ge E 1 Demokratisches Wochenblatt. No. 38. Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Leipzig, den 8. September. 1869. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Blaze einschließlich Bringerlohn 12% Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Nichter, Peterssteinweg 7, Leipziger Confumverein, Universitätsstraße, uno die Expedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreing Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Inhalt: Quittung und Dank.- Politische Uebersicht. Aus England. Noch einmal Hr. Tölde. Gewerksgenossenschaftliches.- Erklärung. Notiz für die Parteigenossen.- Braunschweig, Berlin, Halberstadt, Wünhen- Gladbach, Gera, Dresden, Mainz, Coburg, Nürnberg, Crimmitschau, Leipzig. Anzeigen. 500 Francs 133 Thlr. 10 Mgr. find mir heute von dem ,, Deutsch- republikanischen Verein" in Zürich als Unterstützung für unser Parteiorgan, das ,, Demo: fratische Wochenblatt", abermals überfandt worden, worüber ich hiermit öffentlich dankend quittire. Leipzig, den 4. September 1869. Politische Uebersicht. A. Bebel. Diesen Krankheitsanfall hätte der französische Kaiser noch überstanden. Wird er auch den nächsten überstehen? Und doch kann dieser sehr rasch kommen, kann über Nacht kommen; denn die Krankheit Bonapartes- ein Nieren- und Blasenleiden, wie jetzt festgestellt worden, ist unbedingt tödtlich und kann rer blitzschnell tödten. Den Das In Frankreich beginnen die Gemüther sich auf die praktischen Folgen dessen, was heute nur gehofft oder gefürchtet wird, daß borzubereiten", schreibt die ,, Demokratische Correspondenz"; ,, auch leons des Dritten werden sodann von dem genannten Blatte wir dürfen, müssen es!"" Die Folgen des Hinscheidens' Napowenige unwesentliche Nebenpunkte in vollem Einklange befinden, mit solcher Schärfe und Klarheit auseinandergesetzt, daß wir es unseren Lesern schuldig zu sein glauben, den betreffenden Artikel möglichst unverkürzt zur Kenntniß zu bringen: tet. in . 11 Erschütterung der Gemüther, ein Anstoß zur Weiterentwicklung, Neugestaltung, der vor Allem in Oesterreich und im katholischen Süddeutschland wirkt. Diesseits der Alpen wird ihn keine Staatsgewalt aufhalten oder beschränken. Die Zeiten sind vorüber. Was sich da entwickelt, wird sich frei entwickeln, und alles das ist uns willkommen. Der Freiheitspartei ist jeder Fortschritt erwünscht auf jedem Gebiet, kommt jeder zu Nuzz. Der weltlichen Macht, die nun in Italien herrscht, wird das Ende Napoleons, außer für die römische Frage, in jeder Hinsicht ungelegen sein. Befestigt hat sich die Monarchie in Italien seit Cavours Tode mit nichten. Selbst durch den Gewinn von 1866 nicht. Kaum der Aufdeckung der erschreckenden Corruption durch die Affaire Lobbia u. dergl. hat es bedurft, um weithin das Gefühl zu erwecken, solide seien die Zustände drüben nicht. Die radicalen Parteien sind je länger, je we= niger mit Victor Emanuel und den Seinigen zufrieden. Ist erst Rom erledigt, so wird das nächste, was zur Erledigung kommt, die Dynastie Savoyen mit ihrem Militarismus, ihren Finanzschäden, ihren absolutistischen Hintergedanken sein. In Spanien ist eine Folge unausbleiblich. Die Königs= macherei wird aufhören, dies elendeſte und von jedem, selbst dem monarchischen Standpunkte aus gleich widerwärtige, halb Intriguen halb Possen- Spiel. Kurz, für die romanische Welt bedeutet das Ende Napoleons nichts Geringeres als das Große: ,, der alten Formen wird sie sich entledigen", und ein gewaltiges Gebiet von Ländern wird in Süd- und West- Europa wenigstens äußerlich die Zukunft darstellen, in der das Bürgerthum alles ist, der Mililitik haben und behaupten, scheint's, die romanischen Völker die Initiative; vom Süden und Westen her wird das alte Europa sich aufrollen. Und Deutschland?! Da ist die Sache nicht so einfach. Zunächst: Dant Zollern hält Napoleon die Wacht am Main". Wird das nicht= napoleonische Frankreich das Gleiche thun?! Die Orleans, wenn die seine Nachfolger sind, können nichts von auch nur scheinbarer Gloire" aufgeben, ohne die Fran11 Mit der Beseitigung Napoleon's, so schreibt die ,, Dert mokratische Correspondenz", wird, ob nun die Republif oder die Orleans auf ihn folgen, die römische Frage sofort sich erledigen im Sinne Italiens; denn auch die tausendjährige welt- zosen an ihrem empfindlichsten Punkte zu verletzen. Die Reliche Macht des Papstthums steht nur noch auf den zwei Augen publik Frankreich wird das Großpreußenthum nicht vordringen in der Krankenstube zu St. Cloud. Damit vollzieht sich ein lassen aus andern Gründen: für die französischen Republikaner Ereigniß von unermeßlicher Tragweite. Die katholische Welt eiter fommt völlig anders zu stehen, wenn sie nicht mehr auf dem entstehen lassen, den sie zu verhindern ein staatliches Anrecht gebigen Rom steht. Nicht nur der Schimmer der weltlichen haben durch die Verabredungen von Biarritz. Nicht DeutschSouveränetät des Papstes wird erbleichen den merft man ög für fest wie wäre es Selbstmord, wollten sie neben sich einen Militärstaat land, wohl aber Großpreußen hat das Ende Napo= Leons zu fürchten. Angreifend und eroberungssüchtig wird ja in der Ferne kaum; das fertige Italien wird auch nicht den tleinsten Rest einer selbstständigen Macht bestehen lassen, die Frankreich nach ihm nicht sein; jede Möglichkeit einer VerRob wie im Katholicismus Kirche und Religion find( nicht aus innerer Nothwendigkeit, sondern thatsächlich und geschichtlich ge= worden), muß die Beseitigung des kirchlichen Schlußsteins in schritt, den Napoleon's Tod bringt, freudigst begrüßen. tung unserer nationalen Ehre, fällt weg; auch nach dieser Seite hin kann unsere Freiheitspartei den freiheitlichen Fort= feiner jegigen Art die stärkste Erschütterung für die katholische Welt auch als religiöse Gemeinschaft zur Folge haben, eine Vor allem bezeichnend für die Art, wie die deutschen Dinge mit und seit 1866 sich gestaltet haben, ist die durch= 436 aus verschiedene Wirkung, welche die bevorstehende Veränderung in Frankreich für Desterreich im Gegensatz zu Großpreußen haben wird. Möglich daß der Wegfall der napoleonischen Machtpolit in gewissen miltärischen und auch politischen Kreifen Wiens ungelegen, unerwünscht ist. Erschüttern aber wird dies Ereigniß die österreichische Politik so wenig wie den öfterreichischen Staat wir meinen den Gesammtstaat. Vielmehr, das ist der große Gewinn der Neugestaltung Desterreichs, befestigen und träftigen wird es das einmal begonnene Wert. Kein Metternich ist mehr zu beseitigen: in die sichere Bahn gesetzlichen Fortschritts ist der Staat geleitet; vorwärts treibend immerhin( und herzlich soll uns das freuen), aber störend und verwirrend wird eine Umwälzung in Frankreich nicht diesfeits noch jenseits der Leitha wirken. Auf kirchlichem Gebiete einer letzten Schwierigkeit ledig, für jede reformatorische und nach außen im westeuropäischen Sinne thätige Politik eines Genossen und Alliirten gewiß, wird Desterreich zum ersten Male seit Jahrhunderten ein europäisches Freiheits Ereigniß andern zur Last und zum Hemmniß, sich selbst zum Segen und zur Förderung werden sehen. Ganz Desterreich denn was gegen Rußland und Borußland ein freies Frankreich bedeutet, das zu schätzen und hoffentlich dauernd auszunutzen wird man diesseits wie jenseits der Leitha ohne Eifersucht einig, werden Beust und Andrassy wetteifernd zu schaffen bestrebt sein. Von Süddeutschland ist in diesem Zusammhange am wenigsten bestimmt zu reden. Wir kennen Minister und Regierungen, welche die bloße Angst vor dem Eintritt des großen Ereignisses in Frankreich bestimmen fönnte, sich Hals über Kopf zum Bismarck zu retten, und wir sind unsererseits nicht ganz sicher, ob die Bevölkerungen nicht zu erschlafft und zu zerfahren sind, als daß die Wirkung von 1848 bei ihnen dieses Mal wieder einträte, aber unsere Freunde, die den Süden genauer fennen und jenes Wunderjahr mit erlebten, trösten uns und sprechen uns den Muth der Hoffnung ein, daß wir auch jetzt wieder Zeichen und Wunder" sehen werden. Und so wollen wir denn aus diesem Rundblick das freudige Vertrauen heim nehmen, daß wenn die zwei Augen sich schließen, welche zuzudrücken schon manchen wadern Mannes Hand in Frankreich zittert, der europäische Freiheitsbund, den dann nichts mehr hindert, auch den Süden Deutschlands in sich begreifen wird als Anfang und Bürgschaft des wiederbe freiten, wiedergeeinten Gesammtvaterlandes. Schließt euch denn bald, ihr zwei Augen!" Wir haben nichts weiter hinzuzufügen als ein kräftiges ,, Amen!" So weit der Artikel der demokratischen Correspondenz", der sich insofern irrt, als er die Fortdauer des Status quo in Desterreich nach Proklamirung der Republik in Frankreich für möglich hält. Die neue Aera" hat sich viel zu wenig befestigt, als daß sie dem Anprall von Links zu widerstehen vermöchte. Doch darüber ein andermal das Nähere. Prinz Plonplon sucht sich die Erbschaft seines Betters zu sichern. Im Senat hielt er vor einigen Tagen eine Rede, in der er seine Anhänglichkeit an den Kaiser und dessen Sohn betheuerte und dann die Regierung einer boshaften Kritik unterwarf, die natürlich keinen anderen Zweck hatte, als den Franzosen flar zu machen, daß er, der ,, rothe Bring", ein befferer Kaiser sein würde als der Better. Er hätte die Mühe sparen können. Der ,, Dezembermann" erweckt wenigstens Haß; Plonplon ,,, Craint- plomb*), nur Verachtung. Vor diesem Thronprätendenten braucht es dem Kaiser nicht bange zu sein. In Preußen freut sich die Regierung, daß der Feind an der Seine nicht gestorben ist, und treibt zu ihrem Privatvergnügen etwelche Sauregurkenzeit- Politik mit Hohenlohe und anderen Duodezministern. Run, die Sauregurkenzeit ist heuer auch Sauretraubenzeit. Die österreichischen Delegationen sind geschlossen, *) ,, Plonplon fürchtet die Kugeln" ift der Spitznamen, den ihm die französischen Soldaten in der Krim gaben, wo er aus Feigheit frant wurde. schreibt die Frankfurter Zeitung", und das Budget für die gemeinsamen Angelegenheiten ist bewilligt. Aber in Wien blickt man keineswegs mit Befriedigung auf diese beendete dritte Seffion der beiden Körperschaften, welche die Verbindung Desterreichs mit Ungarn repräfentiren. Das Resultat der Verhandlungen mißfällt, und darum ist auch der Blick ge= schärft für die Mängel, die der ganzen Institution der Delegationen anhaften. Bei Ausgleichung der Differenzen, welche zwischen den Beschlüssen beider Körperschaften obwalteten, ha ben die Ungarn durchweg den Sieg davongetragen und die Vertreter der unzufriedenen Bestandtheile der Bevölkerung Cisleithaniens, die Polen und Slovenen, schlugen sich auf deren Seite. Durch bloße Abstimmung, ohne Berathung, ward Alles zu Gunsten der Ungarn entschieden. Die ,, Neue Freie Presse", die„ Presse", das ,, Tageblatt" sind ziemlich einmüthig in ihrem Urtheil über diese Vorgänge. Die ,, N. Fr. Pr." sagt:„ Diese gemeinsame Sitzung! War sie nicht eine Perfiflage conftitutioneller Einrichtungen und eine Carricatur des Parlamentaris mus?" Wozu diese klägliche Scene, wenn nur die zweisprachige Abstimmung ohne ein Wort des Versuches zur Verständigung ihren Inhalt bilden soll? Da wäre es denn doch einfacher, daß die eine Delegation der anderen ihre Abstimmungsliste mittheilt, und daß daraus mittelst Anwendung der vier Species das Resultat gezogen wird."... In solcher Art fortgesetzt, kann das Delegationswesen nimmermehr die Hoffnungen erfüllen, die sich daran knüpften, als die originelle Einrichtung von den Ungarn ausgesonnen wurde, und die allein es möglich machen, daß man von deutscher Seite beim Ausgleich auf das Experiment einging. Heute kann es wohl keinen mehr geben, der sich noch der Einsicht verschließt, daß dieses Experiment verunglückt ist." Das ,, Tageblatt" erinnert daran, daß im selben Saale, wo die gemeinsame Sitzung der beiden Delegationen stattfand, vor 20 Jahren Robert Blum als letzter Redner den Zerfall Desterreichs verkündete, wenn der Reaction der Sieg zufallen sollte, und betont nachdrücklich die Gefahr, die bei der Construction des gegenwärtigen Dualis mus dem deutschen Theile der Monarchie drohe. Seien es auch keine großen Fragen, um die es sich bei der gemeinsamen Abstimmung handelte, die Thatsache sei nicht zu bestreiten, daß der Einmüthigkeit Ungarns gegenüber die andere Reichshälfte zerflüftet sei. Die Ungarn finden bei uns Verbündete, wäh rend wir in ihrem Lager keinen einzigen Bundesgenossen ha ben. Wenn das ungarische Parlament einen Beschluß faßt, fo kann es darauf rechnen, daß seine Delegation wie ein Mann dafür einstehen wird. Unser Reichsrath mag mit noch so großer Majorität sich über eine Frage entscheiden und immer bleibt. es in Folge der Zusammensetzung unserer Delegation minde stens zweifelhaft, ob das Votum unserer Vertretung aufrecht erhalten werden wird." Auch die ,, Presse" urtheilt, wenn auch vorsichtiger und rückhaltsvoller, im selben Sinne.„ Nach folchen Resultaten, wie sie heute zu Tage treten, sagt sie, ist es nicht zu wundern, daß die Session diesmal sehr kleinlaut ge schlossen wurde. Der Reichskanzler sprach wohl einige Worte, und Vicepräsident Hopfen secundirte ihm so gut es ging, aber es war kein Schwung darin; es lastete auf Jedermann der Druck der niederschmetternden Ueberzeugung, daß man in seinen besten Rechten verletzt worden, und solch eine Ueberzeugung läßt eben keine Begeisterung aufkommen. Wir wünschen, daß die nächste Session sich besser bewähre als die diesjährige, fonst würde unausbleiblich die Wandlung eintreten, daß die Dele gationen ihre Freunde nicht mehr diesseits, sondern jenseits der Leitha suchen müßten." " Die österreichischen Staatspfiffikusse wollen entdeckt haben, daß der Nationalitätenhader von fremden Agenten" geschürt werde, und sie beabsichtigen polizeiliche Maßregeln gegen die betreffenden ,, Fremden" zu ergreifen. Daß ,, fremde Agenten" ihre Hand im Spiel haben, bezweifeln wir nicht, aber wenn es nicht einheimische Agenten" gäbe, die den fremden vorarbeiten, so würden die letzteren nichts auszurichten bermögen. Diese einheimischen Agenten sind der österreichi schen Polizei aber wohl bekannt, wir brauchen die Verbrecher blos zu nennen und sie kann dieselben sofort am Kragen packen: sie heißen Beust, Gistra, Taaffe u. f. f. 437 Garibaldi's Erklärung gegen das Tagebuch Persano's liegt nun in größerem Auszug vor uns. Der alte Haudegen verwahrt sich allerdings auch dagegen, daß er auf seinem Freischaarenzug nach Sizilien und Neapel von Cavour unterstützt worden sei. Er beweist aber blos, daß er von dieser Unterstützung nichts gewußt hat was auch von Niemand weder behauptet noch geglaubt worden war. Sonntag Abend ging uns von Wiesbaden eine Depesche folgenden Inhalts zu: ,, Volksversammlung der nassanischen Fortschrittspartei wurde resultatlos aufgelöst nach Präsidentenwahl. Sieg auf unsrer Seite; Ackermann wurde Präsident. Advokat Schenk nannte unsere Partei ,, sozial- demokratische Bande" und ,, Bu ben". Infolgedessen großer Lärm; Auflösung. Wiesbadener Parteigenossen." = Zum näheren Verständniß dieser Depesche sei bemerkt, daß die Versammlung einberufen war, um ,, unserm Braun", der bekanntlich Reichstagsabgeordneter für Wiesbaden ist, die fadenscheinig gewordene Popularität wieder zu gewinnen. Zu diesem Zwecke wurde die Gelegenheit des in Mainz tagenden ,, Volkswirthschaftlichen Congresses" benutzt, um mehrere ,, Größen" der Fortschrittspartei( Schulze- Delitzsch, Löwe- Calbe u.s.w.) mit nach Wiesbaden zu nehmen, um ihrem Freund und Gesin nungsgenossen Braun als außerordentliches Zug und Hülfs mittel zu dienen. Daß die Arbeiter in der Versammlung die Majorität hatten, scheint den Herren unangenehm gewesen zu sein sie zogen es vor, die Versammlung zu schließen. Aus England. London, den 30. August. Ein Squire( Gutsherr) und ein Doktor haben entdeckt, wie dem Elend der Ackerbau- Arbeiter abgeholfen werden kann. In einer gemeinsam verfaßten Denk schrift über die Nothwendigkeit der Anwendung der Wissenschaft zur Entwickelung des Ackerbaues, die auf dem Kongreß der britischen Association verlesen wurde, sagten sie, es sei kaum einem Zweifel unterworfen, daß die Kosten der Lebensmittel auf ein bloßes Bruchtheil ihres gegenwärtigen Betrags herabgemindert werden könnten, wenn die Wissenschaft alle die Geheimnisse erklären könnte, die in der Fabrikation der Lebensmittel verborgen lägen. Ein Ackerbau- Arbeiter mit einer Frau und vier Kindern könne heute kaum so viel verdienen, um das nöthige Brod zu beschaffen, Fleisch käme fast nie über seine Schwelle. Hiergegen gäbe es nur ein Hülfsmittel: die Produktionskosten der Lebensmittel zu vermindern; eine einfache Vermehrung von Lebensmitteln sei nutzlos. Die guten Herrn vergessen, daß zwischen den Produktionskosten der Lebensmittel und den Fleischtöpfen der Arbeiter ein fataler Zusammenhang existirt, indem niedrige Produktionskosten fast immer gleichbedeutend sind mit niedrigem Arbeitslohn, weil fast alle Verminderungen der Produktionskosten durch Verminderung der Arbeit ins Werk gesetzt werden. Auf die Kooperation( Assoziation) meinen sie, fönne man fich für den Ackerbau nicht verlassen; derselbe müsse im Großen und unter einem ungetheilten Kommando betrieben werden. Aber ein großes Kapital sei erforderlich. Eine Farm von 2000 Adern erfordere wenigstens 20,000 Pfo. St. Was immer der gedeihliche Betrieb des Ackerbaues sonst erfordern mag, jedenfalls gehört die heutige Einrichtung, daß der ganze Ertrag einer Farm das Eigenthum eines Einzigen ist, und daß die große Mehrzahl derer, die ihn durch ihrer Hände Arbeit hervorbringen, selten oder nie Fleisch bekommen, nicht zu den unumgänglich nothwendigen Bedingungen. Ebensogut als eine Armee unter einem selbst gewählten Führer Schlachten gewinnen kann, tounen Aderbau- Genoffenschaften unter selbst gewählten Werkführern arbeiten und die Produkte ihrer Arbeit unter sich vertheilen. Auf dem Trades- Union- Kongreß.( Congreß der Ge= werksgenossenschaften), der vorige Woche zu Birmingham versammelt war, hegte man andere Ansichten darüber, wie dem Elend der Ackerbau- Arbeiter abzuhelfen. Dort behauptete man, daß es die Pflicht der Regierung sei, arbeitslose Arbeiter mit Arbeitsmitteln zu versehen, und man verlangte, daß Genossenschaften von Landarbeitern, die Willens sind unbebaute Ländereien in Kultur zu nehmen, unter gewissen Bedingungen Staatskredit zur Durchführung ihres Vorhabens erhalten sollten. Die Fragen, welche auf dem Birminghamer Kongreß erörtert wurden, beschränkten sich, mit Ausnahme der Erziehungsfrage, fast ausschließlich auf gewerksgenossenschaftliche Angelegenheiten. Die Landfrage wurde nur im Vorbeigehen in die Diskussion gezogen, folglich kein Beschluß darüber gefaßt. Ueber die sogenannten Schiedsgerichte als Mittel zur Verhütung von Strifes und Werkstelleschließung fand eine lange und leb= hafte Debatte statt, in welcher besonders hervorgehoben wurde, daß sie nur dann von Nußen sein könnten, wenn die Arbeiter wohl organisirt seien und ihre Bevollmächtigten in den Schiedsgerichten als Gleichberechtigte von den Kapitalisten behandelt würden. Es wurde mit 26 gegen 2 Stimmen beschlossen, daß Schiedsgerichte der gegenwärtigen Art Lohnstreitigkeiten zu schlichten, vorzuziehen seien. Bezüglich der in Aussicht stehenden Gesetzgebung in Be= treff der Trades- Unions war man allgemein einverstanden, daß alle Ausnahmsgesetze aufgehoben und die Fonds gesetzlich beschützt werden müßten; daß man sich aber keine Einmischung in die Verwaltung und Verwendung der Gelder, überhaupt teine Oberaufsicht irgend welcher Art gefallen lassen werde. Da man sich nicht über einen definitiven Beschluß einigen konnte, so wurde ein Ausschuß gewählt, mit dem Auftrag eine Ansprache, in welcher die Forderungen des Kongresses feſtge= stellt sind, zu erlassen und die Trades- Unions des ganzen Landes zur Mitwirkung aufzufordern. Ein Beschluß, die Arbeitszeit in den drei Vereinigten Königreichen auf 8 Stunden des Tags zu beschränken, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Der Morning Star" hat schon längst geahnt, daß so etwas kommen würde, behauptet aber, daß wenn der Beschluß ausgeführt wird, die ganze Gesellschaft um 20 Procent ärmer werden muß. Die Delegirten zu Birmingham behaupteten im Gegentheil, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit Viele, die heute arbeitslos sind und nichts kaufen könnten, in den Stand setzen würde, Waaren zu kaufen, die jetzt keinen Absatz finden, daß also die Produktion befördert würde. Die Frage der Strikes und Lockouts*) führte zur Disfussion der genossenschaftlichen Produktion. Einige empfahlen die sogenannten Industrial Partnerships,**) wo man den Arbeitern erlaubt sich durch Aktien an dem Geschäft zu betheiligen, aber ein Vorschlag in diesem Sinn wurde nicht unterstützt. Andere meinten, es sei hohe Zeit, daß diejenigen Gewerksgenossenschaften, die Geld in der Kaffe hätten, es zu produktiven Zwecken anlegten, und es sei die Pflicht des Parlaments und der Regierung, arbeitslosen Arbeitern die Mittel zu gewähren, ihr Brod zu verdienen. Es wurde beschlossen, 1) daß Lohnerhöhungen und Verminderung von Arbeitszeit durch Strikes zu erzwingen sind, wenn alle andern Mittel fehlschlügen; 2) daß nur die genossenschaftliche Produktion, sowohl in der Industrie als beim Ackerbau, als dauerndes Heilmittel für die Gegensätze des Kapitals und der Arbeit angenommen werden kann, und 3) daß in Zukunft eine kräftigere Organisation der Arbeiter als bisher zu ihrem gegenseitigen Schuß nöthig ist, und daß dieselbe fortbestehen muß, so lange der Gegensatz zwischen Arbeitgebern und Arbeitern teht. *) Aussperrungen der Arbeiter Seitens der Fabrikanten- Schließung der Fabriken und Werkstätten zum Zweck der Aushungerung der Arbeiter. **) Theilbaberschaft der Arbeiter an den Geschäften, in welchen fie beschäftigt find. Die Unterrichtsfrage wurde erledigt durch Beschlüsse, die allgemeine unentgeltliche Volksschulen, Schulzwang, Ausschluß der Religion und technischen Unterricht verlangen. Noch einmal Herr Tölcke und das ,, Hietzinger Geld." Jm ,, Sozial- Demokrat" vom 12. September a. c. läßt sich endlich Herr Tölcke folgendermaßen vernehmen: " Die Besoldung des Herrn Bebel und der„ deutsche Revolutionsfonds". Meine vor und nach dem Eisenacher Congreß ausgesprochene Behauptung, daß Hr. Bebel vom Ex- Könige Georg eine jährliche Besoldung von 600 Thlen. beziehe, hat eine Reihe von Erklärungen und anderen Kundgebungen zur Folge gehabt, welche zum Theil noch jetzt die Runde durch die Tagespresse machen. Besonders ist dies der Fall mit einer Erklärung des Hrn. Dr. Aug. Ladendorf in Zürich, durch welche derselbe den Nachweis führen will, auf welche Weise der deutsche Revolutionsfonds entstanden ist, aus welchem Hr. Bebel angeblich die Kosten der Agitation für den Eisenacher Congreß bezogen hat, wie Herr Bebel in der Mohren- Versammlung behauptete. In solcher Weise wird an Stelle des eigentlichen Streitgegenstandes ein ganz anderer gesetzt. So bemerkt denn auch die Nordd. Allg. Ztg." zu einer Stelle aus der Erklärung des Hrn. Ladendorf: Was nun die Behaup= tung des Hin. Tölcke betrifft, Hr. Bebel habe die Agitations= mittel von Hietzing bezogen, fo äußert sich Hr. Dr. Ladendorf hierüber mit starfer Entrüftung." Nun habe ich aber niemals behauptet, daß Hr. Bebel die Agitationsmittel für den Congreß von Hietzing bezogen habe, sondern eine jährliche Besoldung von 600 Thirn. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge, welche man offenbar abfichtlich mit einander vermengt, um die öffentliche Aufmerksamkeit von dem ursprünglichen Streitpunkte abzulenken. In Betreff desselben habe ich von Hrn. Wilhelm Eichhoff hierselbst nachstehendes Schreiben empfangen:" " Folgt der in Nr. 36 dieses Blattes abgedruckte Brief des Herrn W. Eichhoff, dann fährt Ehren- Tölde fort: Ich würde dieses Schreiben eines Tritten, mit dem ich nichts zu schaffen habe, wie bis heute auch ferner ignorirt( unbeachtet gelassen) haben, wenn nicht die Erklärung des Hrn. Ladendorf und deren = unrichtige Auffassung von Seiten eines Theiles der Presse geeignet wäre, den bekannten" Berachtungs"- Beschluß der Eisenacher MohrenVersammlung als einigermaßen gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Auf das Schreiben des Hrn. Eichhoff erkläre ich: 1) daß der Beweis der Wahrheit der behaupteten Thatsachen nach § 158 des preußischen Strafgesetzbuches das Vorkandensein einer Beleidigung nicht ausschließt( also unzulässig sein würde), wenn aus der Form der Behauptung, oder aus anderen Umständen, unter welchen sie geschah, die Absicht zu beleidigen hervorgeht; daß aber, da es mir nicht einfallen fonnte, die mir durchaus fremde und gleichgültige Person des Hrn. Be bel beleidigen zu wollen, ich vielmehr denselben vom politischen Standpunkte aus angegriffen habe, der Beweis der Wahrheit auch im gewöhnlichen Injurienprozeß allerdings zulässig ist; 2) daß ich diesen Beweis führen werde, sobald Herr Bebel mich verklagt hat; daß ich mich aber 3) nicht darauf einlassen fann, meine schlagendsten Beweismittel, deren Herbeischaffung mir wohl nur durch richterliche Zwangsmittel möglich sein wird, im Voraus unnöthigerweise bekannt zu machen, wodurch die öffentliche Meinung" auch keineswegs in den Stand gesetzt würde, ein gerechtes Urtheil zu fällen. Ich fordere nun Herrn Bebel hierdurch auf, die Klage wegen Beleidigung gegen mich zu erheben. Das Resultat des Prozesses werde ich seiner Zeit bekannt machen. Die Redaktionen der Zeitungen, welche die Bebel- Ladendorfschen Kundgebungen aufgenommen haben, ersuche ich, auch von dieser Erklärung Notiz zu nehmen. Die Behauptung des Hrn. Dr. Ladendorf, daß der Sozial- Demokrat" im Solde Bis mard's stehe, ist eine abgeschmackte verläumderische" Erfindung. Berlin, 1. September 1869. C. W. Tölcke." 11 = Auf diese Erklärung des„ Tölcke" hat Herr W. Eichhoff mit folgenden Schreiben geantwortet: Berlin, 3. September 1869. Herrn C. W. Tölcke hier. Von der Annahme ausgehend, daß Ihnen die Pflichten und Rechte eines Bevollmächtigten bekannt sein werden, und es 438 sein wird, ohne Umschweif dahin, daß Sie vor Gericht den Antrag auf zeugeneidliche Bernehmung diverser Herren des Hiezinger Hofes zu stellen beabsichtigen und entweder bona oder mala fide voraussetzen, daß das Berliner Stadtgericht Ihrem Verlangen ohne Weiteres entsprechen wird. Gerade dieser Punkt indeß ist bei den zwischen hiesigen Anwälten und mir gepflogenen Unterhandlungen ausführlich erörtert worden, und sind wir dabei zu folgenden Resultaten gelangt: Eine zeugeneidliche Vernehmung z. B. des Erkönigs Georg oder des Grafen Platen ist nur möglich im Wege der Re quifition. Dazu ist nöthig: 1) ein preußisches Gericht, welches requirirt, 2) ein österreichisches Gericht, welches der Requisition des preußischen Gerichts Folge leistet. Daß ein preußisches Gericht sich dazu hergeben wird, Ihnen diesen Gefallen zu erweisen, ist sehr unwahrscheinlich, und noch viel unwahrschein licher ist, daß ein österreichisches Gericht sich finden wird, wel ches einer eventuellen, so unverschämt in das Privatleben eingreifenden Requisition Folge leisten würde. Sollten aber dennoch wider Erwarten die Herren in Hieging von Gerichts we gen ersucht werden, sich über Ihre Behauptungen zu erklären, so ist noch sehr fraglich, ob diese Herren sich zu einer Auslassung bequemen werden, zu der sie weder verpflichtet sind, noch gezwungen werden können, vielmehr ist anzunehmen, daß sie Angesichts der notorischen Beflissenheit diesseitiger Behör den, hinter die ,, welfischen Umtriebe" zu kommen, jede Aus lassung verweigern werden, schon aus dem Grunde, keinen Präcedenzfall aufkommen zu lassen. Sollte nun meine Annahme über den Charakter Ihrer schlagendsten Beweismittel" richtig sein, so erlaube ich mir Ihnen einfach zu sagen, daß diese Beweismittel durchaus ima ginär und feine Beweismittel sind. Falls Ihnen aber andere Beweismittel zu Gebote stehen, so haben Sie wahrhaftig feine Ursache, hinter dem Berge zu halten, nachdem Sie wiederholt ver sichert haben, daß Herr Bebel ,, erwiesener Maßen" vom Er könig Georg die Summe von 600 Thalern, in Buchstaben sechs hundert Thaler, als Gehalt beziehe, und mache ich Sie ausdrücklich auf den Widerspruch aufmerksam, den Sie ſchon dadurch begehen, daß Sie entgegen Ihrem früheren zuversichtlichen Auftreten sich jetzt mit einem Mal hinter ,, richterliche Zwangs Ihrer Beweismittel angeblich nicht möglich ist. mittel" verschanzen, ohne welche Ihnen die Herbeischaffung Ich wiederhole deshalb meine im Auftrage des Herm Bebel an Sie gerichtete Aufforderung, mit Ihren vermeint lichen Beweismitteln ohne Verzug öffentlich herauszukommen und zeichne ergebenst. W. Eichhoff. Ich habe dem obigen Schreiben meines Freundes Eichhoff nur wenige Zeilen beizufügen. Nachdem Tölcke mehreremal positiv erklärt: ich stehe ers wiesenermaßen im Solde des Erkönigs von Hannover, nach dem er dann die Aufforderung, diese so bestimmt aufgestellten Behauptungen zu beweisen, mit allerlei nichtigen Ausreden, wit man sie nur von einem elenden Winkeladvokaten hören fann, zu umgehen sucht, erkläre ich hiermit den Sekretär des Dr. v. Schweizer, C. W. Tölcke in Berlin für einen gan gemeinen Schuft.*) Leipzig, den 6. September 1869. A. Bebel. Dieselbe Nummer des„, Sozial- Demokrat", mit der obigen Erklärung Tölde's enthält noch Folgendes: Sie daher nicht weiter befremden wird, von einem„ Dritten, ſpuft mit dem Sie nichts zu schaffen haben", abermals incommodirt zu werden, nehme ich mir die Freiheit, anläßlich Ihrer Erflärung im heutigen Sozial- Demokrat" diese ferneren Zeilen an Sie zu richten. 11 Ich interpretive Ihre Absicht, mit Ihren ,, schlagendſten Beweismitteln" erst dann hervorzutreten, wenn durch ,, richterliche Zwangsmittel" Ihnen deren ,, Herbeischaffung" ermöglicht auf Der Revolution sfonds der Herren Goegg und Ladendorf der Hand. Dadurch, daß ein solcher Fonds, der vor Jahren in Amerika gesammelt worden ist, existirt oder existirt bat, will man die öffentliche Meinung von dem eigentlichen Streitpunkt Herrn Bebel ve rtlagt, fann er die gewünschte zwangsgerichtliche Beweis *) Der ge brauchte Ausdrud ist eine Beleidigung; wenn der Tolde führung" fülr feine Behauptungen erlangen. オン ablenken, nämlich, daß ein guter Theil der Gelder, die Bebel, Liebknecht und Genossen verpulvern, aus Hiezing fommt. Nur schade, daß die Herren Goegg und Ladendorff in ihren gehar= nischten Erklärungen den Umstand übersehen haben, daß der ,, Revolutionsfonds" gleich dem Delkrug der Wittwe von Sarepta, niemals leer werden dürfte, sollten alle Gelder, wie angegeben, aus ihm fließen. Von einem Freunde des Herrn Goegg ist uns aus Genf direct mitgetheilt worden, daß Kinkel im Jahr 1866 circa 30,000 Fres.( also ca. 8000 Thlr.) an Ladendorf und Genossen abgeliefert habe"( nach Andern wären es 1000 str., also 6600 Thlr. gewesen), hiervon seien ,, Bebel wie viele Andere unterstützt worden." Zugleich erklärt Goegg öffentlich, aus diesem Fond, also mit höchstens 8000 Thlr., seien während der letzten drei Jahre nicht weniger als 6 Beitungen unterstützt worden, darunter außer Liebknecht's Blatt die " Zukunft," die„ Volksstimme", der„ Borbote", das„ Felleisen" und das Organ der Friedensliga, welches, obgleich Goegg es selbst redigirte, an Geldmangel zu Grunde gegangen ist. Nun ist es doch wahrlich ganz unglaublich, daß jene Herren im Befis eines Revolutionsfonds ihre eigene Revolutionszeitung hätten eingehen lassen! Außerdem soll Frese's Demokr. Corresp." aus diesem Fond erhalten sein. Liebknecht und Bebel wollen, wie sie auf der Barmer Generalversammlung des Allg. deutsch. Arb.- Vereins erklärten, selbst für Agitationszwecke und für ihr Blatt beträchtliche Summen bezogen haben. Auch der Eisenacher Congreß soll aus dem Fonds bestritten sein; und der felbe hat mindestens einige Tausend Thaler an Zuschuß verlangt, da sonst jenes 260 Mann starke Stimmvich nicht hätte herbeigetrieben werden, jene Agitationsreisen der„ Ehrlichen nicht hätten gemacht werden können. Und trop jener enormen Ausgaben soll der vor drei Jahren 8000 Thlr. ent= haltende Fonds noch heute existiren, und wie der goldspeiende Esel in der Fabel seine Schäße über die sog.„ Bolkspartei" ausschütten! Einfach lächerlich! Wollen Goegg und Ladendorf ihre leeren Behauptungen beweisen, dann mögen sie eine specificirte Abrechnung über ihre Ausgaben vorlegen, anders wird ihnen fein vernünftiger Mensch Glauben schenken." 11 Tölcke hat die Erklärung Dr. Ladendorf's zugeschickt erhalten, die Erflärung Goegg's im Felleisen"," Demokra tischen Wochenblatt" und andern Zeitungen gelesen, druckt aber, wie sich das auch bei einem Bismärdischen offi= ziösen Breßknecht nicht anders erwarten läßt, feine der Erklärungen ab. So kann er bei der absichtlich in der Dummheit gehaltenen und irre geleiteten Masse der Leser des ,, SozialDemokrat" von Neuem drauf los lügen. Und das thut er nach Kräften wie aus obigem Artikel hervorgeht. ,, Bebel, wie viele Andere" sollen aus dem Fond unterstützt worden sein. In den Erklärungen Goegg's und La= Grundsay: ,, wer Pech angreift besudelt sich", erklären wir denn auch die Aften über diese neueste Töldelei für geschlossen. Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter. Fünfte öffentliche Sitzung der Vorortsverwaltung. Unter den Eingängen( 46-80) beschäftigte sich die heutige Sitzung zunächst mit dem Antrage von Glauchau, die Errichtung von Gewerbegerichten innerhalb der Gewerkschaft mit aller Kraft zu erstreben und beschließt unter Bezug auf die neuliche Veröffentlichung dieses Antrags in Nr. 35 des Organs, alle Mitgliedschaften aufzufordern, diese Vorlage in ihren Monatsversammlungen zu besprechen und Anträge, Vorschläge, Gutachten u. dgl. hierher zu senden. Gleichzeitig soll die Redaktion des Organs gebeten sein, in einigen Artikeln Zweck und Wesen der Gewerberichte zu behandeln, und besonders über irgend gemachte Erfahrungen auf diesem Gebiete zu berichten. Der Vorort seinerseits wird das gesammelte Material furzgedrängt zusammenstellen und Vorschläge zum gemeinschaftlichen Vorgehen machen. Ein Bescheid des Vorsitzenden an die Mitgliedschaft Meerane, betr. die Unterstützung eines Genossen bei Prozeßführung wegen Lohnvorenthaltung durch den Meister resp. den Fabrikanten wird bestätigt und zum Beschlußz erhoben. Der Bevollmächtigte ist angewiesen, darnach zu verfahren. Ferner wird wiederholt die traurige Lage der Arbeiter in Geyer allen Genossen und Menschenfreunden in Nah und Fern aus Herz gelegt und gebeten, für Unterbringung der feiernden Bosamentiere sorgen zu helfen. Zu jeglicher Arbeit, die einen ehrlichen Broderwerb bietet, entschlossen, würden zunächst die feiernden Männer am besten in verschiedenen Distrikten unterzubringen sein: als Handarbeiter in Färbereien, Druckereien, Appreturen; als Hausarbeiter; unter Umständen auch als Weber in den, dem Posamentenfach verwandten Branchen. Wer von den Genossen Rath und Hülfe kennt, der eile, es hierher zu berichten! Schon 14 Tagen bis 3 Wochen gibt es Feiernde, die, wie verbürgt ist, überhaupt kaum die Hälfte des Jahres Erwerb haben und welchen Erwerb! Arbeiter, verlaßt Eure unglücklichen Brüder nicht! Thut, was Ihr vermögt; laßt sie nicht länger ihre Sorgen auf der Heerstraße austragen, wie viele es thun müssen. Wie steht es in Geyer mit dem Verdienst der Frauen? Eine fleißige und ledige Arbeiterin verdient, wenn sie bis in die Nacht hinein arbeitet, täglich 3-4 Sgr.- und keine dauernde Arbeit! Gewerksgenossen, eilt uns in die Lage zu setzen zum Handeln! Wir wollen keine Almofen von dem Feinde betteln, der dendorf's steht ausdrücklich, daß der Fond für Privatunter- uns ohnedem nur zum Verhungern bieten wird, wenn er überfolglich ist die Behauptung Tölde's erlogen. Die ,, Un- haben genügt, um Arbeitsuchende abgewiesen zu sehen. Nun, ftützungen nicht gesammelt und nicht verwandt worden sei, haupt Etwas bietet. Ja, unsere Namen und der Name Geyer terstützung der sechs demokratischen Zeitungen legt der Tölcke so helft unseren Gegnern den Bissen im Stillen abringen; or= so aus, als seien diese Blätter aus dem Fond vollständig ganisirt Euch mit uns zum Arbeitsnachweis! Alle Zuschriften richte man an den Unterzeichneten. erhalten worden, was eine zweite Lüge ist. Die„ Demofratische Correspondenz" soll aus dem Fond erhalten sein. In Münchenbernsdorf und in der Umgegend von Zwickau sind Eisenach aus dem Fond ihre Reiseunterstützung erhalten haben. Unterkommen gefunden haben, wird's nicht besser in Geyer; Die dritte Lüge. Endlich sollen unfere 260 Delegirten in Einige untergebracht; doch bevor nicht Hunderte auswärts ihr Diese Behauptung ist nicht allein eine Lüge, sie ist auch so bodenlos dumm, daß es Schade um die Druderschwärze wäre, nicht anders um die Lage der Bleibenden im Erzgebirge, wo wollten wir sie mit einem Wort widerlegen. bevor nicht Taufende die Hungerreviere verlassen haben, wird's Armuth und Elend und über diesen der Wucher seine Orgien Crimmitschau, den 4. September 1869. Für die Vorortsverwaltung: J. Motteler, 1. Vorf. Erklärung. Folgendes fandte ich heute an die Redaktion des ,, SozialDas Verlangen der Rechnungsablage, was der Tölcke feiert! ( warum nicht Tölpel? Anm. d. Setzers) an Dr. Ladendorf und Goegg stellt, werden diese selbstverständlich ignoriren. Ob der Tölde und sein Anhang ihnen glaubt oder nicht, kann den Beiden gleichgültig sein. Leute wie Tölcke, der wegen Kas= senunterschleifs bestraft, seines Amtes entsetzt und der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig geworden ist, bekämpft Demokrat" in Berlin: man nur als Vampire, welche die zu Grunde gerichtete Existenz sich als Arbeiterführer" wieder zu schaffen suchen, um aus den Taschen der betrogenen Arbeiter zu leben Nach dem Wenn ich mir auch sonst verflucht wenig mehr aus dem Gewäsch Ihres Blattes mache, so kann ich doch nicht dulden, daß man sage, meine Reise nach Celle habe damit geendet, 蛋糕 daß ich bei den famosen(?) Auseinandersetzungen eines c. Bater aus Hamburg mit Mehreren das Local verlassen hätte. Weder Wolf, noch Vater waren im Stande mit ihren nichts sagen den Reden im Geringsten auf mich einzuwirken, noch viel weniger, mich zum Fortgehen( im Stiche lassen) zu bewegen. Es war eben 12 Uhr, und 125 ging der Zug, mit dem ich fort mußte. Außerdem gingen auch nicht mehrere, sondern nur Einer mit mir weg. Daher ersuche ich die Herren in Zukunft, derartigen Firlefanz aus ihren Berichten zu lassen, weil das höchstens als Ammenmährchen in die Kinderstube gehört. Braunschweig, den 3. September 1869. Bonhorst, Schriftführer des Ausschusses der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Die Parteigenossen machen wir darauf aufmerksam, daß alle Bestellungen auf sozialdemokratische Schriften an unfern Parteigenossen C. Seifert, Bairische Straße 7 in Leipzig zu richten sind. Braunschweig, 31. August. Das am 29. Auguft in Harzburg von uns veranstaltete Arbeiterfest hat sich einer so großen Ungunst der Berhältnisse zu erfreuen gehabt, daß es seiner Vorgängerin, der Asse- Versammlung" vom Jahre 1868 gegenüber, an welcher 10,000 Menschen Theil nahmen, in Betreff der Größe und Ausdehnung sehr in den Hintergrund tritt, wenn schon der geistige Inhalt desselben dem der Vorgängerin getrost die Waage hält. Zuerst war das Fest auf den 11. Juli beabsichtigt. Da aber als Tagesordnung u. A. aufgestellt war: „ Die Republik, als demokratische Forderung der Arbeiterklasse" ( neben 2, der Sozialismus, und 3, die Bestrebungen der ArbeiterKlassen find international), und da damals waren wir noch im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein nicht allein Mitglieder dieses Vereins, sondern auch Liebknecht, Mende u. A. eingeladen waren, so intervenirte Sie glauben wohl, die Polizei? nein, Herr von Schweizer; denn die Forderung der Republik würde die Stellung der preußischen Mitgliedschaften den Behörden gegenüber erschweren, und durch die Führer der verschiedenen Fraktionen tönne eine Einigung der letzteren nicht erreicht werden, wobei Herr Hafenklever an die Fürsten"-Congresse erinnerte. Letzterer, Herr Hasenklever, besuchte extra auf seiner Durchreise nach Hause eine Sitzung des betreffenden Festtomitees. Die ,, Republik" wurde denn auch auf den energischen Vorhalt desselben, wobei er sich auf Herrn Liebknecht berief, der ebenfalls die Agitation für die Republit als uuzeitgemäß" bezeichnet habe*), gestrichen und von der Majorität des Comitees nach heftigen Debatten auch Hrn. Liebknecht wieder abgeschrieben. Unverhofft kam dann die famose Einigung der Arbeiterführer" Schweitzer, Hatzfeldt und Mende und in deren Gefolge die Agitation für den Eisenacher Congreß. Da hatten wir keine Zeit mehr zu Festen und mußten das unsrige verschieben. Nach dem Congreß wurde das Fest auf den 22. Auguft festgesetzt. Doch nun mischte sich die braunschweigische Regierung ein. Der für den 11. Juli zu ermäßigtem Fahrpreise von Braunschweig und Wolfenbüttel bereits bewilligt gewefenue Extrazug wurde für den 22. August verboten, da, wie es in dem betr. Restripte heißt ,,, nach der über das Fest erlasseven Betanntmachung es sich nicht sowohl um ein Arbeiterfest, als um eine zu politischen Zwecken dienende Volksversammlung handle". Hatte der Eisenacher Congreß vielleicht den Zorn unser Regierung erregt, oder war dieselbe darüber böse geworden, daß wir in Harzburg gegen den Verkauf der braunschweigischen Eisenbahnen protestiren wollten, wer fann's wissen! Wir mußten also die weit theueren Personenzüge benutzen, wodurch die Betheiligung von hier und Wolfenbüttel auf ein Minimum reduzirt wurde. Endlich erklärte sich auch gegen uns noch der Himmel. Schon Sonnabend regnete es fast unaufhörlich und Sonntags bis nach Mittag, so daß aus dem Harze von den vielen Arbeitern nur Wenige den Weg zum Festorte machen tonnten. Es war nur gut, daß streng in Gemäßheit der von„ oben" wehenden Zugluft uns auch der auserwählte Festplatz im Freien Unter den Eichen" kurz vor dem Feste ge= nommen worden war, so daß wir- erst wider Willen zu einem Saale Harzburgs unsere Zuflucht nehmen mußten und konnten. Hier entwickelte sich dann das Fest, soweit es überhaupt möglich war. Concert und ein Festzug, sowie ein Gang in die umliegenden Berge füllten die Zeit bis zur allgemeinen Versammlung aus, welche bis Nachmittags 31 Uhr vertagt worden war. Von Seiten der Behörden hatte man wahrscheinlich des Himmels Einsturz befürchtet. Eine ganze Reihe von *) Hoho! Ich hatte früher einmal gefagt, in Berlin sei es unpraftisch, den Republikanismus in einer Weise zu betonen, welche bei den herrschenden Polizeiverhältnissen die Agitation unmöglich machen müsse, wie ich es denn auch durchaus für keine Heldenthat halte, sich hinzustellen und zu sagen: Ich bin ein Republikaner! und sonst die Hände hübsch gemüthlich in den Schooß zu legen. Nur keine Mißverständnisse oder Berdrehungen! W. L. Gensdarmen und ein Herr Assessor von der Kreisdirektion Wolfenbüttel waren zugegen. Letzterer hatte die Bestimmung unserer Vereinsgesetze, Abzeichen gekennzeichnet sein solle, in höchst komischer Weise ausgeführt. daß der überwachende Polizeibeamte durch Uniform oder durch äußeres Er hatte nämlich hoch oben am Hute ein großes Pappenschild befestigt, mit den bedeutsamen Worten: Abgeordneter der Landes polizeibehörde". Dieser Schild strahlte weithin und flößte uns natürlich großen Respekt ein. Vergrößert wurde derselbe durch das nachherige Auftreten des Herrn Assessors. Vor Eröffnung der Versammlung stellte er sich uns nämlich mit feierlicher Würde vor, als der nach dem Geseze vom 4 Juli 1853 mit der Ueberwachung betraute Beamte", und werde er streng darauf achten, daß die Gesetze des Landes nicht übertreten würden. Zuerst stand auf der Tagesordnung: Verkauf der StaatsEisenbahnen, Referent Spier aus Wolfenbüttel. Er berichtete, wie sich von prinzipieller sowohl, wie von jeder anderen Seite betrachtet, der Verkauf als ein Unrecht darstelle. Wir finden über diese, jetzt vielfach besprochene Frage, in dem Organ wohl bald Ausführlicheres. Auch über das famose Wahlgesetz des braunschweigischen Landes, welches Spier kritisirte, indem er auf die schwache Hoffnung hinwies, welche unser Landtag uns gewähre, müssen wir einmal ausführlich berichten. Dies desversammlung wird zunächst durch die Höchstbestenerten und durch die Wahlgesetz ist ein reaktionäres Curiosum. Die Majorität( 23) der LanGeistlichkeit gewählt und den Rest( 22) wählt das Volk nach dem Dreitlassenwahlgesetz; daher sind außer den dadurch beschafften Wahlmännern ein für alle Mal auch noch die Bürgermeister und Stadtverordneten, oder auf dem Lande die betr. Behörden, in dem Wahlmännerkollegium, und dieses wählt dann den Mann, der das Vertrauen des Voltes" hat. Spier beantragte einen energischen Protest gegen den Verkauf, und die Aufforderung an den Landtag, den Verkauf entschieden zu verwerfen, falls er nicht den Umwerth des Wahlgesetzes zu deutlich beweisen wolle. Bracke unterstützte den Antrag, und wies u. A. darauf hin, daß als Motive des Kaufes bei den Kaufliebhabern der Bahnen nur zweierlei möglich sei. Entweder wüßten sie, daß das Kaufgeld sich sehr gut verzinsen würde bei dem nachherigen Betrieb der Bahnen, und in diesem Falle habe die Regierung die Pflicht, diese Einfünfte dem Lande zu erhalten; oder man wolle einmal wieder einen Aktienschwindel in Szene setzen und solchen Schwindel dürfe die Regierung erst recht nicht unterſtützen. Das war zu viel für den Herrn Abgeordneten der Landespolizeibehörde der die Versammlung aufzulösen drohte, wenn noch ferner die braunschweigische Regierung mit der Unterstützung eines Schwindels zusammengebracht würde, wobei er sich natürlich auf das Gesetz vom 4. Juli 1853 berief. Bonhorst verfocht das Prinzip der gemeinschaft lichen Produktion, das jetzt schon bei den Posten und Eisenbahnen sich so gut bewähre. Spiers Resolution wurde einstimmig angeIt om me It. Zum 2. Punkte: Prinzipien des Sozialismus", und zum 3. Punkte: ,, Eisenacher Congreß" nahmen die Referenten Bonhorst und Bebel das Wort, die wacker ihre Schuldigkeit thaten. Als aber Bebel von der wunderbar schönen Einrichtung des Großherzogthums Sachsen- Weimar, ein fast märchenhafes freies Vereins- und Versammlungsrecht zu haben, sprach, und dem seine Erfahrungen aus dem gelobten Lande Braunschweig gegenüberhielt, da war wieder nach dem Gesetze vom 4. Juli 1853 ein braunschweigisches Staatsgesetz in Gefahr, und der Herr Assessor mit dem Pappenschilde trat in die Arena. Er müsse dem Redner eine solche Kritik der braunschweigischen Staatsgesetze, auf die er beeidigt sei, verbieten, worauf Bebel replizirte, daß eine solche Stritit ja jogar in Preußen erlaubt sei und nach einigen unfreiwillich erheiternden Worten des Assessors weiter sprach. Es sprachen dann noch Liebknecht, Naters, Polling, Fritsche und Yort, theils über das Prinzip, theils über das Verhältniß zu der Partei Schweizers und diesen selbst, theils über die in Eisenach geschaffene Parteiorganisation. Zur Freude der anwesenden Bourgeois trat aber auch ein Mitglied des Allgemeinen deut schen Arbeitervereins, Herr Nadge aus Wolfenbüttel nicht für Hru von Schweitzer, wie er sagte aber doch gegen uns und schließlich auch für Schweitzer, für die Organisation" und anderes in die Schranken. Als die Versammlung bei einigen Aeußerungen Nadge's, in Betreff welcher fie ein triftiges Urtheil hatte( z. B. Asse- Versammlung, Jacoby u. A.) unruhig wurde, ertönte von dem Tische der Bourgeois oft und eindringlich ein Kampfgeschrei für den armen Redner, der wohl wider seinen Willen sehr schnell, lediglich wegen der von uns gemachten Opposition, der Liebling der Bourgeois geworden war. Herr Naters, der, nach dem ,, Sozial- Demokrat", die von uns erlassenen Flugblätter nur zu ,, Käsepapier" gebraucht, nannte im Anschluß an die vorgekommenen Debatten den jetzigen Allgemeinen Deutschen ArbeiterDie Ver Verein das Schmerzenskind der deutschen Arbeiterbewegung. sammlung erklärte sich einstimmig für das von Bonhorst entwickelte Eisenacher Programm und die von Bebel entwickelte neue Organisation, und trennte sich mit dem Gelöbniß, nach allen Seiten und mit ganzer Kraft für Beides zu wirken. Bald nachher führte uns der Zug von den Bergen in die Heimath in Gemeinschaft unsers Herrn Assessors mit dem Pappschild. Ein Unglück, wie man vielfach beflichtet, ist bei diesem sozial- demokratischen Arbeiterfest nicht geschehen und der Herr Generaldirektor der Eisenbahnen von Amsberg, der mich vor dem Feste bat, ich möge doch dafür sorgen, daß Nichts paffire, wird Sonntag Abend wohl mit weniger Angst um seine Harzburger Villa zu Bett ge gangen fein. Alles in Allem find wir trotz der schwachen Betheiligung und trotz des bedeutenden Defizits sehr zufrieden; es war eben ,, Harzburg bei Regen." Bracke. Berlin. 29. Sitzung des demokratischen Arbeitervereins am 10. Auguf*). Tagesordnung: Die Zustände in Frankreich". Referent: Hr. Kwasniewski. Der Vorsitzende, Herr Havenith, eröffnete die Bersammlung um 9% Uhr; vor Eintritt in die Tagesordnung giebt derselbe eine furze Nachricht über den Verlauf des Congresses, läßt das von dem Delegirten am Sonntag den 8. ds. Nachmittags übersandte Telegramm vorlesen und spricht sein Bedauern darüber aus, daß sich noch Arbeiter durch eine einzelne Person von der gemeinfamen Sache trennen lassen. Hierauf gab der Referent Herr Kwasniewski an der Hand der Geschichte einen furzen Umriß der Bewegung in Frankreich seit dem Jahre 1848. Zuerst verbreitete sich derselbe über das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, als das Kind von 21 Jahren, welches aus dem betannten Staatsstreich wieder hervorgegangen wäre, und womit Napoleon III. es verstanden hätte, unter allerlei Machinationen, durch Sistirung der freiheitlichen Volksrechte die öffentliche Meinung zu beeinflussen, um fich sein persönliches Regiment, den unumschränkten Cäsarismus, möglich zu machen und zu befestigen. Redner führt weiter aus, wie Napoleon des II. Bestreben stets dahin gegangen sei, gleich seinem Onkel, sich nicht allein zum Usurpator seines eigenen Reiches zu machen, sondern auch auf alle europäischen, ja auf außereuropäische Staaten einen maßgebenden Einfluß zu üben. Hätte Napoleon es doch versucht, seine vermittelnde Hand, wenn auch mit ungünstigem Erfolge, in die Unionsfrage der Vereinigten Staaten von Amerika zu mischen. Die glücklichen Erfolge in Italien und der Krim hätten seinen Herrscherlitzel auf die höchste Spitze getrieben. Allein die unglückliche Expedition nach Mexiko hätte einen gewaltigen Wendepunkt in der innern wie äußern Politik Napoleons, und eine stetig wachsende Opposition des Volkes zur Folge gehabt. Denn nur um seinem persönlichen Interesse, seiner Eitelkeit zu fröhnen, sich durch neue Erfolge immer mehr zu befestigen und zur höchsten Glorie zu erheben, hätte er es nicht verschmäht, mit seines Volfes Gut und Blut Mexiko zu erobern, zu monarchisiren und dort ein von ihm abhängiges Werkzeug einzusetzen; er scheine auch bis auf den heutigen Tag nicht eines Bessern belehrt zu sein. Indeß, seit der unglücklichen Expedition nach Mexiko sei ihm der Nymbus genommen, und die Opposition hätte an Stärke und Einfluß gewonnen. Herr Kwasniewski kommt dann besonders auf das Resultat der jüngsten Wahlen zu sprechen, führt die verschiedenen Zahlen der seit 1852 gefolgten Wahlperioden als Barometer der Zustände an, und giebt weiter einen furzen Ueberblik der durch die Gegen- Wahl- Agitation der Regierung heraufgeschraubten Wahlkosten eines jeden einzelnen Kandidaten, die sich je nach den Verhältnissen eines solchen auf 20,000 bis 100,000 Fres. belaufen. Redner fagt mit Castelar, daß das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht in einem absolutistisch- cäsaristischen Staate stets die Corruption zur Folge habe. Nachdem Referent noch das letzte Senatskonsult und namentlich die ersten beiden Punkte desselben beleuchtet, als eine Scheinfoncession, die in sich selbst zerfalle, bezeichnet und hierzu noch auf ein Schreiben Gambettas Bezug genommen hatte, schlägt derselbe als Basis zur Distussion der Versammlung folgende 2 Thesen vor: 1) Nur in der Republik ist die wahrhafte Freiheit jedes einzelnen Staatsgliedes gewährleistet; mit Einzelherrschaft, auch wenn dieselbe durch Conftitutionen beschränkt ist, verträgt sich dieselbe nie, sondern fann höchstens annähernd erreicht werden. 2) Eine Partei, die siegen will, muß unverbrüchlich an ihren Prinzipien halten und deßhalb alle Halben oder Schwankenden aus sich aussondern." Herr An der Diskussion betheiligten sich die Herren: Kärger, Meierstein, Jockwitsch, Vogel, Wenzel und Bartels. Sämmtliche Redner harmoniren mit den Ausführungen des Referenten. Kärger findet den Individualismus zu sehr betont. Herr Meierstein führt den Satz des weisen Salomo an: Alles hat seine Zeit! So sage auch er: Alles hat seine Zeit, Klöster haben ihre Zeit, Fürsten haben ihre Zeit. Ferner führt derselbe als leuchtenden Vorkämpfer für Freiheit und Recht, den Gründer der Vereinigten Staaten von Nord- Amerika, Benjamin Franklin" an, der zu den edelsten und besten Menschen des vorigen Jahrhunderts zählte und dessen ganze Wirksamkeit in ein paar Worten auf seinem Grabsteine ausgedrückt sei:„ Deni Himmel entriß er den Blitz den Tyrannen entriß er das Szepter". 11 Redner citirt einen Ausspruch des jetzigen Königs von Preußen, den derselbe freilich als Prinz gethan, und mit dem er beweisen will, daß man nach oben, zu passenden Zeiten, die Gefühle richtig verstehen tönne: Eine Volksbildung sei der sichere Weg und daher die heiligste Aufgabe der Demokratie, für die Grundlegung einer solchen unablässig zu wirken. Hr. Zochwitsch findet das Ziel groß, dagegen nicht minder groß den Indifferentismus, hauptsächlich der besitzenden Klasse, die dus Furcht *) Die Verhandlungen dieser Sitzung waren es bekanntlich, welche den Anlaß zur Berhastung Vogels und anderer Bereinsmitglieder lieferten. vor der Arbeiterbewegung in das realtionäre Lager überginge, weil sie ein Interesse daran hätte, die heutigen politischen wie fozialen Zustände zu erhalten. Herr Wentzel findet, daß in Preußen ebenfalls die gefnebelte Preffe exiftiere, ebenfalls die Beschränkung der persönlichen Freiheit auch hier statt habe, und geht dann noch ausführlicher auf die Zersetzung der Parteien ein, wobei sich derselbe auf das Schreiben Gambetta's bczieht. Redner wendet sich daher gegen den zweiten Satz der ersten These. Desgleichen auch Herr Vogel und meint, wenn man im ersten Satz nur die republikanische Staatsform anerkenne, schon deßhalb der zweite Satz in der ersten These wegen fallen müsse. Redner zitirt hierzu einen Ausspruch Napoleons I. Hierauf regt Herr Singer den traurigen Vorfall der verunglückten Bergleute im Plauen'schen Grunde an und bittet die Versammlung um ein fleines Scherflein für dieselben. Die Sammlung ergiebt 4 Thlr 5 Sgr., welches Geld an die Zukunft" zur Uebersendung an den Ort des Ünglücks übergeben werden soll. Einige Fragen finden ihre Erledigung. Der Antrag H. Klein's, betreffend die Wahl eines Abgeordneten im 1. Wahlbezirk wird dem Vorstande überwiesen. Ein anderer des Hrn. Rathenow, die Ausschließung bekannter Ruhestörer betreffend, wird von demselben wegen der bevorstehenden Reorganisation zurückgezogen. Salberstadt, den 25. Aug. Gestern Abend fand hier eine von 4-500 Männern besuchte Volksversammlung statt. Bonhorst und Bolling sprachen in rein sachlicher Weise und entwickelten die Punkte des Eisenacher Programmis der Ehrlichen" so ausführlich und klar, daß zum Schlusse folgende Resolution angenommen wurde:„ Die heutige Volksversammlung erklärt sich mit dem Geiste des Eisenacher Programms völlig einverstanden, und erachtet es für eine Pflicht aller Arbeiter, mit gauzer Energie, gegen jede staatliche Bedrückung des Vereins- und Versammlungsrechtes, vorzugehen." Zu bemerken ist noch, als( sehr gutes) Zeichen der Zeit, daß auf Antrag des Vorsitzenden Hurlemann, bei Eröffnung der Versammlung einstimmig beschlossen wurde, daß Jedem das Wort zu entziehen sei, welcher auf die jüngsten Streitigkeiten und Personalien zu sprechen täme. Die Wendung der Dinge ist eine sehr günstige zu nennen, denn die Arbeiter scheinen erkannt zu haben, daß ihrer Sache mit diesen sinnlosen Streitereien nicht im Mindesten genützt ist. Der hiesige Maurerstrike dauert immer noch fort ohne bis jetzt ein Resultat erzielt zu haben, wozu die Energielosigkeit einzelner Arbeiter nicht wenig beiträgt. Hilfe von Außen und zwar möglichst baldige wäre sehr von Nöthen. Wollten doch alle Parteifreunde Sammlungen veranstalten und das Resultat an unseren C. Naters, Düsteren Graben 11 einsenden. Bonhorst. München- Gladbach. Gegen das Urtheil in Sachen des befannten Standals( Auflösung einer Volksversammlung durch die Polizei und dadurch hervorgebrachte ,, Ruhestörungen") legte das öffentliche Ministerium, d. h. auf deutsch der berufsmäßige Ankläger, wegen zu milden Urtheils, Appellation ein. Wie man allgemein vorausgesetzt, hat die Appelkammer des Zuchtpolizeigerichts zu Düsseldorf noch einige Monate Gefängniß wegen Widersetzlichkeit gegen die Obrigkeit und wegen Verstößen(!) gegen das Vereinsgesetz zugemessen, und zwar den Herren Martin Lux, L. Holz und Schwiers sen. je 2 Monate Gefängniß und Herrn Claasen 14 Tage. Die gewiß nicht geringen Kosten der ersten Instanz fallen den Verurtheilten solidarisch, die der zweiten Instanz zur Hälfte zur Laft. Der betreffende Polizeibeamte hat bekanntlich einen Orden erhalten. Sämmtliche Verurtheilte sind Arbeiter. Herr Fritz Mende, der in contumaciam zu 1 Jahr verurtheilt ist, hält sich ,, krankheitshalber" im schönen Marienbad auf. " Gera, 30. August 1869. Wir haben hier mit unsern Bismarckern über die bekannte Affäre des Revolutionsfonds"( Bebel und Dr. Ladeudorf) einen fleinen Federkrieg in der Geraer Zeitung" geführt. Unser Ober- Bismarcker, Dr. Wartenburg, hatte nämlich die Gelegenheit benutzt, um von Neuem Bebel und unsere Partei zu verleumden. Als Hauptablagerungsplatz für seine Gemeinheiten und Plattheiten dient sein Winkelblättchen, das ,, Norddeutsche Wochenblatt", in dem er über Alles, was nicht gut bismärckisch ist, schimpft. Wartenburg's frühere Bopularität ist seit einem Jahre in stetigem Fallen und bereits auf dem Nullpunkt angekommen; seine Haltung in der Arbeiterfrage und seine widerlich großpreußische Erfolganbeterei haben es dahin gebracht. Mit dem 1. Oktober soll auch das ,, Norddeutsche Wochenblatt" eingehen, und dann wird er sich begnügen müssen, seine Schimpfereien in der Deutschen Allg. Zeitung", den ,, Chemnitzer Nachrichten" und wo er sonst noch Ablagerungsplätze für seinen Kohl findet, anzubringen. Wartenburg hat auch versprochen, ganz besondere Aufklärung über den von Dr. Ladendorf verwalteten Fond zu bringen; unsere Parteigenossen sind darauf sehr gespannt. Interessiren wird es Sie vielleicht, daß Wartenburg mit dem Sozial- Demokrat" in Berlin auf sehr gutem Fuß steht. Sein Blättchen druckt die Berichte des Sozial- Demokrat" aus hiesiger Gegend ab, und dafür streichelt das Berliner Blatt wieder das Wartenburgische, indem es dessen Schimpfereien nachdruckt. Gleich und gleich gesellt sich geru.! = Dresden, 31. Auguft. Am letzten Sonnabend hielten wir hier eine sehr zahlreich besuchte Versammlung der Markthelfer Dresdens ab, in der über die Gründung einer Unterstützungskaffe verhandelt wurde. Bon unsern Leuten waren Kobitsch und Wecke zugegen, die auch beauftragt sind, die Statuten zu entwerfen. Den 2. September soll eine zweite Versammlung abgehalten und dazu ein größeres Lokal,! ,, die deutsche Halle" genommen werden. Die hiesige Mitgliedschaft der Internationalen Gewerks genossenschaft der Bauarbeiter hat sich in ihren letzten Sitzungen mit Aufstellung eines Lohntarifs für Maurer und Zimmerlente beschäf= tigt. Auch beabsichtigt die Gewerksgenossenschaft eine Bau- Assoziation zu gründen. Die Statuten sollen heute vorgelegt werden. Dresden, den 4. September. Wir sind hier mit der Gründung eines social demokratischen Arbeitervereins vorgegangen und rechnen auf starken Zuwachs in Bälde. Walster ist zum Vorsitzenden erwählt worden. Mainz, 2. Sept. Nunmehr ist hier durch Vereinigung der Küfer, Schreiner und des Gewerkvereins der deutschen Holzarbeiter eine Vereinigung sämmtlicher Holzarbeiter zu Stande gekommen unter dem Präsidium von Th. York. Die Zim= merleute halten dieser Tage eine gemeinsame Versammlung mit den Maurern ab, um sich ebenfalls zu vereinigen und sich der Internationalen Gewerksgenossenschaft, die in Dresden ihren Sitz hat, anzuschließen. Für die Partei haben wir hier schon kräftig agitirt, namentlich in den Gewerkschaften und öffentlichen Arbeiterversammlungen, und wird dadurch in den nächsten Tagen ein Massenbeitritt erfolgen. Zierfaß. Coburg, 28. August. In Nr. 100 des ,, Sozial- Demofrat" schreibt ein gewisser Herr Spielberger in Hamburg an seine deutschen GeschäftsCollegen, was sich vorigen Jahres beim Direktorium des SchneiderVereins in Cöln zugetragen. Es ist mir nun aber unbegreiflich, wie dieser Mann dazu kommit, zu Anfang seines Artikels von ,, Hiezinger Geld" zu phantafiren, während er doch gerade am Schlusse die Behaup tung aufstellt, daß Schob die ,, 100 Thir. Direktoriums- Schulden" noch nicht bezahlt habe. Jeder vernünftige Mensch wird einsehen, daß, wenn solche welfische Quellen vorhanden wären, es nicht schwer fallen dürfte, jene Schuld zu tilgen; es wäre also besser, wenn Herr Spielberger solchen Schwindel denjenigen überließe, die auf das Schwindeln studirt haben. Was die Beziehungen zur Präsidentenschaft, General- Versammlung 11. dgl. betrifft, so will ich darüber hinweggehen, das Alles wird sich feiner Zeit finden; Herr Spielberger ist jedenfalls nicht der Mann, der in solchen Sachen einen Einfluß hat. Was die Nachlässigkeit des Herrn Schob anbetrifft, so muß ich mich wundern und zu gleicher Zeit Herrn Spielberger gratuliren, daß er in der kurzen Zeit gelernt hat, so sehr intelligent und gerecht zu sein. Spielberger wußte um die Kaffenvernachlässigung, trotzdem ersuchte er aber noch den Bevollmächtigten Vosen in Bonn, sie zu vertuschen; angeblich der Sache wegen. Sache hin! Sache her! Einer, der das Unrecht zu vertuschen sucht, ist so gut, wie einer, der Unrecht thut. Wenn Herr Spielberger damals, so wie jetzt, vor die Oeffentlichkeit getreten wäre, hätte er ganz sicher Unterstützung gefunden, und jenem Uebelstande Circulare von unserer Seite in der Fabrik zirkuliren; ob dies aufs Kommando des Chefs geschieht, können wir nicht bestimmen, glauben es aber annehmen zu dürfen. Am 5. Sept. kommen wir mit den Vereinsbrüdern von Fürth und Zirndorf in letzterem Orte zusammen, worüber wir Ihnen seiner Zeit Bericht erstatten werden. Für die Orte Ansbach, Bayreuth, Hof und Sulzbach ist die Agitation eingeleitet, die Resultate werden Ihnen berichtet. In Schwabach ist nichts anzufangen; es sind dort 8 Meister, welche theilweise auch Dekonomie betreiben, Gehülfen sind zur Zeit keine anwesend. Das Vereinslokal der hiesigen Mitgliedschaft befindet sich in der großen Waage, Hallplatz, woselbst Durchreisende auch Herberge haben können. Crimmitschau, 3. Sept. Gestern und vorgestern waren eine Anzahl Leute aus Geyer hier nach Arbeit. Wir haben dieselben trotz allen Kraftaufwandes nicht unterbringen können, sie sind nun nach München- Bernsdorf. Die Arbeitslosigkeit ist in Geyer wieder drückender im Posamentierfach. Einer der Leute hatte in 14 Wochen 11 Thlr. 12 Ngr., sage elf Thaler zwölf Neugroschen verdient, ein Anderer 17 Thlr., ein Dritter, Vater von 5 Kindern und über 40 Jahre alt, hat das Bündel genommen, um, wie seine Collegen, je de Arbeit um des Brodes willen zu ergreifen. Wir haben sie nicht einmal als Tageiöhner untergebracht, obgleich wir an verschiedenen Orten herumgerudert. Unsere Gegner hier sind fanatischer denn jemals, es wird intriguirt, gewühlt und alle Wege eingeschlagen, um unsere Organisation zu brechen. Die Burschen sollen sich vergeblich abmühen. Leipzig, 6. September. Am Sonnabend versammelten sich zu einer Privatbesprechung eine Anzahl Parteigenossen, um einen sozialdemokratischen Arbeiterverein zu gründen. Die 35 Anwesenden schritten sofort zur Gründung und wählten Bebel zum ersten, Seifert zum zweiten Vorsitzenden, Rüdt zum Schriftführer, Seyferth( Schlofser) zum Kassirer und Schmidt zum Beisitzer. Nächsten Freitag soll eine größere Versammlung stattfinden, wo die Zahl der Mitglieder sich erheblich steigern wird. Mit den Mitgliedern des Arbeiterbildungsvereins zusammen beläuft sich die Zahl der Parteigenossen hier bereits auf über 300. Arbeitsnachweis. Gesucht wird nach Dresden ein geübter Handvergolder. Näheres durch Ernst Werner, Windmühlenstraße 14, Leipzig. Zu sofortigem Antritt werden 3 tüchtige Buchbinder gesucht bei Dehmigte und Riemschneider in Neu- Ruppin. Näheres durch deren Werkmeister H. Aug. Schwanebeck. = Anzeigen. konnte abgeholfen werden; der Verein würde heute ganz anders daßtchen, Deutscher Arbeiterbildungs- Verein als er dasteht. Was den Dank anbetrifft, den Hr. Spielberger dem Ausschuß in Mannheim zollt, so hat dieser seine Ursache wohl darin, daß derselbe bei seiner Revision am 12. Juni d. J. von den 100 Thlen., welche Schob denr Verein schulden soll, nichts entdeckt, die Rechnung in allen Theilen für gut befunden, und dem Direktorium ein Vertrauens- Votum ausgestellt hat. in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. = Nummer 33 des, Wegweiser", herausgegeben von Ed. Sack, redigirt von J. Beeger, enthält 2 Leitartikel: Hieraus ist folgender Schluß zu ziehen: Während Hr. Spielberger ,, Ueber Schriften zur gejeglichen Regelung des Schulwesens", dem Ausschuß einerseits dankt, siellt er ihm andrerseits durch seine Enthüllungen in Betreff der Cassenvernachlässigung durch Schob ein Mißtrauensvotum aus. Wie das in Einklang zu bringen, ist mir unklar. Meiner Ansicht nach bedarf es nur noch einiger solcher Aufklärungen, und der ganze, jetzt so hoch gepriesene neue Verein fällt über den Haufen. Gelingt es dem Hrn. Spielberger, in das neue Direktorium zu tommen, so kann es vielleicht dem ,, Hamburger" ergehen, wie es jetzt dem ,, Kölner" ergeht. T. Rüger. Nürnberg. Die hiesigen Arbeiter kommen immer mehr zu der Ueberzeugung, daß der Internationale Verein für Buchbinder c. zweckmäßig und unsern Geschäftsverhältnissen nußbringend ist; besonders wirkt die verabreichte Unterstützung an wandernde Genossen sehr viel und in zweiter Linie der Arbeitsnachweis. Die allgemeine Lage unseres Geschäfts ist in Nürnberg eine sehr schlechte zu nennen; nicht nur allein ist die Concurrenz, eine maßlose, sondern auch die Bezahlung ist ausgezeichnet schlecht, besonders im Buchbinderfach; Spielwaarenmacher zahlen etwas besser; der höchste Lohn für einen guten Arbeiter ist 7 st. pro Woche, natürlich gibt es auch da wieder Ausnahmen mit mehr Gehalt. und Die Dänischen Bauern- Hochschulen", 1 Bücherbeund ,, Die sprechung: Langenberg, Dieſterweg, sprechung: Langenberg, Diesterweg, und 22 Rundschauartikel. Von den letzteren sind hervorzuheben: Der Bericht über den schulwissenschaftlichen Bildungsverein in Hamburg, über Volksschulinspektoren in Oesterreich, über die landwirthschaftliche Mittelschule ebendaselbst, über Gehaltsverhältnisse im Regierungs- Bezirk Erfurt, über die ostfriesische Lehrerversammlung in Esens, der Pestalozziverein in Ostpreußen, 2 neue Zeitungen in Mailand und Lissabon u. a. Alle sozialistischen Schriften sind durch meine Vermittelung zu beziehen. Leipzig, Windmühlenstr. 23 Hintergebäude. C. E. Seifert. Briefe 2c. an mich wolle man gefl. Emilienstr. 2 in Leipzig adresfiren. Ph. A. Nüdt. Der Hausmeister der Kugler'schen Fabrif gibt es nicht zu, daß Die Filialexpeditionen werden hiermit ersucht, die Abrechnung bis Ende dieses Monats spätestens einzusenden und dabei auch die noch restirenden Beträge früherer Quartale, soweit solche vorhanden sind, mit zu verrechnen. Vom 1. Oktober wird, nach dem Beschluß des Ausschusses unserer Partei, nur noch an solche Filialexpeditionen direkte Versendung eintreten, die mindestens 42 Gremplare fest bestellen; auch haben die Filialexpeditionen fünftig statt 10 Sgr. 12 Sgr. pro Quartal für das Eremplar zu bezahlen. Alle Geldsendungen sind an A. Bebel, Leipzig, zu richten. Verantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Braustr. 11). } Leipzig. Druck und Verlag: F. Thiele Expedition: Bererstraße 18