Demokratisches Wochenblatt. No. 42. Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Leipzig, den 22. September. 1869. Das Blatt erscheint Mittwochs und Sonnabends. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Plazze einschließlich Bringerlohn 12% Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Nichter, Peterssteinweg 7, Leipziger Confumverein, Üniversitätsstraße, und die Expedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Sendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Bericht Inhalt: Politische Uebersicht. An die Parteigenossen. des Generalraths der Intern. Arb.- Ass. an den 4. allgem. Arb.- Kongreß in Bafel. Die Untersuchung des Lugauer Gruben- Unglücks. Chi nesische Briefe. I. Offener Brief an Hrn. Dr. J. B. v. Schweizer. Gewerksgenossenschaftliches. Altona, Graz, Berlin, Chemnitz, Nürn berg, Hamburg, Dresden, Leipzig, Zwickau. Notizen. Anzeigen. Politische Uebersicht. Nachdem der Eisenacher Congreß dem Wagener- Biedermann'schen Denunziantenkorps fast 5 Wochen lang als Wauwau gedient hatte, ist er jetzt in dieser Eigenschaft durch den Baseler Congreß abgelöst worden; und man muß gestehen, die Worte:„ Communismus"," Gütergemeinschaft", welche jetzt seit einigen Tagen durch die Luft schwirren, sind fast noch geeigneter, dem Philister eine Gänsehaut zu bereiten, als Sozialrepublikaner" ,,, politischer Umsturz" und ,, Revolutionsfonds" Da uns sehr viel darauf ankommt, unsere Bewegung von allen etwaigen Philister- Elementen zu reinigen, so bitten wir die Denunzianten, ja hübsch eifrig in ihrer Arbeit fortzufahren. Gelegentlich liefern wir vielleicht einige noch wirksamere Wauwau- Worte. Halt! Gleich fällt uns eins ein wie wäre wie wäre es mit der Weibergemeinschaft"? Würde prächtig durch schlagen. 11 Der Friedens- und Freiheitskongreß, der seit dem 14. September in Lausanne tagt, und zahlreich besucht ist, hat folgende Fragen auf der Tagesordnung: 1) Die Grundlage einer föderalistischen Organisation von Europa. 2) Die Lösung der orientalischen und polnischen Frage. 3) Die Mittel zur Hebung der sozialen und ökonomischen Gegensätze. 4) Die Reorganisation des( Friedens- und Freiheits-) Congresses und des( bekanntlich eingegangenen) Centralorgans( Vereinigte Staaten von Europa"). Wir sind begierig auf die Behandlung des dritten Punktes, und möchten in Bezug auf den vierten bemerken, daß eine Busammenkunft von Privatpersonen, die nur sich selber vertreten, nicht ein ,, Congreß" genannt werden kann. Der große ER ist noch immer frank und der kleine ER hat noch immer schlaflose Nächte. Blonplon hat sich wieder auf Reisen schicken lassen; er ist in Brüssel und will das Schlachtfeld von Waterloo studiren". Nun, das konnte er näher haben. Das Waterloo zweiten Empire wird in Paris sein. des ,, Es ist bekannt, schreibt die ,, Zukunft", welch' großes Unglück jüngst auf den Besuch des Königs in Königsberg seine Schatten geworfen hat. Auf einem Teiche, rings umfäumt von festlich erleuchteten Gärten, bedeckt von bunt geschmückten Fahr zeugen, unter diesen die königliche Gondel selbst, bestrahlt und überblitt von dem lustigsten Feuerwerk, bricht plötzlich ein Gelän= der der Brücke, auf der Hunderte von Zuschauern sich drängten, und fnäuelweise stürzen sie ins Wasser, um nur als Leichen daraus gezogen zu werden. Ringsum Jubelschall, Raketenschein, drüben und mitten innen der Todesschrei, das Plätschern, der letzte Fluch, der letzte Ruf zu Gott.. Die ,, Kreuzzeitung" hat berichtet, daß voll ernsten Mitleids angeordnet wurde, es solle auf dem, bei dem kommandirenden General folgenden Abends stattfindenden Balle nicht getanzt, sondern nur ein Rout*) abgehalten werden. Anders die Loyalität in der Stadt der reinen Vernunft". Drüben in der Mitte des Teiches das unheimliche Hasten des Rettungs- und Belebungswerkes, hier die Eine an den Haaren, da der Andere am Rocke emporgezogen, hier ein Freudenruf ob des wiederaufathmenden Röchelns, dort das trostlose Horchen auf einen Herzschlag, der nicht wiederkehren will drüben aber, da wo in den Pausen der Musik der Jammerschrei Derer zu hören ist, die jetzt eben Wittwe oder Waise geworden, drüben am andern Ufer welch' anderes Bild! Hören wir den Bericht der Königsberger Hartung'schen Zeitung" selbst. Etwa um 9 Uhr war die Gondelfahrt beendet, man landete an dem ,, Feengarten", in welchem das Musikkorps des Ostpreußischen Grenadier- Regiments Kronprinz konzertirte und begab sich zum Souper in den großen Saal der Dreikronenloge, woselbst für 150 Personen gedeckt war. Nun aber zählt die ,, Königsberger Hartung'sche Zeitung" auch das Menü ( Küchenzettel) des Festmahles auf und da möge man uns erlauben, aus erklärlichen Rücksichten des Raumes, auch gleich das Menü des Teiches danebenzustellen: Gegessen und getrunken: Bouillon 1834 Madeira 1847 Portwein Hummer. Mont Chandon. Ay cremant rosé. Rehrücken. Rinderfilet. 1858 Ch. Leoville. 1865 Grünhäuser Gänseleberpastete. 1859 Marcobrunner Ausbr. Poularden 1859 Ch. Lato ur Fasanen. Eis. Früchte. Deffert. Heidsieck u. Co. Liqueure. Cigarren. Ertrunken. Wittwe Klinger. deren Schwiegertochter. Theod. u. Gust. Schulz. Lehrb. Gottl. Pappel. unverehel. Aug. Mey. unverehel. B. Bröhl. Fuhrh. Krause, dessen Sohn u. Nichte. Arb. Kirschnit. Gef. Schimmelpfennig. unverehel. Broßeit. unverehel. Riedel. Schulknabe Boßmann. unverehel. Fröse. Schuhmacher Lange. Fleischermstr. Frau Schwarz. Maler Frenzel. Schmiedemeister Klein und Schwester Frl. Laura Lange. Witwe Kordeck. Schriftsetzer Drews, und dann noch die Speisekarte reichte doch nicht zwei Kinder des Steuerbeamten Politt, 10 und 12 Jahre alt, endlich zwei Frauenzimmer" und ein junger Mensch". 11 Darauf aber fährt der Bericht der ,, Königsb. Hart. 3tg. fort: ,, Mit dem Beginn des Souper war auch die Zeit für die zahlreich im Garten versammelten Gäste zur Erfrischung gekommen. Dieselbe wurde bestens und hinlänglich an zwei *) Englisch: eine zwangslose Gesellschaft, zu der dreimal so viel Leute eingeladen werden, als die Lofalitäten fassen, was denn ein wirres Durcheinanderdrängen( rout) zur Folge hat, und bei der Abfütterung zu höchst interessanten Jüustrationen der Darwin'scher Theorie vom ,, Kampf " großen, im Garten unter Prachtzelten aufgestellten Buffets geboten. Ein dazu verabreichter Rothwein aus Jünken's Kellerei wurde von den Gästen mit wahrem Wohlbehagen geschlürft. Als der Ober- Bürgermeister Geh. Rath Kieschke im Saale das Hoch auf den König ausbrachte, ertönte im Garten ein Zeichen und das Knallen der Champagnerforke war die Antwort, daß die Gesellschaft die Gelegenheit enthusiastisch wahrzunehmen mußte; der Champagner( Moet und Chandon) floß fortan in Strömen." Wie mit einem Guß, so schreibt die ,, Danziger Zeitg."( unterm 16. d.), stürzten nach ziemlich übereinstimmender Angabe sämmtlicher Beobachter etwa 150 Personen in die Tiefe hinab, denen immer noch nach und nach andere folgten und eine Scene, einen Jammer hervor= riefen, der von keiner Feder zu schildern ist. Mütter mit ihren Kindern an der Hand, Greise, Männer, Knaben, Mädchen, alle rangen mit dem Tode und erfüllten die Luft mit vereinig tem Angstgeschrei, das Jeden erstarren machte. Biele suchten sich durch Schwimmen zu retten, wurden aber von Anderen erfaßt und in die Tiefe gezogen. Der Steuer Kontroleur Bolitt stürzte mit seiner Frau und 2 Kindern ins Wasser, er selbst und die Frau wurden gerettet, die Kinder ertranken und die Frau ist gestern im Wahnsinn gestorben. Ein Arbeiter hat sich wegen des Verlustes seiner Tochter im Pregel ersäuft. Tischlermeister Klein wurde gestern herausgefischt, so daß jetzt 30 Todte ermittelt sind. Es werden noch mehrere Personen vermißt." Den Tag nach diesem Doppelfest der Loyalität hielt König Wilhelm eine kleine Nachtischrede zu Ehren des Fünften Armeekorps( Soldaten müssen's sein), worin er sagt:„ Diese sagt: ,, Diese Treue und Hingebung hat das Korps in jüngstvergangener Zeit ( 1866) auch mit Ausdauer in ernsten Stunden zu paaren gewußt, und dies giebt mir Bürgschaft dafür, daß der Geist, welcher einst in Tagen schwerer Prüfung( 1806) die Provinz in dieser Richtung belebt hat, sich auch wieder bewähren werde, wenn gewichtige Momente an uns herantreten". Daß in den letzten Worten eine Drohung liegen sollte, wie viele Zeitungen meinen, das glauben wir nicht weit eher eine Befürch= tung. Wie würde der Monarch sonst an das Jahr 1806 erinnert haben, welches an sich nach jeder Richtung hin die vernichtendste Kritik des Jahres 1866 ist? Die Sächsische Regierung hat soeben einen Finanzbericht veröffentlicht, aus dem erhellt, daß die Finanzen, was man so zu nennen pflegt, sehr ,, gut geordnet" find, d. h. daß trotz den Ausgaben für Soldaten und andere gemeinschädliche Zwecke tein Defizit besteht, sondern sogar die Staatsschuld in der Verminderung begriffen ist. Wir halten diese Veröffentlichung für sehr unklug, da sie gewissen einflußreichen Personen den Gedanken nahe legen wird, daß bei uns noch Geld für Soldaten zu holen sei. Die Böhmischen Geschwornen haben die gute Gewohn= heit, in allen Breßprozessen, die ihnen vorgelegt werden, freizusprechen. Wie man aus Wien schreibt, bringt dies die Regierung in einige Verlegenheit, da die Gefängnisse mit Journalisten gefüllt sind, die vor Einführung der Schwurgerichte für Preßvergehen verurtheilt wurden. Wir sehen nicht recht ein, worin die ,, Verlegenheit" bestehen soll, zumal es notorisch ist, daß die Herren Bürgerminister noch unmittelbar vor der Frist, wo die Schwurgerichte ins Leben zu treten hatten, Preßprozesse auf's Aeußerste beschleunigen ließen, bloß um einer Verurtheilung sicher zu sein. Was die bezeichnete Anomalie betrifft, so existirt dieselbe beiläufig in noch viel höherem Grade in unserem Musterländchen Sachsen. Hier haben wir schwurgericht liche und berufsrichterliche Behandlung der Preßprozesse zu gleicher Zeit, was an die berühmte 1848er ,, Republik mit dem Großherzog" erinnert und die kuriose Folge hat, daß, wer eines leichteren Preßvergehens angeklagt ist, be= rufsrichterlich verurtheilt, und wer eines schwereren, schwurgerichtlich freigesprochen wird. General Prim hat Befehl ertheilt, alle verfügbaren Truppen nach Cuba einzuschiffen, weil der dortige Aufstand um jeden Preis unterdrückt werden müsse". Der tolle Renommiſt! 10 Es gibt nur Einen Preis, um den dies zu bewerkstelligen ist die Freilassung der Insel; der Aufstand ist schon zu weit gediehen. Beiläufig hat die Peruanische Republik bereits die provisorische Regierung in Cuba anerkannt, und die große nordamerikanische Republik hat gedroht, ein Gleiches zu thun. Die Krakehlereien zwischen dem Sultan und seinem übermächtigen Vassallen, dem Vizekönig von Egypten, find noch nicht zu Ende. Es schien in den letzten Tagen, als sei für den Moment ein Abkommen getroffen worden, allein plötz lich heißt es, daß sich wieder eine Streitfrage erhoben hat, und zwar eine finanzielle( in Geldsachen hört bekanntlich die Gemüthlichkeit auf). Der Vizekönig will nämlich der Pforte das Egyptische Budget nicht zur Genehmigung vorlegen und auch nicht auf das Recht, Staatsanleihen zu machen, verzichten. Wie kann der Sultan aber auch so verkehrt sein, einem Fürsten die Freiheit, seine Unterthanen zu schinden und Schulden zu machen, beschränken zu wollen? 11 Ueber den Stand der Dinge in den südamerikanischen Republiken namentlich über den Krieg in Paraguay schreibt man der ,, Agence Havas" aus Buenos- Ayeres vom 8. Auguft Folgendes: Seit Abgang des englischen Dampfers ,, Dupleir" ist die Lage der Argentinischen Republik mehr und mehr kri tisch geworden. Eine Revolution gegen die Politik des Präsidenten Sarmiento ist in den Nordprovinzen zu gewärtigen. Der General Taboada, Gouverneur der Provinz Santiago de Citero, ist thätig damit beschäftigt, seine Streitkräfte zu ver einigen und ladet die anderen Gouverneure ein, die ihrigen zu mobilisiren, um sie gemeinsam gegen die Nationalregierung zu führen, wenn der Moment gekommen sein wird, sich gegen sie zu erheben. Der Präsident Sarmiento hat seinerseits Truppen von der Grenze zurückgezogen, um sie im Voraussicht eines pronunciamento des General Taboada nach dem Innern zu schicken. Die Ursache der fortgesetzten Unzufriedenheit unserer Bevölkerungen ist das unsinnige Bündniß mit Brasilien, welches für die Interessen der Republik verhängnißvoll ist. Unsere Bevölkerungen haben endlich eingesehen, daß der Krieg, an welchem wir gegen Paraguay Theil nehmen, ausschließlich zum Vortheil Brasiliens ist, des natürlichen und historischen Widersachers der Republiken des La Plata. Den Nachrichten zufolge, die wir vom Kriegsschauplage in Paraguay haben ist von den Alliirten am 19. Juli eine Recognoscirung gegen As cura versucht worden; sie haben während eines ganzen Tages die paraguayischen Positionen aus solcher Entfernung beschoffen, daß nicht ein einziges Geschoß sein Ziel erreicht hat. Nach dieser nußlosen Kanonade haben sich die Brasilianer zurückge zogen, ohne daß es die Paraguayer für der Mühe werth ge halten haben, ihr Feuer mit einem Schuffe zu beantworten. Der brasilianische General Portinho, welcher, von den Missionen ausgehend, den Parana in der Absicht überschritten hatte, gegen Villa Rica zu marschieren, ist von einer Colonne paraguayscher Kavallerie angegriffen und gezwungen worden, seinen Marsch zu ändern und auf seine Unternehmung zu verzichten. Er mußte die Ufer des Tebicury zu gewinnen suchen, um sich auf die Panzerschiffe Brasiliens zu stützen und seine Vereinigung mit der Armee des Grafen Eu zu bewerkstelligen. Man hat bereits seit einigen Monaten angekündigt, daß die Alliirten die Bildung einer sogenannten provisorischen Regierung in Assomp tion decretirt haben, bis jetzt hat man sie aber noch nicht einzusetzen vermocht. Es sind wenigstens zwanzig Bewerber vor handen, welche sich dazu drängen, Mitglieder dieses Schattens einer Regierung zu werden. Die wenigen Paraguayer, die in Assomption existiren, sind unter sich nicht einig, namentlich aber wollen sie von einer Einmischung Brasiliens in die inneren Angelegenheiten ihres Landes nichts wissen. Dies ist die große Schwierigkeit in welcher sich Brasilien in Paraguay befindet." Noch ungünstiger spricht sich der Buenos Ayres Stan dard" über die Lage der Brasilianer aus, und behauptet dieses Blatt aus sicherster Quelle mittheilen zu können, daß die brafilianische Regierung den unmittelbaren Abbruch des Kriegs be schlossen habe. Wir balten dies für sehr mahrscheinlich bea zweifeln aber, ob es den Brasilianern gelingen wird, sich ohne schwere Verluste aus Paraguay zurückzuziehen. An die Parteigenossen! Die Ausbreitung unserer Grundsätze und der Partei wird selbstverständlich am Besten durch persönliche Agitation vor sich gehen. Da diese Methode jedoch eine äußerst kostspielige ist, kommt es sehr darauf an, die Wirksamkeit derselben durch möglichste Ersparung an Zeit zu erhöhen. Dies erfordert aber andererseits einen planmäßigen Betrieb, damit sich die in Angriff genommenen Kreise in kurzer Zeit in lokaler Agitation gegenseitig stüßen können und so die Auslagen für die Partei auf ein Minimum reduzirt werden. Zu dem Ende müssen aber folgende Punkte zur Richtschnur dienen: 1) Der jeweilige Agitationsplan geht vom Ausschusse aus; 2) alle betreffenden Parteigenossen müssen auf das Allerpünktlichste den Ihnen zugehenden schriftlichen Weisungen nachkommen; 3) müssen uns von allen Seiten zuverlässige Adressen für die Orte angegeben werden, wo die Partei noch keinen festen Fuß gefaßt hat. Das Sekretariat wird alsdann auf Grund des so und durch die persönliche Agitation zufließenden Materials die ungleich wichtigere schriftliche Agitation zu betreiben haben. Nur auf diese Weise ist es möglich, Ordnung in das scheinbare Chaos zu bringen. Wollen die Parteigenossen sich streng hiernach richten, so werden sie in kürzester Frist die glänzendsten Erfolge für die Entwickelung der Partei sich herausbilden sehen. Und darauf muß es uns ja jetzt vor Allem ankommen. Braunschweig, 17. Septbr. 1869. Das Sekretariat. Bericht des Generalraths der Internationalen Arbeiter- Assoziation an den 4. allge: meinen Arbeiter- Kongreß in Basel. ( Fortsetzung.) Jm Monat März brachen in Genf 2 Strifes aus, auf Seiten der Bauarbeiter und der Setzer, deren beide Gesell schaften Sektionen der Internationalen bilden. Der Strike der Bauarbeiter wurde provozirt durch die Meister, welche den das vorige Jahr mit ihren Arbeitern feierlich abgeschlossenen Vertrag brachen. Der Segerstrike war das letzte Wert eines 10jährigen Streites, den die Arbeiter vergeblich durch 5 auf einander folgende Kommissionen zu schlichten versucht hatten. Wie in Basel verwandelten die Meister sofort ihre Privatfehde mit den Arbeitern in einen Kreuzzug der Staatsgewalt gegen die internationale Arbeiter- Association. " Der Genfer Staatsrath verwandte Polizeidiener, um aus der Ferne durch die Meister importirte Arbeiter an der Eisenbahn- Station abzuholen und von aller Berührung mit den Strikers abzuschließen. Er erlaubte der Genfer Jeunesse dorée*), mit Revolvern bewaffnet, Arbeiter und Arbeiterinnen auf den Straßen und anderen öffentlichen Plätzen zu überfallen. Er schleuderte seine eignen Polizeihalunfen bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Arbeiter und namentlich am 24. Mai, wo zu Genf, auf kleiner Stufenleiter, die Pariser Scenen aufgeführt werden, welche Raspail gebrandmarkt hat als„ les orgies infernales des cassetêtes**). Als die Genfer Arbeiter in öffentlicher Versammlung eine Adresse an den Staaatsrath beschlossen, worin eine Untersuchung über diese infernalen Polizeiorgien verlangt wird, wies der Staatsrath ihr Gesuch schnöde zurück. Man beab= sichtigte offenbar die Genfer Arbeiter zu einer Emeute aufzu= stacheln, die Emeute gewaltsam niederzuftampfen, die Internationalen vom Schweizerboden wegzufegen und die Proletarier einem Dezemberregime zu unterwerfen. Der Plan ward vereitelt durch die energischen Maßregeln und den mäßigenden Einfluß unseres Schweizer- Föderativ- Komités. Die Meister hatten schließlich nachzugeben. = ** die höllischen Oraiender Todtschläger. 471 Hört nun einige der Invectiven der Genfer Kapitalisten und ihrer Preßbande gegen die Internationalen! In öffentlicher Versammlung erließen sie eine Adresse an den Staatsrath, worin es u. A. heißt: ,, Man ruinirt den Kanton Genf durch Decrete von London und Paris, man will hier alle Arbeit und alle Industrie unterdrücken." Und ein Schweizerblatt druckte, die Internationalen seien Geheimagenten des Kaisers Napoleon, die im gelegenen Augenblick als öffentliche Ankläger gegen unsre kleine Schweiz auftreten würden." " 1 Und dies von Seite derselben Herren, die sich erst eben so eifrig gezeigt, das Decemberregime auf den Schweizerboden zu verpflanzen; von Seiten jener Finanzagenten, welche Genf wie andre Schweizerstädte beherrschen und von denen ganz Europa weiß, daß sie sich seit lange aus Bürgern der Schweizer- Republik in Lehnsträger des Crédit mobilier und andrer internationalen Schwindel- Associationen verwandelt haben! Die Mezeleien, wodurch die belgische Regierung im Monat April auf die Strikes der Puddlers zu Seraing und der Kohlengräber des Borinage antwortete, wurden ausführlich blosgelegt in einer Adresse des Generalraths an die Arbeiter Europa's und der Vereinigten Staaten. Wir betrachteten eine solche Adresse um so dringender, als in diesem konstitutionellen Musterstaat ein Arbeitermassacre kein Zufall, sondern eine Institution ist. Dem abscheulichen Militärdrama folgte auf dem Fuß die gerichtliche Farce. In seinen Untersuchungen gegen unser Belgisches General- Comité zu Brüssel, dessen Wohnungen brutal von der Polizei überfallen und dessen Mitglieder theilweise arretirt wurden, fand der Untersuchungsrichter den Brief eines Arbeiters, der ,, 500 Internationale" verschreibt. Er schließt sofort, man verlange 500 Klopffechter nach dem Kampfplatz. Die ,, 500 Jnternationale" waren 500 Exemplare der ,, Internationale", des Wochenorgans des Brüsseler Comités. Er stiebert dann ein Telegramm nach Paris auf, worin eine gewisse Quantität Pulver verlangt wird. Nach langer Haussuchung ward die gefährliche Substanz in Brüssel entdeckt. Es war Rattenpulver. Schließlich schmeichelt sich die Belgische Polizei, das Schatzgespenst entdeckt zu haben, welches im Hirn der continentalen Kapitalisten spukt, dessen Hauptstock in London lagert, und wovon Ableger beständig über die See nach allen Centralsigen unserer Gesellschaft spedirt werden. Der belgische officielle Forscher wähnt es versteckt in einer eisernen Kiste in einem finstern Winkel. Seine Schergen stürzen auf die Kiste los, erbrechen sie gewaltsam und finden ein paar Stücke Kohle. Vielleicht, berührt von Polizeihand, verwandelt sich das reine internationale Gold sofort in Kohle. Man Von den Strikes, die im December 1868 verschiedene Size der französischen Baumwollenindustrie heimsuchten, war der wichtigste der in Sotteville- Lés- Rouen. Die Fabrikanten des Departements der Somme hatten nicht lange vorher eine Zusammenkunft zu Amiens, um zu berathen, wie sie ihre englischen Rivalen auf dem englischen Markt selbst unterkaufen ( undersell) könnten. Man war darüber einig, daß neben den Zöllen, die verhältnißmäßige Niedrigkeit der Löhne Frankreich hauptsächlich gegen englische Baumwoll- Waaren geschützt habe. schloß natürlich, daß eine noch größere Senkung des Arbeitslohnes erlauben würde, England mit französischen BaumwollWaaren zu überfallen. Man zweifelte keinen Augenblick, daß die französischen Baumwollarbeiter stolz darauf sein würden, die Kosten eines Eroberungskrieges zu bestreiten, den ihre pa= triotischen Meister auf der andern Seite des Kanals zu führen beschlossen. Kurz nachher verlautete, daß die Fabrikanten von Rouen und Umgegend in geheimem Conclave ein ähnliches f Uebereinkommen getroffen. Bald darauf fand plötzlich eine be- di dentende Lohnherabsetzung statt in Sotteville- Lés- Rouen, unde nun erhoben sich dir Normännischen Weber zum ersten Male J gegen die Uebergriffe des Capitals. Sie handelten in der Auf- 11 regung des Augenblicks. Sie hatten weder vorher Trades'- i Unions gebildet noch für Wiederstandsmittel irgend welcher Art gesorgt. In ihrer Verlegenheit appellirten sie an das Internationale Comité zu Rouen, welches ihnen die erste noth wendige Hülfe von den Arbeitern Rouen's, der Nachbarorte und von Paris verschaffte. Gegen Ende Dezember wandte sich das Rouener Comité an den Generalrath, in einem Augenblicke äußerster Noth in den englischen Sißen der Baumwollindustrie, beispiellosen Elends in London und allgemeinen Drucks in allen Produktionszweigen. Dieser Zustand dauert bis zu diesem Augenblick in England fort. Troß so durchaus ungünstiger Umstände glaubte der Generalrath, daß der eigenthümliche Charakter des Rouener Konflikts die Englischen Arbeiter zu besonderen Anstrengungen aufstacheln würde. Es war dies eine große Gelegenheit, den Kapitaliſten zu beweisen, daß ihr internationaler Industrie- Krieg, geführt durch Niederschrauben des Arbeitslohns, bald in diesem Lande, bald in jenem sich endlich brechen werde an der internationalen Vereinigung der Arbeiterklassen. Die englischen Arbeiter antworteten unserm Aufruf sofort durch einen ersten Beitrag für Rouen, und der Londoner Centralrath der Trades'- Unions beschloß mit uns ein Monstremeeting zu Gunsten der normännischen Brüder zu berufen. Die Nachricht vom plötzlichen Aufhören des Sotteville- Strikes verhinderte weiteres Vorgehen. Für den materiellen Fehlschlag dieser ökonomischen Revolte entschädigten große moralische Resultate. Sie warb die Nor= männischen Baumwoll- Arbeiter für die revolutionäre Armee der Arbeit, gab den Anstoß zur Stiftung von Trades'- Unions zu Rouen, Elboeuf, Darnetal u. s. w., und besiegelte von Neuem den Bruderbund zwischen den englischen und französischen Arbeiterklassen. Während des Winters und Frühlings 1869 blieb unsere Propaganda in Frankreich gelähmt durch die 1868 erfolgte Unterdrückung unsres Pariser Comités, die Polizeichikanen in den Departements und das überwältigende Interesse der allgemeinen Wahlen. Die Wahlen waren kaum vorüber, als zahlreiche Strifes ausbrachen in den Minendistrikten der Loire, zu Lyon und an vielen andern Plätzen. Die startgefärbten Phantasiegemälde von der Prosperität der Arbeiter unter dem zweiten Kaiserreich verschwammen wie Nebelbilder vor den ökonomischen Thatsachen, welche diese Kämpfe zwischen den Kapitalisten und Arbeitern an's Licht brachten. Die Forderungen waren so bescheiden und so unabweisbar, daß sie nach einigen oft schamlosen Versuchen des Widerstands alle eingeräumt werden mußten. Es war durchaus nichts Auffallendes an diesen Strikes außer ihrer plötzlichen Explosion nach scheinbarer Windstille, und der Geschwindigkeit, womit sie Schlag auf Schlag einander folgten. Dennoch war die Ursache davon handgreiflich einfach. Während der Wahlen hatten die Arbeiter sich mit Erfolg aufgelehnt wider ihren öffentlichen Despoten. Was natürlicher, als sich nach den Wahlen aufzulehnen gegen ihre Privat- Despoten? Die Wahlen hatten die Geister in Bewegung gesetzt. Es ist in der Ordnung, daß die Regierungspresse, bezahlt wie sie ist für Verfälschung der Thatsachen, den Schlüssel fand in den geheimen Commandoworten des Londoner General- Raths, der seine Emisfaire von Ort zu Ort schickte, um den vorher ganz und gar zufrieden gestellten französischen Arbeitern das Geheimniß zu offenbaren, daß es ein böses Ding ist, überarbeitet, unterzahlt und brutal behandelt zu werden. Ein französisches Polizeiorgan, welches in London erscheint ,,, l'International", enthüllt der Welt in seiner Nummer vom 3. August die geheime Triebfeder unserer heillosen Thätigkeit. ,, Das sonderbarste, sagt es, ist, daß den Strifes verordnet wurde in solchen Ländern auszubrechen, wo das Elend noch weit davon entfernt ist, sich fühlbar zu machen. Diese unerwarteten Explosionen kamen so außerordentlich gelegen für einen gewissen Nachbar Frankreichs, der gerade Krieg zu be= fürchten hatte, daß viele Leute sich fragen, ob diese Strikes nicht vorfielen auf Verlangen eines auswärtigen Macchiavelli, der sich die Gunst dieser allmächtigen Gesellschaft zu er= ringen wußte." Zur selben Zeit, wo dieser französische Polizeiwisch uns anklagte, die französische Regierung zu Haus mit Strikes zu belästigen, um dem Grafen Bismarck die Last eines auswärtigen Krieges abzuwälzen, deutete ein Rheinpreußisches Fabrikantenblatt an, wir erschütterten den Norddeutschen Bund mit Strikes, um die deutsche Industrie zum Vortheil fremder Fabrikanten lahm zu legen. Die Verhältnisse der Internationalen zu den französischen Strikes werden wir nun beleuchten an zwei Fällen von einem typischen Charakter. In dem einen Fall, dem Strike von St.Etienne und dem folgenden Massacre bei Ricamari, wird die französische Regierung selbst nicht mehr wagen irgend eine Einmischung der Internationalen zu behaupten. In den Ereignissen zu Lyon war es nicht die Internationale, welche die Arbeiter in Strikes warf, sondern umgekehrt waren es die Strikes, welche die Arbeiter in die Arme der Internationalen warfen. ( Fortsetzung in der Beilage.) Die Untersuchung des Lugauer GrubenUnglücks. , Gerade zur rechten Zeit so schreibt man der ,, Börsenzeitung" aus Dresden mitten in die noch andauernde Aufregung über das Burgfer Unglück hinein welche Aufregung durch die ungeschickte öffentliche Erklärung der Burgker Administration neue Nahrung erhalten hat kommt das neueste Heft( das 8. des laufenden Jahres) der von D. Schwarze herausgegebenen ,, Allgemeine Gerichtszeitung" und und bringt die Untersuchung wider den Betriebsdirector Müller zu Lugau wegen fahrlässiger Tödtung. Actenmäßige Zusammenstellung der Untersuchungsergebnisse vom Staatsanwalt Stöckel zu Chemnitz: Am 4. Juli 1867 war der einzige Schacht auf dem Kohlenwerke ,, Neue Fundgrube" zu Lugau eingestürzt und hatte 101 Bergleute lebendig begraben. Bergleute lebendig begraben. Von Anfang an wurde laut ausgesprochen, daß der Einsturz des Schachtes Folge einer Verschuldung einzelner Grubenbeamten sei. Man behauptete dies so allgemein, und namentlich sprachen sich die Bergleute so energisch gegen den Betriebsdirector Müller aus, daß die Staatsanwaltschaft sich veranlaßt fand, nähere Erörterungen anzustellen( nicht erst wie in Burgt nach 3 Wochen), und die Verhaftung des Director Müller am 5. Juli zu verfügen, hauptsächlich um ihn vor dem tobenden Volke zu schützen." Im Laufe der Untersuchung wurden nicht weniger denn 59 Zeugen vernommen: Obersteiger, Steiger, Zimmerlinge, Bergarbeiter und Alle fagten, mit alleiniger Ausnahme des Obersteigers, aus, daß der Schacht in schlechtem Zustande, Zimmerung, Wandruthen und Einſtriche stark verfault, die Wandruthen theilweise so schwammig gewesen seien, daß man habe hineingreifen fönnen. Schon einen Monat vor Einsturz des Schachtes haben Zimmerlinge den Director Müller auf den schlechten Zustand der Zimme rung aufmerksam gemacht. Der Direktor aber habe geantwortet, diese hielte noch lange. Seit 3 Wochen habe man eine Senkung der Erdstriche wahrgenommen, die am Tage des Einsturzes 6-7 3oll betragen habe. Ein Steiger Kröder, der 6 Jahre Oberzimmerling, dann 2 Jahre Steiger gewesen, sagte aus: das Holz sei faul gewesen; vor 4-6 Wochen seien 5 Wandruthen herausgenommen worden, die so faul gewesen, daß man sie mit der Hand habe förmlich zerquetschen können. Schon seit einiger Zeit habe er, Zeuge, abgehen wollen, weil, wenn einmal ein Unglück geschehe, Jeder verloren sei. Es habe an Allem gefehlt, und nur immer gefördert werden sollen. Habe man den Director darauf aufmerksam gemacht, daß im Schacht gebaut und reparirt werden müsse, so habe er keine Antwort gegeben und sei zur Thür hinausgegangen. Endlich habe der Director die wiederholten Meldungen und Warnungen doch nicht länger ignoriren können, die schadhaften Stellen besehen und die Einziehung neuer Wandruthen angeordnet. Das habe aber nur an Sonntagen geschehen sollen, um den Betrieb nicht zu stören und am Sonntag vor dem Unglück habe man ange= fangen, sei aber unter der Stelle des Einsturzes nicht fertig gewor den. Weiter oben sei gar nichts geschehen. Der Oberzimmerling Gößoldt sagt aus: er habe sich vom schlechten Zustande des Schachtes überzeugt nnd auch dem Steiger Krüger pflichtgemäß Anzeige gemacht, dem Director nicht. Das Holz der Zimmerung sei stark angefault gewesen, wahrscheinlich in Folge der falschen Wasserleituna. In Folge der faulinen Reichaffe heit des Holzes hätten sich die Einſtriche gesenkt gehabt, etwa 4-5 Zoll, was von der 7. bis 10. Bühne deutlich zu sehen gewesen. Die Senkung der Einſtriche sei seit etwa 6 Wochen wahrgenomen worden. So ähnlich lautet eine Zeugenaussage nach der anderen. Der Director Müller dagegen gesteht zwar zu, am 28. Juni aufmerksam gemacht worden zu sein, daß einige Erdstriche nicht mehr ganz gerade ständen und neu eingezogen werden müßten, womit er sich einverstanden erklärt habe. Allein die Wahrnehmung sei nicht geeignet gewesen, die Nähe einer Gefahr anzudeuten und daher die Reparatur auf nächsten Sonntag anberaumt worden. Nachdem der Director mit den gravirenden Zeugen- Aussagen bekannt gemacht worden, zeigt er große Bestürzung" und erklärt, daß die Zeugenaus jagen große Unwahrheiten enthielten, vielleicht nur vorgebracht, um eigne Nachlässigkeiten zu beschönigen. Davon, daß die Wasferleitung nicht in Ordnung gewesen, habe er nichts gewußt. ,, Bekannt sei ihm gewesen, daß ein Theil der Zimmerung angefault sei. Bisher habe aber das Holz, wo es am faulsten war, noch keinen Druck zu erleiden gehabt. Von einer Schacht verdrückung sei ihm nie etwas gemeldet worden. Nur diese, nicht aber die Fäulniß der Hölzer könne Gefahr bringen." Am 18. Juli erfolgte die Entlassung des Directors aus der Haft. Die Untersuchung wurde jedoch fortgesetzt und noch eine große Anzahl von Zeugen vernommen, die alle gleich den zuerst vernommenen den überaus schlechten Zustand des Schachtes behaupten und ihre Behauptungen durch haarsträubende Schilderungen von Einzelheiten belegen. Die Kohlenwerks Inspektion hatte ,, keine Wahrnehmung gemacht, welche darauf hindeutete, daß die Bimmerung des Schachtes dem etwa von dem hinterliegenden Gebirge auf sie ausgeübten Drucke nicht entspreche." vorliegende 8. Heft der ,, Allgem. Gerichtszeitung" enthält nur die erste Hälfte der Untersuchung. Man muß das Erscheinen des 9. Heftes abwarten, um zu erfahren, wie es gekommen, daß die Untersuchung erfolglos geblieben und deshalb eingestellt worden ist." Das ( Wir suspendiren unser Urtheil bis zum Erscheinen des nächsten Heftes der Allgemeinen Gerichtszeitung". Die Red. d. ,, Dem. W.") " 1 Chinesische Briefe.*) I. Der Oberfeldherr des Nordchinesischen Bundes hält jetzt im ganzen Reiche Revuen ab. Darob großer Jubel unter den Chinesen, die überall, wohin der Herrscher kommt, große Festlichkeiten veranstalten. Es thut der Bildung und Gefittung der Chinesen durchaus keinen Eintrag, daß sie, welche sich das kultivirteste Volk der Erde nennen, an findischen Soldaten= spielen, die, wenn sie von erwachsenenen Leuten ausgeführt werden ,,, Militärparaden" heißen, ein himmlisches Vergnügen finden. Der Herrscher selbst, bereits in den Siebenzigern, lebt von Neuem auf, wenn ein Regiment Soldaten an ihm vorbeizieht, besonders wenn es zu denen gehört, welche vor drei Jahren gegen den füdchinesischen Bund mitgekämpft haben. In diesem Falle ist es Sitte, daß bei dem auf die Parade folgenden Schmause, der gewöhnlich so viel kostet, als alle Arbeiter der größten Fabrif wöchentlich zusammen Lohn erhalten, das Gespräch auf die Heldenthaten jedes Einzelnen gelenkt wird, wobei natürlich der Herrscher vor Allem seine eigene Lebensgeschichte erzählt, deren wichtiges Moment, wie er selbst sagt, das ist, daß er die Krone von Gottes Tisch genommen habe. Einmal hätte ihm das übel bekommen können, der Engel im Himmel, so heißt es nämlich, welcher die Kronen verwahrt, vermißte eines Tages eine derselben. Er stieg zur Erde hinab und klopfte bei allen Herrschern an, mit der Frage, ob sie nicht wüßten, wer ihm die Krone gestohlen habe. Alle ver= wahrten sich energisch dagegen, als ob sie Mitschuldige des Diebstahls feien, verwiesen den Engel aber bezüglich des Eigenthums ihrer Kronen auf das noch bestehende Erbrecht, kraft dessen sie ihnen zugefallen seien. So kam der Engel auch zum *) Der Verfasser der ,, Berliner Briefe" verzichtet wohl heute auf Maman feines chinefifchen Collegen! Die Red. 470 ,, Aha!" Herrscher des Nordchinesischen Bundes, mit der Aufforderung, sich über den rechtmäßigen Erwerb seiner Krone auszuweisen. Der Herrscher aber mit der ihm, wie allen Hochgebornen, eigenthümlichen Hoffarth verweigerte die Revision der Staatsurkunden und berief sich auf die aller Welt bekannte, in der Kirche zu Kongsbor vollzogene Krönung, bei welcher er die Krone ,, von Gottes Tische genommen" habe. sagte der Engel ,,, nun haben wir den Spizbuben; von Gottes Tische fehlt eben eine Krone und du selbst sagst, daß du sie von da genommen habest!" Da ward dem Herrscher angst und bange und er ließ seinen Kanzler Kramsib rufen, den großen Nordchinesischen Bauernfänger, der als hochweise ge= priesen ward im ganzen Land. Bauernfänger aber nannte man ihn nicht deshalb, weil er den Herrschern, deren Länder er weggenommen, Geld zum Ersatz versprochen aber nicht gegeben hatte, sondern deßhalb, weil er alle seine früheren Feinde, die man bei den Chinesen ehemals Freie" nannte, durch schlaue Reden auf seine Seite gebracht hatte. Kramsib nun machte mit dem Engel kurzen Prozeß und sagte: ,, Macht geht vor Recht! das merke dir ein für allemal. Wie wir in den Besitz der Krone gekommen sind, das ist ganz egal. Thatsache ist, daß wir sie haben, also gehört sie uns." Sprach's und ließ den widerspenstigen Engel in das in der Residenz neuerbaute Kloster sperren. Darauf kam ein zweiter Engel vom Himmel, der nicht wie der erste barsch war, sondern den Weg der Güte, der Aussöhnung und Vermittelung einschlagen wollte und den Herrscher durch Vernunftgründe von seinem Unrechte überzeugen wollte. Oberster Feldherr, Beschützer der Wissenschaften und Hort der Kirche," redete er ihn an ,,, bist du geneigt Gottes Wort aus meinem Munde zu hören?" ,, Warum sollte ich nicht? Stets bin ich ein williger Diener der Kirche gewesen. Ich habe noch nie zur Gründung eines Klosters die Concession versagt, alle freisinnigen Lehrer werden gemaßregelt, alle Seelsorger können sich dicke Bäuche anschaffen; sprich, was willst du noch mehr?" ,, So höre! In der Bibel heißt es: Gebet Gott, was Gottes ist und dem Kaiser was des Kaisers ist. Da nun be= fanntlich Gott Alles gehört, so kommt auf den Kaiser Nichts. Also: Gib die Krone her!" Als Kramsib, der hinten gelauscht hatte, das hörte, sprang er hervor mit den Worten: ,, das ist ein Hochverräther, ein Republikaner, er agitirt für Steuerverweigung, er gehört zum Revolutionscomitee! Majestät, das können wir nicht länger zusehen. Ich schlage vor, daß man dem Himmel den Hochverrathsproceß erkläre und ich gebe meinen Kopf, wenn unser Obertribunal auch nur einen einzigen von den Engeln freispricht!" So geschah es und der Prozeß zwischen dem Herrscher des nordchinesischen Reiches und dem Himmel in Betreff des rechtmäßigen Eigenthums der Krone schwebt augenblicklich in erster Instanz. Offener Brief an Hrn. Dr. 3. B. v. Schweiker in Berlin. Ihre Haft ist vorbei, Herr Doktor! Jetzt können Sie sich nicht mehr hinter der wohlfeilen Ausflucht verstecken, daß man Sie nur angreife, wenn Sie um der Arbeitersache willen in Haft feien, jetzt können Sie Rede stehen und werden es müssen, oder aber Sie werden der Welt beweisen, daß Sie die Antwort auf die Beschuldigungen ,, Ihrer" Gegner schuldig bleiben müssen, weil Ihnen die Antwort unmög= lich ist. Wir haben schwere, sehr schwere Beschuldigungen gegen Sie. Ich werde mich bemühen, das Allerwichtigste in gedrängter Kürze herauszugreifen. I. Sie streben mit den schändlichsten Mitteln nach der absoluten Herrschaft über die deutschen Arbeiter. Präsident, unbeschränkter Präsident des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, Präsident des Arbeiterschaftsverbandes und alleiniger Eigen- it thümer des alleinigen Parteiorgans ,, Sozial- Demokrat" zu sein und zu bleiben, das ist Ihre Parole. Wer noch daran zweifeln wollte, der lese tel nur Ihren allerneuesten Erlaß in Nr. 108 Ihres Blattes! = Um Ihren Zweck zu erreichen, haben Sie seiner Zeit das Protokoll der Braunschweiger General- Versammlung gefälscht, die Protokolle der Generalversammlungen von Hamburg und Barmen- Elberfeld unter 1: drückt, haben Sie in Ihrem Blatte alle selbstständigen Charaktere, die fich nicht unbedingt Ihrem persönlichen Willen unterwarfen, verdächtigt, verläumdet, die Einsendungen und Rechtfertigungen derselben unterdrückt; dagegen alle Diejenigen, von denen und so lange Sie eine unbedingte " " 471 Hingabe an Ihre Person erwarten konnten, theils durch die widerlichsten Schmeicheleien, den verachtungswürdigsten Personenkultus, theils durch Errettung aus finanziellen Verlegenheiten und tausend andere Dinge um so fester an sich zu fesseln gesucht. Diese Männer" bildeten dann die Säulen", ja die Wundersäulen" der Deutschen Sozial- Demofratie". Mit einer unglaublichen Charakterlosigkeit aber haben Sie den größten Cultus mit Ihrer eigenen Person getrieben. Den deutschen Arbeitern haben Sie zu wiederholten Malen die Schmach angethan, Sie feiern und auf den Händen tragen zu müssen, als seien Sie der leibhafte Messias der arbeitenden Klasse. Als Demokrat und Sozialist dürfte Ihnen die Person Nichts gelten, Alles dagegen die Sache. Statt dessen haben Sie die Begeisterung der deutschen Arbeiter für die sozial- demokratische Sache in eine Verehrung Ihrer Person umzuwandeln gesucht, und, leider! ist Ihnen dies zu einem großen Theile gelungen. " Unablässig richten sich die Angriffe der Gegner der Arbeitersache im Lager der Reaktion und der Bourgeoisie gegen mich, da man in mir die Bestrebungen und die Macht der Arbeiter haßt und verfolgt, da man weiß, daß die Bertrümmerung der einheitlichen Leitung der Partei, welche ich Kraft des souverainen Willens der Arbeiter zu vollführen habe, ge= mügt, um die Macht der ganzen Bewegung zu zersplittern wandelbar werde ich die von Ferd. Lassalle erhobene Fahne den deutschen Arbeitern vorantragen und ich weiß, daß die Arbeiter zu mir stehen werden in dem schweren Kampfe. Kein Mensch vermag auf meinem Posten zu stehen, wenn er nicht das unbedingte Vertrauen der Arbeiter für sich hat. Diesen ewigen Anfeindungen und Verläumdungen, dieser wiederholten schweren Kerkerhaft vermag der Stärkste auf die Dauer nicht zu troßen, wenn er nicht auf der anderen Seite das unbedingte Zutrauen und die freudige Unterstützung der Arbeiter genießt." aber un= daß Durch derartige Worte haben Sie Jahre hindurch in die Herzen der arglosen und für die Sache der Sozial Demokratie begeisterten deutschen Arbeiter die Verehrung für Ihre Person zu pflanzen gesucht. O über uns Blinde! die wir den schönen Worten Glauben schenkten, und die Schlange nicht erkannten, die Geifer und Gift gegen unsere bravsten Männer schleuderte, und sich nur um jeden Preis zum Herrn der Situation" zu machen suchte. Die Wahl zum Verbandspräsidenten tam Ihnen ungemein dabei zu Statten. Das Einzige, was Ihnen ent= gegenstand, war, daß Sie beim Blatt einen gleichberechtigten Genossen hatten, Herrn von Hofstetten, den es jetzt auf jede Art zu entfernen galt, damit Sie allein über das Blatt verfügen konnten. Welche Mittel Ihnen dazu dienen mußten, darüber hat uns die Barmer Generalversammlung und die neuerdings erschienene Broschüre des genannten Herre belehrt. Als aber auf der Barmer Generalversammlung das bis dahin um der Sache willen unterdrückte, allmälig wieder aufgefeimte Mißtrauen gegen Sie eine so bedeutende neue Nahrung fand, da wußten wir, wir das Ding nicht mehr so gehen lassen durften, daß wir Ihrer absoTuten Herrschaft ein Ziel setzen mußten, und begründeten in Barmen daher den lebensfähigen, mit Rechten gegen Sie ausgerüsteten Vorstand, sowie eine Redaktionskommission für das Vereinsorgan, zu Ihrer Controle. Dieses Vorgehen war innerlich berechtigt, da eine demokratische Partei keine absolute persönliche Herrschaft dulden kann; mit innerer Nothwendigkeit mußte der Verein auf der in Barmen betretenen Bahn weiterschreiten. Da Ihnen aber die absolute Herrschaft über die deutschen Arbeiter die Hauptsache, ja das einzige für Sie maßgebende Interesse war, so durften Sie das Weiterbestehen und die Weiterentwicklung der Barmen- Elberfelder Einrichtungen nicht dulden, und da geschah das Unglaubliche, daß Sie sich hinter verschlossenen Thüren mit jener Dame einten, die Sie so oft, und mit Recht, als die größte Feindin der Arbeiterfache hingestellt. Während Sie, um zum Ziele zu gelangen, den Hamburger Vorstand belogen und hintergingen, konnten Sie nun wieder im Blatte schöne Worte" machen von Einigung" und ,, Arbeiterfache", von Ferdinand Lassalle" und allem Ändern, was den Arbeitern lieb und theuer war, um nur die Barmen- Elberfelder Einrichtungen wieder los zu werden, und absolut unter schändlichem Mißbrauch des Namens von Ferdinand Lassalle über die deutschen Sozial- Demokraten herrschen zu können. Um Einigung von Arbeitern war es Ihnen dabei nicht zu thun, wie es Ihnen überhaupt nie um solche zu thun gewesen! Das Alles waren Ihnen nur Mittel zu Ihrem Zweck. " 1 Da erhoben wir die Fahne der Vereinigung aller sozial- demokratischen Arbeiter Deutschlands auf demokratischer Grundlage und im Anschluß an die internationale Bewegung. Nach Ihrem Blatte waren unfre ,, Schleichereien und Intriguen" kaum nach ihrem Beginne ,, zu Boden geschmettert, niedergeschlagen, überwunden". Aber die im Sinne Lassalle's, dessen Namen Sie schänden und mißbrauchen, hervorgerufene Bewegung gewann an Halt und Kraft und wird mit innerer Nothwendigkeit so gewiß siegen und das Proletariat zu einer einzigen, mächtigen Masse einigen, wie Ihre absolute Herrschaft früher oder später von allen deutschen Arbeitern abgeschüttelt werden wird. Aber jetzt müssen Sie sich noch in Ihrem alten Glanze zu halten suchen, deßhalb lügen Sie auch in Ihrem heutigen Blatte in die Welt hinein, Ihre Gegner wollten ,, dezentralisiren", Sie aber verträten das Prinzip der Arbeiterklasse, die„ Centralisation". Sie lügen ,, nach Noten", Herr Doktor! Zunächst fällt es uns, die wir auch zu Ihren" Gegnern zählen, gar nicht ein, zu dezentralisiren. Die auf dem Eisenacher Congreß geschaffene Organisation ist genau so zentralisirt", wie die des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins. Sie aber vertreten nicht die Gentralisation, die jeder Sozialist vertritt, sondern die Despotie, die absolute Herrschaft, die Sie nur immer in schöne Phrasen von ,, Souveräni tät" bea Rolfes sinunicate wit französische Nation um die Errungenschaften der Revolution betrog. Was ist denn an der Organisation des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins und der sozialdemokratischen Arbeiterpartei verschieden? Verschieden daran sind folgende Punkte, und nun achten Sie genau auf, ob bei uns die Centralisation im Allergeringsten in Frage, oder ob bei uns nur die Despotie, die Herrschaft Einzelner, unmöglich gemacht ist und das Volk in Mehrheit souverän herrscht und regiert! An Stelle eines erst nach 3 Monaten verantwortlichen Präsidenten haben wir einen Ausschuß, der genau so thatkräftig zu handeln versteht, wie Sie, der aber der strengsten Kontrole seitens der ganzen Partei unterliegt und jeden Augenblick abgesetzt und durch eine andere Behörde ersetzt werden kann; sonst genau die gleiche Verwaltung! Wenn an Stelle Ihrer ,, Mitglied schaften" bei uns von Parteigenossen gegründete sozialdemokratische Vereine bestehen, so befinden wir uns darin sogar in vollem Einverständniß mit Ihnen, wie Ihnen ein Rückblick auf Nr. 111 Ihres Blattes von 1868 sofort beweist. Und wenn endlich, statt ein Parteiorgan zu haben, über welches ein Einzelner als Eigenthümer ganz nach seinem Ermessen und oft wider den Willen der Partei verfügt, wir ein solches besitzen, das von den streng kontrolirten Behörden der Partei verwaltet wird und Eigenthum der ganzen Partei ist, so werden Sie auch dadurch unmöglich die Centralisation gefährdet sehen. Doch wozu mühe ich mich ab, Ihnen Dinge auseinander zu setzen, die Sie längst kennen, die Sie nur nicht kennen wollen, da es Ihnen nur um Ihre Herrschaft zu thun ist und nicht um die Sache! Aus der gleichen Quelle stammen auch die Thaten, die mich zur Erhebung des folgenden schweren Vorwurfs berechtigen. II. Sie schüren geslissentlich den Zwiespalt unter den sozialistischen Arbeitern. Seit lange haben Sie den Bruder gegen den Bruder gehetzt! Alles haben Sie verdächtigt und angegriffen, was sich nicht blindlings zu Ihren Füßen warf. Verlangen Sie dafür Beweise? Ein Wort und Sie sollen sie haben, massenhaft. Jetzt setzen Sie Ihr sauberes Handwerk fort. Um Ihre Herrschaft noch eine Spanne Zeit länger zu fristen, verdächtigen Sie meine Freunde und mich, die wir gegen Sie aufgetreten sind, als den Arbeitern feindliche Menschen, verdächtigen Sie die in Eisenach gegründete Partei als eine der Arbeitersache feindliche, der Bourgeoisie mindestens nahe stehende Partei. Kein Wort über unsere Personen! Die Arbeiter werden uns nach unsern Thaten beurtheilen, und ruhig sehe ich und ich weiß mich eins in dieser Hinsicht mit meinen Freunden dem Urtheile entgegen. Daß Sie aber immer und immer wieder in maßloser Verlogenheit unsre Partei zu verdächtigen und zu verläumden und dadurch neuen Haß und neue Zwietracht unter gleichgesinnte Arbeiter zu säen suchen, das ist start. Fast wie ein Wahnsinniger arbeiten Sie selber an Ihrem Sturze. Denn sobald die von Ihnen und Ihrem saubern Blatte belogenen Arbeiter unser Programm gelesen haben werden, wie es in Eisenach einstimmig beschlossen ist, muß der Blindeste einsehen, daß eine Partei mit solchem Programm feine andere sein kann, als eine sozial- demokratische Arbeiterpartei. Und so gewiß dem Blitze der Donner folgt, wird dieser durch Beobachtung unsrer Handlungen unterstützten Erkenntniß ein Fluch folgen, der den, an der Zerrissenheit der gesammten Partei schuldigen Mann verdammt. Und trotz aller Ihrer Mühen wird ein Tag erscheinen, der alle vom Klassenbewußtsein durchdrungenen Proletarier Deutschlands in einer einzigen Organisation vereinigen wird. III. Sie haben die Arbeiterintessen direkt geschädigt. Als in Gotha, um unserer Partei bei der Wahl zu schaden, der Vorwurf öffentlich gegen Sie erhoben ward, Sie hätten beim Schützenfeste in Frankfurt am Main 2000 Gulden unterschlagen, da war es ich will ja gern annehmen, daß es nicht wahr war zum allermindesten Ihre Pflicht, nicht allein gegen die Gothaer Arbeiter, sondern gegen den ganzen Verein, ja gegen die gesammte Partei, diese Behauptung öffentlich für eine niedrige Berläumdung zu erklären. Die Versäumniß dieser Pflicht war eine arge Schädigung der Interessen der Arbeiter. Als die deutsche Cigarrenarbeiterfompagnie in Noth war, da haben Sie, wenn nicht veranlaßt, so doch zum Mindesten zugegeben, daß der von Ihnen abhängige Drucker Ihres Blattes auf den geliehenen Betrag von einer Arbeitergenossenschaft über 50% Zinsen nahm! Da mit nicht zufrieden, haben Sie außerdem der Kompagnie direkt den Kredit zu entziehen gesucht! Ihre Verbindung mit der Gräfin Hazfeldt und Herrn Frizz Mende, den geschworenen Feinden der Gewerkschaften, ist in dieser Hinsicht ferner bezeichnend. IV. Sie stehen in dem Verdachte, ein Söldling der preußischen Regierung zu sein. Ihre verschiedenen Entlassungen aus der Haft, die Betreibung der Agitation in dem entschieden sozialistischen Sachsen, Ihr im Reichstag und im Blatt genügend entwickelter nationalliberaler Standpunkt in der deutschen Frage, die Elberfelder Wahl, die Auflösungen des Vereins, die Verlegung des Sitzes desselben, sowie der Gewerkschaften nach Berlin, Ihr Verkehr mit Herrn Preuße, sowie die früher im ,, Sozial- Demokrat" erschienenen ,, Bismarckartitel" u. A., endlich der Geldpunkt sind bedeutende Verdachtsgründe. Ich erlaube mir nur, auf letteren näher einzugehen, daß Andere Jhrem eigenen Nachdenken überlassend. mit Sie müssen ,, um große Gedanken denken zu können" Tänzerinnen und anderen Damen( Sozialistinnen scheinen Sie dieselben jetzt heißen zu wollen) vertebren Champagner trinken eine es einem ausgebildeten Aristokraten und Lebemann ganz angemessen, des Führers einer sozialistischen Partei aber höchst unwürdig ist. Sie müssen auch auf den Eisenbahnen erster Klasse fahren, während für Ihre Agitatoren die vierte Klasse noch zu theuer ift! Ein solches Leben kostet sehr, sehr viel Geld. Und wenn Sie auch aus Arbeiterpfennigen ich verfluche jetzt die Dienste, die ich Ihnen als Kassirer dabei that nicht unerhebliche Summe bekommen haben, so ist dies immerhin, zumal diefelbe ja auf das Vereinsorgan verwandt sein soll, bei den außerordentlichen Ausgaben für Ihr luxuriöses Leben nicht in Betracht zu ziehen. Woher sind nun die Mittel für alles das, was Sie nöthig haben, um große Gedanken zu denken? Aus Privatmitteln haben Sie es nicht, das tönnen Sie nicht mehr in die Welt hineinlügen, und auf dem Creditwege können Sie sich Summen, wie sie Ihnen zu Gebote stehen müffen, ebenfalls nicht auf die Dauer verschaffen. Nie haben Sie über diesen Punkt der ParteiKlarheit gegeben, und muß dies, neben den bedeutenden andern Gründen, den vorliegenden Verdacht fast zur Gewißheit erheben. Oder, wenn dem nicht so ist, warum gaben Sie der Partei nie darüber die erforderliche Auskunft? Gestatten Sie mir bei dieser Finanzfrage noch einige Worte, die ich als ehemaliger Kassirer des Verbandes an Sie zu richten habe. Sie schreiben in dem großen ,, Ufas" in Nr. 107 Ihres Blattes, daß eine stete strenge Ordnung im Kassenwesen geherrscht habe, und daß, wo dies nicht der Fall gewesen, andere daran schuld gewesen seien, denen Sie nicht gehörig auf die Finger geklopft; in Zukunft wollten Sie aber unnachsichtlich in dieser Hinsicht verfahren. Die letzteren Bemerkungen könnten von Uneingeweihten auf die Zeit vor dem Vereinigungswerke" gedeutet werden, weßhalb ich hiermit meine Ueberzeugung dahin ausspreche, daß, so lange ich Raffirer war, also bis zu der Vereinigung mit Hatzfeldt- Mende, von Anderen keine Unregelmäßigkeiten mit Vereinsgeldern vorgekommen sind. Ihre Bemerkungen beziehen sich also wohl auf den Verband, zumal auf letztere Zeit, wo von Ihrer Stellvertretung aus der Verbandskasse Gelder für die Agitation gegen den Kongreß der ,, Ehrlichen" in Eisenach verwandt worden sind. Was nun die Vereinsgelder anbelangt, so möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß bei Ihnen in dieser Hinsicht die größte Unregelmäßigkeit geherrscht hat. An eins will ich Sie nur erinnern was ich Ihnen auch in Barmen auf der General- Versammlung sagte, und was außerdem der betreffende Kassenbericht beweist nämlich daran, daß Sie über eine Summe von circa 234 Thlr., welche Sie von der Hamburger Generalversammlung bis zur Auflösung des Vereins empfingen, bis jetzt gar keine Abrech= nung ablegten. Anderes will ich übergehen, indeß fann ich noch mit Weiterem dienen. Ich habe die schwersten Vorwürfe gegen Sie erhoben, Herr Doktor! Ich beschuldige Sie des egoistischen Strebens nach der Herrschaft über die deutschen Arbeiter; werfe Ihnen vor, daß Sie die gemeinsten Mittel micht verschmähen zu diesem Ihren Zweck; ich behaupte, daß Sie die Zwietracht und den Haß unter den sozialistischen Arbeitern Deutschlands genährt; ich schleudere Ihnen den begründeten Verdacht entgegen, im Solde der preußischen Regierung zu stehen. Anderes, Vieles habe ich unterdrückt. Aber was ich Ihnen vorwarf, ist so bedeutend, daß Sie darauf antworten müssen, und ich werde Sie so lange daran mahnen, bis Sie es gethan oder aller Welt bewiesen haben, daß Ihnen die Antwort unmög= lich ist. Und die Antwort wäre Ihnen ja doch so leicht! Wenn Sie fortfahren in derselben Weise, wie bisher, dann ist es Ihnen ja ein Leichtes, Alles, was ich sagte, zu verdrehen, bis sein eigenes Gegentheil daraus wird, Anderes zuzulügen, Anderes daran zu lügen, dann wie die Katze um den Brei herum zu gehen und schließlich die Backen voll zu nehmen und so zu thun, als hätten Sie alle Anschuldigungen der ganzen Welt gegen Sie zu Boden geschlagen! Sie haben darin doch schon Erstaunliches geleistet! Noch eins Herr Doktor! Ich fordere Sie auf und lade Sie ein, bei Ihrer angekündigten Rundreise nach Braunschweig zu kommen. Ich stehe Ihnen dafür, die Braunschweiger Arbeiter ebenso unversöhn= lich gegen Sie, wie versöhnlich gegen die von Ihnen mißleiteten Brüder werden Sie ruhig anhören und unparteiisch werden sie ,, trotz alledem" urtheilen. Sie wollen auf Ihrer Reise ja gerade die gegen Sie erhobenen Anschuldigungen widerlegen! Ich erhebe die schwersten Anschuldigungen gegen Sie und erwarte Ihr Kommen! Braunschweig, 15. Sept. 1869. Bracke. Internationaler Verein für Buchbinder c. ( Agitationsbericht.) Sonntag Abend war ich in Erfurt, wo ich in einer Versammlung der dortigen Collegen die Bestrebungen unfres Vereins erläuterte. Es erklärten eine Anzahl ihren Eintritt und wird Sonnabend die Wahl des Bevollmächtigten erfolgen. Ebenso gab ein Vortrag vor den Kollegen in Apolda denselben Veranlassung, eine Mitgliedschaft zu bilden und die Wahl eines Bevollmächtigten zu vollziehen. In Merseburg ließ sich am Dienstag keine Versammlung einberufen, da in den dortigen Cartonagenfabriken bis Abends 11 Uhr gearbeitet wird. Es wird deßhalb nächsten Sonnabend eine Zusammentunft abgehalten werden. Die Mittheilungen über die Verhältnisse unsrer Berufsgenossen in den genanten Städten, die mir geworden sind, lassen eine Befferung dringend geboten erscheinen. Ueberall ist der Lohn mit fehr geringen Ausnahmen höchstens 3 Thlr. wöchentlich, in Merseburg mitunter 2 Thlr. 8 Sgr. In letzterer Stadt sah ich die Behandlung eines Kollegen von seinem Arbeitgeber, die geradezu empörend war. Ihm wurde in barschefter Weise verboten, mit mir zu sprechen und zwar am Sonntag Vormittag, wo er über Feierabend arbeitete. Die Arbeitszeit ist 13 Stunden täglich, in Erfurt 14. Besondere Anlagen, die Arbeiter zu ,, dirigiren", entwickelt ein Werkführer in Apolda, welcher neben verschiedenen anderen Mittelchen die Einrichtung getroffen hat, daß jedem Mädchen 5 Sgr. vom Wochenlohn zurückgehalten und bei ihrem Abgange nur dann ausgezahlt werden, wenn sie ein gutes Attest von ihm erhalten. Was ein Mädchen Alles zu thun hat, um sich ein gutes Zeugniß von diesem Werkführer zu verdienen, ist in Apolda sehr bekannt, gleichwie die Lohnabzüge, die er sehr häufig dekretirt. Wie man sagt, soll der Chef des Hauses gegen seine Arbeiter sehr gerecht sein und es ist zu verwundern wie er das Treiben dieses Werkführers, der sich auf Kosten seiner Arbeiter einen guten Stand sichern will, so ruhig duldet. Die schlimmsten Bedrücker der Arbeiter sind diese Creaturen, die, wenn sie ein Werkführerpöstchen erhalten, nicht mehr wissen, daß sie Arbeiter waren und den guten Stand, den sie mit ihrer Tüchtigkeit sich nicht zu erlangen trauen, durch Uebervortheilung der Arbeiter erhaschen wollen. Ueberall freute man sich, daß mit der Einrichtung des Arbeitsnachweises und des Meilengeldes zwei recht fühlbare Mängel beseitigt wären, denn der Mangel des Reisegeschenkes, sowie die Unzulänglichkeit des bisher bestandenen lokalen Arbeitsnachweises zwingen so Manchen unter gedrückten Verhältnissen fortzuarbeiten. Ernst Werner. Angemeldete Mitgliedschaften: Apolda, Bevollmächtigter Jul. Städer, Fleischergasse. Salzburg, Joh. Konradt bei Pustet. Altona, 12. September. Vorgestern Abend konstituirte sich hier ein sozaldemokratischer Arbeiterverein, welchem sofort 31 Witglieder beitraten. Unsere Sache steht hier zwar nicht auf dem Friedens= fuß, aber gut. Besonders die Tischler und die Cigarrenmacher baben sich für uns erklärt und werden auch bald zum Wachsen unserer Mitgliederzahl kräftigst beitragen. Wir hatten unsere Vereinskonstituirung schon acht Tage früher beabsichtigt, aber die Hamburger Schweitzerianer besetzten das Lokal lange vor der angesetzten Versammlungszeit. Dies geschah mehr, um sich für ihre famose Niederlage bei Constituirung unferes Brudervereins in Hamburg zu rächen, als um hier Hausfriedensbruch zu üben. In unserer Stadt selbst hat sich der SchweitzerCultus noch immer auf einige Bierlokale beschränkt; dort feiert er seine Orgien, um die wir ihn natürlich niemals beneiden. Graz, 17. Septbr. Die hiesigen Kleidermachergehilfen hielten am 13. ds. eine allgemeine Schneiderversammlung, welche sich für eine Lohnerhöhung von 40 Proz., Herabsetzung der Arbeitszeit und Regulirung der Confektionsgeschäfte entschied. Wie wir vernehmen, sollen die meisten der Arbeitgeber sich geäußert haben, daß sie lieber die Geschäfte sperren, als mehr zahlen wollen. Es wird demnach vor Zuzug ge= Franz Pirz. warnt. Berlin, 19. September. Am 15. d. M. kam der am 10. d. vertagte Prozeß gegen Vogel und Genossen zur Verhandlung. Vogel wurde zu 3 Monat Gefängniß und Wenzel zu 30 Thlr. Geldbuße verurtheilt, Kwasniewky und 3fchochwitz freigesprochen. Vogel ward vorläufig der Haft entlassen.- Am 17. wurde Liebknecht wegen einer Rede im demokratischen Arbeiterverein in contumaciam zu 3 Monat Gefängniß verurtheilt. Chemnitz. Am Sonnabend hatte dahier im Apollosaal eine große Arbeiterversammlung statt, in der Bebel und Motteler auftraten. Die Versammlung, die von 2-3000 Menschen besucht war, nahm den günstigsten Verlauf, und zeigte, daß die Schweitzer- Hatzfeldterei gründlich ausgetrieben ist. Näheres in der Sonnabendnummer. Nürnberg. Es ist erfreulich, melden zu können, daß unsre Partei auch hier an Ausbreitung zunimmt. So haben wir vor Kurzem einen sozialdemokratischen Arbeiterverein in Mögeldorf mit etwa 60 Mitgliedern gegründet, einen desgleichen in Gleidhammer. Auch in andern Orten der Umgegend werden wir derartig vorgehen. Die Gewerksgenossenschaften hier stärken und vergrößern sich. Neu gegründet hat sich dahier eine Schneidergenossenschaft unserer Richtung, die über 100 Mitglieder zählt. Für morgen sind wir zu Parteigenossen nach Erlangen eingeladen, die eine Holzarbeiterge= nossenschaft gründen wollen; wir werden zugleich die Gründung eines sozialdemokratischen Arbeitervereins dort bewerkstelligen. Rührig und thatkräftig sucht jeder Einzelne hier mitzuarbeiten an der Vergrößerung und Verstärkung der Partei.- Die Untersuchung gegen J unser Mitglied Siebert, wegen seiner Rede auf dem hiesigen Arbeiterfest wird scharf betrieben, etwe 7 Mitglieder wurden in der vergangenen Woche eidlich vernommen. Daß er die Republik hat leben lassen, nehmen ihm die Herren so übel. Wir mir scheint, blasen unsere Herren auf dem hiesigen Bezirksgericht ihre Backen recht auf, um der Untersuchung große Wichtigkeit zu verleihen. Es wird ihnen aber nach der ganzen Sachlage nicht gelingen und wird der kreisende Berg höchstens eine Maust gebären. 4 Samburg. Am 7. ds. Mts. hat die Noth eine Anzahl Arbeiter zu einem Gewaltaft veranlaßt, welcher schließlich zur Zerstörung der T beiden Lauenstein'schen Fabriken, sowie des Gasthauses eines gewisserie: Schneider, der die Lieferung schwedischer Arbeiter übernommen hattezführte. Der Sachverhalt ist folgender: Die armen Arbeiter hatten schori feit 7 Wochen Strife gemacht, ohne daß ihnen ihre gerechten For derungen bewilligt worden wären. Der Direktor der Fabrik, Namens Kirchweger, glaubte damit eine Concession zu machen, daß er nur bestimmten, von ihm auserlesenen Arbeitern die gestellten Forderungen bewilligen, die anderen dagegen weiter striken d. h. hungern lassen wollte. Das empörte die Arbeiter, die sich nun verschworen, teinen Schacher mit sich treiben zu lassen. Der Direktor gab nicht nach, die Wuth der Hungernden steigerte sich. Da zogen am Dienstag den 7. Sept. ihrer Tausend in Reih und Glied nach dem Fabrikgebäude. Es kam zu tumultua= rischen Auftritten zwischen den Strikenden und denjenigen, welche die Arbeit in der Fabrik wieder aufgenommen hatten. Der Direktor Kirchweger glaubte dem dadurch ein Ende machen zu müssen, daß er unter die Arbeiter aus dem Fenster seiner Wohnung schoß. Jetzt kannte die Aufregung der Arbeiter keine Grenze mehr, sie stürmten in das Innere ,, der Zwingburg". Was im Wege stand, fiel den Stürmenden zum Opfer, Fenster, Thüren, Möbel, Alles wurde verwüstet, die Betten wurden zerschnitten, die Federn ausgestreut, furzum die Erbitterung war grenzenlos. Dann ging es zum Wohnhause des Direktors Kirchweger. Dieser entfloh. Der Schmied Wunzel trat ihm drohend entgegen, Kirchweger zog seinen Revolver, schoß auf den Andrängenden und setzte seine Flucht weiter. Diesen Vorgängen folgten weitere am Donnerstag 9. und Freitag 10. Sept. Das Lauenstein'sche demolirte Fabrikgebäude war unterdessen mit einigen 100 Polizeiwächtern besetzt worden, die Arbeiter rückten an genannten Tagen wieder vor das Gebäude und sollen einige Steinwürfe vorgekommea sein; die Polizeiwächter, kommandirt von ihrem Hauptmann Mathäus machten deshalb einen Ausfall und gebrauchten die blanke Waffe, wobei mehrere Arbeiter sehr gefährlich verwundet wurden. Nach wiederholten Angriffen, wobei es zu einem starken Handgemenge zwischen den Tumultuanten und der Polizei kam, entfernten sich endlich die Arbeiter. Der Schmied Wunzel, den der Direktor Kirchweger in den Leib geschossen, ist unterdessen gestorben. 2000 Arbeiter begleiteten seine Leiche zum Grabe. Wie die Thatsachen liegen, kommen, wenn wir ein Urtheil über die Vorgänge abgeben sollen, hier offenbar zwei Fragen, man nenne sie Rechtsfragen, in Betracht: Wer war im Rechte, ist die eine, wer war im Unrechte, die andere. Die erstere haben einerseits die Bourgeois und deren Presse beantwortet, die Bourgeois- Richter werden sie beantworten; ihr Urtheil hat sich und wird sich zu Gunsten derjenigen entscheiden, die ihre geborenen Klienten sind, denn eine Hand wäscht die andere". Ihre Rechtsbegründung scheint sehr plausibel ,, sie waren in der Nothwehr", in der Nothwehr haben sie Bajonette und Säbel angewandt, in der ,, Nothwehr" haben sie einen Todtschlag verübt. Auf der anderen Seite d. h. neben der Bourgeoisie und ihren Helfershelfern erlaubt sich aber noch Jemand diese Frage zu entscheiden und dieser Jemand ist kein anderer, als das Volk, das arbeitende Volk! Dieses stützt sich natürlich nicht auf die sittlichen Entrüstungen" der Bourgeoisblätter, nicht auf die Sätze des heutigen positiven Bourgeoisrechtes" nein, es stellt sich auf den Boden des Naturrechts und glaubt sich vollberechtigt, so und nicht anders, als es geschehen, gehandelt zu haben. Und wie begründet das Volk sein Recht? Nun es befand sich ebenfalls in ,, Nothwehr", in Nothwehr hat es gehandelt, hat es Revolution gemacht; es mußte und suchte sich zu schützen gegen seine Bedränger, wenn es nicht vorzog zu verhungern, wenn es nicht vorzog sich als feile Waare verschachern zu lassen. Doch gehen wir zur zweiten Frage über, wer hat Unrecht gehabt? Diese ist schon gelöst, sobald man weiß, wer Recht gehabt. Die Bourgeois und ihre Kumpane werden sagen: der empörte Böbel hatte keine Rechtsgründe für sich, er hat aller Civilisation, allem Geseze, allem Rechte ins Gesicht geschlagen, er hat Unrecht, ist zu verurtheilen, zu richten, zu züchtigen.- Das arbeitende Volk wird da= gegen sagen: Unsere Beiniger hätten den Gewaltakt der verzweifelten Masse verhindern tönnen, wenn sie menschlich gewesen wären, so aber haben sie sich unseres Hungers, unserer Noth gefreut, sie sind nicht nur jetzt, nein sie sind immer im Unrecht, so lange sie uns ausbeuten, so lange sie von unserem Schweiße prassen. Ein Dilemma, ein schwieriges Entweder Oder! Wer wird es lösen, wer entscheiden? ich glaube, nur ein Gericht nur ein Obertribunal, und das heißt: die Revolution. Sie wird kommen, sie muß unausbleiblich kommen, wenn man fortfährt, die Rufe des Volkes nach seinem Rechte mit Bajonettstichen, mit Revolverschüssen zu beantworten. Dresden, 5. Septbr.( Verspätet.) Nachdem die Annahme des Eisenacher Programms von dem Vorstand des hiesigen Arbeiterbildungsvereins abgelehnt worden, beschlossen einige unserer Freunde, das Programm in der gestrigen, start besuchten Versammlung durchzubringen. Unsere Gegner, welche mit Gründen uns nicht widerlegen konnten, indem sie erklärten, persönlich nichts gegen das Programm einwenden zu tönnen, suchten mehr passiven als aktiven Widerstand zu leisten. Intereffant war unter Anderm die Ansicht des Vorsitzenden, Tischler Hendel, daß der Verein seit Jahren in politischer wie sozialer Hinsicht immer vorgeschritten sei, jetzt aber Halt gemacht werden müsse, denn sonst könnte leicht die Subvention des Stadtraths wegfallen.(!!) Das Programm wurde schließlich gegen 30 Stimmen verworfen*). Doch steht es *) Wenn die Arbeiter einer Geldunterstützung wegen schnöde das Prinzip verleugnen, dann ist das Feigheit und Charakterlofig= leit und derjenige ein unwürdiger Vorstand, der solche Handlungen unterstützt. Der Leipziger Arbeiterbildungsverein befindet sich in derfelben Lage, wie der Dresdener; er hat sich aber von solchen Strupeln nicht beirren lassen, sondern das Programm gegen 1 Stimme angeDie Red. tommen. Berantwortlicher dedatteur: W. Liebknecht. ( Redaktion Busu hier um unsere Sache gut; es hat sich bereits ein sozial- demokratischer Arbeiterverein gegründet und zum großen Schrecken jener Spießbürger werden auch die sozialen und politischen Wühlereien"*) im Arbeiterbildungsverein nicht aufhören**), denn das Programm muß schließlich duch angenommen werden. Leipzig. Wir erhalten Folgendes zur Veröffentlichung: Jeder Politiker muß einsehen, daß der Parteikampf auch innerhalb der Reihen des Volks nothwendig oder wenigstens unvermeidlich ist, und wird, wenn es dabei dann und wann zu Ausschreitungen kommt, diese mit möglichster Schonung beurtheilen. Wenn aber die Tumulte in den Versammlungen, wegen der Vorsitzendenwahl, wie es jetzt den Anschein hat, zu einem chronischen Uebel werden, so möchte man doch an Abhilfe denken, da andernfalls,( ganz abgesehen von etwaigen polizeilichen Maßnahmen), das Versammlungsrecht und die Pflicht zur Diskussion allge meiner Angelegenheiten durch das Volk selbst illusorisch gemacht werden. Ich verzichte darauf, eine Sache, über die Jeder von vornherein klar sein sollte, des Weiteren zu besprechen und wende mich mit der Bitte an den Ausschuß: zu berathen, wie den oft wiederkehrenden Streitigkeiten bei der Vorfitzendenwahl in Volksversammlungen zu steuern sei, und hierbei folgende Ansichten in Betracht zu ziehen: Die sozialdemokratische Arbeiterpartei erklärt: 1) Es erscheint unpassend unsererseits eine Versammlung zu besuchen, zu welcher von Gegnern unter Formen eingeladen wird, welche uns ausschließen; 2) Sofern die Parteigenossen eine von Gegnern ausgeschriebene Versammlung besuchen, weil die Einladung eine allgemeine war, mögen sie den letzteren die Constituirung des Bureau's überlassen; 3) Sofern dieses Verfahren nicht auch von den Gegnern in gleicher Weise in den von Seiten der sozialdemokratischen Partei einberufeneu allgemeinen Versammlungen eingehalten wird, sollen die von den Gegnern einberufenen Versammlungen unsrerseits nicht mehr besucht werden. Maren, 15. September 1869. Zwickan. In der Versammlung des hiesigen Volksvereins vom 11. September wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: Vahlteich. " In Erwägung, daß es der Würde der sozial- demokratischen Partei nicht angemessen, das ihr zugehörige Preßorgan zum Tummelplatz persönlicher Streitigkeiten zu machen, ist der Ausschuß, resp. die Redaktion des Parteiorgans zu ersuchen, in Zukunft so viel wie möglich zu verhindern, daß Artikel, welche persönliche Angriffe oder gar Schimpfereien enthalten, Aufnahme finden. Persönliche Angriffe von gegnerischer Seite werden nie im Stande sein, das Vertrauen, welches wir unsern Parteiführern geschenkt, zu erschüttern, eben so wenig wie Leidenschaftliche Entgegnungen ihrerseits dasselbe stärken können. Das edle Ziel, welches wir erstreben, wollen wir mit eisener Energie, aber auch mit ehrlichen Waffen und blankem Schilde erfämpfen; deshalb kann es der Volksverein Zwickau ebenfalls auch nicht billigen, wenn von gegnerischer Seite ausgeschriebene Versammingen durch unsere Parteigenossen gestört werden. Wir würden da in einen Fehler ver= fallen, den wir früher selbst energisch bekämpft; wir wollen uns unser Recht auf das Entschiedenste wahren, jedoch auch die Rechte Anders= gefinnter achten." Der Ausschuß des Volksvereins Zwickau wurde beauftragt, diesen Beschluß zu veröffentlichen, und kommt derselbe hiermit diesem Auftrage in der Hoffnung nach, daß dieser, in der lautersten Absicht gefaßte Beschluß keine Mißdeutung erfahren möge. Zwickau, 16. Sept. 1869. *) Ausdruck des Vorsitzenden. **) Wir rechnen darauf. Im Auftrage des Vereins: H. Dozzauer. Die Red. Zur Beachtung. Alle für die Redaktion bestimmten Einsendungen müssen, um Zeitverlust zu vermeiden, direkt an die Redaktion, Braustraße 11, adressirt werden. Notiz. Theils wegen Mangels an Raum, theils wegen zu späten Eintreffens müffen wieder viele Berichte zurückgestellt werden. Wir benutzen diese Gelegenheit zu der dringenden Bitte, die Berichte möglichst kurz zu fassen, und, außer wo zwingende Gründe vorliegen, sich der Polemik mit dem ,, Sozial- Demokrat" nebst Allem, was drum und dran hängt, zu enthalten. Eine solche Polemik kann uns weder Ehre noch Vortheil bringen. Quittung und Dank. Durch Hrn. Somann vom Altonaer Tischler- Verein zur Reise nach Eisenach erstattet: 17 Mart 13 Schillinge Theodor Yort. gleich 7 Thlr. 28 Ngr. 3 Pf. Deutscher Arbeiterbildungs- Verein in London. Charles- Hotel, 71 Dean- Street, Soho Square. W. London. Für Leipzig. Intern. Gewerksgenossenschaft der Solzarbeiter. Freitag, den 24. Septbr., Abends 8 Uhr: Versammlung bei ter Boren, Windmühlenstraße. Reinzia Druct und Verlag: biele