Preis: 60 1. cts. Freiheit Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 5-1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag/ Montag, 25./26. Juni 1933 Chefredakteur: M. Braun Hindenburgs jüdische Verwandte Glückwunsch Ein langjähriger deutscher Chefredakteur und Schriftsteller, ein Mann von euro. päischem Namen, drahtet uns aus PARIS: Herzlichen Glückwunsch! Famos! Famos! Freiheit! Auch Hindenburg verjudet! Berlin, 24. Juni.( Eig. Drahtber.) Eine neue antisemitische und antimarristische Terrorwelle geht wieder durch Hitler- Deutschland, obgleich nicht nur in der Familie des Reichskanzlers Hitler jüdisches Blut zu Hause ist, sondern auch der Reichspräsident von Hindenburg jüdische Verwandte hat. Bekanntlich ist Hindenburg der Sproß einer an und für sich nur wenig begüterken adligen Familie des deutschen Offens. Er selbst war wiederum nur der Sohn eines jüngeren Sohnes der Stammlinie Neudeck. Das Stammgut Neudeck im Kreise Freystadt in Ostpreußen hatte nur mäßigen Umfang, schlechten Boden und ein schmales, niedriges Herrenhaus. In dessen bescheidenem Seitenbau lebten und starben die Verwandten des derzeitigen Eigentümers, zum Teil verabschiedete Verwaltungsbeamte, zum Teil ausgediente Militärs. Unter diesen befand sich auch der Vater des Feldmarschalls, dessen jüngerer Bruder Bernhard, ein lyrisch angehauchter Schriftsteller, später Inhaber einer Fremdenpension war. Unter den weiblichen Verwandten des Feldmarschalls waren einige mit Bürgerlichen verheiratet und eine unter ihnen mit einem Militärarzt jüdischer Abkunft: Cohen van Baren. Der Reichspräsident und Feldmarschall von Hindenburg besitzt also jüdische Verwandte, was allerdings seinen Reichskanzler Adolf Hitler und dessen Henkersknecht Göring bisher nicht im geringsten daran gehindert hat, gegen die Glaubensgenossen der Verwandten des Herrn Reichspräsidenten in der barbarischsten und unfittlichsten Weise vorzugehen. Lebt Hindenburg eigentlich nicht mehr, daß er diesen Greueln und dem fortdauernden und noch intensiver gewordenen Boykott gegen die Juden sowohl, die die Glaubensgenossen der Verwandten des Reichspräsidenten sind, wie gegen die Marristen, die seine Kameraden im Weltkriege waren, nicht Einhalt gebietet?! Revolutionärer Flug über Berlin SA- Flugzeug wirft hunderttausende Flugschriften ab gegen den„ Führer"- KanonenKönig und„ Arbeiterpartei"-N. S. D. A. P. von Kapitalisten gekauft, sagt die SA Berlin, 24. Juni.( Eigener Bericht.) In Berlin wurden Donnerstag abend nach Einbruch der Dunkelheit Hunderttausende von Flugblättern verteilt, und zwar von einem in großer Höhe fliegenden Flugzeug ans. In diesen Flugblättern, die die Unterschrift tragen " Das Gewissen der SA.", wird der Aufruf der deutschen Industriellen zur Sammlung der„ Adolf Hitler: Spende der deutschen Wirtschaft" einer beißenden Kritik unterzogen. Dieser Aufruf, der vor kurzem erlassen wurde und von dem Kanonenkönig Krupp von Bohlen- Halbach unterzeichnet ift, auferlegt den deutschen Industriellen die„ Ehren"-Pflicht, der Nationalsozialistischen Partei für die nächsten zwölf Monate einen bestimmten Betrag zu spenden, um die zahlreichen Einzelsammlungen der verschiedensten Stellen und Verbände der NSDAP. abzulösen". Die von jedem Unter: nehmen zu zahlende Summe beträgt mindestens 5 v. Tausend der Jahreslohn- und Gehaltsumme des Jahres 1932; die Zahlung soll möglichst in einer Summe, andernfalls in Das Zentrum in der Schlinge Vierteljahrsraten, beginnend mit dem 15. Juni, erfolgen. Das Flugblatt, das von rebellierenden SA. Lenten stammt, rechnet aus, daß die Lohn- und Gehaltssumme von 1932 für die gesamte deutsche Wirtschaft mindestens 20 Milliarden Reichsmart betragen habe; das bedeute, daß die deutschen Industriels len der NSDAP. nunmehr mindestens 100 Millionen Reichsmart spenden" würden. Das Flugblatt wirft die Frage auf, welche Gegendienste Herr Hitler den Industriellen versprochen habe, um sie zu diesem Geschenk zu veranlassen, ob etwa der ganz in Verdiesem Geschenk zu veranlassen, ob etwa der ganz in Vergessenheit geratene„ Bier- Jahr- Plan" damit in Zu sammenhang stehe? Das Flugblatt fragt ferner, aus welchen Mitteln die NSDAP. in früheren Jahren gelebt habe; wenn jezt, nach der Machtergreifung solche Summen erforderlich seien, so sei anzunehmen, daß man vorher noch höhere Mittel benötigt habe. Ob jene Mittel auch von den Industriellen gespendet" worden wären und welche Gegendienste man da= mals versprochen hätte? Das Flugblatt schließt mit der Erklärung, daß die SA. ein Recht habe, Aufklärung zu fordern; wenn diese Aufklärung auch jegt ans= bliebe, dann sei der CA. Prolet nicht mehr im stande, der von marxistischer Seite seit jeher ausgestreuten Behaup tung entgegenzutreten, daß die NSDAP. von den Kapitalisten getauft" worden sei. Das Flugblatt hat in Berlin stärkstes Aufsehen erregt. Die Polizei, die sofort mit allen Bereitschaften eingesetzt wurde, war völlig außerstande, die Verteilung zu vers hindern. Die sofort unter Einsatz aller Mittel eingeleiteten Ermittlungen nach den Verteilern blieben bisher ohne Erfolg und werden wohl auch weiter ohne Erfolg bleiben. Die Reichsregierung verbreitet ganz andere Meldungen, die so gefaßt sind, als sollte der geheimnisvolle Flug zum Vorwand von deutschen Luftrüstungen genommen werden. Die Sache ist dunkel. Der Papst gegen Hitler! Die Braunen wollen die ,, schwarze Bestie" erwürgen gelischen noch vom katholischen Christentum berührt wird. Ruhmvoll ist auch die Haltung der katholichen Kirche in den letzten Monaten nicht gewesen. Sie hat sich zwar nicht an den Der Katholizismus mobilisiert den Widerstand Berlin, 24. Juni.( Eig. Drahtber.) Der päpstliche Nuntius in Berlin hat in einem an den Reichspräsidenten gerichteten Schreiben die Aufmerksamkeit des« Obersten Führers des Deutschen Reiches" erbeten für die Tatsache, daß die( von Nationalsozialisten) gegen katholische Geistliche verübten Gewalttaten in den letzten Wochen einen erschreckenden Umfang angenommen haben; besonders aus der Pfalz würden Vorkommnisse gemeldet, die infolge ihrer Zahl und ihres übereinstimmenden Charakters zu dem Schluß zwingen, daß es sich nicht um Einzelerscheinungen handelt, sondern um eine planmäßige Aktion. Der Nuntius bittet den Reichspräsidenten, dessen« überragende Objektivität in religiösen Fragen weltberühmt" sei, wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft alles zu tun, um den religiösen Frieden zu sichern. Dieser hochpolitische Schritt des päpstlichen Nuntius hat, wie der Deutschen Freiheit" aus Berlin gedrahtet wird. seinen besondern Hintergrund. Mit besonderer Aufmerksam keit verfolgt der Vatikan die Entwicklung in Deutschland, die längst einen wilden Kulturkampf- Charakter angenommen hat. Die nationalsozialistische Bewegung ist keineswegs hristlich. Eine ihrer Triebkräfte ist der militaristische Furor protestanticus, der reine Barbarei ist und weder vom evan,, Das ist Dr. Ley" Die ,, Deutsche Freiheit" wird am Montag einen Abschnitt aus dem Leben des ,, Arbeiter. führers" veröffentlichen Verfolgungen gegen die Marristen, Juden, Pazifisten und Republikaner beteiligt, aber sie hat auch nicht den Mut gefunden, sich dagegen aufzulehnen. Nur zaghaft war der Widerstand in vorsichtig formu Herten geistigen Rundgebungen zu spüren. Nun fühlt sich neben dem Zentrum der Katholizismus bedroht. Seine Priester werden mißhandelt und eingesperrt. Katholische Führer werden aus den Aemtern hinausgewor fen oder, wie die Zentrumsabgeordneten Professor Desjauer und Ersing, verhaftet. Rardinal Faulhaber hat sich über die Lage in Deutschland außerordentlich pessimistisch ge= äußert. Er spricht von einem neuen Kulturkampf, den der Nationalsozialismus vom Zaune gebrochen habe und fieht für die nächste Zukunft sehr schwarz. Er ist der Meinung, daß dann, wenn es dem Nationalsozialismus ge= lingen werde, seiner Ideologie entsprechend und gemäß der Berherrlichung des totalen Staates sich restlos durchaufezen- und es scheine, daß er dazu endgültig entschlossen fei!- das katholische Leben aus der Deffent: lichkeit verdrängt würde! Dieser Pessimismus des Kirchenfürsten ist zweifellos berechtigt. Richtig ist aber auch, daß die politische Partei des deutschen Katholizismus, das Zentrum, selbst die Schlinge geknüpft hat, in der jetzt Kirche und Zentrum erdrosselt werden sollen. Das Zentrum hat in der Märzsizung des Reichstages dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt, daß den Reichskanzler Hitler mit der Machtfülle ausstattete, die* jest brutal ausübt. Der damalige Zentrumsführer, Prälat Kaas, hat wenige Wochen später noch dem Reichskanzler Hitler ein Telegramm der Ergebenheit und der Trene zum Geburtstag gesandt. Man tat alles, um sich von den verruchten Marxisten abzuheben. Jm Saargebiet machte man die Landesverratsheze gegen unsere Partei mit. Einflußreiche Männer des saarländi schen Zentrums beteiligten sich an der verlogenen und ver= leumderischen Diffamierung des führenden saarländischen Sozialdemokraten Max Braun. Die Chriftlichen Gewerkschaften im Saargebiet beeilten sich, demütig den Diktaten des Gewerkschaftsräubers Ley sich zu unterwerfen. Geholfen hat das alles nichts. Ja, auch die rechtswidrige Annullierung der sozials demokratischen Parlamentsmandate nahm die Zens trumspresse ohne ein Wörtlein der Kritik hin. Diese Kassierung ist übrigens nur erfolgt aufgrund der Schein legalität, mit der das Zentrum den Kanzler Hitler bekleidet hat. Nun schreibt die Nazipresse: Wann folgt das Zentrum?" Wenn, woran kaum noch zu zweifeln ist, in irgendeiner Form auch die Unterdrückung des Zentrums erfolgt, so geschieht es mit den Waffen, die das Zentrum den jezigen Herren Deutschlands geliefert hat. Die Aunulierung der sozialdemokratischen Mandate gibt den Nationalsozialisten eine Zweidrittelmehrs heit im Reichstage. Deutschnationale und Zentrum sind damit praktisch auch im Reichstage ausgeschaltet. Hitler und Göring können jederzeit, wenn es beliebt, den Reichstag versammeln lassen und mit Zweidrittelmehrheit in schönster Legalität" jede Verfassung beschließen lassen, die dem Nationalsozialismus paßt. Gewiß, das alles hat mit Gefeßlichkeit nichts mehr zu tun. Jeder mußte wissen, daß der Faschismus Recht und Gesetz verachtet. Darum mußte von jeder sittlichen Welt= anschauung aus, also nicht zuletzt vom Katholizismus, der Kampf aufgenommen werden. Das Zentrum hat es ver= jäumt, ja es hat sogar ausdrücklich die Machtergreifung des Faschismus legalisiert. Auch der Katholizismus hat zulange gezögert, statt die ganze große katholische Welt gegen die Schändung deutscher Menschen aufzurufen. Man wird er leben, ob Zentrum und Ratholizismus in Deutschland noch die Kraft haben, sich aus der Umflammerung zu befreien. Auch Bayersdörfer verhaftet Neustadt a. d. H., 24. Juni. Seit hente früh ist in der hiesigen Stadt durch SA. und SS. eine Säuberungsaktion im Gange. Bis jetzt wurden in Schutzhaft genommen Ges heimrat Dr. Bayersdörfer und Oberstenerinspektor Bed vom hiesigen Finanzamt.- Bayersdörfer ist ein greiser Abgeordneter der Bayerischen Volkspartei. Paul Löbe verhaftet Im Kerker und mit ihm noch viele andere Göbbels hat seine Drohung wahrgemacht. Paul Löbe und mit ihm noch mehrere andere Führer der Sozialdemokratie, deren Namen bis jetzt noch unbekannt sind, hat man als Geiseln festgesetzt, mit der Begründung, daß die Sozialdemokratie fortdauernden Landes- und Hochverrat treibe. Wir wissen, wie sehr sich Paul Löbe, von gewissen Illusionen nicht frei, bis zur letzten Stunde darum bemüht hat, der Bewegung einen Spielraum in Hitler- Deutschland zu erhalten. Andauernd hat er bei Görin Schritte unternommen, um die Befreiung der in Schutzhaft befindlichen Genossen zu erreichen. Schließlich kam er in taktischen Gegensatz zum Vorstand der Partei in Prag, werkschaften wurde und ihre Führer in Schußhaft gesetzt wurden, bat er Leuschner flehentlich, die deutschen Arbeiter in Genf nicht im Stich zu lassen und sie zu vertreten. Leuschner tat es in hervorragender Weise, aber gegen den Sturm, der sich in Genf gegen den faschistischen Usurpator erhob, fonnte er nichts ausrichten. Ley attestierte Leuschner, daß er troß seiner internationalen Gesinnung" auf dem Posten geblieben sei.... Als Ley wegen seines Benehmens aus Genf hinausflog, rächte er sich an Leuschner. Deutsche Mannestrene! Auch das noch! der in der Erkenntnis, daß irgendeine Arbeit für die Sache Auch das des Sozialismus in Deutschland nicht mehr möglich sei, von außen her das Sturmbanner gegen den Hitlerfaschismus entrollte. In dieser Stunde, wo Paul Löbe im Kerker sitt, gebenten wir dieses mutigen und aufrechten Kämpfers, dessen ganzes bisheriges Leben Die'nst und Opfer für die Sache des Sozialismus ge= wesen ist. In den Jahren 1905-07, damals Redakteur der Breslauer Voltswacht", verbüßte er ein Jahr Gefängnis, das ihm die preußische Vorkriegsjustiz wegen angeblicher Aufreizung zum Klassenkampf zudiftiert hatte. Sein Aufstieg zum bedeutenden parlamentarischen Führer begann erst nach dem Kriege. Auf dem Präsidentenstuhl des deutschen Reichstages genoß er durch seine Ueber legenheit und seine Liebenswürdigkeit selbst in den heikelsten Situationen das Vertrauen auch seiner politischen Gegner. Ein Redner von großem Format, bejubelt in unzähligen Volksversammlungen nun sißt Paul Löbe in, Schuzhaft". Unsere ganze Treue ist ihm sicher. In der Stunde, in der die„ Deutsche Freiheit" die ersten Breschen in das HitlerGefängnis legt, werden wir mit Paul Löbe um die Verwirk lichung des Sozialismus weiterfämpfen. Freiheit, Paul Löbe! Bel Geßler wird gehaussucht! Die Anarchie wächst... Berlin, 28. Juni. Bei dem früheren Reichswehrs minister Dr. Geßler, der früher der Deutsch- demokratischen Partei angehörte und sich im Laufe der Zeit bis auf den rechten Flügel der Deutschnationalen hinübergemanfert hat, fand gestern eine polizeiliche Haussuchung ftatt. Geßler wird beschuldigt, Material wegen der Grenel taten der Nationalsozialisten gesammelt au haben. Ueber das Ergebnis der Haussuchung ist nichts bekannt. Dr. Geßler Dr. Geßler war bis vor kurzem der Vorsitzende des Vereins für das Deutschtum im Auslande" und galt lange Zeit hindurch als Anwärter auf ein Ministeramt eines Kabinetts der so= genannten„ Nationalen Konzentration". Ley verhaftet seinen Helfer Leuschner und Ersing in Schutzhaft genommen Karlsruhe, 28. Juni. Auf Anordnung des badischen Innenministers wurde der frühere hessische Innenminister Lenschner( Soz.), der sich in Genf in einer gegen die Interessen des Deutschen Reiches gerichteten Art und Weise" gegenüber der deutschen Delegation benommen hat, heute mittag in Freiburg i. Br. festgenommen und in Schußhaft gebracht. Der badische Reichstagsabgeordnete Ersing vom Zentrum wurde heute in Karlsruhe ebenfalls festgenommen und in Schutzhaft gebracht. Erfing wird vorgeworfen, daß Es gibt keine grausame Gemeinheit, die von dem deutschen Reichskanzler und seinen Görings nicht ausgeheckt wird Seit Monaten werden in Deutschland zehntausende Menschen, die nichts getan haben, als daß sie sich in ihrer Ueberzeugung von den Hitlers unterscheiden, in Schutzhaft gehalten. Jedes Recht zur Verteidigung ist ihnen genom men. Sie werden rein willkürlich hinter Gefängnismanern und in Konzentrationslagern gehalten. Nun hat die Regie: rung angeordnet, daß diese Schußhäftlinge ihren Unterhalt selbst bezahlen müssen. Die letzten Spargroschen, soweit sie von der SA. nicht schon ohnehin gestohlen sind, werden für diesen Zweck beschlagnahmt. Wo nichts mehr vorhanden ist, müssen Verwandte mit ihrem Geld herhalten. Der russische Zarismus war ob seiner Quälereien polis tischer Gefangenen berüchtigt in aller Welt, aber eine Vers ordnung wie diese hat kein Zar zustande gebracht. Man weiß, wie der Zarismus endete und kann sich Wir erobern Saarbrücken Die ,, Deutsche Freiheit" schlägt die kapitalistische Presse Von Tag zu Tag erhöht sich sprunghaft unsere Auflage auch im Saargebiet. Schon jetzt setzt die« Deutsche Freiheit" in Saarbrücken mindestens dreimal soviel Exemplare ab wie die gesamte bürgerliche Presse zusammen genommen. Man glaubte im Saargebiet die Sozialdemokratie ächten zu können. Schon wendet sich das Blatt. Wir danken allen Werbern, allen Freunden! Ueberrennt die feigen Gleichschalter im Saargebiet! Der Kampf für Deutschland und seine Ehre ist in unserem Lager. Freiheit! Werkhalbjahr 1933" vor, dessen Inhalt folgendermaßen Iautet: Mitzubringen ist: Wanderanzug und Ausrüstung, Unterwäsche, reichlich Socken und Strümpfe, Waschzeug, Turnzeug und wenn vorhanden, Trainingsanzug, Schuhpuzzzeug. Erwünscht ist: Sportgerät, Photoapparat, Mufifinstrument, Liederbuch. Gestellt wird im Lager: Arbeitsanzug und Arbeitsstiefel." Es ist bemerkenswert, daß nur vom„ Arbeitsanzug und Arbeitsstiefel" die Rede ist, nicht aber von Arbeitswerkzeu gen, die zu wirklichen Arbeiten im Lager ja immerhin auch gestellt werden müßten. Es steht zu vermuten, daß- in einem Rest von Schamgefühl die Verantwortlichen sich zum Schluß doch noch gescheut haben, das Gewehr, das dem Arbeitssoldaten in die Hand gedrückt wird und mit dem er ausgebildet wird, als Arbeitsgerät zu bezeichnen! Sie bauen... Ihre Sorgen! vdz. Berlin, 23. Juni. Wie das VD3.- Büro meldet, find die Vorbereitungen für einen Umbau des Sizungssaales des preußischen Staatsrates nach dem Vorbild eines großen Sizungssaales im Braunen Haus in München eingeleitet worden. Der Sizungssaal des Staatsrates der nach den für die bisherigen Parlamente üblichen architektonischen Grundsäßen ausgebaut ist, soll entsprechend den neuen erweiterten Zuständigkeiten und Aufgaben, die im Staatsrat zu lösen sind, ein Gepräge erhalten, das den nationalsozialistischen deen gemäß ist. Professor Troost ( München), der Architekt des Reichskanzlers, wird die architektonische Umbildung nach dem Muster des Braunen Hauses leiten. Im einzelnen verlautet, daß die bisherige Regierungsbank ebenso verschwinden werde wie das bisherige Präsidentengestühl und der jetzige amphitheatralische Aufbau des Plenums. Der Plenarsizungssaal wird eingeebnet und in seiner Mitte wird ein Plaz für den Sprecher errichtet. um den sich dann die Mitglieder des Hauses bezw. die Teilnehmer an Kundgebungen gruppieren werden. ( Adolf Hitler der tagelang zum Aussuchen der Tapetenmuster seines Braunen Hauses brauchte, fcheint auch als Reichskanzler feine größeren Sorgen zu haben. Es geht besser und besser Fett, Oel werden teurer lassen Arbeiter werden entDie offiziellen deutschen Stellen melden mit Eifer Tag für Tag, daß in Deutschland andauernd alles besser werde. Uns liegt der Brief einer Arbeiterfrau aus Offenburg in Baden vor, der die Dinge vom Standpunkt des Volkes aus etwas anders beleuchtet. Es heißt in dem Brief, daß nicht nur Fett erheblich teurer geworden sei, sondern auch Del. Zur Zeit fänden in verschiedenen Fabriken neue LohnverHandlungen statt. Es sei noch sehr zweifelhaft, ob man die geplanten Lohnherabsehungen werde verhindern können, oder ob die Fabrikanten nicht, wie man fürchte, die Betriebe schließen würden! Die Frau berichtet ihren Verwandten im Saargebiet dann weiter, daß ein bekannter junger Mann soeben wie viele andere auch, entlassen worden sei. Diese Nachrichten sehen etwas anders aus, als die der deutschen amtlichen Propaganda. Preiserhöhungen, Ruin der Wirtschaft, Betriebsstillegungen und Arbeiterentlassundas ist das Deutschland des dritten Reiches"! gen ungefähr vorstellen, wie das Ende der Hitlers und Görings Auch in Danzig Gewerkschaftsraub Richter verkünden es... sein wird. Hitler- Niederlagen Vom Landgericht wurde heute das Urteil in der Einstellungsklage der Gewerkschaften gegen die durch einstweilige Verfügung begründete Uebernahme der Danziger Gewerkauf Niederlagen schaften durch die Beauftragten des Reichskommissars verBasel, 24. Juni.( Eig. Ber.) Hitlerdeutschland hat sich wiederum eine emps findliche Niederlage auf einer großen internatio= nalen Tagung geholt. Die internationale Ge= nossenschaftskonferenz wurde Zeuge eines großen Affronts aller Länder der Genossenschaftsinter= nationale gegen die Hitlerdespotie und ihre Brutalitäten. Der Generalsekretär der Genossenschaftsinternatio nale, Henry May, der besonders kräftig unterstützt wurde von seiten der französischen und englischen Dele gierten, nahm ganz entschieden Stellung im Namen der Genossenschaften der Welt gegen den Aus= rottungskampf des Hitlerismus in Dentich: land in bezug auf die freie Selbsthilfe der Konsumenten. Die Stellungnahme aller übrigen Länder gegen Hitler: deutschland war so einstimmig, so gravierend und so erledigend, daß der deutschen Hitlerdelegation nichts anderes übrigblieb, als tiefbeschämt und möglichst schnell den Saal zu verlassen. Es dürfte auch hier, genau so wie auf der Internationalen Arbeitskonferenz. zu einer schimpflichen Abreise der deutschen Hitler: delegation kommen. Und dabei braucht der Nationalsozialismus gerade außenpolitisch Erfolg so nötig, wie der Trinker den Fusel und der Militarist seine Blechmusik! er sich bemüht habe, die Gegner der nationalen Regierung ,, Mitzubringen ist" unter bestimmten Parolen zu sammeln. Leuschner gehörte seit langem der deutschen Arbeitnehmerdelegation in Genf an. Als Ley Diktator der GeDas ,, Arbeitsdienst"-Militär in Deutschland Uns liegt ein vom Landesarbeitsamt Stuttgart ausgestelltes Ausrüstungsmerkblatt für die Teilnehmer qm fündet. Die einstweilige Verfügung, wonach die Gewerkschaftsführer dem Beauftragten des Reichskommissars jämtliche Aften usw. auszu liefern und sich jeglicher Tätigkeit zu enthalten haben, wird bestätigt. Damit sind auch in Danzig die klassenkämpferischen Gewerkschaften endgültig verschwunden. In der Begründung des Urteils wird festgestellt, daß die Anordnungen des Reichskommissars auch für die Danziger Gewerkschaften Gültigkeit haben. 15 Jahre ins Zuchthaus Marta Boddin verantwortlich für ihre Taten? cnb. Berlin, 28. Juni.( Eig. Mldg.) Jm Prozeß gegen Marta Boddin wegen des wiederholten Mordversuches an der kleinen Rosemarie, erstattete in der heutigen Sizung der Gerichtssachverständige Prof. Dr. Müller- Heß sein Gutachten über den Geisteszustand der Angeklagten. Er fam zu dem Schluß, daß die Angeklagte zwar in hohem Grade geistig minderwertig sei, aber doch nicht so geisteskrank, daß fie für ihre Taten nicht strafrechtlich voll verantwortlich sei. Der Verteidiger beantragte die Zuziehung weiterer Sachverständigen und später die Untersuchung der Angeklagten in einer Frrenanstalt. Das Schwurgericht verurteilte sie wegen der bestialischen Mordversuche an ihrem Kinde Rosemarie au 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Berlin. Anläßlich des 50. Geburtstages des Wehrkreispfarrers Nazi- Müller veranstaltete die Reichsleitung der Glaubensbewegung Deutsche Christen" in der Philharmonie eine Morgenfeier, auf der Pfarrer Hossenfelder die Festansprache hielt, die sich deutlich gegen den Reichsbischof v. Bodelschwingh richtete. Die Antwort des..Sozialdemokrat" Ungeheuerlicher Sadismus Unglaubliche Perversitäten mit Schutzhäftlingen Die SA.- Bestien quälen ihre Opfer unmenschlich/ Greuel im Schutzhaftlager Königstein Vor einigen Tagen hat die Reichsregierung noch die Ehre den Märtyrern! Nachricht verbreitet, daß der Prager Sozialdemo frat" Greuelmärchen erzähle und hatte auch im Rundfunk eine ähnliche Meldung wiedergeben lassen. Darauf hat jetzt der Prager Sozialdemokrat" unter der Betonung, daß er die ausdrückliche Verantwortung für seinen Bericht übernimmt, folgende Antwort gegeben: „ Die Reichsregierung ist noch immer damit beschäftigt, Greuelmeldungen zu widerlegen; es ist begreiflich, daß ihr diese Tätigkeit viel zu schaffen macht, handelt es sich doch um einen Kampf gegen die Wahrheit, dessen Ausfichtslosigkeit außerhalb der Reichsgrenzen schon gründlich offenbar wurde. In den letzten Tagen ließ die Reichsregierung das Wolffiche Telegraphenbüro über den deutschen Rundfunk einen Bericht des„ Sozialdemokrat" über die Häufung der Todesfälle in den Konzentrationslagern widerlegen". Die Reichsregierung behauptete, es sei nicht richtig, daß sich die Zahl der Todesfälle in den Lagern häuse und sich schon auf 270 belaufe. Es handle sich um typische Lügenmeldungen der bereits in der ganzen Welt sattsam bekannten Prager Lügenfabrik". Es seien lediglich einige Kommunisten bei Fluchtversuchen" erschossen worden. Die Verdächtigung, daß die Gefangenen vergiftet würden, sei ein niederträchtiges, echt marristisches Unterfangen. Schließlich wurde im Rundfunk des Herrn Göbbels mitgeteilt: Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß vor längerer Zeit eine größere Zeitung in Schlesien eine Einladung an alle Pressevertreter der Tschechoslowakei gerichtet hatte, um verschiedene Konzentrationslager in Deutschland zu besichtigen. Der größte Teil ist dieser Einladung gefolgt und hat sich von dem einwandfreien Zustand der Konzentrationslager und der tadellosen Behandlung der Gefangenen überzeugen können, worüber bekanntlich in der Presse eingehend berichtet wurde. Bezeichnend ist, daß die Vertreter der sozialdemokratischen Bresse diese Einladung ohne Begründung ablehnten. Der Verdacht liegt sehr nahe, daß die Ablehnung erfolgte, um die Wahrheit nicht zu sehen und die Welt weiterhin, wie bisher, mit verlogenen Greuelmeldungen zu versorgen. Dazu haben wir zu sagen, daß wir die„ Görlizer Beitung", die uns die Einladung auf dem Wege über die Reichenberger Kanzlei der Deutschen Nationalpartei übermittelt hatte, zweimal auffordern ließen, uns eine Einladung der Reichsregierung unter Erfüllung der von uns gestellten Bedingungen zu verschaffen. Eine Antwort ist bei uns nie eingetroffen! Das nimmt uns nicht Wunder angesichts der Tatsache, daß der Reichsregierung eine Besichtigung der Konzentrationslager nur nach einem bestimmten Schema, nicht aber eine gründliche Prüfung erwünscht ist. Es ist seltsam, daß die Reichsregierung zwar die Zahl der von uns mitgeteilten Todesfälle bestreitet, selbst aber feine Zahl nennt. Noch seltsamer ist es, daß sie von den„ GrSchießungen auf der Flucht" spricht, obzwar doch hundertfach Quälereien wehrloser Gefangener und Selbstmordversuche und zahlreiche Erschießungen von Nichtkommunist en bekannt sind. Wir nennen nur die Rechtsanwälte Gold= mann, Benario und Kohn, die, ohne Kommu= niften zu sein, auf der Flucht" erschossen wurden.( Die Schüsse gegen sie waren von vorn abgegeben!)- Wir nennen den Fall des Arbeiters Rumpert aus Heidenau, der in Königstein zu Tode gequält wurde, den Fall Eck= stein Breslau, den Fall Raudies- Berlin und könnten die Liste noch fortsetzen. Was ist das überhaupt für eine Gesinnung, die die Verantwortlichen sich schon beruhigen läßt, wenn sie erkennen, es handle sich bei den Erschossenen " nur" um Kommunisten? Es ist elende Barbarengesinnung! Nationale Lese Zuletzt der Geist Analog der Erziehung des Knaben kann der völ tische Staat auch die Erziehung des Mädchens von dem gleichen Gesichtspunkt aus leiten. Auch dort ist das Hauptgewicht vor allem auf die körperliche Ausbildung zu legen, erst dann auf die Förderung der seelischen und zuletzt der geistigen Werte. Das Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein." ( Hitler: Eigene Worte.) Cäsar in Tiroler Tracht Als ich vor kurzem in Deutschland war, um mir aus der Nähe darüber klar zu werden, worin die Hitlersche Gefahr besteht, fragte man mich mehrfach, ob Hitler als deutscher Mussolini angesehen werden könnte. Ich habe geantwortet, daß das Italien von 1919 und 1920 und auch von später einen Hitler nicht geduldet hätte. Hitler ist eigentlich nur ein Zerrbild Mussolinis. Dieser hochmütige und feiste Desterreicher mit den harten und mißtrauischen Augen, dem zähen Ehrgeiz und den stürmischen Plänen mag wohl eine gewisse Vorliebe, für die Helden des alten Roms... haben, aber er hat doch genügend Verständnis für das Lächerliche, um einzusehen, daß Deutschland nicht die Beute eines österreichischen Kleinbürgers sein kann... Sein Heldenideal ist ein Julius Cäsar in Tiroler Tracht." ( Malaparte: Der Staatsstreich".) Kleine Geschichten flüstert man sich drüben zu Der arische Herr Göbbels Folterkeller in Volkshäusern Nächtliche Schreckensszenen/ Arbeiter rächen sich an SS.- Leuten Der Sadismus im Konzentrationslager/ Göring praßt, SA. hungert Vor einigen Tagen hat der Sohn eines Gewerkschafts: sekretärs, der fortgeschleppt werden sollte, vier SA.- Leute durch Revolverschüsse niedergestreckt. Der junge Mann wollte nicht, daß sein Vater den Schinderknechten des deutschen Reichskanzlers in die Hände falle. So hat er vier der zum Foltern Befohlenen niedergestreckt und sich selbst für seinen bedrohten alten Vater geopfert. Der Terror gegen jede sozialdemokratische Betätigung wird mit verstärkter Brutalität fortgesetzt. Aus Köln wird uns gemeldet, daß seit einiger Zeit sozialistische und kommu nistische junge Arbeiter, die bei der Flugblattverbreitung abgefaßt wurden, in den Kellern des Volkshauses an der Severingstraße eingesperrt und von der SA, den Partei: genoffen des deutschen Reichskanzlers, viehisch mißhandelt werden. Die Hausbewohner der umliegenden Gebäude berichten, daß die Schmerzensschreie der Gefolterten straßenweit zu hören sind. Die Erbitterung äußert sich in Ueberfällen auf SA.- und SS.- Leute. So wurde eine Gruppe von 14 SS.- Leuten, die wie unvorsichtig!- durch die proletarische Spulmannsgasse zogen, von sozialistischen Arbeitern jämmerlich ver: prügelt. Kurze Zeit darauf wurde von einem großen schnell herangezogenen Aufgebot SA. die Spulmannsgasse und die benachbarten Straßenzüge abgeriegelt und durchsucht. Die Arbeiter, die den Nazis die derbe wohlverdiente Lektion er teilt hatten, wurden nicht gefunden. Mißhandelten verhältnismäßig rasch das Bewußtsein wiederzuerlangen. Wenn sie sich einigermaßen erholt haben, werden die Mißhandlungen fortgesetzt. * „ Ich bin cin Lump, ich habe deutsche Volksgenossen beleidigt" Hildesheim, 28. Juni. Wegen Beleidigung eines Nationalsozialisten wurde ein Prokurist eines Hildesheimer Werkes von SS.- Leuten aus seinem Büro geholt und durch verschiedene Straßen der Stadt geführt, auf diesem Wege mußte er ein Schild mit der Aufschrift tragen: Ich bin ein Lump, ich habe deutsche Volksgenossen beleidigt!" Diese Meldung steht stolz in der Nazipresse. Dabei beschwert sich dieses Pack über„ Greuelmeldungen".. Die Meuterei in Frankfurt Die Ursache war der Besuch Görings Vor kurzem wurde gemeldet, daß in Frankfurt hunderte SA.- und SS.- Leute gemeutert haben, und die Auflösung von zahlreichen Stürmen und der Ausschluß von vielen SA.Leuten erfolgt ist. Jetzt wird bekannt, daß die Meuterei im Anschluß an die Behandlung der Hitlerjugend, der SA. und SS. bei dem Besuche des preußischen Ministers Vor dem Kölner Volkshause aber stehen nun SA.- Leute präsidenten Goering erfolgte. SA. und SS. und auch mit geschulterten Karabinern Wache. * Der Strohsack im Wasser Eine neue Belebungsmethode Von einem Sozialdemokraten, der aus einem Konzens trationslager entkommen konnte, wird uns berichtet, daß dort eine neue Methode geübt wird, um bewußtlos Geschlagene ins Leben zurüdzurufen. Man legt sie auf einen Strohsack, der im Wasser steht. Auf diese Art scheinen die Hätten die in Deutschland Herrschenden, also vor allem die Mitglieder der Reichsregierung, menschliches Gefühl, dann forgten sie überhaupt dafür, daß mit der Schande der Konzentrationslager aufgeräumt wird. Denn ebenso ungeheuerlich wie das, was in den Lagern geschieht, ist die Tatsache ihres Bestandes, ist die Tatsache, daß im Deutschland von heute Menschen um ihrer Gesinnung oder Konfession willen ärger als Zucht= häusler gehalten und von den höchsten Stellen des Reichs Tag um Tag verhöhnt werden. Die Beruhigungsversuche der Reichsregierung können vor allem das deutsche Volf selbst nicht überzeugen, das die Hitlerjugend mußten schon um 5 Uhr nachmittags aufmarschieren. Erst um 11 Uhr nachts geruhte Goering zu ers scheinen. SA.: und SS.- Lente fluchten, die Hitlerjugend fiel vor Müdigkeit fast um. Goering und seine Freunde tafelten dann und becherten bis früh um 3 Uhr, während SA. und SS. mit leerem Magen auf den Straßen Ehren: wache hielten. Schließlich machten die Leute Krach. In einem Telegramm an Hitler forderten sie, daß er endlich zum Sozialismus übergehe. Hitler gab daraufhin den Bes fehl, die Sozialisten hinauszuwerfen, und darin war er konsequent. durch tausende illegale Zeitungen und durch die Erzählungen der Opfer die Wahrheit erfährt. Die Wahrheit dringt auch wirksamer als die Abwehrpropaganda der Schuldigen, die das gesamte deutsche Volf mit Schmach und Schande bedecken - über die Grenzen und sieht so aus: In Königstein a. d. Elbe war ein Lager von„ Schuh": häftlingen, in das die SA. und die SS. wahllos Leute geschleppt hatte, die ihr nicht gefielen. Die Ge: fangenen wurden mit Stahlruten, Gummifnüppeln und anderen Gegenständen bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen, mit Füßen getreten und durch neue Martern wieder zur Besinnung Neudeutfche Charakterlofe Der Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm, hat in einer Rede zur Begrüßung amerikanischer Gäste seiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die Amerikaner bei ihrem Aufenthalt in Berlin wohl festgestellt hätten, daß das schaffende Volk nicht etwa unter dem Druck einer harten Diftatur feufze, sondern sich im Gegenteil wie erlöst von langer Knechtschaft fühle. Dürfen wir an Herrn Sahm die Frage richten, worin diese lange Knechtschaft bestand und wer sie ausgeübt hat? Sollte er etwa Herrn Adolf Hitler nachbetend von dem Joch der Marristen und der Juden reden, so erlauben wir uns, ihn daran zu erinnern, daß er, als er sein gegenwärtiges Amt anstrebte, sehr viel Wert auch auf die Unterstüßung seiner Bewerbung durch die Sozialdemokratie gelegt hat, und daß es ihm besonders darum zu tun war, zu diesem Zweck auch mit dem jüdisch- marristischen Stadtverordneten und Stadtältesten Hugo Heimann in Verbindung zu tommen. Als Herr Hugenberg der Londoner Wirtschaftskonferenz in einem Memorandum die deutsche Forderung nach Stolonialbesitz und nach Siedlungsraum unterbreitet hatte, und als die englische Preise diese Ansprüche scharf kriti sierte, wurde in Berlin von zuständiger Stelle" wer ist jetzt nicht alles zuständig- erklärt, daß deutschnationale Delegationsmitglied habe in der Denkschrift nur seine persönlichen Auffassunaen niedergelegt. Merkwürdig! Man hat uns doch gelehrt, daß in dem nach dem Führerprinzip regierten Deutschland nur ein Wille maßgebend sei. Und nun darf ein Minister noch dazu in einer so wichtigen Frage, der Welt persönliche Auffassungen vortragen! Aber wahrscheinlich wollte Herr Sugenberg beweisen, daß er und seine Freunde an sich Nationalismus von den Nationalsozialisten nicht übertreffen lassen. Sein Memorandum verfolate einen ähnlichen Zweck wie seinerzeit die berühmte Kriensrede des Herrn von Papen. Herr von Paven wurde von Hitler dasavouiert und später durch die Auflösung des Münchener Gesellentages der Lächerlichkeit preisgegeben. Herr Hugenberg erhält die Quittung für sein nationales Verhalten durch das Verbot der Deutschnationalen Verbände. Herr von Papen hat es nicht für unter seiner Würde gehalten, troß seiner Bloßstellung im Amte zu bleiben. Und Herr Hugenberg wird auf seinem Plazze ausharren bis man ihn mit Gewalt hinauswirft. Das sind aufrechte Männer und Charakterathleten! In den letzten Tagen hat sich ein neuer Verband von Weinbau und Weinhandel gebildet. Selbstverständlich stellt er sich hinter Herrn Adolf Hitler. Er will seine Erzeugnisse mit einem besonderen Kennzeichen versehen. Zweifellos wird das das Hakenkreuz sein. Und nun sind wir nur gespannt, ob dieses Kennzeichen auch für den zu exportierenden Wein Anwenduns finden wird. Die Deutschen Chisten" halten es mit der Demokratie. Sie wolle daß as, Kirchenvoit" die Wahl des protestantischen Biscis vornehme. Darum haben sie von einer Berliner Kundgebun aus den Reichspräsidenten und den Reichskanzler um Maßraumen gebeten, damit das ganze evangelische Volf in diese: obersten Führerfrage in Uebereinstimmung mit Reichskanzler Adolf Hitler selbst entscheide." Mit andern Worten: das Volk soll spre= chen, aber sein Wort hat nur insoweit Bedeutung, als es mit dem Adolf Hitlers übereinstimmt. Das ist jedenfalls eine neue Form der Demokratie. In Preußen ist eine Volizeiverordnuna gegen die Kurpfuschermittel erganaen. Danach ist die öffentliche Ankündigung oder Anpreifung solcher Gegenstände oder Verfahren verboten, wenn ihnen über ihren wahren Wert hinausgehende Wirkungen beinelegt werden, oder wenn die Art der Ankündigung oder Anpreisung geeignet ist, irre zu führen. Wie wär's, wenn man die Geltung dieser Verordnung nicht auf das medizinische Gebiet beschränkte, sondern auch auf das politische ausdehne? Kommt da Göbbels, der so überaus rührige Reichs- abend seine Rede und die wolle er sich anhören. Um halb P- F.= F- F. propagandaminister, in ein süddeutsches Städtchen, um eine große Rede zu halten. Er ist noch zwei Stunden zu früh und da beschließt er, das Städtchen sich ein wenig anzusehen. Er setzt sich in ein Tari und sagt zu dem Chauffeur, er müsse um halb 8 Uhr wieder vor der Stadthalle sein. Dieser meint, er hätte feibst auch keine Zeit, ihn länger zu fahren, denn der Herr Reichspropagandaminister Göbbels halte heute 8 Uhr lädt der Chauffeur den unerkannten Göbbels vor der Stadthalle ab. Die Fahrt kostet 4,50 Mark. Göbbels gibt ihm 5 Mark und meint, es sei schon recht. Darauf der Chauffeur ( Göbbels ansehend, der ja ein klein wenig jüdisch aussieht, er soll zwar bewiesen haben, daß sein Stammbaum prima prima sei):„ Nein, ich gehe doch nicht in diese Versammlung, Göbbels hat nicht recht, es gibt doch noch anständige Juden!" In Deutschland feiert man Siege über Siege der alten Armee, fast tagtäglich, in Scha'en. im 2heater im 300, und dabei hängen immer die unvermeidlichen Fahnen aus den Fenstern. Auf allen Straßen und Plätzen wird gesammelt. Da geht nun das geflügelte Wori um: en spreche nicht mehr von der Programnifclze der Reichsregierung, sons bern nur noch von der Fest- roige. gebracht. Ein Familienvater aus Heidenaut wurde so zugerichtet, daß er starb. Wir teilen der Reichsregierung, wenn sie es noch nicht wissen sollte, mit, daß in Königstein Häftlinge gezwungen wurden, das blutig geschlagene Gesäß ihrer Leidensgefährten abzuleden; daß man Häftlinge zwang, drei Stunden lang das Gesicht über den frischen Kot von SA.- Lenten zu halten; daß angetrunkene SA.- Lente die Häftlinge nachts wedten und sie unter wüsten Drohungen zwangen, gebrauchte Präservative auszuleden; daß einem Jungdo- Mann ein solches Präservativ in die Tasche gesteckt und er dann wegen solcher Schweinereien" bestraft wurde; daß die Häftlinge zitterten, wenn sie des Nachts den Ge: fang ihrer angetrunkenen und über die Elbe seßenden Peiniger hörten, weil sie wußten, daß sie das Opfer sadistischer Orgien würden; daß die Häftlinge gezwungen wurden, in Gegenwart ihrer Peiniger zu onanieren und man von ihnen verlangte, wibernatürlichen Geschlechtsverkehr ihren Leidensgenossen zu vollziehen; daß die Häftlinge auf allen Vieren kriechen mußten und daß man sie dabei auf Füße, Hände und in die Hoden trat; daß man die Häftlinge zwang, aufeinander zu reiten, Lokomotive zu fahren" und sie dabei mit Tiernamen aller Art belegte; daß man den Häftlingen Geld stahl und sie zwang, zn= zugeben, daß fie Falschgeld gehabt hätten; Ichor oder ihnen zum Spaß ein Hakenkreuz ins Haar Die braune Besatzungsarmee schnitt; daß man den Mißhandelten ärztliche Hilfe ver: Hitlers Fahnen sind zu grüßen! sagte und sie sich völlig selbst überließ; daß man die Häftlinge strafweise" in feuchte und falte Rellergelasse warf und ihnen jede Schlafund Siggelegenheit verweigerte; daß man alle Gefangenen zwang, bei ihrer Entlassung zu bestätigen, es sei ihnen nichts geschehen. Dies alles geschah unter Leitung der SA- Führer Bienert Königstein und Fuhrmann- Gottleuba. Sie wurden, als das Lager in Königstein aufgelöst wurde, nicht etwa bestraft, sondern lediglich versetzt. Was in Königstein geschah ist so furchtbar, daß sich die Selbstmord versuche, die in allen Lagern in großer Zahl unternommen werden, von selbst erklären. Unbeschreiblich sind die seelischen Peinigungen, von denen ja auch die große Deffentlichkeit bei der Verhaftung und Bur schaustellung der Abgeordneten Mierendorff und Remmele erfuhr. Die Konzentrationslager, in denen solcherart wehrlose Männer und Frauen! zu„ nüßlichen Gliedern des neuen Deutschland" erzogen werden sollen, dienen offenbar ausschließlich den sadistischen Gelüften der SA. Wie anders kann die Reichsregierung den Bestand der Lager rechtfertigen? Wir übernehmen für das über Königstein berichtete die volle Verantwortung. Die Reichsregierung äußere sich nun!" Wahrhaftig, sie muß sich äußern und eine unparteiische Und die Briefkästen....? Wir haben immer schon gesagt, daß die neue braune Offupationsarmee in Deutschland sich weit schlimmer aufführt als seinerzeit die schwarze Besatzungsarmee am Rheine. Es ist daher nur zu berechtigt, wenn man den Leyten die damals das Wort von der schwarzen Schmach" prägten, heute das Wort von der„ braunen Schmach" gegenüberhält! Daß die Herrschaften der braunen Besozzungsarmee ganz die Allüren einer fremden Besayungs= armee annehmen, geht u. a. aus folgender Verfügung hervor: Durch eine Verfügung des Sonderbeauftragten der Stadt Mainz müssen die Bewohner dieser Stadt von heute an den Fahnen und Standarten der Hitlerschen Formas tionen die Ehrenbezeugungen erweisen. In Zukunft müs sen auch die Fahnen der Kriegervereinigungen gegrüßt werden. Jeder Verstoß gegen diese Bestimmungen wird sofort bestraft werden. Demnächst werden wohl noch alle Briefkästen und Telegraphenstangen mit Hakenkreuzen verziert werden und dann wird das Dritte Reich verlangen, daß ihnen nicht nur die Ehrenbezeugung des Grüßens, sondern auch des Stramm stehens erzeigt wird. Deutschland erwache! internationale Untersuchung- andernfalls bekennt sie fich Die Reichspresse unter Druck daß man den Häftlingen die Haare zur Hälfte schuldig!. ,, Schlagt die Juden tot!" Die Parteigenossen des Reichskanzlers verüben neue Schandtaten Die Polizei sieht zu-,, Deutschland in Anarchie", sagt der ,, Temps".. Hannover, 24. Juni( Eig. Bericht). In Hannover kam es erneut zu schweren Ausschreitungen vor jüdischen Geschäften. Eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge 30g unter der Anführung uniformierter Nationalsozialisten durch die Straßen der Stadt und erzwang die Schließung der jüdischen Geschäfte; an mehreren Stellen kam es zu blutigen Zusammenstößen, einige Geschäftsinhaber, die sich weigerten, dem Befehl zur Schließung nachzukommen und die Vorlegung eines amtlichen Dokuments forderten wurden festgenommen und im Zuge mitgeführt. Ihr Schicksal ist zur Stunde unbekannt. Die Polizei sah diesem Treiben der Nationalsozialisten zu, ohne zum Schutze der jüdischen Geschäfte irgend etwas zu unternehmen. Frankfurt a. M., 24. Juni. In Frankfurt a. M. fam es wieder einmal zu schweren antisemitischen Ausschrei tungen. Eine Menschenmenge von mehreren Tausenden zog durch die Hauptgeschäftsstraßen der City; zahlreiche Hitlers fahnen wurden im Zuge mitgeführt. Während des ganzen Umzuges, der rund 3 Stunden in Anspruch nahm, wurden im Sprechchor Drohungen ausgestoßen, wie„ Schließt die jüdischen Geschäfte" und„ Schlagt die Juden tot". Mehrere Menschen, die den Umzug durch Abnehmen der Kopfbedeckung nicht grüßten, wurden blutig geschlagen. Die Demonstration löfte sich schließlich vor dem Frankfurter Börsengebände auf. Die Polizei verhielt sich völlig passiv und unternahm auch nichts zum Schuße der von den Demonstranten Ueberfallenen. Frankreich warnt Paris, 23. Juni. In seinem heutigen, offenbar aus einer offiziösen Qnelle stammenden Leitartikel befaßt sich der„ Temps" mit den neuesten Ereignissen in Deutschland. Nachdem es die einzelnen Maßnahmen Hitlers aufgezählt und gebührend kritisiert hat, schreibt das Blatt wörtlich: Das Hauptargument der Sitler- Bewegung und jener die diese Bewegung mit so viel Unflugheit gestützt und gefördert haben, bestand darin, daß man sagte, es sei notwen dig, das Weimarer System zu beseitigen, um zur Ordnung und zur Ruhe in Deutschland zu kommen, um allen Deutschen gleiches Recht zu sichern. Das Gegens Die ,, Deutsche Zeitung" bis zum 30. Juni verboten wtb. Berlin, 23. Juni. Das Geheime Staatspolizeiamt hat die Deutsche Zeitung" wegen des Artikels„ Eine Richtigstellung im Falle Bismard" in der heutigen Mors genausgabe bis zum 30. Juni einschließlich verboten. ( Das Blatt steht ganz rechts und war ein beständiger Förderer des Nationalsozialismus, der ihm jetzt den Dank abstattet!) Herr von Rohr Deutschnationale werden überall herausgeboxt cnb. Berlin, 23. Juni. Reichslandbundpräsident und Reichsobmann für die bäuerliche Selbstverwaltung Meinberg erklärte, daß die Ausführungen, die der deutschnationale Staatssekretär im Reichsernährungsministerium, v. Rohr, in der letzten Zeit in der Oeffentlichkeit machte, nicht vom deutschen Bauern tum autorisiert seien. Herr v. Rohr sei nicht berechtigt, Erklärungen im Namen des deutschen Bauerntums abzu= geben. Nur ein Vertrauensmann Adolf Hitlers dürfe sich auf den deutschen Bauern berufen. Adolf Hitler habe sich in Walter Darre einen Vertrauensmann genommen, der die Gewähr dafür biete, daß die schöpferische Gestaltung der nationalsozialistischen Revolution ihre endgültige Form finden werde. teil ist eingetreten! Weniger als fünf Monate London in Unruhe haben genügt, um Deutschland in das Durcheinander, in die vollendete Anarchie zu schleudern, um bie einen gegen die anderen aufzuputschen. Die nationalsozia listische Ordnung ist gleichbedeutend mit dem Bürger frieg; die von Hitler gepredigte Einheit aller Deutschen offenbart sich in blutigen Verfolgungen. Auf der anderen Seite hat man kein Mittel zu nennen vermocht, um die Wirtschafts- und Finanzkrise, unter der das Bolt leidet, zu überwinden; und die Taktik der Diplomaten des Drit ten Reiches hat Deutschland in eine Isolierung zurüdgeworfen, wie sie schlimmer sogar im Großen Kriege nicht einmal vorhanden war. Es ist Wahnsinn anzunehmen, daß eine solche Politik einem Volke, das in Verzweiflung sich befindet, Heil bringen kann: Europa wird auf die Dauer diese Politik nicht zulassen, Europa hat vielmehr die Pflicht, eine Entwidlung die nicht für das deutsche Volt, sondern die für ganz Europa höchste Gefahren in sich birgt, aufmerksam zu beobachten." Damals! Damals! .. und heute wieder! . Alfons Pezold, der große verstorbene Ars beiterdichter, schildert, wie er, kaum der Schule entwachsen, Kampf und Opfer für den Sozialis mus kennen lernte. Im Verein der jugendlichen Arbeiter war ich zum Schriftführer gewählt worden. Wir junge Burschen beteiligten uns mit einem wahren Feuereifer an der Wahlarbeit und schon seit Wochen waren wir jeden Abend im Vereinslokal zusammengekommen, wo wir unter Anleitung erprobter Kameraden ein Bettelregister aller im Bezirk mahlberechtigten Personen angelegt hatten. In den letzten Tagen der Wahl gingen wir nun paarweise von Haus zu Haus und steckten an jede Tür den Wahlaufruf unserer Partei. Als besonderes Bravourstückchen faben wir es an, als wir uns eines Abends in den Pfarrhof schlichen und dort den Zettel mit der Inschrift Wählet Franz Schuhmeier" an die Türen flebten. Am Tag der Wahl hätte ich in mir einen feigen Verräter gefeben, wäre ich der Fabrik nicht ferngeblieben, um noch auf der Straße und in den Häusern um Stimmen zu werben. Die meisten meiner iungen Vereinskollegen taten wie ich und wir dachten nicht an die bösen Folgen, die diese politische Mitarbeit für uns haben konnte. Wir hatten uns an dem Tag an einer Kreuzung zweier verkehrsreicher Straßen aufgestellt und verteilten riefiae Stöße von Wahlaufrufen, die uns aus einem in der Nähe liegenden Agi= tationslokal zugeschleppt wurden Bis zur Mittagszeit war es uns immer gelungen, den vielen Polizeiaugen zu entgehen, die an dem Taa in ganz Wien Jagd auf die sozialdemokratischen Anitatoren machten. Da, als eben Mittag schlug und die Straßen voll von heimkehrenden Proletariern waren. faßten mich plößlich von rückwärts zwei derbe Fäuste an. Als ich mich umfah, blickte ich in das meinrote Blasengelaeficht eines Sicherheitswachmannes, der mich für verhaftet erklärte. Wäre der Anlak dazu ein anderer gemefen, märe ich wohl vor Anaft und Scham ohnmächtig geworden. So aber schritt ich in stolzer Befriedigung wie ein Sieger durch das Menschengewühl an der Seite des schnaufenden Wachmannes. Im Polizeihaus des Bezirkes angelangt, wurde ich einem Polizeifommissär vorgeführt, der sich vorerst seine Fingernägel pußte, um dann sein Gesicht in drohende Falten zu legen und den Wachmann mit einem strengen Blick auf mich nach der Ursache meiner Arretierung zu fragen. Der Wachmann gab nun ein langes und ein breites über mein Verbrechen an und ein Schreiber füllte mit den Angaben zwei große Bogen Papier, was mich sehr wunderte. Nachdem ich nun meine Personalien angegeben hatte, wurde ich von einem anderen Polizeimann in eine Rammer gebracht, wo mehrere Personen wie Türken auf einem schiefen Holzgestell hockten. Die Tür flappte ins Schloß, ein Schlüssel fnarrte verdießlich und ich war wegen Staatsgefährlichkeit eingesperrt. Ich war froh, unter meinen Leidensgefährten einen Be fannten zu finden, der mir mitteilte, daß die übrigen Gefangenen ebenfalls Gesinnungsgenossen waren, die aus gleichen Anlässen hierher gebracht worden waren. Einer von ihnen, der hier Erfahrung zu haben schien, beruhigte uns Zaghaften mit der Versicherung, daß wir gewiß noch vor dem Abend wieder freigelassen würden. Die Parteileitung wisse von unserer Verhaftung und interveniere wahrscheinlich wegen unserer Freilassung. Um uns die Zeit zu vertreiben und auch hier unserer Sache noch nützlich zu fein, opferten wir unsere Notizbücher, verblätterten fie und schrieben unser Wählet Franz Schuhmeter" und ähnliche gute Ratschläge darauf und warfen fe zu den kleinen vergitterten Fenstern hinaus. So vergingen einige Stunden, ohne daß ich die Haft allzuschwer emp= fand. Gegen Abend horchten wir mit immer gespannterer Aufmerksamkeit auf die Straße hinaus. Das lebhafte Wiener Volf feierte seine Wahlfiege zuerst auf der Straße durch Umzüge und wir hofften aus dem Lärm und Stimmengewirr das Ergebnis der Wahl zu entsiffern. Lange war unfer Lauschen umsonst. Viele erregte Worte flatterten durch die Luft, aber bis sie unfer Ohr erreichten, waren es nur mehr finnlose Töne. Doch plötzlich war es nun, als löften sich alle Rufe in einem einzigen Jubelschrei auf und in gewaltigem Hall brach es herein in unseren Gefängnisraum. Hitler- Deutschland macht sich beliebt! In der Wirtschaftsfommission der Weltwirtschaftsfonferenz kam es heute zu einem Zwischenfall, der wieder einmal zeigt, wie sich die HitlerDelegierten besonders beliebt machen. Da die Hitleriden bereits eingesehen haben, daß sie hier nichts er ben können und daß sie als eine quantite negligeable behandelt werden, die ihre Schulden nicht bezahlt und überhaupt ein o be r= fauler Kunde ist, so überlegen sie sich immer, ob sie die Weltwirtschaftskonferenz verlassen oder aber sie durch Obstruktion sabotieren sollen. Als die Wirtschaftskommiffion zwei Unterausschüsse bil dete, verlangte der deutsche Delegierte, daß die Unterausschüsse nicht zur selben 3eit tagen sollten. Der Präfident, der die Absicht der Sabotage merkte, rief dem deutschen Delegierten zu: Wollen Sie, daß wir an Weih= nachten noch hier sind?" Es wurde dann gegen den deutschen Delegierten beschlossen, die Sißungen zu gleicher Zeit und fortlaufend bis in die Abendstunden tagen zu lassen. Die Hitleriden scheinen zu glauben, daß das Ausland ebenso dum m sei, wie diejenigen Teile des deutschen Volkes, die sich von ihnen gleich schalten ließen. „ Hoch Schuhmeier, Sieg, Sieg, hoch die internationale Cozialdemokratie!" Wir fielen uns vor Freude in die Arme, füßten uns und waren nahe daran, vor Erregung zu weinen. Dann begannen wir das„ Lied der Arbeit" zu fingen, draußen mußte man uns gehört haben, denn plötzlich stimmte die Menge auf der Straße in unseren Gesang ein. Kurze Zeit darauf knarrte die Tür des Gefängnisses und der Wärter trat würdevoll zu uns hin:„ Bittee zum Härn Kommissar hinaufkommen". Dieser teilte uns mißmutig mit, daß wir aus der Haft entlassen seien, daß wir aber, wenn es nach ihm gegangen wäre, ruhig noch ein paar Stunden hätten sizzen können. Ahnungslos ging ich am nächsten Tag an die Arbeit. Ich war eben im Begriff, meine Maschine in Bewegung zit setzen, als ich an das Haustelefon gerufen wurde. Ich war darüber nicht wenig erschrocken, denn meine Audienz beim Direktor stand meist mit einer Strafpredigt oder gar Entlassung in Verbindung. Die Unterredung dauerte nicht lang. Der Direftor teilte mir in kurzen Worten mit, daß ich mich wegen Teilnahme an den gestrigen Landtagswahlen als entlassen betrachten könne. Auf Kündi gungsfrist hätte ich keinen Anspruch, weil ich trotz des Verbotes einem sozialdemokratischen Verein angehörte. Im ersten Moment fing alles um mich herum an sich zu drehen. Ich fühlte den kranken Körper meiner Mutter sich an den meinen lehnen fiel ich, so fiel auch er... Knie hin, bitte den Chef um Verzeihuno. gelobe deinen Austritt aus dem Verein. Jetzt, vor dem Winter arbeitslos werden, heißt hungern und frieren.„ Denfe an deine Mutter" rief es in mir. Da ermannte ich mich. Starrheit fam in meine sich beugenden Knie. Die Bitte, die mir auf der Zunge lag, blieb unausgesprochen. Ich richtete mich auf und verließ mit einem stummen Gruß das Büro, holte mir aus der Buchhaltung das Arbeitsbuch mit dem gestempelten Zeugnis: War ehrlich und fleißig und wurde lohubefriedigt entlassen. Das Arbeitsbuch brannte in meiner Tasche und die Gedanken an den Kummer der Mutter machten mich schier wahnsinnig. Ich irrte so bis tief in den Nachmittag planlos in den Gassen herum, bis ich endlich Mut faßte, heimzuge hen und der Mutter das böse Ereignis zu verkünden. Die Liebe, Gute zeiate aber wieder einmal, daß sie eine Arbeitermutter war. denn ohne den Ernst des Geschehenen zu erkennen, fand sie sich doch mutig mit der Tatsache ab und sprach mir selbst noch Mut zu, da ich wie ein Häuschen Unglück vor ihr saß. Ein Opfer des Nazi- Blutrausches Wie Dr. Ernst Eckstein starb Man hat den Führer der Sozialistischen Arbeiter- Partei durch unmenschliche Quälereien in den Tod gehetzt Starker Rückgang der politischen Mordtaten," so lautet eine der neuesten Verlautbarungen des Herrn Ministers Göring. Im Juli 1932 60 politische Mordtaten, im April 1933 nur zwei!" Diese Bekanntmachung zeigt den gleichen heuchlerischen Zynismus, die gleiche Verlogenheit und Brutalität, die alle Handlungen und Erklärungen des« erwachten" Deutschland auszeichnet. Täglich dringen zu uns offizielle oder von Flüchtlingen stammende Meldungen von ErSchießungen auf der Flucht", von Selbstmorden", von Sterbefällen im Gefängnis" aber das sind keine politischen Mordtaten, sondern Unglücksfälle" oder es sind Ruhmestaten zur Befreiung und Säuberung des deutschen Volksfums. « « Eine der Nachrichten dieser Art kam zu uns vor kurzem aus Breslau, die Nachricht, daß Ernst Eckstein„ an Lungen- und Nierenentzündung und beginnender Geistesfrankheit in einem städtischen Krankenhaus gestorben ist". Rechtsanwalt Dr. Ernst Edstein, Stadtverordneter in Breslau, seit seiner frühesten Jugend mit ganzer Hingabe in der Arbeiterbewegung, wurde am 28. Februar 1933, am Tage nach dem berüchtigten Reichstagsbrand, in„ SchutzHaft" genommen. Selbstverständlich hatte er mit dem auf Görings Befehl durchgeführten Reichstagsbrand nicht das geringste zu tun, selbstverständlich hatte er auch sonst nichts begangen; sein einziges Verbrechen war, ein kluger und tapferer Kämpfer gegen den Faschismus und einer der Führer der sozialistischen Arbeiter Breslaus zu sein. Die Behandlung Edsteins im Polizeigefängnis war zus nächst verhältnismäßig anständig. Er ertrug auch ans fangs die Haft mit Gleichimut, weil er damit rechnete, in absehbarer Zeit zu einem Verhör gerufen zu werden und sich mit den gewohnten und verbürgten Rechtsmitteln verteidigen zu können. Aber nichts dergleichen geschah. Es gehört zum System des deutschen Faschismus, noch nicht einmal zum Schein ein Verhör der politisch Verhafteten vorzunehmen. Rechtsanwalt Eckstein entwarf Eingaben, in denen er nur das forderte, was ihm nach Recht und Gesetz zustand. Aber er erreichte nichts außer Strafen; wegen dieser Eingaben wurde ihm auf längere Zeit die Besuchserlaubnis entzogen. Ebenso wurde ihm jedes Zusammensein mit anderen Inhaftierten verweigert. Die Paragraphen kennen wir allein Doktor Eckstein versteht die Zeichen der Zeit nicht," erflärte Dr. Süßner höhnisch den Angehörigen, die um Erleichterungen baten. Die eigentlichen Martern begannen aber erst, als Edstein tagsüber ins Arbeitslager kommandtert wurde. Durch eine Haft von zwei Monaten bereits zermürbt, eine der artige förperliche Arbeit nicht gewöhnt und dann noch den infamsten Schikanen hilflos preisgegeben das alles mußte das alles mußte ihn völlig zerbrechen. Einige Beispiele mögen beweisen, wie wehrlose Gefangene im faschistischen Deutschland gequält werden! Auf einem niedrigen Ro wagen, der mit Telegraphenstangen beladen war, mußte er zusammen mit drei sozials demokratischen Führern kreuz und quer durch die Stadt fahren, unter dem Gejohle der Nazihorden, während die Arbeiter, die ihn sahen, tief erschüttert waren und ergriffen weinten, Im Lager mußte er das schmutzige Geschirr der SA. abwaschen; ein Mitgefangener wurde ihm als Aufseher beigegeben; wenn Eckstein nicht in 20 Minuten fertig war, sollte der Aufseher für jede Minute, die es länger dauerte, einen Schlag bekommen. Er war zur Zeit fertig, aber ein SA.- Mann fand auf der Erde eine schmutzige Gabel und warf sie ihm unter unflätigen Beschimpfungen ins Gesicht. Das war zuviel für die gepeinigten Nerven! Dr. Editein bekam einen nervösen Wutanfall, er forderte die Wachmannschaften auf, ihn lieber zu erschießen, als weiter zu martern nur das Eingreifen von Stahlhelmmannschaften verhinderte das Schlimmste. Man muß überhaupt erwähnen, daß die Stahlhelm- Hilfspolizei alles versuchte, um ihn gegen die SA.- Hilfspolizei zu schützen. Aber der Stahlhelm wurde dann ganz aus dem Lager zurückgezogen. Die Quälereien gingen weiter. Ständig wurden hm Prügel und Kastrierung angedroht Man zeigte ihm eine Handgranate und sagte:„ Sichst du, so ein Ding ist dir damals in dein Schlafzimmer geworfen worden."( Auf Dr. Eckstein wurde bereits im August 1932 ein Handgranatenattentat begangen, dem er nur durch einen Bufall entgangen ist.) Schade, daß du damals nicht trepiert bist, du Hund. Und dort drüben steht der Mann, der sie geworfen hat!" Er mußte Stacheldraht ziehen, er wurde aufgefordert,„ sein eigenes Grab zu graben". Er mußte die Toiletten aufräumen. Er sollte gezwungen werden, am 1. Mai, zum, nationalen Feiertag ,, eine Rede im Konzentrationslager zu halten. Das war bereits auf Plakaten angekündigt! Als ihn seine Angehörigen 14 Tage vor seinem Tode zum letzten Mal auf einen furzen Moment sahen, hatte er drei große Striemen über das Gesicht gezogen. Er ist also offensichtlich mit der Peitsche ins Gesicht geschlagen worden. Dabei wir ihn nur erst im Braunen Haus hätten, da käme er nicht mehr lebend heraus!" so johlte es von allen Seiten. Aber Dr. Eckstein war nicht unter den Gefangenen. Nachdem alle seine Eingaben, ihm den Aufenthalt in dem unter SA.- Leitung stehenden Konzentrationslager zu er sparen, unter Hohn und giftigem Spott abgelehnt worden waren, beschloß er, den unerträglichen Qualen ein Ende zu machen. Wegen völliger Schlaflosigkeit hatte er mit Erlaubnis des Arztes regelmäßig Schlafmittel erhalten, von denen er etwas aufgespart hatte. Am 28. April, unmittelbar vor dem Ausmarsch ins Konzentrationslager, nahm er das Gift. Noch zehn Tage schwebte er zwischen Leben und Tod. Es ist be= zeichnend, daß auch während seiner schweren Krankheit den Angehörigen feine Sprecherlaubnis erteilt wurde. Eine Stunde vor seinem Tode wurde seine alte Mutter benach richtigt, aber auch da erst mußte die Erlaubnis vom Polizeipräsidium eingeholt werden. Tausende Arbeiter gaben Edstein das leßte Geleit. Zwei sozialistische Redner sprachen am Grabe, und die Feier flang aus mit dem in tiefster Ergriffenheit und entschlossenster Rampfbereitschaft von mehr als zweitausend Arbeitern und Arbeiterinnen gesungenen Liede: „ Brüder zur Sonne, zur Freiheit!" Sie schrecken vor nichts zurüdi Geiselsystem in Deutschland! Deutschland hat bisher immer wieder abgeleugnet, daß es unter Hitler ein System gebe, das in der ganzen zivilisierten Welt als eine Kulturschande betrachtet wird: das Geiselsystem. Nunmehr steht amtlichen Berichten zufolge die Unwahrhaftigkeit aller dieser amtlichen Beteuerungen fest. Als in Württemberg fürzlich ein den Kommunisten beschlagnahmtes Haus niederbrannte, wurden von Nationalsozialisten ohne jeden Grund einige hundert Zuschauer festgenommen. Weiter ohne jede Veranlassung wurden 70 junge Leute aus der Zahl dieser Verhafteten ausgewählt und in ein Konzentrationslager überführt! Wenn man Kommunisten beschuldigt, ein Haus in Brand gesteckt zu haben und dann wahllos 70 junge Leute aus der Zuschauermenge herausgreift, um sie in eines der berüchtigsten Konzentrationslager auf dem Heuberg zu überführen, so nennt man das auf deutsch: Geisel nehmen! Daß die Welt ein solches Land verachtet, daß sie darauf verzichtet, mit den Trägern einer solchen Weltauffassung irgendwo nähere Bekanntschaft zu machen und daß sie schließlich einer solchen Regierung nicht das zusteht, was sie der Regierung eines freien Volfes geben würde ist für iehen. anständigen Menschen selbstverständlich. war er durch die Martern und Strapazen so erschöpft, daß er Abzeichen nicht mehr aufrecht gehen konnte. Am 28. April sollte die endgültige Uebersiedlung vom Polizeigefängnis in das in einem Breslauer Vorort gelegene Konzentrationslager erfolgen. Die Gefangenen wurden erst rund um das Polizeigefängnis geführt, um dem schaulustigen Mob ein Gaudium zu bieten, dann ging es weiter zu Fuß durch die Stadt. Hinterher fuhren im Auto Polizeipräsident( der berüchtigte Fememörder Heines) und sein Stellvertreter Oberregierungsrat Patschowski, beide in SA.- Uniform. Arbeiterfrauen fielen beim Anblick ihrer gefangenen Männer in Ohnmacht. Der Nazi- Mob aber wartete nur auf Dr. Eckstein:„ Das Lager ist viel zu schade für ihn, man müßte ihn vierteilen! Wenn Immer neu Schwarze Armbinden für den Stahlhelm Wie wir hören, wird der Stahlhelm jest, nachdem er gegen den Widerstand zahlreicher seiner Angehörigen vollends gleichgeschaltet worden ist, neue Abzeichen bekommen, und zwar zu seiner bisherigen Uniform( feldgrau) schwarze Armbinden, die auf weißem Felde ein schwarzes Hakenkreuz zeigen. In verschiedenen Bezirken wurde dem Stahlhelm verboten, bis zur Fertigstellung dieser Armbinden seine Uniform zu tragen. Trotz eifrigster Bemühungen konnten wir bisher nicht erfahren, ob die Tatsache der Verleihung dieser neuen Armbinden Anlaß zu einem neuen nationalen Fest" geben wird etwa zu einem Fest der nationalen Armbinden"! Arbeiter gegen Nazipresse Das deutsche Proletariat boykottiert die Regierungspresse Millionen ohne Zeitungen In der„ Täglichen Rundschau" vom 15. Juni finden wir einen Aufsatz:„ Millionen ohne Zeitung", der vielfagend ist für die„ Eroberung der deutschen Arbeiter" durch den Hitlerschwindel. Er ist so aufschlußreich, daß wir ihn mit unwesentlichen Kürzungen im Wortlaut bringen: Die nationalsozialistische Revolution unterscheidet sich von geschichtlichen Vorgängern durch die Tatsache, daß sie nicht eine Revolution der Klasse sein und somit nur im Soziologischen stecken bleiben will; sie wagt den Versuch, alle Klassengegenfäße zu überwinden und das Volk in einer Nation zu einigen; fie erhebt auf das Volk einen Totalitätsanspruch in der Erfassung aller Gruppen und Klassen und lehnt es ab, eine selaffenrevolution zu sein, die nur darauf abzielt, die Herrschaft einer anderen Klasse abzulösen. Zwar wurde sie sieht man ihren soziologischen Luerschnitt in erster Linie von dem Kleinbürgertum und dann vom Bauerntum vorwärtsgetrieben; aber sie setzt sich als Riel, aus einer soziologischen Begrenztheit zur umfassenden Gesamtheit in einer geeinigten Nation zu werden. Die nationalsozialistische Revolution will also auch den Arbeiter erfassen und ihn in die geeinigte Nation einschmelzen; die Aufgabe ist um so schwieriger, da heute noch der klassenbewußte Arbeiter abseits steht; er hat den Boden seiner bisherigen Ideologie noch nicht verlassen und empfindet diese Revolution als eine Gegenrevolution, die in erster Linie fich gegen ihn richte. Der Totalitätsanspruch des Staates fann aber nicht ohne den Arbeiter geltend gemacht werden, da zum Wesen des totalen Staates nicht allein der Totalitätsanspruch des Staates gehört, sondern ebenso notwendig die Gefolgschaft der Geführten gegenüber diesem Staate ist. Es ist also eine der wesentlichsten Aufgaben, den Arbeiter von der Plattform der marristischen Ideologie zum Gedankengut eines nationalen Sozialismus hinzus führen; der Erfolg ist um so größer, je mehr die konkrete Wirklichkeit in der Wirtschaft dem Sozialismus ents spricht, wie er als gestaltende Kraft gegen den liberaliftischen Kapitalismus wirksam wird. Eine wesentliche Unterstützung in der schweren Aufgabe, die heute noch abseits stehenden Millionen der deutschen Arbeiterschaft an den Staat heranzuführen, fällt der Presse zu. Da die politisch links orientierte Arbeiterpresse in Deutschland fein Dasein mehr hat, ist der Arbeiter gezwungen worden, sich neu zu orientieren. Und da fann man die Erfahrung machen, daß der Arbeiter zum Teil seine Zuflucht zur bürgerlichen Presse genommen hat; zum anderen Teil Die getarnte Presse mißglückt aber sind Millionen Arbeiter hente ohne jede Bindung an eine Zeitung, die für die Bildung einer eigenen politischen Meinung maßgebend sein könnte; und wenn außerdem bestätigt wird, wie der Arbeiter zu bürgerlichen Blättern, die früher auf der politischen bürgerlichen Linken standen oder stark den parteilosen, verwaschenen General- AnzeigerTyp verkörperten, ablehnend steht, thre Lektüre gegenüber dem Nichtabonnieren einer Zeitung schließlich als das fleinere Uebel ansieht oder gar mit Geringschäßung von gleichgeschalteten bürgerlichen Blättern spricht, so erfennt man die Gefahr, die in dieser Heimatlosigkeit des Arbeiters liegt. Die nationalsozialistische Parteipresse findet- soweit es fich nicht um eine Art Gleichschaltung handelt schwer Eingang bei dem flaffenbewußten Arbeiter, eine Erscheinung, die aus alten politischen Reffentiment ver ständlich ist. Aber ohne Bindung an eine Zeitung, die den Standort des Arbeiters nicht nur soziologisch, sondern auch politisch erfaßt, wird die oben sfizzierte Aufgabe auf starke Hemmungen stoßen. Ein großer Teil der deutschen Arbeiterschaft ist fo start geschult, daß er allen Vorgängen im politischen und wirtschaftlichen Raume gegenüber fritisch eingestellt ist; cs braucht dabei noch keineswegs die Ideologie des Marrismus fein geistiges Rüstzeug sein. Ein großer Teil der dem deutschen Arbeiter früher nahestehenden Presse hatte bei mancher parteipolitischen Einseitiakeit doch eine Erziehungsarbeit zur politischen Kritik geleistet. Wie soll nun an diesen deutschen Arbeiter das Geschehen im neuen Staat herangetragen werden, um ihn allmählich in den Totalitätsanspruch des Staates mit innerer Bereitschaft einzubeziehen? Interessant ist das Experiment mit der Welt am Abend", einer früher der politischen radikalen Linfen nahestehenden Reitung, die nach einer längeren Berbotsdauer jegt wieder drei Wochen auf dem öffentlichen Markte liegt. Diese Zeitung im neuen Gewande und unter neuer Zeitung bemüht sich zwar, soziologisch dem Standpunkt des Arbeiters in etwa gerecht zu werden; aber politisch ist sie völlig farblos, und zu den großen Vorgängen im mirt= fchaftlichen Raume schweigt fie fich aus. Eine solche Seitung spricht im Arbeiterkreise nicht an; ihr ist in diefer Haltung fein Erfolg beschieden. Es ist selbstverständlich, daß Zeitungen, die den deutschen Arbeiter heute ansprechen wollen, im nationalsozialistischen Staat nicht auf der Basis des Marrismus operieren können; es gibt für solche Zeitungen im politischen Naum des totalen Staates feine Eristenzberechtigung vom Marrismus her. Anderseits aber muß eine Plattform gefunden werden, von der aus der Arbeiter angesprochen wird; das fann einzig und allein die antikapitalistische Plattform sein; hier ist ein gemeinsamer Ausgangspunkt mit dem nationalen Sozialismus gegeben; in der unerbittlichen Kritik am liberalistisch- kapita listischen System und in der Befürwortung aller Maßnahmen im neuen Staate, die den Sieg zum Sozialis mus bahnen, liegt eine Möglichkeit, den noch verharrenden klassenbewußten Arbeiter an den Staat heranzubringen. Man soll sich keinen Täuschungen hingeben: der Sozialismus als antifapitalistische Haltung ist nicht unbedingt Marrismus; es gibt im deutschen Raume eine Art Boltssozialismus", eine große antifapt talistische Sehnsucht". Und hier findet sich der Ansatzpunkt der Presse, den Arbeiter anzusprechen. Eine solche Presse hat natürlich einen schwierigen Stand; aber auch die Regierung muß sich darüber klar sein, daß die Spannung zwischen dieser Presse und dem Arbeiter einerseits und der Regierung andererseits viel größer. sein muß, als sie in der bürgerlichen Presse heute zutage tritt. Die Schwierigkeiten sollen feineswegs auf beiden Seiten verkannt werden; ist die Regierung aber gewillt, der Spannung einen Raum zu gönnen und der Kritik an dem neuen Staat vom Arbeiter her einen Spielraum zu geben, ist andererseits diese Presse bereit, ihr Amt als Trens händerin eines nationalen Sozialismus zu sehen, ohne parteipolitisch eingeengt zu sein, dann könnten morgen Millionen Arbeiter eine Rettung finden, die ihnen wieder eine Heimat bietet. Eine solche Zeitung ist heute eine staatspoli filche Notwendigkeit, und ihre Aufgabe eine verdienstvolle Sonderaufgabe; sie harrt immer noch der Lösung! Die Lösung", die der Aufsatzschreiber wünscht, gibt es nicht. Man kann nicht den sozialistischen Arbeiter, soweit er politisch geschult ist, an einen Staat heranbringen, der ihm die Gleichberechtigung verweigert. Man kann dem marristisch geschulten Arbeiter nicht einen„ Sozialismus“ vergaufeln, der Kapitalismus ist. Das Erperiment des deutschen Faschismus wird an dem Widerstand der Arbeitermassen scheitern, die sich rüsten, die Herrschaft über Deutschland anzutreten. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ ,, Deutschen Freiheit" Die schwarze Liste Wir sind heute imstande, eine authentische Zu. fammenstellung der verfemten Autoren, deren Werke auf zahllosen Scheiterhausen in Flammen aufgingen, zu veröffentlichen. Sie wird jeden Tag auf Grund von Denunziationen verlängert. Die mit einem Sternchen versehenen Schriftsteller sind in vorderster Linie den braunen Scharfrichtern auszuliefern. Wehe der öffentlichen oder privaten Bibliothek, die nicht pariert! In welche Gewissensqualen zahlreiche Bibliothekare kommen, die die von ihnen geschätzten Schriften der Vernichtung preisgeben müssen, kann man sich vorstellen. Anthologie jüngster Lyrik; Anthologie jüngster Prosa; Asch, Nathan; Asch, Schalom; Babel: Budjonnys Reiterarmee; Barbusse, Henri; Barthel, Max: Die Mühle zum toten Mann; Becher, Johannes; Beer- Hofmann, Richard; Birkenfeld, Günther; Bobinskaja, Karbunauri; Bogdanow: Das erste Mädel; Bonsels: alles außer Biene Maja, Himmelsvolk, Indienfahrt; Bley, Friz: alles außer Tier- und Jagdgeschichten; Braune: Mädchen an der Orga Privat; Brecht, Bert; Breitbach: Rot gegen Rot; Brod, Max: alles außer Tycho Brahe; Brück, Anita: Schicksale hinter Schreibmaschinen; Carr, Robert; Döblin, Alfred: alles außer Wallenstein; Dos Passos; Dreißig neue Erzähler des neuen Rußland; Dreißig neue deutsche Erzähler; Ebermayer: Die Nacht in Warschau; Edschmid, Kasimir: alles außer Timur, Die 6 Mündungen; Ehrenburg: alles außer Grachus Baboeuf; Essig, H.; Ewers, H. H.: Vampir, Alraune; Felden: Eines Menschen Weg;* Feuchtwanger, Lion; Fint, Georg; Frant, Leonhard: alles außer Räuberbande, Ochsenfurter Männerquartett; Frey: Pflasterkästen; Geist, Rudolf; Gladkow, Fiodor;* Gläser, Ernst; Goll, Jwan; Gorki: Der Spizel, Märchen der Wirklichkeit, Eine Beichte, Wie ein Mensch geboren ward, Das blaue Leben; Graf, Oskar Maria: alles außer Wunderbare Menschen, Kalendergeschichten; Grünberg, Karl; Hasek, Jaroslav; Hasenclever, Walter; Hemingway: In einem andern Land; Hermann, Georg: Kubinke, Schnee, Die Nacht des Dr. Herzfeld; Hirsch: * Ereignisse und Geschichten Zwölf sind unterwegs Es ist ehrenvoll hier zu stehen... Ein Lied von Peter Munk Vorbestraft, Kaiserwetter; Hofbauer: Der Marsch ins Chaos; Hoffmann: Frontsoldaten;* Holitscher, Arthur; Hotopp, Albert; Jlles, Bela; Jacob, Heinrich Eduard: Blut und Zelluloid; Johannsen: Vier von der Infanterie; Ilff: 12 Stühle; Inber, Vera; Kästner, Erich: alles außer Emil; Kallinikow, Josef: Katajew; Kaus, Gina; Kellermann: Der 9. November;* Kerr, Alfred; Keun, Irmgard; Kesten;* Kisch, Egon Erwin; Kläber, Kurt; Köppen: Heeresbericht; Kollontay, Alexandra; Kurzig: Dorfjuden; Kusmin; Lhazko; Lampel, Peter: nur Verratene Jungen, Revolte im Erziehungsheim; Leidmann, Eva; Leitner: Hotel Amerika; Leonow: Aufbau; Lernet- Holenia: außer Gedichte; Lewinschn: Das Erbe im Blut; Libedinsky: Jurij; Lidin, Wladimir; Liepmann, Heinz; Lind: Kameraden im Schicksal; London: Martin Eden, Zwangsjacke, Eiserne Ferse;* Ludwig, Emil;* Mann, Heinrich; Mann, Klaus; Meyer- Eckhard: nur Das Vergehen des Paul Wendelin; Meyrink; Michael, F.: Die gut empfohlene Frau; Neumann, Robert: alles außer Mit fremden Federn; Newerow; Ognjew; Olbracht, Jwan;* Ottwalt, Ernst; Panferow; Pantelejew; Pinthus, Kurt;* Plivier; Regler;* Remarque, Erich Maria, Renn, Ludwig: nur Nachkrieg; Ringelnas; Roth; Rubiner, Ludwig; Rümann; Sanzara; Schäffer: Elli oder die sieben Treppen; Schirokauer, Alfred; Schlump; Schnitzler, Arthur: alles außer: Der Weg in Freie; Schröder, Karl; Sejfullina: alles außer: Der Weg ins Freie; Schröder, Karl; Sejfullina: alles Sochaczewer, Hans; Sostschenko, Michael; Seraphimowitsch: Der eiserne Strom; Ssologub, Fjodor; Suttner: Die Waffen nieder; Tegner: Hans Urian; Thomas, Adrienne; Tokunaga; Toller, Ernst; Traven: Regierung, Der Karren;* Tucholsky, Kurt; Türk; Uliz: Ararat, Worbs, Testament; Unruh: alles außer Offiziere, Louis Ferdinand; Vanet, Karl; Wassermann, Jakob; Wedding, Ede und Unku; Wegner, Armin T.; Weiskopf; Werfel: alles außer Barbara, Verdi, Tod des Kleinbürgers; Wöhrle: Querschläger;* Zweig, Arnold; Zweig, Stefan. Wir sind gezwungen Sie zu bitten... Keine jüdischen Konzert- Dicektionen mehe Die Mitglieder des Verbandes der deutschen KonzertDirektionen E. V. haben einen Brief des 1. Vorsitzenden bekommen, in dem es heißt: In der Generalversammlung am 7. Juni war der Beschluß gefaßt worden, schleunigst mit der Regierung über die weitere Existenz und Arbeitsfähigkeit der Konzertdirektionen zu verhandeln, sowie über den Schuh, den die Regierung der Arbeit der Konzertdirektionen gewähren sollte durch Ausschaltung des wilden Agententums usw. Auf Anfrage, ob auch die jüdischen Mitglieder im Verband verbleiben könnten, wurde der Vorschlag des Vorsitzenden beschlossen, daß die Generalversammlung in dieser Frage keine Entscheidung treffen solle, sondern diese Entscheidung der Regierung überlassen muß, wenn ihr das Verbandsverzeichnis vorgelegt wird. Inzwischen ist aber einwandfrei festgestellt worden, sowohl durch mündliche Unterhaltung mehrerer Herren mit Vertretern aus Regierungskreisen als auch durch ein offiziells Schreiben an ein Vorstandsmitglied, daß die maßgebenden Stellen mit dem Verbande nur in Verhandlungen treten unter der Vorausseßung, daß die jüdischen Mitglieder aus dem Verband ausgeschieden sind. Damit der Verband, der für seine Existenz kämpft, die nötigen wichtigen Verhandlungen mit der Regierung weiterführen kann, bin ich daher gezwungen, die jüdischen Mitglieder des Verbandes zu bitten, mir ihren Austritt mitzuteilen. So wird jeder im Konzertwesen mittelbar oder unmittelbar tätige Jude brotlos gemacht. Die Gleichgeschalteten werden künftig mit doppelter Begeisterung den Hymnus der Beethovenschen 9. Sinfonie vom Brudertum aller Menschen fingen. 3. Vier aufgenordete Kuczdcamen Aus dem gleichgeschalteten Repertoire von 1933-34 ausgewählt» Gazetten sollen sehr genieret sein' Alle Rechte, beziehungsweise jede Rechtlosigkeit vorbehalten. Frauen hütet Ench! 1. Studier- und Sezierzimmer des jüdisch- akademischen Luftmörders Jsaat Forleule. Forleule. Edith Lieblich. Forleule: ,, Gnädiges Fräulein, ich muß Ihnen ein Geständnis machen. Ich bin. Lieblich: Sie sind... Forleule: Jude!" Lieblich: Entsetzlich! Beim artreinen meiner Urgroßmutter selig-, warum haben Sie mir das vorher nicht mitgeteilt...?" Gebetn Forleule:( teuflich): Weil ich Sie befizen wollte!" Lieblich: Asiatischer Wüstling! Jordanindianer! Libanontiroler!" Forleule:( stößt unartikulierte Laute orientalischer Provenienz aus. Die Szene verdunkelt sich.) 2. An ihrer Kampfform sollt The sie erkennen Sigungssaal des Schwurgerichts. Richter, Protokollführer, der Angeklagte. Richter: Angeklagter, Sie sind also überführt Angeklagter: Wessen, Herr Direktor-? Richter: Das kann ich Ihnen erst nach Ihrer Hin richtung mitteilen." Angeklagter: Ein schrecklicher Irrtum, Herr Di rektor! Ich bin als Zeuge in einer Erbschaftsangelegenheit hierhergekommen und wollte in die Kammer für Zivilfachen." Richter:„ Das hätten Sie sich vorher überlegen sollen. Widersprechen Sie nicht, Ihre Kopfform ist ein Geständnis ohne mildernde Umstände.. Angeklagter: Herr Direktor, von meiner Urgroßmutter stiefväterlicherseits abgesehen, sind wir aus steinaltem fernfriesischen Bauerngeschlecht Richter: Das mögen Sie den Waisenkindern von Zion erzählen, ich glaube Ihnen nicht! Machen Sie keine Umstände und erschweren Sie uns nicht die Kriegshandlung! Sterben Sie gefälligst mit einem Frühlingslied auf den Lippen. Abtreten! Tod durch den Strang, verschärft durch einen Fasttag. Der nächste Herr, bitte!" Pressekonferenz in der Berliner Wilhelmstraße. Pressereferent der Regierung. Journalisten. Referent: Rühren! Die Presse ist dazu da, den Mund zu halten. Aufgabe einer verantwortungsvollen Journalistik ist nicht, das zu sagen, was sie weiß, sondern das zu verschweigen, was sie nicht sagen darf. Im übrigen hat sie ein Korsett zu tragen, um die Haltung einnehmen zu können, die in Anwesenheit von Vorge setzten üblich ist. Aufgabe des Vertreters ist es, die Grammophonnadeln zu liefern; die jeweils gewünschte Platte werden wir Ihnen schon einsetzen. Wir sind auch für Pressefreiheit, insofern, als die Preffe frei von jeder eigenen Meinung zu sein hat! Abtreten!" Journalisten:( im Chor):„ Wir wünschen dem Herrn Referenten einen fröhlichen Guten Morgen!" Referent:( streng, aber nicht ganz ohne Wohlwollen): N' Morgen, Leute-!" Erwachte Leinwand 4. Kunstausstellung in X. Die Behörden, die Aussteller, be fractes Publikum. Der Behördenvertreter: Na also! Warum denn nicht gleich? Ist doch Klaffe, was? Nich diese gottsverdammten kulturbolschewistischen Schinken des verflos3u singen an Straßeneden, in Saba retts und Schankstätten jenseits der deutschen Grenzen. In Nacht und Nebel, den Hut im Gesicht, Durch Dörfer und Städte und Straßen, Ein Hemd auf dem Leib und im Rucksack den Haß, So haben wir Deutschland verlassen. Ich bin aus Frankfurt, und ich aus Berlin, Ich wollte nach Zürich, und ich nach Wien. Zwölf unterwegs, die nicht fragen wohin, Zwölf unterwegs durch Europa ziehn. Wir sind die Soldaten der großen Armee, Die sich sammelt, um weiterzukämpfen, Wir sind die Besiegten von gestern und je, Wir kämpfen für eine Menschheitsidee Und für die Gesellschaft von morgen. Mit uns ist die Zukunft, mit uns ist der Getst Von Goethe und Lessing und Herder und kleift Ueber die Grenzen gegangen. Zwölf unterwegs und Millionen zu Hans, Die halten es nicht mehr in Deutschland aus, Die schmeißen den ganzen Krempel hin, Zwölf unterwegs durch Europa ziehn. Herunter die Maske, herunter den Bart, Wir wollen nicht länger frepieren. Wir zeigen euch heute, wie Deutschland erwacht, Wir rufen es laut in die dunkelste Nacht Und spielen, was die uns soufflieren. Ich bin Gelehrter und ich Prolet. Mich hat man mißhandelt und mich geschmäht, Zwölf unterwegs, verfolgt und bespien, Zwölf unterwegs durch Europa ziehn. Und wenn auch für uns die Stunde schlägt, Und die Stunde ist nicht mehr fern, Dann heben wir uns von der Erde auf, Dann sind wir nicht Knechte mehr sondern Herra Und räumen in Deutschland auf. Dann komm ich aus Zürich und ich aus Wien, Dann fahr ich nach Frankfurt, und ich nach Berlin. Zwölf unterwegs, die wissen wohin, Zwölf unterwegs durch Europa ziehn. Das sind die Soldaten der großen Armee, Die fich sammelt, um weiterzufämpfen, Das sind die Sieger von gestern und je, Sie fämpfen für eine Menschheitsidee Und für die Gesellschaft von morgen, Und wenn auch die Zukunft, und wenn auch der Geist Von Goethe und Leffing und Herder und Kleist Ueber die Grenzen gegangen Zwölf unterwegs und Millionen zu Haus, Die wollen nun nicht mehr aus Deutschland raus, Die ballen die Faust und machen nicht schlapp, Zwölf unterwegs. Wir rechnen ab! Wau! Wau! Wieder einer! Volkszählung" mit Spüchunden Ueber eine Aktion aus Anlaß der großen Volkszählung im Reiche schreibt das„ Berliner Tageblatt": „ Die große Volkszählung wird heute nachmittag abge schlossen... An dieser großen Aktion ist sogar die Berliner Polizei beteiligt, die in der vergangenen Nacht unter persönlicher Leitung des Polizeipräsidenten v. Levezom in den Berliner Parks eine große Razzia abhielt, um auch diejenigen bei der Zählung zu erfassen, die obdachlos im Freien nächtigen. Mit Spürhunden wurden die Anlagen durchstreift und alle angetroffenen Personen mußten den Weg nach dem nächsten Polizeirevier antreten... Unter den Angehaltenen befinden sich auch viele gesuchte Per sonen. Im Anschluß hieran wurden noch die Wartesäle der Fernbahnhöfe durchsucht. Die statistische Auswertung des Materials wird erst in mehreren Monaten beendigt sein. Teilresultate über die Bevölkerungszahlen großer Städte wird man schon in den nächsten Wochen festgestellt haben. Die Teilresultate dieser von Spürhunden apportierten Statistik werden sein: zertrümmerte Knochen, zerfezte Rörper, blutige Wunden und um einige Deutsche weniger als vor der großen Volkszählung. Keine doktrinäre Africhtigkeit Die gleichgeschaltete Zeitschrift„ Die Reklame"( Francen und Lang, Berlin W. 35) zitiert im 10. Heft„ Adolf Hitler über die Werbung":" Sie( die Propaganda) hat nicht objektiv auch die Wehrheit, soweit sie den anderen günstig ist, erforschen, um sie dann der Masse in doktrinärer Aufrichtigkeit vorzusehen, sondern ununterbrochen der eigenen zu dienen. senen liberalen Systems, sondern endlich wahrhaft artver Seine langen Keels haftete Kunst. Na, Zrofit! Ach, wollte sagen, auch die Leinwand ist erwacht! Jawoll! Sie reibt sich den Schlaf aus den Hühneraugen! Fein jemeckert, was? Alles was recht ist, Jungens, das habt ihr ganz famos gefleckst! Versteh ja selbstverständlich von dem Unsinn nichts, sonst wäre ich ja nicht hier, nich?! Kunst und sohn Kram ist was für Leute mit Gehirngrippe, verstanden? Aber eure Motive, die sind richtig! Das riecht nach Erdverbundenheit! Da ist Scholle, da ist Rasse, da ist Blut, da ist die Ackerblume, da ist.. Kinder, also jezt habe ich doch meinen Stichwortzettel vergessen! In diesem Sinne also! Malkunst tut not! Unsere Zukunft liegt auf der Palette. Wer sich mir entgegenstellt und somit erheben wir das Glas, soll heißen die Hand!" Die Zuhörer( einfallend): hoch! Hoch! Hoch!" F. Emel. Wie die„ Allgemeine Zeitung" erfährt, hat die Allensteiner SS.- Standarte bisher 11 Leute für die Leibwach e des Reichskanzlers Adolf Hitler gestellt. Weitere 22 SS.- Männer find noch stellig zu machen. Es kommen nur „ gut gewachsene Angehörige der SS." in Frage, die min destens 1,80 Meter groß sind und im Alter von 18 bis 22 Jahren stehen. Der längste der„ Langen Kerls vont Allenstein" ist der SS.- Mann Quadroeski, der 1,98 Meter groß ist und den nur 1,95 Meter langen bisherigen Flügelmann der Leibwache ablösen soll. Schade, daß dieser Längste kein rassereiner Germane ist. Was Leibwachen betrifft, so haben es Hitlers Vorgänger, die deutschen Fürsten und Prinzen, nie so genau genommen. Die Hauptsache waren Meter und Zentimeter zum Maß für die deutsche Seele. Die Hauptaufgabe der Sozialdemokratic Neue Erkenntnisse, neue Waffen Die Dialektik der sozialen und politischen Verhältnisse gestaltet sich unter dem Regime einer terroristischen Diktatur sehr eigenartig. In dem Maße, in dem sich das ausschließliche soziale und politische Monopol der herrschenden Partei formt und festigt, in dem sich das neue sozial- politische Gefüge des„ totalen" Staates bildet, ändern sich auch die Funktionen aller politischen Faktoren, die also vor der Etablierung der Diktatur, unter dem Regime der weitgehenden oder teilweisen Demokratie, wirkten. Ein Teil dieser Funktionen stirbt einfach ab, überlegt sich, wird zum hemmenden Anhängsel ohne jede praktische Bedeutung; die anderen ändern ihren Charakter bis zur Unkenntlichkeit, und wirken sich schädigend aus, dort, wo sie früher nützlich waren. Die Arbeiterbewegung aller Länder hat sich erfolgreich bemüht, alle legalen Möglichkeiten, die sich ihr im Rah men eines demokratischen, liberalen, ja selbst halb: absolutistischen Rechtsstaates boten, in weitgehendstem Maße auszunügen. Die Legalität, die Aufrichtung eines weitverzweigten Apparates legaler Organisationen, die sich auf möglichst einflußreiche Fraktionen in den gesetzgebenden und Verwaltungsorganen stüßt, die über ansehnliche materielle Mittel verfügte, bildeten stets die mächtigste Grundlage für den erfolgreichen Kampf des Proletariats um den Einfluß im Staate, um dessen Umgestaltung im Sinne der Arbeiterklasse. Der Sieg des Faschismus stellt alles auf den Kopf. ,, Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage." Der gigantische Apparat der legalen Partei, Hunderte von Vertretern in verschiedenen Körperschaften, starke Fraktionen in den ParDeutschlands Schmach Loslösen vom Feinde Die Formung der revolutionären Arbeit lamenten und Verwaltungsorganen, reiches Parteieigen tum, zahlreiche Parteihäuser und Verwaltungsorganen, reiches Parteieigentum, zahlreiche Parteihäuser und Druckereien, die gesamten in jahrzehntelangem mühevollen Kampf von der Partei zusammengebrachten Güter werden unter dem Regime des absoluten Monopols der diktatorischen Partei nicht nur zum blutleeren Anachronismus, sondern geradezu zur Quelle großer und schwerer Gefahren für die Sache des Proletariats. Das dichte Netz legaler Organisationen der Panzer des Proletariats gegen alle Anschläge des Klassenfeindes wird zum Bleigewicht, das die Bewegungsfreiheit der proletarischen Avantgarde hemmt und sie, ohne ihr Schutz bieten zu können, organisatorisch und politisch zu Boden drückt. Der Schild und der Panzer so wichtig in der Epoche der Speer- und Bogenfämpfe, werden zum nußlosen Hindernis in der Epoche der brisanten Spreng ffe, der Maschinengewehre und Tanks. Die parlamentarische Fraktion, dieses mächtigste Werkzeug der Propaganda, der Organisation und des unmittelbaren politischen Kampfes im Rahmen eines parlamentarischen oder liberalen Staates, verliert unter der modernen Diftatur mit ihrer Propaganda- und Unterdrückungstechnik, mit ihrem vollständig monopolisiertem Informationsdienst, mit ihrem unerschöpflichen Möglichkeiten direkter oder indirekter Vergewaltigung des Willens und Gewissens jedes einzelnen Bürgers, nicht nur jede Bedeutung, sondern fann zur Quelle schwerster Schäden für die Partei werden. Die legale Presse, die sich die Arbeiterparteien vieler Länder unter den größten Opfern erkämpfen mußten, und die im allgemeinen von unschäzbarem Wert für die Aufflärungsarbeit und für die Freiheitskämpfe des Proletariats ist, wird in der Epoche des Faschismus zu Illusion. Soweit Lord Cecil an Gouverneur Schnee Ein Briefwechsel zwischen dem britischen und dem deutschen Präsidenten der Delegationen der Völkerbundsliguen Lord Cecil schreibt: Montre, le 6. Juni 1933. Exzellenz! Die internationale Union der Vereinigungen für den Völkerbund hat mich gebeten durch Ihre Vermittlung der deutschen Delegation ihre Empfindungen anläßlich gewisser Ereignisse, die sich in Deutschland zugetragen haben, und die im besonderen die Maßnahmen betreffen, te man gegen die jüdischen Bürger dieses Landes ergriffen hat, zum Ausdruck zu bringen. Die Union erfennt an, daß sie nicht das Recht hat, sich in die inneren Angelegenheiten eines Landes einzumischen. Sie hat auch teinerlei Wunsch, das zu tun. Immerhin haben die fraglichen Ereignisse ein lebhaftes und sehr ernstes Unbehagen in vielen Teilen der Welt, besonders in Europa und den Vereinigten Staaten hervorgerufen. Es ist nicht zuviel ge= sagt, daß sie ein Schlag wird für das gute Einvernehmen zwischen den Nationen. In vielen Ländern, auch in dem meinen, haben diese Ereignisse die Entwicklung der neuen Sympathie- und Verständigungshaltung Deutschland und seinem Volk gegenüber angehalten, eine Haltung die nach und nach die bitteren Empfindungen, die der Weltkrieg zur Folge gehabt hatte, verdrängt hatte. Es steht mir nicht zu, eine der Handlungen, die mitgeteilt worden sind, zu diskutieren. Ich bin auch bereit, anzunehmen, daß einige übertriebene Berichte Aufnahme in der Presse gefunden haben. Aber selbst, wenn man an ge= wisse Uebertreibungen nicht glaubt, bleibt die Tatsache be= stehen, daß die deutsche Regierung gegen eine Gruppe von Staatsbürgern nur deswegen gesetzgeberische und administrative Maßnahmen ergriffen hat, weil sie durch ihre Rasse zum jüdischen Volk gehören. Es erscheint unserer Union unmöglich eine derartige Herabsetzung mit dem Geist des Pattes des Völkers bundes, wie auch mit der Entwicklung der abendländischen Zivilisation während der legten zwei oder drei Jahrhunderte in Einflang zu bringen, einer Zivilis fation, zu der Deutschland sehr viel beigetragen hat. Unsere Union glaubt hierin eine Rückentwicklung des Glaubens zur rohen Gewalt, die unabhängig von der Gerechtigkeit als dem Instrument der Regierung ist, zu sehen, und diese Rückentwicklung, die fußt auf verschiedenen öffentlichen Erklärungen von offiziellen Persönlichkeiten, die im Reiche eine hohe Stellung einnehmen, hat in einer großen Anzahl von Ländern ernsthafte Befürchtungen hervorgerufen. Unsere Union war sehr glücklich von Eurer Exzellenz die Versicherung zu empfangen, daß die deutsche Regierung eine Politik des Friedens und der Versöhnung fortsetzen will. Die Rede, die der Kanzler am 17. Mai gehalten hat, hatte ebenfalls diese Tendenz, und diese Versicherungen haben schon viel getan, um den unglücklichen Eindruck, von dem ich eben gesprochen habe, wieder zu beheben. Die Union hofft und glaubt infolgedessen, daß die kommenden Ereignisse eine Rückkehr des Vertrauens zwischen Deutschland und den andern Ländern möglich machen werden, und ich nehme mir die Fretheit, Eurer Exzellenz zu versichern, daß die freundschaftlichen Gefühle zwischen uns durch nichts kräftiger unterstützt werden können als durch entschiedene Maßnahmen, die beweisen, daß in Zukunft alle Staatsbürger des Reiches auf gleiche Behandlung vor dem Recht zählen können, ohne Rücksicht auf ihre Rasse, Sprache und ihre Weltanschauung. Gouverneur Dr. Schnee antwortete am 7. Juni mit folgendem Brief: Cecil. Ich bestätige Eurer Erzellenz den Empfang Ihres geehrten Briefes vom 6. d. M. Ich stelle mit ehrlicher Befriedigung fest, daß Sie bei dieser Gelegenheit die Ueberzeugung ausgesprochen haben, daß die Union nicht das Recht hat, sich in die inneren Angelegenheiten irgendeines Landes zu mischen. Um so schmerzlicher berührt mich, daß Sie ein Urteil aussprechen über die gesetzgeberischen und verwaltungsmäßigen Maßnahmen der deutschen Regierung, ohne die schweren Verfehlungen, die diese Maßnahmen nötig machten, in Betracht zu ziehen. sie durch die terroristische Diktatur bewußt, im eigenen Interesse zugelassen wird, verwandelt sie sich in ein Mittel zur Falsifizierung und Demoralisierung der öffentlichen Meinung des Proletariats. Wem diese Dialektik des Faschismus verschlossen bleibt, der läuft Gefahr, selbst zum Spielball der faschistischen Diktatur zu werden. Bei dem unvermeidlichen Rückzug, der jetzt von dem deutschen Proletariat gemacht werden muß, muß die Partei um ihre aktiven Kadern, um ihre Zukunft zu schützen, sich möglichst rasch von dem sie umflammerns den Feind loslösen, sie muß zwischen diesem Feind und fich einen leeren Raum schaffen und entschlossen ohne Zögern, zum illegalen revolutionären Kampf übergehen. Nur auf diese Weise wird es möglich werden, die eigenen Reihen aus der Schußlinie zu ziehen, nur auf diesem Wege wird die Basis geschaffen werden können für eine richtige Politik, die die Wiederholung der Fehler unmöglich macht, die in unerhörter Weise das Ansehen der Partei untergraben, und eine Zerseßung und Demoralisierung in ihre eigenen Reihen getragen haben. Und nur auf diese Weise wird es endlich möglich werden, die wirkliche Arbeit der Erziehung der Massen für die verantwortungsvollen, revolutionären Aufgaben, die durch den Sieg des Faschismus gestellt wurden, zu beginnen. Dabei ersteht auch eine große, verantwortungsvolle Aufgabe für die deutsche Emigration. Ihre wichtigste und ernsteste Arbeit wird es sein, auch von außenher an der Formung der revolutionären Arbeit mitzuhelfen. Und darin wird die Daseinsberechtigung und der politische Sinn der Emigration gegeben sein. Ich kann Ihr Urteil weder als begründet noch als berechtigt anerkennen. Es ist vollkommen unrichtig, wenn Sie von der Rückkehr zu einer Gesinnungsart des deutschen Volfes sprechen, die in der Tat keinerlei Basis in unserm Volt hat. Im übrigen werde ich meiner Regierung bie Stellungnahme der Union mitteilen und ich zweifle nicht daran, daß meine Regierung in ihren Entscheidungen sich von den vitalen Notwendigkeiten des deutschen Volkes wird leiten lassen, ebenso wie von den hohen Prinzipien, die von der Union vertreten werden. Ich fließe, indem ich meiner Ueberzeugung Ausdruc gebe, daß wir über Meinungsverschiedenheiten hinweg dazu gelangen werden, unsere Arbeit mit der Union fortzusetzen zur gegenseitigen Verständigung und für den Weltfrieden. Angft vor Frankreich! Reichsstatthalter Mutschmann für Tarnung der militarisierten SA. Berichte über militärische Uebungen sollen nicht mehr veröffentlicht werden- Auch Arbeitslager militärisch getarnt Ein Schlag gegen die Friedensrede des Reichskanzlers Der sächsische Reichsstatthalter Mutschmann hat durch den Gaupressewart den unten abgedruckten Geheimbefehl an die nationalsozialistische Presse versenden lassen. Wie bei den Nazis alles verraten wird, so ist auch dieser Befehl in das Ausland, und zwar an die belgische Presse gelangt. Der Befehl ist eine schwere Bloßstellung der Friedensrede des Reichskanzler im Reichstage, deren Glaubwürdigkeit durch die Nationalsozialisten selbst erschüttert wird. Hier ist der Befehl im Wortlaut: Aus dem N.-S. Pressedienst, Gau Sachsen, vom Gauprefewart der NSDAP. vom 24. Mai 1933 Mitteilung an alle Redaktionen Nicht zur Veröffentlichung bestimmt! Angesichts der außenpolitischen Spannungen muß noch einmal mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß unter feinen Umständen irgendwelche Veröffentlichungen erfolgen, durch die unbeabsichtigt eine Umgehung des Versailler Vertrages herausgelesen werden kann. Insbesondere ist darauf zu achten, daß Ausdrücke wie SA.- Kasernen oder sonstige militärische Bezeichnungen in Verbindung mit den Verbänden unter allen Umständen vermieden werden. Desgleichen darf niemals in Berichten oder sonstigen Veröffentlichungen über die Polizei der Eindruck einer Militärorganisation entstehen. Ganz besonders gilt dies auch für Bilder. Bei Veröffentlichungen über Arbeitsdienstlager, die an, sich im Hinblick auf die Wichtigkeit des Arbeitsdienstes stets sehr erwünscht sind, bitten wir darauf zu achten, daß keinerlei Eindruck einer militärischen Ausbildung zum Ausdruck tommt. Berichten über Erlebnisse bei irgendwelchen Uebungen der Reichswehr abzulehnen. Es ist bekannt geworden, daß sich Agenten Frankreichs dahingehend geäußert haben, daß sie ihr Material gegen Abrüstungsverstöße Deutschlands Hauptsächlich aus Veröffentlichungen der kleineren Lokalzeitungen entnehmen. Es darf daher erwartet werden, daß die gesamte Preffe in Zukunft einheitlich vollste Dissiplin wahrt und keinerlei Handhabe gibt, erneut Deutschland außenpolitische Schwierigkeiten zu bereiten. Heil Hitler! Robert Keßler, Gaupressewart. Genug davon! In den deutschen Grenzlanden besteht kein Hitlerbedarf cnb. Berlin, 23. Juni. Zwischen dem Tage der Sommersonnenwende und dem Tage des Versailler Diftates schickt der Volksbund für das Deutschtum im Auslande durch seine Jugend etwa 100 000 Läufer, Radfahrer und Reiter auf 43 Hauptstrecken und zahlreichen Nebenlinien eine Botschaft an die Grenzen, in der es heißt:„ Wir, die deutsche Jugend im Reich, grüßen Euch, die deutsche Jugend im Auslande. Wir versprechen Treue und wir verlangen Treue, Treue zu unserem Volk, unserer Sprache, unserer Sache. Volkheil! In den von dem Lauf berührten Städten werden Kundgebungen unter Beteiligung der nationalen Verbände veranstaltet. ( und wo bleiben Arbeit, Brot, Brechung der Zinsfnechtschaft, Enteignung der Bank- und Börsenfürsten, Zer reißung des Versailler Vertrages usw.? D. Red.). Wehrsportübungen der Veruände werden am besten überhaupt nicht in der Presse erwähnt. Sollte ausnahms= weise eine Veröffentlichung notwendig sein, so wird sie durch Schweden will keine Privatarmeen den NS.- Pressedienst, Gau Sachsen, als das alleinige amt= liche Organ für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden. * Anordnung des Reichsstatthalters, nicht zur Veröffentlichung bestimmt: Der Reichsstatthalter für den Freistaat Sachsen, Martin Mutschmann, macht es sämtlichen Zeitungen zur Pflicht, feinerlei Dinge zu veröffentlichen, die irgendwie im Zu sammenhang mit einer militärischen Ausbildung der SA., SS., Stahlhelm oder sonstigen Verbände gebracht werden fönnen. Insbesondere darf niemals in der Oeffentlichkeit der Eindruck erweckt werden, als befänden sich Angehörige dieser Verbände zur Ausbildung bei der Reichswehr. Statthalter Mutschmann wird bei dem Verstoß gegen diese Anordnung unnachsichtlich gegen die betreffende Zeitung einschreiten. Wir bitten daher, dies peinlichst genau zu befolgen. Der NS.- Pressedienst bittet, etwa gewünschte oder beantragte Veröffentlichungen von Stimmungsbildern und Ein Sachverständigenkomitee, das von der schwedischen Regierung eingesetzt worden war, um die Methoden der Befämpfung bewaffneter Privatkorps zu untersuchen, hat dieser Tage seinen Bericht veröffentlicht. Der Auftrag, der dem Komitee erteilt worden war, lautete ganz allgemein, Maßnahmen zu finden, um die Entstehung und Aufrechterhaltung bewaffneter privater Organisationen zu verhindern. Der vorläufige Bericht sieht ein neues Verzeichnis der Waffen vor, die sich gegenwärtig in den Händen von Privatpersonen befinden, verschärfte Kontrolle und einschränkende Bestimmungen für den Erwerb solcher Waffen und ein strengeres Strafsystem. Berlin. Dr. Hedenkamp, der ständige Beauftragte der ärztlichen Spizenorganisation und ehemalige Reichstagsabgeordnete, ist aus der Deutschnationalen Front ausgetre ten.( Die Ratten verlassen das sinkende Schiff!) wtb. Dresden, 28. Juni, Das Innenministerium hat der Jungdeutschen Orden und den Tannenbergbund verboten. Hitler ― von Gott geschenkt! Wieder Krach in einer Berliner Studentenversammlung Es ist bekannt, daß wegen der Wahl Bodelschwingha zum Reichsbischof ein großer Streit entbrannt zwischen der Deutschen Evangelischen Kirche und dem von Hitler eingesetzten Wehrkreispfarrer Müller, der eben gerne selbst Reichsbischof geworden wäre( und der der Leiter der deutschen Christen"[ lies Nazis] ift). Dieser Streit hat jegt in einer Berliner Studentenversammlung ein bemerkenswertes Echo gefunden, worüber dieser Bericht vorliegt: Es war ein„ Ausspracheabend", zu dem der deutsche Studentenkampfbund Deutsche Christen" „ Deutsche Christen". eingeladen hatte. Die Einberufer ahnten nicht, wie dramatisch er laufen würde! Die Vertreter des„ Kampfbundes", die Pastoren Hossenfelder und Hoff, leisteten sich folgende wunderbare Säße, die so recht zeigen, wie die Kirche der Politik der Reichsregierung nutzbar gemacht werden soll: „ Unser Kampf geht in erster Linie gegen den ver: ftedten Gegner in der Kirche, nämlich gegen die Marristen und Liberalisten, die nun versuchen, dort ihr Unwesen zu treiben, um das„ Dritte Reich" zu untergraben. Die alte Regierung, die seit vierzehn Jahren nun am Ruder gewesen sei, hätte das Kollektiv der Gottlosen gezüchtet, und die deutsche Universität hätte gepredigt: Wissen und Glauben sei nicht vereinbar. Marr hätte seiner Weltanschauung mit Absicht eine religiöse Formung ge: geben.(!) Gegen diese Weltanschauung gelte es den Kampf aufzunehmen. Gott suche sich seine Werkzeuge selbst aus, es fönnen aber auch politische Werkzeuge sein(!). Eine Kirche, die nicht vermählt sei mit dem Schicksal der Nation( oder sich dieser Aufgabe entziehe), sei nicht das, was sie sein müsse. Nach unserer Meinung ist Adolf Hitler der größte Mann nach Martin Luther, den wir jemals in der Kirchen und Weltgeschichte hatten.(!) Das Evangelium ist die Frage des Volkes nach Gott, ist das Gut eines Voltes. Das Verhältnis eines Juden zu Gott ist wie dasjenige eines Knechtes zu einem orientalischen Despoten. Das Verhältnis eines Germanen aber wie das eines Helden, der darauf wartet, vereint zu werden mit Gott dem Allvater, oder bei ihm in Ehren aufgenommen zu werden. Die Forderung des Tages ist: Nation und Kirche. Hitler wurde uns von Gott geschenkt.(!) Wir haben die Absicht, in der Kirche Revolution zu machen. Luther war nicht ein Reformator, sondern ein Revolutionär, und wir " Deutschen Christen" sind dazu da, diese Revolution auch innerhalb der Kirche durchzusehen. Die Ausbildung an der Universität muß eine andere werden, nicht nur an der theologischen, sondern an allen Fakultäten, fie muß umgestaltet werden im nationalsozialistischen Sinne des „ Dritten Reiches". Also sprachen zwei protestantische Geistliche. Sie glauben zu fünfzig Prozent an Hitler, zu fünfzig Prozent an Gott. Man weiß nur nicht, ob sie den Christengott oder den germanischen Gott meinen, der auf Walhall residiert... Interessanter war, wie die Studenten in der Versamm lung darauf reagierten. Schon während der Referate war mehr als einmal getrampelt und gescharrt worden, oft erscholl ein wüstes Durcheinander von Pfuiund Heilrufen, umsomehr, als sich der Großteil der Studenten und Versammlungsteilnehmer( meist Pastoren!) nicht einer Gleichschaltung der Kirche im Sinne der Politik des„ Dritten Reiches" verschreiben wollte, sondern die Autonomie der Kirche gewahrt wissen wollte. Da sprach Pfarrer Hoff die Worte:„ Wir haben im Kugelregen auf der Straße gestanden, denken Sie daran, wir fürchten auch Sie nicht, auch hier in der Kirche werden wir siegen und nicht Sie! Hier setzte nun ein ungeheurer Tumult ein, der auch die Diskussionsredner der Deutschen Christen" wohl belehrt haben mag, daß noch nicht alle Deutschen so von dem Kadavergehorsam erfüllt sind, wie sich ihn Hitler und seine Anhänger wünschen. Bereits am andern Tag wurde von den Studenten eine mit vielen Unterschriften unterschriebene Eingabe an das Ministerium weitergeleitet, in der sich allen Ernstes verbeten wurde, daß in dieser Art und Weise Politik in der Kirche getrieben werden solle. und ein Fußtritt dazu! Der hervorragende Staatssekretär Trendelenburg von Ruft verabschiedet. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Rust hat an den Leiter der Kirchenabteilung Automobilisten! Wollen Sie gut bedient sein, kaufen Sie ihre Reifen in der VulkanisierAnstalt Siffa Kronprinzen- Telefon 22127 Ecke Stengelstr., Saarbrücken 1, oder in Saargemünd Vulcanisation Kursner, Telefon 550 Frankreichstraße, Ecke Schiffstr. Generalvertreter der versicherten India- Reifen des preußischen Kultusministeriums Herrn Ministerial direktor Dr. Trendelenburg folgenden Brief gerichtet: ,, Sehr geehrter Herr Dr. Trendelenburg! Die Bestellung eines fommissarischen Präsi denten des Evangelischen Oberkirchenrates ohne Unterrichtung und Befragung des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bedeutet einen Schritt der Altpreußischen Landeskirche, der für das Verhältnis des Staates zur Kirche nicht ohne ernste Folgen bleiben kann. Zur Lösung der dadurch auftauchenden Fragen bedarf es eines Referenten, der sich vor derartigen Ueber. raschungen bewahrt, und dessen Auffassung vom nationalen Staat sich mit der von mir vertretenen vollständig deckt. Ich beurlaube Sie daher mit dem heutigen Tage von ihrem Amt. ( gez.) Rust." cnb. Berlin, 23. Juni. In Frankfurt a. d. Oder ist das Todesurteil gegen den früheren Postaushelfer Matthäus Heinze vollstreckt worden. Heinze war zum Tode verurteilt worden, weil er die ledige Erna Wolf, die ein Kind von ihm erwartete, ermordet hatte. Achtung! Abonnements für Straßburg! Bestellungen werden angenommen 31, Rue St. Gotthardt. Achtung! Abonnements für Paris! Bestellung sind zu richten an Le Courrier Socialiste, Paris 2, Rue Seydeau. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Hubert Jüttner, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: „ Volfsstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. a.-w. sonntag, den 25. juni, abends 8 uhr, großer ball mit der bekannten jazz- kapelle eintritt zu ermäßigtem preise von 2.- fr. kein getränkeaufschlag Blut- März 1933 von Dr. Theodor Krämer Preis 2 Franken Buchhandlung„ Volksstimme" Neunkirchen, Hüttenbergstr. 41 Saarbrücken 3, Bahnhofstr. 32 An die verehrl. Geschäftswelt! Das beste Insertionsorgan ist die ,, Deutsche Freiheit"! Ihre Auflage ist jetzt schon bedeutend höher, als die der Saarbrücker bürgerlichen Zeitungen zusammen. 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