Demokratisches Wochenblatt. Organ der deutschen Volkspartei und des Verbands deutscher Arbeitervereine. No. 32. Leipzig, den 7. Auguſt. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 12% Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Üniversitätsstraße, und die Erpedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialerpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, Coina, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreiga Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Juhalt: Politische Uebersicht. Zum Congreß. Erklärung der Wiener Arbeiter. Aus England. Gewerksgenossenschaftliches.Ein Mahnruf. Bororts- und Arbeiter- Angelegenheiten: Genf, Solingen, Frankfurt, Cöln, Darmstadt, Berlin, Magdeburg, Staßfurt, Dresden, Leipzig. Todesanzeige. 1. Beilage: lleber die politische Stellung der Sozialdemokratie. 2. Beilage: Direkte Gesetzgebung. 3. Beilage: Eine sozialdemokratische Arbeiterversammlung in Wien. Anzeigen. Politische Uebersicht. ,, Die Politik hat Ferien", wie die Zeitungsschreiber jedes Jahr um diese Zeit zu sagen pflegen soll heißen Diejenigen haben Ferien, welche nach Ansicht derselben Herren Zeitungsschreiber die Politik machen die Herren Minister und Diplomaten. Sie sind jetzt meist im Bad, und während sie für ihre eigene Constitution sorgen, an der ihnen mehr gelegen ist, als an der ihrer„ ,, Unterthanen" oder Untergebenen, geht die Welt ruhig ihren Gang; und wenn irgend ein neckischer Zauberer fäme und die sämmtlichen Herren Bolitit- Macher auf unbeſtimmte Zeit in den Mond entführte, so würde die Welt vermuthlich auch ruhig ihren Gang gehen und wahrscheinlich noch ruhiger. Denn mit der jetzigen Ruhe ist es allerdings nicht weit her. Leichen. Es ist meine feste Ueberzeugung, sagte Mr. Mac Donald, Bräsident der englischen Bergarbeiterassoziation bei dem letzten Meeting der Gesellschaft, es ist meine feste Ueberzeugung, daß fast ausnahmslos jede Gruben- Explosion ein Verbrechen ist, weil sie bei gehöriger Vorsicht zu vermeiden gewesen wäre." 1 Aber die ,, Vorsicht" ist kostspielig und die Menschenleben kosten nichts. Die Ventilation ist theuer und ,, umsonst ist der Tod" der wegen fehlender oder fehlerhafter Ventilation vom bösen Wetter" erschlagenen Grubenarbeiter! Wir haben ein Berggesetz, das eine strenge Beaufsichtigung der Bergwerfe vorschreibt wie ist das Gesetz gehandhabt worden? Man hat eine ,, strenge Untersuchung" versprochen das that man auch nach dem Lugauer ,, Unglück", das kein Unglüd war, sondern ein Verbrechen. Keins. Welches Resultat hat die damalige Untersuchung gehabt? Welches Resultat wird die jetzige Untersuchung haben? Arbeiter, und vor Allem Jhr, Bergarbeiter: folgt auf= merksam dem Ganz der Untersuchung! Und nun eine ,, freudige" Nachricht, die den Nationalliberalen das Herz im Leiv hüpfen macht: der preußische Staatsschatz ist wieder ,, boll", d. h. er enthält wieder 30 Millionen Thaler Baargeld, die, für Kriegszwecke bestimmt, dem öffentlichen Aber, fragt gewiß der Leser, wie fanu ein Staat, der 30 Millionen Thaler als Reservefonds in seiner Kaffe bat ein Defizit haben?" Hader und Zwietracht zwischen Klassen und zwischen Nationen. Kriegsrüstungen, Kriegsbefürchtungen das alte Lied. Und während der menschenmordende Ares" sich lustig drauf vorbereitet, mit dem Tod Ernte zu halten in Europa, Verkehr entzogen sind. bedeckt das„ friedliche" Schlachtfeld der Industrie sich mit Der langsam Berschmachteten, der Tausend und Abertausende sei hier nicht gedacht, die aus Mangel an ge nügender Nahrung, Kleidung und Wohnung vor der Zeit dahinstarben, nein Männer, in der Blüthe der Kraft zu Hunderten durch eine furchtbare Satastrophe dahingerafftbis vierhundert Bergleute getödtet" vom schlagenden Wetter in einer Steinkohlengrube anderthalb Stunden von Dresden. Drei bis vier hundert Bergleute getödtet!" Es „ dreiDa kommen wir auf einen figlichen Bunft. Als die Regierung den bekannten Steuer- Wolkenbruch auf den ,, Reichstag" herniederplaten ließ, veröffentlichte, wie man sich erinnern wird, der Finanzminister von der Heydt eine Dentschrift, in der er auseinandersetzte, daß die preußischen Finanzen seit dem Glücks- und Ruhmesjahr 1866 fic ist schon fein Gefecht mehr, es ist eine Schlacht, in der drei mehr und mehr verwirrt hätten und daß Preußen jetzt vor bis vier hundert" Soldaten fallen. Wenn ein Erdbeben, wenn der Ausbruch eines Vulkans einem Defizit von 10 Millionen Thalern stünde. Da der vom Finanzminister für den Nichtbe Massen unsrer Mitmenschen des Lebens beraubt, dann beugen willigungsfall in Aussicht gestellten Unheils die Taschen zuge wir uns in dumpfen Schweigen vor der rohen Naturgewalt, die wir noch nicht zu beherrschen- gelernt haben. knöpft hielt, eilte Graf Bismarck selbst auf den Kampfplat und versicherte: Herr von der Heydt habe die preußischen Fiuanzen eher zu günstig" geschildert, das Defizit sei nod Aber die drei bis. vier hundert" Bergleute bei Dresden erlagen sie irgend einem furchtbaren Naturereigniß, das größer. des Menschengeists, der Menschenkraft spottet? Rein. Und nun wird offiziös mitgetheilt, es bestehe gar kein Defizit; und die Gefülltheit des Staatsschazes bestätigt die Gins ist gewiß: entweder lügen die offiziösen Blätter jezt oder Graf Bismarck und Herr von der Heydt haben vor 9 Wochen die unwahrheit gesagt. Sie erlagen dem schlagenden Wetter", und durch Erfah Mittheilung. rung und Wissenschaft steht fest, daß die entzündbaren Gaje, welche die schlagenden Wetter bilden, in einer richtig ven tilirten Grube sich nicht so ansammeln können, daß eine gefährliche Explosion möglich ist. *) Name des Kriesgottes der alten Hellenen. Der Widerspruch dürfte sich auf folgende Weise lösen, wobei allerdings für die Wahrheitsliebe der beiden genannten Minister nichts gewonnen wäre: Ein eigentliches Defizit, d. h. ein Ueberschuß der Ausgaben über die Einnahmen existirt bis jetzt nicht; auf Kosten der übrigen Departements ist es der Regierung gelungen, die über das kolossale Armeebudget hinausgehenden Wiilitäraus gaben zu decken. Dies läßt sich aber auf die Dauer nicht durchführen. Jm nächsten Jahr läuft überdies das eiserne Armeebudget( 225 Thlr. pro Soldat) zu Ende, und es war für die Regierung von höchster Wichtigkeit, bis dahin so viel Steuern bewilligt zu erhalten, daß sie fortan unbekümmert um die Abstimmung des Landtags einer- und des Reichstags" andererseits, das Mart des Lands dem Molech des Militaris mus opfern kann. Waren die Steuern einmal bewilligt, so hatte die Regierung nach der köstlichen preußischen und Nordbundsverfassung nemlich das Recht, dieselben bis zum St. Rimmerleinstage fortzuerheben, sintemalen nach besagten Verfaffungen der sogenannten Volksvertretung wohl ein Steuer bewilligungs-, nicht aber ein Steuerverweigerungsrecht zufteht, was weiland ein Manteuffel'scher Scherz war, und seitdem bitterer Ernst geworden ist. Wahrscheinlich wird das Ministerium nun dem im September zusammentretenden Abgeordnetenhaus mit neuen Steuervorlagen fommen. Ob mit Erfolg oder nicht, das läßt sich nicht im Voraus berechnen, ist übrigens auch ziemlich gleichgültig, da die preußische Regierung nach ihrem Grundsatz: ,, Die Macht geht vor Recht das Geld nehmen wird, wo sie es findet. Im Land selbst freilich wird es nicht leicht zu finden fein. Die Verarmung des preußischen Volks ist nachgerade eine so handgreifliche, sich so aufdrängende Thatsache geworden, daß die Lobredner der Blut- und Eisenherrlichkeit sie nicht mehr abzuleugnen vermögen. Was läßt sich zum Erempel einwenden gegen folgende statistische Notiz? In Berlin hat in den letzten drei Jahren die Bevöl ferung um 11 Prozent zugenommen, und in demselben Zeitraum ist der Ertrag der Schlacht und Mahlsteuer um 7 Prozent gesunken." Da nicht vorauszusetzen ist, daß die Berliner sich vor dem Jahr 1866 den Magen mit irdischer Speise zu überladen pflegten, so sind wir zu dem Schluß gezwungen, daß sie sich seit dem Siegesjahr" nicht mehr satt eſſen können. " 1 So steht's in der Hauptstadt. Wie mag es erst in der Brovinz aussehen? 14 Trotz der Schulregulative greift doch unter der preußischen Jugend die Irrlehre immer mehr um sich, daß des Königs Rod"( so genannt, weil das Volk ihn zu bezahlen hat, und zwar sehr theuer), nicht so ehrenvoll sei, als ein simpler Bürgerrock oder Bauerukittel, und daß der Mensch etwas Besfres thun könne, als den majestätischen Paradeschritt lernen, die ambrosische Kafernenluft athmen und dann und wann Jagd auf Menschenwild machen. Ja sie greift er= schrecklich um sich die demokratische Irrlehre, und die Amtsblätter sind mit Steckbriefen gegen die Sünder erfüllt, welche aus Unverständniß der Vorzüge des noblen Kriegshandwerks der glücklichen Nordbund- Heimath den Rücken gekehrt haben. Das einzige Kreisblatt für Gnesen, Provinz Posen, zeigt an, daß in diesem Kreis 648, schreibe sechshundert acht und vierzig, junge Männer ,, wegen Entziehung von ihrer Militärpflicht" zu 50 Thlr. Geld oder 1 Monat Gefängnisstrafe verurtheilt find und von der Polizei gesucht werden. Ja, was nüßt aber das Suchen, so lange es Länder gibt, wie die Echweiz, England und die nordamerikanische Republik, welche ein Hohn sind auf den wahren ,, Militärftaat", und durch ihr schädliches Beispiel derlei Jrilehren befördern? Wir möchten deßhalb der preußischen Regierung den Rath ertheilen, an alle diese Länder ungefäumt das Ultimatum zu stellen: Krieg bis aufs Meffer oder Pickelhaube nebst Zubehör für jeden männlichen Bewohner! Thut man dieß nicht, und werden die betreffenden Länder nicht zu Paaren ge= trieben, so ist zu befürchten, daß es im Militärstaat bald an menschlichem ,, Rohmaterial" für des ,, Königs Rock" fehlen wird. 358 ,, Desterreich ist aus Deutschland hinausgeworfen." Und Wien ist die Hauptstadt des ,, aus Deutschland hinausgeworfenen Osterreich." In diesem Wien versammelte sich nun vor 14 Tagen der deutsche Journalisten tag. Was hat der deutsche Journaliſtentag in der Hauptstadt des ,, aus Deutschland hinausgewor fenen Desterreich" zu suchen? Und dürfen wir unseren Sinnen trauen? Dieser nämliche deutsche Journalistentag beschließt einstimmig mit Afflamation, auf Antrag des Redacteurs der ,, Vossischen Zeitung"( Tante Voß"), Organs des spezifischen Berlinerthums, daß Wien ,, natürlich" Vorort des deutschen Journalistenbunds sein müsse! Wachen wir? Oder träumen wir? Ein Glück nur, daß Biedermann( von Leipzig, das müssen wir zur Belehrung unserer auswärtigen Leser hinzufütgen), der eine Ahnung des Schrecklichen gehabt haben mochte, nicht auf seinem Poften war er wäre nimmer lebendig zurückgekommen. Das Krakauer Klosterverbrechen hat den Anstoß zu einer Bewegung gegeben, die ohne Zweifel zur Abschaffung der österreichischen Klöster führen wird. Mittlerweile macht Herr von Beuft sich ein kleines Privatvergnügen, indem er seinem sächsischen Erkollegen Friesen, der ihm auf Weisung von Berlin etwas ,, anzuhängen" suchte, eine Lektion im Notenschreiben ertheilt und mit grausamer Liebenswürdigkeit die boshaftesten Artigkeiten fagt. Den Sat schlägt er und ein gewiffes Individuum meint er. Der Sad wird sich schwerlich arg grämen. Bonaparte hat dem französischen Senat, der soeben zusammengetreten ist, nachstehendes Stückchen Papier, genannt ein ,, Senatustonfult", das die Summe der zu ,, bewilligenden zugeständnisse" enthält, zu unterbreiten geruht: Art. 1. Der Kaiser und der Gesetzgebende Körper haben die Jnitiative der Gesetze. Art. 2. Die Minister hängen nur vom Kaiser ab. Sie deliberiren*) im Rath unter seinem Vorsitz. Sie Sie sind verantwortlich. können nur durch den Senat in Antlagezustand versetzt werden. Art. 3. Die Minister können Mitglieder des Senats und des Gejetzgebenden Körpers sein. Sie haben Zutritt zu einer und der andern Bersammlung und müssen anget ört werden, wenn sie es verlangen. Art. 4. Die Situngen des Senats find öffentlich. Der Antrag von fünf Mitgliedern genügt, damit er sich als geheimes Comité Lildet. Der Senat macht sein inneres Reglement( Geschäftsordnung). die Art. 5. Der Senat kann, indem er die Veränderungen bezeichnet, nach seiner Ansicht an einem Gesetze vorzunehmen sind, beschließen, daß e an eine neue Deliberation**) des Gesetzgebenden Körpers zurückgesandt werde. Er kann in allen Fällen durch einen motivirten Beschluß sich der Promulgation***) eines Gefetes widersetzen. Art. 6. Der Gesetzgebende Körper macht sein inneres Reglement. Bei der Eröffnung jeder Session ernennt er feinen Präsidenten, Bice- Präsidenten und seine Seiretäre. Er ernennt seine Duäsioren. feine Art. 7. Ein jedes Mit lied des Senats oder des Gesetzgebenden Körpers hat das Recht einer Interpellation an die Regierung. Es tön nen motivirte Tagesordnungen angenommen werden. Die Rücksendung der motivirten Tagesodnung besteht zu Recht, wenn sie von der Regie rung verlangt wird. Art. 8. Kein Amendement kann in Berathung gezogen werden, wenn es nicht vorher der Kommission, die mit Prüfung des Geschent wifs beauftragt ist, überwiesen und der Regierung mitgetheilt worden ist. Wenn die Regierung das Amendement nicht annimmt, so giebt der Staatsrath sein Gutachten ab; der Gesetzgebende Körper entscheidet hier auf definitiv. Art. 9. Das Ausgabebudget wird dem Gesetzgebenden Körper nad kapitein und Artikeln vorgelegt. Das Budget jedes Deiniſterims wird gefügten Nomenclatur. nach Kapiteln voiirt, gemäß der dem gegenwärtigen Senatstonfult bei Art. 10. Die in Zukunst an den durch internationale Berträge festgesetzten Post- und Zolltarisen proje.tirten Veränderungen werten erst durch ein Gesetz verbindlich. und Art. 11. Die Beziehungen des Senats, des Gesetzgebenden Körpers taiserliches Teret festgestellt. in Art. 12. Sind abgesch. fft alle mit gegenwärtigem Senate konfult 8, 13, 24(§ 2), 26, 40, 43, 44 der Konstitution und Art. 1 des Senats tonfult vom 31. Dec. 1861. Wind! Wind!!" sagt Mr. Burchill im Landprediger von Wakefield. *) berathen.**) Berathung machung. ***) Beröffentlichung, Bekannt Gambetta schreibt über die Haltung der Zinken: ,, Was ist nun zu thun, um für die Zukunft ähnliches Miglingen zu vermeiden? Es muß eine Linte organisirt werden, die ausschließlich von Bürgern zusammengesetzt ist, die denselben Prinzipien anhängen. Es handelt sich nicht darum auszumerzen, es handelt sich darum gleichförmig zu machen. Man muß die jetzige Linte in zwei Parteien theilen und zwischen ihnen einen Grenzlinie ziehen, die fortan die Verwirrung verhindert, ohne die nachbarlichen guten Beziehungen und die momentanen Mitwirkungen auszuschließen. Die erste Fraktion begreift die Anhänger der konftitutionellen Monarchie. Alle Diejenigen, welche glauben, daß die allgemeine Abstimmung sich mit den nothwendigen Freiheiten atcomodiren kann, müssen sich um Herrn Thiers und um seine Freunde schaaren und ohne Zweideutigkeit die Wiederherstellung des reinen Parlamentarismus verfolgen. Die andere Fraftion rekrutirt sich alsdann einzig und allein unter Denjenigen, welche meinen, daß das Volk der wahre und einzig berechtigte Herrscher ist, oder daß ihm die Realität der Regierungsgewalt werden muß; allen Denjenigen, welche mit einem Favre, einem Simon, einem Bancel, einem Pelletan und den Anderen denken und sagen, daß das Volk sich nicht eher befriedigt erdären kann, als bis es Diejenigen, welche es heute als seine Herren unrechtmäßig unterdrücken, auf ihren Rang als Subalterne, wirklich Gehorsame und Verantwortliche zurückgeführt hat Diesen kann in der That die ministerielle Verantwortlich: eit nicht genügen, es ist ihnen die direkte, unmittelbare Verantwortlichkeit eines Jeden, wer es auch sei, der ein Amt verwaltet, unumgänglich nothwendig, und vor Allem ist für sie die ernstliche, organisirte, leicht ausführbare Verantwortlichkeit des Chess der Exekutivgewalt unerläßlich. Es liegt ihnen nicht daran, durch eine Fittion den ersten Beamten des Volkes zu decken, es liegt ihnen daran, ein schleuniges und nachdrückliches Einhaltthun zu sichern, wenn er dazu kommen sollte, die Rechte des Volkes zu vertennen oder die großen Interessen des Vaterlandes zu verrathen. Um Alles zu sagen: sie seyen keine Ordnung, Sicherheit, Freiheit fürs Land als von dem Augenblick an, wo das allgemeine Stimmrecht, vollständig emanzipirt, demokratische Institutionen begründet haben wird, welche fähig sind, durch sich selber die Freiheit, die Gleichheit, die Beilder lichkeit zu sichern. Diese Trennung, welch: feine Spaltung ist, ist eben so wünschenswerth als unvermeidlich; sie allein kann und muß der raditalen Demofcatie eine au richtige Vertretung im Parlament sichern. Ich weiß recht wohl, daß die Linke dabei gewisse Verbündete verlieren wird; gewisse Persönlichkeiten werden sie verlassen; aber diese Zahl ist nur ein tostspieliger Schein und nicht eine Macht, weil es unmöglich ist, sie unter einem politischen Dokument von einigem Werth und von einiger W.irde figuriren zu sehen. Worauf es jetzt antommt, das ist nicht die numerisch: Stärke der Linken, es sind ihre Prinzipien, ihre Beschlüsse, ihr Charakter, ihre Handlungen. Pauci sed fortes.*) Emmige Namen können für das neue Wrt genügen, und wenn fie für Augenblicke zu wenig sind, so mögen sie doch bedenken, daß die Zukunft und die Revolution hinter ihnen stehen. Sie müssen tämpfen und hoffen! Wenn die Stunde gekommen sein wird, so haben fie nur an das allgemeine Stimmrecht ihren Aufruf ergehen zu lassen, um Gehilfen und Waffenbrüder aufstehen zu sehen." Der Grundgedante, daß die prinzipielle Opposition sich von den parlamentarischen Waschlappen trennen muß, ist jedenfalls richtig. Allein gehört denn Favre nicht auch zu jenen Maulhelden, die durch das Geplätscher ihres Redebächleins das Volf ,, den faulen Lümmel" einschläfern und darum die besten Stüßen despotischer Regierungen sind? Und mit dem„ Aufruf ans allgemeine Stimmrecht" wird auch kein Hund hinter dem Ofen hervorzuloden sein. Aus Spanien verwirrte Nachrichten. Daß die Carlisten d. h. die Anhänger der legitimen Monarchie, die aber mit den Anhängern Jsabellens verbändet sind, einen Aufstand probirt haben, ist gewiß ebenso gewiß, daß dieser Aufstand ein hoffuungsloser. Bum Congreß. Von verschiedenen Seiten gehen uns Anfragen zu, ob wir Schritte gethan haben, eine Störung des Congresses in 359 11 Unser Auftreten in Wien hat den Pfaffen, Junkern und Bourgeois mißfallen. Gut, das sollte es. Ebenso schmeichelhaft und ergötzlich ist uns daher das Wuthgeheul des ,, Vaterland", Wanderer", der Breffe" ,,, Nationalzeitung" ,,, Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ,,, reuzzeitung" ,,, Sozialdemokrat" und wie sie alle heißen, die Blätter dieses Gelichters. ,, Sozialdemokrat" beging die Tölckelei, einen Aufruf an die Wiener Arbeiter zu erlassen und ihnen eine Vorlesung über politische Pflichten zu halten. Dafür ist dem sauberen Gesellen folgende Abfertigung zutheil geworden: Erklärung. Der Zu unserer großen Ueberraschung finden wir in Nr. 89 des ,, Sozialdemokrat" einen Aufruf an die Arbeiter Desterreichs, in welchem die Volfsversammlung vom 25. v. M. in völlig wahrheitswidriger Weise besprochen und Herr Wilhelm Liebknecht aus Leipzig in der heftigsten Weise angegriffen wird. Unsere Verwunderung darüber, daß plößlich der Berliner Sozialdemokrat" den österreichischen Arbeitern fast eine ganze Nummer widmet, war um so größer, als dieses Blatt seit geraumer Zeit die Arbeiterbewegung in Desterreich fast völlig ignorirt hat, ja sogar die Resultate der Sperlversammlung, welche er heute so ehrenvoll erwähnt, im August v. J. in einem ,, Verwirrung" überschriebenen Aufsaße herabgewürdigt hat. Wir sehen uns daher zu folgender Erklärung genöthigt: 1) Wir können in den Zärtlichkeiten des ,, Sozialdemokrat" feine Aufrichtigkeit erblicken, sind auch, was den Eisenacher Congreß betrifft, nur der Einladung Derer gefolgt, die ihn einberufen haben. 2) Weder die Wiener Arbeiter, noch Herr Liebknecht kön= nen verantwortlich gemacht werden für die bezüglich der letzten Volksversammlung veröffentlichten Zeitungsberichte, und verweisen wir dieserhalb auf den in der nächsten Nummer der ,, Volksstimme" erscheinenden Bericht. 3) Lassalle ist nicht im Geringften in der Volksversammlung geschmäht worden, vielmehr hat Herr Liebknecht . dem Wirken Lassalle's alle Anerkennung gezollt. 4) Die österreichische Arbeiterbewegung hat von ihrem Beginne an stets die Prinzipien der Internationalen Arbeiterassoziation vertreten, welche auch in der erwähnten Volksversammlung von Herrn Liebknecht entwickelt wurden und der Beifall der Arbeiter hat daher in der obwaltenden Uebereinstimmung seinen Grund gehabt. 5) Die Politit des sogenannten„ Bürgerministeriums", mit dem die Arbeiter bis jetzt noch mancherlei gemeinsame Jateressen haben, ist auf der Volksversammlung viel heftiger und schärfer angegriffen worden, als je vom " Sozialdemokrat" das preußische Minifteriu m, mit dem die Arbeiter absolut keine gemeinsamen Interessen haben. Wien, am 3. August 1869. Andreas Sheu( Vorsitzender der lezten Boltsversammlung). J. C. Mühlhauser. H. Pabst. Jos. Blazincic. Conrad Groß. Hermann Hartung. Heinrich Oberwinder. Der Zukunft“ und„ Frants. Zeitung" wird von Leipzig geschrieben: In der öffentlichen Versammlung des Berliner demokra= nach Auszeichnung der anwesenden Polizeibeamten in seinem Vortrag über die politische Stellung der deutschen SozialDemokratie" u. A.:,,die jezige Gestaltung Deutschlands besteht nur durch einen Rechtsbruch und stützt sich auf das Schwert." preußische StaatsEisenach zu verhüten. Wir erflären darauf, daß alle Vorsichts- tischen Arbeitervereins vom 31. Mai d. J. sagte Liebknecht maßregeln getroffen sind, und der Congreß unter allen Um ständen seinen Zved erreichen wird. Unsere Parteigenossen ermahnen wir, sich unter feiner Bedingung zu einer Gewaltthätigkeit fortreißen zu lassen. Wir wollen zeigen, daß Sozials Jn dieser Aeußerung findet der königlich demokraten keine Gaffenbuben und Gaffenbuben teine Sozial- anwalt Shüz ein Shmähung der preußischen Regierung*), demokraten sind. Renige aher Starte 11 *) Die jetzige Gestaltung Deutschlands ist herbeige ührt durch die Bolitit der preujishen Staatsrejie.unj, es liegt aljo darin eine Schmäbung diejer Bolitic, daß sie mit einem Rechtsstuche ident.fizirt wird" 360 und auf seinen Antrag hat das Berliner Stadtgericht auf Grund des berühmten§ 101 die Untersuchung gegen Liebknecht eröffnet und ihm zur mündlichen Verhandlung einen Termin auf den 17. September, Vormittags 10% Uhr, im ,, GeschäftsTotal ,, des Stadtgerichts, Lagerhaus, Klostergaffe 76, 1 Treppe, angesezt. ,, Erscheinen Sie nicht", heißt es in der betreffenden Borladung, so wird nach Befinden in contumaciam der Beweis aufgenommen und das Urtheil gefällt und verkündet oder ein anderer Termin anberaumt und Ihre Verhaftung und Vorführung zu demselben angeordnet werden." Letzterer Bassus ist interessant; wir haben da greifbar und zweifelsohne die süße Frucht der„ Einheit des Rechtsschutzes", oder der ,, Rechtseinheit" oder wie man sonst diese direkt ins einheitliche ,, Nationalzuchthaus" führende ,, Errungenschaft" mit nationalliberalem Euphemismus zu benennen pflegt. Interessant ist ferner, daß die rechtseinheitliche Vorladung Liebknechts in tragischem Widerspruch steht mit jener, durch die neuen Nordbundsgefeße nicht aufgehobenen Verordnung des preußischen Ministeriums, durch welche derselbe vor 4 Jahren aus Preußen ausgewiesen ward. Das Dilemma für Liebknecht ist nun: Entweder er geht nach Berlin, um nicht in Leipzig wegen Miß achtung des Berliner Stadtgerichts verhaftet zu werden, und dann wird er in Berlin wegen Bannbruch verhaftet; oder er bleibt in Leipzig, um nicht wegen Bannbruch in Berlin verhaftet zu werden, dann wird er in Leipzig wegen Mißachtung des Berliner Stadtgerichts verhaftet. Das Interessanteste von Allem wird aber die Haltung des Gerichts und die Beweisführung des königlich preußischen Staatsanwalts sein, daß der Nordbund nicht aus einem Rechtsbruch hervorgegangen ist, und nicht auf das Schwert sich stützt. Das Jahr 1866 vor den Schranken des Berliner Stadtgerichts" es wäre ein föstliches Thema für den ,, Kladderadatsch," schade nur, daß es auf verbotenem Felde liegt." " 1 Tölcke*) hatte die Frechheit, auf die in letzter Nummer veröffentlichte Erklärung Bebels zu antworten, er( Tölde) werde beweisen, daß Bebel 600 Thlr. vom König von Hannover empfangen. Diese des Urhebers würdige Infamie, deren Bwed flar zu Tage liegt, hat folgende Erklärung Bebel's her vorgerufen: 11 Die Tölde'sche Behauptung soll dazu dienen, ein ganz elendes Bubenstück gegen mich in Szene zu setzen. Herr Tölcke weiß, daß er gelogen, Herr Tölcke weiß, daß er die Beweise für seine Behauptung nicht liefern kann, Herr Tölcke weiß aber auch, daß die von mir gegen ihn, und zwar in meinem Auftrag durch Hru. Dr. Hierjemenzel in Berlin anzuſtrengende Klage erst nach Wochen, vielleicht nach Monaten beendet ist. Herr Tölde weiß, daß er dann auch verurtheilt wird, aber daran liegt ihm nichts. Hauptsache für ihn ist, jetzt vor dem Eisenacher Congreß diese Lüge und Berleumdung in die Welt zu setzen, um die Arbeiter gegen mich aufzuheben und den von Herrn Tölde und seinen Anhängern für Eisenach projektirten heißt es in der Antlageschrift. So unterhaltend es für uns wäre, den fönigl. preußischen Herrn Staatsanwalt ausführen zu hören, daß die Schlacht von Sadowa nur ein Reptilienmährchen ist, und daß der alte Deutsche Bund fich freiwillig und in aller Form Rechtens anfgelöst bat, so werden wir doch wohl hinlängliche Selbstbeherrschung haben, auf den Spaß zu verzichten. Die Red. d.„ D. W." * Hier anmerkungsweise einige ,, Töldeana": 1) Tölde rechnet in Deutschland 500,000 Schweizerlinge zusammen! Wie er das furiose Rechenempel zu Wege bringt, davon ein andermal. Genug er zählt Jeden dreimal und setzt zwei Nullen hinten dran. heilige Dreieinfältigkeit! 2) Wir sagten in vorletzter Nummer: ,, alle ehrlichen Arbeiter, auch wenn sie gegen uns stimmen wollen, find nns willkommen; bezahlte Standalmacher werden behandelt, wie sie es verdienen. Daraus schließt Tölde, wir hätten alle Delegirten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins für bezahlte Standalmacher erklärt. Die Delegirten mögen fich bei ihm bedanken. Tölcke ist da das Nämliche Malheur paffirt, wie jenem übereifrigen Pariser Polizeidiener, der einen Herrn verhaftete, welcher 3 einem andern gesagt hatte: Er ist der größte Schuit!". verhaften Sie mich?" Weil Sie den Kaiser geschmäht haben.." Wie jo? Sie sagten: Er ist der größte Schuft" wen anders fonnten Sie meinen, als den Kaiser?" Tölde! Warum Standal auf mich abzuleiten. Das ist der Zweck der Tölde= schen Lüge. Gleichzeitig sucht Hr. Töldke in mehreren Nummern des ,, Sozial- Demokrat" Herrn Liebknecht in niederträchtighetzerischer Weise den Arbeitern zu denunziren und dieselben gegen ihn aufzubringen. Das Schurckenspiel des Hrn. Tölcke ist enthüllt. Bebel." Leipzig, 4. Aug. 1869. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß Hr. Tölde früher einmal zum Präsidenten des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins gewählt worden war, um dem Literaten und Baron Schweißer den Weg zu bahnen, und daß ihm damals von der sächsischen Polizei( der Verein hatte bekanntlich in Leipzig seinen Sitz) die Bestätigung versagt wurde, weil er( Tölde) durch rechtskräftige Verurtheilung wegen einer betrügerischen Handlung die bürgerlichen Ehrenrechte verloren hat. Daß solche Gesellen auf die ehrlichen Sozial- Demokraten schlecht zu sprechen sind, und gegen das Wort„ ehrlich" einen heftigen Widerwillen empfinden, ist ebenso natürlich, als daß die preußische Polizei in punkto des Tölde'schen Ehrenpunktes nicht so heikel ist, wie weiland die sächsische Polizei. Der ,, Sozial- Demokrat" versucht eine Kritik des Programms und Organisationsplans für die sozialdemokratische Partei, es ist ihm dabei aber so heiß geworden, daß ihm die Tinte in der Feder eintrocknete und er es zu nichts als einer Denunziation in Bezug auf die bestehenden Vereinsgesetze brachte. Aus Barcelona ist uns die erste Nummer eines sozial demokratischen Arbeiterblattes:" La Federacion"( der Bund), das vom 1. August an wöchentlich erscheint zugegangen. Dank und Gruß den Brüdern in Spanien! Wir machen unsere Leser ausdrücklich auf die Hofstetten' sche Schrift aufmerksam.( Siehe die betr. Anzeige.) Aus England. London, den 26. Juli. tisch- soziale Stellung in Erwägung gezogen und mit Murren Britannia's erstgeborene Söhne*) haben ihre poliund Naserümpfen nachgegeben. Sie sind überzeugt, daß Glad aber sie fügen sich in das Unvermeidliche; sie sind überzeugt, stone die Religion, das Eigenthum, die Gesellschaft revolutionirt, daß Widerstand umsonst sein würde, da sich die große Volks masse ein für allemal gegen die irische Kirche insbesondere und gegen das Staatskirchenwesen überhaupt erklärt hat. Der Aristokrat verlangt einen Seelsorger, der durch seine Einfünfte furcht einflößt, der radikale Bürger dagegen verlangt einen und soziale Stellung der Gemeinde, welcher er vorsteht, EhrPrediger, der wie jeder andere Lohnarbeiter, sich dem Willen des Arbeitgebers fügen, d. h. der Diener seiner Gemeinde sein muß, und dessen Arbeitslohn nach dem Gesetz der Nachfrage und Zufuhr bestimmt wird. Der Marquis von Salisbury hob diesen Unterschied schlagend hervor. Der Mann für eine freiwillige Gemeinde, sagte er, muß durch feurige Reden eine zahlreiche Zuhörerschaft anziehen; nur auf diese Weise kann er Geld verdienen. Vermag er dieses nicht, so muß er darben. Die Klerisei der etablirten( Staats-) Kirche ist nach des Marquis Meinung nicht in dergleichen geübt. Er fragte das Haus der Lords, ob es bereit sei diese Leute den Launen eines einzigen Mannes zu opfern? Er behauptete, daß die Bill weder das Verlangen des Volks, noch das Wert des Unterhauses, sondern einfach das Spiel von Gladstone sei. So sprach der edle Marquis am Dienstag; die Abstimmung, welche folgte, 11 *) Die Häupter der hohen Adelsfamilien( die eigentlichen Lords) haben im Oberhaus erblichen Sit gab eine Majorität gegen die Regierung, worauf der Wortführer des Ministeriums erklärte, daß er für nöthig halte, das Gutachten seiner Collegen einzuholen, ehe man weiter gehe. Gleichzeitig wurden Volksversammlungen in allen Theilen des Königreichs gehalten, um das Ministerium zu unterstützen. Das von der Reformliga hinterlassene ,, Wachsamkeits- Comité" fündigte bedingungsweise eine Riesendemonstration an, und die Unterhausmitglieder eines Londoner Wahlbezirks erhielten von ihren Wählern den Auftrag, eine parlamentarische Commission zu beantragen, die untersuchen sollte, was das Oberhaus seit 50 Jahren zum Behuf des allgemeinen Wohls gethan habe. Mittwoch ward eine Konferenz der verschiedenen Barteihäupter gehalten, die damit endigte, daß die Bill Donnerstag mit wenigen Abänderungen angenommen wurde. Durch seine Oppofitien hat das Oberhaus der abgesetzten Klerisei 800,000 Pd. Sterl. mehr gesichert, als ihr von der Regierung ursprünglich zugedacht wurde. So ist der große Streit zu Ende, die Vorposten*) des aristokratischen Staatsfirchenwesens sind überwältigt. 11 Wie groß die Arbeitslosigkeit heut zu Tage ist, be= weist der achtzehnte Jahresbericht der Gesellschaft der vereinig ten Maschinenbauer". Die Gesellschaft zählt gegenwärtig über 30,000 Mitglieder und hat während 18 Jahren**) 425,844 425,844 Bfd. Sterl. an arbeitslose Mitglieder verausgabt. Die GeDie Ge jamuntausgaben belaufen sich während des ganzen Zeitraums auf 721,655 Pfd. Sterl., Kassenbestand Dezember 1868, 98,670 Pfd. Sterl. An Hilfsgeldern für andere Gewerke in Zeiten von Strifes wurden 10,375 Pfd. St. verabreicht. Die Ausgaben für das Jahr 1868 beliefen sich auf 109,810 Pfd. St., Einnahmen 83,246 Pfd. St. Verausgabt an arbeitslose Mitglieder 64,979 Pfd. St.; an Kranke 16,992 Pfd. St.; an Altersschwache 7,123 Pfd. St.; an Verunglückte 1000 Pfd. St.; Beerdigungskosten 5,049 Pfd. St.; wohlthätige Zwede 3,026 Pfd. St. Es ist zu bemerken, daß diese Gelder durch die Hände von Leuten gingen, die den Bezahlern gegenüber nur eine mo= ralische Verantwortung hatten, da nach dem heutigen Gesetz gerichtliche Verfolgungen wegen Veruntreuungen, die indessen außerordentlich felten vorkommen, abgewiesen werden. Welcher Kontrast von Ehrlichkeit verglichen mit den bürgerlichen AktienGesellschaften! und Die Katastrophe in dem Burgt'schen Kohlenwerk. 361 Erdoberfläche gelegenen Werke erschwerte, verbunden mit dem Stillstande des Betriebs am vorhergegangenen Sonntag soll die Ansammlung entzündlicher Gase in den Grube verschuldet haben. Der größte Theil der Leichen, welche in der Nähe des Unglücksstelle in einem gemeinschaftlichem Grabe beerdigt werden sollen, befindet sich noch in den Werken, deren Zugang durch die infolge der Explosion eingetretenen Zerstörungen zum Theil aufgehoben ist und wegen der in den abgesperrten Theilen sich fort und fort ansammelnden Gase nur mit großer Mühe und Vorsicht wieder hergestellt werden kann. In Dresden cirkulirten bereits am Montag Vormittag unbestimmte Gerüchte über das 1½ Stunden vor den Thoren der Stadt eingetretene schreckliche Ereigniß. Aber zuverlässige Mittheilungen sind unbegreiflicherweise dem Publikum selbst in dem Augenblick, wo ich dieses schreibe, 48 Stunden nach der Scatastrophe, noch nicht geworden. Selbst das ,, Dresdener Journal" ist außer Stande gewesen, solche zu erlangen. Wahrscheinlich erklärt gerade der Umstand, daß alle an der Sache interessirten Behörden wegen der Nähe des Unglücksschauplatzes sich persönlich an Ort und Stelle begeben konnten und begeben haben, das Ausbleiben schriftlicher Berichte. Tausende strömen hinaus nach Burgt, um wo möglich persönlich Kunde zu erlangen, ohne etwas anderes als die im Orte verbreiteten Muthmaßungen heimzubringen. Der Zutritt zu den Werken ist nur den Familienangehörigen der Verunglückten gestattet, die allein schon eine gewaltige Zahl ausmachen und zum Theil nicht einmal im Stande sind, zu unterscheiden, ob in den verbrannten und verstümmelten Leichnamen, welche nach und nach zu Tage gefördert werden, die Reste der verlornen Glieder ihres Hauses ( bisweilen mehrere aus einer Familie), vorliegen oder nicht. In der Stadt wird zum Besten der Hinterbliebenen fleißig gesammelt. Der König stellte sich mit 500 Thlr. an die Spitze der Subskription, die Börse folgte mit 1000. Alle Behörden haben Sammelstellen eröffnet.. Die unter ungeheurem Menschen zufluß im Gange befindliche ,, Vogelwiese" wird ebenfalls zum Appell an die Mildthätigkeit benut. Der Albertverein", zum Besten verwundeter Krieger gegründet, ist ausgerückt, um so viel wie möglich den Hinterlassenen der auf dem Schlachtfeld der Industrie Gebliebenen leibliche Hülfe angedeihen zu lassen. Aber der Jammer, die Größe des Elends überschreiten auch alles in ähnlichen Fällen bisher Dagewesene. Die größten Anstrengungen werden erforderlich sein, den furchtbaren Schlag, von dem einer der bedeutensten Theile des sächsischen Arbeiterstandes in so furzer Zeit zum zweiten Male heimgesucht wurde, überwinden zu helfen. " Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrif- und Handarbeiter. ( Vierte öffentliche Sitzung der Vororts: Verwaltung, Crimmitschau, 30. Juli 1869. Protokoll Auszug.) Dresden, 4. August 1869. Zur Rechtfertigung des Unternehmergewinnes beruft man lich bekanntlich auf das Risico, welches der Unternehmer zu tragen habe. Daß auch auf dem Arbeiter ein Risico lastet, zwar ein recht schweres, ein solches, welches kaum durch irgendwelche im Arbeitslohn mitzugewährende Prämien" gedeckt werden kann, daran erinnert mit furchtbarem Ernst die wohl beispiellose Katastrophe, deren Schauplatz vorgestern früh Unter den Eingängen( Nr. 35-45) ist als erster Punkt bei mit einander in unterirdischer Verbindung stehende frei der Tagesordnung zunächst der Hilferuf von Geyer" in Be= herrlich v. Burgt'sche Steinkohlenwerke geworden sind. Noch rathung gezogen und neben den derzeit getroffenen Dispositionen ist die Zahl der Opfer nicht genau bestimmt, aber schon die sowie den diesbezüglichen mit dem Bevollmächtigten der Geyrer niedrigste Ziffer, die von dreihundert und einigen zwanzigen Lokalmitgliedschaft bisher gepflogenen Verhandlungen, weiter spricht, muß die fühlende Menschenbrust mit starrem Entfeßen erfüllen. Eine Gasexplosion, welche sich durch die erwähnte unterirdische Verbindung von einem Werke zum andern fortsetzte, hat am Montag Morgen unmittelbar nach dem Einfahren der Mannschaft mehrere hundert Leben in einigen Augenblicken vernichtet. Die Schwüle der atmosphärischen Luft, welche die Lüftung der untersten 1,800 Fuß unter der Aber auch nur Vorposten, und noch lange nicht alle! **) Mögen die deutschen Arbeiter sich die nachfolgenden Zahlen genau anſchen, und sich die Bedeutung derselben klar machen. Diese Zahlen sind in der That beredt; sie predigen mit unwiderstehlicher Kraft die Bortheile der Gewerks- Genossenschaften. The 90 Tar oder 12 Buiden rheinisch) bestimmt worden, Alles aufzubieten, die wanderfähigen Elemente zunächst außerhalb des Distriktes unterzubringen, sodann schlennigst betreffs der seßhaften Leute vom Fach mit der in Annaberg bestehenden Produktiv- Genossenschaft der Posamentire in Verkehr zu treten, und gegebenen Falles nach Abwägung eines genauen Finanzplanes zum erweiterten Betrieb der ProduktivGenossenschaft, als Mittel zur Erwerbfähigmachung der brachliegenden tüchtigsten Kräfte, mit ratenweisen Kapital- Borschüssen einzutreten, Zweck dessen immer und immer wieder die Gesammtmitgliedschaft zur ungefäumten definitiven Constituirung, noch nicht betheiligte Berufsgenossen zum baldigen Beitritt aufzufordern. Zur genauesten Prüfung der Verhältnisse an Ort und Stelle und persönlichen Berathung mit Annaberg, wird sofort nach dem Eisenacher Congreß der Borort einen Vertrauensmann beauftragen. = Bis längstens den 16. August d. J.( dem ersten Vierteljahr unseres Bestehens) sollen die Unterlagen zum ersten HauptKaffen Abschluß, dem Vorort überantwortet sein, was den Mitgliedschaften hierdurch ausdrücklich ans Herz gelegt wird. Die Veröffentlichung erfolgt Ende Auguft im Gewerkschafts- Organ. Die Mitgliedschaft Mülsen St. Niklas wird wegen ihrer Wahlbeanstandung schriftlich beschieden, überhaupt aber allen Mitgliedschaften ausdrücklich zur Kenntniß gebracht, streng und genau nach Statut und Geschäftsordnung die ihnen zustehende Selbstverwaltung zu üben. Zweiter Punkt der Tagesordnung, den Congreß zu Eisenach behandelnd, fand dahin gehende Erledigung, daß alle Lokalmit gliedschaften im Wege außerordentlicher freiwilliger Beistener die Beschickung von Eisenach zu ermöglichen suchen, oder Mandat ertheilen sollen. Die Vororts- Mitgliedschaft wählt ihren Delegirten. = Die im Genfer ,, Vorboten" Nr. 7 d. J. enthaltene Resolution und Denkschrift der Internationalen Arbeiteraffoziation( Central Comité der Sektionsgruppe deutscher Sprache) findet ungetheilten Beifall und Zustimmung der Vorortsverwaltung, nur vermißt dieselbe in den Motiven wie in der Verfassungs Auf stellung mit Bedauern Andeutungen über die Stellung der Frauen innerhalb des zu schaffenden Volksstaates". Unfere Gewerkschaft umfaßt beiderlei Geschlechter und soll der Delegirte der Borortsmitgliedschaft bei Berathung der Parteiorganisation für Babrung dieser Gesichtspunkte einstehen. Die Reorganisation der Gesellschaft wird sich nur dann glücklich bewahrheiten, wenn alle streitbaren Elemente gesammelt werden, um vor dem Feinde zu stehen. Grüneberg bei Crimmitschau meldet heute die Consti tuirung einer Mitgliedschaft( über 100 in Aussicht) und als: Bevollmächtigten: Beitragsammler: Controleur: C. Ed. Lange. W. Martin. E. Zimmermann.( offen). W. Karthe. ( bekannt). Hainichen Fr. Engelmann. Mülsen St. Niklas Friedrich Lencht. Burgstädt ( bekannt). Waldenburg)( bekannt). Crimmitschau, den 31. Juli 1869. ( bekannt). Aug. Taubert. Für die Verortsverwaltung: J. Motteler, 1. Vors. *) Bei Fr. Friedrich, Mittelstadt- Waldenburg wird die WanderUnterstilzung ausbezahlt. Mahnruf an alle Arbeiter des In- und Auslandes. Die längst gedrückte traurige Lage der Zimmerleute veranlaßte diese bei ihren Arbeitsgebern ein Gesuch einzureichen, in welchem die Arbeiter um eine Verbesserung des Arbeitslohnes von 20 Procent und um eine Verminderung der Arbeitszeit von einer Stunde( 6-6) pro Tag nachsuchten, welche Forderungen hier bei den hiesigen theueren Berhältnissen durchaus gerechtfertigt sind. Doch dieses Gesuch scheiterte an dem Eigennus und der Harnäckigkeit der betreffenden Arbeitgeber, und alle seit dem 5. Juli dieses Jahres angestrebten Verständigungsversuche blieben nutzlos. Die Meister fanden sich bewogen, folgende Artikel gedruckt in den Werkstätten anzubringen: Art. 1. Die Gesellen werden in vier Klassen eingetheilt: Erste Klasse: Vorarbeiter zu 1 fl. 24 fr. Zweite Klasse 1 fl. 18 fr. Dritte Klasse 1 fl. 12 fr.-Vierte Klasse 1 fl. 6 tr. Art. 2. Alle Gesellen, welche 3 Stunden von der Stadt ent fernt sind, sind verpflichtet 5 Stücke Werkzeug mitzubringen. Art. 3. Den fremden Zimmergesellen gegenüber. ist der Meister verpflichtet das Handwerksgeschirr zu stellen, wofür 12 fr. Leihgeld alle 14 Tage abgezogen werden. Art. 4. Derjenige Gefelle, der seine Arbeitszeit durch Blauenmachen" nicht genau einhält, wird mit 30 fr. Strafe pro Tag belegt. Art. 5. Die Arbeitszeit wird wie gewöhnlich beibehalten, von Morgens 6 bis Abends 7 Uhr. An Hauptjesten wird den Tag vorher eine Stunde früher zu arbeiten aufgehört. Mrt 6 Das Tabakraudim it mährand day V 362 lich untersagt. Art. 7. Derjenige Arbeiter, welcher sich etwas Brennholz von der Arbeit mitnimmt, bekommt es von dem betr. Meister als Nugholz in Abzug gebracht. Art. 8. Derjenige Gesell, welcher sich eine Aufwiegelung zu Schulden tommen läßt,( etwa einer guten Sache halber), wird augenblid lich der Arbeit entlassen und kann bei keinem Meister mehr in der Stadt um Arbeit ansuchen. Genossen! Ihr werdet den Wiederklang der hiesigen Vorgänge durch die Presse gelesen haben, jedoch sind die Ereignisse von den Arbeitgebern und Gegnern der Arbeit überhaupt oft auf eine gemeine Art geschildert worden, und nur sehr wenige Blätter brachten einen annähernd wahrheitsgetreuen Bericht. Es hat sich hier ein Comité gebildet, welches sich zur Aufgabe gestellt, die Arbeiter unserer Strike durch Geldjamm lungen zu unterstügen. Da uns aber ein Gesetz dasselbe bis jetzt noch verbietet, wodurch bereits drei Arbeiter, die damit den Anfang machen wollten, durch die Polizei aufgefangen und vor Gericht gezogen wurden, wofelbst man dieselben in eine Geldbuße von 3 fl. und die Kosten, sowie Confiskation der bei ihnen vorgefundenen Gelder verurtheilte: Da nun begreiflicher Weise solch' große Unterstützungs mittel bei den Arbeitern von Mainz, die in rührendster Weise ihre Ersparuiffe schon opferten und ihr Brod theilten, allein nicht aufzutreiben möglich sind, vorerst die gehofften Zu schüsse von Außen im Verhältniß des Bedarfs noch unbedeutend waren, so daß die Furcht nahe liegt, daß ein großer Theil der Zimmergesellen, indem wir ihnen noch zu wenig zu ihrem jezigen Unterhalt bieten konnten, wankelmüthig werden, und vielleicht dadurch unsere gerechte Sache, die unter anderen Umständen den Sieg verspricht, leicht unterliegen könnte: Aus all diesen Gründen bitten wir Euch dringend uns zur Befreiung aus unsererer bedrängten Lage brüderliche Hand zu reichen, und uns das Resultat Eurer Bemühungen so schnell wie möglich zukommen zu lassen. Bedenkt, daß wir Alle Kinder, Alle Brüder einer großen Arbeiterfamilie sind. Es besteht also, soll die Solidarität eine Wahrheit sein, eine Ehrenschuld aller Arbeiter. Unsere Sache ist Eure Sache, und Eure Sache ist unsere Sache; wo man Euch weh thut, thut man uns weh, wo Ihr uns Gutes thut, thut Ihr Euch Gutes; denn wir Alle sind Eins, in gleichem Kampfe zu gleichem Ziele. Mainz, den 27. Juli 1869. Mit foziel- demokratischem Gruß und Handschlag Das Comité der strikenden 3immergefellen: Georg Mathes. Georg Meyer. Joh. Roth. Georg Baumann Franz Beter Weram. Etwaige Geldsendungen beliebe man an Georg Mathes, Ignaz gäßchen Nr. 9 neu, gefälligst einsenden zu wollen. Wir erhalten Folgendes zugesandt: ,, Herr Redakteur! Die Mitglieder des Allgemeinen deut schen Arbeiter- Vereins zu Elberfeld ersuchen Sie, da Sie An griffe gegen ihren Bevollmächtigten und somit diese selbst beleidigt gebracht, nachstehende Erklärung in Ihrer Zeitung abzudrücken. Elberfeld, 28. Juli 1969. = Zum Auftrage der Mitglieder: Carl Klein. Erklärung. Die Versammlung vom 25. Juli von den Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Arbeiter Vereins zu Elberfeld er flärt: Die Angriffe des Herrn Schmelzer in Nr. 29 des ,, Demokratischen Wochenblattes" gegen unsern Bevollmächtigten Menschen unwürdig ist, sich mit solchen ordinären Subjekten Carl Klein sind so niederträchtiger Art, daß es ordentlichen wird, weiter zu befassen. Wir erflären, unser Bevollmächtigter wie Schmelzer, der von allen Wupperthaler Arbeiter verachtet hat unser volles Vertrauen, er steht muthig für uns ein und wir für ihn, troy aller Schmelzer'schen oder anderer Schimpfereien. Die Elberfelder Mitglieder.*) wir *) Da Hr. C. Klein in unserm Blatte angegriffen war, mußten die von ihm eingefandte Erklärung au nehmen. Das Demote. Wochen blatt" ist kein ,, Sozial- Demotrat". Den Wer.h der Erklärung au be 363 Herr Fr. Nadge von Wolfenbüttel bestreitet in einem Schreiben an uns die Richtigkeit der von den Hrn. Müller und Ellers in unfrer vorletzten Nummer gemachten Angabe, daß die Gemeinde des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in Wolfenbüttel keine 26 Mitglieder zähle, und verweist auf die in seinem Besitz befindlichen Mitgliederlisten. Nun in Bezug auf die Mitgliederzahl fann leicht ein Irrthum untergelaufen sein, aber auf die Mitgliederlisten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins möge man sich nicht berufen, denn wir wissen aus Erfahrung, daß aus denselben in der Regel kein Schluß auf die Mitgliederzahl zu ziehen ist. Vororts: und Arbeiter- Angelegenheiten. Den Verbandsbeitrag haben weiter entrichtet: DresdenCainsdorf, Mittweida, Arb-- B.- V. Meerane, Fürth( 2 3ah, lungen); Thurm, Oberlungwitz( 1868 und 1869), St. Jacob, Hanau, St. Niclas, Stangendorf, Leipzig( 2. Zahlung), Arb.Lese- Verein Lichtenstein, Saalfeld, Mülsen. Leipzig, 4. Aug. 1869. = Für den Vorort: Bebel, Vorsitzender. Die Meldungen von Deputirten- Wahlen für den Eisenacher Congreß und Vereinstag gehen uns so zahlreich zu, daß wir sie nur kurz erwähnen können. Nach den uns borliegenden Berichten schicken: Berlin 3, Luckenwalde 1, Leip= zig 10, Dresden 4, Crimmitschau 4, Werdau 1 oder 2, Reichenbach im Voigtl. 1, Kirchberg und Umgebung 2, Zwickau 2, Mülsengrund 2 oder 3, Lichtenstein- Calnberg und Umgebung 1, Hohenstein- Ernstthal- Oberlungwitz 1, Lugau und Umgebung 1, Stollberg 1, Geyer mit Umgeb. 1, Hainichen 1, Mittweida- Burgstädt 1, Lunzenau 1, Chemnitz 1 oder 2, Glauchau und Umgeb. 2, Meerane 1 oder 2, Ronneburg 1, Altenburg 1, Gera 1 oder 2, Münchenbernsdorf 2, Coburg mehrere, Nürnberg 3, Bamberg 1, Fürth 1 oder 2, Würtemberg 7 oder 8, die österreichischen Arbeiter 4, Arb.- Bild.- Ber. der Schweiz 3, die Internationale Arb.- Assoziation 1 oder 2 Delegirte. Ferner find Anmeldungen erfolgt mit unbestimmter Bahl von Mainz, Bieberich, Wiesbaden, Frankfurt a. M., Darmstadt, Mannheim, Magdeburg, Halberstadt, Köln, Elberfeld, Barmen, Hamburg, Braunschweig, Hildesheim, Wolfenbüttel, Dessau u. f. w. Die Arbeiter der Thüringer Städte Apolda, Erfurt, Weimar, Gotha u. s. w. werden massenweise sich einfinden. Von einer Menge kleinerer und entfernterer Orte sind uns Mandate zugegangen mit der Aufforderung die Vertretung zu übernehmen. Gruf, den 4. Auguft. Das Central- Comité der deutschen Sprachfidenten J. Ph. Becker in Eisenach vertreten sein. gruppe der Internationalen Arbeiter- Assoziation wird durch seinen PräKlein die erste öffentliche Voltsversammlung zur Besprechung der neuesten Vorgänge innert alb der sozial- demokratischen Partei. Die Verjammlung war zahlreicher, wie hier in langer Zeit eine gewesen. Um die Majorität zu erhalten, hatten Schweitzer's Parteigänger die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins von Wald herbeigezogen; trotzdem wurden von unserer Seite Hr. Müller zum Vorsitzenden und Fr. Leon zum Schrififül rer gewählt. Hr. Rittinghausen aus Cöln war einer Einladung zufolge anwesend. Solingen, 25. Juli. Heute tagte in dem Lokale des Hrn. Karl tag die Wahl eines Delegirten zum Eisenacher Congresse vorzunehmen, Nach theilweise stürmischen Debatten wurde beschlossen, cm fünftigen Sonnund schließ ich folgende Resolution einpimmig( die paar Schweitzerlinge hatten sich eut eut, als sie sahen, daß nichts für sie zu holen war) angenommen: Weil wir uns nicht von dem Präsidenten Schweitzer bevormunden las en wollen, und selbstständig in einer bercus anberaumten öffentlichen Boltsversammlung einen Delegirten zur Beschickung des in Eisenach stattfindenden Algemeinen Deutsch.n sozial- demofratija en Arbeiter- Congresses" zu wählen gefonnen sind, uns folg= lich midt unter die vät rliche Disziptin eines Curators stellen, welcher uns wie blöt sinnige Wiündel ansicht resp. behandeln will, so ertiären wir hiermit als selbstbewußte Arbeiter unsern Austriit aus dem Allgemeinen Deutschen Arbeit r- Berein, weil wir es unter unserer Würde halten, noch länger Mitglieder eines Vereins zu bleiten, welcher nur ein willenloses Wertzeug in den Händen eines Individuums ist, welches in finer Eigenschaft als präsident die Mitglieder für Nuller: ansieht. Dies beweist zur Genüge der in Delegirte auf den Eisenacher Congreß senden würde, und daß Diejenigen, welche dieser Anordnung nicht Folge leiften, für ausge stoßen erklärt würden. Weil aber selbstbewußte Arbeiter fich nicht von J. B. v. Schweitzer bedelegiren lassen wollen, sondern selbstständig handeln werden, so können sie folglich auch nicht mehr Mitglieder des Allgemeineu Deutschen Arbeiter- Vereins bleiten und wollen es auch nicht mehr sein." Solingen, den 3. Aug. Am verflossenen Sonntag hielten wir hier eine Versammlung ab, in welcher einstimmig Herr M. Rittinghaufen aus Cöln als unser Vertreter für den Eisenacher Congreß und Bereinstag gewählt wurde. linge von hier und Umgegend in einer Arbeiterversammlung Skandal. Frankfurt. Am vorigen Mittwoch machten die paar SchweitzerNatürlich umsonst. Cöln. Die paar Schweitzerlinge von hier und Umgegend machen bei jeder Gelegenheit Skandal. Hilft aber nichts. In einer großen Arbeiterversammlung am Sonntag wurden Rittingausen und Berg zum Congreß gewählt. 11 Darmstadt. Einige Schweitzerianer wollten hier Menschenfischerei treiben für ihren Aftersozialismus. Sie sind selbstverständlich abgeblitzt. Berlin, den 3. August. Judenheze und Mordanfall der Schweizer'schen gegen Mitglieder der Internationalen.] Sonntag den 1. August war von Tölcke, dem Präsidialbevollmächtigten des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins eine Versammlung nach dem ,, Elysium" einberufen worden, deren erster Gegenstand der Verhandlung ,, die Strikes", und deren zweiter der Eisenacher Congreß" bilden sollte. Letzterer Gegenstand der Tagesordnung lockte einige Mitglieder des auf dem Standpunkte der Internationalen" stehenden ,, demokratischen Arbeitervereins in die sehr schwach besuchte Versammlung, um zu hören, wie die Schweizer'schen über den Congreß, d. h. seine Sprengung denken. 11m 11 Uhr erschienen drei unserer Mitglieder: Schönfeld, Rörig, Mezzner in der Versammlung, entfernten sich jedoch sogleich, als sie sahen, daß sich die Augen Aller auf Meßner, den Vorsitzenden des demokrati schen Arbeitervereins richteten. Außerdem fiel es Metzner auf, daß sich diese Arbeiterversammlung sehr wesentlich von anderen unterscheide dadurch, daß sehr viele zerlumpte und betrunkene Kerle da waren, die nicht wie Arbeiter aussahen, sondern wie gedungene Todtschläger, verbummelte Müssiggänger, die sich für einen Schnaps zu allen Schandthaten gebrauchen lassen. Maurer, in deren Strikeangelegenheit eigentlich die Versammlung anberaumt war, befanden sich sehr wenige da, denn eine zu gleicher Zeit anderswo anberaumte Maurerversammlung war von 3000 Personen besucht ein Beweis dafür, daß das Mordgefindel im Elysium nicht aus Maurern, sondern aus vom Allgemeinen deutschen Arbeiterverein gedungenen Lumpen bestand. Jene Drei entfernten sich also. Darauf erschienen Peter, Hepner und Benno Klein, welche sich, da der Congreß noch immer nicht an die Reihe kam, im Garten niederließen und sich zu Florian Paul und Arndt, den ehemaligen Lassalleanern" gefellten. Um 1 Uhr begaben sich die genannten Fünf in den Saal und ließen sich in lantloser Stille am Ende deffelben nieder. Arndt ging mittlerweile wieder hinaus, um die Versammlung durch das Gespräch, das ein Schweißerianer ganz friedlich mit ihm aninüpfte, nicht zu stören. Blieben also zurück die Bier: Paul, Beter, Hepner, Klein. Unter diesen erregte Peter sofort die Aufmerksamkeit der Schweizerianer, die höhnend sich um ihn versammelten und ihn zu nichts. Klein flüsterte ihm zu:" Peter, kein Wort erwidern! dann reizen suchten. Peter zeigte eine erstaunenswerthe Ruhe und antwortete tönnen sie uns nichts anhaben." Peter antwortete den Provocirenden auch ferner nichts. Da wurden sie denn müde Peter zu reizen, und wandten sich gegen seinen Nachbar, Hepner. Ob sie ihn als Vorstandsmitglied des demoiratischen Arbeitervereins kannten, weiß ich nicht, aber daß er neben Peter saß, dieser Umstand war ihnen schon genügend zum Hasse. Doch auf welche Weise sollte man Hepner reizen? Ich glaube schwerlich, daß sie ihn persönlich oder dem Namen nach kannien, desto turioser ist es, daß die nachfolgende Affaire gewissermaßen auf seinen Namen Hepner*) anspielt. 17\ Es erschien nämlich jetzt ein Anderer, der mit in der Müze geballter Faust an Hepner herantrat und die Parole ,, Judencannaille"**) gab. Da dies Hepner natürlich nur ein Lächeln entlocken fennte, jo trat er noch drohender auf: Beifluchte Judencannaille, lach nicht!" Plötzlich entstand in der Versammlung ein lärm: ,, Es sind Juden tier. Juden raus!" und in einem Nu waren jene Vier von einer wuthschnaubenden Viaje umgeben, welche sie mit einem Ruck zum Saal hinausschleudere. Der Vorsitzende Tölcke, Mitglied der freireligiösen Gemeinde, billigte vollkommen Alles und ließ die Tumultuanten rubig gewähren. H. puer war der erste von den Bieren, welche hinausgepreẞt wurden, bei finem Eintritt in den Vorsaal aber wurde er von einem langen Kerl er aßt, der ihm etliche Schläge nach dem Kopfe applizite, und ihn zu Boden schleifte. Hepner zog den langen Kert mit zu Boden und gewann dadurch Zeit, wieder aufzustehen. Im Nichtfalle wäre er vielleicht von den aus dem Saale Stürmenden zertreten worden. Darauf wurde Hepner in den Glassalon getrieben und von einem Ende zum andern herumgeprügelt. Auf sein fortgesetztes Geschrei: Hilfe, Mörder" regten sich die Kassirer in der Nähe nicht. Glücklicherweise sind die Contusionen, die Hepner erhalten hat, nicht *) Jude tep, hep! lautet bekanntlich die Parole in den Judenheßen. **) raffalle war Jude bis zu seinem Tode. Und diese Judenheter neunen sich Laffalleaner! zu schwer. Es waren meist Fauftschläge, die ihn trafen, die Stöcke und Messer, die bereits erhoben waren, tamen, da er in den Garten entwischte, um eine Minute zu spät. So viel aber steht fest, daß der von Natur äußerst schwächliche Hepner den Faustschlägen allein, wenn sie noch zwei Minuten gedauert hätten, auch unterlegen wäre, da sie alle nach dem Kopfe gingen. Der Gemißhandelte, welchem das Wierdgesindel noch auf der Straße ,, Judencannaille" nachrief, begab sich ins nächste Polizeibureau und gab das Borgefallene zu Protokoll ab. Die Staatsanwaltschaft wird ebenfalls davon in Kenntniß gesetzt. Der Polizeihauptmann Höhne, welcher die Versammlung überwachte, erzählte Hepner am andern Tage, daß er gesehen habe, wie eine ganze Rotte jener zerlumpten Kerle nach einer Schnapstncipe gegangen sei, gleichsam um den„ Lohn für die Heldenthat" zu empfangen. Ihm scheine es auch jo, als ob es gekaufte Bummler gewesen, welche durch Spirituosen animirt worden seien. Das ist die Bildung welche der ,, Sozial- Demokrat" seinen Anhängern giebt! Klein und Paul entgingen den Wüthrichen, Peter wurde aber auch geprügelt. Wie es ihm speziell ergangen ist, weiß ich noch nicht. Magdeburg. Vor kurzer Zeit fand in Buckan eine Versanmmlung statt. In derfelben wurde eine Commission gewählt, welche den nothwendigen Lebensbedarf der Arbeiter hier am Orte, sowie die verschiedenen Löhne ermitteln sollte, um in einer zu diesem Zwecke in Magdeburg abzuhaltenden größeren Bersammlung darüber Bericht abzustatten. Am Sonnabend den 12. Juli fand diese Bersammlung für Magdeburg und Umgegend im Saale des Odens statt. Bremer, welcher zum Vorsitzenden gewählt ward, erläuterte, warum die Versamm= lung einberufen sei, und machte die Anwesenden darauf aufmerksam, wie die Magdeburger Zeitung" abfichtlich unwahre, entstellte Berichte der Arbeiterversammlungen bringe, und bewies selbiges durch den Bericht der letzten Bersammlung. Er forderte den Referenten, sowie den Redakteur derselben auf, wenigstens wahr zu sein, sonst müsse in ciner öffentlichen Volksversammlung unter Nennung der Namen der Redakteure und des Referenten das Gebabren fefigestellt und beschlossen werden, der gesammten deutschen Preise die Lügenhaftigkeit der Diagdeburger Zeitung" zu denunziren. Hierauf erstattete Herr Klees Namens der Kommission folgenden Bericht: Eine Familie von fünf Personen gebraucht wöchentlich: Zubrod zum Kaffee für 3 Sgr. 10 Pf., Kaffee für 7 Sgr., Getränk für 10 Sgr. 6 Pf., Zubrod 10 Sgr., Brod 1 Thir., zwei Pfd. Butter 20 Sgr., Mittagbrod 1 Thir. 5 Sgr., Abendbred 21 Sgr., Schulgeld 1 Sgr. 3 Bf., Klassenftener 2 gr., Sterbekassengeld i Sgr. 3 Bf., Fener taffengeld 8 Pf., Miethe 20 Sgr. und Fenernng 8 Sgr.: in Summa 5 Thir. 20 Sgr. 6 Pf. ( Es folgt nummebr eine interessante Zusammenstellung des Lohnes pro Tag und Stunde, mit Angabe der Arbeitszeit in den verschiedenen Fabriken, die wir aber wegen Mangel an Raum weglassen müssen. D. Red.) Durchschnittlicher Arbeitslovn 4 Thlr. Nothwendiger Lebensbedarf obate Kleidung 5 Thlr. 20 Sgr. 6 Pf. und Verdienst 4 Thir. Der Arbeiter verdient also durchschnittlich 1 Thlr. 20 Sgr. 6 Pf. weniger, als er nothgedrungen zum Leben für sich und seine Familie braucht. Diese Zablen find unwiderleglich und sprechen deutlich. Mit Recht führte Bolle in der Versammlung weiter aus, es würde dem Arbeiter entgegengerufen ,, bildet Euch!" Woher jolt der Arbeiter biernach aber die Mittel nehmen, um sich und seinen Kindern Bildung zu verschaffen?! Wenn ein Sklaven- Baron hier wobnte, er lönnte seine Sklaven nicht unter 5 Thlr. 20 Sgr. erhalten: er würde es auch nicht thun, damit ibm fein Kapital( feine Sklaven) nicht vertümerten, veröungerien und verloren gingen. Das Gesetz sagt:„ Der Hehler ist jo gut, als der Stehler." Wenn der Arbeiter also bei dem besten Willen nicht so viel verdienen kann, als er nothwendig zum Leben braucht, und aus Noth stieblt( die Herren wissen, er fann bei seinem Lohn nicht ehrlich bleiben), warum schreitet das Gesetz nicht auch gegen jene Herren ein? Die Lehre ist: Stlaven kosten dem Kapital 5 Thlr. 20 Sgr., freie Arbeiter nur 4 Thlr. Das ist die Humanität des neunzehnten Jahrhunderts! In der sehr interessanten Debatte wurde der Wunsch ausgesprochen, die Arbeiter möchten überall eine solche Lohnzusammenstellung aufnehmen. Bremer setzte nun in längerer Hede das Prinzip der Sozial- Demokratic auseinander und wies hauptsächlich auf die Gewerkschaften hin. Alle 554 Wort gemeldet, die ,, Magdeburger Zeitung" aber bat auch keinen Bericht gebracht. Staßfurt. Sonntag den 19. Juli fand hier ein großartiges Berbrüderungsfest statt; zu demselben waren als Festredner eingeladen: Tölcke, L. Schulze, Präsident der Metallarbeiter, Rolling aus Dessan, Naters aus Halberstadt, aus Brandenburg der Bevollmächtigte der Manufakturarbeiter und Bremer aus Magdeburg. Alle waren erschienen, nur Tölcke aus Berlin nicht. Nachmittags 3 lbr zog das Comité mit der Fahne und 24 Musikanten zur Stadt hinaus, um die aufgestellten Vereinsmitglieder zu holen. Dem Zuge schlossen sich an: die Maurer mit der Fabne, die Dessauer Mitglieder mit schwarz- roth- goldner Fahne, die Güstener Brüder mit Fahne, die Steinstedter, die Förderstetter, die Kochstetter, die Bernburger, sowie mehrere Ascherslebene: Der Zug, welcher bis ins dritte Tausend Mann stark war, zog langfant durch alle Straßen Staßfurt's zum Vereinslokale, ein wahrhaft erheben des Schauspiel. Vom Balkon sollte die Ansprache gehalten werden, aber der Raum konnte die Männer nicht fassen und so mußte es unterbleiben. Der große Saal und Garten wurde voll gepfropft, und nun machten die Redner einer nach dem andern ihrem Herzen Luft. Die Reden unterbrochen durch Gesang, Deklamation und Musit, dauerten bis nach Mitternacht: erst da war es möglich, einen kleinen Raum zum Tanz zu gewinnen, welcher bis zum frühen Morgen dauerte. Alle die er wähnten Vereine find für uns und beschicken den Congreß. Staßfurt, welches ins zweite Tausend Mitglieder bat, schickt Hru. Polling aus Dessa Dresden. Zur Charakterifirmung der sogenannten Laffalleaner und ihrer Stellung zum Eisenacher Congreß diene folgende, zufällig in meine Hände gekommene Notiz eines bekannten Leipziger Agitators Nachdem er tüchtig über einen ehemaligen Gesinnungsgenossen geschimpit weil derselbe weder mit der Frau Gräfin durch Dick und Dünn g gangen, noch dies mit Hrn. v. Schweißer thun will, fährt derselbe wort lich fort, wie folgt: ,, Nach Dresden tann ich nicht kommen, denn ich habe kein Geld Aber nach Eisenach da sind wir dabei, da wollen wir den Leuten einmal die Jacke ausklopfen, vor Allem Walster, dent prinziplofeſten aller Menschen! Er hat die Frechheit sich Laffalleaner zu nennen. B Schande! na, es ist ja ein literat gemeinster Sorte**) Fil ums gibt es kein anderes Mittel als solches." Stelle Leipzig, 4. August. Der Arbeiterbildungsverein hat an Ullrichs, der die Wahl für die Schuhmacher nach Eisenach angenom men hat, den Metallarbeiter Schmalz zum Deputirten gewählt. In der Metallarbeiter- Bersammlung am Sonnabend sprach viebinedt über den sozial- demokratischen Congreß in Eisenach, Bebel über d Internationalen Dictallarbeitertongres in Nürnberg. Schlosser Schmidt wurde zum Delegirte für beide Congresse gewählt. Mehrere Lassalleaner, G die zugegen waren und nach ihrer Art Opposition machen, wurden c sprechend abgefertigt. Die Holzarbeiter batten Dienstag Abend Wiener Saal" Versammlung. Um dieselbe zu stören, batte der Vor steher des Zimmerer- Vereins Georg folgendes Schreiben an seine Lente ins„ Pantheon", wo diese Sigung batten, geschickt: Bitte von den sten, die sich im Bantheon befinden, 20-30 in den Wiener Saal beordern, um einen Vorfizenden von unserer Partei durchzubringen Petzoldt wird einen Vorsitzenden vorschlagen oder Euch vorher einen nambaft machen. NB. Ihr müßt 9 da sein. Georg." Dieſer 3 tel wurde vorgelesen und mit Halloh begrüßt. Bei der Vorsitzenden wahl wurde Sevierty gewählt, darauf machten die„ Laffalleaner Standal, was Veranlassung war, daß einige der Hauptschreier Luft gesetzt wurden. Mittlerweite hatte sich auch Polizei eingefunden, und da die Aufregung nicht nachließ, die Versammelten vielmehr in einzelnen Gruppen disputirend im Saale standen, so wurde die Ber jammlung geschlossen. Für Donnerstag haben die Holzarbeiter zweite Versammlung anberaumt. alt cine Leipzig, 4. August. In der gestern Abend im Lokale des Arbeiter bielt Hr Liebknecht einen Vortrag über die Bedeutung des Eisenacher najen Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter Arbeiter- Kongresses. Durch einstimmigen Beschluß wurde Hrn. Hadlich die Vertretung genannter Mitgliedschaft beim Congreß übertragen. Am 28. Juli früh starb unser unermüdlicher Genosse und Freund müssen eintreten; durch Organisation und Disciplin stark, durch Einigkeit fumvereins, stellvertretender Caffirer der Manufattur- Gewerksgenossen FA. Wilhelm, Tuchmacher bier, 45 Jahre alt." Caffirer des Con schaft und Aufsichtsraths- Mitglied der Webgenossenschaft", dies find Ehrentitel, die ihm die dankbaren Genossen mit dem schwarz- roth- gold" umwundenen Eichenkranz, als„ Ausschußmitgliede des Volks- Vereins" aufs Grab legten. Uneigennützig und opferwillig bleibt er uns ein Muster von Zähigkeit und Ausdauer und wie er treu und redlich der Arbeiter und Bolkssache gedient, so hat er, wenn auch nur bescheiden 18. Bataillons zählte ihn seit Beginn der deutschen Arbeiterbewegung Die ,, alte Garde" des mächtig, wird die Arbeiterpartei im Stande sein, hinter ihre Rechtsforderung die Macht zu setzen, und das Recht wird errungen sein. Die Einigkeit ist der Funke, welcher Alles zusammenschmilzt, welcher uns in politischer Beziehung das freie mächtige Deutschland, in sozialer aber an Stelle des Lohnes den Arbeitsertrag zu verschaffen im Stande ist." Um den Arbeitern Deutschlands zur Bereinigung, und dadurch zur Machtentwicklung zu verhelfen, finde am 8. August in Eisenach der fozialdemokratische Arbeiterkongreß statt, er bitte die Versammlung, Jemand zu beauftragen, eine allgemeine Volksversammlung für Magdeburg und Umgegend zu berufen, in der Bericht über die heutige Arbeiter bewegung erstattet und ein Deputirter für Magdeburg gewählt wird. Die Bersammlung beauftragte biermit Bremer, welcher um 11%, Ubr die Bersammlung schloß. Bon den Gegnern batte sich keiner zum Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. doch brav sein eigen Haus bestellt gehalten. zu den Jbrigen. Ebre seinem Andenken! Die Kampfgenoffen Crimmitschaus. *) Wenn nur in den Jacken nicht„, Leute" steckten! **) Etwa von der Sorte Schweitzer's? Doingia Drud und Verlag: Thiele 2. Beilage zum Demokratischen Wochenblatt Nr. 32. Direkte Gesetzgebung durch das Volk. ( Referat und Antrag der Sektion Zürich an den am 6. September 1869 in Basel zu eröffnenden Congreß der Internationalen Arbeiter- Assoziation.) Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat die arbeitende Klasse Europa's von dem Wahne gründlich geheilt, daß die Imperial- Demokratie, der Imperial Sozialismus, d. h. die Diktatur eines Einzelnen im Stande, oder auch nur Willens sei, für die soziale Hebung der arbeitenden Massen etwas zu thun. Nichts als Scheinreformen, Sand in die Augen, in Wirklichkeit ist der Arbeiter mehr denn je Steuermaschine und Kanonenfutter. Mit großer Schlauheit wurde seit dem Staatsstreich Bonaparte's von oben herab unter den Arbeitermassen der Glaube verbreitet, die politische oder Staatsform habe mit sozialen d. h. Gesellschafts- Reformen nichts zu thun; daher sollten sich die Arbeiter nicht mit Politit, sondern einzig und allein nur mit ihrer sozialen Lage befassen. Die regierende Klasse weiß eben aus Erfahrung nur zu gut, welch' großen Vortheil fie aus einer ihr günstigen Staatsform zieht; weiß nur zu gut, daß, solange sich die Arbeitermasse politisch willenlos lenken läßt und zur Gesetzgebung direkt nichts zu sagen hat, d. h. die Staatsform nicht nach ihrem, dem In teresse der Arbeit, einrichtet, der Sozialismus, selbst der radikalste, ein ungefährlicher Popanz ist; weil ihm eben der politische Stüßpunkt zu seinem sozialen Hebel fehlt, womit er die alte Gesellschaft mit ihrer Wassen armuth und ihrem Einzelreichthum aus den Angeln heben kann. Die soziale Reform ist dazu verdammt, im Zustande der Theorie zu verbleiben, so lange jie nicht das richtige Mittel gefunden bat, sie in Praris zu setzen, und dies Wittel kann kein anderes sein, als vor Allem uns eine politische Reform, eine Staatsform zu schaffen, wo das Gesetz von allen Staatsbürgern gemacht wird und nicht mehr nur von einigen wenigen Bevorrechteten. Frankreichs Arbeiter sind von der sog. Imperialdemokratie Napoleons gründlich geheilt, sie wollen die sozialdemokratische Republik. Die Arbeiter Norddeutschlands haben den Im perial- Sozialismus, die junkerliche Diktatur von Schweizer's ( der ſeinen widernatürlichen„ Wannheim" lichen Lieb,, Mannheim" lichen Lieb habereien entsprechend, auch die" arbeitende klasse zu After Politik und After- Sozialismus mißbraucht hat) so überjatt, daß sie sich mit Ekel von diesem Jugend- und Volksverführer abwenden und mit Sack und Pack in das Lager der Internationalen Arbeiterassoziation übergehen, wo das Banner des Selbstbestimmungsrechtes, der sozial- demokratischen Staatsform, der europäischen Bundesrepublik weht, um welches sich auch die Arbeiter Süddeutschlands, Desterreichs, Italiens und Spaniens immer zahlreicher zu schaaren beginnen. Aber wie soll dieser sozial- demokratische Staat organisirt Die Jdee der direkten Gesetzgebung durch das Volk muß unter den arbeitenden Massen Europas immer mehr verbreitet werden, damit sie bei der nächsten monarchischen Enthäutung in Fleisch und Blut übergehe und in ganz Europa ähnliche politische Einrichtungen im Großen schaffe, wie sie bereits in der Schweiz im kleinen vorhanden sind. = Der Repräsentativstaat ist überall der gleiche. Die Arbeiter von Paris wissen von den Junitagen von 1848 her nur zu gut, daß diese Bourgeois- Repräsentanten die soziale Frage mit Kartätschen lösen wollen, und in jüngster Zeit noch haben die Grubenarbeiter in Belgien erfahren, daß ihre Constitutionellen auch kein anderes Mittel fennen, als Pulver und Blei; und selbst in der Repräsentativ- Demokratie von Zürich bestanden seit mehr als 20 Jahren harte Ausnahmsgesetze gegen die Coalition der Arbeiter und die sozial demokratische Presse. So lange die Arbeiter die Staatsgejeze durch ihre Ausbeuter fabriziren und sich oktroyiren lassen, werden die Gesetze auc) ungünstig für die Arbeiter und nur günstig für die Herren sein; oder seit wann hätte je ein Monarch Geseze gemacht im Interesse des Volkes und gegen seine Dynastie? Zuerst kommt Er, sein Interesse, sein Herrscherhaus und die Werkzeuge zur Aufrechthaltung der staatlichen Ausbeutungsmaschine und nur zu allerletzt, wenn alle diese genug haben, wird an das ausgebeutete Volk gedacht und ihm in der Regel Steine statt Brod geboten. Wohl giebt es sogenannte christliche Monarchen, welche, wie die gutmüthigen Reiter, das unter ihrer Last feu chende Geschöpf am Halse streicheln, aber daß dem zu Schanden Gerittenen und schwer Belasteten dadurch am meisten geholfen wäre, wenn der Herr mit all' seinem Troß aus dem Sattel bis ihn der stiege, daran denkt der Obere von ferne nicht, Untere abwirft. Ebenso kann eine Aristokratie treffliche Gesetze für sich, nicht aber für das Volk machen; oder hat die gefcheidtefte aller Aristokratien, diejenige Englands, je etwas im Interesse der Arbeiter gethan? Nein, wenn sie sich bis jest gehalten hat, ist es nur, weil sie nicht so viel Starrjinn entwickelte, sich unumgänglich nothwendigen Reformen über Gebühr zu widersetzen. Aber auch die vom Volke gewählten Gesetzgeber des Repräsentativ Staates sind nicht im Stande, gute Gesetze für die arbeitenden Klassen zu machen, obschon sie für ihre, die Bourgeoisklasse, ganz ausgezeichnete zu erlassen befähigt sind. Warum? Weil erfahrungsgemäß die Reprä sentativkörper in ihrer Mehrheit aus Kapitalisten und deren Kreaturen, dem sozialen Fortschritt feindlichen Bourgeois bestehen; und wie der Sklavenhalter seiner Natur nach unfähig ist, je Gesetze im Jnteresse seiner Sklaven zu machen, so ist auch der Kapitalisten- Repräsentant unfähig, je Gesetze im Interesse der Arbeiter zu erlassen. Die Repräsentativ- Demokratie, wenn sie auch die relativ weit bessere Staatsform ist als die Monarchie oder Aristokratie, ist daher doch nicht diejenige politische Form, in der sich die Arbeiterwelt entfalten und die werden? das ist die große, für die Arbeiter so wichtige Frage. jozialen Fragen gelöst werden können. Sie wäre es vielleicht Der internationale Arbeiterbund sollte sich vollkommen flar und darüber einig sein, welche Art von Republik er will, damit bei Ausbruch einer Revolution die Arbeitermassen überall wissen, was zu thun ist. eher, wenn die Arbeiter und besonders die Bauern nur die intelligenteſten ihrer Klasse in den Rath wählen würden; leider aber zeigt die Erfahrung aller Länder, daß dies nur ausnahmsweise geschieht. In der Regel wählt das Volk nur Angehörige der sogenannten höheren Stände, weil es das aus monarchischen Zeiten stammende verderbliche Vorurtheil hat, nur die IntelLeute dazu, während bei der Gesetzgebung im Gegentheil das Kanton Zürich, in den letzten zwei Jahren, ist wohl nur ein Die politische Bewegung in der Schweiz, hauptsächlich im Symptom, ein Vorspiel einer großartigen, tiefgreifenden Bewegung, die sich in der europäischen Bolitik vollzieht. Die ligenz erzeuge gute Gesetze und es brauche blos gutstudirter Schweiz im Absterben begriffen, denn sie ist zu leicht erfunden Interesse maßgebend ist. Dazu kommt noch, daß die TagBourgeois- Republik oder ,, Repräsentativ- Demokratie" ist in der worden, gegen die verderblichen Einflüsse, sozusagen den Jesuitis gelder und Reiseentschädigungen systematisch so niedrig gestellt mus des Großkapitals anzufämpfen, sie hat weder Thatkraft werden, daß es einem Angehörigen der arbeitenden Klasse schon noch Willen, die soziale Frage zu lösen, und es tritt fortan ökonomisch unmöglich ist, als Repräsentant zu fungiren. die reine Demokratie auf den Plan, wo das Bolt direkt an der Gesetzgebung theilnimmt und dieselbe daher nach seinen Volk weit eher irrt, weit leichter verführt werden kann, wenn insialen Bedürfniffen umformen wird. Die Erfahrung der Demokratie lehrt auch, daß sich das es sich um Personen( Rathswahlen), als wenn es sich ur urtheilung von Sachen( z. B. Abstimmung über Gesetze) han= delt, aus dem einfachen Grunde, weil Herz und Nieren einer Person unendlich schwieriger zu prüfen sind, als der Kern einer Sache, d. h. Sinn und Geist eines Gesetzes; weil es weit leichter ist zu beurtheilen, ob ein Gesetz im Interesse der arbeitenden Massen gemacht ist, als ob ein Rathsherr immer im Interesse des Volks reden und stimmen werde. Somit wäre der Prüfstein, womit man das wahre vom falschen Golde unterscheiden kann, folgender: In der wahren, der reinen Demokratie oder Volksrepublik befaßt sich das Volk nicht nur mit den Personen( Rathswahlen), sondern auch und vor Allem auch mit den Sachen( Gesezen). In der falschen, der repräsentativen Demokratie oder Bourgeois republik darf sich das Volk einzig und allein nur mit den Bersonen( Rathswahlen) befassen, welche dann die Sachen ( Gesetze) maden und zwar nach ihrem eigenen Gutdünken, Vortheil und Vorurtheil. Die Bourgeoisdemokraten wollen, daß nur sie das Volk regieren sollen zum Vortheil Weniger. Die Sozialdemokraten wollen, daß sich das Volk selbst regiere zum Vortheil Aller, dadurch, daß es die Gesetzgebung in seine eigene Hand nimmt, sie selbst besorgt und nicht mehr besorgen läßt, d. h. die Selbsthülfe in unbeschränktestem Maße, also auch auf politischem Gebiete, in Anwendung bringt. Die Weltgeschichte beweist zum Ueberfluß, daß das Gesetz stets nur das geschriebene Interesse des Gesetzgebers ist; prosaisch ausgedrückt kann man sagen: der Geist des Gesetzes liegt im Bauch des Gesetzgebers, die Quintessenz der Gesetze wird durch den Geldsack der Gesetzgeber bestimmt. Dies ist um so wahrer, wenn es sich nicht um einen Einzelnen, sondern um eine ganze Klasse, nicht um Einzeln-, sondern um Klaffenherrschaft handelt. Noch nie hat die ausbeutende Klasse die ausgebeutete emanzipirt, oder freiwillig für die letztere günstige Gesetze erlassen. Erst wenn die ausgebeutete Klasse Meister im Staate wurde und die Gesetzgebung selbst in die Hand nahm, wurde das Gesetz in ihrem, d. h. dem mehr allgemeinen Intereffe gemacht; erst dann konnte sie sich auch ihren sozialen Bedürfnissen entsprechend entfalten. Was aber vom dritten Stande, der Bourgeoisie gilt, ist nur um so wahrer, wenn es sich um den Arbeiterstand, um das ganze Bolt han delt. Wie der chemische Keim, d. h. der innere Trieb einer Pflanze zum Gedeihen physische Eigenthümlichkeiten, d. h. äußere Verhältnisse, wie günstiges Erdreich und Klima braucht, so brauchen auch die innern, so zu sagen chemischen Triebe der Gesellschaft, die sozialen Ideen, zu ihrer naturgemäßen Entfaltung, zu ihrem Emporkeimen im praktischen Leben, eine eigenthümliche, physische Staatsform, d. h. günstige äußere Verhältnisse, und diese sind ja eben die sozial- demokratischen Gesetze, welche niemals von Fürsten oder Pfaffen( die den Himmel hienieden schon haben) gemacht werden können, sondern nur von den arbeitenden Massen, die eine solche soziale Umgestaltung, ein menschenwürdiges Dasein hienieden sehnlichst herbeiwünschen. Kein Heiland wird je das Volk erlösen, es muß sich selbst erlösen. Daher der allgemeine Drang der Völker Europas nach Emanzipation. Wie die Pflanze im dunklen Gewölbe gegen das Kellerloch nach dem Sonnenlicht hin wächst, so strebt auch die Arbeiterwelt Europa's aus der dumpfen Monarchie an die lichte Demokratie. Das Volk wird in der Freiheit den rechten Weg zur sozialen Erlösung schon instinktmäßig fühlen, eben weil es die Leiden tagtäglich empfindet, die ihm den nöthigen Ansporn auch geben, die Ur-. sache und Abhülfe der Noth kennen zu lernen. Es wird im wahren Volksstaate, wo ihm durch die direkte Gesetzgebung das Werkzeug zur permanenten Bewegung in die Hand gegeben ist und die Bahn zur ewigen friedlichen Revolution offen vor ihm liegt, nicht nach vorgefaßten Sozialtheorien, sondern nach den sich praktisch fühlbar machenden Bedürfnissen neue Formen und Gesetze schaffen, und es wird, wie in der Schweiz, durch den Bleistift und nicht mehr durch die FeuerBerantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht waffe, durch blutige Revolution, wie im despotischen Staat, seinen Willen zur Geltung bringen. Die Befürchtung, die idealen Errungenschaften der Menschheit werden im sozialdemokratischen Staat weniger gefördert und gepflegt, als in monarchischen oder repräsentativen Staatsformen, ist eine eitle, denn die Geschichte beweist, daß je freier ein Volt, desto opferwilliger ist es auch für Bildungszwecke, weil es einsieht, daß nicht der geisttödtende, unfruchtbare Glaube, sondern nur die geisteserhebende, befruchtende Wissenschaft die Welt erlösen kann. Gerade die direkte Gesetzgebung durch das Volk ist die für die Förderung der Volksbildung allergünstigste Staatsform, denn Jedermann hat ein Interesse daran, daß sein Nebenmensch, der ja zum Gesetz auch etwas zu sagen hat, diese seine Stimme mit Bewußtsein abgebe, und vor allem werden diese sogen. Gebildeten, welchen die direkte Gesetzgebung durch das Volk vorkommt wie ein moderner Einbruch der Barbaren, ein Untergehen aller Cultur, das allergrößte Interesse daran haben und willig dazu Hand bieten, daß man die Massen unentgeltlich und dazu noch möglichst gut schule und die höheren Lehranstalten jedem Befähigten zugänglich seien. Uebrigens ist die direkte Gesetzgebung an und für sich schon ein gewaltiges Bildungsmittel, weil das Volk durch sein naheliegendes Interesse angeregt wird, sich Belehrung zu verschaffen, damit es trotzdem nicht noch von der sog. höheren ( Ber-) Bildung und juristischen Spitzfindigkeiten übertölpelt und ausgebeutet werde. Seltsamerweise können gerade diese sog. Gebildeten, welche die direkte Gesetzgebung für unfähig halten, die idealen Güter der Menschheit zu pflegen und daher dieselbe als einen Rückschritt bezeichnen, nicht genug die alten Griechen bewundern, als die Hauptträger der Civilisation des Alterthums und denken nicht daran, daß gerade die fortgeschrittenſten aller Griechen, die Athener, direkte Gesetzgebung durch das Volk d. h. seine freien Bürger hatten und daß gerade diese Staatsform zur Entfaltung des attischen Geistes am wesentlichsten beitrug, denn mit der Unterdrückung dieser Staatsform, mit der Fremdherrschaft, verschwanden auch die großen Geister.- Die alten Germanen hatten auch direkte Gesetzgebung durch das Volk in ähnlicher Organisation, wie sich noch durch lange Jahrhunderte in den kleinen Landsgemeinde- Kantonen der Schweiz erhalten hat. Die Germanen huldigten dem Staatsgrundsatz: Jeder freie Mann soll Gesetzgeber, Wehrmann und Richter sein. Seltsamerweise konnten die gesetzes-, friegs- und rechtsfundigen Römer alle Bölker der Welt unterjochen, nur gerade dieses staatlich doch so zersplitterte Volk der Germanen nicht; Warum? Eben weil Volksgesetzgebung, Volkswehr und Volksgerichte in ihm zu Fleisch und Blut geworden und Männer erzeugt hatten, an deren Urkraft Roms Allmacht zerschellte. Leider wurden im Laufe der Zeiten die Deutschen so einfältig, die römische Dreifaltigkeit( Gottvater, Sohn und heil. Geist) der germanischen Dreieinigkeit( Gesetzgeber, Wehrmann und Richter in einer Person) vorzuziehen, und sie werden so lange von Pfaffen und Cäsaren mit glühenden Zangen gezwickt werden, bis sie die uralten, gemischten Staatseinrichtungen: Voltsge setzgebung, Volkswehr, Volksgericht wieder auf den Scheffel stellen. Die alte Demokratie, welche durch monar chischen Unverstand und Pfaffenglauben dem Bolke entrissen worden, muß durch Vernunft und Wissenschaft wieder zurüc erobert und zeitgemäß entwickelt werden. Jedermann muß wieder Gesetzgeber, Wehrmann und Richter werden; er muß diese Rechte und Pflichten zeitweise ausüben und zwar in eigener Person. gener Person. Hier ist keine Arbeitstheilung, keine Uebertragung an andere möglich, ohne der Knechtschaft zu verfallen. Verzichtet das Volk auf das Recht über Geseze endgültig zu entscheiden, überläßt es diese Pflicht einem Einzigen oder nur Wenigen, so werden diese bald sich ras Recht herausnehmen, die Geseze nur für sich und gegen das allgemeine Wohl zu machen. ( Schluß folgt.) Drud und Verlag. Thi 3. Beilage zum Demokratischen Wochenblatt Nr. 32. Eine sozialdemokratische Arbeiterversamm: Böhmens zu ziehen. Doch als das preußische Bolt Bulver gerochen lung in Wien. Nach der Neuen Frankfurter Zeitung.*) Wien, 25. Juli. In Zobel's Bierhalle fand heute Vormittags eine Volksversammlung der sozialdemokratischen Partei statt, zu der sich Tausende von Theilnehmern eingefunden. Gegenstand der Tagesordnung war: Bericht über den Stand der sozial- demokratischen Bewegung in Deutschland und Desterreich. Hr. Hartung, der die Verſammlung eröffnete, wies darauf hin, daß die sozialdemokratische Bewegung sich in Deutschland schon früher Bahn gebrochen und ungeachtet der Zwistigkeiten in der Partei stetig an Ausdehnung gewonnen. Der bevorstehende Congreß in Eisenach werde den bisher geübten Intriguen die Spitze abbrechen und eine einheitliche sozialdemokratische Bartei schaffen. Redner theilt nun mit, daß Hr. Wilhelm Liebknecht aus Leipzig in der Versammlung anwesend sei und über die Entwickelung der sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland das Wort ergreifen werde.( Stürmischer Beifall.) Die Versammlung wählte hierauf Hrn. Schen zum Vorsitzenden, nachdem Hartung dieses Amt abgelehnt. Zum Schriftführer wurde Hr. Dorsch bestimmt. Herr Liebknecht betritt als erster Redner die Tribüne, von stürmischen Hochrufen empfangen. ,, Arbeiter Wiens" begann er ,, ich bin stolz auf Ihren Empfang und fühle mich glücklich in Ihrer Mitte; ich überbringe Ihnen den Gruß der deutschen Sozial- Demokraten, die gleich mir mit Freude die österreichische Arbeiterbewegung verfolgen, die seit 12 Jahren meteorgleich hier aufgestiegen, ihren Glanz nach Deutschland hinüberwirst!" Redner beginnt nun mit der Entstehung der sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland, mit dem Auftreten Lassalle's im Jahre 1863. Lassalle habe diese Bewegung nicht gemacht, sie war bor ihm in Frankreich, England und hatte auch unter den Arbeitern und Schriftstellern Deutschlands ihre Vertreter. Allein Lassalle gebührt das Verdienst nach der Contrerevolution, welche der 1848er Revolution folgte, die Initiative ergriffen zu haben. Er gründete den allgemeinen deutschen Arbeiterverein. In dem Moment, als sich die Arbeiterbewegung zu ent wickeln begann, starb Lassalle. Sein Tod hatte Zwiespalt in der Partei zur Folge. Redner fömmt nun auf die Gründung des Parteiorgans, der Sozial- Demokrat" in Berlin, zu sprechen.„ Der Gründer dieses Organs, Hr. v. Schweißer, wurde bald dem Programme untreu, nicht blos auf sozialem sondern auch auf politischem Gebiete in schärfster Form die Grundsätze der Sozial- Demokratie zu vertreten. Die preußische Regierung wollte die Arbeiterbewegung als Wertzeug für die Knechtung des Staates benutzen, und der„ Sozial- Demokat" brachte Artikel im Sinne Bismard's anstatt, wie es die Parteigenossen verlangten, entschieden vorzugehen gegen die annexionistische, antinationale und antidemokratische Politit Bismarcks. Herr v. Schweizer hatte sein Ehrenwort gebrochen. In Folge dessen traten Marx, Engels, Herwegh und ich von der Redaktion zurück; die Einigkeit der Partei war unge= achtet aller unserer Bemühungen, sie au recht zu erhalten, durch Schweiher zerstört." Nedner erzählt nun von seinen kämpfen gegen Schweitzer, bei weichen dieser sich des Schutzes der preußischen Polizei zu erfreuen hatte. Er referirte über seine Verbindung mit Bebel, dem Präsidenten des Verbands deutscher Arbeitervereine und über einen weiteren Vereinigungsversuch mit Hrn. v. Schweizer. 1868 versprochen, auf der Generalversammlung seines Vereins das Programm der internationalen Arbeiterassoziation zur Annahme vorzulegen, Verbands zu Nürnberg das internationale Programm angenommen war, jedoch nicht that. Als aber auf dem Vereinstage des Bebel'schen Arbeitervereins erfolgte, so daß nun tein Hinderniß der Einigung mehr bestand, da erneuerte Hr. v. Schweitzer im„ Sozial- Demotrat" seine Angriffe auf uns und das Nürnberger Programm, und wir mußten neuerdings, wenn auch mit großem Widerstreben, den Kampf mit Hrn. v. Schweitzer aufnehmen. Ich sage mit Widerstreben, denn dieser Kampf mußte schuimme Leidenschaften erwecken. Das war aber gerade die Absicht Schweiger's. Aehnlich wie Bismarc Preußen in den Krieg von 1866 rip, um die innere freiheitliche Bewegung im Lande zu unterdrücken, so hetzte Schweitzer seine Anhänger in den Kampf gegen uns, um die entstehende Reformbewegung im Allg. deutschen Arbeiterverein zu ersticken. was er ,, Schweitzer hat im Frühjahr reich und Preußen. Das gesammte preußische Volt protesiirte laut gegen diesen Krieg. Allein traft der Schulregulative, nach welcher in Preußen jedes Kino vom sechsten Jahre an zum föniglich preußischen Unterthan dressirt und kraft der Militärverfassung, durch welche fast die Hälfte der männlichen Bevölkerung zu willentojen Maschinenmenschen herangedrillt wird, gelang es Bismard, das preußische Volf auf die Schlachtfelder stehende Bericht ziemlich lückenha't ist, wird in nächster Zeit ein wortgeDa die Rede Liebknechts vielfach entſtellt und auch der nachtreuer und die ganzen Berhandlungen umfassender Bericht veröffentlicht merden. hatte, vergaß es seinen Protest. Das ist ja der Fluch des Kriegs, daß er ,, die Bestie im Menschen" entfesselt. Im Kampfe erwachte die Leidenschaft, sie gewann die Oberhand über den Verstand. Preußen wurde hiefür schwer gestraft. Aus den blutgetränkten Feldern Sadowa's erwuchs für Desterreich Freiheit, für Preußen Armuth, Knechtschaft, Schmach nach Innen und Außen!( Unruhe im Hintergrunde des Saales. Eine Stimme: Es sind ein paar Herren da, die die Rede nicht anhören können!" Stürmische Rufe: Hinaus mit ihnen!) Vorsitzender: Wenn diese Herren die Rede nicht anhören fönnten, so würden sie sich ja von selbst entfernen müssen, da sie aber hier bleiben, ist dies der beste Beweis, daß sie die Rede anhören können. ( Heiterleit.) Liebknecht: Arbeiter Wiens! Man hat mir erzählt, daß es in Wien Leute gebe, die für Bismarck's Politit schwärmen. Ich hielt dies für ein Märchen. Sollte es teines sein?( Bravo.) So wie sich in diesem Kriege Bruderstämme in Haß zerfleischten, so erregte auch der Kampf mit Schweitzer unter den Arbeitern Leidenschaft, Haß, böses Blut und erschwerte die Einigung der Partei. Jm März d. J. fand die Generalversammlung des allgemeinen deutschen Arbeitervereins in Elberfeld statt. Ich erklärte, ich werde dort mit Bebel erscheinen und be= weisen, daß Schweißer die Spaltung in der Partei hervorgerufen, daß er für Bismarck arbeite. Wir hielten unser Wort, begründeten unsere Anklage und Schweißer war feige genug auszuweichen. Zum Bruch innerhalb des Algemeinen Deutschen Arbeitervereins kam es damals noch nicht. Schweitzer vereinigte sich bald darauf mit der Gräfin Hatzfeldt, um jede Reform des Vereins illusorisch zu machen. Das alte Bereinsstatut, welches er wiederherstellte, gab ihm eine diktatorische Ge walt, eine solche Organisation ist nicht zu bessern, sie mußte zerstört werden. Alles, was Verstand, gepaart mit Erlich eit besaß, trat aus dem Vereine aus; dieser zählt nur wenige Mitglieder mehr, und Hr. Schweitzer unterließ es anzugeben, mit wie viel Stimmen er in der letzten Versammlung gewählt wurde. Die gegenwärtige Stärke der organisirten sozialdemokratischen Partei ist ungefähr: Der Berband der deutschen Arbeitervereine zählt 10,000-12,000 Mitglieder, 5000-6000 Mitglieder sind aus dem allgemeinen deutschen Arbeitervereine ausgetreten; in der Schweiz haben sich uns 2000 angeschlossen und die Arbeiter Wiens, Desterreichs halten ebenfalls zu uns.( Auscitige Zustimmung.) Die Arbeiter aller Länder führen einen gemeinsamen Kampf; doch en Schlag, der die Arbeiter Amerikas, Belgiens, Frankreichs trifft, berührt die Arbeiter Desterreichs nicht so hart, wie der Schlag, der die Arbeiter Deutschlands trifft. Denn die Arbeiter Desterreichs gehören zum deutschen Arbeiterverbande. Die jetzige Ausschließung Desterreichs aus Deutschland ist nur eine provisorische, vorübergehende. Desterreich muz wieder zu Deutschland zurückkehren, aber nicht zu dem Deutschland Bismarck's, sondern zu einem freien, auf demofratischer Grundlage gecinten. Die Einheit fann nur im freien Deutschland erstehen, ein geeinigtes freies Deutschland heißt der Sturz Bismard's und seiner Politik. Mit den österreichischen Arbeitern stehen wir nicht im internationalen, sondern im nationalen Verhältnise; wir können uns nicht organisiren ohne ste. Die Gesetze verbieten den direkten Anschluß an die internationale Assoziation. Allein um Jdeen Eingang zu verschaffen, bedarf es keiner Organisation, welche die rohe Hand der Polizei greifen kann. Ideen sind zollfrei.( Bravo.) Redner theilt nun mit, daß am 6. Juli in Braunschweig der Beschluß gefaßt wurde, für Anfang August den Congreß nach Eisenach einzuberufen, dessen Hauptaufgabe darin bestehen soll, eine Organisation für die gesammte sozial- demokratische Deutschlands Partei festzusetzen. Er lade hiermit die österreichischen Arbeiter ein und hoffe, daß sie Delegirte zum Congreffe entfenden werden. Der Polizeicommiär macht aufmerksam, daß dies bereits die Tagesordnung überschreite. Liebknecht: Ich werde soeben aufmerksam gemacht, daß dies nicht zur Tagesordnung gehöre, ich muß mich daher beschränten, Ihnen den Man Beschluß mitzutheilen und meinen Auftrag Sie einzuladen. wird am Congreffe die Vereinigung zu hintertreiben suchen. Herr v. Schweizer schickt Delegirte hin, um Störungen zu verursachen. Gut! Wir werden uns nicht beirren lassen. Wir gehen unsern eignen Weg. Wer nicht mit uns gehen will, der esse mit Schweitzer die Brofamen vom Tische des preußischen Ho es und drücke die Hand des Bruders des Königs von Preußen!*)( Heiterfeit.) Uebrigens glaube ich gar nicht, daß Herr v. Schweizer die eigentliche Absicht hat, uns zu überrumpeln, sonst würde er es nicht 4 Wochen vorher fagen; er kennt die preußische Polizer genau, besser als ein Demokrat sie fennen soll, und glaubt die Polizei fei überall so wie in Preußen, wo sie unbeschadet des bestehenden Vereinsrechtes bei voraussichtlichen Ruhestörungen eine Versammlung verbieten kann. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß er durch die angedrohten Rubestörungen das Verbot des Congresses erwirken will. Allein hier macht Herr v. Schweißer die Rechnung ohne den Wirth. In dem Heinen Thüringen da herrschen ganz eigenthüntliche Zustände. Dort giebt es gar kein Vereinsgesetz. Man versammelt sich eben wie man will!( Große Heiterkeit.) Das Volk ist dabei glücklich und es kommen *) Des Prinzen Albrecht ,, lönigl. Hoheit". feine Ruhestörungen vor, während in den bestpolizirten Staaten, wie ich gehört habe, Ruheſtörungen, selbst sehr blutiger Art, vorkommen follen. Die Einigung der Part i wird staufinden, rust Redner zum Schlusse aus. Denn wo der Wille ist, findet sich auch der Weg." ( Die Versammlung bringt stürmische Hochrufe auf den Redner aus.) Der Vorsitzende bemer.t mit Rücksicht auf die frühere Störung im Hintergrunde des Saales, daß keine Bismärder unter den hiesigen Arbeiten seien. Die Ruheftörer waren einige Selbsthi.fler", sonderbare Käuze, sonst ganz unschädliche Leute.( Heiterkeit.) Kramlinger interpellirt Herrn Liebknecht, wie er sich zu dem Jacoby'schen Programm verhalte, welches den Arbeitern nur einen Gewinnantheil, nicht aber den ganzen Ertrag der Arbeit zuspricht. Liebknecht sagt, wenn auch Jacoby noch nicht so weit geht, wie Die sozialistische Partei, so wäre es doch thöricht, ihn zu bekämpfen, ihn von uns zu stoßen, denn er ist ein Bundesgenosse im Kampfe gegen die Bourgeoisie wie gegen das Junkerthum, uno ist der Ueberzeugung, daß die polititische Freiheitsfrage ohne die sociale Frage nicht gelöst werden tann. Mühlwasser aus Brünn schildert den Verlauf der dortigen Arbeiterbewegung und der daselbst staitgehabten Exzesse, an denen die deutsche Arbeiterbevölkerung gänzlich unbetheiligt gewesen sei. Auf eine Anfrage Tauscher's, ob es in Deutschland eine Arbeiterpartei Schulze- Delitzsch gebe, erwidert Liebknecht, daß eine solche nur noch in fleinen Ueberresten vorhanden sei, und daß man am besten den Gegensatz zwischen Schulze- Delitzsch und Lassalle begraben sein lasse. Die Partei, die uns gefährlich ist, sagt der Redner, verlangt, daß wir mit der preußischen Regierung gehen, daß wir auf Bismarc'sche Staatshülfe bauen. Wian hat in Preußen das allgemeine Stimmrecht eingerichtet als eine Waffe des Absolutismus, das Volk steht mit gebundenen Händen und kann keinen Gebrauch davon machen. Das freie Wort ist in den Wahlversammlungen verpönt, an eine freie Ausübung des Wahlrechts nicht zu denken. Wan redet den Arbeitern vor, sie könnten durch das allgemeine Stimmrecht nach und nach die Majorität im Reichstage erlangen. Dies ist eine Täuschung. Die wenigen in Preußen gewählten Arbeiterführer haben ihre Wahl lediglich der Duldung oder gar Unterstützung der Regierung zn verdanken. In Preußen herrscht ein systematischer Absolutismus. Davon haben Sie in Desterreich temen Begriff. Ihr Absolutismus war etwa wie der eines türkischen Paschas, ein Absolutismus mit Bummelei.( Heiterkeit.) In Preußen herrscht ein intelligenter Absolutismus, und dieser ist gefährlicher, als der unintelligente. Das hat schon Heinrich Heine vor vierzig Jahren auseinandergesetzt. Preußen hat die Fürsten der kleinen Staaten in den Bundestäfig eingebündelt, die anderen sollen warten, bis die preußische Riesenschlange den gewaltigen Bissen des Jahres 1866 verdaut hat. Wir sollen fämpfen gegen die kleinen Zwetschenfürsten", damit sie Bismarc bequem ,, einverleiben" könne, wir sollen arbeiten ,, pour le roi de Prusse", das wollen Hr. von Schweißer und Genossen. Der Hauptfeind ist das Bismarc' sche Preußen, die Citadelle der Knechtschaft ist Berlin. Dort muß die Hauptschlacht geschlagen werden für die Befreiung Deutschlands.( Lebhafter Beifall.) Bismarck sucht deshalb die Arbeiter mit Versprechungen zu födern, sie aus Feinden in Werkzeuge zu verwandelu. Hier in Desterreich ist die Stellung der Arbeiter zur Regierung eine ganz verschiedene, ganz eigenthümliche Bis zu einem gewissen Punkte haben die Arbeiter hier ein gemeinsames Interesse mit der Hegierung nämlich so weit diese das Pfaffenthum und den Adel betámpft. Letzteres hat sie allerdings bisher in sehr schwächlicher Weise gethan. Auein immerhin ist viel geschehen. Desterreich steht inmitten einer Revolution. Daß Sie sich z. E. hier versammeln dürfen, verdanken Sie, ich sage nicht dieser Regierung, sondern den Umständen, die diese Regierung ans Ruder gebracht der Niederlage von 1866.( Stürmischer Betall.) Wenn Sie unflug und um jeden Preis ankämpfen gegen diese Regierung, so tämpfen Sie für die Ultramontanen und Feudalen. Die Arbeiter haben ihre Stellung zu dem Bürgerminifterium richtiger begriffen, als das Bürgerministerium selbst. Die Arbeiter wollen die Rejormen dieses Ministeriums nicht erschüttern, aber sie verlangen freieren Flügelschlag für die sozialistische Bewegung. Unbegreiflich! Das Bürgerministerium confiszirt Arbeiterzeitungen, verhaftet, chikanirt und verfolgt die Arbeiter. Dies erinnert mich an die Geschichte von dem Bauer, der auf dem Aste eines Baumes saß und denselben am Stamme durchlägte. Als er es vollbracht, da lag der Bauer unten und hatte den Hals gebrochen. Begreist denn dieses Ministerium nicht, daß die Arbeiter seine festeste Stütze sind? Begreift es nicht, daß ohne die ArZustände der dortigen Arbeiter als sehr bedauerlich, da in Ungarn nicht einmal ein Vereinsgesetz existire. Er berichtet sodann über den ,, ungnädigen" Empfang, der einer Arbeiterdeputation bei dem Winier des Innern, Baron Wenckheim, zu Theil wurde. Seine wahrhat stan dalösen Mitgeilungen riefen einen levhafin Unwillen in der Versammlung hervor. Wiedner eckiärt Namens der Pregburger Arbeiter den Anschluß an die sozial- demokratische Part.i und ermächtigt die Wiener Arbeiter, durch ihre Delegirten aus dem Congrese in Eisenach auch die Interessen der ungarischen Arbeiter zu vertreten. Hartung sagt, das liberale Bürgerministerium befindet sich auf einem gewaltigen Frewege, weil es die Nothwendigkeit der Verbesserung der Lage des arbeitenden Boltes nicht anettenne; er citirt die Aeuße rungen der Staatsanwaltschaft in dem letzten Arbeite.prozesse( Brüßhaver- Moft) als einen Auspuß der Anschauungen der die terung. Die Arbeiter dagegen haben die Regierung in auen irciveitlichen Fragen stets unterstützt und wünschen nur, daß die Regierung auch ihrerseits die Ideen der Arbeiter fördere, statt sie unnütz zu bekampfen.( Bravo!) Berta spricht gegen die Spaltung nach Nationalitäten, evenso Mühlwasser; dieser erklärt, daß die Kluft zwischen Czechen und Deutschen nicht so tief sei als man dente, daß sie zum großen Theile erkünfteit sei. Zum Schlusse nimmt Liebknecht noch einmal das Wort. Er weist auf die Schweiz und Amerika hin, wo die Freiheit den Nationalitätenhader getödtet oder unmöglich gemacht. Ein österreichischer Minister habe dies ganz richtig erkannt, indem er sagte, er wolle Bismard ein Paroli bieten, indem er aus Desterreich eine monarchische Eidgenossenschat machen wolle. Aber ich kenne nur Eine Eidgenojen schaft, und die hat keinen Kaiser. Ob eine Eidgenossenschaft mit einem Kaiser an der Spitze herzustellen sei die Lösung dieses Problems muß ich dem Scharfsinn des Herrn von Beust überlassen. Wie früher der Absolutismus, so sei auch jetzt der Liberalismus in Oesterreich otne System, sonst wären diese Quälereien und Chicanen unmöglich. Defter reich muß vorangehen auf dem Wege der Freiheit. Jeder Fehitritt stürzt es in den Abgrund. Freiheit oder Tod!" schrieben die Stämpfer der Französischen Republik auf ihre Säbel. Freiheit oder Tod! ist die Devise, die diesem schönen Desterreich durch die Nothwendigteit aufgezwungen ward." Redner betont sodann, daß eine Lösung der Arbeiterfrage auf reformatorischem Wege, Hand in Hand mit der Bourgeoisie, an sich keine Unmöglichſe it wäre, wenn die Besitzer der Macht freiwillig auf das vortheilbringende Unrecht verzichten würden. Das sei jedoch nicht zu erhoffen. Noch nie habe eine Klasse, ein Stand frei und gutwillig auf Privilegien verzichtet. Recht deutlich habe sich dies neuerdings in Amerita beim Kampf zur Abschaffung der Stlaverei gezeigt. Viedner weist sodann auf die Arbeiterverfolgungen in Belgien, England, Frankreich, Genf und in neuester Zeit in Brünn hin, ein Beweis, daß die Klaffenherrschaft unter was immer für einer Staatsform stets die Arbeit unterdrückt. Dadurch dürfe man sich aber nicht zu dem Jr thum verleiten lassen, die politische Bewegung sei für die Arbeiter gleichgültig. Die politische und die soziale Frage laffe sich nicht trennen. Wer gegen die Klassenherrschaft kämpit, muß tämpfen für die Freiheit; nur im freien Staat, nur im Freistaat ist die freie Gesellschaft möglich. ( Stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende erklärt, er hoffe, Herr Liebknecht werde von hier fratische Partei sei. Er bedauert, daß die letzte Summer der ,, Bollsdas Bewußtsein mitnehmen, daß Wien ein Boden für die sozial- demostimme" durch behördliche Confistation den Arbeitern entzogen worden sei und theilt eine Anzahl Begrüßungstelegramme mit, worauf die Ber sammlung unter Hochrufen auf Liebknecht auseinandergeht. Soeben ist erschienen: Anzeigen. Mein Verhältniß zu Hrn. v. Schweitzer Preis 2% Sgr. und zum ,, Sozial- Demokrat" von 3. B. v. Hofstetten. Berlin 1869, Drud und Verlag von Reichardt Bander( Ferdinand Reichardt), Spittelmarkt 7. und beiter keine freizeitliche Bewegung in Desterreich dentbar iſt? Was hat Deutscher Arbeiterbildungs- Verein das Bürgerthum bisher getyan, um sein Bürgerministerium zu stützen? Nichts. Wer ist, um nur eines Beispiels zu erwähnen, für das Ministerium eingetreten in der Sache gegen den Bischof von Linz? Nur die Arbeiter! Das Bürgerministerium tann die Arbeiter nicht entbehren; aber die Arbeiter können die Herren Bürgerminister wohl entbehren.( Lebhaftes Bravo.) Niempit( Obmann des Preßburger Arbeiterbildungsvereins) spricht über die soziale Bewegung in Bewegung in Ungarn und schildert die Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redattion: Brauftr. 11). in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. Alle sozialistischen Schriften sind durch meine Vermittelung zu beziehen. Leipzig, Windmühlenstr. 23 Hintergebäude. C. E. Seifert. Verlag: F. Thiele } Leipzig.{ Expedition: Petersstraße 18.