Preis: 60 f. cts. Freiheit Nummer 91. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Freitag, 30. Juni 1933 Chefredakteur: M. Braun Ein deutscher Arbeiter berichtet der ,, Deutschen Freiheit" dieses Jubiläum: Heute vor zehn Jahren wurde ich nach mehrmonatiger Gefängnisstrafe von der Besatzung aus dem Rheinland ausgewiesen. Grund: Treue zu Deutschland. Jetzt zwingt mich Hitler, Deutschland zu verlassen. Mit anderen gelobe ich: wir kommen wieder. Freiheit! t e It ) s It 1, It # 1 js it te 1: 5. Vorstoß der Junker Entscheidende Stunden in Neudeck- Hitler soll Garantien für den Großgrundbesitz geben Das Drängen aus der Tiefe Berlin, den 29. Juni 1933.( Eig. Drahtb.) Als einzige deutsche Zeitung konnten wir gestern über die Hintergründe des Kampfes Hitler- Hugenberg berichten. Unsere Meldung, daß Hindenburg Widerstand leisten werde, hat sich bestätigt. Unter« Widerstand Hindenburg" ist natürlich nicht die schwindende Energie des alten Herrn zu verstehen, dessen Gesundheitszustand entgegen allen Ableugnungen sich verschlechtert hat, sondern der Widerstand wird von den politischen und wirtschaftlichen Kräften rings um Hindenburg geführt. Reichsminister Hugenberg, dieser sture Stockreaktionär, war für den östlichen Großgrundbesitz der Garant gegen den Siedlungsbolschewismus" der proletarischen SA. und der Intellektuellen ohne Ar und Halm in der Nationalsozialistischen Partei. Angesichts der drohenden Gefahren für den Großgrundbesitz hat man Hindenburg nach Neudeck geschafft, um ihn dort unter den Einfluß der ostpreußischen Junker, insbesondere seiner pensionierten Generalsfreunde, zu bringen. Unter diesem Druck weigert sich der Reichspräsidenk noch immer, einen Nachfolger Hugenbergs zu ernennen, wenn nicht der Reichskanzler Garantien für die Weiterentwicklung der Agrarfrage auf dem Boden des Privateigentums und gegen alle sozialistischen Experimente in der Landwirtschaft bietet. Das ist der Grund der plöhlichen Reise des Reichskanzlers nach Neudeck. Die Umgebung des alten Herrn läßt ihn einstweilen nicht auf den heißen polifischen Boden Berlins zurück. Man hofft, daß der Reichskanzler in Neudeck, wo er auch Aussprachen mit führenden Großgrundbesitzern haben wird, sich entgegenkommender zeigt als unter dem Einfluß der Radikalen Göbbels und Göring in Berlin. Was sich in Neudeck jetzt vollzieht, ist ein Ringen zwischen den Kräften, die nur die nationale Revolufion gewollt haben und den elementaren Gewalten in der Tiefe, die zur sozialistischen Revolution vorwärtsdrängen. Noch sucht der Reichskanzler, der für seine Person stets den Sozialismus abgelehnt, ja das Wort Sozialismus, das er an sich für schlecht hält, in seinen Wahlreden möglichst vermieden hat, zwischen national- konservativen und national- revolutionären Kräften zu lavieren. Die Zersetzung des deutschen, Gesellschaftskörpers, die unlösbare Agrarkrise im Osten und die verzweifelte Situation großer Teile der deutschen Industrie drängen aber zu baldigen Entscheidungen. Diese können nur revolutionär sein, und der Reichskanzler fühlt wohl selbst recht deutlich, daß die Entwicklung andere Wege nimmt, als er sie gewollt hat. Diese Entwicklung wird wohl auch andere Führer ans Ruder bringen. Todeskampf des Zentrums Das Schicksal des Zentrums ist besiegelt München, den 29. Juni 1938.( Eig. Drahtber.) In Bayern sind weitere Verhaftungen führender Mit glieder der Bayrischen Volkspartei erfolgt. In der Pfalz werden auch alle führenden Mitglieder des Zentrums ver: haftet. Prominente Führer des rheinischen Zentrums find nach Eupen Malmedy geflohen und haben sich so unter den Schutz der belgischen Regierung gestellt. Der frühere Reichskanzler Dr. Wirth befindet sich unter dem Schuze von Dollfuß in Desterreich, und zwar schon seit Wochen. Sonst würde er zweifellos längst in einem Konzentrationslager sein, wenn er nicht gar„ auf der Flucht" erschossen wor: den wäre. Auch im Saargebiet halten sich eine Reihe von führenden Zentrumsleuten und Gewerkschaftlern, auch katholische Pfarrer auf, die sich auf der Flucht vor dem Terror gegen die„ Schwarzen" in Deutschland befinden. Die Voraussage, daß das Zentrum nicht mehr kämpfen kann, bestätigt sich. Die Zentrumsführung, oder was man noch so nennen fann, erwägt nur noch, ob die Zentrums: partei Selbstmord begeht oder sich mit der seidenen Schnur der Gleichschaltung erwürgen läßt. Irgend ein Widerstand im Zentrum ist nicht mehr zu spüren. Von Absichten illegaler das Zentrum nicht zu einer aktivistischen Politik. Die Kirche Arbeit kann nicht die Rede sein. Der Vatikan ermuntert auch das Zentrum nicht zu einer aktivistischen Politik. Dir Kirche hält zur Zeit die jetzigen Machthaber für so start, daß die Zens trumspartei kein hinreichender Schuß für den Katholizismus sein kann. Auf den Höhen der katholischen Kirche hofft man, durch die päpstliche und bischöfliche Diplomatie allmählich zu einem erträglichen Zusammenleben auch mit dem National: sozialismus fommen zu können. Unter den deutschen Bischöfen gab es schon seit Jahren Herren, die das Zentrum durch seine Politik mit der Sozialdemokratie für zu belastet halten, als daß es noch die großen Traditionen der Vers gangenheit aufrechterhalten könnte. Diese Herren und der Vatikan nehmen an, daß auf längere Sicht die katholische Kirche größere Aussichten in Deutschland ohne das Zentrum haben wird als unter der Belastung mit der Parteipolitik des Zentrums. Die Versuche Dr. Brünings, das Zentrum zu retten, find vollkommen gescheitert. Damit dürfte auch die politische Rolle dieses früheren Reichskanzlers zu Ende sein. Seine Schwäche gegenüber den Nationalsozialisten und seine mangelnde Entschlossenheit, tiefgreifende Reformen durchzuführen, tragen an der Katastrophe Deutschlands einen großen Teil der Schuld. Alarmruf eines Priesters Katholicher Geistlicher an die„ Deutsche Freiheit"- Schuld der Kirche und des Zentrums Brünings Versagen Antifaschisten sammelt euch! Ein junger katholischer Geistlicher sprach in diesen Tagen auf der Redaktion der Deutschen Freiheit" vor, um uns seine Sympathie auszudrücken. Er war noch tief erregt von den Vorgängen in jüngster Zeit. Die Erlebnisse, die er in seiner Diözese hatte, seine Zusammenstöße mit Bevollmächtigten der Nazis, seine Beobachtungen der Terrorakte gegen katholische Priester dies alles hatte eine schwere Erschütterung seiner bisherigen politischen Anschauung zur Folge. In den Unterhaltungen mit ihm brach immer wieder die Auffassung durch, daß die kirchliche Hierarchie ebenso wie das Zentrum und die Bayrische Volkspartei ihre Zeit nicht verstanden hätten. Sonst wäre die jetzige« Katastrophe" so drückte sich der junge Geistliche aus- unmöglich gewesen. Wir fragten den Priester, welcher Art die Vorwürfe feien: die er ihr zu machen habe. Seine Antwort lautete: " Jahrzehnte hindurch hat man in Enzykliken und Hirten briefen den Sozialismus, wie er sich in der Arbeiter bewegung verkörperte, heftig bekämpft. Statt die arbeitenden Menschen mit der Kirche zu versöhnen, hat man ihre Klassentampfidee als„ unchriftlich" bezeichnet. Dabei mußte doch gesehen werden, daß die Anderen und Stärkeren ihn dauernd schürten. Die Kirche aber schloß, so mußte es wenigstens nach außen hin scheinen, ein Bündnis mit den Besitzenden. Wir Jüngeren waren lange schon rebellisch, wenn wir die wirtschaftliche und soziale Not unseres Kirchenvoltes sahen. In den Vorständen und bei der gesamten Laien repräsentation sind nach wie vor Leute im Vordergrund, die vermöge ihres praktischen Verhaltens im Wirtschaftsleben bestenfalls als Lippenchriften anzusehen sind." ,, Wollen Sie damit sagen," so fragten wir weiter,„ daß Sie die Haltung der Kirche zum Nationalsozialismus, zur brutalen Unterdrückung der Sozialdemokratie und der Ge: werkschaftsbewegung nicht billigen?" " Jawohl," lautete die Antwort.„ Wir jüngeren Priester sind ergrimmt darüber, wenn wir die mit allen diploma: tischen Finessen abgefaßten Kundgebungen unserer Bischöfe lesen. Wir verstehen nicht, wie man die Männer, die heute in Deutschland herrschen, mit dem kirchlichen Obrigkeits- und Autoritätsbegriff in Verbindung bringen kann. Denn sie sind nach meiner Meinung brutale Eroberer und Vernichter aller Boltsrechte, zu denen es loyale Beziehungen für die heilige Kirche nicht geben kann. Wo sind die Proteste da= gegen, daß täglich in Deutschland Menschen mißhandelt und gequält, inkonzentrations= läger gebracht und ihrer Würde beraubt werden? Was wir alle erwarten: das Manifest des Papst es an die gesamte Kulturwelt im Namen Christi, daß die Menschenrechte für die in Deutschland unterdrückten katholischen Volksteile wieder hergestellt werden müßten, ist bisher ausgeblieben. Dabei sehe ich von weithin wirksamen Einsprüchen gegen die Judenächtung und die widerchriftliche Haffenlehre ganz ab. Ich fürchte, daß sich das Verjagen der Kirche einmal aufs Bitterfte rächen wird." " Aber," wandten wir ein, wird nicht das Märtyrer: tum zahlreicher Geistlicher im deutschen Westen, die jetzt in Schuzhaft fißen und genau wie die„ Marristen" und Juden mißhandelt werden, später ein starkes Plus für die Kirche bedenten? Die zerstörten Pfarrhäuser sind doch ein Zeichen dafür, daß die jetzigen Machthaber im Ratholizismus und seinen Einrichtungen einen scharfen Gegner erblicken. „ Das ist ein Irrtum," lautete die Antwort des Pfarrers. Ich komme aus der Pfalz. Ich habe mit eigenen Augen mits erlebt, wie die aufgepeitschten Menschen einen Amtsbruder von mir johlend durch die Straße schleppten. Aber die glän bigen Katholiken? Sie faßen voller Ingrimm in ihren Woh: nungen, im Gefühl ihrer Ohnmacht. Sie spürten von der Macht ihrer Kirche nicht das Geringste. Sie lafen andern Tags in ihrer Zentrum3 zeitung einen überaus zahmen Bericht. Nur nicht zuviel Geräusch gemacht, damit man nicht verboten wird! An das Kirchenvolt selbst tritt kein Widerstand ihrer Bischöfe heran. Was sich in Gestalt von Warnungen und Borstellungen abspielt zwischen Fulda, Breslau, Köln, Müns chen und Berlin auf der anderen Seite, das erfährt man ja nicht. Die Gläubigen meinen, daß ihre Kirche, die einst so mächtig und weithinhallend protestieren konnte gegen Gott: lofigkeit, Sozialismus, Bolschewismus, heute gleichgeschaltet und niedergebengt ist und im Dritten Reich nichts mehr zu fagen hat. Das haben wir hinreichend beim Münchener Ges Jellentag erlebt. Und wie können Katholiken noch glauben, daß ihre Kirche noch eigene Widerstandskraft befigt, wenn fie sehen, daß all die Greuel von einem ihrer anerkanntesten Glaubensfreunde, dem Herrn von Papen, widerstandslos hingenommen und gedeckt werden?" Der junge Pfarrer machte im Zusammenhang damit sehr Spöttische Bemerkungen über die„ Katholiken" Hitler, Göring und Göbbels. Wir übergehen fie. Wir fragten ihn vielmehr, da die Zeit drängte, nach seiner Meinung über die Zentrumspartei, wobei wir unserer Enttäuschung darüber Ausdruck gaben, mit welcher Selbstverständlichkeit sich das Zentrum im Saargebiet dem Hitler- Regime unterworfen habe. " Ich kenne die Verhältnisse im Saargebiet nicht so ge= nau," lautete die Antwort:„ Aber ich war ein begeisterter Anhänger des Zentrums, vor allem Brünings. Ich habe ihn für einen der größten Staatsmänner der Nachkriegszeit ge= halten. Jetzt sehe ich, daß seine Politik verfehlt war, Er hätte an einer Zeit, in der er noch die Macht Hakenkreuz gegen Christenkreuz Offene Worte des Nazi- Reventlow dazu hatte, mit den demokratisch repus. Banner:„ Wir jungen Ratholiten werden im blikanischen Kräften eine Einheitsfront zur Sturmschritt mit Ihnen gehen." Niederhaltung des Nationalsozialismus bilden müssen. Er hat die Politik der Stärkung der Präsidialgewalt begonnen, die das Verhängnis eingeleitet hat. Das Zentrum hat geglaubt, daß man den Nationalsozia lismus zur verantwortlichen Mitarbeit erziehen" und nn gefährlich machen könne. Nun, ich will die begangenen Fehler nicht aufzählen. Ich habe selber Illufionen gehabt, die jest zerstört sind. Aber eines habe ich nicht verstanden: daß das Zentrum im Reichstag der Ermächtigung für Hitler, die seine Allmächtigkeit sichert, zustimmen konnte. Jezt wird es im Bewußtsein des katholischen Volkes alles, was an Terror und Unterdrückung vor sich geht, mitbelastet! In welchem Umfange es jegt von der Partei, der es jahr: zehntelang die Trene hielt, abfällt, das ist gerade erschreckend. In meiner Pfarrei kann ich die Schimpferei auf alte, bewährte Zentrumsführer und Führer der Bayrischen Voltspartei kaum noch beschwichtigen, Zwiz schen der Meinung der katholischen Massen und der Politik, die das Zentrum heute betreibt, klafft ein Unterschied, der nach meiner Auffassung niemals mehr überbrückt werden fann. Dabei nüßt dem Zentrum sein Anlehnungsversuch an das Hitler- Regime insofern gar nichts, als es bei dem Auss schließlichkeitsprinzip des Faschismus so oder so aufgerieben wird. Die Brnichtung der katholischen Arbeitervereine, der Rampf gegen die katholischen Jugendverbände und die Unterdrückung jeder eigenen Meinung in der katholischen Presse reden doch eine ganz unzweideutige Sprache. Unser Gespräch endete mit einer Aeußerung des Geistlichen, die wir im Wortlaut wiedergeben müssen. Als wir nämlich fragten, ob er denn keinen Ausweg sehe und sein Pessimismus nicht schließlich zur vollkommenen Ohnmacht führen müsse, antworte er: „ Ich bin keineswegs fleingläubig. Hier im Westen leben in der katholischen Bevölkerung alte freiheitliche Traditionen, die fich weder durch braunen Terror, noch durch diplomatische Vorsicht der kirchlichen Autoritäten auf lange Zeit aus: schalten laffen. Meine Ueberzeugung ist, daß sich die katholis schen Massen in der entscheidenden Stunde an die Seite derer schlagen werden, die am kühnsten und zähesten für die Rüdgewinnung der politischen Freiheit kämpfen. Darum bin ich ja zu Ihnen gekommen: um Ihnen zu vers sichern, daß diese Massen bereitstehen und auf Ihren Ruf warten, unbeschadet aller Gegensäge auf anderem Gebiet. Wenn die„ Deutsche Freiheit" die Sammlung wider den Faschismus verkündet, wenn sie alle, die heute in den vers schiedenen Lagern versprengt sind, einigt unter ihrem Mit Gottvertrauen Die evangelische Kirche militarisiert- Wehrkreispfarrer und Admiral wtb. Berlin, 29. Junt. Der Bevollmächtigte bes Reichss tanzlers für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche, Wehrkreispfarrer Müller, gibt folgende„ Ver: fügung zur Behebung der Notstände in Kirche und Volt" bekannt: 1. Die deutschen evangelischen Kirchen find in einen Notstand geraten. Die unbedingt notwendige Einheit von Volt und Kirche ist in Gefahr. 2. Dieser Notstand erfordert außerordentliche Maßnahmen. Im Einvernehmen mit dem Herrn Staatskommissar für die evangelischen Landeskirchen Preußens übernehme ich daher um der Kirche und des Evangeliums willen als Bevollmäch tigter des Herrn Reichskanzlers die Leitung des evangelischen Kirchenbundes. Der liebe Gott: Heil Hitler! 8. Ich übernehme insbesondere ben Borsig im Kirchenbundesrat, die Befugnisse des Kirs chentages, des Kirchenausschusses und seiner Unteraus Schiffe. Mit Gottvertrauen und dem Bewußtsein meiner Berantwortung vor Gott und unserem Volke gehe ich ans Wert, gehorsam der Wahrheit des reinen und lauteren Evangeliums Jesu Chrifti. In Berfolg der vorstehenden Verfügung beurlaube In Verfolg der vorstehenden Verfügung beurlaube ich mit sofortiger Wirkung den Bundesdirektor des Kirchens bundesamtes Dr. Hosemann. Mit der weiteren Durchführung der Verfügung zur Uebernahme der Geschäfte des Kirchenbundesamtes beauftrage ich Herrn Admiral Mensel. Saarländischer Protestantismus unter Terror Die Pfarrer men wegen unglaubEin Ueberfallkommando muß die Gläubigen schützen licher Beschimpfungen Strafantrag gegen ,, Deutsche Christen" stellen Der protestantische Kirchenstreit zieht auch im Saar- tan, beschimpften und verhöhnten die Pfarrer in ungebiet seine Kreise. Jüngst ging es in einer Protest versammlung der evangelischen Gemeinde Alt- Saarbrücken so wild her, daß das Ueberfallkommando gerufen werden mußte. Die Nazis, als„ Deutsche Christen" geglaublicher Weise. Sie haben gegen den Schriftleiter eines nationalsozialistischen Kirchenblättchens, der die Geistlichen als„ paterlandslose Gesellen" und „ Landesverräter" beschimpfte, Strafantrag gestellt. Rund um Deutschlands Unglück Neuer Kursrückgang der Young- Anleihe Paris, 28. Juni. Die ungeklärten politischen Verhält niffe in Berlin und die ungenügenden Erklärungen des Heichsbanktpräsidenten Schacht auf der Londoner Konferenz über die deutsche Finanzlage haben an der heutigen Pariser Börse einen erneuten Rückgang des Kurses der Young: Anleihe bewirkt. Dieser Rüdgang ist umso beacht: licher, als auch heute, wie seit Wochen, unbe: grenzte Kauforders feitens der Reichsbank aum 3wede der Kursstügung vorlagen. Der Mensch lebt nicht für seine Verpflichtungen London, 29. Juni. Die Taktik des deutschen ReichsbankPräsidenten Dr. Schacht hat auf der Londoner Konferenz, peinlichstes Aufsehen erregt. Uebereinstimmend ist man der Meinung, daß er der von ihm vertretenen Sache einen schlechten Dienst nach dem anderen erwiesen hat und daß vor allem die Rückwirkungen des internationalen Abkom= mens zwischen ihm und den deutschen Gläubigern auf die deutsche Währung und den deutschen Kredit vernichtende sein werden. Die Volonte" läßt sich heute telegraphisch aus London melden, daß Herr Schacht zum Einlenken bereit war, daß aber Herr Hitler direkt in die Verhandlungen eingegriffen habe. Der heilige Grundsatz des„ Dritten Reiches", daß der ,, Mensch nicht dafür lebe, um seine Verpflichtungen zu erfüllen", set auf London übertragen worden; innenpolitisch habe Hitler mit diesem Grundsaß das Rennen gelangt, ob es ihm auch außenpolitisch gelingen werde, sei eine zweite und ungleich schwierigere Frage! Luther gleitet aus? Berlin, 29, Juni, Der frühere Reichsbankpräsident und seitherige deutsche Botschafter in Washington, Dr. Luther, der in den nächsten Tagen in Deutschland eintreffen wird, um hier seinen Urlaub zu verbringen, dürfte nicht auf seinen Posten zurückkehren. Als voraussichtlicher Nachfolger wird der nationalsozialistische Erste Bürgermeister von Hamburg, Krogmann, genannt. Französische Vorwürfe Paris, 28. Juni.„ Die sogenannte deutsche Verkehrsfliegerei, die mit staatlichen Mitteln ausgebaut und betrieben wird, ist in Wirklichkeit schon heute eine vollendete Kriegsfliegerei, einzig und allein für die= sen 3wed geschaffen und ausgerüstet"-schreibt der Rempart" in seiner heutigen Ausgabe. Das Blatt fährt alsdann fort: " Die deutsche Fliegerei umfaßt nicht nur eine Unzahl der modernsten Flugzeuge von höchster Leistungsfähigkeit, sondern auch einen erstklassigen, fast unabsehbaren Stamm von Offizieren, von Flugpersonal, von Mechanikern. Und daneben wird eine Propaganda für das deutsche Flugwesen mit einer geradezu beispiellosen Intensität betrieben und auf den Kriegsfall ganz offen und ungeniert abgestellt. Rein Bahnhof, kein Waggon, fein Hotel, fein Restaurant, fein Postamt, nichts ist vorhanden, was nicht in den Dienst dieser Sache gestellt wäre!" " Wir nennen uns Christen, aber wir sind es nicht und können es nicht sein. Das Christentum ist unvereinbar mit unserer Rasse. Der gekreuzigte Asket ist ein Gott für Greise und Krante. Unsere Jugend ist religiös, gewiß, aber sie ist auch heidnisch, weil sie deutsch ist. So hat sie ein intensiveres Innenleben als viele Christen. Man verleumdet sie, wenn man sie des Atheismus und der Oberflächlichkeit beschuldigt, und man beleidigt damit das tiefe religiöse Gefühl unserer nordischen und deutschen Seelen. Im Namen des Hakenkreuzes, des alten Symbols des nordischen Lebens, und nicht im Namen von Golgatha feiert Deutschland hente seine Auferstehung." Graf Reventlow im Reichswart", Papen in Rom? Der Hauptschuldige sucht Hilfe Paris, 28. Juni 1933. Jm heutigen„ Ordre" schreibt Emile Buré: " Herr von Papen ist nach Nom abgereift, um mit dem Papft über ein Konkordat zu verhandeln. Es ist höchfte Zeit, daß man in Berlin etwas in dieser Richtung unter: nimmt, denn die Geschäfte der römischen Kirche gehen im Dritten Reich Hitlers sehr schlecht. Die Katholiken werden nicht im geringsten beffer behandelt, wie Juden und Sozialdemokraten." In der„ Revue des Deug Mondes" schreibt Robert d'Harcourt, einer der führenden Katholiken Frankreichs, der sich seinerzeit auf Verlangen des Vatikans von der Action Francaise" getrennt hat: " „ Die sklavische Willfährigkeit der deuts schen Bischöfe ist eine Sache, die jeden kas tholiken auf das tiefste beschämen muß und die Herrn Hitler in seinem anti- christlichen Wahn noch be= stärken wird. Durch Unterwürfigkeit gewinnt man weder Achtung noch gleiches Recht!" Die Abrüstungskonferenz Unterredung Norman Davis Roosevelt wtb. Nenyork, 29. Juni.( Reuter.) An Bord der Jacht„ Amberjac", die nach wie vor durch Nebel auf der Höhe von Roque Jsland( Maine) aufgehalten wird, hat am gestrigen Mittwoch der amerikanische Delegierte für Europa Norman Davis dem Präsidenten Roosevelt Bericht erstattet. Norman Davis soll, wie es heißt, dem Präsidenten erklärt haben, in der öffentlichen Meinung in Europa mache fich eine immer stärkere Bewegung zugunsten der Abrüstung bes merkbar. Die fünftige Entwicklung werde erheblich von der Feftigkeit der deutschen Regierung abhängen. Präsident Roosevelt habe seinerseits betont, daß amerikanische Zusagen für eine gemeinsame Beratung im Falle einer politischen Krise ein abgerüstetes Europa zur Voraussetzung hätten. Er habe Norman Davis beauftragt, binnen einer Woche nach Europa zurückzugehen und seine Bemühungen um Frieden und Abrüstung, entsprechend dem jüngsten Aufruf des Präfidenten, fortzusehen. Das Neueste In der Stadtverordnetenversammlung Pirmasens ers griff der Herr Reichstagsabgeordnete Dr. R a m m das Wort, nm mit wilder Miene festzustellen, die NSDAP. habe joeben in Erfahrung gebracht, daß die mit städt. Siedlungsbauten bei häftigten Schreiner beschlossen hätten, das notwendige Holz beim„ Juden" Samuel in Rodalben zu kaufen! Das müsse schleunigft rückgängig gemacht werden, sonst werde man diesen Schreinern die Aufträge wieder entziehen! Diefer gleiche Dr. Ram m ließ in derselben Sigung eine scharfe Phillipita los gegen einen Polizeibeamten, der nachts betrunken in Gesellschaft berüchtigter" Kommunisten gesehen worden sei und der wüste Drohungen gegen National sozialisten ausgestoßen habe!- Daß Herr Dr. Ramm sich darüber wundert, zeigt, daß er die Stimmung großer Teile der Polizei im Reich nicht kennt, die empört über die tägs lichen Anmaßungen der SA. find. Er sollte, anstatt zu wet= tern, dankbar sein, daß er einmal einen Beamten getroffen hat, der unter der Wirkung des Alkohols sich nicht so hat verstellen können, wie es Zehntausende deutscher Polizisten Tag um Tag tun müssen! Der Landeskirchenausschuß hat beschlossen, die evangelischlutherische Landessynode aufzulösen. Im August soll die neue Landessynode gewählt werden, die ihrerseits Anfang September den nenen Landesbischof wählen wird. Die Anzahl der Toten des Erdbebenunglücs in Südwests Sumatra wird nunmehr auf 300 geschäßt. Die Niederländische Bank hat ihren Diskontsag mit sofortiger Wirkung von 3 auf 4 Prozent erhöht. In Ahlen bei Redlinghausen wurden 86 Kommunisten festgenommen, die bis in die letzte Zeit hinein Unterricht in der Handhabung von Schußwaffen erteilt und an militä rischen Geländeübungen teilgenommen haben. Von den 86 festgenommenen Kommunisten find 50 des versuchten Hochverrates überführt. Außerdem wurden zahlreiche Waffen und Munition beschlagnahmt.(?) Hitlers jüdische Famille wird nachgedruckt Die Nachfrage nach dem Aufsatz in Nummer 3 der « Deutschen Freiheit" ist so groß, daß wir den Aufsatz in einer der nächsten Ausgaben wiederholen werden. Draht an die Bestellungen möglichst pe Deutsche Freiheit". « Zürich. Abonnements auf die„ Deutsche Freiheit" können in Zürich aufgegeben werden bei Dr. Hirschfeld, Ottifer straße 82, und in der Volksbuchhandlung, Stauffachertraße. Vierjahresplan oderVernichtungsplan? „Hitler schafft Arbeft?"— Nein, er schafft Inflation— Die Aushungerung der Massen leere Versprechungen Das Regime Hitlers zeichnet sich dadurch aus, daß es jedem alles, was er will, verspricht und nichts von alledem hält. Hitler hat feierlich erklärt, daß er ein großes A r b e i t s b e s ch a ffungsprogramm besitze: Mil- lionen von Arbeitslosen glaubten, in kurzer Zeit durch ihn in Arbeit zu kommen. Hitler hat einen Vierjahresplan verheißen, aber schon heute zeigt sich, daß er keinerlei neue Wege zu zeigen vermag. Es ist schon längst offenbar geworden, daß sein Regime ohne großen Wirtschaftsplan angstvoll von der Hand in den Mund lebt. Mit um so größeren Ueberschriften muß die Tagespresse seine Arbeitsbeschaffungsaktion anpreisen. Sein Pro- gramm frischt aber nur lediglich die Pläne früherer Regie- rungen wieder auf, die 1,2 Milliarden zu gleichen Zwecken ausgegeben hatten. Das heißt dann:„Hitler schafft mit einer Milliarde Arbeit." Wenn man das in seiner einzelnen Planung jetzt vor- liegende Programm näher beschaut, so sieht man, daß es weniger eine Entlastung des Arbeitsmarktes, als eine Entlastung des völlig zusammengebrochenen Reichshaus- halts bedeutet. Alle die Arbeiten, Instandsetzungen und Renovierungen öffentlicher oder privater Bauten, Sied- lungen, Flußregulierungen. Wasser- und Energie- Versorgungen, Tiesbauten und Sachleistungen für Be» dürstige. sind zum größten Teil früher durch die öffentliche Hand und die Budgets geleistet worden. Haben nicht die Nationalsozialisten selbst schon früher bei den gleichen Arbeitsprogrammen auf das heftigste Kritik geübt, weil sie von zu geringem Umfang seien und nur wenig Arbeits- lose in Arbeit zu bringen vermöchten? Haben die Nationalsozialisten nicht über das P a p e n s ch e Arbeits- beschaffungsprogramm getobt, weil es lediglich den Unter- nehmern mit den Steuerscheinen Entlastung bringen sollte, ohne den Arbeitslosen Brot zu geben? Ist aber nicht die Steuerfreiheit des Unternehmertums für Ersatzbeschaf- jungen das gleiche? vie gelesseife Arbeiterschaft Wenn heute der Unternehmer eine abgewirtschaftete Maschine erneuern muß, so darf er den Betrag an der Einkommensteuer, Körperschaftssteuer usw. in Abzug bringen. Was aber erhalten die zur Einstellung kommen- den Tiefbauarbeiter? Nicht einmal ihren Tariflohn, son- dern die Arbeitslosenunterstützung einschließlich einer Zulage von 25,— RM. Diese beileibe aber nicht in bar, fondern in Bedarfdeckungsscheinen und dazu dann noch „eine warme Mahlzeit". Die neu eingestellten Arbeiter er- halten also nicht nur ihren vollen Lohn nicht, sondern sie werden noch obendrein zum Lohndrücker der in ihrem Gewerbe arbeitenden Arbeiter. Dagegen angehen können aber die Arbeiter heute nicht mehr. Weder Lohnforderungen sind zugelassen, noch Streikmöglichkeiten gegeben. Eine gefesselte Arbeiterschaft muß zu- sehen, wie das Arbeitsbeschaffung?- Programm den Unternehmern nützt, wenig Arbeitslosen neues Brot bringt und selbst den Brot- laid der übrigen Arbeiterschaft noch verkleinert. Das heitzt:„Hitler schafft Arbeit!" Und die weiblichen Arbeits- losen, die Hunderttausende von Angestellten. Arbeiterin- nen, die heiraten möchten, müssen zusehen, daß den noch in Stellung befindlichen Arbeiterinnen 1000,— RM. als Aussteuerdarlehn gewährt werden, während die meisten Arbeitslosen schon seit Iahren die Groschen nicht zusam- men bekommen, um einen Hausstand zu führen. Es geht hierbei also' nicht um eine allgemeine soziale Hilfe bei Eheschließungen, wie das Programm in nationalen Tönen verkündet, sondern lediglich um die Freimachung von Arbeitsplätzen wohl für die„Pgs." von 1—100 000. vie Arbeifsdienscpflidit Die Arbeitsdienst Pflicht i st nicht ernst- Haft als Arbeitsbeschaffung zu werten. Sie ist lediglich eine Einrichtung, die für befristete Zeit einen Teil der jugendlichen Arbeitslosen aus dem Arbeitsmarkt und aus der Statistik herausnimmt, etwa den Teil, der früher durch das stehende Heer gebunden wurde. Aber auch diese Arbeitsdienstpflichtigen verursachen Kosten und müssen aus dem Sozialprodukt ernährt werden, zu dem sie ernsthaft nichts beitragen. Das ist lediglich eine Per- Schiebung der Kosten auf ein anderes volkswirtschaftliches Konto. Trotz aller feierlichen Versprechungen, daß die deutsche Währung stabil gehal- ten werden solle, geht bereits in den breiten Massen des Volkes die Inflationsfurcht um. Sie wird genährt durch die immer wiederkehrenden Vor- schlüge der Anhänger der NSDAP., daß nur eine deutsche Binnenwährung durch Ausgabe von mehreren Milliarden neuer Zahlungsmittel Deutschland vor dem Elend retten könne. Sie wird gesteigert dadurch, daß man in den Kreisen der Wirtschaft schon ganz allgemein annimmt, daß die Mark dem künftigen Stand des Dollar angeglichen wird. Schon werden Angstkäufe getätigt. Schon melden sich großagrarische und grohindustrielle Interessenten an der neuen Abwertung. Sie erklären, daß sie künftig ihre Schuldzinsen nur nach dem Stand des Dollar zahlen werden, da die Banken die Zahlungen ihrer Dollarschulden ebenfalls nur nach dem Stande des Dollars leisten. Und man spielt schon mit dem Gedanken immerwährender Preissteigerungen, weil in einem Lande, das erst vor wenigen Iahren seine bitter- sten Erfahrungen mit dem Mechanismus der Inflation gemacht hat, eine 20prozentige Abwertung der Mark ernst- hafteste wirtschaftliche Erschütterungen hervorrufen muß. Wenn nun gleichzeitig mit der Abwertung der Mark neue Zahlungsmittel in den Umlaufverkehr des Reiches hineingepumpt werden sollen, so wird die Angstpsychose vor der Inflation ins Maßlose gesteigert werden und dann wirklich die Schrecken der Inflation mit sich bringen. vie Inflatlonssorge Die Inflation würde das Elend der Kleinen vollenden. Wohl würde es möglieh sein, mit dem Hineinpumpen von Milliarden neugeschöpfter Zahlungsmittel in die Wirt- schast einein flationi st ifcheScheinkonjunk- tur von vorübergehender Dauer, eine Erhöhung des Be- schäftigungsgrades herbeizuführen. Aber das Volk müßte dafür bezahlen mit einer Zerstörung von Einkommen und Vermögen und der Grundlage der Produktion und des Volksvermögens, wie wir sie aus dem Jahre 1923 kennen. Hinter der ganzen Scheinblockade folgt das endgültige Stocken der Produktion, folgt der Absturz: die völlige Störung aller wirtschaftlichen und aller Markt- beziehungen, das Stocken des Aufkaufens, das Versorgen der Bevölkerung, jener Zustand, der sonst mit den Worten charakterisiert wurde, das Volk hungert bei vollen Scheunen. Bezahlen müssen für solche Pläne des Hitlerregümes vor allem die Arbeiter. Wir haben erfahren, daß bei raschem Tempo der Infla- tion selbst die kurzfristige Anpassung der Löhne an den Preisstand nicht hinreichend ist, um die Arbeiterschaft vor völliger Entwertung des Reallohns zu schützen: wir wissen, daß im Höhepunkt der Inflation der Lohn einer ganzen Arbeitswoche nicht ausreichte, um auch nur einen Laib Brot zu kaufen. Dem Unternehmer das volle Arbeits- Produkt, dem Arbeiter aber ein Nichts! Auf dem Höbe- punkt der Inflation arbeitet der Arbeiter umsonst! Ann Ins bodenlose Aber selbst wenn es der Reichsbank gelingen sollte, mit Hilfe der auswärtigen Notenbanken die abgewertete Mark auch im Innern auf dem international vereinbarten Stabilisierungskurse zu halten und damit die weiter- gehende Inflationsgefahr zu bannen, so bedeutet die Ab- wertung an sich doch ein für allemal eine beträchtliche Schmälerung des Einkommens der Lohn-, Gehalts-, Renten- und Wohlfahrtsempfänger. Denn der An- gleichung der Löhne an ein steigendes Preisniveau hat die Hitlerregierung einen festen Riegel vorgeschoben. Sie hat nicht nur die aus den Arbeitergroschen erstellten Ein- richtungen der Arbeitergewerkschaften einfach geraubt, sie hat darüber hinaus die Gewerkschaften zerstört. Sich selbst hat sie zum Herren der Tarifpolitik gemacht. Die sogenannten Treuhänder der Arbeiter haben ein eisernes Fallgitter vor jeden Versuch der Arbeiter nieder- gelassen, ihre Lebenshaltung und ihren Reallohn zu ver- leidigen. Die Absicht ist, den Nominallohn auf seinem jetzigen Tiefstand zu behaupten, den Reallohn aber durch die Abwertung der Mark noch einmal um 20 Prozent zu senken. Wenn aber der inflationistische Prozeß der Kon- trolle des Regimes entgleitet, dann wird der Sturz des Reallohns ins Bodenlose gehen! Allgemeine Eilsfenzverniditung Was für die Arbeiterschaft gilt, das trifft ebenso auch auf die Sozialrentner und die Arbeitslosen zu! Die In- station wird die Form des Krieges gegen alle diese Schichten durch den inflationistischen Prozeß dem Hunger- tod preisgegeben werden. Auch der Mittelstand wird durch die Entwertung der Mark— sei sie einmalig oder fortschreitend— abermals in schwerste Krisen geworfen. Das im demokratischen System Schritt für Schritt zurückgewonnene Vertrauen der Sparer wird aufs schändlichste enttäuscht werden— die teilweise, wenn nicht völlige Enteignung aller Spar- gelder und Sparvermögen steht wieder vor der Tür. die Verelendung der Rentnerschichten, die Vernichtung des kleinen Betriebskapitals, der Kleingewerbetreibenden. Diesen Schichten hat das Hitlerregime Existenzsicherheit und ausreichende Nahrung versprochen— heute schon wieder bedroht es diese Schichten mit Existenzvernichtung und Enteignung. Ebenso wenig sind die Beamtengehälter vor absoluter Entwertung geschützt! Die Etatsschwierigkeiten des Re- gimes haben ohnehin einschneidende Pläne zu einer neuen drakonischen Senkung der Beamtengehälter bis spätestens im Herbst angezeigt. Wird der Versuch gemacht, mit inflationistischen Mitteln über die Etatsschwierig- keiten hinwegzukommen,!so wird an die Stelle einer ein- maligen Senkung der Beamtengehälter ein endloser Prozeß einer dauernden Entwertung treten. Aus dem berühmten Vierjahres-Plan Hitlers wird da- bei ein Bernichtungsplan werden, der zu seiner Bollen- dung keine vier Jahre brauchen wird! Betrug an der Arbeiterschaft, Betrug am Mittelstand. Betrug an den Beamten^"trug an den Sparern— das ist der Schluß! Deutsche Treue... Fackelzug der„nationalen Verbände und Parteien". SA., SS., Stahlhelm und Jungdeutschnationale in einer Front. Hitler, Hugenberg, Seldte und Papen nehmen den Vorbei- marsch der verbrüderten Verbände ab. Hitler: Dieser heilige Bund ist für alle Ewigkeit bc- siegelt!(Ergreift Hugenbergs Hand.j Hugenberg: Heil dir, wackerer Kamerad! Rur der Tod soll uns trennen. P a p e»: Die Treue ist daS Mark der Ehre! Seldte: Ein Ende der Zwietracht! Ich reihe mich be- geistert ein! Die Untersass(bisher diskret im Hintergrund, murmeln): Eingeseift sind sie nun! Wann werden wir ste rasieren können? 21. Juni 1988. Hausdurchsuchung bei der Parteileitung der Deutschnatio- nalen Volkspartei. Kriminalbeamte, Schutzpolizisten, SA.» Hilfspolizei. Hilfspolizisten(donnern mit dem Gewehrkolben ge- gen die Tür): Ausmachen! t® et beutschnationale Parteisekretär(er- wcmt verwundert in der Tür): Was gibt's, Kameraden? Was ist los? Hilfspolizisten: Schnauze halten, alter Weihnachts- mann! Hände hoch! Verhaftet! Glotz nicht so dämlich, du Schießbudenfigur. Der Parteisekretär(in größter Aufregung): Aber, meine Herren, das geht doch nicht! Was soll denn unser ver- «yrter Führer, der Herr Reichsminister Hugenberg, dazu sa- gen. Tie nationale Revolution, meine Herren.... Harz- burger Treue.,. Brust an Brust... gleichberechtigte Bun» deSgenossen... feierliches Ehrenwort... ich...(ringt verzweifelt nach Luft). Hilfspolizisten(unter großem Gelächter): WaS ist denn das für ein Scherzarsikel? Der hat wirklich alles für bare Münze genommen! Brust an Brust mit euch? Ihr habt wohl'n Vogel? Gleichberechtigte Bundesgenossen? So ein Steckkissensäugling! Nnd euren Hugenberg tönnt ihr einmot- ten lassen. Reif genug dazu ist er schon längst... Der Parteisekretär: Das ist ber Dank dafür, baß wir euch reingelassen haben! So behandelt ihr deutsche Volks- genossen! O Gott, o Gott... Ich werde zu Hindenburg ge- hen und mich beklagen. Hilfspolizisten: Der Olle schläft, ben kannst du jetzt nicht stören. Komm lieber ein bißchen mit uns. Immer nur Marxisten ist ja auf die Dauer langweilig! Wollen doch mal sehn, wie so ein Deutschnationaler konzentriert aussieht.., Gebrüder SASS 6 Monate für einen Witz Die„Pfälz. Rundschau" meldet: Es trat schon aus der harmlosen Kannegießerei in den ländlichen Wirtschaften heraus, was sich der 43 Jahre alte Schlosser Mar Ruhl in der Wirtschast zum Neckarthal in Neckarhausen erlaubte. Ein Witz soll es gewesen sein, als er sagte:„Man weiß jetzt, wer das Reichstagsgebäude in Brand gesteckt hat." Mit Kreide zeichnet er dann aus den Tisch in großen lateinischen Buchstaben SASS und zog einen senkrechten Strich durch die Mitte der vier Buchstaben. Ohne den Strich war es eine Anspielung aus die Gebrüder Saß. die bekannten Tresoreinbrecher. Ter Strich hatte eine Anklage ngch 8 33 der VO. vom 21. März zur Folge. Der Angeklagte behauptete, daß daS nur ein fauler Witz gewesen sei Er habe nie an die Gerüchte über den Reichstagsbrand geglaubt und kümmere sich auch wenig um politische An- Inseratenpreis: Der einspaltige Millimeter der neun« spaltigen Seite 70 Centimes gelegenheiten, obschon er jozialdemokratischer Gemeinderat war. Der Vertreter der Anklage am Mannheimer Gericht be- antragte eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten. Das Urteil lautete auf 6 Monate. Auch der Witz, begründete der Vor- sitzende das Urteil, könne als eine strafbare Handlung aus- gefaßt werden, besonders hier, wenn es sich immer um ein unwahres Gerücht handle. bliebt drängeln Es kommt jeder dran Auf der Wiedersehensseier der alten G.u! Nationalsozialisten in Spandau am 23. Juni hielt der Reichsrede- minister Dr. Göbbels eine Ansprache. Er versicherte, daß die Revolution noch lange nicht zu Ende sei. Es braucht niemand Angst z« haben, es kommt ein jeder heran. Wir werden anch die Revolution zu Ende führen. Pardon wird nicht gegeben. Ausnahmsweise hat der Minister recht. Es kommt jeder dran. Auch Herr Dr. Göbbels. Er wird sich dann daran erinnern: Pardon wird nicht gegeben. Lärm rechtspre V Lob wäre uns sehr peinlich Die gleichgeschaltete Presse im Reiche überschüttet die ,, Deutsche Freiheit" mit Beschimpfungen. Es wird niemand etwas anderes erwartet haben, und es wäre beschämend für uns, wenn wir uns jemals ein Lob dieser Zeitungen zuziehen würden. Am widerlichsten benehmen sich solche Zeitungen, deren Redaktionen innerlich die ganze Hitlerei zum Teufel wünschen, aus Geschäftsgründen aber so tun, als wäre der ,, Volkskanzler" Deutschlands Rettung. Das gilt für die früher einmal liberal gewesene„ Kölnische Zeitung". Sie widmet der„ Deutschen Freiheit" die folgende Begrüßung: Während die Sozialdemokratie im Reich durch das Be: tätigungsverbot vom 22. Juni von der politischen Bildfläche verschwunden ist, versuchen unentwegte Elemente im Saargebiet in engster Fühlung mit den Prager Emigranten die Heze gegen die nationale Regierung in Deutschland zu organisieren. Zu diesem Zweck wird jetzt in Saarbrücken die„ Deutsche Freiheit" als Tageszeitung herausgegeben, die in großer Auflage in allen deutsch sprachigen Grenzgebieten verbreitet werden soll. Als Hauptorganisator dieses Kampfes hat man den Vorfigenden der saarländischen Sozialdemokratie, Max Braun, gewonnen, also gerade den Mann, der schon seit Jahren in dem nationalen Abwehrkampf der Saar eine mehr als zweideutige Haltung eingenommen hat. Die Organisierung dieser Heze im Saargebiet bedeutet schärffte Aufpeitschung der innerpolitischen Gegensätze. Wer das in einer Zeit unternimmt, in der das Saargebiet bereits im Kampf um die Volksabstimmung steht, betreibt offenen Landesverrat. Die ganze Arbeit Brauns und seiner Genossen ist nur möglich, weil sie von der landfremden Saarregierung be= günstigt wird. Denn troß der harten polizeilichen Bestim mungen gegen die Presse braucht die„ Deutsche Freiheit" fein Berbot zu befürchten. Die Zusammenarbeit zwischen der saarländischen Sozialdemokratie und der Saarregie: rung geht bereits soweit, daß die Regierungskommiffion über alle Vorgänge in städtischen Ausschußßigungen uns mittelbar unterrichtet wird. Zweifellos ist die Sozial demokratie bestrebt, daß ihr die im Saargebiet gewährte Grundlage für ihre Arbeit nicht verloren geht. Das läßt erwarten, daß man über kurz oder lang zum offenen Separatismus übergehen wird, um sich diese Grundlage zu erhalten. Allerdings wird die Saarbevölkerung schon dafür sorgen, daß der Versuch der Untergrabung der deutschen Front im Saargebiet fläglich scheitert, denn eine Partei, die am Deutschen Reich Verrat übt, hat außer einigen Funktionären nichts mehr hinter sich. Das zeigt fich schon jetzt mit aller Deutlichkeit. Niemand wird uns zumuten, uns gegen den Vorwurf des„ Landesverrats" zu verteidigen. Wenn die Rückgliederung der Saar nach Deutschland gefährdet sein sollte, so weiß die„ Kölnische Zeitung" so gut wie alle Welt, daß diese Gefahr durch nichts mehr gesteigert werden kann als durch die Sozialisten- und Katholikenverfolgungen der Hitlerbarbaren. Wir nehmen gern davon Kenntnis, daß nach der weisen Erkenntnis des einstigen Weltblattes die„ Deutsche Freiheit" nur geeignet ist, die Sozialdemokratie vollends zu ruinieren. Logisch wäre also, daß die„ Kölnische Zeitung" von ihrem Reichskanzler verlangte, er solle die Verbreitung unseres Blattes im Reiche gestatten. Die Kölnische Zeitung" wird sich hüten, eine solche Forderung zu stellen, und der Reichskanzler würde sich hüten, sie zu erfüllen. Millionen und aber Millionen Deutsche sehnen sich nach einer freien Zeitung, weil sie sich vor den Blättern ekeln, die aus Angst und nichts als Angst den Nazis zu Willen sind. Bravo, deutsche Arbeiter! Die sozialistischen Arbeiter stehen fest Die Arbeiter lehnen die Nazipresse ab Der Sozialdemokrat läßt sich nicht gleichschalten Das Suchen nach den ausländischen Sendern Vor einigen Tagen brachten wir einen Auszug über das Thema„ Millionen ohne Zeitung" aus der in Berlin erscheinenden„ Täglichen Rundschau". Darin wurde geklagt, daß die sozialdemokratischen und die kommunistischen Arbeiter die Nazipresse und die gleichgeschalteten Zeitungen ablehnen. In ihrer Nummer vom 25. Juni setzt die„ Tägliche Rundschau" die Erörterung des Themas fort. Sie veröffentlicht Zuschriften„ Die Arbeiter und die Presse", die flar erkennen lassen, daß die Nationalsozialisten in der Arbeiterklasse feine Fortschritte machen. Im Gegenteil: das Mißtrauen gegen die unformierte Presse und gegen das ewige Gebrüll, Getute und Gesinge im deutschen fehlt, werden Kombinationen angeknüpft, werden Möglichs teiten geäußert. Einer weiß immer mehr als der andere, niemand weiß etwas Genaues. Es ist zum Weglaufen, wenn man dies alles hört." Uebelwollende Gerüchtemacherei, die fich heimlich breit macht, wird ein Staat immer nur spärlich begegnen können. Wichtiger erscheint uns die Tatsache, daß der deutsche Arbeiter vielfach für seine politische Meinungsbildung ausländische Sender benutzt; hier zeigt das Pros blem„ Arbeiter und Presse" ein neues Geficht. Eine dritte Zuschrift gibt glatt zu, daß die Regierung die Arbeiter nicht hinter sich hat, und wirft die Frage auf, was geschehen werde, wenn es zu einem außenpolitischen Konflikt kommen sollte. Es ist gut, daß das in einem rechts= nationalen Blatt steht. Bei uns wäre es Landesverrat. Die Zuschrift lautet: ,, Erwin Gehrts ist der Ansicht, daß für eine neue Arbeiter: presse die„ antikapitalistische Plattform" die richtige Basis sein muß. Das ist nicht richtig, antikapitalistisch oder besser noch„ akapitalistisch" ist heute in Deutschland wohl auch der letzte Spießbürger. Die meisten wollen ihren früheren Anteil wieder haben. Aber mit einem bloß antikapitalisti".hen Bekenntnis, das zu nichts verpflichtet, kann sich die Arbeiterschaft nicht begnügen. Sie ist bewußt, sozialistisch". Das darf nie vergessen werden. Sie wird auch mit jeder Regierung, die bewußt sozialistisch ist, zusammenarbeiten. Die Arbeiter sind auch so politisch geschult, daß sie sich sagen, daß nach dieser Regierung unweigerlich ein Chaos auftreten würde. Sie erkennt durchaus die ungeheuren Schwierigkeiten, die eintreten tönnten, wenn Deutschland in der nächsten Zeit irgendwo und irgendwie um eine Existenz als Nation kämpfen müßte. Schon aus diesem Grunde müßte die Regie: rung das ganze Volk hinter sich haben. Sie würde sich selbst belügen, wenn sie diesen Zustand heute schon als vorhanden ans nimmt." Das Rechtsblatt bestätigt nur, was wir aus Briefen und Besuchen wissen: Unsere Front steht fest im Sturm. Görings Luxusvilla Brandstiften lohnt sich Während das Volk hungert, die Preise ständig steigen, Massenentlassungen in der Industrie an der Tagesordnung find, baut sich der preußische Ministerpräsident und Reichsminister, der Brandstifter des Reichstages, Göring, am Döbliner- See in der Nähe von Potsdam, in herrlichem Wald gelegen, eine ganz feudale Luxusvilla. Um den ganzen Wald ausländischen Stationen, die deutsche Be: herum, der zu der Besikung gehört, find Verbotstafeln be= richte bringen. Besonders lebhaft wurde überall der Zusammenstoß Dr. Leys auf dem Internationalen Arbeitsamt in Genf besprochen. Vor allen Dingen werden auch die Meldungen über die Zusammenarbeit der einzelnen Kabinettsmit: glieder besprochen. Weil eine flare Stellungnahme dazu reits vor Wochen angeschlagen worden. Pilzsammlern und Spaziergängern wurde jegliches Betreten untersagt. Fische-= reibewilligungen wurden eingezogen und Angler, die noch auf dem See angetroffen wurden, hat man kurzerhand vers haftet. Man scheint unter allen Umständen vermeiden zu wollen, daß irgend ein Auge den Palastban bemerke. Aushungerung der Juden? Radio wächst. Die deutschen Arbeiter hungern nach poli Ansätze der Nahrungsmittelverweigerung tischen Nachrichten. Um so mehr haben wir alle die Aufgabe, dieses Sehnen, von der Welt außerhalb der nationalsozialistischen Festung etwas zu hören, zu erfüllen. Eine Zuschrift weist nach, wie die Generalanzeigerpresse von den Arbeitern abgelehnt wird: „ Es " Es ist außerordentlich wertvoll, daß einmal die Proble: matik der Arbeiterzeitung angeschnitten wird. Eigene Untersuchungen beweisen, daß die Sache noch schlimmer ist, als der Verfasser annimmt. In unserer Kleinstadt von 4000 Einwohnern wurden vor dem Umfturz folgende Zeis tungen gelesen: SPD.- Arbeiterpresse etwa 250 Exemplare, APD.- Arbeiterpresse etwa 100 Exemplare. Es wurden bei den Wahlen annähernd 1200 Stimmen für die Links: parteien aufgebracht. Nimmt man jede Haushaltung mit 4 Personen an, so zeigt sich, daß auf die Arbeiter häuser bürgerliche Zeitungen feinen Ein: fluß genommen hatten. Ebenfalls wurde das Lokalblatt von der Arbeiterbevölkerung nicht gelesen. Die Arbeiter waren politisch zu sehr geschult, um nicht die Fragwürdigkeit dieser Preffe, die vom Wirtschaftsprovinzdienst Hugenbergscher Firma ihre politischen Nachrichten erhielt, sofort zu erkennen. Sie wußten nur zu genan, daß auf der ersten Seite der Patriotismus überkochte, bei den Wahlen aber gegen Bezahlung die letzte Seite jeder Partei zur Verfügung stand. Die Zeitungen vom Typ des Kürzlich ist eine Parteiorder der nationalsozialistischen Partei an die Nazi- Parteizellen und sämtliche Geschäfte und sonstigen Unternehmungen erlassen worden. Es wird darin verlangt, daß ohne jede Ausnahme und Gnade rücksichtslos sämtliche jüdischen Angestellten per 1. Ot= tober definitiv entlassen werden müssen... entlassen werden müssen... Auch getaufte Juden, Judenstämmlinge und selbst gewesene Frontsoldaten dürfen nicht ausgenommen werden und sollen eventuell unter allerhand Vorwänden entlassen werden. Tatsache ist, daß früher hochrentable Unternehmungen, wie etwa die„ EPA", Einheitspreisgeschäfte und die Warenhäuser Karstadt, Wertheim, Tieß und noch sehr viele andere Läden jetzt starke Defizite haben und jetzt sowohl das Reichsfinanzministerium als auch die Großbanken belasten, welche fa in Deutschland ohnehin schon zu 70 Prozent dem Staate gehören. Inzwischen nimmt die Ausdehnung des„ stillen jü= dischen Boykott 3" weiter an Stärke zu und sogar nach solchen Richtungen, bei denen es fast unglaublich erscheint, Die Naziparteizellen beginnen nämlich gegen deutsche Juden einen Nahrungsmittelbontott aufzurichten. ie ihn bisher die Weltgeschichte nicht kannte. Generalanzeigers, die fich meistens liberal gebärdeten, Deutsche Glossen aber wegen ihrer großen Annoncen tüchtige Mitarbeiter halten konnten, haben am Ort nur etwa 30 Leser gehabt. Sie waren unter den Beamten und Angestellte zu finden. Der Umsturz tam und mit ihm das Verbot der Arbeiter: preffe. Die Lokalzeitung und der Generalanzeiger witte ten Morgeluft und brachten Werbeeremplare- ohne viel Er: folg. Die Arbeiter blieben mißtranilch und warteten in der Hoffnung, daß ihre Presse, wenn auch in veränderter Form wieder er scheinen würde. Einige bestellten den Generalanzeiger; als dieser unter die Ronjunkturritter ging, war es auch damit alle." Eine andere zuschrift flagt über„ Gerüchtemacherei", das soll natürlich heißen über mißtrauische Ausstreuungen gegen die jeßige Regierung. Man fennt das aus der Kriegszeit, wo man auch durch scharfe Zeitungszenjur die Stimmung aufrecht zu erhalten versuchte und sich über die„ Miesmacher" beschwerte, die dem Schwindel von dem ewigen Nurfiegen nicht glaubten. Die betreffende Zuschrift über die " Gerüchtemacher" also lautet: Wo teine Presse vorhanden ist, macht sich das Gerücht breit. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, an den Stempelstellen oder im Betrieb die Anschauungen au hören, die dort zutage kommen, wird entsetzt sein. Ge sprächsstoff gibt der Prager Sender, der täglich deutsche Presseberichte bringt, ebenso Straßburg, Beromünster oder sogar Moskau. In vielen Arbeiterwohnungen hängt neben bem Radioapparat ein Verzeichnis der Berlin, im Juni. Dr. T. h. Jm englischen Unterhaus richtete dieser Tage der Liberale Mander an den Minister für auswärtige Angelegenheiten die Frage, ob Hugenbergs Memorandum über den deutschen Anspruch auf Kolonien dem Außenministerir unterbreitet worden sei. Die Antwort lautete: Nein. Hierauf Herr Mander:„ Will der Minister zu erkennen geben, daß nichts dieser Art in Betracht gezogen werden fann, bevor Deutschland in jeder Beziehung ein vollkommen zivilisierter Staat gewor den ist?" Auf diese Frage wurde keine Antwort gegeben. * Aus dem Nachlaß eines Mannes, der mit allen möglichen Personen in hohen Stellungen in Verbindung stand, werden jetzt eine Anzahl von interessanten Briefen bekannt. Unter anderen ist da einer, in dem sich der ehemalige Oberhofmarschall Hugo von Reischbach über den früheren Reichsfanzler Fürst Bülow äußert:„ Wenn es im Himmel ein Kriegsgericht gibt, das über diese Deutschen tagt, welche ihrem Vaterland geschadet, so gehört Bülow zu denen, die erschossen. werden." Welch kühne Phantasie! Aber die Idee des Herrn von Reischach ist wert, von den nationalsozialistischen Deutschen Christen" aufgenommen zu werden. Bei ihren besonders guten Beziehungen zum deutschen Gott sind sie vielleicht in der Lage, ihn zur Einführung solcher Kriegsgerichte im Himmel zu bestimmen. * In den Berichten des gleichgeschalteten Instituts für Konjunkturforschung lesen wir, das wachsende Bertrauen in Es wird vielleicht in absehbarer Zeit jüdischen Familien ( selbst mit Kindern) nicht mehr möglich sein, Nahrungsmittel zu kaufen. Die Organisation der deutschen„ Engros- Nahrungsmittelhändler" hat nämlich den Entschluß gefaßt, nicht mehr an Juden weiterzuverfaufen. Da nun die früheren jüdischen Engros- Nahrungsmittelhändler alle sozialisiert wurden, wird wahrscheinlich in furzer Zeit der Fall eintreten, daß sich jüdische Kreise nur mehr schwer Lebensmittel beschaffen * ännen. denn auch die Detail- Nahrungsmittelgeschäfte werden nun gedrängt, keine Waren an Juden mehr abzugeben, und man deutet ihnen an, daß man sie sonst auch vom Warenbezug ausschalten würde... Auch hört man bereits davon, daß gewisse jüdische Kaufmanns- Detailläden Schwierinfeiten haben, gewisse Waren( besonders Markenartikel) aufzutreiben. Infolgedessen beginnt jetzt auch eine Art Wanderbwegung der Juden von den kleinen Provinzstädten nach Berlin einzusetzen, weil sie dort in Berlin nicht so befannt sind und auch daher beim Einkauf nicht weiter besonders auffallen. In Berlin glaubt man daher auch, daß dieser Zustrom von Juden weiter anhalten wird. die Stabilität der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse habe die Grundlage geschaffen, auf der sich unternehmerische Initiative wieder entfalten könne. Na schön, aber in demselben Bericht heißt es dann weiter, daß die Auflockerung des Kapitalmarktes nur zögernde Fortschritte mache, daß die Ausfuhr von Fertigwaren weitere Hemmungen erfahre, daß die Lage der öffentlichen Haushalte noch nicht hinreichend bereinigt sei, und daß ganz allgemein im Vergleich zu den Krisenresten die Auftriebs= tendenzen verhältnismäßig ichwa ch erschienen. Aus diesen Gründen ergreife die Reichsregierung umfassende Maßnahmen, um den Selbsterhaltungsprozeß der Wirtschaft zu fördern. Es sieht also doch nicht so aus, als ob die durch das Vertrauen auf Hitler belebte Unternehmerinitiative start genug sei, um die deutsche Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Außerdem ist Unternehmerinitiative doch wohl etwas liberalistisches", und die Nationalsozialisten haben, scweit wir wissen, den Vorsaß, nicht nur den Marxismus, sondern auch den Liberalismus auszurotten. Das amtliche Wolffsche Telegraphenbüro nennt mit Be friedigung die Summe, die durch den den sozialdemokratischen Abgeordneten verübten Mandatsraub erspart wird. In der Tat stehen der Regierung jeht jährlich weitere anderthalb Millionen Mark aus anderer Beute Geld für die Beschaffung von Uniformen für die SA Leute zur Verfügung. Wenn man aber schon die Angelegenheit unter finanziellen Gesichtspunkten betrachtet, so sollte man doch gleichzeitig ausrechnen, wieviel schwarze und braune Soldaten man einfleiden kann, wenn alle Mandate einschließlich der der Nationalsozialisten taffiert werden A t t t t 90 t B E I C j I t Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" Heinrich Manns Flucht Sein Bekenntnis zum Uebernationalen " Nicht bloß die Vernunft, auch die Erfahrung lehrt es feden Tag, daß die Kneblung der Gedankenfreiheit nur ein Geschöpf der Schwäche dem Fanatismus gegenüber ist. Denn ist man mit dem Mantel einer finsteren Autorität befleidet, so kann man den wahren Glauben des zum Aufruhr stets geneigten Pöbels leicht in offene Raserei gegen jeden verwandeln, dessen freie Gesinnung unbequem zu werden droht." Diese Worte könnten von Heinrich Mann sein, wenn fie nicht von Spinoza wären, aus dessen TheologischPolitischem Traktat" sie stammen. Erschienen Früjahr 1670. Haben also die Menschen sich gewandelt? Nein, denn sonst wäre das Schicksal Heinrich Manns und so mancher seiner Mitglaubenden, Mitstreitenden im Jahre 1933 einfach nicht möglich. Es ist immer beglückend, wenn man in unserer Zeit des Ueberläufer und des Konjunkturrittertums auf Persön= lichkeiten vom geistigen Formate eines Heinrich Mann stößt, wenn man noch Schriftsteller findet, die den Mut aufbringen, offen zu erklären, daß Geist und Seele die Waffen des Dichters seien und es nicht angehe, sich dieser beiden zu entäußern um eines geringen materiellen Vorteiles willen. Man kennt das Schicksal, das Heinrich Mann seit der Regierungsübernahme Hitlers erleiden mußte; die beständigen Gehässigkeiten und Drohungen, denen er schon Monate vorher ausgesetzt war; seinen Bruch mit der Akademie und seine abenteuerliche Flucht nach Paris. Wir wollen heute nicht schon längst Bekanntes wieder holen, aber daß die Machthaber des jeßigen Deutschlands es fertig bringen, Leute wie Ludwig Thoma und Marthe Renate Fischer die schließlich doch nichts weiter als Unterhaltungsschriftsteller waren dichterischen Größen vom Range der beiden Manns nicht allein gleich- sondern sogar überzusetzen, treibt denn doch allen Intellektuellen die Schamröte ins Gesicht. Heinrich Mann hat mit Recht seine Streitschrift nicht„ Befenntnis zum Internationalen", sondern zum Ueber nationalen" betitelt. Wir müssen ihm hierfür dankbar sein, dankbar, weil er den großen Strich zog zwischen sich, seinen Anschauungen, seinen Aeußerungen und der großen Zahl jener Auch- Pazifisten, welche Verständigung predigen, solange es ungefährlich war, dann aber mit schneidigem Elan auf die andere Seite wechselten, soba.d sie das heraufziehende Gewitter merkten. Der Dichter der„ Armen" aber läßt sich den Mund nicht verbieten; zu groß ist sein Gefühl der Verantwortung, sein Gefühl, Zeugnis ablegen zu müssen vor Deutschland und Europa; denn ja seit langem ist er nicht mehr der Aesteht, der die„ Göttinnen" schuf, sondern der politische Schriftsteller, will sagen der Mann, dessen Wort Handlungen und nicht nur Sentiments erzeugt. So beginnt sein Essai:„ Racine fühlte, lebte und schrieb in völliger Einigkeit mit dem Reich Ludwigs des Vierzehnten, seinen Handlungen, seinen geistigen Grundlagen. Er hing von der Gunst des Königs ab, aber empfangen wurde sie mit dem besten Gewissen, und erst nachdem sie ihn verlassen hatte, verlor er auch sich selbst. An dieser Zerreißung der inneren Uebereinstimmung, mehr als an enttäuschtem Ehrgeiz, starb er..." lichkeit und dem Gedanken war immer schwerer zu schließen. Und weiter... Der flassische Frieden zwischen der WirkDas Reich jedenfalls, das 1871 anfing, hat ihn nie erlebt, feinen Augenblick, weder als es Kaiserreich noch als es Republik war. Hauptsächlich darum verfiel es auch endlich der Diktatur." Und dann macht Mann auf eine bewundernswerte Weise den Dichtern und den Politikern um 1900 den Prozeß: Weil sie alle das Denken verlernt hatten; sie verlegten sich auf das Irrationale.„ Gefährlich wurde eine Kombination, bestehend aus Aesthetizismus und der Bezweiflung der Vernunft." Was daraus erfolgt, war eine Ueberbetonung von Traum, Krieg und Liebe, Dinge, welche später Deutschland zum Verderben gereichen sollten. Aber auch die Zeit von 1918 an findet im Kapitel„ Unfall einer Republik" einen heftigen Kritiker an ihm: Weil der nationalistische Auftrieb nicht gegen die Republik, sondern mit ihr geschah. Ereignisse und Geschichten Deutsche Apotheke Die Juden find Eins zu Hundert, und dies eine Prozent ist so still Kein Wunder, daß man fich wundert über das deutsche Gebrüll. Die fragen nicht; wer? und fragen nicht: wem? Die machen fiche verdammt bequem: Immer feste auf die Juden! Immer feste auf die Juden! Immer feste! Und kann der Herr Kanzler nicht hinten noch vorn, und die Arbeitslosen steigen -Dann wirft er- Siegheil!- seiner Spießbürger Zorn auf die Juden. Denn die müssen schweigen. Und wenn in Deutschland der Knüppel regiert und Morphinisten und Luden, und wenn man die Morde registriert: Schuld find die Juden! Denn der Jud ist die große Patentmedizin, die sie statt Brot verschreiben. Und bis zum Herbst die Aftern blühn, wird kaum einer übrig bleiben. Aber dann, meine Herrn? Aber dann kommt der Kern! Dann bitte die Arbeit! Dann bitte das Brot! Dann Kohlen und Kleidung gegen die Not! Dann fragt Ihr: wie? Dann fragt: von wem? Dann ist die Sache nicht mehr so bequem Immer feste auf die Juden! Immer fefte auf die Juden! Weils die nicht mehr gibt... Elias Rem p. Bei Lektüre dieser Seiten fühlt man: Hier spricht einer, dem das Herz blutet, wenn er diese noch so nahen Ereignisse erwähnt. Und, verschweigen wir es uns nicht: Heinrich Mann hat mit seinen Vorwürfen, die er gegen die Republikaner, wir meinen: gegen die Führer der Republik richtet, recht. Was er hier sagt, haben wir ja alle schon gedacht, aber diesem ward es gegeben, das Erlebte auf Formeln von einer Geschliffenheit und Härte zu bringen, wie nur er fie finden dem das Herz blutet, wenn er diese noch so naben Ereignisse Kulturarbeit ohne gleichen fonnte. Kleine Geschichten Wie man in Hitlerdeutschland Christen macht " Ich rate Ihnen dringend," so sprach nach einer gelun genen Lektion der wohlwollend freundliche nationalsozialistische Schulrat zu der ausgezeichneten dissidentischen Lehrerin, evangelisch zu werden, sonst kann ich Sie, so leid es mir tut, nicht halten."" Paris ist eine Messe wert. Meine Lebensarbeit ist schon diese Geste wert," sagt sich die Lehrerin. Sie ist eine fatholische Dissidentin und hat mehr als acht Jahre an einer weltlichen Schule in einer evangelischen Stadt unterrichtet. Sie geht, also zu dem evangelischen Pfarrer. Er empfängt fie freundlich und ist gern bereit, eine Seele zu retten. Aber die Bestimmungen verlangen sechs Monate unterrichtliche Vorbereitungen, und außerdem gibt es noch eine besondere Schwierigkeit: der Pfarrer geht acht Wochen auf Urlaub. Aber er ist wohlwollend, also wird vereinbart, daß die Lehrerin gleich diefe Unterredung als den Beginn des Unterrichtes ansieht. So werden zwei Monate gespart. Inzwischen aber erfährt der eifervolle Superintendent von dem Fall. Er ist frommer Christ, strammer Nationalsozialist und ein tüchtiger Vertreter der Religion der Liebe. Er sucht also die Lehrerin auf, und nachdem er sich in einem Gespräch von wenigen Minuten von den ernsten" Absichten der katholischen Dissidentin überzeugt hat, telefoniert er mit seinem nachgeordneten Kollegen und 11 Stolz weht die Flagge... Der Dichter ein Jude stellt der Lehrerin im Einvernehmen mit dem zuständigen Pfarrer die Bescheinigung aus. Jetzt ist sie eine treudeutsche, evangelische Christin". Dem Lehrer X. erging es etwas weniger gut. Er ist seit fünf Jahren Diffident. Der Pfarrer ist ein geschäftstüchtiger Mann, er verlangt, daß die Kirchensteuer für fünf Jahre nachgezahlt wird. Doch dazu ist Herr X. nicht in der Lage. Man handelt. 20 Rm. Kirchensteuer." " Zu viel, das verträgt mein gekürztes Gehalt nicht."" Behn Reichsmart."" Noch zu viel." Schließlich bleibt es bei fünf Mark mit dem Versprechen, daß der Lehrer X. bei der fommenden Volkszählung sich schon als evangelisch" einträgt. Herr X. wird das tun, denn Geschäfte soll man auf Tren und Glauben abschließen. Und wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele vom„ Marxismus" in den wahren Glauben springt. Tezel war ein Waisenknabe gegen die neudeutschen evangelischen Apostel des Dritten Reiches. Wir aber sagen mit Hoffmann von Fallersleben: O, Knüppel aus dem Sack! Aufs Hundepad, aufs Lumpenpad! " Beaune Armee- natürliche Auslese Die Vosfische Zeitung" schreibt: Was uns an dem Flaggenlied jetzt besonders interessiert, ist, daß es vor gerade fünfzig Jahren entstand. Sein Verfasser ist Robert Linderer, der als Zweiundsechzigjähriger in Berlin starb. Er hat das Lied als Einlage für das von ihm verfaßte Singspiel: " Unsere Marine" die Musik schrieb sein Freund, der Organist an der Berliner Parochialkirche, Richard Thiele ge= dichtet. Das Singspiel hatte großen Erfolg, und es ist in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts über viele deutsche Bühnen gegangen. Die Melodie des Flaggenliedes erwies sich als ein Treffer ersten Ranges, der sich die Herzen unserer Seeleute wie aller nationalen Deutschen rasch eroberte. Seine Ruhestätte fand der Dichter des Liedes auf dem Friedhofe zu Weißensee. Neben ihm ruht seine nach ihm entschlafene Lebensgefährtin. Zu Häupten der zwei GrabDer preußische Kultusminister Rust hielt in Lauenburg in Pommern eine Programmrede über die künftige Lehrerbildung, wobei er unter anderem nach den offiziellen Berichten sagte:„ Auf dem Gebiet weltanschauliche Erziehung fann der Staat Ausnahmen nicht gestatten. Die Stunden sind nicht mehr fern, wo das Reich uns ein neues Gesetz geben wird, das eine neue Scheidung in Deutschland vollzieht, nicht in Reich und Arm oder in Intellektuelle und Handarbeiter, sondern eine Scheidung, die heute in der Reihe der Kampfjahre sich bereits vollzogen hat. Die braune Armee ist bereits iene natürliche Auslese, die den Beweis erbracht hat, daß sie berechtigt ist, sich als Träger des neuen Staates zu fühlen." hügel erhebt sich ein Gedenkstein in weißem Marmor, der Strebsame werden gesucht folgende Inschrift trägt: Robert Linderer, geb. 25, November 1824 geft. 16. Dezember 1886 Dier ruht der Dichter des Flaggenliedes, mit dem die deutschen Matrosen für den Sieg und Ruhm des Vaterlandes kämpfen und sterben. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin. Sieran schließt sich die der Gattin des Dichters gewidmete Inschrift. Der„ Völkische Beobachter" veröffentlicht nachstehende Anzeige: „ NSDAP. Wer ist führendes Mitglied und hat ausgedehnte Beziehungen? Angesehene Firma sucht streb same Herren usw. Angebote an..." Wien- Hauptstadt der Arbeiterbildung. Eben erscheint der 120 Seiten umfassende Bericht der Wiener sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Er enthält auch eine Uebersicht über das Wiener Arbeiter= Die Wiener Arbeiterbil bildungswesen dungszentrale ist derzeit das größte Bildungsinstitut der europäischen Arbeiterbewegung. Von dieser Stelle aus wurden für Wien allein im Jahre 1932 zehntau= send Vorträge vermittelt, awei Drittel davon Einzelvorträge, ein Drittel in Form politischer und gewerkschaftlicher Schulen. An der Spizze dieser Tätigkeit die Wiener Parteischule und die Wiener Gewerkschaftsschule. Die Zahl der Lichtbild-, Film- und Schmalfilmentlehnungen steht vor dem fünften Tausend. Mehr als dreitausend Schmalfilmentlehnungen erweisen die Bedeutung dieses neuen Arbeiterbildungsbehelfes. Außerordentlichen Aufschwung nimmt das Wiener Arbetterbüchereiwesen. Es steht an der Spitze des öffentlichen Büchereiwesens Wiens, vielleicht der ganzen Erde. Die Zahl der Entlehnungen betrug in den 68 Ausgabestellen 2.800 000 Bände, um 300 000 Bände mehr als im Vorjahre. Es lesen 52 000 Arbeiterfamilien. Auf je 100 Parteimitglieder entfallen zwölf Leser. Eigenartig ist die Verbindung von Lehrwanderungen und Betriebsbesichtigungen mit der übrigen Arbeiterbildung in Wien. Mehr als 2000 Exkursionen zählt der Bericht auf, darunter besonders Besichtigungen der Gemeindeeinrichtungen, der Wohnhäuser, edr städtischen Wohlfahrtseinrichtungen. Die Bildungszen trale der Wiener Arbeiterschaft hat im Jahre 1932 an jedem Tag 3 Lichtbildserien, 6 Führungen, 16 Filme, 27 Vorträge vermittelt. Mehr als 7000 Bände werden täglich von der Wiener Arbeiterschaft gelesen. Was man sich zuflüstert Ein Fremder geht mit einem Berliner über den Kurfürstendamm spazieren. Eine Frage brennt ihm die ganze Beit auf den Lippen und plößlich plast er damit heraus: begnet, die Zahl 2 im Knopfloch tragen?" " Nun sagen Sie mir doch, warum alle Juden, denen man ,, Hitler hat erklärt, daß auf jeden zweiten Juden einer ausgerottet werden soll und sieht sich natürlich jeder vor..." Derselbe Ausländer kommt dann an einem Gymnasium vorbei. Kinder gehen gerade in die Schule hinein. Unter ihnen ein kleiner jüdischer Junge, den sein Vater an der Hand führt. Nachdem die Kinder im Schulhaus sind, geht der Ausländer zu dem jüdischen Vater hin und fragt ihn: „ Berzeihung, mein Herr, gestatten Sie mir eine Frage: Können denn jüdische Kinder noch aufs Gymnasium gehen?" " O, ja, mein Herr", flüstert ängstlich der arme Mann. ,, Aber wieso denn? Es sind doch, weiß Gott, alle Berufe für Juden verboten. Was soll er denn werden?" " Rabbiner". „ Wie-? Ja, dürfen denn in Deutschland die Rabbiner noch Juden sein....?" Ein Landbürgermeister telegraphiert an die Reichsregierung: " Erbitte umgehend Zusendung iüdischen Raufmannes. Da hier keiner vorhanden, Boykott sonst leider unmöglich..." Die„ Krenzzeitung" berichtet, daß das Amtsgericht Karls= ruhe einen Bahnangestellten, der bei der Absingung des Horft- Wessel- Liedes fich weigerte, den Arm zu ers heben, wegen groben Unfugs verurteilt hat, mit der Ein Mann, der den mythischen Sinn des neuen Regimes Begründung, daß der Sitler- Gruß zu einem Symbol des gut verstanden hat ganzen deutschen Boltes geworden ist DAS BUNTE BLATT Hurt Rudolf Neubert: TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Mitleid mit einem Wartenden Da ich am Park wohne, habe ich hin und wieder das Glück, Zeuge fleiner Rendezvous zu sein. Von meinem Fenster aus erlebe ich die leisen Wandlungen in den Beziehungen der Verabredeten. Ich sah Menschen, die sich zum ersten Stelldichein trafen und glücklich waren, wie sie zusammen tiefer in den Park schritten... Und ich sah andere, die mit müden Gesichtern aus dem Park kamen und sich die Hände reichten, zum Abschied. Ich sah Enttäuschte, die vergeblich warteten, und Zornige, die zu lange warten mußten. Es ist alles rührend und komisch zugleich. Ich bin in meinen eigenen Beziehungen zum schönen Geschlecht etwas anders geworden, seit ich hier wohne und die jungen Leute warten sehe. Es fährt mir noch nachträglich ein Schreck durch den ganzen Körper, wenn ich mir vorstelle, daß mich jemand von irgendeinem Fenster hätte beobachten können, wie ich auf Tutti wartete, auf Lotte, Gerda und wie sie alle heißen. Es gibt nämlich nichts Rührenderes und Komischeres als einen selbstbewußten jungen Mann, der auf seine Freundin wartet, und die Viertelstunden vergehen, und sie kommt nicht. Welche Skala von Empfindungen zeigt sich, auf seinem Antlib, Zorn, Verdruß, Angst und nicht tot zu kriegende Hoffnung, auch noch eine halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit. Und wie zorniger Blick die Straße hinunter und eine energische Handbewegung zum Hut, zur Krawatte andeutet, daß er sich entschieden hat, mit der Unpünktlichen ein für allemal Schluß zu machen, und wie der Zornige weicher wird, der ganze junge Mann milder, heiterer, strahlender, wenn von irgendwo dann das bewußte Persönchen austaucht. Nein, man macht wirklich eine komische Figur, wenigstens vom Fenster aus betrachtet, und Gott soll mich schüßen, wenn mich eine Frau jemals länger als zehn Minuten warten läßt. Augenblicklich beobachte ich einen jungen Mann im hellen Trenschcoat, der schon vorgestern und gestern hier wartete. Vorgestern kam sie eine Viertelstunde, gestern schon zwanzig Minuten zu spät, und heute ist es bereits eine halbe Stunde später. Und sie ist immer noch nicht da. Und der junge Mann im hellen Trenschcoat geht auf und ab. Den Kragen hat er, scheinbar aus Wut, hochgeschlagen, die Hände hat er in den Taschen stecken, vielleicht ballt er sie zu Fäusten. Wozu so ein Trenchcoat doch gut ist! Der ganze Zorn, der in diesem jungen Mann steckt, kommt in diesem Trenchcoat ausgezeichnet zur Geltung. Der junge Mann hat eine Armbanduhr, alle drei Minuten wirft er einen wütenden Blick darauf, schlägt den Kragen noch höher, aber höher, malerischer, kriegerischer geht es nicht mehr, und die Hände steckt er noch tiefer in die Taschen. Ich fürchte für das Mädchen. Er wird sie, falls sie noch kommt, sicher mit einem eiskalten Blick strafen. In seinem Herzen ist bestimmt eine Saite gesprungen. So lange läßt man keinen selbstbewußten jungen Mann warten, mein Fräulein. Mit der zersprungenen Saite im Herzen geht der junge Mann noch immer langsam auf und ab. Er kommt mir wie der Pendel einer Uhr vor. Nachher schlägt es, und das Mädchen kommt aus dem Kasten und sagt:„ Kuckuck! Kuckuck!" Und der junge Mann pendelt weiter, weil er ein wohlaufgezogener junger Mann ist. Immerhin scheint mit dem jungen Mann jetzt Merkwürdiges vorzugehen. Er scheint Entschlüsse zu fassen, schwerwiegende Entschlüsse. Ein Maß scheint voll zu sein. Er sieht aus, als würde er gleich überAmerika ladit Einige Scherze aus den USA Man lese diese Scherze mit der gebührenden Aufmerksamkeit, man wird aus ihnen mehr über Amerika lernen wie aus langatmigen Abhandlungen. Als die Fliegerin Amelia Earhart- Putman nach ihrem Transozeanflug in Europa landete, erwartete sie ein Radiogramm von ihrer Puzerei in Amerika:„ Glückwunsch. Wußten, Sie würden es machen. Uns geht niemals eine Kundschaft verloren." laufen. Losrasseln. Ich bin versucht,„ Kuckuck! Kuckuck!" hinunter zu rufen, aber ich will den jungen Mann, der so rührend und komisch zugleich aussieht, und dem mein ganzes Mitleid gehört, nicht noch mehr ärgern. Sein Zorn ist übrigens schon verdampft, vermutlich durch die günstige Ventilation seines Trenchcoats. Nicht, daß irgendwo das bewußte Persönchen zu sehen wäre, gar keine Spur, nicht mal ein Rockzipfel, aber seine Liebe hat wieder mal den Sieg davongetragen. Er hat sich entschlossen, noch eine Viertelstunde zu warten. Dann will er gehen. Dann wird er ihr einen Rohrpostbrief schreiben und um Aufklärung bitten. Vielleicht wird es auch ein Abschiedsbrief.... Junger Mann", rede ich, da ich diese Absicht von seinem Gesicht lese, am Fenster auf ihn ein, aber er hört es nicht, junger Mann, nur nichts überstürzen. Ich wäre an deiner Stelle zwar schon vor einer halben Stunde fortgegangen, aber das mit dem Abschiedsbrief... nein... das finde ich unklug. Dein ganzes Benehmen ist unklug. Du hast ja ge= radezu Minderwertigkeitskomplexe. Paß mal auf: nicht du, sondern deine Freundin verdient Mitleid, nicht du, sondern deine Freundin kann böse sein, nicht du, sondern deine Freundin ist die Bedauernswerte in dieser Situation. Bist du etwa der Ansicht, daß sie sich auf das Rendezvous nicht ebenso gefreut hat wie du? Und nun ist sie nicht da, sie hat vielleicht krach mit den Eltern gehabt, jawohl, oder, stell dir doch nur vor, sie ist vielleicht in der Eile, pünktlich zu sein, unvorsichtig vom Autobus gesprungen und hat sich den Juß verstaucht. Jetzt liegt sie vielleicht auf einer Bahre und seufzt dauernd deinen Namen, streckt die Arme nach dir aus. Jawohl! Und du stehst hier wütend, stampfst mit deinem gesunden Fuß auf, sammelst in deiner schwarzen Brust alle möglichen Schipfnamen für sie hat, statt sie zu bemitleiden, zu bedauern, für sie zu beten, ihr ewige Liebe zu schwören. Wer verdient hier Mitleid, junger Mann, wer hat hier Grund, böse zu sein?" Ja, so denke ich heute über solche nicht eingehaltenen Verabredungen. Ich bin flüger geworden. Aber der junge Mann ist mittlerweile doch fortgegangen. Er hat genug. Er focht. Er zerplatzt. Er ist von Enttäuschung zermalmt. Er hat Minderwertigkeitsgefühle. Warum das alles? Hättest du auf mich gehört, junger Mann. Jetzt schreibst du vermutlich einen Rohrpostbrief, einen Abschiedsbrief vielleicht... Sie wird dir nicht nachweinen... Ich zum Beispiel, junger Mann, mit den Erfahrungen, die ich hier am Fenster sammeln konnte, ich würde ihr jetzt einen Blumenstrauß mit einem Kärtchen schicken:„ Verzeih! Bin totunglücklich! Konnte nicht kommen!" Oder, wenn ich schon zugeben will, daß ich eine halbe Stunde auf sie gewartet habe, dann:„ Du tust mir furchtbar leid, daß du nicht kommen konntest. Wie magst du dich gefreut haben und nie tiefenttäuscht muß du nachher gewesen sein. Sicher haben deine Eltern Widerspruch erhoben. Oder du bist in der Eile, pünktlich bei mir zu sein, unvorsichtig vom Autobus ge= sprungen und liegst jetzt mit einem Beinbruch im Krankenhaus. Sollte das der Fall sein, erbitte umgehend Benachrichtigung. Sollte das nicht der Fall sein, so wirst du wohl morgen pünktlich erscheinen können?" Glaube mir, junger Mann, ich sehe deinen Trenchcoat eben zornflatternd hinter einem Busch verschwinden glaube mir, morgen wäre sie pünktlicher... Mistreß Higgins zahlt die Ießte Rate für ihren Kinderwagen. Der Verkäufer:„ Danke sehr, gnädige Frau. Und wie geht es dem Baby?" Frau Higgins: Danke, ausgezeichnet. Nächste Woche heiratet es." Ein Matrose steckt den Kopf durch die Tür einer Bar und sagt:„ Wünscht iemand der Anwesenden einen kleinen Bortampf auszutragen?" Tiefe Stille. Der Matrose wiederholt:„ Wünscht iemand hier drinnen mit mir zu boren?" Ein alter Herr antwortet endlich:" Nein, Jack, hier wünscht 9 Liebe auf der Fluchit Als ich noch viel jünger war als heute, hatte man mich überall gern! Einmal tippelte ich im Spessart. Es war schon weit im Spätherbst, durch die dunklen Wälder pfiff der Wind. Der Tag schlich griesgrämig der früheren Nacht in die Arme. Verzeih, lieber Leser, meine melancholische Sprache, aber ich bin aus dem ein wenig sentimental- fröhlichen München und wenn ich jetzt wieder an das Erlebnis denke, wird mir schwach ums Herz. Abend war es schon und ich hatte noch tein Dach überm Kopf. Da war mitten im Wald ein Wirts haus und auf gut Glück ging ich hinein. Alle Holzhauer saßen um einen mächtigen Tisch. Die Pfeifen qualmten. Erst betrachteten mich die verwitterten Patriarchen des Waldes mißtrauisch, aber allmählich, als ich selbst auftaute und auf der Wirtszither oberbayerische Landler und Schnadahüpfl begleitet, wurden auch sie warm. Da wurde noch ein Fäßchen angestochen, der Wirt, ein alter Holzhauer, setzte mir auch Wurst und Brot vor die Nase und ich brauchte nichts zu berappen. So wurde es rasch um Mitternacht. Wo soll ich schlafen? Darum brauchst du dich nicht zu kümmern, sagte der von schwerer Arbeit knorrig und bucklig gewordene Wirt. Er schnupfte und treuherzig fuhr er fort: Du sollst bei uns ein warmes Bett haben, wie du es vielleicht schon lange nicht mehr gehabt hast. Ich war gerührt von so viel Liebe bei fremden Menschn. Ja, ich bin beinah erschrocken, als der Wirt im eisgrauen Bar mir jungen Burschen versicherte, er wecke seine Alte auf, die schon lange schlafe. Ich wollte noch abwehrend erwidern, aber es half nichts. Schon war er verschwunden. Als er wieder kam, zog er hinter sich sein altes, von Arbeit verhuzeltes Weibchen. Sirt, sagte er, das ist ein echter Münchener! Aber die Alte sank müde in einen Stuhl, sah vor Schlaf nicht aus den Augen und murmelte nur: Ja, ja, ja, ja.... So, Freund, wandte sich der alte, brave Christ an mich, so Freund, jezt geh mit mir! So, jetzt leg dich da hinein! und er deutete auf das eben verlassene warme Bett seiner Alten. Da drinn is schön warm, da frierts di nöt! Damit ließ er mich allein und machte hinter mir die Türe zu. Das war zuviel der Liebe! Ich öffnete das kleine Fenster meiner Kammer und hielt zwei Stunden Zwiesprache mit dem Vollmond, den ich noch nie so groß und so boshaft in einer Novembernacht grinsen sah. E. Kirchpfening. Von Humanität, Durch Nationalität, Zur Bestialität. Franz Grillparzer. Tage später wartete er auf das Eintreffen des Werkes. Es kam. Und der Schmuhler und Schundler war noch viel tieempört und nahm noch viel heftiger Anstoß, als sich seine phantastischen Erwartungen das ausgemalt hatten: jenes obszöne, widerliche, unmoralische, auf die rohensten, gemeinsten und finstersten Instinkte der Menschheit spekulierende Werk war ein ausgezeichnetes Kochbuch! Peter Omm, niemand zu boren."„ Na, das ist gut," sagt der Matrose, Frost an eine Mutter dann kann ich ja ruhig hereinkommen." Der Komiter William Collier offente su fagen: Benn ich Das aufregende Budi mit tieftrauriger Miene auf die Bühne käme und mit vor Schluchzen erstickter Stimme verkünden würde:„ Mein Vater ist gestorben," würde sich das ganze Publikum vor Lachen wälzen. * Amerifas bekanntester und populärster Präsident Theodor Roosevelt, genannt Teddy, schrieb 1905, als sein SöhnTein Quentin acht Jahre alt war, an seinen Freund Kermit: ,, Neulich wollte ein Reporter Quentin über mich ausfragen, worauf der wahrheitsliebende und liebenswürdige junge Mann ihm sagte:„ Na ja, ich sehe ihn manchmal; aber von Seinem Familienleben weiß ich gar nichts." * Als Präsident Warren Harding seine Wahlkampagne abfolvierte, sagte der Haupteinpeitscher seiner Partei zum Wahlkomitee:„ Haltet Warren zu Hause. Wenn er auf eine Versammlungstour ginge, fönnte es passieren, daß man ihm Fragen stellt, und er ist so ein verdammter Narr, daß er versuchen würde, sie zu beantworten!" * Es heißt, daß viele Hollywooder Gastgeber jetzt zu ihren Abenden Einladungskarten ausgeben, auf denen gedruckt steht:" Gültig für den Ueberbringer und eine Gattin." „ Warum lernen die Greens plötzlich Französisch?-„ Sie haben ein französisches Baby adoptiert und sie wollen verstehen, was es sagt, sobald er zu sprechen beginnt." * Der Zeitungsleser: Soweit ich es nach den vielen Kritifen beurteilen kann, hat G. B. Shaw die Zeit, für die er zu früh geboren wurde, überlebt. * „ Gestern nacht waren Einbrecher in meinem Haus." Oh, was haben sie mitgenommen?"„ Sie haben alles durchsucht und haben mir dann eine Fünfdollarnote auf dem Schreibtisch hinterlassen." Es war einmal ein Schmugler und Schundler, der kramte und schnüffelte in allen Bücherprospekten und Ratalogen, im geheimen Wunsche, einmal ein Werk zu finden, das er obszön und anstößig genug fände, daß es für eine Eingabe an den Staatsanwalt oder zumindestens an die Schmutz- und Schundstelle geeignet erschiene. Und er suchte und suchte und fand. Schillers Venuswagen" erschien ihm im höchsten Grade unanständig; Goethe war viel zu frei; überhaupt die ganzen Stürmer und Dränger! An die Bibel wagte er sich nicht. Da fand er des Abends in einem Magazin ein Inserat: ,, Was muß die Frau in der Ehe können?" Das Buch für jede Frau. Ein grunglegendes Werk, das auch Sie interessieren muß. Schreiben Sie sofort an den FeinschmeckerVerlag! Preis des Werkes, mit 76 photographischen Jllustra tionen, in Leinen, 12 Mark. Der Schmußler und Schundler frohlockte: das war eine Gelegenheit für ihn! Ein solches Ehebuch- mit 76 Illustrationen das war im vorhinein für den Staatsanwalt prädestiniert. 12 Mark waren viel Geld, aber schließlich war es das Von Joachim Ringelnas. Starb dein Kind. Nun weine! Und dann wirst du glücklich sein. Denn das zarte, kleine Leben schwand noch quellenrein. Lausche, was mit frommen Worten die Erinnerung spricht. Schlimmes konnte tommmen. Nach dem Tode kommt es nicht. Paßt ein Kinderröckchen Niemals der erwachsenen Frau. Abgeschnittene Kinderlöckchen Werden nimmer grau. * Wie entnehmen das vorstehende Gedicht einer Sammlung, die soeben unter dem Titel„ Gedichte dreier Jahre" im Verlag Ernst Rowohlt, Berlin, erschienen ist. Geld wert. Nicht nur, daß man ein zweifelsohne höchst unan Für die Juden Stefiplätze! ständiges Buch bekam: man sah 76 Photographien, und schon bei dem Gedanken an die Möglichkeit jener Darstellungen nahm der Netter des Nichtschundes und Nichtschmutzes Anstoß. Stracks eilte er nach dem Postamt, zahlte 12 Mark ein und bestellte das grundlegende Werk. Er war mit sich zufrieden; diese Schmusautoren mußten gerechter Bestrafung anheimfallen, und auch auf ihn, den sittlich aufs tiefste verletzten und empörten Nebenkläger, fiel ein Abglanz des Ruhmes, die heiligsten Güter der Nation verteidigt zu haben. Drei Als Jude in Deutschland sein flinisches Semester zu absol vieren, ist, selbst wenn man zugelassen wird, mit einigen Schwierigkeiten verbunden. So ist unlängst auf Veranlas sung der Studentenschaft in den Düsseldorfer städtischen Krankenhäusern ein Anschlag angebracht worden, der einen vielsagenden Kommentar zu dieser Zeiten Schande dar= stellt. Auf diesem Anschlag ist zu lesen: „ Nichtarische Studenten haben erst dann Platz zu neh men, wenn die arischen Studenten fizen." t h r ff 5t HE r It ir ch 3. te en 13 je t. er ſe m port Fr 8 де It. en te r= It. on in 51, r: ch, m! er ie er it in g. 8 te= ne es It= de tg, 30 )[= en En ent 5= Die politischen Kämpfe in Spanien Nach der spanischen Kabinettskrise- Stärkung der Linken Neuwahlen im Oktober- Sozialisten in der Staatsverwaltung J. W., Madrid, Ende Juni. Die von der katholischen Rechten herbeigesehnte Auflösung des verfassunggebenden Parlaments durch den Staatspräsidenten Alcala Zamora ist durch die Neubildung des dritten Kabinetts Azana noch einmal vermieden worden. Das Ziel der Krise war vor allem die Ausschaltung Azanas, des geschicktesten und energischsten bürgerlichen Linkspolitikers Spaniens, und mit ihm die Ausschaltung der Sozialisten aus dem politischen Kampffeld. Azana, dem es schon in vergangener Zeit mehrfach nahe gelegt worden war, mit den Radikalen Lerroug' eine bürgerliche Konzentrationsregierung ohne die Sozialisten zu bilden, hatte dies immer wieder mit dem Hinweis abgelehnt, daß ohne Mitarbeit der Sozialisten das soziale Programm der Republik nie durchgeführt werden könne. In dieser Ablehnung Azanas trat deutlich vor allem seine antiklerikale Tendenz zutage; und darum sollte er beseitigt werden. Der süßeste Traum der Rechten aber war: nach Azanas Sturz Auflösung des Parlaments durch Dekret des Präsidenten; freie Bahn für Lerroux und die Seinen und damit für alle diejenigen, die weiter rechts stehen, angefangen von den Konservativen Miguel Mauras bis zu den Monarchisten! Dann konnte das von der Linken geschaffene Verfassungsprogramm ignoriert und mit der Zeit wieder aus der Welt geschafft werden... Diese Absichten der Rechten verraten jetzt, nachdem fie die Schlacht verloren hat nur allzudeutlich die Trauerartikel der Rechtspresse. So haben unter anderm die Konservativen Mauras, als Wegbereiter der Monarchisten, einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Nur durch die Auflösung des verfassunggebenden Parla ments, durch schleunigste Ausschreibung von Neuwahlen hätte sich die spanische Politik in normale Formen lenken laffen... Unsere Partei erlaubt weber Diskussionen noch übers haupt eine Beziehung zu der neuen diktatorischen Regie: rung, die sich in Gegensatz zur Volksmeinung stellt. Wir werden das Parlament vorläufig nicht mehr betreten... Die Geseze, die von jezt ab im Parlament beschlossen werden, find für uns völlig bedeutungslos; und in dem Augenblick, wo sich das politische Blatt wendet, werden wir diese Geseze nur insoweit refpets zieren, als sie unserer Meinung nach wirt. lich den nationalen Intereffen dienen... Mit diesem Manifest entpuppt sich Maura als der erste offene Faschist Spaniens. Er will den Kampf auf der Newyork Es löst sich von Deutschland Zweifellos deutet alles darauf hin, daß die Riefenhandelss stadt Neuyort, wo mindestens 30 von 100 Bewohnern Juden find, langsam aber sicher aufhören wird, Geschäfte mit Deutschen zu tätigen, und zwar einfach, um einen Drud auf das Hitlertum auszuüben, Maßgebende amerikanische Juden wie z. B. Samnel Untermeyer bestehen noch stets auf einem öffentlichen, vollständigen Boykott von allem, was deutsch ist. Aber so weit ist es bis jetzt noch nicht gekommen. Jedoch be= fteht augenblicklich bei Juden und Nichtjuden eine Abneigung Rotbraune Flecken Als die kleine Edith aus ihrem Pensionat nach Hause fam, empfing sie ihr Vater, Mister Williams, der Besitzer der größten Baumwollpflanzungen in Aegypten, feierlich am Portal seines Hauses. Er war ein Mann nahe der Sechziger, groß und stark, mit herrischen Zügen. Seine Augen, die finfter und hart waren, wenn er die Arbeit der Nubier überwachte, wurden auf einmal leuchtend und zärtlich, als ste auf der schlanken Gestalt der Tochter ruhten, die wie ein Pfeil aus dem Automobil schoß und auf ihn zulief. Er nahm sie fest in die Arme, füßte sie auf beide Wangen und brachte zuerst kein Wort heraus. Dann sagte er: Wie groß du gewor= den bist!" und betrachtete sie stolz. Edith war siebzehn Jahre alt und versprach, das hübschefte englische Mädchen in Aegypten zu werden. Vorläufig war sie noch ein wenig herb und ecig, verriet auch im Anzug und Wesen Pensionsgelehrsamkeit. Was hatte die kleine Edith nicht alles gelernt! Sie konnte Griechisch und Latein und außerdem noch mehrere moderne Sprachen und war darauf viel mehr stolz als auf ihre schönen blonden Haare und ihr präraffaelitisches Profil. Dabei war sie voll Energie und Wißbegier, interessierte sich für alles und fragte nach all und jedem. Schon am ersten Tage wollte sie eine Pflanzung ansehen, wo die Neger stundenlang unter der erbarmungslosen Sonne arbeiteten. Ihr Vater stellte nur Neger an, weil sie fräftiger sind als die Fellachen und sich also besser rentierten. Edith war seit zehn Jahren nicht mehr in Aegypten gewesen, seit dem Tode der Mutter, und erinnerte sich an gar nichts mehr. Neugierig lief sie von einem zum an= deren, wollte sich alles erklären lassen. Und die Neger hielten auf Augenblicke mit der Arbeit inne und sahen mit heimwehkranken Augen auf das frische, lachende, glückliche Ge schöpf. Bei den Packräumen war eine ungeheure Kompressionsmaschine, in die man körbeweise die Baumwolle schüttete, die wie flatternde Schmetterlinge aussah, um nach kurzer Zeit, aufs äußerste zusammengepreßt, als kleiner schwerer Ballen herauszukommen. Von Zeit zu Zeit sprang ein Neger in die Deffnung unter dem Kompressionsfolben, um mit seinen Füßen die Baumwolle niederzustampfen. Warum?" fragte die kleine Edith neugierig. Weil die Maschine möglichst viel auf einmal preffen muß, um die nötige Menge einschütten zu können." Das sagte ihr der Vater, aber er sagte ihr nicht, daß manchmal unten auf der Baumwolle ein Neger stand, um sie niederzutreten, und dann ein anderer fam, der ihn nicht sah, und feinen Korb über ihn ausschüttete, dann noch ein anderer mit seinem Korb und wieder ein anderer. Im Betrieb von Straße ausfechten, sich derart ins Lager der Feinde der Republik, der Agrarier und Monarchisten, schlagen. Jm Gegensatz dazu haben sich die Radikalen Lerra ug' viel einwandfreier im republikanischen Sinne verhalten. In längerer Rede setzte in der ersten Parlamentssitzung nach der Regierungsumbildung Lerrour seine Stellung zu der neuen Regierung auseinander. Unter anderm mußte er zugeben, daß die Obstruktion der Opposition zusammengebrochen sei und daß weitere Obstruktion zur Gefähr dung des Regimes führen müsse. Der Regierung Azana die Friedenspalme darbietend, erklärte er sich bereit, mit seiner Partei an der zukünftigen Gesetzgebung aktiv mitzuwirken. Die Sozialisten haben sich mit den Radikalen dahin geeinigt, daß fürs erste einmal die Republik soweit ge= sichert werden müsse, daß sie jedem Staatsstreichversuch von monarchistischer Seite widerstehen könne. Es gilt als wichtigste Erkenntnis, die sich aus dieser Krise heraus kristallisiert hat: jedem neuen Putschversuch der klerikalen, antirepublikanischen Rechten aufs energischste die Stirn zu bieten. Die jetzige Krise war ein solcher Putschversuch auf legale Art. Der Klerus und die monarchistische Rechte hielten Lerrour' Radikale für ebenso willige Werkzeuge ihrer Ziele wie Alcala Zamora. Aber Lerrour hat rechtzeitig erkannt, daß er, der alte Republikaner, nicht offen mit den Antirepublikanern zusammengehen darf, ohne seine Anhängerschaft zu verlieren. So hat er sich zur sachlichen Mitarbeit an den zukünftigen Parlamentsverhandlungen, für die Republik entschieden. Damit ist jedoch keineswegs gesagt, daß er deshalb in freundschaftliche Beziehungen zu den Sozialisten getreten sei, oder gar diese zu ihm. Zu verschieden sind die Jdeologien dieser beiden Parteien; die eine eine Arbeiterpartei, die in der Republik ein Mits tel zur Erreichung ihres Zieles, des Sozialismus, die andere eine Kapitalistenpartei, die in der Republik ein Machtinstrument ihrer Interessen sieht. Beide aber müssen im Augenblick noch die gegenseitige Ronzession des Mits einanderarbeitens machen. Im Oktober, wenn die Gesetzgebung der Verfassung vollständig abgeschlossen ist, werden Neuwahlen den weiteren Weg in die Zukunft weisen. Das Programm der neuen Regierung, dem Parlament von Azana dargelegt, sieht vor allem schnellste und strik teste Durchführung der Agrarreform und des religiösen Ordensgefeges vor. Um den Landwirtgegen alle Artikel, die mit dem Stempel, Made in Germany" versehen sind. Dresden Die Stadt kann Zinsen und Tilgung nicht mehr zahlen Die Stadt Dresden hat die Absicht, die Zinsen ihrer sämt: lichen Anleihen auf 3,5 v.. zu senken und die Tilgung der Anleihen bis zum Jahre 1985 auszusehen. An der Börse hat diese Absicht der Stadt zur Streichung jämt= licher Anleihen Dresdens geführt mangels Nachfrage, Mister Williams mußte die Arbeit flott vorwärtsgehen. Und der Mann da unten erstickte, schlug um sich, schrie. Manchmal hörte man ihn und manchmal nicht. Wenn man ihn nicht hörte, dann wurde nach dem Einschütten der vorgeschriebenen Menge von Körben der eiserne Kolben in Bewegung gesezt und langsam herabgelassen. Da unten in der weichen Baumwolle war etwas Lebendiges, das zappelte und schrie, das nicht sterben wollte, so elend auch sein Leben war, das sich in die Baumwolle hineinwühlte, nicht nach oben, denn die Dunkelheit zeigte, daß der Eisenblock schon den Ausweg versperrte, nein, nach unten da, wo nie ein Ausweg war, nur um den Tod um eine Minute hinauszuschieben um den Bruchteil einer Minute. Der Baumwollballen sah nachher aus wie alle anderen, nur hatte er irgendwo einen rotbraunen Fleck. Denn aus einem menschlichen Wesen mit all seinen Freuden und Schmerzen und Wünschen, mit seinem warmen lebendigen Leibe kann solch ein rotbrauner Fleck werden, der die Baumwolle schmutzig macht. Und zu diesem rotbraunen Flecken kam dann ein altes Negerweib und weinte, raufte sich die Haare, fluchte dem Leben, als hätte sie keine anderen Söhne auf der Welt, wo man doch weiß, daß diese Negerinnen fruchtbar sind wie die Kaninchen. Und man mußte sie dann mit Gewalt von den Lagerräumen und dem Herrschaftshaus entfernen, denn sie störte den Herrn in der Nacht mit diesem Geschrei, als ob ihr wirklich das Herz bräche. Dies alles sagte Mister Williams seiner Tochter nicht. denn er wußte, daß sie ihn erstaunt ansehen würde und erklären, daß man die Neger nicht zwingen sollte, so hastig zu arbeiten, daß man einen Wächter neben die Kompressionsmaschine stellen müsse, daß man immer, ehe sie in Bewegung gesetzt wurde, nachzuschauen habe, ob da unten nichts Lebendiges zappele. Denn die kleine Edith war in England erzogen worden und war mit Menschlichkeitsflaufen zurückge kommen. Man sah es sofort an der Art, wie sie die Neger ansah und grüßte. Der Pflanzer lachte darüber. Vor einigen vierzig Jahren hatte er auch solch eine Krise gehabt, da hatte er auch gemeint, die Neger wären Menschen wie die Weißen und solchen Blödsinn mehr. Jetzt war die Reihe an Edith. Auch bei ihr würde dieser Anfall von Humanität spurlos vorübergehen, aber inzwischen war es besser, ihr solche Geschichten nicht zu erzählen. So ging das junge Mädchen nach Hause, ohne etwas von den Gefahren zu ahnen, die die Maschine barg. Ihr blieb sogar ein heiteres anmutiges Bild von einem Neger, der in der weißen flockigen Baumwolle hin und her hüpfte. Und am nächsten Morgen, während der Vater seinen Rundgang durch den Betrieb machte, näherte sie sich der Maschine bei den Packräumen. Unter der Last ihrer Körbe kamen und gingen die Neger, blind von Sonne und Müdigkeit. Von schaftsminister zu entlasten, damit er sich mit aller Kraft der Agrarreform widmen könne, hat man dem Landwirt schaftsministerium das neue Ministerium für Handel und Industrie, unter Leitung des Föderalen Franchy Roca, an die Seite gestellt. Die strikteste Durchführung des religiösen Ordensgesetzes bedeutet die energischste Kampfansage nicht nur an die klerikale Rechte, sondern vor allem auch an den Staatspräsidenten Alcala Zamora, der sich entscheiden muß: für Religion und Papst oder für die Politik der Republik. Das weitere Programm der Regierung sieht das neue Wahlgesetz, das Gesetz über die öffentliche Ordnung, das Republikschutzgesetz und das Agrarpachtgesetz vor. Als die Föderalen ihre Regierungsmitarbeit zusagten, haben sie zwar zur Bedingung gemacht, daß ihr Minister Franchy Roca im Falle der Annahme der Republikschutz gesetzes das Kabinett wieder verlassen müsse. Da das Republikschutzgesetz aber wahrscheinlich durch das Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung sehr gemäßigt oder hinfällig wird, ist anzunehmen, daß die Föderalen- falls nicht der innerhalb ihrer Gruppe vertretene klerikal- rechte Flügel bei einer Parteiversammlung durch Mehrheitsbeschluß anders verfügt ihren Minister in der Regie. rung lassen, und so keine Störung in der Arbeit des neuen Kabinetts eintritt. Vorläufig ist also das Resultat der Krise: Friede und Eintracht im Parlament. Die Sozialisten haben sich jedoch auf Grund der Er fahrung dieser Krise entschlossen, entscheidende Posten des öffentlichen Ordnungsdienstes, also beispielsweise Zivilgouverneursämter, zu übernehmen. Das bedeutet für die Rechte einen neuen Schlag ins Gesicht. Denn ist die Ordnung von links her durch unbestechlich- rechtliche Vertreter gesichert, so kann die klerikal- monarchistische. Erpressungspolitik bei Wahlen nicht mehr durchgeführt werden. Und hat das spanische Volk in den kleinen und kleinsten Dörfern ungehemmte Möglichkeit, seinen Willen wirklich unbeeinflußt kundzugeben, dann sind die Aussichten auf einen Wahlsieg der Rechten wohl sehr herabgemindert. Die spanische Kabinettskrise hat also keinen Umschwung bewirkt, wohl aber hat sie wieder Klarheit und Einheit im republikanischen Lager geschaffen. Die Folgen sind neue Entschlußkraft und Stärkung der Linken. In Zeiten, da der Faschismus sich überall durchzusetzen ver mag, bedeutet das einen Wegweiser in die Zukunft. Nicht nur für Spanien, sondern auch für das Ausland. Verkappte Rebellion Gegen die Nazi- Bonzenwirtschaft Ju Darmstadt hat der nationalsozialistische Abgeordnete Lenz in Gemeinschaft mit den hessischen Standartenführern ein Flugblatt herausgegeben gegen die Bonzenwirtschaft in der NSDAP. Das Flugblatt schließt mit einem Trengelöbnis für den„ Großen Führer" Adolf Hitler. Diese verkappte Res volution wird Lenz und Konsorten tener au stehen kommen. Zeit zu Zeit sprang einer hinunter in die Baumwolle und trat sie nieder, um dann mit einem Sazz wieder herauszukommen. In ihrem weißen Kleide, gertenschlank und anmutig, trat Edith immer näher an die Maschine. Wie lustig mußte es sein, da in die weiche Baumwolle zu springen und die Flocken um sich fliegen zu sehen wie weiße Schmetterlinge... Als Edith nicht zum Lunch erschien, war Mister Williams nur ein wenig böse wegen ihrer Unpünktlichkeit. Als sie sich aber auch zur Teezeit nicht sehen ließ, wurde er unruhig. Jeder Winkel des Hauses, die Lagerräume, die anliegenden Pflanzungen wurden durchsucht. Je mehr Zeit verstrich, um so mehr verlor der Pflanzer jedes Maß und jedes Gefühl der Wirklichkeit. Er werde Menschen umbringen, wenn bis zur Nacht das Mädchen nicht gefunden wurde! Eine Negerin, die aus der Küche etwas Milch gestohlen hatte für ihr Kind, ließ er aus dem Hause werfen und hätte sie am liebsten geschlagen. In der ganzen Pflanzung herrschte der Schrecken. Man durchsuchte mit Stangen die Kanäle. Die Arbeit wurde eingestellt und alle suchten nach der Verschwundenen. Keiner der Neger, die am Morgen an der Maschine gearbeitet hatten, sagte dem Vater, daß er das kleine Fräulein dort hatte herumhüpfen sehen. Keiner fand den Mut. Sie waren zu sehr verängstigt; seit zu vielen Jahren herrschte die Furcht in der Pflanzung und hatte sich in den Seelen der Neger eingenistet. Dem Vater selbst kam das Gespräch vom vorigen Tage ins Gedächtnis und ihr Interesse für die Maschine. Die Baumwollballen des Tages wurden durchgesehen. Sie waren wie immer, nur einer hatte an der Seite einen rotbraunen Fleck. Mister Williams jagte die Neger weg, die von allen Sellen herbeigelaufen famen. Er hätte sie mit Fußtritten verjagt, wenn sie nicht auseinandergestoben wären. Dann schloß er die Tür des Lagerraums. Mit wankenden Schrit ten und mit Augen, die nichts sahen, ging er zu dem Baum wollballen.. Wie war das möglich? Edith, seine kleine Edith mit dem Madonnengesichtchen, Edith, die Latein und Griechisch fonnte, die soviel Leben und soviel Glück vor sich hatte, Edith, die kleine Edith... Und der Fleck war genau so wie der vor sechs Monaten, als der Neger Jim ums Leben kam, wie der vor zwei Jahren, als Harry tot war... vielleicht ein bißchen kleiner. Der alte Mann verbarg sein Gesicht in den Händen. Es es war war nicht Schmerz- der sollte erst später kommen ein Gefühl der Scham, des Grauens und der Schuld, dunkel, tief, unerträglich, das ihm die Seele zerriß. ( Autorisierte Uebersetzung aus dem Italienischen von Marcella d'Arle.) Schandtaten in einer einzigen Stadt Oels in Schlesien, das Hauptquartier des chemaligen Kronprinzen Der Ortsverband Oels der„ Arbeiterwohlfahrt" hat, noch ehe er von den Nazis unterdrückt wurde, an den Reichspräsidenten, den Vizekanzler und den preußischen Innenminister folgendes Schreiben gerichtet: Täglich kommen zu uns Menschen, jung und alt, blutig, grausam mißhandelt, und klagen uns ihre Not. Entsetzen muß jeden ergreifen. der Kenntnis von diesen Ereignissen bekommt. Die Not ist so groß, daß hundertfältig man immer wieder den Schrei hört: Warum duldet man derartige Ausschreitungen gegen eine wehrlose Bevölkerung, deren einziges Verbrechen es ist, daß sie eine andere politische Ueberzeugung haben. Hunderte Familien hoffen mit uns, daß dieses Schreiben mit seiner erschütternden Liste dazu beitragen wird, endgültig diese Dinge abzustellen. Als Ortsausschuß der Arbeiterwohlfahrt erhielten wir im Laufe der letzten Woche Kenntnis von folgenden Ueberfällen: 1. Hahn Günther, Dels, Gartenstraße 16, Tischler, 21 Jahre alt, wurde am 7. März, abends 10.30 Uhr, am Württembergerweg von acht Personen in brauner Uniform ( Hakenkreuzbinde) gestellt und von einzelnen mit Gummi-fnüppeln über den Kopf geschlagen. Schwere Kopfverlegung. Zwei Zeugen. 2. Biewald Walter, Dels, Württembergerweg 66, Schlosser, 19 Jahre, wurde am 8. März, vormittags 11.15 Uhr, in den Duschraum der evang. Volksschule von einer größeren Anzahl( zirka 20 Mann) Personen in brauner Uniform ( Hakenkreuz und weiße Binde) geschleppt und fürchterlich am Kopf, Rücken und Händen mit Gummifnüppeln zerschlagen. Vielfach offene Wunden. 3. Schwob Otto, Dels, Schramfestraße 5, 21 Jahre alt, wurde mit Biewald gemeinsam mißhandelt. Kopfwunden. Er wurde zum Schluß mit Schlägen hinausgejagt, brach dabei mehrfach zusammen. Grund der Mißhandlung völlig unbekannt.. 4. Tschech Artur, Spahlitz bei Dels, Eisenbahnarbeiter, 29 Jahre alt, Kriegsteilnehmer, wurde am 8. März vormittags von zirke 30 bis 40 geschlossen marschierenden Männern in brauner Uniform mit Hakenkreuzbinde grundlos auf der Straße aufgegriffen und in das SA.- Heim in der Georgenstraße geschleppt. Er mußte zusehen, wie vor ihm einige andere Personen fürchterlich geschlagen und getreten wurden. Ihm riß man den Mantel herunter, legte ihn über den Tisch und mißhandelte ihn. Außer Verlegungen am Kopf erlitt er auch solche am Rücken und Oberschenkel. 5. Wende Richard, Rathe bei Dels, Schmied, 33 Jahre alt, Kriegsteilnehmer, wurde ebenso verschleppt und mißhandelt wie Tschech. Verlegungen am Rücken, Kopf und besonders am Auge. 6. Sonnabend Walter, Dels, Wartenbergstraße 66, Arbeiter, 19 Jahre alt, gleiches Schicksal wie Tschech und Wende. Er wurde besonders getreten. Verletzungen am Rücken, Hals, Kopf und an den Händen, weil er damit die Schläge abzuwehren versuchte. 7. Krause Georg, Dels, Ledigenheim, Glaser, 22 Jahre alt, wurde mit den Vorhergehenden ins SA.- Heim geschleppt. Verletzungen am Rücken und Kopf. Unterlippe zweimal gespalten. 8. Schimmef jun., Dels, Luisenstraße, zirka 24 Jahre alt, wurde am 8. März abends von fünf braun Uniformierten überfallen und mißhandelt. Verlegungen am Kopf und rechter Schulter. 9. Bujura Josef, Dels, Bernstädter Straße 67, städtischer Arbeiter, Kriegsteilnehmer, 33 Jahre alt. wurde bei der Besetzung des Volkshauses am 11. März, abends 7 Uhr, ge= zwungen, das Horst- Wessel- Lied mit erhobener Hand mitzusingen. Vor- und nachher wurde er schwer mißhandelt. Verlegungen am Kopf und an den Schultern. Unter den Tätern erkannte man u. a. den Finanzamtsangestellten Vieweg, Dels. Sämtliche nachfolgenden Fälle bis Nr. 23 wurden ähnlich wie Bujara behandelt. 10. Kraja Günther Dels, Hindenburgstraße 1c, 19 Jahre alt, Buchdrucker, erhielt Schläge im Rücken. Er erkannte den Fleischer Georg Büchse, Tize, Hinterhäuser und Ratsch, Ohlauer Straße 42. 11. Schütze Reinhold, Dels, Hindenburgstraße 1d, Kesselschmied, 38 Jahre alt, Kriegsteilnehmer 1914-1919, erhielt schwere Verletzungen am Kopf. 12. Sommer Hermann, Dels, Württembergerweg 53, Magazinausgeber, 38 Jahre alt, Kriegsteilnehmer ab 1914, drei Jahre in englischer Gefangenschaft, wurde mit Gummifnüppeln geschlagen und in die Wade getreten. 13. Bittner Georg, Dels, Ring 37, Angestellter, 27 Jahre alt, erhielt mehrere Tritte ins Gesäß. 14. Thiel August, Dels, Wallstraße 9, Reichsbahnschaffner a. W., 45 Jahre alt, Kriegsteilnehmer, erhielt Schläge auf den Kopf. 15. Thiel Walter, Oels, Wallstraße 9, Schlosser, 20 Jahre alt. Besonders Schläge auf den Arm. 16. Günther Karl, Dels, Bahnhofstraße 12, Zimmermann, 36 Jahre alt, Kriegsteilnehmer. Schlag am Kopf. Am 17. Februar abends schon einmal schwer mißhandelt. 17. Krause Alfred, Dels, Raiserstraße 6, Maurer, 20 Jahre alt, Verlegungen am Kopf. Besonders auch an den Händen. 18. Pitrusfe Richard, Dels, Warlstraße 5, Melfer, 23 Jahre, an Kopf und Händen verletzt. 19. Scholz Ernst, Dels, Ritterstraße 18, Bauarbeiter, 57 Jahre, Kriegsteilnehmer 1914-1918, wurde besonders auf die rechte Schulter geschlagen. 20. Wolf Mar, Dels, Bernstädter Straße 3, Büroangestellter, 33 Jahre, Kriegsteilnehmer. Fußtritte am Oberschenkel und offene Wunde am Kopf durch Schläge. 21. 31obinski Josef, Dels, Friedrichstraße, Arbeiter, 33 Jahre, Kriegsteilnehmer ab 20. Mai 1918. Verlegungen am Kopf, Armen und Händen. 22. Schubert Alfred, Dels, Lazarettstraße 5, Schlosser, 28 Jahre alt, schwer mißhandelt im Beisein von zwei Polizeibeamten, die machtlos waren. Die Kopfhaut zweimal geplatzt. Daneben andere Verlegungen am Rücken und an den Armen. 28. Ralinfa Hermann, Dels, Wartenbergstraße 66, Maler, 21 Jahre, wurde besonders schwer geschlagen und am Halse gewürgt. Man fand bei ihm ein Kittmesser, da er im Volkshause eine Fensterscheibe neu einsetzen wollte. Lendengegend, Schulter und Hinterkopf besonders schwer verletzt. 24. Quittsch alle Walter, Dels, Gartenstr. 14, Rentenempfänger, 32 Jahre alt, wurde nachts halb 1 Uhr pom 11. zum 12. März von vier uniformierten SA.- Leuten aus dem Bett geholt, nachdem sie mit Nachschlüsseln oder Dietrichen Haus- und Wohntür geöffnet hatten. Erkannt wurden Fleischer Georg Büchse, Johann Burczek, Ohlauerstraße 17. 25. Ralinke Herbert, Dels, Breslauer Straße, Maler, 26 Jahre alt, wurde am 12. März früh 7 Uhr beim Volkshaus vom Rade gerissen und schwer mißhandelt. 26. Krause Walter, Dels, Hindenburgstraße 4d, Schlosser, 25 Jahre alt, wurde auf der Straße am Volkshaus aufgegriffen, in den Saal geschleppt und mißhandelt. Verlegungen am Kopf. 27. Schubert Franz, Dels, Bernstädter Straße 72, Kreisleiter im Deutschen Landarbeiter- Verband, 36 Jahre alt, Kriegsteilnehmer, holte gegen 11 Uhr seine privaten Sachen aus dem besetzten Volkshaus am 12. März heraus. Er wurde in den Saal geschleppt, mit Gewalt über einen Tisch gelegt und mit Gummifnüppeln geprügelt, bis er bewußtlos war. Man schleppte ihn dann in die Toilette unter die Wasserleitung und wusch ihm das Blut ab. Besonders schwer wurde das Auge verlegt. Gefahr der Erblindung liegt vor. 28. Sabla Gerhard, Dels, Hadenburgstraße 1d, Schlosser, Vorsitzender des Ortsausschusses der freien Gewerkschaften, 26 Jahre alt, wurde zur gleichen Zeit wie Schubert behandelt. 29. Ralf brenner Ehrenfried, Dels, Mallisonstraße 1, Angestellter, 26 Jahre alt, kam auch mit Schubert und Sabla, um seine Sachen aus dem ZdA.- Büro zu holen ins Volkshaus. Er wurde ebenso wie diese bis zur Bewußtlosigkeit mißhandelt. Er ist seidem bettlägrig, wodurch er seiner Stel lung im Arbeitsamt verlustig wurde. 30. Isner Emil, Dels, Württembergweg 53, Tischler, 43 Jahre, Kriegsteilnehmer von 1914-1918, wurde auf der Straße am Volkshaus um 11.30 Uhr des 12. März aufgegriffen und ins Volkshaus geschleppt. Ein Fluchtversuch wurde ihm mit Gewehr und Revolver unterbunden. Im Saale des Volkshauses legte man ihn dreimal über den Tisch und schlug ihn im Beisein seines Abteilungsleiters, Oberingenieur Kohrs, mit Ochsenziemern, Gummifnüppeln, Totschlägern und Stahlruten bis zur Bewußtlosigkeit. 31. Geister Erich, Dels, Schrankestr. 8, Tischlerlehrling, 18 Jahre, wurde mit den nachfolgenden vier Lehrlingen, die mit ihm bei Tischlermeister Rabe beschäftigt sind, zur Polizeiwache gebracht, da eine Hakenkreuzfahne vom Fenster mit Tinte begossen war. Zwei Personen, die als Hilfspolizisten gekleidet waren, haben im Anschluß dann auf der Wache alle fünf Lehrlinge geschlagen. Erkannt wurde der Ofensetzer Wiesner. Geister erlitt Verletzungen am Rücken, Arm und Schenkel. 32. Bujar a Egon, 17 Jahre alt, dto. 33. Gerrmann Paul, Dels, Bernstädter Straße 42, 17 Jahre, erlitt Verlegungen am Kopf, Rücken und Schenkeln. 34. Sturm Reinhold, Schmarse bei Dels, 18 Jahre alt, war am Fuß, Rücken und den Armen verlegt. 35. Schneider Ernst, 18 Jahre alt, erlitt dieselben Verlegungen wie Sturm. Im Interesse dieser verfolgten Menschen bitten wir dringend um ein sofortiges Eingreifen. Unterschrift." Das aus einer kleinen Stadt von einigen tausend Einwohnern. Frage: Wieviel Mißhandelte gibt es in einem Reich von 65 Millionen Einwohnern? Hafenarbeiter gegen Mörderfahne Was ist..teutsch"? Aktiver Widerstand in großen Häfen In einer Reihe von Häfen in verschiedenen Ländern weigern sich die Hafenarbeiter spontan, deutsche Schiffe, von denen die Hakenkreuzflagge weht, zu löschen. Für diese Kate: gorie von Arbeitern, unter denen sehr große Arbeitslosigkeit herrscht, bedeutet das Anlaufen eines Schiffes ein will: tommenes Stück Brot. Sie wollten aber dieses Stück Brot nicht aus Abschen gegen das Symbol der Gewalttaten, der geistigen Knechtung und Beraubung des flaffenbewußten Proletariats in Deutschland. Für dieses solidarische Vorgehen in einer großen Anzahl Säfen, das ganz selbständig, ohne irgendeinen vorherigen Aufruf dazu erfolgte, ist keine besondere Herausforderung von deutscher Seite notwendig. Wie richtig aber die gegen die Hakenkreuzflagge protestieren: den Hafenarbeiter den provozierenden Charakter dieses Symboles am Mast herausfühlen, wird einem klar, wenn man bedenkt, welche Bedeutung deutscherseits dem beigelegt wird. So schreibt das deutsche Reederorgan„ Hansa" in Hamburg vom 29. April d. J. über das Mitführen der Flagge folgendes:„ Schiffahrt ist Soldatendienst, Ehrendienst an fremden Küften, wo jedes Schiff unter dieser Flagge als Vorposten Dienst tut." Hier folgt ein ganz gewiß recht unvollkommenes Ber zeichnis: am 10. Mai wurde in Antwerpen( Belgien) das Löschen des„ Watussi" verweigert; Kassel Kürzung der Wohlfahrtssätze Die NSDAP. hat versucht, die bankrotte Stadtverwaltung durch ein Stadtnotopfer zu sanieren, das von allen Lohn- und Gehaltsempfängern eingetrieben werden sollte. Der Reichsfinanzminister hat diese Aktion verboten. Die Stadtverwaltung sah nun keinen anderen Weg, als die Wohlfahrtsrenten zu kürzen. Dadurch sollen eine Million Mark eingespart werden. KPD. Sie bleibt wie sie war Die kommunistische Presse Deutschlands ist vervoien. Nur im Saargebiet erscheint noch ein kommunistisches Parteiblatt. am 16. Mai wurde in Sundsvall( Schweden) das Löschen des„ Piteo" verweigert; am 16. Mai wurde in Gothenburg( Schweden) das Löschen des Dampfschiffes„ Gonzenheim" verweigert; am 22. Mai wurde in Barcelona( Spanien) das Löschen des Schiffes„ Spezzia" verweigert; am 28. Mai wurde in Lorient( Frankreich) ein mit Holz beladenes Schiff zu löschen verweigert; am 30. Mai wurde in Gdingen( Polen) das Dampfschiff Sylt" von einer Menschenmenge bestürmt und die mitgeführte Hakenkreuzflagge heruntergerissen; am 2. Juni wurde in Groningen( Holland) verweigert, ein mit Holz beladenes Schiff zu löschen, solange nicht die Hakenkreuzflagge heruntergeholt ist; am 16. Mai tam in 3 aandam( Holland) mit einer Holzladung der Dampfer„ Erneta L. M. Ruß" an. Auf die Fo.derung des Publikums und der Hafenarbeiter wurde die Hakenkreuzflagge heruntergeholt. Auch in Dünkirchen und anderen Häfen wurden Protese erhoben. Wir teilen die Freude, welche überall, auch in der kommu: nistischen Presse, wegen des Verhaltens der Arbeiter zum Ausdruck kommt. Bis jetzt vermissen wir aber noch Berichte ans Leningrad und Odessa über ein Vorgehen der Hafen= arbeiter gegen die Hakenkreuzflagge. Man darf wohl annehmen, daß es die Meinung der APD. über die Sozialdemokratie kundgibt. Es zeigt sich, daß die APD. weder um: noch zugelernt hat. Seit dem Erscheinen der„ Deutschen Freiheit" wird in dem kommunistischen Blatt jeden Tag„ bewiesen", daß wir und die Sozial: Demokratie Hitler und dem Faschismus die eifrigsten Dienste leisten. Nun fehlt nur noch, daß die Kommunisten behaupten, die „ Deutsche Freiheit" sei mit Unterstützung des Reichsfanzlers gegründet und die Verfolgung von zehntausenden Sozialdemokraten durch die Hitlerregierung sei ein elendes Täuschungsmanöver der„ Sozialfaschisten". Eine satirische Antwort In Nr. 18 des Organs der elsaß- lothringischen Buchdruckereiarbeiter lesen wir: Die Prinzipalsorganisation des Buchdruckgewerbes in Deutschland, der„ Deutsche Buchdruckerverein", hat dem Reichskanzler Hitler anläßlich des Feiertages der nationalen Arbeit am 1. Mai zu der„ Stiftung für die Opfer der Arbeit" 20 000 Mark gespendet. Diese wurden dem 1928 gegründeten Hilfsfonds für die Unterstützung der Mitglieder des Deut schen Buchdruckervereins, die durch die von den Arbeiterge= werkschaften vom Zaune gebrochenen Arbeitskämpfe geSpende hat Reichskanzler Hitler dem Buchdruckerverein sein schädigt werden, entnommen. Aus Dankbarkeit für diese Bild in silbernem Rahmen gewidmet. Sehr nett, nicht wahr! Die gleichgeschalteten Herren Prinzipale im Deutschen Buch druckerverein haben sichs etwas kosten lassen, um bei dem schönen Adolf liebezudienern, weil er den„ Klassenkampf für alle Zeiten unmöglich gemacht hat"( dies ist nämlich der Grund der Stiftung). Man sieht, Lohnabzüge auf der einen Seite für das Personal, denn zu anständigen Löhnen fehlt das Geld, aber 20 000- Mark- Stiftung auf der anderen Seite für den Braunauer Anstreichergesellen, wozu dann mit voller Stimme das schöne Lied gesungen wird:" Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt... von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt..." Dazu meint die Helv. Typogr.", es wäre den Herren vom Deutschen Buchdruckerverein einmal die Frage vorzulegen, was an Hitler und dem Dritten Reich eigentlich„ teutsch" sei. Ein geistreicher Spaßvogel verfaßte darüber nämlich folgende Sentenz: Das Hakenkreuz ist indisch, die Maas ist französisch, der Belt dänisch, die Memel litauisch, die Etsch italienisch, der Hitlergruß römisch, Hitlers Mutter tschechisch, seine Stirnlocke forsisch, sein Schnurrbart jüdisch, sein Bierjahresplan russisch, sein Benehmen aber barbarisch! Was ist denn eigentlich am Dritten Reiche deutsch? Antwort: Die große Schnorre! Für diese Schlußfolgerung haben die Minister Hitlers den unumstößlichen Beweis erbracht! Achtung! Abonnements für Paris! Bestellung sind zu richten an Le Courrier Socialiste, Paris 2, rue Feydeau 12. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Pizz; Inserate Wie lange lassen sich die kommunistischen Arbeiter einen Hubert Jüttner, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: solchen Unfug noch gefallen? Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5,