Demokratisches Wochenblatt. No. 43. Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Leipzig, den 25. September. 1869. Das Blatt erscheint Mittwochs und Sonnabends. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 12% Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein, Üniversitätsstraße, und die Erpedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Vom 1. Oktober an erscheint das ,, Demokratische Wochenblatt" unter dem Namen: Der Volksstaat, Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei, und sind alle Bestellungen auf der Post unter diesem neuen Namen aufzugeben. Das Blatt erscheint wie bisher wöchentlich zwei Mal( Mittwoch und Sonnabend) und kostet in allen deutschen Staaten mit Ausnahme Preußens 12 Sgr., in Preußen mit Zuschlag der Stempelsteuer 15 Sgr. pro Quartal. Kreuzbandsendungen des Blattes kosten innerhalb des deutsch= österreichischen Postvereins 20 Sgr., für die Schweiz 1 Thlr., für England, Frankreich, Belgien, Holland und Amerika 1 Thlr. 7% Sgr. pro Quartal, und ist der Betrag im Voraus zu bezahlen. Alle Geldsendungen für das Blatt find an A. Bebel, Leipzig, zu richten. Aus England Gewerks Beilage: Inhalt: Politische Uebersicht. Aus Frankreich. Aus Amerika. Der internationale Arbeiter- Congreß. genossenschaftliches. Correspondenzen. Anzeigen. Bericht des Generalraths der Intern. Arb.- Ass. an den 4. allgem. Arb.Kongreß in Basel. Der internationale Arbeiter- Congreß.( Schluß.) Politische Uebersicht. Der österreichische Minister des Innern, Herr des Innern, Herr Giskra, hat an die Landtage ein Rundschreiben erlassen, in dem er sie auffordert, sich über die Frage der Wahlreform auszusprechen. Es heißt in dem Circular: ,, Bei der Erörterung der einschlägigen Fragen ist es darum zu thun, daß sie nicht durch Schlagwörter oder allgemeine Sätze erledigt werden, sondern daß sie im Einzelnen erwogen und die Details in ihrer Tragweite bei den betref= fenden Beschlüssen im Auge behalten werden. Sie lassen sich im Nachstehenden formuliren: 1) Ist die Einführung directer ( unmittelbarer) Wahlen der Reichsraths- Abgeordneten im Interesse der Verfassung gelegen? 2) Jm bejahenden Falle, soll an die Stelle der Entsendung der verfassungsmäßigen Bahl von Landtagsmitgliedern in das Abgeordnetenhaus des Reichsrathes die directe Wahl von Abgeordneten durch die Bevölkerung treten? 3) Sollen diese directen Wahlen durch die Bevölkerung überhaupt oder nach den einzelnen Gebieten, Städten und Körperschaften, wie dieselben im Anhange zur Landesordnung festgestellt sind, playgreifen? 4) Wird die Vermehrung der Mitglieder des Abgeordnetenhauses des Reichsrathes über die dermal verfassungsmäßige Zahl von 203 als nothwendig oder doch als zweckmäßig und wünschenswerth erkannt? 5) Jm bejahenden Falle, soll die Zahl der Reichsraths- Abgeordneten verdoppelt, um die Hälfte oder in welchem Maße sonst vermehrt werden? 6) In welcher Weise soll, wenn sich nicht für directe Wahlen ausgesprochen wird, der Zuwachs an Abgeordneten in den Reichsrath aufgebracht werden? Aus der Mitte des Landtages überhaupt oder mit Feststellung der GruppenSi uftheilung gefchehen, namentlich außer dem Falle der Verdoppelung, in jenen Gruppen, aus deren Landtagsmitgliedern nur Ein Abgeordneter oder sonst eine ungerade Zahl in den Reichsrath zu wählen ist? 7. Welche Functionsdauer ist für die Mitglieder des Hauses der Abgeordneten des Reichsrathes festzusetzen?" Aus dieser Fragestellung erhellt, daß der Herr Bürgerminister wohl an direkte Wahlen denkt, aber nicht an allgemeine. Und daß das direkte Wahlrecht, wenn es nicht ein allgemeines( und gleiches) ist, absolut keinen Werth hat, das wissen wir in Sachsen aus Erfahrung. Im galizischen Landtag erklärte sich Smolka, Führer der partikularistisch- polnischen Partei, wieder für Nichtbeschickung des Reichsraths. Er befürwortete die Viertheilung Desterreichs, oder, wie er das euphemistisch( beschönigend) ausdrückte: eine föderative Organisation in 4 Gruppen 1) die Stephanskrone( Ungarn mit Anhängseln); 2) die Wenzelskrone( Böhmen und Mähren); 3) die Deutschen Erblande und 4) Galizien mit der Bukowina. Hr. Smolka, der neulich in Berlin war, scheint nicht einsehen zu können, daß die Wiederherstellung Polens, die er anzuftreben behauptet, nur mit Hülfe Deutschlands möglich ist, und daß die Schwächung Deutsch- Desterreichs der schlechteste Weg ist, um diese Hülfe zu erlangen. Die ganze österreichische Armee, die transleithanische sowohl wie die zisleithanische, wird jetzt auf das Staatsoberhaupt und die sanktionirten Gesetze des Landes vereidigt. Es ist das ein Triumpf der ,, liberalen Prinzipien", der aller- q dings mehr theoretische als praktische Bedeutung hat; denn erſtens ist ein politischer Eid der Regel nach nur da, um ge= brochen zu werden, und zweitens liegt es im Wesen des Militarismus, daß der Soldat gewöhnt wird, einer Person blind F zu gehorchen und abstrakte Rechtsbegriffe zu verachten. Wenne es daher zu einem Conflikt zwischen Herrscher und Verfassung) den fanttionirten Gesezen des Landes") kommt, d. h. wenn.; der Herrscher die Verfassung bricht, wird das stehende Heer beige: doppelter Vereidigung sich unfehlbar auf Seite des Herrschersgegen die Verfassung stellen. Man lese nur die Geschichte dei Jahre 1849-1851. Blos Eine Ausnahme ist uns bekannt das Vorgehen der badischen Truppen im Frühjahr 1849. Wie furchtbar der siegreiche Absolutismus fie diese Verfassungstrene hat entgelten lassen, das zeigt die jüngst von uns veröffentlichte Standrechts- Statistik. Der sozialdemokratische Arbeiterverein in Wiener Neustadt ist ,, als staatsgefährlich" polizeilich aufgelöst worden. Die Sache schwebt nun vor dem Ministerinm, dessen Entscheid wir mit Spannung erwarten. Trotz der großen Anstrengungen der Czechischen Partei, bei den jetzigen Ersatzwahlen an Stelle der ausgetretenen Landtagsmitglieder neue Parteigenossen durchzubringen, die ebenfalls wieder austreten würden, scheint das Spiel diesmal nicht gelingen zu wollen, weil die czechischen Bauern und Arbeiter mehr und mehr dahinter kommen, daß diese Partei blos aus Kleinlichstem Partikularismus handelt, und weder die freiheit lichen noch die materiellen Interessen des Volks im Auge hat In Baden- Baden speiste Beust dieser Tage mit der Kö= nigin Auguste von Preußen sie sprachen über eine preußisch österreichische Allianz, haben die dienstthuenden Kellner den Neuigkeitsfabrikanten mitgetheilt. Auch Dalwigk, der kleine hessische Rebell, hatte dort mit Beust eine Unterredung und bei der Gelegenheit war wohl schwerlich von einer preußisch österreichischen Allianz die Rede. Aus Baden- Baden verschwand der vielreisende Staatsfanzler plöglich, um in Straßburg wieder aufzutauchen, wo er mit Metternich, dem österreichischen Gesandten am französischen Hof, zusammentraf; dann verschwand er abermals, und statt, wie alle Welt vermuthete, in St. Cloud aufzutauchen, ist er soeben in Lausanne wieder ans Tageslicht gekommen, und soll sich an der letzten Sigung des Friedens- und Freiheitskongresses vergnügt haben. Zwischen seinem Untertauchen in Straßburg und seinem Auftauchen in Lausanne liegt genau die zu einem Abstecher nach St. Cloud nöthige Zeit wird von boshaften Leuten ausgerechnet. Jim Staate der Intelligenz ist eine neue Religion erfunden worden, was hübsch paßt zu den pilzartig aus der Erde hervorschießenden Kirchen und Klöstern. Der Erfinder heißt Manteuffel, und die Religion: ,, unbedingter Gehorsam gegen des Königs Befehle und freudiger Wille, für den Sieg unserer ( der Preußischen) Fahnen das Herzblut einzusetzen." Verkün digt ward die neue Religion von dem Siebenfüßigen bei Gelegenheit eines militärischen Loyalitätsschmaußes in Königsberg. Nach dieser Verhimmlung des Militarismus wird hoffentlich ein intelligenzstaatliches Polizeigenie nun auch die Stieberei zur Religion machen; sie ist der Ehre nicht minder würdig, und was dem Einen recht, ist dem Andern billig. 11 Der Augsburger Allgemeinen Zeitung" schreibt man von Berlin: Die Unzufriedenheit in den neuen Provinzen scheint wie eine ansteckende Krankheit auch die alten anzustecken. Wenigstens nimmt die Ausreißerei unter den Militärpflichtigen selbst im Herzen der Monarchie in fast bedenklicher Weise überhand. In einzelnen Kreisgerichtssprengeln erreicht sie eine Höhe von nahezu 1000 Köpfen, und den beiden Steckbriefslisten, welche das hiesige Stadtgericht kürzlich veröffentlicht hat, folgt heute schon eine dritte Liste von 115 jungen Leuten, die sich der Militärpflicht durch die Flucht entzogen haben." Hilft nichts- Amerika muß anneftirt werden. Wir erwähnten bei einer früheren Gelegenheit des wahrhaft grauenei regenden Ueberhandnehmens der Selbstmorde unter den Sächsischen Soldaten. Ein nationalliberales Blatt, die ,, Magdeburger Zeitung", will hieraus politisches Kapital für den Annerionismus machen. Sie behauptet nämlich, brutale Behandlung Seitens der Offiziere, besonders der ehemaligen Hannover'schen, trage die Schuld. Wären die Sächfischen Truppen von Preußischen Offizieren befehligt auf diesen Schluß wird der Leser mit der Nase gestoßen, fo wäre es anders. Das Magdeburger Blatt hätte wohl ge= than, sich des nützlichen Sprichworts zu erinnern: Spiele nie mit Schießgewehr. Es hat da einen Schuß abgefeuert, der zwar trifft, aber nicht, wen er treffen sollte. Gewiß, die Gewiß, die 480 schlechte Behandlung der Sächsischen Soldaten ist Schuld an den vielen Selbstmorden: allein ebenso gewiß ist, daß diese Selbstmordepidemie erst mit der Einführung des Preußi schen Militärreglements begonnen hat. Wen trifft also der Schuß? Wir dächten aber, die Ehre der Sächsischen Offi ziere erheischte, daß sie hervorträten und die Quelle des Uebels rückhaltslos aufdeckten. Auf der Mainlinie wird jetzt eine höchst ergötzliche Szene der Tragikomödie: Deutsche Einheit von 1866 auf geführt: die Preußische Polizei weist die jungen Frankfurter, welche das Schweizer Bürgerrecht erworben haben, aus Frank funt aus, und die Hessische Polizei weist sie nach Frankfurt ein. Fragt sich, welche von beiden Polizeien zuerst müde wird. Das Empire ist eine Krankenstube; Frankreich dagegen der Tummelplatz jugendkräftigen, gewaltig aufstrebenden Lebens. Wahrhaft herzerquickend ist die fühne Sprache der republikanischen Presse; und merkwürdig, selbst unter den Gewürzkrämern soll es keinen mehr geben, der noch vor dem Rothen Gespenst zitterte, trotz des Baseler Congresses. Freilich, es sind leichtsinnige Bürschchen, diese Franzosen, sie sind unfähig, die Tragweite der internationalen Beschlüsse über das Grundeigenthum zu berechnen. Das können nur wir, das Volk der Denker, und zum Beweis dafür lassen wir uns hübsch in's Bockshorn treiben, und zetern über Communismus nach den Noten des Berliner Preßbureau's. Fürst Karl von Rumänien hat sich auf Reisen begeben, um, ähnlich wie weiland der Vizekönig von Egypten, Bundes genossen gegen die Pforte zu werben, von der er sich gern los reißen möchte. Jetzt ist er in Berlin, wo man ihm die Rolle anweisen wird, die er im Fall eines Kriegs zwischen Preußen und Desterreich zu spielen hat. Daß er dort im Punkt der Finanzen nichts zu lernen braucht, erhellt aus folgenden Ziffern: Das Defizit des Verwal tungsjahrs 1868 beläuft sich für Rumänien annäherungsweise auf 27,600,000 Franken, jenes für das laufende Verwaltungsjahr 1869 wahrscheinlich auf 15,041,071 Fr. Man befindet sich also Angesichts einer schwebenden Staatsschuld von etwa 42,600,000 Fr., die der Finanzminister theils mit einer Nationalanleihe von 15 Millionen, theils mit dem Ergebnisse des weiter fortzusetzenden Verkaufs der Staatsdomänen im Gesammtwerthe von 27,777,777 Fr. decken will. Der Kirgisenaufstand dauert fort, und die Russen geben schon zu, daß er vor Winter schwerlich wird unterdrückt werden können. Im Winter, so hoffen sie, würden die Rebellen aus Hunger zu Kreuz friechen müssen. Wir wollen's ab= warten. Auch die Brasilianer melden jetzt das unmittelbar be= vorstehende Ende des Kriegs mit Paraguay. Natürlich haben fie einen ,, glänzenden Sieg" erfochten auf dem Papier-, welcher sie der Nothwendigkeit weiterer Feindseligkeiten überhebt. Der Rückzug fann jetzt ,, in Ehren" bewerkstelligt werden. Aus Frankreich. Paris, 18. Septbr. H. Der Kaiser und die kaiserliche Staatsverfassung theilen dasselbe Schicksal: beide verfaulen bei lebendigem Leibe. Während Paris und die Provinz, Stadt und Land, Civil und Militär, Bourgeois und Arbeiter ich spreche natürlich von Denen, die sich überhaupt für öffentliche Dinge intereffiren und Partei nehmen einig sind, die demokratische Freiheit wieder aufzubauen auf den Trümmern einer seit Jahren schon absterbenden kaiserlichen Diktatur, geht diese ihrer allseitigen Auflösung entgegen. Man sieht auf Tag und Stunde das Ende voraus und bereitet sich vor, die Erbschaft anzutreten. Und das Alles geschieht öffentlich; es berrscht faktisch, in Folge der Ohnmacht des einst so mächtigen Empire's, eine fast unbeschränkte Preßfreiheit. Man hatte alles versucht, die Presse durch Anwendung der drakonischen Preßgefeße einzuschüchtern, und als man merkte, daß die steigende Fluth der öffentlichen Meinung aller Dämme spottete, gab man die Sisyphusarbeit auf. Seit der Amnestie haben keine Presverfolgungen mehr stattgefunden, und die Presse ist von diesem Augenblicke an sofort von der Defensive zur Offensive übergegangen. In den Regierungsregionen bilden sich Parteien; eine Regentschaftspartei für die Kaiserin, die die leyte Stunde des todtkranken Herodes abwartet, um, wie man sich hier ausdrückt, zu Pferde zu steigen" und das Staatsstreichsregiment zu Gunsten ihres Jungen von Neuem herzustellen. Mit ihr geht ein Theil des provisorischen Ministeriums alles ist heute provisorisch und Forcade de la Roquete an der Spitze. Dieser Bartei steht einerseits jene des rothen Prinzen, andererseits der relativ- liberale Finanzminister Magne mit einigen seiner Collegen gegenüber. Die Ersteren wollen die wilde, während der Prüfung ihrer Vollmachten nach Hause geschickte Kammer zu Hause lassen; die Anderen wollen sie wieder einberufen. Der Kaiser selbst ist zu sehr von seiner eigenen Krankheit in Anspruch genommen, um sich mit dem ebenso franken Staatsförper zu be= schäftigen; er sehnt sich nach Ruhe und möchte mit aller Welt in Frieden leben, wo möglich bis zum 16. März 1870, wo der Junge vierzehn Jahr alt wird und großjährig erklärt werden soll. Aber einer seiner ehemaligen Aerzte, der seine Krankheit genau fennt und sie mit vieler Sachkenntniß, wie es scheint, - denn er ist von keiner Seite widerlegt worden, in fünf langen Spalten des Reveil" ausführlich beschrieben hat, gibt ihm keine drei Monate mehr. Diese gelehrte ärztliche Consultation machte ungemeines Aufsehen; sie wurde von vielen Journalen abgedrukt. Der ,, Reveil" selbst legte sie vor einigen Tagen zum zweiten Mal auf, und wird noch einen Separatabdruck desselben machen. Sie schließt mit den Worten: Frankreich muß sich also darauf gefaßt machen, nächstens ein De Profundis Grablied absingen zu hören, dem ein Te Deum folgen wird, es sei denn, daß..." 11 Daher die Parteien und Intriguen am Hofe; daher auch die Vorbereitungen der radicalen Demokratie. 481 Unter diesen Vorbereitungen verstehe ich nicht blos solche, die geeignet sind, der zu Pferde steigenden spanischen Reiterin das Handwerf zu legen, mit der Rouse( Rothhaarigen) wird man ebenso leicht fertig werden, wie mit dem rothen Prinzen, da beide keinen Anhang in dem überhaupt schon längst unzuverlässigen Heere haben, welches die radicalen Journale liefst und die Marseillaise fingt, sondern vor Allem solche, welche durch ökonomische Studien, halb im sozialistischen, halb im Sinne der radicalen Bourgeoisie, der Arbeits- und Geschäftsstockung nach der politischen Katastrophe vorbeugen und eine soziale Serisis vermeiden sollen. Ich werde hierüber in meinem nächsten Briefe Näheres mittheilen. Für heute nur so viel, daß die ganze Presse bis zur Stunde sich noch immer mit dem Baseler Congresse beschäftigt, ohne jedoch in die alte, kindische Furcht vor dem ,, rothen Gespenst" zu verfallen. Das geht so weit, daß heute ein wöchentlich erscheinendes Finanzblatt, das„ Journal des Aktionaires" einen ausführlichen Bericht über den Baseler Congreß bon einem seiner Sekretäre bringt, der aus seinen sozialistischen oder collektivistischen Tendenzen kein Hehl macht. Liberale und radicale Bourgeoisblätter, nachdem sie während der Dauer des Congresses täglich ihre Spalten den Berichten aus Basel gewidmet haben, bringen jetzt eine Reihe von Leitartikeln über denselben Arbeitercongreß, und sie sind im Ganzen weniger feindselig als voll weiser Rathschläge, sowohl für die Bourgeoisie wie für die Arbeiter. Verflossenen Mittwoch Abend gaben die hiesigen Arbeiter im Locale einer prosperirenden Kooperativgesellschaft ihren von Basel heimgekehrten Delegirten ein frugales, brüderliches Baukett, an welchem die meisten Londoner Delegirten, die sich hier auf der Durchreise befanden, so wie Jung und einige andere deutsche Freunde Theil nahmen. Es wurde Bericht über die Congreßverhandlungen abgestattet und noch ein wenig diskutirt. Chemalé ergözte die Genossen mit seinem ebenso jovialen, wie unerschöpflichen Redefluß. Man trennte sich in der fröhlichsten Stimmung. Aus England. Die London, den 20. Septbr. Mehrere französische Tagesblätter brüsten sich damit, daß die französischen Delegirten auf dem internatio= nalen Arbeiterkongreß die Rechte der individuellen Freiheit befürwortet und nicht für die Aufhebung des Privateigenthums in Grund und Boden gestimmt haben. " Times" hofft annehmen zu können, daß die sechs Delegirten, die gegen die Aufhebung stimmten, die 6 englischen Delegirten richten der„ Times" angeführt sind, sprachen jedoch alle für waren. Die 4 Londoner Delegirten, deren Reden in den Bedie Aufhebung. Sie sagt:„ Es ist kaum eine Sache der Beglückwünschung für unsern Nationalstolz, daß es in unserer Macht steht zu sagen: Alles was in jener Versammlung Vernünftiges gesprochen ward, ist von englischen Stimmen geäußert worden. Wir wundern uns nur, daß englische Arbeiter überhaupt etwas Gutes erwarten von diesen jährlichen internationalen Zusammenfünften entweder für sich oder ihre kontinentalen Genoffen." Was Applegarth nach ihrer Meinung übersieht, ist, daß es auf diesen Kongressen ein eben so großes Babel von Jdeen als von Sprachen gibt. Was man in England durch einfache Kombination( Coalition) erwirken könne, müsse auf dem Kontinent Werk der Verschwörung sein. Sie schimpft nicht wie einige deutsche und französische Blätter, sie fragt nur in einem verzweifelnden Tone, welche Gemeinschaft der Interessen und Ideen können Applegarth und seine Kollegen mit Leuten haben, denen die Schweizer Repubkik nicht demokratisch genug ist, und die sie sich durch eine Revolution der Staatsgewalt bemächtigen wollen, um das individuelle Eigenthumsrecht durch das soziale Eigenthum zu verdrängen. Daß der Birminghamer Arbeiterkongreß erst vor drei Wochen beschlossen hat, es sei zeitgemäß das Land in Nationaleigenthum zu verwandeln, scheint die Times schon wieder vergessen zu haben. Stuart Mill und Jakob Bright( Bruder von John Bright) haben eine Liga gegen das große Grundeigenthum gegründet, sind aber außerordentlich bescheiden in ihren Ansprüchen. Nach heutigem Brauch ist der älteste Sohn Erbe des Grundeigenthums; sie fordern, daß das Recht der Erftgeburt abgeschafft werden soll und daß, wo nicht durch testamentarische Verfügungen andere Bestimmungen getroffen worden, die Grundstücke nach dem Tode des Eigenthümers gleichmäßig unter alle seine Kinder vertheilt werden sollen. Ferner sollen einige Hindernisse, die heute den Verkauf von Grundeigenthum erschweren, beseitigt werden, und, wo wüstliegende GemeindeLändereien, deren Einzäunung die Einwilligung des Parlaments erfordern, in Kultur genommen werden sollen, soll den be= treffenden Gemeinden„ ein Interesse" in dein Grund und Boden gesichert werden. Auf welche Weise dies bewerkstelligt werden soll, haben die großen Staatsfünstler noch nicht verkündet. Um radikal zu sein, sollten sie wenigstens als Forderung aufstellen, fast alle Ansprüche des Adels, die noch übrigen Gemeinde- Läudereien in Privateigenthum zu verwandeln, und die testamentarische Verfügung über tausende von Ackern ein für alle Mal aufzuheben. sind. Stuart Mill's Welterlösungsplänchen ist b kanntlich, so oft Gemeinde- Ländereien eingezäunt ( in Privateigenthum verwandelt) werden, soll ein gewisser Theil refervirt und in kleine Barzellen getheilt werden, um eine Klasse von Zwittergeschöpfen zu schaffen, die weder Bauern 1 noch Lohnarbeiter, sondern beides zugleich sind. Statt die f Geburt ihres Bundes unter dem hochtrabenden Titel: F „ Frei- Land Liza" anzuzeigen, wäre es jedenfalls logischer und wahrheitstreuer gewesen, den Wechselbalg unter dem Namen Politisch- Dekonomische Kesselflicker- Bande in die Welt zu schicken. Eine andere Liga die Erziehungs- Liga- die kürzlich ebenfalls von radikalen Bürgern gestiftet worden, ist dagegen 404 nicht allein zeitgemäß sondern verdient auch von den Arbeitern unterstützt zu werden. An der Spitze dieser Liga steht Dixon, eines der Parlamentsmitglieder für Birmingham. Ihre Forderungen sind: 1. Die Lokalbehörden sollen gesetzlich gezwungen werden für hinreichenden Schulraum für die Kinder der respek tiven Lofalitäten zu sorgen. 2. Die Kosten sollen durch Lokalsteuern und Zuschüsse aus der Staatskasse gedeckt werden. 3. Alle Schulen, die durch Lokalsteuern erhalten werden, sollen von den Lokalbehörden verwaltet werden, aber unter der Aufsicht von Regierungsinspektoren stehen. 4. Der Schulunterricht soll von jeder religiösen Glaubenslehre getrennt sein. 5. In allen Schulen, die durch Steuern erhalten werden, muß der Unterricht unentgeltlich sein. 6. Schulzwang für Alle, die nicht nach weisen können, daß sie anderweitig eine gute Erziehung ge= nießen. Ein Jahre langer Kampf ist geführt worden, um auf diesem Standpunkte anzukommen. Früher weigerten sich Alle, die nicht zur Staatskirche gehörten, den Staat mit der Erziehung zu beauftragen, weil man die Versuche der verschiedenen Regierungen so auslegte, als seien es einfache Vere suche der Proselytenmacherei. Der Streit ward nur zwischen der staatskirchlichen Aristokratie und der außerhalb der Staatskirche stehenden Bourgeoisie geführt; die Arbeiter, die sich größten Theils weder für die eine noch die andere Glaubensformel intereffirten, hatten nichts zu sagen. Heute haben sie etwas zu sagen und behaupten, daß es die Pflicht des Staats ist, dafür zu sorgen, daß jedes Kind Schulunterricht erhält, und daß die Religion eine reine Privatsache ist. Eine dritte Liga ist die Arbeiter- Liga, deren Hauptzweck ist, Arbeiter ins Parlament zu wählen. Noch schmeicheln fich Viele mit der Hoffnung, daß ihnen die radicale Bourgeoisie behülflich sein wird, Arbeiter- Berteter ins Parlament zu schicken, die Erfahrung wird sie bald eines bessern Belehren. Arbeiter werden ins Parlament kommen, wenn sie Forderungen stellen, die Bright und seine bürgerlichen Anhänger nicht gutheißen können, und dieses wird nicht lange auf sich warten lassen. Die Aussperrung( Lockout) der Kohlen gräber in South Yorkshire, die über sechs Monate gedauert hat, ist vorüber; die Kompagnie hat nachgeben müssen. Die Zimmer Leute von Blackburn stehen schon seit sechs Wochen aus, sie wollen ihre Arbeitszeit von 54 Stunden die Woche auf 49 Stunden herabgesetzt haben. Die Londoner Zimmerleute und andere Geschäfte haben versprochen sie zu unterstützen. Die Eisenbahnarbeiter von England, Wales und Schottland sind eingeladen Delegirte zu einem Kongreß zu schicken, der sich am 4. Oktober versammeln soll, um die Trümmer der vor einiger Zeit zusammengebrochenen Association zu reorganisiren. Eine der Fragen ist: Anschluß an die Internationale Arbeiter- Association. Aus Amerika. ( Einem Privatbriefe an einen unsrer Parteigenossen entnommen.) New- York, den 7. September. Die Flugblätter habe ich erhalten, und wenn ich Ihnen nun meine Meinung über die Revolution, die sich wirklich überraschend schnell vollzogen hat, sagen soll, so sei es durch die Versicherung, daß ich sowie alle meine Bekannten, die mit den deutschen Parteiverhältnissen bekannt sind, wahrhaft erfreut, ja begeistert sind bei dem Gedanken, daß endlich die deutschen Brüder sich von dem Despotenjoche, den drückenden Fesseln der Orthodorie und Autorität befreit, emporgerungen haben aus der schmählichsten Knechtschaft zur Freiheit der Selbstbestimmung. Geschwunden ist der unglückselige, grundübelhafte Vertrauenswahn. Durch einen Wust von Deuteleien und Verdrehungen dranget Ihr zur Wahrheit vor, tratet der Schlange den Kopf entzwei und zeigtet, daß auch die größte Schlauheit und Heuchelei entlarvt wird, daß das Volk mannbar ist und sich selbst bestimmen kann. Mag die Schlange sich noch winden und durch die krampfhaften Zuckungen ihres Leibes den Unwissenden weiß machen wollen, sie sei noch die alte, unnahbareder Verständige wird wissen, daß mit Vernichtung der Giftzähne( der Unfehlbarkeit) ihr der Todesstoß versetzt worden ist. Nicht lange wird es daher dauern, daß der Hader schwindet, die Zwietracht aufhört, die Spaltung sich zur vollkommenen, starten, thatfräftigen Einheit verwandelt, denn die verkörperte Lüge und Scheinheiligkeit ist ja getödtet, für immer in ihr schwarzes Nichts zurückgeschleudert. In der Geschichte der Arbeiterbewegung wird der Eisenacher Congreß mit goldenen Lettern verzeichnet stehen. Denn durch ihn ist die deutsche Arbeiterpartei endlich geworden, was sie zwar immer zu sein vorgab, nämlich demokratisch. Nur wenn man schon innerhalb der Partei die Grundsätze, mit welchen man den Staat revolutioniren will, unverfälscht zur Geltung bringt, ist es denkbar, daß die Führer ehrlich und die große Masse der Arbeiter fähig sind, am Tage der Entschei dung sich des Staatsruders zu bemächtigen und endlich den Rechten der Arbeit die Herrschaft zu behaupten. Der Eisenacher Congreß ist endlich aber noch von der weittragendsten Bedeutung gewesen dadurch, daß er die deutsche Arbei terpartei auf's Engste an die Grundsätze und das Wesen der Internationalen Arbeiter- Association angelehnt hat. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den Leidensgenossen aller übrigen Kulturländer wird den deutschen Arbeitern einen idealen Jmpuls und ein erhöhtes Selbstbewußtsein verleihen. Im Augenblick, wo auf dem Congreß zu Basel der Vertreter der deutschen Arbeiter dem Sendboten der National- Labour- Union die Hand reichen wird zur Verbrüderung der deutschen und amerikanischen Arbeiter, wird die Sonne der Zukunft in voller Glorie leuchten. Denn mit ehernem Gewicht drücken die Gesetze alle Arbeiter auf dasselbe Niveau herab. Aber mit der selben Energie wird man sich organisiren und der internationalen Macht des Kapitals die internationale Macht der Proletariervereinigung entgegensetzen. Diese Verbindung wird bedeutungsvoller für die Cultur der Menschheit sein, als das Werk der Legung des elektrischen Kabels durch den Ozean. Der jüngst zu Philadelphia stattgefundene Congreß der National- Labour- Union hat, wie Sie wahrscheinlich schon in der ,, Arbeiter- Union" gelesen haben werden, höchst bedeutsame Beschlüsse gefaßt, welche bei unsern Parteiverhältnissen viel Aufsehen erregen, trotzdem die Arbeiterpartei keine besondere Vertretung im Congreß hat. Es ist höchst wahrscheinlich, daß diese Beschlüsse in der nächsten Congreßßißung eine Gährung und Zersetzung der Parteien hervorrufen werden. Am schlechtesten werden dabei die Republikaner wegkommen; denn ihre Partei ist vernichtet, sobald das neue Geldsystem des Senators Kellogg, welcher das Hartgeld verurtheilt als den Krebsschaden unserer socialen Mißstände und an Stelle desselben ein nationales Papiergeld gesetzt wissen will, Aussicht auf Verwirklichung hat. Nun fragt es sich zwar immer noch, ob die republikanische Partei mit Grant den letzten Präsidenten durchgebracht hat. Allein die Politik seines Finanzsecretärs, welche das Land mit Steuern überlastet und auf alle mögliche Weise das Geld des Landes nach Washington zu ziehen sucht, um es von dort mit vollen Händen und vollständig systemlos an die Bondsinhaber auszutheilen, nur um der Caprice willen, die Vereinigten- Staaten- Schuld Hals über Kopf zu decken, mag darüber das Land seufzen, mögen alle Geschäfte brach liegen und die empfindlichste Arbeitslosigkeit herrschen diese Politik, die Bummelei des ,, Roßkammpräsidenten" selbst, dem das Herumvagabundiren im Lande besser gefällt als die Cabinetssitungen, und der sich über den Tod einer Bestie seines Marstalls mehr Sorgen macht als über die wichtigsten Staatsgeschäfte, feine entschiedene Mißbilligung der Arbeiterbewegung( wie von einem Busenfreunde des großen" Stewart nicht anders zu erwarten) und die Erfolglosigkeit in der auswärtigen Politik bringen die republikanische mäßigkeitlerische Beamtenherrschaft so ziemlich dahin, wo sie hingehört, nämlich zum Teufel. Und die vielleicht noch um einige Grade elendere Partei der Herren Demokraten beutet dies natürlich auf ächt satanische Weise aus und benutzt die Zwischenzeit eifrig um einen Gouverneur nach dem του anderen durchzubringen, wobei sie selbstverständlich mit den Arbeitern kokettirt und sie heuchlerischerweise glauben zu machen sucht, sie hätte die hauptsächlichsten Planken der Arbeitsplatform angenommen. Dadurch, daß die Arbeiter an vielen Or ten glauben, die Partei werde wenigstens einige ihrer Versprechungen halten, werden wahrscheinlich manche Legislaturen bald ein anderes Aussehen bekommen. Sind die Herren Kuli- Impor= teure aber nur einigermaßen wieder an der Herrschaft, so werden die Arbeiter sehen, daß ein Racker so schlecht ist als der andere. Und so kann es kommen, daß bis zur nächsten Präsidentenwahl die Parteien so zersetzt sein werden, daß wenn nicht ein Arbeiter, so doch auch weder ein Republikaner, noch ein Demokrat in das Weiße Haus zu Washington das nächste Mal einziehen wird. Wie der Nachfolger Grant's beschaffen sein wird, ich glaube, das kann selbst der gewiegteste Politiker in den Vereinigten Staaten jetzt noch nicht vorhersagen. Möglich, daß es ein Mann von dem Schlage des Herrn Spreague auf Rhode Island sein wird, welcher sich im Senate der arbeitenden Klasse bis jetzt noch am meisten angenommen hat. = Die 100jährige Geburtsfeier unseres großen Landsmanns Humboldt wird in Amerika allerorten großartig ausfallen. Ein möglichst pomphafter Festzug von mehreren Stunden ist dabei natürlich die Hauptsache. Hier in New York hat eine Klique ,, angesehener" Männer den Arbeitern die Theilnahme am Tagesfestzuge verleidet. Die Herren Sänger haben aber ein menschlich Rühren gefühlt und den Beschluß gefaßt, den Arbeitern die Theilnahme am Feste durch Veranstaltung eines„, impofanten" Fackelzuges nach des Tages Last und Mühen zu ermög= lichen. Die Erwählung von Delegationen und ArrangementsComitees und die Bewilligung oder Zahlung der Fackelfoſten verdrängt daher jetzt jede andere Frage aus den Gewerkvereinen. Nun, der Mensch will ja auch einmal eine Abwechselung haben. Der internationale Arbeiter- Congreß. Basel, 11. Septbr. Die gestrige Administrativsizung ward, weil die vorhergehende öffentliche Sitzung bis 7 Uhr gedauert hatte, erst 9 Uhr Abends eröffnet. Nach Erledigung einiger unwichtigen Gegenstände stellte Eccarius im Namen des Generalraths den Antrag, daß jede neue Sektion, die in die J. A.-A. aufgenommen zu werden wünscht, dem Generalrath eine dahin gehende Erklärung einschicken muß.( Es bezieht sich dies blos auf Settionen in denjenigen Ländern, wo aus gesetzlichen Gründen keine lokale Organisation stattfinden kann. In Belgien und der Schweiz 3. B. hat die Bildung von Sektionen den betr. Centralräthen angezeigt zu werden.) Der Eccarius'sche Antrag wurde einstimmig angenommen. Eccarius zeigte hierauf an, daß er 3000 persönliche Mitgliederfarten zum Gebrauch für diejenigen Länder mitgebracht, deren Gesetze die Bildung von Sektionen und Gruppen nicht erlauben. Ein Antrag der Mandatprüfungsfommission, dahin gehend, daß nur solche Sektionen mit Gruppen, die dem Generalrath gegenüber ihren Beitragpflichten nachgekommen sind, das Recht haben, stimmberechtigte Delegirte zum Congreß zu schicken, gab zu lebhaften Debatten Anlaß. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Bildung von Gruppen und Settionen nicht in allen Ländern möglich ist. Hins stellte zu obigem Antrag das Zusatzamendement: In allen Ländern, wo die Gesetze der Bildung von Sectionen Hindernisse entgegensetzen, haben auch nicht affilürte forporative Arbeitergesellschaften das Recht, Delegirte zu wählen, die den Sigungen über prinzipielle Fragen, aber nicht den AdministrativSigungen beiwohnen dürfen." Der Antrag mit dem Amendement wurde einstimmig angenommen. Schluß der Sitzung 11 Uhr. Die heutige Vormittagsfizung begann um 93 Uhr. Oberwinder hat den Fieberanfall glücklich überstanden, und, obgleich sehr geschwächt, konnte er heute Morgen schon auf eine halbe Stunde ausgehen. Nach dem Namensaufruf, und nach Verlesung und Genehmigung der Protokolle wird die Gewerksgenossenschaftsfrage, die auf der Tagesordnung den letzten( 5.) Platz einnimmt, ihrer großen unmittelbaren Wichtigkeit wegen, den beiden anderen( Erziehung und Credit) vorangestellt, und sofort in die Debatte eingetreten. Pinty erstattet Bericht über die Verhandlungen der Gewerks= Genossenschafts- Commission, und bringt folgende Propositionen ein: Der Congreß erklärt, daß alle Arbeiter die Bildung von Gewerksgenossenschaften in den verschiedenen Gewerten energisch anstreben sollen. Sobald sich solche Genossenschaften bilden, sollen die Sektionen die verbundenen Gruppen und die Centralausschüsse derjenigen Vereine, welche dem nämlichen Gewerke angehören, davon unterrichtet werden, damit die Bildung nationaler Verbände der Gewerksgenossenschaften in Angriff genommen werden kann. Diese Verbände sollen beauftragt werden, alles ihren Industriezweig Betreffende zu sammeln, die gemeinschaftlich zu ergreifenden Maßregeln zu berathen und auf die Durchführung und das Gelingen derselben hinzuarbeiten, bis das heutige Lohnsystem durch die Assoziation der freien Arbeit verdrängt worden ist. Der Congreß beauftragt den Generalrath die internationale Verbündung der Gewerksgenossenschaften aller Länder zu vermitteln." Entwickelung der Gewerksgenossenschaften in den verschiedenen Ländern Liebknecht befürwortet die Resolution; wobei er sich über die verbreitet; es sei eine dreifache Organisation der Gewerkschaften nothwendig: 1) nationale Organisation jedes Gewerks, 2) Verbündung sämmtlicher nationalen Gewerks- Organisationen, 3) Internationale Verbündung sämmtlicher nationaler Gewerks- Organisationen. Für die Deutschen, die in Bezug auf die beiden ersten Punkte schon im Reinen wären, komme es hauptsächlich auf den dritten Punkt an. Der Generalrath sei das natürliche Medium der internationalen Verbündung, deren Nothwendigkeit der Redner des Näheren an vielen Beispielen ( Import schwedischer Arbeiter in Deutschland 2c.) nachweist. Shemalé spricht prinzipiell gegen die Gewerfsgenossenschaften. Habe man den sozialdemokratischen Staat, so seien sie überflüssig. ( Aber bis dahin? wurde ihm entgegengerufen, und nicht beantwortet.) lienischen Arbeiter, welche er als eine sehr ungünstige schildert. Caporusso gibt interessante Aufschlüsse über die Lage der itaDie Arbeitszeit schwanke zwischen 12 und 15 Stunden täglich, der Lohn, bei großer Theuerung der Miethen und Lebensmittel zwischen 2 und 3 Francs per Tag. Von den Behörden wie von den Arbeitgebern würden die italienischen Arbeiter aufs unwürdigste behandelt. euerdings habe die internationale Arb.- Assoz. Wurzel gefaßt und zähle in Neapel bereits über 600 Mitglieder. Hins: Die Gewerksgenossenschaften sind nöthig, um die Masse der Arbeiter in die Bewegung hereinzuziehen. Daß die Genossenschaften feinen politischen Charakter hätten, sei ihnen vorgeworfen worden; das sei in seinen Augen aber kein Vorwurf, denn es könne für die Arbeiter nur nachtheilig sein, wenn sie durch politische Fragen von der sozialen abgezogen würden.( Unter den belgischen Delegirten ist diese Anschauung ziemlich verbreitet.) Flahault( Paris) erklärt diese Frage für die wichtigste auf dem Congreß. Hier könne sofort etwas Praktisches erzielt werden, und praktisch handeln sei besser als die radikalsten theoretischen Beschlüsse zu fassen. Durand( Paris) warnt davor, den Gewerkschaften allzugroße Wichtigkeit beizulegen, sonst könnten sie die Arbeiter leicht von dem Hauptziele ablenken. Uebrigens ist er entschieden für Organisation von Gewerksgenossenschaften, deren Fonds er für Produktivassoziationen verwandt zu sehen wünscht. Tollain( Paris): Unter den Arbeitern herrsche die Neigung, die Zahl der Lehrlinge mit Hülfe der Gewerksgenossenschaften zu beschränken. Das sei aber erst dann möglich, wenn man eine genaue Arbeiterstatistik habe; jezt werde der Versuch blos zu Willkürlichfeiten und Ungerechtigkeiten führen. Trumeau( Paris) zeigt, wie nothwendig es ist, die Gewerkschaften zu zentralisiren. Das sei aber in Frankreich außerordentlich schwierig; indeß man müsse thun, was man fönne. Gegen die Centralisation der Kassen ist dieser Redner, wie alle französischen Delegirten, weil sie den langen Arm und die langen Finger der Regierung fürchten. Auch erklärt er fich ,, gegen jeden Staat, gegen die ganze Staatsidee", aus denselben Gründen. eingeEin Antrag auf Schluß der Debatte wird nicht unterstützt. Nachdem noch ein Delegirter aus Limoges Noudé führt worden, erfolgt der Schluß der Sizung um 12½ Uhr. In der Nachmittagssigung ergreift das Wort Tartaret( Paris). Er bittet, bei Behandlung dieser Frage sehr vorsichtig zu sein, sonst fönne es leicht geschehen, daß man durch die Gewerksgenossenschaften ( sociétés de resistance) hinter ,, das Jahr 1789" zurückgeworfen würde. Redner spricht außerdem für Erhaltung der Individualität" und zu diesem Zwetz für Stückarbeit anstatt der Zeitarbeit. Mit Tole lain erflärt er jede Regelung der Zahl der Lehrlinge, so lange feine: genügende Statistik vorhanden ist, für unmöglich. Brismé( Brüssel) liest einen Bericht aus Brüssel ab und er klärt dann ,,, woher der Widerstand gegen das Kapital entsteht Das Kapital unterdrückt die Arbeiter, folglich müssen die Arbeite: dem Kapital Widerstand leisten, wenn sie nicht unterdrückt werde wollen. Er verweilt namentlich bei den Arbeitseinstellungei und theilt die betreffenden Erfahrungen der Brüsseler Sektion mit Greulich( Zürich) bespricht verschiedene im Lauf der Debatte an geregte Fragen. Die beste Lösung der Frage der Frauenarbeit set der Beschluß des amerikanischen Congresses, die Frauenarbei gleich hoch zu bezahlen wie die Männerarbeit. Er räth de französischen Arbeitern, ihre Kassengelder in Belgien oder einem ander Land zu deponiren, wo sie vor den Klauen der Regierung sicher fint: Zur Frage der Arbeiterstatistik übergehend meint Redner, daß eir= Statistik der Arbeit nur durch den Staat zu bewerkstelligen ſei aber nicht durch den jetzigen Staat, der den Arbeitern feindlich se So komme man immer auf den Saz: der jetzige Staat muß beseitigt und durch den Volksstaat ersetzt werden." Applegarth( London) reicht folgende Vorschläge ein: 1) Da das gegenwärtige Zeitalter der Konkurrenz, in welchem die Arbeitgeber sich nicht nur in gewagte Spekulationen und unsolide Finanzpläne einlassen, um zur Erlangung von Kontrakten Konkurrenten zu überbieten, sondern auch in vielen Fällen die Arbeiter eines Landes gegen die eines anderen benutzt werden dieser Zeit ist die Verbreitung von Trades- Unions zum Schutz der Arbeiter zur absoluten Nothwendigkeit in jedem Lande geworden, und ist die Föderation der Gewerke aller Nationen zur unumgänglichen Bedingung der Zeit gemacht; in 2) da die Interessen der Arbeit auf der ganzen Welt die gleichen sind: so möge der Kongreß, da er die Interessen des gesammten Arbeiterstandes repräsentirt, darauf hinwirken, daß die Mitglieder der verschiedenen Industriezweige, gleichviel ob Männer oder Weiber, Trades: Unions bilden, falls unter ihnen noch keine Vereinigung zu ähnlichem Zwecke besteht. 3) Der Kongreß möge die Gewerkschaften aller Nationen auffordern, sich zu einem Gewerkschaftsbunde zu vereinigen, und dieselben veranlassen, brieflich oder durch monatlichen Austausch von Berichten sich in Verbindung zu setzen und einander jede mögliche Auskunft über Lohnfäße, Arbeitsstunden und die allgemeinen Bedingungen zu ertheilen, unter denen in jedem Lande die Arbeiter beschäftigt werden. 4) Der Kongreß möge beschließen, daß die verschiedenen Sektionen der Internationalen aufgefordert werden, bei der Bildung von neuen Vereinen behilflich zu sein und daß die Sektionen und der Generalrath veranlaßt werden, einander bei der Beschaffung von Adressen der Gesellschaften, so wie der Uebersetzung von Mittheilungen behilflich zu sein. 5) Der Kongreß möge beschließen, daß Seitens der Internationalen A. A. die Errichtung von Schiedsgerichten, welche die Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern beilegen sollen, in die Hand genommen werde. Sodann wolle der Kongreß die Nothwendigkeit betonen, daß die Kooperativbewe gung, so wie das Partnershipsystem von Seiten der Internationalen Arbeiterassoziation möglichst unterstützt werde und für die erstere die Fonds der Gewerksgenossenschaften( TradesUnions) verwandt werden sollen. 6) Der Congreß möge ausdrücklich betonen, daß für das kooporative Prinzip die Gewerksgenossenschaften( Trades- Unions) die Basis bilden müssen, daß sie allein den genossenschaftlichen Sinn heranzuziehen vermögen und aus diesem Grunde wesentlich zur Organisation der Arbeit in unserem Sinn beitragen. 7) Der Kongreß möge darauf hinwirken, daß gerade durch eine zweckmäßige Organisation der Gewerksgenossenschaften( TradesUnions) und die dadurch ermöglichte Agitation der obligato rische Schulbesuch zum Prinzip erhoben werden. Einzig und allein durch den Seitens der Gewerksgenossenschaften( TradesUnions) ausgeübten Einfluß auf die Erziehung des Volkes sei es möglich, die leitenden Ideen des Kongresses zu verwirklichen. Grosselin( Genf) bedauert, daß der Kongreß so viel Zeit mit theoretischen Disputationen verloren habe und nun die wichtigste der ihm vorliegenden Fragen übers Knie abbrechen müsse. Er kommt bann auf die letzte Genfer Arbeitseinstellung und verlangt interna-= tionale Organisation der Gewerkschaften. Mit Bezug auf die Verwendung der Gelder warnt er davor, dieselben in Produktivgenossenschaften zu stecken, da sonst für Arbeitseinstellungen nichts vorhanden sei. Leßner( London) meint, über die Organisation der Arbeiter in den verschiedenen Ländern ließen sich keine bestimmten Regeln aufstellen; man müsse es den Arbeitern überlassen, sich überall die besten Wege der Organisation zu suchen. Die Gewerksgenossenschaften seien nur ein vorübergehendes Kampfmittel, dessen Werth man nicht überschäßen dürfe. Der Kongreß könne in dieser Frage nichts Ge= scheidteres thun als die Beschlüsse der früheren Kongresse bestätigen. ( Dahin gehend, daß die Gewerksgenossenschaften sich mit den allgemeinen politischen und sozialen Fragen beschäftigen und sich die Ersetzung der Lohnarbeit durch die genossenschaftliche Arbeit als Ziel stecken müssen. Applegarth glaubt zur Begründung seines Antrags nur wenig fagen zu müssen. Der Antrag spreche für sich selbst. So lange die Arbeit ausgebeutet werde, seien die Arbeiter gezwungen sich zu vertheidigen. Aber man dürfe sich nicht auf die Vertheidigung beschränken, sondern müsse auch die Umgestaltung der Gesellschaft vorbereiten, darum habe er die Errichtung von Produktiv- Assoziationen und die Einführung des obligatorischen Schulunterrichts gefordert. Der Applegarth'sche Antrag kann, weil zu spät eingebracht, nicht zur Debatte gelangen und wird zurückgezogen. Es ist unterdessen 5 Uhr geworden. Der Kongreß hat dem Programm gemäß nur noch Eine Stunde für die Diskutirung der Prinzipien, und noch sind zwei Fragen gar nicht berührt. Ein Antrag auf Schluß stößt unter solchen Umständen auf keine Opposition. Die Abstimmung über den Commissionsantrag findet absasweise tatt( nicht namentlich wegen der vorgerückten Zeit). Alle Abfäße -451 werden einstimmig angenommen, nachdem der letzte, wie folgt, abgeändert worden: Der Congreß beauftragt den Generalrath, im Fall daß das Bedürfniß sich herausstellt, die internationale Verbindung der Gewerksgenossenschaften zu vermitteln." Der gesperrt gedruckte Say, von Tollain( Paris) beantragt, soll dem Beschluß den ,, autoritativen" Charakter nehmen, und wurde, um Einstimmigkeit zu erzielen, von der Mehrheit adoptirt. Cameron( Philadelphia) ergreift nun auf besonderen Wunsch des Congresses das Wort zu einem kurzen Bericht über die Arbeiter bewegung in den Vereinigten Staaten, und widmet dem Andenken des Präsidenten der Arbeiter- Union, Sylvis, einige warme Worte. Er spricht die Hoffnung aus, daß der Internationalen Arbeiter- Assoziation die Vereinigung aller Arbeiter gelingen, und damit der Sieg der Arbeit über das Kapital garantirt werde. Redner äußert sich über die politischen Parteien in den Vereinigten Staaten genau in demselben Sinne wie die zu Anfang des Congresses eingelaufenen Zuschrift aus Newyork das heißt er verurtheilt eben so entschieden die Republikaner als die Demokraten. Cameron wünscht, daß die Auswanderungsfrage von der Internationalen Arbeiter- Assoziation, unter Mitwirkung der Amerikanischen Arbeiter- Union, die 800,000 Mitglieder zählt, in die Hand ge nommen werde. Die Einwanderer seien den amerikanischen Arbeitern willkommen, nur sollten sie sich nicht mit den Arbeitgebern gegen die amerikanischen Arbeiter verbinden. Zum Schluß theilt Redner Namens des letzten amerikanischen Arbeiterfongresses eine Einladung zum nächsten amerikanischen Arbeiterfongreß mit, der 1870 in Cincinnati tagen wird. Jung( der Vorsitzende) dankt in angemessenen Worten für die Einladung; die Auswanderung anlangend, meint er, es wäre besser, die Arbeiter blieben in Europa und räumten die unnatürlichen Zu stände fort, statt ihnen aus dem Wege zu gehen. Mittlerweile war die siebente Stunde herangekommen. Robin stellt den Antrag, die Commissionsberichte über die beiden noch übrigen Fragen einfach zu verlesen, aber weder zu diskutiren, noch darüber abzustimmen, und die Fragen auf die Tagesordnung des nächsten Congresses zu setzen. Dies wird ohne Debatte angenommen. Robin verliest den Commissionsbericht über die Erziehungsfrage, der folgende Resolutionen empfiehlt: ,, I. Vom theoretischen Gesichtspunkt aus bestätigt der Congreß von Neuem den Gedanken der allgemeinen( Gesammt-) Bildung, d. h. er erklärt, daß jeder Mensch ein Recht auf dieselbe theoretische und praktische Ausbildung hat, die auf einem ernſten und systematischen Studium des sich frei entwickelnden Kindes beruht. II. Vom praktischen Gesichtspunkte aus fann der Congreß nur die Gruppen der Internationalen Arbeiter Assoziation auffordern, in ihrer Mitte Unterrichts und freie Diskussionsfizungen zu organisiren, um die auf die verschiedenen Zweige des menschlichen Lebens bezüglichen Fragen zu besprechen. III. Obwohl der Congreß nichts dagegen einzuwenden hat, daß jeder Arbeiter seine Kinder den mehr oder weniger schlechten Untericht der ,, Gemeinde- oder Staatsschulen benußen läßt, so mißbilligt er doch, daß im Namen der Internationalen Arbeiter- Assoziation der Versuch ge= macht werde, in diesen ,, Bourgeoisanstalten" Verbesserungen herbeizuführen, die, nothwendigerweise ungenügend, nur von der Idee der wahren Gesammtbildung ableiten könnten. Der Cyngreß glaubt nicht, daß die Internationale Arbeiter- Assoziation gegenwärtig im Stande ist, in dieser Beziehung selbst wirksame praktische Maßregeln durchzuführen." Lucraft wünscht die Annahme einer allgemein gehaltenen Reso= lution für obligatorischen Unterricht. Die Versammlung geht aber nicht darauf ein. Die Creditkommission verzichtet auf die Verlesung ihres Berichts, weil sie sich über keine bestimmte Resolution zu einigen vermochte. Jung wirft nun noch einen Rückblick auf die Geschichte der Internationalen Arbeiter- Assoziation, die, zur Zeit ihrer Gründung verachtet, bespöttelt, in den 4 Jahren ihres Bestehens eine Macht geworden ist, angefeindet, anerkannt von allen Feinden. um 7 Schluß der Sizung der letzten über Prinzipienfragen Uhr. Die Versammlung trennt sich unter dem Ruf: Es lebe die sozialdemokratische Republik! Heute Abend 8 Uhr findet noch eine Administrativsizung statt. Seitens der französischen Presse schenkt man dem Congreß eine Berichterstatter hergeschickt:„ Siècle"," Gazette de France", Opinion außerordentliche Aufmerksamkeit. Folgende Pariser Blätter haben Nationale" ,,, Demokratie", Universel", Liberté", Journal de Paris", ,, National" ,,, Réveil", außerdem der Progrès" von Lyon. ( Schluß in der Beilage.) " Internationale Gewerksgenossenschaft der Manufaktur-, Fabrik- und Handarbeiter. = Mit Bezug auf unsere Au forderung in Ne. 39 des Organs sandten wir unter Kreuzband den HH. Bevollmächtigten eine Anzayl gedruckter Abrechnungs Schema's( je 12 Stück und ersuchen dieselben dring nd, bis längstens Mitte Oktober an uns die Abrechnungen der verschiedenen Monate( feit Organisation der einzelnen Ortsmitgliedschaften) jeden Monat auf ein einzelnes Blatt einzutragen und zuzusenden. Die Einfachheit der Schema's wird die Arbeit erleichtern; Rubriken, wofür Nichts vorliegt, werden einfach durchstrichen 485 Der ftatutarisch vorgeschriebene Kaffenabschluß kann nur dann regelmäßig und rechtzenig erfolgen und veröffentlicht werden, wenn die Bevollmächtigten ihre Abschlüsse nach Borschrift ungefäumt und jederzeit pünktlich einsenden. Nachfolgende neue Meldungen sind zu notifiziren. Crimmitschau, den 20. September 1869. Für die Vorortsverwaltung: J. Motteler, 1. Vors. Zwickau( Neuwahl des Bevollmächtigten): Herm. Dotzauer. Gros- Ottersleben b. Magdeburg: Mitgliedschaft angemeldet. Biebrich a. Rh.: Phil. Engelhard( bei Hrn. Hollerich in d. Rheinstr.), Bevollm. u. Beitragsammler; Controleure: Scheurer und Zinz; Wandergeld bei Engelhard. Walddorf: Bev. C.. Piehler; Beitrags. Heinr. Meixner; Controleur With. Pampel. Mittweida: Bev. Anton Fischer( Vors. des Arb.- Ver.); Beitrags. H. Grunert; Controleur E. Fichtner. Luckenwalde: Bev. Emil Szymanowsti( Produktivgenossenschaft); Beitrags. Aug. Kerstin; Controleur Heinr. Bentner; Wandergeld bei Szymanowski. Mühlwand bei Mylau: Bev. F. W. Günel; Beitrags. Rud. Gems;. Controleur Wenzel Gems. Internationale Gewerksgenossenschaft der Metallarbeiter. Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, den§ 4 der Statuten genau zu beachten und die Beiträge durch Posteinzahlung hierher zu senden, unter der Adresse unseres Kassirers, Konrad Haas, äußere Laufergasse 1421 S. Nürnberg. Für den Verwaltungsrath: M. Leischob, Schriftführer. Eisenach, 15. Septbr. Ein gewisser Hauschild hatte am Sonnabend eine Arbeiterversammlung einberufen, um für Schweitzer Propapaganda zu machen. Der Schweitzer' sche Pfannkuchen erhielt zuerst das Wort. Seine Rede enthielt weiter Nichts als Schmähungen gegen den Eisenacher Congreß, gegen Bebel und Liebknecht, die die Arbeiter in das Lager Bismarck's(!) führen wollten. O heilige Dummheit! Nachdem er seine Rede, die oft unterbrochen wurde, zu Ende gebracht, erhielt ich das Wort. Ich widerlegte seine Behauptungen und erinnerte namentlich daran, daß Liebknecht aus Preußen verbannt sei, natürlich ,, weil er es mit der Bourgeoisie halte!" Ich legte dar, daß man die Kleinmeister, die die Schweitzerlinge als Bourgeois bezeichnen, die aber unter demselben sozialen Druck, wie die Arbeiter schmachten, nicht zurüc weisen könne, daß wir Lassalle als den kühnen Führer der Arbeiter hoch verehren, daß wir aber die Führerschaft Schweißer's energisch zurückweisen. Zum Schluß meiner Rede forderte ich die Versammlung auf, der von uns auf morgen im Schiff"( das Gasthaus zum Mohren" ist abgebrannt) anberaumten Bersammlung, in der Hr. Nippoldt auftreten werde, beizuwohnen. Hierauf erging sich Hauschild in Schmähungen gegen Geib, Liebknecht und Becker, auf der anderen Seite in Lobhudeleien auf den edlen Aftersozialisten Schweitzer so lange und eifrig, daß er dabei vergaß, auf den zweiten Punkt der Tagesordnung einzugehen, wozu es auch bereits zu spät geworden war. Zum Schluß wurde aufgefordert, sich dem Schweizer'schen Verein anzuschließen, und sollen fich acht als Mitglieder eingezeichnet haben. Sonntag Nachmittag batten wir Versammlung im„ Schiff". Diefelbe war gut besetzt, obgleich unser Kassirer vergessen hatte, in der Annonce das Lokal zu bezeichnen. Hr. Kreuznacher eröffnete als Vorfitzender die Versammlung. Hr. Nippoldt aus Gotha entwickelte die Grundsätze der Sozial- Demotratie und wies namentlich darauf hin, daß die Arbeiterbewegung nothwendig eine politische werden müsse, und nicht eine bloße„ Wlagenfrage" sein dürfe, wenn die Arbeiter nicht zu Werkzeugen der Despoten werden sollten, wie dies unter der römischen Cäsarenherrschaft, die dem Volke„ Brod und Spiele" gewährten, der Fall war. Das konnten die paar herbeigetrommelten Anhänger des Aftersozialisten nicht hören; sie verließen das Lokal. Wir aber hatten die Freude, eine Anzahl von Arbeitern und hiesigen Bürgern in unsern Verein eintreten zu sehen. Carl Leinhos. Buckau, 15. September. Am Sonnabend war ich in Gr.- Ottersleben, wo in einer Versammlung die Statuten der Internationalen Manufattur-, Fabrik- und Handarbeiter- Gewerisgenossenschaft berathen wurden. Bei dieser Gelegenheit wurde mir ein Brief des Bevollmächtigten Fr. Teltz vorgelegt, den derselbe von einem gewissen Schulze aus Halberstadt erhalten hatte, und welcher die ganze nichtswürdige Art und Weise enthüllt, wie unsere Gegner uns betampen. Ich habe diesen Brief wörtlich abgeschrieben und bitte, ihn auch wörtlich in unserm Organ zu veröffentlichen. Der Brief lautet: W. Klees. " Herr Teltz! Unbekannter Weise schreibe ich an Sie in einer wichtigen Sache. Es ist Ihnen doch wohl auch bekannt mit der Sprengung in unserm Verein. Zu den Ausgeschiedenen get ört auch unser früherer Bevollmächtigter Naters. Jm Anfange war faft Alles gegen ihn, aber Tag für Tag gibt es welche, die zu diesem schlechten Kerl übergehen Wir wollten nun vor ein paar Tagen einen neuen Bevollmächtigten and Viele sagen, sie wollten jetzt erst einmal sehen, wer Recht habe. wählen; allein da waren von den Hunderten nur ungefähr 30 Mann da, und davon erklärten sich blos 16 für einen andern, die andern 14 06 " Naters wirklich Schuld habe, oder ob mit Schweißer nicht Alles richtig sei. Dieser Naters ist nun aber wirklich ein zu schlechter Kerl, wir tönnen uns nicht anders helfen, als wenn wir ihm irgend Etwas in die Schuhe schieben, wenn es auch einmal nicht wahr ist es ge= schieht ja zum Besten des Vereins und unseres Hrn. Dr. von Schweitzer. Ich wollte Sie deshalb im Namen meiner Collegen bitten, ob Sie nicht in den Sozial- Demotrat" von diesem schlechten Hund Naters etwas setzen ließen, daß er Ihnen vielleicht Geld abgenommen hat. Das schadet Ihnen gar nicht; es kann Ihnen ja Niemand was darum thun. Schreiben Sie doch, er habe Jonen für eine Versammlung 6 oder 8 Thlr. abgenommen, das thut uns viel Vortheil. Denn die Leute glauben hier fast Alle, Naters sei ehrlich. Wenn sie dann aber so etwas lefen, das thut die Leute wieder auf unsere Seite bringen. Ich habe noch nach mehreren Orten geschrieben, und wenn die das auch so machen, und das steht dann Alles im ,, Sozial- Demokrat", dann kann der schlechte Hund machen, daß er aus Halberstadt kommt, sonst schlagen sie den todt, denn der hat sich mit Geld bestechen lassen. Also be= forgen Sie Alles pünktlich und seien Sie versichert, das sich Hr. Doktor von Schweitzer und Herr Klein sehr darüber freuen werden. Ich verbleibe A. Schulze. Hr. Klein hat uns erzählt, dieser Naters habe von den großen Fabrikanten aus Ihrer Gegend 500 Thlr. gekriegt. Wenn Sie etwas Genaueres erfahren könnten, theilen Sie es uns doch mit, damit wir den schlechten Kerl überführen tönnen." Braunschweig, 11. Hept. Unser sozial- demokratischer Arbeiterverein, der sofort nach dem Eisenacher Kongreß auf Grund der daselbst festgestellten Muster- Statuten mit einigen unwesentlichen Aenderungen gegründet wurde, erfreut sich einer lebhaften Entwickelung. Die Mitgliederzahl wächst von Woche zu Woche, die regelmäßigen Versamm= lungen sind eifrig besucht, die Vorträge interessant, die Debatten belebt und gründlich. Alle Veranstaltungen in der Deffentlichkeit durch den Verein sind wirksam, nur eine auf mehrseitigen Wunsch versuchte Verständigung mit den hiesigen Mitgliedern des jetzigen Algemeinen deutschen Arbeitervereins ist durch die kleinlichen Nergeleien und die perfide Handlungsweise einzelner der letzteren gescheitert. Der ganze Allge meine deutsche Arbeiterverein besteht indeß hier nur aus einigen unflaren Köpfen, die bis jetzt noch nicht gewagt haben, etwas Thatsächliches vor die Oeffentlichkeit zu bringen und nur im Stillen darauf ausgehen, Aergerniß zu erregen. Wir sind dadurch genöthigt, unsern Verein von dergleichen Elementen rein zu halten und haben bereits die erforderlichen Schritte gethan. G. Lüdecke. Mit sozial- demokratischem Gruß Wolfenbüttel. In der am 21. August stattgehabten Versammlung wurden zum Ortsvorstande gewählt: Hr. Spier als 1., Hr. Mumme als 2. Vorsitzender, Hr. Benda als Kassirer, Hr. Splüter und Geffers als Kontroleure. B. Müller. Die Im Auftrage Chemnitz, 19. September. Giue Arbeiterversammlung 10 zahl= reich, wie wir sie seit langer Zeit nicht gehabt, tagte gestern Abend im Apollosaal, um die Vorträge der Herren Bebel und Motteler über die soziale Frage und die Gewerksgenossenschaften entgegenzunehmen. Wir schäßten die Zahl der Anwesenden auf mindestens 3000. Schweizerlinge hatten sich auch eingefunden, nm ihr Heil zu versuchen, sie blizten aber gar jämmerlich ab. Als Herr Mezzold die Versammlung eröffnet hatte und zur Wahl eines Vorsitzenden aufforderte, suchten sie einen gewissen Büschmann durchzusetzen, allein die sehr große Majorität entschied sich für unsern Kandidaten Große. Die SchweiBerlinge hatten 30-40 Stimmen für den ihrigen. Da das mißglückt war, fingen sie mit den üblichen, rezeptmäßigen Geschäftsordnungsdebatten an und verlangten, daß Herr Bebel als ,, Unwürdiger" nicht sprechen dürfe. Das rief große Entrüstung hervor. Herr Bebel for= derte unsern Vorsißenden auf, darüber abstimmen zu lassen, ob die Versammlung ihn hören wolle. Das geschah und die ganze VersammInng erklärte sich gegen die paar Stimmen der Schweizerlinge jubelnd dafür. Nunmehr wurde festgesetzt, daß jeder der Referenten 1 Stunde, die nachfolgenden Redner je eine 4 Stunde sprechen sollten, worauf Herr Bebel das Wort erhielt. Er sprach zunächst seine große Genug thuung darüber aus, heute in Chemnitz vor einer solchen Versammlung reden zu können. Noch vor wenig Monaten habe man sich auf das bitterste bekämpft( man denke an Hohenstein), jetzt seien wir einig und Der Redner strebten mit vereinten Kräften dem gleichen Ziele zu. entwickelte dann in seinem Vortrag ein flares Bild der heutigen sv= zialen und politischen Zustände und wies nach, wie nur durch eine kräftige Organisation der ganzen Arbeiterklasse es möglich sei, die durch und durch faulen Zustände zu ändern. Die Versammlung zollte häufig während des Vortrags und am Schlusse desselben dem Redner allge= meineu Beifall. Nach einer kurzen Pause ergriff Herr Motteller aus Crimmitschau das Wort, um, anknüpfend an die Worte Bebel's, über die Gewerksgenossenschaften zu sprechen und deren Gründung zu empfehlen. Die Arbeiterklasse müsse den Streifen Boden, den man ihr noch unter den Füßen gelassen, benutzen, um sich zu organisiren und den Kampf gegen die organisirte Kapitalmacht aufnehmen. Die Ge werksgenossenschaften sollten das Schwerdt sein, das der Arbeiter mit fräftiger Hand führen müsse, um sich sein Recht zu erobern. Auch diesem Redner wurde lebhafter Beifall zu Theil. Herr Lasch aus Reichenbrand sprach dann über den Eisenacher Kongreß, ihm folgten mehrere Schmeinerlinge die Herren Stöhr Rogel und Andere, die einzelne Ausführungen des Herrn Bebel anzugreifen suchten und namentlich ihre Organisation nicht genug zu preisen vermochten. Herr Bebel antwortete scharf und treffend unter stürmischem Beifall, ebenso Herr Motteler, der eine Aeußerung des Herrn Vogel aus Limbach über Staatshilfe berichtigte. Nach 12 Uhr erhielt Herr Bebel das Schlußwort. Ein Herr Schnips hatte an ihn privatim die Frage gerichtet, wie es sich mit den 600 Thlen. Gehalt des Hiezinger Hofs verhalte, Herr Bebel antwortete darauf öffentlich, daß die Behauptungen Tölcke's ganz elende Lügen seien, ausgestreut zu dem Zweck ihn zu verdäch= tigen, er sei sozialistischer Republikaner, als solcher habe er mit keinem Fürsten, weder regierendem noch nichtregierendem, etwas zu schaffen. Einige scharfe Aeußerungen des Hrn. Bebel über Tölcke veranlaßten die Schweizerlinge zu einem lauten Gebrüll und Geschimpfe. Das erbitterte unsere Leute und so kam es zu einer heftigen Szene, in Folge deren die anwesende Polizei einschritt und den Schluß der Versammlung verlangte. Dem sah sich der Vorsitzende genöthigt nachzukommen. Die Versammlung hat ihren Zweck vollständig erfüllt: Chemniz ,,, dasächsische Manchester", ist unser. Wie die Hatzfeldt- Mende ihren Einfluß vollständig verloren, so wird es auch Schweizer gehen. Sein Anhang in der Stadt zählt ganze vierzehn Köpfe, ein paar kleine Dorfschaften in der Nähe, die ihm noch anhängen, werden wir nächstens erobern. Bei der nächsten Reichstagswahl setzen wir an Stelle Försterling's einen Sozialdemokraten durch. Lugau, 10. September. Die soziale Frage tritt jetzt persönlich an mich heran, indem ich wegen meiner Agitation für die Bergarbeiter des hiesigen Bezirks aus der Arbeit entlassen worden bin und sämmt= liche Werkverwaltungen unter sich beschlossen haben, mich auf kein Werk wieder in Arbeit zu nehmen. Der ungesetzliche Grund meiner Entlaffung war folgender: Wir hatten hier in Lugau den Anfang zu einer Gewerksgenossenschaft gemacht und zählten in ganz kurzer Zeit 400 Mitglieder. Bald darauf ging ich nach Zwickau, um ebenfalls eine Genossenschaft zu gründen, die heute schon 2400 Mitglieder zählt. Hier in Lugau hatte unterdessen die Genossenschaft feinen guten Fortgang genommen, sie liegt heute noch todt. Als ich nämlich in den Sigungen des Verwaltungsrathes beantragte, es sollten Versammlungen für die Gewerksgenossenschaft abgehalten werden, wurde mir versichert, daß die Arbeiter feinen weiteren Schritt zu thun einig wären, bis daß die vereinigte Knappschaftskasse ins Leben getreten sei. Ich allein war nicht im Stande etwas Weiteres durchzusetzen und so schlief die Sache ein. Da fam nun das Plauen'sche Unglück, ich konnte micht nicht mehr enthalten, eine Comiteefizung der Bergarbeiter einzuberufen und erhielt die Erlaubniß eine allgemeine Bergarbeiterversammlung abhalten zu dürfen. Zu dieser Versammlung erließ ich eine Annonce mit einem Aufruf an die Bergarbeiter im Stollberger Anzeiger", wo ich unter Anderm sagte: Beweist, daß auch der Bergarbeiter noch ein von Gerechtigkeit durchdrungenes Herz im Leibe trägt, beweist, daß auch der Bergarbeiter noch im Stande ist, seinen Drängern( die ihm lieber Steine statt Brod, Fußtritte statt Gerechtigkeit geben) die Stirne zu bieten." Auf diese von mir gebrauchten Worte beriefen sich die Herren Verwalungsräthe, nicht Arbeitgeber, behufs meiner Entlassung. Versammlung war zahlreich besucht und wurde eine Resolution wegen Lohnerhöhung und weiterer Ausbreitung der Gewerks- Genossenschaft gefaßt. Die Nächsten Tag ließ mich Herr Betriebsdirektor Müller zu sich rufen und erklärte mir, daß er sich genöthigt sehe, wegen meines Verhaltens mich zu entlassen, er thue dies weniger seinet als seiner Collegen wegen, vor denen er sich schämen müsse, einen Arbeiter wie mich in seinem Werke zu haben. Er meinte, ich solle die Arbeiter ihre Geschäftsgeber respektiren lehren, anstatt sie aufzuwiegeln. Ihr glaubt wohl, sagte er, den Worten von Bebel und Liebknecht, diese würden sich gar nicht um Euch fümmern, wenn sie nicht von Euch gemästet würden; auf diese Weise wird es nicht besser mit Euch. Der Gerichtsamtmann hätte sich auch dagegen ausgesprochen, daß er( Müller) solche Arbeiter( wie mich) dulde, kurz und gut, ich sei entlasseu. Meine Ablegung verursachte bei den Bergarbeitern des Schachtes, wo ich anfuhr, den Entschluß, so lange die Arbeit einzustellen, bis ich wieder einfahren dürfe. Anfänglich schien es zu gelingen und wäre auch durchgeführt worden, wären nicht manche meiner Kollegen abgefallen. Sogar mein intimer Kollege, mit dem ich 5 Jahre eingefahren bin und der sich immer als demokratisch Gesinnter gezeigt hatte, war der erste, welcher erklärte, wieder einzufahren, ihm folgten mehrere und bald alle. Meine Kollegen hatten durch ihre Wankelmüthigkeit sich und mich blamirt. Urtheilt man über das ganze Verhältniß, so kommt man zu dem Resultate, daß es bei uns gerade zugeht, wie in den Sklavenstaaten Amerikas. Wollte sich dort ein Sklave befreien, so würde er durchgeprügelt, bei uns werden die Sklaven fortgeschickt, brodlos gemacht. Doch wie den armen Sklaven der Rettungsstern in den nördlichen Staaten der Union aufging, so wird auch uns in der Internatio nalen" ein Stern aufgehen. Um dieses große Ziel zu erreichen, ließen wir es auch gern für unsere Führer etwas kosten und bin ich fest überzeugt, daß sie als unsere Retter uns nicht den tausendsten Theil dessen kosten würden, was uns das Mäften der faulen Arbeitsvögte koftet, bie uns noch dazu schinden und quälen. Direktor Müller sagte mir noch bei meiner Entlassung, daß durch die Wühlereien die Arbeiter leichtsinnig würden, woher sich die vielen Unglücke leiteten, die Arbeiter seien nicht mehr ninftlich auf ihrem Roiten früher habe es unter den Arbeitern nera 488 niß gegeben hätten, ihre Kinder durchzuprügeln, wenn sie nicht parirten, heute sei durch unsere Schuld diese schöne Zeit vorüber. Wer fragt danach, wenn z. B. Holzthüren mit Steinkohlentheer bestrichen werden, um ihrer Fäulniß vorzubeugen? Dieses Verfahren verursacht den Arbeitern Kopfschmerz, den Grubenbesitzern einen kleinen Gewinn, deßhalb ist es zulässig. Ich bezweifle, ob eine Kohlenwerksinspektion davon weiß, daß in dem Glückaufschachte, der zu dem Gottessegenschacht in Lugau gehört, eine Fahrt von gegen 90 Ellen Höhe in senkrechter Richtung vorhanden ist, während meines Wissens eine solche nicht über 12 Gülen hoch sein soll. Nach dem Fundgruben Unglücke hieß es allgemein, es sollten von Regierungswegen bessere Sicherheitsmaßregeln getroffen werden, es sollten z. B. Schachtbefahrungen resp. Untersuchungen von einem Steiger und zwei erfahrenen Grubenzimmerlingen ausgeführt werden, über eine solche Befahrung sollten Protokolle geführt werden zc. Hatte diese Nachricht Grund oder nicht, glaubhaft schien sie, aber ob die Ausführung folgt, das hat kein Arbeiter zu fragen, und thut er es einmal, so ist er ein Wühler, wird fortgejagt und womöglich für sein weiteres Nichtfortkommen gesorgt. Es mag mitunter einmal vorkommen, daß ein Arbeiter durch die Schuld eines Andern sein Leben einbüßt, dafür wird er alsdann sicher bestraft; wer kann aber nachweisen, daß auch einmal Vorgesetzte, durch deren Schuld mehrere Hunderte von Arbeitern ums Leben kamen, zur gerechten Bestrafung gezogen wurden? Die Ordnungsstrafen, die den Arbeitern wegen Tabakrauchens auf Werkplätzen und in Gruben auferlegt wurden, haben schon Tausende von Thalern in die Kassen ge liefert, die eigentlich den Arbeitern gehören sollten. Man jagt, das Tabakrauchen sei den Arbeitern schädlich, und bereichert sich durch die darauf gesetzen Strafen, wer fann dagegen nachweisen, daß eine Grubenverwaltung, die durch unregelmäßiges Abräumen der Flöße und schlechte Wetterführung Grubenbrände verursacht und dadurch der Gesundheit der Arbeiter so sehr schadet, daß dieselben 5 Jahre früher zur Arbeit untauglich werden, auch einmal einen Thaler Strafe für ihre Nachlässigkeit bezahlt hätten. Doch Grubenverwaltung ist ja einanderes Ding, als eine Heerde halbtodt gequälter Arbeiter! W. Jungnickel. Leipzig, 19. September. Die Versammlung des sozial- demokras tischen Arbeitervereins am legten Donnerstag war sehr zahlreich be sucht und was man hier bei Vereinsversammlungen nicht gewohnt ist polizeilich überwacht. Auf der Tagesordnung stand ein Bericht Liebknecht's über den Baseler Kongreß. Vor Erstattung desselben befchloß man, den Beschluß des Vajeler Kongresses: das Amt eines ständigen Vorsitzenden abzuschaffen, zu akzeptiren und für jede Vereins: fizung einen besonderen Vorsitzenden zu wählen. Liebknecht's Bericht über den Baseler Kongreß war sehr ausführlich und erfreute sich der allgemeinſten Zustimmung. Er hatte es sich namentlich zur Aufgabe gemacht, die sozial politischen Zustände der auf dem Kongreß vertretenen Länder zu schildern und fand in diesen Zuständen die Ursache, daß in manchen Fragen auf dem Kongreß die Nationalitäten so verschiedenar tiger Ansicht gewesen seien. Die Ausbreitung der Internationalen Ars beiterassoziation sei im erfreulichsten Wachsthum begriffen, trotz der polizeilichen Chikanen, die man ihr vielfach und namentlich in Frant reich in den Weg stelle. Nach Liebknecht berichtete Nüdt über die von ihm in Reichenberg in Böhmen besuchte Volksversammlung; wußte den guten Geist, den er unter den österreichischen Arbeitern ge funden, nicht genug zu rühmen. Hierauf wurde beschlossen, die Dis kussion über den Baseler Kongreß am Donnerstag den 30. September zu beginnen, dahingegen die nächste Versammlung ausfallen zu laffent eine Parteiversammlung abzuhalten, in welcher die Urwahlen für den Ausschuß vorgenommen werden sollen. Im Arbeiter- Bildungsverein Kongreß und benuzte die Gelegenheit, um namentlich die Einwen erstattete Liebknecht am Sonnabend gleichfalls Bericht über den Baseler dungen der sogenannten bürgerlichen Demokratie gegen mehrere Beschlüsse des Baseler Kongresses( Erbrecht und Grundeigenthumsfrage) er und an deren Statt Mittwoch, im Lokal des Arbeiter- Bildungsvereins, zu widerlegen. Für auswärtige Parteigenossen, welche zur Messe oder sonst wie mäßig Mittwoch und Sonnabend Ritterstraße 43, der sozial- demokratische Arbeiterverein jeden Donnerstag in der Restauration von Göße, Nikolaistraße, Versammlung hat. Berichtigung: In meinem Bericht in Nr. 41 Seite 465 muß es heißen statt: suchte er unsere Partei Partei u. s. w." Für Braunschweig: ,, suchte Lübkert unsere Bonhorst. Sonnabend, 25. September, Abends 8 Uhr: Allgemeine Arbeiterversammlung im Odeon. Montag, 27. September Abends 8 Uhr: Geschlossene Mitglieder versammlung des sozial- demokratischen Arbeitervereins im Odeon. Im Auftrage Brade. die Mitglieder der sozial- demokratischen Arbeiter- Partei in Wolfenbüttel werden dringend gebeten, Sonnabend, 25. Sept. präcis 8 Uhr Abends Tagesordnung: Wichtige im Lokale des Kaffeehauses zu erscheinen. Berathungen und Erläuterung des Programms.