch beabsichtigen die hiesigen Parteigenossen die sozial= demozum Zweck weiterer Einigung bebuss Beschickung des Congresses. Crimmitschau, 19. Juli. Habt Ihr die Soldaten im Dienst schon betrachtet, die als Bremser in Militär- Uniform bei täglicher Auslofung von 12 Sgr. auf der sächsisch- westlichen Eisenbahnstrecke studiren? Ju Preußen sollen Soldaten als Heizer und Führer auf den Maschinen prangen. Bismarck ist schlau! Und wenn es sonst heißt: Pacis firmamenta, belli instrumenta( versichere Dich des Friedens durch die Waffe des Krieges), so setzt er dazu: Belli firmamenta, pacis instrumenta( versichere Dich des Krieges durch die Waffe des Friedens). Macht's ihm nach! = Mülsen St. Niklas, 19. Juli. Am gestrigen Tage fand im hiesigen Meisterhause eine Bolksversammlung behufs Gründung einer Gewerksgenossenschaft für Manufaktur, Fabrik und Handarbeiter statt, in welcher, außer einigen Freunden und Gesinnungsgenoffen aus Zwickau, auch Herr Julius Motteler aus Crimmitschau anwesend war, welcher uns in bekannter gediegener Weise Auskunft über Wesen und Zweck bejagter Genossenschaft ertheilte. Wir wurden vollständig überzeugt, daß durch Gründung derartiger auf Gegenseitigkeit beruhenden Versicherungsgesellschaften gegen Noth und unverschuldete Arbeitslosigkeit ebenso wie gegen ungerechte Bedrückung und Ausnutzung der Arbeitskraft dem so= zialen Uebel, das so schwer auf uns laftet, die Art an die Wurzel ge= legt wird, und sind wir recht zahlreicher Theilnahme bereits versichert. Der öffentlichen Beurtheilung übergeben wir noch folgende Kostenberech= mung, die uns für Gestattung unserer Versammlung vom Gerichtsamt Hartenstein zugefertigt wurde! Thlr. 212221 250 12 1 10 Liq. jud. Ngr. 5 Pf. Eing. Bem. 5 Bescheinigung. = 3 = Reinschr. = 5 = 5 = = = 3 = = Bufertigg. Reinschr. Behändiggs. Bem. Kostenverz Sa. Hierzu Botent. und Behändigg. Reisevergütung für den zur Verfammlung abgeordneten obrigteitlichen Deputirten. 1 Thir. 27 Mgr. 3 Pf. Sa. ( Daß die Behörde die Versammlung untersagte, weil dieselbe vom Berein und nicht von einer Person angezeigt war, dazu hatte sie leider nach dem bestehenden Vereinsgesetz vom 22. Nov. 1850 das Recht. Auders aber steht es mit der aufgestellten Liquidation. Diese ist willkürlich und ungesetzlich. Mag sein, daß auf Grund irgend einer alten, uns unbekannten Verordnung die Polizeibehörden ein Recht haben, für ibre schriftlichen Arbeiten eine Gebühr zu erheben; nie und nimmer aber dürfen für Abordnung eines obrigkeitlichen Deputirten Entschädigungstoften, wie hier geschehen, in Anrechnung gebracht werden. Wir fordern unsere Parteigenossen nachdrücklich auf, bei der Kreisdirektion Beschwerde zu führen und bis zum Austrag der Sache die Zahlung der Liquidation zu unterlassen. Eine zweite Beschwerde über eine sonderbare Auslegung des Vereinsgesetzes geht uns aus Reichenbach im Voigtlande zu. Der dortige Arbeiterverein hatte die Absicht, sich auf Grund des vom Vorort entworfenen Statuts für sozial- demokratische Arbeiter- Vereine, welches das Programm der Juternationalen Arbeiterassoziation an der Spize trägt, zu konstituiren, und deshalb das Statut bei dem Gerichtsamt eingereicht. Unterm 14. Juli aber ward dem Vorsitzenden des Vereins folgender Bescheid zu Theil: Herrn Moritz Löscher hier zu eröffnen, daß der socialdemokratische Arbeiter- Verein nach§§ 20 und 24 des Vereinsgesetzes vom 22. Nov. 1850 als ein verbotener Verein anzusehen ist, weil er den demofratischen Staat anstrebt und die Zusammenwirkung mit anderen gleichgesinnten Vereinen zur Aufgabe hat. Demnach können die eingereichten Statuten nicht genehmigt werden. Königliches Gerichtsamt Reichenbach." Der angezogene§ 20 des Vereinsgesetzes lautet: Bereine, in deren Zweck es liegt, Gefeßzübertretungen oder unfittliche Handlungen zu begehen, dazu aufzufordern oder geneigt zu machen, find verboten." Wir haben schon oft erklärt, daß unser stock reaktionäres Vereinsgesetz der Beamtenwillkür Thür und Thor offen halte; die Auslegung des§ 20 durch das Reichenbacher Gerichtsamt ist der beste Beweis hierfür. Weil in dem Programm ausgesprochen wird, daß die soziale Frage nur im demokratischen Staat gelöst werden könne, der demokratische Staat deshalb erstrebt werden müsse, deshalb ist der Verein in den Augen des genannten Gerichtsamts ein Verein, der Gesetzes= übertretungen begeben, dazu auffordern oder geneigt machen will", und es verbietet ihn deshalb! Die Reichenbacher Parteigenossen werden gut thun, den Beschwerdeweg zu betreten, damit sie und die Arbeiter in ganz Sachfen erfahren, ob die höhere Verwaltungsbehörde die reaktionäre mne beschränkte Anschauungsweise des Reichenbacher Gerichtsamts theilt. Wir wollen indeß schon heute erklären, daß, wenn das Reichenbacher Gerichtsamt mit seiner Auslegung des Vereinsgesetzes Recht behält, mindestens sämmtlicher sächsischer Arbeitervereine ver boten werden müssen, denn diese alle haben die Verwegenheit, der Meinung zu sein, daß der demokratische Staat erstrebt werden muß. 6 Auch die Bezugnahme auf§ 24 des Vereinsgesetzes von Seiten des Reichenbacher Gerichtsamts ist interessant. Der§ 24 lautet: Ber= eine, deren Zweck sich auf öffentliche Angelegenheiten bezieht, dürfen nur dann Zweigvereine bilden und sich mit andern Vereinen in Verbindung setzen, wenn sie das Recht der Körperschaft erlangt haben und ihnen jene Rechte ausdrücklich mit ertheilt worden sind." Dieser Paragraph tann mit Fug und Recht auf das Statut für sozial- demokratische Vereine gar nicht bezogen werden. Es ist in demselben mit keiner Silbe von Verbindung mit andern Vereinen die Rede. Es scheint vielmehr, als habe das Reichenbacher Gerichtsamt in seinem Eiser, staatsgefähr liche Verbindungen zu entdecken, sich verführen lassen, Worte auders zu lesen, als sie auf dem Papier stehen und ihr Sinn bedeutet. Im letzten Absatz des Programms heißt es nämlich, daß es ,, der sozialdemokratische Arbeiter- Berein für seine Pflicht halte, gleiche und ähnliche Bestrebungen der Arbeiter aller Länder mit Rath und That zu unterstützen". Wie in aller Welt kann man das verbieten? Hier ist doch von einer Verbindung mit andern Vereinen, wie sie das Gesetz verbietet, keine Rede; gleichwohl faßt das Reichenbacher Gerichtsamit diese Worte so auf und findet darin einen Grund zur Verwerfung der Statuten. Wir sind sehr gespannt auf die Entscheidung der andern Berwaltungsinstanzen; entweder man lehnt die Auslegung des Reichenbacher Gerichtsamts ab, oder man acceptirt sie. Im letzteren Falle ſte= hen wir hübsch neben Mecklenburg, nach Umständen auch noch hinter Mecklenburg; der Amtmann aber ist gleich einem chinesischen Mandarin: was Er sagt und will, das gilt. D. Red. des Dem. W.) Berlin, den 20. Juli. Heute haben 6000 Maurer die Arbeit eingestellt. Die Meister sind uncinig, der Sieg gewiß. 11 Leipzig, 21. Juli. Gestern hielten die Maurer und Zimmerleute im Bantheon" eine Versammlung, in der Hr Präsident" Lübkert aus Berlin einen Vortrag über Gewerkschaften hielt. Die Versammlung war sehr schwach, höchstens von 400 Personen besucht. Das Interessanteste war, daß Hr. Lübkert mittheilte, fie( die Schweißzerianer) wür den in Maffe in Eisenach erscheinen, und wer von ihnen fein Mandat yabe, dem werde für eins gesorgt. Also Bestätigung Dessen, was wir bereits in letzter Nummer des Dem. Wochenblatts" anzeigten. Die Herren Schweitzerlinge mögen kommen, wir werden mit ihnen fertig. Von Berlin ist die Weisung bier angelangt, mindestens Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. Redattion: Braufir. 11). 340 10 Mann zu bestimmen, welche den Congreß besuchen sollen. Wegen des Geldes brauche man sich keine Sorgen zu machen; es sei genng vorhanden.( Heidenmäßig viel"?) Leipzig. Circa 70 strikende Cigarrenarbeiter sind jest mit der Fabrikation von Eigarren beschäftigt, und ist das Publikum von Leipzig und Umgegend hiervon durch folgende Bekannt machung in Kenntniß gefeßt worden: Strife- Cigarren. Wer eine fein, jauber gearbeitete, äußerst billige Eigarre sich zulegen will, muß jetzt bei uns, der deutschen CigarrenArbeiter- Compagnie, faufen. Die Cigarren sind lediglich von den im Strife begriffenen Leipziger Cigarrenarbeitern geferttigt, und werden en gros zum Selbstkostenpreis verfauft. Bei Abnahme von 25 Stüd tritt der Engrospreis ein. Auch im Detailverkauf ist keine preiswürdigerre Waare zu finden. Dieselben sind zu haben bei: Herrn F. Stein, Berkaufs halle Nr. 1, Beterstraße und Sternwartenstraße Nr. 11, par F. W. Frizzsche." ( Bestellungen von auswärts, die hoffentlich recht zahlreich einlaufen, bitten wir an Hrn. Stein zu richten. D. R. d. W. terre. Briefkasten. Der Brief betreffend die Bolksversammlung in Mütjen St. Niklas tam uns so spät zu, daß die gewünschte Anzeige nicht mehr ins Blatt gebracht werden konnte. Bei dieser Gelegenheit sei bemerit, daß nur folche Zusendungen, die spätestens Mittwoch Nachmittag in un jeren Händen find, in der nächstfolgenden Nummer des Wochen: blattes Berücksichtigung finden können.-- V. K. in Burgstädt: Bericht folgt in nächster Nummer. E. W. in Münchenbernsdorf: Bericht wegen Mangel au Raum zurückgestellt. H. Greulich in Zürich: Das Wort ins Statut ani nehmen, hießze unrettbar fich der heiligen Hermandat überliefern, Jor dürft nur in der Schweiz nicht vergessen, was es heißt, in Deutschland unter polizeilicher Aufsicht leben.- G. W. in Barmen: Die Besprechung wegen der Organisation hat stattgefunden.- Hrn. H. in Berlin: Ihr Antrag betr. das Blatt ist in der Organisationsvorlage, die nächstens veröffentlicht wird, bereits erledigt. Hrn. G. C. F. in Guntersblum: Zeitungen werden besorgt; Geldeinforderung gelegentlich. haben: Soeben ist erschienen und in der Buchdruckerei von F. Thiele zu Ueber die politische Stellung der SozialDemokratie, insbesondere mit Bezug auf den Norddeutschen ,, Reichstag". Vortrag Liebknechts in der am 31. Mai abgehaltenen Versammlung des Berliner demokratischen Arbeiter- Vereins. Preis 1 Ngr. Ein seit zwanzig Jahren = in einem Zwirn- und Garn Geschäft beschäftigter Arbeiter, welcher in den letzten vier Jahren als Geschäftsführer fun girte, sucht eine anderweite Stelle; er würde sich auch für eine Schafwollen- Spinnerei eignen. Nachweisungen wolle man an die Redaktion dis. Blattes oder an Herrn J. Motteler in Crimmitschau gefälligft gelangen lassen. Der Volksverein zu Werdau beabsichtigt den 1. August 1869 ein Allgemeines Volksfest in der Restauration zum abzuhalten. Burgkeller Das Concert unter gütiger Mitwirkung des Deflamatorischen Clubs des Arbeiterbildungsvereins zu Leipzig beginnt Nachmittags 4 Uhr. Alle Parteigenossen sind hierdurch zu reger Betheiligung eingeladen. Leipzig. Das feftcomité der Volkspartei in Werdan. | Druck und Verlag: F. Thiele. Expedition: Beterstraße 18. Beilage zum Demokratischen Wochenblatt Nr. 30. Aus England. London, 12. Juli. Es gibt gewiß keine größere Verläumdung, als die täg= lich zu hörende Behauptung, daß die Führer der Gewerks= Genossenschaften( Trades' Unions) unehrliche Intriguanten seien, die es stets nur darauf absehen, Diejenigen, welche ihrem Rath folgen, zu hintergehen und ihnen das Geld betrügerischer Weise aus der Tasche zu locken. Wenn man bedenkt, daß die Gelder, die täglich und stündlich in den Händen der UnionsSekretäre und Kassirer sind, sich nicht auf Hunderttausende, sondern auf Millionen belaufen, und daß die Gerichte immer Diejenigen frei sprechen, die ich von Zeit zu Zeit Veruntreuungen zu Schulden kommen lassen, so tann man zu feinem andern Schluß kommen, als daß diese Leute Muster von Ehrlichkeit sind. Vor einigen Tagen ward ein Zimmermann, der früher Sekretär der Zweiggesellschaft der Amalgamirten Zimmerleute und Schreiner zu Bradford war, und 40 Pf. St. Gesellschaftsgeld zu eigenen Zwecken verwandt hatte, vom Ober- Appellationsgericht freigesprochen, weil die Gesellschaftsfonds zu ungesetzlichen Zwecken verwandt würden". Diese ,, ungeseßlichen" Zwecke sind unter Andern: Wenn ein Mitglied, das seine Beiträge regelmäßig bezahlt, durch Umstände gezwungen wird, jeine Arbeit mit Einwilligung des Verwaltungskomités zu verlassen, so erhält es 15 Schillinge die Woche aus der Kasse, bis es andere Arbeit findet." Dieser Paragraph der Statuten bezieht sich nicht allein auf einzelne Mitglieder, sondern auf ganze Werkstellen oder Ortschaften, wo die Arbeitgeber die Arbeiter übervortheilen wollen; es ist die statutenmäßige Be= stimmung für den Strike. Sind an dem Ort, wo ein theilweiser Strike stattfindet, keine Aussichten vorhanden Arbeit zu finden, so erhält jedes Mitglied, welches auf die Reise zu gehen wünscht, um anderwärts Arbeit zu suchen, 2-3 Pf. St. auf einem Brett, verliert aber jeden ferneren Anspruch an die Kaffe, bis es wieder eine gewisse Zeit in Arbeit gestanden und Beiträge bezahlt hat. Nach dem Gutdünken eines Oberrichters ist es die Wirkung eines solchen Verfahrens, daß die Strikes verlängert werden, weil ohne diese Unterstützung die Arbeiter genöthigt sein würden, Arbeit zu nehmen. Die Gewerksgenossenschaft ist daher dem Geschäftsgang hinderlich, sie beeinträchtigt die Kapitalisten, ist daher dem öffentlichen Wohl nachtheilig und ungesetzlich, daher kann sie Niemanden gerichtlich verfolgen, der ihre Gelder zu andern Zwecken benüßt, d. h. sie ver= untreut. Unionen haben bereits erklärt, wenn die Ausnahmegesetze nicht aufgehoben werden, so würden sie lieber unge seßlich bleiben. Contra Schweitzer- Hatzfeldt( Wende). An alle sozial- demokratischen Arbeiter Deutschlands! Seit seiner Gründung hat der auf den Prinzipien der Internationalen Arbeiter= Association stehende Demokratische Arbeiter- Verein sich gezwungen gesehen, als eine feiner Aufgaben auch die entschiedenste Bekämpfung eines Mannes zu be= trachten, der die sozial- demokratische Bewegung in Deutschland, welche sonst einen weit mächtigeren Aufschwung nehmen würde, künstlich niederhält, indem er eine im ersten Anfang der Be= wegung allerdings gerechtfertigt gewesene, jetzt aber die Weiterentwickelung der Partei hemmende Organisation mit heuchlerischen Scheingründen und durch verwerfliche Mittel zur Befriedigung seines persönlichen Interesses und Ehrgeizes aufrecht zu erhalten sucht und in den Augen des ihm ergebenen Theils der Arbeiter alle ehrlichen Sozialdemokraten verdächtigt, welche jene Organisation und Diktatur verurtheilen müssen. In letzter Zeit war von diesem Manne ein neuer, so furchtbarer Verrath an der Arbeitersache die Wiedervereinigung der Lassalleaner zum Zweck der Wiederherstellung der ursprünglichen Diftatur im Allgem. deutschen Arbeiterverein und behufs Bekämpfung der demokratisch- sozialistischen Vartei verübt worden, daß der Demokratische Arbeiterverein die Berpflichtung fühlte, in öffentlicher Versammlung die Organisationsfrage sowie die politische Wirksamkeit und, soweit sie damit im Zusammerhang steht, auch das Privatleben dieses Mannes, des Herrn v. Schweizer, einer eingehenden Erörterung zu unterwerfen und den Arbeitern zu beweisen, daß keinem einzelnen Manne, am allerwenigsten aber Herrn v. Schweizer, die Geschicke einer ganzen Partei anvertraut werden dürfen. Der Schuldige, feige wie er ist, war, obwohl öffentlich eingeladen, nicht erschienen, wohl aber hatte er durch seine Werkzeuge eine Anzahl ihm blind ergebener Arbeiter in die Versammlung führen lassen, welche die allseitige Erörterung der Tagesordnung durch Niederschreien der Redner und tumultuarische Unterbrechungen unmöglich machten. Es war erlaubt, Herrn v. Schweißer zu rechtfertigen, aber nicht ihn anzuklagen, erlaubt, die Organisation des Augem. deutschen Arbeitervereins als unantastbares Heiligthum zu preisen, aber nicht, ihre Mängel darzulegen. Troydem wir in jener Versammlung in der Minorität geblieben sind, werden wir den Kampf mit aller Kraft fortführen, den Kampf für die Befreiung der arbeitenden Klassen, welcher zunächst ausgekämpft werden muß gegen den gefährlichſten Feind, gegen den Feind im eigenen Lager, gegen jene prinzipielle Unflarheit nämlich, welche, wenn sie sich des Bewußtseins der Arbeiter mehr und mehr bemächtigt, dieselben der Gefahr aussetzt, eine materielle Berbesserung ihrer Lage auf Kosten der Freiheit ihrer selbst und ihrer seinder vergebens anzustreben. Die Trades' Union- Bill soll diesem Uebelstand ab= helfen, die Fonds der Trades' Unionen sollen vom Gesetz be= schützt werden. Sie ist mit Zustimmung des Ministeriums zum zweiten Male verlesen worden unter dem Einverständniß, daß in der gegenwärtigen Session nicht weiter mit derfelben borgegangen wird, und daß die Regierung einen umfassenden Gefeßentwurf für die nächste Session ausarbeitet. Alles, wozu sich das Ministerium verpflichtet, ist, die Fonds zu beschützen, d. H. den Gewerksgenossenschaften eine gesetzliche Stellung zu geben. An der Diskussion, welche der Berlesung vorausging, betheiligten sich nur Liberale; die Meisten bestanden darauf, die Meisten bestanden darauf, beschützt werden sollten, dieses nur geschehen könne, wenn die Rechte der Kapitalisten und nicht die der Unionisten gehörig garantirt werden. Der Miniſter des in allgemeinen Phrasen sich ergehende Artikel im ,, Sozial- Demokrat" Innern gestand zu, daß die bestehenden Ausnahms- und Straf= und Auslassungen im Reichstage die minder Einsichtigen zu geseze unhaltbar geworden seien und abgeändert werden könnten, aber zum Aufheben hat er feine Luft. täuschen berechnet sind, ferner dadurch, daß Herr v. Schweizer seinen Arbeiter so grob behandeln wie er will, und ihn prostri- sich durchaus nicht auf einen demokratischen, sondern auf den biren( ächten), daß er nirgends Arbeit bekommt, das ist seine konstitutionellen Standpunkt des sogenannten„ freiheitlichen Auspersönliche Freiheit", macht aber ein Unionist im Strife ein baues des norddeutschen Bundes" stellt, wie die Fortschrittler und die National- Liberalen, dadurch endlich, daß Herr von mürrisches Gesicht oder sucht einen andern Arbeiter zu überDer Kapitalist kann Dadurch, daß Herr v. Schweißer zwar auf sozialem Gebiete sehr tapfer und revolutionair sich geberdet, dagegen in politischen Fragen dem in Deutschland hauptsächlich in Betracht kommenden reactionären Staatswesen gegenüber nur äußerst zahm und behutsam auftritt, wenn auch zuweiler roth schillernde reden, ebenfalls die Arbeit niederzulegen, jo sest er sich einer Schweißer nicht müde wird laut zu betonen, die Aera der po= breimonatlichen Gefängnißstrafe aus. litischen Revolutionen sei vorüber, die soziale Revolution aber Die großen 740 noch nicht reif, auf solche Weise die Reaction in ihrem voltsfeindlichen Treiben ermuthigend, dadurch arbeitet er, die Herausbildung einer wirklich demokratischen Arbeiterpartei verzögernd, nicht nur der Reaction, sondern auch der Burgeoisie in die Hände. Hauptsächlich sind es zwei Mittel, mit denen er arbeitet: 1) Die durch Lassalle geschaffene Organisation, welche die gesammten Mitglieder in die Hand des Präsidenten giebt, denn dieser hat durch die Organisation die Macht, stets diejenigen Mitglieder in den Vordergrund zu stellen, welche sich zu seinen gefügigen Werkzeugen hergeben, sie in den Bann zu thun und durch Andere zu verdrängen, sobald sie sich weigern, noch ferner des Präsidenten Marionetten abzugeben. Dies Schauspiel wiederholt sich gegenwärtig, wo aller Orten die intelligentesten Mitglieder aus dem Verein geschieden sind, und an ihre Stelle Andere treten, bis endlich auch diesen durch die Erfahrung die Augen zu besserer Erkenntniß geöffnet, und dann auch sie als ,, Verräther am Prinzip und an der Organisation" und als ,, zur Bourgeoisie übergegangen" dargestellt und bei Seite geworfen werden. Die Organisation giebt Mitglieder und Präsidenten in die Hand der Polizei, denn die ganze Organisation hängt laut Entscheidung des Obertribunals für Preußen und die annectirten Provinzen nur ab von der Gnade der Polizei, die sie mit einem Federstrich vernichten kann. Nicht wir sind„ Denunzianten", die wir dies aufdecken, sondern Herr v. Schweitzer ist durch den Verrath, den er dadurch, daß er den schon einmal unter seinen Händen aufgelösten Verein in derselben Organifation wiederherstellte, an der Sozialdemokratie beging, selbst Denunziant geworden. Sein erheucheltes Märtyrerthum täuscht uns nicht. " 2) Die Redaction der Zeitung ,, Sozialdemokrat", in deren Alleinbesitz der ,, Präsident" Schweißer sich( durch List gegenüber dem rechtmäßigen Miteigenthümer des Blattes, seinem einstmaligen Freunde, Herrn v. Hofstetten) zu setzen gewußt hat. Dadurch, daß nunmehr Redaktion und Präsidium vollständig in Einer Hand find, ist jede Kontrole des Parteiorgans durch die Vereinsleitung und der Vereinsleitung durch das Parteiorgan absolut ausgeschlossen und der Willkür des leitenden Präsidenten Thür und Thor geöffnet. ,, Als Diktator mit der Kugel am Bein" soll, nach Marat's trefflichem, hier nur zum Schein vorgeschützten Wort, im Allgemeinen deutschen Arbeiter- Verein, dessen Präsident die Leitung haben, und diese Kugel soll sein: Prinzip und Organisation!" Eine lügenhafte Phrase! Von der„ Kugel am Bein" hat der Herr„ Präsident" Schweizer die Vereinigung des Präsidiums und Vereinsorgans in seiner eigenen Person sich zu befreien verstanden! ,, Brinzip und Organisation" als„ Kugel am Bein" zu bezeichnen, ist eben eine jener inhaltsleeren, trügerischen und heuchlerischen Phrasen, durch welche man im Algemeinen deutschen Arbeiterverein von jeher, leider mit Erfolg, den Gedankenloſen Sand in die Augen gestreut hat. Die Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins haben sich, obwohl sie es hätten verhindern können, die Nebelkappe bis tief über die Ohren ziehen lassen. Gegen den Präsiden= ten kann sich jetzt weder eine Stimme im Vereinsorgan vernehmen lassen, noch gegen die Redaktion des Vereinsorgans eine wirksame Klage beim Präsidenten geltend gemacht werden. Was dem Präsidenten nicht paßt, verdreht oder verschweigt der Redakteur, und umgekehrt. Der Diktator- Präsident ist das alleinige Organ, durch welches der Verein sowohl geleitet als in der Deffentlichkeit vertreten wird, wie es dem Präsidenten gefällt. Bestechlichkeit, Entsittlichung, allgemeine Korruption find von einem solchen System unzertrennbar. Sie werden nur verschwinden, wenn das Syſtem von Grund aus vernichtet wird. Ein Kampf gegen dieses System ist innerhalb des Systems selbst unmöglich. Die Redaktionsleitung selbst ist durch das, was wir über die politische Taktik des Herrn v. Schweizer sagten, schon ge= nügend gekennzeichnet. Die Redaktion, nur zum Schein eine demokratische, ist eben nicht besser und nicht schlechter als Hr. v. Schweitzer selbst: damit ist Alles gesagt. Wir fordern demnach alle ehrlichen Sozialdemokraten auf, mit uns den Mann ,, welcher den Mittelpunkt aller der geschilderten Korruption bildet, zu bekämpfen. Umsomehr ist dies Pflicht, als die Volkszeitung" bereits Miene gemacht hat, den Kampf gegen uns mit Herrn von Schweizer gemeinsam zu führen. Ein solches Bündniß ergiebt sich von selbst, und braucht nicht erst verabredet zu werden, da es, ebenso wie im Interesse des in politischer Beziehung auf dem Standpunkt des preußischen Fortschrittlerthums gegen die Demokratie stehenden Herrn v. Schweitzer, so auch im Interesse der Bourgeoisie liegt, die Arbeiter von selbstständigem Denken und von der Politik möglichst fern zu halten, und sie, wenn sie dennoch an fangen Politit zu treiben, vor allen Dingen in der Politik ins Schlepptau der Reaction oder der besitzenden Klassen zu nehmen. = Wohlan denn! Vereinigt Euch mit uns vor allen Din gen zur Einberufung eines gemeinsamen Kongresses der sozialdemokratischen Partei, auf dem die Sozial Demokraten der Schweiz, von Desterreich, Süddeutschland, Sachsen und Preußen vertreten sein werden, um auf Grund des Programms der Internationalen Arbeiter- Assoziation eine gemeinsame Dr ganisation, auch der Gewerksgenossenschaften, zu berathen! Eingedenk des Wahlspruchs: ,, Proletarier aller Länder und Berufsarten, vereinigt Euch!" kämpft mit uns unter dem Banner, worauf geschrieben steht: ,, Nieder mit dem imperial- sozialististischen Demagogenthum! Nieder mit den bewußten oder unbewußten Werkzeugen des Cäsarismus! Nieder mit jeder persönlichen Führerschaft! Nieder mit Herrn v. Schweißer! Hoch die ehrliche Sozialdemokratie! Hoch die internationale Arbeiter- Assoziation!" Berlin, Juli 1869. Der Vorstand des demokratischen Arbeiter= Vereins. F. Milke. arbeiter- Vereins" begründete Hr. Fritzsche seinen Antrag, der Im Ausschuß des„ Allgemeinen Tabak- und Cigarren ( Schweitzer'schen) Verbandskasse die Steuern zu verweigern, wie folgt: schlossen, daß alle Briefe in Verbandssachen an den ersten Jim Monat December 1868 hatte der Verbandsausschuß be Secretär, damals nach Herrn Roller, gesendet werden sollten, Arbeiterschaftsverbandes, noch des Allg. Deutschen Arbeiters und zwar weil Herr Hasselmann, der weder Mitglied des Arbeiterschaftsverbandes, noch des Allg. Deutschen Arbeiter dem Vicepräsident des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vercins, Vereins war, alle Briefe öffnete und dem Secretär sowie auch Herrn Tölcke, nur Das zu lesen gab, was ihm beliebte. Herr Fritsche war damals als erster Vicepräsident, weil Herr Schweißer im Gefängniß saß, an dessen Stelle Leiter des Vereins, und so wurde ihm vom Ausschuß aufgegeben, die theil des Arbeiterschafts- Verbandes folgende Bekanntmachung Redaction des„ Social- Demokrat" zu veranlassen, im Vereins aufzunehmen: ,, Alle Briefe, Verbandsangelegenheiten betreffend, sind an Herrn H. Roller zu adressiren." Herr Haffelmann als Redacteur weigerte sich, dies zu thun, indem er vorgab, er habe den ausdrücklichen Befehl von Herrn Schweizer, Trozdem ihn Hr. Fritzsche darauf aufmerksam machte, daß laut nichts aufzunehmen, was ihm( Hrn. Hasselmann) nicht recht sei. Verbandsstatut der„ Social- Demokrat" alle Erlasse des Präs sidenten unweigerlich aufnehmen müsse und daß er jetzt aus übender Präsident sei, sowie daß er, falls Herr Hasselmann bei seiner Weigerung beharre, sein Amt als erster Vicepräsident niederlegen werde, blieb derselbe dennoch dabei: ,, Wenn ich von Herrn Schweißer nicht Gegenordre erhalte, nehme ich nur auf, was ich für gut halte!" " 343 Herr Schweitzer wurde durch Hrn. Grüwel noch an demfelben Tage mündlich davon in Kenntniß gesetzt; er ließ Hrn. Fritzsche sagen: Er möchte sich doch bis zu den Weihnachtsfeiertagen geduldigen; zu dieser Zeit bekomme er Urlaub aus dem Gefängniß, und dann werde er die Angelegenheit ordnen; nur möchte Hr. Fritzsche es der Sache zu Liebe thun und nicht niederlegen." Auf ausdrücklichen Wunsch des Ausschusses, der gleichfalls erklärte, in corpore zurückzutreten, wenn Schweißer nicht den Rechtszustand im Verband schaffen werde, legte Hr. Fritzsche nicht nieder. = Zu Weihnacht starb Hrn. Schweitzer's Vater, und er trat nun den im Voraus angesagten Urlaub, wie es jetzt hieß: ,, zur Regelung seiner Familien- Verhältnisse", an. Hr. Fritzsche geduldigte sich bis zum Jamiar, telegraphirte aber nunmehr an Hrn. Schweitzer nach Hanau, wo sich derselbe da= mals befand, daß wenn Hr. Hasselmann nicht entfernt werde, er jetzt ganz bestimmt niederlegen würde. Hr. Schweißer antwortete hierauf, daß er in einigen Tagen in Berlin sein und alsdann die Sache regeln werde. Wieder gab sich Hr. Fritzsche vorläufig zufrieden. Euclich fam Hr. Schweitzer, und nachdem eine Ausschußfizung stattgefunden, der Hr. Schweizer präsidirt hatte, versprach derselbe den Befehl auszugeben, daß Hr. Tölcke die Briefe öffnen solle, womit sich auch der Ausschuß, da er Ver= trauen zu diesem Manne hatte, zufrieden erklärte, zumal Hr. Schweitzer -um Hrn. Fritzsche gerecht zu werden das Versprechen gab, eine andere Person mit der Chefredaktion des Sozial- Demokrat" zu betrauen. Angeblich wurde nun auch Hr. v. Hofstetten damit beauftragt. Als derselbe jedoch wegen des bekannten Konfliktes austrat( richtiger: ausgetreten wurde), kam die Sache wieder ins alte Geleis: Hr. Hasselmann war wieder Chefredakteur und als solcher der eigentliche Leiter des Vereins. Auf Anfrage bei Hrn. Schweißer entgegnete derselbe zwar, daß Hr. Töldke damit beauftragt sei. Als dieser jedoch Seitens des Hrn. Fritsche über eine Angelegenheit zur Rechenschaft gezogen wurde, gab er zur Antwort: er( Tölde) habe gar nichts mit dem ,, Sozial- Demokrat" zu thun; das sei vor wie nach Sache des Hrn. Hasselmann". Hr. Hasselmann ist sonach Präsident des Vereins. Die Hamburger Generalversammlung giebt hierzu die beste Illu= stration; denn in derselben hatte Hr. Schweißer die Gewogenheit, Herrn Hasselmann als Vorstandsmitglied zu empfehlen, weil er ihn zum Vizepräsidenten zu machen beab= sichtige. Diese Angelegenheit der Generalversammlung des Arbeiterschafts- Verbandes zu unterbreiten ging deshalb nicht, weil in letzter Zeit Hr. Schweitzer den Hr. Tölcke nominell zum Chefredakteur gemacht hatte, obgleich an den thatsächlichen Verhältnissen bis heute noch nichts geändert ist. Hr. v. Hofstetten hat Hrn. Fritsche auf sein Ehrenwort versichert, daß Hr. Schweißer in der Redaktion die Ordre ausgegeben habe, wenn Berichte eingingen, in denen Hrn. Fritzsche's lobend erwähnt würde, dieselben möglichst todtzuschweigen, wie denn überhaupt nur die Berichte unverfümmert zum Abdruck kämen, die von Leuten herrührten, die er als ihm( Hrn. Schweiber) blind ergeben betrachte. Hr. Schweißzer hat die Wahrheit dieser Behauptung gleichfalls mit Verpfändung seines Ehrenworts bestritten. Sämmtliche damalige im Ausschuß anwesende Präsidenten und Präsidialvertreter, die heute bis auf Hrn. Lübfert so wie die Protokolle jener alle zurüdgetreten sind! berührten Ausschußsizungen sind Zeugniß für die Wahrheit der ersten Behauptung; über den zweiten Punkt wird Hr. v. Hof= stetten Zeugniß ablegen könnnen. In Bezug auf den Allgemeinen Tabak- und Gigarrenpagnie in Berlin einen Wechsel zu decken. Da ihr ein Wechsel furz vorher mit Protest zurückgekommen war, fehlten ca. 400 Thlr. an der zur Deckung nöthigen Summe. Schon vorher hatte sich Hr. Fritsche an Hrn. Schweißer gewendet und ihm gesagt, daß er möglicherweise seine Zuflucht zu ihm werde nehmen müssen, denn obgleich das Geschäft einen wirklich guten Fortgang nehme, so könne doch dasselbe seine Accepte für verkaufte Waaren nicht im Geldschranke liegen lassen, sondern müsse mit diesem Gelde arbeiten. Hr. Schweizer machte auch die Zusage: bei seinem Banquier, wenn unbedingt nöthig, für diesmal die Wechsel der Compagnie zu diskontiren. Der Verfalltag des Wechsels kam heran, und da kein anderer Ausweg vorhanden war, begab sich Hr. Fritzsche in Begleitung des Hrn. Johanning zu Hrn. Schweizer. Hr. Schweitzer aber lehnte jetzt ab mit der Behauptung, es sei ihm unmöglich; wendete sich aber an Hrn. Grüwel, den Redakteur des ,, Sozial- Demokrat", und fragte diefen: ob er nicht Rath schaffen könne? Dieser bejahte es, und Hr. Fritzsche übergab ihm zwei Wechsel im Betrage von gegen 400 Thlr. Durch die Vermittelung dieses Herrn erhielt Hr. Fritzsche denn auch das Geld, aber die Cigarrenarbeiter- Compagnie mußte 8% Dammno bezahlen, trotzdem die Wechsel blos noch zwei Monate zu laufen hatten. Die Compagnie erhielt also durch die liebenswürdige Vermittelung des Hrn. Schweitzer zwei Wechsel diskontirt für die Bagatelle von 50 Prozent, die Diskontogebühren hinzugerechnet, und zwar kam das Geld von Hrn. Bergmann, dem Dru= cer des ,, Sozial- Demokrat". Wenn die Compagnie alle ihre Wechsel so diskontirt hätte, müßte sie im vergangnen Jahre, anstatt empor zu kommen, dem Bankerott entgegengeführt worden sein. Die Freundlichkeit des Hrn. Schweitzer für die Unternehmungen der Eigarrenarbeiter geht auch noch daraus hervor, daß Hr. Schweitzer der Deutschen Eigarrenarbeiter= Compagnie den Credit hat abschneiden wollen, indem er Jemandem, der derselben einen ziemlichen Credit gewährte, davon abgerathen hat mit den Worten: der Bankerott des Ge= schäfts ist blos noch eine Frage der Zeit. Hüten Sie sich also!- Durch Zeugen erhärtet. Ferner hat Hr. Schweizer den Hrn. Fritzsche veranlassen wollen, den ,, Botschafter"( das Organ des Tabak- und Cigarrenarbeiter- Vereins) eingehen zu lassen, damit der„ Sozial- Demokrat" alleiniges Arbeiter- Organ werde. Er hat" Hrn. Fritsche, nach dessen Aussage, zweihundert Thaler aus der Redaktion des ,, Sozial- Demokrat" geboten und ihm dabei zu be= merken gegeben, daß er( Hr. Schweitzer) wohl einsehe, Hr. Fritzsche könne mit seinem jezigen Gehalte nicht auskommen; wenn er ihm daher zweihundert und der Allgemeine Tabakund Cigarrenarbeiter- Verein auch noch einhundert Thaler als Gehaltszulage gäbe, der doch nichts davon zu wissen brauche, daß Hr. Fritsche von der Redaktion des ,, Sozial- Demokrat" zweihundert Thaler beziehe, so stelle sich Hrn. Fritzsche's Einkommen um Hundert Thaler höher. Hr. Fritzsche ist natürlich auf diese Vorschläge nicht eingegangen. 4 Das Verhalten des Hrn. Schweitzer bei dem jetzt in Leipzig bestehenden Strike ist gleichfalls solcher Natur, daß wir Cigar renarbeiter uns als absichtlich vernachlässigt betrachten müssen. Wohl ist Hr. Schweitzer nicht durch die Statuten des Arbeiter= schaftsverbandes gezwungen, etwas für die strifenden Cigarrenarbeiter zu thun, aber als Präsident des Verbandes, dein wir ja angehören, hat er unbedingt die moralische Verpflichtung, etwas zu Gunsten der Strifenden zu unternehmen. Ist Hr. Schweizer in Berlin in einer Versammlung, die für die strikenden Leipziger Cigarrenarbeiter abgehalten wurde, zugegen gewesen? Hat Hr. Schweiger auch nur einen Aufruf an die verschiedenen Arbeiterschaften erlassen, durch freiwillige Beiträge die Leipziger Arbeiter zu unterstützen? Nichts von alledem; und doch muß er wissen, daß, wenn die Cigarrenarbeiter nicht werkschaften einen ungeheuren Schlag erhalten; aber seine Verbindung mit der Gräfin Hatzfeldt und dem Hrn. Mende, den Arbeiter- Verein ist das Verhalten des Hrn. Schweißer folgen- siegen, die als die bestorganisirte Gewerkschaft gelten, die Gedes gewesen: Ende vor. Jahres hatte die Deutsche Cigarrenarbeiter- Com geschworenen Feinden der Gewerkschaften, lassen sein Verhalten im Klarsten Lichte erscheinen und bedürfte es noch eines Commentars, so genügt wohl die Aeußerung des Hrn. J. Röthing in Leipzig, die er auf die Anfrage: wie sich der neuzubegründende Allgemeine Deutsche Arbeiter Verein zu den Gewerkschaften verhalten werde? gegeben hat. Hr. Röthing hat gesagt:„ Da dieselben einmal bestehen, so werden sie vorläufig auch forterhalten, es wird aber auf ihre Auflösung hingewirkt werden." Hr. Röthing ist sonst immer gut unterrichtet von dem Vorhaben der Partei. Dies die Aussagen des Hrn. Frizzsche, auf Grund deren der Ausschuß beschlossen hat, die Steuer zur Verbandskasse so lange zurückzuhalten, bis durch eine Generalversammlung des Allgemeinen Arbeiterschafts- Verbandes der Streit zwischen Hrn. Frißsche, resp. dem Allgemeinen Tabak- und Cigarrenarbeiter: Verein und Hrn. Schweizer entschieden ist. Für den Ausschuß: F. Wirth, Geschäftsführer. In der letzten Nummer des ,, Flugblatts": An die deutschen Sozialdemokraten schreibt Hr. Levien, eins der aus dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein ausgetreteneu Mitglieder: 11 Die Krone wurde dem Treiben Schweizer's aufgesetzt an= läßlich der Generalversammlung zu Barmen- Elberfeld. Viele Mitglieder jener beiden Derter, die nach allen Anzeichen dazu vorbereitet worden sind), kamen, mit Prügeln, dicken Maschinenriemen n. 5. w. bewaffnet in die höchste Versamm lung des Vereins; durch Geschrei und Drohungen juchten sie die Deligirten, die anderer Meinung als sie waren, zu be einflussen, ja wie mir ein Augenzeuge, der wegen seiner Kaltblütigkeit in Gefahren bekannt ist,( Serr Berl) berichtete, ist es nur einem Zufall zu verdaufen, wenn nicht mehrere dieser Delegirten ihre Ansicht haben mit dem Leben bezahlen müssen. So schmählich wagte ein einzelner Ort durch einen Theil durch einen Theil feiner beeinflußten Mitglieder gegen den Verein, der bei ihm zu Gaste war, aufzutreten. Hr. v. Schweizer, dessen Präsidentenpflicht es war, die Organisation sammt der Generalversammlung nicht schädigen zu lassen, hat statt dessen dieses Verfahren belobhudelt. Es wird der Generalversammlung die Lebensluft genommen, wenn man ihr Gewissens- und Redefreiheit nimmt. Herr v. Schweißer hat somit schon damals das wesentlichste Stück der Organisation bei der Gurgel gepackt. Wird man sich wundern, wenn die Gemeinden ihre Delegirten außer mit Reisegeld auch mit Revolvern und Todtschlä= gern zur Generalversammlung schicken?! ,, An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." Als Seitenstück zu obigem Sittenbild theilen wir nachstehende Correspondenz aus dem letzten ,, Botschafter" mit: Samburg. Wir Unterzeichneten halten es für unsere Pflicht, unseren auswärtigen Collegen über die letzten hier stattgehabten Vorgänge einige Aufklärung zu verschaffen; zumal man es schon versucht, mit Hülfe einer gewissen Zauberlaterne, absichtlich verzerrten Bildern und falscher Beleuchtung einen Narrentanz über die hiesigen Vorgänge in der Oeffentlichkeit aufzuführen. Der Sachverhalt ist folgender: Als am Montag Morgen das Flugblatt ,, An die deutschen SozialDemofraten" mit der Erklärung Fritzsche's erschien, waren alle Bande, welche die eifrigen Lassalleaner an Fritzsche knüpften, zerrissen. Da man seiner politischen Meinung nicht beikommen konnte, so wurde seine Stellung zum Verbandspräsidium in Angriff genommen und über diesen Punkt wollte man ihn in der Mitgliedschaft verurtheilen. Es wurden 314 Am Mittwoch Abend sollte die Versammlung abgehalten werden. Der Bevollmächtigte war während der Zeit schlimm erkrankt und übertrug den Vorsitz dem Cassirer; dieser eröffnete die Versammlung mit der Bemerkung, daß morgen wieder eine offizielle Versammlung stattfinden werde, in welcher der Präsident erscheinen werde. Da erscheinen einige bekannte Redner; da sie nicht Mitglieder des Vereins sind, so wird dafür, und wissen es dahin zu bringen, daß ihnen Einlaß gewährt wird. ihnen der Einlaß verweigert. Mehrere in der Versammlung sprechen Sierüber erbittert, legt der Cassirer den Vorsitz nieder und es hört jede Controle an der Thür auf. Arbeiter der verschiedensten Branchen füllen den Saal und fassen endlich ein Mißtrauensvotum ab, welches an den Ausschuß geschickt worden ist. Welchen Werth dies abgesendete Telegramm hat, ist nach Kenntniß der Vorgänge wohl Jedem erklärlich. Als der Cassirer den Vorsitz abgegeben, hatte er sich um weiter Nichts bekümmert und auch leider vergessen, die nächste Versammlung bei der Polizei anzumelden. Dies wußten die Wüthenden sehr gut; sie wollten Fritzsche zwingen, nicht in der Cigarrenarbeiter- Versammlung, Donnerstag Abend der Präsident hierher tam und die Versammlung sondern in der des Allg. deutschen Arbeitervereins zu sprechen. Als nun eröffnete, so standen Controleure an der Thür; man wollte sie weg drängen, aber sie ließen sich nicht vom Fleck bringen. Darauf wurde das allergemeinſte Mittel in Anwendung gebracht: man ging zum Wirth und sagte ihm, daß die Versammlung nicht polizeilich angezeigt sei und er ſelbſt in sehr hohe Strafe kommen tönne u. f. w. Hierau hatte der Wirth nichts Eiligeres zu thun, als die Controle von der Thür zu ent fernen. Jetzt hatten die Wüthenden freies Spiel; der Allg. deutsche Arbeiterverein hatte an demselben Abend unten im großen Saal Ber ſammlung; es wurden verschiedene Posten ausgestellt und Jeder, der als tüchtiger Tyroler oder Schweizer Scharfschütze bekannt war, wurde nach Oben geschickt. Auf diese Weise wurde die Mine gefüllt; es fehlte nur der Funke, um die Katastrophe herbeizuführen. Dies sollte auch nicht lange ausbleiben; es meldete sich der bekannte Dresdener Richter zum Wort; der Präsident erwiderte, es sei eine Mit glieder- Bersammlung und da Richter kein Mitglied sei, könne er das Wort nicht erhalten. Dies war für die Wüthenden das Signal; es erhob sich ein Höllenlärm, der Präsident schloß die Versammlung und wollte sich entfernen. Die Rädelsführer, die das ganze Werk in Szene gesetzt, rückten in geschlossener Colonne vor, trennten den Präsidenten von den übrigen Bereinsmitgliedern und führten ihn gewaltsam durch mehrere Zimmer eine Treppe hinunter in den großen Saal. Hier wat natürlich geheimer Jubel darüber, den Verhaßten, der an der Unfehlbarkeit des Dr. Schweizer gezweifelt, hergebracht zu sehen. Zur Ehre unseres Vereins sei hier gesagt, daß es keine Vereinsmit glieder, wenn auch Cigarrenarbeiter waren, welche sich diese schimpfliche Handlungsweise haben zu Schulden kommen lassen. Gemein und schimpflich war es; es war die Bestie, wenn sie entfesselt wird. Dieser ist es natürlich gleichgültig, auf wen sie sich stürzt, und wäre es ihr Wohlthäter und Freund; wenn nur ein Spiegelberger es versteht, durch ein paar hingeworfene Phrasen sie aufzureizen. Nachdem man nun den Mann, der so viel für Andere gewirkt, gestoßen, geschlagen, abgerungen, ihm die Kleider zerrissen und ihn endlich auf die Tribüne geschleppt hatte: da jetzte er seinen ganzen Stolz jenen unwi digen Subjekten entgegen, indem er erklärte:„ Ich halte es unter meiner Würde, hier ein Wort zu sprechen; gezwungen werde ich es niemals thun." Die Hierauf durfte er sich entfernen, aber nur er allein; die Arbeiter sollten nicht mit. Da tamen die Wüthenden aber schön an. Bereinsmitglieder nahmen den Präsidenten in die Mitte und so ging durch die Stadt. Die Versammlung am nächsten Tage in Altona war, wie alle unsere geschlossenen Vereinsversammlungen, ruhig und ordentlich; hierüber werden jedoch die Altonaer berichten. Dies ist nun der wahrheitsgetreue Hergang der Sache und bitten wir die Redaktion des„ Botschafter", denselben in nächster Nummer zu Abdruck zu bringen, damit unsere auswärtigen Freunde wissen, sie sind. worall J. H. Flügger und C. Timmann( Controleure). C. Beiß wenger. G. Hoffmann. H. Schutze. H. Fückoff. W. Hoffmann. C. Borbecker. Carl Paulfe. ( Fortsetzung im Hauptblatt.) Anzeigen. fofort Unterſchriften gesammelt, um eine Berfammlung anzuberaumen. Deutscher Arbeiterbildungs- Verein Der Bevollmächtigte wurde zu einer Conferenz der übrigen Bevollmäch tigten berufen, ihm dort die ganze Sachlage vorgestellt und er auf Grund dessen ersucht: erstens sofort eine Versammlung anzuzeigen, zweitens ein Mißtrauensvotum gegen Fritzsche mit zu unterzeichnen. Der Bevollmychtigte, welcher nach genauer Erwägung einsah, daß Widerstand gegen die Versammlung nutzlos fein würde, willigte ein, verweigerte jedoch seine Unterschrift. Es ist ihm dies gewiß nicht leicht geworden, denn er tam an die Arbeit wie ein abgehetztes Reh, ohne im Stande zu sein, weiter zu arbeiten. in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. Alle sozialistischen Schriften sind durch meine Vermittelung zu beziehen. Leipzig, Windmühlenstr. 23 Hintergebäude. C. E. Seifert. Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Brausir. 11). Leipzig. Druck und Verlag: F. Thiele. Expedition: Peterstraße 18.