Demokratisches Wochenblatt. No. 39. Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Leipzig, den 11. September. 1869. Das Blatt erscheint Mittwochs und Sonnabends. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 12 Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteimweg 7, Leipziger Consumverein, Üniversitätsstraße, mid die Expedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreing Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Juhalt: Politische Uebersicht. An die Parteigenossen. Das Protokoll des Eisenacher Congresses. Ueber die Entstehung neuer Ideen. Der Congreß der englischen Gewerkvereine. Der inter nationale Arbeiter- Congreß. Kiel, Altona, Elberfeld, Stockach, Graz, Wiesbaden, Dresden, Braunschweig. Gewerksgenossenschaftliches. Arbeitsnachweis. Anzeigen. Politische Uebersicht. Seit Montag ist in Basel der vierte Congreß der Jn ternationalen Arbeiterassoziation versammelt. Zum erstenmal sind die deutschen Arbeiter auf dem Congreß vertreten. In seiner zweiten Sitzung nahm derselbe einstimmig folgenden Beschluß an: In Erwägung, daß es einer Arbetterassoziation nicht würdig ist, in ihrer Mitte ein monarchisches und autoritäres Prinzip aufrecht zu erhalten, indem sie das Präsidentenamt zuläst, selbst wenn dieses Amt mit feiner Macht ausnestattet ist da sogar bloße Ehrenämter eine Verletzung des demokratischen Prinzips in sich schließen Empfiehlt der Congreß allen Sektionen und affiliirten Gesellschaften der Internationalen Arbeiterassoziation das Präsidentenamt in ihrer Mitte abzuschaffen." Wir hoffen, daß die Deutschen Arbeiter sich diesen Beschluß, nebst den Motiven, in das Herz schreiben werden; und bemerken bei dieser Gelegenheit noch, daß der Londoner Generalrath, um dem demokratischen Prinzip Rechnung zu tragen, das Amt des ständigen Vorsißenden abgeschafft hat und für jede einzelne Sigung einen Vorsitzenden wählt. Politische Nachrichten von Belang sind nicht zu ver= zeichnen. Die preußische Regierung ist durch die Frankfurter Ausweisungen mit dem Schweizer Bundesrath in einen fleinen Streit verwickelt worden, der sich jedenfalls bald im Sand verlaufen wird. Abgesehen davon, daß die Schweiz nicht in der Lage ist, die Rechte ihrer Bürger dem übermächtigen Prenßen gegenüber mit dem Schwert in der Hand zu wahren, hat der Schweizer Bundesrath auch zu verschiedenen Malen, und erst neuerdings bei Gelegenheit der Ausweisung Mazzini's, den Beweis geliefert, daß er dem monarchischen Europa gegenüber nicht einmal die republikanische Würde zu wahren weiß. Ueber die Zustände in Ostpreußen berichtet der Bür ger- und Bauernfreund" mit gutem Humor Folgendes: Das Gumbinner Amtsblatt Nr. 33 vom 18. August führt nicht mehr als 79 Subhastationen ländlicher und städtischer Grundstücke auf. In Nr. 34 vom 25. August finden wir aller dings nur 77. Die Verhältnisse scheinen sich somit zu bessern. Bor Jahren wollte ein frommer Schuhmacher, Stinn Wahwar mardan fr fel durch die Framing Dr. Konsistorialrath Heinrici, sein Protektor, machte ihn aber doch zum Lehrer in der Goldapper Gegend; wie es hieß, sollte er aber das Examen später nachleisten. Ob er hat? Wir meinen nein, und lassen einen uns übersandten Originalbrief Stinn's hier wörtlich folgen, und bedauern, daß wir alle Korrekturen in demselben nicht wiedergeben können: Lieber Schlicker! Rothebude, 13 Juli 1868. ich fühle mich gedrungen an Ihnen zu wenden, da Sie die Kalende an Roggen für dieses Jahr erhalten haben, sammt Stroh und Heu und für 2 Monate Gehald von der Kreis Kaffe mit 5 Thlen. 20 Sgr. mir zurück zu zahlen. Soh solches binnen 8 Tage nicht geschieht, sehe ich mich genöthigt an der Königl. Regierung zu wenden. Ferner haben Sie gesagt, daß in den Stall weiter nichts wie Dinger vorhanden ist und ich Ihnen für selbigen bezahlen muß, es ist aber eine Brücke im Stall gewesen und ich habe nur die Hälfte Dinger erhalten, daß sind untersuchungsSachen. Wo Sie mir bis Sonntag, nicht, die 5 Thlr. 20 Sgr. übersenden, so sehe ich mich genöthigt dieses zur Ausfehrung zu bringen. Denn ist noch ein Schultisch, wo die Bank nicht an bei ist, derselbe wird nöthig gebraucht, die Kinder, behaupten, daß Sie die Bank zu Ihrem Gebrauch benutzt haben, sollten Sie dieselbe unversehens mit genommen haben, so bitte ich mir dieselbe sofort zuzuschicken, denn der Schulvorstand will hierüber flagbar werden, da die Kank in der Schule nöthig gebraucht wird. ich bitte Sie freundlichst diese Bitte erfüllen zu wollen. Mit Achtung Stinn, Lehrer." Die Kinder in Kulligkehmen, wo er sein Probejahr oder Vorbereitung durchmachte, erzählten schon immer, der Herr Stinn korrigire ihnen Fehler in ihre Schriftstücke hinein. Its nicht unglaublich? aber ein so schreibender und denkender Mann ist wirklich Volksschullehrer; aber fromm ist er sehr, das ist wahr! Einen hübschen Kommentar zu dieser wahrhaften Historie bildet übrigens folgender Passus, so sich in einer Verfügung der Regierung zu Marienwerder, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen, vom 13. Juli 1869, an die Kreisschulinspektoren vorfindet und also lautet: Mit Rücksicht darauf, daß nicht alle Lehrer im Stande sein werden, ohne besondere Anleitung diesen Theil des Rechenunterrichtes( Rechnen mit Dezimalbrüchen) mit der rechten Klarheit und Faßlichkeit zu behandeln, empfehlen wir den Herren Lokal- Schulinspektoren und Rektoren, in den nächsten Konferenzen von den begabteren Lehrern, welche sich mit dem Gegenstande besonders betraut gemacht haben, darauf bezügliche Musterlektionen abhalten zu lassen." Die begabteren Lehrer meint der Bürger- u. Br.- Frd.", welche die anderen erst tlug machen sollen, werden wohl noch aus älterer Beit berftammen. " 1 23 444 In Hinterpommern, der Heimath Bismarck's, geht die Bezirks- Regierung gegen die Fröbel'schen Kindergärten vor und empfiehlt diesen gegenüber die Einrichtung von KleinKinderschulen. Die Tendenz der letzteren soll natürlich eine geregelte christliche Erziehung sein, und wenn wir die gleichfalls von der Königl. Regierung zu Köslin empfohlene, in kommission des rauhen Hauses erschienene Schrift: Was noth thut oder die Klein- Kinderschule. Vom Johanniter- Freiherrn von Bissing- Beerburg" befragen, so werden unsere Kleinen nunmehr vom gehbaren Alter, d. h. von drei Jahren ab, Bibelsprüche lernen, Psalmen beten und die Lieder unseres Gesangbuches fingen. Sind erst, wie in dem Plane des Verfassers liegt, 25,000 folcher Klein- Kinderschulen über das Land verbreitet ,,, deren Leitung den Geistlichen übertragen werden muß", welche Vorbereitung wäre das für die Regulativschule! Wahrhaftig! es wird Zeit, daß dem deutschen Michel die Geduld reißt. Wie die französische Demokratie die ,, Amnestie" Bonaparte's zurückgewiesen hatte, so hat sie auch die Liebeserklä= rungen des ,, Rothen Prinzen" zurückgewiesen mit Verachmit Verach tung. Nur gekaufte Federn lobhudeln dessen jüngste rhetorische Leistung; die republikanische Presse betrachtet sie einstimmig als einen unverschämten Versuch Plonplon's, die auf dem Haupt des ,, Neffen" schwankende Krone auf den eignen Speckkopf hinüber zu eskamotiren. Was den Kaiser betrifft, so ist sein ,, Gesundheitszustand" noch immer das Hauptthema der Börsenspekulanten, die aus einer Banique in die andere fallen. Anläßlich der letzteren, die am Montag statt hatte, schreibt die ,, Frankfurter Zeitung": ,, Neigt die Rolle des Hauptkomödianten in der grotesken Komödie, die feit achtzehn Jahren in Frankreich unter dem Titel: Das zweite Kaisereich"" spielt und die„ den Kultus des heiligen Rockes in Trier in dem Kultus des napoleonischen Kaisermantels wiederholte" in Wirklichkeit ihrem Ende zu? Wenn man die Wirkung der spärlichen Nachrichten, welche uns aus Paris zugegangen sind, in Erwägung zieht, sollte man es fast glauben. Eine Banique, wie sie seit Langem nicht vorhanden gewesen ist, hatte sich heute der Börse bemäch= tigt und ließ in jedem Augenblicke das Eintreffen der schlimmsten Kunde erwarten. Bis zu dem Augenblicke jedoch, wo wir diese Zeilen schreiben, ist irgend etwas Bestimmtes aus der französischen Hauptstadt nicht verlautet. Nur der Coursstand der Börse gibt Kunde von der Stimmung, die in Paris herrschen muß. Unerwartet darf dieser abermalige Schreck dem= jenigen nicht kommen, der mit unbefangenem Auge die französischen Verhältnisse verfolgt. Die Senatsrede des Prinzen Napoleon war ein zu gewichtiges Bulletin über den Gesund heitszustand des kaiserlicheu Vetters, als daß man es hätte übersehen dürfen. Aber Prinz Napoleon täuscht sich in seinen Hoffnungen; zweimal hintereinander läßt sich dieselbe Farce nicht aufführen und die Herrschaft seines Vetters hat vor allen Dingen die Napoleon- Legende um allen Credit gebracht. Und was ist ein Napoleonide ohne die Erinnerung an Napoleon I.? Was auch in Frankreich nach dem Tode Napolon III. eintreten mag, eine unmittelbare Fortsetzung oder eine Wiederholung deffen, was seit achtzehn Jahren dort geschehen ist, wird es nicht sein. Das kann man wohl mit aller Bestimmtheit behaupten." Ueber die Lage der Dinge in Spanien haben wir von den Vertretern der spanischen Arbeiter auf dem Internationalen Congreß die günstigsten Berichte erhalten. Die Arbeiter Spaniens gehören fast ohne Ausnahme der sozial- demokratischen Partei an; die gesammte bürgerliche Bevölkerung der Städte, das wenig zahlreiche Großbürgerthum abgerechnet, ist republikanisch, und auch die Landbevölkerung hat sich in den meisten Theilen des Landes von den reaktionären Einflüssen des Pfaffenthums und des monarchischen Legitimismus freigemacht. Unter solchen Verhältnissen unterliegt es kaum mehr einem Zweifel, daß die krise, in welche die Spanischen Angelegenheiten eingetreten sind, zur Errichtung einer Jberischen*) Republik führen muß. Denn in Portugal faun fich die Monarchie nicht behaupten, wenn in Spanien die Republik proflamirt ist. Um die Leser von dem Stand der Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten zu unterrichten, theilen wir die Zuschrift mit, welche dem Internationalen Congreß aus NewYork zugegangen ist. Dieselbe lautet: " Wenn unsere Mittel uns auch nicht erlauben, einen Vertreter in Euere Mitte abzusenden, so reichen wir Euch doch die Bruderhand über den Ozean und freuen uns mit Euch, daß die Grundsätze der Arbeiterpartei in Europa immer mehr und mehr bei der Arbeiterklasse zur Geltung kommen. Auch in den Amerikanischen Arbeitern erstarkt das Bewußtsein, daß der Kampf der Arbeit um erfolgreich zu sein ein allgemeiner werden muß. Wenn erst unsere innere Organisation, welche seit Kurzem bedeutend fortgeschrit= ten ist, sich kräftig genug centralisirt hat, wird wir sind fest davon überzeugt fest davon überzeugt die Verbindung mit der Internationa len Arbeiter= Assoziation eine innigere und eine dauernde werden. = Die Manchester- Schule hat unter den hiesigen Arbeitern fast gar keine Anhänger. Dagegen hat das Kellogg'sche Geldsystem, nach welchem die Einführung eines Vereinigten Staa ten Papiergeldes und die Parzellirung des Grundeigenthums die industriellen Zustände verbessern würde, bei einem Theile der Arbeiter Wurzel gefaßt. Freilich vermindert sich die Zahl seiner Bekenner fortwährend in Folge der ganz unglaublichen Korruption unter den beiden abwechselnd herrschenden Parteien. Augenmerk richtet und uns fräftig unterstützt, damit das Ziel Wir erwarten, daß Ihr mit uns auf diesen Punkt Euer der festen Vereinigung so schnell als möglich erreicht werde. Wir wünschen Eurem Congreß den besten Erfolg, und sind mit Herz und Hand bei Euch. New York, den 8. August 1869. Der Allgemeine deutsche Abeiterverein: Conrad Carl, Präsident. Sebastian Brunner, Vicepräsident. Sgfrd. Meyer, Korresp. Sekretär." Die ,, Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: ,, Wenn nicht alle Anzeigen trügen, so wird die sozialis stisch- radicale Bewegung mit nächſtem in eine neue Phase treten. treten. Die Herren Bebel und Liebknecht erscheinen selbst den Augen ihrer entschiedensten Anhänger als Führer nicht ausreichend und es soll nun ein solcher in dem bekannten Publicisten Karl Marx in London gefunden und dieser gesonnen sein, die internationale Präsidialgewalt, welche er in der allerdings dem bloßen Auge nicht sichtbaren Europäischen Republik in jener Stadt bekleidet hat, mit den greifbaren Functionen als Schweizer'scher Gegenpapst zu vertauschen und zu diesem Zwed nach Deutschland zurückzukehren. Sollte Hr. Marr wirklich den deutschen Boden betreten, so wird, das gestehen wir, der soziale Kampf an Interesse gewinnen, denn die wissenschaftliche Befähigung dieses langjährigen Chefs der socialistischen Schule ist außer Zweifel. Ob auch sein Führertalent, wird sich zeigen." Bei der in der Politik herrschenden Sauerngurkenzeit scheint sich die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" auf die Erfindung ,, pikanter" Nachrichten zu verlegen. Wir können der ,, Nordd. Allg. 3tg." indeß aus bester Quelle versichern, daß es Karl Marx gar nicht einfällt, nach Deutschland überzusiedeln, so Lange die Patrone der ,, Nordd. Allg. 3tg." das Scepter führen. Liebknecht nur im Hinn der ,, Nordd. Aug. 3tg.", denn beEbenso existirt die Führerschaft" der Herren Bebel und kanntlich hat die sozial demokratische Arbeiterpartei in ihrer Organisation jede sog.„ Führerschaft" beseitigt. Schweißer wird, ohne Zweifel zum Bedauern der„ Nordd. Allgem. Ztg.", ohne Gegenpapst gestürzt. *) Jberien ist der alte Name für die Pyrenäische Halbinsel( Spanien und Portugal). 445 In der öffentlichen Gerichtsverhandlung am vorigen Sonnabend gegen Bebel, Liebknecht und Thiele waren die Angeflagten nicht erschienen. Advocat Freitag hatte die Vertheidigung übernommen, die er auch vortrefflich durchführte. Der Gerichtshof bestätigte einfach das Erkenntniß der ersten Instanz, wonach Bebel und Liebknecht zu drei Wochen, Thiele zu vierzehn Tagen Gefängniß verurtheilt wurde. Hauptsächlich waren es folgende Stellen in der Adresse an die Demokraten Spaniens," welche das Gefeßlichkeitsgefühl" der Staatsanwaltschaft verletzt hatten: " In Deutschland wie überall, wo Gewalt vor Recht geht, hat die spanische Revolution den fast erstorbenen Funken der Hoffnung in der Unterdrückten Brust erweckt. Euere Väter lehrten die unserigen den Widerstand gegen fremde Eroberer; ihr lehrt uns, daß ein entschlossenes Voll das Joch angestammter Tyrannei zu brechen vermag" c. Die Staatsanwaltschaft sah darin die Verherrlichung der Revolution; in den Worten ,, angestammte Tyrannei" einen Angriff auf die angestammten Fürsten. In anderen Stellen der Adresse erblickte die Staatsanwaltschaft eine Verherrlichung der sozial- demokratischen Republik, die den Spaniern als die beste Staatsform empfohlen worden war. Die Angeklagten werden gegen das Erkenntniß der zweiten Instanz die Nichtigkeitsbeschwerde erheben. An die Parteigenossen. Anschließend an die in den Nummern 36 u. 37 d. Bl. befindliche Bekanntmachung von unserm A. Bebel fordern wir die Parteigenossen auf, in größter Anzahl auf das Parteiorgan zu abonniren und in geeigneter Weise für dessen weiteste Verbreitung zu sorgen. Da bei dem eigenen Abonnement auf das Blatt die monatlichen Partei- Beiträge nicht gezahlt zu werden brauchen, so ist der Abonnementspreis ein so geringer, daß jedes Parteimitglied, jedenfalls aber je 2. oder 3 Parteigenossen zusammen auf das Blatt abonniren können; und dies Abonnement ist ihre Pflicht! Man bedenke, welch' ein außerordentliches Agitationsmittel gerade in dem regelmäßig erscheinenden Blatte geboten ist! Die Agitation aber muß jest energisch be= trieben werden. Das Organ ist der geistige Mittelpunkt der Partei, das Organ ist das Eigenthum der Partei, es muß daher zum allermindesten von jedem Parteigenossen ge= lesen werden! An vielen Orten wird es sich empfehlen, wenn das Organ in denjenigen Lokalblättern, welche die Arbeiter lesen, empfohlen wird; in Braunschweig ist dies geschehen. Die Verbreitung des Organs muß mit Macht angefaßt werden, desto eher wird die Partei innerlich stark und nach außen kräftig und gefürchtet dastehen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir die Parteigenossen nochmals bitten, die Ausbreitung der Partei mit der größten Energie zu betreiben, allenthalben Einzeichnungen in die Listen der Partei vorzunehmen, für Eintreibung der Beiträge zu sorgen, und außerdem, wo solche noch nicht vorhanden sind, zur Betreibung der lokalen Agitation Lokalvereine zu gründen. An einer großen Menge von Orten sind die Parteigenossen rühmlichst vorangegangen, wir erwarten, daß alle auf dem Eisenacher Congreß vertreten gewesenen Orte binnen kurzer Frist ebenfalls constituirt sind! In Gemüthlichkeit kann das Eisenacher Programm niemals verwirklicht werden, sondern nur unter der eisernen Anstrengung, unter der beharrlichsten Aufopferung und der größten Energie und Ausdauer! Zeigen wir uns alle des begonnenen großen Werkes würdig! Braunschweig- Wolfenbüttel, 7. Septbr. 1869. Der Ausschuß. An die Parteigenossen! Auf Wunsch einer größeren Anzahl von Parteigenossen hat der Ausschuß in seiner heutigen Sitzung beschlossen, seine wich tigeren Beschlüsse regelmäßig im Parteiorgan zu veröffentTichen Die bis jetzt gefaßten Beschlüsse sind genügend durch die bisher erlassenen Bekanntmachungen mitgetheilt, oder werden in dieser Bekanntmachung nochmals ausgesprochen. In seiner heutigen Sizung hat der Ausschuß ferner be= schlossen: 1) Denjenigen Parteigenossen zu Leipzig und Weimar, welche gleichzeitig Mitglieder von Arbeiterbildungsvereinen sind, auf die von denselben vorgebrachten besonderen Gründe vorläufig den Parteibeitrag auf% Sgr. zu ermäßigen; ebenso für die Parteigenossen zu Frankenhausen wegen sehr ungünstiger Lohnverhältnisse. 2) Annoncen im Parteiorgan sollen fünftig, wenn nicht der Erlaß der Gebühren auf besondere Gründe hin vom Ausschusse beschlossen wird, bezahlt werden. Arbeiterannoncen sollen nur% Sgr., andere Annoncen 2 Sgr. dte zweigespal= tene Zeile kosten. 3) Die obenstehende Ansprache an die Parteigenossen zu richten. 4) Das nunmehr vollendete Protokoll des Eisenacher Congresses zu dem Selbstkostenpreise von 2½ Sgr. für das Stück zu verkaufen. 5) Herrn Roller in Berlin für die ausgezeichnete ſtenographische Aufnahme der Verhandlungen des Congresses( außer der sehr geringen Entschädigung, welche demselben ausgeworfen, im Betrage von 20 Thlr.) 100 Freiexemplare zu bewilligen. 6) Diejenigen, welche das Organ schon von Anfang des Quartals selbst halten, sind selbstverständlich ebenfalls für August und September von den Parteibeiträgen befreit.( Auf Anregung von Magdeburger Mitgliedern). 7) In den ,, Sozial- Demokrat" eine Annonce einzurücken, in welcher das Abonnement auf das Parteiorgan empfohlen wird. Auch soll andern Arbeiterblättern die Inserirung solcher Annoncen im Parteiorgan gegen Gewährung des gleichen Rechtes kostenfrei gestattet werden. Braunschweig- Wolfenbüttel, 7. Septbr. 1869. Der Ausschuß. Das Protokoll des Eisenacher Congresses ist erschienen und von L. von Bonhorst, Braunschweig, Mendenstraße 30, zu beziehen. Der Preis ist 2 Sgr. pr. Stüd, jedoch erfolgt die Versendung nur gegen Baareinsendung des Betrages, oder gegen Postnachnahme, da dasselbe dem Beschlusse des Eisenacher Congresses gemäß zum Selbstkostenpreise verkauft werden muß. Einzelne Exemplare werden gegen Franko- Einsendung von 2% Sgr. franto unter Kreuzband versandt. Das Protokoll ist 5% Bogen stark, enthält die stenographischen Mittheilungen über die Verhandlungen und das genaue, von der Redaktionskommission geprüfte Protokoll des Congresses, die genauen Verzeichnisse der Mandate der Delegirten und ist überhaupt bei der Bedeutung des Eisenacher Congresses für Jedermann von dem höchsten Interesse. Dasselbe wird eine durchgreifende heilsame Aufklärung schaffen und ist in der Hand unserer Parteigenossen ein außerordentlich kräftiges Agitationsmittel. Mögen die Parteigenossen den ausgiebigsten Gebrauch von demselben machen. Braunschweig- Wolfenbüttel, 7. Septbr. 1869. Der Ausschuß. Ueber die Entstehung neuer Ideen. Vortrag des Herrn Heinrich Vogel gehalten im Berliner Buchdrucker- und Schriftgießer- Verein am 21. Juni 1869. ( Stenographirt von H. Roller.) ( Fortsetzung und Schluß.) Wie dann die schnellen, großen Errungenschaften in den Realwissenschaften erzielt wurden, so auch in den Wissenschaften, die sich auf die geistigen und auf die gesellschaftlichen Berhältnisse beziehen. So lange das Gemüth besonders bei Festsetzung 440 eines Blanes thätig ist, so lange ist der Mensch viel mehr dem Jurthum ausgefeßt, als wenn er nur dem kalten Verstande nachgeht, und es ist wahrlich keine Herabsetzung, wenn man dann sieht, daß dieser oder jener große Mann sich auch geirrt haben kann. Es wird in nächster Zeit z. B. überall der 100jährige Geburtstag Alexander's v. Humboldt gefeiert. M. H.! Humboldt steht als ein Geistesriese, als der Stolz unserer Nation da; es wird dies Niemand so leicht bestreiten. Und doch, m. H., heut ist die Wissenschaft allgemein darüber einig, daß nach dem heutigen Standpunkt derselben die Ansichten Humboldt's vielfach irrthümlich gewesen sind, indem sie durch neuere Erforschungen als irrig erwiesen sind. Das Feld aber, auf dem Humboldt besonders seine Thätigkeit entwickelt hatte, ist ein solches, daß es vornehmlich nur den Verstand und nicht das Gemüth beschäftigt. Der Verstand kann dadurch, daß das, was er gesagt hat, berichtigt wird, viel weniger beleidigt werden, als das Gemüth. So wird auch Niemand eine geringere Meinung von Humboldt bekommen, wenn er sich durch die Leftüre seiner Schriften überzeugt, daß ein großer Theil der Verdienste Humboldt's darin besteht, daß er die Ergebnisse der Forschungen Anderer zusammengestellt hat. Man findet sehr wenig Originales in seinen Werken, bei weitem der größte Theil derselben ist eine Zusammenstellung der Ergebnisse seiner Vorgänger und seiner Zeitgenossen, aus denen er dann allgemeine Folgerungen zieht.*) Es ist eben gewöhnlich, m. H., daß Denter und Forscher zuerst die Ergebnisse der Forschungen Anderer zusammenstellen, und dann erst einen Schritt weiter gehen können. So entwickeln sich die Ansichten weiter.( Man glaubt vielfach, daß eine Ansicht neu auftrete, und überzeugt sich dann oft, daß es irrthümlich war. Ich will hier blos ein Beispiel anführen. Man hat in neuerer Zeit vielfach die Forderung gestellt, daß die Achtstundenarbeit eingeführt werde, und man denkt, es sei dies eine Forderung erst der letzten Jahre. Jm Großen, in der Oeffentlichkeit allerdings ist sie erst in den letzten Jahren zum Vorschein gekommen, und doch, m. H, ist sie schon vor ziemlich langer Zeit besprochen worden und zwar von einem Manne, dem man einiges Urtheil zumuthen kann, von keinem Anderen, als dem Königl. preußischen Hofrath Hufeland. Im Jahre 1824 hat dieser in einer Schrift über Gesundheitsver hältnisse gesagt, daß die Lebensweise der Menschen in der Weise geregelt werden müßte, daß sie in 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Erholung und 8 Stunden Schlaf zerfällt, indem dies das Naturgemäße für das menschliche Leben sei. Er hat leider da nicht speciell die Handarbeiter genannt, sondern, scheint mir, nach dem Zusammenhange, in welchem er dies gesagt hat, mehr an die höheren Beamten gedacht zu haben; aber am Ende, was für die Einen nothwendig ist, das mag es wohl auch für die Anderen fein). Ich werde von dieser Abschweifung zu unserm ursprünglichen Thema zurückkehren. Meine Herren! Als Chriftus noch lebte, hat man seine Aussprüche sorgfältig gesammelt, und seine Jünger haben sie denn meist in Schriften niedergelegt, in ihren Episteln und Evangelien; aber man hat in allen diesen Schriften nicht ge= funden, daß Christus irgend ein Dogma aufgestellt hätte, wie das Dogma der heil. Dreieinigkeit, noch wie die übrigen Dogmen der christlichen Kirche lauten. Man hat vielmehr diese Dogmen auf einzelne Aeußerungen, die oft sehr gesucht find, begründen wollen, während Christus nur verlangte, daß *) Ich will hier noch eine frühere Aeußerung des Hrn. v. Schweitzer mir gegenüber erwähnen. Hr. v. Schweitzer, Tölcke und ich hatten nach der Berliner Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen ArbeiterBereins Bracke, Real und noch einige Delegirte zum Bahnhof begleitet und fuhren zusammen in einer Droschte in die Stadı zurück. Unterwegs fragte mich Herr v. Schweitzer im Gespräch:" Was halten Sie von Humboldt?" Ich erwiederte: ,, Nicht sehr viel", worauf Hr. v. Schweitzer antwortete: Ich auch nicht." So damals; heute läßt er, so entwickeln sich die Ansichten, in seinem Blatt schreiben, daß ich durch obige Ausführung Humboldt in unver verschämter Weise gelästert habe. H. B. seine Zeitgenossen, seiner Person anhängen sollten und nach demselben Ziele streben mit ihm. So hat man später ein ganz bestimmtes System aufgestellt, man hat von Seiten der Kirche an einzelne Aussprüche angeknüpft und darauf be stimmte Dogmen begründet, und so ist es gekommen, daß die Aussprüche der Kirche im Geiste vielfach in directem Wider spruche mit dem Geiste Christi stehen, daß, während Christus z. B. den Geist der Liebe und Duldung predigt, die Kirche vielfach den Geist der Unduldsamkeit und Verfolgungssucht im weitesten Maaße predigt und befolgt, und daß das Gute, welches Christus beabsichtigt und wirklich geleistet hat, daß das vielfach verdunkelt und zerstört wurde durch den unlauteren, unreinen Fanatismus seiner sogenannten Nachfolger.- M. H., dasselbe finden wir denn auch in anderer Beziehung. Wir finden, daß die Nachfolger Luthers auch vielfach nicht auf dem protestantischen Standpunkte stehen, den Luther innege habt hat, daß sie dem Geiste Luther's vielfach widersprechen, und noch heute widersprechen in ihren Anschauungen und Behauptungen. M. H.! Dies ist auch bei anderen Bewegungen, auch bei denen der neueren Zeit der Fall! Anch hier hat man wenn ich wieder an Lassalle anknüpfen darf- auch hier hat man einzelne Außerungen herausgegriffen, und hat darauf Behauptungen und förmliche Systeme begründet, die eben so wenig in der Absicht Lassalles gelegen, wie die Brinzipien der Unduldsamkeit in dem Geiste Chrifti, ganz abgesehen davon, daß mit dem Wechsel der Zeit Ansichten, die zu einer bestimmten Zeit Geltung haben, zu einer andern Zeit diese Geltung verlieren, weil sich die Verhälnisse geändert haben; ganz abgesehen hiervon hat man auch den Worten Lassalle's eine Deutung untergeschoben, die wohl nicht in der Absicht des Mannes selbst gelegen hat, eben so wenig, wie dies vielfach mit den Aussprüchen Christi der Fall gewesen ist. Man sagt z. B., Lassalle habe uns, den Arbeitern in seinem Testamente die Worte hinterlassen: Haltet an der Organisation fest!" und auf diesen Ausspruch gründet man eine Menge von Behauptungen, hat man ein förmliches System aufgebaut. M. H.! wenn wir zunächst erwägen, in welcher Lage Lassalle diese Außerung gethan hat: ,, dem Allgemeinen deutschen Arbei terverein empfehle ich u. s. w.", so verlieren diese Worte schon sehr an dem Werthe, den man ihnen beigemessen hat. Lassalle hat diese Worte in sein Testament geschrieben in der Nacht vor dem Morgen, an dem er im Duell unterlag. Lassalle hat sie geschrieben in einem Geisteszustande im höchsten Affekte der Liebe, so daß er( am Ende- es macht ja den großen Mann nicht fleiner!) daß er verrückt war vor Liebe, daß er förmlich in einem nicht zurechnungsfähigen Zustande war, infolge des heftigen Affektes!*) M. H.! Wer ist nicht einmal in einem Zustande gewesen, in einem Affekte, daß man hätte sagen können, er ist blind, er weiß nicht was er thut? -Meine Herren! Je stärker ein Charakter ist, selbst je dämonischer er in seinen Handlungen ist, desto heftiger erfaßt ihn auch ein derartiger Affekt! und wenn wir hören, daß Lassalle in diesem Affekte geweint hat, wie ein Kind, bitter: lich, so sind wir wohl zu dem Schlusse berechtigt, daß man dem, was Lassalle in diesem Zustande gesagt hat, nicht dieselbe Bedeutung beimessen darf, als dem, was er im Zustande ruhigen Nachdenkens gesagt hat. Und doch, meine Herren, ebenso wie die Nachfolger Christ auf gewisse Worte, gewisse Aussprüche pochten, gleichviel wie es um den Werth derselben stand, so haben auch die sogenannten Nachfolger Lassalle's die, sogenannten Erben Lassalle's eben sich an solche einzelne Aeußerungen gehangen, z. B. an diese: Haltet fest an der Organisation u. s. w., und behaupten nun, in diesem seinem Sinne *) Bei Gelegenheit der 67er Berliner General- Versammlung des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins äußerte Herr v. Schweitzer bei einem Zusammensein in der Theatertaverne in Gegenwart von Bracke, Ehlers, Töicke, Frid, Hofstetten und mir im Gespräch: Lassalle könne nicht ernstlich geglaubt haben, daß er in dem Duell getödtet werden würde; denn sonst hätte er gewiß nicht ein so confuses Testament ge macht. H. Vogel. 447 die Arbeiterpartei, weiter fortführen zu müssen. Es wird Es wird nothwendig sein, daß auch in Beziehung auf in Folge deffen von diesen Leuten behauptet, daß die Bestrebun- die Vorschläge, die zur Lösung unsrer hentigen gesellschaftlichen gen nach Aufstellung neuer Gefichtspunkte, nach immer befferer Mißverhältnisse gemacht worden sind, der Glaube an die UnErkenntniß der Sachlage, daß die Fortenwicklung der Ideen fehlbarkeit Einzelner und an die Wunder ihres Geistes immer Lassalle's und die zeitgemäße Aenderung der Organisation nicht mehr schwindet, und mehr einer wissenschaftlichen und unbefanzu billigen seien, es wird behauptet: diese Organisation ist genen Anschauung Platz mache, denn dann werden eben erst die von Lassalle gegeben, die hat er uns im Testamente anempfohlen, Erfolge in diesem Gebiete mit denen der sogen. Naturwissenund nun dürfen wir sie auch nicht ändern!" und nun sind alle schaften gleichen Schritt halten können! Bestrebungen, sie zu ändern, Berrath!*) Sie kennen ja alle Behauptungen und wissen auch von welcher Seite sie ausgehen. Und so ist es auch mit anderen Behauptungen. Wenn Lassalle gesagt hat: ,, die Arbeiterpartei muß vereinigt werden zu einem einzigen Hammer, den ein einzelner Mann schwingen muß, damit er mit diesem Hammer aufschlagen kann" so werden auch diese Aeußerungen von Personen benutzt, um sich dadurch einen Einfluß, den man ihnen von anderer Seite nicht zugestehen will, anzueignen. Man ist ja sogar schon so weit gegangen: man behauptet, weil der Staat das Militär einheitlich orga= nifirt hat, weil die Kirche ihre Diener einheitlich organisirt, und weil, da die Organisation eine solche sei, daß wenn der König in die Trompete bläft, seine Soldaten alle marschiren müssen, so müßte auch die Arbeiterpartei ebenfalls centralisirt fein, damit sie sich leiten lasse wie die Soldatenpuppen! Aber es kommt Alles darauf an, wie man die Ziele und Bestrebungen auffaßt, meine Herren! Will man nur ein Handeln und nur eine Bedeutung für einzelne Personen herbei führen, so mag das der richtige Weg sein; aber wenn man das Bestreben hat, das arbeitende Volk zu freien und selbst denkenden und selbstthätigen Menschen zu entwickeln, so ist das gerade der verkehrte Weg, daß sie sich nur leiten lassen und nur von einem Einzelnen leiten lassen sollen, wie das Militär, das sich von Oben leiten läßt. Wenn man immer auf das Militär hinweist und behauptet, die Arbeiter müßten sich ebenso willig leiten lassen, so kann man damit nicht die freiheitliche Bewegung fördern wollen. Meine Herren! Eine gesunde Bewegung fann eben nur eine freiheitliche sein! Wie die Pflanze nur gedeihen kann, wenn sie Luft und Licht hat, so kann auch der Geist, die Idee, so können auch die gesellschaftlichen Verhältnisse nur in der Freiheit, am Lichte und in der Luft sich entwickeln, und dies ergiebt die Aufgabe für Diejenigen, welchen nicht blindlings die Auslegungen, wie sie manche Personen be= lieben, recht sind; es ergiebt für diese die Aufgabe, eben mitzuwirken, daß auch auf dem Gebiete der gesellschaftlichen Wissen schaft immer mehr die Phantasie und der Wunderglaube zurückgedrängt werde, denn ebenso, wie nach dem Zurückdrängen des Wunderglaubens auf dem Gebiete der Naturwissenschaften die Errungenschaften und Ergebnisse zahlreich und bedeutend wurden, - wie erst dann die Wissenschaft zahlreiche Resultate hervorgebracht hat, so können auch die Resultate der geistigen Thätigkeit auf sozialem Gebiete erst dann möglich sein, wenn man nicht mehr, wie es Herr Frizz Mende gethan hat, be= hauptet, daß der Geist Lassalle's auch über das Grab hinaus noch Wunder thue! Der Congreß der englischen Gewerkvereine tagte vom 25.- 28. August in Birmingham. Aus den Verhandlungen theilen wir Folgendes mit. Nach einer kurzen Ansprache des zum Vorsitzenden ernannten Mr. Wikinson hielt Herr Potter, Redakteur des Arbeiterblattes ,, Becheve", einen Vortrag über die Desorganisation der Arbeit. Der Vortrag behandelte politische, sozial- wissenschaftliche und religiöse Fra= gen und fand in der Versammlung nur getheilten Beifall. Namentlich mißfiel der Vorschlag, daß der Verkauf geistiger Getränke ganz zu verbieten sei. Sodann erörterte der Ver= treter für die Töpferbezirke die Frage, in wie weit Schiedsgerichte den Frieden zwischen Capital und Arbeit för-= dern dürften und beantwortete dieselbe im Allgemeinen dahin, daß Schiedsgerichte Zerwürfnisse zwar nicht verhindern, aber deren Folgen weniger unheilvoll machen würden. Mr. R. Walton knüpfte an diesen Vortrag die Resolution, daß der Congreß sich zu der Ansicht entscheide, Schiedsgerichte würden viel zur gerechten und friedlichen Erledigung aller Zwistigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern beitragen und das Mittel bilden, Arbeitseinstellungen zu verhindern und Handel und Gewerbe wesentlich zu fördern." Mr. Howell( London) unterstützte diese Resolution, dagegen wollten andere Redner nichts von dem Nutzen der Schiedsgerichte wissen und es wurde Manches in dieser Richtung gesagt, was den Vertreter für Dublin, Mr. Clarc, zu der Aeußerung veranlaßte, viele Arbeiter seien augenscheinlich für Schiedsgerichte, wo deren Entscheidung ihnen günstig fallen müsse, im Uebrigen jedoch nicht sonderlich mit denselben einverstanden. Nach längerer Erörterung indessen wurde die Resolution doch mit großer Majorität angenommen, worauf sich der Kongreß vertagte. Meine Herren! Ich habe vorhin schon gesagt, ich habe die größte Verehrung für die Person und die geistige Thätigkeit Lassalle's; aber ihm unbedingt in allen Punkten glauben: das fann ich nicht. Ich bin der Ueberzeugung, daß diese Art Autoritätsglaube immer mehr verschwinden wird, wenn der Wunberglaube, der meiner Ansicht nach identisch ist mit Aberglaube, mehr und mehr schwindet. Es ist von Männern der Wissenschaft, z. B. von Ernst Renan, betreffs der Idee der Fortentwickelung des Christenthums' immer mehr das klare Verhältniß Chrifti zu der Bewegung nachgewiesen und klargestellt worden, es ist das Wunderbare auf eine natürliche Entwickelung zurückgeführt worden. *) Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, daß ich ebenfalls die Nothwendigkeit einer festen nnd gesunden Parteiorganisation vollständig anerkenne. Wenn ich auch dem Schwindel mit der alleinseligmachenden Wunderthätigkeit des alten Statuts" auf das Schärfte entgegen H. Bogel trete. In der zweiten Sigung verlas Mr. Shorrocks( Manchester) eine Arbeit, betreffend die Gesetzgebung über die Gewerks vereine, die sich naturgemäß zum großen Theil mit den Ver= brechen beschäftigte, welche, im Schooße der Gewerkvereine verübt, zur Zeit das Publikum in so große Aufregung verfeßten und die nächste Veranlassung zur Niederseßung der bekannten Untersuchungscommission bildeten. Der Redner stellte diese unzweifelhaft von Mitgliedern der Gewerkvereine begangenen Verbrechen nicht als Frucht des Gewerkvereinswesens überhaupt, sondern als die vereinzelt dastehenden Acte einiger wenigen Personen dar, die außerdem auch auf einige Industriezweige beschränkt geblieben seien. Um derartige Ausschreitungen zu verhüten, sei das heutige Gesetz vollkommen genügend. Der mehrerwähnte Commissionsbericht sei ein einseitiges Schriftstück, und man brauche weiter nichts als ein Gesetz, um die Fonds zu schüßen sowie die Abschaffung der heute in Kraft befindlichen Beſtimmungen gegen Vereine zu bestimmten Zweden. Zum Schluß rief Mr. Shorrocks die Versammlung zur Agitation in dieser Richtung auf. Bei der Erörterung, welche sich über diesen Vortrag entspann, trat zuerst Mr. George Potter( London) mit der Resolution hervor, es sei nach Ansicht des Congresses die Zeit gekommen, alle besonderen Gesetze über Arbeit abzuschaffen; die Arbeitervereinigungen auf denselben rechtlichen Fuß wie andere gesetzliche Verbindungen zu setzen und zu diesem Zwecke in den sämmtlichen Gewerken des Landes eine fräftige Agitation zu beginnen." Damit waren jedoch mehrere Redner durchaus nicht zufrieden und Mr. Howell( London) unternahm es der entschiedenen Majorität mit folgendem Amendement Ausdruck und Stimme zu leihen: ,, Bei etwaigen Versuchen, Gesetzvor= schläge über das Gewerksvereinswesen zu fassen, seien vier Grundsätze klar festzuhalten: 1) Man müsse die Gesetze, welche der freien Vereinigung Schranken in den Weg legen, abschaffen; 2) die Fonds der Vereine schützen; 3) sich aller Versuche enthalten, Unterstützungsfonds von den eigentlichen Fonds der Gewerfvereine zu trennen, und 4) dürfe man keine Ausnahmebestimmungen treffen, die nicht auch gleichzeitig für alle sonstigen gesetzlichen Verbindungen maßgebend seien."( Letzterer Grundsatz richtet sich gegen die Empfehlung der Commissare, den Gewerkvereinen Vorlegung ihrer Bestimmungen und ihrer Bücher zur Pflicht zu machen.) Nach einigem Hin- und Herreden wurde darauf in der von Mr. Howell vorgeschlagenen Form der Hauptinhalt des obigen Vortrages zum Beschluß erhoben und weiter genehmigt, daß ein Ausschuß damit beauftragt werden soll, die Gründe der Gewerksvereinsmitglieder für diese Ansichten auszuarbeiten und zur Kenntniß des Publikums zu bringen. Mit knapper Majorität wurde für den Ausschuß entschieden und auch augenblicklich die Ernennung desselben vor= genommen. ( Schluß folgt.) Der internationale Arbeiter- Congreß. Basel, 7. Septbr. Die erste Sitzung des 4. Congresses der Internationalen ArbeiterAssoziation wird um 11 Uhr Vormittags durch Bruhin, Vorsteher der Sektion Basel, eröffnet. Er bittet die Mandate zu verlesen und während der Verlesung etwaige Bedenken zu äußern. Spier( Braunschweig) verliest die Mandate. Nur ein einziges wird beanstandet, das zu Debattirung der Frage: wer als Delegirter zu betrachten sei, Anlaß gibt. Hins( Brüssel) glaubt, daß bloß die Vertreter regelmäßiger Körperscha ten der Assoziation, oder wo gesetzliche Hindernisse vorliegen, nur Vertreter von Mitgliedern der Assoziation das Recht, an den Debatten und Abstimmungen Theil zu nehmen, besitzen dürfen. Eine längere Diskussion entspinnt sich und auf Antrag Liebknechts wird beschlossen, die Frage: wer als Delegirter zu betrachten? der Mandatprüfungskommission, die sich durch Hins und Andre zu ergänzen hat, zur Berathung und Berichterstattung zu übertragen. Es erfolgt nun die Wahl des Bureaus. Jung( London) wird zum Präsidenten erwählt, Bruhin( Basel) und Brism é( Brüssel) zu Vicepräsidenten. Es wird beschlossen, Sekretäre für jede Sprache zu wählen. Gewählt werden Moritz Heß, Spier, Liebknecht ( deutsch), Varlin( Paris), Aubry( Rouen), Robert( La Chauxde- Fonds[ französisch), Sintiglone und Gaspar( spanisch), Eccarius( englisch die Engländer erklären sich ausdrücklich mit 1 Sekretär zufrieden). Auf Antrag De Paepe's wird eine Commission, bestehend aus Appegarth( englisch), De Paepe( belgisch), Sintiglone( spanisch) und Becker( deutsch) gewählt, um die einlaufenden Briefe, Aktenstücke und Telegramme zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten. Anwesend sind 61 Delegirte, von denen ich folgende nenne: Hins, Professor, Mitglied des belgischen Generalraths( Brüssel), Becker( Genf), Lucraft, Stuhlmacher( London), De Paepe( Charleroi), Rittinghausen( Köln), Brubin( Basel), Cowell Stepney( London), Neumeyer( Wiener Neustadt), Lessner, Applegart und Ec= carius( alle drei von London), Dr. Janasch), Dozent der Nationalökonomie( Sektion Magdeburg), Spier( Wolfenbüttel), Oberwinder ( Wien), Liebknecht( Leipzig), Bakunin( Genf), Moritz Heß ( Paris), Talain( Paris). Schluß der Morgen- Sitzung 12 Uhr. Um 2 Uhr Nachmittags tritt der Congreß wieder zusammen. Jung führt den Vorsitz. Nach Verlesung und Genehmigung des Protokolls der Morgensizung stellt Eccarius den Antrag, vor jeder Sitzung einen Bogen auszulegen, in den alle Delegirten beim Eintritt ihren Namen einzuzeichnen haben. E. Chemalé( Paris) beantragt außerdem noch namentlichen Aufruf vor jeder Abstimmung. Hins erflärt sich gegen jede Einzeichnung und verlangt einfach namentliche Abstimmung. Brismé ist der Ansicht, daß am Anfang und am Ende jeder Sigung ein Namensaufruf stattfinden solle, wie es in Brüffel voriges Jahr gehandhabt wurde. Eccarius zieht seinen Antrag zu Gunsten des Brismé'schen zurück, der fast einstimmig angenommen wird. Eccarius schlägt dann weiter vor, daß jeder Redner über dieselbe Frage bloß einmal und bloß 10 Minuten lang fprechen dürfe; und nur dem Antragsteller am Schluß der Debatte noch 5 Minuten gewährt werden. Schwingebel ist für 20 Minuten. Murat ist für 10 Minuten, aber hält es nicht für Recht, über denselben Gegenstand blos einmal reden zu lassen. Lucraft für den *) Ist das derselbe Janasch, der früher in Coburg war, dann fragen wir: wie kommt Saul unter die Propheten? Ein Dr. Janasch war früher in Coburg eifriger Schulzeaner. Anm. der Red. des„ Demofr. Wochenbl 448 Eccarius'schen Antrag, aber mit der Modifikation, daß die Berichterstatter über die 5 Punkte der Tagesordnung nicht auf 10 Minuten zu beschränken seien. Nachdem mehrere Reder noch über diesen Gegenstand gesprochen, wird der Beschluß gefaßt, über dieselbe Frage zweimal reden zu lassen, das erstemal 10, das zweitemal 5 Minut.n. Auf Chemale's Antrag wird beschlossen, über alle Prinzipienfragen namentlich abzustimmen. Eccarius schlägt vor, daß jeder Antrag schriftlich und in drei Sprachen einzureichen sei. Angenommen. Brismé schlägt vor, Chemalé als Steller des betreffenden Antrages, solle bei namentlichen Abstimmungen die Namen aufzeichnen. Dies wird nicht angenommen und festgesetzt, daß die Aufzeichnung Sache der Sekretäre sei. Murat schlägt vor, am Vormittage die administrativen und in den Nachmittagssigungen die prinzipiellen Fragen zu behandeln. Leßner beantragt, die Vormittagssigungen von 9-12 und die Nachmittagssigungen von 2-6 Uhr abzuhalten. Brismé stellt den Antrag, statt der Nachmittags= eine Abendfizung zu halten, damit die Arbeiter den Verhandlungen beiwohnen fönnen. Eccarius ist gegen die Abendsizungen; der Congreß trage keinen lokalen Charakter, die Delegirten seien nicht hergekommen speziell um der Baseler Arbeiter willen, sondern um sich über die wichtigsten Parteiund Prinzipienfragen zu verständigen. Brismé zieht seinen Antrag zurück! derselbe wird aber von Fla haut aufgenommen. Die Versammlung nimmt fast einstimmig den vereinigten Ecca rius Lessner'schen Antrag an( Sitzungen über administrative Fragen von 9-12 Uhr und Sitzungen über prinzipielle Fragen von 2-6 Uhr). Betreffs Veröffentlichung der Berichte der Congreßverhandlungen theilt Vicepräsident Bruhin mit, daß das Lokalfonuté zwei Steno graphen engagirt habe; der Congreß habe nur eine Redactionskommission zu ernennen. Chemalé macht auf die Wichtigkeit einer schnellen Ver öffentlichung aufmercsam. Liebknecht spricht für gleichzeitige Veröffent lichung in deutscher und französischer Sprache und macht Vorschläge in dieser Beziehung. Das Anerbieten eines französischen Blattes( der Démocratie", Paris), einen Bericht in französischer Sprache zu ver öffentlichen, führt zu dem Antrag und Beschluß, die gauze Frage auf die nächste Vormittagssitzung zu verschieben. Nachdem ein Antrag auf eine 10minutige Pause verworfen worden, beschließt der Congreß über die verschiedenen zu behandelnden Fragen Spezialkommissionen zu ernennen, und zwar womöglich jede aus Mitgliedern der verschiedenen Nationalitäten zusammenzusetzen. belgischen Mitglieder schlagen vor, die Delegirten selber bestimmen zu lassen, welchen Commissionen sie beitreten wollen. Dies wird angenom men. Auf der vom Generalrath in London festgesetzten Tagesordnung stehen folgende Fragen: 1) Die Frage des Grundeigenthums. 2) Das Erbrecht. 3) In welchem Maß kann der Credit unmittelbar von der arbei tenden Klasse ausgenutzt werden. 4) Die Frage der allgemeinen Erziehung. 5) Der Einfluß der Trades' Unions( Gewerksgenossenschaften) auf die Emanzipation der arbeitenden Klasse. Goegg ist dafür, daß auch, wie die Settion Zürich beantragt habe, die direite Gesetzgebung durch das Volk einer Kommission unter breitet werde. Robin dagegen, diese Frage sei von den Arbeitern noch nicht geeignet studirt und habe jedenfalls den anderen Fragen nachzu stehen. Colling( Basel) meint, die Frage der direkten Gesetzgebung gebe eigentlich nur die Mitteltasse an und schlägt vor, die 60( 61) Congreß mitglieder in 5 Kommissionen von je 10( resp. 11) Mitgliedern zu ver theilen. Bruhin gegen Colling. Die Frage sei eine Frage des Volkes und nicht der Bourgeoisse. Der Antrag, die Frage der direkten Gesetz gebung auf die Tagesordnung zu bringen, gehe nicht blos von der Züricher Sektion aus, sondern von einem Congreß der schweizerischen Internationalen. Batunin meint, daß der Congreß sich nur mit ökonomischen, nicht mit politischen Fragen zu beschäftigen habe. Soziale Revolution sei die Lösung. Rittinghausen weist auf die Wichtigkeit der direkten Gesetzgebung für die Arbeiter hin. Hins unterstützt Bakunin. Liebknecht bekämptf diesen Standpunkt. Der Antrag betreffend die direkte Gesetzgebung sei zeitig eingebracht worden und er sei wichtig, aber man habe erklärt, daß wir uns hier überhaupt nicht mit politischen Fragen zu beschäftigen hätten. Eine solche Trennung der politischen und fozialen Fragen sei gegen das Programm der internationalen Arbeiter assoziation und ganz im Interesse der absoluten Regierungen. Die fran zösische und die preußische Regierung begünstigten den Sozialismus als das solchen, erlaubten die radikalsten, die revolutionärsten Tiraden gegen Kapital, aber unter einer Bedingung: daß man den Staat aus den Spiel laffe. Wer für die Befreiung der Arbeiter handeln wolle, statt blos zu reden, der stoße auf den Gensdarm da merke er, daß die foziale Frage von der politischen untrennbar. Soziale Revolution pre bigen ohne die notitifche beine nolitische Pastian der deutschen Arbeiter, die er vertrete, müsse er jeden Versuch, die Arbeiter durch ausschließliche Behandlung der sozialen Frage von der politischen Aktion abzuhalten, auf das Enischiedenste bekämpfen. Heß sprach in dem nämlichen Sinne, die politischen Fragen seien schon deshalb von den sozialen nicht zu trennen, weil sie, genau be trachtet, identisch mit ihnen seien. Jeder Versuch der Trennung führe zu Verwirrung und nütze den Feinden. Nachdem sich noch einige diedner im gleichen Sinne ausgesprochen, wird mit großer Majorität der Beschluß gefaßt: nach Erledigung der 5 auf der Tagesordnung befindlichen Fragen, die direkte Gesetzgebung zur Debatte zu bringen. Es erfolgt hierauf die Constituirung der Commiffionen über die fünf zunächst vorliegenden Fragen, und zwar in der Art, daß jedes Mitglied sich selber bei namentlichem Aufruf irgend einer Commission zuordnet. Schluß der Sitzung 6 Uhr Abends. " Kiel, 2. September.( Warnung.) Bor furzer Zeit las man in mehreren Nummern der Reform", daß in Kiel 2-300 Maurergesellen beim Kasernenbau hierselbst dauernde Beschäftigung erhalten könnten, bei 1 Thlr. wöchentlichem Lohn. Da aber die hier anwesenden Gesellen nicht ausreichend beschäftigt sind und einige Tage feiern müssen, so wird es ertlärlich sein, daß die vielen zugereiften Gesellen keine Beschäftigung sanden und unnütz ihr Geld verreisen mußten. Es wäre also wohl in Ordnung gewesen, daß unter solchen Umständen die Annonce von den Bestellern widerrufen worden wäre. Wir warnen daher Jeden vor unnützen Kosten. Mehrere Maurergesellen in Kiel. Altona.( Aufgepaßt Ihr Holzarbeiter!) Kameraden an allen Orten in Deutschland! Nachdem nunmehr entschieden, daß Hr. Lehder in Hamburg Präsident des Gewerkvereins der Holzarbeiter zu werden beabsichtigt, und da das im alten Verein nicht geht, einen neuen sich gründet, ist für den tiefer blickenden, die Verhältnisse und Personen tennenden Beobachter kein Zweifel mehr, daß die Anklage des Hrn. Lehder weiter feinen Zweck hatte, als Hrn. York zu verdrängen; denn was Letzterer mit dem Schweizer abzumachen hatte, hatte weder mit der Gewerkschaft, noch mit dem Verbande etwas zu schaffen. Dies sahen die Gewerksmitglieder auch sofort ein, und Hr. Lehder, Präsident in spe, fiel mit seinem Antrage durch. Der Hr. Schweitzer, dem es höchst fatal war, daß sein Schützling( Eine Hand wäscht bekanntlich die andere) nicht Präsident wurde, veranlaßte den bekannten Ausstoßungs- Ukas, damit man eine neue Waffe gegen York habe. War Yort nicht wegen Belei digung Schweitzer's abgesetzt worden, so schaffte der Ausstoßzungsbeschluß der Schweizer'schen Verbands- Marionetten Rath. Der Ausschuß der Holzarbeiterschaft in Hamburg setzte auf Grund dieses Beschlusses den Gewerksgenossen die Pistole auf die Brust. Entweder, hieß es, ihr wählt den York nicht wieder zum Präsidenten, oder aber ihr seid vom Schweitzerschen Arbeiterschaftsverbande ausgeschlossen, und man glaubte damit die Mitglieder ins Bockshorn gejagt zu haben. Fehlgeschossen! Außer den Hamburgern, denen wir den traurigen Ruhm, gute Schweizerlinge zu fein, gern gönnen, stimmten höchstens 200 gegen York, mehr als 600 für denselben; den übrigen war die Sache längst zum Etel fie stimmten gar nicht. Lehder und der Ausschuß, die das Recht auf den Kopf stellen wollten, waren wieder abgeblitzt. Und das war diesmal um so beffer, damit der Beweis geliefert war, daß die große Mehrzahl der Mitglieder des Gewerkvereins der Holzarbeiter nicht die gedanken und willenlose Herde von geleithammelten„ Dreier- Schäfchen"*) des Verbandskassenmeisters sein und von der Verband- Beutelschneiderei nichts mehr wissen wollten. Aber für Hrn. Lehder war der Ausfall der Abstimmung sehr unerfreulich; am ärgerlichsten war es, daß nun der bis dahin noch aufrecht erhaltene Schein der Gesetzlichkeit erschöpft war. So große Geifter indeß, wie Hr. Lehder und der Ausschuß in Hamburg, bringt so etwas nicht außer Fassung. Man nahm die Maske, hinter der zu operiren es diesen Einheitshelden zu unbequem wurde, herunter und hielt, immer getren nach dem Vorbilde des Herrn und Meisters Schweizer, nunmehr die Kehrseite der Einheitsmedaille hoch. Um Platz zu schaffen für einen neuen, echt Schweitzer'schen Holzarbeiter- Präsidenten wurde die Uneinigkeit heraufbeschworen, und von den Einheitsmännern ein neuer Berein gegründet. Doch auch dieser letzte Trumpf, um die Holzarbeiter in das Netz des Herrn v. Schweizer zu bekommen, ist bereits verloren. Ihr Feldgeschrei:„ Die Groschen her für den Schweizer'schen Verband!" um alles andere als die Sache, wofür das Geld gegeben wird, damit zu unterstützen zieht nicht mehr. Der Dreier Schäfchen" werden immer weniger und die 10-12 ganz oder halb ausgetretenen Mitgliedschaften werden sich nur so lange halten, als die Schweitzer- Kühe sich melken lassen, d. h. bis die Mitglieder einsehen werden, daß ihr Geld in der Gewerkschaftskaffe beffer aufgehoben ist, als in der Berliner Verbandslasse, wo es zu viel Lagergeld kostet und obendrein Sekretair und Casfirer vierteljährlich allein 135 Thlr. davon erhalten, und zwar für die jedenfalls sehr anstrengende Thätigkeit: den Leuten Sand in die Augen zu streuen. Außerdem kommen noch dann und wann hinzu Ausgaben von Kleinigkeiten aus der Verbandskasse im Betrage von 25-30 Thlr. fogenannte Agitationskosten, die solche Leute erhalten, die wie abge= richtete Dompfaffen gelernt haben, die Melodie zu pfeifen:„ Heil unserm Schweitzer, Heil!" und doch wir wollen heute noch nicht Alles aus*) Drei Pfennige müssen in jeder Gewerkschaft von jedem Mitglieds beitrag an Hrn. Schweitzer nach Berlin geschickt werden. 449 plaudern, denn man darf das beste Pulver nicht auf den ersten Schuß verschießen", sagt der preußische Kriegsminister. Kommen wir jedoch zum Gegenstand unserer Epistel, zum Präsidenten des neuen Schweizer'schen Holzarbeiter- Gewerfvereins zurück. Also kurz und bündig Hr. Lehder: Präsident der Holzarbeiter; Hr. Liebisch: Präsident der Schneider, und als Dritten im Bunde schlagen wir, falls sich Kölsch in Mainz nicht bewähren sollte, Hrn. Wolf aus Hamburg als Präsidenten der Schuhmacher vor. Hamburg hätte dann eine Präsidenten Dreieinigkeit, die für Herrn v. Schweitzer nichts zu wünschen übrig läßt und vor welcher Ur- Einigkeit demnächst alle ,, volksparteilichen" Ketzer, die wir ja nun einmal sein sollen, anbetend nieder= fnieen und ausrufen: Schweizer ist groß und ihr seid seine ech= ten Propheten! Heinr. Lehmann. = Elberfeld, 3. Sept. Ein Hr. Karl Klein aus Elberfeld machte in einem jener, die Jünger des Hrn. J. B. von Schweitzer charakteri= firenden Schimpfartikel in Nr. 102 des Sozial- Demiofrat" u. a. auch Anspielungen auf meine Berson, nach welchen ich gefagt haben soll: Liebknecht habe zur Zeit des Cölner Communisten- Prozesses den Angeklagten Röser aus Mühlheim a. Rh. durch Verrath zu 7 Jahren Gefängniß verholfen u. s. w. Ich wiederhole nun hiermit nochmals die auf dem Eisenacher Congreß öffentlich abgegebene Erklärung: ,, Daß die vorerwähnte Aussage des 2c. Klein, soweit dieselbe meine Person betrifft, eine erbärmliche Lüge und Verläumdung ist, erfunden von Genossen Schweitzers, um Streitigkeiten unter den Mitgliedern der vereinigten sozial- demokratischen Partei hervorzurufen." Mit sozial- demokratischem Gruß Hugo Hillmann. NB. Da ich es nicht für die Partei als nüßlich erkennen fann, weiter auf die Schimpfereien des Carl Klein einzugehen, so begnüge ich mich gern mit vorstehender Erklärung. Der Obige. Stockach im badischen Oberland, 1. Sept. Auch wir wollen aus unserm Dunkel hervortreten ans Licht, und den Brudervereinen im großen Vaterlande mittheilen, daß seit letztem Frühjahr hier ein Arbeiter Bildungsverein besteht. Wir halten seitdem das ,, Demokratische Wochenblatt" und verfolgen mit Interesse die Vorgänge in der Arbeiterwelt. Zu unserer großen Freude haben wir erfahren, daß die Einigung der sozial demokratischen Fraktionen auf dem Eisenacher Congreß zu Stande gekommen ist. Wenn unsere Verhältnisse auch noch nicht der Art sind, daß unser ganzer Verein zur Partei beitreten könnte, so haben doch zehn unserer Mitglieder den Beitritt beschlossen. Herr A. Wittum von Pforzheim hielt uns vor kurzer Zeit einen Vortrag über Arbeiterverhältnisse, welcher aber sehr national- liberal roch, d. h. größtentheils eine Lobhudelei auf Preußen war, und deßhalb nicht gefiel; ja wir waren sogar so unhöflich, ihm, soweit es unsere schwachen Kräfte erlaubten, energisch entgegenzutreten. Wie ganz anders würde es flingen, wenn wir durch unsere Parteigenossen durch Vorträge erfreut würden, was wir sehnlichst wünschen; denn wir verstockten Menschen können uns eben nicht von den ,, Irrlehren" der Sozial- Demokratie trennen. = Unsere alten Vorstände sind kürzlich abgetreten: wogegen wir nichts einzuwenden hatten. Wir haben nun Aussicht auf einen tüchtigen Mann, da wir nun einmal im freien" Baden einen Bürger an der Spitze haben müssen, und werden, um in Zukunft kräftiger für unsere Sache eintreten zu können. Wir legen diesem Bericht ein Exemplar des ,, Genossenschafter", Organ des Gewerkvereins der Goldarbeiter bei, um die Schimpfereien desselben lesen zu können. Halten Sie denn dieses Blatt nicht?*). Mit sozial- demokratischem Gruß = Ant. Grabler, 2. Vors. Herm. Straub, Schriftf. Graz, 5. September. Der Strike der hiesigen Schlosser ist ohne die geringste Störung siegreich beendet. Die Arbeitszeit ist von 14 auf 12 Stunden reduzirt und das Früh und Nachtmahlgeld von 17 auf 25 Kr. täglich erhöht. Die Arbeit wurde daher wieder aufge= nommen, und hatte die ganze Affaire 8 Tage gedauert. Als die Meister sahen, daß sie sich hinsichtlich der Nachgiebigkeit der Arbeiter getäuscht und bei denselben das Geld nicht alle wurde so gaben sie nach. Alois Bremer. Wiesbaden. Ueber die Versammlung der Nassauischen Fortschrittspartei am verflossenen Sonntag liegen uns eine Reihe von Zeis tungsberichten vor, die in dem Einen übereinstimmen, daß man unfere Parteigenoffen mit dem Ausdruck, sozialdemokratische Bande" und dergleichen bezeichnet hat. Wir lassen hier einen Bericht der Rheinischen Volkszeitung" folgen, der uns am sachlichsten zu sein scheint. Derselbe lautet in seinen wesentlichsten Stellen: ,, Als furz nach 3 Uhr der sehr geräumige Schirmer'sche Saal fich mit etwa 600 Menschen gedrängt gefüllt hatte, schlug der frühere Landtags- Abgeordnete Hr. König den Prokurator Schenk zum Vorsitzenden vor, worauf aus der Menge der Gegenruf ,, Ackermann"! erfolgte. Ju *) Nein. Wir können unmöglich die Blätter alle lesen, die sich jetzt als ,, Arbeiterblätter" austhun und bald mehr oder weniger verkappt die Bourgeoisideen predigen. Für das übersandte Exemplar sind wir sehr dankbar, und werden in nächster Nummer einige Stellen des darin enthaltenen Artikels, unterzeichnet von Alb. Wittum, abdrucken und dem Herrn, der dort mit echt national- liberaler Phraseologie die Arbeiter zu beschwindeln sucht, auf die Finger Klopfen. Anm. der Red. des ,, Dem. Wochenbl". Folge diefes mehrmals wiederholten Proteftes wurde zur Abstimmung durch das Aufstehen der Anwesenden von ihren Sitzen und beziehungsweise durch Handaufheben geschritten, und erhielt, soweit wir solches zu übersehen vermochten, dabei Ackermann eine Mehrheit der Zustimmenden von fast der Anwesenden. Trotz dieses Resultates und vielleicht, weil derselbe das Stimmverhältniß anders aufgefaßt, bestieg Hr. Schenk die Rednerbühne, wurde jedoch diesmal, sowie in der Folge wiederholt, durch den vielstimmigen Ruf: ,, Runter mit dem" ,, Ackermann"! am Reden verhindert. Auch die widerholte Intervention mehrerer anderer Herren von der Fortschrittspartei zu Gunsten Schenks vermochte bei der aufgeregten Menge kein besseres Resultat zu erzielen, zumal durch die von dem Genannten und einem Anderen unvorsichtigerweise gebrauchten ( gegen die zahlreich versammelten jungen Wiesbadener c. Handwerker, theilweise jedoch nicht alle zu den Anhängern Lassalle's gehörig, geschleuderten) Ausdrücke: jugendliche Gesichter", sozial- demokratische Bande", jiunge unreife Buben" c. noch Del ins Feuer gegossen wurde. Erklärlich ist, daß unter diesen Umständen die Erhitzung beider Theile, sowie der Sturm und Spektakel immer noch mehr zunahm, und daß von einer ruhigen, sachentsprechend geleiteten Abhaltung der projektirten Verhandlungen nicht mehr die Rede sein konnte. Als gesetzlich kann es daher von Seiten der Polizeibehörde nur betrachtet werden, daß nachdem dieser polnische Reichstag nahezu eine Stunde gewährt hatte die Versammlung um 4 Uhr aufgelöst wurde. In Folge dessen und des Erscheinens von 5 Schutzmännern im Saale gingen die Anwesenden denn auch ruhig auseinander." Die national- liberalen und sortschrittlichen Blätter erheben über den Verlauf der Wiesbadener Versammlung ein großes Geschrei, daß aber auch die Berliner Zukunft" sich herbeiläßt, den Bericht eines anerkannt national- liberalen Blattes, des ,, Rhein. Kurier", abzudrucken und mit mißfälligen Bemerkungen über die Socialdemokraten in der politischen Uebersicht zu begleiten ist start. Die Zukunft" sollte besser wissen, was vom national= liberalen Klatsch zu halten ist. Anmerkung d. Red. Dresden, 6. Septbr. Am 4. September wurde im Arbeiter- Bildungsverein über das Eisenacher Programm berathen und mit 63 gegen 30 Stimmen beschlossen, demselben nicht beizutreten. Diese Thatsache dürfte außerhalb Dresdens Befremden erregen, da der hiesige Bildungsverein seit Jahren über eine große sozialistische Majorität verfügte, wie zuletzt noch die Beschickung des Eisenacher Congresses durch die Person Bahlteich's bewiesen hat. Die Sache erklärt sich einfach so, daß unsre Freunde seit längerer Zeit nicht sehr thätig, die Gegner aber besonders im letzten Augenblick mit Heranziebung geeigneter Elemente um so rühriger gewesen sind. Die Thatsache ist niederschlagend, insofern sie von neuem beweist, wie leicht die Arbeiter sich gegen ihre eigenen Interessen benutzen lassen, wie wenig Verständniß für die sozialen Aufgaben des Arbeiterstandes selbst da zu finden ist, wo Gelegenheit genug gegeben war solches Verständniß sich anzueignen, die Partei wird aber nichts desto weniger hier aufblühen, da die tüchtigsten Kräfte sich schon zu einem sozial- demokratischen Arbeiterverein vereinigt haben, der Dr. Walster zu seinem Vorsitzenden erwählt hat. Es sei uns gestattet, einige Streif lichter auf diejenigen Personen fallen zu lassen, welche an dem Beschluß im Bildungsverein wesentlich schuld find. Zunächst Hr. Tischler Hendel. Derselbe gehörte der Volkspartei an, war uns aber längst als unzuver+30 Braunschweig und desjenigen zu Wolfenbüttel. Die erstgenannten haben außerdem folgende Anträge beim Congreß gestellt: 1. Der Congreß wolle beschließen, daß für Mitglieder der sozial- demokratischen Arbeiterpactei und nur für solche, deutsche Mitgliedskarten zu 1 Sgr. jährlich ausgegeben werden; 2. der Congreß wolle auf die Zeit zwischen Weihnacht und Neujahr nach einem mitteldeutschen Orte einen Allgemeinen Internationalen Congreß der Gewerkschaften berufen zur Regelung der Gewerk schaftsangelegenheiten Deutschlands, sowie zur Herstellung eines Cartellvertrages zwischen den einzelnen Gewerkschaften, sowohl innerhalb als außerhalb der verschiedenen Länder ,, d. h. aller Länder untereinander. Bonhorst. Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter. Judem wir nachfolgende Veränderungen und Anmeldungen ver merten, fordern wir diejenigen Mitgliedschaften, welche mit Einreichung ihrer Rechnungen noch im Rückstande sind, auf, dies binnen 8 Tagen einzuholen. Crimmitschau, den 4. September 1869. Für die Vorortsverwaltung: J. Motteler, 1. Vors. Zwickau meldet Rücktritt des Bevollmächtigten; Neuwahl noch nicht vollzogen. Abholung der Wandergelder bei Carl Ed. Thümmler, Reugaffe 454, von früh 8 bis abends 8 Uhr. Burgstädt: Wandergeld bei Wilh. Kurthe( Pfarrwiese). Waldenburg: Bevollm.: Friedr. Friedrich; Beitragsammier: Aug. Taubert; Controleur: Aug. Hartzsch; Wandergeld bei Friedr. Friedrich in der Mittelstadt. Gera: Wandergeld bei Ernst Geilert, Schloßstraße 5. Meerane: Controleur: Gust. Kranse; Wandergeld bei Bernh. Naumann, Weberstraße 21 E. Mülsen St. Niklas( definitive Wahl): Bevollm. C. F. Blechschmidt in Ortmannsdorf bei Mülsen St. Jakob; Controleur: H. Ebersbach. Chemnitz: Bev.: Emil Schurig; Beitragsammler: Herm. Kaulfers: Controleur: Clemens Wagner. Obergrüneberg bei Crimmitschau: Bev.: Carl Gutwald; Beitrag sammler: H. Saupe; Controleur: C. F. Uhlig. Schönfels bei Zwickau: Bevollm.: C. G. Müller; Beitragsammler: F. A. Schubert; Controleur: J. G. Markert. Netzschkau: Bev.: Aug. Jähring: Beitragsammler: Jul. Weber: Con trolenr: Franz Jchelsheimer. Arbeitsnachweis. 20-30 Arbeiter des Buchbindergewerbes finden in Nürnberg und Fürth in jeder Branche Beschäftigung Näheres in Nürnberg bei J. Hagenbauer, L 1438 Schlotfegergasse und in Fürth bei Jul. Schön, Königstraße. Anzeige11. läffig bekannt. Er erklärte, als Privatmensch mit dem Eisenacher Bro- Deutscher Arbeiterbildungs- Verein gramm ,, vielleicht" ganz einverstanden zu sein, für den Bildungsverein passe es aber nicht, durch diesen müsse es wenigstens einen Ort geben, 100 man von den demokratischen und sozialistischen Wühlereien" verschont sei Ferner Herr Schuhmacher Knöfel, der außerhalb Dresdens noch vielfach für einen Gesinnungsgenossen gehalten wird, sich felbst aber mit Wohlgefallen einen Bourgeois nennt, welcher er denn auch wirklich geworden ist; wie könnte er auch anders, darf er sich doch bei der Vetterschaft im Stadtverordnetensaal und der Schutzgemeinschaft nicht mißliebig machen. Er sprach Jedem den gesunden Menschenverstand ab, der dem Eisenacher Programm nicht zustimme, schlug aber des lieben Friedens halber vor, lieber nicht über dasselbe abstimmen zu Lassen, höchst wahrscheinlich hat er dann dagegen gestimmt; die beantragte namentliche Abstimmung hatten die Gegner die Feigheit abzulehnen. Am Sonntag hatten die Nationalliberalen eine Volksversammlung zur Besprechung der Unglücksfälle in den Kohlengruben im Plauen'schen Grund und der Eisenbahn bei Langebrück einberufen. Neben den HH. Siegel und Consorten glänzten unter den Einberufern auch die Namen Wigard und Knöfel; nun wir wünschen Glück zu solcher Genossenschaft. Für die sozial- demokratische Partei dürfte aus alledem aber die Lehre erwachsen: um feinen Preis wieder einen Compromiß. Braunschweig, 7. Septbr. An den Baseler Congreß sind Begrüßungsschreiben eilassen von H. Ehlers, Bonhorst, W. Bracke jr. und F. Neidel in Braunschweig, sowie Namens des Lokalvereins zu in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. Sozial- demokratischer Arbeiter- Verein zu Braunschweig. Montags geschlossene Mitgliederversammlung. Sonnabends öffentliche Mitgliederversammlung. Sonnabend, den 11. Septbr., Abends 8 Uhr, im ,, Odeon". Tagesordnung: 1. Geschäftliche Mittheilungen. 2. Vortrag des Hrn. L. Bonhorst über die direkte Gesetzgebung durch das Volt." 3. Die Nothwendigkeit der internationalen Vereinigung der Gewerkund Arbeiterschaften. Referent: H. Ehlers. Montag, den 13. Septbr., Abends 8 Uhr: 1. Berathung über das demnächst zu veranstaltende Stiftungsfest der fozial- demokratischen Arbeiter- Partei. 2. Agitationsberichte der Herren Bonhorst, Weiß, Ehlers, Schra der u. A. 3. Bere! usangelegenheiten aller Art. L. Weißz, Vorsitzender des Vorstandes, Die Filialerpeditionen werden hiermit ersucht, die Abrechnung bis Ende dieses Monats spätestens einzusenden und dabei auch die noch restirenden Beträge früherer Quartale, soweit solche vorhanden sind, mit zu verrechnen. Vom 1. Oktober wird, nach dem Beschluß des Ausschusses unserer Partei, nur noch an solche Filialexpeditionen direkte Versendung eintreten, die mindestens 42 Eremplare feft bestellen; auch haben die Filialerbeditionen fünftig ftatt 10 Sgr. 12 Sgr. pro Quartal für das Eremplar zu bezahlen. Alle Geldsendungen find an A. Bebel, Leipzig, zu richten. Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Braustr 11) } Leipzig. Druck und Verlag: F. Thiele. Expedition: Betersstraße 18.