Nr. 67. Abonnements-Kedingungen: Abonnements-Preti pränumerando: «ierteljährl. SL0 Ml., monatl. 1,10 SM., rvöcheutttch LS Pfg. frei in» Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Sonnlag»- Nummer mit tlluftrirter Sonntag»- Beilage„Die Neu« Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZLo Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ISN? unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland Z Marl pro Monat. 14. Jahrg. Dte Insertions- Gebühr betrögt für die fechsgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und PersammlungS-Anzeigen, sowie Arbettsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Erpedttion abgegeben werden. Die Erpedttion ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bit S Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich«utzer Montag«. Devliner VolksbleM. Fernsprecher: Sink I, Nr. IVOS. Telegramm-Adresse: «Soiialdemokrak Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, ZZenly-Straße 2. Spanische SchLlndthaken. Von einem der Prozessirten in Barcelona, einem Mann in höherer bürgerlicher Stellmig, geht uns eine Zuschrift zu, aus der wieder die maßlose Niedertracht zu ersehen ist, mit der die spanischen Behörden die Gesäuge»«» im Fort Montjuich behandeln. Der Schreiber erklärt, daß er selbst Republikaner und Mitglied einer Freimaurerloge sei, aber dem Anarchismus fernsteht, den er in jeder Weise bekampst habe, daß er seine Verhaftung nach seiner Ueber- zeugung nur der Denunziation der Jesuiten zu danke» habe, die er stets aufs heftigste bekämpfte und die ihn deshalb grimmig haßten. Der Brief ist in großer Eile geschrieben. Der Schreiber mußte auf dem Bauche liegend aus dem Zellenboden ihn schreiben, weil mau den Gefangenen iveder Tisch noch Stuhl gewährt. Daher ist der Brief an manche» Stellen so undeutlich, daß sei» Inhalt schwer zu entziffern ist. Kleine Jrrthümer in dem Ausdruck, namentlich in der Schreibweise der Namen, sind deshalb nicht ausgeschlossen. Das Schreiben lautet: .Nach Schluß des... Kriegsgerichts wurde ein Schriftstück redigirt, i» dem die letzten Erklärungen der Gefolterten niedergelegt waren. Dieses Aktenstück wurde den Richtern vorgelesen. Da jedoch der Untersuchungsrichter selbst das Schriftstück ausgesetzt halte und es nach dem Gesetze nur der Präsident des Kriegsgerichts zu unterzeichnen hat, so ist selbstverständlich, daß das Schriftstück, das mit den Gerichtsakten nach Madrid geschickt worden ist, kein Wort von den Folterungen enthält. Wir haben deshalb jede Hoffnung verloren, daß man uns noch nach Recht und Billigkeit behandle. Der Prozeß wird nicht kassirt werden. ch G Am Ende des Monats August oder Anfang September kam der Gendarmerielieutenant Portas zn Molas in die Zelle des Briesschreibers und sagte ihm, daß er an seinem Martyrium nicht schuld sei und, um ihm die Wahrheit seiner Worte zu beweisen, zeigte er ihm eine von Ansang April vorigen Jahres datirte Mittheilung und erzählte ihm folgendes: Verschiedene Deputationen ans der Caspostraße(in der beiläufig be- merkt die Jesuiten«in Kloster habe») hätten de» damaligen Gouverneur von Barcelona besucht und ihm mitgetheilt, daß die Anarchisten ein Attentat vorbereiteten. Der Gouverneur, der den Führer der Barcelonaer Anarchisten, Ascheri, im Solde hatte, habe darauf geantwortet, daß er daran nicht glaube, da ihm sein Agent darüber keine Mittheilung gemacht habe. Nach einigen Tagen berichtete Freiseer, der Polizei- chef, dasselbe an den Gouverneur. Durch diese wieder- holten Angaben beunruhigt, ließ der Gouverneur Ascheri kommen, und dieser im Einverständniß mit Freiseer präsen- tirte einen Bericht, den er unterschrieb, in dem er 23 von den jetzt Angeklagten denunzirte und ihnen die Rollen zuschrieb, aus die sie im Prozeß nachher angeklagt wurden. Es ist dieser Geschichte, die Portas erzählte, nicht viel Glanben beizumessen. Was Portas mit dieser Darstellung erreichen wollte, ist: sich von aller Schuld freizusprechen und diese auf Ascheri ab- znwälzen. »« Als die Schinderknechte die armen Gefangenen auf die Folter spannten, entschuldigte» sie sich damit, daß sie arme Soldlente seien, daß die Qualen, die sie ihnen bereiten müßten, nicht von Portas, sondern von höherer Stelle angeordnet seien. Sollte einer der Gefolterte» als Zeuge einem anderen gegenüber gestellt werden, so sagten sie ihm vorher den Namen desselben und beschriebe» den Anzug, das Schnhzeug und alle äußerlichen Kenn- zeichen dessen, den man ihnen gegenüber stellen wollte. Einmal halte Marzo den Zynismus, zu Molas zu sagen: Wie kommt es, daß alle, die ich Dir gegenüberstelle, rundweg das leugnen, was Du sagst? Molas antwortete: Schicken Sie sie nur einige Tage in die Folterkammer, wie Sie es mit mir lhate» und schnell werden unsere Aussagen übereinstimmend sein. Eines Nachts, als Sunns gefoltert wurde, fiel er in Ohnmacht, da ihm der Hodensack platzte. Die Henker laufen bestürzt zu Marzo und meldeten es ihm, worauf dieser antwortete: Ach was, das wird nicht so schlimm sein! Darauf setzten sich die Henker in Bewegung und trugen Sun»«, wie wir glauben, nach Nr. 6 am Exerzierplatz. Wir sahen dieses aus unserer Zelle und der Dr. Paz, der gerade in unserer Zelle anwesend war, wurde eilig gerufen. Dieser Vor- gang beweist, daß Marzo von den Folterunge» wußte, was er bis jetzt geleugnet hat. Der Kommandant des Schlosses ging morgens ans der Bastion, ans welche von den unterirdischen Zellen die Fenster mündeten, spazieren. Molas, der eine Zigarette rauchen wollte, bat den Gen- darmen Mayans um Feuer, da die Gefangenen keine Schweselhölzer bei sich haben dürfen. Statt dessen giebt ihm der Gendarm einen fürchterlichen Fanslschlag ins Gesicht. Molas glaubte sich bei dem Kommandanten beschweren zu sollen, in der Hoffniing, daß eine bessere Behandlung ihm zu theil werde. Der General hieß ihn grob zum Teufel gehen, er kümmer« sich um solche Lappalien nicht. Der Apparat, mit dem ein Theil der Gefangenen am Kopse ge- foltert wurde, ist folgender: Es ist ein eiserner Cylinder, der im Vordertheil ein Scharnier hat. Alle Stücke sind beweglich und werden durch eine kleine Kurbel, die der Garolte ähnlich sieht, an- gedreht. Ein Stück zwängt die Oberlippe ei» und zieht sie»ach oben und reißt das Fleisch der Lippe von dem Zahnfleisch los; ein anderer Theil des Apparates faßt und zieht die Unterlippe nach unten. Um das Athmen möglich zu mache», ist der Apparat mit einem Röhrchcn versehe», das sehr tief in den Mund gesteckt wird. Der Apparat ruht auf der Schulter und zwei nach oben drückende Theile quetschen Kinnbacken und Schläfe. Dieser Apparat wurde bei Cnllis und Molas angewandt. Letzterer ist später wahnsinnig geworden. Molas wurde bis vor kurzem vor niemanden gelassen, um die schrecklichen Verstümmelungen verborgen zu halten. Nogues sagt, daß man ihm mit einem brennenden Eisen eine Hinterbacke verbrannte. Noch heute sieht man die Narbe in Form ernes lateinischen N. Sunnö wurde so gefoltert, daß er an den Vorderarmen söruckiche Armringe von zusammengequetschtem Fleisch bekam. Portas bedrohte die Gekangenen mit den schlimmsten Miß- Handlungen, wen» sie vor dem Kriegsgericht über die an ihnen ver- übte Tortur sprechen wollten. Molas war der erste, der dennoch diese Scheußlichkeilen znr Sprache brachte. Der Auditenr flüsterte daraus dem Präsidenten des Gerichtshofes etwas zu und dieser verbot Molas de» Mund. Darauf erhob sich ein Artilleriekapitän, der den zweiten Platz znr Rechten des Präsidenten inne hatte, und erklärte, das Gesetz mache den Angeklagten zur Pflicht, zu sagen, was sie zu sagen hätten. Darauf snhr Molas fort, Portas und die Gendarmen wegen ihrer Schandthate» anzuklagen, aber der Präsident verbot ihm abermals, zu sprechen und als Molas hiergegen protestirte, ließ er ihn aus dem Gerichtssaal bringen. Als Nogues vor dem Gerichtshof erschien und auch von den Folternngen zu rede» anfing, wiederholte» sich dieselben Szenen wie bei Molas. Darauf erhöh sich der erwähnte Artilleriekapitän — Don Mariano Fino ist sein Name— der in Ehren genannt zu werden verdient, und las die Artikel des Gesetzes vor, die dem Angeklagten alles zu sagen erlauben, was er für seine Vertheidigung nöthig hält. Nogues erreichte jetzt, daß man eine Untersuchung zu- sagte. Nach Nogues traten Ulas und Sunnv auf und erzählte» ebenfalls was sie erlebt hatten. Nach Schluß des Kriegsgerichts kam Portas in die Zellen der Gefangenen nnd spielte sich als reumüthigen, von Gewissensbissen geplagten Bienschen auf, der nur that, was andere angeordnet hätte». Die Gefangenen straften ihn mit Verachtung. Von jetzt ab erhielten sie etwas besseres Essen(Soldatenkost). Ende Januar oder anfangs Februar kamen vier Jesuitenpater nach Schloß Montjuich, um die Gesollerlen zu belehren. Bei Ascheri und Ulas soll ihnen dies scheinbar gelungen sein. zum Loh» haben diese viel bessere Kost und Behandlung und dürfe» täglich mehrere Stunden aus dem Exerzierplatz spaziere» gehen. Molas dagegen fertigte die Geistlichen so ab, daß sie nicht wieder kamen. Das gleiche that Snnnö. Als der Jesnitenpater zu ihm kam und er ihn erblickte, zeigte Sunne ihm ohne ein Wort zu sagen, seine zerstörten Hoden und drehte ihm daraus den Rücke». Der Jesuit blieb einige Augenblicke wie auf dem Boden angenagelt stehen nnd verließ wortlos die Zelle, um nie wiederzukommen. Seit dem 7. Januar bewacht man die Gefangenen sehr streng, alle 43 Stunden läßt man sie andere Zellen beziehen: sie dürfe» keine Leibbinde(eine breite Wollenbinde, die bei dem Südländer die Hosenträger vertritt) tragen, noch dürfen sie Schweselhölzer besitzen. Alles Schreibzeug hat man ihnen fortgenomme» und durchsucht sie jeden Tag vom Scheitel bis zur Zehe." Soweit der Brief. Die Grausamkeiten der spanischen Behörden werden durch diesen Brief aufs neue bestätigt. Das Vorhandensein mittelalterlicher Marlerwerkzeuge in de» Kasematten von Montjuich spricht dafür, daß diese Apparate zum regelmäßigen Handwerkszeug der Untersuchungs- nnd Gefängnißbehörden gehören. Danach sind also die Untersuchungsmethoden der heiligen Inquisition noch heute in Spanien im Schwange. Und das nennt sich einen allerchristlichsten Staat. Wenn das in Spanien pq�sirt, da kann man ermessen, wie diese Gewaltmenschen. Herren von Madrid, ans Kuba und den Philippinen ihre Kulturmission betreiben. Die Scheusäligkeiten dieses Regiments sind himmelschreiend, aber keine west- oder mitteleuropäische Re- gierung rührt sich, um die Regierung ihrer allerchristlichsten Majestät in Spanien— und bekanntlich ist eine Frau dort Regentin— nicht an ihre Herrscher-, sondern au die einfachste Menschenpflicht zu erinnern. Das sind Zustände, die Attentäter züchten; und wer will dem Gemarterten es verübeln, wenn er schließlich znm äußerste» greift? Man spricht von der Kultur und Zivilisation des nenn- zehnten Jahrhunderts, aber was sich heute in Spanien abspielt, ist der bitterste Hohn ans diese Bezeichnung. Die Träger und Werk- zeuge dieses Systems sind nicht werth, daß sie die Sonne bescheint. Schmach und Schande über sie. polikifche AeberZrcht. Berlin, 19. März t897. AuS dem Reichstage. Das Interesse an der Marine- debatte hatte auch heute die Tribünen und den Saal gefüllt. In der Fürstenloge folgte Prinz Heinrich, der mit seinem Adjutanten und einigen höheren Marine-Offizieren anivescnd ivar, den Verhandlungen. Nur während der Rede des Abg. v. Ben- n i g s e n zogen sich der Prinz nnd sein Gefolge ans der Loge zurück. Sollten die Herren eine Ahnung davon gehabt haben, daß der nationalliberale Hinterfrontmarschall nur recht wenig Interessantes zu sagen hatte? Eingeleitet wurden die heutigen Verhandlungen durch eine längere Darlegung des Standes unserer Reichsfinanzen durch den Grafen Posadowsky. Da es sich um Bewilligung von Ausgaben handelt, so schilderte der Herr Graf die Finanzlage in den glänzendsten Farben. Zugleich suchte der Redner das Zentrum kirre zu machen und speziell die bayerischen Mit- glieder dieser Partei, indem er neben anderem auch die Einführung des warmen Abendbrots für die Soldaten versprach. Hierauf kam unser Genosse v. V o l l m a r an die Reihe, um in einer vorzüglichen Rede die Stellung unserer Partei zu der Marinevorlage wie zu dem Land- und Wasserchauvinismus überhaupt darzulegen. Unser Redner sprach zunächst die Vermuthung aus, daß die gestrige Defilirkour der Minister wohl weniger den Zweck gehabt habe, die Parteien im Hanse umzustimmen, als wie nach anderer Richtung sich zu decken. An der Stimmung im Hanse gegen die Mehrforderung sei wohl z. Z. nichts zu ändern, mit allen Mitteln der Pression lasse sich keine Hurrahmajorität schaffen. Der jetzt aufgestellte Flottenplan habe die ärgsten Pessi- misten überrascht, mit demselben seien alle früheren Zusagen über den Haufen geworfen. Es zeige sich jetzt, daß die Re- gierung seit Jahren mit dem Reichstage Verstecken spiele. Immer mehr drängen sich die Allüren des persönlichen Re- giments in den Vordergrund, welche aber unvereinbar seien mit den Grundsätzen eines parlamentarisch- konstitutionellen Regiments. Weltpolitik zu treiben ist der unausgesprochene Zweck aller dieser Strebungen nnd der Marineminister ist nur das Ecl,o für eine andere wohlbekannte Stelle. Diese Weltpolitik würde aber unabsehbare Gefahren im Gefolge haben, besonders Kirpedition: 8V. 19. Wettty-Straß- 3; bei dem immer mehr sich bemerkbar machenden Thatendrang in maßgebenden Kreisen. Weltpolitik nach außen heiße Janimerpolitik im Innern; dieser Entwickelung müfse mit aller Macht entgegen gewirkt werden. Vollmar frägt die Marineschwärmer, ob sie bereit sind, die Kosten der Vorlage ans ihrer Tasche zu zahlen? Mit Worten ja, in Thaten nein. In Wirklichkeit zahlt das arbeitende Volk, das durch eine künstliche Lebensmittel-Vertheuerung gebrand- schätzt wird. Redner wandte sich dann an die verschiedenen Parteien. Die„nationalen" Parteien freilich seien un- belehrbar. Das Zentrum aber, das im vorigen Jahre nnt seinen Bewilligungen den kleinen Finger gereicht habe, ernte jetzt den Dank dafür. Ganz richtig sei es, wenn Dr. Lieber in der Kommission von sich selbst gesagt habe, er stehe sjetzt da als der blamirte Europäer. Möge das dem Zentrum eine Lehre sein. Man lasse sich durch Drohungen nicht einschüchtern. Wenn einflußreiche Personen sich znm Kolporteur von Drohungen hergeben, so sei das schlimm genug, aber der Reichstag habe solchem Treiben gegenüber erst recht die Pflicht, fest zu bleiben. Man wisse ja, wo die Neigung zum Konflikt gehegt werde, man stärke diese Neigung nur, je mehr und je öfter man nach- gebe. Muß aber der Konflikt durchgefochten werden, dann je eher desto besser. Jetzt nachgeben heiße das Volk entmuthigen. Wenn fchon, denn schon. Die nun folgende Rede des Herrn v. Bennigsen war sachlich von geringer Bedeutung. Natürlich bewilligt der Herr Oberpräsident und seine Freunde die Kreuzer, aber von einer Flotte ersten Ranges wollen auch sie nichts wissen. Geld und Mannschaft würden dafür fehlen. Auch die verstärkte Flotte wie das Landheer nur, sollen dazu dienen, den Frieden zu erhalten.' Interessanter war, was Herr v. Bennigsen den in letzter Zeit wieder vielfach anftretenden Staatsstreichgelüsten gegenüber sagte. Der Redner warnte in der entschiedensten Weise vor dem Versuche, ein absolutistisch-diktatorisches Regiment einzuführen und prophezeite er jedem solchen Versuche daS Schicksal Napoleon III. Der Redner warnte aber auch vor der Auflösung des Reichstages, denn Neuwahlen würden sicher keinen der Flotten-Vorlage freundlicheren Reichstag bringen. Diese Vorlage sei keine Wahlparole. Man solle warten, vielleicht finde sich im nächsten Winter eine Majorität. Nach Bennigsen hielt Richter eine fulininante Rede gegen die Vorlage und das immer mehr sich vor- drängende persönliche Regiment. Auch dieser Redner be- handelte die Möglichkeit eines Konflikts. Außerdem polemisirte er scharf gegen jene Art Weltpolitik, die sich durch eine sensationelle Art der Einmischung überall, wo etwas los sei, kennzeichne. Mit dieser Rede war der Höhepunkt der heutigen Debatte erreicht. Mit bekanntem Geschick polemisirte noch Herr von Marschall gegen einige Ausführungen Richtcr's. WaS aber die nachfolgenden konservativen Redner v.Plötz, v. Leipziger und Graf v. L i m b n r g- S t i r n m zu sagen wußten, lohnt der Erwähnung nicht. Die Sitzung wurde vertagt, um morgen 11 Uhr fortgesetzt zu werden.— DaS preußische Abgeordnetenhans nahm heule zunächst nach kurzer Debatle einen Autrag V i r ch o iv an, in welchem die Regie- ruug aufgefordert wird, wen» irgend thunlich, noch im Laufe dieser Session dem Landtage einen Gesetzentwurf über die Einnahmen und Ausgaben vorzulegen. Die Vorlegung eines Komptabilitüls» gesetzcs ist eine alte Forderung fämmtlichcr Parteien deS Hauses, deren Ersüllung bereits zu verschiedene» Malen von der Regierung verheißen worden ist. Auch heule er« kannte Finanzminister v. Miquel an, daß«in solches Gesetz wünschenswerth sei. Er habe einen Entwurf ausgearbeitet, der jedoch bei verschiedene» Ressorts Anstoß gesunde» habe. Jetzt hätte» sich die Bedenke» erheblich vermindert, und er hoffe, daß er das Gesetz noch in dieser oder aber in der nächsten Session ein« bringen könne.— Die Redner sämmtlicher Parteien sprachen sich für den Antrag aus.— Hierauf erledigte das Haus den Etat der Berg-, Hütten- und Saline»-Verwaltung, bei welchem wie alljährlich Abg. Dr. Arendt(jrk.) seine bekannte Silberrede hielt. Als interessanter Zwischenfall ist noch zu erwähnen, daß der Abg. v. E y» e r», dessen Aenßerung über die Marine im Abgeordneteuhause gestern von dem Abg. Müller im Reichstage bekanntlich als Blödsinn bezeichnet wurde. Gelegenheit nehmen wollte, in einer persönlichen Bemerkung zu antworten. Der Präsident v. Köller gestattete ihm das nicht, erklärte aber, daß, solange er die Ehre habe, dem Hause zu präsidiren, er nicht dulden werde, daß derartige Ausdrücke gegen ein Mitglied des Herrenhauses oder des Reichstages von einem Redner gebraucht würde». Morgen: Etats der indirekten und direkten Steuern. Der achtzehnte März ist, wie aus telegraphischen und brieflichen Mittheilungen ersichtlich, in der ganzen Welt ge« feiert worden— wie das einem W e l t s e ft e geziemt. Keine Stadt in den zivilisirten Ländern, wo der achtzehnte März nicht gefeiert worden wäre, wo er nicht imposant gefeiert worden wäre. Begeistert nnd friedlich, wie der Sozia« lismus es mit sich bringt, wenn er nicht gewaltsam durch Ruhestörung von oben aus seiner Friedlichkeit heraus und zur Abwehr gezwungen wird. Diesmal scheint die Feier überall ruhig verlaufen zu sein, obgleich die Polizei hier und da in bekannter Weise sich einmischte, nnd au manchen Orten, namentlich des Mnsterlands Sachsens, Versammlungen znr Feier des 18. März verboten hat. Am großartigste» war diesmal die Feier in unserem Deutschland, was sich aus der iuuerpolitischeu Krise er- klärt, die sich untrüglichen Anzeichen nach zu einer Entscheidung zuspitzt, und uns jedenfalls schwere Konflikte in Aussich5 stellt, bei denen unserer Partei die E h r e n r o l l e des Vor- k a ui p s s zufallen muß. In solchen Momenten ei»pfiudeir.die Cenosscn das doppelte Bedürfuiß, in brüderlicher Gemeinschaft mit einander zu verkehren, ihre Reihen zu zählen— wie das sich frommt vor der Entscheidung. Und wir haben unsere Reihen gezählt— in Deutschland und in den übrigen Staaten der Welt. Wo ist die Partei, die eine ähnliche Heerschau vornehmen könnte! Der gestrige Tag hat uns wieder die Stärke unserer Partei gezeigt.— Griechenland hat bis Sonntag bestimmt Ruhe. Was nachher geschehen wird, ist bei der Schwierigkeit, die Einigkeit der Mächte zu erhalten, nicht vorauszusehen. Die„Agence Havas* meldet ans Athen: Die griechische Regierung hat beschlossen, die Kriegsschiffe „Alpheios" und„Peneios" von Kreta zurückzurufen. Oberst Vassos steht noch in Alikianu; dort wurden drei Personen alt Spione verhaftet. Eine Depesche ans K a n e a vom gestrigen Tage meldet: Die Proklamalion der Admirale an die kretische Bevölkerung wird erst morgen früh veröffentlicht werden, da hinter dem Passus von der Souzeräuetät des Sultans folgende Aenderung eingeschoben werden soll: Wohlverstanden solle» die Kreter von jeder Kontrolle der hohe» Pforte in ihre» inneren Angelegenheiten befreit sein. „Daily News" zufolge hat Oberst VassoS 2000 griechische Soldaten und 17 000 Insurgenten zur Verfügung. In Bulgarien gewinnt die Stimnumg für ein Znsammengehen mit Griechenland an Boden. Aus London wird depeschirt: Sir Harcourt erklärte, daß die Broschüre Cladstone's über die Freiheitskämpfe Kreta's heute erscheine» wird. Gladstone sucht darin zu beweisen, daß Rußland und Deutschland das einzige Hinderniß für die Befreiung Kreta's seien.— Chronik der Majcstiitsbeleidiauugs Prozesse. Aus Braun- schweig wird gemeldet: Der Mazestätsbeleidigung wurde vor der Erste» Slrafkamuier des Landgerichts der Tischler(äiropp von hier beschuldigt. In, Dezeniber v. I. soll er gelegentlich in der Tischler- Werkstatt des Tischlernieisters Mörecke, wo er zur Zeit arbeitete, in bezug auf den deutschen Kaiser beleidigende Aeußerungen gemacht haben. Am 30. Dezember wurde dann der Staatsanwaltschaft von einem seiner Kollege», dem Tischler Arthur Wöhlecke, davon Anzeige gemacht. Der Angeklagte bestritt aber die ihm zur Last gelegte Beleidigung, da seine regierungsfreundliche Gesinnung eine solche gar nicht zulasse. Der Gerichtshof erkannte auf zwei Monate Ge- fängniß. »« « Deutsches Reich. — Die Misöre der Arbeiterkolonien kommt nach- gerade auch de» Machern dieser sozialpolitischen Institute zum Bewußtsein. Diese Errungenschaften moderner Arbeiterfursorge sollen bekanntlich einerseits die Gesellschaft von den arbeitslos und bettelnd auf der Landstraße umherziehende» Vagabunden befreien, andererseits sollen besagte. Vagabunden" in den Arbeiter- kolonien„gebessert" und wieder„arbeitswillig" gemacht werden. Aber, o Jammer! so lange die„Vagabunden" die Knochen rühren könne», gehen sie nicht hinein in diese„Wohlthätig- keitsinstitute" und nur die Krüppel wissen in ihrer Roth nichls besseres zu thun, als deren Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auf einer Zusauunenkunft des Zentralvorstandes deutscher Arbeiterkolonien im Herrenhaus faßte der Vorsitzende Geheimer Regie- ruugsrath von M a s s o w die geschlossenen Verhandlungen dahin zusammen:„Die Arbeitcrkolonien sind nicht dazu da, arbeitsunfähige Leute durchzufüttern; man soll sie aber auch nicht direkt abweisen, sondern versuchen, sie anderswo unterzubringen. Es wäre aber eine falsche Barniherzigkeit, diejenige», die den Ver- sorgungsort verlassen, aufs neue wieder in die Kolonie aufzu- nehmen." Und der Sinn? Auch die Herren v. Massow und Kon- sorten sind mit ihren Maßnahmen nicht im stände, das Elend von der Landstraße zu entfernen.— Das haben wir aber schon lange gewußt!— — Etwas vom U n t e r n e h m u n g s g e i st K r u p p' s. In unserer letzten Notiz über die Werft Krupp'S in Kiel meinten wir, daß es höchst auffällig sei, daß die Beendigung des großartigen Ausbaues der Germania-Werft gerade zusammenfalle mit dem Zeit- puukt, wo die ersten der jetzt vom Reichstag verlangten Kriegsschiffe würden in Bau gegebe» werden können. Dieser selben Meinung werden nun so allgemach auch die Aktionäre der Germania-Werft und eine dieser armen Kapitalistenseelcn macht seinem kummervolle» Herzen in der„Süddeutschen Börfen-Zeitung" Luft. Er meint, die bisherigen Aktionäre seien schwer benachtheiligt, denn die Aktien, welche vor acht Jahren zn 160 pCt. angekauft worden und nun „unter diesen Uniständen" 300 pCt. werlh wären, seien an Krupp für IIS pCt. verkauft worden.„Das Aktienkapital der Germania ist B�/e Millionen Mark! Etwa 828 Millionen will der Staat auf vier Jahre hinaus für Marinebauten verwenden. Gering ge- rechnet dürften für 60 Millionen Aufträge der Germania-Werst zukommen, d. i. 15 Millionen im Jahre, an welchen etwa 30 pCt. oder 4>/, Millionen im Jahre zu profitiren sind. Rechnet man hierzu die Gewinne des laufenden Geschäftes, so ist anzunehmen, daß für die nächste», mindestens 4 Jahre alljährlich das ganze Kapital von BVs Millionen zu verdienen gewesen ist resp. künftig von der ?irina Krupp verdient werden wird. Sonach hätten mit Leichtig- eit während der nächste» 4 Jahre Dividenden von je B0 pCt. bezahlt werden können bei Rückstellungen mindestens in der Höhe des ganzen Aktienkapitals, und nach dieser Zeit würde das Werk mit Null zu Buch gestanden haben. Daß die Aktie» zum Preise von 800 pCt. unter diesen Umständen billig wären, glauben wir im Vorstehenden nachgewiesen zu haben. Es resultirt hieraus, daß Herr Krupp die Germania-Werft um etwa 10 Mill. Mark zu billig an sich brachte, wodurch die Aktionäre i» unerhörter Weise vergewaltigt worden sind." So die trübseligen Betrachtungen unserer armen, prozenlhungrigen Kapitalistenseel«. Ja, wenn auch die Aktionäre schon vorher von den Marinepläne» gewußt hätten, dann hätte Krupp die Werft nicht bekommen. Aber warum haben sie auch nicht «inen so„tiefen Einblick" in das Kommende, wie Herr Krupp. Uns kann eS gleich sein, wer sich verrechnet hat, Krupp oder die Aktionäre. Für uns steht es fest. daß ohne Kenntniß der kommenden Flotten- pläne die Firma Krupp nicht die Werft übernommen halte, denn dazu hat die Firma Krupp viel zn schlaue Direktoren, als daß die- selben für nicht? und wieder nichts die Millionen in unsicheren Spekulationen verpulvern. Hoffe» wir, daß der Reichstag die Spekulation Krupp's durch Ablehnung der Flottenpläne zn nichte macht und wenn dann„ein Kladderadatsch entsteht, wie noch keiner da war", so kann es uns recht sei», wir können nur gewinnen.— — Der Verbannungsort des national-sozialen Pastors Kötzschke ist uns in den schwärzesten Farben geschildert worden. Nun geht uns aus Sierakowitz«ine Zuschrift zu, die unsere Darstellung in wesentlichen Punkten berichtigt. Wir ent- nehmen dem ausführlichen Schreiben einiger Bewohner von Siera- kowitz, die sich aus Unkenntniß des Preßgesetzes auf dasselbe berufen, folgendes: Der Ort hat 1260 Einwohner, die in 100 zum großen Theile niafflv gebauten und mit harter Bedachung versehenen Häusern wohnen. Auch zweistöckige Häuser fehlen nicht,«in Theil des Dorfes hat städtischen Charakter. Der Schnapskonsnm soll in den letzten Jahren sehr zurückgegangen sein. Der Tagelohn für Männer soll 1,50 M. betragen.«Schlägereien und Mefferstechereien ge- bören selbst an den großen Jahrmärkten, wo viele tausend Menschen zusammenströme», zu den äußersten Seltenheiten. Anzeigen beziehungsweise Bestrafungen wegen Körperverletzung sind in Sierakowitz und Umgegend, soweit erinnerlich, überhaupt nicht vorgekommen. Für die 130O Seelen starke evangelische Gemeinde ist eine Kirche und für den Geistlichen eine angemessene Wohnung vorhanden. Daß Sierakowitz und Umgegend beim Ausbau deS Bahnnetzes nicht seiner Bedeutung entsprechend berücksichtigt worden ist, muß mit Bedauern zugestanden werden. Wir theilen im obigen die wesentlichen Punkte der uns über- sandten Berichtigung mit und bedauern, daß wir irregeführt wurden. Was Pastor Kötzschke anlangt, so hat seine Gemeinde in mehr- fache» unwidersprochen gebliebenen Kundgebungen betont, daß sie seine Versetzung nicht wünscht. Sie hat auch dieser Meinung in einer Immediateingabe an den Kaiser Ausdruck gegeben. Pastor Kötzschke muß aber Sangerhausen verlassen. Er hat König Stumm'» Arbeitersreundlichkeit in einer Weise beleuchtet, die dem Herrn nicht angenehm war und da ist keine Strafe schwer genug.— Nicderhaßlau. 13. März.(Eig. Ber.) Wie wir bereits früher meldeten, hat die Amtshauptmannschaft Zwickau bereits sechsmal den Bergarbeiter Knoll als Gemeiudevorstand abgelehnt. Stuf die er- folgte Wiederwahl ist nun wieder eine Ablehnung seitens der Amts- hanplniannschast erfolgt, zugleich mit der Androhung, daß der Ge- meinderath, wenn er auf feinem Eigensinn beharren sollte, aufgelöst werde.— Das könnte uns recht sein, dann würde unsere Majorität noch größer.— In der letzten Gemeinderaths-Sitzung wurde auch die Vorlage, betr. Anschaffung einer theuren Fahne in den Landesfarben abgelehnt. Den ablehnenden Standpunkt ver- trat unser Genosse Zenker i» so treffender Weise, daß heute die ge- sammte Ordnungspresse in das bekannte Wuthgeheul ausbricht. Dessau, 19. März. Der Landtag beschloß, de» Lotterie- vertrag mit Sachsen zu kündigen»nd der neu zu be- gründenden thüringisch-anhaltischen Landeslotterie beizutreten.— Ditsscldorf, 16. März. Gustav Stoffers, Redakteur der„Bürger- zeitung", der sich bekanntlich längere Zeit in England aufgehalten hatte, hat am 15. d. M. die neunmonatige Gefängnihstrafe au- getreten, die die Düsseldorfer Strafkammer wegen eines politische» Vergehens gegen ihn erkannt hatte. Koburg. 19. März. Im Landtage wurde heute an den Staatsminisler von Strenge das Ersuche» um definitive Aufhebung der angefochtenen Ministcrial-Jnftruktion bis znm 23. März gerichtet.— Der Landtag nah,» den Staatsvertrag mit Preußen, betreffend die Herstellung einer Bahn von Niederfnellbach nach Roßbach und von EberSdors nach Weidhauseu an und be- willigte zum Bau derselben eine» Staatszuschuß von BOOOOO M.— Gera, 19. März. Ter Landtag nahm heute den Antrag der Volkspartei auf Revision des Vereinsgesetzes an.— — Reuß ä. L. belheiligt sich nicht an der Zentenarfeier. Der Fürst ist zur„Wiederherstellung seiner angegriffenen Gesundheit" »ach Italien abgereist.— — Wieder einmal der Staat gerettet. Der An- schlag von Plakate», aus denen die neueste Krafft'sche Broschüre: „Fürnehiuer Geist", empfohlen wurde, ist von der Münchener Polizei nicht gestattet worden. Engelrein steht nun wieder der Militaris- mus da.— Oesterreich. — Die Rekonstruktion des Kabinets Badeni dürste bald nach dem Abschluß der Wahlen erfolgen. Selbst die so abgeblaßte» Liberale» im Ministerium, wie der Unterrichts- minister Gautjch und der Justizminister Gleispach, solle» zum Aus- tritt gezwungen werden, und der unpolitische Landesvertheidignngs- minister Welsersheimb soll weiche», u>» Platz zu schaffe» für die Vertreter der neue» Majorität. Durch Verschiebungen der Ressorts sollen das Unterrichts-, Finanz- und Justiz- Ministerium freigemacht werden für je eine» Vertreter der Jung- czccheu, der Klerikale» und der böhmischen Großgrundbesitzer. Die Christlich-Soztalen sollen mit der Bestätigung Lueger'S zum Wiener Bürgermeister abgespeist werden. Die polnisch-jungczechisch-kleritale Majorität, auf die stch Graf Badeni künftighin' stützen muß, ist keine bequeme und leicht zusammenzuhaltende Majorität. Die Klerikalen und Christlich- Sozialen fordern als Preis sür die Unterstützung der Regierung die Auslieferung der Schule a» die Kirche und die Rückwärts- revidirung des Schulgesetzes. Daraus können aber die Jnngczeche» nicht eingehen. Die Hauptaufgabe des Ministeriunls ist die' Durch- führung des Ausgleichsvertrages mit Ungarn. Den von de» Ungar» geforderten und vom Kaiser unterstützt«, Zugeständnisjen werden Christlich-Soziale und Klerikale nicht zustimmen wolle». Hierzu kommen die Schwierigkeiten seitens der oppositionelle» Polen und der national-radikalen Deutschen. Alles Anzeiche», daß Badeni nicht allzulange Ministerpräsident bleiben, oder das Abgeordnetenhaus nicht lange vor Auslösung sicher sein wird.— — Bisher sind 2B1 Abgeordnete gewählt, deren Parteizugehörigkeit bekannt ist. Diese sind nach ihrer Parteistellung: 36 Klerikale, IS Christlich-Soziale, 1 Mitglied der Gewerbepartei, 1 klerikaler Czeche, 5 klerikale Italiener, 2 liberale Italiener, 1B klerikale Slovene», 1 radikaler Slovene, 39 Jnngczeche», 1 radikaler Jnngczeche. 1 czechischer Agrarier. 14 Sozialdemokraten, 27 Deutsch- Fortschrittliche, 19 Dentsch-Volkliche, 4 Deutsch-Nationale(Schönerer- scher Kouleur), 26 Polen(Polen-Klub), 8 Anhänger der polnischen Volkspartei, 6 Anhänger der Stojalowski- Parle!, 11 Ruthene» sten vier Monaten nach Jnirastlrete» des neuen Gesetze« haben eliva 3000 Personen das Bürgerrecht erworben. Jedoch ist die Zahl der Arbeiter nur gering und werden unser- Parteigenoffen hoffentlich das Versäumte nachholen. Zur Reichstaas-Nachivahl im Kreise T o r g a n- L i e d en- wer da wird uns mitgeiheilt, daß während die gegnerischki, Parteien— Freisinnige und Konservative— auf dein Lande n»d in den Städten Versammlungen über Versammlungen abhalte», unserer Partei im ganzen Wahlkreise kein einziger Saal zur Verfügung steht. Die Agitation ist also»och schwieriger als bei der letzte» Wahl, wo wir wenigstens in einigen Ortschaften Säle hatte». Soll daher unsere Partei ihre bisherige Position behaupten, so ist es dringend »öthig, daß die Wähler, die im Kreise zwar wohne», aber außerhalb desselben arbeiten, am Tage der Ent» scheidung, dem 24. März, nicht an der Urne fehle», sonder» heiin- reisen, um ihr Wahlrecht auszuüben. Ein beträchtlicher Theil unserer Wähler arbeitet in B e r l i n und Umgegend. Weiter werden diese ersucht, ihre Angehörigen daheim zur Theilnahme an der Wahl zu ermuntern. Bei der Stadtverordueten- Ersatzwahl in Lurkenwalde wurde der Parteigenoffe Restauralenr O. S ch u lz e mit 151 gewählt. Der Gegenkandidat, Lehrer a. D. K o b l e y, erhielt 33 Stimmen. Aus Halberstadt wird uns mitgetheilt, daß bei der Wahl der Vertreter zur Allgemeinen Ortskrankenkasse>» beide» Klassen die Kandidaten uuserer Parteigenossen gewählt wurden, und zwar in der Klaffe der Unternehmer»»u einer Stimme Mazontät. Auf dem Kongreß der Sozialdemokratie Hollands, der zu Ostern in A r n h e i m tagt, wird die deutsche Sozialdemvkr.llle durch den Genossen Harm aus Elberfeld, die belgische durch den Genossen Ed in. van Beveren verlreten sein. Todtenliste der Partei. Einer der Gründer der so, ialdemo- kratischeu Partei in Stettin, der Händler I u l i u S Müller, ist am 15. März gestorben. Er war«in begeisterter Anhänger d«S Sozialismus und hat unermüdlich für die Ausbreitung unserer Grundsätze gewirkt, auch bedeutende finanzielle Opfer für vie Partei gebracht. Ehre seinem Andenken! Polizeiliches, Gerichtliches er. — Die Breslau er„ SB o 1 1 1 iu a ch t" sollte durch die Ver- vffenUichung des Berichts über eine Gerichtsverhandlung, die die auch im Reichstag zur Sprache gekommene Bordellwirthschaft in Kiel betraf nnd unter Ausschluß der Oeffenllichkeit vor sich ging. wider Z 134 des Strafgesetzbuches verstoßen haben. Das Land- gericht sprach aber den verantwortlichen Redakteur Genossen Jahn frei. — In Halle a. S. war der jetzige verantwortliche Redakteur des„Bolksdlatts", Genosse S a l o m o», laut Strasbefehl zu sechs Wochen Haft verdonnert, weil er durch eine Notiz über die Sonn- tagsarbeit in dortigen Mühlen groben Unfug begangen haben sollte. Das Schöffengericht aber erkannte auf Freisprechung. Bemerkens- werth ist noch, daß, wie das„Bolksblatt" miltheilt, derselbe Amts- anwalt die Freisprechung beantragte, der den Strafbefehl veranlaßt hatte. Die Beschlüsse des Bundesraths, die wir gestern mit- theilten, find noch durch folgende Mittheilung zu ergänzen: Der Beschluß des Reichstags, betr. die reichsgefetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse zwischen den land- und forstwirthschaftlichen Arbeitern sowie dem Gesinde einerseits und deren Arbeitgebern andererseits, ein Gesetzentwurf für Elsaß- Lothringen über die Ver- zinsung der Gelder der Sparkassen und der ans Gegenseitigkeit be- ruhenden Hilfsgenossenschaften, sowie ein fernerer Gesetzentwurf für Elsaß-Lothringen über die Rechtsverhältnisse der Gerichtsvollzieher und die Errichtung einer Penfiouskaffe für Gerichtsvollzieher nnd deren Hinterbliebene wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Zweite Lesung der Kommissionsberathuiig des Entwurfs eines Handelsgeset�mches. 19. März. Nachzutragen ist noch aus der Berathung vom 18. März, daß die sogenannte„Sitz- gelegen hei t" bereits in§ 31 als gegeben zu betrachten ist. Diese Erklärung der Regierung wurde im Protokoll vermerkt. Die Konkurrenzklausel wurde in erster Lesung an- genommen und die Uebertragung der lilausel auf die Gewerbe- Ordnung beschlossen, jedoch mit Ausschluß der Zeitbeschränkung der Klausel.— Betreffs der Regelung der LehrlingS-Ver» h ä l t n i s s e interpelliren die Sozialdemokraten die Regierung, warum sie die Bestimmungen der Novelle zur Gewerbe-Ordnung (Z 120) nicht auch, wie iu den ersten Motiven des H.-G-B. versprochen, in das zur Berathung stehende Gesetz aufgenommen habe? Dk ausweichende Antwort der Regierung ver- anlaßt« die Sozialdemokraten, entsprechende Anträge für die zweite Lesung im Plenum anzukündigen. » Der sozialdemokratische Antrag, daß der sechste Abschnitt des ersten Buches bereits am 1. Januar 1898 in kraft trete, n>ird angenommen, ebenso der zweite Punkt der Resolution, die eine Regelung der Arbeitszeit, Schiedsgericht« und HandelS-Jnspektore» fordert. Die Resolution hat jetzt nachstehenden Wortlaut: „Der Reichstag wolle beschließe», den Herrn Reichskanzler zu ersuche», baldthunlichst einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Prinzipalen einerseits und taudlnngsgehilfen nnd Lehrlingen andererseits kaufmännische chiedsgerichte errichtet werden." Die Verhandlung wird nach Z 90 abgebrochen. Tie Unfallgesetzuovcllcu- Kommisfio» berieth gester» die §§ 87, 88, 89 und einen vom Abg. R ö s i ck e beantragten Z 89a. Diese Paragraphen wurden mit folgenden Aeuderuugen angenommen: in§ 87 wurde auf Antrag unserer Genossen die Möglichkeit ge- strichen, vom Bundcsrath in das Reichs-Versicherungsamt der Milte deS BundeSrathS nicht angehöriae Leute zu delcgiren. Zu Z 38 wurde einem Antrag Hitze- Rösicke eulsprechend folgender, die Rentenqnetschen betreffender Zusatz beschloffen:„Der Ausficht des Reichs- Versicherungsamts unterstehen serner die von der Berufsgeuossenschast errichteten oder unter- haltenen Heilanstalten. Das Reichs- Berficherungsamt kann zu dem zum Zweck der Aussicht stattfindende» Revisionen Vertreter der Berufsgenossenschaft und der Arbeiter zuziehen." SIls§ 89a wurde einer weitergehenden Anregung unserer Genossen zu§ 87 folgend auf Antrag des Abg. Rösicke eingeschaltet:„Der Bundesrath kann allgemeine Anordnungen über den Geschäftsbetrieb der Schieds- gerichte erlassen. Das Reichs-Versicheruugsamt entscheidet über Be- schwerde», welche sich auf den Geschäftsbetrieb bei den Schieds- gerichten beziehen. Durch den zweiten Satz ist zum Gesetz erHobe», was bislang nur auf einer Verordnung beruhte. Die Debatte über 90 wurde wegen Beginnes der Plenarberathung abgebrochen. Nächste Sitzung Freitag, den 26. d. M., vormittags 10 Uhr. Die ReichStags-Kommisfion für das Auswauderungögesetz ist gestern»ach Schluß der Plenarsitzung gewählt worden unv hat sich konstituirt. Vorsitzender ist Abg. v. Cuny, Stellvertreter v. Kehler, Schriftführer Eegielski und Hilgeudorff. Außerdem ge- hören der Kommission an die Abgg. Dr. Hasse, Jebsen(natl.), Frese (frs. Vg.), Ehni(südd. Vp.), Reichuiuth, Müller« Harburg(Rp.). Graf Carmer, v. Kleist-Retzow(k.), Dr. Förster-Neuftetti»(Antis.), Prinz Slrenberg, Graf Galen, Dr. Lieber, Lingens, Nadbyl, Wallen- dorn(Z.), Gerisch, Metzger(Soz.) GettterKfäjafkliäjes. Berlin und Umgebung. Achtung, Zimmerer! Auf dem neuen Sportplatz am Bahnhof Friedenau habe» gestern die Zimmerer bei dem Zimmermeister Blume aus kl.- Glienicke die Arbeit niedergelegt. Die Arbeiter verlangen statt des bisher üblichen Potsdamer Lohnsatzes den Miuimallohn von öS Pf. Wir ersuchen, dies streng zu beachten. Die Lohnkommission. Achtung, Graveure! Kollegen! Wie aus der Donnerstag- Nummer des„Vorwärts" ersichtlich, hat die Direktion der könig- liche» Geschützgießerei zu Spandau den in genanntem Etablissement beschäftigte» Graveuren eine empfindliche Lohnkürzung angekündigt. Di« hiesigen Kollegen sind ersucht, durch etwaige Stellungsnachfrage bei der Geschützgießerei den betreffenden Spandauer Kollegen bei eventuellen Differenzen nicht hinderlich in den Weg zu treten. Die Lage der Silberpolierer ist in den letzten Jahren ein« immer schlechtere geworden. Während die Profite der Unternehmer forlgesetzt stiegen, sind die Löhn« der Arbeiter ständig gesunken. Um geeignete Schritte zur Hebung der wirthschaftlichen Lage gemeinsam zu berathe», findet am Dienstag, den 23. d. M., in den Armin- hallen eine Versammlung statt.(Näheres siehe Annonce in Heu liger Nummer.) Der Einberufer. Aus de««reisen der.'Handschuhmacher geht uns ein Schreiben zu, in dem die Behauptungen des Fabrikanten Herrn Riemer, die wir in Nr. 63 unseres Blattes zum SIbdruck brachten. widerlegt werden. Das Leder, das in der Fabrik des Herrn Riemer verwandt wird. lasse sich nicht blos„etwas schwer", sondern sehr schwer verarbeite». Ein„annähernd auskömm- licher" Verdienst sei daher auch nur durch Ueberzeitarbeit oder unter Mithilfe von Augthörigen zu erreichen. Seit Bestehen der Fabrik (27 Oktober 1696) bis Ende Februar haben deshalb auch 17 Hand- schühmacher das Geschäft wieder verlassen. Dentsches Reich. Eiuc Massendersammlnug der Bergleute deS RnhrrevierS ist auf Sonntag, den 28. März, nachmittags 3 Uhr nach Bochum in den Schützenhof einberufen, um über folgende Punkte zu verhandeln: 1. Mit welchem Recht, erkennt man seitens der Zechen» b e s i tz e r die A r b e i t e r v« r b ä n d e nicht als Vertreter der Ar» bester an? Wie stellen sich die Ruhrbergleute zur Antwort des Unter. uehmerverein« betreffend Lohnerhöhung, und zu ihrer Benach- theiligung durch die augenblicklichen VereinSgefetz«? 2. Berathung von Eingaben an die maßgebenden Körperschaften, denen die Kompetenz zusteht, den Arbeiter- verbänden die Korporationsrechte zu verleihen. Zum Tischlerstreik in E l b e r f e l d- B a r>» c n. Die Zahl der Ausständigen beträgt gegenwärtig in beiden Städten 440, wäh- rend zu den neuen Bedingungen 300 Tischler arbeilen. Die Innung versucht einen strengen Zusammenhalt der Kleinmeistcr herbei- zuführen; ein großer Theil derselben hat einen Revers unterzeichnet, der sie verpflichtet, für jede» Arbeiter, den sie zu den von der Lohn- konimission festgesetzten Bedingunge» beschäftigen, 50 M. Konventional- strafe zu zahlen. In einer Unterredung, die ein Vertreter vom Aus- schuß des Holzarbeiter-Verbandes mit den Meistern hatte, kam es zu keiner Verständigung, da unter Führung des Obermeisters die übrigen Fabrikanten jede Verkürzung der Arbeitszeit ablehnten. Die Situation für die Streikenden ist sehr günstig, da die Arbeit drängt. Das schroffe Auftreten der Fabrikanten ist ans ein Gerücht zurück- zusühren, demzufolge es den Streikenden an Unterstützung mangeln soll. Diese Annahme ist jedoch unrichtig. In der Zuckerraffinerie von E. C. Helle in Magdeburg- Sudenburg streike» 30 Arbeiter. Sie sollten, auftatt von 6 bis 6 Uhr, künftig von früh 5 bis abends 6 Uhr, also eine Stunde länger arbeiten, und verlangten nun, daß diese Stunde mit 22 Pf. extra bezahlt werde, was die Fabrikleituug ablehnte. Tie Maurer EilenburgS stehen im Streik. Sie hatten bereits im Dezember die Meister ersucht, mit Beginn der Bauperiode die zehnstündige Arbeitszeil, serner 32 Pf. Stundenlohn und 42 Pf. für Ueberstundcn(einschließlich der Sonntagsarbeit) zu gewähren. Die vor kurzem eingetroffene Antwort der Meister lautete ablehnend, worauf die Maurer die Arbeit einstellten. In der Haudschnhfabrik von Paul Bergmann in Ca» th in Schlesien haben alle 2 Handschuhmacher und 1 Dresseur gekündigt, weil ihnen eine kleine Lohnerhöhung verweigert wurde, die sie wegen schwer zu verarbeitenden Materials gefordert hatten. Im Hamburger Steinseverstreik ändert sich, wie man uns schreibt, die Situalion niehr und mehr zu gunsten der Arbeiter. Es arbeiten jetzt bereits 10S Mann zu den neuen Bedingungen. Die im„Bund" organistrten Unternehmer rühren sich zwar noch nicht, jedoch werden auch diese voraussichtlich bald nachgeben, denn es stehen den sieben Hauptsinnen insgesammt nur ca. 20 Mann zur Verfüanng, während einzelne dieser Firmen sonst allein 100 bis 300 Man» zu beschäftigen pflegen. Allerdings gestaltet sich der Kampf jetzt insofern schwieriger, als die Zahl der zu Unterstützenden von Tag zu Tag größer wird. Die den Winter über in Gasanstalten, Kohlen- gcschäfte» Arbeit ,c. gefunden hatten, werden jetzt nach und nach ent- lassen. Es sind insgesammt ca. 300 Mann zu unterstützen. Von ihren organisirten Kollegen können die Streikenden jetzt aber noch wenig Unterstützung erwarte», da die Arbeiten im Steinsetzergewerbe allgemein erst im April beginnen. Es ist also Hilfe dringend noth- wendig, damit dieser mit wahrem Heroismus geführte Kampf nicht »och angesichts des sichere» Sieges wegen mangelhafter Unterstützung verloren geht. Erinnert sei daran, daß dieser Kamps bereits im Juni vorigen Jahres begann. Die ganze Zeit hindurch haben sich die Streikende» mit der denkbar geringsten Unter- stützung begnügt, zeitweise, während des Hafenarbeiterstreiks sogar fünf Wochen lang auf jede Unterstützung verzichtet. Auch während des Winters ist den Arbeitslosen nichts zugefloffe», als gelegentlich einige Mark Extra- Unterstützung. Wenn nur die dringend nöthigste Unterstützung ausgebracht wird, dann ist nicht daran zu denken, daß sich hier die Vorkommnisse des Hafenarbeiter- Streiks in kleinem Maße wiederholen. Adresse für Sendungen: Chr. Wiese in Hainburg, Niedernstr. 20.— Zuzug ist strengstens fernzuhalten. Ueber den Streik der Steinsetzer und Rammer bei der Firma Ladenthin in Magdeburg mißten bürgerliche Blätter in voriger Woche zu melden, daß die Arbeiter die Arbeit wegen Mangels an Unterstützung bedingungslos aufgenommen hätten. Dies trifft nicht zu. Von den insgesammt 3S Mann haben sich 9 durch„Zureden" bewegen lassen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Aber auch diesen wurde versprochen, daß die gerügten Mißstände in kürzester Zeit beseitigt werden sollen. Der detreffende Meister fürchtet nur. sich„zu sehr zu blamiren", wenn er berechtigten Forderungen der Arbeiter auf der Stelle nachgäbe. Augenblicklich sind noch 13 Mann ausständig. Zuzug ist sernzu- halten. Ein Theil der Bremer Tischlermeister versucht seit einiger Zeit, die'Akkordarbeit einzuführen. Da die dortgen Holzarbeiter am lS. März in öffentlicher Versammlung«instimmig erklärten, keine Akkordarbeit zu übernehmen, so ist es sehr wahrscheinlich, daß Maßregelungen vorgenommen werden. Es werden daher die Kollegen ersucht, Bremen bis auf weiteres zu meiden. Alle Arbeiter» blätter werden um Abdruck gebeten. Anfragen sind zu richten an Aug. Siekfeld in Bremen, Linienstraße 48, I. Anssperrung der Steinarbeiter deS GottlenbathaleS. Unter den Steinarbeitern des Gottleubathales in Sachsen besteht seit einigen Jahren eine Bewegung zugunsten der ArbeitSzeit-Verkürzung. Im vorigen Jahre schon haben einige Brüche den Anfang gemacht und 10 Stunden gearbeitet, es wurde aber von der allgemeinen Ein- führung Abstand genommen. In diesem Jahre wurde die Forderung wieder gestellt. Die Untcruehinertbeschlosseusaber: Es wird 11 Stunden gearbeitet. Trotz dieses Beschlusses haben die Arbeiter(mit Ans» nähme einiger Brüche) um 6 Uhr Feierabend gemacht. Die Unter- nehmer laffen nun nicht mehr arbeilen; es sind insgesammt 1400 Steinarbeiter ausgesperrt. Die Lage ist sehr ernst. Die Ar- beiter sind fest entschlossen, den Kampf durchzuführen. Zuschriften und Sendungen sind zu richten an August Richter, Slein- arbeiter, Neuudorf b. Pirna. Beim Streik der Zimmerer KvbnrgS handelt es sich darum. daß für Gesellen im Alter bis zn 13 Jahren 20 Pf., für die bis zu 20 Jahren 26 Pf. und für die über 20 Jahre 30 Pf. Mindest- Slundenlohn gefordert wird. Die jetzigen Löhne schwanken zwischen 14 und 23 Pf. Die Meister haben sich, trotz mehrfacher Aufforderung, nicht zu Verhandlungen herbeigelassen und ebenso den Vorschlag, das Gewerbegericht entscheiden zu laffen, schroff abgelehnt. Im Streik stehen insgesammt 96 Zimmerer, Schneide- inüller und Tagelöhner; die Zahl der von ihnen zn ernährenden Kinder beträgt 172. Es wird um strenge Vermeidung des Zuzugs ersucht. Zuschriften ec. sind zn richten an Johann Geuß in Koburg, Kirchgasse 6. Die Mainzer Anstreichcrgehilfen haben sich mit ihren Meistern in einer Sitzung über ihre Forderung auf Verkürzung der Arbeits- zeit geeinigt. Dagegen wollen die Ateister in die geforderte Lohn- erhöhung von 10 Pf. pro Stunde nicht einwilligen. Ob«S nun zum Streik komnien wird, ist noch unentschieden. In Offenbach-Oberrad Huben die Sch u hfabrikanten es abgelehnt, vor dein Gewerbegericht mit der Lohnkommission zu verhandeln. Es wird nun seitens der einzelnen Personale mit ihren Prinzipalen verhandelt, und zwar unter Leitung des Gewerbe- gerichts-Vorfltzenden. Die von dem Streik betroffenen 7 Firmen haben, wie aus der Magdeburger„Volksstimme" zu ersehen ist,«in vertrauliches Zirkular an die deutschen Schuhfabrikanten versandt, worin sie diese ersuchen, während der Dauer des Ausstandes keinen Arbeiter und keine'Arbeiterin ohne Entlassungsschein einzustellen, und wenn aus diesem Schein ersichtlich ist, daß der Vorzeiger desselben den ausständigen Arbeitern angehört, ihn überhaupt nicht anzunehmen. Um diese Unterstützung zu bekommen, verweisen die 7 Firmen darauf, daß die Forderungen: Neunstundentag, Fourniturenfreigabe und bedeutende Lohnerhöhung, die sie nicht bewilligen wollen, au dem Kasseler Kongreß der Schuhmacher als Richtschnur für alle Schuhmacher Deulschlands aufgestellt worden sind. In München erhob am Dienstag Abend«ine öffentliche HandlungSgehilsen-Bersammlnng einstimmig Protest wider die gegen daS Koalitionsrecht der Arbeiter verstoßenden Statuten der von der Malzkafsee-Firma Kathreiner sür ihre Angestellten gegründeten P e n f i o n s k a s s, und sprach hierbei die Erwartung auS, daß die Aufsichtsbehörde diesem Statuten- entwurf die Genehmigung nicht ertheilen werde. Die Schnhinacher Münchens beschloffen in stark besuchter Versammlung mit allen gegen 2 Stimmen, den im Jahre 1890 ein- >esi"ihrten Tarif, der von den Uiiternehmern durch Schuld der Ge- »ilsen vielfach verletzt wurde, wieder zur Geltung zu bringen. Ausland. A»S Wien wird telegraphirt: Sämmtliche Fachorganisationen der Eisenbahn-Bediensteten Oesterreichs sowie der Verband der Beamten und Hilfsbeamten sind wegen ihrer mit den Interessen des Staates unvereinbarlichen Tendenzen und wegen Ueberschreitung ihres Wirkungskreises behördlich ausgelöst worden. Die österreichische Regierung befürchtet wahrscheinlich, der Sieg der Eisenbahn-Angestellten der schweizerischen Nordostbahn könnte den öfter- reichischen Eisenbahn-Bediensteten ebenfalls dazu veraiilaffen, durch den Generalstreik das zu erzwingen, was sie auf gütlichem Wege nicht erreiche» können. Durch die Auflösung der Fachorganisation wird aber nur neuer Zündstoff in die Massen der Eisenbahn-Bediensteten Oesterreichs'getragen. Wäre die Negierung dieses Landes nicht auch heute noch hinter anderen zurück, so würde sie sich daS Beispiel der schweizerischen Regierung zum Muster nehmen, die einen ihrer Ver- treter autorisirte, zwischen der Direktion und dem Personal der Nordostbahn z» vermitteln. Das ist der richtige Weg' für eine Staatsbehörde. Unbequeme Arbeiterorganisationen zu vernichten, ist nicht staatsinäi'liisch, sondern einfach dumm, denn die Arbeiter- organisalioneu üben auf die Massen einen disziplinirenden Einfluß aus. der die Katastrophen verhütet, die bei den Bewegungen der Unorganisirten so häufig auftreten. Die Steinnusiknopfarbeiter Oesterreichs halten am 18. und 19. April in B o d e n b a ch in Böhmen eine Konferenz ab, deren Hauptzweck ist, sich in Beziehung auf die Lohnkämpfe über«ine bestimmte Taktik zu einigen, damit es den Unternehmern erschwert wird, den Sieg über die Arbeiter davon zu tragen. In dem Aufruf zur Konferenz heißt es: „Die Konkurrenz der Fabrikanten unter sich, welche einzig und allein auf dem Rücken der Arbeiter ansgefochten wird, hat Diiiiensionen angenommen, wie sie keine zweite Brauche aufzuweisen haben dürfte. Es wird oft gesagt, daß die Steiniuißarbeiter nun dort a»gela»gt seien, wo es kein Lohnherunterdrücken von Seite der Fabrikanten mehr geben kann, da ohnehin fast nichts mehr bezahlt wird. Aber trotzdem hört nian immer und iniiner wieder von Lohn« reduzirmigen. Nicht nur in Oesterreich, auch in Deutschland stehen sich unsere Arbeitsbrüder um kein Haar besser. Es hat den An- schein, als bestünden gewisse Abmachungen der Fabrikanten. Streiken die sächsischen Steinnußknopfarbeiter, so wird in den öfter- r e i ch i s ch e n Steinniißknopfsabriken über Hals und Kopf g.e» arbeitet. Stehen die n o r d b ö h m i s ch en Steinnußarbeiter in einer Lohnbeweginig, so beeilt man sich in den deutschen Fabriken, die Arbeitszeit zu verlängern. Die im Lohnkampf stehenden Arbeiter sind aus diese Art stets die Gefoppten. Deshalb ergeht gleich- zeitig an die r e i ch s d e u t s ch e n, insbesondere die sächsischen Sleiniiußarbeiter das Ersuchen, sich ebenfalls an der Konferenz zu betheiligen. Es ist die höchste Zeit, daß wir uns zu- sammenschließen, daß wir Steinnußarbeiter aller Länder nach einem eiiiheiilichen Kriegsplane vorgehen, um so«ine Verbesserung unserer wirthschasllichen Lage durchzusetzen." Näheres ist durch A. A u s o b s k y, den Redakteur des»Fach- blatts der Drechsler" in Wien VI, Webgaffe 3, zu erfahren. Der Porzellanarbeiterstreik in Dallwitz in Böhmen ist infolge der Intervention des neugewählten sozialdemokratischen Reichsraths-Abgeordneten Dr. Leo Verkauf beigelegt. Aus Schweden. Der Malerkonflikt in Göteburg ist beigelegt. Die Meister erklärten, sie wären zu weiterem Nachgeben bereit, unter der Voraussetzung, daß Heuer keine Arbeitseinstellung erfolgt. Dafür soll die Aussperrung ausgehoben werden und auch die verabschiedeten Arbeiter würden wieder aufgenommen werden. Die Gesellen nahmen das Angebot an. Für die Lohnregulirung soll ein gemeinsamer Ausschuß eingesetzt werden. Der schwedische B ä ck e r e i- A r b e i t e r- V e r b a n d schloß sich der sozialdemokratischen Arbeiterpartei an. Gleichzeitig traten ihm über 100 neue Mitglieder bei. Auf einer großen Ver- sammlung wurde ein Komitee von 2 Personen gewählt, das mit den. Meistern über Regulirung der Arbeitsverhältnisse unterhandeln soll. Dem Streik in der Druckerei von Dupont in LevallaiS� bei Paris, worüber im„Vorwärts" schon berichtet wurde, liegen nach der„Petite Republique" folgende Ursachen zu gründe: Der Druckereibesitzer kündigte den Ardeitern an, daß von jetzt ab die Sonntagsarbeit, die in jenem Geschäft ganz erheblich ist, nicht höher bezahlt werden solle, als die Werktagsarbeit. Dagegen solle der Dienstag freigegeben werden. Die Slrbeiter ließen sich auf diese Neuerung nicht ein. Slm Montag ist es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und dem Publikum gekommen, wobei 5 Streikende und 2 sonstige Passanten in Haft genommen wurden. Ein« Versamm- lung der Slreikenden, wo all« tu der Druckerei beschästigten Branchen vertreten waren, beschloß den Generalstreik, falls die Verhandlungen, niit denen von den Arbeitern«ine Delegation beauslragt wurde, zu keinem Resultate führen sollten. Vevfkmmlunsen. Unseren Berichten über die Miirzfeier iu Berlin ist noch nachstehend« Ergänzung nachzutragen: In Charlottenburg tagte eine imposante Versammlung in„Bismarckshöhe". Der Saat war bis aus den letzten Platz gefüllt. Das Referat hatte Gen. Glocke. Derselbe gab einen Ueberblick über die politischen und wirthschaftlichen Verhältnisse vor 1848 und zeigte an der Hand der Geschichte, daß mit Rainrnothwendigkeit die 43er Re- volution sich so abspielen mußte, wie sie sich abgespielt. Die wider- strebensten Interessen der verschiedenen Klassen deS BürgerthumS, die Angst desselben vor dem hinter ihm stehenden und vorwärts- strebenden Proletariat verhinderten den vollen Sieg der Revolulion. In gleicher Weis« besprach Redner die geschichtlichen Ereignisse, die am 18. März 1371 zur Pariser Kommune geführt halten. Eine Diskussion des mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages wurde nicht beliebt und so schloß der Vorsitzende mit einem warmen Appell an die Anwesenden, das Audeuken der Gefallenen dadurch zu ehren, daß sie die Ideen, für die sie gekämpft, weiter verbreiten mögen, die Versaiiimlung. I n Werder a. H. wurde nach einem Vortrag des Genoffen P ö tz s ch die Gründung eines Wahlvereins beschlossen; 27 Personen meldeten sich sofort zur Aufnahme. Auch ein englischer Genosse. Kamerad Herbert Vurrows von der„Sozialdemokratischen Föderation", wohnte der Feier bei. Er kam ausdrücklich nach Berlin, um an der Bolls- kundgebung im Friedrichshai» theilzunehmen, einen Kranz auf die Gräber der Freiheitskämpfer zu legen, und eine der Abend-Ver- sammlungen beizuwohnen. Das hat er gethan: sein Kranz, gestiftet vom„Sozialistischen-Klub" in London, gilt„Den Kämpferit des 18. März, die für die Freiheit starben". Abends war unser Genosse in der Versammlung Liebknecht's Er hätte gern einige Worte der Begrüßung und internationaler Solidarität an die Versammluiig gerichtet, allein das famose deutsche Vereins» gesetz war im Weg, und Liebknecht mußte die Grüße der englischeit an die deutschen Sozialisten übermitteln. Unser Genosse, der die günstigsten Eindrücke nach London zurückbringt— und auch einige Keniitniß dieses den Engländern in England ganz unverständlichen deutschen Polizeiregimenis— wurde, unter stürmischem Beifall, von der imposanten Versammlung beauftragt, die englischen Brüder von den deutschen Genossen zu grüßen. Und diesem Gruß schließt die ganze Partei Deutschlands sich an.— Eine Bersammlnng der Fabrik- Schuhmacher, die am Donnerstag im Lokal Königsbank lagt« und äußerst zahlreich besucht war, nahm den Bericht über die Verhandlungen vor dem EiuigungS- Amt entgegen. N o w a ck bezeichnete den Abschluß der Verein� barunge» als einen befriedigenden, namentlich in Berücksichtigung des U»»standes, daß die Schuhmacher Feinde auf allen Seiten gehabt hätten. Nicht nur die Fabrikanten standen uns gegen- über, auch der„Vorwärts" fiel uns in den Rücken und der Ausschuß der Geiverkschafts- Kommission versagte uns die Unterstützung. Der folgende Redner Weber schob gleich. falls dein„Vorwärts" die Schuld zu, daß bei dieser Bewegung nicht mehr herausgekommen. Die Arbeiter im allgemeinen und auch der Gcwerkschafts-Ausschuß hätten sich durch den Ausgang des Haniburger Streiks einschüchtern lasse». Die politische Partei wolle jedenfalls Lohnkämpfe vermieden sehe», damit die Mittel der Arbeiter für die kommende Reichstags>Wahl nicht geschwächt würde» N i e d e r a u e r, der als Vertrauensmann der Arbeiter im Einiaungs. anit saß, bezeichnete es als einen taktischen Fehler, daß seitens der Arbeiter die Entlassung des Zwickmeisters Kaddatz gefordert ivnrde. Wenn dies Verlangen in Hinsicht air das Verhalten des K. gegenüber de» Arbeitern auch gerechtfertigt sein möge, so habe doch der Fabrikant in diesem Falle die öffent- liche Meiinlng ans seiner Seite, um so mehr, als K. nach einer längeren Krankheit eben erst seine Arbeit wieder aufnehmen wollte. Mit der Entlassung eines bestiunnten Werkführcrs werde den Interessen der Arbeiter nicht gedient; wen» auch der eine gehe, so trete doch sicher ein anderes Werkzeug des Unternehmers an dessen Stelle. Auch das fei ein taktischer Fehler gewesen, daß bei Gebr. Kallniann die Verhandlungen von der Entlassung der Streik- brecheriniien abhängig gemacht wurden. Der Redner gehl weiter auf die Verhandlungen des Einigungsamts ein, er bezeichnet die Zurück- ziehnng des Reverses als eine nicht zu unterschätzende Errungenschaft der Arbeiter. Bedenklich sei dagegen der Passus, wonach zwanzig Arbeiter nicht wieder auf ihre alten Plätze koinmen. Fast alle nach- folgenden Redner ergingen sich in heftigen Vorwürfen gegen den „Vorwärts" und den Ausschuß der Gewerkschafts-Kommission, weil beide Organe den Erfolg der Bewegung vereitelt hätten. Konowski sagte u. a.: Wir habe» nicht mehr erreichen können. weil uns der „Vorwärts" einen Peitschenhieb ins Gesicht versetzte. Wie kommt der„Vorwärts" dazu, eine» Bericht aus Fabrikantenkreisen aufzu nehmen, ohne die Agilationskommission zu fragen, ob derselbe zu treffend ist? Der„Vorwärts" hat überhaupt keinen Bericht auf zunehmen, der nicht von der Agitationstommission gestempelt ist. Schon vor drei Jahren hat uns Rod. Schmidt in einem ähnlichen Falle ins Gesicht geschlagen, er wird auch wohl diesmal die Sache gemacht haben. Ich beantrage, daß die Versammlung das Gebahren des„Vorwärts" verurtheilt und daß wir den Fall vor die Preß. kommission bringen. Am heftigsten schimpfte H i l d e b r a n d t au. den Ausschuß der Gewerkschafts-Kommission und den„Vorwärts".„Die Herren, welche an der Krippe sitze», haben uns in den Dreck getreten."(Dabei schlägt er mit der Faust auf den Tisch.) Eine solche Zeitung ist für uns nicht mehr maßgebend. W i l l» e r be- merkt: Wir habe» viel errungen, wenn wir bedenken, daß sich alles gegen uns verschworen hat. Der Artikel des„Vorwärts" ist ei» Hohn auf die Arbeiterbewegung. Wir wollen nicht an die Preßkouimission gehen, auch nicht in einer Resolution de»„Vorw." vernrtheilcn, denn er ist von uns scho» verurtheilt. Willner macht Papke den Vorwurf, daß dieser das Gewerbegcricht veranlaßt habe, sich - mit dem Ausstand zu befassen. Möglichenfalls habe Papke im Interesse des Fabrikanten Fürstenheim gehandelt, der den Streik am meisten fürchtete. Papke verwahrt sich gegen diesen Vorwurf und führt aus, daß er zunächst, als der Assessor v. Schulz ihn in seiner Eigen- schaft als Beisitzer am Gewerbegericht fragte, ob es nicht angebracht sei, den Fall vor das Einigungsamt zu bringen, davon ab- gerathen habe. Als darauf die Notiz im„Vorwärts" erschien und � die Bewegung einen großen Umfang anzunehmen drohte, und da es seiner Ueberzeugung nach ein Wagniß wäre, unter den gegenwärtigen Umständen in eine» all- gemeinen Streik zu treten, habe er den Assessor v. Schulz ersucht, Verhandlungen in die Wege zu leiten. Daß er Fürsten- heim damit gefällig sein wollte, davon könne gar keine Rede sein. Die Versammlung nahm schließlich eine. Resolution an. worin sie erklärt, sich de» Abmachungen der Vertreter am Einigungsamt zu fügen und die Arbeit am 19. März wieder aufzunehmen. Sie verpflichtet jeden Kollegen, dem Verein deutscher Schuhmacher treu zu bleiben und für denselben thatkräftig zu agitiren. Der Delegirte zur Gewerkschafts-Kommission wurde beauftragt, das Verhalteil des Ausschusses in der nächsten Delegirten-Versamm- lung zur Sprache zu bringen und wegen der Stellungnahme des „Vorivärls" an die Preßkommisston zu gehen. Die Wahl einer Kommisston zur Regelung von Differenzen mit den Fabrikanten soll in der nächsten Versammlung vorgenommen werden. Wir haben hierzu zu bemerken: Aus Fabrikantenkreisen ist uns keinerlei Bericht noch sonst irgend ein aus die Differenzen sich be- ziehendes Schriftstück zugegangen. Die beiden Briefe des Unter- nehmer-Verbandes an die Streikenden bei R o s e» t h a l».Groß und bei Kallmann sind uns im Auftrag der betreffenden Arbeiter durch unfern Berichterstatter zugestellt worden. Diesen Sach verhalt kannte der Borsitzende der Versammlung, Willner, wohl; daß er die Versammlung in dem irrigen Glauben ließ, der „Vorwärts" habe sich einseitig aus den Kreisen der Fabrikanten über die Differenzen informirt, zeigt nicht gerade von besonderem Takt. Aeußerungen wie: der„Vorwärts" sei der Bewegung in den* Rücken gefallen, oder: er habe sie ins Gesicht geschlagen nnd so fort, sind leere Phrasen, die jeder thatsächlichen Grundlage entbehren. Den» wir haben über die Frage der Be- r e ch t i g u n g oder Nichtberechtigung der Bewegung an sich überhaupt kein Urtheil abgegeben; wir habe» lediglich verurtheilt— und das würden wir iu jedem ferneren derartigen Falle wieder thu»—, daß die streikenden Arbeiter, bevor sie in Verhandlungen überhaupt eintreten � wollten, erst die Bewilligung gewisser Forderungen verlangten, deren Erfüll«, ig ja gerade erst Gegenstand der Verhandlung sein soll und sein konnte. Dabei haben wir mehrfach hervorgehoben, daß dieses unser Urtheil unter der Voraussetzung gefällt ist, daß die in den betreffenden Fabrikantenbriesen aufgestellte» Behauptungen den T h a t s a ch e n entsprechen. Daß dies der Fall, scheinen uns die Worte des Verlranens- mannes Niederauer zu bestätigen, der es als einen taktischen Fehler bezeichnete,„daß bei Gebrüder Kallmann die Verhandlungen von der Entlassung der Streik- b r e ch e r i n n e u abhängig gemacht wurden." Die Verdächtigung, als ob wir uns in unserer Stellungnahme hätten leiten lassen durch Rücksichten auf die Wahlen beziehentlich aus die Parteikasse, fällt in sich selbst zusammen durch den Hinweis, daß unser Standpunkt st e t s der gewesen ist: Verhandlungen sollen st r e i t e n d e Parteien niemals ablehnend gegenüberstehen. Bon Sozialdemokraten hätten wir diesen Vorwurf gegen den„Vorwärts" zu allerletzt erwartet. Daß der Gewerkschafts-Ausschuß unabhängig von uns zu dem- selben Resultat gelangle, zeigt, daß unsere Aussassung der Dinge die auch in Gewerkschaflskreisen vorherrschende ist. Schließlich stellen wir noch fest, daß die Vermuthnngen, unser Kollege Rod. Schmidt habe die redaktionellen Bemerkungen ab- gefaßt, falsch sind; richtig ist, daß hinter den betreffenden Aeußerungen die G e s a», m t- R e d a k t i o n steht. Eine Holzarbeiter-Vcrsamuiluiig für de» Bezirk Westen nnd Südwesten, die am 8. d. VI. bei Zubeil tagte, beschäftigte sich mit dem Thenia:„Was lehrt uns der Hamburger Hafenarbeiterstreik?" worüber Kollege Kunze referirte. Dem Vortrage folgte eine leb- hafte Diskussion, wobei die Kollegen K u s ch k e und Zubeil be- sonders hervorhoben, daß der Arbeiter bei jedem Streik, speziell aber bei dem Hamburger Hasenarbeiterstreik, an die Pflicht erinnert wird, sich zu organisiren, und daß man über kurz oder lang mit den Lokal- Bereinigungen aufräumen»niß, sowie daß man der Frage über Schaffung von Industrie- Verbänden näher treten muß. Zum Schluß kamen noch einige Werkstatt-Angelegenheiten zur Sprache. Ter Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter hielt am 3. März eine Versammlung ab, in welcher Genosse Wagner über die Presse und die Sozialdemokratie einen mit Beifall aufgenom- mencn Vortrag hielt. In der Diskussion erklärten sämmtliche Redner. recht rege für den„Vorwärts" zu agitiren. Dann wurde weiter bekannt gemacht, daß am 22. März Dr. B o r ch a r d t einen Vortrag über die Einigkeit Deutschlands halten wird. Zur Sprache kam auch die Arbeitsniederlegung von O v e r h o l l h a u s, Wilhelmstr. 124. Beschlossen wurde, den Unverheiratheten 12 M.. den Verheiratheten 15 M. zu geben. Die Barbiere beschlossen in ihrer letzten Versammlung, nach einem einleitenden Referat des Kollegen S t a r o s s o n, allmonatlich Versammlungen in allen Sladttheilen abzuhalten Ter Berliner Naturhcil- Bereit,„Vorwärts" tagte am 9. d. Mts. im„Englischen Garleu". Herr G r u n d m a n n hielt einen sehr lehrreichen Vortrag über:„Ein Blick in das Innere des nienschlichen Körpers". Die Ausführungen des Redners wurden durch Experimente an einer Figur wirksam unterstützt. Dabei er läuterte Redner auch u. a. das Schädliche des Schnürens. Redner führte des weiteren aus, daß die Verhütung von Krankheiten leichter sei, als ihre Heilung; daß die jungen Mütter oft garnichts von der Pflege und Wartung der Kinder verstünden, und dank unsere» Schul-, sozialen und wirthschastlichen Verhältnissen meist keine Ahnung von Gesundheitspflege hätten. Der Verein, in dem sich Proletarier beider Geschlechter ver einigt haben, glaubt so in seiner Weise ebenfalls Ausklärung in den Reihe» der Arbeiter mit verbreiten zu helfen. Der Verband aller in der Metall-Jndustrie beschäftigten Arbeiter Berlins hielt am Mittwoch, den 10. März, eine Branchenversammlung der Drücker ab. Tie Versammlung war gut besucht Tr. Joel hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Der Kampf um den Nordpol." Diskussion fand nicht statt. Die Berliner Filiale deö Verbandes der Graveure nnd Ziselenre hielt am Dienstag, den 16. März, in den Oranienhallen, Oranienstr. 51, ihre regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Nach- dem die Mitglieder um genaue Angabe ihrer Adressen aufgefordert, da sonst eine regelrechte Zustellung des Fachorgans nicht möglich ist, hielt Herr Hirsch einen Vortrag über Alkoholismus und Ver- brechen. Redner schildert in eingehender Weise die degenerireude Wirkung des Alkohols, nnd bespricht an der Hand reichen statistischen Materials den Zusammenhang des Alkoholgeiinffes mit den Verbrechen. Die Bekämpfung der Trunksucht, die in mannigfacher Weise von Vereinen n. s. w. versucht ivnrde, hat bisher keinen nennenswerthcn Erfolg gehabt, ebensowenig werden Gesctzesvorlagen gegen Trunksucht gute Resultate zeitigen, wenn andererseits die nothwendigsten Lebensmittel durch Steuern ver- theuert werden. Denn der Kern des Nebels liegt in den wirth schafilichcn Verhältnissen und ist eine wirksame Bekämpfung der Trunksucht in der Hebung der Lage der arbeitenden Klasse zu suchen und die Unterbringung entarteter Wesen nicht in Gefängnissen, fondern in Heilanstalten nothwendig. Redner erntete für seine Aus- führnngen lebhaften Beifall. In der Diskussion beantwortete derselbe mehrere auf den Vortrag bezughabende Fragen und äußerten sich die Redner im Sinne des Referenten. Die nächste Versammlung findet am 6. April statt und die erste Gcneralversaminlung der Filiale ist des Osterfestes wegen auf Dienstag, den 27. April, verlegt worden. Der Arbeitsnachweis befindet sich Wallslr. 76 1. beim Kollege» Wunderlich und ist geöffnet werktäglich 10—2 Uhr und abends von 7—8 Uhr, Tie Filiale des Allgemeinen Tcntscheu Tapezirervercins hielt am 11. März eine Mitgliederversammlung im Norden ab. Den Bericht der in der letzten öffentlichen Versammlung gewählten Kom- Mission zwecks Gründung einer zweiten Filiale erstattete Paul Schmidt. Unter Geivertschastlichem theilt P ö» i ck e mit, daß die Arbeitsniederlegung bei Simon zu Ungunsten der Kollegen beendet ist jedoch haben sie sich die Schuld selbst beizumessen, da sie, statt sich vorher an die Organisation zu wende», dies erst nach der Arbeitsniederlegung thale». An der Debatte betheiligten sich Aubert und P. S ch m i d t. Die Wahl der Ortsverwaltung für die Filiale Norden hatte folgendes Ergebuiß: 1. Bevollmächtigter P ö n i ck e. 2. Bevollmächtigter Paul Schmidk, 1. Kassirer M o s l o p f, 2. Kassirer H e r r m a n n. Schriftführer Vesper und Revisoren F a b e r nnd R e i n h. Müller. Die Mitgliederversammlungen für Norden finden vom 1. April ab regelmäßig alle 14 Tage Donnerstags bei B a b i e l, Rosenthalerstr. 57, statt. P ö n i ck e theilt noch mit, daß am 21. März in den Arniinhallen, Komman- dantenstr. 20. die Wahlen der Delegirten zur Ortskasse stattfinden. Er ersucht, sich rege daran zu betheiligen. Tie Kistenmacher tagten am Sonntag, den 14. März, in der Annenstr. 16. Genosse Massatsch hielt eine» Vortrag über„Die Stellung der Frau in der heutigen Gesellschaft". Sodann wurde beschlossen, den Arbeitsnachweis von der Wallnerlheaterstraße nach der Breslauerstraße 23, beim Restaurateur M u n z i g, z» ver- legen. Die Bürsten- und Piuselmacher hielten am 14. März eine Branchenversammlung ab, in tvelcher Kollege M a a ß über„Zweck und Nutzen der Organisation" referirte. Nach einer regen Diskussion, wobei mehrere Redner die Interesselosigkeit des größten Theiles der Kollegen scharf kritisirten, wurde folgende Reso- lulion angenommen:„In Erwägung, daß seit der letzten Lohnbewegung der Bürsleiunacher Berlins und Umgegend, der Tarif im allgemeinen überall gekürzt wurde, beauftragt die Ver- samullung die Kommission, Schritte zu thun, um den Tarif voll- ständig zur Gellung zu bringen und die Arbeitszeit zu verkürzen; außerdem verpflichten sich die Anwesenden, sich dem Verbände anzuschließen und für ihn zu wirken." In der darauf vorgenommenen Kommissionswahl wurde Kollege Z i g g e l in die- elbe gewählt. Kollege Maaß ersucht die Anwesenden, sich rege an den Bezirksversammlungen zu betheiligen. Zwei Kollege» ließen ich in den Verband ausnehmen. Die Lackirer beschlossen am Montag in einer öffentlichen, chwach besuchten Versammlung nach einem Vortrag des Genossen P ö r s ch über:„Die gewerkschaftlichen Kämpfe der Arbeiter nnd ihre Lehren", von einer Lohnbewegung vorläufig Abstand zu nehmen. Die Gründe dafür setzte R a u t e n h a u s auseinander. In den letzten Monaten seien die Sammlungen für den Streikfonds, die Bethätigung der Lackirer au den Organisations- bestrebungen so flaue gewesen, daß es unverantwortlich wäre, zu einer allgemeinen Lohnbewegung zu rathen. Da außerdem auch die Geschästskonjnnltur gegenwärtig keine günstige sei. verbiete ich dies von selbst. An der Diskussion, in welcher gleich- Zeitig verschiedene Werkstatt- Angelegenheiten diskutirt wurden, betheiligleu sich M u st e r e r, R e i u s ch, Kornick und andere. Allgemein kam die Ansicht zum Ausdruck, daß alles auf- gewendet werden müsse, um in den Werkstätten mit zehn- stündiger Arbeitszeit die neunstündige einzuführen. Jedoch müsse bei jedem einzelnen Falle die Lohnkommission vorher informirt werden. Vor allem wurden die Lackirer aufgefordert, für eine rege Agitation zum Anschluß der Uuorganisirten an ihre Organisation Sorge zu tragen. Tie Möbelpolircr der Filiale Osten hielten am 15. März ihre Monatsversammlung ab. Es wurden die Kollegen H. Schulz als Bevollumchtigter, Max G u t s ch m i d t als Schriftführer nnd Louis Fiedler als Zahlstellen-Kassirer für den Osten gewählt. N»n er- »ielt Genosse Wagner das Wort zu seinem Vortrage über„Volks- chule und Sozialdemokratie". Unter den eingeladenen Kollegen war der Polier von Baumgarten». Söhne nicht erschienen, von den anderen wurde eingesehen, dahin zu streben, keine Ueberstunden mehr zu mache». Auf den Gräbern der Märzgefallenen wird all- jährlich ein Kranz niedergelegt werden. Die Urania- Vorstellung ludet am zweiten Osterfeiertage, mittags 1 Uhr, statt. Billets sind noch zn habe». Eitle öffentliche Tapezirer-Versattiiitluiig tagte am 17. März. Friedmeyer erstattet zuerst den Bericht des Vertrauensmannes; nach demselben ist eine Einnahme von 97,45 M., dem eine Ausgabe von 92,10 M. gegenübersteht, sodaß ein Bestand von 5,35 M vorhanden ist. Arbeitseinstellungen fanden inöWerkstelleu statt.die jedoch fast alle ohne Erfolg endeten, dadieKollegen fast gar nicht organisirt waren. Redner ist dafür, daß man nicht den Uuorganisirten den Beschluß Über Arbeits- einstellungen überlassen soll. Fried meyer erstattet sodann seinen Bericht als Delegirter zur Gewerkschasts-Kommission. Als Ver- traucnsmann und Delegirter wurde Kollege Fried meyer wieder- gewählt. Eine ziemlich lebhafte Debatte fand über die Maiseier statt. Es wird beschlossen, aus der Resolution der Gewerkschafls-Kom- Mission den Passus zu streichen, wo es heißt: daß überall da, wo die Möglichkeit zur Arbeitsruhe gegeben ist u. s. w.. uud dafür zu setzen, daß überall da, wo in den Werkstellen die Arbeiter ziemlich einmüthig für eintreten, die Arbeit zu ruhen hat. Sodann entspann sich eine längere Debatte über das Arbeitsnachweis-Bureau. Zwei hierzu eingelaufene Anträge werden der neu zu wählenden Kommission zur Bcrathnng überwiesen; die Arbeitsnachweis- Kommission besteht ans: Ratzly, Leschke, Zinke, Ohle, Strauß, Franzke, Neumann, Franke, Max Engel, Aubert, Leo Schmidt und Hemling. Unter Gewerkschaftlichem kam zur Sprache, daß die Arbeiten zur Zentenarseier zu ganz ungewöhnlich niedrigen Preisen ausgeführt werden. Sämmtliche Redner waren der Meinung, daß von den 160 000 M. wohl etwas bessere Preise für so halsbrecherische Arbeil gezahlt werden könnten. P ö n i ck e macht noch darauf aufmerksam. daß die Kollegen in Leipzig vor einer Lohnbewegung stehe». Er ersucht um Fernhaltung des Zuzuges. Eiiie Versammlung des Holzarbeiter-Berbandcö(F i l i a l e Rixdors) fand Monlag, den 15. d. M., in den Vikloria-Sälen Rixdorss statt. Eingangs referirte Genosse Waldeck-Mn nasse uuler lebhaftem Beifall über: Militarismus. Hierauf berichlele der Vertrauensmann Genosse Botany über seine letztjährige Thälig- keit. Danach wurde Genosse Kowall als Vertrauensmann und Ge- nosse E. Schulz als dessen Stellvertreter gewählt. FrirdrichShagen. Die hiesige Filiale des Verbandes der Graveure und Ziselenre hielt asti 17. März ihre Ver- sammlung ab, in der Kollege B r ü ck n e r über den Hamburger Streik sprach. Der Kollege M ö s e r wurde � zum zweiten Schriftführer gewählt._ Die Lvskzlen in Oeptevveich. Ueber die Wahlen in den Landgemeinden Böhmens sind folgende für uns noch besonders interessante Wahlergebnisse zu reaistriren. Im Wahlkreise T e t s ch e n entfielen von 311 abgegebenen Stimmen 173 auf den Deutsch-Fortschrittlicheu Gustav Nowak. Der sozial- demokratische Kandidat Engelbert P e r u e r st o r f e r blieb mit 106 W a h l in ä u» e r- S t i in in e u in der Minorität. Im Wahlkreise B ö h m i s ch- L e i p a erhielt der Sozialdemokrat Ludwig S e i p t mit 103 Wahlmänner-Stimiiien die relative Mehrheil, in der Stichwahl unterlag er dem liberalen Kandidaten. Im Wtihl- kreise K a r o l i n e n t h a l siegte der von den nun ministersähige» Jungczechen wegen seiner radikalen Haltung besonders iu Zlrbeiter- fragen bekämpfte Graf Wenzel Kaunitz mit offizieller Unterstützung unserer Parteigenossen. Der Pariser Korrespondent des„Neuen Wiener Journal" hat in Paris Jules Guesde über das Ergebuiß der österreichischen Wahlen interviewt. Guesde bedauerte ganz besonders die Nieder- läge Dr. Adler's, welcher sich nicht nur um die Organisation seiner Partei in Oesterreich, sondern auch um die internationale Organisation des Sozialismus große Verdienste erworben hat. Die internationale Arbeiterschaft aller Länder hat Dr. Adler längst dieses Mandat„moralisch" zuerkannt: an seinen öfter- reichischen Genossen ist es nun, dieses moralische in ein thalsäch- liches Mandat umzuwandeln. Das„N. W. Journal" macht auch folgende, von uns nur mit Borbehalt wiederzugebende Meldung:„Wie wir erfahre», soll ein bereits gewählter sozialdemokratischer Abgeordneter sein Mandat niederlege», um die Wahl des Führers der Wiener Sozialdemokraten Dr. Viktor Adler zu ermöglichen." Am Freitag standen zur Wahl die 32 böhmischen Städtebezirke, die drei Sitze der galizischen Handelskammern und die neun Sitze des mährischen Großgrundbesitzes. Sonnabend ist der letzte interessant« Wahltag. Die Städte Niederösterreichs, Steiermarks, Tirols, Vorarlbergs und DalmatienS haben 35, die Handelskammern Oberösterreichs, Görz', Jstriens und Böhmens 3, uud der Großgrundbesitz Salzburgs, Kärnthcns, Krains und Schlesiens 7 Parlamentssitze zu besetzen.— Depesitzen und letzte Vschvichten« Hamburg, 19 März.(B. H.) Von dein hier eingelaufenen Hamburger Segelschiffe„Kalliope" sind während der Fahrt von der Westküste Südamerikas nachts der erste Steuermann nnd ein Matrose durch eine Sturzsee über Bord geschleudert worden und ertrunken. Köln, 19. März.(B. H.) Zum Selbstmord der Studentin in Petersburg wird der„Köln. Ztg." mitgelheilt, daß das hübsche 22jährige Mädchen, die Tochter einer angesehenen Familie, von einem Gendarmen vergewaltigt worden ist.'Am Vorabende des«elbst- mordes habe eine Gesäugiiißiiachbarin einen entsetzlichen Schrei und Ruf« nach Wärtern vernommen. Es wurde alsbald ein Arzt herbeigerufen. Am anderen Tage beging das Mädchen den Selbstmord. Demselben Schicksal sei früher in derselben Festung eine gewisse Ludmilla Terentjeiva zum Opfer gefallen, die verhaftet wurde, weil sich in ihrem Besitze nihilistische Schriften gesunden hatten, sonst nichts vorlag. Frankfurt am Mai», 19. März.(B. H.) Der„Fraukf. Ztg." wird aus Hamburg gemeldet: Der Berein ver Kohlen-Jmporleure beschloß, auf dem Beitritt der Schauerleute zn den Uiiterstützuugs-Spar- lassen zu bestehen und nur solche Leute anzustellen, welche den Revers unterzeichnet haben. In die angegebene Sparkasse soll jeder einzige Kohlenarbeiter an jedem Tage fünfzig Pfennige vom Verdienst einlegen, bis jeder fünfzig Mark eingezahlt hat. Der Beitrag ist nur erhebbar, wenn die Arbeiter die stipulirte Kündigung einhalten. Ein Theil der beschäftigten Schauerleute legte die Arbeit nieder. Eine Versammlung derselben findet heute statt. Leipzig, 19. März.(B. H.) Der heftige Sturm, welcher heute Nachmittag hier herrschte, brachte gegen 5 Uhr den Holzbau der Eilenburger Brauerei ans dem Platze der Thüringer Gewerbe- Ausstellung zum Einbruch. Eine Anzahl Arbeiter wurden darunter begraben. Den„Leipz. N. N." zufolge ist ein Arbeiter schwer, zwei leicht verletzt worden. Madrid, 19. März.(W. T. B.) Nach hier eingetrosseuen Mel- düngen aus Manila brachen 25 Eingeborene, ivelche im Gefängnisse saßen, aus und tödleteu die Gesangenenausseher. In der Stadt entstand eine Panik. Soldaten verfolgten die Entkommenen und tödlelen sechs von ihnen. Loudo«, 19. März.(W- T. B) Salisbnry bemerkte heute im Oberhaus: Jedenfalls vertreten die Mächte die Politik der Kon- tinuität und die Aufrechterhaltung des europäischen Rechts Die Mächte seien verhöhnt worden von einem Staate, der dem europäischen Konzerle seine Existenz verdanke; die Mächte seien unter besonders schwierigen Berhältniffen verhöhnt worden. Nach dem Völkerrecht habe Griechenland keine Anspruch auf Kreta. Die Mächte vertheidigten das Volker- recht; sie seien der Ansicht, daß, wenn das Völkerrecht nicht respektirt würde, der Wellfriede nur wenige Jahre sicher wäre. Wollte man Thermophylae und Salamis als Beweismittel in das europäische Recht hineintragen, so würde nicht nur allem das türkische Reich und der Pariser Vertrag von einer solchen neuen Lehre berührt werden.. Kanea, 19. März.(Meldung der„Agence Havas".) Die griechische Flotte hat heute Vormittag ihre Ankerplatze vor Kanea verlassen, um sich nach Cerigo zu begeben. Tauger, 19. März.(Meldung der„Agence Havas'.) Das Haupt der Mörderbande, welcher der deutsche Kaufmann Haßner zum Opfer fiel, ist verhastet worden._ Verantwortlicher Redakteur: Ängust Jacobcy in Berlin. Für den Jnscratenlheil verantwortlich.: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Hierzu S Beilaa»»- It. 67. 14. »-<"> 1. KtilM dts Jainörtü" Ittlintt öoltetilntt.-»»>»>.»»»»» Neichsksg. 195. Sitzung v om 19. März 1897. 12 Uhr. Am Tische des Bundesralhs: Fürst zu Hohenlohe, von B ö t t i ch e r, von Marschall, H o l l m a u n, Graf Posadowsky. Die Berathung über die einmaligen Ausgaben des Marinc-Etals wird sortgesetzt. Staatssekretär im Reichsschatzamt Graf Posadowsky: Da- durch, daß die verbündeten Negierungen die Forderungen für die Marine in dem Etat angenommen habe», haben sie einstimniig an- erkannt, daß sie finanziell nicht bedenklich sind. Eines muß mir Herr v. Kardorff zugeben, der französische Staat ist reicher, ,veil es dort leichter ist, solche Ausgaben durch indirekte Steuern zu decke». Diese Forderungen bringen keine neuen Steuern mit sich. Die verbündeten Regierungen haben es auf sich genommen, 17 Millionen Mntriknlarbeiträge mehr zu zahlen als sie Uebermeisnngen erhalten; sie sind ferner bereit, das Schuldenkonto des Reiches mehr zu be- lasten. Damit sind die Forderungen der Marine vollständig gedeckt. Der Hiinvsis auf den in Aussicht stehenden Nach- tragsetat sollte nur Gespenfterfurcht errege». Die Forde- rungen des Nachtragsetats werden die Ersparnisse aus der Konverlirung nur um eine Million übersteigen. Dem gegenüber haben wir 8 Millionen bei der zweiten Lesung des Etats gestrichen, so� daß immerhin noch 7 Millionen Ueber- deckungen vorhanden sind. Durch die Streichungen der Kommission würde» für jetzt 80000 M. und für die Zukunft 810 000 M. Zinsen erspart werde». Die Streichungen ließen sich nur erklären aus der Furcht vor einer starken Steigerung unserer Schulden. Das Reich würde, wenn die Marineforderunge» unverkürzt an- genommen werde», aus den Jahren 1896/97 und 1397/93 127 Millionen Schulden kontrahiren. Wenn man neue Schulde» macht, müssen wir auch berücksichtigen, wie man die Schulden tilgt. Wir haben angefangen mit der Schuldentilgung. Aus dem Jahre 1396j97 sind 13 Millionen zur Schuldentilgung durch das vorjährige Schuldentilgungs-Gesetz zur Verfügung gestellt; ferner durch das neue in dritter Lesung bereits genehmigte Gesetz 50 Millionen und durch Abstriche beim Etat sind 7 Millionen nach Zlbzug des Nachtrags-Etals erspart, sodaß die Neubelastung nur 57 Millionen betrage» würde. Bei dem Aufschwünge des Handels und Wandels liegt die Möglichkeit vor, daß die Ueberweisungssteueru sich 1897—98 erhöhen; erfolgt die Steigerung wie im laufenden Jahre, so würde die Mehreinnahme sich auf 75 Millionen erhöhen, wovon �/« den Bundesstaaten zufallen würde, während der Rest dem Reiche zufiele und den Restbetrag für die Marineforderungen von 57 Millionen vollständig decken könnte. Der verfügbare Ueberschuß aus der eigene» Wirlhschafl des Reiches wird 20V« Millionen betragen und wird in den Etat für 1893/99 eingestellt werden könne». Ich glaube also, daß der nächste Etat wird balancire» können ohne Erhöhung der einmaligen Ausgaben, ohne daß die ordentlichen Aus- gaben anders aufgestellt werden als bisher; es wird sogar, das sage ich zur Beruhigung des Herrn Schädler und seiner Freunde, das Geld disponibel bleiben für die Abendkoft der Soldaten.(Heiter- keil.) Bei dem jetzigen Stande unserer Einnahmequellen können wir auf die Belastung des Schuldcntitels nicht ganz verzichten, so lange wir keine neue Steuern haben. Ohne Schulden könnten wir im Reiche wirthschaften, ivenn wir die Ileberschüsse der Belriebsverwaltnngen nicht mehr in das Ordinarium, sondern in das Extra-Ordinarium einstelle». Ob man neue Schulden koulrahirt und i» welchem Umfange, hängt ab von dem Schwer- gewicht der Aufgaben, für ivelche man Schulde» aufnimmt. Durch die Ausführungen des Reichskanzlers und der Staatssekretäre des Auswärtige» Amts und der Marine ist die Wichtigkeit der Ausgabe», die der Marine obliege», genügend dargestellt worden. Wenn so schiverwiegende Gründe sür die Forderungen geltend gemacht werden, so müssen die Beschlüsse der Kommission einer nochmaligen gründ- lichen Prüfung unterworfen werden. Es ist allerdings gesagt worden, daß ein Parlamentarier seine Meinung nicht ändere, und wenn er sie ändere, nicht anders stimme. Damit würde man ein herbes Urlheil über den Parlamentarismus fällen; denn dann tvürde nicht nach dem consUinrn aller, sondern nur nach der Meinung der Führer gestimmt werden. Deshalb bitte ich nochmals die Gründe der verbündeten Regierungen zu prüfen und für die Forderungen derselbe» zu stimmen.(Beifall rechts.) Abg. v. Pollmar(Soz.): Es ist dem Reichstage lange nicht passirt, daß so viele Herren von der Regierung sich herbemüht haben, um uns zu überreden. Aber wir werde» uns durch schöne Redensarten nicht bethören lassen. Wenn die politische Lage auch ziemlich trübe fein n>ag, so ist doch wenigstens das erreicht, daß die Herren, welche sonst auf eine schwungvolle Ministeriede hin zn bewillige» bereit waren, nicht mehr in der Macht sind. Gegenüber der Ausführung des Staatssekretärs im Ausn'ärtigeu Amte, daß die Ausgaben für die Marine nicht so sehr hoch sind, muß ich darauf hinweise», daß sie von den 1370er Jahren von 40 auf 80 und jetzt auf 129 Millionen gestiegen sind, also aus das dreifache. Davon betragen die einmaligen Ausgaben 70>/eMillionctt. Das ist garnichls gegenüber dem Stück der wahren Absichten, über das der Staatssekretär in der Kommission Auskunft gegeben hat. Danach ist eigentlich alles, was bisher sür die Marine geschehe» ist. garnichls; danach bestand die ganze Marine nur aus alten Kaste», die der Mannschaft Gefahr bringe u. s. w. Aehnliche Ans- drücke sind bezüglich der französischen Flotte, die»ns gewissermaßen als Vorbild hingestellt wird, in der französischen Kammergefallen. Ueber diesen „Nothstand" will man hinwegkommen dadurch, daß alljährlich 45 Millionen auf die Marine verwendet werden sollen, und das soll ein Minimum sein; in bezug auf die Zukunft will sich die Marineverwallung in leiner Weise die Hände binden lassen. Der Staatssekretär meinte, daß eigentlich zu jedem Panzer noch zwei Kreuzer gehören. Die Kouimissionsmilglieder sind in bezug aus die Finanzen ziemlich hart gesottene Leute; aber gegenüber den, Plane der Marineverwaltung waren sie zu- nächst sprachlos, denn er widerspricht allen bisher abgegebenen Erklärungen aus das entschiedenste(Sehr wahr! im Zentrum und links); noch 1895 wollte der Staatssekretär des Marine-Amts mit bescheidene» Mitteln, 26 Millionen jährlich, auskommen, um die Flotte ans der Höhe ihrer Aufgabe zu halte». Im September 1896 gab der„Reichs-Anzeiger" die amtliche Erklärung ab, daß von weit- ausschauende» Floltenplänen keine Rede sei. In, Reichstage ist die Verabredung getroffen, daß bis znm Ablauf dieses Jahrhunderts nur noch ein Panzer gefordert werde» solle. Das alles ist mit einem Stoße über den Haufen geworfen. Aus der Offenheit des Staatssekretärs Hollmann kann ihm kein Vorwurf gemacht werden, sondern ans dem fiühere» Versteckspiele», ans der Ableugnung der Pläne.(Sehr richtig! im Zentrum.) Der Staatssekretär fühlte das selbst, denn er sprach immer wieder davon, daß keine mala kickes vorliege. Man sucht es nun so dar« zustellen, als wenn es sich immer nur um die Pläne des Reichstages selber handelte. Aber der Reichstag hat die Flottengründnngspläne niemals genehmigt. Der Flottengründungsplan von 1873 stimmt mit den jetzige» Forderungen nur in bezug ans die Zahl der Schiffe überein. Es kommt aber auf die Größe und den Werth der Schiffe an Man hat, um Bewilligungen zu erreichen, auf ganze Cchisssklaffen verzichtet; als die Bewilligung durchgefetzt war. ist man auf die allen Schiffsklasse» wieder zurückgekomnien. Der Nordostsee- Kanal wurde hingestellt, als ob er selbst eine Flotte wäre: wir haben jetzt Helgoland zur Beherrschung der Einfahrt in die Nordseeflüsse. Aber darauf nimnit man gar kein« Rücksicht mehr, man will Dentschland in die Reihe der große» Seemächte versetze». Die Vertreter der Reichsämter habe» die Be- deutung der bösen Denkschrift abzuschwächen gesucht. Aber die Ab- schwächung seitens des Reichskanzlers ist eine sehr viel schwächere ge- wesen als die des Herrn v. Marschall gegeuüber den userlose» Flotten- Plänen. Der Reichskanzler erkannte eigentlich die Forderungen der Denkschrift an, wenn sie auch nur von Jahr zu Jahr nach Maß- gäbe der Finanzlage bewilligt werden sollten. Wir haben es also mit einem ganz bestimmten festen Plaue zu thun. Eigenthümlich ist aber die Form, wie uns dieser Plan bekanntgegeben wird, ab- weichend von allen konstitutionellen Formen. Der Reichskanzler, der für seine Werkzeuge(Zuruf: Handlanger!) verantwortlich ist, weiß nichts davon, ebensowenig der Schatzsekrctär und der Bundcsrath. Der Staatssekretär der Marine handelt auf eigene Faust... Doch nein, nicht auf eigene Faust(Heiterkeit); er beruft sich auf die Meinung des Admiralsstabes und wenn man weiter forscht, kommt man auf die unverantwortliche Stelle. Diejenigen, welche den Privat- Vorlesungen im Kastanienwäldchen beigewohnt haben, wissen ja Be- scheid. Kurz, wir finden die versteckten Allüren des autokratischen Regiments.(Sehr richtig! beiden Sozialdemokraten.) Alle Denkschriften sprechen nur von dem Schutze der Küsten, von der Vertretung überseeischer Interesse», von dem Schutze der Handelsflotte ist nur nebenbei die Rede. Jetzt wird der Schutz des deutschen Handels im Auslande mit besonderem Nachdruck betont. Der Handel hat nicht gewartet, bis die Marine gekommen ist. Der Staatssekretär v. Marschall verwies auf Nordamerika, wo wir mit unserer Aussuhr durchaus nicht bsati possidentes(die Glückliche», die im Besitze sind) seien. Ja, wird durch die Verstärkung der Flotte daran etwas geändert?(Heiterkeit.) Auf den katholischen Missionär in Ostasien rechnete Herr v. Marschall sehr. Aber er ist so oft aus der Versenkung hervor- geholt worden, daß er nicht mehr zieht. Wenn der Negierung die Missionäre so theuer sind, warum hat man sie denn erst (Heiterkeit.) Ist denn Deutsch- kleineren Flotte gar so ohn- ist eine unfähige und un- ihre Stimme erst dann zur mit Kanonen sprechen allerdings fünf Kreuzer aus Deutschland verjagt? land bei seiner früheren mächtig gewesen? Das geschickte Diplomatie, die Geltung bringen kann, wenn sie kann.(Sehr richtig! links.) Wenn mit einem Striche als sür den politischen Dienst unbrauchbar erklärt werden und wenn man die Schiffe, die in Oftasien sind, nach zwei- jährigem Dienst zur Reparatur zurückberuft, während sie 5—7 Jahre im Dienst sind, dann kann man den Auschein einer schwachen Flotte erwecken. Es ist nur merkwürdig, daß bei dem angeblichen Mangel an Schiffen sür den politischen Dienst immer noch Schiffe genug vorhanden waren sür die Repräsenlation und für Vergnügungsreisen.(Sehr richtig! links.) Es ist alles nur bestimmt für die W e l t p o l i t i k, der freilich Herr v. Marschall einen unverfängliche» Sinn untergelegt hat. Danach hätten wir eine Weltpolitik schon gehabt, als das Deutsche Reich formell noch nicht bestand. Jedermann weiß, was die Weltpolitik und das größere Deutschland bedeuten sollen. Der Reichskanzler Graf Caprivi hat es abgelehnt, eine Flotte ersten Ranges zu schaffe»; v. Marschall hat vor Jahresfrist noch die Welt- Politik geleugnet, die er jetzt in der Kommission selbst erwähnt hat. Alle Denkschriften sind eigentlich ausgelöscht. Küstenvertheidigungen sollen wir nicht brauchen. Dann könne» wir die Schiffe doch ver- mindern und brauchen sie nicht zu vermehren! Die Marineschwärmer der sogenannten nationalen Parteien machen aar nicht die Ein- schränkungen der Marineverwaltimg. In der„Kreuz-Zeitung" war zu lesen; Wenn Deutschland nicht den Muth hat, eine große Flotte zu schaffen und Wellpolitik zu treiben, dann hätte es 1370 zu Hanse bleiben sollen! Also lediglich ans Großmannssucht sind wir 1870 ins Feld gezogen?! Einer solchen Weltpolitik müssen wir ent- schieden entgegentreten, wenn auch versichert wird, daß kein Mißbrauch getrieben werden soll. Regierung ist Regierung, und ich traue keiner Regierung weiter, als ich sie sehe und da auch nicht einmal. Für den Thatendurst, der sich auf dem Lande ein- geengt fühlt, ist durch eine große Flotte der Anreiz gegeben zu einer Abenteuererpolitik nach napoleonischem Muster. Der Anreiz ist ohnehin schon groß genug. In der Nähe eines Pulverfasses spielt man nicht mit Zündhölzern und nanientlich nicht mit offenem Feuer. Es hat sich auch in Frankreich und anderwärts gezeigt, daß die Marine die Flagge engagirt; es gehört zu ihrem Kodex der Völker, daß die verletzte Flagge Genugf.hnung verlangt. Dafür müssen da- her die Völker zahlen, nicht diejenigen, welche die Abenteuer ein- gefädelt habe». Die besitzenden Klassen trage» die Lasten nicht; sie bringe» die Opfer lediglich in Worten, und es fällt Ihnen, Herr v. Kardorff, garnicht ein, ein Sleuergesetz zu machen, welches die besitzenden Klassen heranzieht. Die Finanzlage wird als glänzend geschildert, und Graf Posadowsky, der ja nicht fehlen konnte, wo die anderen Sesprochen habe»(Heiterkeit), hat das bestätigt. Die„Nordd. Allg. Leitung" meint sogar, nmn solle doch daran denke», wie lange es schon her sei, daß keine neuen Steuern gefordert sind.(Heilerkeit.) Durch die günstige Konjunktur ist jetzt ein Ueberschuß an Steuern vor- banden, durch welchen die arbeitende Bevölkerung gebrandschatzt wird. Ohne Schulden oder neue Stenern kommen wir nicht aus, nament- lich wenn die günstige Konjunktur wieder schwindet. Etwas Unver- antwortliches ist es, daß Schiffe, die in 25, 20, 15 Jahren veralten, auf Schulden hin gebaut werden. Die Weltpolitik nach außen würde eine Verschärfung der Jammerpolitik nach innen bedeuten, wie ein Zentrnmsblalt gesagt hat. Eine solche Luxus- Politik müssen wir verwerfen im Interesse des Volkes, des Reiches, des Friedens, der Killtiiraufgabe» und der erschöpften Leistungs- fähigkeit des steuerzahlenden Volkes. Wir haben alle Hände voll zu thun, um das Elend in unserem Volke zu beseitigen. Den nationalen Parteien habe ich nichts zu sagen. Wer sich so hoher Belehrung, erfreut, für den sind die Gründe eines gewöhnlichen Sterblichen ohne Bedeutung. Das Zentrum hat durch seine Be- willigungslnst im vorigen Jahre der Regierung Lust gemacht zu neuen Forderungen, obgleich es doch wissen sollte, daß man dem Teufel auch nicht den kleinen Finger geben dürfe.(Heilerkeit.) Jetzt hat das Zentrum den Dank dafür, und man kann den ganzen Groll des Herrn Lieber nachfühle», als er sagte; Jetzt bin ich der blamirte Europäer!(Heiterkeit.) Ich hoffe, man wird im Lande draußen doch endlich aufgeklärt sein, und das Zentrum wird jetzt zu wählen haben J wischen Regierungsfähigkeit und den Wählern. Das Zentrum at nicht genug gestrichen; besonders hätte es den Panzer streichen sollen, der allen getroffenen Verabredungen widerspricht. Die Streichungen haben in der flottenenthusiastischen Presse einen Lärm hervorgerufen, daß man es im Ausland nicht begreifen wird, wes- halb man die Streichung der 7 Millionen von 70 Millionen so tragisch nimmt. Man droht mit dem Minister-Kladderadatsch (Heiterkeit) und sucht überall damit Stimmung zu machen. Der Reichstag hat eine» solchen Appell schon oft gehört; er sollte diesen Appell an die Furcht aber endlich einmal wirkungslos vor- übergehen lassen. Der Konflikt bleibt sonst immer latent, und es wird sogar die Lust zum Konflikt gestärkt. Der Reichstag sollte endlich einmal sich als Macht fühlen. Alle Welt weiß, warum der ganze Streit sich dreht, der Reichstag wird sich zum Mitschuldigen machen, wenn er nicht endlich einmal den Streit ausficht. Der Staatssekretär des Reichs- Marine-Zlmtes hat gesagt, der Reichstag muß klipp und klar Stellung nehmen. Die Abstimmung geht nicht über die paar Millionen und diesen Etat, sondern sie ist auf eine Reihe von Jahren hinaus von hoher prinzipieller Bedeutung. Sie soll bedeuten, daß das deutsche Volk an der Stellung als Militär-Großmacht, an den Koloniallasten, an der politischen und sozialen Mißwirlhschast mehr als übergenug hat und nicht Lust hat, sich neue Lasten aufzubürden. Die Parteien, welche die Mehrheit bilden, werden die Veranlwortnng auf niemand außerhalb des Hauses abwälzen können. Wenzi die Mehrheit jetzt schwach werden sollte, bann würde das deutsche Volk eines Tages dieser Mehrheit ein llrtheil sprechen, das auf Jahrzehnte hinaus nicht ver- geffen werden würde. Will jemand den Konfliit, der Reichstag ist es nicht; aber wenn der Konflikt kommt, dann müssen wir ihn durch- fechte».(Beifall links.) Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe: Der Abg. v. Vollmar hat gesagt, daß der Staatssekretär der Marine von seiner Denkschrift der Kommission Kenntniß gegeben hat, ohne daß der Reichskanzler etwas davon gewußt habe. Ich muß dem widersprechen. Der Staatssekretär des Marine-Amtes hat mir von seiner Absicht, über die Lage unserer Marine in der Kommission eine offene Darlegung zu geben, Kenntniß gegeben und ich habe meine Zustimmung gegeben, weil ich diese Mittheilungen für durchaus loyal ansehe. Es ist also un- richtig, daß ein Verstoß gegen das konstitutionelle Prinzip vorgelegen hat.(Beifall rechts.) Abg. v. Bennigsen(natl.): Daß die Sozialdemokraten als prinzipielle Gegner des Militarismus keine Neigung haben, für die Kriegsmarine etwas zn bewilligen, finde ich begreiflich. Hätten sie die Möglichkeit dazu, so würden sie unsere Landarmee und unsere Marine ans einen Zustand bringen, daß von einer ernsthaften Ver- theidigung Deutschlands, als einen großen Nationalstaates in Europa, gar nicht die Rede sein könnte.(Oho! links.) Die Berantwort- lichkeit freilich lehnen sie' ab und schieben die Verantwortung für die Bewilligung der Marineforderunge» ganz allein den übrigen Parteien des Hauses z». Wenn wir im wesentlichen die Forderungen des Marine-Etats für dieses Jahr bewillige», übernehmen wir nicht die geringste Verpflichtung hinsichtlich der- jenigen Bewilligungen, welche etwa in den nächsten Jahren seitens der Marineverwaltung an den Reichstag gestellt werden. Damit können wir uns um so mehr beruhigen, als wir»ns auch berufen können auf ganz bestimmte Aenßerungen des Reichskanzlers, der in der Kommission erklärt hat, daß die Denkschrist kein Programm«nt- halte, daß vielmehr die Bewilligungen in den kommenden Jahren lediglich abhängen werden von den Bedürfnissen der Marine und gesammten Finanzlage. Wenn wir die Forderungen in diesem Etat im wesentlichen bewilligen, so sind wir nicht der Meinung, daß damit der Anfang gemacht werde zur Begründung einer Marine ersten Ranges, wie der englische» oder auch nur der französische». Sollte das der Fall sein, so würden wir das größte Bedenken tragen, den einzelnen Forderungen des Marine-Etats zuzustimmen. Ich bin mit meinen Freunden der Meinung, daß wir nicht im stände sind, ganz abgesehen davon, ob wir in Deutschland das nöthige Personal dafür beschaffen können, finanziell eine Marine, ersten Ranges in Deutschland zu schaffen. Anders ist es mit unserer Landarmee, die nicht blos jetzt, sonder» auch in Zukunft erste» Ranges sein muß, ja noch mehr, allerersten Ranges. sodaß sie jeder anderen Großmacht in Europa, einzeln betrachtet. nicht blos gewachsen, sondern auch überlegen sein muß.(Zustimmung bei den Nationalliberalen und rechts.) Diesen Zustand haben wir erreicht und wir werden ihn auch behaupten. Darin liegt eine wesentliche Grundlage des Schutzes unseres Nationalstaates nicht blos sür de» Augenblick, wo ein Krieg eintritt, sondern auch eine wesentliche Kraft für alle die sortgesetzten Bemühungen der deutschen Politik, den Frieden ausrecht zu erhalten. Um aber den Frieden aufrecht zu erhalten, ist eine wohl ausgerüstete Kriegsmarine zweiten Ranges sür Deutschland nicht nur ein Be« dürfniß, sondern eine wahre Wohlthat. Von Gegnern der Vorlage ist ausgeführt worden, daß da?, waS hier gefordert wird, weit über das Bedürfniß hinausgeht. Der Abg. v. Vollmar ist sogar so weit gegangen zu sagen. daß der Reichstag Hintergange», absichtlich von den ver- bündeten Regierungen getäuscht worden ist Über die Intentionen hinsichtlich der Entwickelung der Marine. Was die finanzielle Seite der Frage anlangt, so kann man diesenTheil derBe« Haupt un gen des Abgeordneten Vollnrar aller- Vings nicht bestreiten. Die Konstruktionen haben sich ver- ändert, es muß anderes Material genommen werden, und so ist es kein Wunder, wenn die Anforderungen so viel höher werden. Es kann also gar nicht davon die Rede sein, daß es sich in dieser Beziehung»in Ueberrafchungen oder gar um Täuschungen handelt. Nicht in den vermehrten Schiffsbauten, sondern vielmehr in der veränderten Bauart der Schiffe aller Länder ist das gefährliche Anwachsen der Zahlen begründet. Man hat behauptet, unsere Finanzen würden nicht im stände sein, diese Lasten aufzubringen, und daß wir sehr bald vor der Frage stehen würden, weitere Steuern zu bewilligen. Sie könne» doch nicht leugnen, daß zur Zeit unsere Finanzlage eine außerordentlich günstige ist. In wie ungewöhnlichem Verhältniß sich seit 1373 unsere Handels- flotte entwickelt hat, liegt ja vor Aller Augen. Damals waren wir unter den großen bandelstreibenden Völkern an dritter, jetzt stehen wir an zweiter Stelle; nur noch England steht vor uns. Die TranSportfähigkeit unserer Handelsflotte hat sich verdreifacht, die der französischen nur um ein Drittel. Herr v. Vollmar hat gefragt, ob das Auswärtige Amt etwa die Schiffe nach Nordamerika schicken will, um den Präsidenten und die Vereinigten Staaten zu schrecken. Nein, so hat Herr v. Marschall die Dinge nicht in Ver- mittelnng gebracht; er hat gesagt, daß auch Nordamerika mehr und mehr versuchen werde, sich vor dem Import anderer Länder zu schützen durch die Entwickelung der eigenen Industrie oder durch Schutzzölle, und in diesem Zusanimenhang hat er darauf hin- gewiesen, daß es nöthig sei, nach anderen weniger kultivirlen Absatz- gebieten neue Wege zu bahnen. Das sind doch Dinge von der aller- größten Bedeutung, die niit jedem Jahre wichtiger werden, wo das Anwachsen der deutschen Industrie mit immer größerer Eifersucht von den anderen Ländern verfolgt wird. Da haben wir Interessen von größter Tragweile zn fördern und zu schützen, und dazu bedarf es auch der deutschen Flotte. Daß es gleichgiltig sein sollte, namentlich für solche Länder, wo die Rechtszustände»och nicht geregelt sind, ob wir eine starke Flott» haben oder nicht, ist doch nicht richtig. Wie oft sind in China Un- ordnnngen eingetreten? Als in Brasilien plötzlich die Revolution ausbrach, hatten wir zufällig kein Schiff die und es ist daraus großer Schaden entstanden. In Chile war es ebenso und eS ist der Regierung damals ein großer Vorwurf daraus gemacht worden. In Valparaiso ist es r ns-re Flotte gewesen, da schließlich eingegriffen und Plünderungen verhindert hat. Herr v. Vollmar meinte, daß wir den Handel früher hatten als die Marine. Aber wenn unser Handel im Auslände auf die Hilfe fremder Nationen an- gewiesen ist, dann verlieren wir schließlich den Handel an die anderen Staaten. Da unsere Finanzen es sehr wohl gestatten, die Marinebauten zu bewilligen, wo ist der finanzielle Nutzen, wenn schließlich die Ausgaben nur um ein Jahr hinaus- geschoben werde»? Es steht doch diesem kleinen Nutzen gegenüber die Gefährdung großer Nationalinteressen. Das Ansehen des deutschen Reichstages ist seit Jahren zurück- gegangen. Das ist eine sehr gefährliche Erscheinung, weil sich an einzelnen Stellen die Meinung hervorwagt, daß mit den parlamen- tarischen Verfassungszuständen, mit der um sich greifenden Demokrati- sirung nicht mehr auszukommen sei, man müßte allmälig ander» Verfassungsformen finden. Das sind sehr gefährliche Gedanken. Ich stehe wohl mit meiner Meinung nicht allein. Diktatorische Regiment« sind nicht dauerhast. Verfassungen, in denen nicht die Rechte der Volksvertretung ehrlich respektirt werden, sind auf die Dauer nicht möglich. Wir wissen ja alle, wie weit Napoleon den Wohlstand Frankreichs gefördert hat, aber es genügten einige entschiedene Niederlagen, um sein Regiment rettungslos zum Znsammenbruch zu bringen. Diese Erscheinung muß trotz aller Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Zuständen immer wieder den Gedanken hervortreten lassen: Ohne parlamentarische Vertretung kann man in Europa nicht auskommen. Schuld an den Zuständen ist die wechselvolle Haltung der Parteien und der Parteiführer gegenüber den wechselnden Stimmungen im Lande. Es ist doch unmöglich, daß man sich draußen im Lande ein klares Bild über den ganzen Zusanimenhang der Fragen bildet, so z. B. be- züglich der Marine. Da müssen die großen Parteien den Strömungen im Lande entgegentreten. Anders ist das Ansehen des Parlaments nicht zu halten. Die Völler wollen auch«girt sein, dessen be- dürfen sie. Dem Zentrni» geht die sozialdemokratische Beivegnng noch nicht an die Niere».(Heiterkeit.) Das Zentrum hätte also noch viel weniger Anlaß, dem Vorurtheil und der Unkenntniß des Volkes nachzugeben. Wenn das Volk darüber aufgeklärt sein wird, dann wird von äußern Gründen für solche Abstriche schließlich keine Rede mehr sein. Ich habe die bestiminte Hoffnung, daß man die An- nähme der Anträge der Budgclkommilsion mcht zum Grund einer Auslösung dieses Neichstages nimmt. Denn eine bessere Ent- s ch l i e ß u n g als ans diesem Reichstage kommt in den» neuen Neichstagesfur die Marine auch nicht heraus.(Zustimmung links.) Wir können nns die Sache vielleicht noch bis zum nächsten Winter überlegen und dann wird es uns gelingen, zu einer Ver- ständigung zu gelangen.(Beifall.) Der Präsident theilt mit, daß ein Antrag auf namentliche Abstimnlnng über Titel 1b(Kreuzer 0) vom Abg. von Kardorff eingegangen ist. Abg. Richter(frs. Vp.): Herr v. Bennigsen hätte es verineiden solle», das Ansehen des Reichstages dadurch herabzusehen, daß er eS so darstellte, als wenn die Abstimmung erfolgt nach wechselnde» Stimmungen im Lande draußen. Seitens der MehrheitS- Parteien, namentlich seitens des Zentrums ist keinerlei Agitation getrieben worden; die Agitation ist getrieben worden von de» Marineschwärmern und von den sogenannten nationalen Parteien. Die Absicht der Ablehnung ist seitens des Zentrums schon vor dem Bekanntwerde» der Marinepläne vorhanden gewesen und dadurch nur gefestigt worden. Ich kenne Herrn von Bennigsen schon lange; das ist dieselbe Schablone, wie gegenüber der Militävorlage, daß man sich der Regierung füge» müsse in solchen technischen Fragen.(Widerspruch bei de» National» liberalen.) Die Ressorts müssen sich unterordnen den allgemeinen Interessen und es muß ein erträgliches Maß der Steuerbelastung bestehen, unbeeinflußt von dem Ressort- Patriotismus. Herr v. Bennigsen leugnet damit nicht blas das Ansehen des Parlaments, fondern er bestreitet auch dessen Berechtigung. Die Anforderungen werden auf das siebenfache gesteigert! DaS erklärt sich nicht daraus, daß die Schiffe kostspieliger geworden sind, sondern aus den anderen Vorstellungen, die höheren Orts über die Marine geltend gemacht worden sind. In S Jahren des neue» Regiments hat man 260 Millionen gebraucht; jetzt soll die Steigerung von 31 auf durchschnittlich 30 bis 70 Millionen Mark jährlich erfolgen. Wir erfüllen nur die ein- fachst« parlamentarische Pflicht, wenn wir die subjektive Anschauung über die Bedeutung der Marine etwas herabmäßigen. Darin liegt die Bedeutung der Flottenpläne, daß sie wie ein Scheinwerfer die Situation geklärt haben. Es wäre ein Blindekuhspiclen, wenn man so thut, als wenn das Zukünftige nicht vorhanden wäre. Die Pläne gehe» nur bis 1901; es ergiebt sich aber, daß wenn alles Gefordert« bewilligt wird, auch dann»och Kreuzer und Panzer fehlen würden. Wir sehen auch dann»och kein Ufer für die weiteren Forderungen. Seit dem Regierungsantritt des jetzigen Monarchen sind für 287 Millionen Mark neue, moderne Schiffe gebaut worden. Kann man da von einer schwachen Flotte sprechen? Die erste Lesung des Etats ist sehr ruhig und sachlich verlaufen. Man konnte vielleicht schließen, daß der Panzer gestrichen, ein Kreuzer vielleicht bewilligt, andere nicht bewilligt werden würden. Die Sache stellte einen ruhigen Verlauf in Aussicht. In» Januar kam die Unterhaltung am Kastanienwäldchen. Da war die Stimmung um- gewandelt. Da wurde die Forderung als das mindeste bezeichnet. Da wurde der Apparat in Bewegung gesetzt, aber nicht von uns. Habe» wir die Staffelei in der Liotunde aufgestellt? Haben»vir die Artikel in die Kreisblätter gebracht und den Reichskanzler mit Tele- gramme» bombardirt? Herr v. Bennigsen hat auf den Export hingeiviesen, aber der Export bezieht sich zun» großen Theil auf den Landverkehr, und de» Verkehr mit England»verde»»vir kaum ditrch unsere Flotte schützen »volle»! Mac Kinle») mit seinem hohen Schutzzolllarife»st nur ein getreuer Schüler des Fürsten Bismarck. Wie soll die Marine die ' Einführung eines Schntzzolltarifes hindern? Durch Machtmitlel kann der Staat doch keine Absatzivege schaffen oder die'Ans- »vanderung lenke». Unser Absatz hängt ab von der Tüchtigkeit unserer Exporteure und Fabrikanten. Ich finde in den Aussührunge» des Staatssekretärs einen Anklang a» die Wellpolitik. Es berührt sehr»vohlthuend,»venu die Deutschen im'Auslande der Heimath sich . erinnern. Aber man sollte die Verhältnisse nicht zu sehr idealisiren. Sie sind a»lsge>vandert, um mehr Geld zu verdiene».(Sehr richtig! in» Zentrum und links.) Es»nag sehr schön sein,»venn ein deutsches Kriegsschiff in das A»»sland konnnt, das»>»»ß die Deutschen begeistern, das muß eine» Flotte»- Enthusiasmus hervorrufen, der um so bequemer ist, als sie dazu nicht beizutragen brauchen. Alldenlschland hat ja auch für die Flotle gesammelt. Rücken Sie nur heraus»nit der Flottenkasse(Heiterkeit), wir könne»» sie jetzt sehr gut brauchen!(Heiterkeit.) Wir sind China zur Hilfe gekoinmen gegen Japan; glauben Sie, daß das unserer Ausfuhr nach China zu gute gekommen ist? Die Be- stelluugen aus China»verde»» den Ausfall wohl nicht decken. I» beziig aus Transvaal ist es ein»vahres Glück, daß das Ausladllngs- Detachemcnt vom„Adler" nicht gebraucht »vurde. Die sensationelle Art des damaligen Eingreifens hat den Deutschen Schaden gebracht im Berkehr mit den Engländer». In Kreta müffen»vir mit den anderen Mächte» zusamniengehen. Aber das Vordrängen»var nicht nöthig und Herr v. Kardorff hat in der Budgetkonunission erklärt, daß die deutsche Politik auf falschem Wege ist. Deutsche Kaufleut« beschweren sich darüber, daß die Beziehungen nicht blos mit Griechenland, sonder»»nit allen Griechen, die den Handel in der Levante in der Hand haben, gestört »verde». Unter Weltpolitik verstehe ich, nian glaubt überall dabei sein zu»nüssen,>vo etivas los»st.(Heiterkeit in» Zentrum und links). Solche Einmischungen au allen Enden der Welt sind gefährlich. Für die günstige filiauzielle Lage ist der Etatse»t>vurf nicht»uaß- gebend; denn derselbe ist verschoben durch die Ankündigung eines Nachtragsetats von 44 Millionen für Reservebestände des Militärs. Der Staatssekretär hat das Jahr 1396/37,»velches gut abgeschlossen ist, mit dein schlechteren Jahre 1897/98 zusa, innen gcworse». Auf das Jahr 1837/93 allein koiaint es nicht au, sondern ans die politische Lage der ganzen nächsten Jahre,>vo das dicke Ende der jetzigen Beivilligllngen nachkommt. In jedem Jahre haben»vir jetzt außerdem 29 Millionen für Kasernen zu bezahle»; große Korps- Uebuugsplätze müsse» geschaffen werden, das Feldbahn- Material »vird vermehrt n. s.»v.; und dabei sollen»vir so weiltragende Engagements für die Marine übernehme»? Da»nüssen»vir eine Zurückhaltung eintreten lasse». Nach unserer Meinung sind die Ab- striche noch nicht groß genug,»vir»vürden den König Wilhelm auch iwch streichen,»veil gerade bei den Panzerschiffe» die Technik so fortschreitet. Seit 1872 sind die Aufivendungen für das Militär von 92 ans 700 Millionen gestiegen. Das erklärt es, daß die gesteigerten Steuern und Zölle noch lange nicht ausreichen, daß trotzden» die Staatsschulden gestiegen sind. Da sollen»vir leichten Herzens den Anleihebedarf vermehren. Da ist es eine ganz verfluchte Pflicht und Schuldigkeit für den Reichstag, hier ein Einsehen zu habe». Wir können keine Rücksicht aus den Ressort- Patriotismus nehmen,»vir können uns nicht stören lassen dadurch, daß uns ein sie volo, sio jubeo entgegengestellt»vird. Wir können nicht ehrerbietigst in die Knie sinken. Je mehr»vir ausiveichen. umso niehr»vächst sich diese Marinekrisis zu einer Staatskrisis aus. Wir müssen dafür sorgen, daß man unser Recht achtet. Deshalb streichen Sie»imdestens das, was die Budgetkonunission gestrichelt hat.(Beifall links.) Staatssekretär v. Marschall: Wenn»vir in der kretischen Frage an einer gemeinsamen Friedensaktion der Mächte nicht mehr theilnehuien können aus Besorgniß, daß die Griechen böse »verden könnten»md damit vielleicht einzelne Handelsgeschäfte nicht zu stände kommen,»venn'vir in Transvaal unsere vertragsmäßigen Interesse» nicht mehr schütze» dürfe,»,»veil das einige Herren in England krumm nehmen, dann können»vir überhaupt unsere aus- wärtige Politik an den Nagel hängen(Lebhaste Zustimmung und Heiterkeit rechts), dann brauche»»vir eigentlich anch keinDeutsches Reich. Herr Richter meinte, unsere Weltpolitik bestände darin, daß wir überall dabei sein wollten,»vo etwas los wäre. Gerade das Um- gekehrte ist der Fall. Es ist ein bewährter Grundsatz der deutschen Politik, an dem sie seit 26 Jahren unentivegt festgehalten hat. sich nur um die Dinge zu kümmern, die uus angehen. dai»n aber,»vo unsere Interessen iin Spiele sind, auch mit aller Energie einzutreten,»vie es unserer Würde und unserem Interesse ent» spricht.(Beifall rechts.) An dieser bewährten Politik»verde»» »vir i» Zukunft festhalten. Nicht ohne eine» Anflug von Hohn hat der Vorredner gefragt, welchen Erfolg die Anivesenheit des Vize- königs Li-Hung-Tschang hier bezüglich unserer Beziehungen zu Ost- asie» gehabt hat? Der Erfolg»lnserer Bestrebungen in Ostasien »vird im wesentlichen davon abhänge», daß unsere Kreuzer- flotte auf eine Stärke gesetzt wird(Lachen links), daß»vir unseren Handel schützen können,»vie andere Nationen, die nlit uns konkurriren, auch thu». Der Vorredner hat in meinen gestrige» Ausführungen über den christlichen Missionar in China eine Art ca.ptat.lo benevolenüae gegenüber dem Zentrum erblickt. Mit beivährtem Scharfblick hat er erkannt, daß ich mit diesem christlichen Missionar bei ihm keine Wirkung hervorrufen würde. (Heiterkeit rechts.) Er irrt aber,»venn er glaubt, chaß ich lediglich dabei das Zentrum im Auge gehabt habe. Ich »vollte appelliren au alle diejenigen in diese»»» Hause, die für unser christliches Missionsivesen im Auslande Interesse und Ver- ständniß haben.(Sehr gut! rechts.) Von einein Schutz der über- seeischen Interessen kann man gar nicht reden, ohne daß man unserer christlichen Missionare in China gedenkt, erstlich, weil sie besonderen Gesahren ausgesetzt sind, da die chinesische Regierung Beschwerden dieser Art nicht sehr rasch erledigt, und dann»vege» der Vorgeschichte unseres christliche» Missionsivesens in China. Bekanntlich»varen früher alle christlichen Missionen in China dem französische» Schutz unterstellt; es war das Verdienst des Fürsten Bismarck, daß auch Missionare »»»ter deutschem Schuh zugelassen wurden. Eine durchgreifende Besserung trat aber erst 1399 ein, als der patriotische Bischof Anzer seine ganze katholische Mission ausdrücklich unter deulschen Schutz stellte und zu diesem Behufe seine Mission in die Matrikel des Konsulats von Tientsien eintragen ließ. Das ist in»»»einen Augen ein Erfolg unserer ausivärtigen Politik. Herr Richter wird vermuth- lich darin ein Sympton» gefährlicher Weltpolitik erblicke».(Heiterkeit.) Herr Richter hat mit einen» Anfluge von Hohn davon gesprochen, daß die Allsivanderer nicht wegen idealer Zivecke lveggehen, sondern »vege» des Geldverdienens. Zum Theil ist das der Fall; aber Männer der Wissenschaft und Technik gehen doch aus idealen Gründen ins Ausland. Selbst»venu sie Geld verdienen»vollen, so bleibt es doch vortheilhaft für nns, da wir sie als Deutsch« behalte» für das Mutterland.(Zustimmung rechts und bei den National- liberalen.) Herr Richter meint, es geht auch so, aber nur nicht wie. So lange der Rückstand im Bestände unserer Kreuzer an- dauert, köirneu»vir unsere Pflicht nicht erfüllen. Das ist ein Zu- stand, der unserem Ansehen abträglich ist. und deshalb kann ich Sie nur bitten: Beivilligen Sie die beiden Kreuzer.(Beifall rechts.) Abg. v. Leipziger(k.) erhält gegen b Uhr»lnter großer Un- ruhe des Hauses das Wort: Herr Richter hat in der ersten Lesung gegen alle erste» Rate» sich crklärl und trotzdem für den Ersatz„Iltis" ge- stimmt. Hoffentlich änderte» seiueMeinungauch in anderen Frage» noch. Wir werden»vie in der Budgelkommission für die gesaminte» Forde- runge» eintrete», da die Begründung uns vollständig befriedigt hat. Wir können nur bedauern, daß das Zeutrun» nicht,»vie im vorigen Jahre, den» Bedürfnisse der Marine entgegenkommen»vill, trotzdem schon in» vorigen Jahre der Zieferent der Kommission zwei»veitere Kreuzer als nolhivendig bezeichnet und erklärt hat, daß jede Ver- zögerung der Ausführung unsere Flotte beeinträchtigen und später immer empfindlicher nach finanzieller Seite hin»virken»verde.(Hört! rechts.) Die finanzielle» Verhältnisse des Jahres 1896/97 sind günstig, und das nächste Jahr»vird auch nicht allzu ungiuistig sei». Unter solchen Verhältnissen»nuß Deutschland für seine Wehrkraft zu Lande und zur See das ausgeben,»vas nothwendig ist.(Sehr richtig! rechts.) Obgleich»vir als Vertreter der Landivirthschast alle Ursache hätten, noch sparsamer zu sein als andere Leute, so»vissen»vir doch, daß das platte Land und das Geiverbe in den kleinen Städte» einverstanden ist mit unserer Zustimmung. Abg. p. Plötz(k.): Eine Minderheil meiner politische» Freunde haben in» vorige» Jahre gegen einige Position«» gestimmt oder sich der Abstinlmung enthalte». Diese meine Freunde sind aber jetzt be- reit, für die geforderte» Ausgaben z>» stiinine». um dem Handel und der Industrie den Schutz zu gewähren, dessen sie bedürfen.(Beifall rechts.) Abg. von Hodcnbcrg(Welse) schließt sich den Aussührunge»» des Abgeordneten Müller-Fulda au. Wir»vare» bereit, einen Kreuzer zu beivilligen. Aber angesichts der veränderten Anschauungen über die Verivendung der Kreuzer mußten»vir vorsichtig sein. Ich »nöchte dagegen Widerspruch erheben, daß diejenigen,»velche nicht alles beivilligen, Gegner der Marine sind. Den Frieden»Vahren»vir nicht dadurch, daß»vir in jedem Jahre immer größere Rüstungen vornehnien, sondern nur dadurch, daß»vir dafür sorgen, daß der Sin» für Recht und Gerechtigkeit immer„»ehr zunimmt. Ein Vertagungsautrag wird um ö'/e Uhr abgelehnt. Abg. Graf Liinburg-Stiru,»(k.) bleibt bei der großen in» Hause herrschende» Unruhe zun» große» Theil unverständlich. Er führt aus, daß an den Schlvierigkeiten, die der Regierung jetzt gemacht»Verden, zum theil die verbündeten Regierungen selbst schuld sind, deshalb,»veil sie in früheren Jahren nicht energischer mit der Vermehrung der Schiffe vorgegangen sind. Es handelt sich nicht blos um die Kriegsflotte, sondern die Kreuzer sind hauptsächlich bestimmt zum Friedensdienst. Das Zentrum sollte sich deshalb»vohl überlegen, ob cs nicht in der dritten Lesung„och für die Beivillignng der Kreuzer stiniuit. Nach einer Reihe vo» persönlichen Bemerkungen»vird um 63Ji Uhr die weitere Berathung bis Sonnabend U Uhr vertagt. Motnnurnslles. Nicht nur sämmtliche städtischen Bureaus»md Kassen, nnt Ausnahme des Zentralblireaus,»velches von 3—12 Uhr zur Ent- gegennahine von»vichtige» Sachen geöffnet bleibt,»verde»» am nächsten Montag geschlossen sein, sondern auch die städtische» Ralhswaagen und die städtischen Volksbadeaustalteu in Moabit und an der Schillingsbrücke. Den» Beschlüsse der Stadtverordneten- Versammlung, daß fernerhin die Kaution des Pächters der Restaurationsränm« ans dem Vieh- und Schlachthofe statt»vie bisher 13 999 M- die Höhe von 26 999 M. betragen soll,»vie, daß der Pächter, falls er einen Theilnehiner am Geschäft gewinnen will, hierzu die Ge- nehmigung des Magistrats nachsuchen müsse, hat der letztere zu- geflimint. Alte Post. Hinsichtlich des Verkaufs des Grundstücks König- straße 1—6, Poststraße 1 und Burgstraße 7(Alle Post) für de» Preis von 1899 999 M. an de» Herrn Max Ascher hat das Magistratskollegium beschlossen, die Angelegenheit einer Kommission aus seiner Mitte zur Vorberathung zu über»veise». Die Weitersührilug der Kaiser Wilhelmstraße und die Be- seitigung der Mißstände in dem sogenannten Schennenviertel stand gestern in der Magislratssitzung zur Berathung. Es»vurde be- schlösse», aus grund der zivei vom Eigenthümer Cohn beziv. von dem Milgliede der städtischen Bandeputation, Stadtverordneten Baurath Kyllinaun aufgestellte» Projekte für die Weilersührung der Kaiser Wilhelmstraße, so»vie für die Umgestaltung des Scheuuenviertels in »vettere Verhandlung zu treten. Ljalr olles. Arbeiter- Bildnugsschüle. Der März-Dichter-Feier »vegen, zu der noch Billcls zu habe» sind, fällt der Unterricht heute in beiden Schulen aus. Der Unterricht in Deutsch und Rede- U« b u n g findet vo» nächster Woche an»vieder lehrplanmäßig statt. Den-Besuchern des heutigen Dichter-Abends zur Nachricht, daß pünktlich SV» Uhr begonnen wird. Zur Märzseier. Nicht sch,varz-weiß-roth, wie infolge eines Schreibfehlers berichtet»vorde», sondern schwarz-roth-gold»var die eine mit„1348" bezeichnete Schleife des von der Redaktion der Zeilschrift„Neuland" gespendete» KranzeS. Die andere Hälfte tnig die Inschrift ,1897" und war von rother Farbe. So kau» Sinn in die Widmung. Nachzutragen haben»vir noch, daß,»vie dies za ganz selbstverständlich, auch von dem geschäftsführende»» Ausschuß unserer Partei ein prächtiger Kranz gestiftet worden ist. Die„Ordnung" au» Friedrichshain»vird von Herrn v. Gerlach in der„Zeit"»vie folgt skizzirt: Die arinen Schutzleute! Sie stehen da zu vielen Dutzenden und haben in aller Well»»ichtS zu thun. Bon Zeit z» Zeit gebt ein Regenschauer nieder. Dann spannt alles die Schinne auf. Nur die bewaffnete Macht kann sich nicht schützen. Warum»nüssen die armen Kerle nah werden? Um die Ordnung aufrecht zu erhalten! Du lieber Himmel, als wenn irgend jemand die Absicht hätte, die Ordnung zu stören. Alles geht so friedlich zu,»»»cht wegen, sondern trotz der Polizei. Was wohl «in Engländer zu diesem Machtaufgebot sagen würde? Aber freilich, was kann so ein freiheitlicher Barbar für Verständniß haben für dir Segnungen des Polizeistaats. Der Zustand des Friedhofes der Märzgefallenen wurde am'18. März in einer sreisinnigen Versammlung, welche voin Denkmal-Komitee einberufen»var, erörtert. Die Versammlung nahm «ine Resolution a»i, in der sie ihr Bedauern darüber aussprach, daß der Friedhof sich in einem geradezu univürdigen Zustande befindet; die Versammlung ersuchte die Stadtverord»»eten- Versauunluiig um Abhilfe.— Auch wurde beschloffen, diese Resolution jedein Stadl- verordneten zuzusenden. Aus der Schwartzkopff'schen Maschinenfabrik»vird uns geschrieben, daß dort am Donnerstag der Anschlag,»vonach an» 22. März nicht gearbeitet»verde»» soll, angeheftet worden ist. Be- sremdlicheriveise»vird der Ukas»l. a. damit motivirt, daß auch viele Arbeiter die Arbeitsruhe»vünschten. Wenn auch die Zahl der Hirsch-Duncker'schen gerade bei Schivartzkopff nicht gering ist. so ist doch, der allgeineinen Stimmung»ach zu urtheileu, selbst dieser Theil der Arbeiter ivenig aus die Nalionalseier versessen, falls diese»»ir Opfern verknüpft ist. Außerordentlich peinlich ist nun die Arbeiter- schaft der genannten Fabrik davon berührt, daß die Entschädt» gungsfrage in der Angelegenheit der unfreiwilligen Arbeits- rnhe in dem erivähnten Aushange mit keinem Worte gestreist ist. Man fragt,»vas das bedeuten soll? Gleichermaßen undeutlich ist die Bekanntmachnug, die sich in der Fabrik von Ludivig Löive(jetzt Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken) angeheftet findet. Es heißt da: Anläßlich der Zeiilenarfeier ruht der Betrieb unserer Waffenfabrik au, 22. März. Diejenige»,»velche zu dem Festzuge a», Dienstag, de» 23. März, beurlaubt zu sein»vüuschen(!), habe» die? bis spätestens am Sonnabend, den 29. März, ihrein Vorgesetzten(!) zu melde». Deutsche Waffen- u>»d Munitionsfabriken(Martinicken- selbe.)— Auch hier fragen sich die Arbeiter, warum daS Institut, das 25 pCt. Dividende aus den Ausgebeuteten herauspreßt, sich nicht über die Verpflichtung zur Lohnzahlung für die bourgeoisen Feiertage ausläßt. Btzzanz. Am Abend des 18. März war in der Börse ein Konzert, an dem auch der Hos theilnahm. In einen» Vortrage „Das Lied von» Reiche", wurde, einem hiesigen Blatte znsolz«, der gegemvärlig regierende Kaiser»vie folgt besungen:„Da»vird es Licht— I» Jugendkraft ersteht— Ein Friedenssürst,— Ein Helfer den Bedrängten,— Ein Schirmer deutscher Kunst— Zur Seite ihm ein leuchtend Vorbild aller Frauen". Säinintliche Hofliefcrante« und auch solche Geschäftsinhaber. die eS»verde» möchte», belaste» in diesen Tagen ihr Spesenkonto in zun» Theil beachtensiverther Höhe. Es gilt, dv: patriotische» Ge- säht zur Zentenarseier weithin leiichtei»dei» Ausdruck zu geben»»»d daher werden für Dekorationen und Jllulnii»ationszwecke erkleckliche Summe» ausgeivorfe». Dies Geld ist nicht unuütz geopfert, denn eine auffällige Illumination ist mindestens eine so gute Reklame»vie eine Zeituimsaunonce und von doppelter Wirkung, wem» man den Blättern Waschzettel zuschickt, die, aus purem Patriotismus im redaktionellen Theil abgedruckt, das Publikum auch zum„National- feste" auf vortheilhafte Einkaussgelegenheiteu hinweisen. Natürlich giebt es auch Geschäftsinhaber, denen das patriotische Aulagekapital nicht gleich sichtbare Zinsen trägt. Hoffentlich suchen diese Unter- nehmer sich nicht durch Lohnabzüge au ihren Angestellten und Ar- beitern schadlos zu halten. Zeutenarfcier und Arbeitslosigkeit. Wie der„Volks- Ztg." anscheinend aus Uitternehmerkreisen mitgeiheilt wird, sind infolge der überlangen Sperre des Wasserweges durch Berlin langerwartete Sendungen von Steine» für die neu beginnende Banthätigkeit noch nicht eingetroffen und auch fürs erste nicht zu erivarte». Infolge dessen kann eine Reiht von Bauha>»dwerk«rn, die sehnsüchtig nach Abiaus des arbeitslosen Winters mit Fug auf Be- schäftigung rechneten und auch bereits engagirt waren, nichts ver- dienen, da einzelne Bauten unterbleibe» müffen.— Warum sollen allch die Arbeiter zur Zentenarseier nicht ei» bischen hungern? Tie Große Berliner Pfcrde-Eiseubahn, die es so ausgezeichnet verstanden hat, sich beim Publikuin gründlich verhaßt zu machen, will sich»venigsteus nach oben aus guten Fuß stellen. Sie hat als Zentenarseier- Dekoration 29 999 Meter Guirlauden angekauft. Zivanzigtausend„Meier" Lohnzulage»väre dem Personal wohl ent- schieden lieber. Priigcl-Pädagogik. Unter zahlreicher Begleitung von Schick- lindern brachte kürzlich ei» Lehrer der in der Stephanstr. 3 belegenen Gemeindeschule den Schicker Bernhard Quednan in die Wohnung seiner Eltern, Perlebergerstr. 46. Der Lehrer hatte den Knabe», nm eine Prügelstrafe an ihn» zu vollziehen, mit solcher Wucht auf die Bank ge>vorfen, daß de»» Kiiabe», der»nit dem Gesicht ans die vor- stehende Bank ausschlug, vier Zähne ausgebrochen wurden. Der Vater des Knaben ging nun mit dem Lehrer einen Handel ein. »vonach dieser auf den Namen des Schülers eine Einzahlung bei der Sparkasse zu mache» hat(angeblich 199 M.), wohingegen der Vater von einer»veitere»» Verfolgung der Angelegenheit Abstand nimnit. Tie Aulcguug eincS Berliner Zentral- Bahnhofes soll, »vie eine hiesige Korrespondenz»viffen»vill, vorläufig aufgegeben sein. Tie Umräumung der Rationalgallerie ist nunmehr bis aus den zioeiU» Cornelinsiaal beendet, nachdem gestern Mittag 12 Uhr auch das Erdgeschoß dem Publikuin lvieder zugänglich genmcht worden ist. Tie Firmenschilder-Verordnung,»velche bestimmt, daß der volle Vorname des Geschäftsinhabers sichtbar an» Haus« angebracht »verde» muß,»vird ganz besonders genau vo» einen» Gastivirlh>» der Gegend des Nordhafens befolgt. Derselbe hat sich folgendes Schild geleistet: Destillation»lnd Bierverlag Christian B..-- 3./l9. 48. Neu-Ruppin! Ju der Narkose ist am Donnerstag der 39 Jahre alte Schneider Friedrich Rütting aus der Griebenoivstr. S/9 in der Dr. Löwe'schen Klinik, Karlstr. 32, gestorbei», wo er von einem Ohrenleiden operirt werden sollte. Rütting»var erst 19 Monate verheirathet. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Sestern Vor», Mag stürzte in der Straße Hasenhaide durch«ineu Radbruch em Wagen mit Rüstzeug um. Hierbei wurde der Kutscher August Jungllaus von seinem Sitze herabgeschleudert und am linken Knie schu>«r verletzt. Er»vurde»»» das Krankeuhaus An» Urban übergeführt. Da der Wage» auf das Pferdebahugeleis« gefallen»var, mußten die Pferde- bahnlvagen beinahe z>v«i Siunden lang ausgesetzt und um die Stelle herum gefahren werden.— Bor dem Hause Lolhniigerstr. 62«»litt nachmittags der achtzehnjährige Möbelpolirer Karl Neuinan» da- durch schwere Verletzungen, daß er mit einem Handwagen, den er vor sich her schob, gegen einen vorüberfahrenden Pferdebahnwage» der Ringbahn fuhr. Ntumann war dem Pferdebahnwagen nicht weit genug ausgeboge». so daß dieser an den Handwagen stieß und die Deichsel dem Neumann gegen den Leib prallte. Der schwer Per« letzte wurde zunächst in das Packziunner des Postamts in der L othringcrstraße geschafft, wo eine Verletzung des Unterleibes und an» scheinend auch eine Darmzerreißung festgestellt wurde. Er wurde darauf in einen, Krankenwagen nach der Charitee geschafft.— Beim Ueberschreite» des Oranienplatzes wurde die verehelichte Geheimsekretär Schröder geb. Bornschneider mit ihren Stiefsöhnen durch einen von der Oranienbrücke kommenden Schlächterwagen. dessen Kutscher über- mäßig schnell in das Elisabelhuser einbog, überfahren. Der ältere Knabe erlitt dabei einen Boich des rechten Oberschenkels nnd der andere eine Ouelschung des rechten Arms, während die Frau unver- letzt blieb.— In der Alexanderstraße gerielh nachmittags der Sf5 Jahre alte Schriftsetzer Gustav Sachse unter die Räder eines Rollwagens und wurde anscheinend innerlich erheblich verletzt. Er wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht.— Ferner wurde abends an der Ecke der Landsberger und Weberstraße der Telegraphenarbeiter August Freiberg durch einen Rollwagen über- fahren nnd an der Brust und am Knie schwer verletzt. Er fand gleichfalls Aufnahme im Krankenhaus am Friedrichs Hain. Zl»S de» Nachbarorte». Tie deutschen Feucrbestattunas-Vereine haben am Hause Hvditzstr. 9 in Potsdam eine dem Andenken des Grafen H o d i tz gewidmete Getenktafel enthüllt, der als erster in neuerer Zeit die antike Feuerbestattung wieder erweckt hat. Der Leichnam seiner Gallin, der Markgräfin Sophie von Bayreuth, einer Tante Friedrichs II., wurde im Jahre 1752.auf römische Art" eingeäschert. Damals konnten so„hochgestellte" Personen es sich noch leisten, für iiene Ideen zu schwärmen. Heute thun sie sich in Kirchenbauten und Orthodoxie hervor. I» Charlottenburg ist gestern der„Charl. Ztg." zufolge vom Magistrat die Anlage eines städtischen Elektrizitätswerks genehmigt worden. Es wurde beschlossen, für diesen Zweck 1790 000 M. in die demnächstige Anleihe einzustellen. Vorläufig wird den Stadt- verordneten eine Vorlage zugehen, für die vorbereitenden Zwecke 20 000 M. zu bewilligen. Einigkeit macht stark. Von Gemeindebeamten unseres Vor- ortes Pankow war beschloffen worden, zwecks Förderung der gemein- schafllicheu Interessen einen geselligen Verein zu gründen. Vor kurzem fand die erste Zusammenkunft statt; nur wenige der Interessenten fehlten an der Sitzung, in der eS recht eifrige Debatten setzte. Als man endlich das Lokal verließ, kam es bedauerlicherweise zu einer allgemeinen Schlägerei, welche das Einschreiten des Gendarmerie-Wachtmeisters nölhig machte. Nunpt und Lvistenfltzaft. I» den» kleinen Alexanderplatz- Theater ging vorgestern Abend etwas vor sich, was als ein dramatisches Ereigniß augekündigt wurde. Der„urkomische Bendix", die einstige IHauptstütze des America»- Theaters, hat sich auf seine alten Tage zu dem Schritt vom Chantant zur wirklichen Bühne entschlossen. Ob dies aus künstlerischem Drange oder des lieben Brotes wegen geschehen ist, wollen wir nicht untersuchen; genug, der Berliner Witz, der vor wenigen Jahren i» Oskar Wagner's realistischen Stücken noch einmal lustig aufflackerte, ist in der Dresdenerslraße leider zu einem ab- geriffenen, unbeachteten Geselle» geworden, und Herr Direktor Samst ist ein kühner Mann, der alles macht. Vor einigen Monaten rxperimentirte er mit einem Opernenseinble nnd dazu noch »nit einem italienische», und jetzt stiert, wie gesagt, Herr Bendix bei ihm seine Auferstehung. Das Debüt ver- tief nicht besonders aufregend. In einer gleichgilligen Berliner Posse „Die Tanz-Frida" gab Herr Bendix einen Diener in rother Livree nicht allern mit denselben Gesten, die die Reklame früher als ur- komisch gepriesen, sondern auch mit den altbewährten Kouplets. Der Brave erhielt ein Blnmenbouquet und ein Packet, in dem an- scheinend eine Kiste Zigarre» steckte, als Aufmunterung. Weit de- achtenswerlher als dies Debüt war das Auftreten eines weiblichen Gastes, des Fräulein Lina Stöcker-Goltz. Wie kommt Saul unter die Propheten? kann man hier frage». Die Künstlerin ist eine Soubrette von überaus beachtenswerthem Talent und verdient, an wirkungsvollerer Stätte als am Alexanderplatz-Theater zur Geltung zu komme». Die Rolle eines flotten Dienstmädchens spielte sie mit geradezu überraschendem Humor. Eiueu archäologischen Fund von anscheinend großem Interesse hat der Baumeister Sabouraut in Aieure(Touraine) beim Grundgraben eines Kirchbaues gemacht. Seine Leute förderten einen Steinblock mit Inschriften zu tage und legten dann noch 10 weitere bloß. Die dortigen Archäologen glauben es mit einem alten Tempel der Minerva zu thun zu haben nnd ergänzten die lheilweise beschädigte Schrift aus den Blöcken, wie folgt: „Numinibus Augustorum et Deae Mineryae M. Petroni... �lilli fili aras et aedem cum suis omamentis quam pater pie dedicaverat. D. 8. P. 0," was bedeutet:„Den Gottheiten der Kaiser und der Göttin Minerva die Söhne des Pelronius." Uebcr die Auslegung des 2. Theils der Inschrift sind die Gelehrten noch nicht einig. Ihre Uebersetzung würde ungefähr lauten:„... dies« Altäre und diesen Tempel mit seinen Verzierungen, welche ihr Bater fromm geweiht hatte." Seit den letzten 20 Jahren ist in Frankreich auf dem Gebiete des klassische» Alterlhums kein Fund von ähnlichem Interesse gemacht worden. Di« Steine weisen auch Reliefs auf, die einen Kampf der Minerva mit zwei Riesen in Gestalt von Schlangen darstellen. Der Archäologe Charles Normand findet in diesen Skulpturen große SIehnlichkeit mit der Gigautomachia von Pergamo». Man erklärt sich das vollständige Verschwinde» dieses Tempels dadurch, daß einer der merowingischen Bischöfe ihn als Erinnerung an das Heidenthum vom Erdboden verschwinden ließ, um eine Kirche des neue» christlichen Glaubens darauf zu errichten.— Gevichis-�eikunZ. Redaktiousgepflogcnheiten in einem TcnsationSblättchen. Tie Privatklage, welche die beiden Direktoren des„Deutschen Kredit- Vereins", Ernst v. S ch e w e und Gustav v. Oertzen, gegen den früheren Redakteur des„Kleinen Journal s", Hugo Krause angestrengt habe», gelangte gestern vor der achten Straskammer des Landgerichts I Berlin zur nochmaligen Verhandlung, nachdem der Beklagte gegen das aus 14 Tage Gefängniß lautende Eitern, miß der ersten Instanz Berufung eingelegt hatte. Zur Zeit, als der Prozeß gegen den Bankdireklor Herniann Friedman,, statlfaud. erschienen in,„Kleinen Journal" zivei Artikel, welche inkriminirt sind. Der erste Artikel, der am 6. Juli v. Js. erschien, enthielt die Mittheilung. daß der Kriegs- minister nach der Verhaftung Friedman»'« den Offiziere» untersagt habe, niit dem Deutschen Kreditverein in Geschäftsverbindung zu treten, da dessen Direktoren Geschäfte eigeuthümlicher Art abschlössen. So schulde Friedmann dem Verein einen Betrag von 250 000 Mark, wofür der Direktor sich völlig unzulässigerweise eine Provision von 2500 Mark unter dem Deckmantel eines fingirle» Geschäfts habe zahlen lasse». Es sei auffallend, daß dieser Direktor immer noch auf seinem Posten sei.— Am folgenden Tage erschien im„Kl. Journ." eine Berichtigung des Direktors v. Oertzen, wonach die Thatsachen. welche Tags zuvor behauptet waren, als unwahr bezeichnet wurden. Wenige Tage daraus er- schien in, Kl. Jouru" der zweite inkriminirte Artikel. In diesen, wurde mitgetheilt, daß Friedmani, allerdings zuerst auf sein Gesuch, betreffend das Darlehn von 250 000 M., eine Ablehnung erfahre» habe, weil kein Mitglied deS Vereins ei» höheres Darlehu als 30 000 M. erhalten könne. Der Direktor habe aber dem Agenten Fried. mann's geralhe», der letztere möge 17 Mitglieder für die Bank werben und deren Rechte zur Aufnahme von Darlehen auf sich ver- einigen, dann könne die Eumnie von 250 000 M. gewährt werden. DieS sei geschehen, unter den 17'geworbenen Mitgliedern hätten sich Leute dienenden Standes befunden.--- Im vorigen Termine hatte der Beklagte gar nicht versucht, den Beweis der Wahrheit anzutreten, sondern sich darauf beschränkt, als Entschul- digung anzuführen, daß die Artikel, als dessen Verfasser er den Direktor Arendt ermittelt habe„shinter seinem Rücken in Druck gegeben seien. Bei dieser Behauptung blieb der Beklagte auch im gestrigen Termine. Der Verleger und Chefredakteur Dr. Leipziger bekundete, daß das fragliche Manuskript in ordnungsmäßigem Geschäftsgang« in die Druckerei gegeben worden sei, wenn der Beklagte von dem Inhalte desselben hätte Kenntniß nehmen wollen, so hätte er Gelegenheit dazu gehabt.— Direktor Max Arendt von der Großen Berliner Omnibus-Gesellschasl gab zu, daß er der Verfasser der Artikel sei und seines Wissens die Manuskripte dem Dr. Leipziger selbst übergeben habe. Er nehme die volle Verantwortung für den Inhalt der beiden Artikel auf sich und werde den Beweis der Wahrheit in jedem Punkte antreten. Er werde Gelegenheit dazu bekommen, da die Direktoren des Deutschen Kreditvereins auch gegen ihn im Klagewege vorgegangen seien.— Rechtsanwalt Gabriel beantragte nun die Vertagung biS nach Be- endigung der Privatklage, welche zur Zeit gegen den Direktor Arendt, den Chefredakteur Dr. Leipziger und den Redakteur Alf. Etettenheim schwebe und denselben Gegenstand betreffe. Der Gerichtshof lehnte diesen Antrag ab, stellte sich in allen Punkten aus den Boden des Borderrichlers und verwarf die Berufung. Ein Bühnenerfolg. Eine literarische Angelegenheit, die schon den Staatsanwalt und auch die Schriftsteller-Genossenschast be« schästigt hat, fand gestern vor dem Berliner Schöffengericht ein gerichtliches Nachspiel. Die Schriftsteller Dr. W r e d e und v. I a n u s z k i e w i tz hatten gegen Schriftsteller Martin Hilde- brandt, der Geschäftsführer' der Schriftsleller-Genoffenschafl ist, die Privatklage angestrengt. Die beiden Privatkläger, als Bor- slands-Mitglieder der„Gesellschaft dramatischer Autoren" halten seiner Zeit die Frau Dr. Kühne ernnmtert, das von ihr verfaßte Stück„Villa Frankreich" durch Vermittelung der Gesellschaft auf einein hiesigen Theater zur Aufführung bringen zu lassen. Frau Dr. Kühne, die eine sehr wohlhabende Dame ist, sollte dasür 1000 M. zahlen; sie hat im ganzen 800 M. gezahlt, darunter sofort 300 M. als Vorschuß, wegen der Zahlung der noch restireude» 200 M. hat Dr. Wrede eine Klage angestrengt. Die Aufführung des Stückes fand im Ostend-Thcater statt, es zeigte sich dabei aber, daß der literarische Werth des Stückes gleich Null war und letztere? eine Bühnenberechtigung nicht hatte. Trotzdem soll, wie der Privatbeklagte behauptet, der Verfasserin ein Lorbeerkranz über« schickt und ihr in einem Telegramm gemeldet worden sein, daß sie achtmal hervorgerufen worden sei. Frau Dr. Kühne hat später bei dem Vorstände der Genossenschaft über das Verhalten der Privatkläger Beschwerde geführt, die Sache wurde untersucht und schloß damit ab, daß die Privatkläger aus der Schriftsteller- Genossenschaft ausgeschlossen wurden. Ihre Berufung an die General- versanimlung hatte leinen Erfolg. Der Beklagte war durch seine Beschäftigung mit dieser Angelegenheit zu der Ueberzeugung ge- komme», daß die Privatkläger bei dem ganzen Verkehr mit Frau Dr. Kühne gegen die Berufspflichten verstoßen und die Verfasserin lediglich i», eigenen oder im Jnteresse der in finanzieller Bedräugniß befindlichen Gesellschaft dramatischer Autoren zur Auf- sührung diese? werthlosen Werkes veranlaßt habe». Er hat dieser Ueberzeugung in einer Unterhaltung n,it dem zweiten Privatkläger auch unverhohlene» Ausdruck gegeben und dabei Ausdrücke wie„ehrloS",„Ueberfall",„Nöthigung":c. gebraucht. Das Ver- halten der beide» Privatkläger hat auch die Staatsanwaltschaft sieben Monate hindurch beschäftigt, daS Ergebniß ist aber ein negatives gewesen und daS Verfahren wurde eingestellt. Das Schöffengericht kam »ach einer sehr laugen Beweisaufnahme zu der Ansicht, daß nichts davon erwiesen sei. daß die Angeklagte» trotz ihrer Kenntniß von dem literarische» Unwerth des Stückes die Ausführung betrieben hätte», lediglich weil Frau Dr. K. eine wohlhabende Frau sei und auf diese Weise der Gesellschaft dramatischer Autoren Mittel zu- fließe» konnte». Der Gerichtshof hielt auch nicht für erwiesen, daß die Privatkläger irgendwie in ihre eigenen Taschen gearbeitet hätten; im Gegentheil habe Dr. Wrede der Aufführung»och eigenes Geld geopfert. Wie man auch über das Verhalten der beide» Privatkläger vom lileratischen Standpunkte aus denken mag. so viel sei sid,er, daß es unstatthaft sei, ihr Verhalten als„ehrlos" zu brandmarke». Mit Rücksicht auf die ganze Sachlage verurthcille der Gerichtshof den Angeklagten zu 100 M. Geldstrafe. Ein moderner Kricgerverein. In einer Sitzung des Vereins ehemaliger Brandenburgischer Kürassiere(Kaiser Nikolaus I. von Rußland) hatte der Vorsitzende Kehrl vorgeschlagen, daß der Verein bei Beerdigung von Mitgliedern, wenn ein Prediger der Leiche nicht folge, in Zukunft eine Begleitung nicht niehr geschehen und alle Ehrenbezeugungen ein- stellen lassen sollet!). Hierzu bemerkte der Schuhmacher- meister Berndt aus Brandenburg a. H., daß seiner Meinung„ach dieser Vorschlag den Statuten widerspreche, da dort«ine Be> theiligung an dem Begräbniß ausdrücklich vorgeschrieben und kein Unterschied gemacht sei, ob„ein Pfaffe" mitginge oder nicht; vielmehr sei dies ganz egal. Der Vorfitzende, welcher in diesen, Ausdrucke die Verächtlichmachung eines Geistlichen sah,(!) entzog hierauf den, B. wiederholt das Wort mit der Aufforderung, daS Lokal zu verlassen und holte schließlich, als B. nicht alsbald Folge leistete, eine» Polizisten herbei. Dieser legte de», B., nachdem er ihn zum HinauSgehen veranlaßt hatte, außer- halb der Versammlung nahe, sich doch zu entfernen. B. lehnte dies aber ab und kehrte„nt dem Polizisten wieder in die Versammlung zurück, welche sodann aber geschlossen wurde.(!) Auf grund dieses Thatbestandes wurde nun B. aus dem Verein ausgeschlossen, wogegen er unter dem Hinweise Klage aus Wiederaufnahme erhob, daß ein solcher Beschluß »ur dann hätte gefaßt werden könne», wenn in der betreffenden Generalversanimtnug zwei Drittel der Mitglieder erschienen wären, während thatsächlich von 120 Mitgliedern nur 51 anwesend gewesen wären. Sodann seien auch in bezug auf die Ankündigung der be- treffenden Versammlung Verstöße vorgekommen und schließlich sei aus dem betreffenden Vorfall selbst gar kein berechtigter Grund zu seiner Ausstoßung herzuleiten. Die erste Zivilkanin, er des Land- gerichts i» Potsdam erklärte hierauf am 27. November vorigen Jahres den Beschluß des Vorstandes und der General- Versammlung betreffs der Ausschließung des Klägers aus dem Verein für ungiltig und legte letzteren, die Kosten des Rechtsstreites zur Last. Der Gerichtshof ließ die formelle Seit« der Frage außer belracht, da jedenfalls die Ausstoßung durch de» Sachverhalt in Verbindung mit den Statute» materiell nicht hinreichend gerechtfertigt sei. Im Gegentheil könnte deduzirt werden, daß es ei» Ausfluß jener kameradschaft- lichen Treue sei, wenn die Leichenfolge auch da Platz greift, wo der Geistliche fehlt.— Gegen dies Urlheil legte der durch den Vorsitzeiideu und den Vorstand vertretene Verein Berufung bei de», Kammergericht ein, welches gestern die Be- rufung mit dem Hervorheben zurückwies, daß sich in materieller Be- ziehung gar kein Anhaltspunkt für die Berechtigung der Ausstoßung des Klägers aus dem Verein ergeben habe. Unser Partrigenoffe Fahrenkamm in Erfurt war in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurtheill worden, weil er auf de», städtischen Kirchhof eine„Rede" gehalten hatte. Eine Begräbniß- orbnung aus de», Jahre 1877 mußte dazu herhalten, die Strafe zu rechtfertigen. Der Thalbestand war folgender: An, 12. August 1896 wurde der Schneidermeister Meier beerdigt, der Mitglied der Zentral- Krankenkasse der Schneider gewesen war. Als Delegirter der Krankenkasse legte Fahrenkamm einen großen Kranz mit rother Schleife am Grabe nieder, wobei er die Worte sprach: „In, Namen der vereinigten Krankenkasse widmen wir Dir als eifrigem Mitglied und Genossen den letzten Gruß." Das war die Rede, die Fahrenkamm büßen sollt«. Er legte Revision«in. Der Strafsenat des K a m m« r- gerichts wie? die Sache zu anderweiter Entscheidung in die Vorinstanz zurück. Der Präsident führte aus. die Begräbniß- ordnung von 1877 sei als P o li, ei-V« r o r dn nng im Sinne de» Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 an« zusehen; als einer solchen fehl« ihr aber die Rechts» giltigkeit, da sie nicht als Polizei-Verordnung bezeichnet se,. Könne nun auch eine Bestrafung des Angeklagten durch sie nicht gerechtfertigt werden, so müsse doch der Vorderrichter nachprüfen, ob nicht etwa§ 10 des Vereinsgesetzes anwendbar sei. Die„Kollektenfrage" in«euer Beleuchtung. Am 2. Februar wurde in Biesdorf eine sozialdemokratische Volksversammlung ab- gehalten, die unser Parteigenosse Kette einberufen hatte. Kette ver- aulaßte den Genossen Knauer, am Eingange deS Verfammlungs- lokals Beiträge zur Deckung der Unkosten entgegenzu- nehmen. Die beiden Sozialdemokraten wurden angeklagt, «ine Regierungs- Polizeiverordnung vom 3. August 1892 verletzt zu haben, die die Veranstaltung nicht genehmigter öffentlicher Kolleklen unter Strafe stellt. Schöffengericht und Landgericht kamen auch zu einer Verurtheilung, die Berusungsinstanz erkannte auf 3M. Geldstrafe. Rechtsanwalt Wolfgang Heine legte Revision ein, indem er vorwiegend prinzipiell das Vorgehen der Behörde bekämpfte. Der erwähnten Polizeiverordnung sprach er die Rechtsgiltigkeit mit der Begründung ab, das sie jeder rechtlichen Grundlage ent- behre. Den bekannten Standpunkt des Kammergerichts, wonach die vielgenannte Instruktion für die Oberpräsidenten vom Jahre 1825 derartige Verordnungen rechtlich begründet, suchte er zu erschüttern. Am 13. März kam die Revision vor dem Strafsenat des Kammer- gerichts zur öffentlichen Verhandlung. Ganz unerwartet trat hier! der Oberstaatsanwalt für die Zurückverweisung der Sache» in die Vor- instanz«in. Er führte a»S: Nach den aktenmäßigen Feststellungen des Landgerichts sei es zweifelhaft, ob der Zutritt zum Versamnrlungs- räum auch solchen Leuten freistand. die keinen Beitrag zur Tellersammlung leisteten, oder ob der Einlaß auf jeden Fall von einem Beitrage abhängig war, ohne daß jedoch«in vorher fest- gestellter, ganz bestimmter Satz innegehalten werden brauchte. Deshalb müsse sich das Landgericht»ochmal mit der Sache beschäf- tigen. Denn wenn der Eintritt an die Bedingung eines Beitrages geknüpft gewesen wäre, dann läge nicht eine Kollekte, fondern die Bezahlung einer Leistung vor, und zwar einer von, Versammlungsunternchmer dargebotenen Leistung. Und eine solche Gegenleistung wäre auch anzunehmen, wenn die Höhe des noth wendigerweise zu zahlenden Beitrages in das Belieben jedes Einzelnen ge- st e l l t f e i. Es läge dann ähnliches vor, wie wenn ein Mensch in einem Schanklokal allerlei Leistungen produzirr nnd sich von jedem Gast ein Honorar in beliebiger Höhe geben läßt. In diesen, Falle würdeman das Einsammeln schwerlich unier den Begriff der Kollelte bringen könne». Der Strafsenat des K a m m e r g e r, ch t s hob denn auch thatsächlich die Vorentscheidung auf und wies gemäß dem Antrage des Ober- ftaatsanwalls die Sache zu anderweiter Entscheidung in die Vor- instanz zurück. Er folgte den Ausführungen des Oberstaatsanwalts, wie aus der Publikation hervorging. Die Polizeiverordnung vom 3. August 1392 wurde jedoch für r e ch t s g i l t i g erklärt, indem das Kammergericht bei seinem oben erwähnten Standpunkte beharrte.— Di« vorliegende Eut« scheidung ist von großer instruktiver Bedeutung. Vermifchkes vom G«gv. —„Patriotismus". Die Berliner Verlagshandlung Neinhold Klinger macht im„Düsseldorfer General-Anzeiger" auf ihre„Jubiläums-Kollcktion" ausmerksam, die„eben dem Buch vom deutsche» Heldenkaiser und Kaiser Wilhelm's I. letzte Lebenstage». a. folgende Schriften enthält: Geheimnisse von Berlin, Mikosch's pikante Witze, Die Kunst jungen Dame» zu ge- fallen, GeHein», iß der Liebe und Ehe, Schäfer Thomas' Prophc- zeihuugcn.— Eine besonders gute Meinung scheint dieser Herr Klinger von seinen Milpalrioten gerade nicht zu haben.— — In Spremberg ist die große Tuchfabrik der Gebrüder Koffack bis auf de» Grund niedergebrannt.— — In B r« s l a u ist ein im Bau begriffenes vierstöckiges Eck- haus eingestürzt. Der Einsturz erfolgte früh Stunde vor Beginn der Arbeit. Verletzt wurde niemand.— — Im Rheinland und in Westfalen haben Stürme große Verheerungen angerichtet. In Pappeldorf bei Bonn wurde der Schornstein der Porzellaufabrik umgeweht. Er durchschlug das Dach der Blaumalerei-Ablheiluna nnd verschüttete die daselbst be- schäftiglen Maler. Ein Maler blieb todt, drei wurden schwer und acht leicht verletzt.-- Auch in Wien und Umgebung hat ein Ge- witter mit Orkan und Hagel bedeutenden Schaden angerichtet.- — Auf dem Bahnhof in A s ch a f s e n b u r g stießen Donnerstag Abend der einlausende Frankfurter Personenzug niit einem aus» fahrenden Güterzug zusanmien. Die Signallichte waren infolge des herrschende» StnrmeS erloschen. Vier Personen wurden schwer, sechs leicht verletzt.— — In Stuttgart meinte bei einem Prozeß der Gerichts- Präsident zu einem Zeugen, es scheine ihm als ob er, der Zeuge, in ehelichen Angelegenheiten nicht sehr mißtrauisch sei. Der Zeuge, ei» Weingärtner, nieinte treuherzig:„Des soll i»er au»et."— — Der„Frkf. Ztg." wird aus Freiburg i. B. geschrieben: Der katholische Pfarrer des Vorortes Herder,, verweigerte am letzten Sonnabend einem etwa ISjährigen Mädchen, das er zur Fastnacht maskirt gesehe» hatte, die Absolution. Die Mutter des Mädchens begab sich am Montag zu», Pfarrer, um ein gutes Wort für ihre Tochter einzulege». Bei diesem Anlasse ohrfeigte der Pfarrer die Frau derart, daß ihr das Blut zur Nase und zum Munde hinaus- schoß. Nun verlangte der hochwnrdige Herr, die Frau solle daS Blut am Boden aufputzen und als d,e Frau sich weigerte, das zu thun, sckilug er sie, bis sie besinnungslos war. Die Frau liegt heule noch zu Bette und ist in ärztlicher Behandlung. — Paris. Unter den 12 Passagieren des untergegangenen Dampfers„St. Nazaire" befindet sich lein Deutscher. Die Zahl der Verunglückten wird auf 78 geschätzt.— — In England läßt man jetzt bei„feineu" Hochzeiten Brieftauben aufsteigen. Den Vögeln werden unter die Flügel kleine zierliche, mit weißseidenem Bande zusammengehalteuc Päckchen befestigt, welche die Vermählungs-Auzeige enthalten.— — In Taschkent(Rufs. Zentralasie») herrscht seit 1392 das Sumpsficber. Man zählt gegen 60 000 Kranke.— — Von d e r Pest. Den amtliche» Statistiken zufolge habe» der Pest wegen bis Ende Februar 377 376 Personen Bombay verlasse», dieieniarn nicht mitgerechnet, welche ohne Benutzung von Eisenbahn und Dampfschiffen geflohen sind.— «»rttoer Aib«>t«r»»rtr»t,r- lagt jeden Heu, tag nach dem ersten Im Mona, bei SB u 2 t e, Srenadterslr. 38, abends Uhr. Unentgeltlicher Nalh wird ertheilt: Im llavten K-rti»«: Für Unfall-, Jnvaltditäis- und Alter!> Bergche- rung, abends von 7—» Uhr: W. SS u ch ho l>, Hussitenstrabe 03, s. 3 Tr. A. T a e h n e, Demininerstr.«6, v. 3 Tr.«. S u t h e i t, Wiesenstr. 29a,»0« s-9 Uhr abend». F. Pieschel, SaOcuflt. 66, d. 2 Tr. S. StmanowSti, Sarlenfir.?», Portal 2, 2 Tr. M. E I u h l in a n n, Oderbergerftr. 37, 4 Tr., von 6-9 Uhr abend». vi. Tamm, Hussilenstrahe 6, von 3—9 Uhr abend-. A. Voigt, Wiesenstrabe 4l— 42. E. Warnst, Aolbergerstra«'e 7, von 6-7 Uhr abend».— Nur für JnvaltdUlit»- und Altersversicherung: F. Blume, Etrelttzerslr. 6». P. R e i m a n n, Bellermann, lr. 33. F. Trapp, Schul, tr. so, von 7—s Uhr abend». Im Mord-«st-»: Nur für JnvaltdUSl», mld Altersversicherung: W. Woh», Schönhauser Allee«2. Im«steit: Nur für Jnvalidttäl»- und Altersversicherung: E.Bader, Er. Franlsurterstr. 34. v. 4 Tr. Km Kiid- Osten: Für Unsall-, Invalidität»- und Altersversicherung: S ch a l t h 0,,, Michaeltt, chstr. 13. Im Kitde»: Für Unfall-, JnvaltditätS- und Altersversicherung: F.Ttü gel- mater,«rtmmstrabe 39.— Nur für JnvaltditätS- und Altersversicherung: P.«eller. Samphau, enstc. s. fm Süd-Weste»: Nur für Unfallversicherung: E. Hänel, Solmssir. 44. m Kord-Weste»: Nur«Ur Unsallversicherung: I.«rause. WilSnarler- strasie 19. R.Stephan, Lefstngstr. 34. Im Zentrum! Nur für Unfallversicherung: E. Lösfler,«losterstr. 9>, Bet fammlltche» vorgenannten Personen, bei denen hier keine Sprechzeit an gegeben, ist dteseib, Wochentag« von 7—9«Hr. Eingelaufene Druckschriften. von der 3»H"«Stuttgart, g.$.®.$ l e tz' B-rtag) ist soeben da! M- Heft des 16. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Em Fest der Monarchie.— Problems des Sozialismus. Von Eduard Bern- stein.— Sozialistische Stimmen über die Frauenfrage. Bon Klara Zetkin.— «soziale Verschtebungen im Deutschen Reiche. Von OSlar Beck.— Revue der Revuen.— Literarische Rundschau.— Notizen: Die Schulbäder. Akliengesell- schaftin tn der Schweiz. Von der Gleichheit, Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen(Stuttgart, I. H. W. Dietz' Verlag) Ist uns soeben die Nr. S des r.Jahrgangs zu- gegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die nächsten Aufgaben der deutschen Arbeiterinnenbewegung. Von Lily Braun-Tizycli.— «rilische Bemerkungen zu Genossin Braun'S Vorschlag. Von Klara Zeltin.— Aus der Bewegung.— Ueber den Trades-Untonismus der englischen Arbeiterinnen. Bon Florence Routledge.— Die heilige Stellung der Frau.— Feuilleton: Ein Traum. Eine Weihnachis-Legende von W. Korolenlo.(Forrsehung.)— Die Lehten werden die Ersten sein.(Gedicht.) Von Ada Negri.— Kleine Nachrichten. Tie Gleichheil" erscheint alle i« Tage einmal. Preis der Nnmmer lo Ps., durch die Post bezogen(eingetragen in der Reichspos»- Zeitnngsliste sür iso? unter Nr. anoa) beträgt der Abonnemenlspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld SS Pf.; unter Kreuzband S5 Ps. Zle», N«r>»» Nr. 12 vom is. März 1997 hat folgenden Inhalt: Vivus, Tie ninste Curie tn Wien.— R. Calwer, Kaiser Wilhelm l.- I. Ltppau. Degeneresccnz.— H. Slröbel, Die Errungenschaften der modernen Ltteratur.— S. Giillander, K. I. Wallersledt'S Tod.- S. Sch.. Burglhealer.- Miniatur- btlder aus der Zeit._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends, abends bon 7—8 Uhr statt. H. 7«. Die Bemühungen des Herrn Pastors werden ersolglos bleiben. Besten Danl sür den Bericht. W. B., Charlottenburg. Wäre es dem Manne nicht möglich, zu- sammen mit Ihnen zu uns zu lommcn? Otto L., Zstiinglistraße. Es wäre uns lieb, wenn Sie dieser Tage bei uns vorsprechen wollten. B. T. P. Nein.— S. D. 32. Das hängt von dem Inhalt der uns nicht bekannten Statuten der Krankenkasse ab.- F. S. 15. 1. Bleibt rrotz Friststellung der Mangel, so sind Sie berechtigt, denselben auf Kosten des Wirths zu beseitigen. 2. Der Hauscigenthümer hat diese Pflicht, falls in Ihrem Bertrage sich nichts Entgegenstehendes vorfindet.— M. S. Ihre Kousine wird auf grund der ausnahmcrechtlichen Bestini- mungen gegen das Gesinde niit einer Geld- oder Haftstrafe belegt werden. Sprechen Sie eventuell in der juristischen Sprechstunde vor. — Abb F. 100. Zum regulären Dienst wegen geringer körperlicher Fehler l unbrauchbar, brauchbar als Ersatzreseroe.— K. P. Bestimmte Prozente' bestehen nicht: 33'/,— aO pCt. werden für angemessen erachtet.— O. A. Leider nein.— A. Müller. Beantragen Sie, Sie wegen weiter Eni- fernung vom Erscheinen im Termin zu entbinden. Im übrigen wenden Sie sich an den Vertrauensmann. Ihre Freisprechung ist selbstverständlich.— S. D. 1807. Ja.— A. S. Bricg. Ihre Anfrage ist unverständlich: Sie scheinen im Unrecht sich zu befinden.— A. R. Noch nicht erledigt. — Justitia. Auf den Nachlast des natürlichen Vaters haben in der Mark uneheliche Kinder nur zun, sechsten Theile Anspruch, und zwar nur dann, ivenn keine ehelichen Kinder des Erblassers vorhanden sind, wenn serner der Erblasser kein Testament hinterlassen hat, und wenn endlich der Erb- lasser bei Lebzeiten in einer öffentlichen Urkunde ein Ancrkennwiß der Vaterschaft abgegeben hat oder zur Anerkenntnist der Vaterschaft verurthcilt ist. Ob in Ihrem Fall Erbberechtigung vorhanden ist, wollen Sie selbst beurtheilen, da Sie die in betracht kommenden Einzelheiten nicht angegeben haben.— Dh. 38. Ist das Haus subhastirt, so kann der neue Käufer den Miethsvertrag vor seinem Ablauf kündigen. Der Miether must dann nach Ablauf eines Vierteljahres vom Ausgang desjenigen Quartals ab räumen, in dem der Berkauf geschehen ist. Gekündigt werden must in den ersten drei Tagen deS dem Zuschlag folgenden Quartals. Ist nicht gekündigt, so läuft der alte Vertrag weiter.— M. Glöckner. Die beiden ersten Fragen müssen leider bejaht, die dritte verneint werden. - F. B. Nein.- I. C. W.s«löst. Solche Entscheidung existirt wohl nicht; jedenfalls ist sie uns nicht bekannt. — F. 31. Wenden Sie sich an einen Arzt.— O. S. Erben sind die etwa beim Tode vorhandenen Geschwister der Verstorbenen, sowie die Kinder der vorverstorbenen Geschwister. Die Kinder eines Geschwisters erhalten zusammen soviel als jeder einzelne der überlebenden Geschwister. — B. W. 80 und Willi 30. Sprechen Sie zur Klarlegung des Sach- Verhalts gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor.— B. I.-1. Der Vertrag wäre nngiltig und nutzlos. Sprechen Sie gelegentlich in der Sprech- stunde vor.— Alter Abonnent 31. Der Umstand berechtigt Sie nicht, von dem MiethSvertrag zurückzutreten. Suchen Sie doch den Ihrigen klar zu machen, dast der Gnisel ein unberechtigter ist.— S. S. 1—3 nein.— C. S. 133. Ihre Schwester ist zur Rückerstattung nicht verpflichtet und kann es auf eine Klage ankommen lassen.— L«»ge 108. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nein.— I. W. 4. Verjährung liegt nicht vor, solidem erfolgt erst in 30 Jahren.— A. Z. 100. 1. Ein Unheil über das Buch vermögen wir nicht zu fällen. 2. A. B. hat nur eine Tochter.— 01. H. ft. Nein. Darüber bestehen keine Gesetze, sondern nur feuersicherheitliche Polizeivcrord- nungen.— E. S. 03. Im allgemeinen in 10 Jahren.— I. S. Nr. b8. — F. G. 114. Der Wirth hat das von ihm beanspruchte Recht nicht. Klagen Sie gegen ihn beim Amtsgericht, Ihnen zu gestatten, am 1. April unter Mitnahme Ihrer Sachen zu ziehen, serner können Sie bei der Staats- anwaltschaft auf Bestrafung wegen versuchter Erpressung antragen.— P. S. 3000. 1. Die Bestrafung wegen unterlassener Abmeldung ist dem Gcsev entsprechend. 2. Zur Kriegserklärung ist der Kaiser unter Zustimmung des Bundesraths berechtigt; die Zustimmung ist nicht erforderlich, wenn es sich um Abwehr eines Angriffs bandelt. Der Reichstag hat nicht bei der K»iegserklämng, sondern nur bei der Geldbewilligung mitzusprechen.— H. M.. Steglitz. Das ist örtlich verschieden; die Einzelbestiinuiungen sind uns zur Zeit nicht zugänglich.— Weijilach. Ja, wenn Wvchenlohn vereinbart ist.— A. M. Neber den voraussichtlichen Erfolg cincS Prozesses lädt sich nichts Bestimmtes, insbesondere ohne mündliche Rücksprache, vorhersagen WiiierliliflSiibersicht Pom IS. März 1807. > t n t i 0 11 e 11. Siviiieiiiüiide Hainburg. Berlin.. Wiesbaden. München Wien... Öaparanda. Petersburg. Cork... Nberdeen.. Paris... W e l t« r g£� LZ!i W Sf0 wolkig wolkig heiter wolkig bedeckt bedeckt Schnee Regen heiler wolkig Regen 7 0 7 8 0 0 —8 0 9 7 11 Etivas kühler, zeitiveise ausklsrend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner W e l t e r b u r e a u. Verelttd.MaschlNlsten9 Mm und Verufsgen. Berlins und Umgegend. T odes- Anzeige. Am 18. März starb unser lang- jähriges Mitglied Emil Holst. Die Beerdigmig findet Sonntag den 2l. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zionstirchhofes in Weihensee aus statt. 138/13 Um rege Betheiligung bittet Der Borftand. I.A.: H. Holz. Verem freie Volksbithne. Wetallaröeiler! Montag, den 83. März, findet sür diejenigen Kollegen, welche gezwungen sind, zu seiern, ei» statt. Treffpunkt morgens IG/e Uhr im Lokal BismarckshOhc, Charlottenburg, Wilniersdorserstr. 39. Für Nachzügler nachmittags in der Brauerei Pichelsdorf. Zahlreiche Betheiligung erwartet I18/lb Do« VevkvÄUvnstnolNn Vev Vevlinvlv Mvtttllsrbeikev. Otto Xäther, N., Anklamcrstrahe 44._ Die Aufnahme von Mitgliedern findet für die erste Abtheilnng gegen Hinterlegnng eines Eintrittsgeldes von 50 Pfennig nnd eines Mouatsbeilrages von 60 Pfennig in folgenden Zahlstellen statt: Zahlstelle U No. M. 1. Ernst Beyer, Cigarren- handlung, Yeteranenstr. 13. 2. H. Mehncrt, Cigarrenhdlg., Diedenhofenerstr. 3. 3. M. VVInkclniunn. Cigarren- handlung, Ackerstr. 154. 4. A. Hintze, Cigarrenhandlg., Pankstr. 13. 5. H.Vogel, Cigarrenhandlung, Denuninerstr. 32. 6. C. Becker, Cigarrenhandlg., Lindowerstr.25(Müllerstr.). 7. E. Dicke, Hestaur-, Aoker- strasse 123. 8. A. Tletz, Cigarrenhandlung, Invalidens tr. 124{Stettiner Bahnhof). NO. 9. Franz Xlciney er, Cigarrenhandlung, Weberstr. 19. 10. J. Beul, Cigarrenhandlung, Bamimstr. 2. 0. 11. F. Wilke, Eestaurateur, Andreasstr. 26. 12. Max Kottie, Cigarrenhdlg., Koppenstr. 90. 13. E. BUhl, Eestaurat., Frankfurter Allee 74. 14. A. lloifmann, Buchhandlg., Blumens tr. 14. SO. 15. Paul Sflcolus, Cigarrenhandlung, Gräfestr. 93. 16. G. BUhlert, Cigarrenhdlg., Mariannenstr. 5. 17. E. Tolksdorf, Restaurant, Görlitzerstr. 58. 18. C.Scholz.Glaserei, Wrangelstrasse 32. Zahlstelle C• No. ö. 19. J. Gacdicke, Cigarrenhdlg., Gräfestr. 93. 20. Gottfr. Schulz. Cigarrenhandlung, Admiralstr. 40 a. 21. W. IJUrner, Cigarrenhdlg., Bitterstr. 15. H. Bauke, Buchhandlung, City- Passage. Dresdenef- strasse 52/53. 22. sw. 23. G. Kassier, Cigarrenhdlg., Junkorstr. 1. 24. A. Ochs, Cigarrenhandlung, Lindenstr, 59. 25. A. BUttger, Cigarrenhdlg., Zossenerstr. 21. w. 26. Werner, Rest.. Bülowstr. 59. 27. A. Faller, Best., Pallasstr. 16. NW. 28. Fr. Reddeinann. Seifengeschäft, Pritzwalkerstr. 3. c. 29. Alb. EUwenberg, Cigarrenhandlung, Neue Schön- hausorstr. 18. 30. P. Borsch, Cigarrenhandlg., Gipsstr. 27. 31. B. Scheithaner, Musikalienhandlung, Rosonthaler- strasse 64. Achtung I Achtung! MetaBlarbeitei*! Die von Mitgliedern der AUgeni. Kranken- n. Sterbekasse der Metallarbeiter(E.H. Nr. 29, Hainburg) am 31. März im Feen- Palast geplante MatlnHe findet der Absperrungsmaßregeln wegen erst am Sonntag, den L April, im Feen-Wast statt. Die Bidets vom 21. März haben am 4. April Giltigkeit. Da der Gesammt-Ucberschust der Matinee den arbeitslosen Hasenarbeitem zu theil werden soll, bitten wir Freunde und Gönner um zahlreiche Betheiligung. 994b Im Austrage; Ernst Fahreiilvald. NixltanF. Sozialdemokratischer Verein Vorwärts. Außerordentl. Mitglieder-versammiung am Dienstag. 33. März, abends S1/. Uhr, bei Herrn Kummer, Berlinerstr. SS. Tages-Qrdnung: 1. Weitere Fortsetzung der Diskussion der letzten Mitglieder-Versamin- lung, sowie Vortrag des Herrn Damaschke über: Die Irrlehren der Sozialdemokratie. 2. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. 232/11 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Gäste willkommen.__ Der Borstand. In den Vororten Charlotten- bnrg, SchUnebcrg und Rix- dorf werden später gleichfalls Zahlstellen errichtet. Die Zahlstelleu-Inhaher werden ersucht, ihre Zahl- stellen-Nammer nach der obigen Reihenfolge abzuändern. Personen unter IG Jahren künnen nicht anf- genommen werden. Den neu eintretenden Mitgliedern wird eine vorläufige Empfangsbescheinigung über die eingezahlte Summe vom ZahlsteUen-Inhaber ausgehändigt. Nach der Aufnahme durch den Vorstand erhalten die Mitglieder gegen Rückgabe dieser Quittung ihre Mitgliedskarte. Das SpicUahr beginnt Im April 1807. Alle weiteren diesbezüglichen Mittheilungen erfolgen an dieser Stelle im„Vorw.". Her Vorstand. I. A.: Gustav Winkler, Kassirer, Berlin-Rixdorf, _ Kirchhofstrasse 46, v. II.__ 230/9 Ovks �KvÄnkrnkusse Der Hutülcher, Hutsmilitmil- u. UlMMren-Verfertiger zu Berlin. Infolge eines Fornifehlers sind die am 29. November 1896 stattgehabten General-Versamnilungen von der Gewerbe-Deputation des Magistrats stir nngiltig erklärt und findet deshalb am Sonntag, den 38. März 1807, vormittags 10 Uhr, im Brauerei-AuSschank BOtizow, Prenzlauer Allee 343-347, eine AichrrordeiMichk Gentwl-llttsmmluilg der Arbeitgeber und Arbeitnehmer unserer Kasse statt. Tagesordnung(in getrennter Wahl-Verfammlung): 1. Ersatzwahl von 2 Delegirten der Arbeitgeber. 2. Ersatzwahl von 41 Delegirten der Arbeitnehmer. Die Wahl ist geheim und iverden bei Beginn des Wahlaktes die Thülen zum Eingang des SaaleS geschlossen. 992b IM- Eintritt der Herren Ardeitnehnier ist nur gegen Vorzeigung der Mitgliedsbücher gestattet. Ter Borstand. gez. R. Rlcck, Vorsitzender, Anhaltstrahe 14. Verband der Möbelpolirer. Montag, den 33. März, abends 8>/- Ahr, Admtral- Strasse 18 c: UM" Devfnttttnluttg. Tages-Qrdnung: 1. Vortrag des Kollegen(9. Reuter über: Denkmäler. 2. Diskussion. 3. Wahl. 4. Werlstattangelegenheiten und Verschiedenes.— Die Kollegen von Schripp& Ritter, Admiralstr. 18 e, sind hiermit eingeladen. Billets ä 60 Pf. für die am 2. Osterfeiertag, nachmittags 1 Uhr, statt- findende Vorstellung in der„Urania"(Taubenstraße) sind heute Abend in den Zahlstellen zu haben.— Morgen Nackimitiag: Gemüthliches Beisammen- sein der Kollegen(speziell des Nordens) mit Familie bei Ramlow, Schön- hauser Allee 135. s 146/ 14s Ter Vorstand. Gkslfilgverein der Möbelpolirtr. Sonnabend, de» 37. März, in Keller'S gr. Saal, Koppenstr. 39: Maskenball."W Alle Kollegen und Freunde sind hierinit eingeladen. Billets. Herren SO Pf., Damen 30 Pf., sind noch in den Zahlstellen des Verbandes, speziell heute Abend, zu haben. 146/15 BellesAllianee-Theater. Sonntag, den 31. März, nachmittags 3 Uhr: Vorletzte Volks-Yorsteliimg unter Regie von Julius Türk. Zum vorletzten Male: Die Aungfran von Orleans. Bildunasverein„Mehr Licht" Sonntag, 31. Miirat, abds. O1/: Fhr, Alcxanderstr. 37c: IW" Vcvfnmnrlnng."MiZ Vortrag des Genossen Manfred Wittig aus Leipzig über:„Ada Negri, die Dichterin des italienischen Proletariats."— Daraus: 56/8 Geselliges Beisammensein und Tanz. Gäste willkommen. DM- Tonnabend, 37. März, findet der I. Maskenball deS Vereins in den Arminhallen, Kommandantenstt. 20, statt. Billets äoOPf. sind bei den Komitee- und Vorstandsniitgliedern zu haben, und werden die Freunde und Gönner des Vereins hiermit freundlichst eingeladen.__ Sonntag, den 31. März, abends 7 Uhr, Markthallen-Restaurant: Herr prakt. Naturheilkundiger Lnunilinsnn hält Vortrag über: Ei» Blick in das Innere des Menschen. DM Nachdem: Gesellige Unterhaltung. Gäste willkommen. Eintritt 15 Pf. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Galauterieivaareii-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. (Mitgliedschaft Berlin.) Montag, den 33. MÖr«, abends S'/j Uhr, In Feuerstein s oberem 8unl, Alte Jakobstrassc 75: g: Mitglieder- Versammlung. Tages-Qrdnung: 1. Das Brot der Roth und der Luxus des Besitzes. Referent: Herr Reidistags-Abgeordneter H. Pens. 2. Wahl der Bevollmächtigten zum Gauvorstand. 3. Mitgliedschastsangelegenheitcn und Verschiedeues. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen werden die Mitglieder dringend gebeten. 25/10 Der Borstaud. Die Bibliothek befindet sich jetzt Annenstr. 50, Hos pt. Geöffnet: Mittwochs abends von 7—8 Uhr, Sonnabends abends von 6»/,— 9 Uhr. Achtung! MMraich. AAuus! Sonntag, den 31. Mitrn, nachmittags 5V> Ihr, Im liOnlsenstädtischen Klubhaus, Anncnstrasse 16: Große Versammlung aller Karton- Arbeiter und-Arbeiterinnen. Tages-Qrdnung: Vortrag des Herrn Theob. Volker über: G. Hauptmann'« „Weber".- Nach dem Vortrag: Gemüthliches Beisammensein, verbunden mit Danz. Eintritt 10 Pf. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Kollegen und Kolleginnen ersucht 25/1? Der Bertrauensmann. Facbv. der Musikinstrumenten-Arbeiter. Montag, den 33. März, abends 8y2 Uhr, im Lokal des Herrn dullus Henke, Naunynftrasse 87: Mitglieder-Versammlung. a g es-Ordnung: l>r. Borchardt: Die Einigung Deutsch- Tat I. Vortrag deS Genossen landö. 2. Diskussion. 3. Vereinsangclegenheiten. Um ein zahlreiches und pünttliches Erscheinen ersucht 142/6 Ter Borstand. k7B. Die Kollegen werden ersucht, mit den Maskenball-Billets abzurechnen. Vemn deutscher Schuhmacher. Sonnabend, 30. März, abends 8Vi Uhr. bei So«l, Andreasstr. 31: IPV Versammlung."WH Tagesordnung: Vortrag über die X-Strahlen. Referent Herr lLlausen. SM" Nach dem Vortrag: Gemüthliches Beisammensein. o Entree pro Person 10 Pf. 1�->/13 Der Vortrag wird punkt v Uhr begonnen Der Bevollmächtigte. Achtung! Metilllslhietser. Achtung! Sonntag, den 31. März, vormittags 10 Uhr, im gtF' Englischen Garten,"W«lexanderftrafte 37c: Vertrauensmänner-Konferenz. Kollegen! In dieser Konferenz ist es unbedingt nöthig, dass jede Werk- statt vertreten ist, da wichtige Punkte zur Verhandlung kommen, die von grober Wichttgkeit sind für jeden einzelnen Kollegen. 11», 1b Der Bertrauensmann: F. P i u r. Swckarveiter! Sonntag, de» 31. März, vormittags 10 Uhr, im Lokale deS Herrn Joi'l, Attdreasstrasse 31: MMer-VersmAlW des WoereinS ki stslkarheiitt. TageS-Ordnung: 1. Zentral- oder Lokalorganisation?(Referent und Korreferent.) " iSkussion. 3. Werlstattangelegenheiten. 4. Verschiedenes. I17o/5 Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Borftand. Älbttpolirtr Derlius«. Wgtgkud. Dienstag, den 38. März, abends 8»/, Uhr: Moffentl. VevlÄZNtttluttg in den Arminhallcn, Konimandantenftraftr Nr. 30. Tages- Ordnung:, 1. Die Lage der Silberpolirer und wie ist diese zu verbessern, meieren:: Herrn. Faber. 2. Diskussion event. Wahl einer Agitations-Komunssion. 977b Der tkinbernfer. Verein äer«asediuisteu, Heizer und Berufsgen. Berlins und Umgegend. Sonntag, den 31. März, nachmittags 5 Nhr, Qranien- Strasse si» Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes. 3. Fragckasten. 4. Aufnahme neuer Mit« gli-der. 138/11_ Der Vorstand. lverantwortlicher Liedakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und vertag von Man Babing in Berlin. jit.67. 14, MMg. Z. Keilllge des Lmillts" Kerliner MIKchlÄ. s-m-dmd.so.Mtsg?. NolkstVirthfchsftllihe Nundfchkru. Die neue Mae Kinley-Bill. Industrielle Entwickelnng der Bereinigten Staaten(Export; Kohle n»d Eise»; Verschiebungen in der Berufsgliedcrnng; Anzeichen einer Verschlechterung der Arbeiterlage; Rückwirkung auf die Politik). Deutschland «ud die neue Mac Kinley-Bill. —— Die neue Mac Kinley-Bill. Die Genug- thuung, mit welcher die großbürgerliche europäische Presse den Sieg Mac Kinley's über den für phantastische Doppelwährnngs- Pläne eintretenden Gegenkandidaten der Demokraten- und Populisten- parte! begrüßte, war nicht ohne bittcrn Beigeschmack. Man wußte nur zu gut, daß diese Wahl eine neue Verschärfung der traditionellen Schutzzoll-Politik der Vereinigten Staaten bedeutete; und Mac Kinley hat sich beeilt, diese Befürchtungen energisch zu bestätigen. Am An- fang dieser Woche trat der Kongreß zu einer Extrasitznng zusammen, und schon sind die wichtigsten Grundzuge des neuen Zollgesetz- entwurfs, wenngleich noch nicht in offizieller Form, bekannt ge- worden. Derselbe greift gegenüber den Erleichterungen, die der Wilson- Tarif des Jahres 1S94(vor allem für rohe Wolle, Woll- und Baum- woll-Waarcn. Seidengewebe, Thon- und Porzellanwaaren) hatte ein- treten lassen, vielfach aus die hohen Sätze der allen Mac Kinley-BiN des Jahres 1890 zurück. Eine Reihe chemischer Erzeugnisse, eine große Anzahl von Glas- und Porzellan-, Eisen- und Stahl- Produkten, wie noch mancherlei andere Maaren sind mit Zoll- crhöhungen bedacht. Am bedrohlichsten aber erscheinen die für Erzeugnisse der Textilindustrie und Konfektion(wollene Strickwaaren. Plüsch, Mäntel, Dolmans, Jacken) vorgesehenen Sätze, die in der alten Kinley-Bill gleichfalls sehr hoch gegriffen waren und die Ein- fuhr mächtig geschädigt hatten. An der Annahme des Entivurfs ist, da eine energische Opposition der demo- kratischen Partei nach den Erklärungen derselben nicht zu er- ivarten steht, in keiner Weise zu zweifeln. Dem republikanischen Programm entsprechend soll ferner die Reciprocitätspolitik, das heißt die Vollmacht des Präsidenten erneuert werden, die Ein- fuhr gewisser Rohprodukte(vor allem von Zucker) aus solchen Ländern, deren Zollpolitik gegenüber den Vereinigten Staaten illiberal erscheint, mit starken Sonder-Abgaben zu belegen. Auch ist die Wiedereinführung der sogenannte» Diskriminations- zolle, durch welche die Waareneinfuhr nach den Vereinigten Staaten auf nicht amerikanischen Schiffen einer Extra- besteuerung unterworfen wird, beabsichtigt. In jeder Richtung soll die amerikanische vor der europäische» Produktion bevorzugt werden. -- Industrielle E n t w i ck e l u n g. Diese Schutzzoll- Politik ist von ausgesprochen industriellem Charakter; die agrarischen Interessen, welche der deutschen Zollgesetzgebung den entscheidenden Stempel ausgedrückt haben, kommen in dem amerika- nischc» Tarif, da die Vereinigten Staaten im Gegensatz zu dem Getreide importirenden Deutschland ein Getreide cxportirendes Land sind, nur wenig zur Geltung. Unter den landwirthschaftlichen Er- werbszweigen wird wesentlich bloS der Produktion von Wolle und Zucker ein staatlicher Zollschutz in Aussicht gestellt. Es ist die m ä ch t i g e Entfaltung der Industrie in de» Bereinigten Staaten, die de» Hintergrund der amerikanischen Zollbestrebungen bildet. Das beschleunigte Tempo, in welchem die industrielle gegenüber der landwirthschaftlichen Produktion an- wächst, kommt in den A u s f u h r z i f f e r n, die der „Statistal Abstract of lhe United States" vom Jahre 1890 mittheilt, zum klaren Ausdruck. Der Werth der aus den Vereinigten Staaten exportirte» Agrikultur- Produkte belief sich danach im Jahre 1800 auf 2S0 Millionen, im Jahre 1390 auf 509 Millionen Dollars(der Dollar— 4,20 M), er hat sich also in diesem sechs und dreißigjährigen Zeiträume mehr als v e r« doppelt, wogegen die Ausfuhr industriell verarbeiteter Erzeugnisse von 40 Millionen im Jahre 1800 auf 223 Millionen, im Jahre 1390, also auf mehr als das f ü n f f a ch e stieg. Von dem ausgeführte» Gesammtwerth entnclen noch im Jahre 1330 etwa 83 pCt., im Jahre 1890 nur 74. im Jahre 1890 nur noch 00 pCt. auf Erzeug- nisse der Landwirthschast, während der ans Jndustrieprodukte enl- fallende Antheil in den entsprechenden Jahren 12, 17 und 20 pCt. betrug. Der Antheil, den die industrielle Aussuhr an der Gesammt- ausfuhr hat, wurde also in den letzten 10 Jahren mehr als vcr- doppelt. Der Prozeß industrieller Verselbständigung und des Hin- übergreisens in fremde Absatzsphären schreitet unaufhaltsam vor- wärts.„Man nimmt an," heißt es in einer amerikanischen Kor- respondenz des„Export",„daß unsere Produktionskraft im stände ist, den heimischen Bedarf für das Jahr in sechs bis sieben Monate» zu decken. Wir könnten also einen nngeheuren Ueberschnß produziren, wen» wir genügend Absatzgebiet zur Verfügung hätten." Die Steigerung der Roheise«-Produktion und des Kohlen Verbrauchs sind Symptome, die ebenso deutlich für den rapiden Forlschritt der amerikanische» Industrie sprechen. Die Erzeugung von Roheisen in den Vereinigten Staaten hat, wenn man den Jahresdurchschnitt der Periode 1890—1394 dem der Periode 1870—1874 gegenüberstellt, in diesen zwei Jahrzehnten um 203 pCt., also um mehr als das zweicinhalbfache, der Kohlen- verbrauch in dem Jahrzehnt von 1883—1894 um 40 pCt., also fast um die Hälfte zugenommen. Das sind Zahlen, die nicht einmal von der deutschen Jndnstrie-Entwickelung, wie rasch sich auch dieselbe in diesem Zeiträume vollzog, erreicht werden; das relative Wachsthum der englischen Kohlen- und Eifenprodicktion, welches sich auf 9 und 14 pCt. in der entsprechenden Periode bezifferte, verschwindet völlig dagegen; aber auch absolut genommen, hat die amerikanische Roh- eiscn-Produktion die englische bereits überholt. Noch bedeutungsvoller tritt die Tendenz rasch fortschreitender Jndnftrialisirung hervor, wen» wir die Berufsgliederung der Bevölkerung im Jahre 1890 mit der des Jahres 1880»ach den Zensnsaiigaben vergleiche». Es zeigt sich dann. daß die in Land- wirthschaft, Fischerei und Bergbau beschäftigte» Personen in den Vereinigle» Staaten während dieses Jahrzebnts nur um l2>/s pCt., also um ein Achtel, die in der Industrie Beschäftigten dagegen um 49 pCt., also fast um die Hälfte, die im Handel und Transport- gewerbe Beschäftigten sogar um 78 pCt., also um mehr als drei Viertel gegenüber ihrer früheren Anzahl zugenommen haben. Da die Gesammtbevölkerung des Landes während dieses Jahrzehnts von 50 auf 02 Millionen, also um 22 pCt. gestiegen ist, bleibt die Zu- »ahme der landwirthschastlich Thätigen sehr beträchtlich, um 7'/z pCt., hinter dem Bevölkerungszuwachs zurück. Ebenso wie in Deutsch- land vereinigt auch in den.Bereinigten Staaten die Landwirthschast schon bei weitem nicht mehr die Mehrzahl der gesammten erwerbsthätigen Bevölkerimg in sich. Von den 22'/- Millionen überhaupt erwerbsthätigen Amerikaner» entfielen im Jahre 1890 noch nicht 9 Millionen ans die Agrikultur. Eine schlagendere Widerlegung der Malthus'schen Lehre, daß bei rascher Volkszunahme die Erzeugung der nothivendigen Nahrungsmittel immer schwieriger iverde und daß in dem Widerspruche zivische» wachsender Volkszahl und abnehmender Bodenergiebigkeit der innere Gruiid des Massenelends zu suchen sei, kann kaum erdacht werden, als dieser Rück- gang der landwirthschastlich arbeitenden gegenüber der Gesammt- bevölkernng, ein Rückgang, der in Deutschland, England und den Vereinigten Staaten gleichmäßig konstatirt wird und in anderen zivilisirten Ländern sich konstatiren ließe. Die Volkszahl nimmt unaufhörlich zu; während aber nach der Elendsphilosophie des Malthus nun die Bodenergiebigkeit und damit die Produktivkraft der landwirthschaftlichen Arbeit entsprechend hätte sinken müssen, sehen wir im Gegentheile, daß in de» zivilisirten Ländern ein immer kleinerer Bruchtheil der arbeitenden Gesammtbevölkerung genügt, um für die wachsende Volkszahl die nothivendigen Nahrungsmittel dem Boden abzu- gewinnen. Mutler Erde läßt sich wahrlich nicht lumpen, es fällt ihr gar nicht ein. bei wachsender Volkszahl zu streiken. Nichts»n- gerechter, als etwa ihr die Schuld am Massenelend der Gesellschaft nach Malthns'schem Rezepte in die Schuhe zu schieben! Die Zensuszahlen des Jahres 1890 sind aber auch noch in anderer Weise lehrreich, sie zeigen nicht nur das rapide Wachsthum der in Industrie, Transport und Handel thätigen Volkszahl, sondern inner- halb dieses Wachsthnms die ganz verbällnißinäßig rasche Zu- nähme der weiblichen Arbeitskräfte. Während in der Landwirthschast das Verhältniß der Frauen- zur Männerarbeit in dem Jahrzehnt von 1880—1890 sich nur wenig verschoben, ist in allen anderen Branchen das Verhältniß sehr zu Ungunsten der männlichen Arbeit verändert worden. So stieg in der Industrie die Zahl der männlichen Arbeiter gegenüber dem Jahre 1830 um 40, die der weiblichen um mehr als 02 pCt.; im Handel- und Transportgewerbe betrug sogar der Zuwactis der thätigen Frauen 203 pCt., der der Männer dagegen nur 70. In der Gruppe der persönlichen Dienste, ebenso wie in den liberalen Berufen zeigt sich dieselbe Tendenz. Zieht man die ganze erwerbsthätige Bevölkerung zusammen, so weist dies« in dem Jahrzehnt eine Zu- nähme von 30 pCt. auf, dabei hat sich aber die Gesammtzahl der erwerbsthätigen Männer nur um 27>/z. die der erwerbsthätigen Frauen aber um fast 48 pCt. gegen das Jahr 1880 gehoben. Es kann kanni ein Zweifel sein, daß diese durchgehende und erstaunlich rasche Zunahme der Frauenarbeit auf eine tiefgehende Verschlechterung der allgemein'e» Erwerbsverhältnissein der Union hindeutet. Nicht ohne Noth tritt die Frau so massenhaft als Konkurrentin des Mannes auf, und als Konkurrentin wiedernm drückt sie nothwendig Arbeitsgelegenheit und Löhne der männlichen Arbeit herunter. Die ausnahmsweis günstigen Verhältnisse, unter denen die amerikanische» Lohnarbeiter so lange lebten, scheinen sich im umgekehrten Verhältniß zu der industrielle» Ausdehnung z» ent- wickeln. Tie Lebenslage des amerikanischen Proletariats, das ist schon oft ausgesprochen, europäisirt sich mehr und mehr. Als sehr charakteristisch für diesen Prozeß, der natürlich sich im einzelnen kaum nachweisen läßt, erscheinen die Angaben über die Streik- b e>v e g u n g für die Zeit von 1381 bis 1894, die amtlich gesammelt und von einem ausgezeichneten Kenner der amerikanischen Gewerk- vereine im letzten Bande des Mayr'schen„Statistischen Archivs" gründlich erörtert worden sind. Die jährliche Durchschnittszahl der ganz oder theilweise siegreichen Streiks in der letzten Periode von 1880—94 zeigt gegenüber der Periode von 1881—80 einen entschiedenen Rückgang, umgekehrt hat aber die Zahl der für die Unternehmer erfolgreichen Aussperrungen bedeutend zugenommen. Ebenso bedeut- sam ist es, daß die aggressive» Streiks, durch welche Lohnerhöhungen oder Verkürzungen der Arbeitszeit erkämpft werden sollten, im Ver- hältniß zu den Abwehr- und Sympathiestreiks sich stark vermindert haben. Alles weist auf eine verschlechterte Position der Arbeiter hin. Auch die gewerkschaftliche Organisation hat im Verhältniß zur vermehrten Arbeiterzahl an Umfang verloren. Im Jahre 1880 war die i» Fabriken thntige Arbeiterzahl 2,7 Millionen, im Jahre 1890 4,7 Millionen. Gegenüber diesem rapiden Wachsthnm zeigt aber die Masse der organisirten Arbeiter, die im Jahre 1885 auf 750 000. im Jahre 1392 auf 825 000 Köpfe geschätzt wurde. eine nur langsame Zunahme. Die Grundlage, aus welcher ehedem die exzeptionell günstige Stellung der Lohnarbeiter sich in den Vereinigten Staaten ausbanle, nämlich das relativ schwache Arbeiterangcbot und die Möglichkeit, mit leichter Mühe ein Stück Boden zu erhalten, um so von der proletarischen zur bäuerlichen Lebensweise überzugehen, hat sich mit fortschreitender Besicdelnng mehr und mehr verengert. Die überschuldeten Farmer leide» heute zudem, ganz wie die europäischen Gutsbesitzer, unter der„Noch der Landwirthschast". Die sich immer wiederholenden Absatzstockungen und die schleichende Krisis, die seit dem Jahre 1893 kein Ende nehmen will, drücken auf den Arbeiter. und das in mächtigen Trusts zusammengeschlossene Kapital kennt keine Rücksichten. Der große, gegen die Pullman-Company gerichtete Chikagoer Streik, in dessen Verlaus die Bundesregierung mit Trnppensendungen zu gunsten der schamlosen und übermüthigen Kapitalmacht eingriff, hat die Lage grell beleuchtet und die gedanken- losen Massen wirksam aufgerüttelt. Die sozialistische Bewegung liegt drüben, wo so lange Zeit hindurch»ach einem treffenden Ausspruche von Marx die Klassen noch nicht„fixirt" waren, vorläufig sehr im argen. Aber wenngleich die republikanische Partei, die eigentliche Vertreterin des Großkapitals, welche in ihrer„Plattform" die Existenz einer sozialen Frage prin zipiell ignorirt, bei der Präsidentenivahl des Vorjahres wiederum gesiegt hat, so zeigte doch gerade der letzte Wahlkampf, wie sehr es im Volke gährt, wie wenig ihm die alten den wirklich sozialen Lebensinteressen der Massen gleichmäßig eiitfreindetsn Parteischablonen der Republikaner und Demokraten geniigen können. Es war ein charakteristisches Zeichen, daß die Demokraten, um nicht alle Wahlaussichten zu verlieren, sich mit der freilich höchst unklaren« aber doch entschieden kapitalisten- feindlichen Populistenpartei ver- binden mußten, die neben ihrer konfuse» Doppelwährnngs- Utopie auch progressive Einkounnenbesteuerung, Verstaatlichung der Eisen- bahnen und Telegraphen, Staatsarbeit für Arbeitslose und weit- gehende Landgesetze in ihrem Programme forderte. Der Gang der Enlwickelung wird die Köpfe noch weiter anfkläre», und in dem Maße, als sich die Lage des amerikanische» der des europäischen Arbeiters nähert, werden auch, das darf man sicher hoffe», die sozialistische» Ideen der europäischen Arbeiterschaft in dem Proletariat der neuen Welt immer mächtiger vordringen. Politisch ebenso wie ökonomisch würde eine große sozialistische Arbeiterbewegung, die in Europa mit so viel alten Hemmungen zu kämpfen hat, den Boden wunderbar geebnet finden. -- Deutschland und die Mac Kinley-Bill. Doch zurück zu unserem Ausgangspunkte! Es kann kein Zweifel sein, daß neben England, welches die größte Waarenausfuhr nach den Wer- einigten Staaten hat, besonders Deutschland durch die neu- geplanten Zollmaßregeln hart betroffen wird, betrug doch der jährliche Ausfuhrwerlh Deutschlands nach den Ver- einigten Staate» in der Periode 1891—1695 volle 10 pCt. des gesammten deutschen Ausfnhrwerthes. Zucker, Chemikalien, Droguen, Farbstoffe, Woll«, Baumwoll- und Seidenwaaren, Leder- und Glaswaaren sind die Hauptartikel dieses Exports, und eben die Zollsätze auf diese Waarengattungen �sollen nach dem Gesetzentwürfe theilweise sehr bedeutend erhöht werden. Am schärfsten ist die d e u t s ch e T e x t i l- I» d u st r i e, die mit der deutschen Zuckerproduktion zusammen in dem deutsch- amerikanischen Ausfuhrhandel weitaus den Vorrang einnimmt, be- droht. Sie hatte bereits unter der alten Mac Kinley-Bill sehr schwer zu leiden und konnte erst unter dem Wilson-Taris ihre Ans- fuhren wieder beträchtlich steigern. In gewissen Kreisen wird nun die Möglichkeit eines Zoll- k a m p f e s erörtert. Aber die Chancen eines solchen Kampfes stehen für Deutschland in keiner Weise günstig. Die Industrie- Produkte und den Zucker, welche Amerika aus-Deutschland bekommt, kann es ebensowohl auch selbst produziren oder ans anderen europäischen Staaten beziehen. Hingegen sind die Rohstoffe, welch« den größten Theil der deutschen Einfuhr ans den Vereinigten Staaten ausmachen, also Roh-Baumwolle(34 Milli. Dollar im Jahre 1895), Getreide(4 Mill.), Petroleum(4,3 Mill.) Schmalz, Schinken, Fleischkonserven, Margarine, Butter(12'/l Mill.), Roh- tabak(4 Mill.), Baumwollsaat-Oel und Oelkuchen(3,3 Mill.), theil- weise überhaupt kaum ersetzbar. Der kühne Plan, in unseren berühmten Kolonien die früher aus Amerika bezogene Baumwolle zu produziren, kann doch wohl kaum im Ernst genieint sein! Auch Egypten und Ostindien vermögen den Aussall an Baumwolleinfuhr, den ein Abbrechen aller Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten in Gesolge hätte, ebenfalls vorerst in keiner Weise zu decken; und das russische Petroleum, dessen Produzeulen sich mit dem ameri- kanischen Petroleumtrust vielleicht sehr bald ins Einverständniß setzen werden, steht an Güte dem amerikanischen Produkt bei weitem nach. Wenn die Mac Kinley-Politik von den Nordamerikanern forcirt wird, dann würden, meint der„Export", trotz aller dieser Schwierigkeiten„die deutsche» Protektionisten, namentlich die Agrarier, speziell gegenüber Nordamerika nothwendiger Weise Oberwasser erhalten." Und die verschärfte Schutzzoll- Politik Deutschlands würde voraussichtlich sich nicht allein gegen die Union, sondern schließlich auch gegen die Staaten wenden, mit denen wir heut durch Handelsverträge verbunden sind. Das wären ja herrliche Aussichten! Der deutschen Arbeiterschaft, ivelche unter de» Ansfuhrstockungen, mit denen die� neue Mac Kinley-Bill ganze Zweige der deutschen Fabrikation bedroht, am härtesten zu leiden haben werden, ist ihre Stellung in diesem Konflikte durch die Verhältnisse selbst vorgeschrieben. Mit aller Kraft werden sie sich gegen einen abenteuerlichen aussichtslosen Zollkrieg wenden, der, wenn er wirklich versucht werden sollte, nur die Taschen der auf Zollerhöhungen speknlirenden deutschen Agrarier süllen könnte. Soweit in den Vereinigten Staaten eine besondere Animosität gegen die deutsche Einfuhr herrscht, ist sie durch die klein- lichen Maßregeln, durch welche die deutsche Regierung eben im agrari» schen Interesse die Einfuhrvon amerikanischem Schweine- und spätervon amerikanischem Rindfleisch unter allerhand Vorwänden hinderte, nnr zu gut erklärlich. Und nun soll dieses agrarische Interesse in einem Zollkampf wiederum neu« Trinniphe feiern?! Die Arbeiter haben von jeher die Beseitigung des Brolwuchers, die Aushebung der staat- lichen Gclreidezölle in Deutschland verlangt. Ihr„Nothstand" ist größer als der der Herren Grundbesitzer, und sie sind verstockt genug, nicht einzusehen, warum sie, um den Bankrott der Herren„von" und „zu" etwas hinauszuschieben, das Brot, von dem sie leben, theuerer bezahlen sollen! Sie verlangen dieA u f h e b u n g der Getreide« z ö l l e, und von allen„Gegenmaßregeln", die gegen eine amerikanische Hochschutzzoll-Politik ergriffen werden können, ist die Beseitigung des Getreidezolls sicher die wirksamste. Ein An- gebor in dieser Richtung würde, wie bereits die„Sächsische Arbeiter» zeitung" in anderem Zusammenhange treffend betont hat, daS amerikanische Farmerinteresse allarmiren und in der agrarischen Bevölkerung der Vereinigte» Staaten eine Bewegung entfesseln, vor der auch die republikanische Regierung sich beugen müßte. Nur durch eine solche Politik, nicht aber durch einen Zollkrieg, in welchem alle Chancen gegen Deutschland sind, lassen sich Abstriche von dem industriellen Zolltarife der Union erzielen. Und diese Politik entspricht zugleich dem Lebensinteresse des arbeitenden Volkes in Deutschland, das seine Groschen besser als für Liebesgaben an die dentschen Agrarier verwenden kann. C. S. Soziales. TaS Reichs- VerfichcrungSamt hat seinen Geschäftsbericht auf das Jahr 1890 veröffentlicht. Was die JnvaliditätS- und Altersversicherung betrifft, so wurden seit Bestehen des Gesetzes bis Ende 1890 im ganzen 221 115 Juvaliditäls- und 295 705 Alters- renten anerkannt. Während des Jahres 1890 bezogen insgesammt Renten 399 500 Personen, an welche zusammen 48 400 000 M. ge- zahlt wurden, und zwar 21000000 M. an Invalidenrenten und 27 400 000 M. an Altersrenten. Ueber die Anlage der angesammellen Gelder„zur Förderung geineiunutziger Zwecke" wird mitgelheilt, daß bis zum 31. Dezeniber 1890 in-gesammt folgende Beträge von den Versicherungsanstalten verwendet oder zur Hergäbe bereit gestellt wurden: Für den Bau von Arbciterwohnungen 11 911079 Mark; zur Befriedigung des landwirthschaftlichen Kredit-Be- dürfuisses 13 000 821 Mark; für den Bau von Kranken- und Rekouvaleszentenhäusern. Herbergen zur Heimath. Volks- bädern, Kleinkinderschulen und anderen ähnlichen„Wohlfahrts- einrichtungen" 5 892 110 M. Interessant ist die Mitlheilung. daß eine Statistik über die Ursachen der Invalidität bei denjenigen Personen, die in den Genuß der Invalidenrente getreten sind, vorbereitet wird, im abgelansenen Jahr jedoch noch nicht hat zu Ende gesührt werden können. Auch auf die von Jahr zu Jahr steigenden Schwierigkeiten wird hingewiesen, die den B e w e r b e r n um Altersrenten ans der Beschaffung der Arbeitsnachweise aus den Jahren 1888, 1889 und 1890 erwachsen; an diesen Schwierigkeiten scheitere mancher an sich begründete Anspruch. Der Thätigkeit der Beisitzer, ihrem Eifer bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, wird wieder lobende Anerkennung gezollt. Jedoch wird betont, daß bei den Beisitzern die Kenntniß des Gesetzes noch nicht überall ausreiche, und daß nicht nur bei den Arbeiterbeisitzern. sondern auch bei den Unternehmer- beisitzern öfter das Bestreben hervortrete, über das Gesetz hinaus Renten zu bewilligen. Aus dem Gebiete der Uufallversichernng sei mitgelheilt, daß im Jahre 1890 insgesammt 512 Berufsgenossenschaften und Aus- snhrungsbehörden für die Unfallversicherung bestanden, und zwar 04 gewerbliche und 48 landwirthschaflliche Berufsgenossenschaften» mit 5 409 218 und 12 239 415 versicherten Personen; serner 145 Aus sührungsbehörden für Reichs- und Staalsbetriebe mit 033 892 ver« sicherten Personen, und 255 Provinzial- und Kommunal- Aus» sührungsbehörden mit 50 943 versicherlen Personen. Danach wareir in« Vorjahre über achtzehn Millionen Personen gegen Unfall versichert. Im Jahre 1390 betrug die Zahl der iusgesanilnt angemeldeten Unfälle 350 428, die der entschädigte!» jedoch nur 80 520. Von alle» Anstalten zusammen wurden im ab« gelaufenen Jahr für Rentenzwecke ausgegeben 57l/z Millionen Mark, — Aus den Mittheilungen über die Rechtsprechung des Reichs- Versicherungsamts ist crwähneuswerth, daß von de» im Jahre 1890 zu bearbeitende» 8715 Rekursen von den Versicherten 7304, von den Berufsgenossenschaften aber nur 1411 eingelegt waren. Die 3338 landwirthschaftlichen Rekurse stammten mit 2387 von d e>» Versicherten und mit nur 951 von den Bernfsgenossenschaftell. Man kann aus diesen Zahlen eine» Rückschluß ziehe», wie viel günstiger die Rechtsprechung der ersten Instanzen d e r B e r u f s g e n o s s e u s ch a f t e„ zc. a l s d e r v e r s i ch e r t e n Arbeiter i st. Van sonstigem sei erwähnt, daß die Fleischereibetriebe aus der Nahrungsmittel-BrrnfSgeiiossenschafl ausgeschieden sind und jetzt eine neu«, das ganze Reich umfassende Fleischerei- Berussgenosseuschaft bilden. Die auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung im vergangenen Sommer vom Reichs-Versicherimgsamt in Gemeinschaft mit 10 in Berlin ansässigen Berufsgeiiossenschaften ansgestellle» Wandtafeln:c. zur Darstellung� der Arbeiterversichmnig in Deutschland und die ebenfalls ausgestellt gewesene» Modelle zur Darstellung von Unfall- verhütungs-Einrichtungen sind zum größten Theil„durch die Frei- gebigkeit der Aussteller" dem Unfall museum des Reichs- B er si ch e r un g s a mt s überwiesen worden, dessen— wieder Bericht sich ausdrückt—„aus Mangel an Mitteln noch dürftiger Bestand hierdurch eine erwünschte Bereicherung er- fahren hat." Auf die miserable Lage der Bnrcan-Nngcstcllten wirft ein Borgehen in Köln ei» bezeichnendes Licht. Ende vorigen Jahres übernahm dort der Notar B. ein Notariat, das durch de» Tod des bisherigen Inhabers erledigt war. Das erste, was Herr B. beim Antritt that, war, daß er seinem ersten Schreiber das Monatsgehalt um dreißig Mark kürzte. Der betreffende dankte und ver- ließ am Ersten des nächsten Monats seinen Chef. Dem zweiten Schreiber setzte der Notar das Gehalt von Ivo M. ans— sechzig Mark herab. Dieser Schreiber G.. der beim Wechsel des Notariats vier Wochen arbeitslos und daher in äußerster Bedräugniß war, ließ sich das gefallen, und was kam, kann sich der Leser denken. G., ein bis dahin unbescholtener, von seinem früheren Chef wegen feiner Tüchtigkeit und Pünktlichkeit geschätzter Mensch, unterschlug eine Summe von 18V M.. die ihm »r Einlieferung an die Post übergeben worden war. Die That am nach einigen Tagen ans Licht. G. gestand und erklärte sich bereit, die Summe innerhalb vierundzwanzig Stunden zu ersetzen. Der Herr Notar aber ließ, wie er sagte, der Gerechtigkeit ihre» Lauf und zeigte den Schreiber der Polizei an. Der Unglückliche, der das Gefängniß und ein entehrtes Leben vor sich sah. ging zum Rhein und ertränkte sich. Damit ist der Fall„erledigt". G. ist der erste nicht und wird auch nicht der letzte sei», den das übliche Ausbeutungssystem ins Gefängniß oder in den Tod treibt. Die Lokalblätter nielden in kurzen Worten:„Heule ertränkte sich ein Notariatsgehilfe, der Unterschlagungen begangen hatte." Das genügt für die honnete Welt, die in dem Unglückliche» nur den Dieb und den Selbstmörder sieht, aber kein Auge und kein Wort hat für den ausbeutenden Unternehmer, der seine Angestellten mit einem Gehalt lohnt, das sie zum Verbrechen oder zum Verhungern nölhigt. Wohlstand uud Sterblichkeit. In der österreichischen Uni- versitätsstadt Graz wird gegenwärtig ein sehr interessantes Ex- perimenl gemacht. Um nämlich zu ermittel», welchen Einfluß der Verniögensstand und die Wohnungsverhältnisse auf die Sterblichkeit und die Todesursachen haben, wird seit Anfang dieses Jahres durch � die Grazer Behörden bei jeder Eintragung über diesen Todesfall die Wohlhabenheit der Verstorbenen mit berücksichtigt. Dies geschieht in der Weise, daß der Todtenbeschauer auf grund seiner Wahrnehmung in der Wohnung des Verstorbenen den Todesfall in eine von vier angenommenen Wohlhabenheitsklassen, die als Reiche, Mittel- stand. Arme und Nothdürftige bezeichnet sind, einordnet. Selbstverständlich können dabei Jrrthümer mit unterlaufen; denn der äußere Schein, den der Todtenbeschauer wahrnimmt, kann trügen. Aber immerhin giebt die Größe und die Einrichtung der Wohnung einen Anhalt,»m die Bewohner auch aus ihre sonstige Lebenslage mit einiger Sicherheit einschätze» zu können. Jedenfalls ist der Versuch anerkennenswerth, auf diese Weise zur Kl.irlegung der sozialen Verhältnisse beizutragen. Aus deutschen Städten wüßten wir ähnliches nicht zu melden. Schweizerischer Arbeiterbuud. Der Bundesvorstand hielt am Sonntag in Zürich seine I a h r e s s i tz u n g ab, aus deren Ver- Handlungen zu erwähnen sind: Herausgabe des Berichts über die obligatorischen Berufsgenoflenschafte», speziell in der Uhrcnindustrie, Therlnahme des Arbeitersekretariats an den soziale» Kämpfen des Tages, periodische Herausgabe von Mittheilungen des Sekretariats. Einberufung des internationalen Arbeiter- schutz-Kongresses ans August 1897, Sammlung der internationalen Arbeiterschntz- Gesetze, Niedersetzung einer Koni- misston, bestehend aus Greulich. Scherer und Lautcnschlager, betreffend Kranken- und Unfallversicherung, Eingabe an die Bundesbehörden um Freigabe des Sonnabend-Nachmittags für die Fabrikarbeiter immer unter Aufrcchterhaltung des Normalarbeits- tages und Jnanssichtnahme der Anstellung eines italienischen Ad- tunkten des Arbeitersekretariats. Der romanische Adjunkt H e r i t i e r in Genf, der nach Laufanne übersiedeln sollte, darf auch fernerhin in Genf domiziliren. Ein internationaler Kongreß für SonntagSrnhe soll vom 6. bis S. Juli d. I. auf Anregung der belgischen Regierung in Brüssel abgehalten werden. Soziale Mechtspflege. Der prügelnde Schlosscrnirister. Gegen eine Klage ans Rückkehr in das Lehrverhältniß wandte der etwa siebzehnjährige Schlosserlehrling König ein, daß er grob mißhandelt worden sei und deshalb das Recht gehabt habe, die Lehre beim Schlossermeister Frank« zu verlassen. Sein Vater beantragte vor der Kammer V des Gewerbegerichts, Herr» Franke zur Herausgabe des Arbeits- buches und zu dem Anerkenntniß zu veruriheilen, daß das Lehrverhältniß rechtsgiltig aufgelöst sei. Nach einer Zeugen- aussage hat der Beklagte und Widerkläger Franke mit einem Rohrstocke„immer von oben herunter auf K. ein- geschlagen, wohin er ihn gerade traf", während drei oder vier Leute den jungen Man» hielten. Derselbe Zeuge sagte aus, als Franke seinen Stock fallen ließ, habe der Werkmeister Eckert einen abgebrochenen Peitschenstiel ergriffen und auch zugeschlagen. Auf Befragen erklärte der Zeuge noch, Franke sei noch nie so grob geworden, wie in diesem Falle. Dem Gerichtshof lag ein ärztliches Attest vor. wonach Arm, Nacken nnd Gesäß des Lehrlings eine große Zahl von Hautabschürfungen und Striemen bei der Untersuchung auf- wiesen. Ans der Art derselben entnahm der Arzt, daß die Schläge mit großer Gewalt geführt worden sein müßten. Der Ge- richtshof kam aber trotz alldem zu der Ueberzeugnng, daß Franke das väterliche Züchtigungsrecht, das ihm zustand, nicht überschritten habe, und verurtheilte K.. sofort in die Lehre zurückzu- gehen. „Lasset die Kindlei» zu mir kommen." Wie dies Bibelwort zuweilen vom UnternehmerlhnM in die Praxis umgesetzt wird, lehrte eine Verhandlung, die jüngst vor der Kammer VII des Gewerbe- g e r i ch t s vor sich ging. Beklagt»mr der Inhaber einer Kolportage-Buchhandlung namens D o ch o w. Als Kläger erschien ein blasser, schwächlich gebauter Junge von noch nicht ganz 14 Jahren, der noch de» KonfirmationSuirterricht besucht und vom Schulunterricht dispensirt ist. Er wurde durch seine Mutter ver- treten, eine Wittwe, die nach ihren Angaben wegen eigener Kränklichkeit hauptsächlich auf den Verdienst des kleinen Burschen angewiesen ist.— Die Frau wollte nicht einen Lohnrest einbüßen, auf de» der Beklagte Anspruch erhob, indem er dem Knaben»»kor- reite Bestellung von Schriften vorwarf. Der Junge bestritt die Be- hauptungen Dochow's. Er und sciue Mutter führte» dann folgendes aus. Früh 8 Uhr habe seine Arbeit begonnen. Dann sei er„auf die Tour" gegangen, um erst abends entweder nach dem Geschäft zur Abrechnung zurückzukehren, oder auch, wenn es z u s p ä t geworden war, nach Hause zu gehen. Auf das Mittagesse» habe er somit verzichten müssen und an eine Mittagspause sei auch nicht zu denken gewesen. Häufig sei er erst um IS Uhr nachts nach Hause gekommen und vor 10 Uhr habe er fast nie das Geschäft verlassen, wenn er abends dort abrechnen mußte. Manchmal hätte er schon um 3 Uhr gehen können. Und dafür erhielt der Knabe 8 M- Wochen» lohn und gelegentlich'mal eine kleine Provision für neue Abonnenten. Nach weiteren Mittheilungen der Mutter sollte ihr Sohn an den Tagen um Neujahr, wo vermittelst der sogenannten Gratulation nach Geschenken geschnorrt wird, keinen Lohn erhalten. Auf fein Verlangen habe er aber den Lohn bekommen und der Beklagte habe nun die Neujahrs- gelder sich ausliefern lassen. Des Beklagten Bruder hätte sogar darüber gemurrt, daß die Leute nicht mehr geben, und so ge- wissermaßen die Ehrlichkeit ihres Kindes in Zweifel gezogen. Die Frau brach schließlich in Thränen aus. Ihre Angaben wurden im wesentlichen nicht bestritten. Es kam schließlich ein Vergleich zu stände. Bon hohem Interesse für die Radfahrer ist eine Eni- scheidung, welche gestern(Freitag) die Kammer 1 für Handelssachen am hiesigen Landgericht I gefällt hat. Der Kläger, ein Handlnugs- gehilfe hatte von seinein Prinzipal zu dem bekannten Sportfeste in der Gewerbe-Ausstellung Urlaub erhalten. Auf diesem Sport- feste wurde er von einem anderen Radfahrer angefahren und zog sich eine Verletzung zu, welche ihn drei Wochen lang an das Krankenbett fesselte. Sein Prinzipal»ahm hieraus Veranlassung, ihn zu entlassen. Kläger klagte darauf das Gehalt für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember v. Js. ein und stützte seinen Anspruch darauf, daß er nach dem Handelsgesetzbuche sich über sechs Wochen infolge Krankheit seiner Dienstleistung entziehen müsse, ehe seinem Prinzipal das Entlassnngsrecht zustehe. Die Handels- kaminer erkannte aus Abweisung des klägerischen Anspruchs, weil sie die sofortige Entlassung des Klägers für begründet erachtete. Habe der Kläger sich durch seine Theilnahme an dem Sportfest in die Gefahr begeben, zu verunglücke», so sei er auch selbst für die Folgen verantivortlich. Der Augestelltc eines Privat-DetektlvbureauS als Gewerbe- gehilfe. Dem Deteklivbureau„Greif" war im November vorigen Jahres von mehreren, sehr schwer in ihrer Ehre gekränkten Familien- vätern der delikate Auftrag erlheill worden, nach einigen«feinen alten Herren" zu fahnden, die sich einen Beruf daraus machten, junge Mädchen unter den verschiedensten Vorspiegelungen aus dein Hause zu locken und dem moralischen Ruin entgegenzuführeu. Der Agent Kallenbach, der mit der Ausführung des Auftrages betraut wurde, hatte dabei recht viel Pech. Immer, wenn er den„feinen alten Herren" auf der Spur zu sein glaubte, verschwanden sie wieder. Seine Chefs erklärten ihn für untauglich und verweigerten ihm für seine 23lägige Arbeil anfänglich jede Löhnung, zahlten ihm dann aber doch S3 M. K. hatte inzwischen gegen die Firma„Greif" die Klage beim Gewerbegericht erhoben. Im letzten Termine erhob der Vertreter der Beklagten neben Spezialeinwänden auch den, daß das Gewerbegericht garnicht zur Entscheidung der Sache kompetent sei. Der Kläger wäre als Agent nicht Gewerbe- gehilfe.— Der Gerichtshof sprach jedoch dem Kläger das Recht zu, vor dem Gewerbegericht seine Ansprüche gellend zu machen. Er besäße nicht die Qualität eines Agenten im rechtliche» Sinne des Wortes, da er keine verbindlichen Rechtsgeschäfte ab- zuschließen gehabt habe. Auch könne er»ach der Art der Bezahlung. die pro Tag berechnet wurde, sehr wohl als Gewerbegehilse an- gesehen werde». Dem Kläger wurden in einem Theilurtheil noch 72 M. zugesprochen, während die Entscheidung über weitergehende Forderungen auf Spesenvergütigung von einem Eide des Direktors derz beklagten Firma abhängig gemacht wurde. Verletzung durch eine» Blitz als Betriebsunfall. Den Arbeiter Hering traf ein Blitzschlag in dem Augenblick, als er dabei war. vermittels eines Krahnes Steine zu heben, die er zu verladen hatte. Da seine Erwerbsfähigkeit geschädigt worden war, bemühte er sich un> eine Unsallrente. Die zuständige Berufsgenossen- schast wies ihn jedoch mit der Begründung ab, er sei ledig- lich einer Gefahr des gewöhnlichen Lebens zum Opfer gefallen. Auf die Bernfung Hering's verurtheilte indessen das Schiedsgericht die Beklagte, ihm die Rente zu gewähren. Die Be- russgenossenschast legte nunmehr gegen das Urtheil Rekurs ein. Sie machte geltend, der Krahn, den Kläger bediente, habe den Blitz nicht anziehen können, die Betriebseinrichtungen hätten also bei dem Unfalls keine entscheidende Rolle gespielt. Das Reichs-Versicherungsamt nahm aber wie das Schiedsgericht daS Vorliegen eines Betriebsunfalles an. Zur Begründung wurde ausgeführt: Ter Kläger sei im Augenblick des Unfalles in erhöhtem Maße der Blitzgefahr ausgesetzt gewesen. Erfahrungsgemäß sei die Blitzgefahr bei einzelnen hohen Gegenständen bedeutend vergrößert. Die Hinterbliebene» des Tapezirers Brandt, den der Blitz bei seiner Arbeit getödtel hatte, winden i» allen Instanzen mit ihren Rentenansprüchen abgewiesen. In diesem Falle sprach das Reichs-Versicherungsamt aus, daß ein Unfall durch Blitzschlag nur dann als Betriebsunfall angesehen und entschädigt werden könne, wenn die elementare Gefahr durch die Betriebsverhältnisse erhöht worden sei. Eine derartige Gefahrenerhöhung erblickte das Rekursgerichl nicht i» dem Umstände, daß der Getödtete während des fraglichen Gewitters in einem Wohnräume auf einem Schemel stand. Die Kläger hatten sich hierauf berufen. Das Reichs-Bersicherungsamt hatte einen interessanten Rechts- streit zu entscheiden, den der landwirlhschaftliche Arbeiter Roy gegen die landwirlhschastliche Berufsgenossenschaft für die Provinz Sachsen angestrengt hatte. Roy mußte im April 189S Mist auf- laden. Während der Arbeit spürte er nach seinen Angaben plötzlich einen heftigen Schmerz an der Hand, der sich inner- halb einiger Stunden bis zur Uneiträglichkeit steigerte. Die Hand entzündete sich schließlich und Roy mußte sie ärztlich be- handeln lassen. Nach beendetem Heilversahren war er immer noch in seiner Erwerbsfähigkeit beschränkt. Die Berufsgenossen- schaff, an die er sich deshalb wandte, lehnte es aber ab, ihm eine Unfallrente zu gewähren. Sie meinte, es läge kein landwirthschaftlicher Betriebsunfall vor. Als später das Schiedsgericht zu g» n st e n des Klägers entschieden hatte, weigerte sich die Berufsgenossenschast immer noch. Sie legte Rekurs ei» nnd machte geltend, lediglich der andauernde Druck bei der Handhabung der Mistgabel habe die Erkrankung der Hand ver- anlaßt, und dieser Hergang könne als Unfall nicht angesehen werden. Etwas anderes wäre es, wenn ein Fremd- körper beim Mistschaufeln in die Hand eingedrungen wäre. Das Reichs- Bersicherungsaint erklärte indessen die Einwände der Berufsgenossenschaft für verfehlt. Es erachtete die Feststellung für entscheidend, daß der Erkrankungsprozeß während des kurzen Zeitraums>v e n i g e r Stunden erfolgte und in der Betriebsthätigkeit des Mistforkens seine Ursache hatte. Auch derartige GesundheitSschädigungen seien Unfälle im Sinne desUnfall-Versicherungsgesetzes. Gevulzks"Beif unfl» Ehristliche Nächstenliebe. Aus Halle a. S. wird uns vom 13. Marz geschrieben: Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich Frau Pastor Anna Pein geb. Zacke in Zschortau bei Delitzsch, 26 Jahre alt, ivelche wegen Mißhandlung mit SV Mark Geldbuße vorbestraft ist. ivegen gefährlicher Körper- Verletzung n n d N ö t h i g n n g zu verantworten. Die Angeklagte hat häufig mit ihrem Dienstpersonal auf den, Kriegsfuße gestanden, was sich schon daraus ergiebt, daß sie nach Angabe des dortigen Amtsvorstehers. Major von Busse, seit 1889 etwa dreißig Dienstmädchen gehabt hat. Sie wurde beschuldigt, am 13. November v.J.(Bußtag) ihr Dienstmädchen, die I7jährige Anna Worms aus Schellbach, widerrechtlich mit Gewalt zniu Verbleiben im Dienste veranlaßt, und»m ihr„Zureden" wirksamer zu gestalten, daS Mädchen mit einem Milchtopfe ins Gesicht ge- schlagen zu habe», sodaß es blutende Verletzungen davontrug. Die Frau Pastor bestreitet, die Worms absichtlich verletzt zu haben und meint, sie hätte ihre Dienstmädchen„immer g ii t" behandelt. Die Zeugin Worms, die übrigens eine» bescheidenen und nette» Eindruck macht, bekundet, Frau Pastor habe, nachdem sie einige Tage im Dienste war, angesangen zu schelten nnd zu schimpfen nnd dabei u. a. geäußert:„Scheren Sie sich zum Teufel! Sie können ja gar nichts; machen Sie, daß Sie mit Ihrem Koffer wegkommen". Als sie dann aber dazu Anstalten gemacht. habe Frau Pastor Pei» die Miethsgeld- nnd Fahrgeld- Auslage» von 7.ö0 Mark zurückverlangt. Gelegentlich einer Anfrage eines TageS beim Feuermachen fei Frau Pein so zornig geivorden, daß sie der Zeugin entgegen gerufen habe: „Sie freches Mensch, Demokraten vieh, Dreck- s ch w e i n. Sie wollen sich wegen schlechter Behandlung be- klagen?!" Dabei gebrauchte die Frau Pastor noch eine Rede- Wendung, die aus Austandsrücksichten nicht wieder gegeben werden kann. Bei dem Packen des Koffers wurde das Mädchen von der Frau Pastor mit dem Topfe auf Mund und Nase geschlagen, worauf die Verletzte blutend zum Amtsvorsteher gelaufen, der die Angabe des Mädchens bestätigt gefunden und die Mißhandlung als Grundlage zum Verlasse» des Dienstes bezeichnete. Der Amtsvorsteher bemerkte, daß ihn, die ganze Sache nichts Un- gewohntes geivesen sei, da ihm von Pein'schen Dielistinädche» fast alle vierzehn Tage solche Klagen vorgebracht wurden. Bei Pein halte kein Dieustbote länger als vier Wochen aus Nach einem ärztlichen Gutachte» soll die Angeklagte mit Hysterie behaftet sein. DerFall läge jedoch nicht so, daß die Angeklagte sich etwa in einei» Znstande krankhaflerStörung ihrer Geistesthäligkeit beiunden habe. Der Staatsanwalt erachtete die Zeugin Worms als vollständig glaubivücdig und beantragte gegen die Angeklagte eine Geldstrafe von 300 Mark ev. 30 Tage Gefängniß. Mildernde Umstände seien mit Rücksicht auf das körperliche Leiden der Angeklagten zuzubilligen. Dem Antrage gemäß erkannte der Gerichtshof._ Verfammluttüett. Vierter Verbaudstag des Zentralverbandcs der Maurer Deutschlands. Magdeburg, 17. März. S e ch st e Sitzung. Nach einigen geschäftlichen Miltheitunge» ivird in der Debatte über den 3. Punkt der Tagesordnung fortgefahren. Die eingesetzte Kommission zivecks Vorberalhnng der Frage, welche Stellung der Verband zum Fachorgan einnimmt, hat sich über eine Resolution geeinigt, deren Annahme sie dem Verbandstage empfiehlt. Dieser Resolution zufolge stellt der Verleger das Blatt dem Verbände gegen einen zwischen ihm uud dem Vorstand zu ver- einbarenden Preis bis zum nächsten Verbandstag zur Ver- sügung. Diese Resolution fand einstimmige Annahme. Der dritte Punkt der Tagesordnung ist damit erledigt. Ueber„Agitation" hält S t a n i n g k das einleitende Referat, dem sich sofort ein Vortrag P a e p l o w' s über„Statiftische Er- Hebungen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, sowie die Lebens- Haltung der Maurer Deutschlands" anschließt. Beide Referenten empfehle» am Schlüsse ihrer Ausführungen zwei Resolutionen. In der ersten, ivelche bezug nimmt auf die Agitation, wird den Mitgliedern zur Pflicht gemacht,»och mehr als bisher für den Verband zu wirken. Besonders soll in den kleineren Städte» uud Landorten energischer agitirt werden. Durch die zweite Resolution wird der VerbandSvorstand beauf- tragt, die Statistik über die Arbeits- und Lohnverhältnisse der deutschen Maurer sowie über die Mißstände auf Bauten energisch zu betreiben und in zweckentsprechender Weise zu veröffentlichen. Die Debatte wird über beide Punkte der Tagesordnung zugleich eröffnet und bewegt sich im Rahmen der von den Referenten gemachten Ausführungen. Die siebente Sitzung, nachmittags, wird vollständig durch die Diskussion über die beiden Punkte„Agitation" und„Statistik" aus- gefüllt. Es betheiligten sich insgesammt an dieser Diskussion 59 Redner, die alle den AuSführnnge» des Referenten zustimmten, und die vom Vorstand geleistete Arbeit im allgemeinen au- erkannten. In bezug auf Agitation werden aber auch von vielen Rednern neue Anregungen gegeben und Wünsche vorgebracht. Das Schlußwort für den verhinderten Referenten nimmt Bömelburg und führt in großen Zügen aus, in welcher Weise der Agitation ein guter Erfolg gesichert werden könne. Jede einzelne Zahlstelle müsse bestrebt sein, möglichst viele Agitatoren auszubilden, denn bei der erfreulichen Ausdehnung der Organisation sei es nicht möglich, die geivünschte und auch nothwendige Agitation durch die jetzt un- zureichenden Kräfte zu bewältigen. Auch müßten die Kollegen überall darauf bedacht sein, daß die während der Bausaison ge- schaffe»«!, Verbindungen auch im Winter aufrecht erhalten werde». P a e p l o w macht in seinem Schlußwort nur wenige Aus- fuhrunge»; er legt den Delegirten nochmals ans Herz, nicht nur die Neiolution betreffs der Statistik anzunehmen, sondern auch überall dafür einzutreten, daß die Resolution zur praktischen Geltung komme. Nach einigen persönlichen Bemerkungen werden die beiden Resolutionen betreffs Agitation und Statistik einstimmig an- genommen. Die Lederarbeiter- Versammlung, die am 1». d. M. tagte. erklärte sich nach dem Bericht des Kollegen Schuhmacher mit den Beschlüssen des BerbandstageS einverstanden. Nur gegen die Erhöhung der Beiträge auf 35 Pf. pro Woche wurde eingewendet, daß diese Summe im Berhältniß zu dem schlechten Verdienst der meisten Kollegen zu hoch sei. Ueber diesen Punkt soll eine Ur- abstimmung herbeigeführt werden. Zum Schluß theilt Kollege Schuhmacher mit. daß die Branchenversammlungen jetzt regel- mäßig, und zwar Montag vor dem 1. und 13. jeden Monats bei Roll, Adalbertstr. 21, stattfinden sollen, und bittet um recht rege Betheiligung. Art,«>t«r. B,lt»n,««rch»I,. Sonnabend Abend von»— ox Uhr: Südost- s ch u l e. WnldemarNr. i«: Naiionalölonomie(Allgemeine Uederstcht der ver- Ichicdeuen WiribichastSstufen. Euiwirtelung der bürgerlichen theoreltschen Naiionalökonomte. Tie Marr'sche Werth- und Mehrwerlh-Lehre). Herr Tr. Conrad Schmidi.— Nord-Dchule, Brunnen-Slrastc 2S: Nalur-Errenntntb. Anlile und moderne Naturbetrachlung. Problem der Weltdlldung im Alterlhui». (Briechtsche Weisheit und biblische Ueberlieserung. Die Entthronung der Erde au« ihrer bevorzugten Stellung im Wellenall. Mechanistische Auffassung und erperimentelle Forschung. Die Einreihung de« Menschen in da« Nalurganze sLamarl-Darwin). Da« Seelenproblem. Alomt«»iu» und MalerialtSmn«. Grenzen der Naiur.Erlenniniß,. Herr Dr. E. Joöl.„_. Deutsch und Rede-Uebung lallt in dteier Woche wegen plötzlicher Erkranlung de« Lehrer« au«. vi» x«s»h-U«»er Ar>»»it«r-j?ildn»g»sch«l»,«runnenstr.«5, ist Wochen- tag« von»—9 Uhr. Sonntag« von»-» Uhr, unentgeltlich sür jedermann geöffne«: die G e s ch ä s t« st e l l e der Schule dl., Brunnenstrabe»s. die den Bereiu«- vorständen zur AermUtelung von Vorträge» wtffenschaftllche» Eharalter« zur Versügung steh», ist ebensall« von«—» Uhr nachmittag« geöffnet. Zirb«tt,r-Ki>,,g»rbu»d Berlin« und»ingegend. Borsttzender Ad. Nenman». Pasewallerstr. 3. Alle Aenderunge» im vereinilalender sind zu richle» an Friedrich ff 0 etil in. Manleuffelstr. i», v. I Dr. Zirbrtter- Na»ch«rd»»d Kerli»« nnd Hlnigegend. Aenderunge» im Vereinslaiender stnd zu richten an Hermann Brau»schweig, Dre«diner- strabe so, 3. Hos,» Dr. AUgemotn» Kranken,»»d Kterkrkass« dir MUtatlardiiter, Filiale Berlin 8. Heute, abend««js Uhr, Maiueuffelslr. es: Mitglteder-Aersammlung. Kassenbericht. Verschiedene«.— Filiale Berlin«. Heule, abend«»L Uhr. bei Fritz Wiik«, Andreasstr. s«: Mitglieder-Versammlung.— Filiale Berti n 6. Heute, abend« 9 Uhr, bei ffoplin. Lothrtngerstr. se: Mitglieder-Bersammlung.— SUlale Charlotlenburg. Heule, abend« sis Uhr, im Restaurant Leder, Biemarckstr.?«: Mitglieder-Bersammlung.— Filiale Rirdors. Heute, abends«j; Uhr, bei Pretzier, Zleih-nstr. so: Mitglieder-Bersammlung. Frei« ziereinigung seldftändigrr Kardier«, Friseur- nnd perriitken- mache» Berlin« und Umgegend. Monlag, den 33. März, abend« 10 Uhr, d.'i Babtcl, Rosenthalersir. s?: Bersammlung. Borlesuna. Freireligiös»«einrinde. Sonntag, den 30. Mär, 1897, vormittags 9 Uhr, Rosenlhalerstr. 98: Bersammlung. Freireligiös» Vorlesung. Um U Uhr vor,» ebendaselbst: Vortrag des Herrn Waideck Manasse i„Mohamet und seine Lehre. — Rachmitlags 5 Uhr, in ffeller's Festsälen, ffoppenstr. 39: 83.«tistungssest. Koilaldemastratischer Kgitatianavereln sür den Reschsiags-Wahllreis Stralsund- Franzbura- Rügen. Sonnlag, den 3l. d.M., vormittags W Uhr: Sitzung bei Linke, Jüdenslr. 3«. Gäste willkommen.„ KUdungaaerein„kUestr Ficht". Sonntag, den 31. März, abends ex Uhr. Alexanderstr. stc: Bersammlung. Vortrag des Genoffen Manfred Witng-Leipztg Uder:„Ada Negri, die Dichterin des itaiientschen ProlelartaiS." Darauf: Ge- Moabiter Naturheilarrein. Sonniaa, den 3l. März, abends 7 Uhr, im vereinslotal, Nestaurant der Moabtter Markthalle am«rmintusplatz: Bortrag mit Demonstration am lebensgrotzen Dorso. Gaste willkommen. Sischier-zierein. Heute Abend Sij Uhr, Meichiorsir. 16: Versammlung. Bortrag. Damen haben Zutritt.„. Touristen-Kind„Kuf". Heut« Abend: Grober Wiener Matkendall, Oranten- ftratze>90 bei Rautenderg. 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Passage �Panoptikum. 32 Mädchen ans Samoa. Apollo. Spezialitäten. Regie Sonntag, den 21. März�nachm. 3 Uhr: Gastspiel der Damen Martha Frey und Therese Freyburg; der Herren Heinrich Schulz und Wilhelm Rufs. Zum vorletzten Mal«: Die zungsrilu m Lrlms. Romantische Tragödie von Fr. Schiller. Johanna: Martha Frey. Agnes Sorel: Therese Freyburg. König: Richard Jürgas. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Ruff. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot: Julius Türk. Die Kostüme, Requisiten, Waffen sind aus den kunstgewerblichen Werk- stätteu von P. Hildebrand. Eintrittskarten k 60 Pf. sind in den bekannten Geschäften zu haben. Sckillov-'Thesitov (Wallner-Theatcr). Sonnabend, abends 8 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Gin Wintermärchen. Abends 8 Uhr: Der Millionen- bauer. Oftend-Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Dir.«.Weist. Heute: Zum letzten Male: Berlin wie es weint und lacht. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Centenar- Vorfeier. Prolog. Dann: Großes musikalisch- patriotisches Tougemälde von R. Etlenberg: Kaiser Wilhelm der Große. Hierauf:„Kurmärkcr und Picard«."„Chaffepot und Zündnadel." ..Nach 56 Jahren." Zum Schluß: Sang an Aegir, dargestellt und ge- snngen vom ganzen Personal i» historischen Kostümen. Abends 77, Uhr:„Zu hoch hinaus!" Karl Weiß als Stüwccke. Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. AbendS 7-8 Uhr: Zum 43. Male: Ein fideler Abend. Morgen: Zum 44. Male: fidcler Abend. «in Volks- Theater Zt. Reichenbergcr- Strafte 34. Pserdebahnstation: Kottbuser Thor. Ligllvr?jttarello. Posse mit Gesang in 6 Bildern von H. Willen und S. Haber. Musik von G. Michaelis. Die neuen KouplclS und Gesangstexte von R. Brodek, komp. von R. Thiele. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Alexanderellld-Tjeatn. Kleine Preise. Heute und die soigenden Tage: Gastspiel des Frl. Stälkcr-Aoltz und des urkomischen Ben dir. Die Danzfrieda. Berliner Poffe mit Gesang in 3 Akten<4 Bildern) von Heinrich Wilker. Musik von Albert Wicher.— Anfang 8 Uhr. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Die sieben Raben. Großes Zaubermärchen mit Gesang in sechs Bildern von Bolten-Bäckers. Sämnrtliche ausgegebene Bons be- halten ihre Gtlttgkeit. Billets sind ohne Vorbestellgevühr schon drei Tage vorher an der Theater- kaffe zu haben. Bormtttags 11—1 Uhr und abendS von 7,7 Uhr an. ZriciirilliUilhelch. Theater. Zur Hundertjahr-Feier: Festspiel mit lebenden Bildern von Conrad Byr. Hierauf zum 1. Male: Der Kampf um den Niederwald. Baterländi- sches Drama in 5 Allen von E. Byr. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu Keinen (Abonnements-) Preisen: Der Trom- peter von Säkkiugen. Romantisches Schauspiel mit Gesang in drei Akten <7 Bildern) von Emil Hildcbrand und Julius Keller.— Abends 8 Uhr: Liane, die zweite Frau. Charakter- gemälde in 5 Auszügen nach dem gleich- namigen Marlittstten Gartenlauben- Roman für die Bühne bearbeitet von H W. Merkel.,.. Montag, Dienstag: FeMiel. Hierauf: Der Kampf um den Riederwald. 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Heul, ßamimstrasse No. 42. NW. Blankenfeld, Stendalerstr. 42, in den mit Plakaten belegten Handlungen, sowie von 6—9 Uhr abends in der Lesehalle, Brunnenstrasse 25. Centenar-Feier Dienstag» den 23. März, abends 9 Uhr: Fest-Goncert im Circus Renz unter Mitwirkung beSPrk'schen Männer-Gesangvereins (Th. Hanptstein), der Kainmersängerln Fräulein Itcini, des KUnrgl. Kainnicrsängers Herrn Panl Bulss, der Berliner Liedertafel(A. Zander), des Httngcrbundes des Berliner Lehrerverclns(Professor Felix Nchniidt) und des Neuen Berliner ISinfonle- Orchesters. Preise der Plätze: "ogensttz 20 M., Parguet- und Tribünensitz 10 M., Balkon 5 M., .weiter Platz 3 M., Dritter Platz(Stehplatz) 2 M. Billet-Borvcrkauf ndet von Donnerstag, den 18. März, ab täglich an der von der Karlftraße aus links belegenen Kasse des Circus Renz von 11 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachinittagS statt. An» Sonntag, den 21. März, von 1-2 Uhr. Bss Gomite für die Gentenarfeier. lkD machen wir unsere Herren- Parthie HO■ hin? 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M. 5,70 Pariser Commune. Jllnstrirte Ausgabe..... M. 3,50 Sinn 18.Miirz«. Verwandtes. Vo» W. Liebknecht.. M.—,20 Märznnmmer des„Wahren Jacob".... M.—.10 Märznummer des„S üb d e u t s ch. P o st i l l o n"... M.-.10 DM" März-Zeituna t8S7"WE SM" ist vergriffe»."Mü Buchandlung Vorwärts. Brockhaus', Meyer's Lexikon sowie andere neuere u. ältere werthvollc Bücher jed. Wiffensch. beleiht u. kauft Antiquariat Kochstr. 5«. Polsteiwen Fabrik Großes Lager in Kasten-». Polster- Möbeln empstehlt B. H tl g e 1, Tapezirer, Gritner Weg; 04. Acht«iig.L!ste«Mlichn! Der Arbeitsnachweis befindet sich jetzt: 94/10 BreSlauerstr. 28 bei Munzig. Fahrräder 125, 135, 150 Mark. Reparaturen. 99äbs_ Chauffeestr. 77. Möbel-Äusverkauf. Wegen Geschästsvcrlegung werden sämmtliche Möbel, Spiegel u. Polster- waare» ausverkauft.[8»3b G. Manasse, Müllerstr. 178. Nnssbanm-Elnrlchtung. neue, bestellte Arbeit, bill. verkäuflich Admiralftr. 8, v. I. links. Wasch- u. 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