Preis: 60 1. cts Danfare Nummer 10-1. Jahrgang Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Samstag, 1. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun ,, Freiheit, ich möchte sie auch! Ja! Aber!..." 0 spare die Worte! An dem Aber krepiert jede Gesundheit und Kraft. Glaẞbrenner. t t t t 3000 neue Verhaftungen! Tatsachen- Bericht eines führenden Politikers aus Berlin 28. Juni. Ich schreibe Ihnen, weil ich annehme, daß Sie nach dem Tezten Gewaltaft gegen die Partei über das, was sich in den letzten Tagen hier zugetragen hat, nicht mehr genau informiert sind. Vor allem dürfte Sie interessieren, daß außer Löbe der größte Teil unserer Berliner Reichstagsabgeord neten und der Mitglieder des Berliner Bezirksvorstandes fich in Haft befinden. Künstler und Wendt waren, als sie durch Kriminalpolizei und Schupo in Schußhaft genommen werden sollten, nicht aufzufinden. Sie haben sich am Sonnabend selbst gestellt und sind seit dieser Zeit nicht mehr aufzufinden. Es ist anzunehmen, daß man auch sie in Haft behalten hat. Auch im Lande sind im Zusammenhang mit der letzten Gewaltaktion zahlreiche Reichstag 3 abgeordnete und Funktionäre der Partet perhaftet worden. Ich persönlich schätze, daß in den letzten Tagen wenigstens 3000 brave Parteigenoffen auf Befehl der Brannhemden ihrer Freiheit beraubt sind. Irgendeine Veröffentlichung darüber hat man bisher wohlweislich unterlassen. Die Räumlichkeiten des Parteivorstandes und alle übrigen nach der Beschlagnahme des Parteivermögens wieder entsiegelten Büros sind wieder versiegelt worden. Das Perfonal wurde aus den Räumen herausgemorfen; co wurde ihm untersagt, die Büros jemals wieder zu betreten. Schutzpolizei mit Karabinern und zwar fast restlos Beamte der Bereitschaft Wecke, die sich nur aus nationalsozialistischen Parteibuchbeamten zusammensetzt hat dafür zu sorgen, daß keine Materialien aus den versiegelten Büros entfernt werden. Die alte Mutter von Löbe, die am Sonnabend die Besuchserlaubnis persönlich erbat, wurde auf Montag vertröstet. Man erklärte der über 80- jäh rigen Frau, sie solle am Montag wiederkommen!.... Je totaler der Staat des Dritten Reiches wird, desto größer naturgemäß auch die Opposition. Daß die braunen Spitzbuben und Ehrabschneider auf die Daner so weiterwirtschaften tönnen wie bisher, ist nach allem, was man aus den verschiedensten Parteien und Or ganisationen hört, ein Ding der Unmöglichkeit. Auch im Volf zeigt sich bereits eine Ernüch terung. Man fragt sich allenthalben, wo das vielversprochene Brot und die vielversprochene Arbeit bleiben, wobei wir uns jedoch im klaren darüber sein müssen, daß die Nationalsozialistische Partei selbst bis auf weiteres faum irgendwelche Erschütterungen aufweist. Ein brauner Spizbubesorgt für den anderen. Das in den letzten drei Monaten entstandene Bonzentum hat seinesgleichen bisher in der Welt nicht gefunden. Die Futterkrippe ist Trumpf. mehr weit entfernt sind. Es bleibt nur die Frage, was dann die Reichswehr macht. Ob Hitler, Göring oder Goeb= bel 3, fie alle geben sich eifrig Mühe, insbesondere mit dem Reichswehrminister v. Blomberg zu poussieren. Blomberg gilt nach wie vor als Vertrauter des Reichspräsidenten, der zurzeit wieder in Neudeck sitzt und von dem es heißt, daß er die Entwicklung der letzten Zeit mit eini gem Entseßen zur Kenntnis genommen hat. Ich weiß auch, daß die Ernennung der Reichsstatthalter eine Woche nach der anderen auf sich hat warten lassen, weil Hindenburg u. a. die Ernennung von mehreren deutschnationalen Reichsstatthaltern wünschte. Er hat die ihm vorgelegten Ernennungsurkunden, auf denen ausschließlich nationalsozialistische Parteibuchbeamte verzeichnet waren, wiederholt zurückgewiesen und sie dann nach vielen Wochen gegen geringfügige Konzessionen an Herrn Hugenberg doch unterschrieben. Im Augenblick ist es aussichtslos, gegen das neue Regime Aktionen zu unternehmen. Dafür sißen die Herrschaften noch zu sehr im Sattel. Auf die Dauer aber sind Aktionen zum Sturz des gegenwärtigen Regimes unvermeidlich. Bei diesen Aktionen werden sich Personen ohne Unterschied der Gesinnung aus allen Parteilagern zusammenfinden. Schon hört man dieses und jenes über Abwehrmaßnahmen. Die Frage ist nur, was am Ende derartiger Aktionen kommt. Es gibt Leute, die fest von der Wiederkehr der Monarchie überzeugt sind. Es dürfte noch interessieren, daß die SA. in Berlin and den Kneipenlokalen herausgezogen und faserniert wird. Die Rasernierung geht soweit, daß auch Frauen und Kinder mit aufgenommen werden. Die Ausbildung der SA. mit 98er Gewehren, an Maschinengewehren, Minenwerfern und bei der Artillerie ist seit Wochen im Gange. Zentrumstod in Schande Die Führer desertieren sektionsweise zu den Nazis Jahrzehntelang haben wir zum Zentrum in der schärfsten Kampfstellung gestanden. Auch als nach dem Umsturz im Jahre 1918 sich die Notwendigkeit eines Zusammenarbeitens ergab, blieben die tiefen Gegensäße zwischen dem Zentrum und der Sozialdemokratie bestehen. Man hat dem Zentrum so unrecht getan wie uns, wenn man von schwarzen" Marxisten sprach. Troß allem hätten wir einer Partei, die einst von dem innerpolitischen Sieger über Bismarck, dem alten Windthorst geführt worden ist, ein andres Ende gewünscht. Wir meinen damit noch nicht einmal, daß die Selbstauflösung, die bevorzustehen scheint, das Unwürdigste ist. Es wäre denkbar, daß eine Partei, die keinen anderen Ausweg mehr sieht, Selbstmord begeht. Nein: noch ehe die Parteiführung Was sollen bei einer solchen Fahnenflucht aus den Reihen der Zentrumspartei noch die bevorstehenden Verhandlun gen" des beklagenswerten Parteiführers Dr. Brüning mit dem Reichskanzler Hitler? Sie sind ein beschämender Vorgang. In Rom verhandelt von Papen mit dem Papst über ein Reichskonkordat mit der katholischen Kirche gegen das Zentrum, und in Deutschland laufen der Zentrumspartei die Offiziere davon. Laßt den Vorhang nieder. Das Spiel ist aus. Die Zentrumspartei fommt für die fünftige Erhebung Deutschlands nicht mehr in Betracht. Man konnte seit dem März ds. Jrs. schwerlich etwas anderes erwarten. des Zentrums überhaupt gesprochen hat, noch ehe die mit Raub an Kirchengut glieder der Zentrumspartei in die Gefahrenzone eingetreten sind, vollziehen führende Zentrumsgrößen charakterlos ihren Uebertritt zu den Nationalsozialisten. So z. B. in Köln der Führer des einst allmächtigen Rathauszentrums Richter. In Siegburg ist die gesamte Zentrumsfraktion geschlossen zu den Nationalsozialisten übergetreten. In Berlin und einigen anderen Städten haben die Zentrumsfraktionen ihre Selbstauflösung beschlossen und betteln bei den Nationalsozialisten um Aufnahme als Hospitanten. Ludwigshafen, 29. Juni. Auf Anordnung der Regierung wurden gestern abend in zahlreichen Ortschaften der Pfalz die Vereinsvermögen der katholischen Vereine durch Polizei- oder Gendarmeriebeamte beschlagnahmt. In Ludwigshafen wurden die Vermögen der Vereine sämtlicher acht Pfarreien, ferner die Vermögen der Vereine in Landau, Oggersheim und Rheingönnheim beschlagnahmt. Kapitalismus slegt über Hitler Berlin, 80. Juni( Eig. Drahtb.) Diese Zustände sind nicht spurlos an allen vorübergegangen, die früher mit uns marschiert sind. Das ergibt sich am besten daraus, daß nach zuverlässigen Informationen aus dem Propaganda- Ministerium die Abonnenten der sozialdemokratischen Blätter keineswegs zu der bürgerlichen Preffe gelaufen sind oder gar zu den nationalsozialistischen Zeitungen. Sie find heute zu 75 Prozent ohne Blätter und warten ab. Auch sonst kann man als stiller Beobachter feststellen, daß große Tetle der Bevölkerung und insbesondere der Arbeiterschaft den braunen Vielrednern und Phra- Die Wirtschaft unter der Kontrolle des Hochkapitalismus und der Junker sendreschern schroff ablehnend gegenüberstehen. Die regierenden Verbrecher von hente find sich über die Unzulänglichkeit ihrer gegenwärtigen Stellung und ebenso über die Unzulänglichkeit ihrer Politik durchaus klar. Aus allem, was sie in den letzten Tagen getan und geredet haben, insbesondere aber aus den Aktionen der Geheimen Staatspolizei in- und außerhalb Berlins, ergibt sich ein Maß von Angst, das geradezu grotest ist. Wo feine geheimen Versammlungen aufzuspüren sind, werden solche erfunden. Das neue System fann nicht einmal vertragen, daß zwei oder drei ehemalige Sozialdemokraten oder Kommunisten auf der Straße zusammenstehen. Schon konstruiert man eine geheime Besprechung und verhaftet die Leute, wie es in der Umgebung von Berlin wiederholt der Fall war. Angst scheinen die braunen Burschen vor allem vor der Eristenz des früheren Reichskanzlers Schleicher zu haben. Es unterliegt feinem Zweifel, daß Schleicher sich ehrenwörtlich hat verpflichten müssen, daß er seine Billa in Neubabelsberg nur mit Genehmis gung des Geheimen Staatspolizeiamtes verläßt. Wahrscheinlich geht die Angst der braunen Herrschaften so weit, weil sie in ihm den Pol der Gegenrevolution erblicken, von der sie übrigens heute selbst schon ganz offen sprechen und mit der sie allem Anschein nach rechnen. Man muß sich deshalb noch auf manches gefaßt machen. Ich persönlich rechne damit, daß wir vor dem Standrecht nicht Die Reise des Reichskanzlers nach Neudeck hat sich gelohnt, und zwar für den Hochkapitalismus und den Großgrund befiz. Aeußerlich betrachtet, ist Hugenberg durch lauter Nationalsozialisten ersetzt: Der Generaldirektor der AllianzVersicherungs- Gesellschaft A.-G. Dr. Schmitt wird Reichswirtschaftsminister, der Bauerndemagoge Dr. Walther Darre wird Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, an Stelle des Staatssekretärs im Reichswirtschaftsministeriums Dr. Bang tritt der Reichstagsabgeordnete Dr. Feder. Zu der Ernennung der neuen Reichsminister verlautet noch von amtlicher preußischer Seite, daß der preußische Ministerpräsident Hermann Göring, dem ja vom Reichskanzler die Funktionen des Reichsstatthalters größtenteils übertragen worden sind, den Reichsernährungsminister Dr. Walther Darré auch zum preußischen Minister für Landwirtschaft. Domänen und Forsten und den Reichswirtschaftsminister Dr. Kurt Schmitt auch zum preußischen Minister für Wirtschaft und Arbeit ernannt hat. Ever lautet noch weiter, daß der Staatssekretär im Reichsernährungsministerium v. Rohr- Demmin vorläufig im Amte bleiben wird. * Darre war der Gegenspieler Hugenbergs in der Agrarpolitik. Wenn die Nationalsozialisten aber glaubten, daß mit Hugenberg auch dessen mehr als Hugenberg gehaßter Staats12 sekretär Dr. Rohr gehen werde, so haben sie sich getäuscht. die agrarischen Kreise um Hindenburg haben zur Bedingung gestellt, daß Dr. Rohr einstweilen bleibt. Gerade dieses Bleiben wird bei den nationalsozialistischen Massen Enttäuschung hervorrufen. Es kündigt an, daß Hitler dem Reichspräsidenten die gewünschten Garantien gegen den„ Siedlungsbolsche= wismus" gegeben hat. Daß er sie halten kann, glauben wir nicht, denn die proletarischen Massen gleich welcher Anschauung werden die Subventionspolitik für den ostelbischen Großgrundbesitz nicht mehr lange ertragen, und für die deutsche Wirtschaft gilt dasselbe. Was den neuen Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt betrifft, so wird wohl niemand glauben, daß dieser Führer Hitlers jüdische Familic wird nachgedruckt Die Nachfrage nach dem Aufsatz in Nr. 3 der Deutschen Freiheit" ist so groß, daß wir den Aufsatz in einer der nächs ften Ausgaben wiederholen werden. Bestellungen mög lichst per Draht an die„ Deutsche Freiheit". bes größten Versicherungstruftes in Deutschland auf dte Sozialisierung lossteuert. Auch er ist ein Garant des Rapitalismus. Bleibt noch der Brecher der Zinsknechtschaft" Gottfried Feder. Von seinen Theorien hat Goebbels einmal gesagt, es breche nur derjenige, der die Schriften über die Brechung der Zinsknechtschaft liest. Feder hat sich im Reichstage leidenschaftlich dagegen verwahrt, als Sosialist ange sprochen zu werden. Die Verteilung der Nachfolgerschaft Hugenbergs zeigt die Ratlosigkeit der Reichsregierung über den Kurs, den sie wirtschaftspolitisch einschlagen soll und ist trotz aller Gleichschalterei keine Lösung der großen Schwierigkeiten. Selbstverständlich"... Und dennoch bleibt Rohr Der besonders radikal nationalsozialistisch tobende Dortmunder General- Anzeiger" schrieb am 29. Juni triumphierend: ... Selbstverständliche Folge des Rücktritts Hngenbergs 59 Ihr müßt" Eine innere Zwangsanleihe kommt, unter Druck- Aber die Substanz schwindet mehr und mehr Das Naziregiment hat einen finanziellen Dalles fondergleichen. Es greift deshalb zur Methode der inneren 3wangsanleihe, die es nach außen hin als freiwillige Spende zur Förde rung der nationalen Arbeit" benamsen läßt! In Wirklichkeit wird auf alle Arbeiter, Angestellten und Beamten ein mehr oder weniger unsanfter Drud ausgeübt, sich bei der Lohn- und Gehaltszahlung einen bestimmten Betrag abhalten zu lassen- während man von den übrigen erwartet, daß sie einen Betrag überweisen. Wie dentlich man den Drud gemacht hat, geht aus folgen: der Stelle des Aufrufs hervor: Wer sich zur deutschen Volksgemeinschaft bekennt, der mnß bereit sein, von seinem Einkommen freiwillig einen Beitrag zur Förderung der nationalen Arbeit zu spenden." Wehe dem, der es nicht tut! Er steht damit nicht nur außerhalb der deutschen Volks= gemeinschaft, sondern wird auch den entsprechenden SA. Besuch mit der notwendigen" Mißhand Inng erfahren! Mit dieser brutalen Segnung der inneren 8wangsanleihe fängt die Hitlerbettelei großen Stiles an- mit dem Schwund der legten Substanz in Deutschland wird sie enden! ift natürlich der Rädtritt der noch im Amte befindlichen Reichsetat ohne Reichstag! Berlin halb bankrott! deutschnationalen Staatssekretäre. Es scheinlich, daß der Rücktritt Dr. Bangs und von Rohrs im Laufe des heutigen Tages erfolgt." „ Selbstverständliche Folge" des Besuches in Neudeck war aber, daß der deutschnationale Staatssekretär Dr. Rohr bleibt.... Ueber alles die Partel Der Oberbonze im Reichskabinett Berlin, 29. Juni. Die Reichspressestelle der NSDAP. teilt mit: Durch Kabinettsbeschluß wurde bestimmt, daß der Stellvertreter des Führers der NSDAP. Rudolf Heß fünftig an den Rabinettsfigungen und Ministerratsßigungen der Reichse Regierung teilnimmt, Mit anderen Worten bedeutet das, daß der Generat fekretär einer Partei, ohne Minister zu sein und ben üblichen Ministereid auf die Ver. Die Reichsregierung hat das Reichshauss haltgeleg für 1933 verabschiedet und im Reichsgefegblatt verkündet. Den Reichstag hat sie dazu nicht benötigtfie weiß genau warum: Vielleicht hätte doch der eine oder andere auch der gleichgeschalteten Köpfe, soweit er etwas von Finanzen versteht, hinter die frisierte Fassade des Haushaltsplans geleuchtet und die finanzielle Mißwirtschaft des Naziregierung damit offens baren müssen. Diese Gefahr war zwar seit dem Raub der Mandate für Sozialdemokraten und Kommunisten weniger groß geworden, aber schließlich ist Vorsicht die Mutter des Porzellanfastens und es ist der typische Vorgang in allen Dittaturen, daß sie nicht hinter ihre miserable Finanzgebarung und ihre Korruptionswirtschaft leuchten lassen wollen, weshalb sie sich autoritär" gebärden. Der Oberbürgermeister von Berlin, Sahm, auch einer der begeisterten Gleichschalter, muß jezt an die Gläubiger der Stadt Berlin ein Schreiben richten, in dem er erklärt, daß ihn die Mißwirtschaft( gemeint ist natürlich die der Nazis!) im wesentlichen nur die Zahlung der Wohlfahrtsunterstützungen und die Befriedigung der Ansprüche der Lohn- und Gehaltsempfänger gestatte. Er müsse deshalb bis auf weiteres die Zahlung von Tilgungssumment aussegen und den Zinssay auf 4 Prozent herabsehen. Gleichzeitig wird für Berlin eine scharfe Herabsezung der Kommunalbeamtengehälter vorgenommen, die u. a. das Gehalt des Oberbürgermeisters dieser 4- Millionenstadt unter das exorbitante Gehalt des Oberbürgermeisters der Stadt Saarbrücken mit nur 130 000 Einwohnern sett. Die Londoner Krise faffung geleistet zu haben, an den Gigungen Spannung auf der Weltwirtschaftskonferenz der Regierung teilnimmt: Die Reichsregierung ist nur noch eine Filiale der Nazi- Partei. leitung! Nazi- Offiziere Im Konzentrationslager Berlin, 29. Juni. Wie bie Presseftelle der NSDAP. mitteilt, haben die ehemaligen Parteigenossen Hauptmann a. D. Cordes mann, Hauptmann a. D. v. Marwig, Hauptmann a. D. Wolf und Hauptmann a. D. Dr. Zuder, sämtlich in Berlin, durch telegraphische und telefonische Einwirkung über Gauleiter, Handelskammern, Wirtschaftsunternehmungen usw. versucht, dem Führer die Freiheit notwendiger Ents fchließungen zu rauben". Sie find anf Anordnung des Füh rers fofort ihrer Aemter enthoben und aus der Partei auss geschlossen worden. Auf Befehl des Reichskanzlers wurden fie in baft genommen und in ein Konzentrationslager eins geliefert.( Die Herren werden wohl noch viel standes gemäße Gesellschaft bekommen.) Ebert und Hellmann Der Sohn des ehemaligen Reichspräsidenten Ebert ist, gleichzeitig mit Eruft Heilmann, dem Führer der Preußis schen Landtagsfraktion der SPD. verhaftet worden. Die Saar wehrt sich Hilferuf an den Völkerbund In Kreisen der durch die Gleichhaltung aus dem deutschen Borbereitungsdienst der akademischen Berufe herausgeschmis= fenen Berufe beabsichtigt man, wie wir erfahren, sich in einem Appell an den Völkerbund zu wenden. Die Betroffenen wenden, soweit fie Saarländer find, ein, daß die Reglung in Deutschland eine ungefeßliche Benachteiligung der Saarländer enthalte, die dem von Deutschland anerkannten Völkerbundspakt über das Saar: gebiet zuwiderlaufe. Es wird darauf hingewiesen, daß die bentiche Reglung für Saarländer auch insofern unhaltbar fei, als durch fie für ein Gebiet, daß zur Zeit nicht der Reichsregierung unterstehe, in bezug auf den z. B. juristischen Nachwuchs eine Auslese nach Gefichtspunkten getroffen werde, bie im Saarbeden nicht statthaft sei. In der Tat müssen Saarländische Juristen ihre Prüfungen im Reich ablegen! Berlin, 30. Juni. Es ist in London nicht gelungen, die Weltwirtschaftskonferenz ersprießlich weiterarbeiten zu lassen, „ als ob die Währungsfrage geregelt wäre". Die Spekulation hat sich inzwischen der Angelegenheit bemächtigt und gestern einen beträchtlichen Dollarrüdgang herbeigeführt, der eine beträchtliche Nervosität verursacht und die Stabilisierung wieder ganz akut gemacht hat. Bei der unentschiedenen Hals tung Englands und der sehr entschiedenen Stellungnahme Ameritas gegen eine vorläufige Stabilisierung handelt es sich um ein Wettrennen beider Länder auf dem Geldmarkte, das zum Stillstand kommen muß, wenn nicht andere Länder fich ihm in kopfloser Haft anschließen und alle internatio= nalen Austauschbeziehungen völlig zerrüttet werden sollen. Die europäischen Goldstandardländer sehen diese Gefahr be= sonders deutlich und suchen deshalb Macdonald zu einer Klaren Entscheidung für die Goldwährung zu gewinnen. Die jem Bemühen galten die zahlreichen Konferenzen des geftris gen Tages, in denen Frankreich und Holland besonders hers vortraten. Es hat sich herausgestellt, daß der Vertrauensmann Roosevelts, Professor Moley, auch nicht in der Lage ist, der Konferenz die erhofften Zusicherungen zu geben. Die Spans nung konzentriert sich nun auf das Ergebnis der Rüdfragen, die er unter dem Eindruck der ausgesprochenen Londoner Arisenstimmung an das Weiße Haus richten wird. Da die amerikanische Politik fich ganz eindeutig und nachdrücklich auf das bekannte Preiserhöhungsprogramm im Inlande, das mit einer Exportverbilligung Hand in Hand gehen muß, fests gelegt hat, und die amerikanischen Vertreter in London noch in den letzten Tagen die Währunsfrage als nicht vordrings lich bezeichnet haben, find die Aussichten der Konferenz als sehr ungünstig zu beurteilen. Die ergebnislose Vertagung zweier Weltkonferenzen wäre freilich ein schlechtes Vorzeichen für den Gedanken der internationalen Zusammenarbeit über: haupt und ein Prestigeverlust für England, das die beiden Präsidenten gestellt hat. Dem Braunen Haus entronnen SA.- Bestien untereinander Der Prager„ Sozialdemokrat" berichtet unter dem 28. Juni: „ Es gibt keine Greuel in Deutschland", so rügt der Psychopath Göring und die hiesige deutschnationale Presse wie jene der Nazi überbieten sich täglich in der Antigrenelpropaganda". Die Wahrheit aber siegt und jeder Tag bringt neue Beweise der abgrundtiefen Vertiertheit der Be= stien, die der gegenwärtige Kanzler Deutschlands seine Kameraden nennt. Die Opfer der SA- Ttere find längst nicht mehr die„ Margi sten" alleine, es gesellen sich zu ihnen Zentrumsleute, Voltsparteiler, Deutschnationale und nunmehr auch National sozialisten und SA.- Männer. Montag, den 26. Juni ftellte fich der Gendarmerie in Nies dergrund a. E., Bezirk Tetschen a. E., ein Mann namens Bod und bat, ihn einem tschechoslowakischen Gericht zu überstellen. SA. will Militärgericht! ,, Ein unwürdiger Zustand" Aus dem Reich wird uns berichtet: Ziemlich unbemerkt vor der größeren Oeffentlichkeit haben die derzeitigen deutschen Machthaber einen weiteren bedeutenden gesetzgeberischen Schritt zur Besserung sowohl der wirtschaftlichen als auch der verfahrenen politischen Verhältniffe" getan: fie haben die von der Republik seiner Zeit aufgehobene Militärgerichtsbarkeit wieder eingeführt! Das entsprechende Gesetz ist bereits erschienen und hat bei allen denen, denen der Magen infolge der andauernden Verteuerung der Lebensmittelpreise fnurrt, bereits eine fühlbare Magenberuhigung hervor gerufen. Intereffant ist, was man test barüber hört, wie die Sachbearbeiter dieses wichtigen Gesezes geglaubt haben, seinen schleunigen Erlaß begründen zu müssen. Die Herren gleichgeschalteten Sachbearbeiter erklären in ihrem Entwurf, daß durch die Laienbelegung der Gerichte der unwürdige Zustand" geschaffen worden sei, daß es vorkommen könne, ein Soldat habe sich vor einem anch mit einer Frau als Schöffin besetzten Gericht zu verantworten! Horrible! Jeder anständige Mensch wird anerkennen müssen, daß das wirklich ein für einen echten Germanen ganz untragbarer Zustand ist, wenn ein. Soldat, der ein Verbrechen begangen hat, sich es gefallen lassen muß, von einer Frau mit abgeurteilt zu werden. Man denke, von einer Frau Im übrigen ist es hochintereffant festanstellen, daß in einflußreichen gleichgeschalteten Kreisen Stimmung dafür ges macht wird, anch die deutschen Wehrverbände diesen demnächst nenzubildenden Militärgerichten zu unterstellen. Dieser Gedanke findet um so mehr Beifall, als man in feiner Verwirklichung ein probates Zugmittel fieht, um die verwilderte SA. und SS. bei der Stange zu halten und diesen Truppen da man es des damit Auslandes wegen auf andere Weise nicht kann quasi die Bestätigung zu geben, daß man sie als reguläre " Truppen" betrachtet. Man hat auch bereits daran gedacht, dem Ausland gegenüber einen solchen Schritt zu faschieren. Zunächst einmal soll nach dem Vorschlag der Befürworter dieses Planes erklärt werden, daß das 100 000 Mann starke reguläre(!) Heer Deutschlands derartige Militärgerichte nicht ausreichend werde beschäftigen können und dann wird erklärt, daß ja auch schon vor dem Kriege die preußischen Landgendarmen der Militärgerichtsbarkeit unterstellt gewesen seien! Kein Wort, bitte, gegen einen solchen Plan! Er ist übers zeugend und einleuchtend-- dafür, daß die Hitlerischen Sturmtruppen tatsächlich als Militär betrachtet werden. Wenn man boshaft sein wollte, tönnte man höchstens fragen, seit wann die Hitlerianer ihre Truppen mit Landgendarmen vergleichen. Wir, und mit uns die ganze Welt, die damals Herrn Hitlers Rede gehört hat, glaubten immer noch, die Herren SA.- und SS.- Leute seien Angehörige einer Wach- und Schließgesellschaft"! So lautete doch damals wohl die offizielle Definition? Er gab an, aus Saaz zu fein und felt einem Jahre int der SA. im benachbarten Sachsen Dienst getan zu haben. Er wurde dem Gericht in Tetschen übergeben, wo er seine Angaben folgendermaßen wiederholte und ergänzte: # Vor einem Jahre trat er in die SA. ein und machte dort bis in die jüngste Zeit Dienst. Er wurde dann verdächtigt, Spigeldienste für die Tschechoslowakei zu leisten. Vor einigen Tagen wurde er festgenommen und von seinen SA. Kameraden furchtbar geprügelt. Fast bewußlos wurde er eingesperrt und schließlich gelang es ihm zu flüchten. Da er sich am Leben bedroht fühlte, nahm er seinen Weg in die Tschechoslowakei, obwohl er weiß, daß er hier wegen seiner Dienstzeit in der A. eine längere erterstrafe zu gewärtigen hat. Bod trug unter dem braunen Schandhemd der SA. fur ch tbare Spuren überstandener Mißhandlungen. Seine Rückseite bildet vom Rüden bis in die Knieges lente eine einzige blutunterlaufene blau- schwarze Masse. Er ist glücklich, den Bestien Hitlers entronnen zu sein und will lieber in ein tschechoslowakisches Gefängs nis, als im befreiten Deutschland" den SA.Banditen wieder in die Hände fallen, Das Neueste Das britische Kabinett hielt im Unterhaus eine Sigung ab, in der, wie verlautet, die Frage der Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit Rußland erörtert wurde, Es heißt, daß das Kabinett sich wieder mit der Frage beschäfs tigen und den Entwurf einer Vereinbarung erörtern wird, der die Grundlage der weiteren Verhandlungen zwis schen Sir John Simon und dem russischen Vertreter bils den soll. Die Tilfiter Polizei hat umfangreiche Machenschaften des Spartakusbundes aufgedeckt. Es ist gelungen, in Sedenburg ( Kreis Niederung) einen jüdischen Abiturienten festzustellen, der ihm aus dem Auslande zugegangene Nachrichten zu Grenelpropaganda und Schmähschriften gegen die deutsche Regierung zusammenstellte und Matrizen anfertigte, die er nach Tilsit schickte. Dort wurden sie bei einem Arbeiter, der feftgenommen worden ist, vervielfältigt. Etwa 20 Anhänger des Spartakusbundes in Tilsit wurden verhaftet.( Etwas sehr phantasievoll und tendenziös!) vdz. Berlin, 29. Juni. Die Arbeiten am Reichstagss gebäude sind, wie das vdz.- Büro berichtet, soweit fortge: fchritten, daß der gesamte Brandschutt nunmehr fortgeräumt ift.( Einschließlich der Brandstifterspuren Görings! D. Red.) Die gleichzeitig mit den Aufräumungsarbeiten begonnene Wiederherstellung des Kuppeldaches, von dem der Brand nur die Eisenkonstruktion hatte bestehen laffen, ist jedoch noch nicht beendet. Wie wir hören, ist auch noch kein Beschluß darüber gefaßt, in welcher Form der Wiederaufbau des Sigungss faales selbst erfolgen soll. ttt er ht 8: b= ! It ei 1119 er ie ter jer rt, jer t8Der bis e it nt Б. or= rs bes 000 mnt der ana jen, ner die lich das efts toch ng= als ang hen jers den e in m. eine bort tigt, Bor en Faft ihm er eiß, eine ch t en. eges e. und I gs A. ung hme Ea häfs tern zwis bils des burg llen, zu tiche e er - der nger was agss rtges Sumt Red.) neate nur nicht ber ngas Selbstisolierung! Mißtrauenswoge gegen Hitlerdeutschland Der tiefste Grund der Konferenzvertagung Genf, den 30. Juni 1933. Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz hat gegen die Stimme Deutschlands unter Stimmenthaltung Ungarns beschlossen, seine Arbeiten bis zum 16. Oktober zu vertagen. Deutschland ist unter allen Staaten der Welt bei der Abstimmung über die Vertagung der Abrüstungs. konferenz allein geblieben. Mussolini- Italien ist wieder einmal mit den stärkeren Bataillonen marschiert und Gömbös- Ungarn hat es nur bis zu einer Stimm enthaltung gebracht: mit Deutschland ist niemand gegangen! Das aber heißt zugleich: Es ist alles gegen Hitler Deutschland marschiert! Die tiefere Bedeutung dieser rest losen Isolierung Hitler- Deutschlands ist gerade im vorliegenden Falle außerordentlich bedeutungsvoll. Sie besagt nicht mehr und nicht weniger, als daß die gesamten Staaten der Abrüstungskonferenz einig darin find, wem sie die Schuld an der Notwendigkeit dieser Bertagung zuschieben: Hitler Deutschland! $ Der Vertreter Frankreichs, Herr Massigli, hat das teils offener, teils versteckter zum Ausdruck gebracht aber alle anderen haben es gedacht! Die außen- und mehrpolitischen Bemühungen des neuen Hitler Kabinetts mit Hilfspolizei, mit Arbeits-( Militär-) Dienst pflicht, mit SA. und SS. und den übrigen bewaffneten Wehrverbänden, die jetzt restlos dem Kommando Hitlers unterstellt wurden ganz abgesehen von sattsam bekannten anderen Aufrüstungsbestrebungen des Haken. kreuzes lassen ja auch eine andere Deutung gar nicht zu. Man darf uns nicht mißverstehen: Die unteren Schichten des deutschen Volkes, insbesondere die breitesten Schichten seiner Arbeitnehmer, sind absolut fried. liebend, find pazifistisch und ständigungsbereit. Das andere Deutschland will die durchaus sittliche Gleichberechtigung Deutschlands nur auf dem Wege der Abrüstung aller anderen Nationen. Ihm liegt nichts an irgendwelchen kriegerischen Erfolgen, die im heutigen Zeitalter immer nur Pyrrhus fiege sein können. Es will die ehrliche und auf. richtige Verständigung zum Zwecke der endgültigen Beseitigung des Wettrüstens und der Kriege als eines Mittels der Auseinandersetzungen zwischen den Völkern. - ver= Anders sieht es darin wir können und dürfen es nicht verschweigen! allerdings mit Hitler- Deutschland aus. Es hat die moralisch und völkerrechtlich so ausgezeichnet begründete Gleichberechtigungsforderung Deutschlands durch unverkennbare, wenn auch mühsam getarnte Aufrüstungsbestrebungen, im innersten Kerne diskreditiert. Es hat damit an der aller. gefährlichsten Stelle, und das ist die Abrüstungsfrage jene unehrlichkeit erneut demonstriert, die die gesamte Politik dieses Systems wie ein roter Faden durchzieht. Es versucht vergebens, durch glatte diploma. tische Worte und hinter rethorischen Beteuerungen jene allzu spürbar gewordene Absicht zu verstecken, um seiner besonderen Innen- wie Außenpolitik willen Wehrpolitik in der Richtung des aggref. fiven und annektionsgierigen Imperia. Iismus zu machen. Und das ist der tiefere Grund, ber zur Vertagung der Abrüstungskonferenz ge. führt hat! Daß der deutsche Vertreter Nadolny als einziger und demonstrativ gegen die Vertagung gestimmt hat, soll vielleicht eine starke Geste zum inner politischen Gebrauch sein- diplomatisch und außen. politisch war sie denkbar unklug und ungeschickt. Damit wurde erst ganz deutlich unterstrichen, wie recht die anderen hatten, mit diesem Hitlerpartner be. sonders vorsichtig umzugehen. Wer sich in einer Versammlung der Wölfe, die gegenseitig übereinkommen wollen, wie sie sich ihrer Reißzähne entledigen bzw. sie neutralisieren könnten, allzusehr den Schafs. pelz über die innerlich reißende Wolfs. natur zieht, darf sich nicht wundern, wenn ihm die anderen doppelt mißtrauen! Darf er erstaunt tun, wenn ihm die anderen als besonders gefährliche Heuchelei und hinterlist ankreiden, wenn ausgerechnet er sich zum Bläser der Friedensschalmei auf wirft, während nur die Wachsamkeit, das Ein. verständnis und die Verteidigungsbereit. und dann über sie herzufallen?! schaft der anderen ihn daran hindert, sie einzulullen er ver Aber Hitler ist nicht Deutschland gewaltigt es augenblicklich nur! Und daß er es wenig stens während der ersten Monate so widerstandslos tun konnte, spricht vielleicht nicht für die besonders kriegerischen Instinkte der von ihm unterjochten Massen, wenn auch vielleicht für einen noch stark aus geprägten Unterwürfigkeits- und Gehorsamkeitsdrang bei vielen anscheinend ewigen Untertanen. Und mit Untertanen alle in find moderne Kriege nicht mehr fieg. reich zu führen! Die nicht bestreitbare Friedensliebe und ebenso uneinSelbstmord der„, Frankfurter" Auf den Lippen den Ruf ,, Heil Hitler!" Abschied von einer stolzen Vergangenheit Vor einigen Monaten, das heißt allerdings vor hundert Jahren, war die„ Frankfurter Zeitung" linksdemokra tisch. In Fragen der Demokratie waren wir Sozialdemo kraten für die„ Frankfurter Zeitung" immer nur schlappe Kerle. Mag sie unserthalben mit ihrer Kritik manchmal recht gehabt haben. Sie hatte es im Kritisieren leichter, weil sie mit den Hemmnissen von Jahrzehnte alten Dr. ganisationen und dem Unverstand der bürgerlichen Mitte höchstens theoretisch zu rechnen brauchte. Seit Hitlers Meteor auch die Spalten der„ Frank furter" erleuchtet, ist die demokratische Gesinnung in die Schatten der Nacht entschwunden. Mit einer leichten Anhimmelung Hitlers begann die Faschisierung auch der " Frankfurter". Jetzt ist sie glücklich soweit, beide Knie vor dem Heros„ Herr Hitler" zu beugen. Herr R. Kircher läßt sich in Nr. 474/75 wie folgt aus: Ein Kapitel deutscher Parteigeschichte ist abgeschlossen. Wir beklagen das nicht. Wir fönnen wiederholen, was wir längst vor dem 30. Januar an dieser Stelle aussprachen: Parteien" interessieren uns nicht mehr, nur noch die Menschen und die deutsche Schicksalsgemeinschaft. Dies ses Schicksal hat Herr Hitler in seine Hand genommen. Sein Werkzeug aber ist die NSDAP. Eine neue Epoche liegt vor uns. Ihr den Sinn zu geben, obliegt uns allen. Die freundschaftliche Gefte, mit der Herr Hitler„ die ehes maligen Mitglieder der deutschnationalen Front" trotz der sehr scharfen Kampfstellung in vergangenen Zeiten als Mitkämpfer und Mitarbeiter durch ein Freund schaftsabkommen mit sich verbunden hat, ist eine begrüßenswerte Tat, denn die neue deutsche Gemeinschaft läßt sich nicht verwirklichen, wenn nicht in weitestem Maße Zusammenarbeit und Verstehenwollen an die Stelle von Zwietracht und Haß zu treten beginnen. Wie wundervoll zart, wie inniglich minniglich dieser Barde der deutschen Gemeinschaft: nichts mehr von Zwie tracht und Haß, nur noch süßer Friede und holde Eintracht verbinde uns zu deutschen Brüdern. Daß daneben zehntausende deutsche Brüder und Schwestern in Konzentrationslagern und Gefängnissen zur vaterländischen Gesinnung erzogen werden und daß etwa 10 bis 15 Millionen Margisten, Juden und Katholiken und ähnliche Untermenschen niedergebort werden sollen, sind kleine Schönheitsfehler der nationalen Revolution. Wenn man schon so gründlich und charakterfest umlernt wie die Frankfurter", darf man sich bei Kleinigkeiten wie Mord und Totschlag, Hunger und Ausrottung nicht weiter aufhalten. 39 Wer erinnert sich noch, daß Gründer dieser„ Frankdemokratische Ueberzeugung ins Gefängnis ging? furter" der Jude Sonnemann war, der für seine geschränkte Verſtändigungsbereitschaft der größten Teile 800000 Mann marschbereit! der übrigen Nation sollte man im Ausland nicht übersehen, wenn man jetzt Hitler- Deutschland verurteilt und ihm die Schuld an dem vorläufigen Mißerfolg der Abrüstungskonferenz zuschiebt. Wir wissen zwar, daß wir die Hitlersünden, insbesondere im internationalen Kreditverlust für Deutschland, noch bis ins dritte Glied zu tragen haben werden aber nichtsdestoweniger muß man von den politisch Einsichtsvollen und Verantwortlichen der übrigen Staaten erwarten, daß sie diesen Unterschied zu machen verstehen. Praktisch kann er allerdings erst werden, wenn wir für Deutschland die erste und notwendigste Voraussetzung und Basis aller Gleichberechtigungsansprüche zurückerobert haben: seine Freiheit! Der Fettplan ist ranzig Der M. B. ten Bevölkerungskreise mit Fetten zu ers träglichen Preisen nicht mehr gegeben ist". Derselben Meinung sind die Bauern. Auch sie sind von Derselben Meinung sind die Bauern. Auch fie find von der bisherigen Entwicklung der Dinge am Buttermarkt schwer enttäuscht. Zwar waren zunächst die Preise von 80 schwer enttäuscht. Zwar waren zunächst die Preise von 80 Mark pro Zentner auf 120 Mart gestiegen. Aber sehr schnell trat ein Rückschlag ein. Der Preis im Großhandel liegt wieder um 100 Mart. Die Bauern haben überhaupt nicht nicht viel von der Preissteigerung verspürt. deutsche Sozialismus" als Hungerkur Um den Vierjahresplan Hitlers ist es sehr still geworden. Niemand redete oder schreibt über ihn. Hinter verschlossenen Türen ohrfeigt man sich, daß man diese geistige Anleihe bei den Bolschewiften gemacht hat. Die Enttäuschung wächst um so mehr, weil der Fettplan" das erste und einzige Stück des Vierjahresplanes, das verwirklicht wurde, nicht nur zu einer schweren Schädigung der Berbraucher, sondern auch zu einem völligen Fiasko für die Bauern geführt hat. Der Fettplan" fah vor, daß die Erzeugung an Mar: garine eingeschränkt und der Preis durch die Einführung einer Steuer von 25 Pfennig pro Pfund verteuert werden sollte. Mit dem Erlös aus dieser Steuer sollten bedürftige Verbraucher Margarine zu einem verbilligten Preis erhalten. Das Ganze diente dem Zweck, den Verbrauch von Butter zu heben, den Preis zu steigern und den Bauern höhere Erlöse zu verschaffen. Nichts von diesen Erwartungen ist eingetroffen. Die im beutschen Industrie- und Handelstag vertretenen Wirt: schaftskreise haben kürzlich festgestellt, daß eine and reichende Versorgung der minderbemittel. SS. überwacht In der SA. wackelts und krachts In Berlin und in einigen anderen Städten Deutschlands ist der Elite- Truppe der Nationalsozialistischen Deutschen " Arbeiter"-Partei, der SS, streng vertraulich und geheim der Befehl erteilt worden, die SA. zu überwachen. Man traut dieser Massentruppe des Hitlerfaschismus nicht mehr. In der SA. sind viele Arbeiter, die sich zur Linderung des unsäglichen Glends ihrer Familien der Vorteile versichern wollen, die die Mitgliedschaft bei der A. bietet.( Zuwendung besonderer Lebensmittel. Vorzugsweise Berücksichtigung bei Stellenbesetzungen.) Da diese Arbeiter aber ihr Denfvermögen noch nicht gänzlich ausgeschaltet haben, stellen sie über die Entwicklung der Verhältnisse kritische Betrachtungen an und halten auch mit mehr oder weniger deutlichen Bemerkungen nicht zurück. Selbst das gleichgeschaltete„ Berliner Tageblatt" gibt zn, daß der Fettplan nicht nur ein vollkommenes Fiasko für die Bauern, sondern schweren Schaden für die Verbraucher ges bracht habe. Irgend einen Ausweg aus diesem wüsten Durcheinander hat man bisher nicht gefunden. Es ist eben leichter zu reden, als zu handeln. Und wenn man handelt, so kommt dabei kaum etwas anderes heraus als verschärfter Druck und neues Elend für die gequälten, jeder Bewegungsfreiheit beraubten Massen. Während die SA. in der Hauptsache eine Truppe irregeleiteter Proleten ist, stellt die SS. eine Zusammenfassung der feinen Leute" in der Hitlerpartei dar. Bürgersöhnchen und Leute, die Lust und Freude an der schwarzen Uniform mit dem Totenkopf an der Müze haben und sich als Totschläger ersten Ranges fühlen, sind nun dazu bestimmt, die unsicheren Kantonisten in der A. zu überwachen. Es gibt zwar eine ungeheure Menge absolut zuverlässiger SA.- Landsknechte, zuverlässig im Sinne der Hitlerregierung, aber ein erheblicher Teil, besonders frühere Marristen, gelten in Berlin und in mehreren anderen Großstädten Deutschlands bereits als unzuverlässig. anderen Großstädten Deutschlands bereits als unzuverlässig. Ein Arbeiter- Spruch Im westdeutschen Industriegebiet find Plakate angeklebt worden:„ Hitler gib uns Brot! Sonst werden wir rot!" Der Text läßt darauf schließen, daß er von auffäffigen SA.- Leuten stammt, Wenn man wissen will, warum Deutschnationale und Zentrum zusammenknicken, so muß man im„ Bölkischen Beobachter" vom 28. Juni Sätze lesen wie diese: Mit unerbittlicher Wut und unbändiger Energie werden wir aber alle jene unschädlich machen, die durch Gerüchte oder sonstige hinterlistige Umtriebe den Aufbau des nationalsozialistischen Deutschlands irgendwie zu hindern suchen. Unsere Gegner pflegen heute nur zu oft daran zu denken, daß die nationalsozialistische Bewegung darauf verzichtet hat, kleinliche Rache zu üben. Wir machen sie jedoch mit aller Deutlichkeit darauf aufmerksam, daß wir die auf Grund unseres Großmutes begangenen Sünden nicht weiterhin zu dulden gedenken. Die SA. steht einsatzbereit! F. K. Achthunderttausend Mann SA. stehen bereit und harren der Befehle ihres Füh rers und ihres Stabschef s. Selbstmordaus Angst vor dem Tode! Die Selbstauflösung der Deutschen Staatspartei Die Reichsführung der Deutschen Staatspartei erläßt folgende Erklärung: Die Deutsche Staatspartei wird hiermit aufgelöst. Die Deutsche Staatspartei hat sich beeilt, dem zu erwartenden Verbot aller bürgerlichen Parteten, von Staatspartei bis Deutschnationalen, zuvor= zukommen. Sie war nie ein Gebilde von besonders imponierendem Gepräge oder großem demokratischem und liberalem Mute. Ihr Ende entspricht der Schwäch= lichkeit ihres früheren Daseins! Gewerkschaftliche Vermögensauseinandersetzung Der durch die einmütige Stellungnahme der Gewerkschaftsmitglieder hervorgerufene Umfall der Leitung der saarländischen christlichen Gewerkschaften, die bis vor turzem sich noch bemühten, bei der Deutschen Arbeitsfront" des Herrn Ley lieb Kind zu bleiben, wird vermutlich in furzer Zeit bereits weitere Vermögensaus= einandersetzungen zur Folge haben. In Kreisen der aufs äußerste empörten Mitglieder ist starke Stimmung dafür vorhanden, den auf Grund der Mitgliederzahlen er= rechneten Anteil des Vermögens der früheren deutschen Zentralgewerkschaften zu verlangen. Es ist nicht anzunehmen, daß die Deutsche Arbeitsfront sich diesem Verlangen wird entziehen fönnen, da gegebenenfalls genügend Machtmittel im Saargebiet zur Verfügung ständen, um einem derartigen berechtigten Wunsche zum Siege zu verhelfen. Eine für Mittwoch in Leipzig anberaumte Sigung des Neichsarbeitsgerichtes mußte ausfallen, da, wie bekannt gegeben wurde, ein Beisiger von Arbeitnehmerseite, der Reichsarbeitsrichter Janschek( Berlin), kurz zuvor feft= genommen wurda Verjüngung durch Kampinaturen! m Ruhrgebiet in voller Revolte SA Die illegale Arbeit in Deutschland- Trotz aller Gefahren- Neue Menschen- Unbekannte in die Front! Aus Deutschland wird uns geschrieben: Die neue Welle der Sozialistenverfolgung, die übrigens schon einige Tage vor dem Verbot der SPD. eingesetzt hat, erfaßt feineswegs nur die Spißenfunktionäre. Die Nazi interessieren sich mindestens ebensosehr für die opferwilligen Vertrauensleute in den Betrieben, den Wohnblocks, den Arbeitsnachweisen. Denn die Zehntausende von unbekannten Vertrauensleuten sind die Träger der illegalen Arbeit, die nach dem Verbot der SPD. allein möglich ist. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche illegale Arbeit im Dritten Reich sind örtlich verschieden. Die Kommunisten haben hier einen gewissen Vorsprung, weil ein Teil ihres Apparats auch schon vorher nur halblegal arbeiten konnte. Sie besitzen darum auch in vielen Fällen die größeren technischen Erfahrungen für diese Form des Kampfes. Mit Stolz darf man aber sagen, daß sich die sozialdemokratischen Bertrauensleute den neuen Erfordernissen mit einer Opferbereitschaft und einem Eifer anpassen, für die kein Wort der Bewunderung und der Anerkennung zu groß ist. Troß mannigfacher Ueberschäßung der Möglichkeiten le= galer Parteitätigkeit im Dritten Reich hat die illegale Arbeit allerorten bereits vor vielen Wochen begonnen. Es ist klar, daß sie nicht in großen Körperschaften beschlossen und von Massenorganisationen durchgeführt werden kann. Vor allem mußten die bekannten Vertrauensleute der Arbeiterbewegung von der illegalen Arbeit freigehalten Friedrich Stampfer: Oesterreich werden, weil sonst sie selbst und die neuen Formen der Parteiarbeit unnötig gefährdet worden wären. Die Folge war ein unauffälliger, aber außerordentlich tiefgreifender Re= generationsprozeß innerhalb der Sozialdemokratie. Was müde, verbraucht, den neuen Anstrengungen und Anforderungen nicht mehr gewachsen ist, verschwindet ganz selbstverständlich aus den Zentren der Aktivität. Das hat bisher nur in den seltensten Fällen zu einem Mangel an Menschen geführt. Von einer Anzahl von Orten kann schon icht versichert werden, daß begeisterte, zuverlässige, energische und geschickte Vertrauensleute in großer Zahl vorhanden sind. So gefährlich die illegale Arbeit auch ist, so sehr sie Rück: schlägen aller Art ausgesetzt sein muß, so unvermeidlich es ist, daß es der Polizei immer wieder gelingt, Genossen zu verhaften bisher ist es nicht gelungen, die illegale Parteiarbeit zu unterbinden. Für die deutsche Arbeiterschaft geht es darum, die verlorene Freiheit und Menschenwürde wiederzugewinnen, und sie weiß, daß das Ziel nicht leicht und nicht ohne Verluste erreicht werden wird. Was sich aber in Deutschland abspielt, erzeugt in jedem einzelnen Menschen das Gefühl, daß das Leben nicht zu ertragen wäre, wenn nicht die Aussicht be= stünde, selbst mit dem Einsatz dieses Lebens dem deutschen Volke das wiederzugeben, was es jetzt nicht mehr hat, darum aber doppelt liebt: die Freiheit! Wie das Mordkommando Puppe in Elberfeld haust Saarbrüden, 30. Junt. Flüchtlinge berichten uns über ihre Erlebnisse im Ruhrs gebiet. Danach ist in den Städten Essen, Bochum, Dortmund die SA. in voller Revolte gegen die SS. Ent waffnete SA.- Leute entwaffneten ihrerseits wieder den„ Stahlhelm", um in den Besitz von Waffen zu kommen. Ernste Auseinandersetzungen zwischen SA. und SS. scheinen nicht mehr aufzuhalten zu sein. In Elberfeld, Barmen und den Städten, die dem Rhein zu liegen, läßt die SA ihre Wut an der Arbeiterschaft aus oder vielmehr ihre Führer befehlen zur Ablenkung Allnächtlich Razzias nach Landesverrätern". werden die Bewohner der Arbeiterviertel aus dem Schlafe aufgeschreckt. Türen werden eingeschlagen oder eingeschossen. ( Man schießt jezt mit Vorliebe die Schlösser aus den Türen.) Die Männer werden als Hoch- und Landesverräter" verhaftet. Frauen und Kinder werden niedergeschlagen. Die Vorgänge wiederholen sich Nacht für Nacht von abends 11 bis morgens 4 Uhr. Alle Arrest lokale sind überfüllt. Die Polizei steht dem Treiben der Nazihorden machtlos gegenüber, obgleich sie die Unsinnigkeit der Verhaftungen einsieht. Bet der Polizei tätige Nationalsozialisten find empört über das Treiben ihrer Parteisreunde. Sie vermögen aber nichts dagegen zu tun. So wurden in Elberfeld in den letzten Tagen fünf Arbeiter in grauenhafter Weise er= mordet. Es handelt sich um die Arbeiter Werner Dreier, Erwin Greg kamp, Franz K. Gottschalk( Vater von fünf Kindern), Johann Gorsmeier und den Reichsbannermann R. Kurz, der vom Dache herunter geschossen wurde, wohin er sich vor den SA.- Horden geflüchtet hatte. In Düsseldorf wurden auf der Rheinbrücke den Arbeitern Fey und Zimmermann die Schädel eingeschlagen. Die Mörder warfen das eine ihrer Opfer in den Rhein, wohl weil es anscheinend noch nicht ganz tot war. Beide gehörten teiner Partei an. Das sind bekannt gewordene Namen von Ermordeten. Es gibt aber auch unbekannte Tote". Wer nur halbtotgeschlagen die SA- Kaserne verlassen darf, so meint der Flüchtling( der uns diese Vorfälle erzählt und der selbst von oben bis unten blaugeschlagen ist), der kann von„ Glück" sagen. Ein Brief aus dem Erzgebirge verteidigt deutsche Kultur Schlimmer als Vich... Folgenden Brief übergibt uns ein Genoffe zur Veröffent Gegen eine„ Verbrecherhorde, die sich Partel nenntung: Während Hitler Friedensreden hält und Viererpakte unterschreibt, betreiben seine Agenten mit Mordanschlägen und Sprengstoffattentaten die Eroberung Desterreichs. Das ist die erste reife Frucht nationalsozialistischer Außenpolitik: eine bis zum Zerreißen verschärfte Spannung zwischen den beiden deutschen Staaten und geschloffene Parteinahme der Mächte für den anegegriffenen schwächeren Teil. Desterreich ist heute der Liebling der Welt, wie es vor neunzehn Jahren Belgien war. Wie dieser Konflikt entstand, zu schildern, wäre keine Satire bitter, kein Hohn blutig genug. Er beginnt mit einigen ordinären Lausbübereien der sogenannten Minister" Goebbels und Frank II, begangen auf österreichischem Boden. Er führt, weil sich Wien diese Lausbübereien nicht schafsgeduldig gefallen läßt, zur Verhängung der 1000- Mark- Gebühr, das heißt zur tatsäch lichen Grenzsperre gegen Desterreich und zu dem räubermäßigen Ueberfall auf den egterritorialen Vertreter Desterreichs, Dr. Wasserbäck, schließlich zu dem Mordanschlag auf Steidle, zu Sprengstoffangriffen auf die Heimwehr und weiteren blutigen Gewalttaten. Die Regierung Do II fuß antwortet auf diese Eröffnung der Feindseligkeiten mit dem Verbot der NSDAP. und seiner bewaffneten Formationen. Dazu schreibt nun das Leiborgan der christlichsozialen Regierung, die„ Reichspost“: " Das Maß war voll. Nun hat alle Nachsicht und alle Schonung ein Ende. Desterreich kann seine Landeskinder nicht von Absolventen einer Verbrecherschule, die sich Partei nennt, heimtüdisch ermorden lassen. Das ist der neue Geist, die Erneuerung der deutschen Nation, der Um- und Aufbruch der deutschen Seele, die restlose Säuberung des deutschen Volkes von allem Fremdartigen, die der Nationalismus in täglichen Prahlereien zu bringen verSpricht? Das ist das neue, das bessere Deutsch tum, daß er uns bescheren will? Nun kennen wir die zur Wehr, und die Sympathien der ganzen Welt fliegen ihr zu. In Genf schmachvolle Niederlage gegenüber dem jüdischen Angestellten Bernheim aus Oberschlesien, ein paar Tage später blamabler Abmarsch der LenDelegation aus der Arbeitskonferenz, im Baltikum plöglicher Boykott gegen Lettland und gleich darauf kläglicher Widerruf. Rückzug bei der Verhaftung Wasser bäcks, Rückzug der deutschen Delegation nach Ueberreichung des Hugenberg- Memorandums auf der inter-. nationalen Wirtschaftskonferenz, welche Regierung vor Hitler hätte sich eine solche Fülle außenpolitischer Niederlagen und Blamagen leisten können, ohne mit Schimpf lagen und Blamagen leisten können, ohne mit Schimpf und Schande fortgejagt zu werden? Es ist sicher wahr, daß dieses ganze Treiben, das den Namen„ Außenpolitik" nicht mehr verdient, nicht nur unverschämt, sondern noch mehr als das feige ist. Gänzlich unempfindlich gegen alle Argumente des gesunden Menschenverstandes und der Moral, reagiert es mit der Empfindlichkeit eines Seismographen auf alle Argumente der Gewalt. Es kennt keine Schonung für den Schwächeren, tritt aber mit Bestimmtheit den Rückzug an sowie er sich einem Stärkeren gegenüber sieht. Diese längst klar erkannte Seeleneigenschaft des Nationalsozialismus bietet dem Ausland eine gewisse Beruhigung. Für das deutsche Inland kann sie nur eine Quelle dauernder Beunruhigung sein. Das Ausland hat das Vertrauen zu der gegenwärtigen Reichsregierung, daß sie im Ernstfall entweder klein beigeben oder unter den ungünstigsten Voraussetzungen für Deutschland in einen Krieg hineinschlittern wird. Dieser Gedanke ist für alle Gegner Deutschlands sehr beruhigend. Jst er es für uns auch? Nationalsozialistische Wirklichkeit, sie ist hemmungslosester seinem Kampfe mit dem Dritten Reich bie beutsche Fanatismus, das ist nicht mehr Partei, sondern organisierte Verschwörung, organisierter Ueberfall, orga nisierter Heimatsverrat, das ist nicht mehr Politit, weder nationale, noch soziale, sondern systemisiertes Berbrechen. In Oesterreich ist der Nationalsozialismus von heute an bis auf weiteres nicht mehr eine politische, sondern eine kriminelle Angelegen heit." Desterreich befindet sich heute in einem ähnlichen zu stand wie Deutschland im Juli 1932, als in Ostpreußen und Schlesien die nationalsozialistischen Revolver knallten und die nationalsozialistischen Bomben krachten. Jn Deutschland war aber an leitenden Stellen nicht die Erkenntnis vorhanden, daß man den Staat gegen eine Verbrechergesellschaft mit allen Mitteln verteidigen muß. Dieser Berteidigungswille, den man eigentlich bei jedem ehrlichen Menschen als vorhanden annehmen muß, wurde geschwächt einmal durch den Aberglauben, daß diese Ber brechen aus irgend einer„ nationalen" Gesinnung heraus verübt worden seien und zweitens durch den anderen Aberglauben, man könne eine Verbrechergesellschaft zur Sachlichkeit erziehen, indem man ihr die Regierung in die Hand gebe. Auch in Desterreich waren zeitweise solche gefährliche Gedankengänge häufig anzutreffen, und die christlichsoziale Partei schien bereit, sich mit den Nazis zu koalieren. Erst die letzten Tage und Wochen haben eine gründliche Ernüchterung gebracht. Mit dem Anspruch, auf diese Weise die deutsche Kultur gegen das Bandalentum des Nordens zu verteidigen, setzt sich die Wiener Regierung Herr Dollfuß hat mit Recht gesagt, daß Oesterreich in Kultur verteidigt. In gleicher Weise verteidigen alle Deutschen, die den Kampf gegen die Hitlerbarbarei führen, die deutsche Nation. Die Hitlerbarbarei ist trotz ihrer nationalen Tiraden nichts anderes als der will. trotz ihrer nationalen Tiraden nichts anderes als der will. kommene Bundesgenosse aller Feinde Deutschlands. Der unablässige, unerbittlichste Rampf gegen sie ist daher die national ste Aufgabe, die es heutzutage für einen Deutschen gibt. Wer das zuſieht, wie Deutschland dem Abgrund zugeführt wird und sich dagegen nicht auflehnt, der begeht wirklichen Landesverrat! Als Deutsche wünschen wir dem kleinen Deutsch- Dester reich im Verteidigungskampf gegen die braune Flut ieden Erfolg! „ Nationalistisch- revolutionärer Rundfunk" Schwätzer Göbbels Beim Besuch des Süddeutschen Rundfunks hat Göbbels folgende Sätze geprägt:„ Der Rundfunk ist für uns nicht ein objektives Uebertragungsinstrument, ihm muß eine Tendenz innewohnen. Ich habe ihm feine natio Tendenz innewohnen. Ich habe ihm seine natio nalistisch- revolutionäre Tendenz zurückgegeben!" In weiteren Ausführungen wandte sich dann Göbbels gegen die antihitlerische Propaganda der außerdeutschen Grenzlandsender, die an und für sich ja nur eine Antwort darstellt auf die unflätigkeit der deutschen Nazi- Sender. H., d. 26. 6. 33. Werter Freund Franz! Deinen Brief vom 24. habe ich erhalten... Du hast ja den Umsturz nicht miterlebt, wie es da zuging. So sind wir im Kriege mit unseren Feinden nicht umgesprungen, schlim mer wie Vieh wurden die Genossen zusammen getrieben, auf Lastautos verladen und fort ging es in Schußhaft, wo sie 7, 9, 10 und 13 Wochen fizzen mußten, ehe sie wieder zu ihren Fas milien konnten. Kamen sie dann zu Hause an, waren sie aus der Arbeit entlassen. Heute gehen sie mit uns stempeln. Ich bin nochmal mit blauem Auge davon gekommen, obwohl mein Name auch mit auf der Liste stand. Einem Umstand habe ich es zu verdanken, den kann ich dir aber nicht schreiben. Falls der Brief in unrechte Hände fällt, hätten sie mich doch gleich beim Kanthaken, da könnte ich auf fünf Jahre von meiner Familie Abschied nehmen. Wir sind hier vollständig mundtot gemacht. ebenso wie die, welche in Schutzhaft ge= wesen sind. Bei der Entlassung haben dieselben einen Revers unterschreiben müssen, unter Androhung von acht Jahren Gefängnis, daß es ihnen gut gegangen sei", obwohl sie mißhandelt worden sind nach allen„ Regeln der Kunst". Einer ist Sonnabends eingeliefert worden, ferngesund, Sonntags war er eine Leiche. Andere sind lebenslang Invaliden durch die unmenschlichen Mißhandlungen. Sämtliche Arbeiterzeitungen und Vereine sind verboten und aufgelöst worden. Der ASB. ( Arbeiter- Samariter- Bund) ist in Sachsen verboten, die Ausrüstungen beschlagnahmt, sogar was Privateigentum war. Der Arbetter- Radfahrer- Bund Solidarität" ist ebenfalls verboten und aufgelöst usw. Viel persönliche Heße ist ja auch mit dabei. Aus unserem Orte sind allein über 20 in Schutzhaft; bis heute sind noch nicht alle wieder zu Hause, die bei Nacht und Nebel aus den Betten geholt worden sind. Die wiedergekommen sind, sind alles geworden, bloß keine Nazis. Wenn hier ein Umsturz kommt, dann gibt es eine furchtbare Abrechnung.. Obwohl die oberen Führer fortwährend predigen, wir wollen alle Volksgenossen sein, sind doch immer wieder Uebergriffe von den unteren Organen zu verzeichnen, und dadurch wird immer mehr böses Blut gemacht. Einer guten Zeit gehen wir nicht entgegen. Arbeit wird es wahrscheinlich dieses Jahr keine mehr geben, und nächstes Jahr nicht gleich. Ich will nun schließen. Herzliche Grüße Dir und Deiner Familie. Nazi- Blatt verboten Für acht Tage M." Die Regierungskommiffion erläßt folgende Verfügung: Auf Grund des§ 6 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 18. Juni 1923, betreffend Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit im Saargebiet wird in Ers wägung, daß die„ Saar- NS3.- Front" vom 26. Juni 1933, Nr. 111, unter der Ueberschrift:„ Bersailles und das Saars gebiet" einen Artikel enthält, welcher den Tatbestand des§ 3 Abs. 2 Ziffer 1 der Verordnung vom 18. Juni 1923 erfüllt, folgendes verfügt. Art. 1. Die Veröffentlichung, der Verkauf und die Vertei lung der Tageszeitung, Saar- NS3.- Front" und jeder ans geblich nenen Drudichrift, die sich fachlich als die alte bars stellt, wird mit sofortiger Wirkung im Saargebiet auf die Dauer von einer Woche verboten. Art. 2 Der Direktor des Innern wird mit der Durch führung dieser Verfügung beauftragt. Saarbrüden, 28. Juni 1988. Das Mitglied der Regierungskommission für die Angelegenheiten des Innern. Gez. G. G. Knog. * Auch die„ Merziger Boltszeitung" ist für die Dauer einer Woche verboten. Exzesse gegen Juden in Landau In Landau haben in der letzten Woche wieder schwere Ausschreitungen gegen Juden stattgefunden. SS. und SA. besetzten lezte Woche ein Cafe, in dem viele Juden zu vers lehren pflegten. Die anwesenden Juden wurden gezwuns gen, die Hofen herunterzulassen und alle wurden dann eins gehend verprügelt. Ein jüdischer Rechtsanwalt wurde in der gleichen Woche nachts aus seiner Wohnung geholt und so übel zugerichtet, daß an seinem Aufkommen lanae aes zweifelt wurde. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" ★ Ereignisse und Geschichten „ Judenhap- pathologisch wie Wasserscheu" Damals wie heute Bernard Shaw über Hitler Ich fragte Shaw, was die Journalisten der vielen Länder, die er besuchte, ihn zuerst gefragt hätten. Er antwortete mit einem einzigen Wort: Hitler. Ich hatte später Gelegenheit, das Problem des deutschen Diktators mit ihm durchzugehen. Ich weiß, wie schwie rig er in trivialen Dingen ist, aber wie zugänglich, wenn ihn etwas interessiert und er etwas zu sagen hat. Ich wurde nicht enttäuscht. " Nun, Mr. Shaw, sind Sie als Nationalsozialist zurückgefehrt? Sie tamen aus Italien und traten für Mussolint ein, Sie famen aus Rußland und traten für Stalin ein. Werden Sie nun auch für Hitler eintreten?" Shaw: Die nationalsozialistische Bewegung hat in vieler Beziehung meine warme Sympathie. Ich könnte gut behaupten, daß Hitler Karl Marg verworfen hat, um sich unter das Banner von Bernard Shaw zu stellen. Sie können sich daher meinen Schrecken vorstellen, als im kritischen Moment Hitler und die Nazis in der Judenfrage verrückt geworden sind. Hitler hat eine Macht in Händen, wie sie nur den gesündesten Staatsmännern anvertraut werden sollte. Und der erste Gebrauch, den er von ihr machte, war, daß er Torquemada wieder aufleben ließ, der glaubte, daß er die Welt rette, wenn er nicht nur die lebenden Juden verbrannte, sondern auch die Toten ausgraben und verbrennen ließ. ,, Wollen Sie. sich nicht mit Hitler schriftlich auseinandersetzen? Wir stellen Ihnen unser Organ zur Verfügung." Shaw:„ Es ist unnüß, gegen eine solche Krankheit zu argumentieren. Judenhaß ist so pathologisch wie Wasserscheu. Ein Staatsmann, der damit infiziert ist, fann ebensogut dazu übergehen, die Jesuiten. die Freimaurer, die Heren, die Lappländer und schließlich vielleicht auch die Preußen zu verfolgen. Die Ku- Klux- Klan- Ausschreitungen in Amerika sind bekannt als eine Abart des delirium termens. Aber keiner der Ku- Klux- Klan- Anhänger ist bis jetzt Präsident der Vereinigten Staaten geworden. Die National fozialisten leiden an einer sehr bösartigen, epidemischen Krankheit, und das Resultat ist, daß die britische Polizei Doktor Rosenberg zu beschüßen hatte, als er nach London kam, offenbar in der Erwartung, mit offenen Armen aufgenommen zu werden. Statt dessen wurde er behandelt wie ein tollwütiger Hund." „ Es sieht so aus, als ob Hitler eine Verfolgung- Wahnsinn" Art hätte." Shaw: Nein, seine anderen Angriffe sind verständlich genug. Der Faschismus steht notwendig im Konflikt mit dem liberalen Parlamentarismus; die beiden sind wie Ghibellinen und Guelfen. Er ist auch im Konflikt mit dem Kommunismus, weil die beiden Rivalen auf dem Feld der Revolution sind. Die Verfolgung des Liberalismus und Kommunismus ist daher ganz natürlich." " ,, Also woher kommt die Verfolgung der Juden?" Shaw:„ Dr. Rosenberg erklärt, daß der Jude ein Profit macher ist." „ Natürlich ist er das. Aber das sind wir alle. Darin haben die Juden nichts besonderes voraus." So betet man in Bayern Und halte, was Du uns versprochen hast.... Die bayrische Geistlichkeit steht zum großen Teil in offener Opposition gegen das Regiment der Nationalsozialisten, das übrigens keineswegs in den Händen des Reichsstatthalters Epp, sondern vor allem in denen des Stabsführers Röhm ruht, gegen dessen Aktionen Herr von Epp vollkommen machtlos ist. Besonders empört ist, so teilt die deutschsprachige Prager Montagszeitung" mit, die bayrische Geistlichkeit über das amtlich eingeführte Schulgebet, das an jedem Unterrichtstag in den bayerischen Schulen gebetet werden muß und folgenden, von den Geistlichen, als Blasphemie empfundenen Wortlaut hat: " Du lieber Gott, ich bitte Dich, ein frommes Kind laß werden mich. Schütz Adolf Hitler jeden Tag, daß ihn kein Unfall treffen mag. Du sandtest ihn in unsrer Not, bewahr ihn uns, o Gott." Daß sich der bayrische Volkswih bereits an das national sozialistische Regime heranwagt, beweist nicht nur das dieser Tage für Bayern erlassene Berbot, das Horst- Weffel- Lied mit unterlegten, die nationale Erhebung lächerlich machenden Tegten au fingen, sondern auch die nachfolgenden in Bayern verbreiteten Gebete: „ Komm, Herr Sitler, fei unser Gaft Und halte, was Du und versprochen ha ft.* Und: „ Lieber Gott, oh mach mich ftum in, Daß ich nicht nach Dachau tumm." In Dachau befindet sich bekanntlich das bayrische Konsentrationslager, das wegen der zahlreichen Morde, die dort an Schußhäftlingen verübt wurden, besonders gefürchtet ist. In zivilisierten Ländern Das holländische, weit verbreitete und sehr angesehene Wochenblatt Haagsche Post" teilt in seiner Nummer vom 10. Juni wörtlich und fommentarlos folgendes mit: Die Haagsche Post" in Deutschland. Die Haagsche Post" fann fünftig nicht mehr nach Deutschland geliefert werden, da sie dort tis auf weitern Befehl von der Naziregierung verboten worden ist. In sivilisierten Ländern bleibt sie wie seit je erhältlich Direktion Haagsche Post". Shaw:„ Gar nichts, außer daß der Jude oft das Spiel besser versteht, als diese flachshaarigen Holzklöße, die sich geschmeichelt fühlen, wenn mansie als nordisch bezeichnet. Dottor Rosenbergs Entschuldigung besagt nichts. Es ist richtig, daß die Nazis als erklärte Sozialisten verpflichtet sind, der Profitmacherei ein Ende zu bereiten. Aber wenn es für die Sozialisten etwas zu lernen gibt, sowohl aus meiner dringenden Unterweisung wie aus den bitteren Erfahrungen der Sowjets mit den Kulis, so ist es das, daß die sozialistische Regierung den Privatunternehmer nicht enteignen darf, bis sie soweit ist, um seinen Platz einzunehmen und seine Arbeit zu tun. Eine alberne Sache wie die Vertreibung Einsteins, die die Erinnerung an die französische Revolution zurückruft:„ Die Republik braucht teine Chemiker", hieß es, als Lavoisier guillotiniert wurde), spielt teine Rolle. Einstein ist außerhalb Deutschlands ein ebenso großer Mann, wie er es in Deutsch land war. Und wenn auch das Riesengelächter, das sich in der ganzen Welt erhob bei seiner Vertreibung, auf Kosten der Nazis ging, so können sie von seinem Gehirn, wenn er jenseits der Grenze ist, genau so profitieren, wie sie es von seinem Vermögen tun, das er zurücklassen mußte. Sie bringen sich auf diese Weise um alle Sympathien, auf die sie in der Offentlichen europäischen Meinung Anspruch haben." " Hatten sie Sympathien?" Shaw:„ Ganz gewiß hatten sie welche. Als Faschisten hatten sie die Sympathie Jtaliens. Als Sozialisten, die die bolschewistische, diktatorische Taktik befolgten, hatten sie die Sympathie von Rußland, trotz der Nebenbuhlerschaft von Faschismus und Kommunismus. Und überall hatten sie die Sympathie der breiten Massen, die sich ärgerlich abwenden von den Verzögerungen, den Ausflüchten, der windigen Unfähigkeit und anarchistischen Berneinungen unseren demokratischen parlamentarischen Systems. All diese Sympathie hat sich in einem Tag in ein ärgerliches Uebelwollen verwandelt durch den Ausbruch eines sinnlosen Judenhasses." ,, Können Sie das erklären?" Shaw:„ Sehr wohl. Ein Freund Hitlers sagte mir, daß er gezwungen war, den Beutezug gegen die Juden gutzuheißen, so wie militärische Führer des achtzehnten Jahrhunderts gezwungen waren, ihren Soldaten das Plündern eroberter Städte zu gestatten. Aber wir können nicht glauben, daß die große nationalsozialistische Bewegung, die ihn zu seiner Vier- Jahre- Diktatorschaft ge= führt hat, nichts Edleres sein soll als die Schurkereien der Truppen von Tilly und Suwarow. Eine solche Rechtfertigung degradiert den Faschismus zu einer bloßen Rauferei. Hitler und Hauptmann Goering sollten alle ihre Anhänger unter Quarantäne setzen, bis sie als geheilt vom Judenhaß an= gesehen werden können. Soll ich hinzufügen, daß ich kein Jude bin? Ich gehöre der naiverweise noch anti- jüdischen Nation der Fren an. Die Jren wissen nicht, daß Christus ein Jude war. Vielleicht 99 Prozent der Nazis sind ebenso unwissend. Hayden Church( London). Sorgen! Sorgen! " Jahrzehntealt sind die Bestrebungen der Kellner, an Stelle des unbeholfenen Fracks, vor allem im Sommer, eine neue, praktischere Berufskleidung zu schaffen. Nun ist seit einiger Zeit in großen Gaststätten der Reichshauptstadt der Versuch gemacht worden, eine neue Kellnerkleidung in Form einer I angen schwarzen Hose, eines brau nen Hemdes und einer langen schwarzen Krawatte einzuführen, aber nicht, ohne daß sich auch hiergegen, und wir mir scheint mit Recht, Widerstände bemerkbar gemacht haben. Es besteht wohl kein Zweifel, daß die hier gewählte neue Kellnerkleidung mit der Kleidung der SA. große Aehnlichkeit hat und ihr wohl auch bewußt nachgeschaf fen worden ist. Gerade aus diesem Umstand aber rühren die Widerstände gegen die neue Kleidung her, wobei es beson ders erfreulich ist, daß sie aus den Kreisen stammen, die als die anerkannten Berufsvertretungen sowohl der Gastwirte wie auch der Gastwirtsangestellten auch am ehesten das Recht dazu haben. So hat der Reichsverband nationaler Gastwirte und verwandter Betriebe e. V. den Wunsch geäußert, eine andre Lösung zu finden, um„ das SA.- Kleid nicht hinüberzuziehen in den Alltag der Berufsarbeit. Gewiß, Arbeit schände nicht weder den Menschen noch das Kleid, aber genau sowenig wie früher in den Militärkasinos in Uniform bedient worden sei, solle jetzt in den Gastwirtsbetrieben in einer Uniform bedient werden, die dem SA.- Kleid zumindest sehr ähnlich sei". ( Kölnische Zeitung", 25. Juni.) . Mit Blümlein bestickt. Schicksalsfcage des sächsischen Volkes Dte sächsische Staatskanzlei hat am 7. Juni an die BevölFrau von Stael über Deutschland Die Liebe zur Freiheit ist bei den Dents fchen nicht entwidelt. Sie haben weder durch den gelernt, den man auf ihren Besitz legen fann." Genuß noch durch den Mangel derselben den Wert kennen Mit Recht erstaunt man, daß das Gesetzbuch aus der Fendalzeit sich beinahe ohne jede Veränderung unter so anf= geklärten Menschen erhalten hat..." " Die Deutschen, die in der Literatur das Joch der Regeln nicht ertragen können, möchten, daß ihnen in bezug auf ihr Verhalten jeder einzelne Punkt vorgeschrieben würde. Sie wissen nicht mit den Menschen umzugehen und ie weniger man ihnen Gelegenheit gibt, selbständig einen Entschluß zu fassen, um so zufriedener sind sie. Die politischen Institutionen allein können den Charakter einer Nation zur Entwicklung bringen, die Natur der Regierung Deutschlands aber stand nahezu in direktem Gegensatz zu der philosophi schen Aufklärung der Deutschen. Daher fommt es, daß sie die größte Gedankenkühnheit mit dem untertänigsten Charakter vereinen. Das Uebergewicht des Militärstandes und die Rangunterschiede haben ihnen in gesellschaftlicher Beziehung die größte Untertänigkeit zur Gewohnheit gemacht. Sie sind in der Ausführung jedes erhaltenen Befehles so gewissenhaft, als ob jeder Befehl eine Pflicht wäre. Die Gebildeten Deutschlands machen einander mit größter Lebhaftigkeit das Gebiet der Theorien Streitig und dulden in diesem Bereiche keine Fesseln, ziemlich gern aber überlassen sie dafür den irdischen Machthabern die ganze Wirklichkeit des Lebens. Der Geist der Deutschen und ihr Charakter scheinen keine Verbindung miteinander zu haben: der eine duldet feine Schranken, der andere fügt sich jedem Joch, der eine ist äußerst tatkräftig, der andere äußerst schwach kurzum, die Aufklärung des einen verleiht nur selten dem anderen Kraft." Der Esel Dec Esel tritt.... Spott über die, die wehelos sind Satire war und ist von jeher im politischen, im Kulturkampf eine tüchtige Waffe. Als der konservative Aristophanes das„ Bolt" ( den Demos) auf die Bühne brachte und ihm ein Rissen unter den Allerwertesten" legen ließ, den„ Allerwertesten", der, das als attische Volk bei Salamis auf den Ruderbänken gegen die Perserflotte arbeitete,„ zwitschernd" siegte, da saßen die Allerwertesten, die nach diesem derben Wiße die ruhmreiche Seeschlacht gewannen, auf den Bänken des Amphitheaters und konnten den Satiriker, wenn sie wollten, auch außpfeifen. Als Martin Luther und die Seinigen, als Thomas Murner und sein Anhang einander im Kampfe für und gegen Rom grob satirisch beflegelten, da wagten sie hüben und drüben ihren Spott gegen einen gegenwärtigen, wehrhaften Feind. Und auch unser Nestroy hat den mächtigen Zensor, den übermächtigen Polizeistaat des Vormärz selbst, von Angesicht zu Angesicht bekichert. Politische Satire hat ihren realen, ihren sittlichen, ja auch ihren literarischen Wert vom Mut, von der Kühn= heit, von der Gefahr. Der Spott triumphierender brutaler Gewalt, die kontrollose Verhöhnung des niedergeknüppelten Gegners ist bisher stets der geschichtlichen Verachtung anheimgefallen. Wird es auch in Zukunft! Wenn nun fürzlich der reichsdeutsche Rundfunk, der bekanntlich denen untersteht, die selbst bestimmen, was recht ist“.„ Bierzehn Jahre" Kasperltheater veranstaltete, um die zertrampelte deutsche Sozialdemokratie, kontrollos lügenhaft, hinterhältig getarnt, hemmungslos verleumderisch und grenzenlos dumm wehrlosen Hörergemeinschaften lächerlich zu machen, so ist das ganz abgesehen von künstlerischer Unfähigkeit und Unzulänglichkeit, nicht politische Satire, sondern Eselsfußtritt. Hans Heinz Evers Eine Greuelerfindung! Im neuesten Heft der italienischen literarischen Revue Occidente" unterzieht Umberto Barbaro den Verfasser der " Alraune" und des„ Horst Wessel", der der Haus- und Modedichter aller Braunen ist, folgender Kritik:„ Es hat fast den Anschein, als wäre dieser Autor einzig zu praktischen Zwecken und für die Erfordernisse des Krieges von einem Propaganda büro der Entente erfunden worden, wie die deutschen Greuel und die abgeschla genen Kinderhände in Belgien. Absurder Mystizismus, der von den Gemeinpläßen der idealistischen Philosophie herkommt, bestialische und widernatürliche Sexualität, gemeine, schwerfällige und flegelhafte Ironie und, vor allem, Gefallen am Schrecken und Blut. Die ganze friegerische Rhetorik, die Totenkopfhusaren, die Plünderer in Soldatenstiefeln, die Fabrik zur Verwertung unverwesten Leichen das alles wäre mit einem Schlage gerechtfertigt, wollte man Ewers als repräsentativen Schriftsteller seines Landes bezeichnen." ferung einen Auffruf gerichtet, der folgendermaßen lautet: Marschiert mit Hitler- nicht mit Gott „ Der Nationalsozialismus ist Lebensbejahung in höchster Potenz nach den Worten des Reichsministers Dr. Goebbels. Der Nationalsozialismus muß und wird der deutschen Frau auch eine neue deutsche Mode, unabhängig von der Ausländerei, schaffen. Die deutsche Mode soll lebensbejahend und damit nicht schlicht sein! Sie soll naturverbunden sein! Die deutsche Frau will an ihrer Kleidung wieder Blumen sehen! Diesem Wollen kommt auch die chicksalsfrage des sächsischen Volfes und damit des deutschen Volkes entgegen und macht das Tragen von Spizen und Blumen, diese Sehnsucht der deutschen Frau nach guten deutschen Formen, zu einer großen nationalen Pflicht!" Aus einer Rede des Kultusministers Schemm in der nationalsozialistischen Frauenschaft des Kreises München:„ Ich verstehe nicht, daß man mit grünen Hemden, Schulterriemen und Gürtel militärische Uebungen vollführt und sagt: Wir arbeiten für den lieben Gott. Körperliche Ertüchtigung, Felddienstübungen sind eine Sache, die dem Staat gehört. Diesen Unterschied haben manche noch nicht begriffen? Deshalb müssen wir ihn ihnen beibringen. Allen, die unter der Ueberschrift Gott, Religion und Kirche militärische Uebungen durchführen, sage ich ins Gesicht, das fie es mit der Religion nicht ehrlich meinen, sondern mit der Religion politische Geschäfte verbinden." DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Hollywood- die Stadt der Not Ein Batsadienbericit Hollywood, die Filmstadt, war in Amerika in den Jahren der Prosperity der Begriff des Reichstums. Man sagte: Im goldenen Hollywood sind die Straßen mit Gold gepflastert". Und mit Recht. Diese nicht allzu große kalifornische Stadt war zum Zentrum einer der reichsten amerikanischen Industrien geworden. Die amerikanische Filmindustrie stand mit dem in ihr investierten Riesenkapital amer sten Platz auf der Steuerliste. Die Beherrscher dieser Industrie schlugen ihr Hauptquartier in Hollywood auf. Der Lurus und der Reichtum, die hier herrschten, waren unerhört. Zwar ist die Filmindustrie auch in USA. die Industrie der größten und geschmacklosesten Reklame, aber das konnte man glauben, wenn ein Direktor einer großen amerikanischen Filmgesellschaft noch vor zwei Jahren erklärte: „ Jeder unserer Hauptsch'auspieler hat einen Palast, der viel schöner ist wie das Weiße Haus!" Die Mitglieder der„ Oberen Schicht" in Hollywood wußten tatsächlich nicht mehr, was mit dem Gelde anzufangen. Ueber die Riesenfeste und Bälle der Stars und Filmkönige berich teten die snobistischen Blätter Ameritas spaltenlang. Es sei nur erwähnt, daß seinerzeit das Fest eines Filmstars 25000 Dollar gekostet hat! Das war noch nicht einmal ein Rekord. Ein Filmdirektor kaufte anläßlich eines Festes, das er für seine Kollegen gab, einen zoologischen Garten, damit die Gäste auf Elefanten im Park herumreiten konnten! Immer tollere und wahnsinnigere Einfälle fand man, um Geld herauszuschmeißen. Das Geld wuchs ja in Hollywood. Und immer neue Filmkonzerne entstanden. Eine Kitsch filmserie nach der anderen wurde in die Welt gesezt. Hollywood war zu einer Hochburg des Dollarkapitalismus ge= worden. Im trasfesten Gegensatz zum Pomp und Prunk der Magnaten, stand auch schon während der Zeit der Prosperity die Not des Hollywooder Filmproletariats. Die Löhne, die man den technischen und künstlerischen Angestellten damals zahlte, hatten kein Verhältnis zum„ Goldenen Hollywood". Die Krise tam über USA. Alle Industrien, alle Zweige der Wirtschaft wurden von ihr betroffen: Hollywood blühte weiter. Mochte der Amerikaner auf alles verzichten: sein Kino mußte er haben. Aber immer größer wurde die Zahl der Arbeitslosen, immer größer die Zahl der Menschen, die mit dem Gent rechnen mußten. Das Unwahrscheinlichste geschah: Millionen Amerikaner mußten auf das Kino verzichten, weil sie nichts zu essen hatten. Millionen Amerikaner fanden auf einmal ihre Filme verlogen und kitschig, weil das Leben anders aussah als das Happy end" von Hollywood! Und da eilten die Krisenwolfen auch nach Kalifornien. Wie ein Gewitter prasselten sie über Hollywood nieder. Filmgesellschaft X u. Co. pleite! Das war der erste Blizz über Hollywood. Amerika horchte auf. Ein großer Filmtonzern pleite?! Jetzt wurde es ernst. Aber das war erst der Anfang. Schlag auf Schlag erfolgte gegen Hollywood. Ateliers werden geschlossen. Der Goldstrom aus dem Lande war ausgeblieben und das goldene Hollywood" wurde zu einer Stadt der Krise Erich Kästner: und Not. Gewiß, die Herrscher des Films hatten in guten Zeiten so viel verdient, daß auch eine hundertjährige Krise ihnen persönlich nichts anhaben konnte. Aber die Schauspieler, selbst sehr bekannte Schauspieler, standen auf einmal vor dem Nichts. Sie lebten noch in ihren Palästen, aber Licht und Gas brannte nicht, weil sie die Rechnungen nicht bezahlen konnten. Auf den Straßen Hollywoods stehen herrenlose Luxusautomobile herum, ausgesetzt von den Besitzern, die kein Geld für Benzin und Garage haben. Und Käufer kann man in Hollywood auch nicht mehr finden. Nur die großen Stars halten sich noch... Noch! Sonst find alle von der Krise hart angefaßt. Um wenigstens etwas zu verdienen, spielen Schauspieler, die noch vor wenigen Monaten Hauptdarsteller waren, als Statisten. Die Filmgesellschaften dachten in den meisten Fällen bei Ausbruch der Krise nicht daran, Gehälter und Honorare zu bezahlen. Eine Filmgesellschaft hat wenigstens eine Küche für die Darsteller eingerichtet. Wenn die Lage des Filmproletariats schon in guten Zeiten nicht rofig war, so ist sie heute katastrophal! Allein 18000 arbeitslose Statisten zählt heute Hollywood! Dazu kommen noch die vie len Tausende arbeitsloser Filmtechniker und Filmarbeiter. Filmschaffende aus allen Teilen der Welt, Filmschafs fende aller Völker sind der furchtbarsten Not preisgegeben. Keine öffentliche Stelle, kein Magistrat kümmert sich um die Arbeitslosen. Und die Dollarkönige der Filmwoche beweisen auch jetzt den unsozialen Geist, der schon immer die Filmindustrie ( in allen Ländern!) beherrschte. Wir sind kein Ver= sorgungsamt für Arbeitslose! sagte ein Generaldirektor in Hollywood, als man ihn um eine Spende für eine Arbeitslosenküche bat. Dieser Herr besitzt noch heute schwere Millionen, die er gerade durch diese Arbeitslosen verdient hat! Die Regierung wollte etwas für die Arke'tslosen unternehmen, aber da verbat sich der ehrenwerte Herr Senator" dieses Staates den Eingriff in seine Rechte. Die Arbeitslosen hungern weiter. Die Prachtstraßen von Hollywood find voller Menschen, die hungernd vergeblich nach Arbeit suchen. Schon beginnt die Abwanderung aus der Filmstadt. Aber wohin? Es ist ja egal, wo man hungert, und in Kalifornien ist es wenigstens warm. Die wenigen Ateliers, die noch in Hollywood arbeiten, drehen weiter ihren Kitsch. Filme, die zeigen, wie schön das Leben ist im Goldlande Amerika. Filme, die zeigen, daß ein schönes Mädel mit schönen Beinen in zwei Stunden glatt ihre Karriere machen und einen Generaldirektor heiraten kann( ja, der Filmkitsch von Hollywood ist dem von Babelsberg sehr ähnlich!) Und solche Filme dreht man, während viele Tausende junger Menschen auf den Straßen von Hollywood stehen, um einen Teller Wassersuppe zu bekommen! Die Kulisse des Filmzaubers ist gefallen. Hinter den Palästen der FilmHerrscher, in denen noch immer der Reichtum herrscht, stehen die Massen der hungrigen Filmproletarier! Hausmittel Brief an meinen Sofin von Anton 3schiecion Aus„ Gesang zwischen den Stühlen," Gedichte, fart. 3,60 Mart, geb. 5,75 Mart, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart und Berlin, 1932: Ich möchte endlich einen Jungen haben, fo flug und start, wie Kinder heute find. Nur etwas fehlt mir noch zu diesem Knaben. Mir fehlt nur noch die Mutter zu diesem Kind. Nicht jedes Fräulein kommt dafür in Frage. Seit vielen Jahren such ich schon. Das Glück ist seltener als die Feiertage. N. G. Was es alles gibt Berühmtheit als Scheidungsgrund Die Eislaufmeisterin und der unverstandene Ehemann Die berühmte österreichische Eisläuferin Frau C., die mit ihrer Kunst im vergangenen Winter das Berliner Publi kum zu wahren Beifallsstürmen hingerissen hat, stand dieser Tage im Mittelpunkt eines ungewöhnlichen Scheidungspro zesses. Ihr Gatte hatte sie vor Gericht zitiert und als Scheidungsgrund angegeben, daß Frau C. ihren Mann böswillig verlassen habe und überhaupt an der Zerrütterung der Ehe schuld set. Der Prozeß brachte eine Reihe von interessanten und im Zeitalter des Sports sehr aktuellen Fragen zur Erörterung. Frau C., die vielfache Meisterin und Repräsentin Desterreichs im Paarlaufen ist. scheint ganz dem Sport verfallen zu sein. Ihr ganzes Denken und Fühlen wird von sportlichem Ehrgeiz beherrscht; sie ist der Ansicht, daß nur ein hartes Training und völliges Sich- Konzentrieren auf den Sport zu Spitzenleistungen führen kann. Der Ehemann der berühmten Eisläuferin ist dagegen völlig anders eingestellt; er ist Geschäftsmann und sehnt sich nach einer gut bürgerlichen Hausgemeinschaft. An dem sportlichen Ruhm seiner Frau lag ihm nichts, da er in ihr nur eine Gattin und sorgende Hausfrau haben wollte. Gegen den Willen des Gatten Da Frau C. von den sportlichen Behörden ihres Landes wiederholt mit der Vertretung Oesterreichs im Ausland betraut wurde, unternahm sie zahlreiche weite Reisen, tro heftiger Proteste thres, Gatten. Dadurch ergaben sich neue 3wistigkeiten und eines schönen Tages kam es zu einer gründlichen Aussprache. Das Ergebnis war, daß Frau C. die gemeinsame Wohnung verließ. Das Gericht erklärte die Ehe, die nach evangelischem Ritus geschlossen worden war, für getrennt und stellte fest, daß keinen der beiden Ehegatten ein Verschulden treffe. Die völlig verschiedene seelische Veranlagung der beiden habe zu einer völligen und unüberwindlichen Abneigung geführt. Unmittelbar vor der Berufungsverhandlung kam es zu einem unerwarteten happy- end. Herr C. hat seine Klage zurückgezogen. Vermutlich dürften sich beide Teile auf halbem Wege entgegengekommen sein. Frau E. wird sich mehr ihren häuslichen Pflichten widmen und ihr Ehemann wird versuchen, in die Mysterien des sportlichen Trainings einzudringen. Das Wunder von Antofagasta Eine Stadt, die mehr Arbeitslose hat als Einwohner Auch in Chile erhalten die Arbeitslosen, besonders die in der Salpetergegend, welche am meisten unter der Krise zu leiden haben, staatliche Unterstützung. Als vor ein paar Tagen die letzte Abrechnung aus Antofagasta über die erfolgten Auszahlungen in Santiago bei der Regierung eintraf, wollten die Beamten des Rechnungshofes ihren Augen nicht trauen; stand doch da schwarz auf weiß in der Abrechnung, daß in Antofagasta die staatliche Unterstützung an 41 933 Arbeitslose ausgezahlt worden sei. Laut der Abrechnung, daß in Autosagasta die staatliche UnterVolkszählung„ nur" 36 000 Einwohner. Die Regierung hat daraufhin angeordnet, daß in Zukunft die Listen der Arbeitslosen mit weit mehr Sorgfalt und Aufmerksamkeit als bisher geführt und geprüft werden müssen, bevor die Auszahlung der Unterstützungen vornommen werden darf. Auch wurde eine strenge Untersuchung der Angelegenheit angekündigt. Bis zur Aufklärung des Irrtums" hält aber Antofagasta den Rekord der ArbeitsGegen Ranzigwerden von Butter: Schnell aufessen ist das Losigkeit. beste Mittel. Gegen Wanzen: Fange eine Wanze und erkläre thr, daß Pflanzenkost an Eiweiß- und Fettgehalt dem Fleisch nicht nachsteht, und rate ihr freundschaftlich, ihre Diät zu wechseln. Sollten diese neusten Erkenntnisse der Wissenschaft keinen Eindruck auf sie machen, so kann man nur drohend seinen Finger heben und ihr zurufen:„ Bleibe also bei deiner Schlechtigkeit, du Blutsauger!" und den Bösewicht laufen lassen. Früher oder später wird doch die Tugend über das Und deine Mutter weiß noch nichts von uns, mein Sohn. Laster triumphieren. Doch eines schönen Tages wird's fich schon geben. Ich freue mich schon heute sehr darauf. Dann lernst du laufen, und dann lernst du leben, und was daraus entsteht, heißt Lebenslauf. Zu Anfang schreift du bloß und machst Gebärden, bis du zu andern Taten übergehst, bis du und deine Augen größer werden und bis du das, was man verstehen muß, verstehst. Wer zu verstehn beginnt, versteht nichts mehr. Er starrt entgeistert auf das Welttheater. Zu Anfang braucht ein Kind die Mutter sehr, doch wenn du größer wirst, brauchst du den Bater. Ich will mit dir durch Kohlengruben gehn. Ich will dir Parts mit Marmorvillen zeigen. Du wirst mich anschaun und es nicht verstehn. Ich werde dich belehren, Kind, und schweigen. Ich will mit dir nach Baur und Ypern reisen und auf das Meer von weißen Krenzen blicken. Ich werde still sein und dir nichts beweisen. Gegen Flöhe: Heirate. Alle deine Flöhe werden auf deine Frau, hüpfen, da die Flöhe lieber Damen verzehren als Herren. Das kommt davon, daß die Kleidung der Frauen beffer zum Aufenthalt für Insekten eignet als die der Män ner. Sie ist luftig und dabei noch behaglich. Gegen Motten: Sebze zwei Dußend Taranteln und Skorpione in deinen Pelz und weise jedem einen Rayon zu. Gegen ehrliche Untreue: Nimm die untreue Ehehälfte und hänge ihr ein Schild auf die Stirn:„ Es ist Fremden strengstens verboten... usw." ( Aus dem ruffischen übersetzt von B. Krotkoff und G. Stoeßler.) Alles lacht! Der Lehrer wählte ein Beispiel des täglichen Lebens. " Wenn eine Frau eine Wohnung in zwei Stunden aufräumt," fragt er, wie lange brauchen dann zwei Frauen dazu?" Der Schüler sagte:„ Bier Stunden." „ Diese?" Tell fauft Tapeten. Diese?"„ Nein." Nein. Geben Sie mir die dünnsten Tapeten, die Sie haben. Mein Zimmer ist nämlich sehr eng." Doch wenn du weinen willst, mein Kind, dann will ich nicken. sähe, daß diese Partei schon irgend etwas geleistet bätte!" Ich will nicht reden, wie die Dinge liegen. Ich will dir zeigen, wie die Sache steht. Denn die Vernunft muß ganz von selber fiegen. Ich will dein Vater sein und kein Prophet. Wenn du trotzdem ein Mensch wirst wie die meisten, all dem, was ich dich schauen ließ, zum Sohn, ein Rerl wie alle, über einen Leisten, danh wirst du nie, was du sein sollst: mein Sohn! " Ich würde sehr gern Nationalsozialist werden, wenn ich " Wenn alle Leute so nörgelig wären wie Sie, wären wir keine Volksbewegung!" „ Bei Ihnen ist es stets sauber, die Teppiche find staubfret und dabei haben Sie gar keine Aufwartefrau." Ja, wir lassen uns alle acht Tage einen Staubsauger vorführen." „ Mutter, unsere Lehrerin weiß nicht einmal was ein Pferd ist!" Unmöglich, Kind!"" Doch. Ich habe heute ein Pferd gezeichnet, und da hat sie mich gefragt, was das sei." Affen gegen Zuckerkrankheit Ein tragikomischer Prozeß Seit drei Jahren wird vor dem Bezirksausschuß in Wiesbaden ein Prozeß verhandelt, dessen Streitobjekt zwei winzig fleine Affen bilden. Dem Geschäftsführer des Frankfurter Tierschutzvereins. Gustav Haeger, war vor dret Jahren untersagt worden, Affen in seiner Wohnung zu halten. Der Magistrat stützte sich bei diesem Verbot auf die Frankfurter Wohnungsordnung, die das Halten von anderen Tieren als Hunden, Kazen und Vögeln in Wohnungen von weniger als vier Zimmern verbietet. Haeger verklagte daraufhin den Magistrat mit der Begründung, daß die beiden Affen, deren Haltung ihm verboten wurde, kaum 18 Zentimeter groß seien. Er pflege die Tierchen in seiner Rocktasche zu tragen; sie feien für ihn zur Linderung seiner Zuckerkranheit von außerordentlichem Wert. Außerdem vertreiben die Tiere Wanzen und Flöhe, seien absolut sauber und geruchlos. Dem gegenüber stehen die Feststellungen der Wohnungspolizei. Diese erhielt Beschwerden der Hausbewohner über den Affengeruch, der im ganzen Erdgeschoß zu spüren sei. Außerdem tauchten die Tiere oft auf den Treppen auf; durch ihre Grimassen würden die spielenden Kinder erschreckt. Medizinische Sachverständige sind außerdem der Auffassung, daß Affen in hohem Maße Tuberkelbazillen aufweisen und diese auch auf Menschen übertragen, so daß die Gesundheit der Hausbewohner gefährdet werde. Der Prozeß konnte auch diesmal zu feinem Urteil geführt werden, da das Gericht neue Gutachten einholen will. Die Aeffchen können es sich inzwischen weiter in der Rocktasche ihres Herrn bequem machen. Deutschland wird umgangen Der Vorstand der Büchergilde Gutenberg in der Tschechoslowakischen Republik hat beschlossen, die seit 1924 mit der nunmehr in nationalsozialistischen Besitz übergegangenen Büchergilde Gutenberg Berlin bestehende Gemeinschaft zu lösen und in Gemeinschaft mit den gleichen Institutionen in Oesterreich und in der Schweiz weiterhin Bücher herauszugeben, allerdings mit Ausschaltung der jetzt gleichgeschalteten" Berliner Bücherailde Gutenberg. d nit li ser -03 ei lig the im ng. er. len rt= ein en jen fich rt tur bes becos eue ner G. em Ite ffe. abe hrt. zu age em ren jerзц ta # = in zu to der ofes sin teraut terunft und den or ung des itsit in jeft des Drei hal die anBoh ünoten then BinSert. zien ngsber set. urch ect. mg, und heit ihrt Die sche der 1924 bernde hen eiz us ilde Hohn für Deutschland Unter Hitler wird Deutschland eine Macht fünften Ranges aus dem Rausch! Die Welt lacht über euer Torkeln London, Ende Junt 1938. Einem boshaften Amerikaner wird der folgende AusJpruch zugeschrieben: " Hitler will nicht, daß Deutschland eine Macht zweiten Ranges sei; nun, Hitler hat sein Ziel bereits erreicht, unter seiner Führung ist nämlich Deutschland zu einer Macht fünften Ranges geworden". Ist dieser Ausspruch nicht bittere Wahrheit? Für jeden, der Deutschland liebt, das wahre, freie Deutschland, und deshalb die braune Schande haßt und be fämpft, wird es zur schmerzlichen Erfenntnis: was die demofratische Republik unter& bert, Wirth und Rathenau, unter Stresemann und selbst noch unter Brüning für Deutschlands Stef in der Welt erreicht hat, ist.n wenigen Wochen verloren gegangen. Gerade wer in diesen Ten mit offnen Augen die englische Presse verfolgt und die öffent liche Meinung beobachtet, wird immer wieder meifen. wie wenig Deutschland heute gilt. Da tagt in London die Weltwirtschaftskonferens, offenbar eine recht hoffnungslose Angelegenheit, aber sie nimmt in der englischen Presse einen recht breiten Raum ein. Spaltenlange Berichte tagtäglich über die Reden und die Verhandlungen, über die Meinungen der Delegationen und uber Auswege aus der Sackgasse. Da wird über Roojeve.ts zweideutige Wirtschaftspolitik geleitartifelt und über seinen einflußreichen Berater Moley, da wird ängstlich gefrant, wie wohl Frankreich reagieren wird und ob die englische Regierung sich schon entschieden habe, da wird über die Einwände der Italiener und der Schweizer berichtet, über Hollands Einfluß und Schweden s Haltung. Vergeblich aber wird man suchen, was denn eigentlich DeutschIand will. Dafür interessieren sich die Engländer gar nicht, das scheint ihnen offenbar sehr belanglos, Schweden, die Schweiz und Holland sind wichtiger. Man findet hochstens einmal einen Saß wie der deutsche Vertreter schloß fich diesen Ausführungen an". Es ist eine offene, Nichtach tung, wie Deutschland sie seit den Tagen von Veriailles nuht mehr erlebt hat. Selbst das groteste Memorandum Hugenbergs, das noch am gleichen Tage wieder zurückgezogen wurde, hat die Haltung Deutschland gegenüber nihr geän bert. Man hat sich einen Tag lang weidlich über dieses ebräu aus Spenglerschen Untergangsgedanfen, Unters weis vom Geist und den Bestrebungen des„ Nenen Deutschs land" gegeben hat." Auch die der Regierung nahestehende fonservative„ Times" nimmt in einem Leitartikel eine ähnliche Haltung ein. Sie Deutsche erwacht reibt u. a.: menschentum, Kolonialhunger und Annexionsinst in Osteuropa amüsiert. Man hat Hugenberg die Blamage, daß er sein Memorandum gleich wieder zurückziehen mußte, gegönnt und man hat der deutschen Regierung feinen Augenblick geglaubt, daß es nur eine Privatarbeit Hugenbergs set. So schrieb der liberale Manchester Guardian", e'nes der ernstesten und zuverlässigsten englischen Zeit ingen, die selbst während des Krieges und erst recht nach dem Kriege Deutschland gerecht zu werden versuchte, in einem längeren Bericht eines Spezialforrespondenten: „ Die Erklärung der deutschen Delegation, daß das Mes morandum ein Ausdruck von Hngenbergs Privatmeinung sei und nicht die Ansichten der Delegation wiedergebe, konnte nach Ansicht der Delegationen, die ich danach fragte, nur den täuschen, der getäuscht werden will. Die Theseu des Memorandums find die offiziellen Nazi- Thesen und ihr letter Teil( Osteuropa als deutsches Siedlungsgebiet. Ber.) entspricht der berüchtigten Politik Alfred Rosens bergs.... Ich höre von sehr guter Quelle, daß die italies nische Delegation aufs höchste empört über die Sache war. und daß der italienische Unterstaatssekretär des Aeußeren Suvich insbesondere sich sehr heftig über den deutschen Schniger aussprach.... Herr Hugenberg ist ein bequemer Prügelknab. und es ist wahrscheinlich, wenn auch keineswegs sicher, daß sein Rücks tritt die Folge sein wird. Die offizielle Erklärung, daß Herr Hugenberg nach Berlin zurückkehrte, um seinen Ges burtstag zu feiern, hat manche Heiterfeit erwedt. Ich habe guten Grund zu sagen, daß das Memorandum in Wirklichkeit von Dr. Schacht entworfen wurde, so gute Gründe, daß ich diese Feststellungen auch aufrecht erhitten werde, wenn sie dementiert werden. Dr. Schacht ist die Macht hinter Hitlers Thron. Die Delegationen der Länder, die die Sache vor allem angeht, lehnen mit Ausnahme von Sowjetrußland ab, eine offizielle Meinung über das Memorandum zu äußern, und zwar weil es zurückgezogen sei und daher keine offi= zielle Existenz mehr habe. Aber privat freuen sie sich, daß die deutsche Delegation der Welt einen so schlagenden BeNazi- Jugend wirft Bomben Die Untersuchungsergebnisse in Oesterreich Die Bundespolizeidirektion in Wien hat den am 12. Juni 1988 auf das Juweliergeschäft des Norbert Futterweit in Wien verübten Bombenanschlag restlos aufges klärt. Als unmittelbare Täter wurde eine Gruppe von vier jungen Männern ermittelt, und zwar der beschäftigungss lose Kellner Josef Strcil, der Buchbindergehilfe Johann Tener, der Zuderbädergehilfe Franz Bedenik und der angebliche Firmenvertreter Gustav Rieger. Die Tat war von den Genannten in zwei Bespre chungen vorbereitet worden. Am Montag, dem 12. Juni, um 10 Uhr vormittags, hatten die Täter eine Zusammenfunft in der Schönbrunner Straße vereinbart, wobei Gustav Rieger dem Josef Krcil und dem Franz Bedenik je eine in braunes Packpapier eingewidelte Bombe übergab. Krcil und Teuer begaben sich in die Meidlinger Hauptstraße, wo Kreil in das Juweliergeschäft des Futterweit die Bombe warf, während Teuer den Aufpasser spielte. Bedenik und Rieger legten eine andere Bombe vor dem Hause Schönbrunner Schloßallee Nr. 26 nieder, die aber infolge unsachgemäßer Behandlung der Zündschnur nicht explodierte. Diese Bombe wurde erst am nächsten Tag gegen 11 Uhr vormittags entdeckt und polizeilich beschlagnahmt. Franz Bedenit, Gustav Rieger und Josef Kreil sind so fort nach Verübung der Tat aus Wien geflüchtet; ihre Verfolgung ist eingeleitet. Teuer befindet sich in poliBeilicher Haft. Alle Genannten gehören Wehrformationen der NSDAP. ( Hitlerbewegung) an. Durch die weiteren polizeilichen Erhebungen ist festgestellt, daß der flüchtige Mar Grillmayer eine hervor ragende Rolle bei der Vorbereitung aller am 12. und 15. Juni in Wien verübten, beziehungsweise vorbereiteten. Bombenanschläge spielte. Des weiteren steht fest, daß Grillmayer mit Emissären aus Deutschland in Vera bindung stand. Delmling entdeckt sein Herz Ein offener Brief an General von Deimling in Baden- Baden In einer gleichgeschalteten" Zeitschrift haben Sie, Herr Deimling, in diesen Wochen größter seelischer Not, von Millionen deutscher Republikaner, dem Reichskanzler Hitler Ihre begeisterte Zustimmung zu seiner Reichstagsfriedensrede" zu Füßen gelegt. Sie identifizieren sich also mit diesem Kanzler, obwohl Sie wissen müßten, was jedes Lind weiß, daß diese Nede unglaubhaft ist, unglaubhaft sein muß, wie alles was er spricht und gesprochen hat, sei es vor Gericht unter Eid, sei es vor den Wählern, sei es über sich selbst. Aber wenn alle Ihre republikanischen Freunde, durch Ihr neuestes Bekenntnis zur Hitlerei, sich schaudernd wundern über Jbre artistische Wandlungsfähigkeit, so muß ich Ihnen sagen, daß Ihre Bergangenheit, d. h. Ihre Handlungen vor 1918, mir nur bestätigen, daß Sie in Ihrem neuesten Befenntnis den normalen Schlußstein zu Ihrer Weltanschauung setzen. Ihre scheinbare Abweichung von Ihrer Vebenslinie in den Jahren 1919-1932 war ja, wie Sie selbit am besten wissen, keine innerliche Ueberzeugungssache, sondern entsprang Ihrem unverblümtem Hasse gegen das kaiserliche Militärkabinett, das Sie durch Eliminie. Salzsäure im Briefkasten straßer Hauptstraße der Student der Medizin Elmar LeIn der Nacht zum 28. Juni 1983 wurden in der Landberl und der Hilfsarbeiter Paul& ena, welche der nationalsozialistischen Partei angehören, von der Sicherheitswache angehalten, weil sie sich an einer öffentlichen Fernsprechstelle in verdächtiger Weise zu schaffen machten. Im Besitz Flüssigkeit vorgefunden. der beiden wurde je eine Phiole mit einer äzenden Sie legten schließlich ein Geständnis ab, daß fie in der erwähnten Nacht im 8., 9, und 17. Bezirk in mehrere Briefkasten solche Glasphiolen geworfen haben, wodurch die eingeworfene Poft teilweise arg beschädigt wurde. Sie wurden dem Landesgericht eingeliefert. Noch eine Bombe Behauptungen Oesterreichs Innsbrud, 27. Junt.( AN.) Heute vormittag wurden beim Gebäude der Bezirkshauptmannschaft in Rufstein sechs Bom ben vorgefunden, fünf Stück mit je einem Gewicht von 1 kilogramm, die sechste, größere im Gewicht von etwa 2 Kilogramm. Sie waren in einer Blechumhüllung, mit Eisenteilen gefüllt und mit einem Sprengstoff in der Stärke des Ekrafits, der jedoch nur in Deutschland erzeugt wird, geladen. Außers dem hatte diese Bombe fünf Schnüre von je 8 Meter Länge an sich, die ebenfalls deutsches Fabrikat sind. Am Auffindungsorte wurden weiter eine deutsche Mauserpistole, wie sie die deutschen SA.- Männer tragen, vorgefunden. Außerdem wurden einige andere Gegenstände vorgefunden, die zur Eruierung der Täter führen dürften. Der Anschlag wurde zweifellos in der Nacht des gestrigen Tages geplant. Die Täter wurden aber offenbar durch die Insassen des Amtsgebäudes verscheucht. rung aus der aktiven Karriere, an Ihren ehrgeizigsten Ambitionen hinderte. Ihr Bekenntnis zur Republik, zur Demokratie, zum Pazifismus während Ihrer kurzen demokratischen Periode" war Ihre Nache an der Monarchie, die Sie verehrter General im großen Krieg" glaubten entbehren zu können. In diesem Zusammenhang gestatte ich mir, Sie an ein Wort des hervorragenden Demokraten Payer zu erinnern, das ich Ihnen einmal wiedergab, als wir uns in Baden- Baden über Ihre neue politische Einstellung unterhielten. Damals kleidete ich meine berechtigten Zweifel über die republikanische Beständigkeit ehemaliger, kaiserlicher Offiziere in das„ bau Mot" Herrn von Payers, der mir einst in meiner Jugend sagte:„ Wenn Du einmal in Politik machst, dann hüte Dich vor ehemaligen Offizieren. Pfaffen, denn sie taugen beide nichts Sie lachten darüber und glaubten sagen zu müssen, wer dieses Kriegselend erlebte, der wird Zeit seines Lebens radifaler Pazifist sein". Nun, verehrter Excelenz, werden Sie wohl nicht im Schlafe davon träumen, daß Hitler, oder der kriminelle Göring, oder die SA. und SS. pazifistische" Neigungen befizen, sondern Sie wissen doch wohl, daß die Existenz dieser Räuber und Mörderbande in Wirklichkeit eine mehr als ernste Bedrohung des europäischen Friedens darstellen, trotz der besagten Reichstagsfriedensrede, des Nazi- Diaf. In diesem Brief will ich absehen von der„ pazifistischen" Haltung der SA. und SS. gegenüber den anders Denkenden „ Das seltsame Dokument, das der deutsche Delegierte, Herr Hugenberg, der Wirtschaftskommission der Konferenz vorlegte, ist ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen soll. Es war in einem Jargon gehalten, der wohl für eine leichtgläubige Nazi- Zuhörerschaft passen mag, aber ganz unpassend für ein Stomitee geschulter Wirtschaftler ist. Einige der Ideen hatten große Aehnlichkeit mit den oft öffentlich vorgebrachten Ansichten Dr. Schachts. Aber die meisten Sätze waren in dem mahnenden Stil abgefaßt, in dem die Führer des Hitlerismus ihre Gefolgschaft zu übers zeugen pflegen, daß sie nicht nur das Salz Deutschlands, sondern das Salz der Erde sind.... Es scheint unglaubwürdig, daß Hugenberg das Memos randum in Umlauf gegeben hätte, ohne die Zustimmung der Berliner Regierung, und doch wurde es, kaum herauss gegeben, schon wieder zurückgezogen. Seine wenigen tons treten Vorschläge waren so unzweckmäßig wie sein allges meiner Inhalt vage und sinnlos." Auf den gleichen Ton waren die übrigen Pressestimmen abgestellt. Niemand nahm die Narretei ernst, und am nächsten Tag sprach man nicht mehr davon, aber auch nicht mehr von Deutschland. Deutschland interessiert nur insoweit, als mehr oder weniger lange Berichte über den Terror gegen Sozia Itsten, Juden, Katholiken und Pazifisten gebracht werden, über den Streit zwischen Hitler und Hugenberg und vor allem über das Vorgehen gegen Oesterreich. In der Außenpolitik aber und in der Weltwirtschaftspolitik zählt es nicht mehr mit. Das Dritte Reich hats herrlich weit gebracht. Berliner Brief Wir kämpfen Wir erhielten folgenden Brief, der in Berlin am 24. Junt abgegangen ist: Bekannt wird Ihnen das Verbot der SPD. sein. In Berlin sind alle führenden Genossen seit Freitag resp. Samstag in Haft. Als da sind Löbe, Jürgens, Künstler, Litke, Sabath usw., alle Sekretäre, Kassierer Holz, Reichs- und Landtagsabgeordnete. Reichs- und Landtagsabgeordnete. In der Presse wird kaum darauf hingewiesen, so daß die Deffentlichkeit nicht viel davon merkt und erfährt. Ich weiß auch nicht, ob es einem unserer Genossen gelungen ist, nach außen Nachricht zu geben. Wenn wir als kleinere Funktionäre zur Zeit nicht viel ausrichten können, möchten wir doch, daß die Außenwelt davon etwas erfährt. Unser Kampf ist durch das Verbot der Partei und die Verhaftung unserer Spigenfunktionäre doppelt gefährlich und schwer geworden. Die Stimmung in weiten Bevölkerungskreisen ist für uns nicht schlecht, Die SA. haust wieder mal besonders aggressiv.- Es scheint, als ob die ganze Meute nur noch aus Geisteskranken besteht. Große Wut herrscht bei den Oberbonzen des Dritten Reiches darüber, daß sie sich auf der Arbeitskonferenz in Genf, als auch auf der Genossenschaftskonferenz in Basel die verdienten Niederlagen geholt haben. Der Arbeiterschaft Berlins ist dies eine Genugtuung.. Die Maßnahmen der Blutbestien treffen uns hart, vers mögen uns aber nicht kampfmüde zu machen. Im Gegens teil, wir sehen dem Endspurt mit eisiger Ruhe und guter Hoffnung entgegen. Was den Abwurf der Flugblätter über Berlin angeht, liegt wohl das Manöver in der Forderung nach einer Luftpolizei begründet; außerdem brauchte man eine Handhabe gegen die SPD. Also wohl dasselbe Theater wie mit dem Reichstagsbrand. Diese Zeilen haben nur den Zweck, die Außenwelt auf das aufmerksam zu machen, was augenblicklich ist. Es ist ebenso denkbar, daß Sie über die Dinge schon anderweitig unterrichtet sein werden. Doch glaube ich troßdem, für die Unterstüßung in unserem Kampf den richtigen Weg genommen zu haben. Denn wir wissen, daß für unsere Bewegung von außen mehr getan werden kann, als wir selbst vermögen. Wäre dem nicht so, hätte ja auch eine Internationale feinen Zweck. Mit sozialistischem Gruß und Freiheit! Ein Berliner Genosse. Den Abonnementsbetrag für Einzelabonnenten zuzüglich der Portospesen für den laufenden Monat werden wir jeweils am Anfang des Liefermonats, dem Wunsche der meisten Leser entsprechend, durch Na ch nahme erheben. Wir bitten, diese bei Bor zeigen sofort einzulösen, um unnüge Unkosten zu ersparen. Verlag ,, Deutsche Freiheit". in Deutschland, obwohl Ihne nein klein wenig dieser paziftstischen Handlungen bekannt sein dürften. Aber, daß Ihr Freund General Schöne ich seit Monaten als Pazifist im Münsterlager unter unjäglichen Dualen, ohne jegliche Anklage, gefangen gehalten wird, daß Ihre naben, guten Freunde Remmele, Stenz, Marum et Tuitti quanti, gleich wilden Tieren, der Masse in entwürdigenster Weise zur Schau gestellt wur den und heute in Kieslau den„ pazifistischen" Methoden der SA. und SS. überantwortet sind, das, verehrter Herr Deimling, will ich Ihnen in das Gedächtnis zurückrufen. Ihre republikanische Tünche ist nun abgewaschen im Platzregen der„ glorreichen Märarevolution", und Sie sind wieder der, der Sie im innersten Ihres Herzens immer waren, der „ Brigadier" in Mühlhausen, der eine sadistische Freude daran hatte, wenn den Marktfrauen durch die Hufen seiner Kavalleriepferde Gemüse, Eier und Butter zertrampelt wurden, der " Divisionär", der in Freiburg Berta von Suttner wegen ihrer Friedensgesinnung vor aller Welt verhöhnte, der Korpskommandeur" in Straßburg, der einen Fall Forstner in eine europäische Niederlage für Deutschland„ auszuwerten" wußte, furz, Sie sind wieder der Militarist, der Sie in Wirklichfeit immer waren. Ihr E'mel im Exil Antifaschisten sammelt euch! Her zu uns, wer die Barbaren stürzen will Die Nationalsozialistische Partet hat sich durch einen Gewaltstreich des Deutschen Reiches bemächtigt und ist jetzt ganz folgerichtig bestrebt, alle Organisationen zu ver nichten, die ihrer Alleinherrschaft gefährlich werden könnten. Dabei macht sie zwischen den verschiedenen Parteien nur tattische, teine prinzipiellen Unterschiede. Sie betrachtet die Vernichtung der Deutschnationalen genau ebenso als ihre Aufgabe, wie die der Kommunisten. Jahrelang hatte sie die Kommunisten für ihre Zwede eingespannt. Die Kommunisten halfen ihr im Kampf gegen alle Regierungen, die von den Sozialdemokraten unterstützt wurden, und holten ihr durch immer neue Amnestien immer wieder ihre Anhänger aus den Gefängnissen heraus. Sie halfen der Nationalsozialistischen Partei die Demokratie und alle freiheitlichen Errungenschaften der Arbeiterklasse herunterreißen und das parlamentarische System zu unterminieren. Ohne Hilfe der KPD. fein Sieg der NSDAP. Aber kaum hatte sie alle ihre Ziele erreicht, da führte sie schon den zerschmetternden Schlag gegen den Kommunismus. Mit den Deutschnationalen hatten sich die Nazis koaliert. Allerdings hatten sie schon in Harzburg erklärt, daß sie das nur tun wollten, um diese Partner so rasch wie möglich wieder herauszusehen. Sie haben sich dann der leicht angedoften" Exzellenzen bemächtigt, um mit ihnen eine Regierung zu bilden, da nur auf diese Weise der Schein einer parlamentarischen Mehrheit geschaffen und Hindenburg zur Ernennung Hitlers verleitet werden konnte. Nachdem dies geschehen war, eröffneten sie sehr rasch den Kampf gegen alles, Rettet Frieden und Freiheit Europas! Nieder mit den Verbrechern! was Deutschnational, Schwarzweißrot oder Stahlhelm heißt. Jetzt kommt täglich neue Kunde von Verhaftungen, Verboten usw., die sich gegen die Gruppe Hugenberg richten. Wie lange noch, und es wird nichts mehr von ihr übrig sein. Hoch klingt das Lied von der deutschen Treue! Das Zentrum hat sich, nach tapferen Versuchen einiger seiner Journalisten, die Unabhängigkeit der Partei aufrecht: feiner Journalisten, die Unabhängigkeit der Partei aufrecht: zuerhalten, widerstandslos gleichschalten lassen. Es hat das Ermächtigungsgesetz angenommen und damit sehenden Auges mitgeholfen, Deutschland des Charakters eines Rechtsstaates zu entkleiden. Es war am 17. Mai beeifert, dem neuesten Friedensapostel Hitler seine stumme Ergebenheit vor die Füße zu legen. Dadurch hat es aber nichts daran ändern können, daß ihm Herr Kube seine Vernichtung anfündigte. Zahlreiche Zentrumsführer sind unter entehrendem Verdacht verhaftet worden, und die Zentrumpresse, die längst den letzten Rest von Unabhängigkeit verloren hat, wird planmäßig den Händen der Partei entwunden. Alle will der Nationalsozialismus vernichten: die Kom munisten, die Deutschnationalen, das Zentrum. Ist die Illusion überhaupt möglich, er könnte für die Sozialdemokratie eine Ausnahme machen? Die Sozialdemokratie, jahrzehntelang und bis vor kurzem noch stärkste Partei Deutschlands, blieb auch nach dem schwin: delhaften Aufstieg der NSDAP. die zweitstärkste. Als eine Arbeiterpartei nach Herkunft und Wesen mit starkem Anhang in Angestellten- und Beamtenkreisen ist sie wie keine andere geeignet, das Sammelbecken aller Unzufriedenheit zu werden. Der Nationalsozialismus müßte sich selbst untreu werden, Französisches Echo! Nicht Greuelhetze, sondern Tatsachen Die französische Kaufmannschaft hat auf die ihr von verschiedenen deutschen Firmen zugegangenen Zirkulare an die Handelskammern in Berlin und Frankfurt am Main folgendes erwidert: „ Auch wir unterstreichen den Satz, daß wir keinen ehr: licheren Wunsch haben als in Frieden mit unseren Nachbarnvölfern zu leben. Jedoch können wir uns mit dem übrigen Inhalt Ihres Zirkulars nicht einverstanden ers flären. Wir wollen garnicht auf die Berichte der hiesigen Presse eingehen und es ist uns auch nicht bekannt, daß eine Grenelheze veranstaltet worden wäre. Ursache genug, deutsche Ware nicht zu beziehen, waren die aus Deutschland kommenden Rundfunkreden und der Ton der deutschen nationalen Presse, die sich nicht genug tun konnten, die wjüdische" Raffe zu beleidigen und herabzuwürdigen. Außerdem haben deutsche Rundfunkreden und Presses artikel das Volk so sehr gegen die Juden aufgehetzt, daß wir Ihr Volt bewundern, daß es nicht zu noch schlim meren Ausschreitungen gekommen ist. Ferner entnehmen wir Ihrem geschäßten Zirkular, daß Ihre Boykottbewegung gegen jüdische Geschäftsleute, Angestellte, gegen Aerzte, Anwälte usw. als Abwehrmaß nahmen hingestellt werden. Es scheint, daß Sie Ursache und Wirkung verwechseln. Wurde denn die Boykottbewegung gegen die Juden nicht sofort nach Beginn der nationalen Revolution unter: nommen? Wurden nicht Anwälte usw. nach Ihren eiges nen Presse- und Rundfunkberichten sofort auf die Straße gesezt? Wir haben hier das Empfinden, daß Sie das wenn er gutwillig gerade diejenige Partei bestehen lassen wollte, in der er seine gefährlichste Gegnerin erkennen muß. Tatsächlich hat die Hitler- Regierung nie auch nur einen Augenblick daran gedacht, die Sozialdemokratie zu schonen. Schon in der Nacht des Staatsstreichs hat sie den vernichtenden Schlag gegen die Parteipresse geführt mit der lügnerischen Begründung, ein Geständnis des Brandstifters beweise die Mitschuld der Partei am Reichstagsbrand. Haufenweise wurden die Funktionäre der Partei in Gefängnisse und Konzentrationslager verschleppt und manche von ihnen er mordet. Die Beschlagnahme des Parteivermögens und aller Einrichtungen der Arbeiterbewegung krönte das Werk. Auch das unglückliche Verhalten der Reichstagsfraktion am 17. Mai hat weder zur Freilassung der gefangenen Sozialdemokraten noch zur Zurückgabe des gestohlenen Arbeitervermögens geführt. Geholfen werden kann nicht durch Stillhalten, sondern nur durch Aktivität. Der gefährlichen Redensart, daß ießt Abwarten die„ revolutionärste" Handlungsweise sei, setzen wir unsere Ueberzeugung entgegen, daß gerade jetzt für die sozialistische Arbeiterbewegung nichts verderblicher sein könnte als Nichtstun und Stillhalten. Mit dem Erscheinen des „ Neuen Vorwärts" und der Deutschen Freiheit" sind Flaggen aufgezogen, die auch weit nach Deutschland hinein fichtbar werden. Sie rufen alle zur Sammlung, die fämpfen können und und wollen für die Befreiung Deutsch= Iands von der Despotie des Verbrechens, für ein freies Volk! „ Säuberung" Nur noch 131 Stadtverordnete in Berlin Bei der Stadtverordnetenwahl am 12. März wurden in Berlin 44 Kommunisten und 50 Sozialdemokraten gewählt. Von den 225 gewählten Stadtverordneten sind jetzt 94 kasfiert. Es verlautet in informierten Kreisen, daß von den übrigbleibenden 131 Stadtverordneten die 27 Mitglieder der Deutschnationalen Front, die sich inzwischen aufgelöst hat, die 11 Abgeordneten der Zentrumspartei, die 4 der Staatspartei, die 2 der Deutschen Volkspartei und der Abgeordnete der Christlichsozialen gestrichen werden sollen, soweit sie nicht der NSDAP. bereits beigetreten sind. Ganze als Vorwand benutzen, um den Juden ihre ange Hiliskomitee für deutsche Flüchtlinge stammten Rechte zu schmälern bzw. zu nehmen. Es tut uns leid, daß ein Volk, das wir so hoch schätzen wie das deutsche, in der Welt sein Ansehen so tief sinken läßt, indem es einen Teil seines Volkes, der immer mit solch großer Liebe an seinem Vaterlande hing, seine Menschenrechte nehmen will. Wir werden weiter mit Wachsamkeit die Verhältnisse in Deutschland betrachten und dementsprechend unsere Han: delsbeziehungen einrichten. Bitte von dieser Antwort gefl. Kenntnis zu nehmen und dafür zu sorgen, daß diese Volksverhegung vollständig eingestellt wird." Ein schweizerisches Dokument zur neudeutschen Kulturschande deutschen Flüchtlingen, die mit Weib und Kind eingetroffen sind, das Nötigste zu gewähren. Das Schweizerische Hilfsmerk für deutsche Gelehrte" hat nachstehenden Aufruf veröffentlicht, der ein dauerndes Dokument neudeutscher Kulturschande unter dem Zeichen des Hakenkreuzes bleiben wird: Die Ausübung und das Studium der akademischen Berufe ist gegenwärtig für sehr viele Reichsdeutsche, die der herrschenden Richtung entweder politisch oder rassenmäßig mißliebig sind, erschwert, ja sogar verunmöglicht. Ins besondere ist ehrfreiheit und Lernfreiheit an den deutschen Universitäten eingeengt wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Eine große Zahl von Opfern dieses neuen Kurses hat das Asyl unseres Landes aufgesucht, zum Teil unter dem Druck drohender Gefangen nahme, zum Teil in der Hoffnung, in der Schweiz eine Beschäftigungsmöglichkeit zu finden, die sie vor gänzlicher wirtschaftlicher Verelendung schützt. Uns Schweizern liegt fern, uns in die politischen Verhältnisse des Nachbarlandes einmischen zu wollen. Aber diese Neutralität auf dem Gebiet der Politik befreit uns nicht von der menschlichen Pflicht, uns für die traurige Lage der Schuhsuchenden zu interessieren. Dazu zwingt viele von uns schon das Gefühl innigster Dankbarkeit, das uns mit dem deutschen Geistesleben verbindet. Wir fühlen und denken wie unsere Ahnen, die in vergangenen Jahrhunderten Scharen von bedrängten Ausländern aus ganz Europa in ihre freien Städte aufgenom= men haben. Wir erinnern uns, daß unsere gastfreien Vorfahren feineswegs die einseitig Gebenden waren. Ein schöner Teil des geistigen Gutes der heutigen Schweiz hat seine Wurzeln in den kulturellen Schätzen, die jene Flüchtlinge aus ihrer Heimat zu uns mitgebracht haben. So fest wir von der Verpflichtung zur Hilfeleistung durchdrungen sind, so schwer bedrückt uns die Einsicht in deren Schwierigkeit unter den besonderen Verhältnissen der Gegenwart. Auch die Schweiz ist leider ein krisenbedrängtes Land. Auch bei uns haben viele Akademiker, Schriftsteller und Künstler Mühe, ein Auskommen zu finden. Aber wer Gelegenheit gehabt hat, die Not zahlreicher deutscher Asylsucher persönlich kennen zu lernen, wird sich durch die Tatsache, daß die Hilfeleistung für die bedrängten Gäste schwierig ist, nicht von der Erfenntnis ihrer ungeheuren Dringlichkeit abhalten lassen. Es gilt vor allem In zweiter Linie steht das Bemühen, für die Möglichkeit beruflicher Betätigung zu sorgen. Auch davon fönnen wir uns trotz aller Schwierigkeiten nicht gänzlich abhalten lassen. Wo es sich als ganz undurchführbar erweisen sollte, wollen wir den Flüchtlingen, die weiter wandern müssen, wenigstens zu menschlichen Reisebedingungen verhelfen. Vor allem eröffnen wir darum eine Geldsammlung unter Postscheck Schweizerisches Hilfswerk für deutsche Gelehrte" VIII 22,825 Zürich. Einzahlungen können auch bei sämtlichen Geschäftsstellen des Schweizerischen vereins" erfolgen. Das Ergebnis soll uns hauptsächlich instand setzen, in dringenden Fällen sofort individuelle Hilfe zu gewähren. Aber dabei wollen wir nicht stehen bleiben. Die berufliche Beschäftigung der Flüchtlinge soll nach Möglichkeit studiert und durchgeführt werden, soweit dies nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen und fremdenpolizeilichen Weisungen zulässig ist und ohne Beein trächtigung der Berufsmöglichkeiten der Schweizer selbst erfolgen kann. Für jeden guten Rat in dieser Richtung sind wir herzlich dankbar. Wir möchten besonders die Frage prüfen, ob nicht akademischen Lehrern und Schülern aus Deutschland dadurch geholfen werden könnte, daß unsern Universitäten und höheren Schulen die Erweiterung ihres Lehr- und Lernförpers durch finanzielle Beisteuerung erleichtert würde. Wir möchten einstweilen nur zu Versuchen und Studien ermutigt und ermächtigt werden und gedenken, Ihnen über das ganze Ergebnis dieser Anfangsaktion Bericht und Rechenschaft abzulegen. Herz und Geist sind es, die heute bei uns Schweizern angerufen werden. An unser Herz appelliert die bittere Not der deutschen Flüchtlinge. Bei unserem Geist aber pocht die Sympathie für eine großartige Kulturgemeinschaft an, die wir auch in schwerster Zeit nicht vergessen wollen. Das Komitee des„ Schweizerischen Hilfswerks für deutsche Gelehrte." Unterzeichnet ist der Aufruf von einer langen Reihe führender Schweizer, unter denen sich zahllose Universitätsprofessoren, Aerzte, Pfarrer, Ingenieure, Redakteure usw. befinden. Oberbürgermeister Landmann Vernichtender Schlag Die Stadtverordneten- Bersammlung in Frankfurt a. M. hat beschlossen, dem bisherigen Oberbürgermeister die Pe n= sion zu sperren und das Vermögen zu beschlag= nahmen. Landmann wird beschuldigt, an der Notlage der Stadt große Schuld zu tragen. Das Schicksal Landmanns wird wohl demnächst auch dem früheren Kölner Oberbürgermeister Adenauer und einigen feiner Kollegen bereitet werden. Nur Leute wie Jarres in Duisburg, die rechtzeitig Schlageter und andere nationale Märtyrer verherrlicht werden, werden ihre Pensionen be halten. Der Weltmeisterschaftsborkampf aller Gewichtsklassen zwischen dem amerikanischen Titelverteidiger Sharkey und dem Italiener Garnera im Madison Garden auf Long Jes land, dem etwa 40 000 Zuschauer beiwohnten, endete mit dem 1.0.- Siege des Jtalieners in der sechsten Runde, Unter dem Patronat bekannter Persönlichkeiten, u. a. des Großrabbiners von Frankreich, des Barons Robert Rotschild, des Erministers Pietri und andere, wurde in Paris eine allgemeine Assoziation für die deutschen Emigranten gebildet, die sich zum Ziele setzt, die deutsche Elite der Emigranten mit der französischen Elite der Intellektuellen, Künstler und der Wirtschaft in Verbindung zu bringen. Achtung! Abonnements für Paris! Bestellung sind zu richten an Le Courrier Socialiste, Paris 2, rue Feydeau 12. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Hubert Jüttner, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ,, Volksstimme" G. m. b H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. 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