T T 3 e I Beilage zum Demokratischen Wochenblatt Nr. 35. Ueber die Entstehung neuer Ideen. Vortrag des Herrn Heinrich Vogel gehalten im Berliner Buchdrucker- und Schriftgießer- Verein am 21. Juni 1869. ( Stenographirt von H. Roller.) Geehrte Herren! Als ein französischer Naturforscher infolge seiner Versuche zu dem Resultat gekommen war, daß alle organischen Wesen, auch die kleinsten., nur mittelst schon vorhandner Zellen entständen, da erhob sich vielfach Widerspruch gegen diese Ansicht. Man konnte sich nicht erklären wie es möglich sei, daß z. B. in Gährungsflüssigkeiten, die anfangs ganz klar sind, die Organismen nur mittelst schon vorhandner Zellen entständen. Man fand eben vorher keine Zellen und man widersprach dieser Ansicht vielfach. Judessen fortgesetzten Untersuchungen zufolge ist die Ansicht, die Pasteur ausgesprochen hat, außer Zweifel gestellt worden; es ist heute nachgewiesen, daß es wirklich so ist, daß immer nur, wenn Keimzellen, Sporen, vorhanden sind, weitere Zellen sich bilden können. Meine Herren, was bei den greifbaren Gegenständen, bei den Gebilden der materiellen Welt der Fall ist, das ist eben auch bei den Gebilden des Geisteslebens der Fall: bei den neuen Gedanken, bei den neuen Ideen! Es hat auch hier oft den Anschein, als ob eine Idee plötzlich aufträte, neu, ohne Vorboten, ohne Heranreifung. Aber in Wirklichkeit, wenn man die Sache näher untersucht, ist sie doch ebenfalls nur das Produkt einer vorhergehenden Zeugung und eines Heranreifens. Sie ist scheinbar das Produkt des Kopfes eines Einzelnen, in Wahrheit aber das Produkt der Geistesthätigkeit der gesammten Gesellschaft, und je größer eine Idee ist, desto allgemeiner ist das Mitwirken der Gesammtheit. Die großen Ideen, die bestimmt sind, von weittragendem Einfluß auf die Entwicklung der Gesellschaft zu sein, sind eben nur entstanden durch das Busammenwirken aller geheimen Kräfte der Gesellschaft. In der Philosophie ist man darüber schon seit geraumer Zeit im Klaren. Es hat z. B. ein Mann, dessen Autorität Sie wohl auch nicht in Frage stellen werden, Lassalle, in einer Festrede, die er bei Gelegenheit des 100jährigen Geburtstages von Fichte hielt, sich darüber ziemlich bestimmt ausgesprochen; und wenn auch Manche die Autorität Lassalle's in anderer Hinsicht nicht gelten lassen wollen, als Philosoph wird man sie ihm jedenfalls nicht streitig machen. Lassalle sagt da u. A. in seiner Rede( Seite 12): nur darin, daß jeder Nachfolger nur die Summe der Existenz In der Reihe der Philosophen besteht aller Fortgang feines Vorgängers zieht, nur ausspricht, was jener an sich bereits geleistet hat. So ausgesprochen ist es ein vollkommen neuer Gedanke und ein neuer Standpunkt des Geistes ge= worden." Es besteht also eine fortwährende Reihe, eine Kette; an den Gedanken des Einen schließt sich die Gedankenthätigkeit des Nachfolgers an. An einer andern Stelle( Seite 21), sagt Lassalle: Dieser in der gesammten Reihe dieser Geisteshelden identische, sich durch sie alle hindurchziehende und über jeden derselben noch hinausgehende Geist ist das National- oder Volksgeistige in ihnen. Er bildet das wahrhaft gemeinschaftliche Subjekt dieser Philosophenreihe, und diese Individuen Kant, Fichte, Schelling und Hegel sind nur die Gestalten, in denen der deutsche Geist zu seinem Selbstverständniß kommt und immer höhere Stufen seines Daseins und seiner Selbstentwicklung erlangt." Er sagt also mit andern Worten hier geradezu, daß die Werke eines Kant, Fichte, Schelling, Hegel u. f. w. nicht diesen Männern allein, sondern der Geistesthätigkeit der gesammten Nation zuzuschreiben sind. M. H.! Von anderer Seite wird es noch nicht so vollständig anerkannt, daß die Ideen nicht die Produkte Einzelner sind. Es wird Ihnen auch bekannt sein, daß z. B. in Betreff des Patentwesens verschiedene Ansichten verfochten werden. Wenn sich auch in neuerer Zeit die Ansicht immer mehr Bahn bricht, daß das Patentwesen aufzuheben, daß sein Nußen nur ein scheinbarer ist und der Allgemeinheit nicht zu gute fommt, so giebt es auch da noch viele Gegner. Aber es wird Ihnen doch auch nicht verborgen geblieben sein, daß sich immer mehr Leute zu der Ansicht bekennen, daß die Patente nicht zweckentsprechend sind. Man sieht immer mehr ein, daß wenn auch scheinbar es die Thätigkeit des einen Einzelnen ist, der eine neue Entdeckung macht, in Wirklichkeit an dieser Entdeckung doch eben auch die ganze Gesellschaft mehr oder minder direkt mit arbeitet. Das zeigt sich z. B. recht deutlich darin, daß in gewissen Perioden ein und dieselbe Entdeckung an ganz verschiedenen Orten von ganz verschiedenen Personen gemacht wire, ganz unabhängig von einander, daß zu gewissen Zeiten in verschiedenen Ländern der Geiſt in ganz be= stimmten parallelen Richtungen fortschreitet. Es ist ist dies ein deutlicher Beweis dafür, daß nicht das einzelne Individuum dabei ausschließlich das Verdienst hat, sondern daß eben die ganze Geistesatmosphäre gewissermaßen, die ganze derzeitige Bildung die Ursache gewesen ist, daß diese Entdeckung gemacht wurde. Wir sehen ferner auch, daß in bestimmten Zeiträumen beschäftigten sich die Geister überall mit Scholastit, und beinahe Synchronismen überall auftauchen. Im 13. Jahrhundert z. B. mit derselben Scholastik in Indien, in Spanien, in Kleinasien, in Griechenland, ganz unabhängig von einander; es lag eben in der allgemeinen Entwickelungsstufe der Menschheit, daß man ese Geistesrichtung verfolgte. In dem folgenden Jahrhunderte, ( dem 14.), zeigte sich wieder im öffentlichen Geiste mehr ein Hang zur mystischen Allegorie. Im 15. und 16. Jahrhundert besonders richtete sich derselbe mehr auf die kirchlichen Verhältnisse. So zeigten sich in allen Ländern, nicht allein in Deutschland, wie eine Epidemie die Reformationsbestrebungen auf re= ligiösem Gebiete, ebenso in der Kunst sowohl des Griffels wie der Leier, die Kunstbestrebungen wachten neu auf. M. H., es ist dies ein Zeichen, daß die neuen Ideen nicht allein von den Einzelnen herstammen, die sie zuerst ausgesprochen, sondern daß sie aus dem Zusammenwirken der Gesellschaft überhaupt resultiren. Wenn das auch nun im Allgemeinen feinen Widerspruch erfährt, so wird es sich doch noch deutlicher zeigen, wenn wir bestimmte Fälle nehmen, wenn wir bei bestimmten Ideen untersuchen, in welcher Weise sie entstanden sind und wickelung der Menschheit gewesen ist, ist wohl unstreitig die sich entwickelt haben. Idee des Christenthums, und wenn wir diese untersuchen, so werden die Resultate, zu denen wir kommen, uns vielfach für andere Fälle maßgebend sein können. M. H.! Die Jdee, die wohl die folgenreichste für die EntDie Strenggläubigen, die sogenannten Orthodoxen der christlichen Religion wie jeder andern, behaupten allerdings: das Christenthum ist mit der Geburt Christi entstanden und ist von selbst ohne andere Mitwirkung der Welt geworden und hat sich von diesem Zeitpunkte aus verbreitet. Die Anhänger des Mohamedanismus behaupten ganz stricte dasselbe von dem Auftreten Mohamed's für die Ausbreitung ihrer Geistesrichtung, und so die verschiedenen anderen Religionen. Sehen wir aber die Resultate nach, zu denen die Forschungen der Fachmänner geführt haben, so kommen wir zu ganz anderen Ergebnissen. Es ist außer Zweifel gestellt, daß ein großer Theil, man kann wohl sagen alle Ideen, alle sogenannten Lehren Jesu schon vorher bekannt waren. Auch selbst in dem jüdischen Volke gab es schon vor Jesus eine Sekte, die sogenannten Essäer, die vollständig, fast bis in die Details, die Lehren und die Ansichten befolgten und verbreiteten, die Jesus lehrte und verbreitete. Die Ursachen, daß erst nach dem Auftreten Jesu sich diese Lehren allgemeiner verbreiteten, sie haben zum größten Theile in der Persönlichkeit Jesu ihre Veranlassung und in dem Mit wirken der Zeitverhältnisse. Es ist z. B. von einem Kirchen lehrer und Kirchenvater, Lactantius, erklärt worden:„ Es ist leicht nachzuweisen, daß beinahe die ganze Wahrheit unter den Philosophen und Sekten vorhanden sei; wenn Jemand unternähme, die bei den Einzelnen zerstreute, unter die Sekten aus gesprengte Wahrheit zu sammeln und in ein Ganzes zusammenzufügen, so würde er gewiß von uns( Christen) nicht abweichen." Aehnlich Clemens von Alexandrien und der heilige Augustinus. Es lag eben in der allgemeinen Richtung der damaligen Zeit; fie begünstigte das Auftreten eines Messias. Man erwartete im jüdischen Volke allgemein den Messias, und es hatten sich ja schon vorher Verschiedene für den Messias ausgegeben. Es waren andere Personen aufgetreten, die ähnliche Richtungen verfolgten, z. B. Johannes der Täufer, und es ist leicht er flärlich, daß, wenn ein Mann in diese allgemeine Stimmung mit einem idealen Kopf, mit einer lebhaften Phantasie hinein tritt, er die Wirkungen hervorrufen mußte, wie es von Jesus geschehen. Und selbst aus den Einzelheiten des Auftretens Jesu läßt sich erkennen und ist auch nachgewiesen, daß die allgemeine Stimmung eben die Art und Weise seines Auftretens beeinflußte und bestimmte. Sie wissen, daß Jesus einen großen Eindruck machte durch die Wunder, die er that. Ja, m. H., es war dies nothwendig, sonst hätte er eben die Erfolge nicht gehabt; die Zeit war eine derartige, daß man nur einen Einbruck machen konnte durch Wunder. Alle Männer jener Zeit, die eine Bedeutung erlangen wollten und erlangt hatten ich erwähne nur den Zauberer Simon in Samarien, Apollonius von Tyana und den alexandrischen Philosophen Plotin -hatten sie nur dadurch erreicht, daß sie irgendwie erklärten, Wunder zu thun, und den Uebrigen die Ueberzeugung beibrachten, daß sie Wunder thäten; und der damalige Zustand des allgemeinen Geistes war ein solcher, daß man es in voller Chrlichkeit that. Man war selbst überzeugt, und es ist gewiß nicht zu viel behauptet, daß Jesus selbst überzeugt gewesen sei, daß er Wunder gethan habe. Es sind allerdings viele Stellen in der Bibel vorhanden, aus denen sich schließen läßt, daß er sie uur ungern gethan hat, da seinem Standpunkte gegenüber Wunder nicht am Plate waren. Er hat sie oft nur auf Aufforderung gethan und oft verlangt, daß man sie geheim halten folle; einmal sagte er z. B. zu Matthäus: ,, Sprich nicht davon", aber er mußte sie eben thun, weil die allgemeine Anschauung der damaligen Zeit es verlangte, wenn er sonst nur einige Bedeutung erreichen wollte. Eine spätere Epoche im Geistesleben bezeichnet uns die Reformation, und auch hier datiren die Strenggläubigen die Entstehung der Reformation von dem Auftreten Luther's her, von seinem Anschlagen der Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg und seinem weiteren Verhalten. Doch ist auch dies, streng genommen, irrthümlich; auch im Mittelalter war die Reformation, die eigentliche Reformation schon präeristent*) dem Auftreten Luther's. Die Geister waren schon vorher mit der Reformation beschäftigt; nicht streng genommen in dem Sinne wie Luther sie ausgeführt hat, sondern in einem umfafsenderen Sinne. Der Geist der Reformation vor dem Auftreten Luther's war ein mehr allgemeiner humanistischer, nicht so streng firchlicher wie er durch Luther ausgebildet worden ist. Aber auch die Reformation war nicht erst das Ergebniß Luthers, sondern Luther ist eben nur ein Glied in der Kette der Bildner der Reformation. Dies geht auch schon daraus hervor, daß unabhängig von Luther sich ähnliche Bestrebungen anderwärts zeigten, z. B. in der Schweiz, in Italien, in England und anderwärts. Auch die neuere Zeit zeigt in religiöser Beziehung wohl neue Bestrebungen, indessen die allgemeine Entwicklung des öffentlichen Geistes ist eine derartige, daß religiöse Ideen nicht im Stande sind, ein allgemeineres Interesse hervorzurufen. Es ist dies vielleicht(?) zu bedauern, aber es ist Thatsache. In unserer Zeit sind es eben andere Jdeen, die besonders die Geister be*) früher bestehend, existirend vor 412 wegen und intereffiren. Es sind mehr Ideen, welche sich auf das wirkliche Leben beziehen; es sind die sozialen Ideen, die Ideen über gesellschaftliche Verhältnisse, die heutzutage bei weitem am meisten die Gemüther bewegen. Nun, meine Herren, auch hier giebt es Leute, die sozusagen strenggläubig sind, und die da sagen, unsere Bewegung datirt von einem bestimmten Zeitpunkte und zwar von dem Auftreten Lassalle's her, und sie ist ein ausschließliches Ergebniß des Nachdenkens Lassalle's; der Weg zur Lösung der sozialen Frage ist von Lassalle vorgezeich net und ihm ausschließlich beizumessen. Meine Herren! Wenn ich meine persönliche Ansicht darüber aussprechen soll, so will ich kurz bemerken, daß wohl kaum Jemand eine größere Ver ehrung für Lassalle haben kann, wie ich sie habe, daß aber diese Verehrung für die Person Lassalle's mich doch nicht ab halten kann, unbefangen über sein wirken nachzudenken. Meine Herren, wenn man sachlich darüber nachdenkt, wird man auch hier zu dem Ergebniß kommen, daß das, was Lassalle gesagt hat, nicht lediglich das Ergebniß seines Nachdenkens gewesen ist. Wie zur Zeit Christi die religiösen Bewegungen und zur Zeit Luther's die Reformation in der Luft lag, so steht ja auch außer Zweifel, daß zur Zeit des Auftretens Lassalle's die Erörterung der sozialen Verhältnisse auch förmlich in der Luft lag. Hatten sich doch Arbeiter, ehe sie sich an Lassalle wende ten, schon mit der Frage beschäftigt, waren doch Comités zu sammengetreten, hatten sich an den Nationalverein gewendet und nach anderer Seite hin, um ihre Bestrebungen zu fördern, und dann erst an Lassalle. Meine Herren, Lassalle ist ein so ehrlicher und aufrichtiger Mann, daß er selbst es sagt, daß das Weiſte von dem, was er sagt, schon in der Wissenschaft vorher längst und unzweifelhaft festgestanden! Man spricht vielfach, daß Lassalle das eherne ökonomische Lohngesetz aufgestellt habe, aber Lassalle selbst sagt uns, daß es schon von anderen Männern der Wissenschaft vorher hinlänglich festgestellt sei. Man sagt, Lassalle habe das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht ver langt. Meine Herren, er hat es verlangt, aber es ist auch schon vor ihm verlangt worden; ebenso Produktiv- Genoffenschaften in einer oder der andern Weise; und wenn wir dies uns gestehen, so ist das nicht etwa eine Veranlassung, geringer von Lassalle zu denken, weniger Verehrung für ihn zu haben; im Gegentheil, wenn wir objektiv urtheilen, so wird unsere Verehrung, unsere Theilnahme für Lassalle eine um so größere sein, als sie nicht erschüttert werden kann, wenn wir etwa hören, daß Lassalle in Diesem oder Jenem geirrt habe. Im Gegentheil, wenn wir unsere Vorstellung von Lassalle uns sachlich bilden, nur dem Verstande nach, ohne daß wir das Gemüth mitsprechen lassen, so werden wir Lassalle viel höher schätzen, als wenn wir nur dem Gefühle nachgingen, und werden auch, wenn wir zu der Ueberzeugung fommen sollten, daß Lassalle sich in dem Einen oder Anderen getäuscht habe, nicht so betrübt darüber sein. Es ist eben vielfach das Gemüth, welches die flare Vorstellung beeinflußt und die Entwickelung der Verhält nisse, wie in früheren Zeiten die Entwickelung anderer Wissen schaften dadurch vielfach gehemmt wurde, daß die Phantasie den Verstand zurückdrängte, daß, wie z. B. in der Medizin und der Naturwissenschaft die Phantasie sich Hirngespinnste macht und dadurch der Verstand zurückblieb und zu keinem Ergebniß kam, und wie erst später als die Phantasie zurückgedrängt wurde, die Wissenschaft es zu bedeutenderen Erfolgen brachte. ( Fortsetzung folgt.) Aus England. = London, den 9. Auguft. Die irischen Bischöfe haben eine Kirchenversammlung einberufen, auf welcher Geistliche und Laien gleichmäßig ver treten sein sollen, um sich über den veränderten Stand der Dinge zu berathen und sich das neue Haus einzurichten. Der Executiv= Ausschuß der Liberations-( Befreiungs-) Gesellschaft, die die Abschaffung sämmtlicher Staatsfirchen bezweckt, hat ein Protokoll veröffentlicht, worin er seine Befriedigung und An = 413 erkennung darüber ausspricht, daß der Zweck der Gesellschaft in einem Theil des Vereinigten Königreichs vollständig(?) erreicht worden ist. Gladstone, seinem Ministerium und der liberalen Majorität im Unterhaus wird ein Tribut der Anerkennung ge= zollt für die Treue und Standhaftigkeit, mit welcher sie das Werk durchgeführt, und der Ausschuß spricht die ernste Hoffnung aus, die wohlthätigen Wirkungen möchten von der Art sein und die aufgehobene Kirche einen solchen Gebrauch von ihrer erworbenen Freiheit machen, daß in der noch unter der Oberherrschaft des Staats stehenden Kirche Gelüfte nach gleicher Freiheit erregt d. h. die Kirche zur Abtretung ihres Eigenthums an den Staat bewegt werde. Daß sich die englischen Bischöfe nicht von dergleichen Gelüsten anwandeln lassen werden, wissen die Liberations Männer sehr wohl; darum sind sie desto eifrige bemüht, ähnliche Gelüfte bei Denen wach zu rufen, die weder bischöfliche noch sonstige Interessen am Fortbestand des Staatsfirchenwesens haben. Für eine Diskussion in der nächsten Session ist bereits gesorgt. Ein Vertreter des Fürstenthums Wales hat angezeigt, daß er in der nächsten Session die Aufmerksamkeit des Unterhauses auf den Zustand der religiösen Ungleichheit und die anomale( regelwidrige) Stellung der Staatskirche in Wales lenken und folgende Resolutionen vorschlagen wird: 1) Daß nach dem Gutachten des Unterhauses die Zeit endlich gekommen ist, wo die Maßregel der religiösen Gleich heit die man Irland gewährt, dem Fürstenthum Wales in Recht und Billigkeit nicht länger vorenthalten werden kann. 2) Daß es rathsam ist, den Ueberschuß an Vermögen, der aus der Aufhebung der Staatskirche entspringt, zu nationalen Zweden zwar für Gründung eines von aller Religion unabhängigen Erziehungswesens zu verwenden. Gleichzeitig hat sich eine Liga ( Bund) gebildet, deren erste Forderung allgemeiner Schulzwang ist. Ueber diesen Punkt, ist man fast allgemein einverstanden. Der nächste Punkt, über den man ziemlich einverstanden, ist, daß es die Pflicht des Staats ist den Schulzwang einzuführen. Ferner ist man überzeugt, daß der Schulzwang nur eingeführt werden kann, wenn die Religion aus den Schulen verbannt wird. Der Hauptstreitpunkt ist: wo sollen die Mittel zur Errichtung solcher Schulen herkommen? Die Einen sagen, der Staat muß die Mittel beschaffen, die Andern, es ist Sache der Gemeinden, Schulsteuern je nach dem Bedarf ihrer Lokali täten zu erheben. Ohne die schon so sehr drückende Steuerlast zu vermehren, giebt es nur zwei Mittel ansehnliche Summen für den Volksunterricht zu erlangen. Die Staatsfirche und das stehende Heer könnten beide eine Verminderung von einigen Millionen aushalten.*) und Nach dem letzten Bericht der Post- Amts- Sparkassen**) sollte man glauben, daß überall Wohlstand vorhanden sei. Gegen zwölf Millionen Pfund Sterling sind von neunhundertfünfundsechzig Tausend Personen niedergelegt worden, wovon fünf und eine halbe Million auf das letzte Jahr kommen; 289,366 Personen eröffneten während des Jahres neue Einlagen; 179,195 Personen zogen ihre Gelder zurück. Der Durchschnittsbetrag pro Person ist 12 Pfd. Sterl. Daß diese Gelder nicht die Ersparnisse von gewöhnlichen Lohnarbeitern sind, ist handgreiflich. Die größern Gewerksgenossenschaften haben so viele arbeitslose Mitglieder gehabt, daß sie während der letzten Jahre alle zugesetzt haben. Die große Mehrzahl derer, die Geld in ber Sparkasse niederlegen, sind Dienstboten, wovon man sich *) Lieber ganz abgeschafft. brachte z. E. die Frankfurter Zeitung" jüngst eine längere Abhandmachen und vom Staat betreiben zu lassen, schlagend nachgewiesen ward. Der wüste Chorus der„ Freihändler" und Freikonkurrenzler, die weiland unter der Firma„ Freiheit" die„ anarchische" Ausbeutung des Staats und der arbeitenden Klassen durch die Bourgeoisie predigten, ist neuerdings so ziemlich verstummt, und selbst die preußischen Fortschrittler find dahinter gekommen, daß es mit der nationalökonomischen, oder, wie die Leutchen zu sagen belieben, der ,, volkswirthschaftlichen" Weisheit des Vorschreiers Faucher ungefähr ebenso beschlagen ist, wie mit der des Erheiligen Schulze oder Müller( von Delitzsch). **) Auch in Deutschland wird dieß jetzt schon vielseitig zugestanden; fo jeder Zeit nicht allein auf den Bureaus der Post-, sondern auch der andern Sparkassen überzeugen kann. Unter zwanzig Personen, die Geld deponiren, findet sich kaum ein Arbeiter. Was der Kassenbestand dieser Sparkassen daher hauptsächlich beweist, ist, daß Diejenigen, die Dienstboten halten, noch nicht so sehr von der Krise heimgesucht worden sind, daß sie diese Art von Luxus beschränken müssen. Das englische Postwesen ist eine Musteranſtalt. Es befördert jährlich über 800,000,000 Briefe, außer Büchern und Zeitungen; verwaltet die Ersparnisse von 900,000 Personen; vermittelt alle Geldsendungen von einem Ort zum andern durch Anweisungen, die den Geldtransport größtentheils unnöthig machen; es kassirt die Hundesteuer ein, und soll nächstens mit der Verwaltung sämmtlicher Telegraphenlinien beauftragt wer den. Die Poſt hat bewiesen, daß ſehr ausgebreitete Geschäfte unter der Direktion des Staats zur volltommenen Zufriedenheit für das Publikum und bei sehr niedrigen Preisen mit Profit für die Staatstasse betrieben werden können. Würden die Eisenbahnen verwaltet wie das Postwesen, so würden sie bei viel niedrigern Fracht- und Fahrpreisen mehr Gewinn abwerfen wie heute. Man ist allgemein der Meinung, daß der Tag nicht mehr fern ist, wo die Eisenbahnen wie jezt die Telegraphen vom Staat angekauft und betrieben werden müssen.*) Die Auswanderung von Liverpool oder, wie es die Engländer nennen, der Auszug( Exodus) geht rüstig von statten und beweist, wie wenig das Volk von der ihm stets beigelegten Anhänglichkeit an Thron u. s. w. in Wirklichkeit hat. Während des letzten Monats segelten zweiundfünfzig Schiffe mit 15,760 Passagieren von Liverpool; davon fuhren 31 Schiffe mit 12,437 Passagieren nach den Vereinigten Staaten, nur 2,946 Personen gingen nach Canada. Aber dieses Verhältniß gibt noch nicht die ganze Wahrheit, weil nicht Alle, die nach Canada gehen, in Canada bleiben. Mit Ausnahme der Arbeitergesellschaften, die über ihre eigenen Sachen bestimmen, giebt es keine Gesellschaf= ten, die Geld hergeben, um Auswanderer in die Vereinigten Staaten zu befördern, sondern nur in die britischen Colonien. Viele, die der Unterstützung bedürfen, nehmen daher Canada nur zum Schein und gehen bei der ersten Gelegenheit über die Grenze. Dieses ist so offenkundig, daß es vom Ministerium als Einwand dagegen gebraucht wurde, Leute auf Staatskosten nach Canada zu schicken. London, 23. August. Die neun und dreißigste Jahresversammlung der ,, brittischen Assoziation zur Beförderung der Wissenschaften" hat den Reigen der Nachsommer Kongresse eröffnet. Präsident Stokes, Professor. der Physik, gab eine sehr interessante Beschreibung, wie man entdeckt hat, daß sich die Erde und der Hundsstern jede Sekunde um 41 englische Meilen weit von einander entfernen, daß das Sonnensystem jede Mimute 1,800 engl. Meilen weit im Weltall fortgeschleudert wird und daß es überhaupt keine Fixsterne im alten Sinne des Wortes giebt. Er beschrieb ferner, wie man durch die neueste Konstruktion des Spektroskop siere Beweise erhalten hat, daß in den Dunstkreisen der Sonne und anderer großen Weltkörper ungeheuere Säulen von glühendem Wasserstoffgas vorhanden sind, deren Höhe und Umfang nach tausenden und abertausenden von Meilen berechnet werden muß, und die im Verlauf von wenigen Minuten erscheinen und verschwinden. Sondirungen, die innerhalb der letzten zwölf Monate vorgenommen worden sind, hat man Gewißheit erlangt, daß selbst Durch *) Seit etwa 10 Jahren sind in den englischen Postanstalter: Spartassen eingerichtet worden, und zwar unter Garantie des Staats für die Einlagen. Die Postsparkassen haben für das Publikum den Vortheil der Sicherheit freilich zu gleicher Zeit auch für den Staat den Vortheil, daß er die gesammteu Ecsparnisse in der Hand hat und darüber verfügen kann. Um sich dieses Vortheils zu versichern felbstverständlich nicht im Interesse der Arbeiter will die preußische Regierung eine ähnliche Einrichtung treffen. Wir nehmen das Geld, wo wir's finden." " 414 in den größten Wassertiefen die kleinen Baumeister eines großen Theils der Erdrinde der Kalk- und Kreideformation noch heute emsig an der Schöpfung der Welt fortarbeiten. In einer Tiefe, die man bisher für lebenslos gehalten hat 650 Klafter fand man reges Leben, eine manichfaltige und zahlreiche Thierwelt, die das zu ihrer Schale erforderliche Kalium und Kohlenstoffgas aus dem Seewasser auszieht und der Nachwelt als Kalk- urd Kreidefelsen hinterläßt. Aber man hat sich keineswegs mit dem, was 650 Klafter tief auf dem Meeresboden vorgeht, begnügt, man ist bis zu einer Tiefe von 2,400 Klafter( beinah die Höhe des Montblanc) gedrungen, und in dieser Tiefe, wo die Temperatur des Waffers fast po= larisch ist, findet sich noch eine beträchtliche Manichfaltigkeit von thierischem Leben. Diese Sondirungen haben gleichzeitig bestätigt, daß die Temperatur des Wassers mit zunehmender Tiefe fällt und daß durch die Aequatorial und Polar- Strömungen ein beständiger Wechsei unterhalten wird. Die obere, von der heißen Zone ausströmende Wasserschichte dringt bis zu einer Tiefe von 7-800 Klafter. Die Analyse( Untersuchung) der untern, der Polarschichte, ergibt ein großes Verhältniß von kohlenfauren Gasen und allgemeine Verbreitung von or= ganischen Substanzen. = In dem Jahresbericht wird gesagt, daß die SekundärSchulen Bürger Schulen weit hinter den Forderungen der Zeit zurückstehen, und daß die Naturwissenschaften, so wohl als Mittel den Verstand zu diszipliniren als zur Aneignung von Kenntniffen für das Leben, von der höchsten Wichtigkeit für die Jugend sind, und daß gesetzlich verfügt werden sollte, sie nicht hintanzusetzen. = Ueber das Schulwesen entspann sich eine hitzige Debatte. Kanonikus Girdlestone, den ich schon früher erwähnt als einen Pfarrer, der sich sehr viel um das Loos der Ackerbauarbeiter bemüht, verlangte Schulzwang und eine Schulsteuer auf das Land. Ein anderes Mitglied der Gesellschaft verlangte technischen Unterricht für die Ackerbauarbeiter. Ein Rektor von Exeter war gegen Schulzwang und Schulsteuer, und wurde von einem Lord und einem Unterhaus- Mitglied unterstützt. Letzterer behauptete, das Volk sei ,, noch nicht reif" für den Schulzwang, worauf ein Advokat antwortete, das Land sollte die Kosten der Schulbildung der darauf wohnenden Arbeiter tragen. Die Redensart, das Volk sei nicht reif, werde bei jeder Gelegenheit vorgebracht, aber trotzdem fänden bestän= dige Neuerungen statt. Die Schulbildung müsse auf das Volt ausgedehnt werden. Bisher habe man sie auf die höchsten Klassen beschränkt, es sei Zeit, von unten anzufangen, um die Schande auszumerzen, daß die Engländer das ungebildetste Volk von Europa seien. Es gäbe immer Leute, die Reformen zu hintertreiben versuchten, man solle sich nicht um sie fümmern und vorwärts gehen, so erreiche man sicher das Ziel. Profeffor Rogers verlangte nationale, pfaffenfreie und zwangsmäßige Schulbildung auf Kosten des Staats. Ein Zweck der ,, brittischen Assoziation" ist, unbemittelte Gelehrte zuweilen durch Geldbewilligungen in den Stand zu setzen, kostspielige Experimente auszuführen. Im Ganzen wurden in 37 Jahren auf diese Weise 29,312 Pf. St. verausgabt. Welch eine bescheidene Summe verglichen mit dem Gewinn der schlauen Käuze, die sich in die Früchte der wissen schaftlichen Arbeiten theilen. Ein halbes Dutzend EisenbahnDirektoren steckt in einem Jahr mehr in die Tasche und, wie sich in der letzten Zeit ergeben hat, häufig dafür, daß sie die Aktionäre um ihre Dividenden bringen. In den letzten Tagen ist wieder ein Riesen schwindel ans Tageslicht gekommen. Eine der größten Lebens= Versicherungsgesellschaften, die seit dreißig Jahren bestanden hat, ist bankerott. Ihre Verbindlichkeiten belaufen sich auf 8,000,000 Bf. St.( über 50 Millionen Thlr.); wie viel zur Deckung vorhanden, ist gegenwärtig noch ein Geheimniß. Die jährlichen Einnahmen wurden auf 300,000 Pf. St. angeschlagen. Die große Gesellschaft hatte in neuerer Zeit mehrere fleine Gesellschaften in sich aufgenommen und es stellt sich heraus, daß dieses Geschäft ein sehr einträgliches für die Verwalter und Direktoren der annektirten Gesellschaften war, die proMann 5-10,000 Pf. St. erhalten haben, um sich nicht zu widersetzen. Daß dieses nur eine Manier war, die Aktionäre sowohl als die Versicherten zu beschwindeln, versteht sich von selbst. Es ist statistisch erwiesen, daß kaum ein Zehntel der bestehenden Versicherungs- Gesellschaften für die Dauer den Verpflichtungen, die sie übernommen haben, nachkommen können. Man verlangt, daß der Staat einschreiten und das Parlament ein Gesetz erlassen soll, welches jede Gesellschaft verpflichtet, ihre Jahresrechnungen zu veröffentlichen. Aber das Parlament hat keine Lust einzuschreiten, es macht nur Gefeße gegen die kleinen Diebe, die nicht im Barlament sind. Erklärung. = Die Nr. 96 des Social Demokrat" enthält einen zur Charakterisirung das Herrn Yord" überschriebenen Artikel, auf welchen ich Folgendes zur allgemeinen Kenntnißnahme mitzutheilen für geboten erachte. Der Unterzeichner jenes Artikels, hier unter dem Namen Polster bekannt, ist nicht wegen seiner Thätigkeit für den allgemeinen deutschen Arbeiter- Verein oder für die Arbeiter- Jutereffen überhaupt von der hiesigen Kammfabrit entlassen; der selbe hat hier sowohl als auch anderwärts sich höchstens durch sehr confuse Redensarten ein zweifelhaftes Verdienst um die Arbeiterbewegung erworben. Ursache seiner Entlassung ist folgender Vorfall: Eine allabendlich riesigere Dimensionen annehmende Massenschlägerei zwischen Arbeitern der Kammfabrik und der Gummifabrik veranlaßte einen der Miteigenthümer der ersteren, die Arbeiter im Maschinensaale zu versammeln und ihnen mitzutheilen, daß Jeder, der fernerhin an diesen Zusammenläufen und Schlägereien sich betheiligen würde, entlassen werden müßte. Herr Löb- Polster, später eingetreten und nur die letzten Worte hörend, erklärte hierauf, daß er sich das nicht gefallen lasse, den Versammlungen und dem Verein nicht fern bleiben würde u. s. w., während weder von einem Verbot des Vereins noch unserer Versammlungen die Rede war, und er bot dann seine Entlassung an, die später denn auch erfolgte, und von Herrn Löb- Polster als ungerechte Maßregelung ausgenutzt wurde. Jedenfalls hatte ich Recht zu sagen, er sollte lieber das Maul gehalten haben, als uns durch seine Faseleien Verlegen heiten zu bereiten. Herr Löb- Polster war also nun Märtyrer seiner Zunge und empfing nicht nur von dem Braunschweiger MaschinenArbeiter Theodor Eppers, dessen Namen Herr Löb= Polster, weil derselbe zur Zeit in Hamburg, wohlweislich verschweigt, sondern auch von mir und Anderen namhafte Unterstützung. Später ging derselbe auch in die Hamburger Mitglieder- Versammlung, die stets zu geben bereit ist, und erhielt dort gleichfalls 6-8 Thlr. Nach Löb- Polster's Entfernung von hier sandte ferner noch der damalige Bevollmächtigte A. Perl 6 Thlr. für denselben an mich, die deshalb nicht übermittelt werden konnten, weil Herr Löb- Polster mir seine Adresse nicht angezeigt hatte. Durch die Provocation des Hrn. Löb- Polster wurde damals ( Winter 1864-65) der Arbeiter L. Spierling gleichfalls von der Fabrik entlassen, und da nach meinem Verständniß der Sache dieser der Unterstützung eher bedürftig war als Herr Löb- Polster, abgesehen davon, daß uns dessen Adresse fehlte so gab ich von diesem für Unterstützung bewilligten Gelde die Hälfte, also 3 Thlr. Hin. Spierling, und die übrigen 3 Thlr. er ſtattete ich dem Bevollmächtigten Hrn. A. Perl zurück. weiß Hr. Löb- Polster nunmehr 3 Jahre durch den„ Braunschweiger Maschinen- Arbeiter." Diese niederträchtige Verleumdung, sowie die frühere Polemik des Hrn. Löb- Polster ist also nur ein Ausfluß des Aergers, daß er nicht auch noch diese 6 Thlr. ,, Märtyrerlohn" erhalten hat. Dies f b b 6 f 2 h a δ Für die Wahrheit meiner Mittheilung berufe ich mich auf das Zeugniß von A. Perl, Th. Eppers, 2. Spierling und aller wahrheitsliebenden hiesigen Arbeiter. Harburg, den 18. August 1869. Theodor Yord. NB. Obige Entgegnung ist sowohl an den ,, Social- Demofrat" als auch an die ,, Zeitung für Norddeutschland" eingefandt worden. Humboldt Verein für Volksbildung. In keinem Jahrhundert hat der menschliche Geist so riesenmäßige Fortschritte gemacht, als in dem unfrigen; der geistige Aufschwung der Culturvölker in der Gegenwart ist ein ganz außerordentlicher, Bildung und Gesittung dehnen immer weiter, immer mächtiger sich aus. Aber nicht alle Kreise der Gesellschaft schreiten in der Bildung gleichmäßig fort, ja es sind umfangreiche Volksklassen von dem allgemeinen Fortschritt fast noch ganz unberührt ge= blieben, so daß sie noch jetzt auf einem Standpunkte der Anschauung und Gesittung stehen, der uns an hinter uns liegende Jahrhunderte erinnert. Zu beklagen ist hierbei hauptsächlich, daß von verschiedenen Seiten her der weiteren und schnelleren Ausbreitung der Volksbildung mit großer Kraft und mit bedeutenden Mitteln ent= gegengewirkt wird, so daß die Kluft zwischen den in der Bildung fortschreitenden und den rückständigen Voltsklassen immer breiter nnd tiefer wird. Solchen Bestrebungen mit aller Macht entgegenzutreten und die Bildung und Gesittung der Gegenwart in immer weitere Kreise des Volkes verbreiten zu helfen, sollte deshalb Jeder für seine ernste und heilige Pflicht halten, dem das Wohl und das Gedeihen seines Volkes am Herzen liegt; denn Volkswohlfort und Volksgedeihen haben ihre Wurzeln lediglich in der Volksbildung. In Anerkennung dieser Pflicht sind in Breslau eine Anzahl freidenkender Männer zu einem Vereine zusammengetreten, der es sich zur Aufgabe machen will ,,, durch Veröffentlichung und Verbreitung von Schriften, durch Vorträge, durch Gewährung von Lehrmitteln und in jeder sonst geeigneten Weise für Volksbildung zu wirken. Insbesondere wird sein: Streben darauf gerichtet sein, die Ideen der Humanität auszustreuen zur Geltung zu bringen". und Um das Andenkenken Alexander von Humboldt's zu ehren, nennt sich der Verein ,, Humboldt- Verein". Jeder Mann, welcher das 24. Lebensjahr erreicht und im Vollbesitz der bürgerlichen Rechte ist, kann als Mitglied aufgenommen werden. Das aufgenommene Mitglied hat einen jährlichen Beitrag von mindestens 20 Sgr. zu zahlen. Außerdem wird der Verein für seine Vereinszwecke Hum= boldt- Pfennige sammeln. Wer einen laufenden oder einmaligen Beitrag als Humboldt- Pfennig zur Vereinskasse zahlt, ohne Mitglied des Vereins zu sein, gilt als Gönner des Humboldt- Vereins. Der Verein wird selbstverständlich um so mehr wirken können, je mehr er Mitglieder und Gönner erwirbt. Er richtet hierdurch an alle freidenkenden Männer unserer Stadt, sowie der Provinz, ja des ganzen deutschen Volkes die Aufforderung, die Zwecke des Vereins, sei es als Mitglieder, sei es als Gönner fördern zu helfen. Aber auch die deutschen Frauen mögen nicht zurückbleiben, wo es die höchsten Interessen des Volkes gilt, sondern mögen als Spenderinnen und Sammlerinnen von Humboldt- Pfennigen an unseren Bestrebungen werkfördernden Antheil nehmen! Schon sind dem Verein auch von Auswärtigen BeitrittsAnmeldungen zugegangen. Der Verein hofft, daß die Zahl derselben sich stetig mehren wird. Erwünscht wird es dem Vereine sein, wenn sich die auswärtigen Mitglieder bemühen, ihm neue Mitglieder und Gönner zuzuführen, noch erwünschter, 415 wenn sich auch an anderen Orten Vereine mit gleicher Tendenz zu gleichen Bestrebungen constituiren. Es gilt dem Licht! Es gilt, den Bestrebungen jener finstern Mächte entgegenzuarbeiten, die das Licht nicht kommen lassen wollen, die dar= auf ausgehen, uns in die Nacht mittelalterlicher Unwissenheit, mittelalterlichen Aberglaubens zurückzuführen. Es gilt der Humanität! Es gilt, einen mächtigen Schutzwall aufzurichten gegen die Wiederkehr der Rohheit, der Unfitte und des Fanatismus früherer Jahrhunderte und das Unsere zu thun zur fortschreitenden Veredlung und Vervollkommnung des menschlichen Ge= schlechts. Breslau, 21. Juli 1869. Der Vorstand und der Ausschuß des Humboldt- Vereins für Volksbildung. Hofferichter, Kaufmann. Bouneß, Justizrath. Wolfskehl, Kaufmann. Walter, Lehrer. Dr. Thiel, Hauptlehrer. Heidrich, Lehrer. Salo Sadur, Kaufmann. Rohde, Locomotivführer. Pfennig, Reallehrer. v. Heising, Dr. Meyer, praft. Arzt. Dr. Kreisgerichtsrath a. D. Pinoff, prakt. Arzt. Schmeidler, Eisenbahn Sekretär. Dittberner, Fabrikant. I. Hainauer, Buchhändler. Krause, Literat. Türkheimer, Kaufmann. M. Gradenwitz, Kaufmann. B. Schreyer, Banquier. Silbergleit, Sprachlehrer. Dittmann, Herm. Haber, Kaufmann. Ober- Inspektor. Heidrich, Mechanikus. Senfal. Der Salonsozialist.*) = Siegfr. Cohn, Motto: ,, Richtet Euch nach meinen Worten und nicht nach meinen Thaten!" Paulus. Ein siegender Dictator kommt der Lenz Die Bäume schütteln ab das Joch, das weiße; Der Hälmchen schwarzen Kerker sprengt der heiße Entsandte Strahl, und auch der Mensch erkennt's: Der Herrscher duldet nicht, was falt und trübe. Der Haß, die Zwietracht flieh'n und heil'ge Liebe Die Herzen allumfassend walten soll: Ich denke, kind, wir fahren heut' zu Kroll." Sieh, wie die bunte Meng' ins Freie wallt, Als wär' fie finsterm Kerker auch entronnen Und schwelgte in der Freiheit neuer Wonnnen, Die Allen nun fredenzt, ob jung, ob alt, Ob reich, ob arm?! Weh! Ich bin Lenzestrunken, Seh' der Balläste frohe Menschen,- der Spelunken Trübfel'ge Saffen, weh! vergeß ich ganz! ,, Nen Peitschenhieb dem frechen Bettler, Hans!" Dort kriechen sie aus dumpfer Keller Thür, Wie Hohn ist's, wenn die todteskranken Züge Die Sonne schmückt mit rosenfarbner Lüge, Wie Hohn, wenn sie vergoldet Lumpen schier. Und doch! Wie dankt der Arme ihrem Strahle, Sein Antlitz röthet sich, das fahle Fast ist vergessen Hunger, Blöße, Leid! ,, Drei Gänge, Fris, zwei Cliquot veuve beiseit!" Und, schändlich, himmelschreiender Contrast! Hier Sammt und Seide, Gold und Edelsteine Jm Nu die kleine schwelgende Gemeine Enterbter Menge Schweiß und Mark verpraßt. Der Pfropfen knallt: Ihr Hungernden lernt ,, sparen"! Die Busen glüh'n: Hier lernet ,, Sitte wahren", Lernt freier ,, Bildung" heiteren Genuß! ,, Komm, Schweinchen, einen würz'gen Nachtischkuß!" = *) Dieses Gedicht wurde uns unmittelbar vor der Barmen- Elberfelder Generalversammlung zugeschickt, mußte damals aber aus den betannten taktischen Gründen zurückgelegt werden. D. R. Ofrecher Spott! frivole Lüge! Fluch Euch, die das Unglück, das ihr schafft, noch schmähet. Doch rächend kommt der Tag, an welchem wehet Weithin von Notre- Dame das rothe Tuch. Das Glöcklein läutet Sturm, ein rein'gend Wetter Durchzuckt die Menschheit, stürzt die alten Götter. Der junge Morgen Gleiche, Freie, weckt! 416 ,, Fris, fauler Sklave, krieg' ich bald den Sekt?" Die Internationale Metallarbeiter- Gewerks= genossenschaft hat ihren Sitz in Nürnberg. Der Verwaltungsrath ist die ausführende Behörde, und besteht derselbe aus dem Präsidenten Joh. Faaz, Oberschmiedegasse Nr. 469, dem Vizepräsidenten Andr. Hirschmann, Nr. 37 M. Neuhausen, dem Hauptkassirer Haas, Laufergasse Nr. 1221 und dessen Stellvertreter 3Zwerner. Erster Schriftführer ist Frdr. Hegewald, zweiter Schriftführer Seyschab. Als Controleure und Beisiger fungiren: Chr. Wolf, Heinzer, Nagel, Beheim, Nähr, Weiß, Mähring und Neidel. Alle die Gewerksgenossenschaft betreffenden Zuschriften sind an den Präsidenten, Geldsendungen und Abrechnungen an den Hauptkassirer zu adressiren. Nürnberg, den 23. August 1869. Fa az, Präsident. Internationale Gewerksgenossenschaft der Maurer und Zimmerer zu Dresden. Nachdem das Gründungskomité bereits seit mehreren Wochen und namentlich beim Arbeiterkongresse in Eisenach durch seinen Delegirten Bekanntschaften im In- und Auslande an= geknüpft hat, nachdem ferner im genannten Congreß die Gewerksgenossenschaftsfrage seine Befürwortung gefunden und hoffentlich auf fernere Unterstützung Seitens der gesammten sozial demokratischen Arbeiterpartei rechnen zu können glaubt, so beabsichtigen wir nun spätestens zu Anfang Oktober eine Delegirtenversammlung nach Diesden einzuberufen und ersuchen daher alle bereits mit Berathung unseres Statuts vorgegangenen Korporationen nunmehro ihre Erklärungen an den Unterzeichneten einzusenden. Desgleichen ergeht an die Collegen solcher Ortschaften, wo noch keine Statuten hingekommen sind und man fich für Gründung der Gewerksgenossenschaften interefsirt, die Bitte, ihre Adressen zu schicken um ihnen dergleichen einhändigen zu können. Kameraden! Brüder! ohne Unterschied der Nationalität, die Bereinigung aller Gewerksgenossen und vor Allem Eile thut Noth! Darum fäumet nicht, überall und Jeder in seinen Kreise nach Kräften zu wirken, daß das erhabene Ziel: die foziale Befreiung der Arbeiterklasse erreicht werde. Mit Gruß und Handschlag Das Comité der internationalen Gewerksgenossenschaft der Maurer und Zimmerer Dresdens. Wilhem Ehregott Müller, 3. Z. Vorsitzender. Dresden, kleine Frohngasse 5. Gewerkschaft der Schneider, Kürschner und Kappenmacher. Soeben erhielt ich vom Direktorium ein Cirkulair, aus dem ich ersehe, daß am 12. September in Mainz eine Generalversammlung tagen wird. Jetzt, Freunde, zeigt, daß Euch die Einigkeit des Vereins mehr am Herzen liegt, als jede Persönlichkeit! Wenn dies der Fall ist, so schickt Eure Delegirten! Wohl weiß ich, daß dies sehr schwer ist aber das Opfer muß gebracht werden, wenn wir organisirt und als geschlossene Macht dem Kapital gegenübertreten wollen. Und weiter werdet Ihr einsehen, daß die Sache so schnell wie möglich geregelt werden muß. Und Euch, Ihr Hambur ger, Münchener, Stuttgarter, Casseler und Mannheimer rufe ich zu: Sendet Eure Delegirten! Hinweg mit allem Personenfultus; die Sache muß uns höher stehen, als ein Mann. Wer also für die Einigkeit, der wird auf der Generalversamm lung vertreten sein. Mit sozial- demokratischem Gruß H. Köhne, Bevollmächtigter für Mainz, Löhrgaffe Nr. 50. NB. Ich ersuche die Mitglieder, ihre Delegirten rechtzeitig anzumelden. Da es nicht möglich ist, bei jedesmaliger Ankunft der Boote und Eisenbahnzüge anwesend zu sein, so ersuche ich die Delegirten, sich nach dem Vereinslokal in der alten Krone zu verfügen. D. D. Mainz, 6. Auguft. An die Mitglieder der Schneider-, Kürschnerund Kappenmacher- Gewerkschaft.( Wer sind die Todtengräber?) Am 3. August Nachmittags 4 Uhr fam der Geschäftsführer des Ausschusses Euch in Mainz zu der Abstimmung? Ihr werdet Euch doch fügen, dieser Gewerkschaft zu mir mit den Worten: ,, Nun, wie verhaltet Ihr denn Liebisch ist mit einer Majoritat von 415 Stimmen als Präsident proflamirt." Hierauf antwortete ich:" Ja, wir wären zufrieden, wenn der Ausschuß demokratisch und nicht einseitig vorgegangen wäre. Herr Kanz hatte aber noch andere Angelegenheiten; denn er erkundigte sich nach der Adresse des Schuhmacherpräsidenten Kölsch; ich erzeigte ihm die Gefälligkeit und ging selbst mit. Unterwegs holten wir Leyendecker ab, an welchen er dieselbe Frage richtete und hervorhob, Schob hätte das Demokratische Wochenblatt", empfohlen und dadurch gehöre er der ,, Volkspartei" an, und was dergleichen phantafiereiche Redereien mehr waren.( In Mainz zählen 1000 Mitglieder zu dem Gewerkschaftsverbande; dieses sind wohl alle ,, Voltsparteiler"?) Wir langten bei Kölsch an; Kanz erkundigte sich gleich nach dem Verhalten des Hrn. Rüdt in der Arbeiterversammlung am 1 August, und erfuhr( zu seiner Freude?), daß Rüdt noch an der Organisation und Hrn. v. Schweizer festhalte*), worauf Kanz erklärte: Deshalb bin ich nach Mainz geschickt worden". " Doch damit war's noch nicht abgethan, die Hauptsache sollte erst kommen; man höre und staune(?), wie weit der Fanatismus bei un serm Ausschuß gediehen ist. Kanz bot seine ganze Redekunst auf, um zu beweisen, daß Leyendecker es gewesen, der die Mitgliedschaft beeinflußt habe, und bezeichnete ihn als ,, unbewußten Todtengräber"; denn er ſei ein Anhänger Bonhorst's, nud Bonhorst wäre der bewußte Todten gräber". Der unbewußte Todtengräber" erklärte ihm, daß der Ausschuß bewußt oder unbewußt(?) die Bersplitterung herbeigeführt hätte, indem er den Präsidenten an den Pranger gestellt, ohne eine Vertheidischrieben hätte, die nur von einigen blindwüthigen Schweizerianern progung zuzulassen und auf eigene Faust eine Präsidentenwahl ausge vozirt wurde. Wir gingen in den„ Goldstein", wo Kanz sich gegen andere Mitglieder unserer Gewerkschaft fein betrug, denn in seinem fanatischen Dufel bot er als Geschäftsführer des Ausschusses( wohl Kraft seiMitglieder zu beschwichtigen. nes Amtes?) Leyendeckern eine Ohrfeige an. Ich hatte meine Noth die Abends war eine Comitésizung sämmtlicher Gewerkschaften in der Krone, und hier setzte Kanz seinem Benehmen die Krone auf; es wurde über Ausfertigung der Mandate zum Congreß gesprochen, sowie über angelegenheiten nichts zu sprechen hatte, meldete er sich doch öfters zum die Bestreitung der Deligationskosten. Obgleich Ranz über solche LotalWort. Da ich in Abwesenheit des Vorsitzenden den Borsitz führte, ertheilte ich ihm das Wort, mußte es ihm aber wieder entziehen, denn die Aufregung wurde allgemein, als Kanz bemerkte, daß die Absendung Eines Delegirten nach Eisenach genüge, zumal auch die Mainzer Mit glieder ihre Abrechnung noch nicht eingeschickt hätten, und fügte noch mals hinzu, Bonhorst sei der bewußte, Leyendecker der unbewußte Todtengräber. Ja, es kam so weit, daß er einige unserer Mitglieder vor die Brust stieß; nun, er wurde vom sozial- demokratischen Stand punkte aus behandelt. Wir rannten mit ihm keine Scheiben durch, wie es nach seiner Aussage die Schweitzerlinge in Mannheim mit Denen gethan, welche das schändliche Treiben Schweitzer's beleuchtet hatten, sondern wir trennten uns von ihm mit dem Bemerken, daß er sich sammt dem Ausschuß bessern solle und wünschten ihm angenehme Ruhe. Kanz schien trotz alledem nicht angenehm geschlafen zu haben, denn am andern Morgen kam er in atter Frühe, als ich noch im Bett war und erklärte, daß er selbst auf die Gefahr hin, Prügel zu bekom men, so hätte auftreten müssen, weil er den Auftrag dazu gehabt. Der Ausschuß hat wahrlich mit dem Geschäftsführer Kanz teine Ehre eingelegt. Es ist aber um so besser für mich und den ,, unbewußten Todtengräber"; denn die anwesenden Mitglieder haben dadurch den Ausschuß und damit zugleich den bewußten Todtengräber" fennen gelernt. Wir aber( die Mitglieder) sind die Todtengräber des Hrn. v. Schweitzer. Ju Nr. 90 des„ Sozial- Demolrat" ist die Abstimmung und Pro*) Nicht mehr. 417 tlamirung des neuen Präsidenten Liebisch vom Ausschuß angezeigt; in derselben Nummer fiche:" Für Hamburg" im Annoncentheil. Ich gebe diefes den Mitgliedern zu bedenken! Mitglieder! Die Fackel der Zwietracht ist unter uns geworfen, und kann der Brand nur durch die Generalversammlung geschlichtet werden. Köhne. Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur, Fabrik- und Handarbeiter. Vorort Crimmitschau, 17. Auguft. Die Ortsmitgliedschaft Glauchau beantragt beim Vorort: Mit Gründung von Gewerbegerichten vorzugehen und ein Gleiches für alle sächsischen Gewerkschaften anzurathen!" Auch wurde gewünscht, im Gewerkschaftsorgan über den Werth und die Nothwendigkeit solcher Einrichtungen im Allgemeinen zu hören. Der Unterzeichnete erklärt sich bereit, den Antrag betreffende Mittheilungen entgegenzunehmen und das gesammelte Material nach geschehener Berathung und Besprechung durch den Vorort und unter Anfügen von dessen Gutachten im Allgemeinen, zu veröffentlichen und fordert Interessenten( Mitgliedschaften aller Gewerke, wie einzelne Personen) auf, bezügliche Sendungen hierher zu richten. Wegen des Eisenacher Congresses und der dazu erforderlichen Agitation, Berichterstattung u. f. w. find zwei Sitzungen des Vororts ausgefallen. Weiteres in nächster Nummer. Für die Vorortsverwaltung: J. Motteler, 1. Vors. Internationale Schuhmachergewerksgenossens schaft. Leipzig, 18. August. Am Montag erstattete der Delegirte der Schuhmacher, Hr. Ullrich, in einer öffentlichen Schuhmacher- Versammlung Bericht über den Eisenacher Congreß, und gaben die Anwesenden einstimmig ihre Zustimmung zu den dort gefaßten Beschlüssen zu ertennen. Der 2. Punkt der Tagesordnung betraf die Herberge; es wurde beantragt, den Verkehr aus dem Innungshause zu verlegen und zur Besorgung des Weiteren eine Commission von 5 Mann gewählt. In Weimar ist auf Anregung des Hrn. A. Müller eine Internationale Schuhmachergewerksgenossenschaft gegründet worden; es ist Aussicht vorhanden, daß binnen Kurzem sich sämmtliche hiesige Schuhmacher anschließen werden. Als Beamte wurden gewählt: H. Köhler, Beamite F. Vogler und F. Glein. Auf verschiedene Anfragen unserer Gewerksgenossen machen wir bekannt, daß des Kostenpunktes halber von Anfertigung der Quittungsbücher vor dem Congreß abgesehen werden soll, und schlagen dagegen bor, einen einfachen Stempel anfertigen zu lassen mit den Buchhaben I. G. d. S., und einstweilen gestempelte Karten als Legitimation auszugeben. In einer Besprechung von Delegirten unsres Gewerks ist der Wunsch geäußert worden, den Kongreß Ende Oktober abzuhalten; als Ort ist vorläufig Leipzig bestimmt Reichenberg, 23. Juli.( Verspätet.) Der am Mittwoch den 14. d. M. nach dem Rath des ,, Dem. Wochenblatts" neu gegründete Arbeiterberein hielt am 19. seine erste Generalversammlung, um über die Statuten zu berathen. Es wurden bis zum Schlusse der Versammlung 180 Mitglieder aufgenommen, gewiß ein glänzendes Resultat. Im Uebrigen wird der junge Verein von den Fabrikanten und Vourgeois mit sehr ungünstigen Augen angesehen, ja es herrscht in Wirllich-= teit eine panische Furcht vor diesem Verein. Das Bürgerthum glaubt, daß jetzt Arbeitseinstellungen, Crawalle, Straßenkämpfe und Gott weiß was Alles noch stattfinden werden. Selbst die kleinen Meister singen im Chorus das Lied der Bourgeofie. Wir werden den Herren indeß bald beweisen, daß wir höhere Ziele anstreben, als uns im Kleinen mit ihnen herumzustreiten. Lächerlich sind die Maßnahmen, welche die Bourgeoisie ergreift, um die Arbeiterbewegung niederzuhalten. Da sollen zunächst die„ Führer" gemaßregelt und nach dem Ausspruche jener Herren ,, auf den Schub gebracht" werden. Zufälligerweise mußte sich die Bourgeoisie zur eigenen Sicherheit im bureaukratisch- absolutistischen Staate bessere Gesetze schaffen; schade nur, daß diese heute auch den Arbeiter zu Gute kommen. Unfre Losung heißt: Muthig vorwärts, dem großen Ziele entgegen! Mag die ganze Macht der Widersacher gegen uns sein, wir Die Arbeiter bilden gleich den Bienen im Stocke das erste Element auf Erden, und wenn sie geeinigt sind, so ist feine Macht im Stande, sie niederzuwerfen. werden nicht verzagen. Reichenberg, 20. August. Ein guter Geist, Eintracht und Brüder= lichkeit war in der, am 26. Juli abgehaltenen Arbeiterversammlung, wo mehr als sechshundert Personen anwesend waren. Es wurden die Statuten des neuen Arbeitervereins berathen. Die in der ersten Versammlung am 19. Juli erwählte Subkommission ging in die Berathung des internationalen Statuts sozial- demotratischer Arbeitervereine ein und brachte dieselben mit Weglaffung des § 2 und 7 und einiger kleiner Aenderungen und Einschaltungen zur Borlage. Statt§ 2 hatten wir theilweise dem Leipziger und Brünner Statut Mittel zur Erreichung des Zweckes entlehnt. Die Organisation wurde vollständig beibehalten. In diesem Sinne wurde auch das Statut von der Versammlung angenommen, und trotzdem man von Seiten der Behörde versuchte, Unklarheit in unsere Angelegenheiten zu bringen und uns gern zu einem rein politischen Verein gestempelt hätte, verlief der Abend in schönster Harmonie. Das österreichische Vereinsgesetz spricht von vornherein Urtheil über Vereine, welche die Grundlagen unseres heutigen Staatssystems erschüttern könnten, und da im Statut der sozial- demokratischen Arbeitervereine der demokratische Volksstaat angestrebt wird, so ist nicht anzunehmen, daß solche Vereine in Oesterreich geduldet werden.(?) Auch sind wir für heute zu schwach, einen rein politischen Verein, allen Maßnahmen der Behörde gegenüber, zu erhalten. Wien wird uns die Parole geben. Wird der sozial- demokratische Arbeiterverein nach dem Statut der Internationalen dort geduldet, werden wir keinen Augenblick zögern und nachfolgen. Wir müssen Schule haben. Es müssen sich Redner bilten, welche mit Klarheit die Ideen unserer Partei vertreten können, dann wird es leicht sein, zu kämpfen und zu fiegen. Bis jetzt lag das Vereinswesen gänzlich darnieder, und genügt für heute ein freiheitlicher Arbeiterverein, von welchem die Iniative ausgeht durch Volks- und Arbeiterversammlungen politisches Leben zu befördern und vom Staate unser gutes Recht zu verlangen. J. Krosch. ( Wien hat die Parole gegeben und zur Bildung sozialdemokratischer Vereine aufgefordert. D. R.) = In Mögelsdorf bei Nürnberg hat sich ein sozial- demokratischer Arbeiter- Verein gebildet, der bereits 58 Mitglieder zählt. Der Verein hat den Eisenacher Kongreß beschickt. Kaiserslautern. Unser erst vor einem halben Jahre gegründeter Arbeiterbildungsverein zählt bereits über 500 Mitglieder ein Ergebniß, das wesentlich der Thätigkeit unsres Vorstandes Kröber zu danfen ist. Gotha, 11. Auguft. Gestern hielt Hr. Raspe aus Effen in einer zahlreich besuchten Arbeiterversammlung einen längeren Vortrag über die Arbeiterbewegung, in welchem er die Ziele derselben vortrug, auch über das heutige Eigenthum sowie über den Eisenacher Congreß und dessen Bedeutung für die Arbeiter sprach. Nach ihm sprach Hr. Nip= poldt über das politische Ziel der Arbeiterbewegung, und Hr. Sauerteig kam nochmals auf das Eigenthum in der heutigen Gesellschaft zu sprechen. Er setzte auseinander, wie der heutige Staat vom Arbeiter blos Pflichten verlange, als Steuern zahlen und Militärpflicht erfüllen. Dafür gewähre der heutige Staat ein indirektes Wahlrecht oder ein direktes Wahlrecht ohne Diäten, also ein Recht, das dem Arbeiter nichts mütze. Lassalle habe diese Idee vom Staat sehr treffend als eine ,, Nachtwächteridee" bezeichnet. Wie es mit dem gerühmten ,, Schuße des Eigenthums" in dem heutigen Staat stehe, sehe man an den Steuerexecutionen bei den Arbeitern, wenn ihr traurige Lage sie dahin gebracht hat, die Steuern nicht bezahlen zu können. Der Mensch habe noch ein heiliges Recht, das sei das Recht auf Arbeit und Existenz. Es gebe bei der heutigen schlechten Organisation der Gesellschaft eine große Masse, die um Beides betrogen würden, dies seien die kleinhandwerker, die das Großkapital erdrückt und die zum großen Theil keine Arbeit in Fabriken gefunden hätten, die aber noch zu stolz seien, ihren traurigen Zustand öffentlich zu bekennen, während doch nun die Zeit gekommen sei, wo Jeder mit Stolz bekennen könnte: ich bin durch die schlechte Organisation der Gesellschaft um das betrogen worden, was mir von Gott und Rechtswegen gebührt. Dann gebe es noch eine große Maffe, die zwar nicht um die Arbeit, wohl aber um die Eristenz betrogen würden, und das seien die Lohnarbeiter. Diese würden bei übermäßiger Arbeit von dem Großkapital ausgenutzt und ihr jetziges Vegetien mit der Vertröftung auf ein besseres Jenseits wäre keine menschliche Existenz zu nennen, um so mehr, da sie, oft keine Arbeit findend, die größten Sorgen für sich und ihre Familie ausständen. Redner wies darauf hin, wie blos der Volsstaat im Staude ist, die neue beffere Organisation der Gesellschaft zu bewirken, und er begrüßte unter allge= meinem Bravo die Gründung der sozialdemokratischen ArbeiterPartei auf dem Eisenacher Congreß. Berlin, den 4. Aug.( Verspätet.) In der am Dienstag stattgehabten Sitzung des demokratischen Arbeitervereins referirte Hr. Hepner über den Gegenstand der Tagesordnung: Die internationale Friedens- und Freiheitsliga. Redner zieht eine Parallele zwischen der internationalen Friedens- und Freiheitsliga und der deutschen Volkspartei einerseits, wie zwischen der internationalen Arbeiterassoziation und der deutschen sozial- demokratischen Partei andererseits, und kommt zu dem Schlusse, daß sich im Großen die internationale Friedens- und Freiheitsliga zur internationalen Arbeiterassoziation verhalte, wie im kleinen die deutsche Volkspartei zur deutschen sozialdemokratischen Partei. Zur Motivirung dieses Satzes erläutert Redner die Programme der genannten Vereinigungen, welche in politischer Hinsicht völlig übereinstimmen, in sozialer aber von einander abweichen. Die internationale Arbeiterassoziation habe ein prononzirtes sozial- demokratisches Programm, während die Friedens und Frniheitsliga sich dem Sozialismus erst nähere. Sie wünsche zwar auch eine ,, gerechte Vertheitung der Güter", allein diese so kommunistisch aussehende Forderung bejage nichts. Eine gerechte Bertheilung der Güter" fönne man auch wünschen, ohne Sozialist zu sein, es fomme nur auf die Mittel und Wege an, durch die man jenes = Ziel erreichen wolle. Im Uebrigen sei die Hoffnung vorhanden, daß die Friedens und Freiheitsliga sich allmälig mit der internationalen Arbeiter- Assoziation identifiziren werde, weil die ehrliche radikale Demokratie sich über kurz oder lang zur Sozialdemokratie entwickeln müsse, sobald sie einsehe, daß die politische Freiheit allein dem Arbeiterstande nichts nütze. Herr Schäfer tritt dem Referenten im Cardinalpunkte entgegen, indem er sagt, die Arbeiter- Assoziation müsse sich der Friedens- und Freiheitsliga anschließen und nicht umge= tehrt, weil die letztere ein weit umfassenderes Programm habe als die erstere, z. B. die religiöse Frage betonte, die im Programm der Arbeiter- Assoziation gar nicht berührt werde. Darauf wird jedoch Herrn Schäfer erwidert, daß in der geistigen" Entwicklung, welche die Arbeiter- Assoziation ebenso wie die materielle Wohlfahrt erstrebt, die religiöse Frage, deren Wichtigkeit von Niemand unterschätzt wird, mitinbegriffen sei und zweitens, daß nicht der Umfang des Programms den Ausschlag gebe, sondern seine scharf präzisirte Parteirichtung, und diese letztere trete in dem Programm der internationalen Arbeiter Assoziation deutlicher hervor, als in dem der Friedensund Freiheitsliga. Mittweida, 2. August.( Verspätet.) Sonntag den 25.Juli hatten wir hier eine Voltsversammlung veranstaltet, zu der wir auch unsere Nachbarvereine Lunzenau, Burgstädt und Hainichen eingeladen hatten; dieselben waren durch die betr. Vorstände, sowie auch eine Anzahl Mitglieder und zwar Letztere zahlreich vertreten. Herr Hupfer aus Lnzenau legte in schlichter, leicht faßlicher Rede die Ursachen und die Entwickelung der Arbeiterbewegung klar, indem er am Schlusse seiner Rede auf die hohe Bedeutung des bevorstehenden Congresses in Eisenach hinwies. Sein Vortrag fand allgemeinen Beifall. Nach diesem folgte eine Besprechung über die Beschickung des Congresses, die endlich das Resultat ergab, daß Hainichen, Lunzenau und Burgstädt sich entschlossen, selbstständig je einen Vertreter nach Eisenach zu entsenden; Mittweida aber, dem das nicht möglich, übertrug durch Loos unter den 3 Städten sein Mandat auf Herrn Hupfer in Lunzenau. Nachdem man noch Einiges über Gewertsgenossenschaften gesprochen, für welche namentlich Hainichen mit Wärme eintrat, wurde die Versammlung geschlossen. Die Vereinsgenossen trennten sich endlich mit der 418 Thlr. 2 Zu beziehen sind durch meine Vermittelung sämmtliche Lassalle'sche sowie folgende Schriften: Das Kapital von C. Marr Eines Arbeiters Widerlegung der nationalökonomischen Lehren John St. Mill's von J. G. Eccarius Mein Verhältniß zu Srn. v. Schweitzer und zum ,, Sozial- Demokrat" von J. B. v. Hofstetten Ueber die politische Stellung der SozialDemokratie. Vortrag von Liebknecht Die religiöse Frage und die Arbeiter. Eine Stimme aus der Sozial- Demokratie Das Kapital. Abdruck aus dem„, Felleisen" Die deutsche Arbeiterpartei von C. Hirsch Die Organisation der deutschen Arbeiter= partei von C. Hirsch Das Wesen der Internationalen Arbeiterassoziation von Eichhoff Lieder von Polling Photographien von Carl Marr -6<-2 21 112 -12 21 6 1 3 Leipzig, Windmühlenstr. 23 Hintergebäude. C. E. Seifert. Sendungen und Zuſchriften an den hiesigen Volksverein bitten wir von jetzt an an unsern neugewählten Vorsteher: Herrn Wenzel Helmer bei Herrn Burghold, Augustusstraße, adressiren zu wollen. Der Volksverein zu Meerane. Die Schule für Maschinenbauer, Bersicherung, möglichster gegenseitiger Unterstützung in allen wichtigen Müller& Mühlenbauer in Hildesheim Angelegenheiten und in dem Bewußtsein, einer gerechten Sache zu dienen. Eisenach.( An sämmtliche dentsche Metallarbeiter.) ColTegen, ich ersuche Euch, dem Metallarbeiter Schmalz aus Altona Eure tiefste Berachtung auszusprechen, indem dieses tief versumpfte Individuum nicht werth ist, den Namen Metallarbeiter zu tragen. Ein Mensch wie dieser, der als Bevollmächtigter und Delegirter des Allge= meinen deutschen Arbeitervereins sich so benimmt, daß er hier in Eiſe= nach in öffentlichen Lokalen Aergerniß hervorgerufen, schließlich auch auf die Straße expedirt werden mußte, indem er Personen, die hoch über deffen geistigen Kräften, ja, ich glaube, selbst über den geistigen Kräften des Herrn von Schweitzer stehen, öffentlich beleidigte, wobei er total betrunken war ein solches Subjekt dürfen wir nicht in unsrer Mitte dulden. Arbeiter, prüfet, wo bekommen solche Leute ihr Geld her? Denn unmöglich ist es, daß diese sehr ehrevhaften Männer ihr Geld von Euch bekommen. 2. Ellinger. Mit Gruß: Leipzig, 15. August. Am Sonnabend versuchten es die hiesigen Schweitzerlinge mit einer Volksversammlung", da ihre Arbeiterverfammlungen" nicht mehr ziehen wollen. Dieselben Gesichter, vieselben Schimpfereien, dieselbe Blamage. Anzeigen. " Deutscher Arbeiterbildungs- Verein in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. Im Verlag von Reichardt und Zander in Berlin, Spittelmarkt 7, ift soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Mein Verhältniß zu Hrn. v. Schweitzer und zum ,, Sozial- Demokrat" von 3. B. v. Hofstetten. Preis 2½ Sgr. Bestellungen auf 25 Exemplare unter Beifügung des Geldbetrags pr. Postamweisung werden für 1 Thlr. 20 Sgr. ausgeführt; auf 50 Expl. für 3 Thlr. Die Bestellungen sind in diesem Falle zu addrefsiren an Reichardt& Zander, Berlin, Spittelmarkt 7. beginnt den Winterfurfus am 1. Oktober. Der Direktor Dr. Kirchner. Soeben ist erschienen: Vom spanischen Kriegsschauplatze. Spanische Zustände, Charakteristiken und Geschichten vont Gustav Rasch. Die Revolution. Ich werde sein und wiederum voraus den Völkern werd' ich geh'n! Auf eurem Nacken, eurem Haupt, auf eurer Krone werd' ich steh'n! Befreierin und Rächerin und Richterin, das Schwert entblößt, Ausrecken den gewalt'gen Arm werd' ich, daß er die Welt erlöst! F. Freiligrath. 18 Bog. S. 1869. Elegant in Farbendrud- Umschlag geheftet. Preis 20 Sgr.( 1 fl. 20 fr. ö. 2.) A. HARTLEBEN's Verlag in Wien, Pest& Leipzig. Eines Arbeiters Widerlegung der national- ökonomischen Lehren J. Stuart Mill's von 3. George Eccarins. Preis 12 Ngr. Um den Ankauf dieser vortrefflichen Schrift, in welcher ein Arbeiter von Beruf mit scharfer geistvoller Feder gegen den berühmten englischen Bourgeois- Detonomen zu Felde zieht, auch den weitesten Kreisen mög lich zu machen, hat die unterzeichnete Verlagshandlung den Preis für Arbeiter auf 6 Sgr.( auf's Dutzend 1 Freieremplar) festgesett Seit Lassalle's Bastiat- Schulze bat nichts solch Aufsehen erregt, wie diese glänzende Arbeit des Londoner Schneidergesellen. Die Schrift ist gegen Franco- Einsendung des Betrags von Rob. Friese in Leipzig zu beziehen. Berlin. Albert Eichhoff. Druck und Verlag: F. Thiele. Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht.} Leipzig.{ Expedition: Petersstraßße 18. ( Redaktion: Braustr. 11).