Demokratisches Wochenblatt. No. 44. Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei. Leipzig, den 29. September. 1869. Das Blatt erscheint Mittwochs und Sonnabends. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Platze einschließlich Bringerlohn 12, Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nimmt entgegen Herr G. Richter, Peterssteinweg 7, Leipziger Confumverein, Üniversitätsstraße, und die Expedition d. Blattes in der Wohnung des Herrn A. Bebel, Petersstraße 18. Für Dresden Filialexpedition( interimistisch) M. Hendel, Wallstraße 10. Agent in London für England, Indien, China, Japan, Australien, Südamerika 2c. die deutsche Buchhandlung von Franz Thimm, 24 Brook Street, Grosvenor Square, London. Agent für London: A. Duensing, Foreign Bookseller, Librarian and Newsagent, 8, Little Newport Street, Leicester Square, W. C. Vom 1. Oktober an erscheint das ,, Demokratische Wochenblatt" unter dem Namen: Der Volksstaat, Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei, und sind alle Bestellungen auf der Post unter dieſem neuen Namen aufzugeben. Das Blatt erscheint wie bisher wöchentlich zwei Mal( Mittwoch und Sonnabend) und kostet in allen deutschen Staaten mit Ausnahme Preußens 12 Sgr., in Preußen mit Zuschlag der Stempelsteuer 15 Sgr. pro Quartal. Kreuzbandsendungen des Blattes kosten innerhalb des deutsch= österreichischen Postvereins 20 Sgr., für die Schweiz 1 Thlr., für England, Frankreich, Belgien, Holland und Amerika 1 Thlr. 7% Sgr. pro Quartal, und ist der Betrag im Voraus zu bezahlen. Alle Geldsendungen für das Blatt find an A. Bebel, Leipzig, zu richten. Inhalt: Politische Uebersicht. Programms. Aus Frankreich. Gewerksgenossenschaftliches. Der Punkt 10 des Eisenacher Offene Antwort an Hrn. L. Fränkel. Correspondenzen.- Anzeigen. Politische Uebersicht. Die Krankheit Bonaparte's hat aller Welt die Thatsache enthüllt, daß das Französische Kaiserreich im Abster= ben ist und daß spätestens der Tod des Kaisers das Signal zu einer Revolution geben wird. Diese Enthüllung hat eine vollständige Veränderung in der Europäischen Situation, oder richtiger in der Stellung der Europäischen Monarchien zu einander zur Folge gehabt. Wie der nahende Prairiebrand die wilden Thiere, die sich sonst auf's Tödtlichste befehden, friedlich zusammenführt, so läßt der kommende Weltbrand die Fürsten Europa's ihre Zwiftigkeiten vergessen und treibt sie zum Bündniß gegen den gemeinsamen Feind. Was gilt dem Hohenzoller die ,, deutsche Kaiserkrone", was dem Habsburger die Stellung Desterreichs in Deutschland", was dem Czaren sein göttliches Anrecht auf die Türkei", wenn Hohenzoller, Habs burger, Czar ihre Throne wanken, sich in ihrer Existenz bedroht fühlen? Wir erwähnten schon das Letztemal der Gerüchte von Annäherungsversuchen zwischen Preußen und Dester reich. Man schreibt uns darüber aus Berlin:„ Von hier aus werden frampfhafte Anstrengungen gemacht, um mit Defterreich in ein gutes Einvernehmen zu kommen. Deshalb wurde Bismarck in den Hintergrund geschoben. Man fürchtet, daß Oesterreich die Revolution, die unausbleiblich ist, wenn Napoleon abdankt oder stirbt, zur Vergeltung benutzen möge. Ob man seinen Zweck erreichen wird? Es wird wohl auf den Preis ankommen, den man bietet, da es Beust und dem Wiener Hof ebenso= wenig Ernst ist mit den liberalen Reformen, wie niß, so wird die Demokratie das Opfer sein." dem Breußischen Hof nach 1806. Gelingt das BündDaß derartige Unterhandlungen obschweben und auch bereits zum Theil ihren Zwed erreicht haben, unterliegt absolut feinem Zweifel. Nicht minder gewiß ist, daß, was unser Berliner Correspondent über die reaktionären Neigungen des Desterreichischen Hofs sagt, durchaus der Wirklichkeit entspricht. Einen Beweis dafür liefert ein Prozeß, der vor einigen Tagen in Innsbruck spielte. Hören wir, was ein Correspondent der Frankfurter Zeitung" schreibt: ,, Wien, 23. September. Professor Greuter, der Wortführer der ultramontanen Fraction im österreichischen Abgeordnetenhause, ist gestern Nachmittags vor dem Bezirksgericht in Innsbruck von der Anklage, durch seine Rede im Überziller= thal am 27. Sept. 1868 das Verbrechen der Majestätsbeleidigung und der Störung der öffentlichen Ruhe begangen zu haben, freigesprochen worden. Greuter hatte den versammelten Bauern gesagt, der Kaiser habe das antikatholische Schul- und Ehegesetz nicht unterzeichnen wollen, aber da seien seine Räthe vor ihn hingetreten und hätten ihm erklärt, wenn er nicht unterschreibe, so gebe es Mord und Revolution in seinem Reich, und so habe sich denn der Kaiser fügen müſſen. Die t. t. Staatsanwaltschaft war der Ansicht, daß in dieser Aeußerung, an deren thatsächliche Begründung sie nicht glaubte, das Verbrechen der Majestätsbeleidigung 2c. enthalten sei, da Franz Joseph I. beschuldigt wurde, daß eri sich durch Drohungen zu einem Acte, der gegen seine„, beffere" Ueberzeugung war, habe bestimmen lassen. Der Strafantrag Lautete auf sieben Monat schweren Kerker mit einem Fasttag in jeder Woche. Prof. Greuter trat jedoch den Beweis der Wahrheit an und seine Mittheilungen waren derart, daß der Gerichtshof ein freisprechendes Urtheil fällte. In officiellen Kreisen, hat der Ausgang dieses Proceſſes einen sehr unange-nehmen Eindruck gemacht, da durch die Angaben des Angeklagten die Würde der f. t. Majestät in hohem Grade compromittirt erscheint. Nach Greuter's Mittheilungen, an deren Richtigkeit der Gerichtshof nicht gezweifelt hat, war Kaiser: Franz Joseph L., der am Abend des 3. Juli 1866,, zusam menbrach", wie ein Augenzeuge in der Desterreichischen Militärzeitung" versichert, im Frühjahre 1868 wieder so weit gestärkt, daß er das Volk von Wien zusammenkartätschen lassen wollte, wenn es sich erhöbe, um der Herrschaft des Concordats ein Ende zu machen. Er erklärte, daß er dem Schul-, dem Ehe- und dem interconfessionellen Gesetz seine Sanction nicht ertheilen könne, da er durch den mit dem Oberhaupt der Kirche abgeschlossenen Vertrag gebunden sei. Auf den Wunsch des Kaisers sollte Graf Mensdorff( Minister der auswärtigen Angelegenheiten im Jahre 1866) im Herrenhause einen Vertagungsantrag einbringen, um jene Gesetze auf die lange Bank zu schieben. Die Erzherzoge, der Obersthofmeister Fürst Hohenlohe, Graf Leo Thun 2c. 2c. waren für dieses Ausfunftsmittel. Die Gegenvorstellungen des Ministers v. Beust und des Barons Lichtenfels, welche die Gefahren hervorhoben, die bei der großen Aufregung des Volkes aus einer weiteren Verzögerung hervorgehen könnten, beantwortete der Kaiser mit der Erklärung, er werde den Kriegsminister befragen, ob er sich unter allen Umständen auf die Garnison von Wien verlassen könne. Glücklicherweise lautete die Antwort des Baron Kuhn so, daß Franz Joseph I. vorzog, sich nach Ofen zu begeben und der Sache ihren Lauf zu lassen. Der Kriegsminister soll nämlich gesagt haben, die Stimmung in der Armee und besonders im Offizierforps sei eine solche, daß in dem vorliegenden Fall höchstens eine sehr laue Aktion gegen einen Volksaufstand zu erwarten sei, ja es wäre sogar eine offene Verweigerung des militärischen Gehorsams nicht unwahrscheinlich. Professor Greuter fügte noch die Versicherung hinzu, daß auch die Kaiserin Elisabeth sehr lebhafte Wünsche für die Aufrechterhaltung des Konkordats kundgegeben und ihren ganzen Einfluß zu diesem Zweck aufgeboten habe. Die letzte Hoffnung des Kaisers sei gewesen, daß durch vielfache Amendements zu den Antikonkordatsgesetzen Zeit zu weiteren Entschlüssen ge= wonnen werde, aber auch diese Hoffnung sei getäuscht worden. Franz Joseph I. mag sich bei der ultramontanen Partei, der er so viele Dienste geleistet hat, für die Blosstellung bedanken, die ihm jetzt einer ihrer Hauptkämpen bereitet hat, indem er sich, wie er ironisch bemerkte ,,, recht konstitutionell" bemühte ,,, das Odium antifirchlicher Gesetze von Sr. apostolischen Majestät zu nehmen". Professor Greuter hatte die Deffentlichkeit der Schlußverhandlung verlangt, aber das Bezirksgericht von Innsbruck beschloß ,,, aus Schicklichkeitsrücksichten", daß die Verhandlung bei verschlossenen Thüren stattfinde. Die Zweifel an der Echtheit des habsburg- lothringischen Liberalismus und Constitutio= nalismus werden leider durch die Greuter'schen Enthüllungen bedeutend verstärkt werden." Nicht blos verstärkt, sondern zur Gewißheit erhoben. In dem Bund gegen die Freiheit und Revolution fann natürlich Rußland nicht fehlen, und es ist daher nicht zum Verwundern, daß Graf Beust in Ouchy bei Lausanne mit Fürst Gortschakoff eine Conferenz gehabt hat, von der beide Theile sehr befriedigt waren. Kurz, eine neue Coalition, eine neue heilige Allianz! Ueber die obschwebenden Verhandlungen wird der ,, Frankfurter Beitung" aus Wien mitgetheilt: ,, Hr. Reichskanzler Graf Beuft soll sich in Folge eines ,, allerhöchsten" Wunsches zu Conzefsionen in Betreff des Verhältnisses der süddeutschen Staaten zu Preußen bereit erflärt haben. Von Seite der habsburg Lothringischen Monarchie würde kein Protest gegen den Anschluß von Baden und Südhessen an den Norddeutschen Bund erhoben werden; dagegen würde sich Preußen verpflichten, die Selbstständigkeit" Württembergs und Bayerns zu respektiren. Rußland soll durch die Außerkraftsetzung jener Bestimmung des Pariser Vertrags von 1856, welche ihm verbietet, Kriegsschiffe im schwarzen Meere zu halten, zufriedengestellt werden. Außerdem würde von österreichischer Seite das Versprechen gegeben werden, daß in Galizien und überhaupt auf österreichischem Gebiete keine auf die Wiederherstellung Polens gerichteten Agi= tationen geduldet werden sollen. Andererseits würden in Zufunft schechische, slovenische und ruthenische Agitationen weder in Preußen noch in Rußland Unterstützung finden. Damit bei diesen Combinationen auch Napoleon III. nicht leer ausgehe, schreibt man den leitenden Faktoren in Berlin, Petersburg und Wien die Absicht zu, eine Garantie für die Thronfolge Napoleon's IV. insoweit zu übernehmen, als dieselbe durch die Unterlassung jeder Unterstützung einer bourbonischen oder orleanistischen Throncandidatur gesichert werden kann. Jedenfalls aber werden sich, sagt die Fama weiter, die drei Kabinette solidarisch verpflichten, einer ,, gemeinschädlichen" Expansion der revolu tionären Partei, wenn diese in Frankreich siegen sollte, mit aller Macht entgegen zu treten. Ich gebe diese, auf den bevorstehenden Abschluß einer wechselseitigen monarchischen Assekuranz zwischen Wien, Berlin und Petersburg, der sich auch Victor Emanuel anschließen würde, um vor den Garibaldianern und Mazzinisten gesichert zu sein, bezüglichen Vermuthungen so, wie sie eben hier kursiren." Ein Französisches Blatt druckt die Proklamation ab, welche Louis Bonaparte erließ, als er 1848, in mehreren Wahlbezirken gewählt, aus der Verbannung nach Frankreich zurückkehrte, dessen Thore ihm die Republik geöffnet hatte. Sie Lautet: ,, Franzosen, meine theuern Mitbürger! Ich antworte auf die Berufung, die Ihr an meinen Patriotismus eingelegt habt. Die Mission, die Ihr mir anvertraut, ist glorreich, und ich werde sie zu erfüllen wissen. Durchdrungen von Erkenntlichkeit für die Zuneigung, die Ihr mir be= weiſt, bringe ich Euch mein Leben, meine ganze Seele; sie gehören Euch hinfort wie die jenes Mannes, dessen Ruhm, das hören Euch hinfort wie die jenes Mannes, dessen Ruhm, das Erbtheil Aller, EuereStimmen und mit seinem Wiederschein meine verurheilt hatte, die ich aber leuchten lassen werde, wenn je= Hingebung bezeichnet hat, die man bis jetzt zur Dunkelheit mals Gefahren das gemeinsame Vaterland bedrohen sollten." ,, Brüder und Bürger! nicht einen Prätendenten empfanget Ihr in Eurer Mitte. Ich habe nicht vergebens im Eril nachgedacht. Ein Prätendent ist eine Pest. Ich werde nie die Eurige sein, ich werde nie weder undankbar noch infam sein. Als Republikaner, als aufrichtiger und glühender Demokrat stelle ich mich vor Euch hin. Ich nehme den großen Schatten des Mannes des Jahrhunderts zum Zeugen der Gelübde, die ich hier feierlich ablege: sein; ,, Ich werde, wie ich es stets war, das Kind Frankreichs In jedem Franzosen werde ich stets einen Bruder er= blicken; ,, Die Rechte eines Jeden werden meine Rechte sein; ,, Die demokratische Republik ist der Gegenstand meines Kultus; ich werde ihr Priester sein. " 1 Niemals werde ich versuchen, mich in den kaiserlichen Purpur zu hüllen. ,, Das Herz möge mir in der Brust vertrocknen an dem Tage, wo ich vergesse, was ich Euch allen, was ich Frankreich schuldig bin. ,, Mein Mund schließe sich für immer, spräche ich jemals ein Wort, eine Blasphemie gegen die republikanische Souveränität des französischen Volkes aus. ,, Ich sei verflucht an dem Tage, wo ich aus Schwäche gestatte, daß man unter dem Schutze meines Namens Lehren verbreitete, die dem demokratischen Prinzip entgegen wären, welches. die Regierung der Republik leiten soll. Ich sei zum Hochgerichte verdammt an dem Tage, wo ich als Schuldiger und Verräther versuchte, die schändende Hand an die Rechte des Volkes zu legen, entweder um es mit seiner Zustimmung zu betrügen, oder gegen seinen Willen mit Macht und Gewalt! ,, Und jetzt glaubet an mich, wie ich an Euch glaube, und möge derselbe Ruf aus unserer aller Herzen ertönen, wie ein Gebet für immer an den Himmel gerichtet: ,, Es lebe für immer die Republik!". Louis Bonaparte." " An Bonaparte wird jetzt das Urtheil vollstreckt, das er sich selber gesprochen. Unbedauert, verfault er bei lebendigem Leibe, und aus der Krankenstube, die seine Todtenkammer sein wird, muß er sehen, wie Ein erfaufter Freund nach dem an= dern ihn verläßt, muß sehen, wie die Republik, die er so schmachvoll verrathen, so hinterlistig gemeuchelt, sich riesenstark erhebt, bereit seine Erbschaft anzutreten vielleicht noch ehe er die Augen geschlossen. Aus Spanien verwirrte Nachrichten, die auf den Ausbruch der lang erwarteten Krise hinzudeuten scheinen. Einige Organe der ,, Süddeutschen Volkspartei" haben sich über den Baseler Congreß in einer Weise geäußert, die uns zu eingehenden Erörterungen und zur Feststellung unsres Verhältnisses zur ,, Volkspartei" zwingt. Für heute begnügen wir uns damit, den nachfolgenden Artikel der ,, Mannheimer Abendzeitung", welcher die Runde durch die Presse macht, abzudrucken und mit ein paar Anmerkungen zu begleiten. Der fragliche Artikel lautet: ,, Trüben Herzens kehren wir von dem Congreß des internationalen Arbeiterbundes heim. Wir würdigen alle gerech= ten Forderungen der Arbeiter gegenüber der nur zu oft sie ausbeutenden, sie erdrückenden Gesellschaft. Wir sehen mit Freuden die Bestrebungen der Arbeiter zur Verbesserung ihrer Zustände; wir unterstützen gern alle Arbeiterverbindungen zum Zweck des gemeinsamen Schußes aller Arbeiter gegen Noth, Elend, Druck, Ausbeutung und Knechtschaft. Wir glauben, daß der Arbeiter überall das Recht hat, an das Leben, an den Staat die Forderung zu stellen, daß ihm Erziehung, Unterricht, Antheil am Gewinn der Arbeit, Antheil an der staatlichen Entwicklung, Antheil an allen höheren Genüssen, Kunst und Wissenschaft der Gegenwart geboten wird. Und weil wir so Freunde der Arbeit und der Arbeiter find, betrüben uns die Beschlüsse, welche in Basel gefaßt wur= den in die Seele hinein. Wir halten dieselben für verderblich den legitimen Ansprüchen der Arbeit, für unheilvoll den freiheitlichen Bestrebungen der Nation gegenüber. Die beiden Hauptbeschlüsse des Kongresses sind: 1. Grund und Boden sollen in Zukunft Gemein= gut sein. 2. Die Leitung aller Gewerksgenossenschaften der ganzen Welt natürlich so weit der internationale Arbeiterbund geht stehen unter dem Generalrath in London. Durch den Grundsatz, daß das Eigenthum an Grund und Boden nicht mehr Privateigenthum, sondern Gemeingut der Gesellschaft sein soll, überliefert der Congreß die ganze Welt, die ganze Gesellschaft, die ganze Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts einem Gesellschafts= Organisations= versuche, von dessen Ergebniß kein Mensch im Voraus sich auch nur eine klare Idee zu machen im Stande ist. Der Versuch, den Communismus praktisch einzuführen, muß damit anfangen, daß er alle bestehenden Verhältnisse, nicht nur des Ackerbaues, sondern der Industrie, des Handels, der staatlichen Zustände, der gesellschaftlichen Einrichtungen, Gewohnheiten, über den Haufen stößt. Was dann, wenn Alles umgestürzt, auf den Kopf gestellt ist, folgen wird?- Das weiß Gott, aber sicher keiner von denen, die in Basel keck den Grundsatz aufstellten, der Alles umstoßen muß, ehe und bevor er praktisch durchgeführt werden kann. Der ,, Nach uns die Sündfluth!" Vorerst aber giebt dieser theoretische Beschluß praktisch ganzen Arbeiterbewegung einen lebensgefährlichen Stoß. Die Arbeiter, welche sich diesem Beschluß anschließen, verlieren den Boden der Thatsachen unter den Füßen, werden Theoretiker, welchen praktisch die Arbeit zur Last sein muß. Die Arbeiterbewegung der Zeit, in ihrem Endziele: Verbesserung der Abeiterzustände, verliert durch diese Theorie die thatsächliche Bedingung ihrer inneren Berechtigung. Sie verliert dadurch thatsächlich die Zuneigung aller, dieser Theorie nicht huldigenden Freunde 491 der Arbeiter; sie gewinnt dadurch praktisch den Haß, die Todfeindschaft aller Klassen der Gesellschaft, welche diese Theorien fürchten müssen, oder nur fürchten zu müssen glauben. Mit dieser Theorie im Lager der Arbeiter werden alle andern Klassen mehr oder weniger in's Lager des Cäsarismus getrieben. Wenn irgend Jemand der Aufstellung dieser Theorie in Basel frohen Herzens Beifall zurufen kann, so sind es die beiden kranken Männer in Varzin und St. Cloud. Der Beschluß ist Labsal für sie, ist eine feste Stütze des wurmstichigen und den Einfall drohenden Baues. Wenn, nachdem der Baseler Congreß diese Theorie aufgestellt hat, er gewissermaßen zum Exekutor derselben den Generalrath des internationalen Bundes in London ernennt, so handelt er damit wenigstens logisch, denn Herr Marx, die Seele, der Schöpfer dieses Generalraths, war zu allen Zeiten und ist heute mehr denn je der eigentliche Führer des Communismus, Collektivismus, oder wie man es nennen mag. Wir aber bedauern dieses Doppelergebniß und glauben, daß von heute ab die Arbeit für die Verbesserung der Zustände der Arbeiter, für die freiheitliche Entwickelung in Europa doppelt schwer sein wird. Setzen wir doppelte Hingebung, doppelte Arbeit, doppelte Opfer für sie ein; sie werden noth thun. 11 Hätte die ,, Mannheimer Abendzeitung", ehe sie in die Alarmtrompete stieß, erst die Baseler Beschlüsse gelesen, so würde sie sich ihr ,, trübes Herz" und uns ihren trüben LeitLeid- und Jammer- Artikel erspart haben. Was zunächst den Baseler Beschluß über die Gewerksgenossenschaften angeht, so besagt derselbe einfach: " ,, Der Generalrath wird beauftragt, die internationale Verbündung der Gewerksgenossenschaften, falls das Bedürfniß sich herausstellt( en cas de besoin), zu vermitteln." " 1 Wir glauben nicht, daß man dem Geiste der Demokratie sorgfältiger Rechnung tragen kann, als es hier geschehen ist. Wie aus diesem Beschluß der Beschluß der Mannheimer Abendzeitung" werden konnte, hinter dem der gute ,, Beobachter" be= reits das Gespenst der ,, Diktatur Mary" aufsteigen sieht, das begreifen wir in der That nicht. Es liegt hier gelinde gesagt eine große Leichtfertigkeit vor. Der Beschluß betreffend das Grundeigenthum wurde allerdings in Basel beinahe so gefaßt, wie die ,, Mannheimer Abendzeitung" ihn mittheilt, aber auch nur beinahe so. Beschlossen wurde:„ Die Gesellschaft hat das Recht und die Pflicht, das Grundeigenthum, welches in seiner heutigen Form gemeinschädlich ist, in Collektiveigenthum zu verwandeln." Hiermit ist einfach ein Prinzip, wenn man will, eine Theorie ausgesprochen. Ueber die Mittel und Wege zur Verwirklichung dieses Prinzips zu berathen, wurde ausdrücklich spätern Congressen überlassen, und damit ausdrücklich erklärt, daß der Congreß den Beschluß blos als prinzipielles Votum aufgefaßt hat. Und obgleich der Beschluß von der ,, Mannheimer Abendzeitung" beinahe richtig gegeben ist, so ist er doch gerade unrichtig genug gegeben, um ihm diesen Charakter eines prinzipiellen Votums zu nehmen und den Stempel eines revolutionären Machtspruchs aufzu= drücken, der„ in Zukunft", das heißt bei erſter bester Gelegenheit zu vollstrecken sei. Daß die Kranken von St. Cloud und Varzin Ursache haben, sich zu freuen, ist gewiß, aber nicht über uns, nicht über den Baseler Congreß, sondern über die gesinnungstüchtigen Herren ,, Demokraten", an denen sich der rothe Wauwau so gut bewährt hat. Man hat gefragt: Welche Stellung nimmt die sozialdemokratische Arbeiterpartei zu dem Baseler Beschluß über das Grundeigenthum? Antwort: Gar keine. Jedes einzelne Parteimitglied tann und soll Stellung nehmen; der Partei als solcher steht dies nicht zu, zumal sie nach feiner Seite hin durch den Beschluß gebunden ist ebensowenig, wie die Internationale Arbeiterassoziation selbst. Ueberhaupt hat dieser 264 Beschluß, gleich allen Beschlüssen theoretischer Natur, bindende Kraft nur für Diejenigen, welche für ihn gestimmt haben. Anders verhält es sich dagegen mit dem Beschluß über die Gewerksgenossenschaften, der wesentlich auf VeranTassung unserer Partei gefaßt wurde, und den zu verwirklichen wir mit allen Kräften bemüht sein werden. Der Punkt 10 des Eisenacher Programms hat zu mancherlei falschen Auffassungen Anlaß gegeben. Carl Hirsch, auf dessen Antrag der betr. Punkt in das Programm aufgenommen ward, schreibt darüber an das„ Felleisen": Es wäre eine große Illusion, zu glauben, daß die neun ersten Forderungen des Programms in einer Gesellschaft auch nur annäheind erfüllt werden können, welche auf der modernen Arbeitsweise begründet ist. Zufolge der modernen Arbeitsweise oder Großproduktion besteht ein immer größerer Theil der Bevölkerung aus Proletariern, d. h. aus Solchen, die nichts besitzen als ihre Arbeitskraft, die sie als eine Waare um die Herstellungskosten, d. h. für ihre eigene nothdürftige Lebensbedürfnisse verkaufen müssen, während sich andererseits der Besitz der Rohstoffe, des Landes und der anderen Arbeitsmittel in einer immer geringeren Zahl von Händen zusammenzieht. Dieser Zustand ist durch allgemeines Wahlrecht, Urgesetzgebung, Volkswehr, freies Recht, gute Schulen, Beschränkung der Arbeitszeit, gerechte Besteuerung u. s. w. keineswegs beseitigt; im Gegentheil aber ist dieser Zustand die Hauptursache der Unfreiheit, indem er das Volk am Denken verhindert und es abhält, eben jene in Punkt 1 bis 9 aufgezählten Forderungen energisch aufzustellen und zu verfechten. Der Ausweg aus Der Ausweg aus der Wüste der jetzigen Produktionsweise liegt also gerade in dem Genossenschaftswesen, besonders den Produktiv= Genossenschaften, die der Ausgangspunkt für das zu erstrebende Kollektiv- Eigenthum sind, das die Lohnarbeit beseitigen wird. Wir müssen also auch vom heutigen Staate in ebendemselben Maße Förderung des Genossenschaftswesens verlangen, wie all=. gemeines Wahlrecht u. s. w. Ob das friedliche Verlangen Aussicht auf Erfolg hat, lasse ich hier mit demselben Grund dahingestellt, als die Frage, ob jemals in der heutigen Gesellschaft eine progressive Einkommensteuer, oder ein obligatorischer Volksunterricht, oder eine Jury in Civilstreitigkeiten denkbar wäre, und verweise über diese Frage auf die Artikel über ,, die indirecten Steuern und den Aftersozialismus" im ,, Demokr. Wochenblatt", Januar und Februar 1869. ,, Unter Demokra= tischen Garantien" nur soll Staatscredit verlangt und gegeben werden. Darunter ist zu verstehen, daß man Vorkehrungen gegen casaristischen Mißbrauch der Arbeiter treffen muß, z. B. daß nicht die jeweilige Regierung, sondern die Gesetzgebung den Kredit bestimmt, und daß die zur Ausführung der Kreditgesetze beſtimmte Bank unabhängig von der Regierung und unter der steten Kontrole des Volkes und der Betheiligten steht. Es lassen sich noch mancherlei solcher demokratischen Garantien denken. Aus Frankreich. Paris, 24. September. Die Kammermitglieder werden durch die unbestimmte Fortdauer einer von vornherein übel aufgenommenen Vertagung täglich rappelköpfischer. Zwei Mitglieder der 116 haben diese Woche ihren Entschluß ausgesprochen, nach Ablauf der fonstitutionellen Frist, innerhalb welcher die Kammer einberufen werden muß sie geht in einem Monate zu Ende die selbe selbst einzuberufen, wenn die Regierung es nicht thue. Die offiziösen Blätter machen sich zwar über diesen Entschluß lustig; aber man hat auch im Anfange darüber gelacht, als pie dynastische Opposition ihre Interpellation zu unterzeichnen begann. Später jedoch, als sich mehr und mehr Mitglieder Des Centrums und der Rechten anschlossen, beeilte sich die Rehierung über Hals und über Kopf, eine Constitutionsänderung anzufündigen und die Kammer zu vertagen. Nun aber fin= den wir heute schon im Moniteur"( Oppositionsblatt der Gemäßigten) ein neues Kammermitglied, Herrn von Choiseul, sich seinen Wählern gegenüber entschuldigen wegen seines bisherigen Nichtanschlusses an die 116, und diese Gelegenheit benugen, um ebenfalls gegen die fernere Vertagung der Kammer zu protestiren. Wenn das so fortgeht, wird eines schönen Morgens die Kammer plötzlich einberufen werden. Bürger Langlois, ein Pariser Delegirter auf dem Baseler Congreß, verwahrt sich im heutigen ,, Avenir" gegen die ,, kom= munistischen" Tendenzen der Congreßmajorität. In derselben Nummer des genannten Blattes drückt Bürger Seinguerlet seine Entrüstung über den Baseler Congreß aus, der angeblich diktatorische Tendenzen à la Schweizer verfolge, wogegen das Organ der Volkspartei und der ,, Beobachter" auch schon protestirt habe. Gegen diese schlecht unterrichteten Delegirten, Correspondenten und Beobachter wird diese Woche, wahrscheinlich im ,, Reveil", der wahre Sachverhalt veröffentlicht werden, wie ihn Eccarius auf seiner hiesigen Durchreise den Freunden mitgetheilt hat. Da er den meisten Delegirten selbst unbekannt geblieben ist und eine Art von geheimer Geschichte des Baseler Congresses bildet, so wird es vielleicht auch den Lesern dieses Blattes nicht uninteressant sein, das Wesentliche aus dieser geheimen Geschichte zu erfahren. Die Congreßmajorität bestand aus zwei Nüancen. Nur eine derselben, die innerhalb der Majorität selbst eine sehr kleine Minorität bildete, die Bakunin'sche, kann als kommunistische im rohen Sinne des Wortes bezeichnet werden. Sie war es, welche die Abschaffung des Erbrechts in willkürlicher, diktatorischer und anarchistischster Weise vorschlug, eine Proposition, die bekanntlich vom Congresse beseitigt wurde, dessen Botum in dieser Frage Vielen, auch dem Bürger Langlois, wie er selbst eingesteht, und ohne Zweifel auch dem Bürger Seinguerlet ein Räthsel blieb. Es ist keines mehr, wenn man die Nüance Bakunin innerhalb der Majorität berücksichtigt. ( Unser Correspondent gibt hier einige Details, deren Veröffentlichung wir aus Parteirücksichten unterlassen. D. R.) Der Majoritätsbeschluß, der vom Congreß in der Frage des Bodeneigenthums gefaßt wurde, ist kein kommunistischer im rohen oder diktatorischen Sinne des Wortes. Es ist nur eine theoretische Resolution, welche es im Prinzip ausspricht, das der Fortschritt der Wissenschaft und Industrie dahin führe, das fleine Grundeigenthum und die kleine Bodenkultur aufzuheben und umzuwandeln in Großkultur und kollektive Produktion. Diese Resolution überläßt es dem ferneren Studium, so wie der geschichtlichen Entwicklung der verschiedenen Ortsverhält nisse, eine solche Umgestaltung näher zu bestimmen. Die Collektivisten verhalten sich, mit einem Worte, zu den Bakunin'schen Communisten, wie die kulturhistorischen Bestrebungen zu jenen der barbarischen, rohen Gewalt. Der langjährige Redakteur der ,, Opinion nationale" Jules Labbé, hat diese Woche dem Herrn Guéroult aufgekündigt. In dem Absagebrief heißt es, die Zeit wäre gekommen, wo man Partei nehmen müsse. Bis jetzt wäre er nicht gehindert gewesen, seine republikanischen Gesinnungen in dem Blatte auszusprechen. Da aber Herr Guéroult nun offen Partei für den Prinzen Napoleon nehme, so könne er als Republikaner nicht länger Redakteur seines Blattes bleiben. Ein Mitglied des Centralkomités des Friedens- und Freiheitskongresses, Emile Accollas, erklärt in dem ,, Reveil" seinen Austritt aus der Liga. Der eben stattgehabte Congreß in Lausanne sei seinem ursprünglichen republikanischen Programm untreu geworden. Wo heute die radikale Bourgeoisie sich nicht mit den sozialdemokratischen Arbeitern verbindet, wird sie immer mit der Zeit reaktionär. Trotz aller Victor Hugo'schen sozia= listischen Phrasen hat der Lausanner Congreß dieses Jahr wirk lich einen neuen Schritt rückwärts gemacht. Das sollten die Herren Seinguerlet und Compagnie ein wenig beherzigen. 493 Offene Antwort an Herrn Leo Fränkel.*) Besten Dank, Verehrtester, für die Mühe, welche Sie sich gegeben, um uns beweisen zu wollen, daß Liebknecht doch eigentlich ein Schurke und Schweitzer der edelste und beste Vorkämpfer der Arbeiterpartei sei. Ganz abgesehen davon, welches Urtheil Sie über Johann Jacoby zu fällen für gut finden, den Sie natürlich, da der ,, Vereinstrompeter des Hrn. v. Schweitzer dies so verkündet, für einen„ ehrgeizigen aufgeblasenen Bourgeois" halten werden, bedauere ich zunächst, durch den persönlichen Charafter Ihres Schreibens gezwungen zu sein, im entgegenstehenden Sinne gleichfalls auf die Personenrage eingehen zu müssen. Da Sie es für gut finden, im Eingang Ihres Schreibens zu erwähnen, daß Sie durchaus keine subjektive Personenkenntniß besitzen, nachträglich indeß nicht umhin können,( der Zweck Ihres Briefes wäre ja sonst verfehlt, ein ganz subjektives Urtheil zu fällen, so gestatten Sie mir wohl nach der andern Seite hin mit einigen Anmerkungen Ihrer Urtheilsfähigkeit zu Hülfe zu kommen. Zunächst erlauben Sie mir aber wohl eine Frage, von deren Beantwortung es überhaupt abhängt, ob und wie ich mich Ihnen gegenüber stellen muß. wie Ich bin nämlich so einfältig, zu glauben, daß der sittliche Ernst und das hohe und erhabene Ziel der Arbeiterbewegung es erfordert, daß wenn, wie Sie es für nothwendig erachten, einzelne Personen an der Spitze der Bewegung stehen, diese Personen in sittlicher Beziehung doch mindestens einen so untadelhaften Ruf besitzen müßten, man im gewöhnlichen Leben von Jedem verlangt, der irgend welche ehrenhafte Stellung in der menschlichen Gesellschaft einnehmen will. Oder meinen Sie, daß Leute, die mit dem ,, Edlen von Zastrow" in sitt= licher Beziehung auf Einer Stufe gestanden, deren moralischer Werth mit 2000 unterschlagenen Gulden in die Brüche gegangen und deren Charakter es zuläßt, ihre besten Freunde zu betrügen und ins Elend zu stürzen, sagen Sie, halten Sie dafür, daß solche Leute die geeignetsten Führer der Arbeiter sind, oder überhaupt Führer sein dürfen? Aber Sie verlangen Beweise, daß Ihr Musterpräsident ein ebenso unwürdiger Charakter sei. Merkwürdig, daß Sie, der Sie von Allem so genau unterrichtet sein wollen, noch gar nicht die Broschüre gelesen haben: Mein Verhältniß zu Hrn. von Schweitzer und dem SozialDemotrat von J. B. von Hofstetten; daß Ihnen gar nicht bekannt ist, warum die Generalversammlungs- Protokolle von Hamburg 1868, Barmen und Cassel 1869 nicht veröffentlicht resp. durch den Musterpräsidenten unterdrückt worden sind, daß Sie keinen Anstoß genommen haben an der cynischen Gemeinheit, die aus der berüchtigten ,, Lucinde" spricht, die an Stelle von Leitartikeln Capitel aus diesem Roman und Frivolitäten, wie die Gans", im Parteiorgan abdruckte und so die Infamie beging, die Arbeiterpartei mit der eigenen gemeinen Denk und Handlungsweise zu beschmutzen. Sehen Sie, Verehr= tester, der Unterschied zwischen Ihnen und mir liegt darin, daß Sie dies Alles als unwesentlich behandeln, während ich der Meinung bin, daß fittlich anrüchige Personen, die außerdem noch in mehr als blos wahrscheinlichem Verdacht stehen, dem preußischen Regierungssozialismus Handlangerdienste zu leisten, durchaus nicht Führer der Arbeiterpartei sein tönnen. " Alles andere, was Sie uns über Politik, Demokratie und Sozialismus mittheilen, haben wir vor Ihnen gewußt; wir haben hassen gelernt nicht nur die Bourgeois- Dekonomie, sondern auch den Bourgeois- Staat, mag die Form desselben eine monarchische oder republikanische sein. Wiffen möchte ich aber doch gern, ob Sie wirklich der Meinung sind, daß die soziale Oekonomie, die sozialistische Produktionsweise unter einer monarchischen Staatsform sich verwirklichen lassen wird, und ob man, wenn dies nicht der Fall, nicht nur die heutige Produktionsweise betämpfen, sondern auch ebenso sehr bestrebt sein muß, die Staatsform herbeizuführen, in der allein die sozialistische Produktionsweise möglich ist. Sehen Sie, da sind wir gerade am Kern der Streitfrage angelangt. Wollten Sie etiva behaupten, daß Hr. von Schweitzer und sein " Trompeter" dies erstrebt hat? Nennen Sie mir eine einzige Nummer, wo ernstlich, absichtlich, nicht nur in wässerigen Phrasen, sondern mit derselben Schärfe wie gegen die Bourgeoisie auch gegen die Staatsform, in der allein, mindestens auf die Dauer, eine Bourgeoisie möglich ist, der Kampf geführt wird. Merkwürdig, daß Sie Liebknecht einen Vorwurf daraus machen, dies gethan zu haben. Aber Liebknecht hat ja auch die Todsünde be= gangen, Johann Jacoby als einen Vorkämpfer der Demokratie zu bezeichnen, den anzufeinden eine Thorheit sei. Erlauben Sie, daß ich gleichfalls mich schuldig bekenne, Jacoby für etwas anderes zu halten als für den ,, wichtig thuenden Bourgeois", wie denselben der„ Trompeter" des Hrn. Schweizer nennt. Uebrigens finde ich es sehr begreiflich, daß Jacoby es unter seiner Würde hält, einem Schweitzer sich unterzuordnen, denn für einen Mann von Jocoby's Charakter und Vergangenheit, an dem auch nicht der leisesie Makel hastet, ist dies eben eine Unmöglichkeit. Der Vorwurf übrigens, den Sie uns aus der Würdigung der Verdienste Jacoby's in der Weise machen, daß Sie( getreu dem„ Trompeter" Schweitzer's nach) behaupten, wir wollten Ein Herr dieses Namens hatte nämlich im ,, Sozial- Demokrat" eine Stilübung, betitelt: ,, Offner Brief an Herrn Wilhelm Lichknecht", veröffentlicht, die wir natürlich nicht beantworten konnten. Die Redaktion. " 1 die Arbeiterbewegung der ,, Partei Jacoby", der ,, radikalen Bourgeoifie" überliefern, ist, von Ihnen ausgesprochen, der Sie die Verhältnisse in Deutschland nicht kennen, eine Dummheit, von Schweitzer eine Infamie. ,, Radikale Bourgeoisie" und Partei Jacoby" als Bezeichnung der Situation ist eine Erfindung des Hrn. von Schweitzer, der recht gut weiß, daß Jacoby isolirt dasteht, und gerade durch diese isolirte Stellung gezwungen sein wird, sich der Arbeiterpartei, freilich nicht unter SchweiBer's Afterdiftatur, auzuschließen. Nicht die Arbeiterpartei Ja= coby zu überliefern, sondern umgekehrt, Jacoby der Arbeiterbewegung zu gewinnen, ist unser Bestreben. Und seien Sie versichert, so weit ich, der ich freilich nicht, wie Sie, die Lage der Dinge von der erhabenen Zinne der Weltstadt Paris aus zu beurtheilen vermag, der ich mir aber als Mitbegründer des Allgem. deutschen Arbeiter- Vereins erlaube ein Wort mitzusprechen, so weit ich ein Urtheil abgeben kann, bin ich sogar so dreist zu bemerken, daß mir ein Jacoby, der sich uns angeschlossen hat, zehn Leute vom Schlage Schweitzers aufwiegt. Der Vorwurf also, daß wir die Arbeiterbewegung der radikalen Bourgeoisie überantworten, ist so lächerlich, daß ich wahrlich nicht be= greife, wie ein parteilofer Beobachter, und der wollen Sie doch sein, ihn dem ,, Sozial- Demokrat" nachtrompetet. Das sollten Sie doch wohl begreifen, daß der„ Trompeter" des Hrn. Schweitzer mit solchen Behauptungen seinen Lesern nur Sand in die Augen und das Gehirn bläst, um recht ungestört sein schmutziges Handwerk, die Arbeiter unter einander zu verhetzen, betreiben, um desto unumschränkter herrschen zu können. Ah! Verehrtester, warum machten Sie denn seiner Zeit Lassalle, als er in der Ronsdorfer Rede den Bischof Ketteler von Mainz als Gewährsmann anführte, nicht den Vorwurf, daß er, Lassalle, die Arbeiterbewegung dem Ultramontan- Sozialismus überantworten wolle? Sehen Sie, so lächerlich dies Eine wäre, so absurd ist das Andere. Zu allem Ueberfluß will ich Ihnen aber noch den Beweis liefern, daß ſelbſt Hr. von Schweitzer eine andere Meinung von Jacoby hat, als er, um dessen moralisches Uebergewicht zu paralyfiren, urplötzlich auszu= trompeten für gut findet. Schlagen Sie also gefälligst den Schweitzerschen ,, Trompeter" Jahrgang 1866, Nr. 140 nach; da werden Sie lesen, wie Hr. v. Schweitzer bei Gelegenheit der Besprechung der, damals großes Aussehen machenden, im preußischen Landtage von Jacoby gehaltenen Rede geschrieben hat: Wie sollte diese Rede nicht unsere Bewunderung erwecken! " Wir sehen die Fortschrittspartei, die Partei des liberalen Bürgerthums in Preußen, unter der Wucht der Ereignisse mit ihrer ganzen Vergangenheit brechen; wir sehen sie, gebeugt von den Erfolgen der ihr feindlichen monarchisch- absolutistischen Partei, ihren seit Jahren mit Hef= tigkeit verfochtenen Standpunkt verlassen wir sehen sie innerlich und äußerlich aus Rand und Band gehen wir sehen sie, mit Einem Worte, demuthsvoll und schmeichelnd zu den Füßen eines Ministers liegen, welchen sie bisher bekämpft hatte, solchen Kampf als heiligste Volfs- und Vaterlandspflicht hinstellend. ,, Und inmitten dieses Zustandes verzweifelnder Fahnenflucht und wirrer Auflösung hören wir die marfige Stimme eines Mannes ertönen, der, unbeirrt von dem wuchtigen Eindrucke des Stückes Weltgeschichte, das vor seinen Augen gespielt, unbeirrt von Verrath und Abfall im eigenen Lager, den alten Ruf der Freiheit erhebt den Kampfruf sei= nes ganzen langen Lebens. ,, Wer wollte zweifeln, daß wenn die politischen Männer des deutschen Bürgerthums Johann Jacoby glichen wer wollte zweifeln, daß wir Herr würden über den Absolutismus und seinen Anhang trotz aller seiner festgewurzelten Macht? Wer möchte bezweifeln insbesondere, daß wenn jener Geist im libe= ralen Bürgerthum lebendig wäre, eine selbstständige Arbeiterpartei in Deutschland vorerst unnöthig gewesen sein würde?" So sprach Hr. v. Schweißer einst; jetzt ist Jacoby bei ihm ein gedankenloser Bourgeois, bei ihm, dem Manne, der in allen Genüssen sehwelgen, also ein echter üppiger Bourgeois sein muß, angeblich um große Gedanken zu denken! Und jetzt, Hr. Fränkel, will ich Ihnen auch gleich die Motive flar legen, warum Ihr Jdeal, der Herr Musterpräsident, Jeden bekämpfen wird, Jeden mit Schmutz bewerfen muß, von der er befürchtet, daß die IHM unterstellten Arbeiter unliebsame Vergleiche anstellen könnten. Haben Sie, Verehrtester, wirklich noch niemals darüber nachgedacht, daß das die nothwendigen Folgen des persönlichen Regiments sind, welches Hr. v. Schweitzer im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zur höchsten Blüte entwickelt hat? Haben Sie noch niemals daran gedacht, niemals es für möglich gehalten, daß der Vorwurf, den Sie Liebknecht machen, an die Adresse Schweitzer's gerichtet werden muß? Ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine andern Götter neben mir haben" war erstes Gebot des alttestamentarischen Judengottes; das erste Gebot des modernen Arbeitercäsaren Schweitzer ist mit einer leisen Abänderung gleichlautend. Ach! Sehen Sie doch, wie sein ,, souveränes Volt" im Staub niederkniet und den modernen Gott der Ar beiter anbetet, der selbst Lassalle, wenn der heute auftreten würde, nicht neben sich dulden könnte. Aber, fagen Sie, die Organisation des Allgemeinen Deutschen Ar beitervereins, die Diftatur ist doch das beste, allein zum Ziele führende Vermächtniß Lassalle's. Erlauben Sie: Lassalle empfahl niemals diese Diktatur, durch welche Hr. v. Schweitzer die Arbeiter korrumpirt und demoralisirt und zu seinen persönlichen Zwecken mißbraucht. Was hat Ihr Ideal aus der ,, Diktatur der Einsicht"( siehe die Nonsdorfer Rede Las falle's, Seite 39) gemacht? Eine Diftatur der gemeinsten Willkür. Wodurch hält derselbe die Autorität aufrecht, die auf höchster fortgesetzter Freiwilligkeit" beruhen soll?( Seite 38.) Durch ein Bestechungs-, Verhetzungs- und Lügensystem ohne Gleichen. Daß wir zu der Intelligenz, dem Charakter und guten Willen" eines solchen Mannes kein Zutrauen haben, werden Sie wohl begreifen; ebenso werden Sie es erklärlich finden, daß wir nach den gemachten Erfahrungen das persönliche Regiment bekämpfen, weil von einer cäfaristischen Diktatur, zu der das persönliche Regiment immer führen wird, niemals das Heil der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung zu erwarten ist. Sie wollen die deutsche Arbeiterbewegung von dem persönlichen Regiment eines Einzelnen abhängig machen? Warum bekämpfen dann die französischen Arbeiter das persönliche Regiment Louis Napoleon's? Wissen Sie, was Hr. v. Schweißer seiner Zeit im„ Sozial- Demokrat" von der Lassalle'schen Organisation sagte? Das Rüstzeug eines Riesen paßt nicht für den Körper eines Zwerges". Ebensowenig also doch auch für Zwerge in moralischer Beziehung. " Und darum wollen wir diese Organisation, das Rüstzeug eines Riesen", mit dem Zwerge", sei es in geistiger oder sittlicher Hinsicht, mur Mißbrauch treiben können, zwar nicht in die Rumpelkammer wer= fen, wohl aber als unschätzbares Kleinod aufbewahren, bis unsere Be= wegung Riesen an geistigen Fähigkeiten und hohen erhabenen Charakters herangebildet haben wird, denen wir mit dem vollsten Vertrauen die Diftatur übertragen können, wenn es an der Zeit sein wird, ohne fürch= ten zu müssen, daß eine Willkürherrschaft daraus entsteht. Geben Sie sich nicht die Mühe, uns über die Organisation des Adgemeinen Deutschen Arbeiter- Verein belehren zu wollen; wir kennen die Vorzüge und Mängel derselben aus sechsjähriger praktischer Erfahrung. Wer die Zuchtruthe des persönlichen Regiments füssen will, mag es thun. Jeder nach seinem Geschmack. Wir aber wollen die Arbeiter nicht zu einer Prätorianer- Armee heranbilden, nicht zu einer nur an's Kommando gewöhnten Soldateska machen. Was wir brauchen im freien Volksstaate sind freie, selbstbewußte, charakterfeste Männer, Leute vom Schlage eines Johann Jacoby, dessen Schuhriemen zu lösen Ihr Ideal ,, trotz alledem und alledem" nicht würdig ist. Und nun noch eins. Sie werden fragen, wie ich dazu komme, für Liebknecht in die Schranken zu treten? Ich will es Ihnen sagen: Es ist das eine alte Anhänglichkeit vom Jahre 1862 her, wo ich durch Liebfnecht für die sozialistischen Ideen gewonnen wurde. Es war dies auf einem von Flüchtlingen veranstalteten Meeting in London, zum Gedächtniß der Junischlacht, wo ich Liebknecht hörte und kennen lernte. Glauben Sie mir nur ich erinnere mich dessen sehr genau es war da von etwas ganz Anderem die Rede, als von einer Arbeiterbewegung im Interesse der Bourgeoisie. Dort habe ich die Bourgeoisie hassen gelernt. Nichts desto weniger sind auch wir heute ins Lager der Volkspartei" ibergelaufen! Der„ dunkle Ehrenmann" und sein Trompeter blasen dies a täglich den Arbeitern vor, und gewisse Gimpel pfeifen es nach. Alles chon dagewesen! Th. York. Herr von Schweizer hat als Antwort auf meine Anklagen nur eine redaktionelle Notiz in der heutigen Nummer seines Blattes, n welcher, neben einigen neuen Verdächtigungen, nur die alte Heraustreichung seiner eigenen Person eine Rolle spielt. Herr v. Schweizer at damit bewiesen, daß er auf die Anklagen nicht antworten kann, .id das Einzige, was er zu bestreiten sucht, die Nichtabrechnung über mpfangene Gelder( 234 Thlr. von der Hamburger Generalversammlung is zur 1. Auflösung des Allgemeinen deutschen Arbeiter= Vereins) ist ine Thatsache, von der sich Jeder aus den Kassenabrechnungen sofort berzeugen kann. Bezüglich der an den ,, Sozial- Demokrat" ge= andten Annonce für den ,, Volksstaat" theilt mir Herr Tölcke brieflich rit, daß dieselbe nicht aufgenommen werden könne, da sie nicht für en ,, Sozial- Demokrat" passe, sondern nur für die Organe der Jourgeoisie. Wie der Meister, so der Knecht." Braunschweig, 20. September 1869. " Bracke. Gewerkschaft der deutschen Holzarbeiter. Altona, 22. Sept, Nach dem letzten Cirkular des Präsidiums aben die Mitglieder in den Urabstimmungen beschlossen, daß Altona is Vorort gewählt würde. Am 20. Sept. hat der Bevollmächtigte ne Mitgliederversammlung einberufen, in welcher der Ausschuß ge= ählt wurde, diese Ausschußmitglieder sind folgende Herren: Kühle, iliy, Nipps, Elber, Ochs, Schulz, Prey, Wendt, Ude, Sell hd Ralfs. Zum Geschäftsführer ist Herr Prey, Grünersood 5, Hamburg, ewählt. f In der Ausschußsizung wurde der Beschluß gefaßt, als Parteigan die vom 1. Oktober in Leipzig erscheinende Zeitung ,,, Der Volksat" zu dem ihrigen zu erklären. Ferner, daß jeder Bevollmächtigte ein Freiexemplar erhalte, welcher etrag( 12 Sgr.), der Kasse anzurechen ist. Ed. Prey, Geschäftsführer. Zu Revisoren der Hauptkasse sind gewählt: Milis, Wendt und Prey. Internationaler Verein für Buchbinder 2c. Angemeldete Mitgliedschaften: Offenbach a. M. Bevollmächtigter Penst Kaufmann, bei Grönlein. *) Zum Glück gibt es ,, Riesen" blos in der Mythologie. D. R. 49F Arbeitsnachweis: Ein im Hand- und P. Sergolden tüchtiger Buchbinder sucht baldigst Stellung. Näheres durch E. Strehmann, große Lastadie in Stettin. Hamburg, 19. September. Unsere jüngste Bürgerschaftssitzung hat die„ Gerechtigkeit" der Gesetzgebenden Kaufleute und Juristen wieder grell beleuchtet. Auf der Tagesordnung stand eine Senatsvorlage betreffs Errichtung einer Vergleichsbehörde, welche etwaige Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu schlichten habe. Dieses Schiedsgericht, von der Bundesgewerbe- Ordnung vorgeschrieben, bean= tragte der Senatus aus 15 Personen, welche mindestens 30 Jahre alt und schon 3 Jahre Bürger sind, bestehen zu lassen. Gewählt werden sollten dieselben von einer, vom Senat und Bürgerschaft zu ernennenden sechs Mann starken Wahlkommission. Da in diesem Antrage von der Scheidung, welche zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eristirt, mit Bezug auf das Richterpersonal nichts erwähnt worden, so beantragten unsere in der Bürgerschaft ſizenden Parteigenossen Winterfeldt und Diedrich, daß, für die Dauer des Provisoriums dieses Gesezes, das Schiedsrichterpersonal mindestens aus 30 Mann, zur Hälfte Arbeitnehmer und zur Hälfte Arbeitgeber, bestehen sollte. Allein die Sprecher der Majorität, Dr. Raumeister und Dr. May, witterten Gefahr. Ersterer zwar nicht prinzipiell, aber aus 3weckmäßigkeitsgründen;" letzterer jedoch prinzipiell ,,, da eine Scheidung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gar nicht zu ziehen sei!" Um Himmels Willen nur nicht von gesegeswegen die Arbeiterfrage anerkennen! Und so geschah es; alte reiche Bourgeois werden in unjerer freien Stadt über Streitigkeiten zwischen Fabrikanten und Lohnarbeitern, zwischen Meistern und Gesellen, auch Lehrlingen, zu Gericht fizzen. Ein famoses Fachgericht! Der Winterfeldt- Diedrich'sche Antrag fiel nämlich mit allen gegen 6, sage sechs Stimmen. Der Liberalismus fand es für nicht gut, einmal ein Gesetz zur Gerechtigkeit für alle Be theiligten, für die Arbeiter aus der Taufe zu heben. Und dabei saß dieser Liberalismus ganz auf der Linken, natürlich mit Halben", ( Name des Führers) ergößlich untermischt. Frankfurt, 14. September. Sonntag den 12. d. M. wurde in dem Lokale des hiesigen Arbeiter- Bildungs- Vereins wiederum ein Gautag abgehalten, auf welchem vertreten waren die Vereine Offenbach ( Lachmann), Hanau( Kammandel, Pickeroth), Gelnhausen( Baumann), Mainz( Puschmann L.), Darmstadt( Wiener, Donges), Gießen ( Dörr), Frankfurt( Opificius). Gegenstand der Tagesordnung war u. A. Die Stellung der Arbeitervereine zur sozial demokratischen Arbeiter Partei" Hierüber referirte pificius( Frankfurt). Derselbe gab eine furze Uebersicht der Arbeiterbewegung bis zu dem Eisenacher Congreß überhaupt, und erklärte dann weiter, daß sich der Arbeiter- Bildungs- Verein Frankfurts als solcher wahrscheinlich nicht auf den Boden des Programmes der sozial- demofratischen Arbeiter- Partei stellen würde, bereits aber damit begonnen habe, dasselbe zum Gegenstand lebhafter und gründlicher Diskussionen zu machen, und sich verpflichtet fühle, seinen Mitgliedern den Anschluß an einen sozialdemokratischen Arbeiterverein zu empfehlen. Es wurde nun von anderer Seite darzuthun versucht, das Programm sei in vielen seiner Forderungen gar nicht durchführbar, und deshalb dem ArbeiterBildungs- Verein zu empfehlen sich mit demselben nicht zu beschäftigen, weil dadurch zu leicht Spaltungen in den Vereinen selbst entstehen Der Berichterstatter über diesen Punkt griff diesen Ausführungen gegenüber nochmals zum Wort und machte ganz besonders geltend, daß man sich nicht aus Aengstlichkeitsrücksichten dürfe abhalten laffen für eine große Sache einzutreten, denn ,, Ruhe sei allerdings die erste Bürgerpflicht, aber Schweigen die Tugend des Sclaven." Er stellte den Antrag: Der Gautag möge beschließen, den hier anwesenden Vertretern zu empfehlen, an ihren Orten für das Programm zu wirken." Herr Fr. Wirth stellte den Gegenantrag: ,, alle Anträge in Betreff dieses Punktes fallen zu lassen und zur Tagesordnung überzugehen." Dieser Antrag wurde mit 4 gegen 3 Stimmen angenommen. könnten. ( Wir erwarten, daß unsere Freunde sich durch dieses Resultat nicht beirren lassen werden, und daß sie, wo nicht die ganzen Vereine sich zum Eintritt in die sozialdemokratische Partei entschließen, ungesäumt In zur Gründung sozialdemokratischer Vereine schreiten. Frankfurt hat man bereits die Sache in die Hand genommen. Die Redaktion.) Nürnberg, 15. September. Am Sonntag hielt die Volkspartei in Baiern hier eine von circa 100 Personen besuchte Landesversammlung ab. Es wurden betreffs der Landtags- und der Gemeindewahlen folgende Beschlüsse gefaßt: I. 1) das Verlangen nach allgemeinem und directem Wahlrecht mit geheimer Abstimmung ist bei dem Zusammentritt des Landtags wiederholt auf's Nachdrücklichste geltend zu machen; 2) damit das Volk nicht abermals eine Verkümmerung dieses seines unveräußerlichen Rechtes erleide, ist es nothwendig, mit diesem Verlangen eine erschöpfende Aufzählung derjenigen Nebenbedingungen zu verbinden, bei deren Einhaltung allein eine befriedigende Erfüllung verbürgt ist; 3) um den Gegnern des Rechts es unmöglich zu machen, der Gewährung des Verlangens unter allerlei Ausflüchten länger auszuweichen, ist in den darauf bezüglichen Eingaben an den Landtag der streng genommen geradezu verfassungswidrige Boden, auf welchem zur Zeit die baierische Landesvertretung steht, vor Augen zu führen." II. ,, Die Landesversammlung der Volkspartei empfiehlt zunächst, allenthalben nur solche Männer in die Gemeindebehörden zu wählen, welche sich verpflichten, die Prinzipien der Volkspartei in politischer wie sozialer und humanistischer Richtung ins Leben einzuführen. Der geschäftsleitende Ausschuß wird weiterhin beauftragt, noch rechtzeitig vor den Wahlen eine Flugschrift zur Belehrung der Bartteigenossen zu erlassen." Eine sehr lebhafte und umfassende Debatte entspann sich über den nächsten Punkt der Tagesordnung: die Stellung der Volkspartei zu den Beschlüssen des sozialdemokratischen Arbeiterkongresse von Eisenach. Es erhielten die sämmtlichen Beschlüsse dieses Congresses ohne belangreiche Bemerkungen die Zustimmung der Versammlung bis auf den Punkt 10, Staatskredit für Productivgenossenschaften der Arbeiter betreffend. Jm Sinne der Genehmigung jener neun und Abwerfung jenes zehnten Punktes erfolgte auch ein Antrag des geschäftsleitenden Ausschusses an die Versammlung. Ein Gegenantrag, mit den Eisenacher Congreßbeschlüssen im Ganzen, wie fie liegen, also einschließlich des Punktes 10, sich einverstanden zu erklären, fand von einigen Seiten nicht minder lebhafte Vertretung als der erstgenannte Antrag. Schließlich bekam jedoch die Meinung die Oberhand, daß die Frage, welche Punkt 10 berührt, wenigstens noch als eine offene, in öffentlicher Diskussion erst weiter zu berathende und zu bereifende Frage zu betrachten sei, die Volkspartei demnach Grund hätte, wenn sie nicht die Eisenacher Beschlüsse pure anerkennen wolle, vorerst überhaupt nicht Stellung dazu zu nehmen, sondern den ganzen Gegenstand auf die nächste Landesversammlung zu verlegen. Durch Mehrheitsbeschluß wird die Sache in diesem Sinne erledigt.( Wir müssen sagen, daß wir die geltend gemachten Bedenken nicht verstehen. Keiner der Anwesenden hat an dem Bassus; staatliche Förderung des Genossenschaftswesens" Anstoß genommen; die Einwände richten sich allesammt gegen den Staatskredit für freie Produktivgenossenschaften". Ist nicht etwa der ,, Staatskredit" die mildeste Form, in der die ,, staatliche Förderung des Genossenschaftswesens", soll sie nicht eine hohle Phrase sein, sich vollstrecken kann? Die Redaktion.) Berlin. Sonnabend, 18. Sept. fand hier die erste Versammlung der Parteigenossen statt; Vorsitzender war Hr. Wöllner, Schriftführer der Unterzeichnete. Nach Verlesung der verschiedenen Bekanntmachungen des Parteiausschusses fand die Wahl des Ausschusses statt; sämmtliche Vorgeschlagene mit Ausnahme v. Bonhorst's, der ungefähr 3/4 der Stimmen bekam, erhielten eine an Einstimmigkeit grenzende Majorität. Es wurde ferner beschlossen, den Parteiausschuß zu ersuchen, wenn möglich, für Berlin ein Monats- Abonnement des Volksstaat" zu gestatten, weil damit für einen bedeutenden Mehrabsazz Bürgschaft geleistet wäre. War auch die Zahl der Parteigenossen( 33) bei der ersten Versammlung nur flein, so hoffen wir mit Zuversicht, daß sich unsere Zahl sehr bald vermehren wird, und lustig wird dann auch die alte, zer= jezte Fahne der Sozial- Demokratie in Berlin flattern, auf derselben die unvertilgbare Inschrift: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! Mit sozial- demokratischem Gruß E. Müller. Geyer, 16. September. Am vergangenen Sonnabend war ich wieder in Buchholz, und hatte endlich Gelegenheit, etwas Propaganda für die Arbeiterfache zu machen; es war eigentlich Versammlung des Posamentirvereins, nnd zwar die erste, welche sehr schwach besucht war. Zu einem Vortrag bot sich nicht die rechte Gelegenheit, dagegen ergriff ich in einer zweistündigen Debatte mehrmals das Wort, um über Sozialdemokratie zu sprechen, was die Anwesenden zum Theil etwas stuzzig machte. Man merkte es sofort, daß unsere Prinzipien so gut wie gar nicht bekannt waren, die Meister wollten zwar in politischer Beziehung mit mir sich einverstanden erklären, in sozialer Beziehung jedoch stand man noch auf Seite Schulze's(!) Dies wird sich durch öfteres Auftreten dort beseitigen lassen, und man mußte mir schon zugeben, daß der Arbeiter unfähig sei sich Kapitalien anzusammeln. Die Leute trauen sich eigentlich nicht recht heraus, wovon die Schuld wohl daran liegt, daß die Bewegung noch keinen Eingang gefunden hat und hier erst angefangen werden muß, weshalb ich in nächster Zeit in Buchholz sowohl als in Annaberg Volksversammlungen abhalten werde. Borgangenen Sonnabend und Sonntag war Herr Erfurt aus Crimmitschau hier um sich über unsern Zustände zu unterrichten, welche, nebenbei bemerkt, ihren alten Stand behaupten. Natürlich ist ohne Capital keine Besserung zu erzielen; Herr Erfurt mußte selbst ge= stehen, daß es sehr schwer sei hier einzugreifen, die Verhältnisse sind zu schwierig. C. Demmler. Reichenberg, 21. September. Mit unserem sozial- demokratischen Arbeiter- Verein geht es gut, und haben wir heute die Statuten an die Statthalterei eingereicht. Für unser Parteiorgan ,, Volksstaat" suche ich recht viele Leser zu gewinnen. Die Agitation auf dem Lande und in den Fabrikstädt'chen, als Gablenz, Liebenau, Krayzau, Friedland, Grottan, Wamsdorf, Zwickau, Gabel c. wäre eine obsolute Noth= wendigkeit, soll unsere Partei sich ausbreiten und bestehen. Die Gegenpartei wird ebenfalls eine Voltsversammlung halten, und der Delitzscher Schulze und, wie es heißt, sein Freund und Genosse Mar Hirsch werden dabei floriren. Joseph Krosch. ( Für uns kann die gegnerische Versammlung nur erfreulich sein, da wir voraussehen, daß die genannten Agenten der Bourgeoisie Fiasko machen werden, indem der sozialdemokratische Samen in Reichenberg gute 495 Wurzel gefaßt hat. Die Parteigenossen mögen unterdessen sich rüsten; an unserer Beihilfe soll es nicht fehlen, wir werden nöthigenfalls auf dem Platze sein. Anm. d. Red.) Frankenhausen in Thüringen, 20. September. Herr Röthing ( Leipzig) und Vater( Hamburg) famen, famen, ich war faum von dem Eisenacher Congreß zurück, hierher und suchten mich auf, fragten, ob es nicht möglich sei, eine Volksversammlung abzuhalten; ich sagte ,, ja!" das war an einem Mittwoch, und es wurde festgesetzt, Sonntag darauf eine Versammlung einzuberufen. Man versprach mir, wenn ich Nachricht nach Weißenfels gebe, dann würden die beiden genannten Herren kommen. Nun heißt's im ,, Sozialdemokrat"( Nr. 110 unter ,, Leipzig") daß feine Antwort gekommen wäre. Nein, Herr Röthing, ich will nachhelfen: das Ding ist anders, die Nachricht ist als telegraphische Depesche an Karl Schilling in Weißenfels gekommen, gerade als die Versammlung daselbst stattfand; ich hatte mein Wort gegeben, hab' es auch gehalten, Sie aber nicht, Sie fürchteten sich blos vor dem Cigarrenarbeiter Wiese; welcher Ihnen die Strike der Cigarrenarbeiter in Vegesack bei Bremen in das Gedächtniß rief. Was wollten Sie Beide auch hier? Als ich sagte, ich wollte alles besorgen, mit dem Vorbehalt feinen Personenfultus zu treiben, da sagten Sie: ,, ich spiele gewiß auf Schweißer an, Sie wären selbst ein Gegner desselben!" Herr Vater sagte: Wir Arbeiter wollen unsere Sache selbst in die Hand nehmen, wir brauchen Niemand, Schweizer so wenig als Bracke!" Darauf hin sagte ich zu. Aber das Schönheitspflästerchen, welches Sie da bringen, gefällt mir nicht, ich hab' es aber anders ausgelegt, ich dachte: Wo kommt das Reisegeld her? Sie sagen doch selbst, daß es schweres Geld kostet, eine Reise nach Frankenhausen zu machen; aus Ihrer Tasche kam es doch nicht. Ich weiß, daß Sie sich gefürchtet haben, wiederzukommen, aber nur keine unwahrheit! Geld hatten Sie noch, die Reise zu machen. Mich hätte es sehr gefreut, wenn Sie gekommen wären, dann hätte ich sagen können: es gibt doch noch welche ,, dabei", die Wort halten. A. Welke. Augsburg, 20. Sept.[ Abfertigung.] Herr Tauscher, Schriftsezer und Präsident der schweizerschen Manufaktur- Gerwerkschaft, der den Delegirten zu Eisenach durch sein fanatisches Gebahren schon bekannt ist, hat seit einiger Zeit in seinen Mitgliederversammlungen über mich geschmäht, sowie in dem zu München erscheinenden ,, Prole= tarier" Schmähartikel über mich geschrieben. Ich fand es nicht der Mühe werth, dieselben zu beantworten, da ich meine Zeit nüzlicher verwerthen kann und muß. In Nr. 108 des ,, Sozial- Demokrat" nun bringt genannter Tauscher einen Artikel aus Augsburg, in welchem, außer der von ihm veranstalteten und gänzlich verunglückten Arbeitseinstellung, auch meiner Person gedacht ist, weshalb ich mich diesmal meiner Parteigenossen wegen veranlaßt sehe, auf die Sache einzugehen, muß jedoch bemerken, daß ich, was auch weiter noch über mich geschrieben werden sollte, teiner Entgegnung würdigen werde. Um das Treiben Tauscher's aufzudecken, sei zuvörderst bemerkt, daß die Arbeitseinstellung zum guten Theil der persönlichen Eitelkeit Tauscher's zu danken war. Durch das Benehmen bei der letzten Volksversammlung im ,, Mohrenkopf" wegen der Landtagswahlen, ferner durch sein Benehmen bei den Arbeiterversamm lungen vor dem Eisenacher Kongreß, waren viele denkende Mitglieder stuzzig geworden und in letzter Zeit traten viele aus dem Verein aus Deshalb dachte Tauscher wie Dr. Schweizer: ein bequemes Zugmittel ist eine gelungene Arbeitseinstellung. Die Weber in Pfersee sind die am schlechtesten bezahlten aller Webereien Augsburgs. Ihre Forderung war eine gerechte und somit die Theilnahme des Publikums sicher. Alles war somit gut bis auf die Hartnäckigkeit der Fabrikanten über haupt und die Leere der Gewerks: sowie der Verbandskasse insbeson bere. Die Mildthätigkeit und Aufopferungslust der beschäftigten Ar beiter war groß, doch für die Länge nicht ausreichend, weil nur circo 12 Mitglieder in der Gewerkschaft waren, die übrigen 340-50 dagegen von freiwilligen Gaben erhalten werden mußten. Man hätte denter sollen, daß ein solches Unternehmen gehörig überlegt werde, indem eine mißlungene Arbeitseinstellung viele schwache Mitglieder und der Ge werkschaft noch Fern stehende stuzzig und abwendig macht. Es ist auc so gekommen. Viele von den Strikenden sind sehr aufgebracht, das den Versprechungen nicht nachgekommen worden ist. Von Anderen welche noch etwas zum Verseßen hatten, wanderte alles nur irgen Entbehrliche ins Pfandhaus oder zum Trödler, und nun sind Viele au lange Zeit in Elend und Noth versetzt, abgesehen davon, daß nun ein Fabrikantenfoalition entstanden, und von allen Forderungen keine durch gedrungen ist. Mit solchen Klagen famen Manufakturarbeiter zu mir um sich Rath zu erholen. Doch genug hiervon. Gegen Schluß des Artikels kommt Hr. Tauscher auf die Metall arbeiterschaft zu sprechen und erwähnt, daß viele austreten und zu an dern Gewerkschaften übertreten wollten. Es ist möglich, daß es Solch gibt, aber der größte Theil wartet ab, bis die Sache zwischen Verban und Gewerkschaft entschieden ist. Ich meinestheils muß hier dem Fa natifer Tauscher aber sagen, daß gerade er es zumeist ist, der burd sein intriguantes Benehmen eine Gewerkschaft, welche die beste und so libeste war, so weit veruneinigte; indessen mag kommen, was will, i viel ist sicher, daß ich, sind die Wirren beseitigt, immer wieder ein stattliche Anzahl Mitglieder zusammen bringe, und die Uebrigen wer den schon wieder nachkommen. Dem Hrn. Tauscher möchte ich indesser rathen, sich um seine eigenen Gewerkschaft zu kümmern, denn so viel ich weiß, ist manches sehr faul in derselben. Ferner bemerkt Tauscher, ich hätte mit ,, wahrer Aengstlichkeit" die Organisation gehütet. Allerdings, Hr. Tauscher, habe ich das ge= than; die Organisation Lassalle's ist allerdings gut, allein es muß dieselbe in der Hand eines ehrlichen Mannes liegen, sonst nüßt die beste Organisation nichts. Ich weiß eben, daß Hr. Schweizer sich schon manche Intriguen und Ungehörigkeiten hat zu Schulden kommen lassen, deßhalb wachte ich und deßhalb bin ich auch aus dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein ausgetreten, für den ich so viel gewirkt und geopfert habe. Denn wenn der Präsident die Beschlüsse der Generalversammlung zu stürzen sucht und den Vorstand belügt, so kann ich das doch nicht ehrlich nennen. Weiter erwähnt Hr. Tauscher, ich hätte gejagt: Es richten sich eben alle Angriffe nach der Spize. Auch dieses ist richtig, hier aber liegt der Fall umgekehrt, Tauscher merfe Dir das, hier war es eben der Präsident selbst, der das Barmen- Elberfelder Statut eigenmächtig vernichtete. Dieser Angriff geschah nicht von Feinden des Vereins, sondern von der Spize selbst, um unbeschränkt herrschen zu können. Es war eben ein Dezemberstreich im Kleinen. Du hast Dich eben von Kassel her schon von Schweitzer selbst und dann hier von Lübkert überreden und in Eisenach ,, übertölfeln" lassen, zudem Deine Stellung als Präsident nicht gefährden wollen, und nun fannst Du nicht wieder zurück, ohne Dein Ansehen bei der Masse überhaupt gänzlich zu verlieren. Es rächen gemachte Fehler sich oft nur zu schnell! Endlich berufst Du Dich auf öffentliche Versammlungen. Nun ja, auf diesen überbietet allerdings Deine Stimme die meine, zudem ich mich ja nie als Volksredner hingestellt, sondern eben nur Deine Reden durchgelesen und Dir meine Erklärung über diesen oder jenen Punkt, der wegzulassen oder abzuändern war, abgegeben habe und überhaupt den Gang der Versammlung überwachte. Ich muß Hrn. Tauscher überhaupt noch darauf aufmerksam machen, er möge doch an alle Versammlungen, welche vor dem Kongreß stattfanden, denken, insbejondere an jene, in welcher Bonhorst referiren sollte. Wie hast Du doch damals ein Rennen und Laufen der einzelnen Mitglieder den Tag über veranlaßt, um ja die blinde Masse für Dich zu haben, und Bonhorst nicht zu Wort kommen zu lassen. Nein, Tauscher, lärme und tobe immer von der Tribüne herab und lüge, daß die Tribüne fich senken mag, Dich meinethalben heiser; es wird doch jene Zeit kommen, in welcher Diejenigen, welche die Arbeitersache rein von allen Sonderinteressen erhalten wissen wollen, das jezige Treiben verdammen und sich davon abwenden werden. Die Wahrheit, oft lange unterdrückt, wird schließlich ooch immer durchbringen. Nun, Tauscher, habe ich Dir geantwortet, allerdings nimmt der ,, Sozial- Demokrat" diese Erklärung von mir nicht auf, deßhalb wer= ben auch Deine Anhänger dieselbe nicht erfahren. Ich schreibe überhaupt dieses nur, um vor den Augen meiner Parteigenossen gerechtfertigt dazustehen, das lebrige liegt noch in der Zukunft verborgen urd fommt schon noch zum Austrag. Du erstrebt vielleicht, ohne es zu wissen, die preußische Spize, ich den freien Volksstaat; geh Du rechts, ich gehe links. Lebe wohl. Da ich nun schon einmal am Schreiben bin und in Nr. 108 des Sozial- Demokrat" die ungemeine Thätigkeit Haustein's gegen Präsident und Ausschuß der Metallarbeiter finde, so kann ich nicht um hin, Dir, Haustein, meine Gratulation zum Präsidenten der Metallarbeiter zu machen. In der That, wenn ich mir die gegenwärtigen Gewerkspräsidenten alle in einem Rahmen darstelle, z. B. Liebisch, Kölsch, den unvermeidlichen Klein 2c., ich sage, wenn ich mir diese Ercellenzen alle vorstelle und in ihrer Mitte, ausgerüstet mit den Attributen absoluter Herrschaft, sie alle weit überſtrahend, ſeine ſozialistische Herrlichkeit oder Heiligkeit, den Herrn Verbandspräsidenten, so finde ich allerdings, daß Schulze hier hinein nicht paßt, sondern daß Du die geeignetste Berson bist, welche diesen Raum einzunehmen hat. Seine unfehlbare Herrlichkeit wird jagen, daß Du diese Stellung in dem Rahmen erhältst; und mir erübrigt nur, daß ich meine Gratulation barbringe, was ich hiermit gethan haben will. Dein Jul. Jelle. Allen, und namentlich den Lesern des ,, Sozial- Demokrat" möchte ich den ,, Volksstaat"( Organ der sozial- demokratischen Arbeiterpartei) empfehlen, auf den mit dem 1. Oktober ein neues Abonnement beginnt, den Lejern des ,, Sozial- Demokrat" schon deßhalb, damit diese nicht zu einseitige Anschauungen bekommen, denn es ist leider sehr häufig der Fall, daß dieses Blatt als das allein seligmachende Evangelium augesehen wird ich selbst habe früher diesen Fehler gemacht. Cer Obige. Dresden, 20. September. Jm Arbeiterbildungsverein hat es in lezter Zeit scharfe Kämpfe gegeben, wobei freilich die Schärfe eigentlich nur auf Seiten der etwas erbitterten sozialdemokratischen Bartei war, da unsere Gegner nicht gerade überflüssige Intelligenz in ich vereinigen. Die Nationalliberalen dürften sich indeß sehr täuschen, wenn sie glaubten, nunmehr den Verein zu ihren Zwecken benutzen zu Berantwortlicher Redakteur: W. Liebknecht. ( Redaktion: Brauftr. 11). können; so tief sind auch die Angehörigen der momentanen Majorität noch nicht gesunken. Der ,, strebsame" Herr Händel hat seinen Ausspruch: der Verein jolle von den demokratischen und sozialistischen Wühlereien verschont bleiben, übrigens als eine Uebereilung bezeichnet und zurückgenommen, und man protestirte dagegen, für nationalliberal angesehen zu werden. Trotzdem werden in nächster Zeit Versuche zu reaktionären Maßregeln im Verein nicht ausbleiben und die Sozialdemokraten werden fleißig auf dem Plaze sein müssen, um diese zu bekämpfen, wir hoffen mit Erfolg. Die Liberalen fahren fort, in geschickter Weise in Volksversammlungen Dinge zu besprechen, wo sie Widerspruch nicht zu fürchten haben ( Unglücksfälle, Klosterfragen). Die letzte war großartig besucht. Vahlteich griff die Liberalen, soweit dies auf dem ungünstigen Boden der religiösen Frage möglich war, an, er verlangte Austritt aus der Staatskirche. Das war natürlich viel zu radical, es hieß, man müsse erst die Gesammtheit für die freien Ideen gewinnen, damit das Kirchenvermögen nicht verloren gehe. Leider war der alte Wigard nicht da, es wäre interessant gewesen, was er, der Deutschkatholik, seinen neuen Freunden, den Nationalliberalen, hierauf geantwortet hätte; wahrscheinlich würde er, wie der andere Ueberläufer, Herr Knöfel, geschwiegen haben ,,, der Einigkeit wegen." " Leipzig, 26. September. Triumph" der Schweizerlinge. In dem benachbarten Dorfe Connewis fand gestern Abend eine Volks versammlung statt, die, wegen mangelhafter Bekanntmachung, nur von etwa 200-250 Personen besucht war, darunter die 60-70 hiesigen Schweizerlinge. Da der Einberufer ein Mitglied unserer Partei es versäumt hatte, die nöthigen Vorsichtsmaßregeln gegen derartige Gäste zu treffen, so führten die 60-70 hiesigen Schweizerlinge ungehindert den üblichen Skandal auf, und zerbrachen schließlich für 9 Thlr. Stühle. Stoff für einen Siegesbericht im ,, Sozialdemokrat". Bemerken wollen wir noch, daß in Connewitz nächster Tage die Constituirung eines sozialdemokratischen Arbeiter Vereins stattfinden wird. = Todesanzeige. Unserem waderen Gesinnungsgenossen und Ansschußmitglied Franz Georgi ist heute Morgen auch unser alter braver Baumann, früher Vorsteher, zur ewigen Ruhe nachgefolgt. Ehre seinem Andenken! Friede seiner Asche! Meerane, 24. September 1869. Der Volksverein. Anzeigen. ,, Die Zukunft", demokratische Zeitung, empfiehlt sich dem mit der Gegenwart unzufriedenen, aber der Mannes that eines Abonnements noch fähigen Publikum in Deutschland. Sie hofft ihren Lesern im Laufe des nächsten Vierteljahrs eine Reihe ebenso anmnthiger wie nüßlicher Bilder als Prämien bieten zu können: Die Republik in Spanien, die Rebellion der Bischöfe in Rom, das Ende des Cäsarenthums in Frankreich und so weiter. Die Zukunft" erscheint sechsmal wöchentlich als Abendblatt, mit den Nachtzügen versendet, zum Preise von 1 Thlr. 15 Sgr.( 2 Fl. 42 Kr. rh.) vierteljährlich. Probenummern auf Verlangen gratis franco. mögenden und kaufenden Publikums, da der größte, nicht unbeträchtInserate dieser Zeitung gelangen zu Händen eines wirklich ver liche Theil ihrer Leser erwiesenermaßen zu den wohlhabendsten und ge= bildetsten Ständen Deutschlands zählt. Preis pro eingespaltene Petitzeile nur 1 Sgr. Größere und fortlaufende Inserate verhältnißmäßig billiger. Berlin. Die Expedition der Zukunft." Jüdenstraße 28. Frankfurter Beitung ( Anfl. 9000) und Handelsblatt.( Aufl. 9000) Der Abonnementspreis im Norddeutschen Bund außerhalb Breukens beträgt per Quartal 1 Thlr. 27 Sgr. 6 Pf. Abonnements werden bei allen Bostämtern angenommen. Frankfurt a/ M., im September 1860. Die Expedition der„, Frankfurter Beitung". Druck und Verlag: F. Thiele. } Leipzig.{ Expedition: Petersſtraße 18.