Demokratisches Wochenblatt. No. 41. Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Leipzig, den 18. September. 1869. Das Blatt erscheint Mittwochs und Sonnabends. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Bostanstalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 12 Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Üniversitätsstraße, und die Erpedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Vom 1. Oktober an erscheint das ,, Demokratische Wochenblatt" unter dem Namen: Der Volksstaat, Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei, und sind alle Bestellungen auf der Post unter diesem neuen Namen aufzugeben. Das Blatt erscheint wie bisher wöchentlich zwei Mal( Mittwoch und Sonnabend) und kostet in allen deutschen Staaten mit Ausnahme Preußens 12 Sgr., in Preußen mit Zuschlag der Stempelsteuer 15 Sgr. pro Quartal. Kreuzbandsendungen des Blattes kosten innerhalb des deutsch- österreichischen Postvereins 20 Sgr., für die Schweiz 1 Thlr., für England, Frankreich, Belgien, Holland und Amerika 1 Thlr. 7% Sgr. pro Quartal, und ist der Betrag im Boraus zu bezahlen. Alle Geldsendungen für das Blatt sind an A. Bebel, Leipzig, zu richten. Be Inhalt: Politische Uebersicht. An die Parteigenossen. richt des Generalraths der Internationalen Arbeiterassoziation an den 4. allgemeinen Arbeiter- Kongreß in Basel. Aus Amerifa. Aus England. Erklärung. Der internationale Arbeiter- Kongreß.- Gewertsgenossenschaftliches. Braunschweig, Reichenberg, Mühlheim, Crimmitzschau, Chemnitz, Leipzig. Briefkasten. Anzeigen. Beilage. Politische Uebersicht. Vielleicht das interessanteste Moment auf dem Internationalen Arbeiterkongreß war die Haltung der Französischen Delegirten, welche Gesellschaften und Körperschaften mit zusammen mindestens 200,000 Mitgliedern vertraten, darunter die Blüthe der Pariser Arbeiter. Nachdem der blauweißrothe Cäsarismus des Bonaparte( dem der schwarzweiße des Bismarck auch dies nachäfft) 19 Jahre lang allen Einfluß, den ihm der unbeschränkte Besitz der Staatsmacht gewährt, dazu verwendet hatte, den Arbeitern begreiflich zu machen, daß die politischen und die sozialen Fragen hübsch von einander getrennt werden müßten, daß die politischen Fragen vergleichungsweise unwichtig seien, und daß die Staatsform mit der Lösung der sozialen Frage absolut nichts zu schaffen habe, nach der 19jährigen Herrschaft eines solchen Systems hätte man erwarten dürfen, die Französischen Delegirten wür= den sich auf sozialem Gebiet in den überschwänglichsten Forderungen ergehen, auf politischem Gebiet dagegen eine gewisse Gleichgültigkeit an den Tag legen. Gerade das Umgekehrte war der Fall. In allen Französischen Delegirten ohne Ausnahme lebte die Erinnerung, daß die Revolution von 1848 an dem Mißtrauen des Kleinbürgerthums und vor Allem der Bauern gegen die städtischen Arbeiter gescheitert ist. In allen Französischen Delegirten ohne Ausnahme lebte die Ueberzeugung, daß dieses Mißtrauen, welches die Regierung geflissentlich zu nähren sucht, um jeden Preis ausgerottet, und besonders den Bauern, auf die es in erster Linie ankommt, flar gemacht werden muß, wie ihr Interesse mit dem der Arbeiter Hand in Hand geht. Unter den Französischen Delegirten war keiner, der an den Fortbestand des Kaiserreichs Hoffnungen geknüpft, war keiner, der nicht begriffen hätte, daß die Lösung der sozialen Frage nur im freien Staat erfolgen kann, und daß der Cäsarismus gestürzt werden muß, um der sozialen Be wegung den nöthigen Spielraum zu verschaffen. Der nächste internationale Arbeiterkongreß wird in Paris tagen, in der Hauptstadt des republikanischen Frankreich. Das Kaiser= reich ist im Sterben: die Französischen Arbeiter wer= den ihre Pflicht thun. Auf Wiedersehen in Paris."*) Am Sonntag hat man den kranken Bonaparte in einer verschlossenen Kutsche spazieren geführt, um dem Volk zu zeigen, daß er noch nicht todt sei. Es erinnert dies an jenen ſpanischen Monarchen, der, schon in den letzten Zügen, geschminkt auf den Thron gesetzt ward, um den ,, Unterthanen" seine Krankheit zu verbergen. Inzwischen wird die Thron- Kandidatur des rothen Prinzen" offen in der offiziösen Pariser Presse diskutirt. Daß der schwächliche Sohn der frommen Eugenie keine Aussichten hat, gestehen selbst die Bonapartisten ein. Der Cäsarismus jenseits des Rheins hat seine Rolle ausgespielt, und der Cäsarismus diesseits des Rheins?-Bismarck ist krank, trotz alledem und alledem, und die Bismärckerei mit ihm. Doch die Deutschen sind keine Franzosen. Zum Glück sind die Geschicke beider Völker so innig mit einander verflochten, daß der Cäsarismus, nachdem er dort gefallen ist, hier nicht mehr erhalten werden kann. Der König von Preußen reist herum und läßt seine uniformirten und nicht uniformirten Unterthanen die Revue passiren. Am Montag in Königsberg. Bei dieser Gelegenheit tamen 30 bis 40 Zuschauer, die sich im Loyalitätsfieber auf eine gebrechliche Brücke gedrängt hatten, elendiglich ums Leben. Sie haben das Vergnügen, einen Fürst von Gottes Gnaden in natura zu betrachten, sehr theuer bezahlen müssen. Anfangs Oktober tritt der preußische Landtag zusam= men. Vermittelst geschickter Zahlengruppirung ist es gelungen, das Defizit von 10 Millionen auf 4-5 Millionen Thaler *) Mit diesen Worten trennte sich der Kongreß. it! herabzumindern". Zur Deckung desselben sollen nach offiziösen Mittheilungen die direkten Steuern um 25 Procent erhöht werden. Außerdem ist auch von Ersparniffen die Rede, die je doch nicht das Militärbudget, welches ein Noli me tangere*) bleibt, treffen sollen, sondern die Ausgaben für andere, nach der Meinung unsoldatisch denkender Menschen nützliche Zwecke, z. B. Schulen, Straßen u. s. w. Durch unseren Londoner Correspondenten haben unsere Leser von dem ebenso kolossalen, als skandalösen Bankerott der englischen Lebensversicherungs- Gesellschaft ,, Albert" erfahren. Diese Gesellschaft hatte auch in Deutschland Agenturen, und zwar ein Centralbureau in Berlin, das von einem Hrn. Lewine im Geist der Gesellschaft geleitet wurde. Schwindler giebt es überall. Aber die betreffenden Schwindeleien in Berlin werden zur Wichtigkeit eines politischen Ereignisses erhoben durch den Umstand, daß die Herren Wagener( föniglich preußischer Hof= fozialist) und Stieber( föniglich preußischer Staatsretter) mit diesem Lewine in eine Verbindung gebracht werden, welche ge= nannte Ehrenmänner auf die Anklagebant bringen muß, so gewiß-es Richter in Berlin giebt. In Berlin, in der Hauptstadt des Intelligenzstaates", mitten im Hort des Protestantismus", hat sich vor einigen Tagen das Curiosum zugetragen, daß eine große Volksversammlung, die gegen die Klöster berufen worden war, ein Mitglied des katholisch- ultramontanen Gesellenvereins zum Präsidenten wählte, und unzweifelhaft Beschlüsse zu Gunsten der Klöster und des neuesten Conzils gefaßt hätte, wenn es den Veranstaltern nicht gelungen wäre, durch einen kleinen Staatsstreich die Versammlung aufzulösen, ehe der Spaß sich voll endet hatte. Und die Moral der Geschichte"! Sind die Berliner nun für die Klöster, wie die Pfaffenblätter schlußfolgern? Oder haben sie sich blamirt, wie gesinnungstüchtige Liberale, ja Demokraten entrüftet meinen? Keins von beiden. Die Berliner Arbeiter haben keine Luft, sich für religiöse Fragen zu ereifern, weil sie vernünftig genug sind einzusehen, daß das protestantische und katholische Pfaffenthum, welches jetzt in Preußen so schamlos gepflegt wird, nur ein Symptom, nicht die Urfache der herrschenden Mißregierung ist, und sich erfolgreich nicht anders beseitigen läßt, als durch Beseitigung dieser Regierung. Wir danken den Berliner Arbeitern. Ueber die österreichische Arbeiterbewegung und deren Stellung zur hoffähig gewordenen Bourgeoisie schreibt der Geneneralrath der internationalen Arbeiterassoziation in seinem Jahresbericht, dessen Abdruck wir heute beginnen: ,, Die Arbeiter Oesterreichs, besonders Wiens, nehmen bereits den Vordergrund ein, obgleich sie erst nach den Ereignissen von 1866 in die Bewegung eintraten. Sie sammelten sich sofort unter der Fahne des Sozialismus, unter der Internationalen, in welche sie massenhaft durch ihre Delegirten auf dem neulichen Eisenacher Congreß eintraten. Wenn irgendwo, hat die liberale Mittelflaffe in Desterreich ihre selbstfüchtigen Instinkte, ihre geistige Inferiorität und ihren kleinlichen Groll gegen die Arbeiterklasse zur Schau gestellt. Ihr Miniſterium, welches das Reich zerrissen und bedroht sieht durch den Racen und Nationalitätenkampf, verfolgt die Arbeiter, welche allein die Verbrüderung aller Racen und Nationalitäten proflamiren. Die Mittelklasse selbst, welche ihre neue Stellung nicht ihrem eigenen Heroismus, sondern ausschließlich den Unglücksfällen der östereichischen Armee verdankt, welche kaum im Stande ist, wie sie selbst weiß, ihre neuen Errungenschaften wider die Angriffe der Dynastie, der Aristokraten und des Clerus zu vertheidigen, diese Mittelklasse vergeudet nichts destoweniger ihre Kräfte in dem elenden Versuch, die Arbeiter auszuschließen vom Rechte der Coalition, der öffentlichen Meetings und der Presse." Nach Telegrammen aus Spanien sollte vor acht Tagen in Madrid ein republikanischer Aufstandsversuch gemacht *) Du darfst mich nicht anrühren!( Lateinisch). 460 werden und an der Festigkeit des fortschrittlichen Bürgermeisters Rivero( ter auch manchmal als gemäßigter Republikaner" bezeichnet wird) gescheitert sein. Die Madrider Blätter, welche seitdem eingetroffen sind, lassen aber den angeblichen Aufstandsversuch zu einem unbedeutenden Krawall zusammenschrumpfen und lösen den ,, Heldenmuth" des fortschrittlichen Bürgermeisters in blauen Dunst auf. Die Regierung hat den Beschluß gefaßt, die gefangenen Carlisten zu begnadigen. Es sei ferne von uns dies Verfahren zu tadeln- die Carlisten haben so wenig Anhang, daß der Staat ihnen gegenüber nicht im Stand der Nothwehr ist, wie es 1793 die Französische Republik gegen die adlichen Verschwörer war, und 1867 Mexico gegen Marimilian von Habsburg milian von Habsburg allein es waren offenbar nicht Rücksichten der Menschlichkeit, welche die Spanische Regierung hier geleitet haben, sondern der Wunsch, sich die Carlisten freundlich zu stimmen. General Serrano weiß sehr gut, daß es nur Eine Partei gibt, die er zu fürchten hat, die Republi kaner, und daß er früher oder später mit ihnen zu kämpfen haben wird. Er will sich Bundesgenossen sichern voila tout!( Das ist Alles!) Mittlerweile organisiren sich die Spanischen Arbeiter. Der Verband der sozialdemokratischen Arbeitervereine zählt bereits über 100 Vereine, die das ganze Land wie ein Netz bedecken, und deren Mittelpunkt das heroifche Barcelona ist, wo auch das Parteiorgan: Federacion"( Der Bund) erscheint. Bund) erscheint. Das Jtalienische Ministerium hat trotz des kunstreich beschränkten Wahlrechts nicht den Muth, Neuwahlen vornehmen zu lassen, und will sein Heil noch einmal mit der alten Kammer versuchen. Da sich ihm die Majorität in der letzten Session so feindlich gezeigt hat, daß es nicht mit ihr auskommen konnte, so muß es Hoffnung haben, diese Majorität während der parlamentarischen Zwangsferien zu sprengen. Durch welches Mittel aber? Nun, die jüngsten Standalprocesse geben die Antwort. Sie haben den Beweis geliefert, daß die Bestechung von oben her systematisch betriebent wird, und vielleicht finden sich ein paar Dußend Abgeordnete, die für die Lockungen der Ehrenstellen und des Goldes nicht unempfänglich find. Barlamentarismus und Corruption sind Zwillingsgeschwister. Es ist mehrfach gegen uns der Wunsch ausgesprochen worden, für jede Gewerkschaft eine besondere Rubrik im Blatt. einzuführen, unter welcher die betreffenden Gewerkschafts- Angelegenheiten mitgetheilt werden sollen. Wir werden dieſem Wunsche fünftig nachkommen, bitten aber, die Berichte möglichst furz zu halten und nur das Wichtigste zu melden. Es ist uns gelungen, einen in Paris lebenden, seit mehr als 20 Jahren mit der Geschichte der Sozialdemokratie verwachsenen Parteigenossen für unser Blatt zu gewinnen, und Frankreich bringen. werden wir von nächster Zeit regelmäßige Berichte aus Unsere Berichte aus den Vereinigten Staaten werden mit heutiger Nummer wieder aufgenommen. Das Ausbleiben der Wiener Briefe erklärt sich aus der Erkrankung unseres Correspondenten. Herr Ernst Klüglich in Geyer hat sich dem Gericht als Verfasser des dem Gey'rer Bürgermeister anstößigen Artifels in Nr. 29 des Demokratischen Wochenblatts" genannt, und wird den Beweis der Wahrheit antreten. 11 An die Parteigenossen! Ueber die seit der Bekanntmachung vom 10. August bei unferer Kaffe eingegangenen Beträge( genauen Aufschluß über Einnahmen und Ausgaben werden die vierteljährlich zu druckenden Kaffenberichte geben) machen wir hiermit Folgendes bekannt: An freiwilligen Beiträgen famen aus Ronsdorf 2 Thlr., Erbach 3 Thlr., Düsseldorf 1 Thlr., Bielefeld 5 Thlr., Leipzig 461 5 Thlr., Nürnberg 1 Thlr., Wolfenbüttel 2 Thlr., Braunschweig 7 Thlr. 16 Sgr. 11 Pf., Zwickau 3 Thlr., Heide in Holstein 1 Thlr., Berlin 27 Thlr. 6 Sgr. 6 Pf., Wieda i/ H. 1 Thlr., Dresden 2 Thlr., Kirchberg 1 Thlr. 10 Sgr., Barmen 2 Thlr., Magdeburg 1 Thlr. 15 Sgr., Frankfurt a/ M. 3 Thlr., Lüneburg 1 Thlr., Hannover 2 Thlr., Freiburg i/ B. 1 Thlr. 21 Sgr., Wien 6 Thlr., Wiener Neustadt 4 Thlr., Wiesbaden 3 Thlr., Cöln a Rh. 2 Thlr., Stuttgart 1 Thlr., Gotha 1 Thlr. 11 Sgr., Mainz 1 Thlr. 13 Sgr., Zürich 266 Thlr. 20 Sgr., zusammen 358 Thlr. 23 Sgr. 5 Pf. Von sehr vielen auf dem Eisenacher Congreß vertreten gewesenen Orten sind leider noch keine freiwilligen Beiträge gekommen. Monatliche Beiträge sind eingegangen durch die Beitrag sammler in Braunschweig für August, Wolfenbüttel für August, Berlin für August und abschläglich September, Barmen für August und abschläglich September, Saalfeld für August und September und Nürnberg für August und September. An einer Reihe von Orten ist die Ausbreitung der Partei erst gegen Ende August und an einer noch größeren Anzahl erst im September geschehen. Die Beitragsammler dieser Orte wollen daher die im August noch eingegangenen Beiträge zu Anfang des kommenden Monats mit einsenden, was von uns gutgeheißen ist. Bis dahin muß aber Alles in Ordnung sein und hoffen wir, daß die Parteigenossen und die Kassenbeamten ihre volle Pflicht thun! Wir wissen, aller Anfang ist schwer und können mit Befriedigung auf die bisherige Entwickelung der Partei zurückblicken, aber noch bleibt vieles zu thun. Darum rührt Euch, Parteigenossen, damit bald alle auf dem Eisenacher Congreß vertreten gewesenen Arbeiter in die Partei auch formell eingetreten sind und ihre Pflichten gegen dieselbe erfüllen. Und selbst auch, wenn wir das erreicht, dürfen wir uns nicht daran genügen lassen, denn unser Weg ist ein weiter; bis wir einst am Ziele sein werden, bedarf es eines rastlosen kräftigen Zuschreitens, zumal uns mächtige, seit lange wohl organisirte Gegner gegenüber stehen. Darum macht zunächst und vor allen Dingen allenthalben die Arbeiter mit dem Eisenacher Programm, unsern Grundsätzen bekannt! Diese Pflicht ruht vor allem auf den Congreßdelegirten, dann aber auf jedem Parteimitglied. Wenn Ihr die Zustimmung dazu erlangt habt, dann setzt ihnen unsere Organisation auseinander, die kräftig und einheitlich ist, aber jede Herrschaft Einzelner unmöglich macht, die Bewegung auf die Schultern aller Parteigenossen basirend! For= dert dann die Arbeiter auf, beizutreten und damit den Bruderbund aller sozialistischen Arbeiter zu verstärken, indem Ihr ihnen auseinandersetzt, daß nur die zusammengefaßten Kräfte des leidenden Volkes diesem Erlösung zu bringen vermögen, daß jeder Einzelne nur dann erst wahrhaft für die als gerecht und heilig erkannten Grundsätze eintritt, wenn er sich einfügt als Glied an die Kette, welche das Proletariat gemeinsam umschlingt. Facht in ihnen Allen an die Begeisterung, welche allein ein so großes weltgeschichtliches Werk die Herstellung des sozialdemokratischen Volksstaates, die Befreiung der Arbeiterklasse von jedem Druck zu vollenden vermag! Wendet Euch an die fleinen Handwerksmeister, an die Proletarier der geistigen Arbeit, an Eure Brüder auf dem Lande! Rührt Euch, arbeitet, wirkt, agitirt! So viel wir können, werden wir Euch dabei helfend und fördernd zur Seite stehen. Hätten wir nicht die allernoth= wendigsten, bedeutendsten Ausgaben für die Einrichtung der Partei und tausend Anderes, oder wäre die Ausbreitung der Partei noch schneller vor sich gegangen und ständen uns demgemäß schon heute bedeutendere Geldimittel zu Gebote, so sollte eine andauernde großartige Agitation für unsere hehre Sache ganz Deutſchland, Desterreich und die Schweiz durchziehen. So müssen wir uns auch hierin mit dem Erreichbaren begnügen; aber, soweit es Dauf unsern Züricher Freundenunsere Geldmittel gestatten, wird die Agitation beginnen; klein fangen wir an, hoffen wir, daß bald sich daraus eine große mächtige Agitation entwickle! Eine kräftige Stüße bei der Agitation ist das Programm der Partei, welches wir zu diesem Zwecke gern gratis versenden, sodann das stenographische Protokoll und endlich das Blatt. Die Benutzung dieser Hülfsmittel wird Euch schnell weiter bringen. Auch denkt an die sozialistischen Schriften; denkt an die Schriften Lassalle's, die schon manch Einen entflammten zu der raftlosen, mühevollen, opfererheischenden Arbeit an der Ausbreitung der sozialdemokratischen Jdee! ,, Es ziemen Ihnen nicht mehr die Lasten der Unterdrückten, noch die müßigen Zerstreuungen der Gedankenlosen, noch selbst der harmlose Leichtsinn der Unbedeutenden. Sie sind der Fels, auf welchen die Kirche der Gegenwart gebaut werden soll! Der hohe ſittliche Ernst dieses Gedankens ist es, der sich mit einer verzehrenden Ausschließlichkeit Ihres Geistes be= mächtigen, Ihr Gemüth erfüllen und Ihr gesammtes Leben als ein seiner würdiges, ihm angemessenes und immer auf ihn bezogenes gestalten muß. Der sittliche Ernst dieses Gedankens ist es, der, ohne Sie je zu verlassen, vor Ihrem Innern stehen muß, in Ihrem Atelier während der Arbeit, in Ihren Muße= stunden, Ihren Spaziergängen, Ihren Zusammenfünften; und selbst, wenn Sie sich auf Ihr hartes Lager zur Ruhe strecken, ist es dieser Gedanke, welcher Ihre Seele erfüllen und beschäftigen muß, bis sie in die Arme des Traumgottes hinübergleitet. Je ausschließender Sie sich vertiefen in den sittlichen Ernst dieses Gedankens, je ungetheilter Sie sich der Gluth desselben hingeben, um so mehr werden Sie wiederum dessen seien Sie sicher die Zeit beschleunigen, innerhalb welcher unsere gegenwärtige Geschichtsperiode sich zu vollziehen hat, um so schneller werden Sie die Erfüllung dieser Aufgabe herbeiführen." Die sozialdemokratischen Schriften sind sämmtlich zu beziehen durch C. E. Seifert, Leipzig, Windmühlenstraße 23; die Schriften Lassalle's am billigsten durch Aug. Geib, Hamburg, Rödingsmarkt 12. Wohlan denn, thun wir Alle unsere Pflicht! Braunschweig- Wolfenbüttel, 14. Sept. 1869. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Ausschuß. Bericht des Generalraths der Internatio= nalen Arbeiter- Assoziation an den 4. allge= meinen Arbeiter- Kongreß in Basel. Die Delegirten der verschiedenen Sektionen werden Euch ausführliche Berichte abstatten über den Fortschritt unserer Association in ihren resp. Ländern. Der Bericht Eures Generalrathes bezieht sich hauptsächlich auf die Guerillagefechte zwischen Kapital und Arbeit, wir meinen die Strikes, welche im vergan= genen Jahre den Kontinent von Europa beunruhigt haben und von denen man behauptet, sie seien weder aus dem Elend des Arbeiters entsprungen, noch aus dem Despotismus des Kapitalisten, sondern aus den geheimen Intriguen unserer Association. Noch vor Einige Wochen nach Abhaltung unseres letzten Congresses brach unter den Bandwebern und Seidenfärbern in Basel denkwürdiger Strike aus. Basel ist ein Platz, der bis auf unsere Tage viele Züge einer mittelalterlichen Stadt mit ihren Lokalen Ueberlieferungen, ihren engen Vorurtheilen, ihren börsenstolzen Patriziern und ihrem patriarchalischen Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeiter bewahrt hat. wenigen Jahren prahlte ein Basler Fabrikant gegenüber einem englischen Gesandtschafts- Secretär, daß ,, die wechselseitige Stellung von Meister und Leuten hier ungleich günstiger sei, als in England", daß in der Schweiz ein Arbeiter, der einen guten Meiſter für bessere Löhne verließe, von seinen eigenen is Mitarbeitern verachtet werden würde" und daß ,, unser Vortheil England gegenüber hauptsächlich in der langen Arbeitszeit und den mäßigen Löhnen bestehe". Man sieht, das patriarchalische OF Ja Regime in seiner durch moderne Einflüsse veränderten Gestalt tommt darauf hinaus, daß der Meister gut und sein ArbeitsLohn schlecht ist, daß der Arbeiter wie ein mittelalterlicher Vafall fühlt und wie ein moderner Lohnsclave schanzt. Diesen Batriarchalismus mag man ferner beurtheilen aus einer offiziellen schweizerischen Untersuchung über den Kinderverbrauch in den Fabriken und den Zustand der öffentlichen Elementarschulen. Es stellte sich heraus, daß die Basler Schulatmosphäre die schlechteste in der Welt ist, daß, während in freier Luft die Kohlensäure 4 Theile auf 10,000 bildet und in geschlossenen Räumen 10 Theile nicht überschreiten sollte, sie in den Basler gewöhnlichen Schulen auf 20-81 Theile des Vormittags und auf 53-94 Theile des Nachmittags steigt." Hierauf bemerkte ein Mitglied des Basler Großen Rathes, Herr Thurneisen, sehr kühl: ,, Laßt Euch nicht schrecken: Die Eltern haben in ebenso schlechten Schulräumen gesessen als jetzt die Kinder, und dennoch sind sie mit heiler Haut davon gekommen." Man wird nun sofort verstehen, daß eine ökonomische Revolte Seitens der Basler Arbeiter Epoche in der socialen Geschichte der Schweiz macht. Nichts ist charakteristischer, als der Ausgangspunkt dieser Bewegung! In Basel haben die Arbeiter nach altem Gebrauch am letzten Tage der Spätjahrmesse 14 Tag Feierstunden. Als nun am 9. November 1868 die Arbeiter der Bandfabrik Debary u. Söhne denselben wie gewohnt in Anspruch nahmen, erfiärte ihnen einer der Fabrikherren in barschem Ton und mit gebieterischer Miene:„ Wer weggehe und nicht fortarbeite, sei sogleich und für immer entlaffen." Nach einigen vergeblichen Protestationen verließen 104 von 172 Webern sofort die Fabrik. Sie glaubten jedoch nicht an die definitive Entlassung, weil gegenseitige vierzehntägige Auffündigungsfrist durch schriftlichen Vertrag bedingt war. Bei ihrer Rückkehr am nächsten Morgen fanden sie die Fabrik mit Gensdarmen umstellt, welche die ,, Rebellen" ausschlossen. Auch die Weber, welche den viertel Tag nicht gefeiert hatten, wollten nun ebenfalls nicht eintreten. Das allgemeine Losungswort war: Alle oder keiner." So plötzlich arbeitslos gemacht, wurden die Weber mit ihren Familien zugleich aus den Wohnungen herausgeworfen, welche sie von ihren Fabrikanten gemiethet. Letztere sandten zugleich Rundschreiben an Metzger, Bäcker, Krämer, den Aufständigen allen Credit für Lebensmittel abzuschneiden. Der so Der so eröffnete Kampf währte vom 9. November 1868 bis Frühling 1869. Die Grenzen unseres Berichtes erlauben uns nicht, auf nähere Details einzugehen. Genug, die Bewegung ent= sprang aus einem frivolgehässigen Aft kapitalistischer Despotie, aus einem grausamen Lockout( Arbeiter- Aussperrung), mündete in Strikes, von Zeit zu Zeit unterbrochen durch Kompromisse, wieder und wieder verletzt durch die Meister, und gipfelte in dem vergeblichen Versuch des hochmächtigen Basler Großen Rathes, die Arbeiter durch militärische Maßregeln und eine Art von Belagerungszustand einzuschüchtern. Während dieses Aufstandes wurden die Arbeiter unterstützt durch die„, Internationale Arbeiterassociation." Diese Gesellschaft hatte nach der Meinung der Meister den modernen bellengeist zuerst in die gute alte Reichsstadt Basel einge fhmuggelt. Diesen frechen Eindringling wieder aus Basel herauszuwerfen, wurde nun das Ziel ihres Strebens. Sie versuchten den Austritt aus der Gesellschaft ihren Unterthanen als Friedensbedingung aufzuherrschen. Jedoch umsonst. Als sie überhaupt in dem Krieg mit der Internationalen den Kürzeren zogen, machten sie ihrer übeln Laune in possirlichen Sprüngen Luft. Diese Republikaner", welche größere Fabriken in dem Basel nahe gelegenen badischen Grenzorte Lörrach besitzen, bewogen den dortigen Amtmann, unsere dortige Sektion aufzu lösen, eine Maßregel, die jedoch bald wieder von der badischen Regierung zurückgenommen wurde. Als die ,, Augsburger Allgemeine Zeitung" sich herausnahm, unparteiisch über die Basler Ereignisse zu berichten, drohte die Ehrbarkeit" in närrischen Briefen mit Abonnementskündigung. Nach London " 1 463 fandten sie einen Emissär mit dem phantastischen Auftrag, die Dimensionen der internationalen Generalfiste auszumessen. Hätten diese guten orthodoxen Christen in den ersten Zeiten des Christenthums gelebt, sie hätten vor Allem des Apostels Baulus Bankfredit in Rom uachgespäht. Ihr unbeholfen barbarisches Verfahren zog ihnen einige ironische Vorlesungen über Weltweisheit von Seiten der Genfer Kapitaliſten zu. Einige Monate später hatten die Basler Pfahlbürger die Genugthuung, mit Wucherzins den Genfer Weltmännern zurückzahlen zu können. ( Fortsetzung folgt.) Aus Amerika. New- York, 30. Auguft. Der Arbeiter- Kongreß, welcher 6 Tage lang in Philadelphia versammelt war, hat die Erwartungen vieler treuer Anhänger unserer Sache in mancher Beziehung getäuscht. Dennoch war des Erfreulichen gar Manches zu beobachten. Vor Allem erwähne ich den tiefen Eindruck, den des trefflichen Eccarius' Brief in der Versammlung hervorrief. Wenn ich nicht irre, so war es die ,, Tribune", das wichtigste republikanische Blatt der Union, welches den Grund- Gedanken in dem Briefe des General- Sekretärs der Internationalen- ArbeiterAssociation sehr lebhaft angriff. Natürlich! den Kapitalisten muß es darum zu thun sein, eine stets bereite Surplus-( überschüssige) Bevölkerung vorräthig zu haben, und jedes Ablenken der revolutionären Arbeiter von dem Europäischen Schauplatz kann ihnen nur behagen. Diejenigen unserer kapitalistisch ge= sinnten Staatsmänner, welche mit Bewußtsein und Klarheit thätig sind, unterstützen die auf eine Monarchie hinzielende Bewegung ganz gewiß, wenngleich sie nicht wagen werden, sich jetzt schon öffentlich dafür zu erklären. Der Imperialist, der diese Anschauungen vertritt, erscheint rüstig weiter, unbeirit von dem Gelächter, welches ihn anfangs begrüßte und was be= zeichnend ist, das Blatt steht ganz auf Seite der Bond-( Staatspapier) Könige, es verdammt jede Bestrebung, welche nur entfernt an Repudiation( Nichtanerkennung und Nichtzahlung der Staatsschulden) erinnert. Und merkwürdiger Weise steht die hiesige Arbeiterzeitung, die ,, Union", auf demselben Standpunkt, wonach der Credit der Vereinigten Staaten geschützt werden, und die Ehre der Union heilig bleiben müsse. Der Arbeiter, der zum Bewußtsein fortgeschritten ist, muß hier, wie in Europa, den bestehenden Staat als seinen Feind betrachten. Die Föderativ Republik, wie sie hier herrscht, ist gerade diejenige Staatsform, welche der Bourgeoisie am meisten behagt; für die Republik sich zu begeistern, verlernt man hier schnell genug. Der bestehende Staat, bei dessen Verwaltung der Arbeiter nichts zu sagen hat und, trotz allge= meinen Stimmrechts und trotz Organisirung einer ehrlichen Arbeiter Partei, nicht bald etwas zu sagen haben wirddieser Staat, der die kolossalste Schuldenlast unnöthiger Weise zur Bereicherung Einzelner aufgenommen hat, soll kreditlos werden, damit die Geldleute sich an unsern Steuern nicht fer= ner bereichern können. Der Kongreß in Philadelphia hat auch wohlweislich eine Resolution, welche die Repudiation verdammt, zurückgewiesen. Den Vertreter, welchen wir Ihnen nach Basel geschickt haben, werden Sie persönlich kennen lernen; Cameron ist der geistige Urheber unserer Platform( politisches Programm) und wenn Sie dieselbe näher betrachten, so werden Ihnen, ihre Mängel nicht entgehen. Was Die Führer der Amerikanischen Arbeiter- Bewegung sind meiner Meinung nach weniger fortgeschritten als die große Masse der Arbeiter, die in den Trades- Unions geschult sind. sagen Sie dazu, daß der Gedanke eines Achtstunden- ZwangGesetzes von leitenden Personen zurückgewiesen wird, weil man in einem freien Lande Männer nicht am Arbeiten hindern dürfe? So etwas ist nur möglich, weil die gräßlichen proletarischen Zustände dieses Landes der großen Masse des Volkes und zumal den Leuten im Westen, vollständig unbekannt sind. Es fehlt eben jede Spur einer Statistit. Die Enthüllngen über die Lage der Kohlenbergleute in Pennsylvanien gehörten zu den be= deutsamsten Momenten der Kongreß- Verhandlungen und der Beschluß, von jedem Arbeiter- Verein eine vierteljährliche Statistik nach dem Muster der Internationalen zu verlangen, wird hoffentlich uns das bringen, was der bestehende Staat noch niemals zu geben versucht hat, eine mit Zahlen belegte Schilderung der Lage des Amerikanischen Arbeiters. Nächstens mehr über den Congreß. Aus England. London, den 6. Sept. 463 Die radikale Bürger- Preſſe frohlockt. Sie hatte prophe zeit, daß die protestantische Kirche in Irland reichlich von frommen Priratleuten ausgestattet werden würde, sobald sie bom Staat getrennt sei; und schon geht die Prophezeihung in Erfüllung. Ein Herzog hat 10,000 Pfd. Sterl. gegeben, ein gewöhnlicher Edelmann 3000 Pfd. Sterl., noch ein Anderer 1000 Pfd. St., Anweisungen von 100 bis 500 Pfd. Sterl. sollen zahlreich sein. Wie lange wird das Proletariat diese edlen Herren noch über die Früchte seiner Arbeit verfügen laffen? Es ist hohe Zeit, daß sie disetablirt*), d. h. von ihrem Landbesitz getrennt werden. Auf dem Trades'- Union- Kongreß wurde eine Dentschrift verlesen, in welcher verlangt wird, das Grundeigenthum zu nationalisiren, d. h. in Staatseigenthum zu verwandeln. Es wird in jener Dentschrift vorgeschlagen, daß der Staat das Land von den gegenwärtigen Besitzern kauft und mit Staatspapier bezahlt. Zu 40 Pfd. Sterl. der Acker würden die 58,000,000 Acer Land von Großbritannien 2,320,000,000 Pfd. St. erfordern. Diese Summe zu 3 Procent verzinst, würde 69,000,000 Pfd. St. erfordern. Das Einkommen da= gegen wird veranschlagt wie folgt: Den jährlichen Bacht für Ackerland und Viehweiden auf 25 Sch.( 8 Thlr. 10 Gr.) per Acker berechnet, würde 72,000,000 Pfd. St. einbringen. Den Grundzins von den Häusern, Gruben und Steinbrüchen veranschlagt man auf 50,000,000 Pfd. St., es bliebe also ein Ueberschuß für den Staatsschatz von 53,000,000 Pfd. St. " Um dieses auszuführen wird vorgeschlagen eine große na= tionale Arbeiterpartei zu gründen, die sich hauptsächlich zur Aufgabe machen soll, Arbeiter ins Parlament zu schicken. Die Denkschrift schließt mit den Worten:„ Es ist hohe Zeit eine kühne Sprache zu führen. Sagen wir daher mit unzweideutiger Sprache und festem Entschluß zu Denen, die bisher über uns geschaltet und gewaltet haben: Erbliche Gesetzgeber, Ihr seid eine abgesonderte Klasse, die nichts mit dem Volke gemein hat, Eure Dienste sind zu kostspielig und wir bedürfen ihrer nicht mehr. Bildet eine Nation unter Euch selbst und regiert Euch selbst; wir sind entschlossen unsere Angelegenheiten selbst in die Hände zu nehmen." In einer andern, von einem Mitglied des Generalraths der internationalen Arbeiter- Association verfaßten Denkschrift heißt es: Die erste Session des reformirten Barlaments ist vorübergegangen, ohne daß auch nur ein einziger Beschluß zu Gunsten der nothleidenden Arbeiter gefaßt worden wäre. Man hat es nicht einmal der Mühe werth gehalten zu untersuchen, durch welche Ursache 1% Millionen Arbeiter gezwungen find müßig zu gehen und unverschuldet Noth zu leiden, und warum geschickte Arbeiter zu Tausenden von ihrer Heimath fliehen." Es sei das, sagt die Denkschrift, ein Beweis von Mangel an Mitgefühl mit der nothleidenden Masse; dieser Noth könne nur dadurch abgeholfen werden, daß eine Arbeiterpartei organisirt werde, die fähig sei ihre eigenen Vertreter ins Parlament zu schicken. Der Inhalt dieser beiden Schriften wurde durch einen Beschluß mit großer Majorität angenommen. Es wurde ferner beschlossen, daß sich der nächste *) Disetabliren( außer Besitz setzen), ein Wort, das expreß für die irische Kirche erfunden wurde. Kongreß der nationalen Arbeiterpartei in London versammeln und daß in der Zwischenzeit agitirt werden soll, die Organisation einer politischen Arbeiterpartei vorzubereiten. " 1 Die Londoner Tagespresse hat sich in der jüngsten Zeit sehr viel mit dem Gesundheits- oder besser mit dem Krankheitszustand des ,, Retters der Gesellschaft" Louis Napoleon be= schäftigt. Die Times" ist zu dem Schluß gekommen, daß Frankreich nicht nur ohne seinen Kaiser leben, sondern daß es fogar ohne ihn besser leben kann als mit ihm. Sie sagt, Napoleon müsse schon seit einiger Zeit empfunden haben, daß seine persönliche Macht um feinen Preis aufrecht zu erhalten war. Er habe Feind und Freund gestattet, über seine Leiden deckt, daß es möglich sei Frankreich so einzurichten, daß, ob= und ihre möglichen Folgen zu speculiren, und man habe entgleich der Kaiser krank sei, das Land sich vollkommen wohlbefinden könne. Das Unwohlsein des Kaisers sei somit ein Gewinn für das Volk. Es habe empfunden, daß, was auch immer kommen möge, die Nationen die Individuen überleben müssen und daß sie ihr Geschick nicht an den Faden eines einzelnen Lebens hängen könnten. Es wird des Kaisers Schuld sein", heißt es in dem Artikel ,,, wenn er sein Unwohlsein nicht seinerseits auch in einen Gewinn verwandelt für sich und seine Dynastie. Es ist ihm Zeit vergönnt durch Erfahrung flug zu werden, er darf sich von keinem Rückfall unvorbereitet fin= daß die Welt ohne ihn fortgehen kann, und er muß sich ehrden lassen. Er muß sich mit dem Gedanken vertraut machen, lich bestreben, sie dahin zu bringen, daß sie ohne ihn gehen kann. Um dieses zu erreichen darf er nur Prinz Napoleon's Worte verwirklichen ,,, sein Reich auf eine unbeschränkte liberale Politik zu gründen." " 1 Erklärung. Da Herr C. Klein im ,, Sozial- Demokrat" die im letzten Flugblatt" von Herrn Bracke gemachte Mittheilung, daß die Herren C. Klein und Christian Bahne von Dr. Schweitzer den Auftrag erhalten hätten, Herrn v. Bismarck pr. Courierzug dessen Wahlsieg zu überbringen, als eine Lüge bezeichnet hat, so halte ich es im Interesse der Wahrheit für nothwendig zu erklären, daß Herrn Bracke's Mittheilung auf vollständiger Wahrheit beruht. In meiner und anderer Parteifreunde Gegenwart( der ehrliche brave Herr Tölde war mit dabei) haben die HH. Klein und Bahne von Hrn. Dr. Schweitzer den Auftrag als Bismarck'sche Siegesboten erhalten. Wenn nun Herr Klein im ,, Sozial- Demokrat" behauptet, er sei nicht nach Berlin gefahren, so ändert das nichts an obiger' Thatsache. Ob Herr Klein auch mich einen Lügner nennen wird, wie er es mit Herrn Bracke gemacht hat, darauf bin ich nun sehr neugierig. Dieses dem ,, wasserdichten" ehrlichen Herrn Klein zur Gedächtniß- Erinnerung. Elberfeld, den 10. September 1869. Rich. Schmelzer. Der internationale Arbeiter- Congreß. Basel, 8. Septbr. Uh. Der Vorsitzende Jung eröffnet die Morgensitzung um 9 Vormittags. Nach Ablesung der Namensliste und Verlesung und Genehmigung des Protokolls( in den drei Sprachen) wird von Becker über die an den Congreß eingelaufenen Telegramme, Briefe und sonstigen Schrifistücke berichtet. Es befindet sich darunter ein Brief aus Genf, betr. das Mandat Gögg's. Die Sache wird vor die MandatsPrüfungskommiſſion verwiesen, nachdem Gögg constatirt hat, daß der Brief nicht von dem Deutschen Arbeiterverein herrührt. Die Mitglieder der Kommission über die Grundeigenthumsfrage entfernen sich, um ihren Bericht für die Nachmittagssitzung zu vollenden. *) Dahin braucht sie nicht gebracht zu werden. Die Welt geht ihren eignen Weg, und zwar unbekümmert um die Wünsche Bonaparte's und um die Fraubaßereien der ,, Times", die in ihrem Philisterhirn nicht begreifen tann, daß Freiheit und persönliches Regiment unversöhn= liche Gegensätze sind. D It 11 +64 Bruhin berichtet über die Kongreßkosten, die sich- das Lokal ist umsonst mit dem Salair der Stenographen immerhin auf eine ansehnliche Summe( etwa 500 Fr.) belaufen. Die Lokalfektion würde die ganzen Kosten übernehmen, allein sie ist durch die jüngsten Strikes erschöpft und wünscht deshalb, daß jeder Delegirte einen fleinen Beitrag ( höchstens 5 Francs) gebe, der ihm von seinen Mandanten zurückzuerstatten sei. Die Versammlung erklärt sich natürlich ohne Debatte dazu bereit. Eccarius beantragt nun im Namen des Generalraths, daß der Generalrath ermächtigt werde, jede Sektion, die dem Geiste der Jut. Arb.- Assoc. zuwider handelt, auszuschließen, vorbehaltlich der Sanction des Kongresses. Robin schlägt vor, den Antrag dahin auszudehnen, daß auch die nationalen Räthe( Schweiz, Belgien) das Recht haben, Abtheilungen und Personen auszuschließen, vorbehaltlich der Genehmigung des Congresses. Bakunin schlägt vor: der Generalrath soll ermächtigt werden, bis zum nächsten Kongreß neuen Sektionen den Eintritt zu verweigern, alte zu suspendiren; die nationalen Räthe( Schweiz, Belgien) sollen ermächtigt fein, einzelne ihrer Sektionen aus ihrem Verband, aber nicht aus der Int. Arb.- Assoc. auszuschließen. Robin zieht sein Amendement zu Gunsten des Bakunin'schen zurück. Brismé befürwortet die Bakunin'sche Resolution. Hins ist ebenfalls mit derselben einverstanden, nur solle da, wo ein nationaler Generalrath besteht, dieser letztere, nicht aber der CentralGeneralrath( jetzt in London) das Recht der Suspension haben. Greulich unterstützt dies. Lucraft will den lokalen Organisationen das Recht der Suspension nur unter Ratification des Central- Generalraths ertheilt wissen. Chemalé für den Lucraft'schen Vorschlag. = Bakunin betont den internationalen Charakter der Assoziation, der es bedinge, daß der Central- Generalrath nicht machtlos sei. Gäbe man den nationalen Organisationen das Recht der Suspension, so tönne es vorkommen, daß auf richtiger internationaler Grundlage ftehende Sektionen von einer nicht so prinzipien- korrekten Majorität excludirt werden können. Liebknecht ist derselben Ansicht, und spricht überhaupt für Machterweiterung des Central- Generaliaths. Die Jnt. Arb.- Assoc. müsse eine einheitliche Organisation haben, ohne dem durch den internationalen Charakter bedingten föderalistischen Prinzip zu nahe zu treten. Die Int. Arb.- Assoc. dürfe nicht eine ohnmächtige Sammlung vereinzelter Körperschaften, sondern ein kampfbereites Heer sein, dem die international zu organisirenden Gewerksgenossenschaften die Soldaten zu liefern haben. Spier ebenfalls für Stärkung der Macht der Executive. Er empfiehlt weiter, daß sobald in irgend einem Land ein Streit zwischen zwei Gruppen ausbricht, beide sich unter Darlegung ihrer Gründe an den Central- Generalrath zu wenden haben, der, vorbehaltlich der Bestätigung durch den Kongreß, entscheidet. Lessner spricht für das Lucraft'sche Amendement. Robin stellt einen neuen Antrag, der aber sich nur redaktionell von dem Bakunin'schen unterscheidet. Die verschiedenen Antragsteller werden gebeten, sich in das Nebenzimmer zurückzuziehen und sich über eine gemeinsame Fassung zu einigen. 11 Eccarius beantragt hierauf im Namen des Generalraths, daß alle nationalen und provinziellen Ausschüsse gleiche Namen bekommen, da bisher eine große Confussion in den Benennungen bestanden hat( die Belgier haben jetzt einen Generalrath", ebenso die französischen Schweizer, außerdem haben die Belgier und die französischen Schweizer für die einzelnen Vereine 2c. verschiedene Namen), die nationalen Generalräthe sollen in Zukunft Central- Räthe heißen, zur Unterscheidung von dem Generalrath, der die ganze Internationale Arbeiter- Assoziation vertritt. = Liebknecht befürwortet eine gleiche Nomenklatur( Benennung) für die belgischen und( französischen) Schweizer. Ehemalé, Bonnet, de Paepe, Farga, Perret und Liebknecht werden veauftragt, Vorschläge behufs Conformirung der verschiedenen Benenungen zu machen. Eccarius beantragt weiter im Namen des Generalraths, den Beschluß des Genfer Kongresses zu bestätigen, dahin gehend, daß jede Settion alle auf die Internationale Arbeiterassoziation bezüglichen Schriften, Zeitungsartikel 2c., die eine Berücksichtigung resp. Widerlegung erheischen, dem Generalrath einschicke. Es sei dies nothwendig, um schlimme Eindrücke zeitig verwischen, verläumderische Angriffe fofort zurückweisen zu können. Französische Mitglieder erzählen, wie Briefe von ihnen, namentlich solche, die nach England adressirt sind, die Gewohnheit haben verschwinden. zu Neumayer fügt als Amendement bei, daß der Kongreß die ein= zelnen Mitglieder verpflichtet, nach Kräften feindliche Artikel beantworten, verläumderische widerlegen zu sollen. Er zieht jedoch das Amendement zurück. Schwitzguébel verlangt, daß der Generalrath und die Centralräthe ihre Adressen( Wohnungsadressen) in den sozialistischen Blättern veröffentlichen sollen. Eröffnung der Nachmittagssigung 21 Uhr. Verlesung und Geneh migung des Protokolls. De Paepe erstattet in französischer, Becker in deutscher Sprache Bericht über die aus allen Theilen der Welt eingelaufenen Telegramme und Zuschriften. Der Berner Bund", der mit einer gewissen Geringschätzung auf die ,, bloß sechzig Delegirten" herabblickt, kann sein Mitleid sparen diese bloß sechzig Delegirten" vertreten in der alten und neuen Welt mehr Stimmen, als irgend ein Parlament oder Repräsen tativkörper diesseits und jenseits des Ozeans. Perret( Gens) erstatttet Bericht über die Gesellschaft der Goldarbeiter und Uhrmacher. Die Lage dieser Arbeiter ist keineswegs so günstig als man glaubt, weil sie lange und oft zu feiern haben. Außerdem sind die Löhne sehr gefallen. Die Gesellschaft verlangt vom Kongreß praktische Maßregeln, nicht die Diskussion von Theorien.( Es ist eine ebenso eigen thümliche als natürliche Erscheinung, daß gerade die politisch und sozial entwickelsten Arbeiter praktische Forderungen stellen, während die weniger entwickelten sich in überschwänglichen, nebelhaften Redensarten ergehen.) De Paepe spricht über die Organisation der Arbeiter des Kohlenbeckens von Charleroi( Belgien). Er zeigt, wie nicht die Internationale es war, die den letzten Strike veranlaßte, sondern daß die Bourgeoispresse, notorisch die" Indépendance Belge" die Arbeiter förmlich zum Strike aufreizte und dadurch die bekannten scheußlichen Metzeleien hervorries. Bruhin( Staatsanwalt von Basel) berichtet für die Baseler Settion. Er bekämpft energisch einige Aeußerungen, die gestern gegen den Schweizer Freistaat gefallen sind. Nicht Alles, sagt er, ist bei uns so, wie es sein soll, es bestehen noch schwere soziale Mißstände, allein nirgends in Europa hat der Bürger( Staatsbürger) solche Rechte; die Arbeiterklasse ist politisch der Bourgeoisie gleichberechtigt, und durch die direkte Gesetzgebung, welche sich in der ganzen Schweiz Bahn bricht, sind die Arbeiter Meister ihres Geschicks, und für die vorhandenen Mängel mitverantwort lich. Er gibt dann einige interessante Details über die letzte Arbeitsein stellung, und die lächerliche Panique, die sie im Bourgeoislager hervor gerufen. Robin berichtet über die Bewegung in und um Lüttich. Die Thä tigkeit der Internationalen ist dort, wie überall in den belgischen Industriezweigen eine sehr große; zahlreiche Meetings werden jede Woche abgehalten und die Gründung von Gewerkgenossenschaften systematisch be trieben. Robin theilt weiter mit, daß ihm an der französischen Grenze 200 Broschüren über den Strike von Seraing, Aufrufe, Zeitungen, Ge dichte und der Congreß- Bericht der Sektion Verviers von den französi schen Douaniers gestohlen worden sind. Richard( Lyon) berichtet im Namen Capo Russo's über die Sektion Neapel. Diese wurde im Januar gestiftet. Die Arbeiter haben bis 15 Stunden für einen elenden Lohn zu arbeiten, und werden von der Regierung unterdrückt, während die Camorra" ruhig wirthschaften darf. Die Sektion zählt bereits 600 Mitglieder. ( Fortsetzung in der Beilage.) Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter. Apolda, 15. Sept. Die hiesigen Arbeiter beabsichtigen die Gründung einer Mitgliedschaft der Internationalen Manufatturgewerkschaft. Nächste Woche soll Dr. M. Hirsch herkommen, um für seine Gewert schaften Propaganda zu machen, wir fönnen ihm schlechte Geschäfte ver sprechen. Der hiesige sozial- demokratische Arbeiterverein zählt einige vierzig Mitglieder. Pferice bei Augsburg. Wir beabsichtigen die Gründung der Mit gliedschaft einer Internationalen Manufaktur Gewerkschaft und bitten deß halb um Sendung der Statuten. Herr Tauscher wird erfahren müssen, daß man sich von ihm zu Gunsten Schweizer's ausbeuten zu lassen ferner nicht mehr geneigt ist. Biebrich a. Rh. meldet nach vorgenommener Gründung einer Lokalmitgliedschaft der Internationalen Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter genossenschaft: Phil. Engelhard als Bevollmächtigten und Beitragssammler; Schen rer und Zing als Controleure an. Reiseunterstützung wird bei Phil. Engelhardt( bei Hrn. Hollerich in der Rheinstraße) in Empfang genommen. Braunschweig. In Gemäßheit des Beschlusses des ParteiAusschusses ist dem Sozial- Demokrat" zu Berlin mit der Bitte um sofortige Veröffentlichung die folgende Annonce am Donnerstag, den 3. September zugesandt worden: Der Volksstaat. Organ und Eigenthum der sozialdemo fratischen Arbeiterpartei. Erscheint vom 1. Oktober ab wöchentlich zwei Mal in Leipzig und kostet bei den außerpreußischen Postämtern vierteljährlich 12 Sgr. ohne Bringerlohn, in Breußen vierteljährlich 15 Sgt. incl. Stempelsteuer. Zusendung unter Kreuzband erfolgt gegen Franto Einsendung von 20 Sgr. an Herrn A. Bebel in Leipzig, Peterstr. 18. Das Blatt ist Organ und Eigenthum der auf dem Eisenacher Con greß constituirten sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Dieselbe erstrebt die Herstellung des sozial- demokratischen Volksstaats. Der unterzeichnete, mit der Leitung der Partei betraute Ausschuß hat als solcher auch die Einrichtungen des Blattes, die Personen der Redaktion u. s. w. zu bestimmen, und ist hierdurch, zumal der Ausschuß I I 3. T. 3. St B 614 B 465 jederzeit von der über ihm stehenden Kontrolkommission in Wien zurechtgewiesen werden fann, ein wahrhaftes Organ der Partei geschaffen worden. Wir empfehlen das Abonnement auf dasselbe. Braunschweig- Wolfenbüttel, 9. September 1869. Der Ausschuß der sozial- demokratischen Arbeiterpartei: Im Auftrage W. Bracke jr." Die Annoncengebühren waren mit 2 Thlr. beigeschlossen; trotzdem ift die Veröffentlichung der Annonce nicht erfolgt, weshalb der Eigenthümer des Sozial- Demokrat", Hr. v. Schweizer, hiermit öffentlich aufgefordert wird, die sofortige Insertion der bereits bezahlten Annonce zu veranlassen. Braunschweig, 10. Sept. Bolling hat schon über unsere Agitation in Staßfurt am 27. vor. Mts. berichtet. Wir gaben uns natürlich mit den damaligen Resultaten durchaus nicht zufrieden, sondern veranstalteten in Gemeinschaft mit Bremer auf Sonntag den 4. ds. eine abermalige Versammlung. Bei dieser Gelegenheit war es denn auch, daß sich die Agitationsmanier der Hrn. Lübkert, Grändorf und Genossen völlig entpuppte. Wenn ich auch von dem am 27. vor. Mts. zufällig in Staßfurty anwesenden Hurlemann von Halberstadt, schon Andeutungen erhalten hatte, so glaubte ich denn doch nicht, daß die Art des Agitirens jener Herren eine solch gemeine, politisch heruntergekommene sein könne. Zwischen Halberstadt und Staßfurth hatte ich mich am 27. vor. Mts. mit mehreren älteren Leuten in unserem Coupé über die beste Form des Staates unterhalten und zeigte ihnen, daß sich die Gesammtheit wie der Einzelne jedenfalls am Besten bei einer republifanischen Verfassung befinden würde. Der anwesende Hr. Hurlemann schnappte das auf und entwickelte Abend's nach der Versammlung in einem Privatgespräch zwischen Lübkert, Grändorf und mir, ich hätte unterwegs schon partikularistische Tendenzen entwickelt. Einige Tage nachher, wenn ich nicht irre, in Kochstedt, suchte er unsere Partei als den politischen Wauwan in der Weise darzustellen, daß er sagte: Uns sähe die Revolution zu allen Knopflöchern heraus". Kleiner Realtionär in der Westentasche, Sie wollen sich vermessen, bei dem Fortbestand der heutigen Staatsverfassung eine gründliche Verbesserung der Lage des Arbeiterstandes zu erzielen? Nun, daß die in Staßfurth ertheilten Lehren ganz derselben Natur gewesen sind, beweist uns das Auftreten der Arbeiter bei Gelegenheit unserer Agitation am 4. ds. Mts. in Staßfurth. Bremer von Magdeburg, welcher mit dort war, erhielt nur mit Mühe das Wort zur Eröffnung. Als ich sprechen wollte, entstand ein folcher Tumult, daß es mir nicht möglich war, durchzudringen. Ich jah, wie 2-3 Leute von Tisch zu Tisch rannten und ihre Kollegen Maurer und Zimmerer animirten, jedes weitere Sprechen von nun an unmöglich zu machen. Noch eine Weile, und unser Vorsitzender löfte die Bersammlung auf. Darauf begann denn die Privatagitation und bei dieser Gelegenheit entwickelte mir gegenüber unser Vorsitzender( ein Zimmermann), Graf Bismarck, das sei der Mann des Voltes, der habe den Arbeiterstand noch nie bedrückt, wir seien nur Partitularisten, wollten den abgedankten Fürsten wieder auf den Thron helfen, indem wir eine Revolution anzettelten. Auf meine Frage, ob er denn das ,, Arbeiterlese= buch" und die„ indirekten Steuern" von Lassalle schon gelesen habe, antwortete er mir, ,, daß er sich jest erst Laffalle's Werke bestellt habe". Das ist Lübkert's" Material, womit er seinen Zukunftsstaat aufbauen will. Hrn. Bremer fagte im Verlauf des Gesprächs ein Maurer fast dasfelbe und fügte er noch hinzu: Was thun wir mit allen Vereinigungen, die haben uns Nichts genützt und werden uns Nichts nützen unser König Wilhelm soll uns vertreten. Profit Herr Lübkert! ich gratuliere! Da ficht es denn doch in Groß- Ottersleben und Magdeburg ein wenig beffer aus. Bei der Agitation am 5. und 6. ds. Mts. an diesen Orten gewahrte ich einen männlichen, selbstständigen Sinn. Die Leute hat man nicht nöthig zu gängeln, da denkt so ziemlich Jeder für sich, und am allerwenigsten sind sie geneigt, in Denen Partikularisten und Aehnliches zu erblicken, die die Wege des Hrn. von Schweitzer nicht wandeln wollen, der den Arbeitern vorschwindelt, er zeige ihnen die Wege, welche Laffalle eingeschlagen haben würde. Wir waren nicht zum letztenmal in Staßfurth, und werden auch noch Gelegenheit finden, den Leuten von dort zu beweisen, daß bei uns teine Organisation im Sinne eines Leo Fränkel herrscht, daß aber mit Maurer- und Zimmerstrikes allein die Arbeiterfrage noch nicht ge= Töft ist. ,, diese Strikes zögen aber doch die Arbeiter Herr Lübkert meinte, in unsere Bewegung herein"." Gut! das gestand ich ihm zu, fragte aber, was dann? Herr Lübkert ist mir die Antwort noch schuldig. Bonhorst. Reichenberg in Böhmen, 12. September. Am 8. ds. Mts., Nachmittags 3 Uhr hatte im Garten des hiesigen Feldschlößchens", also unter freiem Himmel", eine Voltversammlung statt. Gegenstände der Tagesordnung waren: 1) das allgemeine und direkte Wahlrecht; 2) Coalitionsfreiheit; 3) Verkürzung der Arbeitszeit; 4) Preßfreiheit; 5) freies Vereins- und Versammlungsrecht. der um 3 Uhr sich bereits als zu flein erwies. Der Garten und die Schon um 2 Uhr strömte das Volf nach dem Versammlungsplatze, deren ruhiger Ernst die Größe der Bedeutung einer Versammlung des Volkes anzeigte. Mindestens 3500 Männer waren anwesend. Um 3 Uhr eröffnete Hr. Krosch die Versammlung. Seine Begrüßungsrede, in welcher er die Bedeutung des Tages hervorhob, bewirkte die tiefste Ruhe, worauf der Genannte der Versammlung die Vorsitzenden vorschlug, welche mit Afflamation gewählt wurden. Hierauf bestieg Hr. Mühlwasser aus Brünn die Tribüne und überbrachte der Versammlung die herzlichsten Grüße von den Brünner Arbeitern, die mit donnernden Hochs auf dieselben entgegengenommen wurden. Der Redner besprach dann den ersten Punkt der Tagesordnung: das allgemeine und direkte Wahlrecht. Seine überaus gehaltvolle, für Freiheit und Recht glühende Rede ward häufig durch stürmische Hochs unterbrochen. Bei Verlesung der von Hrn. Mühlwasser abgefaßten Refolution, die der Hr. Regierungskommiffär als ,, Wünsche" dargestellt verlangte, entstand eine bedeutende Bewegung; die Resolution wurde jedoch, nachdem der Redner erklärt, daß derartige Beschlüsse doch nur Wünsche sein könnten, da uns die Macht abgehe, sie als Gesetz einzuführen, einstimmig angenommen. Den zweiten Punkt der Tagesordnung: die Coalitionsfreiheit, besprach Hr. Krosch aus Reichenberg. Er setzte der Versammlung die Bedeutung derselben auseinander. Nachdem er noch Einiges über die Abkürzung der Arbeitszeit gesprochen, erschien Hr Rüdt aus Leipzig, mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Derselbe entschuldigte sich, augenblicklich auf eine Rede nicht vorbereitet zu sein, doch habe er öfter Gelegenheit, zu den Arbeitern zu sprechen und kenne die gerechten Wünsche derselben. Auch sein Vortrag wurde häufig von Hochs unterbrochen, und als er die Tribüne verließ, wollten die begeisterten Zurufe tein Ende nehmen. Für Preßfreiheit, freies Vereins- und Versammlungsrecht sprachen abwechselnd die Herren Mühlwasser, Rüdt und Krosch. Aber auch unfre Gegner hatten ihre Helden gegen uns ins Feld geschickt. Ein Herr aus Prag, der sich der Versammlung als Journalist vorstellte, entschuldigte fein Auftreten mit bedecktem Kopfe dadurch, daß er nicht gekommen sei, um Höflichkeiten zu sagen, sondern um für Freiheit und Recht zu sprechen. Diese Worte riefen allgemeine Begeisterung hervor: man erwartete nichts Geringeres als einen amerikanischen Freiheitshelden zu hören. Doch bald erkannte die Versammlung den wahren Jakob, und der Ruf: Schweigen!", verbunden mit Unruhe hinderten den überdies sehr plumpen Redner am Weitersprechen; auch schien es uns fast, daß er nur hergekommen sei, um Unruhe hervorzurufen, in der Voraussetzung, dadurch die Auflösung der Versammlung herbeizuführen. Doch die Menge merkte das, und nach seinem Abtreten war die Ruhe angenblicklich hergestellt. " Von den Herren Krosch, Rüdt und Mühlwasser wurde dem Herrn Journalisten tüchtig heimgeleuchtet. Als die Resolution zur Abstimmung gebracht wurde, erhoben sich Aller Hände für dieselbe mit Ausnahme des Prager Journalisten; nicht einmal feine Collegen hatten den Muth, bei der Gegenprobe gleich ihm die Hand zu erheben, der in der Versammlung herrschende Geist hatte sie niedergeschmettert. Noch will ich der 13 telegraphischen Depeschen erwähnen, die während der Versammlung eintrafen, darunter eine in czechischer Sprache. So endete unsere Volksversammlung seit 21 Jahren die erste in Reichenberg. Die edelsten Gefühle für Freiheit und Recht wurden in der Brust der Theilnehmer owie der Wunsch wachgerüfen, recht bald wieder in einer Versammlung den höchsten Gütern der Menschheit: Freiheit und Gerechtigkeit, Ausdruck zu geben. Mit fozial- demokratischem Gruß Wenzel Groß. Nachträglich ist uns durch Herrn Krosch brieflich mitgetheilt worden, daß der sozialdemokratische Verein zu Reichenberg schon 500 Mitglieder zähle, was uns mit großer Freude erfüllt. Glück auf! Die Red. Mühlheim am Main. Ich zeige hiermit den Parteigenossen freudig an, daß sich hier auch eine Mitgliedschaft der sozial- demokratischen Arbeiterpartei gegründet hat und steht unsere Sache hier vortrefflich. Wir werden Alles aufbieten, um in hiesiger Gegend unserer Partei neue Anhänger zuzuführen und von Schweizer, Tölcke und Genossen die Arbeiter zu befreien. Haustein gibt sich zwar viele Mühe, Schweitzer den Anhang zu erhalten, es wird ihm aber Nichts müßen, wir kommen vorwärts trotz Schweitzer- Tölcke. Auf zum Kampf! hoch lebe die Sozial-Demokratie. Ph. Schäfer, Cigarrenarbeiter. on Crimmitschau, 9. Sept. Die gestrige Hauptversammlung des Bolksvereins hat einstimmig beschlossen, den Glauchauern brieflich und ferner im Demokratischen Wochenblatt" zu erklären: Die Forderungen der sächsischen Lehrerversammlung zu Meerane, so wie sie in der Glauchauer Petition ausgesprochen werden, sind eben so vollberechtigt, als sie für den wahren Volksstaat unentbehrlich sind. Einer Petition an die sächsische Ständeversammlung aber kann sich der hiesige Volksverein nicht anschließen, da er nach gemachten früheren Erfahrungen, sowie nach der neueren Zusammensetzung des sächsischen Landtags, sich nicht den geringsten Erfolg davon versprechen zu können meint. Allen Parteigenossen wird dagegen empfohlen, in Vereinen und Versammlungen, wie durch die Presse, zur Verbreitung der Meeraner Beschlüsse beizutragen, um die Massen des Volkes flar darüber zu Ganz besonders mit Bezug auf unsere Landesversammlungsbeschlüsse mit der darauf folgenden Wahlenthaltung, ist allseitig dagegen gestimmt machen. und Sin Oxsite nach nhenhin au pergenden. 133 Chemnitz. Die ,, Freie Zeitung" unterläßt in feiner Nummer auf solche Leute zu schimpfen, die es gewagt haben sich der gräflichen Diktatur zu widersetzen und in Folge dessen von dem damaligen Präsident des Lassalleschen allgem. deutschen Arbeitervereins, Fritz Mende, abfielen. So gefiel fich diese Zeitung vor einiger Zeit darin, zu erklären, ein gewisser Nendel und der Unterzeichner dieses Berichts hätten einen Diebstahl an Mende's Eigenthum begangen, weshalb Herr Mende gegen uns flagbar werden würde, was er auch ausgeführt hat. Es wird nun endlich Zeit, dem Publikum den ganzen Sachverhalt klar vorzulegen: Das Erste was ich in dieser Angelegenheit der Deffentlichkeit gegenüber thun will, sei die Veröffentlichung folgenden Briefes, den ich an Herrn Mende schrieb, ,, Chemnitz, den 5. Juli 1869. datirt: Herr Mende! Sie haben sich erlaubt in der vorletzten Nummer Ihrer Freien Zeitung" mich als Dieb zu erklären und ich bin über die darin ausgestoßenen Gemeinheiten hinweggegangen, weil ich vermuthete, Sie seien falsch unterrichtet gewesen und würden in der nächsten Nummer Ihren Irrthum eingestehen, aber es ist mir heute von sehr glaubhafter Seite erzählt worden, daß Sie in derselben ihre gemeinen Ausfälle wiederholt haben und dieselben Beschuldigungen gegen mich ausgestoßen haben. Ich muß Ihnen deshalb einige Aufklärungen geben. Ich bin am 4. Juni Mittags 12 Uhr 20 Minuten mit dem Eisenbahnzuge von Leipzig nach Chemnitz gefahren, habe vorher meine, aber nur meine Kleidungsstücke eingepackt, aber Nichts von Jbrem soge= nannten Eigenthum mitgenommen, dafür habe ich Zeugen, und das mußten Sie wissen, als Sie die zweite Verläumdung gegen mich losließen! Nichts destoweniger fuhren Sie in gewohnter Weise fort zu schimpfen, und hätte ich nicht schon am 28. Juni Klage gegen Sie erhoben, ich wäre heute nicht mehr im Stande, es zu unterlassen. Am 5. Juni haben die Herren Nendel und Röthing, die wenigen von Ihnen zurückgelassenen, von mir erst angelegten Aften eingepackt und die zum Sekretariat doch wohl gehörigen Utensilien mit verpackt, wovon der Rest erst am 9. Juni hier anfam, in einer Kiste, in welcher sich allerdings die von Ihnen als unersätzlich bezeichneten Zeitungen befanden, die sich aber noch hier befinden und die Sie zurückerhalten werden. Die Schuld, daß diese Zeitungen mit hierher gegangen sind, trägt Herr Röthing, der, ohne sie erst herauszunehmen, sie darin ließ und andere Sachen darauf legte. Ich kann Ihnen aber auch das Recht nicht einräumen, Hrn. Nendel zum Dieb machen zu wollen, denn sowohl er als ich und Alle, die Sie näher kennen, wissen, daß Sie mit dem Worte ,, Eigenthum" wohl recht zu prahlen verstehen, ein solches aber nicht besitzen. Wenn aber die von Ihnen genannten Utensilien der Frau Gräfin von Hazfeldt ge= hören sollten und nicht dem Sekretariat bei welchem sie doch durchaus vorhanden sein müssen so konnte das wenigstens Herr Nendel nicht wissen, da Sie bei Ueberführung der Aften nach Berlin, doch wohl auch ein Inventarienverzeichniß mitgenommen haben, welches, wenn es in Leipzig gewesen wäre, Nendel sofort überzeugt haben würde, worin Ihr Eigenthum bestand, und er würde sich gehütet haben, dasselbe anzugreifen. Röthing beschuldigt mich in seiner sogenannten Vertheidigung, einen Brief unterschlagen zu haben, der mich angewiesen hätte, die von Ihnen mir übersandten 50 Thlr. der Hauptkasse aus Ihren Mitteln leihweise zu übergeben, er habe nun zwar die 50 Thlr. von mir erhalten, aber feinen Brief. Hier hat er allerdings Recht, denn ich muß hierbei Ihrem Gedächtniß noch einmal zu Hülfe kommen und Sie daran erinnern, daß Sie in dieser angelegenheit keinen Brief geschrieben haben, und daß Sie der Hauptkasse teine 50 Thlr. geliehen haben. Es hat mir vielmehr die Frau Gräfin v. Hatzfeldt einen Fünfzigthalerschein übergeben, über welche ich ihr Quittung von Röthing behändigt habe alles andere ist mündlich abgemacht worden und Sie haben jeden Falls erst Kenntniß von den 50 Thlen. erhalten, als Ihnen die Frau Gräfin nach Berlin nachgereift war. Ich bin, wie ich höre, ferner von Ihnen beschuldigt worden, Zeitungsberichte unterschlagen zu haben, das ist ebenfalls eine Lüge. Es find seit dem 25. Juni, feit welchem unser Verein nichts mehr mit nen zu thun hat, hier über Leipzig zwei Berichte eingegangen, diese gabe ich zurückgeschickt, weil unser Verein mit Ihrer Zeitung ebenfalls nichts mehr zu thun hat. Herr Mende! Sie haben einige Arbeiter zum Kampfe wider Ihre Prahlerei und Schimpferei herausgefordert, diesen Arbeitern steht zwar fein gräfliches Geld zu Gebote, aber dafür etwas Besseres: ihre Ehrlichkeit, und es werden deshalb wohl auch diese Arbeiter den Kampf mit Ihnen aufnehmen können! Kann ich Sie durch diese Zeilen nicht dazu bewegen, in der nächsten Nummer Ihrer Zeitung Ihre Lügen zu widerrufen, so wähle ich abermals, wie Sie, den Weg der Oeffentlichkeit, unbeschadet der gegen Sie schon eingereichten Klage. Friedrich Schultheiß. Auf diesen Brief habe ich nicht nur keine Antwort bekommen, es hat im Gegentheil die Freie Zeitung" sich ebenfalls noch nicht entschließen können, ihre Schimpfereien gegen die Arbeiter einzustellen, die sich von der Schweitzer- Mende Hatzfeldt- Partei losgesagt haben. Deßhalb habe ich mich entschlossen, obigen Brief zum Abdruck bringen zu lassen. Zum besseren Verständniß für solche Arbeiter, die nicht mit den oben erwähnten Vorgängen vertraut sind, will ich noch bemerken, daß erwähnter Herr Heinrich Nendel von Herrn F. Mende als Vice- Präsident eingesetzt war, und zwar mit allen ihm selbst zustehenden Rechten und Befugnissen. In diese Zeit des Vice- Bräfidiums fällt die Berleauna des Sekretariats nach Chemnitz und es mußten selbstverständlich die zum Sekretariat gehörigen Aftenstücke, Schreibmaterialien 2c. mit hierher genommen werden; und diese Gegenstände behauptet Hr. Mende aus feinen Mitteln angeschafft zu haben und beschuldigt Herrn Nendel und da ich mit der Berwaltung des Sekretariats betraut war des Eigenthumsvergehens! mich Das Resultat der von beiden Seiten angestrengten Prozesse werde ich nach deren Beendigung in diesem Blatte mittheilen an Friedrich Schultheiß. Leipzig, 12. September. Unser ,, Tageblatt" enthält heute Folgendes: In dem Arbeiterbildungsvereine zu Dresden hat sich ein wohlthätiger Umschwung der Stimmung vollzogen. Unter der Leitung des Herrn Vahlteich war derselbe mehr und mehr zum Spielball volksparteilicher, nunmehr sozial- demokratischer Umtriebe herabgefunken, bis daß, gelegentlich der Theilnahme einiger seiner Mitglieder am Eisenacher Arbeitercongreß, die Mehrheit, wie man sagt unter Führung des recht strebsamen Tischlers Hendel, sich gegen ein weiteres Eingeben auf die rein politischen Absichten der Herren Bebel, Liebknecht 2c. ver wahrte und es jetzt durchgesetzt hat, daß der Verein wieder seinen unpolitischen Bildungszwecken zurückgegeben ist. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß alle die Lehrkräfte, welche sich ihm, gewidert durch das politische Treiben, entzogen hatten, sich fortan ihm wieder willig zu Gebote stellen werden. Wir erwarten daß die Dresdner Parteigenossen im Bildungsverein drin bleiben und den Kampf mit aller Energie weiter führen. Ganz anders ist die Rolle, welche der Arbeiterbildungsverein zu Leipzig spielt. Unser" sozial republikanischer Drechsler scheint die Mitglieder des hiesigen Vereins als willenlose oder doch wenigstens als durchaus fügsame Werkzeuge behandeln zu dürfen, denn das ,, Demokratische Wochenblatt" erzählt selbst in naivster Aufrichtigkeit, daß ,, mit den Mitgliedern des Arbeiterbildungsvereins zusammen die Zahl der Partei genossen sich hier bereits auf mehr als 300 beläuft." Die Leipziger Stadtverordneten werden also bei Berathung des nächsten städtischen Haushaltplans sich zu vergegenwärtigen haben, was sie thun würden, wenn sie den Myrmidonen des sozialrepublikanischen Achilles wieder Zuschuß aus städtischen Mitteln verwilligen wollten. Die Zuschüsse besorgt der unerschöpfliche Revolutionsfonds des Herrn Ladendorf und ähnlicher Capitalisten viel nachhaltiger als Leipzigs Stadtrath es könnte!" = Der hiesige Arbeiterbildungsverein erhält aus städtischen Mitteln 200 Thater Unterstützung für Bildungszwecke jährlich, diese will der nationalliberale Angstphilister genommen sehen, er findet unzweifelhaft zur Unterstützung dieses Wunsches zahlreiche Glaubensgenossen im Stadt verordneten- Collegium. Wir werden sehen, was Letztere seiner Zeit machen, der Verein wird im geeigneten Zeitpunkt seinen Standpunkt zweifellos darlegen und eine materielle Beihülfe, die er eher, wie vers schiedene andere, sogenannte Bildungszwecke verfolgende Institute, bean spruchen kann, nicht leichthin preisgeben. Das Lob, das dem Arbeiters bildungsverein Dresden gezollt wird, mag diesem zeigen, wem er mit seinem Beschluß einen Gefallen gethan. Was die Herren National liberalen unter sogenannten„ unpolitischen Bildungszwecken" meinen, hat der Leipziger Arbeiterbildungsverein kennen gelernt. Die Mitglieder sollen sich als Statisten bei Volksversammlungen und als Stimmvich bei Wahlen im Interesse der Nationalliberalen benutzen lassen. lange der Leipziger Arbeiterbildungsverein vom Nationalliberalismus sich nasführen ließ, war er liebes kind" und wurde gebührend gelobt, Bebel wurde damals, gleich dem ,, strebsamen" Tischler Hendel für den ,, streb samen Drechsler" erklärt, jetzt ist die Titulatur eine andere- so ändern sich die Zeiten. SO Briefkasten. Wiesbaden: Anonyme Einsendungen können nicht berücksichtigt werden. Mehrere Artikel von B., Y., S. u. s. w., sowie Berichte aus Dresden, Eisenach, Buckau, Lugau, Nürnberg, Frankfurt, Höchst u. f. w. sind für das nächste Blatt zurückgestellt. Sozial- demokratischer Arbeiter- Verein zu Braunschweig. Sonnabend, am 18. September, Abends 8 Uhr im„ Odeon": Deffentliche Mitglieder- Versammlung. 1) Die Nothwendigkeit der internationalen Einigung der Gewerkvereine und Arbeiterschaften. Vortrag von H. Ehlers. 2) Der Congreß der internationalen Arbeiterassoziation zu Basel. Referent C. Lüdecke. 3) Bericht über das Fortschreiten der Organisation der sozial- demofratischen Arbeiterpartei von W. Brace jr. 4) Allgemeine Mittheilungen. Montag, den 20. September, Abends 8 Uhr im„ Odeon": Gefchloffene Mitgliederversammlung. 1) Die Einrichtung der Vereins- Caffenverwaltung durch C. Walter. 2) Bericht der Revisions- Commission. 3) Besprechung über das auf Sonntag, den 24. Oftober c. festgesetzte Stiftungsfest der Arbeiterpartei. 4) Vereinsangelegenheiten aller Art. Braunschweig, 14. Septbr. 1869. 11 Für Braunschweig. Der Vorstand. Das Barteiorgan Der Volksstaat" wird vom 1. Oktober ab von mir für 15 Sgr." frei ins Haus besorgt. Bestellungen werden bei Bonborst, Wendenstraße 30 und W. Brace, H. Brüdern 9 ange Die 3 Sgr. Bringerlohn, welche in diesem Preise enthalten nommen. find fliehen in hie Caffe 05 Q Bx+ Yer Baichandise 20 t Beilage zum Demokratischen Wochenblatt Nr. 41. Der internationale Arbeiter- Congreß. ( Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Murat( Paris) spricht von den Polizeichitanen und Verfolgungen, denen die Mitglieder der Internationalen in Paris und überhaupt in Frankreich zu begegnen haben. Einen Bericht über Sektionen könne er nicht geben, da deren Bildung nicht erlaubt sei. Desto eifriger betheiligten sich die französischen Arbeiter als persönliche Mitglieder an der Internationalen, wie schon daraus erhelle, daß sie eine Menge von Vertretern nach Basel geschickt hätten. Er beschwert sich darüber, daß der Reveil" eine sehr verläumderische Korrespondenz über die Internationale Bewegung in Spanien speziell über den Strike in Barcelona gebracht habe. Es werde darin gesagt, der Strike sei von den Anhängern der Königin Jfabella mit Hülfe der englischen Fabrikanten, die die spanische Industrie schädigen wollten, in Szene gesetzt worden und die Internationalen hätten sich mißbrauchen lassen. Farga( Barcelona) bemerkt, daß der ,, Reveil" nur die Lügen der spanischen Blätter wiederholt habe, also wahrscheinlich getäuscht sei. Die spanischen Arbeiter seien nicht für Isabella, und würden dies bei Gelegenheit durch die That beweisen. Was den Strike anbelange, so gehörten die Arbeiter, welche ihn gemacht, den Internationalen gar nicht an. Becker berichtet für die Genfer Sektion und die Centralgruppe deutscher Sprache. Die Genfer Sektion war die erste auf dem Kontinent, fie wurde schon 1864 gegründet, und hatte den besten Fortgang; da die Organisation in Deutschland selbst sehr schwierig war, so gründete man die Centralgruppe deutscher Sprache, um den Deutschen einen Krystallisationspunkt außerhalb zu geben. Im Frühjahr 1866 hatte die Gruppe bereits 45 Seftionen in Deutschland, die aber durch den Krieg theilweise zerstört wurden. Die Settionsgruppe unterstützte die von der Nürnberger Majorität vertretene Bewegung, welche im Eisenacher Kongreß ihren Triumph vollendete. Es bestehen in Deutschland, der Schweiz und dem Ausland folgende Sektionen: Newyork, Genf, Zürich, Basel, Lachaurdefond, Murten, Berdun, Lützelflüth, Eptingen, Binningen, Brünn, Wiener Neustadt, Lörrach, Hüningen, Solingen, Magdeburg, Wien, Graz, Elberfeld, Pest, Temeswar, St. Francisto, Paris, Leipzig, Dresden, Berlin, Braunschweig, Asch, Barmen- Elberfeld, Köln, Nürnberg und Fürth, über 3600 Briefe und 26 verschiedene Agitationsschriften wurden geschrieben und berbreitet. Nach den Privatmittheilungen eines belgischen Delegirten hat die Internationale Arbeiterassoziation in Belgien folgende Preßorgane: 1) Internationale," amtliches Centralorgan ,,, Au Cygne Grand' Place," Brüssel( ein Mal wöchentlich). 2) ,, Le Mirabeau," Organ der Sektion Verviers( zwei Mal per Monot). 3) ,, De Werker," Organ der Sektion Antwerpen( einmal die Woche). Dazu kommen noch die ,, Liberté" in Brüssel, welche, von Mitgliedern der Internationalen redigirt, alle Mittheilungen der Internationale" aufnimmt, und ,, Le Devoir," der die Mittheilungen der Sektion Lüttich empfängt. Grosselin berichtet über mehrere Genfer Sektionen. Quinche über die Baseler Bandweberei und deren Strike. Er bemerkt, daß sie die ,, Segnungen der Republik" erfahren hätten. Wären die Arbeiter nicht klüger gewesen, als die Kohlengräber von Seraing, so wären auch sie niedergeschossen worden. In Folge der schweren Bedrängniß, in welche die Sektion durch den Strite gerieth, wurde sie von 300 auf 32 Mitglieder reduzirt. Die Zahl ist aber wieder im Steigen und hat sich bereits verdoppelt. Die Gesellschaft hat noch vom Strike her 500 Fr. Schulden, für die Schuldscheine, rückzahlbar auf Neujahr, ausgegeben sind. Redner bemerkt, daß die Baseler Bandweber darauf rechnen, daß ihre internationalen Collegen ihnen diese Last theilweise ab= nehmen werden. Flahaut berichtet für die Marmorarbeiter von Paris. Das alte Lied aller franzöfifchen Delegirten: Schmachvolle Polizeibrutalität auf der einen, schmachvollere Bestechungsversuche auf der anderen. Abwechselnd Drohungen und Schmeicheleien. Die Papiere der Marmorarbeiter wurden gewaltsam von der Polizei weggenommen, die Kasse nur durch Zufall von den Diebsfingern gerettet. Jetzt, sagt Redner, tämpfen wir für das ist aber nicht unser letztes Ziel: wir Vereine Lohnerhöhung treter der französischen Arbeiter find hergekommen, um unseren Brüdern zu zeigen, daß wir nicht entartet sind, daß wir fest stehen zu der Fahne der Sozial- Demokratie. Und wir geben unser Wort: die französischen Arbeiter werden mit ihrem Leben für ihre Prinzipien einstehen. Barlin, Mitglied des ehemaligen Ausschusses der Internationalen Arbeiterassoziation in Paris( derselbe wurde bekanntlich vor 1½ Jahren aufgelöst und die Mitglieder, auch Barlin, zu achtmonatlichem Gefängniß verurtheilt), theilt mit, daß die Auflösung des Ausschusses das Signal zu einem massenhaften Eintritt der Pariser Arbeiter in die Internationale Arbeiterassoziation gab. Die Internationale Arbeiterassoziation zählt gegenwärtig weit mehr Mitglieder als vorher, und zwar sind dieselben schaften: die Gesellschaft für das Studium der Sozialwissenschaften( Cercle d'Études Sociales) und die Gesellschaft der Vereinigten Arbeiter( Société des Travailleurs Unis). Neumayer berichtet für die Sektion Wiener Neustadt; sein Bericht umfaßt die ganze österreichische Arbeiterbewegung die Unterdrückungsversuche Seitens der Regierung und der Bourgeoisie, den jugendfrischen Geist der Arbeiter, die sämmtlich auf dem Boden der Internatio= nalen stehen. Redner fordert am Schluß Bakunin auf, seinen Einfluß auf die slavischen Arbeiter zu benutzen, um ihnen die panslavistischen und pfäffischen Neigungen auszutreiben. Bakunin verspricht dies thun zu wollen. Flocquet berichtet über die Sektion Locle. Applegarth erstattet Bericht über die Thätigkeit der Internationalen Arbeiterassoziation in England und überhaupt über die dortige Arbeiterbewegung. Zunächst beschreibt er die Einrichtung der Trades Unions. Seine eigene Gesellschaft", die der Zimmerleute, wurde 1860 mit 20 3weigen gegründet. Jetzt hat sie 230 3weige in dem Vereinigten Königreich und zwei in Amerika, mit zusammen 9500 Mitgliedern und einem Fonds von 17,000 Pf. St. Seit ihrem Bestehen hat die Gesellschaft 30,000 Pi. St. ausgegeben für Krankenunterstützung, Unterstützung im Fall der Arbeitslosigkeit, Hilfe in Unglücksfällen, Förderung der Auswanderung, Unterstützung von invaliden Arbeitern, nach ihrer Wahl entweder auf einem Brett 100 Pf. St. oder eine wöchentliche Unterstützung von 5, 7 oder 8 Sch. Aehnlich sind alle Trades Unions organisirt. In neuerer Zeit sind die Trades Ünions auch mehr als bisher in die politische Bewegung eingetreten. Der Sieg der letzten Reformbewegung ist wesentlich den Trades Unions zu verdanken, die das ganze Gewicht ihres Einflusses, ihrer 800,000 Mitglieder in die Wagschale der Reformliga warfen. Redner spricht dann von den Gewerkverbrechen"( Trade outrages) in Sheffield, der vom Parlament angeordneten Untersuchung, die ein für die Trades Unions so günstiges Resultat lieferte, von den Bestrebungen der Trades Unions, gesetzlichen Schutz zu erlangen. Zum Schluß fordert Applegarth die Arbeiter des Continents auf, sich mehr mit praktischen Maßregeln als mit theoretischen Luftgebilden zu beschäf= tigen und erklärt im Namen seiner ,, Gesellschaft" und der übrigen Trades Unions, daß er nach Basel gekommen sei, um eine Allianz der englischen Trades Unions mit den kontinentalen Gewerksgenossenschaften( sociétés de résistance) anzubahnen. Es ist eine Verleumdung, daß wir eisersüchtig seien auf die ausländischen Arbeiter. Wir haben verstanden, daß wir unsere Interessen nur im Bunde mit unseren Brüdern auf dem Kontinent zu wahren vermögen. Und daß die englischen Arbeiter dies begriffen haben, ist wesentlich das Verdienst der Internationalen Arbeiterassoziation." ( Anknüpfend an die Rede Applegarth's kann ich mittheilen, daß die Kommission über die Gewerksgenossenschaftsfrage Vorschläge behufs internationaler Verbindung der Gewerksgenossenschaften ausarbeitet, die ohne Zweifel die Zustimmung des Congrejjes erlangen werden.) Verlesung der Namensliste. Schluß der Sitzung Abends 63 Uhr. Basel, 9. Septbr. Die heutige Vormittagsfitzung wird um 9 Uhr eröffnet. Nach verschiedenen geschäftlichen Mittheilungen berichtet Brismée, daß die Mandatprüfungs- Commission, welche zu diesem Zweck sämmtliche deutsche Delegirten zugezogen hatte, das Mandat Goegg's vollständig in der Ordnung befunden hat und über die( ganz frivole) Anklage einiger Genfer Mitglieder zur Tagesordnung übergegangen ist. Im Namen der Commission, welche über die Einrichtung der fünftigen Congresse eine Richtschnur auszuarbeiten hatte, erstattet nun Robin Bericht. Vorgeschlagen ist: Der Congreß beginnt den ersten Montag im Monat September, Vormittags 9 Uhr. Ein provisorisches Comitee, gewählt von der Lokalsection, hat vom Samstag an bis zur definitiven Constituirung des Bureaus zu fungiren, und die Mandate in Empfang zu nehmen, Namen und Adresse der Delegirten aufzuzeichnen. Montag Vormittag 9 Uhr erste Sitzung: Wahl einer Commiffion, bestehend aus zwei Mitgliedern jeder Nationalität, welche sofort die Mandate zu prüfen hat. Mandate, die bei der Verlesung eine Beanstandung Seitens der Mitglieder erfahren, werden an die Commission zurückgegeben. Nach Verification der Mandate erfolgt Constituirung des Bureaus, bestehend aus 1 Präsidenten, 1 Vicepräsidenten und je 3 oder 4 Sekretären der verschiedenen Sprachen. Hierauf Ernennung der Commissionen über die 6 Monate vorher von dem Generalrath auf die Tagesordnung zu setzenden Fragen. Eine Commission wird niedergesetzt für die Correspondenz des Congresses und eine weitere für die administrativen Angelegenheiten. Für die Commissionen über die Principienfragen haben die Mitglieder sich selbst zu defigniren. Die auf der Tagesordnung stehenden Fragen gehen allen anderen vor. Montag Nachmittag werden die Berichte verlesen. Ueber diese darf aber nur in den Administrativsizungen( Morgens) discutirt werden. Berichte, deren Verlesung mehr als 10 Minuten erheischt, werden von der Correspondenz- Commission abgekürzt( resumirt). Aus einem Land oder von einer Gruppe kann nur Ein Bericht verlesen werden. Jeden Abend haben die Commissionen zu sitzen, denen auch die eingelaufenen Denkschriften zu überweisen sind. Dienstag bis Samstag von 9-12 Uhr Administrativsitzungen. An denselben Tagen von 2-6 Uhr Verlesung der Commissionsberichte, und daran sich knüpfend, Diskussion der Prinzipien. Betreffend die Geschäftsordnung sind die von diesem Congreß gefaßten Beschlüsse maßgebend. Die Vorschläge der Commission werden mit folgenden Abänderungen angenommen: Statt eines Vicepräsidenten zwei, wie bisher. Statt mehrerer Berichte foll dem Congreß nur ein einziger vorgelegt werden; derselbe ist von dem Generalrath aus den Einzelberichten auszuarbeiten, die diesem spätestens zwei Monate vor Zusammentritt des Congresses zuzusenden sind. Lettere Bestimmung wurde nach einer ziemlich lebhaften Debatte mit 28 gegen 23 Stimmen angenommen. eine Ein Antrag, am heutigen Abend eine außerordentliche Sitzung zur Discussion prinzipieller Fragen abzuhalten, wird nicht unterstützt, dagegen einstimmig beschlossen, von heute an jeden Abend Administrativsigung( von 8-10 Uhr) abzuhalten, und dann morgen und übermorgen jeden Tag zwei öffentliche Sitzungen stattfinden zu lassen. Während der Debatte über diesen Antrag hatte ein Vorschlag, die Frage der directen Gesetzgebung morgen in einer außerordentlichen Sitzung zu discutiren, zu einer etwas stürmischen Scene geführt, weil die französischen und belgischen Delegirten darin einen Bersuch erblickten, den vorgestern gefaßten Beschluß, daß diese Frage erst nach Erledigung der fünf, vom Generalrath auf die Tagesordnung gesetzten Fragen behandelt werden soll, umzustoßen. Schluß der Sitzung 1234 Uhr. Die verschiedenen Anträge betreffend das Suspensionsrecht des Generalraths c.( f. den gestrigen Bericht) sind zu folgendem Antrag verschmolzen worden, der in der nächsten Administrativfitzung zur Ver= handlung kommen wird: " Der Generalrath hat das Recht, den Anschluß jeder neuen Section oder Gruppe der Internationalen zuzulassen oder zu verweigern. Eine Appellation an den nächsten Congreß ist jeder Section vorbehalten. Jedesmal und überall, wo es föderale Gruppen gibt, muß der Generalrath, bevor er den Anschluß einer neuen Section oder Gruppe zuläßt, die Gruppe befragen. Der Generalrath hat jedoch das Recht, schon vorher ein provisorisches Urtheil in dieser Beziehung abzugeben. Der Generalrath hat ebenso das Recht, bis zum nächsten Congreß eine alte Section der Internationalen zu suspendiren. Jede förderale Gruppe ihrerseits kann aus ihrer Mitte eine Section ausschließen, ohne diese letztere jedoch ihres internationalen Characters berauben zu können. Aber die föderale Gruppe kann die Suspension der betreffenden Gruppe beim Generalrath beantragen. Wenn Streitigkeiten unter den Gliedern einer nationalen Gruppe oder unter Gruppen verschiedener Nationalitäten entstehen, hat der Generalrath das Recht, den Streit zu entscheiden, vorbehaltlich der definitiven Entscheidung des nächsten Congresses." Nachmittagssigung. Beginn 24 Uhr. Bei Verlesung der Namensliste wird constatirt, daß Ober winder noch immer unwohl ist. Wie ich zur Beruhigung seiner Freunde mittheilen kann, befindet er sich auf dem Wege der Besserung und wird wohl noch den letzten Congreßfizungen beiwohnen können. Das Protocoll der gestrigen Nachmittagsfizung wird verlesen und genehmigt. Becker berichtet nun über die weiteren Zuschriften 2c. an den Congreß. Es sind darunter Telegramme und Zuschriften aus Paris, Reichenberg( Böhmen), Wiener- Neustadt, Neufville( sur Saone), von ,, unverbesserlichen Socialisten", Braunschweig( vom Ausschluß der socialdemocratischen Partei und vom dortigen Arbeiterverein), Wolfen= büttel, Philadelphia( von den Mitgliedern der Arbeiter- Union); der betreffende Brief zeigt an, daß auf dem letzten Congreß der AbeiterUnion zwei Delegirte zum Baseler Congreß gewählt worden sind; dieselben sind unterwegs( für den Fall, daß sie nicht rechtzeitig ankommen sollten, theilt das Schreiben die Instructionen der Delegirten mit). Nun beginnt die Berichterstattung der verschiedenen Commissionen über die Prinzipienfragen. Zunächst kommt der Bericht der Commission über das Grundeigenthum. De Paepe verließt die Beschlüsse der Commission in französischer, Rittinghausen in deutscher Sprache. Die Beschlüsse lauten: Der Congreß erklärt, daß die Gesellschaft das Recht besitzt, das Privateigenthum an Grund und Boden abzuschaffen und in gemeinsames Eigenthum umzuwandeln; Er erklärt ferner, daß diese Umwandlung eine Nothwendigteit iſt." In Bezug auf die Art und Weise, wie der Boden bebaut und benutzt worden soll, sind zwei Meinungen vorgebracht und vertheidigt worden: 1) Die Majorität ist der Ansicht, daß der Boden durch die solidarisirten Gemeinden bebaut und ausgebeutet werden soll. 2) die Minorität glaubt, daß die Gesellschaft den Grund und Boden einzelnen Ackersleuten oder, was besonders betont wird, Agriculturgenossenschaften gegen Zahlung der Rente an die Gemeinschaft übergeben müsse. Die Majorität besteht aus: J. Ph. Becker, Collin, Varlin, Rittinghausen, Jenesch, Leßner, Lucraft, Sentinon. Die Minorität besteht aus: Berantwortlicher Redakteur: 94 Vichtnecht 468 De Paepe, Pieton, Langlois, Murat, Creusot. Der Abstimmung enthalten sich Heß( Paris), der einfache Bestätigung der vorjährigen Brüsseler Beschlüsse verlangt. Die Discussion wird eröffnet. Eccarius beantragt im Namen des Generalrathes einfache Bestätigung des Brüsseler Beschlusses, welcher also lautet: " In Erwägung, daß die Erfordernisse der Production und die Anwendung der bekannten Gesetze der Agronomie den Großackerbau erheischen und die Einführung von Maschinenarbeit und die Organisation ländlicher Arbeitskraft nothwendig machen, und daß im Allgemeinen die moderne ökonomische Entwickelung dem Großackerbau zuſtrebt; In Erwägung, daß demgemäß die ländliche( Ackerbau-) Arbeit und das Landeigenthum auf denselben Fuß gesetzt werden muß wie die Bergwerte( die ein früherer Beschluß für Gemeineigenthum erklärt); In Erwägung, daß die productiven Eigenschaften des Bodens das Urmaterial auer Producte bilden, die Urquelle aller Productionsmittel und aller brauchbaren Dinge, die keine Arbeit erheischen; Ist der Congreß der Meinung, daß die ökonomische Entwickelung der modernen Gesellschaft es zu einer gesellschaftlichen Nothwendigkeit machen wird, das Ackerland in gemeinschaftliches gesellschaftliches Eigenthum zu verwandeln und der Boden von Staatswegen an Ackerbaugesellschaften( Genossenschaften) zu verpachten ist, unter ähnlichen Bedingungen wie die Bergwerke und Eisenbahnen." ( In der betr. Stelle des Beschlusses über die Bergwerke und Eisenbahnen heißt es: Die Arbeiter sind contractlich verpflichtet, die Eisenbahnen c. in vernünftiger und wissenschaftlicher Weise auszubeuten, und den Preis für das Publikum möglichst den Betriebskosten anzupassen. Der nämliche Contract muß dem Staat das Recht wahren, die Rechnungen der Gesellschaften zu prüfen, damit keine Monopole entstehen können. Ein zweiter Contract muß die Rechte jedes einzelnen Gesellschaftsmitgliedes gegenüber seinen Collegen wahren.") Richard verliest ein Votum der Lyoneser Sektion über die Grundeigenthumsfrage. Das Votum versucht eine Fusion des Proudhonismus mit dem Communismus und ist in so fern bemerkenswerth, als die Section Lyon sich auf dem vorigen Congreß noch gegen das collective Grundeigenthum erklärte. De Paepe verliest den Bericht des belgischen Generalraths über die Grundeigenthumsfrage( abgedruckt in der letzten Nummer der Internationale"). Dieser Bericht gibt einen historischen Ueberblick der Bestrebungen auf diesem Gebiete und fordert in entschiedenster Form Abschaffung des Grundeigenthums im Sinne des oben mitgetheilten Brüsseler Beschlusses. Aubry berichtet Seitens der Section Rouen. Auch dieser Bericht sucht den Proudhonismus und Communismus zu versöhnen und schlägt vor: Das Grundeigenthum soll den Gemeinden gehören und individuell bewirthschaftet werden; die Gemeinden haben sich föderativ im Staat zu organisiren. Heng verliest den Antrag der Genfer Section, dahin gehend, die Brüsseler Beschlitsse einfach zu bestätigen. The malé erklärt sich gegen das Collectiveigenthum, weil es noch nicht practisch erprobt sei. Das Einzige, worauf es ankomme, sei, den Arbeitern den Besitz der Arbeitsinstrumente und folglich auch des Grundes und Bodens zu sichern. Die Menschheit bedürfe der Gleichheit, und auf diese oder andere Weise müsse die Gleichheit hergestellt werden. das Stepney berichtet( um zu zeigen, daß der Collectivismus dem Menschen angeboren ist) über eine Colonie von 1000 OneidaIndianern im Staate Michigan am Oberfee. Die Colonie ist von dem Staat Newyork angelegt. Ursprünglich erhielt jeder Indianer eine gleich große Parzelle; da die Indianer nun eine eigenthümliche Abneigung gegen das Alleinsein haben, sind sie auf den Gedanken verfallen, gejammte Land collectiv zu bearbeiten. Incidentell erzählt Redner( der aus eigener Erfahrung spricht), daß die amerikanischen Missionäre innerhalb der 8 Jahre, während welcher die Ansiedlung besteht, nur 5 Indianer zum Christenthum zu befehren vermocht hätten, ,, was einen Beweis liefere, daß es diesen Naturkindern nicht an In telligenz fehle." Goegg weist an der Hand der Geschichte nach, wie die Gesellschaft in einem beständigen Umgestaltungsproceß sich befindet, und wie auch das Privateigenthum nur eine Uebergangsform ist. Er erklärt sich für Abschaffung des Lohnverhältnisses, nach dessen Fall auch das Privateigenthum an Grund und Boden verschwinden werde. Lucraft will, daß das Grundeigenthum Staats eigenthum werden soll. Da dies nur in einem freien Staat möglich ist, wo Klassen- und Standesherrschaft nicht besteht, so ist bei einem solchen Zustand auch nicht für die individuelle Freiheit zu fürchten. Der Großackerbau sei unzweifelhaft weit productiver als der Kleinackerbau, aber wie er jetzt betrieben wird, gereicht er nur den wenigen Privilegirten zum Vortheil das Volk ist enterbt. Zu sagen, das Collectiveigenthum dürfe nicht eingeführt werden, weil es noch nicht erprobt worden sei, heiße jeden Fortschritt für unmöglich erklären. Liebknecht, der diese Nede zu übersetzen hat, benützt die Gelegenheit seine Uebereinstimmung auszusprechen. Schluß der Sitzung 6% Uhr. Dunst und Shaylar: 9