Ztr. 66. Abmmtmeitts- KrdiiM�e«: Abonnement!-Pr«tS prSnumerand«: Vierteljahrs Z�o Mb, monatl. I,1SMk>, wöchentlich 2S Psg. fwt tn! chau!. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag!- Nummer mit tllustrtrter Sonntag!- Vellage„Die Neue Welt" lv Pfg- Post- Abonnement: ZLO Marl pro Quartal- Eingetragen tn der Post- Zeitung!- Preüllste für 1897 unter Nr. 7437. Unter«reuzband für Deutschland und Lcfterrelch- Ungar» 2 Mark, für da! übrige Au!land 3 Marl pro Monat. Erscheint taglich außer»tontag». Devliner Volksblelkk. 14. Jahrg. Die Inskrtions- Gebühr betrSgi für die fechsgefpaktene Kolonel-- zcile oder deren Raum 40 Pfg., für verein!- und Persammlungs-Anzeigen, sowie«rbeiümarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag! in der Expedition abgegeben werde». Die Expeditton ist an Wochentagen bi! 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi! 9 Uhr vormittag! geöffnet. Htrnsprrchrr:«ml I, Nr. lSOS. Telegramm- Adresse: «Svtialdrmostral Srrlln". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Medtlktion: SW. 19. Ueuty-Straße 2. Freitag, den 19. Marz 1897. Expedition: SW. 19, Wenth-Straße 3; Die MÄvineleichen sind nicht wieder lebendig zu machen, und den Wasser- äiauvinisten ist nur zu rathen, daß sie aus der Roth eine Tugend machen und ihre Marineleichen hübsch einmariniren. Umsonst hat Herr v. Stumm die Alarmtrommel gerührt, und, unter Berufung auf eine Person, auf die er sich zu be- rufen die Gewohnheit hat, mit einem„Kladderadatsch" gedroht. Auch der nervöseste der Zentrumsleute— die übrigens meist zu wohlgenährt sind, um nervös zu sein— lächelte bei dem Gedanken an diesen„Kladderadatsch". Die Marineleichen bleiben Marineleichen. Umsonst stellten gewisse Soldschreiber, deren Eifer im umgekehrten Verhältniß zu ihrem Takt und Geschick steht, Szenen in Aussicht, welche der Hinrichtung zweier Monarchen von Gottes Gnaden vorausgegangen sind— die Diarineleichen bleiben Marineleichen. Umsonst öffneten in der gestrigen Reichstagssitznng, nach- dem Herr Lieber seine anderthalbstündige Referentenrede— von der wohl niemand gesagt hat: je länger je lieber— zu all willkommenem Schlüsse gebracht hatte— umsonst öffneten, der Reihe nach, militärisch antretend, der Reichskanzler von Hohenlohe, der Staats- sekretär v. Marschall und der Admiral v. H o l l m a n n die Schleusen ihrer Beredtsamkeit— die Marineleichen bleiben Marineleichen. Was hatten die drei auch zu sagen? Der Herr Reichs- kanzler und der Herr Marineleiter stehen nicht in dem Ruf— der Achtung thut das ja keinen Abbruch—, glänzende Redner zu sein, und sie haben ihren Ruf redlich verdient und straften ihn gestern auch nicht Lügen. Aber Herr v. Marschall gehört zweifellos zu unseren bestern Rednern. Und gestern sprach er nicht besser als seine Kollegen. Es war ja auch nicht Herr v. Marschall, der sprach, sondern ein anderer, der aus ihm sprach; und ein anderer, der— ein anderer war. Da wurde denn nichts zu tage gefördert, als die Schablonenargumente und Schlagwörter, die jeder Zeitungsleser seit Monaten, �ja seit Jahren auswendig weiß. Und je besser ein Redner ist, desto schlechter redet er, wenn er mit Schablonen zu arbeiten hat, und noch dazu ivenn daS Reden weniger ein Werk der Liebe ist, als der Pflicht. DaS einzige Argument des Herrn von Marschall. daS scheinbar über die Schablone hinausragte, jedoch auch nur Schablonisirung von Schablonen war, lautete:„Deutschland ist eine Weltmacht und folglich muß es Weltmachtpolitik treiben. Zur Weltmachtpolitik gehört aber..(für das weitere sehe man die Schablone.) Gewiß ist Deutschland eine Weltmacht. Wer bestreitet das? Es hat 53 Millionen Einwohner, eine große Industrie und einen großen Handel und die allergrößte Armee. Das lernen die Schulkinder aller Länder der Erde. Also an der Weltmacht ist nicht zn zweifeln. Und eine Weltmacht muß auch eine Weltpolitik haben. Gut. Allein, ivas versteht man unter Weltpolitik? Daß das Deutsche Reich nach innen— denn unser Deutschland gehört doch wohl zur Welt— und nach außen im Sinne der Kultur und Humanität wirke? Für eine solche„Weltpolitik" ist jeder vernünftige Mensch. Unsere Wasser- und Land-Chauvinisten verstehen unter„Welt- Politik" aber ein himmelweit verschiedenes Ding.„Welt- Politik" in ihrem Mund heißt, daß Teutschland auf der ganzen Welt seine„Macht" zeigen und den Welt- Gendarm spielen soll, der überall, wo unseren Macht- habern irgend ein Mensch, oder irgend ein etwas mißfällt, mit der Flinte, die schießt und dem Säbel der haut, die „Ordnung" aufrecht erhält oder herstellt. Die„Ordnung" unserer Wasser- und Land-Chauvinisten kennen wir; und für diese Welt-Gendarmcn-Politik danken wir. Diese Politik hat allerdings eine zehnmal so große Flotte nöthig, als wir jetzt haben. Wer ein Feind dieser Politik ist— und das ist die ungeheuere Mehrheit des deutschen Volks— muß folgerichtig auch die weltpolitischen Flotten- pläne bekämpfen. Denn zur V e r t h e i d i g u» g sind wir stark genug, und Mittel zum Angriff wollen wir unseren Macht- habern nicht in die Hand geben. Zum Glück sind die weltpolitischen Flottenpläne nicht blos verwerflich vom Standpunkt der Kulturstellung Deutschlands und in bezug auf ihre gemeinschädliche Tendenz, sie sind auch unmöglich. Eine Flotte, die eS gleichzeitig mit der französischen und russischen oder gar mit der englischen aufnehmen kann, kostet so viel und ist so schwer herzustellen, daß weder unsere finanzielle, noch unsere technische Leistungsfähigkeit der Aufgabe auch nur annähernd gewachsen ist. So lange Herr Miquel nicht ehi unerschöpfliches Goldberg- iverk aus dem Monde entdeckt hat, sind die weltpolitischen Flotten- Pläne lustige Nebelgebilde, die sich von einer Fata Morgana nur dadurch unterscheiden, daß sie nicht so schön sind. Denn Leichen sind nicht schön, und auch Marine- Leichen sind Leichen. Der Reichstag wird die Leichen begraben. D r n ck f« h l e r. Im gestrigen Leitariikel:„Der achtzehnte März" muß es Sp- 2 im 10. Absatz von oben heißen:„Keine Minute" statt„eine Minute". Und in dem Bericht„Ans dem Reichstag" steht zu»! Schluß, der Antrag auf Uebergang zur Tages- oidming sei abgelehnt morden- Statt abgelehnt muß es heißen: angenommen.--- Kveka vov der frÄttzöZrschvn Nanimev. Paris, 16. März. DaS„europäische Konzert" ist nun komplett. Der Dirigent des- selben, die zarische Regierung, bat durch Vennittelung des Herrn Hanotaux ohne Muhe den Widerstand der sozialistischen und radikalen Opposition Frankreichs besiegt. Jn der That, über der gestrigen Kreta-Debatte schwebte noch sichtbarer als über.he» früheren Orientdebatte» die Frankreich um- klammernde eiserne Hund des Zarenthums. Der Inhalt der Erklärungen Hanotaux' ivar schon am Borabend der Debatte genau bekannt. und zwar aus einer in sämmtlichen Abendblättern erschienene» offiziösen Depesche aus Petersburg, worin es hieß, i»an wäre in de» dortigen„offiziellen Kreisen, in den Zeitungen und im Publikum"(!!) über die Nolhwendigkeit einer eventuellen Zwangs aktion gegen Griechenland einig und man warte nur noch auf die Entschlüsse der französischen Kammer. Das war deutlich. Gegen den brutalen Befehl aus Petersburg konnten die besten Argumente, die heftigsten Proteste der oppositionellen Redner nicht auskoinmen. Doch das materielle Ergebniß der Debatte stand von vornherein fest. Ihr Hauptinteresse liegt darin, daß der linke F l ü g e l der Radikalen durch Gablet und die Sozialisten durch M i l l e r a n d und I a u r e s der russischen Politik der Regierung eine demokratische, unabhängige Politik entgegengesetzt habe». Bon der zutreffenden Ansicht ausgehend, daß Frankreich im Orient keine anderen als rein moralische», mit den Freiheilsbestrebungen der nichttürkische» Stämme zusammenfallenden Interessen hat, sor- derten die oppositionellen Redner die Regierung auf, die Politik Freycinet's im griechisch-lürkischen Konstikt von 1686 zu be- folgen. Die damalige Regierung beschränkte sich auf eine feldständige, vom europäischen Konzert unabhängige Aktion, ohne dadurch den allgemeine» Frieden zu gefährden. Im Gegentheil, der selbstlose, freundliche Einfluß Frankreichs auf die griechische Re- gierung bestiinmte diese zum Rückzug. Die daraus trotzdem erfolgte Blockade des Piräus wurde von den übrigen Mächten ohne B e- theiligung Frankreichs ganz überflüssiger Weise durchs geführt, aus einfachem Eigendünkel, weil sie der Republik den fried lichen Triumph nicht gönnten. Warum n»» könnte Frankreich gegem wältig nicht eine ähnliche Haltung beobachten? Warum hat eö nicht seinen Einfluß bei einer„besrcundetenMacht" zugunsten einer friedliche». den neueste» versöhnlicheren Eröffnungen der griechischen Regierung enl- gegenkommenden Lösung in die Wagschale geworfen? Wozu, in wessen Interesse soll Frankreich an einergewaltsamen Aktion theilnehmen.diezu- gleich die Verleugnung seiner freiheitlichen Ueberlieferungen in der Orienipolitik bedeuten und zu seinem eigenen nationalen Haupt- interesse in bezug aus Elsaß-Lothringen in direktem Widerspruche stehen würde? Letzterer Gesichtspunkt bildet, beiläufig gesagt, ein nicht zu»nterschätzendcS Element in der griechen-freundlichen Stimmung der Opposition. Ramentlich wendet man hypothetisch, aber sehr nachdrücklich— in der Presse wie aus der Kammer- tribüne— die griechische Forderung einer kretenstscheu Volks- abftiminlwg auf die elsaß-lothringifche Frage an. An diesem Punkte angelangt, mußten die Wortführer der Opposttion wieder einmal der f r a n k o- r u s s i s ch e n Allianz auf den Leib rücken. Am bezeichnendsten ist in dieser Beziehung, daß auch G o b l e t, ein ehemaliger Minister und— wenigstens in seinen geheimen Wünschen- Ministerkaudidat, wenn auch nach einer obligaten Berbeugung vor der Allianz, die unwürdige Handlanger- Rolle Frankreichs gegenüber Rußland scharf angriff:„Es giebt keine ehrenhaste Allianz als unter der Bedingung vollkommener Gegenseitigkeit"; diese Bedingung fehle aber, wenn Frank- reich Rußlands Freundschaft um den Preis erkauft habe,„unbedingt und ohne Borbehalt alle Zwecke zu fördern, welche die russische Politik verfolgen will, heute in Asien, morgen in Europa, und das ohne Gegenleistung, ohne einen anderen Vortheil für uns als das eitle Bewußtfein, in Rußlands Fahrwasser zn schwimmen..." Roch mehr, Woblet erklärte geradeheraus, daß Frankreich besser getkan hätte, in der alten Politik der isolirten Kräftesammlung(recueillement) zu verharre», als dieselbe „bedingungslos" aufzugeben. M i l l e r a n d trat an die Allianzsrage von einer anderen Seite heran. Den bezüglichen Ausführungen Goblet's zu- stimmend, verwies er„die entschiedensten Anhänger der Allianz" auf die Gefährdung derselben gerade durch eine blinde Befolgung der russischen Orientpolitik:„Heißt es denn nicht der sranko-russischen Allianz im Volksgeifte den schwersten Schlag versetzen, in dem man den Gedanken auskommen läßt, daß Frankreich ohne ein direktes Interesse, ohne einen greisbaren Grund gezwungen worden ist, an Handlungen theilzunehmen, die vom Stand- punkte unserer Politik sich weder rechifertigen noch erklären lassen. Und warum? Einfach deshalb,«eil unser Verbündeter das von uns verlangt hatte!. Am entschiedensten erhob sich gegen die Knechtung Frank- reichs durch das Zarenthum JauröS. Der Vorsitzende B r i s s o n glaubte ihm, auf die Forderung des heulenden Zentrums, einen patriotischen Ordnungsruf ertheilen zu müssen, als er die Politik der Regierung unfranzösisch nannte. Es war ja für die zarenschwärmerische Majorität äußerst schmerzlich, zu hören, daß Fürst Uchtomski, ein persönlicher Freund des Zaren, in der von ihm redigirten„Petersburger Zeitung" über die französischen Blätter spöttelte, die den Grafen Murawjew als einen„Frankophilen" und „Germanophoben" begrüßten:„Sie vergessen", schrieb Uchtomski. „daß der neue Minister weder dies»och jenes sein kann, daß er ganz einfach ein Russe sein wird im vollen Sinne des Wortes..." Die Regierung hatte indeß, wie bemerkt, von vornherein ge- wonneneS Spiel. Je unwiderleglicher die oppositionellen Redner die von Hanotaux verkündeten Beschlüsse deS„europäischen Konzerts" als den Ausfluß der selbstsüchtigen zarischen Politik nachwiesen, desto geschlossener mußte die Mehrheit der Regierung ein Vertrauens- votum geben. Kein Abgeordneter nahm Meline's drollige Versiche- rung ernst, Rußland hätte in der ausrichtigsten und loyalsten Weise die französische diplomatische Aktion unterstützt, als ob die Hand- greiflichen Resultate dieser Aktion nicht gerade einzig und allein den russischen Jnleressen gedient hätten. Aber jedermann fühlte, daß eS sich in der Debatte nicht nur um Kreta, sondern mittelbar auch nm die nächste Zukunft der sranko-russischen Allianz handelt. Und die gegenwärtige Kammer ist am wenigste» der Auf- gäbe gewachsen, einen Umschwung in der auswärtigen Politik herbei- zuführen. Man stimmte für eine eventuelle Zwangsaktion gegen Griechenland, weil man damit für den Forlbestand der Allianz stimmte. Die Kammer verwarf sogar, auf Verlangen der Regierung, wenn auch nur mit L82 gegen 165 Stimmen, einen Zusatz zum Vertrauensvotum, der das„unverjährbare Selbst- bestimmungsrecht der Völker"— eine Anspielung auf Elsaß- Lothringen— bekräftigte. Hervorzuheben ist jedoch, daß die zarendienerische Mehrheit (350 gegen 147) im Vergleich mit der Orienldebatte vom 22. Februar um 53 Stimmen abgenommen und die Minderheit um 66 Stimmen zugenommen hat. Die gemäßigten Radikalen, mit Leon Bourgeois an der Spitze, stimmten nach wie vor für die Regierung._ politische Mebeelicht. Berlin, 18. März 1897. Ans dem Reichstage. Wie zu erwarten war, fanden sich heute Tribünen und Sitzungssaal dicht besetzt. Auch an den Bundesrathsplätzen zeigte sich nicht die öde Leere, welche man dort sonst gewöhnt ist, womit aber nicht ver- schwiegen sein soll, daß gerade die Vertreter der Mittel» und Kleinstaalen, welche sonst zu den fleißigen Besuchern zählen, heute fehlten. Auf den Tribünen sah man zahlreiche Offiziere, darunter viele Herren von der Marine. Nach Erledigung einiger nebensächlicher Angelegenheiten tritt das Haus in die Berathung des Marine-Etats ein und zwar hielt der Referent, Dr. Lieber, zunächst einen sehr eingehenden IVsstnudigen Vortrag. Der Referent gab ein umfassendes Bild über die Kommissionsberathnngen und er brachte besonders auch die Erklärungen der Regierungsvcrtreter in der Kommission zur Verlesung, um so deren Aufnahme in den stenographische» Bericht zu sichern und für spätere Fälle zugänglich zu machen. Nach den Ausführungen seines Führers steht das Zentrum St und werden sonach die neuen Kreuzer und die neue �rpedodivision in diesem Jahre noch nicht bewilligt. Nach dem Referenten verlas der Reichskanzler eine Er- klärung für die Mehrforderungen. Die rednerische Haupt- aufgäbe regierungsseitig zu lösen blieb aber dem Staats- sekretär von Marschall vorbehalten. Derselbe sprach in der orm gewandt wie immer, aber sachlich sehr matt. Sein auptbestreben ging ersichtlich dahin, die durch die Toll- äuslereien der Marine-Enthusiasten erschreckten besonneneren demente innerhalb der Parteien, auf welche sich die Regierung stützt, zu beruhigen. Der Minister bestritt, daß Neigungen für eine aggressive Weltpolitik oder für uferlose Flottcnpläne vorhanden seien. Geschützt müsse aber unser Welthandel werden und Schutz verlangen auch die Deutschen im Auslande. Dieser Schutz könne aber bei dem jetzigen Stand der Flotte nicht mehr gewährt werden, zumal unser Welthandel gewaltig gewachsen sei und derselbe immer mehr genöthigt werde, Länder aufzusuchen, denen gegenüber Forderungen ev. nur mit Androhung von Gewalt durchzusetzen seien. Der Minister versuchte auch den Nachweis zn führen, daß es sich in den abgelehnten Forderungen eigentlich gar nicht um Vermehrungen der Flotte, sondern nur um den Ersatz von untauglich gewordenen Fahrzeugen handle. Die Abstriche seien sachlich nicht begründet und schädigen die deutschen Interessen. Von etwaigen Drohungen mit Auflösung und der- gleichen war weder aus der Rede des Reichskanzlers noch des Staatssekretärs etwas heraus zu hören. Wohl aber warnte der letztere vor nutzlosen Ucbertreibnngen und Hetzereien, was sich die Flottenpauker zu Herzen nehmen könnten. Nach den Herren vom Auswärtigen Amt ließ der Marine- minister noch eine Rede los, aber das Haus hatte ersichtlich keine Lust, nur Ministerreden anzuhören; Herr von Holl« m a n n fand nur ein paar Anstandszuhörer auf der Rechten. Als erster Redner von den Abgeordneten nahm v. Kar- d o r f f das Wort. Derselbe ist natürlich für die Flotten- Vergrößerung, doch von den Morgenroth- Ahnungen, mit welchen gestern sein Busen geschwellt war, konnte man heute nichts mehr nierken. Als dafür bekannter ungeschickter Draufgänger scheint der schlesische Junker wieder einmal zn früh jnbilirt zn haben. Bemerkt sei übrigens, daß selbst Herr v. Kardorff davon absah, in Konkurrenz mit den Flottenmächten ersten Ranges zu treten. Er verlangt, daß die Flotte die drei Zwecke erfülle: Küstenschutz, Durchbrechung einer feindlichen Blockade und Schutz des auswärtigen Handels. In recht wirksamer Weise griff Abg. Müller(Z.) in die Debatte. Derselbe zeigte, wie falsch die Behauptung sei, daß es sich nur nm Ersatzbauten handele; er zeigte die kolossalen finanziellen Wirkungen der Neufordcrungen für die Zukunft, verwies auf Neufordcrungen(neu« Kanonen), die noch folgen werden und er zerstörte besonders das Märchen, daß wir die Flotte zum Schutze unseres auswärtigen Handels brauchen. Dieser blüht, wo unsere Kriegsschiffe nichts zu suchen haben, und er hat nur ganz minimale Bedeutung an den Plätzen, wo unsere Schiffe kreuzen. Mit einer Reihe von Gemeinplätzen wartete dann noch der Antisemit Werner auf, worauf die Verhandlung auf morgen, Mittwoch, 12 Uhr vertagt wurde. Vorher kündigte der Herr Präsident noch die Einbringung einer Interpellation der Polen an wegen Auflösung von Wählerversammlungen, weil sich dort Redner der polnischen Sprache bedienten, und außerdem ist ein schleuniger Antrag eingegangen, ein gegen den elsässischen Abgeordneten Simonis eingeleitetes Strafverfahren wegen Privatbeleidignng vorläufig einzustellen.— DaS preußische NbgeordnetenhanS erledigte heute zminchst mehrere kleinere Vorlagen und wandle sich sodann zur Berathnug des Antrages v. Heydebrand(k.), worin die Regierung ausgefordert wird, dem Landtage baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die bisher im Kultusetat zur Bestreitung eines ausreichenden Einkommens der Geistlichen ausgeworfenen Staatsmittel zur Gewährung von Ausbesserungszulagen an bestehende Pfarreien und von Alterszulagen a» Pfarrer wesentlich erhöht werden und ferner diese Staatsmittel in einer festen Summe den geordneten Organe» der evangelischen Landeskirche und der katho- lischen Kirche zur eigenen Verwendung nach bestimmten staats- gesetzlich festzustellenden Grundsätzen überwiesen werden sollen� Mit einer Gehaltsaufbesserung der Geistlichen sind auch die Ver- treter anderer Parteien einverstanden, nur gehen sie in ihren An- sichten über die einzuschlagenden Wege auseinander. So haben die Freikonservativen für die Etatsberathuug einen Antrag vorbereitet, den Fonds des Knltnsetats für diesen Zweck von SsOtJOW) M. auf 0 Millionen zu erhöhen. Für den konservativen Antrag sprachen sich außer dem Antragsteller auch die Abgg. D i t t r i ch(Z.), Dr. Jrmer(f), Schall(£.), Dr. Porsch(Z.) und Stöcker(k.) ans; letzterer trat für die möglichste Freiheit der Kirche vom Staate ei», wen» sie gegen die Mächte des U m st u r z e s wirksam sein soll. Gegen den Antrag wandten sich die Abgg. Frhr. v. Z e d l i tz(fk.) und Dr. S a t tl e r(nail.), welche darin den Keim zu unabsehbaren Kämpsen zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche erblickten. Mit der Aufbesserung der Geistlichen erklärte sich sowohl der Kultusminister Dr. Bosse als auch der Finanzminister Dr. v. M i q u e l einverstanden, sie hielten aber beide Anträge für ungeeignet zur Erreichung dieses Zweckes. Der Antrag v. Heydebrand wurde schließlich der Budget- lommission überwiesen. Morgen steht der Antrag Birchow betreffend Vorlegung eines KomptabilitätsgesetzeS und der Bergwerks- Etat auf der Tages- ordnung.— Die„Weltstellttttg" Deutschlands soll die Anwesenheit einer starken Seemacht im Mittelmeer und in Ostasien er- heischen. Nun— ehe Deutschland eine Flotte errichten kann, stark genug, um neben der englischen, russischen und französischen zu imponiren, ist die orientalische Frage längst gelöst. Aber Deutschland kann schon jetzt einen sehr großen Einfluß in der„Weltpolitik" ausüben. Es braucht nur— das deuteten wir neulich schon an— sich aus der Vasallen- schaft Rußlands herauszubegeben und im Sinne der Freiheit und Kultur thätig zu sein. Dann kann es, ohne ein Schiff, und ohne einen Soldaten in Bewegung zu setzen, einen weit größeren Einfluß ausüben als jetzt, und obendrein einen heil- samen. Freilich auf Dornbüschen wächst keine Traube.— Die Situation im Orient ist im Augenblicke noch un- verändert, doch dürfte endlich mit der Blockade Kreta's in den nächsten Tagen„großmächtiger" Ernst gemacht werden. Die Admirale haben den Kretern die Bedingungen der Autonomie unter der Suzeränetät des Sultans verkündigt. Aus K a n e a wird hierzu gemeldet: Die Bekanntmachung betreffend die Errichtung der Autonomie giebt der Bevölkerung der Insel kund, daß die Mächte, in dem Be- streben eine Heilung für die Uebel, welche Kreta verwüsten, herbei- zuführen und ihre Wiederholung zu verhindern, in gemeinschast- lichem Einvernehmen Maßregeln ergreifen, welche bestimmt seien, das autonome Regime zu regeln, Beruhigung herbeizuführen jedem ohne Unterschied der Abstammung und Religion die Freiheit und Sicherheit des Eigenthums zu verbürgen und die Wieder- aufnähme der ländlichen Arbeiten und des Handels sowie die fortschreitende Eutwickelung der Hilfsquellen des Landes zn er- leichtern. Die Mächte wünschen, daß dies« Sprache von allen ver- standen werde.„Ein neuer Zettabschnitt beginnt für Kreta. Mögen alle die Waffen niederlegen! Die Mächte wollen Frieden und Ordnung; im Nothsalle werden sie die nöthige Autorität besitzen, um ihren Beschlüssen Achtung zu verschaffen. Sie rechnen auf die Mit- Wirkung der christlichen und muselmanische» Bewohner bei der Ausführung des Werkes, welches den Kretern Eintracht und Wohl- ergehen zu sichern verspricht." Die„Agenzia Stefans" meldet aus K a n e a: Die Blockade Kretas wird am Sonntag Vormittag beginnen. Die hierauf bezüglichen Erklärungen werden heute in Athen und Konstantinopel abgegeben, ebenso werden die Mächte die neutralen Staaten hiervon in Kenntniß setzen. Das Blockadegebiet wird durch 2S Grad 24 Minuten und 26 Grad 30 Minuten östl. Länge vom Meridian und Greenwich einerseits und durch 3S Grad 48 Minuten und 34 Grad 45 Minuten nördl. Breite andererseits begrenzt. Die Blockade wird für die griechischen Schiffe«ine allgemeine sein; die Schiffe der Mächte und der neutralen Staaten werden landen dürfen, soweit ihre Ladungen nicht für die griechischen Truppen oder für das Innere der Insel bestimmt sind. Die Geschivaderchefs haben Griechenland aufgefordert, seine Schiffe zurückzuziehen; im Falle der Weigerung würden die Schiffe vom 21. d. M. früh an mit Gewalt entfernt werden. Aus Athen meldet die„Agence Havas": Mit Kreta ist ein vollständiges System zur Uebermittelung von Nachrichten mittels des optischen Telegraphen eingerichtet worden. Griechenland ist über eine eventuelle Blockade der griechischen Häfen»och keine Nachricht zugegangen. Die Deputirtenkainnier hat ein Gesetz angenommen, durch welches die gerichtlichen Fristen aufgehoben werden. Die„Asty" erklärt, im Falle einer Blockade der griechischen Hctten werde Griechenland die Mächte vor folgendes Dilemma stellen: sich entweder zu Verbündeten der Türkei zu erklären, oder als Zuschauer einem Zweikampfe beizuwohnen, dessen Ausgang nicht so sicher sei, wie Europa glaube. Der Athener Korrespondent des Pariser„Journal" meldet, der König habe gestern erklärt, er sei entschlösse», es bis zum Aeußersten kommen zu laffen. Oberst Vassos habe Befehl er« halte», eine Landung europäischer Truppen zu verhindern. Die„Times" melden aus Athen: Die Blockade der griechischen Häfen werde anscheinend für die nächste Zeit noch nicht stattsinden. Der Berichterstatter der „Times" fügt hinzu, er habe Grund zu glauben, daß in einfluß- reichen Kreisen Athens eine friedlich« Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeit ernstlich gewünscht werde. Aehnliches wird aus Rom gemeldet Die griechische Regierung sei zur Nachgiebigkeit bereit unter der Boraussetzung, daß die Mächte in formeller Hinsicht ihr irgendwie entgegenkommen. Die Blockade beginnt heute(?). Die Abfahrt eines Theils der italienischen Truppen nach Kreta steht unmittelbar bevor. Die neuesten Meldungen widersprechen freilich der An- nähme einer friedlichen Lösung. So wird der„Agence Havas" aus K a n e a telegraphirt: Oberst Vassos hat in Sphakia große Mengen Lebensmittel aufgehäust. In seinem Verhalten läßt nichts darauf schließen, daß er Kreta räumen wolle. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Sitia vom 17. d. M.: Heute wurde von den Rnfstäiidischen auf fremde Offiziere gc- schössen. In anbetrachl dieses Verhaltens habe» die Befehlshaber der französischen, englischen und italienischen Schiffe bejchlossen. Donnerstag Mittag das Dorf Piskopi durch drei Schuß zu bom- bardire». Dies wurde den Aufständischen angezeigt. Die Stadt wurde durch fremde Truppen besetzt und ist ruhig. Tie Ocsterreicher haben schon einen Konflikt mit den Insurgenten gehabt. Die Wiener„Politische Korrespondenz" meldet hierüber: Das österreichisch-ungarische Schiff-„Scbenico" lief am 17. d. M., aufgefordert vom Kommandanten des britischen Schlacht- schiffes„Rodney", von Kandia a»s, um bei Kap Dia einen angeblich mit Munition und Proviant beladen«» Schooner zu rekoguosziren. In der Bucht von Dia eröffnete» die Jufurgenten ein Gewehrfeuer auf den„Sebenico", welches so- fort erwidert wurde. Der Schooner wurde in Grund geschossen; die Insurgenten wurde» verjagt. Der„Sebenico" hatte keine Verwundete. Ans London wird telegraphirt: Die nach Kreta beorderten europäischen Truppen- abtheilungen sollen, wie das„Reuter'sche Bureau" erfährt, Haupt- sächlich zur Aufrechterhaltuug der Ordnung in den Städten und deren Nachbarschaft verwendet werden, da eine so kleine Truppe nicht gut eine andere Thäligkeit entfalten könnte. Der Zweck der Blockade sei derjenige, eine Landung iveiterer griechischer Truppen, sowie die Ausschiffung weitereu Materials und Lebensmittel zu verhindern. Schwere wirthschaftliche Folgen zeitigt der kretcnsische Konflikt schon auf direkt gar nicht betheiligte Staaten. So liegt über eine Wirkung derselben auf Rumänien die sol- geude charakteristische Meldung vor: Eine wahre Panik haben die Wirren auf Kreta in Bukarest und in einigen anderen Städten RuinämenZ verursacht. Dort ist feit einiger Zeit das Gerücht verbreltet, daß Rumänien in einen orientalischen Krieg verwickelt werde» würde, und daß alle in den öffentlichen Banken deponirten Gelder zu Kriegszwecken verwendet werden müßten. Die Banken und Spar- lassen haben nun einen kräftigen Austurm besonders der ärmere» Bevölkerung des Landes auszuhalten, die mit fieberhafter Eile ihre Einlagen behebt und zurückzieht, damit sie nicht eine„Beule des Krieges" werde». An den Schaltern der Bukarester Sparkasse werden jetzt täglich an 80 000 Lire zurückgezahlt, während sonst nur durchschnittlich 7000—8000 Lire ausgezahlt wurden.— Eine bemerkenswerthe Aeußeruug des Führers der englischen Liberalen, Harcourt liegt vor. Er sagte gestern! Die Politik Frankreichs sei eine Politik zweiter Hand und die Politik Großbritanniens sei eine solche dritter Hand gewesen. Die liberale Partei habe die Politik verworfen, welche die Jittegrität des ottomanischen Reiches zur Grundlage habe. Harcourt schloß, indem er im Namen der britischen Nation dagegen Einspruch erhob, daß Großbritannien gegen seinen Willen zum Theilnehmer einer Politik gemacht werde, deren einziger praktischer Erfolg der Untergang Armeniens und die Zwangsmaßregeln gegen Griechen- land gewesen seien. Der italienische Marineminister B r i n äußerte sich gestern in einer Wahlrede zn den schwebenden Fragen im Orient: Die von den Mächten geschaffene Autonomie entspreche dem Wunsche der kretischen Bevölkerung und sei daher auch den Traditionen Italiens nicht zuwider. Die Autonomie unter dem Vorbehalt der Suzeränität des Sultans sei das hergebrachte diplomatische Mittel, die türkische Herrschaft zu beendigen(?), gleichzeitig aber das Prinzip der Integrität der Türkei zn wahren(?) und die Lösungen der Zukunft ohne Erschütterung des europäischen Friedens vorzubereiten.— Chronik der MajestätsbrleidigungS-Prozesse. Das Flens- burger Landgericht hat die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den Knecht Johannes Paulsen, welcher wegen Majestätsbeleidigung verurlheilt und bereits seit sechs Monate» im Glückstädter Gefängniß internirt ist, beschlossen. P. soll gegen eine Kaution von 2000 M. auf freien Fuß gesetzt werden.— « Deutsches Reich. — Die armen Veteranen, die wegen ihrer zu ge- ringen Pensionen �oder wegen der Schwierigkeiten, überhaupt in den Gennß der Pensionen zu kommen, sich vergeblich bemüht haben. sind plötzlich Gegenstand schmerzlichsten Bedauerns geworden. Sie sollten ei» Erinnerungszeichen, eine bronzene Gedenk- münze an„Kaiser Wilhelm de» Groben" erhalten. Aus Mangel a» versügbare» Mitteln muß die Vertheilung dieser Gedenknrünze auf die Armee und die Festtheilnehmer beschränkt bleiben. Der„ReichZ-Anzeiger" legt es dem Reichstage in elegischem Tone nahe, die Initiative für die Bewilligung dieser Mittel zu ergreifen. Dieser Appell wird nach der lautlosen Einsargung des Gedenkhallcn-Projektes vergeblich fein. Es will nichts mehr gelingen.— — Der Ausschuß für Wohlfahrtspflege auf dem Lande scheint mit seinen Bestrebungen nicht allzu weit zu kommen. Wie sollt« es auch. Er bestrebt sich,„das ethische und geistige Wohlbehagen der ländliche» Bevölkerung zu fördern, das Land dem Landvolk lieb und werth zu erhalten und dadurch der Abwanderung in die Städte zu steuern". Er will dies erreichen durch die Erneue- rung alter volksthümlicher Sitten, Spiele, Unterhaltungen, Bildungs- Veranstaltungen, Genossenschaften und vieles dergleichen— und das alles heute, wo die kapitalistische Betriebsweise sich auch in der Landwirthschaft immer weiter ausbreitet, wo die Scheidung in„Edle»nd Unfreie", Großgrundbesitzer und Land- Proletarier immer deutlicher wird! Diesen Tendenzen wolle» die Bestrebungen des Wohlfahrtsausschusses entgegenwirken; aber es ist ein aussichtsloser Kampf. Das Vcrhältniß der landwirthschaftlichen Unternehmer zn den Landarbeiter» ist nicht von patriarchalischem Wohlwollen und dem „deutschen Gemnth" beherrscht, sondern von der Frage, wie man für möglichst wenig Geld möglichst viel menschliche Arbeit bekommen könne. Und die Landarbeiter andererseits kommen auch schon vielfach zur Erkenntniß ihrer Klaffeulage; sie sangen an zu denken; sie fühlen sich nicht überall mehr sklavisch an die Scholle, die ihnen nicht gehört, gefesselt; sie gehe» dorthln, wo sie die größere Freiheit, oder den höhere» Loh», oder die bessere Woh- nung haben— und das ist in der Regel die Stadt. Um gegen alles dieses auznküinpfen, wendet sich der erwähnte Wohlfahrtsausschuß meinem öffentlichen Ausruf jetzt an die Frauen. Er schreibt: Als ein wesentliches Mittel zur Förderung der Wohlfahrtspflege hat sich die Anstellung geeigneter weiblicher Kräfte herausgestellt, welche sich den mannigfachen religiösen, ethischen, hygienische» und volks- thiimlichen Aufgaben der Wohlfahrtspflege berussmäßig widmen. tierist cin Feld für die Frauenbewegung unserer age gegeben, dessen Bestellung sicher zu keinem der Vorwürfe führen kann, welchen einzelne über das Ziel hinaus- schießende Zweige dieser Bewegung nicht mit Unrecht aus- ausgesetzt sind. Wie viele Dame», gerade der höheren Gesellschaftskreise würden in einer solchen Thätigkeit auf dem Lande«ine» befriedigenden Berus und eine zufriedene Existenz finden können. Es gehört dazu freilich eine besondere Ausbildung für diese nicht leichten Aufgaben, und es sind demgemäß ent- sprechende Unterrichtskurse ins Leben gerufen. Neben den Kursen in Neurode ist aus ein ähnliche Ziele verfolgendes Unternehmen des Prinzen Albrecht zu Solms-Brannfels in Schloß Werdors und ans die Schule aufmerksam zu machen, welche ein Komitee hochstehender Damen, an dessen Spitze Fräulein v. K o r.tz fl e i s ch in Hannover steht, in Niedcr-Ofleiden bei Homburg in Oberheffen ans einer Besitzung der Freifrau v. Schenk ins Leben gerufen hat. Hier sollen alle solche, welche hierzu den Beruf verspüren, für eine dauernde Thätigkeit im Dienste der Wohlfahrtspflege auf dein Lande ausgebildet werden. Ob diese Damen„der höheren Gesellschaftskreise" an der geschilderten Eutwickelung der wirthschastlichen Ver- Hältnisse auf dem Lande durch ihre Wohlfahrtspflege wirklich etwas ändern werden?— — Die„Norddeutsche Allgem. Zeitung" aus der Rolle gefallen. Sie hat heute eine» Leitartikel unter der Ueberschrijt„Ein erfolgreicher Streik" gebracht. Sie erinnert a» die I Aehnlichkeit der schweizerischen Eisenbahner-Bewegung mit dem f amburger Hafenarbeiter- Streik, erklärt, daß der Streik der isenbahn- Angestellten nicht leichtsinnig begonnen wurde. Sie schließt sich dem„Bunde" an, der den Streik einen Muster- streik nennt, der die Sympathie der ganzen Bevölkerung hatte, daß überall das Gefühl herrschte, die Arbeiter seien im Rechte gewesen. Das Organ des schroffsten bürgerlichen Klassenkampses und unserer Regierungen schließt, als ob es nie einen Hamburger Hafenarbeiter- Streik gegeben hätte, ihren Leitartikel folgendermaßen: Die Macht der öffentlichen Meinung hat zweifellos viel, vielleicht am meisten dazu beigetragen, die Norstostbahn zu besserem Einsehen zn bringe». Ter Streik fand Sympathie» bis in die bäuerlichen Kreise hinein, wo sonst Arbeitseinstellungen keine sonderlich wohlwollende Beurtheilnng zu finden pflegen. Der Vermiltelung des Bnndesraths ist es dann gelungen, den Streik zn schlichten, zur Zufriedenheit beider Theil«. Wie der„Bund" noch berichtet, sprachen am Sonnabend die Gesandten von Deutschland und Bayern beim Bundespräsidenten, Herrn Deucher, vor, um dem Bundesrath zur Lösung des Konfliktes ihre Glückwünsche darzubringen. Das Ergetrniß der Vermittlung beweise, daß das Schweizervolk volles Vertrauen habe zn seinem Bundesrathe.— Kiel, 17. März.(Eig. Ber.) Agrarisches ans S ch l e.s- wig- Holstein. Der Reichstags-Abgeordnete Feddersen hat»n Reickstag gemeint, daß um den Prästdenle» der schleswig- holsteinischen Landwirthschaftskammer eine große Mehrheit der allerschärssten Agrarier, sich schaaren. Jetzt kommt nun der Präsident Graf Iiantzaii-Rastorf und erklärt, daß er nicht nur umgeben von Agrarier», sondern selbst ein„allerschärfster Agrarier" ist. Und jedenfalls um dieses sofort zn beweisen, giebt er Herr» Fedderse» de» Rath, doch in Ankunft, um für die fernere Gestaltung ver Ei»- fuhr dänischen Magerviehs auf dem Landwege die schleswig- holsteinischen Landwirthe zu gewinne», für die Ausschließung oder doch für die möglichste Beschränkung der Einfuhr dänischen Schlach!- oder Zuchtviehs und für die Beseitigung der Seeqnarantäne-Anstallcr zn wirke». Echt agrarisch.— — V o m Segen des Militarismus. Das„Volksblatt für Anhalt" schreibt: Der schon ohnehin große Mangel an Arbciler- Wohnungen i» Dessau, von welchem wir jüngst schrieben, wird»un- mehr am 1. Avril noch viel größer werden, weil eine ganze Anzahl Häuser der Törtener-, Ragnhner-, Wasserwerk- und Hallesche» vtraße durch die Maunschaften des von Zerbst übersiedeluden Bataillons besetzt werde». Die ausgemietheten Fannlien werden zum theil im städtischen Asyl untergebracht werden muffen. Hamburg, 1ö. März.(Eigener Bericht.) In der Hamburger Bürgerschaft wurden gestern Abend seitens der Linken bei der Be- rathung des Titel III des Staatsbudgets, Polizeibehörde, die Ans- schreitungen von Polizeibeamleu bei den Krawallen am Schaarmarkt am 6. und 8. Februar zur Sprache gebracht. Der erste Redner der Linken. Rohde, ging mit der Polizei sehr scharf ins Gericht. Die Schuld an den Vorkömmnissen am Schaarnrarkt habe das System, das jetzt bei der Hamburger Polizei eingerissen sei. Die niililärische Organisation der Schntzmannschaft entfremde die- selbe der Bevölkerung völlig. Jeder Schutzmann müsse jeden Offizier grüßen. Bei den Krawallen hätten dre Schutzleute aus- gerollte Achselslücke gehabt, damit man die Nummer nicht erkennen konnte. Der Geist, der bei den Schutzleuten eingerissen sei und von den Vorgesetzten noch gepflegt würde, sei ein verwerflicher und erbittere die Bevölkerung. Die Polizeibeamten feien zum Schutze des Pnblitnms da, das sollten sie niemals vergessen.(Bravo auf der Linken.) Nachdem der Präsident dann einen Vertagnngs- antrag verlesen und milgelheilt hat, daß bei der Zrntenarfeier für die Mitglieder der Bürgerschaft und deren Damen Ptätze auf dem Podium am Rathhaus und.auf dessen Balkon reservirt seien, siel alles über de» Redner der Linken her und vertheidigt, die P olizeimaßnahmen. Der Abgeordnete von O ch s e n wärd er, Dr. Semrnler. sagte, er habe sich über das Vorgehen der Polizei innerlich gefreltt. Das Publikum schulde derselben vielen Dank, daß sie so scharf zugegriffen habe.(Bravo recht?.) Nur zwei der Linken wagten die Polizei noch zu tadeln. Joh. Halben äußerte dabei, um die halbwüchsigen Burschen von der Straße zu bringen. solle man für ihre Erziehung etwas thun und Fortbildungsschulen gründe». Damit war die Sache abgethan und der Titel„Polizei« vehörde" wurde genehmigt.- Rostock, Mitte Mär,.(„Meckl. Volks-Ztg.") Der mecklenburgische Bevollmächtigte beim Vnndesrath, Herr Ministerialrath Dr. Langfeld, hat in der Reichstagssitzung am Donnerstag versucht,»ine Aeußerung des Abg. Stadthagen, betreffend die Hauerei auf mecklen« bnrgischen Gntshöfen, zurückzuweisen. Dieser Versuch ist dem Herrn völlig inißlungen. Allerdings besteht in Mecklenburg «in gesetzltches Zuchtigungsrecht der Gutsherren gegen ihr Gesinde nicht, aber in jenem schöffengerichttichen Urtheile vom 15. Februar I8S6, das in diesem Punkte bestätigt worden ist durch Erkenntnisse des Rostocker Landgerichts vom 18. Juni 18S« und des mecklenburgischen Ober-Landesgerichts vom 10. Oktober 1896, wird ausdrücklich anerkannt; es sei in Mecklenburg Ge« wohnheitsrecht, daß der Dienende, wenn er noch in einem der Erziehung bedürftigen Alter sich befindet, dem väterlichen Züchtignngsrecht der Herrschaft unterstellt ist. Wann das der Er- ziehung bedürftige Älter überschritten ist, darüber schweigt sich jenes oberlandesgcrichtliche Erkenntniß aus. Wohl aber erklärt es ausdrücklich für ein ferneres„Gewöhn- heitsrecht" in Mecklenburg, daß jeder GutSbewohner— und zivar ganz gleich, wie alt er sein mag— eine strafbare Handlung begeht, der dem Gntsherru vorübergeht, ohne zu grüßen, und be- züglich des speziellen Falles, der vorlag, sprach das Ober- Landes- gericht einem Domänenpächter sogar das Recht z», dem ihm Vorüber- gehenden, der nicht gegrüßt hatte, die Mütze vom Kopfe zu schlagen! Der niecklenburgisch« Bevollmächtigte sagte zwar im Reichstage, er sei über die Rechtsprechung des mecklenburgischen Ober- Landesgericht ziemlich genau orientirt; aber hätte er vorher de» niecklenburgifchen Reichstags- Abgeordneten Herrn v. Buchka»m Auskunft gefragt, so würde er sich seine Red« jedenfalls gespart habe». Denn Herr Reichstags- Ab- geordneter v. Bnchka, dessen Name unter dem Erkenntniß vom 10. Oktober 1896 steht, würde ihm gesagt haben, daß allerdings das mecklenburgische Ober-Landesgericht das Unterlasse» eines Grußes mit zweierlei Maß bemißt, je nachdem ob es sich um einen„Herrn" oder einen„Knecht" handelt. Das Ober-LandeSgericht verkündet nämlich als seinen Grundsatz die Anschauung, daß zwar in, allgemeinen bezüglich des Verkehrs der Menschen das Uiilerlassen eines Grußes nicht als strafbare Beleidigung erscheine, daß wohl aber in Mecklenburg ans dem Lande darin eine unbercchligle Darlegung der Mißachtung»u erblicken sei, wenn der Dienstherr von de» ihm gegenüber zu Diensten verpflichteten Personen bei einer Begegnung nicht gegrüßt werde. und daß letztere sich darum einer ans§ 135 des Str.- E.- B. straf« baren Handlung schuldig machen. Der Versuch deS mecklenburgischen Bevollmächtigten, die Gesindeverhältnisse in Mecklenburg in«i»«m günstigeren Lichte erscheinen zu laffen. als in anderen Gegenden, ist also mißlungen; auch bei uns in Mecklenburg giebt es. wenn lern geschnebenes. so ein thatsächliches Herren- und Knechterecht.— Wiirttcmbergischer Landtag.(Gig. Ber.) I» der Mittwoch- sitzltug wurde in der Berathung des I n st i z e t a t S fortgefahren, es kamen aber speziell interne württembergische Angei-genheilen zur Diskusston und Abstimmung. Erwähncnswerih ist unter dem Titel „Strafanstalten", daß nach der Statistik der tägliche Gefangenenstand im Etatsjahr 1894/96 1793 betrug, während i960 Gefangene vorgesehen waren, es wird daher der Durchschnittsbestand aus täglich ig«) Gefangene erniedrigt. Die beantragte Erhöhung des Gehalts deS Gefängnißvorstandes in Hall um 1050 M. pro �ahr gab unserem Genossen Kloß Gelegenheit, daraus hinzuweisen, daß am vor» herige» Tage das Haus nicht geneigt gewesen sei, die niederen Beamten eine Kleinigkeit aufzubessern, während man heut« bei höheren Beapite» splendid sei wolle; er bitte daher, diese beantragt« Erhöhung abzuweisen. Es w.ed bei der Abstimmung dem betreffen- den Beamten eine Gehaltserhöhung von K30 M. bewilligt. Nach Erledigung des Justizetats tritt das Haus in die Berathung des Departements des Innern«in und erledigte hiervon noch einige Positionen. Ter schon früher signalisirte Znsammentritt der Delegirten der Kaunnerfraktionen mit dein Ministerpräsideuten v. Mittuacht zum Austausch der Beußsruugen über die Versassungsreform fand am Mittwoch Abend statt. Einzelheiten über die Besprechung sind noch nicht bekannt geworden.—' Schtveiz. Veru, IS. März. Der Stand erath hat sich grundsätzlich mit 26 gegen 16 Stimmen für die Einführung der Rechts- « i n h e« t ausgesprochen.— Frankreich. PariS, 18. März. Kouloirgerüchten zufolge würde am nächsten Moniag in Kammer und Senat die Auslieferung von 23 von Arton angezeigten Parlamentariern verlangt»verden. Dänemark. — Bei der Berathung des FinanzgefetzeS im F o l k e t h i n g kam auch der sozialdemokratische Antrag aus Lohnerhöhung für die StaatSarbeiter zur Debatte. Der Antrag lies darauf hinaus, den Lohn während fünf Jahren um je'/» der Summe zu erböde», die an einem Tageslohn von 3 Kr. fehlt, so daß also nach 5 Jahren alle Staatsarbeiter 3 Kr. Tageslohn haben würden. Die Ausgabe würde 606 000 Kr. pro Jahr betragen. Ferner soll ein Minimal- Stundenlohn von 30 Oere per Stunde angesetzt werde». 3. Sollte jeder Staatsarbeiter jährlich auf eine Ferienwoche Anspruch haben; s. die Kinder verstorbener Staatsarbeiter sollen mit 60 Kronen jährlich unterstützt werden. Die Lohnznlage wird nur für Arbeiter ver- langt, die weniger als 900 Kronen Jahreseinkommen haben. Der Abg. Klausen befürwortet« seinen Antrag warm. Für die Beamten tbäte man so viel, warum nicht auch einmal etwas für die Staatsarbeiter? Mit großem Beifall berief er sich auf eine Replik eines aui Abend vorher im Hoftheater gegebenen neuen Stückes, indem es heißt: Es giebt nur zwei Parteien im Lande, die Sozialisten und die ander»!" Der Finanzminister konnte natürlich dem Antrag nicht zustimmen, da derselbe die Lohn« Verhältnisse für den Tagelöhnerstand untergraben würde. Der Staat bekäme für seine Löhne genug Arbeiter. Die Rechte sprach sich auch gegen den Antrag ans, der gar keine Be- rechtigung hätte. Klausen antwortete, er möchte dem Minister einen Abguß einer amerikanischen Etatue schenken, in der dar- gestellt wird, wie«in junger Riese die Arbeit an sich reißt, während Greis« und sieche Frauen in den Staub getreten werden. Nene Beamten sollten mit dem Antrage nicht geschaffen werden; denn die Ar« beiter wären nicht pensionsberechtigt. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Klausen mit 80 Stimmen gegen 9 abgelehnt. 9 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung.— Nufzland. — Ueber die Arbeiter- und Studentenbewegung liegen heute folgende Meldungen vor. Dem„Berliner Tageblatt" wird aus Moskau geschrieben: Am 11. März begannen Arbeiterunruhen in der hiesigen großen Schlichtermann'schen Fabrik, da die Direktion den Leuten, die sonst bis Ostern arbeiten, jetzt schon kündigte. Tie Fabriken von August Schräder und Gesellschaft Bromley wollten dasselbe thun, daher be- gannen auch dort Unruhen. Polizei wurde rcquirirt, zog aber für den Moment den Kürzeren, trotzdem der Ober-Polizeimeister Oberst Trepow sich persönlich um Ruhe und Frieden bemühte. Telephonisch wurde Militär(Kosaken) auf den„Kriegsschauplatz" befohlen, 300 Rädelsführer wurden verhaftet. Momentan«st die Lage wieder ruhig, da der Generalgouverneur Großfürst Sergei Alerandrowitsch die Partei der Arbeiter nahm und nun die Wünsche derselben gewährt wurden. Wolff's Bureau meldet aus Petersburg: Vor etwa vier bis fünf Tagen wurde hier eine Studentin als politisch verdächtig verhaftet und in die Festung gebracht, wo sie angeblich Selbstmord beging. Studenten wollten für die Selbstmörderin eine Seelenmesse lese» lassen, was ihnen jedoch untersagt wurde. Trotzdem versuchten sie am Dieirstag Nachmittag ln der Kasanscheu Kathedrale von neuem eine Seelen- messe lesen zu lassen. Als die Polizei dies zu verhindern suchte. leisteten die zahlreich anwesenden Studenten Widerstand. DaS alsbald durch berittene Gendarmen verstärkte Polizei- Aufgebot umzingelte die Studenten und drängte die- selben durch die Kasansche Straße nach dem Gebäude der Geheim- polizei zurück, wo von mehreren Hundert Studenten einige Dutzend als Rädelsführer verhastet wurden. In der Kasanschen Straße, >vo sich«in zahlreiches Publikum angesammelt hatte, wurden die Läden geschlossen. Von der Polizei wird der Vorgang als eine harmlose Studentenkundgebung dargestellt. Amerika. New-Pork, 13. März.(Frankfurter Zeitung.) Der Schiede- gerichts-Vertrag findet baldige Annahme, da das Senats- komitee die Erledigung desselben im Plenum in allernächster Zeit beschlossen hat. Es wurden einige Zusätze angenommen, nach denen alle Streitfrage» zuerst dem Senat vorgelegt werden sollen. Ferner wurden der König v o n S ch w e d e n als�U»parteiischer und der Bundesrichter als Schiedsrichter abgelehnt.— VeitfjskÄg. 194. Sitzung vom 18. Mär, 1897. 12 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Fürst zu Hohenlohe. von Bötticher. von Marschall. Nieberding. Holl- bi a n n. In dritter Lesung genehmigt das Haus zunächst den Aus- lieferungsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden. Darauf folgt die Berathung des von allen Parteien mit Aus- nähme der Sozialdemokraten unterstützten schleunigen Antrags des Abg. Lieber(Z.): „Dem Herrn Reichskanzler die Ermächtigung zu ertheilen, diejenigen Maßregeln, welche zur Ausführung des Gesetzes vom 23. Juni 1896(betreffend die Zusammenlegung der Halbbataillone zu Bollbataillonen) erforderlich sind, noch vor der endgiltigen Fest- stellnng des Reichshaushalts-EtatS für das Jahr 1897/98 nach Maßgabe der bei der zweiten Berathung dieses Etats gefaßten Beschlüfle zn treffen." Abg. Lieber(Z.): Es ist ein ungewöhnliches Vorgehen, welches in diesem Anlrage liegt; aber daß fast alle Parteien den Antrag unterzeichnet haben, beweist, daß der Antrag wohl begründet ist. ?as Gesetz vom 28. Juni 1896 muß bis zum 1. April 1897 ans- geführt sein. Dazu sind verschiedene Revirements nothwendig. Wenn der Etat nicht rechtzeitig vor dem 1. April fertiggestellt wird, niüfsen diese Revirements ohne Etatsbewillignng vorgenommen werden. Da jetzt schon übersehen werden kann, daß der Etat nicht rechtzeitig festgestellt werden wird, so muß der Reichskanzler zu den Ausgaben ausdrücklich ermächtigt werden. Staatssekretär v. Bvttichcr: Die Reichsverwaltung ist sehr dankbar für die Initiative, welch« die Antragsteller ergriffen haben. Ich bin zwar nicht ermächtigt, für den Bundesrath z» sprechen, weil derselbe bei der Kürze der Zeit stch noch nicht hat ver- ständigen können. Aber ich nehme an, daß auch der Bundesrath diese Ermächtigung sür die Reichsverwaltung freudig begrüßen wird. Der Antrag wird darauf einstimmig angenommen. Es folgt die Berathung des Etats der Marin«-Y«r- «altung. Dieselbe beginnt mit den einmaligen Ausgaben, und zwar mit den ersten Raten: 1. für den Bau eineS Panzerschiffes 1. Klaffe.„Ersatz König Wilhelm"; 2. zum Bau zweier Kreuzer 2. Klaff«; 3. zum Bau des Avisos„Ersatz Falke'; 4. zum Bau zweier Kanonenboote.„Ersatz Hyäne" und„Ersatz Iltis'; ferner zum Bau eines Torpedo-Tinisionsbooles und zur Herstellung von Torpedoboote», zusammen 6 673 000 M. Die Kommisston beantragt die erste Rate für den Bau zweier Kreuzer II. Klaffe, des Aviso„Ersatz Falke", des Torpedo-Dimsions- bootes, und zur Herstellung von Torpedobooten im Betrage von zusammen S 173 000 M. zu streichen. Berichterstatter ist Abg. Lieber(Z), der in ausführlicher Weise über die bekannten Kommissionsverhandlnngen berichtet und darauf hinweist, daß nach der Erklärung des Reictiskanzlers die der Budgelkommisston vorgelegt« Denkschrift des Reichs-Marine-Amts keine Vorlage sei, sondern nur znr Jusormation diene. In die Wirk- lichkeit übersetzt werden könne die Denkschrift nur im Etat nach Be- schlußfaffung durch die verbündeten Regierungen und gemäß der Lage der Finanzen; ferner verwies er auf die Erklärung des Reichs-Schatz- sekretärs, wonach die Denkschrift nicht der Beschlußfassung der ver- kündeten Regierungen unterlegen habe, also auch nicht derBeschlnßfassttiig des Reichstages unterliegen könne. Gegenüber der Berufung des Reichs-Marine-Amts auf die Flottenpläne wurde in der Kommisflon festgestellt, daß der Flottengründungsplan von 1373 vollständig aus- geführt sei; übrigens habe weder dieser Flottengründungsplan, noch die späteren Pläne von 1384, 1837 und 1839. jemals der Beschluß- saffung und Genehmigung des Reichstages unterlegen. Nach der mehr als 1>/zstündigen Berichterstattung seitens des Abg. Dr. Lieber nimmt das Wort Reichskanzler FürstzuHohcnlohc-SchillingSfürst: Meine Herren! Die Anforderungen, welche seitens der verbündeten Regierungen in dem Ihnen vorgelegten Etatsentwurs für die Verstärkung unserer Kriegsflotte gestellt worden sind, haben zu lebhaften Erörterungen Anlaß fegeben. Diesem Widerstreit der Meinungen gegenüber halte ich es ür nothwendig, hier noch einmal die allgemeinen Gesichtspunkte fest- zustellen, aus welchen jene Anforderungen sür die Marine erhoben worden sind. Die Erörterung und Begründung im einzelnen überlasse ich den Vertretern der betheiligten Refforts. Die Nothwendigkeit einer deutsche» Kriegsflotte darf ich glücklicherweise heute als ein Axiom hinstellen, indem ich hierin der Zustimmung der über- großen Mehrheil dieses hohen Hauses vollkommen sicher bin. Ich bezweifle, daß es noch ernsthafte Politiker geben sollte, welche die Zeit zurückwünschten, in der Deutschland im heutigen Sinne mit Ans- nähme der kleinen preußischen Marine keine Kriegsflotte besaß und allerdings auch keine Kriegsschiffe zu bezahlen brauchte. Die deutsche Flotte ist das Ergebniß der politischen Entwickelung Deutschlands. Das neue Reich, geschaffen durch Siege einer im- vergleichlichen Armee und durch eine geniale Politik, rückte vermöge des in der Welt errungenen Ansehens, vermöge des Schwergerichts der ihm innewohnenden Macht, gewissermaßen von selbst und ohne eigenes weiteres Zitthnn den anderen Großmächten gegenüber in eine Stellung ein, die, einmal erworben, ohne Gefährdung der vitalen Jntereffen der Nation nicht wiever ans- gegeben werden kann.(Bewegung.) Daraus ergiebt sich die Pflicht, eine deutsche Flotte zn schaffen und zwar eine des großenDeutschen Reiches würdigeFlotte. Der Sah:„voblssso oblige", den ich mit den Worten übersetze: „W ü r d« verpflichtet" gilt auch für die Nationen, und das in diesem Satz'zum Ausdruck gelangte Prinzip verlangt nicht nur von den Individuen, sondern auch von den Nationen, die ihm nachleben wollen, die Bereitwilligkeit zu opfern. Unsere Industrie hat seit dem Jahre 1370, insbesondere aber seit der Zollgesetzgebung von 1379 einen außerordentlichen Aufschwung erfahren, und unser Waarenexport spielt jetzt für das wirlhschaft- liche Leben der Nation eine höchst bedeutsame Rolle. Diesen That- fachen müssen wir Rechnung tragen, einerseits indem wir uns be- mühen, die Möglichkeit des Exports auf friedlichem Wege zn sichern, andererseits aber auch indem wir Fürsorge treffen, daß cS niemand als eine leichte Ausgabe betrachten darf, die freie Fahrt auf unseren Meeren und in unseren Häfen zn stören. So folgt auch hieraus die Nothwendigkeit einer l e i st u n g s sä h i g e n Flotts, (Sehr richtig! rechts), eine Nothwendigkeit, die noch verstärkt ist durch den Erwerb und die Gründung unserer Kolonien. Man hat Bedenken, wesentlich ans finanziellen Gründen, gegen das Tempo, in welchem die Verstärkung der Flotte erfolgen soll. Gewiß, meine Herren, die Aufwendungen, welche eine moderne Flotte erfordert, sind sehr bedeutend. Ich richte indessen anEie die dringende Bitte, gegenüber den Etarsforderunge» diesen Bedenken nicht Raiini zu geben. Denn, meine Herren, wir befinden uns in der Nothwendigkeit und werden uns voranssichtlich lange Zeit in der Nothwendigkeit be- finden, daß wir jederzeit zu L» ide und zu Wasser vollkommen ge- rüstet sein müssen. Diesem Zwecke können wir uns nicht entziehen. (Zustimmung rechts). Es fragt sich nun: Geht das, was die ver- bnndeten Regierungen heute von Ihnen fordern, über die finanziellen Kräfte des Landes hinaus? Haben wir die gebotene Rücksicht auf die Finanzen außer acht gelassen? Ich glaube, die heutige Finanzlage, wie sie sich nach dem Etatsentwurf darstellt, berechtigt mich diese Frage zu verneinen.(Zn- stimmung rechts). Es ist ja das guie Recht des Reichstages, auf Sparsamkeit in der Verwaltung hinzuwirken. Aber ich möchte davor warnen, die Sparsamkeit gegenüber den Anforderungen für die Stärkung der Wehrkraft zu weit zu treiben. Nichts könnte uns im Ernstfälle kostspieliger werden als «ine zu schwache, nnferlig« Flotte(Zustimmung rechts), die zn nichts da sein würde, als sich heldenmüthig in den Grund bohren zu lassen. Wir müssen«ine Flotte haben, die unsere Küsten zu schützen im staube ist. indem sie auf hoher See dem Angreifer die Spitze bietet. Das ist das Ziel, welches wir erstreben. Je schneller wir es er- reichen, desto größer wird das Gewicht sein, welches wir zur dauernden Au frechterhaltnng des Friedens in die Wagschale zu werfen vermögen.(Beifall rechts und bei den National- liberalen.) Staatssekretär v. Marschall: Daß die verbündeten Regierungen außerordentliche Ausgaben in den Etat eingestellt hätten, wird gar nicht behauptet. Man bestreitet die Nothwendigkeit der gestellte» Forderungen garnicht. Wir haben nur anzukämpfen gegen mancherlei Befürchtungen über die künftigen Floltenpläne, nnd dadurch wird das Beweisthema verschoben; denn man verlangt nicht blas den Beweis dasür, daß die Forderungen begründet sind, sonder» man verlangt Sicherheit gegen die uferlosen Floltenpläne. Ich hoffe nachweisen zn können, daß zwischen den userlosen Plänen und dem praktischen Bedürfnisse eine breite Straße geht, die man gemeinsam wandeln kann, und ich muß sagen: die Budgilkommission hat es nicht verstanden, diese breite Mittelstraße zu wandeln. Niemand wird im stand« sein, unsere Politik überzuführen aus die Bahn von Abenteuern. Aber es muß gefordert werden, daß deutsches Recht und deutsches Interesse gegen Unbill jeder Zeit ge- schützt werden, daß daS deutsche Schwert dazu scharf und schneidig ist, zn Wasser und zu Lande. Dagegen wird keine Volksvertretung etwas einzuwenden haben. Die Frage, ob Deutschland Welt- politik treiben soll, hängt znsamnien mit der Frage, ob Deutschland Wellinteressen hat, oder nicht. Diese Frage ist längst entschieden ohne Bundesrath und Reichstag. Die deutsche» Rhedereien, die Taufende voü Schiffen ausrüsten, die Deutschen, die über dem Meere sich eine neue Heimath gesucht haben, vertrauen auf den Schutz des Reiches. Daß wir hierzu nicht im stände sind. wird kein Deutscher behaupten, wir müßten denn aufgehört haben zu sein. waS wir geworden sind. Ich frage, wo haben die ver- büudeten Regierungen einen Anlaß gegeben, daß man von diesen vermnthet, daß sie die Grenze dieser Weltpolitik überschreiten? Zum Schutz der Deutschen in Amerika und Marokko werden jetzt wie früher zwei Schiffe gebraucht. Das Schntzbednrfniß ist gestiegen seitdem und wir können aus Mangel an Schiffen diesen Schutz nur in geringem Maße angedeihen lassen. In Nen-Guinea und den anderen dortigen überseeischen Gebieten sind nur zivei Kreuzer mit 40 Mann Landungstruppen vorhanden. Unsere Ausfuhr nach über- seeischen Plätzen hat sich auf hunderte von Millionen gehoben, wir sind zur Erkenntniß gekommen, daß die Auswanderung in die Bahn gelenkt werden muß. daß der Deutsche dem Teutschthum im Ausland erhalten bleibe. Eine solche Politik fordert ein« Bermehrung der Schutzmittel. Die Schutzmittel haben sich verringert, nicht nur relativ in dem Sinne, daß wir die Zahl der Kreuzer nicht erreicht haben, die 1873 sür nothwendig erachtet wniden, sondern auch im absoluten Sinne. Wir haben heute nur 15 fertige Kreuzer. Dadurch mußem unHalt- bares Mißverhältniß entstehen. Der Reichstag hat durch seine Bewilligung im vorigen Jahre dazu beigetragen, diesen Ruckg«ig aufzuhalten. Der jetzige Beschluß der Kommission reißt aber eine neue Lücke; es soll im Umbau von Kreuzern pausirt werden auf ein Jahr. Der auswärtige Dienst kann aber nicht pausiren und d,e Entwicklung der überseeischen Interessen hört auch nicht auf. Man beruft sich auf die finanzielle Roth. Die Finanzverwaltung hat genugsam Bewesi e dasür gegeben, wie ernsthaft es ihr ist, mit dem Reichstage die Finanzverhältniffe zu ordne». Aber es ist doch ein großer Unter- schied zwischen Ausgaben vermeiden und sparen. Wem, wir durch die Vermeidung von Ausgaben wirthschaftlich zurückgehen, so wäre das nicht Sparsamkeit, sondern Verschwendung. Man braucht nicht zu spotten darüber, daß die Deutschen im Auslände Schutz verlangen; die Verpflichtung dazu haben wir übernommen durch die Gründung eines großen Reiches.(Zustimmung rechts.) Der überseeische Verkehr hat sich vermehrt, von Tag zu Tag wird die deutsche Konkurrenz mehr empfunden, so daß man sie durch die Gesetzgebung zu unterdrücke» sucht. Es ,väre ei» großer Jrrthum, wenn wir annähme», daß wir mit unserer Einfuhr z. B. in Äimerika die deati possidxäntes wären. Es ist eine gebieterische Pflicht, in allen Staate» auf de», Platze zu sei». Denn ob wir einige Hundert Millionen mehr absetze», ist sur ein Land mit so stark anwachsender Bevötkerwng eine Frage von sozialpolitischer Bedeutung.(Sehr richligl bei den National- liberalen.)./ Ich habe bei der Erörterung der ostasiatischen Frage dargelegt, daß wir auch an den ostasiatischen Länder» theilhaben müssen (Sehr richtig! rechts), und dazu ist-ine starke deutsche Flotte in jenen Gewässern nothwendig. In jenen Gegenden habe» wir nicht nur wirthschaftliche, sondern auch ideelle Interessen. Ans der Mitte dieses hohen Hauses bin ich mit eine,» Tchreiben beehrt ivorden, welches ans die katholischen Missionare hin- weist.(Heiterkeit.) Ich bedauere, daß die Erwähnung der Missionare mit einem Gelächter begleitet wird; ich halte es für eine Pflicht des Reiches, auch dies- Leute zu schützen.(Beisall rechlS und im Zentrum.) Die katholischen Gotteshäuser in Ehina find zerstört, die Heiligthümer geschändet durch aufrührerische Sekten Ich habe auf die Zuschrist antworten können, daß die Uebelthäter hin- gerichtet worden sind. Das mar kein diplomatischer Erfolg, sondern eine Folge der Anwesenheit einer starken Flotte. Ueber die geringe Machtentsaltung vor Kreta ist der Tadel aus- gesprochen.(Widerspruch links.) Wir habe» dort keine besonderen Interessen zn verfolgen; wir haben an der Aktion thiilgenomn,-» in» Interesse des europäischen Friedens. Wir dürfen hoffen, daß die Absicht der Mächte erreicht wird. Aber das Vorgehen Griechen- lands in Zusammenhang mit den Ausschreitungen, welch-! Christen an wehrlosen Muselmännern verübt haben, bringt Gefahr mit stch auch sür die Christen und für die Deutschen. Wir werden die Deutschen nicht schutzlos lassen dürfen; das märe für unsere Jnleressen nicht nützlich und unserer Stellung nicht würdig. Ich könnte noch andere Beispiele anführen, in denen das Auswärtige Amt zu kämpfen hatte mit dem Mangel an Kriegsschiffen. Es sind manche Stimmungen und Verstimmung«» vorhanden, welche auf die Beschlüsse in der Kommission eingewirkt haben. Ich halte den Beschluß sür sachlich nicht begründet und für unsere Interessen schädlich. Dadurch werde ich»»ich aber nicht verleiten lasse», de» Urhebern andere Motive unterzuschieben. Ich bitte Sie, meine Herren, bewilligen Sie die beiden Kreuzer. (Beifall rechts.) Staatssekretär deS Reich?- Marineamts Admiral Hollmann erhält unter großer Bewegung und Unruhe des Hauses das Wort: Obwohl ich den hochbedeutsamen Ausführungen meines Kollegen vom Auswärtigen Amt nichts Gleiches zur Seile stellen kaiin, kann ich es Ihnen doch nicht erspare», einige Worte von mir entgegen- zunehmen. Nachdem der Berichterstatter die Stimmung der Budget- kommission geschildert, müsse» Sie mir gestatten, die Stellung der Marineverwaltung darzulegen. Die früheren Erfahrungen mit alten Denkschriften crmuthige» nicht zu»«»em Vorgehen, weil die Kriegskunst wie aus dem Lande so auch aus der See große Wand- lungen erfahren hat. Ich war erstaunt über das verblüffende Er- staunen, über die Entrüstung, die die Denkschrift hervorrief. Jeder andere könnte die Denkschrift ohne Sachkenntniß ebenfalls aus- stellen(Heiterkeit). Denn dazu gehört blos die Kenntniß des Etats. Verlangt man mir den Schutz der Küsten und giebt die heimath- liche» Meere preis, dann braucht man nur wenige Schiffe. Soll aber das Meer i» unserem Besitze bleiben, dann müsse» wir eine Elotte haben, die dem Feinde eine Schlacht lieser» kann, eine ochseeflotle, sonst müssen wir alles dem Feinde überlassen, unseren ganzen Handel und den Export unserer Industrie. Zn einer Hochseeflotte gehören Panzerschiffe, Avisos und Torpedoschisse. ES wird alS eine tteberraschung hingestellt, daß die Kreuzer zu niiserer Hochseeflotte gehöre», das ist aber in der Denkschrift von 1892 bereits klargestellt. Ich habe ausgeführt, daß für die Aiisgestaltnng dieser Flotte jähr- lich etwa 60 Millionen Mark nothwendig sind. Das ist mehr als bisher bewilligt ist. Ueber andere Dinge, über die Verschiebung der Schiffsklassen will ich mich nicht weiter verbreite». Für den Fall, — was Gott verhüten möge,— daß Deutschland in einen Krieg verwickelt werden sollte, werden Sie der Marine nicht zunuithe», daß sie die deutschen Meere den Feinden preisgiebt. Wen» das nicht möglich sein sollte, so wird der Reichstag dasür auch die Verantwortung mit zu trage» haben. Wen» wir unsere Flotte derjenigen der anderen Staate» gleichstelle» wollte», so müßten wir Ihnen allerdings Vorlagen machen, bei denen Ihnen die Augen übergehen würden. Das wollen wir aber garnicht. (Beifall rechts.) Abg. v. Mardorfs(Rp.): Der Reichstag hat die Ziele der Denkschrift von 1373 durch seine nachträgliche» Bewilligungen voll- ständig anerkannt. Die Stellnng der einzelnen Parteien ist eine recht verschiedene. Die Herren von der Sozialdemokratie machen sich das Vergnüge», gegen alle Marineforderungen zu stimmen. Wenn es »ach ihnen ginge, müßten die Arbeiter aus den Werften nicht blos, sondern auch in anderen Industrien, namentlich auf den Eisen- werken, entlassen werde». Das kümmert die Sozialdemokratie nicht, weil sie weiß, daß sie nicht über die Mehrheit verfügt. Die Stimmung der Herren vom Freisinn erinnert an die platonische Liebe, welche die Herren auch für die denlsche Einigkeit hatten! Aus allen Schützen- und Turner- festen haben sie de» Gedanken der Einheit hochgehalten. Als es darauf ankam, Opfer zu bringen, da waren die Herren nicht zn finde».(Lachen links.) Ich erinnere Sie doch nur an Ihre Stellnng zur Armee- Organisation.(Lachen links.) Für die Flotte machen Sie auch einige Bewilligungen, aber nicht so viel, wie nothwendig ist. Man spricht von der Finanzlage und dabei tilgt man Schulde». Wie man heute von Mari» c-Spielereien sprach, sprach man zur Zeit der Armee-Organisation von Soldaten-Spielereien. Die Sache wird sich ebenso wie damals e n t iv i ck e l n.(Sehr richtig! rechts.) Bezüglich der finanziellen Frage müssen Sie mir einen Vergleich mit Frankreich gestalte». Frankreich hat eine stärkere Armee wie wir und trägt außerdem die schwere Last einer viel größeren Flotte. Nu» sagt man: Frankreich ist ein reiches Land. Das ist richtig in mancher Beziehung. Frankreichs Besitz an auswärtigen Werth- papieren ist größer als der»nsere und seine Zirkulation an Edel- metallen ist ebenfalls größer. Aber ich glaube, Deutschland ist das bei weitem reichere Länd, weil Deutschlands Gesamnitprodnktiol» größer ist als die Frankreichs an Getreide. Kartoffeln. Zuckerrübe». Die Ausgaben für die Marine sind zuni theil auch nicht produktive, aber wir dürsei, doch nicht vergesse», daß alle diese Ausgaben in deutsche Arbeit umgesetzt werden. Dieser Standpunkt sollte uns williger machen, dasjenige nicht zn verweigerii. was wir bewilligen müssen, wenn wir denBedürsnissen derMarineRechmuig trage» wollen. Wir haben in Preußen und im Reich sehr umsichtige Leiter derFinanzei,. denen nian nicht Verschwendung vorwerfei, kann � Aberdiese Herren tragen kein Bedenken, eine dauernde Belastung des Budgets herbeiziifnhrei, sür die Beamtenbesoldung, die für Preußen allein 40 Millionen Mark beträgt, also so viel, als wen» wir l'/e Milliarde» Reichs- schulden machen. Wenn die Finanzniimster die Finanzlage sür gut halte», dann sollten wir nicht ängstlich sein. Was gefordert wird, ist die Mindestforderung, die die Marine stellen muß, wenn sie ihrer Aufgabe gerecht werden soll. Abg. Müller- Fulda(Z): Meine Freunde nehmen«ine «litllete Haltung ein, nnd werden dei threr Haltmig bleiben; sie ivollen den Bediirsmffen der Marine gerecht werden, das be- weisen die Beschlüsse zum Etat von 1894/95. Aber schließlich ist das Bessere der Feind des Guten. In der ersten Berathung haben sogar die Konservativen die Forderungen der Marine sehr bedenklich empfunden. Man hat mich die Finanzlage tu Betracht gezogen und die Lcisinngsfnhigkeit der Werften. Auch Herr Paasche hat erklärt, daß seine Freunde nicht daran denken, alles zu bewilligen, sondern sie werden ernsthaft abstreichen (Hört, hört! links) und nur das dringendste bewilligen. Fürst Bis- marck hat zwei Jahre nach dem Kriege von 1870/71 ausdrücklich er- klärt, daß die Offensivkraft der Landarmee überlassen bleiben müsse.(Hört, hört! links.) Diese Worte des Fürsten Bis- marck waren für uns entscheidend bei unserer Stellung- nähme in der Kommission. Die jetzt gestellten Forderungen betragen allerdings mir 2'/, Millionen, aber damit verpflichten wir uns zu einer Ausgabe von 24 Millionen, denen noch weitere Forderungen hinzutreten werden. Nach der vorjährigen Denlschrist sollte für den Schluß des Jahrhunderts nur ein einziger Hochsee- panzer gefordert werden. Jetzt werden aber vielmehr Hochsce- panzer gefordert und außerdem sechs Kreuzer I. Klasse. Das ist eine ganz bedeutende Verschiebung und wir müssen in Erwägung ziehen, ob die finanziellen Kräfte des Reiches aushallen. Der Staatssekretär des Reichs-Marine-Amls ist immer offen uns gegenüber getreten. Seine Erklärungen vom Freitag voriger Woche haben uns die Augen geöffnet nnd uns end- lich gezeigt, wohin wir treiben.(Heiterkeit links.) Die Forderungen der Marin« betrugen im vorigen Jahre 28 Millionen, sie sind jetzt 88 MMionen Mark höher, so hoch wie niemals seit dem Bestehen des Reiches.(Hört! hört! links.) Wir haben in den beiden letzten Jahren die geforderten Kreuzer bewilligt, es ist also durchaus un- gerechtfertigt, es so darzustellen, als wenn in den letzten Jahren keine Vermehrung der Flotte stattgefunden hätte. Ueber jden Ausfuhrhandel, den wir besonders schützen sollen, habe ich etwas ketzerische Ansichten. Der Ausfuhrhandel geht gerade dahin, wo keine deutschen Kriegsschiffe vorhanden sind, er geht nicht nach dem von Kriegsschiffen bewachte» Neu-Guinea, sondern hauptsächlich nach Nordamerika.(Sehr richtig! rechts.) Solche Aeußeruugen, wie sie Herr v. Eyi.ern im Abgeordneten- hause gethan hat, sind daher geradzn blödsinnig.(Große Heiterkeit links und im Zentrum.) Er hat gesagt, es schwimmen täglich für 6 Milliarden Mark Waareu auf dem Meere. Das ist durchaus unrichtig. Unsere ganze Ausfuhr über See stellt sich höchstens auf 960 Millionen Mark jährlich. Einen inneren Zusammenhang zwischen den Kreuzern und dem Ausfuhrhandel kann ich deshalb nicht finden. (Sehr richtig! links.) Unsere Stellungnahme war gegeben durch die Rede des Abg. Fritzen bei der ersten Lesung des Etats. Wir sind nicht der Meinung, daß wir recht tapfer streichen nnd nachher zurückweichen. Wir bleiben bei unserem Standpunkte. Die im Bau he- griffenen Schiffe, die ihrer Bollendung entgegengehen, bewilligen wir anstandslos: bei den weiteren Raten, wo die Bollendung der Schiffe in diesem Etatsjahre noch nicht in Aussicht steht, wollen wir Kürzungen eintreten lassen. Angesichts der Vermehrung der Flotts in den letzten Jahren müßten wir in diesem Jahre mit den Neubauten Halt machen. Während sonst in zwei Jahren eine Torpedodivision ge- baut wurde, soll jetzt der Bau in einem Jahre erfolgen. Darauf können wir nicht eingehen. Daß die finanzielle Lage so gut ist, ist nicht wahr. Die Anleihe belänft sich trotz der Abstriche auf 23 Millionen Mark, und es wird demnächst ein Nachtrags- Etat zur Vermehrung der Bestände eingebracht werden, der 44 Millionen Mark umfaffen wird. Von einer Schuldentilgung ist nicht die Rede. Es ist vielmehr eine solche nur in Aussicht genommen, wenn sich Mehreinnahmen ergeben. Ob das der Fall sein wird, ist mir aber noch sehr zweifelhast. Mit diesen unsicheren Summen können wir bei der Vermehrung der Ausgaben nicht rechnen. Ohne die neue Denkschrift und die dadurch geöffnete Aussicht auf die Zu- kunft wäre die Abneigung gegen die Marinefordernngen wahrscheinlich nicht so stark gewesen. Der Plan stellt eine Ausgabe von 323 Millionen Mark auf, so daß man dabei an die Kreuzer 2. Klasse gedacht hat. Wir sind uns unserer Verantwortlichkeit wohl bewußt. Wir wollen aber unsere finanziellen Kräfte nicht allein für die Marine ver- wenden, sondern auch für die anderen Interessen des Vaterlandes, denen wir dadurch ebenso zu dienen hoffen, wie diejenigen, welche mehr der Marine zuneigen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Werner(Reform-P.): Wir müssen eine Offensivflotte haben, denn in dem nächsten Kriege wird der Flotte eine große Auf- gäbe zufallen. Für uns ist die Geldfrage die Hauptsache. Vom nationalen Gesichtspunkte würden wir für alle Forderungen stimmen müssen; aber von andere» Standpunkten aus kommt die Finanzlage in betracht. Wären die Handelsverträge nicht zum Schaden der Landwirthschast abgeschlossen, hätte man die Handwerker geschützt, denn wäre man zur Bewilligung von Mitteln für die Marine gern bereit gewesen.(Sehr richtig! rechts.) Bei einem Konflikt Helsen diplomatische Stolen nichts, sondern nur Kriegsschiffe. Darauf wird die Berathung vertagt. . Eingegangen ist eine Jnterpellalio» der Polen wegen Auf- lösnng polnischer Versammlungen, in denen polnisch gesprochen wurde, und ein schleuniger Antrag der Elsässer wegen Aus- setzung des gegen den Abg. Simonis schwebenden Strafverfahrens. Der letztere wird mit auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt; ans die Interpellation wird der Präsident nach Erledigung des Marine-Etnts zurückkomme». Schluß nach 4>/, Uhr. Nächst« Sitzung Freitag 12 Uhr. (Fortsetzung in der Berathung des Märine-Etats.) Vio Mühten in Oestevreith. Sonnabend werden die Wahlen der III.(Städte) und IV.(Land- gemeinden) Kurie auch abgeschlossen sein und am nächsten Mittwoch wird das österreichische Parlament, das am 27. seine Eröffnungs- sigung abhält, endlich vollzählig sein. Bei den gestrigen Wahlen habe» die Liberale» wieder sehr schwere Verluste gehabt. In Olmütz. das stets deutschliberal gewählt hat, wurde ein Czeche gewählt; der Wortführer der Liberalen in wirthschaftlichcn Fragen, Max Menger, unterlag in seinem alten Wahlkreise und verdankt nur einer zweiten Kandidatur seine Rückkehr ins Abgeordnetenhaus. Die einzige Freude des gestrigen Wahltages für die Liberalen war die Niederlage, die sie dem„czechischen" Erbprinzen von Schwarzenberg beibrachten. Der den regierungsfähig werdenden Jungczechen nun unbequem. gewordene russophile Vasaly siegte über den offiziellen jnnaczechische» Kandidaten. Pernerstorfer unterlag leider auch in dem böhmischen Land- gemelnden-Wahlkreis, wenn auch mit einer sehr starken Minorität. Ueber den gestrigen Wahltag liegt folgende Znsamnicnstellnng vor: Bei den Städtcwahlen in Mähren wurden drei Kandidaten der deutschen Fortschrittspartei, je ein Kandidat der deutschen Volksparlei und der deutschnationalen Partei nnd vier czechische Kompromiß- kandidaten gewählt, bei den Städtcwahlen in Oberösterreich drei Katholisch-Konservative und ein Dentschnationaler. Zwei Stichwahlen sind erforderlich. Bei den Städtewahlcn in Schlesien wurden zwei Deutsch-Fortschriltliche und je ein Anhänger der deutschen Volks- partei und dentschnationalen Partei gewählt, bei den Städtewahlen und de» Wahlen der Handelskammer in Salzburg ein Deutschnationaler. es ist außerdem eine Stichwahl erforderlich. Tie Landgemeinden in Böhmen wählten II Jungczechen. einen Anhänger der deutschen Volkspartei. 5 Kandidaten der deutschen Fortschrittspartei nnd ein Mitglied der Agrarpartei. Ferner wurden gewählt: 9 Deutsch- Fortschrittliche. 1 radikaler Czeche. 4 Jungezeche», 2 Mitglieder der deutschen Volkspartei, I Christlich-Sozialer. Ueber die Ergebnisse der am Donnerstag stattgefundenen Reichs- rathswahle» ist bisher bekannt: Bei den Städtewahlen in Kram wurden drei Sloveuen, in Graz und i» Jstrien wurde je ei» Italienisch- Liberaler gewählt. Die Handelskammer von Klagensurt wählte einen Dentsch-Fortschrittlichen. In den Landgemeinden von Dal- matien wurden sechs kroatisch-serbische Kompromiß-Kandidalen ge- wählt Bei den Stichwahlen in Galizien sind bis jetzt drei Kandidaten des Polnischen Zentralkomitees gewählt. unter diesen der Finanz- minister v. Bilinski. In den Landgemeinden Tirols wurden siins ' Äerantwortlicher Redakteur:«u»»st Jacobey in Berlin. Für den Im deutsche und drei italienische Konservative, in Vorarlberg ei» Christ- lich- Sozialer und ein Klerikaler gewählt. Bei der Stichwahl der S�ädteknrie Salzburg wurde der deutsch-nationale Sylvester bei der Stichwahl der Städteknrie Linz das Mitglied der Gewerbepartei Bolheim gewählt. Zwischen dem Liberalen Bancalari und dem deutsch- nationalen Peßler, welche nächst Bolheim die meisten Stimmen erhielten, findet morgen eine zweite Stichwahl statt. Die Handels- kammern von Brünn und Olmütz wählten drei Deutschfortschrittliche. Dev 18. Miirz und feine Vevenknng fnv vns Vvolekneink. Zu Ehren der Märzkämpser von 1348 und 1871 fanden gestern Abend in Berlin 10 Volksversammlungen statt. Die Ver- saunnlungen gestalteten sich zu einer Kundgebung der arbeitenden Bevölkerung, die in dankbarer Erinnerung das Andenke» ihrer Vorkämpfer feiert. Ueber die einzelnen Versammlungen liegen nachstehende Berichte vor: Erster Wahlkreis. In Cohn'? Festsälen in der Beuthstraße sprach vor gefülltem nnd polizeilich gesperrtem Saale in wirkungsvoller Weife der Stadtverordnete D r. Z a d e k. Er er- wähnte den Gegensatz der proletarischen Feier des 13. März und der in Aussicht stehenden Zentenarfeier des Bürgerthuuis. Recht instruktiv schilderte er den Gang der geschichtlichen Eni- Wickelung dieses Jahrhunderts seit den Freiheitskriegen, die schließlich zur achtundvierziger Revolution und in»euerer Zeit zur Entstehung der Sozialdemokratie geführt hat. Am Schluß schilderte er namentlich ausführlich die Vorgänge am 18. März und bei der Beerdigung der im Freiheitskanipfe Gefallenen. Die stimmungsvolle Versammlung schloß mit einem begeisternden Hoch auf unsere Partei. Im 2. Wahlkreis sprach Bebel im überfüllten Saale des Bickel'schen Etablissements. Etwa 2000 Personen waren anwesend, nnd immer neue Schaaren strömte» herbei. Mit gespannter Auf- merksainkeit folgten die Zuhörer dem Genossen Bebel, der vor ihnen ein grandioses Geschichtsbild entrollte. Dritter Wahlkreis. Genosse Ledebour, der in Brochnow's Festsälen über die Bedeiitung des 18. März referirte, kam bei Besprechung der Revolution auch auf die Ziele der Sozialdemokratie als revolutionäre Partei zu sprechen, wobei er darauf hinwies, daß unsere Partei keineswegs eine gewaltsame Revolution erstrebe, sondern begründete Hoffnung habe, durch all- mälige Sammlung des gesammten Proletanats zur Macht in die Lage zu kommen, ohne Gewalt die Ziele des Proletariats verwirk» lichen zu können. Mit einem kräftigen Hoch auf die Sozialdemo- kratie fand die stark besuchte Versauimlung schon um 10>/s Uhr ihr Ende. Bierler Wahlkreis. Der Abg. L ü t g e n a u reserirte vor über 1200 Personen im Böhmischen Brauhause. Die Haltung der Anwesende» war ausgezeichnet. Die trefflichen Ausführungen wurden mit vollstem Verständnisse für die Bedeutung des Tages von den Genossen aufgenommen. Die Versammlung in der Urania, die für den Südosten ein- berufen worden war, wurde polizeilich abgesperrt. Hier sprach Jgnaz Auer. In markigen Worten würdigte er die Bedeutung der 48er Revolution in ihrem geschichtliche» Zusammenhange mit der wirth- schastlichen und sozialen Entwickelung. Auch gedachte er der Pariser Komnnlne von 1371. Mit einem begeisternden Hinweis ans das siegreiche Vordringen des Sozialismus schloß Redner unter stürmischem Beifall. Fünfter Wahlkreis. Allgemein wurde bemerkt, daß selbst bei den Wahlen die Versammlungen im Schützenhaus nicht so zahl- reich besucht waren. An stelle des«n dringlichen Angelegenheiten seiner Gewerkschaft verreisten Abg. Rod. Schmidt reserirte Timm unter lebhaftestem Beifall der begeisterten Zuhörer. In würdigster Weise wurde die Versammlung eingeleitet und geschloffen durch wohl- gelungene Vorträge des Vereins»Freie Liedertafel". Eine Diskusston sand nicht statt. Sechster Wahlkreis. Bis zum letzten Platz gefüllt war daS S w i n e m ü n d e r Gefells chaftshaus,>vo Abg. Förster unter großer Aufmerksamkeit des dichtgedrängten Zuhörerpublikums in ausführlicher Weise die geschichtlichen Vorgänge der Jahre 1846 und 1871 schilderte. Stürmischer Beifall lohnte den Referenten. Im Berliner P rater konnte die Versammlung erst be- ginne», nachdem Tische und Stühle hinausgebracht waren. Abg. Wurm reserirte, häufig durch ZustimmungSkundgebungen unterbrochen, über die Bedeutung des Gedenktages. Ein drei- maliges, begeistert ausgebrachtes Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Im K ö s l i n e r Hof waren schon vor Erscheinen der Polizei- behörde die Tische und Stühle aus dem Saale e»tfer»t. Das ausgezeichnete Referat L i e b k n e ch t's wurde mehrsach durch Minuten- lange» Beifall unterbrochen. In der K r o» e» b r a u e r e i mußte wie im Kösliner Hos ein großer Theil der Anwesenden stehend dem Vortrage anwohnen. Die Versammlung wurde eingeleitet und geschlossen durch stliiniiiings- volle Vorträge des Gesangvereins„Vereinigte Sangesbrüdcr Moabits". Das gründliche Referat des Genossen Schippe! wurde begeistert aufgenommen. Die Schöncberger Genossen hatten den großen Saal der Schloßbrauerei überfüllt. Seit langem hatte in Schöneberg keine so stark besuchte Versammlung stattgefunden. Bor Eintritt in die Tagesordnung wurde«in dreigliedriges Komitee zur Vor- bereitung der Maifeier gewählt. Genosse Z u b e i l erntete lauten Beifall durch seinen Bortrag, der in vorzüglicher Weise die Bedeutung der Märztage für das Berliner und Pariser und damit für das internationale Proletariat darlegte. Mit einem Appell K ö st e r' s, die Begeisterung des heutigen Tages in die That, in die Kräftigung der Organisation zu übersetzen nnd mit kräftigem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die imposante Versammlung. Bei Buske wollten die A n a r ch i st e n tagen. Die Versamm- lung konnte aber nicht staltfinden, weil gleich nach Beginn derselben die Gasleitung zu funktioniren aufhörte. GetoeMfäzsfkliiJjrs. Die Generalkoinmisston der Gewerkschaften Deutschlands hat ein Jnhaltsverzeichnibdes„Korresponden zblattes" herausgegeben. Es umfaßt die Jahrgänge von>891 bis 1696. In Lübbe» in der Niederlansitz, wo sich die Schuhmacher in einer Lohnbewegung befinde», ist es bei der Firma Hienze u. S ch r a m m e zur Arbeitseinftellnng gekommen, weil die Fabrikanten keinerlei Zugeständnisse machen wollen. Die Zahl der Ausständigen beträgt 31. Zuzug ist fernzuhalten. In Forst haben die S ch n e i d e r einiger Geschäfte die Arbeit ein- gestelll.Sie fordern u.a.:Lohncrhöhung.a,iständigeBeha»dl»»g.Besseru»g der sanitären Verhältniffe in den Werkstuben. Abschaffung der Nacht- arbeit, wöchentliche Auszahlung des Lohnes. Einige Firme» zahlen schon die geforderten Löhne, bei diesen ist deshalb die Arbeit nicht niedergelegt worden. Ter„Lübecker Volksbote" bestätigt, daß der Streik auf dem Thiel'sehen E m a i l l i r w e r k von einer Versammlung der Aus- ständigen als aussichtslos für beendet erklärt worden ist. Der Beschluß wurde mit 83 gegen 10 Stimmen gesaßt. Ter Streik der Schiffszimmerer auf der Vedde l bei Hamburg hat zu gunsten der Arbeiter geendet. In Schwelm hat der Streik der Former der Firma Vehr u. Komp. nach siebenwöchiger Dauer mit der Niederlage der Arbeiter geendet. In Gelenau im Erzgebirge streiken fast sämmtliche Arbeiter der M e h n e r' s ch e» Strumpffabrik wegen Lohnreduktion. Sie gehören fast alle der Organisation an. Aus Offcnbach- Oberrad wird über die Schuhmacher- Bewegung gemeldet, daß die Verhandlungen vor dem Gewerbe- gericht als Einignngsamt noch zu keiner Verständigung geführt haben. ratenlhcil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von 9 Die Ziegelei-Arbeiter in P f u n g st a d t in Hessen beschloffen, Lohnerhühnng und Verkürzung der Arbeitszeit zu fortern. Ter zweitägige Streit bei der schweizerischen Nordost- bah», schreibt man uns aus Zürich, bildet iiiin in der ganzen schweizerischen Presse den Gegenstand lebhafter Erörterungen und Nachklänge, wobei meistens das Gebahren der Bahndircklion in den schärfsten Worte» verurtheilt, den Angestellten recht gegeben nnd ihre musterhafte Disziplin gelobt, der Bundcsrath wegen Nichtsortführimg des- Betriebes getadelt und Nutzen für die Verstaatlichung der Eisenbahnen aus dem Streik gezogen wird. Ganz kleinlaut ist die „Neue Züricher Zeilung", das Organ der Börsenjobber wie der große» und kleinen Unlernehmer, geworden.„Die Verwaltung der Nordostbahn", sagt sie,„die heute alle Forderungen der Angestellten bewilligte, wird sich wohl selbst sage», wie uiiendlich viel klüger und richtiger sie gehandelt hätte, aus freien Stücken das zu thun, was sie jetzt gezwungen gethan hat. Sie hätte sich damit eine neue schwere Demüthiguiig, dem Land eine große ivirlhschaftliche Schädigung und vor allem die Gefahr erspart, die in dem vorbildlichen Beispiel dieses durch Gewalt statt durch Rechlsmittel herbeigeführten Triumphes ihrer Angestellte» liegt. Für alle Arbeit- geber enthält der Ausgang des Nordostbahn- Streiks eine eindringliche M�hiiuiig, mit ihren Arbeitern und Angestellten auf dem Fuße der größten Loyalität und Achtung der persön- lichen Würde ohne eigene Ueberhebung nnd Chikane zn verkehren. Es bleibt zu wünschen. daß die Angestellten nicht aus dem Siege ihrer Kollege» die gegentheilige Lehre ziehen und Neigung schöpfen, es leicht zu nehmen mit der Anwendiing von Gewalt, so lange»och Rechtsmittel vorhanden sind." Das Unglück des Kapitals hat eine recht heilsame, erzieherische Wirkung auf seine Handlanger— wie lange sie aber wohl nachhalten wird? Die liberalen„Basler Nachrichten" inachen rückhaltlos für den Streik und alle seine Folgen zunächst de» Großaktionär Guyer-Zeller und sodann auch die ihm als blinde Werkzeuge dienstbaren Direktoren verantwortlich, während sie ihre ganze» Sympathien den Angestellten widmen. Der demokratische Winter» thurer„Landbote" schreibt:„Die Direktion hat die Lektion empfangen in aller wünschbaren Deutlichkeit und die Lektion hat gewirkt. Vorbei war's auf einmal mit allem Hochmuth und aller Selbstherrlichkeit; selbst der Herr der Gesellschaft, Großaktionär und Präsident des Verwaltiliigsrathes, Herr Guyer-Zeller, iniißte fei» Haupt bengen. Die Direktion der Stordostbahn(ihr Präsident Birchineier blieb in Mailand) wurde fehl kleinmüthig, sie bot Herrn Blindesraih Zeinp das Schiedsrichteramt an und bewilligte von vornherein alle materielle» Forderunge» derArbeiter. Sie hätte es billiger haben könne», wenn sie dem Personal Gehör geschenkt und vor allem das vor einei» Jahre gegebene Wort ehrlich und redlich, wie es einem Manne geziemt, gehalten hätte." Die stärkste Macht in diesem Streik, sagt das Blatt weiter, war die Organisation der Eisenbahn- Angestellten, der Sieg ist vollständig auf ihrer Seite, weil auch das Recht ans ihrer Seite stand u. s. w. In keinem Blatte wird bei Besprechung der musterhaften Jaltnng der Streikenden jenes Faktors gedacht, der die sozialen äinpfe ain meisten verschärst und verbittert. nämlich der Streikbrecher. Von den Eisenbahnern selbst handelte niemand unsolidarisch und Italiener oder andere Ausländer oder auch andere Einheimische konnte man nicht heranziehen wegen Unkenntniß des Dienstes nnd seiner Funktionen. So waren alle Umstände günstig für den Sieg der Streikenden und für den mnstcrgiltigen Verlauf des Streiks, dessen Theilnehmer aus- schließlich im mittleren Lebensalter stehende und erfahrene, ernste Leute sind.— In TonrS in Frankreich sind die Weber der Firma R o z e u. C o. im Ausstand. Sie verlangen die Wiedereinstellnng eines gemaßregelten Kameraden, die Bezahlung des schon früher verein- varten Lohntartfs und die Entfernung des Werkmeisters. Di« ersten beiden Forderungen will der Fabrikant bewilligen, die letzte jedoch nicht. Depeschen nnv letzte Mncheichlen. Frankfurt a. M., 18. März.(B. H.) Der„Franks. Ztg." wird ans Hamburg gemeldet: Das Beharren der Importeure eng- lischer Steinkohlen betreffend Unterschreibung des verlangten Reverses von seite» der Schauerleute droht einen allgemeine» Hasenstreik herbeizuführen. Der Vorsitzende des Verbandes der Schauerleute stellte gestern im Senate dein Vorsitzenden vor. daß die Importeure veranlaßt werden müßten, den betreffenden Beschluß anfzuheben. weil sonst die Hafenarbeiter aller Sektionen, welche sich solidarisch erklären, nöthigensalls zu einem Generalstreik schreiten würden. (Nach der in der Donnerstag-Nummer deS„Vorwärts" veröffentlichten Miitheilung unseres Korrespondenten hat die Senatskommissio» ihr« V e r»» i t t e l il n g zugesagt. Redaktion) Wien, 18. März.(B. H) Bei Allenstein an der Franz-Joses'S- Bahn hat ein Zusammenstoß zwischen einem Schnellzug und einem Lastzug stattgefunden. Eine Dame und zwei Bahnbeamte erlitten Verletzungen. Paris, 18. März.(W. T. B.) Der„New-York Herald" ver- öffentlicht eine Depesche, welche meldet, daß der französische Post- dainpfer„Ville St.-Razaire" am 8. März beim Kap Hatteras(Nord- Karolina)»ntergegangen ist. Von 80 Personen, Beinauniuig nnd Reisenden, wurden nur 4 gerettet. 4 Boote zerschellten alsbald an dem Schiffsrumpfe, 4 andere wurden mit Schiffbrüchigen abgelassen. drei davon gingen jedoch im Meere verloren. In dem achte» Boote lrieben 85 Personen ohne Speise und Trank sieben Tage auf dem Meere»mher; davon sind 31 Personen gestorben oder wahnsinnig geworden; vier Ueberlebende wurden am 14. März von einem Segelschiffe aufgenommen.— Die„Compagnie Generale Trans- atlanliqne" bestätigt die Richtigkeit der Meldung, ohne jedoch die Zahl der Opfer anzugeben. Sevilla, 17. März. In derStadtEstepa wurden dieBäckereien von Arbeitslose» geplündert, es gelang jedoch den Behörden, die Ordnimg wieder herzustellen. Letzlere erbeten von der Regierung Mittel zur Unteistützung der Nolhleidenden. Barcelona, 18. März.(W. T. B.) DaS Katalanische Komitee bat einen Allfrus erlassen, indem es eine Aulonomie, ähnlich der für Kuba zugestandenen, verlangt. Es ist keinerlei Unruhe bemerk- bar, jedoch sind einige Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Kopenhagen, 18. März.(W. T. 93.) Das Folkething nahm in zweiter Lesung des Gesetzenlivurses über den Schutz des geistigen Eigenthunis mit 49 gegen 41 Stimmen im wesentlichen die Znsatz- anträge der Koinrnissionsminderheit an, durch die der Anschliiß an die Berner Konvention unmöglich gemacht wird. Petersburg, 18. März.(B. H.) Eine mit Gold nnd Edel- steinen gefüllte, vem Emir von Buchara gehörige Kiste wurde zwischen de» Stationen Maslowka und Olodez gestohlen. Der Dieb ist noch nicht entdeckt. Kanca, 18. März.(Meldung der„Agence Havas.") In der Umgegend von Retimo fand heute Vormittag ein lebhafter Kamps zwischen Grieche» und Türken statt. In Kandia gab es in der Nacht ein Gefecht, bei dem 6 Per- sonen qelödtet und 25 verwundet wurde». Die Mannschaften des griechischen Seglers, der durch de» österreichischen Kreuzer„Sebemco in den Grund gebohrt wurde, retteten sich durch Schwimmen. New-Pork, 18. März.(W. T. 93.) Als die vier Ueberlebende» des Dampjers„St. Nazaire" gerettet wurden, zeigte dieselben durch Hunger und Umhertreiben ans dem Meere so erschöpft waren, daß sie nicht im stände gewesen waren, die Leichen ihrer vier verstorbenen Genossen �>»s Meer z» versenken. Die Geretteten theilten mit, daß das Schiff knien Tag nach der Ausreise von New- Jork ein Leck bekam, das jedoch für nicht bedenklich angesehen wurde, bis zum nächsten Tage, wo es an Größe zimahin. In der folgenden Nacht machte es ein furchtbarer Sturm unmöglich, etwas anderes zu lhun, als daS Schiff zu verlassen. Di« Mannschaft verhielt sich in höchst an- erkennenswerther Weise. Vermißten, welche, wie befürchtet wird, sämmtlich ums Leben käme», sind der Kapitän, 9 Reisende, sowie 68 Man» Besatzung einschließlich der Oisiziere. lag Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen u. llntrrhaltnngsblat� si. ee. a Mtpj, i Ktilllge des Dmllck" Kerlilttt Wlksdllltt. Freitag. 19. Miil! W7. VKvlÄmenkÄvifches. Der Vnudesrath hat in seiner letzten Sitzung folgenden Gesetzeutiviirfen die Zustimmung ertheilt: dem Gesetzentwurfe niegew Abänderung des Gesetzes, betreffend die Beschlagnahme des Arbeits- oder Dienstlohnes mid der Zivilprozek-Ordnung, dem Gesetzentwurfe, betreffend die Zwangsversteigerung und die Zivangsverwaltung, dem Entwurf eines zugehörigen Einführuugs- gesetzes, dem Entwurf einer Grundbnchverordnung nach den Be- schlüssen des Reichstages, ferner dem Ausschußbericht über den Ent- wnrf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen, betreffend das Vermögen der Ortschaften, sowie das Vermögen, ivelches mehrere Gemeinde» oder Ortschaften in ungetdeilter Gemeinschaft besitze», sowie dem Ausschnßbericht über den Entwurf einer Ver- ordnung wegen Abänderung der Verordnung vom 22. Januar 1874, b.'tr. die Verwaltung des Reichs> ikriegsschatzes. Die Mittheilung, betr. den Bericht über die Thätigleit der Reichs- Limes-Kommission wurde zur Kenntniß genommen. Die Unfallgesetz-Novellen-Kommisfion berieth gestern und vorgestern die Unfallverhütungs-Vorschristen(ZSj 18—86 des Ent- U'nrfs). Zu dieser sehr wichtigen Materie hallen unsere Genossen eine Reihe Anträge gestellt, deren wichtigste wir hervorheben. Es sollen darnach die Berufsgenossenschaften fortan zum Erlaß von llnfallverhülnngs» Vorschriften nicht nur befugt, sondern verpflichtet sein. Ferner sollten die Unsallverhütungs-Bor- schuften im Verein mit Arbeitern erlasse» werden. Die Vorstände der Krankenkassen endlich sollten gleichfalls ein Recht zum Erlab von UnfallverhütungS-Vorschriften haben. Besondere Rücksicht ver- langten unsere Genossen auf die Ueberwachung der Unfall- verhütungs-Vorschriften zu nehmen. Sie verlaugten deshalb Ueber- ivachungs- Kommissionen, zusammengesetzt aus Arbeitgebern und Arbeitervertretern. Dmgemäb beantragten sie.§ 82 durch svlgende Borschrist zu ersetzen: „Zur Ueberwachung der Betriebe, sowie der zur Verhütung von Unfälle» erlassenen Vorschriften werden zu gleichen Theilen aus Genossenschaftsmitgliedern und ans den ans grund dieses Ge- setzes versicherten Personen bestehende Kommissionen gewählt. Die Zahl derselben sowie die Abgrenzung der Bezirke wird durch die Beisitzer des Schiedsgerichts festgesetzt. Kommt eine Einigung zwischen diesen nicht zu stände, so entscheidet der Schiedsgerichts- Vorsitzende. Die einer Genossenschaft an- gehörenden Betriebsunternehmer sind verpflichtet, den als solchen legitimirten Kommissionsmitgliedern auf Erfordern den Zutritt zu ihren Betriebsstätten während der Betriebszeit zu gestatten. Sie können hierzu, vorbehaltlich der Bestimmungen des tz 83, auf Antrag der Kommissionsmitglieder von der unteren Verwaltungsbehörde durch Geldstrafen im Betrage bis zu drei- hundert Mark angehalten werden. Ferner kann die Genossenschaft zur Ueberwachung und Kenntniß» ahme von den Einrichtungen der Betriebe, soweit sie für die Zugehörigkeit zur Genossenschaft oder für.die Einschätzung in den Gefahrentarif von Bedeutung sind, Beauftragte ernenne», welche die Prüfung der von den Betriebs- Unternehmern auf grund gesetzlicher oder statutarischer Be- stimmungen eingereichten Arbeiter- und Lohnnachweisungen vor- nehmen, sowie diejenigen Geschäftsbücher und Listen einsehen können, au? welchen die Zahl der beschäftigte» Arbeiter und Beamten und die Beträge der verdienten Löhne und Gehälter ersichtlich werden." Man sollte meinen, diese Anträge, die ja lediglich aus eine Minderung der Unglücksfälle abzielen, hätten allseitige Zustimmung gefunden, zumal die........ Sind doch z. B. im land in Ausübung des Berufs so stark verletzt worden, daß ihnen eine Unfallrente hat zugesprochen werden müssen. 6448 Arbeiter find in dem einen Jahre 189S infolge der Unfälle im Betriebe g e- t ö d t« t— die Anzahl der im Kriege 1870/71 getödteten Ofnziere beträgt 6247— 41 0V2 sind infolge der Unfälle dauernd erwerbsunfähig geworden. Trotz dieses im Plenum des Reichstags allseitig beklagten kolossalen Arbeiterrisikos wurden in der K o m m i s s i o n die sämmtlichen auf Verminderung der Unfälle abzielenden Anträge abgelehnt. Fürwahr eine treffliche Ironie auf de»„christlichen" Staat!. Vergeblich war das Bemühen der Ultramontanen Hitze und Genossen, den Vorwurf unserer Vertreter, daß sie im Fahrwasser des v. Stumm segeln und nach dessen Ausscheiden aus der Kom- Mission diesen Jndustriekönig in der Gegnerschaft gegen die be< rechtigtesten Forderungen der Arbeiterschaft noch überbieten, ab znschwächen. Thatfachen deweisen und eine Thatsache. die hiermit festgestellt sei, ist die. daß auch die ullramontanen„Sozial Politiker" die angeführten Anträge ablehnten. Die Kom Zahl der Unfälle wahrhaft grauenerregend ist. Zahre 1896 allein 75 627 Arveiter in Deutsch- Die MtSrzfeiev im Friedvirfxshain. Während sich das hurrahpatriotische Berlin zur bevorstehenden „Zentenarfeier" rüstet und verzweifelte Anstrengungen macht, dieselbe zu einer wirklich„nationalen" Feier zu gestalten, beging das Berliner Proletariat am gestrigen Tage die internationale Gedenkfeier des 18. März. Während der internationale Charakter des Gedenktages in den abends stattgefundenen Volksversammlungen zum Ausdruck kam, wurde dem lokalen bezw.„nationalen" Charakter Rechnung getragen durch die Feier, die sich abspielte in den Tagesstunden ans dem Friedhofe der Märzgefallenen im Friedrichshain. Zur proletarischen Märzfeier hatte sich auch ein rechtes März- wetter eingestellt. Nach den vorangegangenen schönen Tagen setzte der gestrige 13. März trüb und nebelig, ja sogar mit Rege» ein. Doch aus Regen folgt Sonnenschein, und so klärte sich das Wetter im Laufe des Tages wieder auf und zeitweilig lachte die Sonne durch zerrissenen Wolkenschleier i» goldigem Glänze hernieder. Und wenn auch ein gelinder Märzsturm die entlaubten Bäume und die knospenden Gesträuch« des Friedrichshains durchsauste, es waren doch keine Herbstgedanken, welche er wachrüttelte, nein, er wurde willkommen geheißen als ein Frühlingsbote, als ein Borkämpfer der nahende» Auferstehung der Natur und wurde geschützt gleich den Vorkämpfern der kommenden Freiheit, die auf dem kleinen Friedhofe gebettet liegen, von den Proletariermaflen, die gekommen ivaren, das Andenke» der Freiheitskämpfer zu ehren. „Sie alle, die getreu dem Freiheitischwur, Den Frühlingsmorgen sah'n, den blutig rothen, Die längst jetzt schlummern auf der Gräber Flur, Wir feiern sie, wir feiern unsere Tobten." Diese Widmung hatten die Arbeiter der Fabrik von JuliuS Pintfch für ihre Kranzspende gewählt, und passender kann ein« Schilderung der Märzfeier nicht eingeleitet werden, als mit dieser Widmung. Ja, es feierte seine Tobten, das Berliner Proletariat. und nicht nur dieses, nein, von fernher waren Gedenkzeichen ge- komme», ein Beweis dafür, daß auch in fernen Landen das deutsche Proletariat die Liebe für ihre Klassengenossen nicht verloren hat. Wenn auch das Regenwetter in den frühen Bormittagsstunden dem Besuche des Friedhofs etwas Abbruch that, so wurde dieser doch im Verlaufe der späteren Vormittagsstunden ein ganz bedeutend stärkerer und steigerte sich im Laufe des weiteren Tages zu dem Maße, wie man eS von jeher am 18. März gewöhnt ist. Vielfach war von gewisser Seite ge- fliffentlich ausposaunt worden, daß die diesmalige Märzfeier ,u einer „großen Demonstration" gegen� die Zentenarfeier gestaltet werden sollte. Demgegenüber muß konstatirt werden, daß die Märzfeier im Friedrichshain jedes besonderen demonstrativen Charakters entbehrte. Nach dem Urtbeile unseres Berichterstatters herrschte vielmehr unter den erschienene» Massen wie immer ei» Geist der Ruhe und Ordnung. Es hätte der getroffenen gewaltigen Vorsichtsmaßregeln der Polizei- behörve wahrlich nicht bedurft. Wie uns nämlich von eingeweihter nnssion stimmte den fast unveränderten Regierungsvorschlägen zu. Nur soll den Berussgenossenschaften auf Vorschlag des Abg. Rösicke ausdrücklich das Recht beigelegt werden, Vorschriften zum Schutz des Lebens und der Gesundheit auch dann zu erlassen, wenn diese Vorschriften nicht auf die Abwendung von Unfälle», sondern aus die Abwendung sogenannter Berufskrankheiten abzielen. Die nächste Sitzung findet heute um 10 Uhr statt. Zweite Lesung des Entwurfs eines HandelsgesetzbnchS. Nach einigen unwesentlichen redaktionellen Aenderungen wird dem Z 62 ein»euer Absatz angehängt, der den Handlungsgehilsen nicht die Pflicht auferlegt, sich während einer Krankheit den Betrag des Krankengeldes anrechnen zu lassen. Der sozialdemokratische Antrag auf generelle Beseitigung der Regierungs-Vorlage wird ab- gelehnt, ebenso der Antrag: Gehaltszahlung während einer sechswöcheullichen militärischen Dienstzeit.§ 62 hat jetzt folgenden Wortlaut: Wird der Handlungsgehilfe durch unverschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste perhindert, so behält er seinen Anspruch ans Gehalt und Unterhalt, jedoch nicht über die Dauer von sechs Wochen hinaus. Der Handlungsgehilfe i st nicht verpflichtet, sich den Betrag anrechnen zu lassen, der ihm für die Zeit der Verhinderung aus einer Kranken- oder Unfallversicherung zukommt. Eine Ver- einbarung, welche dieser Vorschrift zuwiderlanst, ist nichtig. Bei der K o n k u r r e n z k l a u s e l wird beantragt, die Be- stimmungen des Handelsgesetzbuchs auch auf die Beamten, Meister und Arbeiter in gewerblichen Betrieben auszudehnen. Die Debatte gelangt nicht zum Abschluß, da die Regierung erklärt, daß sie diesem Antrag nicht zustimmen könne; ein genügendes Material zur Be- nrtheilung der Wirkung einer solchen Ausdehnung auch auf die Gewerbe-Ordnung läge bislang nicht vor, daher warne die Re- gierunq. den Antrag anzunehmen. Die Debatte wird abgebrochen und aus Freitag vertagt. Die Margariuekommisfion beendete am 17. d. M. ihre Berathungen, indem sie in zweiter Lesung die abgeänderte Vorlage an- nahm. Dabei wurde ein Antrag Wurm, die Kontrolle der Fabriken und Geschäftsräume der Polizei nicht jederzeit, sondern nur die der Fabriken jederzeit, die der Geschäftsräume nur zur Geschäftszeit zu gestatten, angenommen. Eine Gesammt- abstimmung über die Vorlage, die noch verschiedene redaktionelle Aenderungen erhalten muß, fand nicht statt, doch ist die fast«in- stimmige Annahme sicher. Die Forderung getrennter Verkaufsräume für Margarine und Butter ist fallen gelassen, die Art des Zusatz- mittels, das die Margarine erkennbar machen soll, wird dem Bundes- rath überlassen. Wann das Gesetz in kraft treten soll, wird bei der Lesung im Reichstag bestimmt werden.— Die polnische Fraktion des AbgeordnetenhanseS hat einen Antrag eingebracht, worin die Regierung ersucht wird, die Auf- Hebung des Gesetzes vom 26. April 1833 betresscnd die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westprenßen und Pose» baldigst durch eine entsprechende Vorlage zu veranlassen. zu« A lS Reichstagskandidat für den 10. württembergischen Wahl kreis Göppingen-Gmünd wurde auf einer Kreiskonferenz zu Gmünd der Parteigenosse Laver Klaus, Sladtrath daselbst, einstimmig aufgestellt. In Pößneck i. Th. ist zur Förderung der Agitation für die Wahlen zum Reichslage, zum Landtage und zur Gemeinde ein sozialdemokratischer Arbeiter- Wahlverein gegründet worden. Dodtenliste der Partei. In Seckenheim bei Mannheim ist der Steinhauer Wilhelm D ö r s a m aus Fürth gestorben. Er war Vertrauensmann der Parteigenossen Seckenheims und ist für unsere Bestrebungen mit großti Eifer thätig gewesen. Polizeiliche», Gerichtliches-c. — In Breslau hatten sich am 17. März vorm Schöffen- gericht 20 Parteigenossen, darunter sechs Frauen, über die Anklage zu verantworten, an einem polizeilich nicht genehmigten öffentlichen Aufzuge theilgenommen und„groben Unfug" verübt zu haben. Diese Vergehen bestanden darin, daß die angeklagten Parteigenossen am Todestage Ferdinand Lassalle's mit den für dessen Grab bestimmte» Kränzen mittels mehrerer Wagen nach dem jüdischen Kirchhofe gefahren sind. Das Schöffengericht erkannte selbstverständlich aus Freisprechung aller Angeklagten. Der Amlsanwalt hatte gegen jeden wegen Uebertrelung des Vereins- Seite mitgetheilt wurde, hatten 600 Schutzleute nebst entsprechenden Wachtmeistern und Offizieren an bekannter Stelle im„Böhmischen Brauhause" ihr Hauptquartier ausgeschlagen. Wie wir weiter er- fahren, soll die Direktion deS Böhmischen Brauhauses sich bereit ge- funden habe», den Polizeisoldaten Freibier zu verabfolgen. Dieses Anerbieten wäre indessen von diesen vorgesetzter Seite abgelehnt worden mit der Motivirung, daß der anstrengende Dienst, den dieMqnnschas len bei Tage im Friedrichshain und des Abends in Versammlungen zu verrichten hätten, durch das Freibier gefährdet werden könnte. Eine» Vor- grschmack von den Absperrungen gelegentlich der Zentenarfeier bekam man übrigens gestern schon im Friedrichshain, woselbst in der Um- gebuug des Friedhofes noch mehr Seltenwege gesperrt waren, als im vorigen Jahre. Wenn von einer besonderen Demonstration gesprochen werden soll, so wäre diese höchstens in dem Umstände zu suchen, daß scheinbar ein noch größerer Wettstreit als in früheren Jahren unter den einzelne» Kranzspendern in bezug auf Zahl. Größe und Gestallung der Kränze stattgefunden hat. Was die Zahl derKränze anbelangt, so wurden deren um g Uhr vormittags 200 gezählt, welche sich im Lanfe des TageS mindestens verdoppelt haben dürft«, da ununterbrochen Abordnungen eintrafen, die oftmals Schwierigkeiten hatten, ein Plätzchen zur Niederlegung des Kranzes zu finden. In sehr geschickter Weise wurde hierbei auch der Drahtstachel- Zaun benutzt, welche Verwendung bei Anlegung desselben sicher nicht vorgesehen war. Daß einzelne Kränze schon sehr zeilig niedergelegt worden waren, wurde aus dem Um- stände ersichtlich, daß dieselben durch den Regen sehr gelitten hatten und die Goldschrift der Schleifen ganz unleserlich ge- worden war. Was die Größe der Kränze anbelangt, so hatte der Sängerbund es sich nicht nehmen lassen, auch diesmal wieder«inen Kranz von , vahrhaft riesenhaften Dimensionen zu stiften. Neben diesen Kranz- riefen traten— fast möchte man sagen, wirkungsvoller— mehr kleine und höchst einfache Kränze in die Erscheinung, welche von un- bekannten Gebern den Manen der Märzkämpjer geweiht worden waren. Kommen wir weiter zu den einzelnen Kränzen, so stehen wir vor einer schwierigen Aufgabe. In anbetracht der Unmöglichkeit, einem jedem gerecht zu werden, möge es uns verstattet fei», nur eine„Blumenlese" zu halten, im übrigen aber unsere Leser zu bitten, nach Möglichkeit selber dem Friedhofe einen Besuch ab- zustatten und sich mit eigenen Augen die sichtbaren Zeicyen der Märzfeier anzuschauen. Durch prachtvolle Kranzspenden waren vertreten: die sozial- demokratische Fraktion des deutschen Reichstages mit folgender Widmung: „Sie haben in der großen Schlacht, Im Sturme jener Märzen, Das FreiheitSfeuer angefacht In unf'res Volkes Herzen; Drum bleibt ihr Name auch geweiht Bon heute bis in Ewigkeit." gesetzes 16 M. und wegen Verübung groben Unfugs 10 M., sammen gegen jeden Angeklagten 26 M. Geldstrafe beantragt. — Die„ V o l k s st i m m e" in Frankfurt a. M. theilt mit, daß gegen den verantwortlichen Redakteur ihres politischen und allgemeinen Theils, Genossen Dr. Quarck, zwei Prozesse wegen angeblicher Militärbeleidigung anhängig sind. — In Nr. 33 des„Hamburger Echos" vom 14. Febr. d. I. erschien eine Notiz, worin gesagt war, ein bekannter Polizei- kommissar, gegen den kürzlich ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde, solle an Verfolgungswahn erkrankt sein. Wie verlautet, habe der Erkrankte vorläufig Aufnahme in der Heilanstalt Friedrichsberg gefunden. Die Polizeibehörde gewann die Ansicht, daß mit dieser Mittheilung der aus dem Frankfurter Schaffner-Prozeß be- kannt gewordene Kriminalkommissar Kämpe getroffen werden sollte. Es wurde Strafantrag gestellt und der verantwoit- liche Redakteur des„Echos", Genosse G. Wabersky, wegen Kämpe-Beleidigung augeklagt. W. erklärte in der Gerichtsverhans- lnng, daß er sich weigere, irgend eine Polizeiperson mit Namen zu nennen, die mit der Notiz gemeint sein sollte, denn er könne in der Notiz keinerlei Beleidigung finden. Der Amtsanwalt beantragte zwei Monate Gefängniß. der Vertheidiger Dr. Peppler Freisprechung. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 30 Mark. Es könne dahin gestellt bleiben, ob Kämpe gemeint sei, ein Hamburger Polizeikommissar sei gemeint. Und wenn in der Notiz von Ver- folgungswahnsinii die Rede sei, so sei damit bei der Tendenz des„Echo" zweifelsohne nur gemeint, daß der Beamte an aktivem Verfolgungswahnsinn leide und alles ohne Auswahl verfolge. Das sei eine Beleidigung. Da die Mittheilung aber nach zwei Tagen freiwillig vom„Echo" widerrufen worden sei, habe das Gericht aus eine so milde Strafe erkannt. Gegen daS Urtheil ist Berufung ein» gelegt und in der zweiten Instanz soll der Wahrheitsbeweis für die Mittheilnng geführt werden, auf den Genosse Wabersky für die erste Instanz aus ganz besonderen Gründen verzichtet hatte. — Im vorigen Jahre wurden der„Mainzer Volks- zeitung", wie vielen anderen Blättern im Deutschen Reich. Prospekte zur Empfehlung eines buchhändlerischen wissenschastlicheu» Werkes beigelegt, die mit anatomischen Illustrationen versehen waren. Der Bischof von Mainz, Dr. Paulus H a f f n e r, gerieth über die Abbildungen in sittliche Eut- rllstung und feinen Bemühungen gelaug es, die Oberstaatsanwalt- schaft in Darmstadt zu veranlassen, die Mainzer Staatsanwalt- schaft zur Erhebung der Anklage gegen den Verleger der Volks- zeitung", Ludwig Jost, und gegen den damaligen Redakteur Peter Tiefe! wegen„Verbreitung unzüchtiger Abbildungen" aufzufordern. Die Anklage erfolgte und das Schöffengericht ver- urtheilte denn auch die beiden Missethäter zu je 30 M. Geldbuße. Auf eingelegten Rekurs sprach die Strafkammer des Laudgerichis dit Angeklagten frei und legte die Kosten der Staatskasse zur Last. Hiergegen appellirte der Staatsanwalt an das Ober-Landesgericht zu Darmstadt, das dann die Aushebung deS freisprechenden Urtheils und Zurückverweisung an das Mainzer Landgericht verfügte, weil zwar keine Verbreitung unzüchtiger Bilder, wohl aber verübter grober Unfug vorliege. Die Strafkammer hat jetzt in erneuter Verhandlung beide Angeklagten wegen groben Unfugs zu je 6 Mark Geldbuße verurtheilt. — In Netzschkau i.S. sollte am Donnerstag Genosse Frehse aus Zwickau über die geschichtliche Bedeutung des 13. März sprechen Die Versammlung wurde jedoch verboten, weil das Thema nicht de- stimmt genug sei; es könne da von den Barrikadenkämpfen des Jahres 1343 und von den Kommune-Ausständen des Jahres 1871 gesprochen werden, was zweifellos zu einer Störung der össentlichen Ruhe und Ordnung führen könne. Außerdem sei der angemeldete Redner als ein ausreizender Agitator bekannt.— Die Vormärzler werden sich bei dieser Begründung freudig die Hände reiben. lärz. Mommutmles. Stadtverordneten-Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, 18. nachmittags S Uhr. In den Ausschuß wegen Verlegung der Stallstraße u. f. w. sind auch die Stadtvv. B o g t h e r r und Wernau delegirt. Die Etatsberathung wird fortgesetzt. Die Spezialetats für die städtischen Gymnasien, Real- gymnasien, Oberrealschulen, Realschulen, Turnhallen tet höheren Lehranstalten, Spielplätze und Turnwesen im allgemeinen, verschiedene Einrichtungen für die städtischen höheren Lehranstalten und die höheren Mädchenschulen sind im Etatsausschuß in Die sozialdemokratischen Stadtverordneten widmeten ihren Kranz „Den Kämpfern für Freiheit und Recht", ebenso der sozial- demokratische Verein„Vorwärts" und das Personal der Buch- druckerei Max Babing. Der„Vorwärts" hat seinen Kranz „Den Kämpfern von 1348" gewidmet. Der prächtige Kranz, welchen die„Sozialdemokratinnen Berlins" gestiftet hatten, trug folgende Widmung ans Freiligrath'S Revolutionssaug: „Triumphirend wird die Menschheit preisen Euch in späten Tagen Als die Ersten, die daS Banner einer neuen Zeit getragen./ Eure Worte, Eure Werke, die Geschichte wird sie richten Und die Zukunft sie erfüllen. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten." Die Berliner Wahlvereine waren vollzählig vertreten, der dritte Wahlverein hatte folgende Widmung gewählt: „Wir kennen nicht Rast, wir durchstreifen die Welt In Sonnenschein und Gewittern, Bis die letzte Zwingburg flammend zerbricht Und die letzten Schwerter zersplittern." Die Parteigenossen deS Niederbarnimer Wahlkreise? hatten sich für folgende Widmung entschieden: „Die Tobten an die Lebenden. O steht gerüstet! Seid bereit! O schaffet, daß die Erde Darin wir liegen strack und starr, ganz eine freie werde." Wir sahen femer Kränze der Frauen Schönebergs, der Partei- genossen Rixdorfs, des Rixdorfer Gewerkschastskartells, des Arbeiter- BildungSvereins von Schöneberg, des Sozialdemokratischen Wahl- Vereins Charlottenburg und des Arbeitervereins Köpenick. Aeußerst zahlreich waren Berliner Gewerkschaftsorganisationen, zentrale wie lokale, vertreten. Neben diesen hallen noch Kränze gestiftet: Die Lohnkommission der Maurer im Auftrage der Gesammtheit der Maurer Berlins und Umgegend; die Agitationskommission der Schuhmacher; die sozialistischen Gärtner Berlins und der Um- gegend; die zielbewußten Droschkenkutscher. Besonders stark vertreten waren einzelne Fabriken, so: Gebrüder Sieniens u. Co., Charlottenburg; Möbelfabrik von Pfaff; Maschinenfabrik voii Hoppe, Berliu-Anhallcr Maschineiibau-Anstalt Moabit; Deutsche Waffenfabrik Martinickenfelde, Lange u. Gutzeit, früher Eckert; Maschinenfabrik Friedrich Stolzenberg mit der Widmung:„Freiheit. Gleichheil, Brüderlichkeit!"; Metallwaarenfabrit von Goliasch u. Co.; Butzke u. Co.; Möbelfabrik von Seiffert u. Wolff; Möbelfabrik von Wolter mit der Widmung: „Volk, was sollen Deine Klagen? Klagen sprengen Ketten nicht. Schau, ein Frühroth seh' ich tagen— Und ein neues Sonnenlicht." Die Arbeiter der Firma Rössemann u. Kühnemann hatten folgende Widmung gewählt:„Vor Thron und Stolz der Arbeit helft zum Recht; den Tobten, die hier ruhen, gleiche du, lebendes Geschlecht." Die Arbeiter der Möbelfabrik von Elsholz hatten folgende Widmung:„Nach dunkler Nacht erblicktet Ihr der Freiheit Morgengrauen; das volle Licht der Freiheitssonne sei und recht bald vergönnt zu schauen". Vertreten waren serner: Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschastz beiden Lesungen unverändert genehmigt worden. Du der Magistrat trotz zweimaligen Beschlusses der Versammlung Mittel zur Förderung des naturivissenschasllichcn Unterrichts nicht flüssig gemacht hat, schlägt der Ausschuß die Wiederholung der bez. vorjährigen Re- solntion wegen Einstellung von 4000 M. für diesen Zweck in de» Etat vor. Außerdem empfiehlt der Ausschuß folgende Resolution: Die Versammlung giebt dem Magistrat zur Erwägung nuheim, ob es sich nicht empfiehlt, zu städtischen S t i p e n- dien an S t u d i r e n d e der hiesigen Universität künstig eine größere Summe als 8600 M. im Etat flüssig zu machen. Beide Resolutionen werde» ohne Debatte angenommen und die Etats genehmigt. Zum Etat der G em e i n d e s ch ul e n hat der Ausschuß die Absicht des Magistrats, auch für die dritten Klassen die Normalzahl von SO Schülern allmählich eizuführen, gebilligt. Auch die Ver- sammlnng ist damit einverstanden. Die Petition deS Ortsverbandes der Maschinen- und Metall- arbeiter Berlins und Umgegend betreffend die leihweise Her- gäbe s ä m m t l i ch e r L e h r m i t t e l für den Schulbedarf seitens der Stadt ist vom Ausschuß nicht berücksichtigt worden; er empfiehlt den Uebergang zur Tagesordnung über dieselbe. Desgleichen sind die beiden folgenden im Ausschüsse beantragten 8i e s o l u t i o ii c>i: 1. den Magistrat zu ersuchen, die Verbesseriing des städtischen Volksschulwesens durch Einführung der Achtklassen- schulen in Erwägung zu nehmen; 2. den Magistrat zu ersuchen, Einrichtungen zu treffen, wonach die Entscheidung über die Her gäbe der unent- ?e l t l i ch e n Lehrmittel nicht, wie bisher, den Schul- onimissione», sondern dem Rektor und dem Lehrerkollegium übertragen wird, abgelehnt worden. Stadtv. Dr. P r e u ß lenkt die Aufmerksamkeit der Bersamni- lnng darauf, daß an dem Hause der SS. Gemeindeschule(Steinmetz- straße) ein Plakat des„Deutschen TurnerbundeS" sich besiudet, welches zum Besuch feiner in der betreffenden Turnhalle statt- sindenden llebnugen mit den Worten auffordert:„Gäste— Christen— willkomnien!" und ersucht um Abstellung dieses Mißbrauchs, der die Schulkinder zum Rassen- und Klassenhaß herausfordert. Ferner fragt er an, was nach dem ablehnenden Bescheide des Provinzial- Schulkollegiums hinsichtlich d�x Anstellung jüdischer Lehrkräfte in Zukunft geschehen solle. Bürgermeister K i r s ch n e r: Bon der Existenz dieses Plakats ist lins bisher nichts bekannt gewesen, es wäre sonst sofort Abhilfe geschaffen worden. Grundsätzlich kümmern wir uns bei der Ver- gebung der städtischen Lokale nicht um die politische und religiös« Richtung der Vereine, sondern sind lediglich aus Verhütung von Ausschreitungen bedacht. Eine solche liegt hier vor.— In betreff der Anstellung jüdischer Lehrkräfte verliest der Bürgermeister das Reskript des Provinzial- Schulkollegiums. dessen Ton durch mehrfache Zurufe, wie: Kommando. •ton! Hochmüthige Sprache! u. s. w. aus der Versammlung glossirt wird. Danach hat der Kultusminister einen Bescheid ans die letzte Vorstellung des Magistrats nicht für nölhia gehalten; es hat deshalb bei dem Bescheide des Kollegiums„sein Bewenden". Es sei das nicht der Ton, der sonst von Behörden, auch von der dem Provinzial-Schulkollegiuui vorgesetzten Behörde der Stadt gegen- über angeschlagen werde. Aber der Ton treffe nicht den, gegen den er angeschlagen werde, sondern den, von dem er ans- gehe(Allseilige lebhafte Zustimmung). In der Sache stehe über den weiteren vaoclus xroeedencki noch nichts fest. Der Magistrat halte aber an dem bisherigen Standpunkte fest.(Beifall.) Stadtv. P r e n ß: Ans das Plakat hätte der Rettor der Schule, Herr Bellardi, den Magistrat ausmerksam machen müssenZ(Zuruf: Der Hanskurator!) Der Etat wird genehmigt. Die Etats für die T a u b st u m m e n s ch n l e. die B l i n d e n- a n st a l t(nebst Betrieb der Beschästigungsanstalt), für das Fort- bildungs-Uiiterrichtswefen sind ebenfalls unverändert geblieben. Die private Mädchen-Fortbildungsschule Elisabethkirch- straße 19 geht am 1. April er. in städtische Verwaltung über. Das Honorar für den Unterricht aus der Schreibmaschine wird auf 3 M. pro Stunde festgesetzt. Der Etat für das g e- werbliche Unterrichts wesen mit den Anhangsetats für 17 Fachschulen, für die Tischlerschule, den Gewerbesaal, die höhere Webeschule, die beiden Handwerkerschulen und die Bau- gewerkschule bleibt ebenfalls unverändert; nur ist beim Etat der Wcbeschul« infolge der Intervention des Finanzministers eine Herab- setzung des städtischen wie des Staatszuschusses um je 60 M. ein- getreten. Auch der Etat für das A r m e n w e s e n hat die unver- änderte Genehmigung des Ausschusses gesunden. Sämmtliche vorerwähnte Etats werden nach den Aus- schußvorschlägen genehmigt, desgleichen die Etats für das Siemen? u. Halske; Keyling u. Thomas; Berliner Werkzeug- Maschinenfabrik vorm. Sentker; Pianofabrik Bechstei»; Schwartz- kopff; Borstg; Gebr. Naglo; Elektrotechnische Fabrik Keffer u. Schmidt; Elektrische Abtheilung Ludwig Löwe; Arbeiter von Ludwig Löwe; Beermann'sche Maschinenfabrik; Nähmaschinen- fabrik Gebr. Nothmann; Die zielbewußten Arbeiter der Eckert'schen Maschinenfabrik, und noch viele andere. Diesen schloffen sich die Kränze der verschiedenen Spezial- und Sportvereine an, unter denen be- sondereS Interesse der Kranzder Arbeiter-Radfahrerin Form eines Rades erregte. Sehr bemerkt wurde auch ein Kranz der Arbeitslosen des Ostens. Freudige Genugthuung rief ein Kranz hervor, der folgende Widmung trug:„In dankbarer Erinnerung die Johannesburger Genossen(Transvaal). Der Same Eurer Geistesthaten gedeiht auch in entfernten Staaten." Der Sozialistische Klub in London hatte einen Kranz mit Widmung in englischer Sprache, die hier ange- sessenen Pole» einen solchen mit Widmung in polnischer Sprache zur Stelle. Die sozialistischen Studenten Berlin? legten einen Kranz mit der Inschrift:„Ein Tag wird kommen....* nieder, während die Redaktion der, für die akademische Lesehalle der Universität ver- botenen,„Sozialistischen Monatshefte" für ihren Kranz die Inschrift gewählt hatte: „Ihr mögt das Wort verbieten, Ihr tödtet nicht den Geist, Der über Eurer Lüge Ein freier Adler kreist." Erwähnt sei außerdem noch ein Kranz, den die„Etation 108 in Bethanien" gestiftet hatte. Unvergessen blieb gestern auch daS Grab unserer Vorkämpferin Agnes Wabnitz auf dem Friedhofe der frei- religiösen Gemeinde. Ferner kamen für die Märzgefallenen Kränze aus Kiel, Halle und Düsseldorf. Auch der Polizeischeere fielen Widmungen einiger Kränze zum Opfer. Vertreten waren ferner von anarchistischer Seite: Berliner Anarchisten; Redaktion des„Sozialist" und des„Armen Konrad"; RummetSburger. Charlottenburger, Friedrichsberger und Rixdorser Anarchisten. Die Tischler und Polirer der Bettstellsabrik von Gauert hatten einen Kranz mit halb schwarzer, halb rother Schleife. Kränze mit schwarz-roth-goldenen Schleifen waren diesmal vier am Platze. Reben dem Verein Waldeck und den beiden freisinnigen Arbeitervereinen hatte auch das Komitee für Errichtung eines Denkmals für die Märzgefallenen einen dreifarbigen Schleifenschmuck für seine Kranz- spende gewählt. Die Redaktion„Neuland" hatte einen Kranz mit halb rother, halb schwarz-weiß-rother Schleife gewidmet. Der Kranz der Schüler der Arbeiter-Bildungsschnle trug sozialistische Farben. Wir können unseren Bericht über die Märzseier im Friedrichs- Hain nicht besser schließen, als indem wir die Widmung hintenan- setzen, welche die Kranzschleife der Arbeiter der Freund'schen Fabrik in Charlottenburg trug und die also lautet: Das deutsche Volk, es ehrt Euch um die Wette, Gedenket Eurer fort und fort; Für es ist Eure Ruhestätte Der allerhöchste Wallfahrtsort. Friedrich-Wilhelms-Hospital und Siechenanstalten, für die Waisen- pflege im engeren Sinne, sowie Fürsorge für eingesegnete Waisen, für die Unterbringung verwahrloster Kinder, Arbeitshaus in Rummels- bürg. Städtisches Obdach nebst Desinfektionsanstalt. Auch die beiden Besoldungs etats für die städtischen Be- amten und Lehrer sind im Ausschuß unverändert genehmigt, ob- wohl die Absicht des Magistrats, 80 Bureau-Assistenten mehr anzustellen, scharf angefochten worden ist. Trotz des Nachweises, daß an Arbeit in dem nächsten Etatsjahr gespart werden könne. hat der Wisschuß den Antrag auf Streichung gegen zwei Stimmen abgelehnt. Stadtv. Schwalbe beantragt heute, nur 15 Stellen zu be- willigen, da die Regelung der das Bureaupersoiial betreffenden Fragen noch in der Schwebe sei. Oberbürgermeister Z e l l e tritt für die volle Bewilligung ein. Der Vorschlag, an Beamten zu sparen durch Verlängerung des Tagesdienstes von sieben auf acht Stunden, sei in den ganzen fünfzig Jahren seit 1849 nicht gemacht worden. Eine so alte eingewurzelte Gewohnheit auszurotten, sei außerordentlich schwer. Im Staatsdienst sei, abgesehen von Post und Eisenbahn, nur siebenstündige Arbeitszeit. Die Assistenten und Sekretäre müßten ja jetzt auch auf die Werke detachirt werden. 70 Bureaubeamte, die hauptsächlich auf diese AssistcntensteNen Anspruch haben, seien ältere Militäranwärter. Stadtv. Cassel empfiehlt den Antrag Schwalbe. Weshalb nehme man denn so viele Militäranwärter in Dienst, wenn die Stellen noch gar nicht vorhanden sind. Die Nothweudigkeit der 30 neuen Stellen sei ganz unzureichend begründet. Tie ungeheuere Steigerung des Besoldungsctats müsse endlich wegfallen. Oberbürgermeister Zelle bestreitet, daß eine solche Steigerung stattgefunden. Seit Hilfsarbeiter nicht mehr eingestellt werden, habe man diese„Probisten" nehmen müssen. Die Stadt wachse jährlich um 30 000 Seelen und damit wachse das Pensum der Ge- schäste trotz aller Znsamiiieiilegiing von Bureaus:c. Der Etat wird unverändert genehmigt. Das Verzeichniß der im Etatsjahre 1897/98 neu- und um- zupflasternden Straßen und Plätze ist vom Pflaster- ansschuß in einigen untergeordneten Punkten abgeändert worden. Eine Besichtigung der Straßen hatwegen der diesmal besonders sorgsam anSgearbeileten Aufstellung des Verzeichnisses nicht stattgefunden. Vorgeschlagen wird eine Resolution des Inhalts. daß die Bau- deputation zur möglichsten Einschränknng bei den Reparaturen des Straßeupflasters veranlaßt werden soll. Die Versammlung akzeptirt die Resolution und beschließt auch im übrigen nach den Vorschlägen des Ausschusses. Ueber die Vorlage der Vermiethung der Viehhof- Restauration an den gelernten Koch Hans Flechs für 52 000 81!. jährlich auf 5 Jahre wird schon längere Zeit in öffent- sicher und geheimer Sitzung hin und her verhandelt. In voriger geheimer Sitzung hat man einen neuen Ausschuß niedergesetzt, weil in dem früheren ein Verwandter des Reflektanten faß und man auch den Schein einer Beeinflussung vermeiden müsse. Die Sache sei sehr aufgebauscht. Das Material gegen den Reflektanten sei anonym ein- gegangen. Herrn Flechs werde vorgeworfen, als Theaterdirektor in Potsdam ein Verhältniß mit einer Schauspielerin gehabt zu haben. Von dieser und anderen Behauptungen sei nichts erwiesen. Im übrigen sei die Persönlichkeit des Genaniiten durchaus akzeptabel, er habe das Meistgebot abgegeben, und auch der neue Ausschuß empfehle, ihm die Restauration zu verpachten, da der moralische Defekt nicht zu groß sei, ihn davon auszuschließen. Stadtv. P r e u ß findet, daß sich gerade der Referent sehr ans- geregt und sich des Herrn Flechs äußerst lebhaft angenommen habe. Die Gegner hätten keineswegs das Interesse, dem gegenwärtigen Pächter die Pacht zu erhalten. Die Sache fei aber eben nicht ganz aufgeklärt. Man versichere, der Reflektant stehe mit seiner ge- schiedenen Frau immer noch gut;«in Brief dieser Frau vom 12. März beweise das Gegentheil.(Die weiteren Ausführungen des Redners gehen unter furchtbarem Lärm der Bersainmlung verloren, man hört nur noch, daß Redner die namentliche Abstimmung beantragt.) Stadtv. R e i ch n o w erklärt, daß für ihn das ganze Gewäsch nicht existirt, daß er aber gegen die Vorlage stimmen wird, weil er bei einem so großen Betriebe den richtigen Mann und besonders die richtige Frau an der richtigen Stelle haben will. Es wird der Schluß der Debatte beantragt. Gemeldet sind noch die Stadtvv. Singer und Schwalbe. Stadtv. Singer beantragt über den Schlußantrag namentliche Abstimmung. Nach einer ziemlich erregten privaten Auseinandersetzung am Borftandstischs, wo der Vorsteher-Stellvertreter Michelet prästdirt, wird der Schlußantrag zurückgezogen. Stadtv. Sin g er: Ich bin in der tigenthttmlichen Lage, ein Votum abgeben zu müssen, welches nach außen hin Mißdeutungen inden könnte, wenn ich nicht das wahre Motiv hier öffentlich ans- prechen würde. Ich verwahre mich dagegen, als ob unsere Ab- iimmung geleitet wird aus Gründen, wie der Referent oder Kollege Preuß sie vorgetragen. Ich finde eZ komisch, daß man hier ein Sittenrichterkolleginm konstiluireu will für Dinge, welche in der bürgerlichen Gesellschaft von heute so im Schwange sind, daß unsere Kollegen doch auch davon Keiintniß haben sollten. Wir werden gegen den Antrag des Ausschusses stimmen, weil es auch uns unthimlich scheint, für den Betrieb einen Mann zu wählen, der schon elf Jahre nicht mehr in diesem Geschäft thätig gewesen ist. Unser Hauptmotiv be- steht aber darin, daß der Herr der nahe Verwandte eines unserer Mitglieder ist.(Oho!). Jawohl, auf unsere Versammlung soll auch nicht der Schein des Verdachts falle», als würde hier Vettern- wirthschast getrieben.(Unruhe). Nachdem noch Stabtvv. Scheiding, Schwalbe und H ä s e k e für den p. Flechs eingetreten sind, schließt die Debatte. Referent Justizrath Meyer tritt dem Vorwurf der Vettern- wirthschast entgegen. In namentlicher Abstimmung wird die Vorlage mit V6 gegen 83 Stimmen angenommen. Die übrigen Vorlagen find ohne allgemeines Jntereffe. Schluß 8'/* Uhr.___ Lokales. Achtung! Gcnosfinncn nnd Genossen? In der Versamm- lnng, welche am Sonntag, den 21. März, abends 6>/i Uhr, beim Genossen Zubril. Lindenstr. 106, stattfindet, wird Genosse G. Wagner über„Die heiligsten Güter der Deutschen" refrriren. Um reg« Betheiligung wird ersucht. Die Löhn« der städtischen Strahenreinignngs- Arbeiter sollen also endlich erhöht werden.— eine alle Forderung, die seit langem von sozialdemokratischer Seite immer und immer wieder aufgestellt und als berechtigt iiachgewiese» worden ist. In den Verwaltungsberichten über das städtische Straßenreinigungswesen ist die Berechtigung des Verlangens einer Lohnaufbefferiing noch bis zuletzt bestritten und die Lage der EtraßenreiiiigungS-Arbeiter als entschieden günstig hingestellt worden. Die Lohnaufbesserung wird sich übrigens auch jetzt— so, wie ste vom Magistrat beab- sichtigt und vom Etatsausschuß empfohlen wird— noch in ziemlich bescheidenen Grenzen Haffen. Der dadurch verursachte Mehraufwand stellt sich aus nur 22 800 M. Das ist ein sehr winziger Betrag im Vergleich zu dem Gesammtbetrage der bisher gezahlten Löhne, der bei den ständigen Arbeiten! in der Regel nicht viel hinter I Million pro Jahr zurückbleibt. Jener Mehraufwand geht nicht einmal erheblich hinaus über das, was bisher an dem für die Löhne der ständigen Arbeiter rtatSmäßig zur Ver» fügung gestellten Betrage alljährlich gespart worden ist. Es werden nämlich bei Erkrankiingen von Arbeitern(denen dann der Lohn nicht weiter gezahlt wird) meist nicht sofort Ersatzleute ein- gestellt, sondern die Arbeit der Erkrankten muß von den übrigen Mann- schafteu mit übernommen werden. 1896/96 z. B. wurden von den eatsmäßig zur Löhnung der ständigen Arbeiter verfügbaren. 998 360 M. nur 935 318 M. ausgegeben, also 13 037 M. erspart 1394/96 stellte sich die Ersparniß bei einem etatsmäßigen Soll von 961410 M. aus 12 827 M., 1893/94 bei einem etatsmäßigen Soll von 913 505 M. sogar ans 19 149 M. Wenn künftig mit der Ein- stellnng von Ersatzlenlen noch sparsamer verfahren wird, so läßt sich am Ende die Lohnerhöhung wieder heransschinden. Die„alte Post", die jetzt für 1 800 000 M. losgeschlagen werden soll, ist von der Stadt mit 3 166 190 M. bezahlt worden. Die Differenz beträgt 1 366 190 M. Für die Grundstücke Schloß- platz 7—16, die ganz in Straßcnland verwandelt worden sind, hat die Stadt 2 023 452 M. bezahlt. Das macht zusammen 3 339 642 M. allein für den Landerwerb, der direkt oder indirekt mit der„ S ch l o ß- platz-Verschöneruiig" zusammenhängt. RoheS Gelichter. Das hiesige Bismarck-Blatt. das im Sinne seines Idols sich neulich für die Folternngen in Barcelona be- geisterte. plädirte gestern ein bischen für Grabschändung. Man möge durch„Kassirung" der Gräber am Friedrichshain dem „Unfugs" der Sozialdemokraten«in Ende machen. Wir möchten die Entrsistmig der kulturfeindlichen Presse sehen, wenn«in oppositionelles Blatt etwa gleiches mit gleichem vergelten und den Vorschlag machen würde, die Gräber irgend welcher Hohenzollernfürsten zu„kassiren". Von Zeit zu Zeit tvird über Vlutvergiftuiigeu berichtet. die durch den Stich mit einer Schreibseder hervorgerufen wurden. Wie man in den ähnlichen Fällen, wo die Verletzung durch einen verrosteten Nagel oder dergleichen verursacht wurde, den Rost für den Krankheitserreger ansiehl, so schreibt man die durch Slahlseder- stiche entstehende Blutvergiftung häufig der giftigen Wirkung der Tinte zu. Indessen sind diese Stoffe an und für sich jedenfalls an der Erregung der Krankheit nicht betheiligt, vielmehr dürften lebende Keime, Bakterien, die mit ihnen in die Wunde gelangen, die Blut- vergistnng hervorrufen. Bis jetzt waren bakteriologische Kulturversnche mit Tinten noch nicht ansgesührt ivorde». Dies mag zum Theil darin seinen Grund haben, daß die frischen Anilinsarben, die zur Bereiiung vieler Tinten dienen, als Bakteriengifte betrachtet werden, daß man also die Krankheit erregenden Keime nur in einer alien, verdorbenen und zersetzten Tinte sucht. Seit einigen Jahren hat nun Marpmann in seinem bakteriologischen Laboratorium in Leipzig derartige Versuche durchgeführt, deren Ergebniß er jetzt im„Zeniral- blatl für Bakteriologie" veröffentlicht. Zur Untersiichnng dienten ibm größtentheils Schnffinten. Die Mehrzahl dieser Tinten, 67, bestanden ans Gallustinte. Sie enthielten sämintlich Schimmel- pilze und Bakterien oder Mikrokokken. Aiißerdem tainen noch II Schultinten zur Uiilersuchimg, die aus Rigrosin, eincni Anilinfarbstoff, hergestellt waren. Auch sie ent- hielten sämintlich Schimmelpilze. Nigrostntinte, unmittelbar der Vorrathsflasche entnommen, enthielt einen Schimmelpilz mit acht Bakterienkeimeii. Eine andere Probe, die seit längerer Zeit im Tintenfaß offen an der Luft gestanden hatte, enthielt 10 Schimmel- pilze und 15 Bnktcrienkeiine. Auch in rotheii und blauen Anilin- tinten wurden zahlreiche Schimmelpilze und Bakterien nachgewiesen, Zweimal wurde aus Nigrosintinte, die bei Marpma« Jahre lang offen zum Gebrauch gestanden hatte, ein septischer Bazillus kultivirl, der die geimpften Mäuse innerhalb vier Tagen tödlete. Es dürste nicht zivccklos sein, wenn den Schultinten einige Aufmerksanikeit der maßgebenden Personen zugewandt würde.— Ei» Thcil derlBcrliner Presse erhielt in dem vorgestrigen Kotze« Prozeffe in Köln, von dem wir in letzter Nummer das wesentlichste berichtet haben, von amtlicher und nichtamtlicher Stelle eine Kenn- zeichnung. Es handelte sich um den Umstand, daß einige Zeitungen das Stallfinden des Duells Kotze-Schrader gleich einer Thealer- Vorstellung vorher angekündigt hatten. Der Staatsanwalt Dr. Hup- pert berief sich bei Erwähnung dieses Umstandes in seinem Plai- doyer darauf, daß selbst(!) der Abg. Bebel solche Blätter wie das „Kleine Journal" und de»„Lokal-An�eiger" als Skandal- b l ä t t e r bezeichnet habe. Der Verlheidiger gab das„Kleine Journal" preis und bezeichnete es gleichermaßen als ein Sensatioiisblatt. der„Lokal- Anzeiger" erschien ihm aber„zuverlässig". Was die Beurtheilung des Kotzefalles in ge- uanniem Prozesse im übrigen anbetrifft, so gab sich natürlich viel Entrüstung über die skandalöse Prügelsucht der beiden Hofbeamlen zu erkennen. Unsere Leser kann das kühl lassen. Ihnen ist es, soweit die Personen i» betracht kommen, absolut gteichgiliig, ob ein quasi Mann, der sein Leben lang ohne die geringste Nützlichkeit für die Menschheit vegetirt hat, von seinem Leidensgesährten komment- mäßig über den Haufen geschossen wird. Und was das System betrifft, welches so herrliche Biüthe», wie das Kotzeduell hervorgebracht hat, so können wir mit dessen Wirkungen sür uns sogar vollauf zu- frieden sein. Der OrtSverein der Gemeindebeamte» Berlins hat der Stadtverordiieten-Versainmluiig unterm 10. d. M, unter Beibringung von Belegen, welche die Unrichtigkeiten in der Rede des Oberbüraer- meisters Zelle in der Stadtverordneten-Versammlung vom 28. Ja- nuar d. I.(betr. die Stellung der Gemeindebeamten) nachweisen, ein Gesuch zugehen lassen, in welchem es u. a. heißt: „Die Rede des Herrn Oberbürgermeisters Zelle in der Stadt- verordneteii-Versainmlung vom 28. Januar d. I. über die städtischen Hiljsarbeiler enthielt eine große Anzahl Unrichtigkeiten, welch« im Interesse der Hilfsarbeiter zweifellos nicht unwiderlegt bleiben durften. Da der Herr Oberbürgermeister kurz nachdem eine Deputation des Ortsvcreins der Gemeindebeamten Berlins empfangen hatte, so blieb nur die Annahme übrig, daß eine ungenaue und nn- richtige Information die Veranlnffung gewesen sein konnte. Der Berein beschloß daher in loyaler Weise, zuvörderst dem Herrn Oberbürger- meifter die Entgegnungsschrift durch den Vereiusvorsitzendeu über- reichen zu lassen, mit der Bitte, nach Prüfung derselben in geeigneter Weise die der hohen Stadiverordneten-Versammlung wie der Presse gegenüber geäußerten Unrichligkeiien persönlich richtig stellen zu wollen. Der Herr Oberbürgermeister hat die Annahme der Ent- gegnungsschrist am 10. März er. abgelehnt und dabei Mitglieder des früheren Vereinsvorstandes direkt als Lügner bezeichnet. Hierdurch wird der vorbezeichnele Verein gezwungen, dem Herrn Oberbürgermeister in die Oeffentlichkeit nachzuflüchlen, und beehrt sich, die hohe Etadtverordneteu- Versamniliing ganz gehorsamst zu bitten. nach geeigneter Prüfung entscheiden zu wolle», ob unserer' seits ein Mangel an Wahrheitsliebe vorliegt." Tie März-Nummer des„Sozialist" ist gestern Mittag. 1 Uhr, konfiszirt worden. Den„Armen Konrad" ließ man in Gnaden unkoiifiszirt. Wie viele Exemplare der zur Zentenarseier besonders in Anspruch genommenen Polizei in die Hände fielen, wird nicht berichtet, doch dürste die Ausbeute nicht allzugroß gewesen sein, da die Behörde erst am Tage nach Herausgabe des„Sozialist" die Beschlagnnhiue verfügte. Aus den Kreisen organifirter Maurer wird uns geschrieben: Der bekannle fromme Klingel-Bolle beschäftigt zur Zeit bei einem Eriveiternngsbau nnd bei Renovirungsarbeiten auf seinem Grundstück Alt-Moabit 99/103 eine Anzahl Maurer zu dem Stunden- lohn von 50 bis 52'/« Pf. Es giebt nur wenige Bauten in und um Berlin, auf denen nicht der übliche Lohn von 55 Pf. gezahlt wird; die von der Lohiikommission am 9. März ausgeübte Baukontiolle hat ergeben, daß unter 546 Baustellen nur 56 sind, welche weniger geben. Als Herr Bolle von einem Mitglied« der Lohiikommission zur Rede gestellt wurde, erklärt« der fromme Mann, daß er über- Haupt nicht gewillt sei, einen höheren Lohn als den jetzt bei ihm üblichen zu zahlen. Ein Berliner Stadtdater. Die Verpachtung der Restauratioii auf dem städtischen Schlacht- und Viehhof«, die nun endlich, da der bisherige Vertrag noch keine vierzehn Tage mehr läuft, zum Abschluß zu kommen scheint, wird voranssichllich noch ein Nachspiel haben, das dem Stadtverordneten Rentner Seibert nicht besonders an- genehm sein wird. Ein Berichterstatter schreibt hierüber: Der Aus- schnß, der dem Stadtverordneten-Kollegium den fruhereil Thealer- kassirer Herrn HanS Flechs als neuen Wirth vorschlägt, wünscht zugleich dir Bestimmung getroffen zu sehen, daß der neue Pächter kein zweites Geschäft und auch keineii Sozius haben darf. Das bat nun seine Vorgeschichte, die in der vorletzten Ans schnß sitz, ing e,n« etwas peinliche Ausdeckung erfahren hat. Aufgedeckt war sie eigeiitlich schon früher, aber eS fehlte bisher an einer unumstößlichen «stätigung; diese hat nun die vorletzte Sitzung deS Ausschusses gebracht. In der erste» Hälfte des Januar v. I. behauptete die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" zweimal, der Stadtverordnete Seibert habe bei der letzten nunmehr ablaufenden Verpachtung dem Restauratenr Müller die Pacht unter der Bedingung ver- sprochen. daß er sich schriftlich vor einem Rechtsanwalt verpflichte, den Fischhändler Heidepriem als Sozius aufzunehmen. Herr Müller habe diesem Verlangen entsprochen, und daraufhin die Pacht erhalten. In der Oeffentlichkeit hörte man seitdem von dieser Sache wenig oder gar nichts mehr; man wnnderte sich nur, daß der Stadtverordnete Seibert diesen Vorwurf ruhig hinnahm, um so mehr, als er privatim seine Begründung bestritt. Wenn aber auch in der Oeffentlichkeit nichts verlautete, so ruhte die Sache doch nicht ganz. Es scheinen besonders die engeren Parteigenossen des Herrn Seiberl von der Fraktion der Linken etwas stutzig geworden zu sein. In der vorletzten Ausschusffitznng kam endlich die Sache, wie man zu sagen pflegt,„ziini Klappen". Wie verlautet, kam hier nicht nur die schriftliche Erklärung des Reslaurateurs Müller. betreffend den Sozius Heidepriem, sondern auch zwei Briese zur Vorlage, die Herrn Seibcrt so schwer kompromittirten, daß man seine Zurückhaltung gegenüber den öffentlich erhobeneu Vorwürfen begriff. Der allgemeine Eindruck war wohl der, daß der Stadt- verordnete Seibert sich in dieser Angelegenheit eine schwere Nieder- läge geholt habe, und seine Frakiionsgenoffen waren von den Dingen an denen der Beschuldigte nicht mehr rütteln konnte, so wenig erbaut, daß sie ihm durch ungeschmiukte Zurufe zu verstehen gaben, daß seines Bleibens in der Fraktion der Linken ferner nicht mehr sei. Wie wird die Nahrnng des Arbeiters verfälscht? Im Monat Februar sind an amtlicher Stelle in Berlin 225 Proben von Nahrungs- und Gennßmitteln chemisch untersucht und 41 davon beanstandet worden. Die Beanstandungen betrafen Butter, frische Eier, Milch, Wurst, Roggenniehl, gebrannten Kaffee, grünen Thee, Chokoladenpulver, Provenceröl, Pflaumenmus, Ungarwein. Portwein und denaturirten Spiritus. Unter den Beanstandungen sind die der Musproben bemerkenswerth: es handelt sich um 10 unter der Bezeichnung„Mannheimer Pflaumenmus" eingelieferte Proben, von denen sich 9 als ein Gemisch von Pflaumenmus i»it Stärkezucker- Syrup und einem Zusatz von Apselschalen und Maismehl erwiese». Von der Kriminalpolizei sind mehrere Personen fest- genommen worden, welche im Westen Berlins und den daran grenzenden Vororten zahlreiche Bodendiebstähle ausgeführt haben. Die größere Anzahl der Diebstähle scheint in Schöneberg ausgeführt zu sein. Tie Hehler bei dem Juwelendiebstahl im Geschäft von Luck- w a l d t sind in Wien festgenommen worden. Sie sind ans Warschau und heißen David R o s e» z w e i g und Siegfried S a m k o w i c z. Bei der Verhaftuiig wurden 21 Pfandscheine und etwa 1300 M., sowie noch 130 Gulden vorgefunden. Auch eine Anzahl Brachen, Ringe und Ketten fand sich vor, die ebensalls die Polizei beschlag- »ahmte. Einen gransigen Fund hat man am Mittwoch Abend am Görlitzer User gemacht. Dort wurde vor dem Hause Nr. 12 eine halbe menschliche Leiche aus dem Landwehrkanal gezogen. Es war der von dem Oberkörper abgerissene Unterleib mit den Beinen eines erwachsenen Mannes. Der Leichentheil war vollständig unbekleidet. lieber einen bevorstehenden Rechtsstreit wird berichtet: Wie erinnerlich, fühlte sich Mittwoch voriger Woche der Hauptmann a. D. von Leutsch aus Charlottenburg bei seinem Aufenthalte in Berlin plötzlich unwohl und erbat sich angeblich beim„Zimmer- miethen" in einem Hotel garni in der Taubenstraße ein Glas Wasser und starb nach kurzer Zeit. Von dem Inhaber des Hotels ist jetzt den Angehörigeir des Verstorbenen eine Rechnung über— achthundert Mark zugestellt worden. I» dem Schreibe» heißt eS, daß durch den Tod des Herrn von Leutsch ei» Bett, ein Sopha, ein Sessel, ein Teppich und ei» Löffel vollständig unbrauchbar ge- macht worden seien! Natürlich weigern sich die Angehörigen des Verstorbenen, diese enorme Summe zu zahlen. Zu dem EmbrnchSdiebftahl im Hohenzollernmufeum wird mitgeiheilt. daß nunmehr die von dem Einbrecher ttatz in Stuttgart und Pforzheim verkauften und versetzten Gegenstände aufgefunden und sichergestellt sind. Sonderbarer Schwärmer. Als ein Lieutenant Hellmuth von Blücher hatte sich dieser Tage ein Handlungsgehilfe Oderländer in Uniform verschiedenen Leuten in Halensee präsentirt. Er wurde später von einem Feldwebel gestellt und zur Haft gebracht. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Am Elisabethufer er- krankte uuttagS der Schlächtergeselle Heinrich Weigell und verschied bereits während der Ueberführung in das Krankenhaus Am Urban anscheinend infolge eines Gehirnschlages.— Nachmittags wurde an der Ecke der Thurm- und Ralhenowerstraße der dreijährige Sohn des Schuhmachers Heinemann durch einen Bierwagen überfahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf im Krankenhaus Moabit starb. Der Kutscher Peter M., dem die Schuld an dem Unfälle zugeschrieben wird, ist verhaftet worden. — Nachmittags fiel vor dem Hause Leipzigerstraße 2 der Sljährige Maler Nicolaus Bachmann hin und zog sich eine erhebliche Ver- letzung am Hinterkopf zu. Er erhielt auf der Unfallstation I eine» Verband.— Abends lief am Grünen Weg der Sohn des Kauf- mannS Karl Paradzick gegen das Fahrrad deS Kaufmann? Theodor Gräf, gerieth unter dasselbe und erlitt«inen schweren Bruch des Unterschenkels. Im Schiller-Theater findet heute die erste Aufführung von„Maria Stuart" statt. Uebennorgen(Sonntag) nachmittags geht„Ein Winter- märcheu", abends das«retzerffche Voltsstück„Der Millioneubauer" tn Szene._ Ans den Nachbarorten. Friedrichöhngen. Parteigenossen! Am Sonnabend, den 20. März, abends äVe Uhr, findet im GesellschaftShaufe«ine Volks- versainmlung statt. Tagesordnung: Der 1ö. März. Referent: Genosse W a g n e r. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, in der Versammlung zu erscheinen. Die Vertranensperson. Tempelhof, Marienfeldc nnd Mariendorf! Am Sonntag, . den 21. März, nachmittags 3»/- Uhr, findet in Marienfelde bei T e u t s ch b e i n die regelmäßige Versammlung deS„Arbeiter- Bildungsvereins" statt. Als Referent des zeitgemäßen Themas: „Die Erforschung des Nordpols" ist Herr Dr. Joel geivouniii worden. Der Vorstand glaubt deshalb hassen zu dürfen, daß Mitglieder sowie Gäste— welche stets gern gesehen sind— für ein gefülltes Lokal Sorge tragen werden. Im übrigen ver- weisen wir auf das Inserat in der heutigen Nummer. RummelSburg. Die Bolksversaiumlung. welche am Sonnabend. den 20. d. M., für Stralau-Rnmmelkburg stattfinden sollte, ist aus- gehoben worden und findet am Mittwoch, den 24. März, statt. Referent ist Genosse Manfred Wittich aus Leipzig. Uin rege Agitation für diese Versammluitg wird gebeten. Der Vertrauens- mann. Ter Aussatz. Der Regierungspräsident von Potsdam hat au? Anlaß der seinerzeit vorgekommenen Lepra- Erkrankungen für den Umfang des Regierungsbezirks Potsdam folgende Verordnung er- lassen:§ 1- Jeder auf Aussatz(Lepra) verdächtige Krankheitsfall ist bei der Orts-Polizeibehörde(städtischer Polizeiverwaltung, Amts- Vorsteher) unverzüglich zur Anzeige zn bringen.§ 2. Zur Anzeige sind die Familienhäupler. Haus- und Gastwirthe, die Medizinal- Personen Geistliche und Lehrer bezüglich der zu ihrer Kenntniß ge- langenden Fälle verpflichtet.§ 3. Die Nichtbefolgnng vorstehender Vorschriften zieht Geldstrafen bis zum Betrage von 20 M., im Un- Vermögensfalle entsprechende Haft»ach sich. Unter eiacnthiimlichen Umstände» verhaftet wurde vorgestern eine elegant gekleidete, etwa fünfzigjährige Dame, welche in der Prinz-Handjerystr. 51 in Rixdorf erschien, um dort«in möblirteß Zimmer zu niiethen. Die Dame gab an, daß sie über erhebliche Geldnrittel verfüge, daß sie jedoch Veranlassung gehabt habe, sich von ihren Verwandten zu trennen. Sie bestellte hierauf bei der Ver- mietherin ein feines Abendbrot und legte sich alsbald schlafen. Den Wirthsleuten kam das Benehmen der Mietherin verdächtig vor, und sie forderten zunächst Bezahlung. Hierbei stellte sich die Zahlnugs- Unfähigkeit der Dame heraus. Die Polizei wurde benachrichtigt, der gegenüber die Verdächtige, eine Frau RadigS, einräumte, daß sie im November v. I. nach Verbüßung einer sechsjährigen Zuchthausstraf« aus der Strafanstalt entlassen worden sei. Sie habe ihre gesmnmten Ersparnisse aufgezehrt nnd sei jetzt mittellos. Aus den vorgesu>.>?» Papieren wurde ersehen, daß sie sich in der Zwischenzeit mit Heet uth�- vermitlelungen besaßt habe. Gerichts jBviktmg. Wegen Beleidigung der Postperwaltniig hatte sich am Donnerstag der Zeitungshändler H e i d e n r e i ch vor der 132. Ab- theilung des Amtsgerichts I zu verantworten. Der Angeklagte, welcher täglich 000—700 Zeitungen durch das Postamt 19 erhält, richtete an dasselbe wiederholte Beschwerde» wegen angeblicher Un- regelmäßigkeiten; es wurde ihm bedeutet, sich keiner allzu schroffen Sprache zu bedienen, da sonst Strafantrag wegen Beleidigung ge- stellt würde. In einem spätere», besonderen Falle äußerte der An- geklagte i» seiner neuerlichen Beschwerde:„Für eine so weit gehende Mißwirthschaft fehlt mir jede parlamentarische Bezeichnung." Der Staatsanwalt beantragte 200 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof hielt für erwiese», daß thatsächlich wiederholt Unregelmäßigkeiten bei der Lieferung vorgekommen sind, er billigte dem Angeklagten den Schutz des Z 193 zu, folgerte aber ans dem Ausdruck die Absicht der Be- leidigung. Das Urtheil lautete auf 20 M. Geldstrafe. Wie lange besteht die Verpflichtung politischer Vereine, der Polizei em Btitgliederverzeichniß einzureichen? Zu dieser Frage theilt der Senalspräsidenl Groschuff beim Kammergericht in Berlin soeben folgendes aus einem Urlheil des Kammergerichts vom S. Oktober v. I. mit. Der Vorsitzende eines im Jahre 189S gegründeten sozialdemokratischen Leseklubs war im Frühjahr 1896 von der Polizei ausgesordert worden, ein Mitgliedervsrzeichniß einzureichen und wurde, da er dieser Aufforderung nicht nachkam, auf grund der§§2 und 13 des preußischen Vereinsgesetzes verurtheilt. Das Kammer- Sericht hat jedoch dieses Urtheil aufgehoben. In der Begründung des lrtheils heißt es:„Die dreitägige Frist, innerhalb deren der Vorsteher zur Einreichung des Mitgliederverzeichnisses verpflichtet war, ist längst verstrichen. Eine Fortdauer der Verpflichtung desselben über die Frist hinaus während des Bestehens des Vereins ist im Gesetz nicht vorgesehen!"— Danach sind also politische Vereine nur bei der Gründung verpflichtet, ein Mitgliederverzeichnib einzureichen. Ist dies unbeanstandet unterbliebe«, so können sie später hierzu nicht mehr gezwungen und für das Unterlassen nicht mehr bestraft werden._ Die Aussperrung der Fabrik-Schuhmucher vor dem Ginigungsomt. Am Donnerstag wurde in dieser Angelegenheit vor dem Einigunasamt des Gewerbegerichts unter Vorsitz des Assessors von Schulz verhandelt. Die Arbeiter waren vertreten durch Konrädel, Nowack und Weber, die Fabrikanten durch Bergel, Fürsten heim und Rosenthal. Beide Parteien betonen eingangs der Verhandlungen, daß sie den Abschluß eines dauernden Friedens wünschen. Ueber die Ursache» des Ausstandes giebt der Fabrikanten- Vertreter Bergel eine Darstellung, welche sich mit der vom„Vorwärts" zuerst gebrachten deckt. Der Arbeiter- Vertreter Nowack behauptet dagegen, daß die Differenzen i» der Fabrik von Kallman» Gebrüder infolge von Lohnstreitigkeite» entstanden sind, und daß eine Kommission von Arbeitern der betreffenden Fabrik, welche mit dem Chef unterhandeln wollte, zurückgewiesen wurde. Erst als eine Einigung aussichtslos war, hätten die Ausständigen die E»t< lassung von vier während des Streiks eingestellten Arbeiterinnen verlangt. Bezüglich des Zwickmeisters bei Rosenthal u. Groß, dessen Entlassung die Arbeiter(orderten, führt Nowack zwei Fälle an, i» den«» der Zwickmeister in unlauterer Weise einen Arbeiter geschädigt haben soll. Auch im übrigen sei daS Verhalte» des Zwickmeisters de» Arbeiter» gegenüber ei» sehr vernrtheilens- werthcs gewesen. Daher rechtfertigte sich die Forderung anf Ent- lassung desselben. An, IS. d. M. sind die Streitigkeiten bei de» beiden genannten Firmen vor dem Gewerbegericht beigelegt worden, vorbehaltlich der Zustimmung einer am Sonntag, de» 14. d. M., abgehaltenen Versammlung. Die Vergleichsbedingungeu sind aus dem Bericht über diese Versammlung bekannt. Unter anderem wurde im Einignngsprolokoll festgesetzt, daß die bereits beschlossene Ans- sperrung der Arbeiter aller zum Fabrikanten-Verei» gehöriger Fabriken vorläufig vollzogen werden müsse, weil die definitive Zustimniung der Arbeiter zum Vergleich bis Sonnabend Abend nicht mehr erfolgen konnte. Sie sollte aber sofort zurückgenommen werden, wenn die Zustimmung der Versammlung bis Montag. Mitlag den Fabrikanten mitaetheilt würde. Es erfolgte also am Sonnabend Abend in allen Verbands-Fabriken die Kündigung resp. Entlassung der Arbeiter, denen gleichzeitig der bekannte Revers, i» welchem die Arbeiter erklären, ihrer Organisation nicht anzugehören, bezw.aus der- selben auszutreten, zur Unterschritt vorgelegt wurde. Von diesem Revers>var in de» Verhandlungen am Sonnabend, den 13. März noch nicht die Rede. Die Arbeiter waren also durch die Vorlegung desselben überrascht, und machten ihre Zustimmung zu den Eini- gungSvorschlägen von der Zurückziehung dieses Reverses, sowie von einigen anderen Bedingungen abhängig. Bei der gegenwärtigen Verhandlung erklären sich die Vertreter der Arbeiter bereit,«inen Vergleich anf der Grundlage der Vor- schlüge vom Sonnabend zu schließen. Unter allen Umständen bestehen sie aber auf Znrückziehnng des Reverses nnd Anerkennung einer von den Arbeiter» zu wählenden Kommisston. die bei vorkommenden Streitigkeiten mit de» Fabrikanten zu unterhandeln hat. Fabrikanten- Vertreter Bergel betont, daß die Fabrikanten mit einer Agitations- kommission niemals unterhandeln würden, weil es ja die Aufgabe derselben fei, Unfriede» zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zu stiften. Auf eine Frage des Beisitzers Putzer D i e t r t ch: Ob die Fabrikanten die gegenwärtige Ägitationskommission anerkenne» würden, wenn sie sich einen anderen Namen, vielleicht Lohn- kommission beilege, erwidert Bergel, daß jeder Fabrikant bei Lohnstreitigkeiten gern unterhandeln werde, jedoch nur mit einer Kommission, bestehend aus Arbeitern, die in solchen Fabriken arbeiten, welche dem Fabrikanten-Aerband angehören. Den Revers rechtfertigt er damit, daß die Organisation der Schuhmacher fortgesetzt den Frieden störe. Fabrikanten-Vertrcter R o s e» t h a l tritt mit großem Eifer für das von keiner Seile bestrittene Recht der Fabrikanten«in, sich bei Einstellung und Entlassung von Arbeitern nicht dreinreden zu lassen. Er tritt ferner für seinen Zwickmeister Kaddatz ein, über den ihnr keinerlei Beschwerden zu Ohren gekommen seien, und will veranlassen, daß die gegen denselben vorgebrachte Beschuldigungen gerichtlich zum Austrag gebracht werden. Nach mehrstündigen Verhandlungen nahmen die Parteien folgenden Vergleich an: I. Die Vertreter der Arbeiter in den Berliner Schuhfabriken geben namens ihrer Mandatgeber die Erklärung ab, daß sie auf die Entlassung des bei der Firma Rosenthal u. Groß beschäftigten Zwickmeisters Otto Kadatz verzichten und ferner damit einverstanden sind, daß die bei der Firma Gebr. Kallmann beschäftigten Arbeiterinnen daselbst verbleiben und weiter beschäftigt werde». 2. Die Vertreter der Arbeitgeber verpflichten sich und ihre Austraggeber, sämmtllche vor Ausbruch der Bewegung bei ihnen beschäftigten Arbeiter wieder einzustellen und die am Sonnabend, den 13. März, erfolgten Kündigungen zurückzuziehen. Von dieser Abmachung sind diejenigen 20 Arbeiter, deren Plätze seit Montag den 15. März bei den Firmen F. Malek. Gebr. Silberberg u. Co., Exner. Teschner u. Lüderitz. Himmelreich und Th. Simon u. Co. inzwischen anderweitig besetzt worden sind. ausgenommen. Dieselben sollen in erster Linie und bestmöglich durch den Arbeitsnachweis der VerbandSfabriknnten vakante Stellen nach- gewiesen erhalten. Endlich willigen die Vertreter der Arbeitgeber darin, daß bei vorkommenden Differenzen zwischen einzelnen Arbeitgeber» und ihre» Arbeitnehmern, falls zwischen den Betheiligten eine Einigung nicht erzielt wird, aus der Mitte der von den Verbandsfabrikante» beschäftigten Arbeiter eine Kommission gebildet wird, welche be rechtigt ist, zur Schlichtung der Differenzen mit dem Verbände der Fabrikanten in Verbindung zn trete». 3. Die Vertreter der Arbeitgeber verpflichten die von ihnen mitvertretene Firma Gebr. Kallmann dahin, daß sie nach Anfnahuu der Arbeit den Zwickern den bisher von der Firma Rosenlha u. Groß gezahlten Tarif nnd für die Maschinenarbeiter und Ar beiterinncn fortan wie früher die vor Einsührung des rednzirten Toris* bezahlten Akkordlöhne bewilligt nnd daß sie die streikenden Arbeiter so weit sich bei der Firma Beschäftigung bietet, nach und nack wieder einstellen wird. 4. Der Mitinhaber der Firma Rosenthal». Groß, Nosenthal zugleich Mitvertreter der Arbeitgeber, erklärt, daß von seiner Firma die streikenden Arbeiter soweit wie irgend möglich wieder nach nnd nach zur Arbeit angenommen werden sollen und daß binnen 14 Tagen nach Ausnahme der Arbeit seitens seiner Arbeiter der Lohntarif geprüft nnd eine Verständigung zwischen der Firma und den von ihr beschäftigten Arbeitnehmern über die einzelnen Lohnsätze angebahnt werden wird. Die Vertreter der Arbeitnehurer sind mit dem Mitinhaber der Firma Rosenthal u. Groß dahin einig. daß das Er- gebniß der Prüfung Veranlassung zu einem neuen Streik nicht geben darf. 5. Die Vertreter der Arbeitgeber erklären, daß der von den ArbeUgebe-rn am Sonnabend den i3. März ausgegebene SHevers, inhalis dessen der unterschreibende Arbeiter gehalten sein soll, aus der Organisation des Vereins deutscher Schuhmacher auszutrete» nnd dieselbe mit keinerlei Geldmitteln I zu unterstützen, keinem Arbeiter zur Unterschrift vorgelegt werden soll nnd daß der Inhalt des Reverses auch für diejenigen Arbeiter, welche bereits unterschrieben haben, seine Giltigkeit verliert. 6. Die Vertreter der Arbeitnehmer verpflichten sich und ihre Mandatgeber, die Arbeit am 19. März wieder aufzunehmen. 7. Die sonst aufgestellten Forderungen der Arbeitnehmer werden seitens ihrer Vertreter zurückgezogen. 8. Maßregelungen von Arbeitern, welche an der Bewegung be- theiligt gewesen sind, dürfen nicht stattfinden. 9. Die Vertreter der Arbeiter werden dagegen dafür Sorge tragen, daß die während der Bewegung in de» Fabriten thätig ge- wesenen Arbeiter nicht behelligt werden. August Nowack. H. Konrädel. Friedrich Weber. Siegmnnd Bergel Emil R o s e n t h a l Paul Fürstenheim. I u l i u s D i e t r i ch. A u g. V o g e l. G e o r g N i e d e r a« e r. O. Weigert. Jul. Maas. I o s e p h M e i e r. v. S ch n l z. Die Afoge in Hnmbnvg. Unser Hamburger Korrespondent schreibt uns unser dem lS. d. M.: Die Kohlen- Akkord- Schanerleute Schippmoam und Derheiber hatten gestern Nachmittag bei dem Präses der Senats- kommission für die Prüfung der Arbeitsverhältnisse im Hafen, Senator O'Sivald, eine Audienz, um über das schroffe und den gemeinsamen Vereinbarungen vor der Eenatskoininisflon vorn 8. März widersprechende Vorgehen der Importeure englischer Kohlen vor- stellig zu werden. Es wurde dem Senator der a»r Dienstag von den Importeure» herausgegebene Lohntarif vorgelegt. und der Senator O'Swald erkannte an, daß derselbe bedeutend minderwerthiger sei, als der am 8. März vereinbarte. Er ersuchte die Arbeiter fodau», anf die Unterzeichnung des Reverses seitens der Importeure zn ver- zichlcii. Die Sennlskommission verspreche dafür, daß sie die Arbeiter vor Maßregelnngen � und sonstigen Schädigungen durch die Importeure schützen werde. Dies Versprechen müsse den Arbeitern mehr Garantie bieten, als die Unterzeichnung ihres Reverses durch die Importeure. Die Senatskommission werde anch dafür eintreten, daß die Importeure den Lohntarif der Schauer- lente vom 15. Juli 1896 anerkennen müßten. Ueber diesen Vorschlag beschlossen die Kohlenschauerleute gestern Abend in einer sehr stark besuchten Versammlung. Zn Beginn der- selben wies ein Redner auf die geschichtliche Bedeutung des 13. März hin, dem die Hamburger Importeure engttscher Kohlen in diesem Jahre wieder eine besondere Bedeutung geben wollten durch«ine frivole Aussperrung der Kohlen-Akkord-Schauerleute. Es wurde sodann mitgeiheilt. daß die Importeure nicht nur die An- erkennung deS neuen, von ihnen aufgestellten und sehr schlechten Lohntarises und die Unterzeichnung des Reverses verlangte». sondern außerdem feit Mittwoch Morgen noch von allen Kohlen- Schauerleuten den Beitritt zu einer Unterstützungs- und Sparkasse. die derartige Bestimmungen enthalte, daß die Arbeiter dadurch einfach zu Sklaven der Arbeitgeber gemacht würden. Es heißt in de» Bestimmungen u. a:„Die Kasse wird gegründet, sobald steh die Arbeiter einigermaßen eingearbeitet haben. Es wird dann von jedem Arbeiter, falls derselbe von 10 M. bis 12 M. per Dampfer und Tag(Tag und Nacht. D. Ref.) verdient, 50 Pf., falls derselbe über 12 M. per Dampfer und Tag verdient, 1 M. per Dampfer ein- beHallen und ihm ans Konto gutgeschrieben. Das Einbehalten soll so lange geschehen, bis die ersparte Summe für jeden Mann 150 M. beträgt. Diese Ersparnisse soivie das sonstige Vermögen der Kasse haften für die Erfüllung der übernommenen Verpflichtunge n." Weiter heißt es:„Die Mitglreder verpflichten sich, die ihnen vom Verein überwiesenen Dampfer zu dem Lohntarif vom März 1897 zu lösche», und zn sechswöchentlicher Kündigung, wenn sie ans dem Arbeilsverhältniß und aus der Kasse austreten wollen. Ebenso verpflichtet sich der Verein(der Importeure. D. Ref.) zu sechs- wöchentlicher Kündigung." Wie sehr die Arbeiter durch der- artige Bestimmungen der Willkür der Herren Arbeitgeber preisgegeben wären, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Sämmtliche Redner erklärten denn auch entschieden, daß die Arbeiter selbst angesichts der drohenden Aussperrung unter keinen Um- ständen ans diese Bedingungen der Importeure eingehen könnten, auf den Vorschlag des Senators O'Swald wolle man jedoch ein« gehen. ES wurde sodann folgende Resolution gegen zwei Stimmen angenommen: Die Versammlung erklärt sich mit den am Montag, den 3. März, vor der Senatskommission getroffenen Vereinbarungen einverstanden. Sie verzichtet auf die Unterzeichnnng des den Im- porteuren vorgelegten Reverses, indem sie sich auf das heule den Kollegen Schippmann und Derheiber gegebene Versprechen der Senatskominission, die Kohleu-Akkord-Schauer- leute vor Maßregelungen und anderen Schädigungen zu schützen, beruft. Dem heute veröffentlichten Lohntarif der Jmpor- teure. wie auch die Bedingungen bezüglich Gründung einer Spar-»nd Unterstützungskasse, wie dieselben heute von dem Verein der Importeur« englischer Kohlen gestellt sind, können die Bersammelten unter keinen Umständen znftimnien." Vom Vorsitzenden wurden die Versammelten zum Schluß aufgefordert, am Donnerstag Morgen allesanimt sich anf den Posten zu begeben, den Revers aber nicht zu unterschreiben. Die Importeure englischer Kohlen, soweit sie im Verein der Importeure sind und durch Zwischenmilernehmer(Stauer) arbeiten lassen, habe» ihre Drohung wahr gemacht. Heute Morgen haben sie sämmtliche schwarzen Schanerleute, die den am Dienstag herausgegebenen Lohntarif der Importeure und die Bediiigungeil bezüglich Gründung der Spar- und Unter- stützungskasse nicht anerkannt und dieses durch Unterzeichnung des Reverses nicht kundgegeben haben, ausgesperrt. ES sind daS etwa 400 an der Zahl. An deren Stelle haben sie ein« ganze Anzahl„Arbeitswilliger", die unterschrieben haben, engagirt. Von de» Kohlelischauerleuten llnterschrieb nur ei» einziger Mann. Die Lohn- kommission der Kohlenfchauerleute begab sich heute Morgen zur Senats- kommission und unterbreitete derselben die Beschlüsse der gestrigen Ver- faminlung. Herr Senator O'Swald versprach, daß er nochmals zu vermitteln versuchen nnd zu diesem Zwecke dt« von de» Arbeitern gestern Abend angenommene Resolution mit einem Handschreiben an den Verein der Importeure senden wolle. Zu Freitag Abend ist eine Versammlung der Kohlen-Schauer- lcute und zum Sonntag eine Versammlung snmmtlicher Hafenarbeiter einberufen, die sich mit der Aussperrung der schwarzen Schauerleute beschäftigen werde». Soziales. Tic Berliner Tarnen- und Kindcrmäntel- Konfektionäre baden eine Petition gegen die Ausdehnung der it r a n k e n v e r s i ch e r u n g auf die H a u s i n d u st r i e an die Gewerbedeputation des Magistrats gerichtet. Man schreibt uns darüber: Die im juristischen Stile gehaltene Petition ist recht nnklar und rennt zum tbeil offene Thüren ein. So wird eine Ausdehnung der Krankenversicherung auf die wirthschafllich schwachen Heim- arbeitcr als uuinschenswerth anerkannt. Die Heimarbeiter sind aber schon jetzt versicherungspflichtig. Für den Fall, daß die Konfektionäre für die Versicherung der Hausindustriellen, die unter 1S00M. Einkomme» haben, verantwortlich gemacht werden sollen, drohen sie, solche Personen nicht weiter zu beschäftigen. Zum Schluß geben die Konfektionäre an- heiin— damit sie von allen Weiterungen verschont bleiben, daß die nicht zur Gewerbesteuer herangezogenen Hansindustriellen als un mittelbare Arbeitgeber gelten sollen und die Beiträge für ihre Arbeiter selbst zu zahlen haben. Die Konfektionäre wolle» das auf sie als Arbeitgeber entfallende Drittel der Beiträge den Haus- industriellen(Zwischenmeistern) wöchentlich ans den Arbeitslohn extra zahlen. Sie ivollen also in jeder Beziehung von der sozialen V e r- a n t w o r t l i ch k e i t, die der Unternehmer gegenüber seine» Ar- beitern hat, verschont bleiben. VevscumnUmgen. Vierter Verbandstag des Zentralverbandes der Maurer Teutschlands� Magdeburg, 16. März. Zum Bericht über die dritte Sitzung ist nachzutragen, daß der Antrag der Flens- bnrzer, Deckung ihrer Schulden durch den Vorstand, abgelehnt wurde. Vierte Sitzung.(Vormittags.) Zur Verhandlung kommt der zweite Punkt der Tagesordnung: Der zweite Gewerkschafts- Kongreß und die Stellung des Verbandes zur Generalkommission. Dä hn e- Verlin als Referent führt die bekannten Verhandlungen des letzten Gewerkschafts-Kongresfes an und streift dabei auch die Polemik, die zwischen der Redaktion des„Grundstein" und dem früheren Mitglieds der Generalkommission v. Elm geführt wurde. Er führt de» Streit ans beiderseitige Mißverständnisse zurück und erklärt sich in» Prinzip dainit einverstanden, daß das Verhältniß »vischen der Generalkommission und den» Verband»veiter bestehen bleibe. Legten: Der zweite Geiverkschafts-Kongreß sei gegenüber dem ersten als ein Forlschritt in der Enlivickelung der Geiverkschaften zu bezeichnen. Wenn der Geist der Buchdrucker-Organisation dort vorgeherrscht habe, so erkläre sich das dadurch, daß man noch viel von den Buchdruckern lernen könne. Später statlfindende Kongresse »Vörden einen»veiteren Fortschritt in der Geiverkschaslsbelvegung konstatiren können. Der Gewerkschaftsansschuß, von dem man be- fürchtete, daß er sich als Hemmschuh i» der Beivegnngsfreiheil der Generalkommission eriveise»»vürde, habe gleich in der ersten Sitzung beiviesen, daß die gehegten Befürchtungen nicht zntrcffend »varen. Die Streitigkeiten zwischen„Grundstein" n» d v. Elm»vären besser verniiede»,»vas bei einigem guten Willen beiderseits leicht möglich geivese». In seinen»veiteren Ausführungen kommt Redner noch einmal auf das Projekt der Generalkonnnission,„Gründuirg eines Streikfonds", zu sprechen und»veist die Nothwendigkeit einer derartige»» Einrichtung durch den Hamburger Hafenarbeiter- Streik nach. Paeploiv giebt ein« kurze Erklärung ab in bezug alif die zur Zeit des zweiten Geiverkschaftskongresses geführte Polemik zwischen „Grundstein" und Generalkonunissio» und spricht weiter aus, daß er, Redner, auch heute noch den damals im„Gr»»»dstein" vertretenen Standpunkt einniuimt. Der Antrag Beck, Fortsetzung der Beiträge an die General- kommiision, wird angenommen und damit dieser Pu»>kt der TageS- ordnung erledigt. Ueber„Die Stellung des Verbandes zum Fachorgan„Der Grundstein"" referirt B ö m e l b u r g. Er giebt zunächst eine Dar- stellung über die Entstehung des Fachorgans und über die Ver- hältnisse, in»velche» sich das Organ gegenüber der Organisation befand. Redner legt dem Verbandstag den Antrag vor, das Ver- hältniß des„Grundstein" zun, Verband enger zu knüpfen als bisher, und z>var dadurch, daß auf dem Verbandstag auch der Verleger und der Redakterlr des Fachorgans geivählt»verde» und»veiter da- durch, daß das Blatt vollständig in das Eigenth»»»», des Verbandes übergebe. Räch einer kurzen Debatte, die wesentliches nicht zu tage fördert, wird die Sitzling geschlossen. In der f ü n s t e n S i tz u n g, am Dienstag Nachmittag, gab auf Wunsch des Verbandstages der Vorsitzende Bömelburg das Zahlenmaterial bekannt, welches zwecks Verschmelzung der Fach- organe der Marirer, Zimmerer und Bauarbeiter in» Jahre 1394 aus- gestellt»vurde. Silberschmidt-Berlin tritt für den Antrag Bömelburg ein, den Verleger und Redakteur des„Grundstein" auf dem Ver- bandstago zu wählen. Schauer- Stettin tritt den Verschmelznngsgedanken in bezug auf die verschiedenen Fachzeitungen entgegen. Die nächste» Redner sprechen ihre persönlichen resp. die Wünsche ihrer Mandatgeber in bezilg auf die Gestaltung des Fachorgans aus. Alle erklären sich damit einverstanden, daß Redakteur und Verleger auf den, Verbandstage geivählt»verde,». P a e p l 0 w»veist einige gegen die Redaktion des„Grundstein" gerichtete Vorivürfe zurück. Er bemerkt dann dem Kieler Delegirten, daß er als selbstverständlich erachtete, wein» ihm bei Uebernahme der Re- daktion die Umzngskosten beivilligt»vnrden. Den Berichten aus den Zahlstellen einen größeren Raun, zu gewähre», sei in Rücksicht auf die Zusammenstellung des Blattes nicht möglich. Wenn zivei Personen an»„Grundstei»»" als besoldete Beamte angestellt»vürde», so feien diese zur Beivältigung der Arbeit nothivendig; literarische Mitarbeiter müßten außerden» vorhanden sein. Eine regelmäßige Beilage würde so hohe Kosten verursachen, daß davon»vohl nicht die Rede sein könne. Was das Verlagsrecht anlange, so sei immer- hin zi» erivägen, ob es nicht besser sei, das alte Verhältniß»vieder herznstellen. Der„Grundstei»»" sei in der Diskussion als ein Blatt hingestellt, das in ganz hervorragender Weise die Interessen der Arbeiter»ach jeder Richtung hin vertrete; solche Zeitungen hätten sich aber der ganz besonderen Aufmerksamkeit der Anklagebehörden zu erfreuen, und dieser Umstand sei zu berücksichtigen. Redner hofft, daß die zur Entscheidung stehende Frage eine befriedigende Lösung finden»verde. Die»veitere Debatte füllt die ganze Sitzung ans, doch treten neue Gesichtspunkte nicht zu tage. Es wird beschlossen, zur Prüfung der Angelegenheit eine Kommissto» einzusetzen, die in der nächsten Sitzung geeignete Vorschläge zur Regelung zu machen hat. In» Wahlverein für de» 4. Neichstags-Wahlkrcis Südost hielt Stadtverordneter Z u b e i l am Dienstag einen beifällig auf- genommenen Vortrag über konnnunale Angelegenheiten. Er empfahl, Fragen der städtischen Verivaltung im Wahlverein regelmäßig zu erörtern, damit die Genossen bei de» Stadtverordnete»- Wahlen über die einschlägigen Verhältnisse informirt seien, wodurch die Wahlagitation entsprechend erleichtert »verde. Mehrere aus das Thema bezügliche Anfragen»vurden an de» Referenten gerichtet und von demselben beantlvortet. Unter„Vereins- angelegenheiten" theilte der Vorsitzende Vogt mit, daß der Vor- stand sich nochmals mit der Angelegenheit des Mitgliedes Süßer beschäftigt und dessen Ausschluß aus dem Verein verfügt habe. Arbeiter- KUd»»g»riIi>»Ir. Freilag Abend 9 Uhr 61« ivX Uhr: Sübos»- Schule, Waldeuiarslrahe lt:»Namr-Erlemilmße«sch>tIe. Brunnenflr. ist wochentags von«-s Uhr, Sonntags von 4-9 Uhr, unenigelilich sur ledermann«eonnet.- die Geschäsistlelle der Schule dl., Brunnens'.rahe 25, die de»«eretn«- vorständen zur Bermtltelung von«orträgen wissenschaslltche» SharalterZ zur Verfügung fleht, ist ebensalls von«-9 Uhr nachmittags geossnel. Arbeit rr'Vau gerbund Berli»«»Ild Umgegend. Vorsitze, Iber Ad. Neumann. Pascivallerflr. Z. Alle Aendernuge» im V-reinSlalender sind zurichten an Friedrich Kortum, Mantenslelslr. 49, v. 2 Tr. �. Arbeiter-- xn>>cherd»»d Kerii»»»»d Zlmgeg«»». Aendernnge» i», Vereinskalcnder sind zu richlen a» Hermann Braun schweig, Dresdener- AUr'-nrNn« Kraut»«, und St-rd-kass« der Metallarbeiter(E. H. 2S zu Hamburg.) Berit» Filiale 9. Mitglieder-V-rsammlung am üo. d. M.. abends 8 Uhr, in der Kronen brauerei, Alt-Moabit 47— 4S. Die Ortsverwaltung. Freie Zt-reinigung der Händler und Händlerinnen Kerlins und Htm- gegend. Heute Abend s Uhr im Lokal von Tcheere, Blumenstr. 3«: Mitglieder- Versammlung. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags. Dienstag?. Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Rußland in der Kleiststraste. Wollen Sie sich nicht deutlicher er- klären? Vielleicht komnien Sie heute zu uns. Fr. Sch.. Rixdorf. Der Bericht unseres Berichterstatters war bereits gesefit. 21. G. Ihr Eingesandt müssen wir ablehnen. H. Lange. Wir ersuchen Sie, die Richtigstellung in der nächsten Ver- sammlung vorzubringen, auf diese Weise würde es daim auch in den„Vor- wärts" kommen. „Erlöser". DaS Manuskript liegt zum Abholen bereit. - R. B. Ivo. So oft als wie derselbe will.- S. C. 14. Der Vertrag lauft weiter, wenn ihn der neue Eigenthümcr nicht in den ersten drei Apriltagen zum 1. Juli kündigt.— 2l. B. 1. Ein besonderer Zweck ist mit der Umändening der Anzahl Felder in der Jnvaliditätskarte von h2 in SO nicht verbunden. 2. Wenden Sie sich an Misere Buchhandlung: viel- leicht kann dieselbe von ihrem Angebot Gebrauch machen.— Stcttiner Ä4. 1. Die Gewährung des Armcnrechts für einen Prozeß ist nie Annen- Unterstützung, beraubt»ie des Wahlrechts. 2. Nein. 3. Ja.— Hiller- scheidt: Nein.- R. W. 100. Ihr Kontrakt läuft bis 1. Oktober 1397 und, falls er nicht rechtzeitig gekündigt wird, bis 1. Ottober 1898 weiter. — Sparmann. Das ist verschieden.— 3. A. 13. Sie find kranken- versicherungs- und klebepflichtig.— E. B. 100. Zunächst haben Sie die Rückstände zu bezahlen; kommen Sie dieser Pflicht nicht nach, so ivürde die Herausgabe des Kindes nach Anrufen des Vormuiidschafts-Gerichts»nit recht Ihnen verweigert werden.— W. M» Charlottenburg. 1. Ja. 2. Nein. Briefkasten der Expedition. Bei der Expedition gingen für dos Denkmal der 1848 Gefallene» folgende Beträge ein: X. I. Z. 10,—. Carol, London 1,—. Summa: 11,- M. WillcrniigSiibc» ficht vom 48. Miirz I8S7. Etwas kühler, vielfach heiter, zeitweise wolkig mit geringen Niederschlägen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner Wetterb llreau. Ich wohne von jetzt ab W., Habsburgerstrnste 5, 2 Tr. A. Bebel. Allgemeine Kranken- nnd Aerbekaffe der MetaNarbeiter (Eilig. Hilfskasse Nr. 29, Hamburg. Berlin Filiale 4.) Am Sonnabend, den 20. März, abends 8 Uhr, findet im Versamui- lungslokal bei F. Wllke, Andrcas- siraße 26, ein 9736 Vovkvttg des Naturheilttwdigen Grandmann statt. Um recht zahlreiche Betheiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Bor Ankauf wird gewarnt! Im Februar d. I. kam ein Mann zu mir. unter Vorlegung eines Mieths- kontrakts auf den Namen Otto Stein, Kastanien-Allee bi, lautend, und lieh sich eine Drehorgel von mir. Er hat dieselbe nicht retour gebrachtund ist auch in der angegebenen Wohnung nicht zu ermitteln. Die betr. Drehorgel hat an der Wränge und in der Innenseite rugiümnmt die Nr. 690, an der Austen- ieite die Finna Co cht, Bacigaluppo, tvrafigna, Schönhauser Allee 78. 980b)(ö. Schwarz, Bnchhplzerstr. 7. Arcktil- Rester-Ausverkaiif älterer Muster in weiß und crome zu l— 4 Fcnsteni passend, spottbillig in dem Gardinenfabrik-Lager Berlin Grüner Weg Rr. 8V pari., Eing. vom Flur(kein Laden). Neuheiten treffen täglich ein. Proben nach außerhalb portofrei. ophastoffe y � a»ch Äw- Neltv »F in Rips, Damast, Erepe, Phanlasie. Gobelin und Plüsch spottbillig! AlM" Pi-obcn franko!"Wtss) Wrtiifimftnff# in alle» Qualitäten zu Fabrisprcisen. EfflilL0fe»re~: Aeliinncr! Achtnng! Künstliche Zähne von 3 M. an, Theilz. wöchcntl. 1 M., wird abgeholt. Zahnziehen, Zahnreimgen, Nervtödten bei Bestellung umsonst. tiiPlfnl Lansitzerplatz 2, Elsasscr- UlltRCl, stx 12, Steglitzerstr. 71 1. Möbl. Zimi»., monatl. 12 M., Braii- dcnbnrgstr. 7, Hof l. II r. Swiatkowski. Achtung! Maurer. Achtung! Sonntag, den 31. März, vormittags 11 Uhr. Iw Lokale des Herrn Spitzig-, Frankfurter Allee 198: Versammlung__ kl Wale II des Zelttral-Berbaildts ötMer Mamer. Tages-Ordnung: I. Die Gewerkfchaftsorganisativn und deren Bedeutung in der Arbeiter- bewcgiing. 2. Diskussion und Verschiedenes. AB. Alle Maurer von Friedrtchsberg und Umgegend sind hierzu besonders eingeladen._[136/15] Die Lokalverwaltung. Zimmerer! Verein der Jimmvvov Berlins und Umgegend. Sonntag, den LI. Würz, vormittags 10 Uhr, Im Dokale� des Herrn Colin, Bcnthstrasse 3(o. 8188: Mitglieder-Versammluttg. Tages-Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Vortrag über:„Der Mensch, ein Produkt der Verhältnisse". 3. Gewerkschaftliches.- Um rege Agitation für diese Versammlung werden die Mitglieder dringend ersucht. 257/13 Der Vorstand. I. A.: E Ob st. Tempely- Mariendorf. Sonntag, 21.'März, nachm. 3-/- Uhr, bei Deutschbeiu-Marieufelbe: Versammlung: des Arbeiter- BUdnngfsvcrcIns. '------„Die D.-O.: Vortrag des Herrn Br. Jo« über: Nordpols". DiSkuisson. Erforschung des 12/7 R. NittvlLlÄÄl, verlm I?., vrllllllSllLtr. 152. Tischler-Verein. Sonnabend, den 80. März, abends 9 Uhr, Mrlchiorstraste IS: fpIT" Versammlung"WU Tagesordnung: I.Vortrag desHm. Hanse» über„Die Resonnation in Deutschland". 2. Abrechnung von der Urania. 3. Ein Untersliitzungsgesuch und BereinSangelegcnheitcn.— Damen haben Zutritt. Der Vorstand. Freie Pereiiligiing der Blttlanschlailer Berlinö mld llmgeg. Mitglieder- Versammlung am tzlonntagk. den 81. März 1897, vormittags UV.l'hp, im Lokal des Herrn Baske, Grcnadlerstr. 38. Tages-Ordnung: Aufnahme neuer Mitglieder. Verschiedenes und Fragekasten. 33/13__ Der Vorstand. fördert, vorzüglich die l Ver- daung und regt besonders den Appetit an. InFl.Mk.O,6O.l,10.&l>80. Im Ausschank und In Flaschen überall cn haben. Achiungf Schllneberg! Sonntag, den 21. März, nachm. I1/. Uhr, bei Obst, Gruncwaldstr. 110 Mitglirder-Uersammlung 29.4 der Knuarbeiter Deutschlands. Gäste willkommen. Mitglieder werden aufgenonniicn. Dir Ortsverwaltung. Fankow Nieder- Schönhanseu. Sonntag, den 21. März, nachmittags 2 Uhr, im Lokale des Herrn Stör,(Pankow), Mühlenstr. 24: 222/18 OefFenKlicheVersemmUing Tages-Ordnung: 1. Bortrag d-S Reichstagö-Abgeordncten Arthur Stadthagen „Die gegenwärtige politische Lage. 2. Diskusfion. 3. Die Lokalsrage unserer Ortschaften. 4. Maiscier.- Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Her Tertraacnsmann. ■" ai- in künstlerischer AnSführnng liefert «Isari HvlSS Barnbnrgi, Cr. Hrehbabn Xo. 4S. �llnkiriicken Prcis-Eonrant vencnde gratis. Smabend: Reßer-VeMs! � Brenner& Cie., -9 Alte Jakobstrasse No. 57—59.«- Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur, Nachricht, daß mein lieber Vater, det Hutmacher Anßpnst Kunz am 16. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Michael-Kirch- Hofes am Mariendorfer Wege aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Aehtnngs! SkeinNrbeikev I Am 15. März verschied im Alte» von 50 Jahren unser bewährter Kollege Karl Kassicke an der Proletarierkrankhcit. Die Beerdigung findet Freitag, den 19. d. M.,»achmiltags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Kranken- Hauses in Moabit aus statt. Um rege Betheiligung ersucht 172/11 Der Bertranensman». Danksagung. Für die zahlreiche Betheiligung bel der Beerdigung»icincs lieben Manncs, des Schriftsetzers Wilhelm Barsch, sage allen, insbesondere seinen Kollegen herzlichen Dank. 98lb Die trauernde Hinterbliebene. Ich nehme die Beleidigung gegen Frau Freund zurück und erkläre sie als eine ehrenhafte Frau. 988S Frau M i s ch n a t, Wolgasterstr. I. Verttkow, Schlafsopha 18, 1 gr. n. 1 kl. Teppich 15, 2 Spiegel 18, 1 Tiich 12, 1 Küchenrahm., Bilder all. noch neu, verkaufe schleun. A u t o n st r. 9, vorn 3 Tr. rechts(am Weddingplatzl__ Wichtig für Parteigc» o sseni Destillation, gr. Vereinsz. 100 Pers., kl. Vereinsz. 20 Pers. fass., Zahlstelle, 80., sof. für 1800 M. verkäufl. Zu ersr. Zigarrenhandlg. Ecke Wiencrstr. 1—6. Schneiderin cmps. sich in u. außer dem Hause. Frau I e e tz e, Rixdorst Ziethcnstr. 60, v. 2 Tr. 970? Sächsisches Ehepaar, 1 Kind, gute Zeugnisse, mit Pferden, Land- uud Gartenarbeit vertraut, suchen Stell. irgend welcher Art. Offerte» nimmt die Erpcd. unter„Arbeit" entgegen � ___ Dirigent zu Dienstag sucht Arbeiter-Gesang- verein. Adr.: Barutherstr. 9, 4 Tr. bei Schormacher. 9786 Milchgeschäftö-Einrichtnngen Emaille-Milchkübcl, Kannen, Satten, Tafelwagen, Äemüsewagen,[13061, Jordan, Kl. MartuSftr. 28. Vtirt,»- ed r Art beleiht uns -smyer kaust 136 9 _ Antiquariat Kochstr. 56. Streisand. 32 Dluste. Galizien. •AJcttcn, Steppdecken, Gardinen, Bor- � bäten, Wäsche, Teppiche, Somuier- paletots, Hose», Regulatoren. Remon- toiruhre», Ringe spottbillig Pfandleihe Reanderstraste V. Arbeitsiililrtt. Lehrling s. Zigarren- und Llqueuk- geschäst, monatlich 20. 2o, 30 M., s, Hamburger, Kl. Frankfurteritr. 22. Z äch t~Sch l o if c v n. Monteure für Waagen finden lohn. u. dauernd« Arbeit bei R. t5. Herrmann. Berlin HO.. Elisabethstr. 19. »»»»!»■iiniHiiwa— aa Für die biengen Leser liegt der heutigen Nummer uiisereS«lattcS die Gewinnliste der preustischcu Lotterie vom gestrigen Dage bei Verniilivortlicher sttednklenr: Slngnft Jacobet, in Berlin. Für de» Jnseralentheil verantwortlich.' Dh.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max ivading in Berlin. »'■«°"■ ww 2. Kikge to Jotmärtü" ßttlinct JolWlutt, im« Ltnkerm neurpton Vuvs. Februar. 1. Hamburg. Wegen Uebertretung der Straßenordnung ein Hafenarbeiter Il>, ein anderer 20 M. Geldstrafe.— Ein dritter 'vegen groben Unfugs 10 M. Geld- und ein vierter wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbeordnung 1 Monat Gefängnißstrafe. » Zwickau. 50 M. Geldstrafe Genosse G o l d st e i n wegen Aufforderung zu verbotener Sammlung. , Dresden. Genosse Schulze wegen Vergehens gegen das Preßgesetz 30 M. Geldstrafe. , Tanzig. 14 Tage Gefängniß Genosse Stolpe wegen Ver- gebens gegen das Vereinsgesetz. 2. Altona. Acht Arbeiter wegen unerlaubten EammelnS je 20 M. Geldstrafe.— Ein anderer wegen Vergehens gegen das Preßgesetz 10 M. Geldstrafe.— Eine Serie von 8 Ar- beitern wegen unerlaubten Sammelns je 20 M. und 1 Arbeiter wegen öffentlicher Verbreitung von Flugblättern 10 M. Geldstrafe. „ Hamburg. Wegen Verrufserklärung ein Arbeiter I Monat, ein anderer 1 Woche und ein dritter 2 Monate Gefängniß.— Ein anderer wegen Hausfriedensbruchs 6 Wochen Gefängniß. Noch sechs andere wegen Vergehens gegen die Straßenordnung insgesammt 8l M. Geldstrafe 3. Kiel. Genosse Lütjens wegen Beleidigung des Werft- arbeiters Lorenzen 250 M. Geldstrafe. 4. Haneburg. Je 10 M. Geldstrafe zwei Arbeiter wegen Ueber tretung der Elraßenordnung. „ Altona. 6 Monate Gefängniß ein Hafenarbeiter wegen Nöthigung.— Ein anderer wegen Beleidigung 10 M. Geld- strafe. „ Brandenburg. Der Klempner Hübner wegen Nöthigung 14 Tage Gefängniß. , Halle. Genosse Brandt wegen Verübung groben UnsugS 6 Wochen Hast. „ Dresden. Wegen Majestätsbeleidigung Genosse Schulze V Monate Gefängniß. „ Berlin. Die Genossen Patt. Naßwey und Rüth er zu 30, 12 und 20 M. Geldstrafe wegen Beleidigung. 5. Hamburg. Drei Hafenarbeiter zu 15 und 5 M. Geldstrafe wegen Uebertretung der Straßenordnung. Ein anderer wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung 6 Wochen Gefängniß.— Ein Fünfter wegen Mißhandlung 3 Monate Gefängniß.— Noch zwei andere zu 10 resp. 31 M. Geldstrafe wegen Uebertretung von Polizeiverorduungen. 6. Brrmeu. Genosse Rhein wegen Beleidigung eineS Fabrikaufsehers 75 M. Geldstrafe. 8. Hamburg. Weyen Bedrohung ein Hafenarbeiter 4 Monate Gefängniß.— Ein anderer wegen Widerstands eine Woche Gefängniß. g. Ein Hafenarbeiter wegen Mißhandlung 5 und ein anderer wegen des gleichen Vergehens 3 Monate Gefängniß.— Wegen Nöthigung«in Arbeiter 8 Wochen, ein anderer 5 Tage Gefängniß.— Wegen Uebertretung von Verordnungen zwei Arbeiter je 10 und drei Arbeiter je 3 M. Geldstrafe. , Hamburg. Ein Heizer wegen Mißhandlung 6 Monate Ge- fängniß. » Erfurt. Genosse C o o r s wegen Beleidigung eines Haupt- manns 300 M. Geldstrafe. , Breslau. Je 100 M. Geldstrafe die Genossen Zahn und Gerhardt, beide wegen Beleidigung. 1v. Hamburg. Zwei Ewerführer wegen Körperverletzung je 2 Monate, und wegen des gleichen Vergehens ein Matrose und«in Schauennann je S Monate Gefängniß.— Ein Drechsler wegen Vergehens gegen ß 153 der Gewerbe- Ordnung ein Monat Gefängniß.— Wegen de? gleichen Ver- gehen? ein Kohlenarbeiter ein Monat und ein anderer zwei Wochen Gefängniß. , Delitzsch. Genosse B jedermann wegen Gendarmen- beleidrgung 50 M. Geldstraf«. II. Rochlitz. Zwei Genosse» aus Geringswalde je 10 M. Geld- strafe wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz. „ Zwickau. Wegen Aufforderung zu einer nicht erlaubten Sammlung Genosse F r e h s e 50 M. Geldstrafe. , Guben. 10 M. Geldstrafe Genosse R i e n ä ck e r wegen im- erlaubten Sammelns. , Hamburg Ein Schauermann wegen Sachbeschädigung drei Wochen und ein Kohlenarbeiter wegen Bedrohung zwei Wochen Gefängniß. Zwei andere wegen verbotene» Sam- melns je 10 M Geldstrafe. 12. Hamburg. Ein Schanermann wegen Mißhandlung drei Monate Gefängniß; ein anderer wegen Beleidigung 20 M. Geldstrafe. „ Wittenberge. Wegen Bürgermeister- Beleidigung Genosse Jahn 15 M. Geldstrafe. , Dessau. Drei Monat« Gefängniß Genosse Walter wegen OffizierS-Beleidiguug. „ Plauen. Genosse Schulze aus Dresden wegen Beleidigung eines Rittergutsbesitzers 100 M. Geldstrafe. „ Halle. 6 Wochen Hast Genosse S a l o m o n wegen Ver- Übung groben Unfugs. „ Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Henning wegen Beleidigung 100 M. Geldstrafe. „ Berlin. Die Genossen Biniczkiwicz und M o r aw ski 150 bezw. 300 M. Geldstrafe wegen Beleidigung von Polizei- beamten. „ Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse John- Magde- bürg wegen Majestätsbeleidigung 9 Monate Gefängniß.— In gleicher Instanz GenosseM i t t r i s ch- Dresden 8 Monate Gefängniß wegen Beleidigung in 3 Fällen. „ Hamburg. Ein Schanermann ivegen Mißhandlung 2 Monate Gefängniß.- Ein Heizer wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnuug 10 Tage Gefängniß. Lübeck. Wegen Beleidigung der Schutzmannschaft die Genossen Bartels und Friedrich 4 und 8 Wochen Gefängniß. Hamburg. Zwei Arbeiter wegen verbotenen Sammelns je 10 M. Geldstrafe.— Ein Schmierer wegen Vergehens gegen die Seemannsordnung 54 M. Geldstrafe. , Piuucbcrg. 20 M. Geldstrafe ein Arbeiter wegen unerlaubten Sammelns. , Kiel. Die Beleidigung fängniß. Erfurt. In der Berufungsinstanz die Genossen Stall und ' K! r a u e l wegen unerlaubten Kollektirens zu 10 M. Geld- strafe. Dessau. 5 Wochen Gefängniß Genosse Münch ow wegen " Beleidigung eines Fabrikdirektors. Lanqenbielan. Genosse Feldmann wegen Aufforderung " unerlaubten Sammelns 10 M. Geldstrafe. Salle Wege» Beleidigung des Offizierkorps Genosse ' Brand 150 M. Geldstrafe. Chemnitz. Der Kartonarbeiter Keil- Limbach wegen sticligionsschmähung 8 Monate Gefängniß. 1«- Bochum. Sv M. GeldArafe Genosse H u e wegen Verübung „ Echings' �Genosse Dr. Gott, ch a l k- Königsberg und Stolpe-Danzig j« SO M. Geldstrafe wegen Beleidigung eines Polizeibeamten. 13. IS. Arbeiter S ch m o l d t und Schnell wegen des Werftarbeiters Lorenzen je 14 Tage Ge- 17. Hamburg. Ein Hafenarbeiter wegen Verrufserklärung 5 Tage, ein anderer wegen Bedrohung 2 Monate, ein dritter wegen Beleidigung 4 Wochen Gefängniß. Wegen unerlaubten EammelnS 3 Arbeiter je 10 M. und 2 je 3 M. Geldstrafe. 18. Berlin. In der Revisionsinstanz Genosse Neuster gerling 8 Tage Gefängniß, und die Genossen Gerlach und H e i ß n e r, sämmtlich aus Mülhausen i. Th., je 10 M. Geldstrafe wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz. „ BrcSlau. Wegen'Pastorenbeleidigung Genosse Hahn 14 Tags Gefängniß. , Dresden. In der Berufungsinstanz der Maurer Reh wegen Richterbeleidigung 2 Monate Gefängniß. „ Hamburg. Zwei Arbeiter wegen unerlaubten Sammelns je 10 M. Geldstrafe. 19. Saalfcld. Wegen Beleidigung eines Lehrers Genosse Türke 60 M Geldstrafe. „ Kiel. Genosse Lütjens 6 Wochen Gefängniß wegen Be leidigung der Polizeibehörde. „ Hamburg. Ein Hasenarbeiter wegen Mißhandlung 2, ein anderer 3 Monate Gefängniß. 20. Hamburg. Fünf Arbeiter wegen unerlaubten Sammelns je 10 M. Geldstrafe. , Fürth. Genosse Gärtner wegen Verübung groben Un- fugs 150 M. Geldstrafe. „ Bochum. Wegen des gleichen Vergehens Genosse Hue 50 M. Geldstrafe. 22. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Gerhardt Breslau wegen 2 Beleidigungen 8 Wochen Gefängniß und 200 M. Geldstrafe. „ Hamburg. Wegen Verrufserklärung ein Hafenarbeiter 5 Wochen, ein anderer wegen Mißhandlung 3 Monate und 10 Tage, ein dritter wegen Bedrohung 1 Monat, ein vierter wegen des gleichen Delikts 2 Monate Gefängniß. 3 Arbeiter wegen unerlaubten Sammelns je 10 M. Geldstrafe. „ Köln. Eine Woche Gefängniß Genofle Michels wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung. � Breslau. Wegen des gleichen Vergehens Genossen Zahn und S ch i p p m a n n- Altona je 14 Tage Gefängniß. , Fürth. 20 M. Geldstrafe Genosse Gärtner wegen mv erlaubten Sammelns. 23. Altona. Wege» Bedrohung drei Hafenarbeiter je 4 Wochen, einer 2 Monate Gefängniß und einer 20 M. Geldstrafe. „ Hamburg. 10 bezw. 6 M. Geldstrafe zwei Arbeiter wegen unerlaubten Sammelns.— Zwei je eine Woche Gefängniß. „ Köln. 200 M. Geldstrafe gegen Michels und Genossen wegen Verübung groben Unfugs.— Drei andere Genossen wegen unerlaubten Sammelns in fünf Fällen je 10 M. Geld strafe. 24. Zwickau. Die Genossen Kautzsch und Zenker wegen unerlaubten Sammelns je 30 M. Geldstrafe. „ Hamburg. Wegen Nöthigung ein Hafenarbeiter 2 und ein anderer wegen Mißhandlung 3 Monate Gefängniß. 25. Hamburg. Ei» Hafenarbeiter wegen Nöthigung 3 Monate Gefängniß, zwei wegen verbotenen Sammelns je 10 M. Geld- strafe und einer wegen Uebertretung der Straßenordnnng und Widerstands 30 M. Geld- und 4 Tage Gefängnißstrafe. 26. Frankfurt a. O. Genosse S ch ö p f l i n wegen Beleidigung eines Buchdruckereibesitzers 30 M. Geldstrafe. „ Hamburg. Ein Heizer 10 M. Geldstrafe wegen unerlaubten Sammelns. , Altona. Wegen Nöthigung ein Hafenarbeiter 20 M. Geld- strafe. , Stade, l'/e und 1 Jahr Gefängniß zwei Arbeiter wegen gemeinschaftlicher Mißhandlung Arbeitswilliger. * Halle. Genosse Brandt 150 M. Geldstrafe wegen Richter- beleidigung. „ Strasburg i. U. Wegen Verübung groben UnfugS Genosse V i ck 3 M. Geldstrafe. 27. Stralsund. 9 Monate Gefängniß Genosse Genzen wegen Richterbeleidigung. „ Halle. Genosse Man nigel wegen Beleidigung der Direktoren der Böllberger Mühle in acht Fällen 1 Jahr Gefängniß. „ Hamburg. Je 3 Monate Gefängniß ei» Seemann und ein Feuermann wegen gemeinschaftlicher Mißhandlung eines Arbeitswilligen. Insgesammt wurden erkannt auf 4017 M. Geld- und 17 Jahre 8 Monate 3 Woche» und 4 Tage Gefängnißstrafe. Hamburg-Eimsbüttel, de» 3. März 1897. Eichenstr. 4 I. Der geschäftssührende Ausschuß. Vre neuepke Ehveneekkung des De. Häns Vlunr. Der Prozeß des Dr. Hans Blum zu Leipzig gegen den„Vor- wärts" beschäftigte am 15. d.M. das Landgericht I als Verusuugs- instanz, nachdem seit Erlaß des Urtheils erster Instanz vom 14. De- zember 1895 gerade fünf Vierteljahre vergangen waren. Wir müssen deshalb auch ein wenig ausholen, weil wir unsern Lesern nicht zu- muthen können, diese alte Angelegenheit im Gedächtniß zu haben. Andererseits ist sie wichtig genug, nicht nur für die Redaktion, son- dern für alle, die sich üher die Kampfesweise eines Gegners wie Blum und über die Lage unserer Rechtsprechung in Beleidigungs- fachen unterrichten wollen, um eine eingehende Behandlung zu recht- fertigen. Dr. Blum hat bekanntlich bei den verschiedensten Gelegenheiten die Behauptung aufgestellt, daß in dem Prozesse gegcnGeneral Bou langer enthüllt worden wäre, daß dieser namhafte Summen ausgegeben Hütte, um bekannte deutsche Sozialdemokraten zu kaufen, damit sie in dem Kriege, den Bvulanger anzetteln wollte, den deutschen Armeen zu gunsten der Franzosen in den Rücken fallen sollten. Wir und andere Parteiblälter halten verschiedene Male diese Behauptung als das be- zeichnet, w a s s i e ist, und waren natürlich, da wir zarte Aus- drücke für solche Dinge nicht aus unserem Register habe», wegen „Beleidigung" in der Form bestrast worden. Die Gerichte lehnten regelmäßig den Beweis ab. den wir da- für erbringen wollten, daß die Blum'sche Behauptung un- wahr sei, und Blum weigerte sich, Beweis für sie anzutreten. Er behauptete dabei immer, daß er ein aktenmüßige» Beweismaterial besitze, aber er wollte es nicht vorlege». Endlich im Januar 1895, als die Umsturzvorlage berathen wurde, kam er in zwei Artikeln der„Magdeb. Zeitung" mit seine» „Beweisen" heraus, in zwei Artikeln, die zusammen die Länge einer kleinen Brochüre hatten. Wir kritisirten dies Werk des national- liberale» Geschichtsschreibers, wie er sich gerne nennt. Die Person des Autors war uns dabei gleichgillig, mit ihm sind wir'schon lange fertig, aber sein Bew-ismaterial nahmen wir unter die Loupe, und kamen zu den, Schlüsse, daß es ans unrichtiger Uebersetzung, aufAus- lassung und Entstellung von Zitaten, auf erlogenen und gefälschten Behauptungen beruhte. Wohlgemerkt: das Material! Denn von der Person des Herrn Blum redeten wir nicht. Wer für die Lügen verantwortlich war, ließen wir ganz offen. Herr Blum verklagte unsern damaligen verantwortlichen Re- dakteür Roland(Dierl) und— wurde abgewiesen. Das Gericht entnahm aus dem Äeweismaterial, das w i r ihm unterbreiteten,— Blum felber weigerte sich wieder, es feinem eigenen Anwalte zu zeigen daß ttnsere Kritik in nichts zu weit ginge. Der Richter kam namentlich zu der Ueberzeugmig, daß Blum falsch zitirt habe, und daß seine Angabe, die ehrenrührigen Behauptungen gegen die deutschen Sozialdemokraten seien in dem Boulanger» Prozesse erwiesen worden, falsch sei, und zwar von ihm ent> weder wissentlich falsch oder mit einer an böse Absicht grenzenden Fahrlässigkeit aufgestellt. Blum legte Berufung ein und schleppte die Sache, wie gesagt, fünf Vierteljahre durch immer neue Beweisanträge hin. bis schließ- lich dem Gerichte die Geduld riß und es neue Bertagungsgesuche Blum's ablehnte. Welchen Werth diese Beweisanträge in Wahrheit hatten, geht daraus hervor, daß sin der neulichen Verhandlung von keiner Seite auch nur auf eins dieser neuen Beweismittel bezug genommen wurde. Blum's eigener Anwalt schloß sich der Ansicht an, die wir stets vertreten haben, daß alle diese Dinge nichts mit der Sache zu thun hätten. Die Privatklage wurde also diesmal in ganz denselben Grenzen verhandelt, wie das erste Mal, und wir wollen gleich vorausschicken, daß wie von nns ja schon bekannt gegeben, das Gericht eine Verurtheilung D i erl's zu 1S0M. Geldstrafe aussprach. Wir wurden uns dabei nicht weiter aufhalten, wenn das Gericht sein Urtheil ans die in der Form heftigen Ausdrücke stützte, die in den Artikeln vorkommen, indem es diese aus Blum bezöge. Wir sind zwar der Meinung, daß auch Ausdrücke, wie„Lüge" und„Fälschung" bei der Wahrnehmung be- rechtigter Interessen gebraucht werden dürfen, von denen der überzeugt ist, daß er sie mit recht gebraucht; jeder Staatsanwalt und Richter muß sie Angeklagten gegenüber gebrauchen, und in dieser Rolle befanden wir uns, als wir Blum's sogenannten„Beweisen" nach- gingen und feststellten. daß der Boulangerprozeß nichts von dem erwiesen hat, wovon Blum behauptet, es sei darin festgestellt worden. Aber immerhin: wir kennen die Zimperlichkeit, mit der wir die Sprache Luther's, Lessiug's und— Bismarck's handhaben niüffe», wenn wir nicht verurtheilt werden sollen, und wir würden uns wie gesagt begnügen. Das Urtheil geht aber weiter, es erklärt, daß wir dem Hans Blum Böswilligkeit bei seinen Behauptungen, Uebersetznngen und Zitaten nicht nachgewiesen hätten. Da Hans Blum nicht verfehlen wird, das als eine Art Rechlsertigung seiner unwahren Behauptungen hinzustellen, so haben wir als die Nächstbetheiligten das größte Interesse festzustellen, daß das Gericht die Prüfung des ihm vorgelegten Materials — wenigstens soweit wir aus den mündlich verkündeten Urtheils- gründen entnehmen könne»— in einer Weife beschränkt hat, die ihm einfach unmöglich machte, zu einer erschöpfenden Würdigung der Sache zu gelangen. Was zunächst die unrichtige Uebersetzung betrifft, so sagie der Sachverständige Dr. Engel allerdings zunächst, Blum habe „nicht gerade falsch" übersetzt. Als aber der Vertheidiger Dierl's, Rechtsanwalt Heine, ihn darauf hinwies, daß die Blum'sche Uebersetzung das, was Boulanger nur als seinen Plan bezeichnete, nämlich mit deutschen Sozialisten Verbindungen anzuknüpfen, als vollendete Thatsache er- scheint» ließe und daß die Unrichtigkeit der Blum- fchen Uebersetzung eben darin zu sehen sei, so erkannte Herr Dr. Engel dies a», und sagte wörtlich:„Ich würde allerdings so nicht übersetzt haben." Das Gericht begnügte sich aber in seiner Urtheilsbegründung hervorzuheben, daß Dr. Engel die Uebersetzung als„nicht falsch" bezeichnet habe, und daß Blum namentlich das Wort„coinxlsr" richtig übersetzt hätte, was wir nie bezweifelt hatten. Ueber den anderen Punkt, den wir angeregt hatten, daß Boulanger unmittelbar hinter den von Blum zitirten Sätzen seine» Vertheidigungsschrift hervorhebt, dieser Plan, mittels der Zeitung „Avenir national" zu deutschen Sozialisten Beziehungen anzuknüpfen, sei ihm nicht geglückt, und daß Blum diesen Satz weg- gelassen hat, schwieg der Vorsitzende bei der mündlichen Urlheitsbegründung vollständig, obgleich Dierl's Vertheidiger gerade darauf das Hauptgewicht gelegt hatte. Wir wissen nicht, wie die böse Absicht Blum's bei dieser Weg- lassung noch in Zweifel gezogen werden kann, das aber wissen wir, daß Blum in Zukunft nie wird behaupten können, er kenne diesen Satz nicht. Kommt er also noch einmal mit seiner Boulanger-Legende, so werde» w i r ihn verklagen, und zwar in Berlin, schon um dem- selben Gerichte dieselbe Frage noch einmal vorlegen zu können. Die ganze Art, wie der Vorsitzende, Landgerichtsrath Rein ecke, in der Urtheilsbegründung den Boulanger-Prozeß behandelte, ließ er- kennen, daß das Gericht in dieser Frage von einem durchaus irrige» Standpunkte ausgegangen war. Der Vorsitzende erklärte, das Gericht hätte sich nicht im stände gefühlt, zu ent- scheiden, ob Boulanger so oder soviel wirklich unterschlagen habe, oder ob seine Angaben über die Verwendung der Gelder richtig seien.— Wer iu aller Welt lat dem Gerichte das den» zu- gemuthet?— Als schon in den ersten Phasen der Verhandlung der Vorsitzende eine ähnliche Aenßerung that, setzte der Vertheidiger Dierls ausführlich auseinander, daß er eine solche Prüfung vom Gericht auch nicht fordere. Im Gegentheil sei nur festzustellen, ub Blum's Angaben, daß Boulanger hochverrätherische Beziehungen mit deutschen Sozialisten behauptet, und daß Staatsanwalt und Senat ihm dies geglaubt hätten, richtig sei. Nun ergebe aber ei» Blick in Bonlanger's Vertheidigungsschrift, daß Boulanger nicht einmal das behauptet habe, was Blum ihm nachsagte, und daß ferner das Gericht auch von dem, was er behauptete, nicht daZ geringste geglaubt habe. Wir bleibe» dabei: wir habe» für jeden zweifellos das bewiese», daß diese Angaben Blum's durchweg unwahr sind; aber gerade hierüber schwieg das Gericht bei der Urtheilspublikation auch völlig. Vielleicht erfahren wir, was es in diesem Punkte, der die Haupt- fache ist, denkt, aus den schriftlichen Urtheilsgründen. Wir werden uns hier in keine Untersuchung einlassen, welchen Grad von„Bewußtsein" Blum halte, als er die unwahren Be- hauptunge» in die„Magdeburgische Zeitung" schrieb. Es giebt eben, wie schon der erste Richter meinte, nur zwei Möglichkeiten: entweder hatte Blum die Berichte über den Boulanger-Prozeß ge- lesen und wußte, daß das Gegentheil von dem drinstand, was er in der„Magdeb. Ztg." schrieb, oder er hatte sie nicht oder nicht ordentlich gelesen, berief sich aber doch auf sie, als Quellen. Eins so schlimm wie das andere! Was endlich Blum's Zitate aus den Reichstagsreden Grillen- berger's, Hasenelever's u. s. w. betrifft, so fand das Gericht auch dabei, daß Blum des Raumes der Zeitung wegen nicht hätte wört- lich zitiren können und daß er den Sinn des Zitirten im all- gemeinen richtig wiedergegeben habe. Wir wollen mit dem Gericht nicht streiten, was richtig zitiren sei. Wir rechnen eS nicht dazu, wenn man zwar einzelne Sätze richtig jitirt. dann aber andere wegläßt, die für den Sinn entscheidend sind, und wir könne» auch«inen guten Glauben nicht annehmen, wen» diese durch Weglassung hervor- gebrachten Sinnverschiebungen sich alle in einer bestimmten Richtung bewegen. Wir finden es auch nicht richtig zitirt, wenn jemand durch Gänsefüßchen und Angabe von Seitenzahlen den Eindruck erweckt, er zitite wörtlich, während er nicht einmal dies thut. Das Gericht billigte nns zum Schluß zu, daß wir unsere be- rechtigte» Interessen gewahrt hätten, wir wären aber doch zu weit gegangen, denn wir hätten in dem einen Artikel erklärt, wir wollten die Geißel schwingen. Wir könne» darauf nur mit dem antworte», was Dierl's Vertheidiger i» der Verhandlung sagte:„Wenn die Ausführungen des„Vorwärts" Herrn Blum wie Peitschenhiebe ge- troffen habe», so liegt das nicht a» der Schärfe ihrer Form, sondern an der Beweisführung und Handlungsweise von Blum selbst, und an dem für Blum vernichtenden Eindruck, den diese auf jeden machen müssen, der sie an der Hand des vom„Vorwärts" gebotenen Materials durchschaut." Slüe beu Inhalt der Inserate nbernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Berantwortung. Thettker. Freitag, den 19. März. Ohrriihaiis. Die Meistersinger von Nürnberg. Schauspielhaus. Das Kiithchen von Hetlbronn. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Marksteine. Lcssing. Di« Ehre. Neues. Marcclle. ästend. Die Leibrente. TÄestcn. König Saul. Rrfidenz. Associüs.— Borher: Der Brummer. Linden. Straub- ZykluS. Der Karneval in Rom. Thalia. Frau Lieutenant. Schiller. Maria Stuart. Zentral. Ein fideler Abend. Volks. Signor Piffarello. Friedrich-«Silhelmstiidtisches. Liane, die zweite Frau. AlexanderplaN. Die Tanzfrida. American. Lumpc-Äastipiel: Die Räuber auf Maria-Culm. Passagc-Panoptitum. 32 Mädchen aus Snmoa. Apollo. Spezialitäten._ Btilt-Mllnce-Thtllter Volks-Norstellnug unter Regie von JdIIum Türk. Sonntag, den 21, März, nachm. 3 Uhr: Gastspiel der Damen Martha Frey und Therese»reyburg; der Herren Heinrich Schulz und Wilhelm Rufs. Zuni dritten Male: Die znägfrilil vsil Lrieans. Siomantische Tragödie von Fr. Schiller. Johanna: March« Frey. Agnes Sorel: Therese Freyburg. König: Richard Jurgas. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm' Ruff. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot: Julius Türk. Die Kostiime, Requistten, Waffen sind aus den iunstgewerblichen Werk- stätten von P. Htldcbrand. Eintrittskarten k 60 Pf. sind in den bekannten Geschäften zu haben. HpSIlia Tauben-Strasse UlnUltt, ST®. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr von», ab. Eintritt 50 Pf. Wissenschaftl. Theater abends K Uhr. Jnvalidenstr 67/62 Attl-NwUttt LehrterStadtbahn- Hof. Täglich von V/i Uhr abends ab KO Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Borträge, niit Erpen- menren it. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die TagcSanschläge. Passage- Panopticum. 32 Mädclien ans Sarnoa. Castan's KBS Fanopticuin. Pygmäen ie kleinsten Die beiden indischen die kieinste» Menschen der Welt! Tamcn-Wettschmimmen. Apollo- TKeatef. Täglich Auftreten der 5 Listers Lorrison, des unerreichten Ehampion-Jongleurs Nr. Lpsäeni. kibb S Ladd* Fritzi Ferry. Brothers Hugosset. Kaflencröffnung 6V3 Uhr. Ans. 7Va Uhr. Welt- Restaurant Variete- n ii. iilbner. Anfang: Enttee: Wochent. 8 Uhr. Wochentags 20 Pf. Sonntags 6 Uhr. Sonntags 30 Pf Sckillev�Theakvr (Wallnep-Theatep). Freitag, abends 8 Uhr: Zum 1. Male: Maria Stuart. Sonnabend, abends 8 Uhr: Maria Stuart. Oftend-Theater. Gr. Franefurterstr. 132. Dir.«.Weift. Freitag: Wohlthätigkeits-Vorstellung unter g irchger Mitwirkung des Fräul. Falke voni Theater des Westens, Herrn Dir. Franz Dorn vom Wintergarten. Die Leibreute. Schivank in 6 Akten von G. v. Moser. Anfang 71/2 Uhr. Sonntag Stachmittag: Ceniienar- Vorfeier. Sang an Aegir, dargestellt vom ganzen Personal. Dann:„Kur- märker und Picardc."„Chassepot und Zündnadel."„Nach 66 Jahren."— "bcndö:„Zu hoch hinaus! Central-Theater. Alt- Jakobstr. 30. Dir. Aich. Schultz. Abends Va8 Uhr: Zum 42. Male: Ei« stdeltk Abknil. Morgen: Zmn 43. Male:«in ftdeler Abend. Thalia-Theater. (voruialS Adolph Ernst. Theater). Borletzte Woche: „Kran Lieutenant.» Baudeville tu drei Akten von Paul gerrier und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirsche! Musik von G. Serpette und V. Roger. Morgen und folgend Lieutenant." >lgende Tage:„Frau Volks-Theater 34. Reichcnberger- Strafte 34. Pserdebahnstation: Kottbuser Thor. Lignor kittarello. Poffe mit Gesang in 6 Bildern von H. Willen und S. Haber. Musik von G. Michaeli«. Die neuen Kouplets und GesangStext« von R. Brodek, lomp. von R. Thiele. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.l AlexaMcklsh-Theattt. Kleine Preise. Heute und die folgenden Tage: Gastspiel des Frl. Stöck er-Goltz und des urtomischen Bendip. Die Tanzfrieba. Berliner Posse mit Gesang tn 3 Akten(4 Bildern) von Heinrich Wilker. Musik vom Kapell- meist« Wicher Anfang 8 Uhr Siimmt- liche Bonö sind giltig. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Die sieben Raden. Grobes Zaudermärchen mit Gesang in sechs Bildern von Boltcn-Bäckers. Billets sind ohne Borbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- lasse zu haben. Vormittags 1l— l Uhr und abends von V,? Uhr an. z-i-dti»«ildthH. iWtr. Liane, die zweite Frau. Charaktcrgemälde in 6 Auszüge» nach dem gleichnamig. Marlitt scheu Garten- lauben-Roman, für die Bühne bear- veitet von H. W. Merls«. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum hundertjährigen Geburtstage Kaiser Wilhelms des Groben. Festspiel mit lebenden Bilden! von Conrad Bqr. Hierauf zum 1. Male: Der Kampf um den Niederwald. Vaterländi- sches Drama in 6 Akten von C. Bhr. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen (Abonnements-) Preisen: Der Trom- petcr von Säkkingen. Romantisches Schauspiel mit Gesang in drei Akten (7 Bildern) von Emil Hilbebrand und Julius Keller.- Abends 8 Uhr: Liaue, die zweite Frau. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Borbestellgebühr an der Theater- kaffe zu haben. Auberdem im In- validcndanl, Unter den Linden 24, bei Paul Romeick, Leipzigerstrabe 6. und Julius Lengenfeld, Markgrasenstr. 60. Lircll« Renz Karlstrasse. lJnbiläums. Saison 1896/97.) Freitag, den 19. März 1897, abends 71/2 Uhr: Durchschlagender«rsolg. Aus der Mappe eines Rerlirlegautltreta Neuester Schlager von Slexn-art Gcnthcs in Kaufmaun's Varize als Sultan der Türke!. Feen-Pala�r, str�,'"««. Direktion>Vlnkler& FrUbel. Zum ersten Male in Berlin: Georgette Dnval mit ihrer aus 5 Dameu bestcliciidcii AM" SchönheitSgallerie. Neil! ver Neu! AfTe als KunstscbUtze. Neu! Duettistcn Neu! villi» u. �»lrogi'»mm. Neue hochintereffante Bilder der liebenden Photograpliicn. Anfang 71/2 Ubr. Entree 30 Pf. bis t Mark 60 Pf. Auberdem die hervorrag. Nummern des Repertoirs. Sonnabend, den 20. März, abends 7i/z Uhr: Wiederholung der am 19. März mit so äroftem Beifall aufgenommeiieu Benefiz- Bor- stelluug für de« hier so beliebt gewordenen Original- August Hr. I.avater Lee. Mr. Lavater Leo stellt eine S Slilsche mit keld A hänfenster der Zigarrenhandlung des Herni Louis Krafft, Friedrich- strabe 1l6(Ecke Elsaffcrstrabe) aus. Der Inhalt der Flasche wird dem- jenigen Besucher der Borstellung über- liefert werden, welcher den Werth des Geldes aui genauesten erräth. Es wird gebeten, die geschätzte Summe aus einem Zettel verzeichnet mit Namens- Unterschrift und WohnungSangabe bei Vorzeigung deS Billets abzugeben. Sonntag, den 21. März: Ä Vop- stellnngen. Nachmittags 4 Uhr (ermäßigte Preise und 1 Kind unter 10 Jahren frei); TJo Vi En mit dem beliebten Scheuenspiel. Abends 71/2 Uhr: Aus der Mappe eine» Nie senge birgS-Phantaften._ Alcazar Variete-Theater I. Ranges. DreSdenerstr. 52/53(Eitn-Passage) Annenstrafte<12/43. Geschwister Gottlieb. Prof. Roberts. VendiDl. Anfang: Sonnt. 6 Uhr, Wochent. 8 Uhr Fretiarten in der Woche giltig. Entree 39 Pf. Die Direktion. TOorta- Brauerei Ltttzow- Strasse 111112. Heute sowie jeden Freitag u. Montag: Ztettiner Länger (Mcysel, Pietro. Britton, Steidl, tlroue, Röhl nnd Schräder). Anfang 8 Uhr. Entree 59 Pf. Vorverlaus 40 Pf.(siehe Plakate). Zum Schluß: Zum lebten Male: Kampe's Konservatorium ftlr Mnsike. Ensemble von Mey sel. C'RCUS BUSCH Itahnhof BUrse. Freitag, den 19. März 1897, abendS 7yj Uhr: Uaia-Ecst-Vorsteiinne zum besten der Kaiser-Wilhelm- Stiftung. Festakt: Den Manen de» grofteu Kaisers. f rolog. Srsler öffentlicher Vortrag deS aiserltedeS d. einen gr. Gesangschor. Nach Sibirien. Außerdem die Glanznummern des Repertoirs. Murgen: Nach Sibirien. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr: Zschens.— Abends 7�, Uhr: Nach Sibirien. Centenar-Feier Am 22. März: Freier Eintritt für die Ritter des Eisernen Kreuzes 2. Klasse Am 23. März: Freier Eintritt für die Inhaber des Militär-Berdicust- lreuzes und d. Ritter des Eisernen KreuzcS 1. Klasse__ Concordia Varietd-Theater Brnnnenstr. 154 Täglich: Grosse Theater- und Spezialltttten-Vorstellnng. Das beste Programm b. RordenS. Neu! Troupe Rtchardt(IHerr, 1 Dame, 1 Kind) Akrobaten. Neu! Kathi Richter, Tyrolienne. Neu Long and little Adolfi, Danzduettisten. Neu! Ein geplagter Dichter. Poffe. Anfang Wochentags 7l/j Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billets haben Giltigkeit. August Regne. V«.. Kalscrstr. 38, empfiehlt fein reichhaltiges Lager von Nohtabakcn aller Gattungen zu den billigsten Preisen._ 3501i': Nuftbaum-Möbel ganze Wirthschaft verkäuflich Waldemarstr. 68, vorn 1 Tr. Nt MklHNMung von Undolph Haberinnnn, früher L. Brachvogel, Man- teusfelstrafte 75, einpftchlt bestens: Echt Potsdamer Zwieback k Pfd. 95 Pf. Albcrl-Cakes, l. Qualität 90 Pf. Bisluit, Mixcd I. k Pfund 1,20 M. Btsluit, Mixed II, k Pfund 1,00 M. Schokolade, gar. rein, V.Psd. 26 u. 40 Pf. Schokolade m. Mehl znsatz, Pfd. 20 Pf. Vanillcpulver, a Pfund 80 Pf. Gewürzpulver, k Pfund CO Pf. Suppenmakaroncli, feinst., V«Psd.36Pf. Zum Kanbenban! Bretter, pro am von 36 Pf. an, Dachpappen, k Rolle von 1,20 M. an, Kantholz in allen Längen u. Stärke», Latten, Leisten, Thüren, Fenster, Ver- zierungen?c. billig. 98fib M stühlo Gneisenanstr. 42, . IlUlliC, vis-ä-vis Bon N«. 64. Wohl fuljlt M bei jetziger Witterung, wer s8«s8L» Brnnnen- Strasse 119 (neben dem Pferdebahn-Depot) bei Jgnatz Scllo bezieht anerkannt guten Rum, Vi Fl inkl. von 90 Pf. an, vorzügl. Glühwein-Extrakt. Vi Fl. inkl. v. 1,19 M. an, Ingwer-, Pfeffer- minz- k. ff. Liköre(V, Ltterfl.) inkl. 1,10M., 1, Liierst, inkl. 55 Pf., Stons- dorfer inkl.Orig.-Fl.ffV.Ltt.) ä80Pf., Halb n. Halb, feinste Likörmifchung, per i/iChainpagncr-Flasche inkl.9VPf., alten Nordhäuscr per Lltcr 59 Pf., stift. ttngarwein, Orig.-Fl.(V- Liter) inkl. von 90 Pf. mi, sowie sämmtliche Sorten Weine, CognaeS u. f. w., Spirituosen auch im Einzelverkauf nur zu Engrospreisen. Billigste Bezugs- auclle. ü®"" Bitte genau auf Nr. ll9 Brunnenstrafte Nr. 110 zu achten. 14 Tage auf Probe versende ich per Nackinahme unter Garantie für Werth u. lebende Ankunft hochf. KanariemÄtr ohne Fehler mit sehr schönen Touren zu 10, 12 und 16 Mark. Abnahme von 3 Stück 26� 30 und 36 Mark. Gute Zucht. Weibchen v. 2 Mark. Bei Nicht-Zufriedenheit nehme ich die Vögel innerhalb 14 Tagen zurück. Anfragen uut Rückporto an 12601," L. G. Müller, Vogelzüchterci, Nordhansc». Reste. Reste. hoscnrestc, jed.Rest etneHerrenhose, 6M. sommerpalctotreste, jeder Rest einen Paletot, 10 Mark. 1252S* Knabcnanzngreste, sehr grob, 2—3 M. Herrcnanzugrest« in gröbt« Auswahl. Kmsenjtr.lt,!., ktinLadtn. r Die»eltbetannte-M» Bettfedern-Fabrik . GustavLuftig, VerlinK., Prinzen- ftrahe t«, versendet gegen Nachnadme gnrant.neoe«ettsedern d. Pfd. So Pf., ««»effiche p-ldd-nne» d.B«d.M.l.2S, »effeee Held,,«»,» d. Psd. M. l.7S. »er,»glich- Pannin d. Psd. M.<>,86 > 1 von diesen Pennen genüge« 3 m< Psnn»|nm grejje» Oberbett Verpackung frei. Preisl. n. Proben gratig. Viel« Anerlenunngöschr. Dienpkag» den 23. März, abends 9 Uhr: FeLt-Goncert im ßirctis Renz unter Mitwirkung deS Erh'seben MSnner-Gesangverelns (Tb. Hanptstcln), der Kainmersüngerln Fräulein Reine, des KOnigl. Kammersüngers Herrn Paul Itulss, der Iterlincr Liedertafel(A. Zander), des Sängerbundes des Berliner Lohrerverelns(Professor Felix Schmidt) und des Venen Berliner Sinfonie- Orchesters. Preise der Plätze:. Logensitz 20 M., Parquet- und Tribünensiy 10 M„ Balkon 6 M., Zweiter Platz 3 M., Dritter Platz(Stellplatz) 2 M. Billet-Vorverkauf findet von Donnerstag, den 18. Marz, ab täglich an der von der Karlstrnße aus linls belegenen Kaste des Circus Renz von U Uhr vormittags bis 2 Ubr nadiniittags statt. Am Sonntag, den 21. März, von 1—2 Uhr. Das Gomitd für die Gentenarfeier. Altlknbmmi Mtn-SMimsm Dohen-Schotthanstn bei Berlin«v. IM- Telephon: Amt Frledrlcbsberg, Vo. 83."HW Den Herren Gastwirthen empfehlen wir unsere auS den besten Materialien hergestellten, wohlschmeckenden und gutbekömmlichen Biere und zwar: Lagerbier(goldgelb), Pilsener Kier(hell, nach Pilsener Art), Grportbier(dunkel, nach Münchener Art) n amtlich geaichten Gebinden zum Nettopreise von 15 Pf. per Liter frei Haus resp. frei Bahnhof Berlin. Die Direktion: AVilh. Stttrrk. Siebevk. Täglich frisch per Eilgut! l.andbrn!'°°I!Iette-WitIed.i°eW-°Me-s. S Borziiglilh im Aslhmlllk, aus reinem Roggen. S Echtes BauernbrotH pro Stuck 85 Pfennige, in folgenden Niederlagen zu haben: phaßoss-Reste ts zu Bezügen ausreichend, — in Phantasie. B« �ip», Damast. Erspe. DU. MK Gobelin. Moguett« und WWp Plüsch, sowieSatteltaschen spottbillig. J. Adler, 10558*] Teppich HanS, Spandauerftr. BO, vls-ä-vls dem Rathhause. Jlluftrtrt« Preislisten grattS u. franko. VerA'llltlinz der Kochanstalt Stiidt. Schlachthof Täglich(Sonntags vorm. von 7 bis 9 Uhr) Tiertauf von:* G-kacht-m Kinbsieisch k 30 mid 35 Pf. per Pfund. Gek. Schweinefleisch a 40 Pf per Pfund. SchnlsBe, Hoher Steimveg 9.(C.) Kube, Prenzlauerstr. 46. Wlnskcr, Brüderstr. 32. Heine, Dennewitzstt. 35.(W.) Suner, Steiiimetzsir. 69. Werner, Frobenstr. 37. Borebers, Schwertustr. 16. Pletsch, Nollendorfstr. 37. Langner, Maaßenstr. 11. Prunn, Nene Winterfeldtftr. 16. Stltdter, Nene Winierfelotstr. 3. Rnalt, Nollendorfftr. 23. Scheel, Moystr. 39. Prenssner, Eourbierestr. 16. Vatz, Ziettelbeckstr. 9. l'teeh. Kurfürstenstr. 75. Wolter, Wichinannstr. 4a. Pannn-ltz, Schillftr. 2. Blschur, U'tagdeburgerftr. 33. Geilich, Bülowstr. 49. Rttcker, Grob-Görfchenstr. 6. Mette, Mauerftr 63. Linkwitz, Lintstr. 36. Klatt. Stepbanstr. 23.(VW.) Batt, Birkenstr. 75. Wlldeuhayn, Btvfcnftr. 12. Trlcbel, Thurmstr. 70. Triebet, Alt-Moabit 51. Kruseinark, Beuffelitr. 44c. Krasomark, Siemensstr. 6. Dohn. Louifenstr. 4. Firstat, Schumannstr 18. Kubens, Louifenstr. 21. Rotschak, Dorotheenstr. 37. Paul, Oranieuburgerstr. 68.(V.) Gttrsch, Keffelstr. 19. Slepclt, Nowalisstr. 7. Bredow, Gartenstr. 161. Kwald, Bergftr. 33. Enders, Ackerstr. 53. Völker, Ackerstr. 66. Hepmesmeyep,Stralfunberftt.38 Lambrlch, Strelttzerstr. 64. Barbe», Brunncnstr. 136. Hiersekorn, Vcteranenftr. 2. Kldt, Lothringcrstr. 40. Herda, Oranieuburgerstr. 3. Weiss, Bergftr. 79. Gerstenberg, Fehrbellinerstr. 81. Schnede, Zivnskirchstr. 46 tiipku, Swinemünderstr. 114. Haachwltz, Odcrbergerstr 23. Hall, Wörtherstr. 42. 8y, Wcibenburgcrftr. 14. Lehmann, Weberstr. 10.(V9.) Rocllei-, tsieorgenlirchstr. la. Vnthke, Neue Königstr. 78. Hassenstein. Barnimstr. 15, Scbnlz, Kleine Frankfurtersir. 8.U.0, Sander, Lebuserstr. 12. Seidel, Pallrsadcnstr. 18(VO.) Steinich, Brcslauerstr. 26.(O.) Karschnnke, Grüner Weg 52. Sclimidt, Rüdersdorserstr. 33. Hoffmann. Königsbergerstr. 38. Böhm, Poscncrstr. 3. HoR'inunn. Posencrstr. 19. Mahlow, Holzmarktsir. 9. Hördemann, Langestr. 4. Wittmann, Andreasstr. 22. Hölter, Grüner Weg 22. BUrmann, Gr. Frankfurtersir. 143, Voigt, Blumenftr. 61a, Heyl, Schmidtstr. 43. Hoirmann, Adalbertstr. 21. (SO.) Fischer, Mariannen-Ufer 4. Helling, Manteuffclstr. 117. Elserbeck, Manteuffclstr. 67. Teschner. Prmzenste.«5.(S.) Paschke, Llerandrinenstr. 66. Bnrnntz, Dresdenern: 29. Micrinelster, Oranieustr 73. Kussrow, Brandenburgstr. 57. Gicdow, Prinzenstr. 20. Gaab, Prinzcssinncnstr. 9. Koppen, Neue Jakobstr. 2. Manss, Admiralstr. 19. Knnlck, Boeckynr. 44. Hecker, Schönleinstr. 8. Urnteini, Korkstr. 62. kSW.) Lehmberg, Tcltowerstr. 29. Stolzenberg, Grobbecrenstr. 69. Hohne, Fürbringeistr. 11. Mlttenentzwey, Flirbri»gerst.2Z. Schnilctke, Johanniterslr. 11. Klink, Dessauerstr. 23. Hinze, Bernburgerstr. 6. Kinner, Markgrasenstr. 25. Stewln, Hollmannstr. 29. Merz, Alt« Jakobstr. 126. Schöneberg. Will, Hauptstr. 19. Thttrtchcn, Bnhnstt. 13. I less, Hauptstr. 68. Wulfen, Grnncwaldstt. 119. Steglitz. Brletscbe, Hubertus str. 12. Wllmersdorl. Sehlag, Pariserftr. 51. BHckerclniederlage, Pfalz« burgerstr. 4. Charlottenbnrg. Giesert, Marchstr. 11. Böhm, Btsmarckstr. 7. Priehe, Knesebeckstr. 6. Krabbenhöft, Peftalozzistr. 18. Höse, Grolmanftr. 55. Kerstan. Savigmiplatz 5. Friedenau. Ktlhne, Rhcinstr. 20. Niederlagen in allen Gegenden Berlins orwOnscht. Bestellungen sind entweder an die Mtlble selbst oder an den Vertreter Oskar firietsche, Steglitz, Hubertus- Strasse 12, zu richten. I INlU nill RPCTr I Zwei neue Matratic» billig zu L1NULOV m- l C verkaufe». Ko lb erg erstr. 20� vorn Linoleum- Teppiche, auch etwas I 2 Treppen recksts. 957d fehlerhafte. Wachstucheeste.Gnmmi- l--—---- Tischdecken sehr billig I'�Wstnudo bill. zu Bert. Sürassicr- Gröner Weg 199, part. I-«JllQlöllC swaße 6, Obftkcller Warenhaus A-Werlheim Montag, den 22. d. JVL, bleiben unsere Warenhäuser geschlossen. «eraultvortlichtt Pitbalitux; MhWft Zakpftcy l» Berlin. Sur dkii Jnjeralenlheii vcraiilworlllch TI>. Glücke l!> Berlin. Druck und«erlag von Max Badiug� B;rsin.7'�