3 [ [ t كاف It 3. g er ANCHY 11 te tt Demokratisches Wochenblatt. No. 40. Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Leipzig, den 15. September. 1869. Das Blatt erscheint Mittwochs und Sonnabends. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 12½ Ngr.; einzelne Nummern 1 Nr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Universitätsstraße, und die Erpedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Inhalt: Politische Uebersicht. Berliner Briefe. Der Congreß der englischen Gewerkvereine. National- liberale„ Gespenster". Das Proletariat. Der internationale Arbeiter Congreß.. Celle, Elberfeld, Berlin, Mainz, Frankfurt, Dessau, Zwickau, Crimmitzschan. Zur BeBriefkasten. Todes- Anzeige. achtung. Politische Uebersicht. Der Kaiser ist frant und das Kaiserreich im Sterben. Ob auch der Kaiser? Darüber zerbrechen die politischen und unpolitischen Spekulanten sich den Kopf. Daß er frank ist, schwer frank, unheilbar franf- steht fest und wird von den bezahlten Schönfärbern nur noch schwach geleugnet. Die Frage ist nur: wie lange wird die Krankheit sich hinschleppen? Und neben dieser Frage steht die Gewißheit, daß es mit dem Kaiserreich rasch abwärts geht, und daß wenn die Krankheit des Kaisers einen langsamen Verlauf nimmt, das Kaiserreich noch vor dem Kaiser sterben kann. Wer fümmert sich unter solchen Umständen um die ,, Debatten" jener Bedientenbande, genannt Senat, über die letzten großartigen Reformmaßregeln" so betitelt das kaiserliche Soldſchreiber thum die paar Läppchen, welche auf die Zwangsjacke der vom Dezembermann oftrovirten Verfassung aufgeflickt werden sollen. Durch die Krankheit Bonaparte's ist die Weltlage vereinfacht worden; die Möglichkeit eines Kriegs zur Unterstützung des Kaiserreichs ist beseitigt. Damit bessert sich indeß nicht die Position derjenigen, welche bisher einen Krieg am Meiſten fürchteten und zu fürchten Ursache hatten, wir meinen die Bertreter des heutigen Preußen; sie kommen nur aus dem Regen unter die Traufe, denn das Terrain, welches der Krieg verliert, gewinnt die Revolution. Der Krieg konnte ihnen den Sieg bringen, und, wenn auch nicht auf die Dauer, doch vorübergehend dem„, Werf von 1866" eine größere räumliche Ausdehnung verleihen die Revolution läßt bei der Unnatürlichkeit der staatlichen Verhältnisse Europa's für die Feinde der Freiheit keine Chance des Siegs. Mit der Rede des Rothen Prinzen" halten die Ogane der ,, Unversöhnlichen" es gar nicht der Mühe werth, sich zu beschäftigen. Sie richten ihre Waffen gegen den ,, Gründer der Dynaſtie" und ſtreifen ihm den Heiligenschein ab, mit dem die Pfleger des Napoleonkultus ihn umgeben haben. Und wie kühn die Sprache der Und wie fühn die Sprache der republikanischen Presse ist, trotz Bicêtre*) und Cayenne, das erhellt aus folgendem Satz des Reveil": Alles, was in Frankreich die Freiheit liebt, was Frank reich liebt, verabscheut den verbrecherischen Usurpator, während dessen unseligen Regiments der civilisatorische Genius Frankreichs schlief! Niemals wird die Demokratie dem großen Verderber verzeihen, dem unsinnigen Despoten, der, Europa ver*) Eine der Kasematten zu Paris, in die während der letzten Bolizeistandale die meisten Gefangenen eingesperit wurden. Früher war dort Sa ben aleichen Namen fibrte. Agent für London: A. Duensing, Foreign wüstete, Frankreich verheerte, der das Werk unserer großen Republik vernichtete, der zweimal unsere Grenzen feindlicher Invasion preisgab und unsere heilige Hauptstadt den Russen und Engländern. Ja, mögen die Machtmenschen sagen, was sie wollen, Napoleon bleibt verflucht in der Weltgeschichte; der Ruhm des neugebornen Frankreichs aber ist es, dieses aus Haß gegen die Bourbonen und die Jesuiten aufgerichtete Götzenbild zertrümmert zu haben!" Jm ,, Hort des Protestantismus" befinden sich nach einer " Statiſtik, welche der Wegweiser" unseres Freundes Sack einer gewiß sehr glaubwürdigen Quelle dem neuesten ,, Bonifacius= kalender" des berüchtigten ,, geistlichen Raths" Müller entnimmt, über 800, schreibe achthundert Klöster. Um ins Einzelne einzugehen, gibt es in den alten und neuen Provinzen, 97 Mönchsflöster mit 740 Mönchen( Priestern) und 236 Novizen und Laien- Brüdern, im Ganzen also 976 Personen. Dieselben vertheilen sich auf 14 Orden. Am verbreitetsten sind die Franziskaner. Sie haben allein 30 Klöster, in denen sich 182 Priester und 113 Novizen und Laienbrüder befinden. Die Jesuiten haben 14 Klöster mit 123 Professen und 10 Novizen und Laienbrüdern. Den ihnen sehr nahe stehenden Redemptoristen gehören 4 Klöster mit 63 Inſaſſen. Die Dominikaner haben es erst auf 4 Klöster mit 21 Insassen ge= bracht. Sehr viel reicher ist der preußische Musterstaat an Nonnenklöstern. Deren gibt es nämlich 736 mit 5686 Ordensfrauen und 861 Novizen und Laienschwestern, im Ganzen also 5947 Personen. Sie vertheilen sich anf 31 Oiden. Unter diesen besigen die meisten Anstalten die Franziskanesen( barmherzige Schwestern), nämlich 95 mit 715 Ordensfrauen und 58 Novizen und Laienschwestern. Nächstdem folgen die Borromäerinnen mit 94 Anstalten, 511 Ordensfrauen und 137 Novizen und Laienschwestern; die Vinzentinerinnen mit 84 Anstalten, 447 Ordensfrauen und 21 Novizen und Laienschwestern; die Schulschwestern mit 77 Anstalten, 394 Ordensfrauen und 38 Novizen und Laienschwestern; die Ursulinerinnen mit 21 Anstalten, 401 Ordensfrauen und 129 Novizen und Laienschwestern. Lettere stehen in einem engen Zusammenhange mit den Jesuiten oder sind vielmehr von denselben in ihren Gewissensangelegenheiten und Bestrebungen abhängig. Danach gibt es also im preußischen Staate 833 Klöster und klösterliche Anstalten mit 5326 Priestern und Ordensfrauen und 1097 Novizinnen und Laienbrüdern und Schwestern, im Ganzen 6923 Personen. Wer will sich da noch wundern, daß Bluntschli, weiland Fürsprecher der katholischen Jesuiten*), für den protestantiſchen Musterstaat solche Sympathien empfindet? Ueber die Beziehungen zwischen der türkischen Regierung und dem Vicekönig von Egypten bringt die ,, Berliner Provinzial Correspondenz"( Organ der Preußischen Regierung) eine Notiz, die darauf berechnet ist, die obschweben*) Bur Beit des Schweizer Sonderbundes. den Besorgnisse zu verscheuchen. Sie schreibt nämlich: ,, Mehrfach ist die Ansicht laut geworden, es sei von Seiten des Vicekönigs eine ablehnende Antwort und in Folge dessen ein ernstes Berwürfniß zwischen der Türkei und Egypten zu beforgen. In den bisherigen Nachrichten von zuverlässiger Seite findet diese Besorgniß zur Zeit keine Bestätigung. Man darf vielmehr auf eine friedliche Regelung der bezüglichen Verhält= nisse hoffen, und diese Hoffnung wird durch die Thatsache ver= stärkt, daß alle Großmächte in dem Wunsche übereinstimmen, die Ruhe im Orient ungestört zu erhalten." Werth hat diese Notiz so wenig wie alle ähnlichen derartigen Beschwichtigungsartifel. Auf eine friedliche Regelung zu hoffen, bleibt natür lich Niemand benommen, ob zu dieser Hoffnung Grund ist, wird sich erst dann mit einiger Sicherheit angeben lassen, wenn man über die Antwort im Klaren ist, die Ismail Pafcha auf die definitiven Forderungen des Sultans gibt. Diese Forderungen sind zwar dem Vasallenverhältniß des Vicekönigs, wie es durch den Ferman von 1841 normirt ist, völlig entsprechend, den langgenährten ehrgeizigen Plänen desselben gegenüber aber eine starke Zumuthung. Mit dem großherrlichen Gebot, seine Kriegsschiffe zu verkaufen, feine Armee auf 10,000 Mann zu reduciren und keine Anlehen ohne Zustim mung der Pforte aufzunehmen, ist Ismail vor die Alternative gestellt, sich selbst aller seiner Machtmittel zu entäußern oder zu rebelliren. Welche der beiden Alternativen er wählt, ist bis jetzt nur Gegenstand der Vermuthung, eine bestimmte Nachricht darüber liegt noch nicht vor. Das Italienische Ministerium hat sich in seinen VerLegenheiten( politischer und finanzieller Art) nicht anders zu helfen gewußt, als durch eine Auflösung der Kammern. Die neue Kammer ist auf den 15. Oktober berufen. In der Zwischenzeit wird die Presse geknebelt und werden die Beamten gemaßregelt, welche oppositioneller Tendenzen verdächtig sind. Wird aber alles nichts helfen! Die Erbitterung im Volk ist so groß, daß an die Wahl einer Regierungsmajorität nicht zu denken ist. Ein offenbar wohlunterrichteter Korrespondent der ,, Freien Breffe," entwirft von den Zuständen Rußland's unter Kaifer Nicolaus folgendes Bild: ,, Der Selbstherrscher aller Reussen hat seinen bei der Thronbesteigung befundeten Liberalismus längst aufgegeben, wie das bei Thronbesteigungen gewöhnlich geschieht. ,, Die Lage der freigelassenen Bauern ist nach übereinstimmenden Berichten aus allen Theilen des Czaarenreiches trauriger, rechtloser, verzweifelter als vor ihrer Freilassung. Der Staatskredit, der nach Außen noch durch tours de force auf recht erhalten wird, ist im Innern tief gesunken, Silber und Gold aus dem Verkehr verschwunden und die Entwerthung des Papiergeldes nimmt trotz aller selbstherrlichen Defrete einen unaushaltsam schnellen Verlauf. Der Adel ist verarmt, große Strecken Landes, die Jahrhunderte lang bebaut gewesen, sind in Wüstenei zurückgesunken. Ein besitzender Bauernstand existirt nur auf dem Papier und in der Phantasie von der offiziellen Phrase kommandirter, oder getäuschter Zeitungsschreiber. Gewaltthätigkeit und Verbrechen stehen im Innern des Reiches einer grauenhaften Beamtenkorruption gegenüber. Hie und da ein Auflodern von Kommunismus und Jacquerie Mißvergnügen, Elend, Brutalität allenthalben. ,, Alle die gepriesenen ,, Reformen" sind Mondschein. Wenn seit dem Tode Nikolaus' irgend etwas reformirt worden, so ist es zum Schlechten gewesen. Nikolaus hielt Ordnung im Innern und zwar mit schwerer mitleidsloser Hand; aber er machte doch nicht den wahnsinnigen Versuch, die polnische Nation geradezu auszurotten und ihr Erbe an russische Soldaten und Tschinownits zu verschenken, er achtete die deutsche Cultur und ihre vertragsmäßigen Rechte in den baltischen Provinzen under hielt den Panslavismus mit starker eiserner Faust nieder. ,, Das ist anders geworden. Sein Nachfolger hat die Banjlaven nöthig, um auswärtige Diversionen gegen seine in452 neren Verlegenheiten zu machen und den barbarischen Erobe rungstrieb an die Stelle des Verlangens nach freiheitlichen Reformen zu setzen. Wie das geschieht wissen wir alle. Wenn Rußland mehr Macht befäße als es glücklicherweise besitzt, so würde der Panflavismus eine sehr ernsthafte Gefahr für die Civilisation Europa's sein." Aus Meerane wird uns mitgetheilt, der dortige Stadt rath habe an alle Schutzverwandte die Aufforderung ergehen lassen, binnen vierzehn Tagen das Bürgerrecht zu erlangen, der Briefschreiber fragt, ob der Stadtrath dazu ein Recht habe. Wir antworten: Nein! und fordern hiermit die Bethei ligten auf, gegen diese Maßregel des Stadtraths Recurs zu ergreifen bei der höheren Behörde. Nach sächsischem Geset muß derjenige Bürger werden, welcher ein Gewerbe auf eigne Rechnung mit Gehülfen betreibt. Als selbstständige Gewerbetreibende werden aber Weber, die für Fabrikanten, also für Lohn arbeiten, nicht angesehen, es sei denn, daß sie Gehülfen beschäftigen. Wir wollen hierbei darauf aufmerksam machen, daß die mit dem 1. Oktober ins Leben tretende Norddeutsche Gewerbeordnung den Zwang zum Bürgerwerden für die ersten drei Jahre des selbstständigen Gewerbebetriebs wenigstens aufgehoben hat, es scheint uns darnach, daß der Stadtrath von Meerane diese Bestimmung fürchtend, noch vor dem 1. Oktober sein Heu d. h. das Bürgergeld von möglichst vielen Schutzverwandten herein haben möchte, weil er es nach dem 1. Oktober nicht mehr verlangen fann. Der§ 13 der Norddeutschen Gewerbeordnung lautet: Von dem Besitz des Bürgerrechts soll die Zulassung zum Ge werbebetriebe in feiner Gemeinde und bei keinem Gewerbe abhängig sein. Nach dem begonnenen Gewerbebetriebe ist, soweit dies in der bestehenden Gemeindeverfassung begründet ist, der Gewerbetreibende auf Verlangen der Gemeindebehörde nach Ablauf von drei Jahren verpflichtet, das Bürgerrecht zu erwerben. Es darf jedoch in diesem Falle von ihm das sonst vorgeschriebene oder übliche Bürgerrechtsgelo nicht gefordert und ebenso nicht verlangt werden, daß er sein anderweit erworbenes Bürgerrecht aufgebe." So die Norddeutsche Gewerbeordnung. Die Mitglieder des Stadtraths zu.Meerane gehören unseres Wissens sammt und sonders zu den National- Liberalen, sie haben sich wenigstens in diesem Sinne und der Bürgermeister voran, bei den Reichstagswahlen agitatorisch betheiligt; sie haben als solche die ,, Segnungen" des Nordbundes nicht genug den Arbeitern preisen können. Hier, wo es sich gegenüber den vielen Nachtheilen, die uns der Nordbund gebracht, um einen fleinen Fortschritt, mit den National- Liberalen zu reden ,, Segnung", handelt, bietet der national- liberale Meeraner Stadtrath Alles aus, diese ,, Seg nung" möglichst zu schmälern. Reden ist schön, aber auch darnach handeln ja Bauer, das ist was anderes. Berliner Briefe. II. Berlin, den 14. Septbr. ah. Die Säfularfeier des Geburtstages Alexanders v. Humboldt am 14. September beschäftigt augenblicklich Alles, was noch einen idealen Funken in sich hat. Gern nehmen Alle Theil an der Feier zu Ehren dieses internationalen Geistes- Heroen, dessen Ruf jetzt die ganze Welt erfüllt; doch die Meisten beschleicht in diesem Augenblicke ein unheimliches Gefühl, wenn sie, im Festzuge marschirend, sich selbst das Geständniß ablegen müssen, daß sie nicht einmal wissen, wer Humboldt war. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn ich behaupte, daß die Festzügler zur Humboldtfeier ebensowenig wissen, wor um es sich handelt, wie die Soldaten, die 1864 und 66 in's Feuer aingen. Das ist der Fluch b 199 b " Te te f b Id d 91 1 n te T a to 11 11 11 ie 岸 5 12 11 را beeinflußten Schulen, daß am hundertjährigen Geburtstage Humboldt's nur ein verschwindend kleiner Bruchtheil der Bevölkerung so viel naturwissenschaftliche Vorbildung hat, um den Kosmos" zu verstehen. Möge die Humboldtfeier wenigstens in ihren Theilnehmern diese Erkenntniß befestigen und sie zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Bildung im Volte anregen. Popularisirt und verbreitet Humboldt's Schriften, gründet Schulen, in denen auch die Armen des Volkes jenes ,, lautere Got teswort" hören können, das ist die schönste Humboldtfeier. Ein Mann wie Humboldt, der in der Wissenschaft so hoch stand, in dessen Glanz aller Fürstenschmuck erbleicht, braucht nicht durch ein Standbild von Erz gefeiert zu werden; er hat sich sein Denkmal in seinen Schriften selbst errichtet. Er, der anspruchslose Volksmann verzichtete schon bei Lebzeiten auf den eitlen Glanz, darum ist auch eine Feier, die Unsummen für unproduktive Zwecke verschlingt, eines so großen Mannes unwürdig. Mögen die heutigen Gelehrten, die an den Thüren der Majestäten um Titel und Orden betteln, die Professoren der Universitäten und Akademien, die in ihren Festgelegenheitsreden in so efelhaft widriger Form die Regenten als ,, Beschützer der Wissenschaft" preisen, mögen sie sich an Humboldt ein Beispiel nehmen, wie eben der wahre Gelehrte frei sein muß, wenn nicht die Wissenschaft entweiht werden soll. Oder ist es etwa feine Entweihung der Wissenschaft, wenn die Regenten, welche das Pfaffenthum und den Obsturantismus schüßen die Freidenker dagegen in's Elend verjagen, als Protektoren und Mäcene der freien" Wissenschaft gelobhudelt werden? Es ist mehr als eine Parodie auf die Wissenschaft, wenn die ,, obersten Kriegsherrn" t alle Jahre ein Mal,-nämlich wenn das Wetter für Militatrparaden zu schlecht ist- die Sitzungen der ,, Akademieen für Wissenschaften" besuchen und einem Vortrag über die neueſten metereologischen Forschungen beizuwohnen allergnädigst geruhen. Was versteht der Bauer von Gurkensalat?" fönnte man in Bezug darauf mit Recht sagen, und doch geriren sich I diese Leute, als ob sie wirklich in gelehrten Dingen etwas mitsprechen können. Es existirt in Breußen ein Drden pour le mérite, dessen Juhaber stets die 12 verdienstvollsten Gelehr ten und Künstler der Welt sein sollen. Ich frage: Kann ein Gelehrter und Künstler, der zu den 12 verdienstvollsten Männern der Welt gehören soll, nicht auf eine Auszeichnung verzichten, de ren Werth vollständig auf Null sinkt, wenn man auf ihren Ursprung zurückgeht? Ich möchte es fast eine Blasphemie nennen, daß ein Ministerium Mühler darüber bestimmen soll, wem unter den Männern der Wissenschaft und Kunst die Palme gebühre. Und doch drängen so viele Koryphäen des Geistes sich an die Fürstenhöfe und machen sich eines Vergehens schuldig, das man nicht anders benennen kann, als Prostitution. Die Wissenschaft und ihre Lehre soll frei fein, frei von allen Einflüssen, die, wie die Macht der Gewalthaber, die Wahrheiten der geschichtlichen Forschungen trüben. П e f t Humboldt lebte auch an Fürstenhöfen, aber er fühlte sich nicht etwa durch den Titel eines Kammerherrn geadelt, wie die heutigen Professoren durch den Geheimrathstitel, sondern er benutzte seine Stellung um die sogenannten„ Großen“ zu beeinflussen, um sie für die Sache des Volkes zu gewinnen. Wo irgend ein freisinniger Denker verfolgt wurde, war es Humboldt, der ihn durch seine internationalen Beziehungen in Schutz und Sicherheit zu bringen wußte, ungeachtet der Intriguen der Höflinge, die ihm darum seine letzten Jahre arg verbittert haben. Frei war sein Forschen und Denken in jeder Beziehung des Wortes, darum sei des freien Mannes von freien Männern heute gedacht!*) III. Der Voltsmanu" Friedr. Hecker veröffentlicht jetzt in der Gartenlaube ,, Erinnerungen aus seinem Leben". In Nr. 35 *) Die Biographie Humboldt's von Otto Ute sei biermit unsern Lesern empfohlen. dieses Blattes klagt er darüber, daß er nicht viel Zeit zum Schreiben habe, da eben jetzt die Zeit der Ernte sei und er auf dem Felde mitarbeiten müsse, weil die Arbeitshände rar, theuer und unverschämt sind." Beiläufig gesagt, die Gartenlaube, welcher die liberalen Philister eine so hohe, kulturgeschichtliche Bedeutung beilegen, ist es gewesen, welche noch vor der Fortschrittspartei den Personenkultus im deutschen Volke einheimisch gemacht hat. Vor dem Tribunale der Gartenlaube giebt es nur große Männer," lauter Volksbeglücker, die sich unsterblich gemacht haben. Wie demoralisirend die unausstehlichen Lobhudeleien dieses Blattes auf die geschilderten Persönlichkeiten selbst wirken können und wie corumpirend sie bereits auf das Urtheil des Volkes ge= wirkt haben, das ist leider, soviel ich weiß, von der Presse noch nie berücksichtigt worden. 11 Aus Arbeiterkreisen ist von einem Strike der Musiker und Pfefferküchler, wie von der Bildung eines Arbeiterinnen= vereins zu melden. Ueber letteren nächstens Genaueres. Der Wiesbadener Standal hat hier, wie überall, bei den Bourgeois böses Blut gemacht. Zur Aufklärung der Sache ist nun nöthig festzustellen, ob jene Einladung nur an die Fortschrittspartei gerichtet war, oder ob es eine allgemeine Volksversamm= lung sein sollte. Im ersteren Falle konnte man den Fortschrittlern ihren Aerger darüber nicht gar zu sehr verdenken. Der Verein ,, Schwielige Bruderfaust" hatte auf den 10. d. M. eine Festlichkeit angesagt zu Ehren seines nun wieder freigelassenen Präsidenten. freigelassenen Präsidenten. Darüber bemerkte Jemand spöttisch: ,, Vor acht Tagen Lassalle's Todtenfeier und heute Schweigers Auferstehung." W13 werden die Matter in Minnheim sich wieder ängstigen! Der Congreß der englischen Gewerkvereine. ( Schluß.) Die nächste Frage, welche zur Verhandlung kam, betraf die Länge der Arbeitsstunden und Mr. Swaine( Manchester) der sich hierüber vernehmen ließ, war der Ansicht, daß eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit nothwendig sei. Er entwickelte, daß ein Biertel der jährlichen Todesfälle von Ursachen herrühre, welche man verhindern könne, und äußerte die Ueberzeugung, daß vorzeitige Erschöpfung in Folge allzu anstrengender oder geradezu schädlicher Arbeiten hierbei stark ins Gewicht falle. Bart, Bäder und sonstige öffentliche Erholungsorte könn= ten dem Arbeiter, der erst nach 5 oder 6 Uhr Abends schließe, nichts fruchten. Die geistigen Anforderungen an den Arbeiter seien bedeutend gestiegen, aber unter dem unheilvollen Drucke der Conkurrenz werde er jetzt in allen Zweigen der Industrie überarbeitet, und eine Verkürzung der Arbeitszeit werde am Ende für alle Klassen ihre vortheilhafte Wirkung äußern. Redner befürwortete am Ende einen Centralausschuß um im ganzen Lande in dieser Richtung zu wirken. Mr. Raine knüpfte an diesen Vortrag eine Resolution des Juhaltes ,,, es sei die feste Ueberzeugung sowie die Pflicht der auf dem Congreß vertrete= tenen Vereine, jede billige und ehrenwerthe Bewegung, welche Kürzung der Arbeitsstunden zum Zwecke habe, zu unterstützen, da sie von dem Glauben beseelt seien, daß auf diese Weise die Moralität gefördert, die physische und geistige Kraft der Arbeitslosen erleichtert werde." Dazu beantragt später Mr. Cremer( London) den Zusatz ,,, und der Congreß ist geneigt, achtstündige Arbeit als ein Tagewerk in allen Gewerken zu empfehlen". Beide Anträge wurden genehmigt. Bei Erörterung der Frage, ob es empfehlenswerth sei, die Zahl der Lehrlinge zu beschränken, war unter den Theilnehmern ziemliche Einstimmigkeit zu bemerken, wenigstens ließ sich nur eine einzige Stimme, Mr. Bailley( Preston) vernehmen, um dieselbe mit Rein" zu beantworten, während eine Reihe Redner der Maßregel kräftig das Wort redeten. Mr. Odgers der mehrgenannte Arbeiter, welcher als Parlamentscandidat er= folglos candidirte, wollte die Frage vor ein Schiedsgericht verwiesen haben. Die erste Resolution in dieser Angelegenheit 44 wurde von Mr. Wood( Manchester) beantragt und stellte den Grundsatz auf, daß an Orten, wo das Angebot an Arbeit größer als die Nachfrage sei, die Zahl der Lehrlinge beschränkt werden müßte. Dazu wurde von Mr. Burton als Amendement vorgeschlagen, die Bestimmung über die Zahl der Lehrlinge in den einzelnen Fällen den betreffenden Gewerken anheimzustellen, da hierin das einzige Mittel liege, die Interessen der betreffenden Gewerke zu wahren. In einem weiteren Amendement verkörperte Mr. Odgers seine Ansicht, daß es wünschenswerth sei, durch schiedsrichterlichen Spruch die Zahl der Lehrlinge festzustellen. Als der Congreß schließlich über die ursprüngliche Resolution abstimmte, wurde diese genehmigt und von den Amendements das erstere zurückgezogen und das letztere verworfen. Der nächste Berathungsgegenstand war die Baumwollzufuhr und der indische Tarif. M. Bailley, Delegirter der Gewerke von Preston verlas eine Arbeit über dieses Thema, in welcher die Wichtigkeit dieser Angelegenheit hervorgehoben und namentlich ausgeführt wurde, daß seit Abschaffung der Sklaverei die amerikanische Baumwollzufuhr bedeutend nachgeLassen habe und überhaupt nur aus Indien die Besserung der Verhältnisse kommen könne. Wenn übrigens Indien die Lücke stopfen solle, müsse man vor Allem daran denken, den indischen Tarif aufzuheben. Im Einklage mit diesen Argumenten bean= tragte darauf Mr. Lansen( Preston): der Congreß möge erklä= ren, daß er der Ansicht sei, der Baumwollnoth könne nur durch Beförderung der Baumwollkultur in Indien abgeholfen werden, und es sei Sache der indischen Regierung durch den Bau von Kanälen und Bahnen dieses Ziel möglichst zu fördern. Auch sei es für das englische Geschäft nöthig, die Eingangszölle für britische Produkte in Indien und den sonstigen Kolonien herab zusetzen oder abzuschaffen, und sell von dieser Resolution abschriftlich dem Minister für Indien Mittheilung gemacht werden. Dieser Vorschlag gelangte ohne Erörterung zur einstim= migen Annahme. Arbeitseinstellungen und Arbeitssperren wurden sodann von Mr. Wood zur Sprache gebracht und von ihren Ursachen ausgehend in ihrer Entwicklung behandelt. Der Redner drang darauf, man dürfe zu diesen Mitteln nur im äußer ſten Falle, wenn alle gütlichen Auswege gescheitert seien, seine Zuflucht nehmen. In der Regel gehe man seitens der Gewerkvereine nicht zur Arbeitseinstellung über, ohne vorher zeitige Anzeige gemacht zu haben. Bei einer Parallele zwischen Arbeitseinstellung seitens der Arbeiter und Schließung der Werkstätten oder Arbeitssperre durch die Arbeitgeber verurtheilte der Redner die letztere als eine gar nicht zu rechtfertigende Maßregel. Das Heilmittel gegen beide Uebelstände erblickte Mr. Wood in der Betheiligung der Arbeiter an dem Unternehmen, dem sie ihre Kraft und Geschicklichkeit leihen( Indu= striel Partnership). Mr. George Austin( Sheffield) verlas einen Vortrag über den gleichen Gegenstand. Nach seiner Ansicht würde das Verhältniß zwischen Kapital und Arbeit sich bessern, wenn die Arbeitgeber mehr in persönlichen Verkehr mit den Arbeitern treten wollten. Im Weiteren redete dieser Sprecher von der Habgier mancher Fabrikanten und hoffte am Schlusse mit der besseren Schulbildung und durch Einführung von Schiedsgerichten, wohlverstanden unter der Annahme, daß die unbeschränkte Vereinigung den Arbeitern gestattet sei, daß auch den Arbeits- Einstellungen vorzubeugen sei. Mr. Austin sprach alsdann von einer großen Centralorganis..tion, die man bilden müsse, um die Arbeiter zu schützen. Einen Theil des von beiden Rednern betretenen Gebietes behandelte auch Mr. Walton( Preston) in einer Arbeit über Produktionsgenossenschaften und Industriel Partnerships und Mr. Hulyoake( London) betrachtete die letzteren als Mittel zur Erreichung der von den Gewerkvereinen angestrebten Ziele. Mr. Walton hoffte von der Industriel Partnership das Ende aller Arbeitseinstellungen, und meinte im Uebrigen, die Regierung, welche stets bereit sei Summen Geldes in Kriegen zu verwenden, möge es sich nicht darauf ankommen lassen, ein paar lumpige Millionen an gemeinnüßige, rentable Arbeiten zu wender, um die beschäftigungslosen Arbeiter zu retten. Mr. Holyoake erklärte sich überzeugt, daß viele Arbeitgeber geneigt jeien, es mit den Industriel Partnerships zu versuchen, und em pfahl die Bereitwilligkeit der Arbeiter in einer Resolution zu bekunden. National- liberale ,, Gespenster". " Wir haben in der vorigen Nummer in Folge des Schrei bens unserer Stockacher Freunde versprochen, aus dem Ge nossenschafter", Organ des Gewerkvereins der Goldarbeiter, einige Stellen eines Artikels abzudrucken, in dem ein Herr Alb. Wittum, Vorsitzender jenes Vereins, unter dem Titel ,, Unsere Aufgabe" seine beglückenden Theorien entwickelt und in höchst confufer Weise gegen die social- demokratischen Bestrebungen wüthet. Herr Wittum giebt in dem Artikel zunächst seine Ansicht der Entwickelung der Arbeiterzustände zum Besten und ver langt ,,, daß das Streben und Ringen der Arbeiter nach Zu friedenstellung von Seiten der Gesellschaft überaus nothwendig sei",( worin das Ringen und Streben und die Zufriedenstellung besteht, vergißt Herr Wittum anzugeben. Anm. d. Red.), ,, wenu nicht das im Hintergrunde lauernde Gespenst der socialen Revolution, auf deren Ausbruch verschiedene Arbeiter führer mit eiserner Consequenz und schrecklicher Energie hinar beiten, hervorbrechen, das Oberste zu unterst und das Unterste zu oberst umkehren und den Staat in seinen Grundfesten er schüttern soll." Hu, mag den armen Goldarbeitern der Schreck in die Glieder gefahren sein, als sie diese ungeheuerliche Schil derung der Socialdemokraten gelesen haben. Die sociale Revolution ein ,, Gespenst" und dieses ,, Gespenst" soll das ,, Oberste zu unterst, das Unterste zu oberst kehren", wir hätten nie geglaubt, daß ,, Gespenster" so viel Unheil anrichten könnten. ( Das größte wohl im Kopf des Herrn Wittum. Anmerk. des Setzers.) Es kommt noch schöner. Herr Wittum sagt: ,, Welchen Leuten ist ein Theil der deutschen Arbeiter an heimgefallen? Welcher Abgrund von Verdorbenheit, Schwindel, Bestechung, Verschwendung ersparter Groschen der Arbeiter, Phraseologie, Herrschsucht unter dem Deckmantel demokratischer Grundsätze, hat sich dieser Tage, gelegentlich des Eisenacher Congresses, blosgelegt. Da wird der ganzen Gesellschaft, der ganzen Welt, den thatsächlich vorhandenen staatlichen Zustän den der Krieg bis aufs Messer erklärt. Was werden die Con sequenzen dieses Beginnens sein? Anarchie, gänzliches Darniederliegen von Handel und Wandel, Verlust der feitherigen, mit den größten Mühen erzielten Errungenschaften der Arbeiter, größere Unterdrückung derselben. Darum werden sich schließlich doch die Arbeiter zweimal besinnen, ehe sie den Stimmen von Versuchern Gehör geben, die sich selbst unter einander zerfleischen, die Ehre abschneiden, und statt den Arbeitern den Frieden zu bringen, ihnen vergiftete Waffen in die Hände geben und den Krieg unter sich selbst predigen. Jene Führer, die den Arbeitern eine Weltrepublik vorgaukeln und die darauf vertrösten, daß in dieser Republik alle socialen Schäden geheilt und erst in dieser der volle Ertrag ihrer Arbeit ihnen zu Theil werde, haben sie jene ächten republikanischen Tugenden: unver dorbenen sittlichen Geist, Einfachheit und Mäßigkeit, Reinheit und Einst des Familienlebens, Achtung vor der Sitte und dem Gesetz, die allein eine Republik zu schaffen und zu erhalten vermögen? Ein Blick in ihre Blätter lehrt uns, daß sie von diesen Tugenden keinen Funken besigen. Ihr Wesen und Treiben, ihre wechselseitigen Befehdungen kann den Arbeitern ein deutlicher Fingerzeig sein, was sie von diesen Helden zu erwarten haben, wenn sie so thöricht sind, sich von ihnen mißbrauchen zu lassen. Mit internationalen, weltrepublikanischen Phrafen wollen sie die Arbeiter von ihrem eigentlichen Ziele, der Verbesserung ihrer Lage ablenken und ihren Parteizwecken dienstbar machen, die da sind: Umsturz der bestehenden Staats en S T. に T el 11 e ordnungen und ihre daraus hervorgehende Diktatur, damit sie schwelgen könnten im Genusse einer Macht, die im geordneten Staate für sie eine faure Traube ist. Nicht eine einzige Thatsache haben sie bis heute aufzuzeichnen, mit der sie beweisen fönnten, daß sie mit all ihren Lamentationen, mit ihrer Negation( Verneinung) der bestehenden Verhältnisse, mit ihrem Jagen nach unerreichbaren Zielen, mit all ihren von den Arbeitern gesammelten Groschen oder von gewissen Fonds empfangenen Thalern, auch nur einem einzigen Arbeiter seine materielle Lage verbessert hätten. Darum, weg mit allen ,, politischen Hanswurstereien", weg mit dem Gaukelspiel der Vertröftung auf die kommende Weltrepublik und gerade aus gesteuert auf das Ziel: Emanzipation der arbeitenden Klassen, ihre vollständige Gleichberechtigung mit allen andern Ständen, ihre gesicherte Existenz und genügendes Auskommen schon in der Gegenwart. Um dieses Ziel zu erreichen auf realem Boden, auf versöhnlichem Wege, haben wir Gewerkvereine_ge= gründet und soll auch der Gewerkverein der deutschen Goldarbeiter seine ganze Thätigkeit aufbieten." Herrn Wittum wären wir zu Dank verpflichtet, wenn er sich genauer ausgesprochen hätte über die Personen, über die er seine schmeichelhaften Prädikate in so reichlichem Maße ausschüttet; aus dem Kraut- und Rübengericht, das er seinen Goldarbeitern vorsetzt, kann man das nicht recht erkennen. Wenn er von Schwindel, Bestechung, Verschwendung er= sparter Groschen der Arbeiter, Herrschsucht, Diktatur u. dergl. spricht, dann nehmen wir an, daß er jene Sekte meint, die auch wir zuletzt in Eisenach bekämpft, und dann sind wir darin mit ihm einverstanden. Merkwürdig nur, daß alle jene ehrenrührigen Prädikate Herr Wittum Denen beilegen muß, die er sonst als halbe Freunde betrachtet, weil er poli= tisch mit diesen auf gleichem, d. h. auf national- liberalem Standpunkt steht und gleich Herrn v. Schweitzer und seinem Anhang die Lösung der socialen Frage von Bismarcks Gnaden erwartet. Was dann Herr Wittum über unseren prinzipiellen Standpunkt sagt, als: ,, wir erklärten der bestehenden Gesellschaft den Krieg", wollten die ,, sociale Republik", erstrebten in dieser den ,, vollen Ertrag der Arbeit", so sind das Dinge, mit denen wir uns schon einverstanden erklären können. Wenn er aber sagt, daß die Bestrebungen der socialdemokratischen Partei bis jetzt den Arbeitern noch keinen direkten Nutzen gebracht, so ist das eine alberne Behauptung. Mehr als alle Phrasen der Schulzeaner und der Bourgeoisparteien hat die energische Agitation der Social- Demokratie dazu beigetragen, daß so manche kleine Conzession in der Gesetzgebung des Nordbundes, wie der andern Staaten durchgejetzt wurde. Die ,, Liberalen" schreien, daß sie das ,, erreicht". Ja wohl! aber erst durch die weiter gehenden Forderungen der Social- Demokratie gedrängt, hat man sich entschlossen Conzeffionen zu machen. Wenn heute die sociale Frage in den Reichs- und Landtagen, in Versammlungen, Vereinen und der Bresse unausgesetzt diskutirt wird, wem verdankt man das? Der Social- Demokratie. Und die Social- Demokratie wird nicht ruhen und rasten, bis sie ihr Programm ganz erfüllt, d. h. bis sie, die jetzt ,, Unterste zu oberst" kommt, um mit Herrn Wittum zu reden. Wie denkt denn Herr Wittum die sociale Frage zu lösen, sein Blatt enthält darüber nichts als Phrasen. Die Ver= söhnung" zwischen Kapitalisten und Arbeitern, von der er schwätzt, wird eintreten, wenn Feuer und Wasser sich mit einan= der vertragen, d. h. nie. Herr Wittum hofft, daß seine Goldarbeiter den ,, phantastischen Bestrebungen" der Social- Demokratie nie anhängen werden; wir werden gelegentlich den Versuch machen, zu sehen wie weit sich das bewahrheitet. Wir hoffen in nicht all zu ferner Zeit in Pforzheim ,, einzufallen", habe dann Hr. Wittum die Güte und wiederlege uns. 455 Das Proletariat. Borgetragen bei der Todtenfeier Laffalle's in Braunschweig. Hohläugig, gramdurchfurcht die Wangen, Die Blöße kaum noch halb verhüllt, Kommt schleichend es daher gegangen, Und wer es sieht, deß Herz erfüllt Ein furchtbar namenloses Bangen. Wer, grausiges Phantom, bist du? Dein Odem schnürt die Brust mir zu. Steh' Rede! was ist dein Verlangen? Da hält es ein auf seinem Pfad: ,, Ich bin das Proletariat." So dumpf und hohl mit leisem Stöhnen Aechzt es als Antwort; doch es schwillt Allmächtig, wie des Denners Dröhnen, Der Ruf des gräßlichen Gebild. Mit Millionen Stimmen tönen Die Worte, daß das Herz erbebt, Und heult: Von meinen eignen Söhnen Ward ich verrathen früh und spat: Ich bin das Proletariat." Mich hat der Ueberfluß geboren, Ich bin das Stieffind der Natur, Nichts auf der Welt hab' ich verloren, Treu blieb das Elend meiner Spur. Als Wiegenlied tönt' meinen Ohren Der Armuth bitt'rer Schmerzenslaut, Die bleiche Noth war meine Braut, Es hat sich gegen mich verschworen Macht und Gewalt in Volk und Staat: ,, Ich bin das Proletariat." Ich duldete, ich war gebrochen, Zerschlagen war mein ganzes Sein. Du sollst, hat da ein Mann gesprochen, Der Fels der Zukunftskirche sein. Da bebt das Mark mir in den Knochen, Ich raff' die letzten Kräfte auf, Beginne langsam meinen Lauf, An jedem Hause anzupochen: Wacht auf, ihr Schläfer! auf zur That! Ich bin das Proletariat." An die Paläste, an die Hütten Klopf' mahnend überall ich an. Vorbei ist Jammern, Fleh'n und Bitten, Vorüber ist der falsche Wahn. Als sei die Noth, die ich gelitten, Bestimmung,-die Gott auferlegt, Damit Barmherzigkeit man pflegt. D'rum zum Verzweiflungskampf geschritten! Sieg oder Tod! das ist mein Rath: ,, Ich bin das Proletariat." Und weiter zieht's. Jm Weiterschreiten, Wie ein vom Sturm gepeitschter Strom, Dehnt es sich aus nach allen Seiten, Es überragt den höchsten Dom, Besiegt mit Macht die ehr'nen Zeiten Der Sklaverei, der Arbeit Noth, Und in der Freiheit Morgenroth Erglänzt in Flammenschrift: Das Leiden Des Volk's, ward nach Laffalle's Rath Besiegt vom Proletariat. F. W. Frizsche. Der internationale Arbeiter- Congreß. Basel, 8. Septbr. 456 Gestern hatte ich keine Zeit, von dem herzlichen und schönen Empfang zu reden, der den Delegirten der Internationalen Arbeiterassociation Seitens der hiesigen Arbeiter zu Theil geworden ist. Dieselben haben feine Vorbereitung versäumt und bieten Alles auf, um den Abgesandten den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen. Es ist für alle Bedürfnisse in passender Weise gesorgt. Aus den Fenstern des Café National unmittelbar an der Rheinbrücke wo der Congreß seine Sitzungen abhält, hängen die französischen, belgischen, italienischen, deutschen, schweizer u. a. Fahnen heraus; das Sitzungslokal selbst - ein schöner etwa 500 Menschen fassender Saal ist mit Flaggen, Blumen und Laubguirlanden geschmückt, und auf beiden Seiten der Tribüne haben die Baseler Arbeiter Embleme aufgestellt, welche die ge= sammte Baseler Industrie repräsentiren. Nachgetragen sei noch, daß in der gestrigen Situng Begrüßungstelegramme aus Barcelona und Leipzig verlesen wurden. Eröffnung der heutigen Vormittagssigung Morgens 9 Uhr. Der Vorsitzende Jung läßt zunächst die Liste der Delegirten verlesen. Es fehlen nur 7 Mitglieder, davon zwei( Oberwinder und Murat) durch Unwohlsein entschuldigt. Hierauf folgt Verlesung des Protokolls der gestrigen Sitzungen in den drei Sprachen. Der Umstand, daß im französischen Protocoll die Discussion über die Frage, ob die directe Gesetzgebung auf die Tagesordnung zu setzen oder aus Rücksichten der ,, convenance" wegzulassen sei? gibt zu einer Debatte Anlaß, au der sich Robert, Bakunin, Liebknecht, Eccarius u. A. betheiligen. Es wird beschlossen: 1) daß die drei Protocolle nicht gleichlautend zu sein brauchen, und 2) daß die Debatte über die Frage der direkten Gesetzgebung im französischen Protocoll zu wähnen sei. er= Die Protocolle werden genehmigt, vorbehaltlich der nöthigen Completirung des französischen. Die gestern angeregte Frage der Veröffentlichung stenographischer Protocolle kommt jetzt zur Verhandlung. Es wird zunächst beschlossen, die Stenographen nicht zu den Morgenfißungen zuzulassen, und folgender Antrag von Schwitzguibel, Robin und Robert angenommen: ,, Um für die Zukunft beträchtlichen Zeitverlust bei Eröffnung eines jeden Congresses zu vermeiden, wird eine Commission gewählt, die eine practische Anleitung für die Organisation und Abbaltung der künftigen Congresse auszuarbeiten hat." In die Commission werden gewählt: Robin, Schwitzguibel, Robert, Applegarth, Liebknecht. Tollain befürwortet nun das Anerbieten des Wochenblatts: ,, La Democratie", das sich bereit erklärt, einen stenopraphischen Bericht der Congreßverhandlungen, der vorher von dem Congreß zu revidiren ist, veröffentlichen zu wollen. Der Bericht würde höchstens in 2 Nummern gebracht werden und 25 resp. 50 Cent.( Preis der betr. Nummer oder Nummern) kosten. Liebknecht und Hins sprechen dafür. Leßner macht darauf aufmerksam, daß bereits ein Congreßbeschluß existirt, der die Veröffentlichung des offiziellen Protocolls dem Generalrath überträgt. Liebknecht ist für Aufrechterhaltung dieses Beschlusses, aber auch für Annahme des Vorschlags der„ Demokratie", der mit jenem Beschluß keineswegs in Widerspruch stehe. Das Anerbieten wird einstimmig angenommen und die französischen Sekretärs mit Durchsicht des Berichts betraut. Eccarius beantragt, daß alle Actenstücke des Congresses dem zu erwählenden neuen Generalrath eingehändigt werden. Einstimmig angenommen. Eccarius theilt mit, daß der Generalrath die monarchischen Aemter des Präsidenten und Vicepräsidenten abgeschafft hat, und beantragt, diese Aemter innerhalb der ganzen Association abzuschaffen. Der Antrag wird in folgender, von Hinz vorgeschlagenen Fassung angenommen: In Erwägung, daß es einer Arbeiterassociation nicht würdig ist, in ihrer Mitte ein monarchisches und autoritäres Princip aufrecht zu erhalten, indem sie das Präsidentenamt zuläßt, selbst wenn dieses Amt mit keiner Macht ausgestattet ist, da sogar bloße Ehrenämter eine Verletzung des demokratischen Prinzips in sich schließen, empfiehlt der Congreß allen Sectionen und affiliirten Arbeitergesellschaften der Internationalen Arbeiterassociation das Präsidentenamt in ihrer Mitte abzuschaffen. Ein Amendement, welches das Wort würdig" als„, verletzend" durch logisch" ersetzen wollte, wurde mit großer Mehrheit verworfen. Nach Festsetzung der Zeit, wo die verschiedenen Commissionen zusammentreten sollten und nach Verlesung der Namensliste schlöß der Vorsitzende Jung die Morgensitzung um 12 Uhr 10 Minuten. Die Nachmittagfißung wird um 2½ Uhr eröffnet. Nach Berlesung der Namenliste 6 sind abwesend, davon 1 unwohl( Oberwinder nicht ernstlich) wird der Jahresbericht des Generalraths in französischer und deutscher Sprache verlesen. Er wird mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Zwei Ungenauigkeiten werden rectificirt: 1) Das 4. französische Linienregiment, dessen Capitain Gausseraud das Feuer auf die Arbeiter von St. Etienne geben ließ, ist nicht abberufen worden. 2) Die Zahl der auf dem Eisenacher Congreß vertretenen Arbeiter betrug 150,000, nicht 100,000. Dieser Bericht wird den democratischen Blättern zugesandt werden. Ich gebe also kein Resumé. Hierauf erfolgt die Verlesung des belgischen Generalrathberichts, der vor allem die Behauptung feindlicher Blätter, die Internationale habe das Blutvergießen von Seraing hervorgerufen, in ihr Nichts auflöst, und das schmachvolle Justizverfahren characterisirte, welches jene Metzelei krönte. Richard( Lyon) erstattet Bericht über die Arbeiterbewegung in Frankreich. Liebknecht berichtete mündlich über die sociale Bewegung in Deutschland. Er wies nach, daß das Lassalle'sche Programm von Anfang an zu eng gefaßt war und zu schlimmen Mißverständnissen Anlaß geben konnte; daß der Lassalle'sche Arbeiterverein eine Organisation hatte, die jede Reform von Innen heraus unmöglich machte. Die Bewegung mußte auf den breiteren Boden der Internationalen Arbeiterassociation gespielt werden, was denn auch nach den bekannten längeren Kämpfen mit Hen. v. Schweitzer geschehen ist. Redner erzählte diese Vorgänge eingehend, und wies den Vorwurf zurück, es sei, wie es in dem belgischen Organ der Internationalen heiße, zwischen ihm und Schweitzer nur ein Personenstreit gewesen. Der Kampf, den wir so eben in Deutschland durchgefochten haben, war ein Principienkampf, ein Kampf des democratischen Socialismus gegen den imperialistischen Socialismus. " 1 Schwizzguibel berichtet über die Sektion Courtelary( Schweiz). Polix berichtet über die internationale Bewegung unter den Seidenhasp'lern Lyons. Die Arbeiter haben dort mitunter 18 Stunden zu arbeiten durch den letzten Strike haben sie die Arbeitszeit auf 10 Stunden herabgesetzt. Gut berichtet über die Section der Schneider von Lausanne. Spier fügt dem Bericht Liebknecht's noch verschiedene Einzelheiten bei, welche Schweitzer's Character in das klarste Licht stellen; namentlich weist er auf die schmachvolle Verschleuderung der Vereinsgelder hin auf seinen Lurus, sein Verhältniß zu Hofstetten. Redner gibt dann ein genaues Bild der auf dem Eisenacher Congreß geschaffenen Organisation. Cohen, Correspondent der Democratie" von Paris, übersetzt die Reden Spier's und Liebknecht's in's Französische. Bast in berichtet über die Weber von Verviers. Er sagt, er könne nur einen kurzen Bericht geben, weil ihm seine Papiere an der französischen Grenze gestohlen worden seien. Goegg erstattet Bericht über die Thätigkeit der deutschen Vereine in der Schweiz und spricht dabei entschieden für das republikanische Princip. Dies wird mißverstanden und als Verherrlichung der Schweizer Zustände aufgefaßt, deren Mängel von einigen Arbeitern bloßgelegt werden. Farga von Barcelona berichtet in französischer Sprache über die Arbeiterbewegung in Spanien, die in Barcelona ihr Hauptquartier hat, aber über ganz Spanien sich ausbreite, und schon stark genug ist, int den kommenden politischen Ereignissen ein entscheidendes Wort mitzusprechen und die Errichtung der iberischen Republik zu sichern. Ec schließt mit dem Ruf: Vive la république démocratique et sociale! in dent die ganze Versammlung begeistert einstimmt. Schluß der Sitzung 6 Uhr. Celle, 7. September. Verschiedene Umstände hatten hier den definitiven Anschluß an die sozialdemokratische Arbeiterpartei verzögert; um so thatkräftiger werden wir aber jetzt, nachdem am Mittwoch, den 1. September ein, unsere Erwartungen befriedigender Anschluß stattgefunden, vorgehen. Obschon in letzterer Zeit verschiedentliche Schweitzer'sche Agitatoren uns mit ihrer Anwesenheit beehrten, um dem im Absterben begriffenen Allg. Deutschen Arbeiterverein neue Mitglieder zuzuführen, so werden sich diese wohl endlich überzeugt haben, daß ihre Bemühungen vergeblich sind. Ein Bericht im ,, Sozial- Demokrat" sucht die Stimmung einer türzlich hier stattgefundenen Volksversammlung, in der Bonhorst unter großem Beifall die Gegner widerlegte, der Schweitzer'schen Propaganda als ungemein günstig hinzustellen, wobei er natürlich gleichzeitig von schmutzigen Verdächtigungen gegen die Ehrlichen" stroßt. Der wahre Sachverhalt ist aber der, daß die Maurer und Zimmerleute mit ihrem Anhängsel in die Versammlung dirigirt waren, obgleich sich diese mit wenigen Ausnahmen noch nie um sozial- demokratische Bestrebungen gekümmert hatten. Sie waren instruirt, uns nicht auffommen zu lassen, sondern die Entwicklung unsrer Ansichten um jeden Preis zu verhindern. Der Vorsitzende Brand, durch den Glanz seines Ehrenpoftens ganz geblendet, erregte durch seine Unparteilichkeit" und Ungeschicklichkeit die Lachmuskeln Aller, die Schweizer'schen Unterthanen, Wolf und Vater aus Hamburg voran, schimpften, trampelten mit den Füßen, schrien und tobten, um unsre Redner nicht zu Worte kommen zu lassen. Diese verließen die Versammlung vor deren Schluß; sie hatten sich eben überzeugt, daß mit der rohen Gewalt nicht zu unterhandeln ist. Unsere Partei zählt schon circa 40 Mitglieder und wird sich ganz bestimmt in nächster Zeit verdoppeln, während am letzten Sonnabend eine Versammlung des Allg. D. Arbeitervereins von 7 oder 10 Personen besucht war in Anbetracht der vielen Volksversammlungen gewiß ein flägliches Resultat! Giberfeld, 8. September. Ein Hr. Klein von hier sagte in einer " 457 Versammlung der Holzarbeiter, York und Genossen wären Revolutionäre und wollten die Fürsten guillotiniren; darum seien sie Verräther(!). Es wird doch wahrscheinlich bald einen Orden absetzen für Hrn. Klein, der sich um die Fürsten so verdient macht und sie vor der Guillotine zu schützen sucht. Wilh. Klacke. Elberfeld, 10. September. Mehrfach hat der Sozial- Demokrat" die große Zahl der Mitglieder der Hand- und Fabrikarbeiter- Gewerkschaft hervorgehoben. Hr. Carl Klein hatte sogar die Frechheit, auf dem Eisenacher Kongreß ein Mandat mit über 7000 Mitgliedern vorzuzeigen. Welche Lüge das ist, tönnen wir aus der veröffentlichten Abrechnung der Hand- und Fabrik- Arbeiterschaft am Besten nachweisen. Der Rechenschaftsbericht, unterzeichnet von W. Frick jr.( Kassirer), Adolph Eickhoff, Magnus Schneider und Robert Rasch als Revisoren, enthält eine Einnahme von 323 Thlr. 17 Sgr. 8 Pf., und zwar vom 2. Dezember 1868 bis zum 15 Mai 1869. Es sind hierin begriffen die Eintrittsgelder mit 5 Sgr. pro Mitglied und 1, Sgr. wöchentlichen Beitrag für die Hauptkasse. Nach höchster Schätzung beträgt also die Zahl der Hand- und Fabrikarbeiter, die im Monat Mai unter Klein's Präsidium stand, 1000-1200. Nach der Ausgabe an die Verbandskasse des Dr. Schweitzer zu schließen, ist die Mitgliederzahl eine noch niedrigere: diese Ausgabe beträgt 160 Thlr., jedes Mitglied soll 3 Pf. pro Woche abliefern, folg= lich entspricht das nur einem Mitgliederbestande von 500-600. Doch nehmen wir die höchste Zahl 1200 als vorhanden an und nehmen wir ferner an, daß sich die Mitgliedschaft seit Mai verdoppelt hat, was aber ganz undenbar, so ist die Arbeiterschaft allerhöchstens 2400 Mitglieder start, und nicht über 7000, wie Lügen- Klein angibt. Berlin, 10. September. Am Freitag Vormittag 11 Uhr begann vor der 3. Deputation des hiesigen Stadtgerichts die mündliche Verhandlung in der Untersuchungssache gegen die Mitglieder des demokratischen Arbeitervereins Kwasniewski, 3schockwitz, Wenzel und Vogel. Die Anklage gegen die beiden ersteren lautete auf Anpreisung eines Verbrechens, gegen Herrn Wenzel auf Schmähung von Staatseinrichtungen, gegen Herrn Vogel auf Majestätsbeleidigung. Sämmtliche Vergehen sollen in der am 10. august stattgehabten Sitzung des demokratischen Arbeitervereins begangen worden sein. Als Richter fungirten die Herren Meißner, Graf Bredow und Klingner. Auf Antrag des letzteren beschloß der Gerichtshof mit Rücksicht auf die bisherige Praxis bei Verhandlungen über Majestätsbeleidigung den Ausschluß der Oeffentlichkeit trotz des Protestes der Herren Wenzel und Kwasniewski, welche bei dem Mangel jeder Konnerität ihrer Anklagen mit der des Hrn. Vogel für fich Beffentlichkeit der Verhandlung in Anspruch nahmen. Einem Gefuche auf Zulassung der Vertreter der Presse wurde nicht Folge gegeben. Sämmiliche Angeklagte erklärten sich für nichtschuldig, wenn sie auch im Wesentlichen den Wortlaut der ihnen zur Last gelegten Ausdrücke zuge= standen. Von den Belastungszeugen, dem Polizeilieutenant Schröder und dem Polizeiwachtmeister Schüter, die in der betreffenden Versammlung als überwachende Beamte fungirt hatten, war zum Termin nur der letztere erschienen, da Hr. Schröder sich inzwischen auf Reisen begeben hat. Hr. Schüter erklärte auf Befragen, daß, da bald nach Eröff= nung der Versammlung sein Vorgesetzter die Ueberwachung persönlich übernommen habe, er selbst aber nur dann den Verhandlungen Aufmerksamkeit schenke, wenn er für den zu erstattenden Bericht verantwort= lich sei, er von den gehaltenen Rede nichts mehr wisse. Der Staatsanwalt beantragte infolgedessen den Termin für die Angeklagten Knasniewski, Wenzel und Zschockwitz zu vertagen, die Verhandlungen gegen Vogel aber, dessen Aeußerungen konstatirt seien, sofort zu Ende zu führen. Der in Stellvertretung des Rechtsanwalt Holthoff als Bertheidiger des Herrn Holthoff fungirende Assessor Cohn macht auf den Widerspruch aufmerksam, in welchen sich der Staatsanwalt bezüglich der von ihm behaupteten Konnexität sämmtlicher Anklagen befinde, verlangte auch für feinen Clienten Vertagung des Termins und beantragte eventuell Aufhebung der Untersuchungshaft seines Clienten gegen Stellung einer entsprechenden Caution. Der Gerichtshof ging auf den Vertagungsantrag auch bezüglich des Hrn. Vogel ein, lehnte aber seine Entlassung aus der Haft ab. Da Hr. Lieutenant Schröder voraussichtlich von seinen Reifen in nicht zu langer Zeit zurückkehrt, so hat Hr. Vogel die Aussicht, nicht noch einmal volle 4 Wochen als Untersuchungsgefangener fitzen zu müssen. Als bemerkenswerth heben wir aus den Verhandlungen nur noch hervor, daß bei Erledigung der persönlichen Fragen der Staatsanwalt bezüglich des Angeklagten Wenzel ausdrücklich konstatiren ließ, daß derselbe als Mitarbeiter der Zukunft" Kenntniß davon habe, daß das genannte Blatt aus dem„ Revolutionsfonds" unterstützt wor= Den fei. Mainz, 8. September. Hier ist folgender Aufruf erschienen: Arbeiter aller Gewerbszweige! Wie überall, so lastet auch hier auf uns der Druck des Capitals und zwar in solch unerhörter Weise, daß es das Ehrgefühl eines jeden Menschen empöret. Hauptsächlich ist dieses der Fall in dem hiesigen Gasapparat- und Gußwerk. Wir Arbeiter, die wir unserer Pflichten der menschlichen Gesellschaft gegenüber wohl bewußt sind und dieselben gern und unverdrossen erfüllen wollen, glauben aber unsern Pflichten gemäß auch Rechte beanspruchen zu können. Es war dies aber hier nie der Fall. Eine schlechte Behandlung, Schimpsworte wie z. B. Kerle, Schlingel, miserables Chor c. 2c. stehen auf der Tagesordnung; alte greise Männer wurden mit Thränen in den Augen unter den ordinärsten Schimpfworten entlaffen. genannt werden. Wir haben alle Wege eingeschlagen zu einer friedlichen Vereinbarung, aber es ist nicht gelungen. Unter diesen Verhältnissen konnte unmöglich ein Arbeiter bestehen, weshalb mit einigen Ausnahmen alle Arbeiter die Fabrik verlassen haben. Es find an hundert Mann, welche jetzt außer Arbeit sind, und größtentheils Familienväter. Wir treten daher jetzt an alle Arbeiter heran im festen Vertrauen auf ihre Hülfe, mit dem Mahnrus: Soll die Solidarität eine wahrhafte sein, und unsere Organisation maßgebend, so müssen wir diesen Fall als eine Ehrenschuld aller, wozu ein jeder seinen Theil beizutragen hat, anerkennen Mit dem Bewußtsein, daß ein Jeder seine Schuldigkeit thun wird, sehen wir der Zukunft froh entgegen. Alle Gelder sende man an Karl Joseph Hoffmann, Kapuzinergasse Nr. 26 neu. Vor Zuzug wird gewarnt. Das Comité. Frankfurt a. M., 6. Sept.( Noch einmal Wiesbaden.) So eben von Wiesbaden zurückgekehrt, kommt mir eine Beilage der ,, MittelRheinischen Zeitung" zur Hand, die Sie wohl auch mittlerweile erhalten haben werden; die ganze Zeitung enthält einen stenographischen Bericht, der trotz Stenographie bedeutend gefärbt ist; ebenso bringt in der heutigen Nummer das Frankfurter Journal" fast dasselbe. Damit aber die Parteigenossen darüber klar werden, daß sich die Sache ganz anders verhält, als die feilen volksverdummenden Bourgeoisblätter schreiben, so diene Ihnen folgende Berichtigung zur Aufklärung: 1) Vor allen Dingen haben die Wiesbadener Parteimitglieder ihre Schuldigkeit gethan, wenn sie in Masse auf dem parlamentarischen Kampfplatze erschienen waren; 2) hatten sie vollständig Recht, wenn sie energisch die Anerkennung des Vorsitzenden Hrn. Ackermanns forderten, denn er war mit großer Majorität von der Versammlung gewählt.- Die Fortschrittler wiesen aber diese vermeintliche Anmaßung" unserer Partei mit der größten Brutalität und unter den beleidigendsten Schimpfworten zurück. Bartlose Buben," Lumpengesindel,"" sozial- demokratische Bande". Das sind wahrlich keine versöhnlichen Titel, die sie uns beizulegen sich erfrechten, und die da gewiß Veranlassung hätten geben können, daß die Arbeiter sich in gerechter Entrüstung zu ungesetzlichen Thätlichkeiten hinreißen ließen. Die Arbeiter Wiesbadens werden die Beschimpfungen der„, Volksfreunde" nicht vergessen, die Zeit des Heimzahlens wird kommen. Wollen die Fortschrittler Versammlungen halten und Beschlüsse fassen, dann mögen sie dies immerhin thun, wir werden die unverbesserlichen Schwätzer gewiß in diesem harmlosen Vergnügen niemals stören, aber in Volksversammlungen sollen sie ihr Heil nicht mehr versuchen, die Zeiten der hohlen Phrasen sind vorbei, die Arbeiter erscheinen, wenn das Volk zu öffentlichen Versammlungen berufen wird, mit auf der Tribüne. Mir thut es leid genug, daß es in der Versammlung nicht zur Debatte tam, die Niederlage der bankerotten Partei wäre um so sicherer gewesen. Ich hatte die Absicht, unsere Partei aufzufordern, auf den Vorsitz des Herrn Ackermann zu verzichten, damit die Versammlung ihren richtigen Lauf nehmen möge, aber durch die Brutalität des Staatsanwalts Schenck wurde ich verhindert, diesen Antrag durchzusetzen, trotzdem ich mich zur Geschäftsordnung zum Wort gemeldet hatte und schon auf der Tribüne stand. Ich bitte Sie, dieses zur Steuer der Wahrheit in unserem Parteiorgan zu veröffentlichen. Widerspreche wer kann! Parteigenossen, Ihr seht, was wir von der Bourgeoispartei zu erwarten haben, also verlaßt Euch auf Eure eigne Kraft! W. Welcker. Dessau, 12. September. Am 6. ds. Mts. hielt ich in Güsten eine Arbeiter Versammlung ab, und sind dort 30 Arbeiter der Partei beigetreten; dieselben haben auch einen sozial- demokratischen ArbeiterVerein gegründet. In der Staßfurter Versammlung am 4. ds. Mts. ging es sehr scharf her. Die dortigen Maurer sind durch die alles Maaß übersteigenden Lügen und Verdächtigungen, welche der ,, Sozial- Demokrat" über mich verbreitet, im höchsten Grade aufgehetzt, und machten dieselben mit noch mehreren anderen Arbeitern, nachdem Bremer unter dauerndem Lärm gesprochen, die Versammlung unmöglich. Daß durch dieses Benehmen für unfre Gegner nichts gewonnen wird, geht daraus hervor, daß in Staßfurt ein sozial- demokratischer Arbeiterverein ins Leben getreten und tüchtiges Wachsthum verspricht, da der denkende Theil der dortigen Arbeiter für uns ist und alles Mögliche zu thun versprochen hat. Ueberhaupt nutzen uns die Lügen der Schweitzerlinge mehr, als die beste Agitation. Sie ſiegen und siegen und werden dabei von jedem vernünftigen Arbeiter gemieden. Also: nur zu gesiegt und gelogen, Ihr Schweitzerlinge! Desto rascher geht's mit Euch zu Ende. Mit Gruß H. Bolling. Geyer, 7. Sept. Am Sonnabend vor acht Tagen war ich in Buchholz und verabredeten wir, daß ich Sonnabend in einer Posamentirversammlung sprechen sollte. Eine Nachricht ging mir weiter nicht zu und so machte ich mich auf den Weg; als ich die Hälfte des Weges zu= rückgelegt hatte, kam die Nachricht, daß ich heute noch nicht kommen sollte. Die Unzuverlässigkeit dieser Leute ist groß. Doch werde ich weiter wirken, damit dort wenigstens eine Voltsversammlung zu Stande fommt. Jch ging num selbigen Abend noch mit Post nach Nieder- Zwönitz, wo ich einen Vortrag über Sozialismus, direkte Gesetzgebung durch das Bolf und indirekte Steuern hielt, welcher sehr beifällig aufgenommen C 458 Am Sonntag war auf meine Veranlassung von einigen Freunden in Hormersdorf eine Arbeiterversammlung daselbst einberufen und Schletter aus Thahlheim eingeladen. Die Versammlung war nicht stark besucht, denn in Hormersdorf war es soviel wie nicht bekannt; so waren ohnge= fähr 50 Mann aus Thalheim, circa 20 aus Niederzwönitz und einige Hormersdorfer da. Ich sprach zuvor mit Schletter und erklärte derselbe: er sei deßhalb erschienen, um eine Einigung zu ermöglichen! worauf ich meinerseits dasselbe erklärte. Die Versammlung wurde eröffnet, Eger aus Thalheim zum Vorsitzenden ernannt und Schletter ergriff das Wort. Er sprach über die Lassalle'schen Prinzipien und sprach den Wunsch ans, seine Nachredner möchten fortfahren, in der Entwicklung der Prinzipien. Ich kam nun zum Wort und wollte den Zweck der Versammlung schneller erreichen, indem ich zur Einigteitsfrage überging, hob den Vortheil der= selben hervor, beleuchtete den Unterschied der Organisationen und schloß mit der Aufforderung an Alle, die Einigkeit zu befördern. Darauf allgemeiner Beifall. Da kam ein gewisser Schnips( ein reisender Agent für Schweitzer und Bismard), welcher das Wort ergriff und in einer langen Rede über Prinzipien sprach, als hätte er Küh- und Schuljungen vor sich; wären nicht so viel Curiositäten in feinen Ansichten über Liebknecht und Bebel einerseits und Bismarck und die preußische Regierung andrerseits gewesen, es wäre zum sterben langweilig gewefen. Als ich wieder zum Worte fam, mußte ich auf einige grobe Widersprüche und falsch angegebene Thatsachen eingehen und dadurch entfernten wir uns immer mehr vom Zweck der Versammlung; als ich dann über den Congreß und die Mandatprüfung sprach, machte man Lärm, worauf ich sofort erklärte, daß ich mich nicht mehr betheilige und verließ mit meinen Freunden den Saal. Schnips erklärte unter Anderm, daß der König von Preußen und Bismarck deshalb das allgemeine Wahlrecht ertheilt hätten, damit sich das Volk seine Rechte dadurch erobern könnte. Privatim hatte er zu einem Hormersdorfer Parteigenossen gesagt: Bismarck sei der größte Sozialdemokrat!! Die Versammlung ist kurz nach unserm Fortgehen geschlossen worden. Bon da ging ich noch nach Ehrenfriedersdorf, wo ich aber wegen zu schwachen Besuchs feinen Vortrag halten konnte, es war nämlich selbigen Tag Ganturnfest in der Nähe. C. Demmler. Zwidan, 3. Sept. Am vorigen Sonnabend Abend fand eine Besprechung der hier in Arbeit stehenden Tischlergehülfen statt behufs Gründung einer Gewerksgenossenschaft für Holzarbeiter. Herr Dotzauer eröffnete die Versammlung und sprach seine Befriedigung darüber ans, daß es endlich einmal gelungen sei, die Tischler in ansehnlicher Anzahl vertreten zu sehen. Herr Ebert berichtete hierauf über die Entwicklung der Arbeiterpartei, der Arbeiterbewegung und Gewerksgenossenschaften; er hob namentlich die indirekten Steuern hervor, welche doch meist von dem Arbeiter bezahlt und zumeist für die stehenden Heere verwendet würden, gewiß nicht für die Freiheit und das Wohl des Volkes. Der Sprecher kam sodann auf die Gewerksgenossenschaften und auf die internationale Arbeiterassoziation. Darüber entspann sich eine lebhafte Debatte. Herr Ebert führte an, wie die ersten Gewerkschaften in Berlin ge= gründet worden seien, zu welchem Zweck, und wie man darauf bedacht sei, dieselben vielleicht später einmal zu Gunsten der preußischen Politik zu gebrauchen man habe jedoch scharfe Augen, und müsse die Gewerkschaften auf internationalem Wege zu gründen suchen, oder man verlege den Sitz der Gewerkschaften von Berlin nach anderen Orten. So z. B. sei die Gewerkschaft der Holzarbeiter aus dem Schweitzer'schen Verbande schon ausgetreten, um eine größere Masse herbeizuziehen; sie zähle jetzt schon 3000 Mitglieder und es ständen bedeutende Anschlüsse bevor, nament lich in Desterreich und der Schweiz. Der Referent las das Statut vor und erläuterte verschiedene Paragraphen; ebenso auch ein Krankenunterstützungsstatut( Krankenunterstützungsbund), welches ganz trefflich ausgearbeitet ist. Herr Dotzauer sprach sodann eingehend über die Wanderunterstützung, welche im Statut vorgesehen ist. Herr Löhnert forderte die Anwesenden auf sich der Genossenschaft anzuschließen, es sei für jeden Arbeiter von großem Nutzen. Er sei 20 Jahre in der Fremde gewesen und jetzt erst finde er das, was er lange gewollt. Es müsse schnell gehandelt werden. Man kam alsdann überein, ein provisorisches Komité aus den verschiedenen Werkstätten und Fabriken zu wählen, welches die Statuten berathen und dann eine allgemeine Holzarbeiterversammlung anberaumen soll. In das Komité wurden folgende Herren gewählt: Löhnert, Fickenwirth, Seydel, Neubert, Oswald, Schettler, Schmidt, Degenkolbe, Löß, Deubner und Reißmann. Indem es im Interesse jedes Arbeiters liegt, sich diesen Gewerksgenossenschaften anzuschließen, so mögen alle Holzarbeiter es sich angelegen sein lassen, bei der nächsten stattfindenden Holzarbeiter- Versammlung ohne Ausnahme zu erscheinen. Crimmitschau, 11. Sept. Zum Theil bezugnehmend auf unsere Mittheilung vom 31. Aug.( in Nr. 37 ds. Bl.) hat heute in Nr. 109 des ,, Crimmitschauer Anzeigers", der Vorstand des Bürgervereins folgende Bekanntmachung und Berichtigung" erlaffen, welche zur Kennt nißnahme für denjenigen Theil unserer hiesigen Parteigenossen, welche den Anzeiger nicht lesen, hier wörtlich folgen mag: Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Braustr. 11) Bekanntmachung und Berichtigung. Da sich hier in letzter Zeit ein Bürgerverein gegründet hat, welcher zwar noch der Genehmigung des geehrten Stadtraths( welche aber außer Zweifel steht) entgegensteht, so ladet der Verein alle Bürger Crimmit schau's zum Beitritt ein. Der Verein hat sich zur Aufgabe gestellt, Uebelstände zu beseitigen; Verbesserungen anzustreben u. dergl. Politische Tendenzen sind ausge schlossen. Wenn im Demokratischen Wochenblatt" Jemand den Verein, als zu der Partei des genannten Blattes gehörig dargestellt hat, so ist dies falsch. Vom Bürgerverein rührt jener Aufsatz nicht her. Der Vorstand." Zur beruhigenden Genugthuung dieses Vorstandes bestätigen wir gern, daß jener Aufsatz"( im„ Demokratischen Wochenblatt") ,,, vom Bürgervereine" nicht herrührt, zu seiner Auftlärung möge er aber beachten, daß es in dem betreffenden Artikel ausdrücklich heißt:„ Zur speziellen Behandlung von Gemeindeangelegenheiten hat sich hier ein sogenannter Bürgerverein gegründet u. s. w." Daß damit dem Verein ,, politische Tendenzen" untergeschoben, derselbe als zu der Partei des ,, Demokratischen Wochenblattes" gehörig, dargestellt sein soll, ist uns unverständ lich, und wenn von der nächsten Stadtverordnetenwahl verlautet, daß sie Gelegenheit zum Handeln gebe, so ist damit so wenig eine politische Tendenz angezeigt, als mit der Schlußbemerkung eine Annexion des neuen Vereins auf unsre Seite beabsichtigt sein kann. Der neue Verein steht aber auf unsrer Seite, sofern er nach der Erklärung seines Vorstandes ,, Uebelstände beseitigen, Verbesserungen anstreben", kurz gesagt, den Erwartungen entsprechen will, die unleugbar seine demokratischen Mitglieder in ihn setzen. Und wenn auch nicht der Vorstand, so werden sich doch die Letzteren darüber klar sein, daß die Vorlagen in Gemeindeangelegenheiten nur im rein demokratischen Geiste zur Zufriedenheit aller Mitglieder erledigt werden müssen. Mag es auch den Vorstand des neuen Bürgervereins wenig er bauen, hören zu müssen, daß der Verein da, wo er gegen llebelſtände und für Verbesserungen arbeitet, fich in Opposition und also, wenn er Besseres und nicht geradezu noch Schlimmeres will, als schon besteht, auf der Seite( aber noch lange nicht inmitten) der Sozialdemokratie und ihrer Bestrebungen befindet, die dahin gerichtet sind, das unbeschränkte Selbstbestimmungsrecht der Völker auf allen Gebieten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens( also auch des Gemeindelebens) wahr zu machen, wie es schon seit Jahren auf ihrem Programm steht, so können doch wohl ächte Demokraten in keiner anderen Absicht beigetreten sein, als ihre Grundsätze in Gemeindeangelegenheiten zu vertreten und hat also Bürgerverein verwahrt, geradezu in der Zurückweisung der demoder Vorstand, der sich so ausdrücklich gegen politische Tendenzen im kratischen Prinzipien unfrer Partei seinen eigenen Parteistandpunkt im Bürgerverein hervorgekehrt. Warum find nur Bürger zum Beitritt in den Verein aufgefordert, während auch Schutzverwandte laut Statut eintreten fönnen? " Wir wollen nicht weiter folgern, aber nach dem eigenthümlichen Verfahren des Vorstandes erklären wir, daß dessen erstes Vorgehen keineswegs beweist, daß der Bürgerverein wirklich einen neutralen Boden zur gemeinschaftlichen Erstrebung allseitig anerkannter Bedürfnisse in unserem Gemeindeleben bieten will. Es ist gut, daß man uns gleich von vorn herein zeigt, was es gilt. Wir werden so lange zum Besten des neuen Vereins und seiner Aufgabe unverdrossen beitragen, als wir es mit unseren Grundsätzen vereinbarlich finden. Zur Veröffentlichung zwingt uns jener öffentliche Angriff auf unsere Partei, der wir unter allen Umständen zugehören. Mehrere Mitglieder des Bürgervereins. Herr Dr. Mar Hirsch beabsichtigt in den nächsten Tagen nach Gera und Thüringen zur Agitation zu kommen. Wir fordern die Parteigenossen aus, von dem Eintreffen des Dr. Mar Hirsch an den ein zelnen Orten Bebel sofort zu unterrichten, sei es brieflich oder telegraphisch. Briefkasten. A.-B.-B. Burgstädt: 3 Thlr. Beitrag erhalten.- Heinr Schubert: 1 Papiergulden erhalten; 8% Sgr. gut. Eine Reihe von Berichten haben wegen Mangel an Raum für nächste Nummer zurückgestellt werden müssen. Todesanzeige. Unseren Genossen F. A. Wilhelm, G. Pötzsch und Erler ist am 6. ds. Mts. F. Moritz Thielo( Strumpfwirker) von hier im Tode gefolgt und wie seine Vorleute, war auch er ein redlich und und treu strebender, hartgeprüfter Mann. Als alter 48er blieb er mit all' den Seinigen feſt und raftlos im Kampf für unsre Sache. Ehre darum seinem Andenken, Ruhe ihm! Crimmitschau, den 8. September 1869. Die Grimmitschauer Sozialdemokraten. Leipzig. Druck und Verlag: F. Thiele. Expedition: Petersstraße 18.