Preis: 60 1. cts. t Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 14-1. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 6. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun Die jüdische Familie Hitler Siehe Dokumente ( wiederholt) Seite 8 Hellscher und Polizeipräsident Der Fall Hanussen- Wer hat den nationalsozialistischen Hellscher ermordet? Sensationelle Behauptungen Der in Prag erscheinende Aufruf" schreibt: N Von beffunterrichteter Seite geht uns die nach folgende Darstellung der näheren Umstände bei der Ermordung Steinschneider- Hanussens zu. Bekanntlich ist über dieses Verbrechen der Hitlerschen Feme auch eine andere Version verbreitet, derzufolge der SA.- Kommissar im Mosse- Haus, Ohst, den HellSeher umgebracht haben soll. Uns erscheint jedoch die Darstellung unseres ständigen Mitarbeiters so wichtig und glaubhaft, daß wir ihre Veröffentlichung für notwendig halfen. Ende März erschienen in den deutschen Tageszeitungen kurze Notizen des Inhalts, daß der berühmt- berüchtigte Hellseher" Erik Jan Hanussen an einer Waldlichtung in der Nähe des Dorfes 3offen tot aufgefunden wurde. Die Polizei nahm erst einen„ Selbstmord" an, dann wurde von einem Racheverbrechen oder einem Mord aus Eifer sucht gefaselt und schließlich schob man den Kommunisten, die Hanussen seit vielen Monaten schwer befehdeten, den Mord in die Schuhe. Der„ Prophet des Dritten Reiches", bester Freund der neuen Machthaber, war aus dem Weg geräumt und keine Behörde kümmerte sich um die Auf klärung des Falles.„ Von den Tätern fehlt jede Spur." Auffallend war es, daß die Nationalsozialisten den Mord an ihrem Propagator, ihrem Reklamefrommler, mit Stillschweigen übergingen, auffallend, daß die Be hörden keinerlei Ehrgeiz zeigten, die„ kommunistischen Mörder" der Tat zu überführen. Es sind inzwischen elf Wochen vergangen und die Polt zei hat von den Mördern Hanussens noch immer keine Spur. Sie hat den Akt längst beiseite gelegt und hofft. daß niemand die wirklichen Zusammenhänge erfahren werde. Wenn sich andere Leute an die Detektinarbeit heran. gemacht und die Mordtat nun genau aufgeklärt haben, fo geschah das nicht dem Ermordeten zuliebe, sondern um mieder einmal an Hand autentischen Materials aufzu zeigen, wie der gemeine, heimtückische Mord, verbunden mit materiellen Interessen, zum Instrument der nationalen Führer geworden ist. Die Rolle, die der jüdische Artist Hermann Steinblieb jedoch aus, und Hanussen, selbst in materieller Be drängnis, wandte sich an seine Schuldner und bat um drängnis, wandte sich an seine Schuldner und bat um Regulierung. Als man ihm andeutete, daß er besser schweigen und sich ruhig verhalten sollte, beging er die schweigen und sich ruhig verhalten sollte, beging er die außerdem noch einen Brief an Hitler zu schreiben. Tollkühnheit, die Schuldscheine öffentlich zu zeigen und Am Ende seines Lebens hatte Hanussen bewiesen, daß er ein schlechter Hellseher war. Denn jeder andere Mensch hätte die katastrophalen Folgen vorausgesehen. Der Mann wurde unbequem. Er konnte nur kompro mittieren. Hitler war ernstlich böse auf den leichtsinnigen mittieren. Hitler war ernstlich böse auf den leichtsinnigen Grafen, der für den Posten eines Polizeipräsi denten vorgesehen war. Der Graf wurde ins braune Haus nach München berufen und erhielt den Befehl, sich schnellstens zu rehabilitieren. In der Sprache der Natio. nalsozialisten hieß das, sich von dem Juden Ha. nussen zu befreien. Inzwischen hatte Steinschneider am 1. März ein Enga gement in der Berliner Scala angenommen. Er wußte noch nichts von dem drohenden Unwetter, das über ihm zusammenzog. zusammenzog. Während der Abendvorstellung am 12. März durchsuchten im Auftrag Helldorfs SA.- Leute die Wohnung Hanussens nach den Schuldscheinen. Sie fanden nichts. Als die Vorstellung zu Ende war, holte man Hanussen in seiner Garderobe in der Scala ab und brachte ihn nach Hause. Hier erreichte ihn die Nachricht, daß Helldorf ihn dringend zu sprechen wünsche. Hanussen, noch immer nichts ahnend, bestieg, begleitet von den wachthabenden SS.- Leuten, sein Auto. Er traf den Grafen in der Nacht um halb 2 Uhr im Hause Greifswalder Straße 79. Die Unterredung zwischen den beiden Freunden" scheint ganz kurz ge wesen zu sein, denn bereits um 2 Uhr verließen sie ge wesen zu sein, denn bereits um 2 Uhr verließen sie gemeinsam das Haus, stiegen in Begleitung von vier SS.. Männern in das Auto und fuhren davon. Von dies sem Augenblick an war der Hellseher Erik Jan Hanussen verschwunden. Am nächsten Morgen erhielt die Direktion der Scala von Hanussens eines plöglichen Nervenanfalles ein Sa Sekretär Chigi die Mitteilung, daß der Hellseher wegen natorium habe aufsuchen müssen. Der Wagen mit Hanussen und Graf Helldorf fuhr in Richtung 3offen und hielt plößlich unterwegs, weil angeblich eine Panne eingetreten war. Hanussen verließ das Auto, hinter ihm zog Graf Helldorf seinen Re volver und erledigte den Juden persönlich durch drei höchsteigenhändige Schüsse. Die Brieftasche, in der sich sämtliche Schuldscheine be fanden, sowie alle Ausweispapiere nahm man dem Toten ab. Um die Jdentität zu verbergen, jagte man der Leiche noch 14 Schüsse ins Gesicht. Graf Helldorf, der sich so glänzend rehabilitiert hatte, prädestiniert. Wir sind überzeugt, daß diese Darstellung, war für den Posten eines Polizeipräsidenten in Potsdam die nach zweimonatigen Recherchen gegeben lange bekannt ist. Der Herr Kommissar Brasch werden konnte, der Berliner Kriminalpolizei schon wizz dürfte hinreichende Auskunft geben können. bergermörder Schulz, dem Morphinisten Göring, dem Wenn nach dem Fememörder Heines, dem Erz Homosexuellen Röhm, dem Verleumder Göbbels und all den anderen Naziführer- Verbrechern nun auch Graf Helldorf das Verbrecheralbum der neuesten Befreier" schmückt, so können nur unverbesserliche Optimisten daran etwas Erstaunliches finden.„ Für 136 000 Mk. kann man leicht einen Mord begehen," meinte der SA. Führer Pichel, der solche Beschäfte schon von 500 Mark an aufwärts macht. Braune Menschenjäger Jagdlisten bisher troß schlimmster Menschenjägerei fozialdemokratischen Funktionäre, bie man noch nicht fassen tonnte. Auf den Listen stehen ferner maßgebende Zentrumsgrößen, Pfarrer und Kapläne, ja sogar Ordensschwestern, die man grundlos beschuldigt, Kurierdienste für Zentrumspolitiker geleistet zu haben. schneider, als Hellseher Erik Jan Hanussen, in der„ beut. Geheime Staatspolizei dingt Kopfjäger Gefahr an der Westgrenze schen Freiheitsbewegung" gespielt hat, ist hinlänglid, bekannt. Man weiß auch, daß er tüchtig die Reklame trommel für seine nationalsozialistischen Freunde gerührt und dabei viel Geld verdient hat. Sein Intimus war der Oberste SA- Führer Graf Helldorf. Der fuhr in den Autos Hanussens spazieren, teilte sich mit ihm in seine Ge. liebten, zechte mit ihm und stellte dafür den Judenstämm ling unter SA.- Schutz. Hanussens Autos wurden stets von zwei SA.- Leuten begleitet, in seiner Wohnung hielten ebenfalls zwei SA.- Männer Tag und Nacht Wache. Graf Helldorf war zwar schon eine machtvolle Persön lichkeit, aber er kämpfte trotzdem stets mit finanziellen Schwierigkeiten. Immer wieder wurde er von Hanussen rangiert und schließlich erreichten seine Verbindlichkeiten die beträchtliche Summe von 136 000 Mark. So gut auch Hanussen mit Helldorf befreundet war, so hatte er es dennoch nicht unterlassen, sich für jedes gewährte Darlehen einen Schuldschein aushändigen zu lassen. Und er war auch so„ hellsichtig", zu wissen, daß diese Scheine am sichersten in seiner Brieftasche aufgehoben waren. Die Freundschaft zwischen dem SA.- Grafen und dem Juden Steinschneider überdauerte auch den Sieg der nationalsozialistischen Bewegung. Nun aber hoffte Hanussen nicht nur auf die Rückzahlung der außer an Helldorf auch durch dessen Vermittlung an andere nationalsozialistische Persönlichkeiten, Freißler und Len, gegebenen Darlehen, sondern auch auf Dankbarkeit für die geleisteten guten Dienste. Beides darunter an Grenz- Fahndungsstellen eingerichtet worden, die der Fests Von der Geheimen Staatspolizei des Dritten Reiches find nahme von mißliebigen politischen Persönlichkeiten dienen sollen. Das Schnüfflers und Denunziantentum hat im heutigen Deutschland geradezu groteske Formen an genommen. Namentlich in denjenigen deutschen Grenzs bezirken, die ab 1919 mehr oder weniger im Mittelpunkt gebertum die wüstesten Orgien. Eine hinterliftige Anzeige politischer Hauptgeschehnisse standen, treibt das gemeine Ans bei der politischen Staatspolizei und ein gewiffenloser Zeuge genügen, um ganz ahnungslose Persönlichkeiten aus niederem Haß und teuflischem Mißvergnügen sofort ins nächste Konzentrationslager zu bringen. Auf den Kopfiägerlisten der Grenzfahndungsstellen Bruchs Kehl stehen außerdem auch eine ganze Reihe bekannter mühlbach, Zweibrücken, Türkismühle, Benrig- Saarburg und Saarländer, die sich seit 1919 politisch gegen die heutigen Nazioten betätigt haben. In Pirmasens Besonders schlimm liegen in dieser Hinsicht die Berhälts nisse in Oberschlesien, im dänischen Grenzbezirk und im Rheinland und in der Pfalz. Vor allem in den beiden letzten Frau und Kind als Geisel Gebieten ist größte Vorsicht geboten. Emmerich a. Rh., W. Gladbach, Aachen, Trier, Türkismühle, Bruchmühlbach Kehl find Hauptpunkte der Geheimen Staatspolizei im Bruchhof, Zweibrüden- Kaplaneihof, Pirmasens, Landau und Grenzüberwachungsdienst. An diesen Stellen liegen nicht nur die Listen über alle Persönlichkeiten vor, die während der Besagungszeit mit den englischen, amerikanischen, bel: gischen und französischen Okkupationstruppen in engerer Fühlung standen, sondern auch über alle Personen, die den autonomistischen und separatistischen Bestrebungen der Jahre 1919 und 1928/24 angehört oder nahegestanden haben. Ein Teil davon befindet sich allerdings schon in den Konzentra: tionslagern. Die Listen enthalten auch die Namen von Juden, die sich in Deutschland verborgen halten sowie die nament lichen Verzeichnisse aller kommunikisen und seit Wochen von den Nazis verfolgt und mit Totschlag bes Der langjährige bayerische Abgeordnete Ludwig wird droht. Er hat sich den Banditen durch die Flucht entzogen. Nun hat man seine Frau verhaftet und sie im Triumph durch die Stadt geführt. Der kleine Junge der Frau lief weinend hinterher. Man hofft, durch die Verhaftung der Frau den Abgeordneten Ludwig zur Rückkehr zu veranlassen. Ludwig hat hervorragende Verdienste um die Niederkämpfung des Separatismus in der Pfalz. Seine Leistungen sind u. a. in einem Roman verherrlicht worden. London gescheitert? Die Krise des Weltkapitalismus Vor der Vertagung der Londoner Weltwirtschaftskonferenz? Letzte Versuche Roosevelts- Der Goldblock gegen Nordamerika Washington, 5. Juli. Der Präsident Roosevelt ist nach Beendigung seiner Erholungsfreuzfahrt ins Weiße Haus zurückgekehrt. Der Präsident hat der amerikanischen Delegation auf der Weltwirtschaftskonferenz neue Weisungen telegraphisch, denen zufolge sie nichts unversucht lassen sollen, um einen Fortgang der Konferenz zu sichern. ! Die telegraphischen Weisungen des Präsidenten Roose: velt sind ein Versuch, den Todesstoß abzuwehren, den am Dienstagnachmittag der holländische Premierminister Col: Iijns der Konferenz versezt hat. Sein Antrag auf Vertagung wurde angenommen. Allerdings sollen einige wirtschaftliche Kommissionen ihre Arbeiten über Einzelheiten fortseßen. Die Vertagung der Konferenz soll auf der Vollversammlung am Donnerstag aus gesprochen werden. Die europäischen Goldblodkländer führen das Scheitern der Konferenz auf die inflationistischen Tendenzen Nordamerikas zurück und auf die schroffe Art, mit der Präsident Roosevelt in seinem bekannten Brief die europäischen Länder, insbesondere Frankreich über ihre nach feiner Meinung verfehlte Art, an der Goldwährung festzus halten, zu belehren suchte. Spannung Europa Amerika Französische Stimmen. Paris, 5. Juli. Die französische Presse zweifelt nicht daran, daß troß der auf Veranlassung der Amerikaner erfolgten Bertagung der Sigung der Konferenz auf Donnerstag, wenn nicht etwas ganz unerwartetes eintritt, an diesem Tage die Vertagung der Konferenz offiziell ausgesprochen wird. Diese Vertagung wird aber ganz allgemein als eine endgültige Begrabung, wie der Matin" sich ausdrückt, des Weltwirtschaftsunternehmens von London bezeichnet. Das Journal" schreibt zur Lage, es werde sich am Donnerstag tatsächlich um das Begräbnis der Weltwirt. schaftskonferens handeln. Durch die theoretische Aufrecht erhaltung einiger unbedeutender Komitees, die sich mit Getreide, Wein und Zöllen befassen, dürfe man sich nicht darSchein hüten. Wichtig sei, daß die Vorkämpfer der Währungsordnung die Mittel in der Hand behielten, um sich zu verteidigen, da die Schlacht einmal nicht vermieden werden tönne. Rettung der Konferenz? Man bleibt in Fühlung Berlin, 5. Juni.( Eig. Meldung.) Der gestrige Tag hat eine endgültige Entscheidung über das Schicksal der Welt: wirtschaftskonferenz nicht gebracht. Der Beschluß des Büros, fich bis Donnerstagvormittag zu vertagen, gibt dem Präfi denten und den einzelnen Hauptdelegationen Gelegenheit inoffiziell die Möglichkeiten eines Auswegs aus der Sack: gasse, in die man durch die scharfe Erklärung Roosevelts ge= raten ist, zu erörtern. Vor allem aber wird die amerikas nische Delegation in den Stand gesezt, mit Washington Rücks sprache zu nehmen, dessen von inneramerikanischen Gesichtss punkten beeinflußte Stellungnahme ihr offenbar nicht ganz gelegen kommt, weil sie Amerika das Odium der„ Torpe dierung" der Konferenz aufbürden könnte. Jedenfalls zeigte sich gestern deutlich das Bestreben, den peinlichen Eindrud, den die Erklärung Roosevelts auch in englischen Konferenz kreisen durch ihre Formulierung hervorgerufen hat, zu vers wischen. Außerdem besteht übereinstimmend bei den Ameris fanern, den Engländern und Skandinaviern der Wunsch, in der besonders wichtigen Frage einer Revalorisierung des Weltmarktpreisstandes untereinander, wie auch mit ge wissen außereuropäischen Staaten, evtl. auch außerhalb des Rahmens der gegenwärtigen Konferenz, in Fühlung zu bleiben. über täuschen lassen. Wenn die Konferens femals wieder aus Neue Botschaft Roosevelts sammentreten sollte, so erst nach Beendigung des amerikanischen Experiments und dann werde man von einer wahren Auferstehung sprechen können. Die Amerikaner fühlten wohl, daß die Konferenz nicht weiter beraten könne, sie wollten jetzt nur die Berantwortung für die Trennung auf die andern Nationen abwälzen, sie wollten Europa schwächen, um die Konferenz unter für sie günstigeren Bedingungen wieder aufzunehmen. Set das nicht die klassische Vorgangsweise Ameritas? Hätten nicht die amerikanischen Finanzmagnaten zweimal oder dreimal bankerott gemacht, ehe sie Milliardäre wurden? Deshalb müsse man sich jetzt vor jedem falschen wtb. Washington, 5. Juli.( Reuter.) In unterrichteten Kreisen verlautet, daß Präsident Roosevelt um Mitternacht eine wichtige Erklärung abgeben werde. Laut„ Herald Tribune" betont man in amtlichen Kreisen, daß die neue Botschaft des Präsidenten den Goldwährungsländern zeigen werde, was die Welt tun könne, ohne daß zuvor ein Währungswaffenstillstand" geschlossen zu werden braucht. Noosevelt halte es für seine Pflicht zu beweisen, daß der Weg noch frei sei, um die Weltkrise durch eine internationale Gemeinschaftsaktion zu heilen. Ostbund gegen Deutschland Isolierung auch von Osten her Der berüchtigte Vorstoß Hugenbergs in London für neues Siedlungsland, der allgemein als eine Forderung nach Eroberung ruffischen Gebietes aufgefaßt wurde und trotz aller Dementis eine offizielle Unternehmung des Reichs gewesen ist, hat für Deutschland verheernde Folgen gehabt. Unter Führung Rußlands haben sich die gesamten Ostmächte zu einem Sicherheitspakt zusammengeschlossen. Namentlich der große Beifall, den Polen dem Abkommen zollt, spricht für seine Bedeutung. Rußland aber bucht einen bedentenden diplomatischen Sieg. Hitler, der außzog, um den Bolschewismus zu vernichten, hat der bolschewistischen Großmacht im Often einen Triumph auf Kosten Deutschlands verschafft. Der Nichtangriffspakt, der am Montag in der Londoner sowjetrussischen Botschaft unterzeichnet wurde, erstreckt sich auf Rußland, Rumänien, Polen, die Türkei, Afghanistan, Persien, Lettland und Estland. Die in dem Patt enthaltene Bestimmung des Angreifers stimmt, wie von russischer Seite betont wird, mit dem Wortlant des im sogenannten Politis- Bericht niedergelegten und vom Sicherheitsausschuß der Abrüstungskonferenz an= genommenen Entschließungsentwurf überein. Der ruffische Außenkommissar Litwinow wies in einer Erklärung darauf hin, daß das Abkommen ein neues Glied in der Kette der Maßnahmen bilde, durch die die Sowjetregierung systematisch die friedlichen Beziehungen zu ihren Nachbarn zu verstärken fucht. Darüber hinaus bilde der auf die Initiative Rußlands anstandegekommene Nichtangriffspakt ein Vorbild und eine Anregung für andere Länder. Die sowjetrussische Regierung sei bereit, ähnliche Verträge mit allen anderen Staaten ab: Forderung aus Paris: Rußland in Front " zuschließen. Troß dieses Abkommens werde aber Rußland seinen auf der Genfer Abrüftungskonferenz gemachten Bors schlag aufrechterhalten, eine allgemein gültige Definition für den Angreifer aufzustellen. Der polnische Außenminister Bed bes zeichnete den Patt als eine große tonftruts tive Tat. Er sei besonders befriedigt darüber, daß Rämänien zusammen mit Polen das Abkommen unters zeichnet habe. Am Dienstagnachmittag ist die Unterzeichnung eines Rußland, Rumänien, Südslawien, die Tschechoslowakei und weiteren Pattes zur Definition eines Angreiferstaates durch die Türkei erfolgt. Der Text ist derfelbe wie der bes gestern von Rußland und seinen Nachbarstaaten unterzeichneten Pattes. Die Unterzeichnung wird als ein Schritt zur Anerkennung der Sowjetunion angesehen. Im Gegensatz zu dem gegenwärtigen Uebers einkommen, das auf die Nachbarstaaten beschränkt war, steht der heute unterzeichnete Patt allen Staaten offen. Litwinow reist am Mittwoch von London nach Paris und von dort nach Wien. * An einem Faden! Daß die Voraussetzungen zu dem Totalzua sammenbruch der Reichsmark erfüllt sind, hat kein Geringerer als der Herr Reichsbankpräsident ch a cht selbst erklärt, der von einer größeren Inflationskatastrophe als der des Jahres 1923 gesprochen hat und zugeben mußte, daß sein Stehkragen höher ist als die Deckung und innere Wert der deutschen Währung. Selbstverständlich verschweigt Hitlerdeutschland mit der gesamten gleichgeschalteten Presse und dito Rundfunk dem auch geistig isolierten Bolk die Tatsache, daß der Bestand der deutschen Währung an einem hauchdünnen Faden hängt, den abzuschneiden nur noch von der Gnade des Auslandes, darunter auch des fran zösischen, abhängig ist. Und was nun die Maßnahmen anbelangt, die„ Rem part" empfiehlt: Sofortige Intervention oder Generalangriff auf die Währung, so glauben mir, daß man keines von beiden dem gequälten, mißhandelten, vergewaltigten deutschen Volke gönnen darf, daß im Gegenteil alles geschehen müßte, um Deutsch land von Hitler zu trennen und Tod und Verderben, die das einzige Schicksal der braunen Okku pationsarmee Deutschlands sein können und dürfen, nicht auf das arme Volk einer furchtbar geprüften Nation aus zubehnen wir fürchten allerdings, daß die innenund außenpolitisch gleich katastrophale Politik des Hitlerschen Nationalsozialismus dem deutschen Volke nichts ersparen wird, und daß der Wahnsinns. kurs der braunen Psychopather Hitlerdeutschland nicht nur in die Alternative zwischen den beiden Möglichkeiten des„ Rempart"- sondern in sie beide als harte Wirklichkeiten hineinführen wird! Deutsch land, erwache! M. B. Brüning verzichtet Er und einige andere Männer wollen sich der Schmach nicht beugen Berlin, 5. Juli.( Eig. Drahtb.) Die NSDAP. erspart dem Zentrum nichts. Heute soll der Selbstmord der Zentrumspartei feierlich verkündigt werden. Die NSDAP. hat sich vorbehalten, diejenigen Zentrumsabgeordneten, die den Antrag auf Aufnahme als Hospitanten stellen, peinlichst zu prüfen, ob sie auch würdig sind, einer so erlauchten Fraktion die allergrößte Anzahl der Zentrumsabgeordneten ist bes anzugehören. Man hält es kaum für möglich, aber es ist so: reit, sich dieser schmachvollen Behandlung zu unterziehen. Wir freuen uns feststellen zu können, daß wenigstens einige Männer vielleicht sogar auch die eine oder andere Frau diese Bedingung nicht eingegangen sind. Sie sollen dem Reichstag ohne parteipolitische Bindung, mithin als„ Wilde" angehören dürfen. Zu diesen Abgeordneten dürfte auch Dr. Brüning gehören. Ruhmvoll ist freilich auch dieser Auss gang nicht, denn irgend eine politisch- parlamentarische Bes tätigung wird man den Herren nicht zugestehen. Wahrscheins lich wird auch ihre vollendete Demütigung bei späterer Ges legenheit noch kommen. 6 Tote beim Segeln Darunter 5 Kinder Bremen, 5. Jult. Unverantwortlicher Beichtsinn hat au einem schweren Segelbootunglüd geführt, dem wahrscheinlich fünf Kinder und ein Erwachsener zum Opfer gefallen sind. Trotz schweren Nordweststurmes wagten sich am Dienstagnachmittag sechs Erwachsene mit fünf fleinen Kindern in einem Segelboot auf die offene Weser. Kurz nach Verlassen der Geester Mündung tenterte das Boot. Durch den Schlepper„ Elsfreth" wurden drei Erwachsene gerettet. Ein anderes Boot nahm zwei Erwachsene auf. Vermutlich sind der sechste Erwachsene und sämtliche fünf Kinder ers trunken. Zwei Kinderleichen sind bereits geborgen worden. 44 Tote Und hunderte Verletzte am Nationalfeiertag Neuyork, 5. Juli. Die geftrige Feier des un abs hängigkeitstages hat zahlreiche Opfer gefordert. Ins folge von Unfällen bei Automobilausflügen, beim Baden und beim Abbrennen von Feuerwerk wurden in verschiedenen Teilen des Landes 44 Personen getötet und Sunderte verlegt. Auch die Ausföhnung Rußlands mit England it perfekt. Das Neueste Nach den ersten zögernden Taftversuchen, den ersten noch uns befriedigenden Unterredungen des russischen Außenkoms missars mit dem britischen Premier und seinem Außenminister erfolgte eine fühlbare Annäherung zwischen Sir John Simon und Litwinow. ,, Stürzt die Reichsmark!" Der Oberbürgermeister Sahm von Berlin, hat den Gläns bigern der Stadt mitgeteilt, daß Berlin zunächst nur 4 Pros zent seiner Schulden zahlen werde. Die Großdeutsche Volkspartei Oesterreichs versendet an ihre Mitglieder einen Anfruf, der zur Wieders herstellung der verfassungsmäßigen Rechte und zur Berstäns digung mit Deutschland auffordert. Bizekanzler v. Papen ist vom Papst und darauf von Mussolini in Privataudienz empfangen worden. Der Präsident der Abrüstungskonferens Henderson hat sich nach London begeben, um von dort anzutreten. Man arbeitet an ihrem vollkommenen Zusammenbruch aus eine Reise in die verschiedenen europäischen Hauptstädte als Aktion gegen Hitler- Deutschland! So wenig man in Deutschland von der schweren Erschüttes rung der Baluta etwas authentisch erfährt- so lebhaft bes schäftigt sich die ausländische Presse mit der drohenden polis tischen und wirtschaftlichen Katastrophe in Deutschland und dem damit verbundenen Zusammenbruch der Reichsmart. Jetzt veröffentlicht„ Rampart", eine bedeutende Pariser Zeitung, die über gute Verbindung zur Regierung verfügen soll, einen Bericht über Deutschland, der für die Führer in jeder Hinsicht vernichtend sei. Bom Sozialismus fei feine Rede. Die Herrschaften täuschten dem deutschen Volke nur vor, als habe es sich selbst wiedergefunden und dürfe fich bald eines allgemeinen Wohlstandes erfreuen. Hitler wolle ganz Deutschland zusammenschweißen, um dann an die Durch führung seiner wahren Ziele heranzugehen: Revanhe frieg, 3erreißung der Friedensverträge, Wiedereroberung der der abgetrennten Ges biete, der Kolonien, Im Zusammenhang damit warnt das Blatt gewisse Kreise in Frankreich, die Hilfsstellungen leifteten, um das Abgleiten der deutschen Währung zu verhindern, für die Welt sei es ein offenes Geheimnis, daß alle Voraussetzungen für den Totals zusammenbruch der Mark erfüllt seien." Rampart" sicht gegenüber den Plänen Hitlers nur zwei Möglichkeiten: 1. die sofortige Intervention, bevor die deutsche Armee aufmarschiert; 2. den Generalangriff auf die deutsche Wäh= rung mit allen revolutionären Konses quenzen. Das Blatt bemerkt zum Schluß, daß es nur eines geringen Anstoßes bedürfe, um die Reichsmark in den Abgrund zu schleudern. Diese Auffassung werde in maßgebenden Finanztreifen von Paris und London geteilt... Ein schweres Straßenbahnunglüd trug sich am Dienstag abend gegen 20 Uhr auf dem Alten Mark in Dresden zu. Dort fuhr ein Straßenbahnang infolge Bersagens der Bremse auf den vor ihm fahrenden auf. Der Zusammenprall war derartig, daß insgesamt 13 Personen verlegt wurden. Acht von ihnen mußten in das Krankenhaus übergeführt werden. Wie Havas aus Oran meldet, ist ein Autobus, der zwischen Oran und Tlemcen verkehrte, 10 km. von Tlemcen entfernt einen Abhang hinuntergestürzt. Dabei kamen vier Personen ums Leben, während noch zwölf verlegt wurden. Dem„ Matin" wird aus Lille gemeldet, daß dort am nächsten" Sonntag der Rechtsanwalt Robert Stahl die Priesterweihe erhalten wird. Mit Genehmigung des Kars dinalerzbischofs von Lille wird der neue Priester auch fünftig feinen Beruf als Rechtsanwalt ausüben. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Hubert Jüttner, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: " Boltsstimme" G. m. b. S., Saarbrücken, Schützenstraße 5 Sturm auf die Ostjunker beginnt »Siedlungsbolschewisten" im Kampf mit Beschützern der Großjunker— Brückner und Kube stehen gegen Göring und Hitler— Sie übernehmen sozialdemokratische Anträge, aber bei der Verwirklichung stoßen sie bei ihren obersten Führern auf heftigen Widerspruch— Schwer werden Gutshöfe gestürmt Nun bricht der Sturm im Osten los. Kein Zweifel mehr: Die nächste Etappe der«nationalen Revolution" bringt den Interessenkampf zwischen Großgrundbesitz, Kleinbauerntum und Siedlungsforderungen. Das ist der Hintergrund eines Konflikts, der soeben zwischen dem Nazi-Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, Bruckner, und dem Allmächtigen von Preußen, Göring, ausgebrochen ist. In einer Konferenz der schleichen Bauernorgani- sationen, die unter nationalsozialistischer Leitung stehen, forderte Brückner am 28. Juni, daß der gesamte Grundbesitz über l vllv Morgen und aller Boden, der nicht von dem Besitzer selbst bewirtschaftet wird, zwangsweise ent- eignet wird.Als Wertgrundlage soll die letzte Ber- mögenssteuererklärung des Besitzers als Grundlage dienen. Er soll durch Hingabe von Stücken einer unver- zinslichen rnd mit jährlich 1,5 Prozent zu amortisieren- den Anleihe abgefunden werden. Das Rad rollt Wie dieser Konflikt enden wird, ist jetzt schon klar: Der Nationalsozialismus ist eben weder Sozialismus noch Siedlungsbolschewismus, sondern ausgesprochen reaktiv- näre, bezahlte und ausgehaltene Söldnertruppe des In- dustriekapitals und des Großgrundbesitzes. Alle anderen Forderungen des Programms waren nur Tarnung für die Dummen» im Falle Großgrundbesitz für die dummen Bauern, die dem Rattenfänger von Braunau auf seinen Leim kriechen und ihm in seinen blutigen Kerker im Innern und in sein Menschen- schlachthaus des kommenden Krieges nach außen hin folgen sollten. Nicht umsonst haben keine Geringeren als der alte skrupellose Großgrundbesitzer-Fuchs von Oldenburg-Ianuschau, in dessen Charakter alle Banditeneigenschaften der alten Raubritter fröhliche Ur- stand gefeiert haben, und der Fürst von Eulenburg, einer der anderen Sklavenhalter des Ostens, ihren alt- adeligen Klassengenossen von und zu Köckewitz und Itzenblitz auf Kyritz an der Knatter die beruhigende Der- sicherung abgegeben, daßAdolsHitlerihnenhoch und heilig geschworen habe, der Groß- grundbesitz werde nicht angetastet werden! Das wird zwar die kleinen Bauern in Opposition zum Nationalsozialismus bringen— aberwofürhatman die bezahlten Landsknechte der SA. und S S.?! Hitlers Aufgabe, nach seinem eigenen Willen und nach dem seiner Auftraggeber, ist n icht die soziale Revo- I u t i o n, sondern die militari st ische Konter- revolution: Für die aber haben die Großgrundbesitzer des Ostens immer noch und zu allen Zeiten die Offiziere gestellt! Die nationalsozialistisch verseuchten Bauern des Ostens werden mit ihren Siedlungswünschen die Erfahrungen w i e d e r h o I e n, die vor mehr als 100 Jahren, und zwar vor und nach den sogenannten„B e s r e i u n g s- kriegen" ihre Vorväter gemacht haben. Der National- sozialismus kopiert getreulich mangels eigener Quali- täten zur Findung neuer Wege die damaligen Methoden: Man spricht von„Befreiungspolitik", man rüstet heim- lich auf, man militarisiert das Volk, man wird, wenn man sich stark genug fühlt und die Umstände günstig sind, den „Befreiungskrieg" starten lassen, und selbst wenn er aus- gehen sollte wie nach 1813— was er nicht wird!—, würden wiederum d i e, die die Opfer gebracht haben, die Betrogenen sein, und in der finstersten Stände- Reaktion würden der Feudaladel, die Militärclique, die hohe Verwaltungsbürokratie, das Industriekapital und der Großgrundbesitz die Nutznießer einer mit dem Blute der anderen erkämpften„Ordnung" der Dinge sein, die eine kaum verhüllte Leibeigenschaft des gesamten Volkes unter den„wenigen Auserwählten"(nach Göbbels) wäre. Aber inzwischen ist das Rad der Geschichte um mehr als hundert Jahre weitergerollt! So gerne die alt- preußisch-potsdamer Reaktion den großen Betrug am Volke wiederholen möchte, der ihr vor mehr als hundert Iahren unter Zuhilfenahme des preußischen Kommiß- stiefels so ausgezeichnet gelungen ist— inzwischen hat sich die Welt nicht zuletzt unterdemKlassenbewußt- seinderinternationalenArbeiterschaftso wesentlich verändert, daß der Versuch zu einem Experi- went, die Uhr der deutschen Geschichte zurückzustellen, nur damit enden könnte, das ganze Gangwerk des »Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation" heillos durcheinander zu bringen und mattzusetzen. Und wenn man dann wieder bei der Streusandbüchse dieses Reiches, der Mark Brandenburg, angekommen wäre, würde man s i e wahrscheinlich neidlos dem Geschlecht der Borgestrigen und ihren braunen Kulis überlassen. M. B. Kriegsrosfungep In der Tschechoslowakei Die Skobawerke in Pilsen arbeiten seit einiger Zeit mit Hochbruck. Die Kanonenabteilung, die Abteilung von Gra- natenzttnder und für Geschotzsüllung arbeiten mit voller Ka- pazitüt. Ein neuer Martinsofen wurde in Betrieb gestellt. Auch andere tschechische Waffenfabriken, in Brünn, Stra- konice und Prag arbeiten mit Hochdruck. Die Flugzeug- fabriken bekamen den Austrag auf Herstellung von 80 schweren Flugzeugen. Hand in Hand mit diesen Steigerungen der Produktion geht die Steigerung der Rohstahlproduktiou, Diese Forderung ist nichts neues. Herr Brückner hat sie nahezu wörtlich aus dem Text eines sozialdemokratischen Antrags abge- schrieben, der im Jahre 1932 vorlag, aber damals von der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion unbeachtet blieb. Inzwischen hat auch der Oberpräsident Kube ganz ähnliche Forderungen aufgestellt. Begreif- lich, daß die Forderung des Herrn Brückner einen Ent- rüstungssturm bei einer Anzahl ostelbischer Zunger er- regten! Sie beschwerten sich bei Hitler, Göring und Hindenburg. Göring telegrafierte seinem Pg. Brückner, er möge die Propagierung derartiger bolschewistischer Pläne unverzüglich einstellen— ein Telegramm, das kaum ohne ein Einvernehmen mit Hitler abgesandt worden ist. Aber Brückner bleibt, wie die uns vorliegenden Nach- richten behaupten, in der Geste der Opposition. Er hat die Forderung Görings abgelehnt, wobei er sich auf einige Abschnitte des nationalsozialistischen Parteiprogramms stützt. Dieses sei für ihn genau so bindend wie für den Reichskanzler ind den preu- ßischen Ministerpräsidenten. Brückner"uft dann noch einmal Hitler in seiner Eigenschaft als Reichsstalthaller für Preußen um eine Entscheidung an, weil er allein in einer so grundlegenden Frage«kompetent" sei. Wer in diesem Kampf auch nach außen hin unter^ siegt: Der Sturm von unten her, den man angefacht hat, wird kaum noch zu beschwichtigen sein. Die Kleinbauern wollen Land, die hungernden Massen verlangen Einlösung der Siedlungsversprechungen. Schon begin- nendieUeberfälleauföstlicheGutshöfe. Vielleicht haben sich Hitler und seine qroßagrarisch- schwerindustriellen Geldgeber die«nächste Etappe der nationalen Revolution" anders vorgestellt... „Ihr Leuteschinder, Ihr Großgrundbesitzer" Sturm auf einen Gutshof— Raub, Mißhandlung, Plünderung—„Ihr hättet schon von den Kommunisten aufgehängt werden müssen... Auf dem Gutshof von Zollen, dessen Be« sttzerin eine Frau Künkel ist, wurde ei« wüster SA.-Uebersall verübt. Die Frau erstattet darüber einen Bericht, den wir im Wortlaut wiedergeben. Er spricht für sich: „Am 1. Juni 1033 erschienen um 18.30 Uhr hier am Park- kor in Zollen plötzlich zwei Autos aus Landsberg an der Warthe mit zirka 12 Mann SA., barunter vier Führer. Der Führer Arendt aus Landsberg an der Warthe»rang be- waffnet mit Pistolen und Reitpeitsche und zwei Mann in die Hausdiele vor, in der meine Kinder, ein Mädchei- von 11 Jahren, ein Sohn von 16 Jahren, ein Gast, Fräulein Boldt von 70 Jahren, und meine Tochter von 18 Jahren standen und sich begrüßten: denn die beiden Kleinen waren soeben zu den Ferien nach Hause gekommen. Ich selbst stand im Wohnzimer neben der Diele und sah und hörte, wie der SA.-Ftthrer schimpfend ins Haus kam. Ich trat demselben, der mit der Reitpeitsche ausgeregt herumfuchtelte, rubig entgegen und fragte, was er von meinem Mann wünsche. Darauf brüllte er:„Das geht Sie gar nichts an. Wo ist Künkel?" Im selben Augenblick sah er meinen Jungen und brüllte diesen an:„Bist Du Künkel?" Er ohrfeigte meinen Sohn, weil dieser nicht schnell genug ant- wartete. Ich trat dazwischen und jagte ruhig:„Das ist mein Sohn, der jetzt aus Wald-Tieverodorf zu den Ferien hereingekommen ist." Die noch mithereingekommenen zwei SA.-Leute packten meinen Sohn sofort an beiden Armen und der Führer Arendt schlug unter Gebrüll weiter auf ihn ein. Jetzt wurde auch ich erregt und rief dem Führer zu:„Das ist Hausfriedensbruch, der Junge hat ihnen nichts getan. Wie kommen Sie dazu, den Jungen zu schlagen?" Da erging sich der Führer weiter in wüster Schimpferei, schlug mit der Reitpeitsche in seiner Erregung um sich, daß die Hiebe der alten Dame am Kops vorbeisausten und rief:„Führt den Jungen ab zum Auto." Daraus rief ich sehr energisch:„Dann fahre ich mit." Ich ging über die Veranda bis zum Auto mit. Da vackte mich der zweite Führer am Arm mit den Worten:„Sie bleiben hier." Ich darauf sehr energisch:„Nein." Da wurde ich losgelassen. Der Führer Arendt brüllte nun beim Auto weiter die tollsten Beschimpfungen gegen meinen Sohn und mich. Unter anderem: „Ihr Leuteschinder, Ihr Großgrundbesitzer, Ihr hättet schon von den Kommunisten aufgehängt werden müssen. Da die es nicht getan habe«, werden wir es besorgen." Ich erwiderte ihm darauf:„Wir sind keine Leuteschinder ge- wesen. Aber wie nennen sie eS, einen Jungen zu schlagen, ber Ihnen nichts getan hat?" Jetzt schlug er den Jungen nochmals. Darauf rief ich kurz entschlossen das Landrats- amt an und bat um 3 Landjäger, die die SA. verhaften sollte. Auch wandte ich mich telefonisch um Hilfe an den örtlichen Stahlhelmführer. Ich konnte den Bescheid am Telefon nicht abwarten, da meine jüngste Tochter rief:„Mutti, sie nehmen den Jungen mit." Ich ging deshalb schnell zurück, um zu verhüten, daß der Junge mitgeschleppt wurde. Als ich aus dem Hause trat, rief ich schon energisch:„Tie Herren''leiben noch eine Stunde hier, die Sache ivird»n» s e» oberen Führer geregelt. Darauf fuhr mich der Führer Busch- mann an:„Was haben Sie gemacht?" Ich sagte nochmals kurz und scharf:„Sie bleiben eine Stunde hier, ihre Führer werden die Sache regeln." Auch beim Auto wiederholte ich: „Die Herren bleiben alle noch eine Stunde hier." Der Führer Arendt aber erwiderte:„Das tun wir nicht." Sie ließen dann aber doch meinen Jungen los. Ich trat dem Führer entgegen:„Sie werden solange hierbleiben." Der Führer Arendt aber brüllte ununterbrochen und ging mit zwei TA.-Leuten auf den Hof, während die übrigen ins Auto stiegen. Ich bat um die Namen. Es war mir nämlich bekannt, daß der preußische Innenminister verfügt hatte, daß die SA. Polizeibesugnisse nur in Begleitung von Landjägern oder Bcrusspolizeibeamten anSäl^n:rften. Sie veriveigerten aber die Namensnennung. Darauf sagte ich zu meinem Sohn:„Schreibe die beiden Autonummern ans." In diesem Augenblick kam der Führer Arendt zurück und als ihm die SA. sagte, daß ich die Autonummern auf- schreiben wolle, kam er mit erhobener Reitpeitsche auf mich los. Ich sah ihn aber furchtlos an und sagte: „Es ist ein« große Heldentat, eine wehrlose Frau zu schlagen." Die erhobene Hand des Führers war für meine große Dogge das Signal, sich von der Hand meiner Tochter los- zureißcn und den Führer anzuspringen. Ich war über das rüde Verhalten desselben maßlos erregt und rief:„Pack an!" Darauf brüllte der Führer:„Schießt das Biest tot!" Darauf seuerten die am Parkzaun stehenden SA.-Leute mehrere Schüsse an mir und an den Füßen meiner Kinder vorbei. Der dritte Schuß traf die Dogge. Nach der Schießerei sprangen alle schnell ins Auto und fuhren ab. Ich ging sofort ans Telefon und gab dem Herrn L a n d r a t v. S a l d e r n Bericht über den Borfall, ebenso dem Orts- gruppenführer des Stahlhelms, Schulze, in Soldin. Vorstehende Angaben bin ich bereit zu beschwören. ■ Frau Künkel, Zollen. Herr NSDAP-Minister Sdimlflverindel Erich Baron Die Nationalsozialisten haben Pech. Erst stellt sich heraus, daß ihr„Führer" einem arisch durchaus nicht einwandfreien Geschlecht entstammt, dann hört man von Hindenburg, daß sein Gut arisch nicht einwandfrei ist und jetzt— ganz ab- gesehen von der undefinierbaren rassischen Abstammung des Herrn Göbbels— müssen wir leider feststellen, daß auch der neue Herr Nazi-Minister Herr Schmitt von der Allianz- Versicherung ein durchaus„undeutscher" Mann ist, der es vor gar nicht langer Zeit noch fertig brachte, einem Juden — man denke!— öffentlich die Hand zu schütteln und ihn zu belobigen. Und zivar hat sich dieser tragische Vorfall abge- spielt anläßlich des jährlichen Wettbewerbes der einzelnen Allianz-LandeSdirektionen, bei der im vergangenen Jahr die Direktion Magdeburg, die die besten geschäftlichen Erfolge gehabt hatte, den Sieg davontrug. Es war im Gürzenich in Köln am Rhein, als ber jetzige Nazi-Minister diese Tatsache im Rahmen der großen Feier aus Anlaß der Wettbewerbs- Siegerehrung diese Tatsache feststellte und den Leiter der er- folgreichen Landesdirektion öffentlich belobigte., ihm die Hand schüttelte usw.— Wir wissen nicht, ob es Herrn Schmitt sein Ministeramt kosten wird, aber unumstößliche Tatsache bleibt, daß dieser Herr B e r n st e i n heißt und es leider nicht von der Hand zu weisen ist, daß er I u d e ist. Wie man weiß, hat Herr Schmitt inzwischen die Konjunk- tur besser erfaßt und ist ganz zu Hitler abgeschwenkt. Frage: Hat er geheuchelt, als er einen Juden lobte, oder heuchelt er etwa jetzt?» öS Millionen veiaishevölhernng Berlin, 4. Juli. Nach den soeben im Statistischen Reichs- amt zusammengestellten vorläufigen Ergebnissen der Volks- Zählung vom 16. Juni beträgt die ortsanwescnde Bevölke- rung des Deutschen Reiches ohne Taargebiet 65L Millionen Einwohner. Dieses Ergebnis bleibt um rund 2,5 Millionen hinter der Einwohnerzahl des Deutschen Reiches vor dem Kriege zurück(67,8 Millionen im alten Gebietszustand des Reiches).> Gegenüber der Zählung vom 16. Juni 1025 hat die Reichs- bcvölkerung um rund 2,7 Millionen zugenommen. Von der Gesamtbcvölkerung entfallen 81,7 Millionen aus das mann- liche und 33,6 Millionen auf das weibliche Geschlecht. Der absoluten Bevölkerungszahl nach ist Deutschland nächst Ruß- land der volkreichste Staat Europas. Biner von den vielen Unter denen, die gleich in der Nacht des Reichstagsbrandes verhastet wurden, im ersten Schub der habhast gemachten „Kulturbolschewisten" also, befand sich auch der Schriftsteller Erich Baron, Heransgeber der Zeitschrist„Das Neue Rußland" und Leiter der„Gesellschaft der Freunde des neuen Rußland". Erich Baron wurde in das Gefängnis in der Lehrter Straße gebracht. Er, ein feinncrvigcr Mensch, war dem seelischen und körperlichen Terror nicht gewachsen und entschloß sich zum Selbstmord. Sieben lange Briefe schrieb er an seine Angehörigen, alle sieben Briese wurden von der Gesängnisvcrwaltung an das Polizeipräsidium zur Weiterleitnng befördert, aber dort zurückbehalten. In diesen sieben Briefen schildert Erich Baron seinen vollkommen zer- rlltteten Gesundheitszustand und bittet seine Angehörigen und Freunde nm Verzeihung» daß er außer Stande sei, den immer stärker auf ihn eindringenden Zwangsvorstellun- gen, die ihn unfehlbar dem„Selbstmord in die Arme trei- den", zu entgehen. Obwohl aus diesen Briefen die vollstän» digc Zerrüttung des Absenders hervorging, lehnten die Be» Hörden das wiederholte Ansuchen Barons ab, ihn auch nur in das Anstaltslazarett überführen zu lasse«. Das Ende war» daß Erich Baron verblutet in seiner Zelle ausgesunden wurde. Er hatte sich mit verzweifelter Willensanstrengung die Pulsadern beider Hände durchgeschnitten.... Bin deutsches Arbeiterbudget Ein Berliner Arbeiter, Vater einer fünfköpsigen Familie, stellt sein Fettbudget zur Verfügung und illustriert dadurch Hitlers Kettpolitik, die vor 2 Monaten mit großem Lärm eine angebliche Verbilligung durch Reichsfettkarten bringen sollte. Bis vor kurzem brauchte diese Familie wöchentlich 5 Pfund Margarine zu 25 Pfennig, jetzt kostet sie 65 Pfennig pro Pfund. Ferner brauchte er 2 Pfund Schmalz zu 45 Pfen- nig, jetzt zu 75 Pfennig, ein halbes Pfund Palmin zu 64 Pfennig, jetzt zu 88 Pfennig,'/, Liter Oel für 15 Pfennig, jetzt für 25 Pfennig und 15 Eier zu 0, jetzt zu 11 Pfennig. Das ergibt insgesamt eine wöchentliche Mehrausgabe von ».12 Mar» REMUS: Reichshaushalt Bankrottwirtschaft! Der Steuerzahler darf nicht wissen, was die Hitlerregierung mit seinem Geld macht Ohne Kontrolle! Das erste und vornehmste Recht der Volksvertretung war huch in Deutschland die kritische Durchleuchtung des Etatentwurfs, die Beschlußfassung über Aenderung und schließlich die Erhebung des festgestellten Entwurfs zum Gesetz. Das gibts im Hitler- Deutschland nicht mehr! Das ParXament, nur noch eine Einkommensquelle für parlamentarisch arbeitslose M. d. R. Pgs., ist praktisch durch den widerrechtlichen Hinauswurf von Sozialdemokraten und Kommunisten lediglich noch ein Aushängeschild für das erste Stadium der germanischen Demokratie" des Herrn Dr. Göbbels. Die" Restbestände" des Reichstages werden noch nicht einmal bemüht, kein Ausschuß tagt, keine Rechenschaft über die Steuergroschen der Bevölkerung wird abgelegt, der Führer" dekrediert und siehe da eins, zwei drei, der Etat ist da! Herrlich, was? Und wie schaut er aus! Vergleichszahlen werden überhaupt nicht gegeben, die Deffentlichkeit wird nur durch eine inhaltlose summarische AufBählung der Haupttitel des Etats unterrichtet". Die Steuern hat man unter Berücksichtigung einer gewissen Belebung der Wirtschaft" geschäßt. Aus Steuern und Zöllen sollen nach dem eigenen Geständnis der Nazivolksbeglücker troß gewaltigem Rückgang der Ein- und Ausfuhr zweihundert Millionen deutsche Reichsmart mehr herausgepreßt werden. Die Schäßung, die mit einer Belebung der Wirtschaft rechnet, ist angesichts der wirklichen Lage in Deutschland nichts weiter als ein elender Bluff! AbgeJehen von der Belebung der Uniformtuch- und Le= berindustrie und einem saisonmäßigen Niedergang der Arbeitslosigkeit ist von einer Belebung der Wirtschaft nichts su merken, zumal selbst die in den Konzentrationslagern und Gefängnissen benötigten Lederpeitschen zuvor von den Gefangenen hergestellt werden müssen. Die Hitlerregierung, die auf der Einnahmeseite mit fittiven Bahlen rechnet, sucht im übrigen den Ausgleich des Diftat- Etats durch Verkauf von Borzugsaktien der deutschen Reichsbahn herzustellen. Hungerzahlen! Auf der Ausgabeseite hat der„ Boltsfanzler" fefte gestrichen. Mehr noch: Er löst feine der Versprechungen ein die er dem Volt gegeben hat!' Nichts von Uebernahme der Wohlfahrtslasten der Gemeinden auf das Reich. Keine Mark für die Verbesserung des Loses der Arbeitslosen, keinerlei Senkung der drükkenden Massensteuern, dafür aber Senkung der Automobilsteuer! Für Versorgung der Kriegs opfer und ihre Hinterbliebenen stehen noch ganze 1040 Millionen Reichsmark bebliebenen stehen noch ganze 1040 Millionen Reichsmart bereit. Bei einem Bedarf von etwa 2 Milliarden allein für Arbeitslosenunterstüßung will Hitler ganze 520 Millionen Mark bereitstellen, die auch noch zur Arbeitsbeschaffung dienen sollen. Obwohl im Reich im ganzen noch 6 Millionen Erwerbslosen vorhanden sind, hat die Hitlerregierung allein 400 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahr zum Nachteil der Arbeitslosen gestrichen. Fürwahr, ein sozialer Volkskanzler"! Für die Wohlfahrtspflege hat der größte aller Deutschen" 200 Millionen übrig, wovon allein 150 Millionen Mark auf die Fettverbilligung entfallen. Es verbleiben also zur Linderung des Elends im Reich nur 50 Millionen! Für das Wohnungswesen, daß von Ländern und Gemeinden keinerlei Förderung mehr erfährt, stellt Herr Hitler trotz dem riesenhaften Mangel an Kleinwohnungen nur 100 Millionen Mark zur Verfügung. Der Syndikus der , Gleichgeschalteten" Bauhandwerksmeister, der diese Nach richt gerade beim Friseur las, mußte sicherem Vernehmen nach doppelte Tage zahlen. Für die Länder, die sich durch ihre Reich 8 statt. halter alle als notleidend vorgestellt haben, stehen als Trostprämie 130 Millionen Reichsmart zur Verfügung, ein verschwindender Betrag gegenüber der durch Beamtenneuernennungen start aufgeblähten Haushaltsführung dieser öffentlichen Körperschaften. Die Gemeinden Von den Gemeinden redet man in diesem Zusam menhang schon besser gar nicht. Wenn man aber doch versucht, sich ein Bild zu machen, dann findet man Zustände vollendeter Hilfslosigkeit und jämmerlichen Versagens! Hitler überläßt die Gemeinden ihrem Schicksal, Bewährte Oberbürgermeister und Bürgermeister hat man abgesezt. Junge unerfahrene Pgs. traten auf Befehl des Führers an ihre Stelle. Sie können nicht wirtschaften, der Dalles ist da. Das Reich hilft nicht, die Länder haben selbst ihre Last, um die Gehalte für die neuernannten Parteibuchbeamten sicherzus stellen und so beweisen die neuen Herren als„ nationale So zialisten" ihre Kämmererfähigkeiten an der Verweige rung der Zinszahlungen zum Nachteil ihrer Gläu biger, an der völligen oder teilweisen Einstel Iung der Tilgung und vor allem an der Kürzung aller sozialen Leistungen. Aufwendungen für das Gesundheitswesen gehen mächtig zurück. Teilweise werden sie völlig gestrichen. Die Unterstützungssäge für Wohlfahrtsempfänger jeder Art werden gekürzt und wieder gekürzt. Die Masse des Volkes trägt die Folgen des finanziellen Bankrotts. Jm äußersten Fall gewährt die Akzept und Garantiebank in Berlin mit Zustimmung der Reichs bank(!) Kredite gegen Verpfändung von Gemeindevermös gen, die vielfach mit einer Benachteiligung der alten Gläu biger der Gemeinden verbunden sind. Was verschwiegen wird Das Interessanteste am Reichshaushalt aber ist das, was nicht darin steht. Wo stecken die Aufwendungen für die 15 Reichsstatthalter? Wie hoch sind die Aufwandsentschädigungen für diese Herren, die bereits ein Reichsministergehalt und die Kleinig feit von 3600 Mark Wohnungsgeld beziehen, also allein für Wohnungszwecke pro Woche 70 Mart ausgeben können! Wo stecken die Aufwendungen für die Ausgaben, die Herr Hitler macht, von denen er aber nicht gerne spricht, wie SA.s Hilfspolizei, Waffenkäufe usw.? Wo stecken die Aufwendungen für die Maßnahmen aur besonderen Verwendung?" Das sind nur einige Bemerkungen zu diesem famosen Etat, der ausgeglichen sein wird, wenn die Bemühungen der SA., die Marxisten und Juden in den Konzentrationslagern zu „ erziehen", etwa 5 Millionen frische Gräber auf deutschen Friedhöfen gebracht haben. Hunger, Elend, Terror, Folter, Haft und Rechtlosigkeit find das Schicksal des Volkes in Hitler- Deutschland. Bezah len, bezahlen, bezahlen, wer nicht sogleich zahlt, wird von SS. und SA. zum Amt geschleppt und dort entsprechend verwarnt". Zu reden hat das Volk nichts, es darf nicht fragen, es muß berappen und stille sein! Armes Deutschland, armes Volk! Wer ist illegal? Wir sind im Kampfe gegen Jilegalität Das Wort illegal" ftammt aus dem Sprachschatz der pbrigkeit- ftaatlichen Polizei und heißt, aus dem Lateinischen ins Deutsche überseßt, unge jeglich". Leider ist es ges Inngen, dieses Wort auch in die Sprache der Sozialisten eins zuschmuggeln. Man spricht von illegaler Arbeit" und nennt fich wohl selber mit Stolz illegal". Nun ist aber die Anwendung dieses Ausdrucks auf die gegenwärtige Arbeit der Sozialdemokratie eine groteste Ums fehrung aller Begriffe. Illegal find nicht wir und unsere Bestrebungen. Illegal, wider Verfassung, Gesez und alle menschlichen Begriffe von Recht und Gerechtigkeit, find die Bustände, die heute in Deutschland herrschen, und Gesetz brecher, Rechtsbrecher sind nicht wir, sondern es sind die Leute, die diese Zustände herbeigeführt haben. Pariser Spaziergang Deutsche auf der Métro So viel ist in der Sprache Karl Marrens schon lange nicht mehr auf der Métro, der Pariser Untergrund, gesprochen worden, wie in diesem so seltsam von Hitler begangenen Wagnerjahr. Bloß die Franzosen verstehen es nicht und halten es für die Sprache der Cherusfer. Man sollte es manchmal etwas leiser sprechen. Bünftiges Bayerisch, Kölnisch, Plattdütsch, alle trauten Dialette wandeln vom Montparnasse bis in die elsässischen Felder durch diese internationale Stadt, manche sogar in hamburgischer Bimmermannstracht, das fällt hier weiter nicht auf. Manche handeln mit Patenten, Schokolade und Bohnerwachs, die Italiener, die schon länger Uebung im Emigrieren haben, fagen, am besten ist es mit Eiern und Stopfgarn. Das kann Jein. Was soll aber auf die Dauer aus den armen Opfern, wenn sie fapute Stiefeln haben, werden? Eine gemeinsame Beratung des Siedlungsprogramms ist dringend. Arbeit zu finden, das ist hier, wo selbst mancher Stempelt, verdammt schwer. Landarbeiter im Süden, wo die Oliven wachsen, das mag noch gehen, und dann fällt für die Mädels, die gerne große Wäsche haben, wohl mal was ab, im ganzen aber herrscht viel Kohldampf. Schrecklich dieses Haus der Tränen im Norden, in der Rue Vintimille, wo die aus der Heimat verjagten von Frankreich, dem alten Asyl der Bedrängten, gepflegt werden und Bett- und Eẞmarken bekommen. Ein neuer Rialto in der großen Tragödie der Juden, wird einst historisch sein, dies Haus, wie die Bastille und das Ballhaus! Oben auf der Höhe von Montmartre, wo die weißen Kuppeln von Sacré Coeur bis weit über die Stadt flammen, ist das deutsche Elend zu Haus. Viele Stufen, unten von den Negerbällen und den Amüsierlokalen führen hinauf. Blusen und Weiber werden hier an allen Ecken verkauft. Aber manchmal klingt die Stimme des größten der deutschen Emigranten, Heinrich Heine, aus dem Montmartregrabe und ruft den deutschen Gamaschen in Berlin ein Halt zu. Sie werden es nicht schaffen. Landsleute im Wörterbuch Die Deutschen sinden hier eine Reihe von deutschen Wör tern vor, die schon von ihnen ausgewandert sind. Da ist L'Angschluß, sprich: Langschlüß, ein ganz geläufiges franzö fisches Wort, denn Dollfuß, der seinen braunauer Landsmann start mit dem Hahnenschwanz getibelt hat, ist große Wenn wir mit allen weitern, one uns zweckmäßig erscheinen, diese ungefeßlichen, rechtswidrigen Zustände zu ändern bes strebt find sind wir deshalb illegal? Nein, wir sind im Kampfe gegen die Illegalität der deuts schen Zustände. Borkämpfer einer neuen Legalität, die die ursprünglichsten Begriffe von Recht, Anstand und mensch licher Gesittung wieder zur Geltung bringen will. Sind wir etwa" illegal", wenn wir das Recht, über die deutschen Zustände unsere Meinung zu sagen und diese Meis nung in Deutschland zu verbreiten, für uns in Anspruch nehmen? Nein, wir nehmen uns nur das Recht wieder, das man uns verbrecherischer Weise raubte, als man unsere Presse verbot mit der bewußt erlogenen Begründung, der Reichstagsbrandstifter habe im Einvernehmen mit uns gehandelt. Mode. Auch die Lyoner Seidenbluse mit dem schottischen Muster oder die weißen Sommerhüte sind ja hier zu be staunen, aber der etwas frazbürstige Kopf des Wiener Diktators ist doch noch mehr das Thema an der Straße des 4. September bei der Börse und beim Rennen. Und wer es auch nicht glauben will: ganz in meiner Nähe auf der Avenue de Versailles, befindet sich eine richtige österreichische Bäckerei. Es geht eben auch mit der deutsch- französischen Freundschaft, wenn man es nur richtig anpackt, und etwa eine Rue Stresemann fönnte ich mir jederzeit denken, einen HorstWessel- Platz freilich nicht. Schade, daß sich einstweilen bloß die komischen Worte wie:„ Ie führer", le tronprinz" oder„ le 3 teme Reich" hier Bürgerrecht er worben haben. Der schöne Adolph selbst,„ le bel Adolphe", hat es ebenfalls bei allen Franzosen zu ungetrübter Heiterkeit gebracht, denn auf das Hakenkreuz, la croir gammée, das etliche geheime Jünglinge aus Deutschland in einigen Dancings verbreiten, beißt der Gallier so leicht nicht an. Loreley und Dr. Ley,- auf die Gleichschaltung" tönnen wir warten. Vatting im Bistro Batting, fist jetzt mit Andacht beim Bistro, dem bon Bu diker, im vertrauten französischen Tabaksladen und tippt dort einen schwarzen Kaffee weg, für 40 Centimes( beim Siben ists teurer). Wenn Vatting auch noch einen Pinard genehmigt, den billigen Rotwein und Haustrunt, den hier jeder französische Arbeiter einnimmt, so hat er die Freude, daß diese berühmten Worte soeben von der hohen franzö sischen Akademie in das große heilige Wörterbuch dieses alten Kulturlandes aufgenommen ist. Eine Ehre, die der gleichfalls beantragten pipelette, der Pariser Mutter Porfierfrau, versagt blieb. Wenn Krause also jezt am 3int", an der Pariser Thefe daheim an seine Gurken denkt, so weiß er wenigstens, daß seine Wissenschaf mit fühlt. Hochzeit mit vier Pferden Paris mit seinen Araber- und Chinesenvierteln ist eine wirklich internationale Siedlung. Ein Effendi mit vier eleganten Weibern, der daheim seine Felachen rackern läßt, so was fällt gar nicht auf, höchstens ein deutscher Korpsstudent... So hat fürglich eine glutvolle Spanierin hier einen Prinzen von Bourbon umgebracht, einen falschen allerdings, aber mit einem echten Rasiermesser, es gab einen schnellen Freispruch, und diese Woche heiratete die Milliarden- Erbin von Woolworth gar einen echten Kaukasus- Prinzen. Natürlich trug sie nicht die eigenen Fabrikate zu Einheitspreisen, Und soll es gar" illegal" fein, wenn wir das Eigentum der Arbeiterbewegung vor Räubern zu schützen, es seinen urs sprünglichen Zweden zu erhalten bestrebt sind? Seit wann handelt der Dieb„ legal" und der Bestohlene illegal"? Wollten wir uns selber als die„ Illegalen", die„ Ungeseks lichen" bezeichnen, so würden wir damit die Hitler, Göring und ihre Spießgesellen als die„ Legalen", die„ Ges feglichen" anerkennen, die sie nicht sind und gar nicht einmal sein wollen. Erklären sie doch selbst die Vernichtung der bisherigen Legalität für ihre geschichtliche Aufgabe. Zur Schafs fung eines neuen Zustandes der Gesetzlichkeit sind sie aber noch nicht gekommen, und alles, was sie tun, ist verbrecherische Willkür. Lassen wir uns also nicht durch den gedankenlosen Gebrauch eines gefährlichen Wortes in eine falsche Stellung drängen; Alles, was wir tun, beruht auf Gesez und Recht und gilt dem Kampf für die Herstellung einer gerechten menschenwürdigen Rechtsordnung. Nicht wir, sondern unsere Feinde sind illegal! sondern ein Gedicht in weißem Satin mit breiten Aermeln und vielen Falten sowie für Zehntausende von Franken Diamanten und eine Edelsteinspange an einem Brüsseler Schal, was großes Aufsehen erregte. Außerdem war der Hochzeitswagen, da man für sein Geld etwas Besonderes haben will, nicht mit Motoren und Chauffeuren, sondern mit vier Pferden a la Daumont bespannt. Kurzum, es war fabelhaft und beinahe so vornehm wie bei der Romreise des Herrn Arbeitervertreters Ley, als er mit Dr. Göbbels, dessen gleichgeschalteter Frau Gemahlin und dem persönlichen Adjus tanten des Ministers Prinzen Schaumburg- Lippe Mussolint besuchte. Auch Adolf kann sich die vier Pferde für seine nächste Verlobung merken, nachdem ihm die Erbin von Walhall, Frau Winnifred Wagner, wie wenigstens die Pariser Blätter andeuten, einen großen Korb erteilt hat. Die sieben Hauptsünden Es gibt verschiedene Sünden in Paris, aber im ganzen ist diese Stadt der Arbeit sicherlich besser als ihr Ruf, und die sieben Hauptsünden laufen auch nicht am Platz Pigalle herum, sondern ein Ballett, das Brecht und Weill, weltbekannt durch ihre Dreigroschenoper, zusammengestellt haben, und das es richtig jeht zu einer Erstaufführung in den Champs Elysees trop mancher kritischen Stimmen gebracht hat. Auch sonst ist hier die eine Ecke vom Parnaß zur Zeit deutsch. Furtwängler leitet gar in der großen Oper den Tristan und die Walküre, eine Aufgabe, die Berlin höchstwahrscheinlich nächstens den Gauleitern übertragen wird. Auch Berühmtheiten vom Film und vom Theater Deutschlands sind in Massen hier, und mancher, der beim großen Autodafe der Bücher verbrannt wurde oder auf der schwarzen Liste steht, läuft hier in der Gegend des Triumphbogens herum. Auch Tauber, mein Tauber, und Marlene Dietrich in Jungenshosen sind angelangt, wenn auch nicht gerade als arme Flüchtlinge. Hoffen wir, daß auch das deutsche Flüchtlings- Ensemble für das Elsaß, daß auch gut an der Saar spielen könnte, zustande kommt! Eigenartig nur, daß in dieser Stadt, die Heinrich IV. einer Messe für wert hielt, die Frage in Sachen deutscher Filme sehr verstrickt liegt. Obwohl gegenwärtig nämlich in Berlin der SA.- Mann über die Leinwand steigt, will man in Paris von einem Boykott der Ufa, die auch etliche französische Sterne ernährt, nichts wissen. Als fürzlich beim Anblick von Ufa- Streifen einige Leute schrien, hat eins der größten Boulevard- Blätter mächtig abgewinkt. Also jedenfalls im Kurbelfasten hat Hugenberg, der König der Ufa, wenn es ihm sonst mit Stahl und Wilhelm auch schlecht gebt, einstweilen nichts zu befürchten. Bapti t t t t t Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" Heute endlich Hochzeit" Darlehen bringen Ehehausse in Deutschland Im August! Im August! Im Berliner Reichsfinanzministerium herrscht legt ein phantastischer Betrieb. Tausend und aber Tausend Bewerbungen um Ehedarlehen, so schreibt ein deutsches Blatt, werden nach den deutschen Gauen versandt- dorthin, wo sie her famen, und zwar fälschlicherweise herkamen, denn nur die Gemeindebehörden sind für die eiligen Bräutigame zuständig und für die Bräute, die es noch eiliger hatten. Schon immer war das Reichsfinanzministerium das Ziel unrichtig beschrifteter Bittgesuche. In den letzten Wochen ganz besonders. Viel unnüze Arbeit mußte erledigt werden, aber man leistete sie gern. Man lächelte und schwitzte um die Berge von Gesuchen. Ein goldener" Schimmer lag auf den Amtsstuben. Nicht, daß einer wieder einmal eine neue Art Gold herzustellen behauptet hätte, nein, dieses Gold war echter. Goldener Humor, schon mehr goldiger Humor ging von diesen Hochzeitsanträgen aus. Ja, es war so, die Leute im Reiche stellten dem Minister anheim: Entweder bekommen wir die 1000 art, oder wir heiraten nicht! Wir lehnen die Verantwor tung ab, bitte, wie ihr da oben wollt... Eine tolle Sache leistete sich ein Hochzeitspaar in Heidelberg, das sogar telegraphisch sein Ehedarlehen vortrug. Der Reichsfinanzminister wird schön erschrocken sein, als ihn in wichtiger Sibung der eilige Amtsbiener mit dem Blistelegramm ftörte. Der Text lautete wörtlich: Heute endlich Hochzeit, erbitten Beihilfe und Glückwunsch." Diesem Heidelberger Paar ist sicher Angst geworden, es würde nicht mehr bei der Verteilung der tausend Mark in Betracht kommen, besser gesagt, noch nicht in Betracht kommen, denn es hat ja den Entschluß zur Ehe gefaßt, ehe das Gesetz bekannt wurde. Doppelter Betrag müßte ihm ausgezahlt werden, es hat Mut bewiesen. Mehr jedenfalls als die ungezählten tausend Angstmeier, die meinen, unbedingt das Ehedarlehen erhalten zu müssen, andernfalls... Ein Beispiel von dieser Sorte. Ein Berliner schreibt: Mit dem Tausender werd id mir bei dem Schwieger be= teiligen, anders kommt det jarnich in Frage..." Am heirats lustigsten in Deutschland ist man in Breslau. Man merkt den Gesuchen an, daß ihre Schreiber ordentlich aufatmen in neuer Hoffnung. Alle Berufe sind unter den Bewerbern zu finden. Doktoren und Assessoren eine ganze Menge. Viel Ernstes kann man hier lesen. Einer weist in einem umfangreichen Schriftsaz nach, daß die Lage der Akademiker viel schlechter sei, als die der Arbeiter. In meinem Stand nämlich muß geheiratet sein. Langes Herumziehen oder gar in einem eheähnlichen Verhältnis leben, bis wir eines Tages die Mittel zur Gründung eines richtigen Hausstandes haben, ist in meinem Stande unmöglich..." Sogar Lichtbilder wurden dem Ministerium eingesandt. Als Beweis für die auch ordentlich vollzogene Vers lobung sollen sie gelten. Die Dame lints unten ist meine Braut. Deswegen ersuche ich dringend um postwendende Absendung der tausend Mart." Wenn das bei der Kontrolle der Angaben keinen Eindruck macht, was soll da noch Eindruck machen? Und noch eine ganz andere Sorte von Män nern findet sich unter den Antragstellern: die Ehemänner! Man höre und staune. Folgendermaßen schreibt ein braver Ehemann:... und müßten Sie auch was für mich tun. Ich bin vier Jahre verheiratet und muß endlich ein Radio haben, da mir die Ehe zu lang= weilig ist. Anders halte ich es nicht mehr aus. Helfen Sie mir, mein Glück wieder zu erlangen.. Eifrig sind die Beamten mit einem Lächeln dabei, die Gefuche zu sortieren. Ganze Säde werden für jede Stadt zusammengepact. Zeitraubend war das Sichten, noch zeitraubender ist jetzt das Packen und Verschicken. Jetzt haben die Brautprüfer" das Wort und dann erst werden die ganz vorsichtigen heiraten. Im August geht es los.. ist Wenn damals schon... aber unstreitig die Offenbarung, was zu Beginn des genordet werden müssen. Der Höhepunkt der Darstellung sechzehnten Jahrhunderts geschehen wäre, wenn.. Aber hören wir ihn selbst( Seite 24): statt Luther Hitler erschienen wäce! Der Wiener Mittelschullehrer Dr. Richard Suchanet, der er es Suchenwirth bis zum Leiter des Kulturamtes der NSDAP. und Landesführer des NSBO. Desterreichs gebracht hat, ist unter die sozusagen wissenschaftlichen Schriftsteller gegangen und veröffentlicht im Leipziger Verlag Quelle und Meyer, der ehedem einen Namen zu verIteren hatte, unter dem Titel Vom Ersten zum Drit ten Reich" eine phrafengeschwollene Geschichtsflitterung, nach der Ankündigung des Verlages eine Schrift, die in die Bücherei jeder Schule gehört" Wir erfahren aus ihr zum Beispiel, daß, wenn es im Mittelalter nach seinem, des Verfassers Kopf gegangen wäre, ,, es heute keine Tschechen im Herzen Europas, keine Polen, keine Letten und Litauer gäbe", also offenbar auch feine Suchanets, die erst notdürftig in Suchenwirths aufEs war eine Zeit der Möglichkeiten für einen großen Volksmann, der wortgewaltig die Massen begeistert und politisch nach dem einen nationalen Ziele au lenken vers Ereignisse und Geschichten Stundenfluch der ,, Beefsteak S.A."* ( Frei nach einem Neujahrsgruß aus dem Jahre 1862, Verlag Paul Schnapp, Charlottenburg) O Satan, der Du aus der Hölle in die Welt gekommen und uns die Welt zur Hölle gemacht hast, Heil Hitler! Gib den Glücklichen das Erbarmen und nimm den Erbärmlichen das Glück! Heil Hitler! Seße dem Ueberfluß Grenzen und laß die Grenzen überflüssig werden! Heil Hitler! Nimm den Wucherern das Getreide und laß das Getreide wuchern! Heil Hitler! Laß uns nicht unterdrücken durch Steuern und steuere der Unterdrückung! Heil Hitler! Gib den Schwindsüchtigen eine feste Konstitution und unserer Konstitution die Schwindsucht! Heil Hitler! Gib allen Gefesselten die Freiheit und nimm der Freiheit alle Fesseln! Heil Hitler! Gib allen Kranken das Hitler- Heil und heile Hitler von aller Krankheit! Heil Hitler! *) Ein richtiges" Beefsteak ist bekanntlich außen braun und innen rot! " Gleich null" Gleichschaltung der deutschen Musik Das 63. deutsche Tonkünstlerfest, das vom 19. bis 22. Juni in Dortmund stattfand, hat in den führenden deutschent Musikkreisen große Enttäuschung hervorgerufen. Der Allgemeine deutsche Musikverein, der dieses Tonkünstlerfest seit Lisztzeiten jährlich abhält, ist gleichgeschaltet worden und infolgedessen ist die Auswahl der gespielten Werke unbeschreiblich mager gewesen. Große Zeitungen stellen die Unergiebigkeit des Tonkünstlerfestes unumwunden fest. Die„ Frankfurter Zeitung" bemerkt, daß aus außermusikalischen Gründen in letzter Stunde noch einige Werke ausgewechselt worden waren". Die Deutsche Allgemeine Zeitung" charakterisiert einige der aufgeführten Stücke als Stücke festes ist gleich null. „ völliger Einfaltslosigkeit". Das Ergebnis des Tonkünstlerverstanden hätte. Sagen wir es rund heraus: ein A boli Streiche und blase mit Hitler Hitler hätte damals auferstehen müssen und wir hätten ein einiges Deutschland bekommen. Wir wären hente das erste Volk in der Welt, die Beherrscher der bewohnten Erde, Niemals hätten wir einen Dreißigjährigen Krieg erleben müssen. So aber erschien leider nur" Martin Luther ,,, der wuchtigste Redner vor Hitler aber leider nicht, was Deutschland am dringendsten benötigt hätte". Und so blieb uns das Los erspart, die Suchanet- Suchenwirths als Beherrscher der ganzen bewohnten Erde zu sehen. Vielleicht ist es aber schon schlimm genug, daß Beute dieses Schlages ihre geschichtliche Weisheit an die wehrlose Schuljugend verzapfen dürfen. DecTscheche Czech schreibt über Hitler Beitschrift heraus„ Deutschland von heute. Die Biographie des Biographen Bon beftinformierter Seite wird der Prager Presse" geschrieben: Bibove Noviny", weiters ein Ostrauer tschechisches Blatt, auch Wiener Zeitungen veröffentlichen die Meldung, daß der Biograph Adolf Hitlers, Erich Czech- Jochberg, ein Neffe des berühmten tschechischen Dichters Syatopluk Gech ist. Ich kann die Richtigkeit dieser Meldung nicht nur beſtättgen, sondern auch durch interessante Details ergänzen. So hat sich Erich Czech, als er in Olmük und Mährisch Ostrau an liberalen Blättern tätig war, oft und oft seiner Verwandtschaft mit dem großen tschechischen Dichter gerühmt. Ja, er hat einmal einen längeren Aufsatz über Svat. Tech veröffentlicht, der so interessante Momente enthielt, daß ihn tschechische Professoren als etwas ganz Neues, bisher Unbefanntes bezeichneten. Und wenn es dann und wann zu Debatten über die tschechisch- deutsche Frage tam, erklärte Erich Czech immer wieder: Wohl bin ich deutsch erzogen, aber raffenmäßig bin ich ein waschechter Tscheche." Czech kam nach Wien, wieder an liberale Blätter. Dort bereitete es ihm einige Sorge, daß er sich Czech schrieb, während er sich richtig ech hätte schreiben müssen, wo be tanntermaßen nach der Wiener Judikatur eine falsche Schreibweise des Namens als Falschmeldung bestraft wird. Er hatte einen tschechoslowakischen Pas vielleicht hat er ihn noch heute. Dann vollzog er die Wendung und schrieb sein Buch über Hitler. Es tamen ein Buch gegen Polen und ähnliche Erzeugnisse mehr. Schließlich wurde nach dem 30. Januar dieses Jahres die Hitler- Biographie bis auf den heutigen Tag fortgeführt. Heute fist Erich Czech- Jochberg( den Namen Jochberg hat er, um die Bekannten unsicher zu machen, hinzugefügt, war aber so unvorsichtig, an sie noch in der jüngsten Zeit zu schreiben, so daß die Identität einwandfrei ist) in Leipzig und gibt eine mit einem großen Hakenkreuz geschmückte Das ist die Biographie des Hitlerbiographen. Bayreuth geschändet: Auch nichtarische Künstler werden zugelassen? Die deutsche Konzertagenturen sind zwar angewiesen worden, nichtdeutsche und nichtarische Künstler im allgemeinen nicht zuzulassen, doch dürfen in gewissen Fällen Ausnahmen gemacht werden. Solche Ausnahmen werden beispielsweise bet den Bayreuther Wagner- Festspielen geduldet, wo ganz und gar nichtarische Sänger, wie der Bassist Kipnis und die berühmte Sopranisten Frida Leider engagiert worden sind. Ein dem Leiter des nationalsoziaListischen Kampfrings für deutsche Kultur, Sindel, nabestehender unbeugsamer Kulturpropagandist äußerte sich in einer Besprechung, es sei eine Schande, daß auch im neuen Deutschland Wagner gemauschelt werden dürfe. Gedanken Von Miquel de Unamuno. Der Nationalismu3", das, was die Franzosen chauvinisme nennen, ist eine Krankheit des Patrio= tismus, und dort, wo der gesunde, normale, oder wenn man ihn so nennen darf, der physiologische Patriotismus tiefe und echte Wurzeln hat, sollten die wirklichen Patrioten am wenigsten erlauben, daß die sogenannten Nationalisten ihre Machenschaften entfalten. Ich habe einmal zu meinen Landsleuten gesagt, daß man eine erschreckende Armut und Seele und Geist bekennt, wenn man seinen Nächsten verneint", um sich selbst zu behaupten, und gerade dies geschieht sehr häufig. Ich wiederhole diefen selben Sah immer wieder, wenn einer der Nationalisten es für nötig hält, um sein Vaterland in Aufregung zu versezen, ein anderes Vaterland, oder deren mehrere, zn bekämpfen und zu unterdrücken. Und ich wiederhole diesen Sag, wann immer mir einer dieser nationalistischen Patrioten begegnet, denn der gesunde Patriotismus ift in diesem Sinne international, " Der ungeheure Irrtum der modernen Zivilisation, der wie alle Künste auch die Musik buchstäblich verschüttet hat, verlangt geradezu die Korrektur durch den überlegenden Geist der Politik. Wenn man deshalb von einer nationalsozialistischen Literatur, von einer nationalsozialistischen Musikpoltik spricht, dann ist damit immer die Vermischung von künstlerischen Begriffen mit dem höchsten denkbaren Begriff von Politik zu verstehen. Ein solches ernstes und wie der ganz bewußt ordnendes Musikprogramm verlangt selbstverständlich auch die entsprechenden musikalischen Kor porationen, die diese Idee einer neuen völkischen Musikkultur in die Tat umzusetzen imstande sind. In der Reihe dieser Korporationen fommt dem nationalsozialistischen Symphonieorchester, das gegenwärtig eine Fahrt durch 15 Städte der deutschen Westmart unternimmt, eine von Tag zu Tag wachsende Bedeutung zu." Dr. Erwin Bauer, Völt. Beobachter", 1. Jult. Schmus mit Ethos Im Berliner Tageblatt", das, gleichgeschaltet und prosti. tuiert, nun die Aufgabe hat, das Ausland von der völligen Ungefährlichkeit des Nationalsozialismus zu überzeugen, findet sich mitten im Staub der Druckerschwärze dann und wann auch ein Körnchen Wahrheit. So auch in der Nummer vom Sonntag, dem 25. Juni 1933, und dort im Leitartikel: Die Stärke der nationalsozialistischen Bewegung ist bisher ihre Programmlosigkeit gewesen, die sich aus dem Ethos ergibt. Die aus dem Ethos stammende Programmlosigkeit- man kennt das„ Ethos" der braunen Banditen ist eine aus dem Pathos stammende Sinnlosigkeit. Aus dem Schwulst ins Deutsche übersetzt, bedeutet dieses Bekenntnis: Die Nazi find zur Macht gekommen, weil sie blind jedem alles versprochen haben, was er hören wollte und was sie nicht halten werden. Was man sich zuflüstect Untrüglicher Schlüssel für deutsche Zeitungsmeldungen: gleichschalten vergewaltigen, sicherstellen stehlen, Totalität- Tollität, Deutschland Haftland, Propaganda- Lüge, Greuelmärchen Wahrheit, Haussuchung- Brutalität, Geldsammlung- Erpressung, Schutzhaft Folterung, Führer Verführer, flaggen heucheln, marxistisch vernünftig, Sport militärische Uebung, Rede Verdrehung, Programm Wahnwiz. DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Der Brand im Funkhaus Von Erich Gottgetreu Francois Dupont, ein in seinem Heimatsort nur wenig bes kannter und wenig gelesener Schriftsteller, war während des ganzen Tages in heiterster Stimmung. Heute abend soll die Novelle, die er für seine beste hält, von Monsieur Leger, einem der beliebtesten Schauspieler der Stadt, im heimats lichen Rundfunk gelesen werden. Heute abend will er den Nachbarn, die nicht an sein Talent glauben, den Freunden, die ihn verspotteten, beweisen, daß er ein Künstler ist, auf den nicht nur die ganze Stadt, nein die Provinz, das Land, die Nation stolz sein darf. Wenn seine Meisternovelle „ Das Schicksal der Edlen" den Aether durchtönt, werden Frauen, alle Männer, wird alle Welt, die hört, erschüttert sein, die Jugend Frankreichs wird ihm dankbar, beglückt zujubeln, die Verleger werden ihn um sein Produkt bestürmen, und sein Leben wird ein Dasein des strahlenden Ruhmes, des fetten Erfolges werden. So wird es sein. Und dann wird er sich auch eine Schreibmaschine kaufen. Die Schreibmaschine fehlt ihm schon längst. Selbst Monsieur Leger wird, Das Schicksal der Edlen" aus dem handgeschriebenen Manuskript vorlesen müssen. Aber er wird nicht stottern. Dupont hat ja so oft, so eindringlich mit ihm geübt. Jede Silbe sißt, jeder Ton, jedes Komma. Das Meisterwerk wird eine Meisterinterpretation erfahren. Jezt ist es wenige Minuten vor acht. Von acht ihr bis neun Uhr zwanzig steht ein Sinfoniekonzert, Beethoven, im Programm, doch die Zeit von neun Uhr zwanzig bis neun Uhr vierzig gehört ihm, Francois Dupont, feinem Wert, seinem Ruhm, seinem Schicksal, dem Schicksal der Edlen". Ab neun Uhr vierzig wird sein Name ein großer Glanz, Francois Dupont der Dichter von morgen, der Poet der Nation sein. Schon steigt die Spannung in demselben rapiden Maße, in dem die Rotweinflasche, mit deren Inhalt Dupont frohgelaut das Glück des Rommenden begrüßt, lichter wird. In majestätischer Würde klingt Beethovens Fünfte aus dem Lautsprecher. Eine ganz paffende Einleitung-", benkt Dupont selbstbewußt. Große soll man zusammentun. Nachher wird niemand abschalten, im Gegenteil, die Zahl der Hörer wird noch größer werden, ganz Frankreich wird lauschen. Hoffentlich bleiben die paar atmosphärischen Störungen weg Aber Dupont stutt. Jene Störungen werden immer stärker, das Hören bereitet feinen Genuß mehr. Er versteht nicht viel von der Technik der Radiofunkübertragung, was verstehen Dichter von der Technik überhaupt, aber so viel weiß er, daß so heftige, häufige Mißtöne ungewöhnlich sind und kaum in atmosphärischen Störungen begründet sein tönnen... Der Sherlock Holmes" der Archäologie Die Ausgrabungen des Sir Flinders Pertie in Palästina. Vor einem auserwählten Publikum hielt Sir Flinders Bertie, ein englischer Archäologe, seinen ersten Vortrag über seine sensationellen Ausgrabungen in Palästina. Der jest 80jährige Gelehrte, den man in wissenschaftlichen Atreisen wegen seiner Findigkeit den Sherlock Holmes" der Archäologie nennt, ist vor kurzem aus dem Orient zurückgekehrt, um dem englischen Publikum über die bisherigen Ergebnisse seiner palästinensischen Arbeit Rechenschaft abzulegen. Sir Flinders Pertte verbrachte einige Jahre in Gaza, in der wichtigsten Stadt von Südpalästina, wo es ihm gelang, fünf altertümliche Paläste, die mehrere tausend Jahre vor Christus erbaut worden waren, auszugraben. Der Gelehrte ist der Meinung, daß die Geschichte Aegyptens und Syriens nach der von ihm gewonnenen wissenschaftlichen Ausbeute revidiert werden müsse. Bereits im vierten Jahrtausend v. Chr. hätten die Aegypter Syrien und Palästina erobert, und die Spuren einer hochentwickelten Kultur seien auf diesem Gebiet von ihnen hinterlassen worden. In einem der von Pertie ausgegrabenen Paläste fand der Archäologe sogar ein Badezimmer in unversehrtem Zustande. Einige Gegenstände, die Sir Flinders Pertie mit nach England gebracht hat, beweisen, daß die Aegypter des vierten Jahrtausends v. Chr. bereits mit den Völkern ganz Europas und Asiens in Verbindung standen. Zwei goldene Ohrgehänge, die ausgegraben wurden, dürften keinesfalls aus ägyptischen Werkstätten stammen, sondern gleichen jenen tunstgewerblichen Arbeiten, die in Irland um jene Zeit hergestellt wurden. Ein Schwert verrät seinen Ursprung von den Ufern des Kaspischen Meeres. Nach der Meinung des Gelehrten haben im Laufe der Jahrtausende sechs verschiedene Völker Aegypten erobert, darunter auch ein Stamm, der aus dem Kaukasus gekommen war und die Aegypter besiegte. Sir Flinders Pertie hält dret Vorträge in London und kehrt dann zu seinen Ausgrabungen nach Gaza zurück. Seine neu entwickelten Theorien haben in archäologischen Kreisen das größte Aufsehen erregt. Der Eispickel als Beweis Der Mont Everest doch erstiegen Ein Eispickel spielt zur Zeit in der wissenschaftlichen Welt eine sensationelle Rolle. Nach Ansicht des Engländers Lord Conway haben die seit der letzten Expedition zur Bezwingung des Mont Everest verschollenen Bergsteiger Mallery und Irvine allen gegenteiligen Ansichten zum Troßz den Gipfel des„ Unbezwinglichen" dennoch bezwungen. Als Beweis seiner Behauptung versucht Lord Conway den Eispickel anzuführen, der von zwei Mitgliedern der jetzigen Expedition gefunden worden ist, und von dem man weiß, daß er Mallory gehörte. Lord Conway begründet seine Anficht folgendermaßen: Als Mallory und Irvine zuletzt gesehen wurden, hatten sie nur noch 100 Meter bis zum Gipfel hinter sich zu legen. Die Schwierigkeiten dieser letzten Aufstiegsetappe können aber nicht mehr allzugroß gewesen sein, da beide an die dünne Höhenluft gewöhnt waren und ihnen noch einige Stunden mit Tageslicht verblieben. Warum sollten sie also gerade auf diesem letzten Wegestück verunglückt sein? Lord Conway ist vielmehr der Ansicht, daß die Bergsteiger nach der Bezwingung des Gipfels den Eispickel altem Bergsteigerbrauch zufolge auf ihm zurückgelassen haben. Merkwürdig merkwürdig Und bricht das Orchester jest nicht sogar ab? Und- spricht da nicht einer? ,, Meine Damen und Herren die Sendung wird unters brochenes brennt im Funkhaus Aus. Es brennt im Funkhaus? Es brennt im Funkhaus, bevor„ Das Schicksal der Edlen gelesen wurde? Es brennt im Funkhaus, bevor die Welt weiß, was für ein großer Mann Francois Dupont ist? Es brennt im Funkhaus, und das Manuskript verbrennt mtt ihm? Es brennt im Funkhaus, und die Welt wird nie wissen, was sie verlor? Ein furchtbarer Schreck durchblitt den Dichter, eine graufige Angst, ein wilder Schauer. Er sieht den schwarzen Wol tenvorhang vor der Sonne seines Ruhmes. Was kann er tun, durchzuckt es ihn, das Gebält zu zerstören, was fann er Was es affes gibt Schallplatten ofine Ende Das Ei des Kolumbus" Durch einen neuerdings gemachten Verbesserungsvorschlag wird eine pausenlose Wiedergabe von Schallplatten möglich gemacht. Bekanntlich werden zur Wiedergabe langer Vorträge auf Schallplatten zwei abwechselnd laufende Geräte und ein doppelter Satz beiderseitig besprochener Platten erfordert. Die ersteren können nicht entbehrt werden, wohl aber die doppelten Platten, und zwar dadurch, daß die Fortsetzung einer Plattenvorderseite nicht, wie bisher, auf deren Rück feite, sondern auf einer anderen Platte aufgenommen wird. also Beispielsweise wurde bei einer in sechs Abschnitten auf drei Platten- festgehaltenen Rede auf Platte 1 Teil 1 und 4 aufgenommen; auf Platte 2 kamen die Teile 2 und 5. Wie man sieht, hat das„ Ei des. Kolumbus" heute noch seine Logik... tun, durchſtürmt es ihn, zu siegen, zu ſiegen, trozdem zu Autofahren auf dem Dacie fiegen? Und schon hat er einen Gebanken, ben er für rettend hält. Schon trennt er sich, feine leichte Trennung sonst, von der breiviertelleeren Weinflasche, schon schlägt er die Tür seines Häuschens hinter sich zu, schon springt er in ein Taxi, schon fährt er ins Zentrum seiner Stadt, zum Funkhaus, zur Brandstätte, die von tausend und aber tausend Schaulustigen gespannt und gebannt umstanden wird. Mit dem Mute des Verzweifelten durchbricht er die Absperrungskette, schreit, vom Wahnsinn getrieben, den Feuerwehrleuten zu, daß er sein Manuskript retten müsse, von dem keine zweite Abschrift existiert, das Schicksal der Edlen", das große Manuskript seines großen Ruhmes, das erhabene Werk der Nation, die gewaltige Dichtung, die Voltaire in den Schatten stelle und Anatole France zum dilettantischen Narren mache fein Wort versteht die Feuerwehr, kein Wort. Sie kann den Wahnsinnigen nicht hindern. Sie kann den Dichter nicht retten; wohl kann sie gegen das Feuer, nicht aber kann sie gegen den Teufel kämpfen. Francois Dupont stürmt vor, stürzt in sein Verderben. Gebält erschlägt ihn und Flammen fressen seinen mageren Leib. Bei den Aufräumungsarbeiten waren irgendwelche Reste von Francois Dupont nicht mehr gefunden worden. Wohl aber entdeckte man, noch völlig unversehrt, fein säuberlich ge= heftet,„ Das Schicksal der Edlen". Die literarische Abteilung hatte das Feuer nur ein bißchen angeleckt. Das Manuskript wird den Erben zugestellt werden. Durch die Schneestürme mag dann dieser Eispidel von ber Spizze heruntergeschleudert worden sein, so daß er an den Ort gelangte, wo er von der jeßigen Expedition gefunden wurde. Verwecfiselte Annoncen Von Anton Tschechow In Basel ist dieser Tage von Strolchenfahrern", wie die Schweizer die Schwarzfahrer nennen, ein Automobil gestohlen worden. Der Inhaber des Wagens sah die Gauner davonfutschieren und raste auf seinem Fahrrade hinterher. Schließlich fonnte er die Diebe einholen, tlammerte sich an den Wagen, schwang sich ganz wie Harry Piel auf der Flimmerleinwand auf das Dach seines Autos und eine wilde Jagd begann. In kluger Voraussicht nahmen die Diebe eine halsbrecherisch scharfe Kurve, und der Passagier auf dem Dache flog im hohen Bogen in den Straßengraben. Mit erheblichen Verlegungen wurde er später ins Hospital geschafft. Sein Auto fand man in der Nacht- ohne Insassen - wieder auf. Streit um einen Floh Uebereifrige Tierschützer In einem Unterhaltungslokal in Belgrad produzierte sich vor kurzem ein origineller Dompteur. Er unterhielt das Publikum mit einem einzigen, in einer bauchigen Flasche eingesperrten Floh. Zu Beginn der Vorführung zog er den Stöpsel aus dem Flaschenhals und steckte den Finger hinein: Fütterung. Nachdem der Floh sich fattgegessen hatte, wurde die Flasche wieder versperrt und unser Dompteur zog eine Flöte aus der Tasche, mit der er lustige Weisen spielte. Und oh Wunder! Der Floh beginnt nach dem Rhythmus der Musit in der Flasche herumzuhüpfen. Dieser Flohtanz hat die Mitglieder des Belgrader Tierschutzvereines aufs höchste entrüstet und sie erstatteten die Anzeige bei der Behörde. nicht etwa deswegen, weil sie in der Produktion eine Nackttanzvorführung erblickten, sondern, weil sie diese Dressur als einen Fall von grausamer Tierquälerei verurteilen. Ob sich wohl diese braven Leutchen des Nachts von den Flöhen falls sie welche haben zwicken lassen, ohne zu Vergeltungsmaßnahmen zu greifen? Einmal, während der Feiertage, geschah in der Druderet Der Sieg der Komik eine peinliche Sache, die übrigens nicht besonders wichtig und nicht mit dem Gesetz in Konflikt kam. Als der Sezer die Annoncen gesetzt hatte und die Zeilen in Rahmen fpannen wollte, ließ er den ganzen Satz fallen. Kunterbunt, wie alles durcheinander lag, nahm er es auf und druckte es. Da kam dabei heraus: Portier, drei Stock hoch, sucht Stellung als Kindermädchen. Blumen und Schlangen" von 2. J. Palmin teilen gramgebeugt das Hinscheiden ihres Gemahls und Vaters, des Kammerherrn A. K. Pustokwassow, mit Der Filmgeschmack der Schüler Bei den Londoner Schülern ist dieser Tage eine Rundfrage veranstaltet worden, bet der sich 21 300 Schüler und Schülerinnen im Alter von 8-12 Jahren über ihren Filmgeschmack äußerten. Dabei wurden von nahezu sämtlichen Schülern die Kulturfilme, also Filme, welche geographische oder naturwissenschaftliche Aufklärung vermitteln, abgelehnt. Dagegen wurden die komischen Filme mit ungefähr 95 bis 98 Prozent Stimmen als ideale Themen bezeichnet. Mit Genehmigung einer hohen Regierung ist ein Pudel Der alte Mond febt noci! entlaufen. Erzeugnis der Konditorei Sion. Schwarzer Hengst, erstklassiger Traber, Spezialist für Frauen- und Nervenleiden, erteilt Fechtunterricht. Dampfschiffahrtsgesellschaft sucht Stellung als Mädchen für alles. Die Redaktion der Zeitschrift„ Niwa" bietet Einzelzimmer für Wöchnerinnen an. Diskretion und Komfort. Kinder und Soldaten zahlen die Hälfte. Die Gegenstände dürfen nicht berührt werden. Aus der Kontursmaffe der Firma Kritschalow werden verfauft umzugshalber Magenkrebs und Knochenfraß. Wegen des drüben Wetters bester Zahnersatz bei Dr. Krach ter. Totenmessen täglich. Neuheiten! Die schönste Damenwäsche und Brautausstattungen nur bei Student der Mathematik, mit goldener Medaille, der sich in schrecklicher Notlage befindet. Mittags- und Abendessen, reichhaltiges Menü. Seit 1. Februar erscheint unzensiert die Hebamme Dyldina. Nachahmung verboten. Gliefwärmdienfied Auf sächsisch. Im ganzen Dierreich is gee Vieh So voller Reiz un Boesie, als wie dr Gliehworm, bei der Nacht de Runde mits Ladärnchen macht. Das schillert hin un schillert her, un manchmal siehtmr ooch nischt mehr. Wenn eener denkt, jetzt, dibb ich druff da dauchts dann ganz wo andersch uff. Schon viele hat de Wut gebadt, von so a winzchen Biest vergnadt. Drum wer geen Schbaß vertragen gann, der fasse ähmd geen Gliehworm an abs Der alte Mond lebt noch. Die Tatsache, daß einige Formationen an der Mondoberfläche offenbar neueren Datums sind und somit auf eine Ausdehnung der Mondkugel zurückgeführt werden müssen, steht mit der alten Anschauung im Widerspruch, daß der Mond ein erstarrter Körper sei. Ein erfalteter Körper muß einschrumpfen. Die offensichtliche Dehnung des Mondes deutet dagegen auf höhere Temperaturen, die nur durch Zerfall radioaktiver Elemente erklärt werden können. Das Borhandensein solcher radioaktiver Elemente behauptet nun der Cambridger Astronom Forbes, wonach der Mond einen radioaktiven Kern hat, der Energie ausstrahlt und Wärme an die Oberfläche abgibt. Gummi aus Alkohol Wir kennen heute bereits mehrere Verfahren zur Herstel lung von künstlichem Gummi. Bisher sind diese Verfahren allerdings nur in verschwindendem Umfange zur Anwendung gelangt, weil infolge der Krise selbst für den natürlichen Kautschuk nicht genügend profitable Absatzmöglichkeiten vorhanden sind. Vor kurzem erreichte uns jedoch die Meldung, daß in der Sowjetunion eine Fabrik zur künstlichen Kautschukherstellung in Betrieb genommen wurde. Das Ausgangsmaterial bildet dort Spiritus. Lachen nicht verlernen Ruhm! Neulich geht Gerhart Hauptmann in Berlin spazieren. Kommt ein Mann, klopft ihm auf die Schulter und sagt: " Entschuldigen Sie, find Sie nicht der Gerhart Hauptmann?" -Würdig bejaht der Dichter. Ruft der andre freudig:„ Na, Mensch, Gerhard( mit hörbarem d), kennst du mich nicht mehr? Ich bin doch dein alter Schulkamerad, der Eberhard Müller! Na, sag mal, wie geht's dir denn? Was ist denn aus dir geworden?" Moderne Auffassung Mutter: Nun. Hänschen, was hast du heute in der Schule gelernt?" Hänschen:„ Daß der liebe Gott die Welt geschaffen hat." Mutter:" Wie war denn das?" Hänschen:„ Gott sprach: Es werde Licht! Und dann knipste L. V. er, und da war's hell!" Lebendig begrabenl Dachau-„Auch da?"- Das Lager der Hoffnungslosen- Die Braunen ershhlen Der VolkSmund hat es in„Auch Im?" umgetauft. DaS »Auch da?- ist der Spitzname für das Konzentrationslager, mit dem der kleine Marktflecken, 18 Kilometer nordwestlich von München, nun berüchtigt geworden ist. Der Brockhaus teilt über Dachau mit, daß es 7126 Ein» wohner, ein Amtsgericht, Papierfabriken, ein Schloß und ein Bauernmuseum hat und sich am Rande des Dachauer Mooses befindet. Dieses Moosgebiet umfaßt 140 Quadrat- kilometer und harrt zum Teil noch der Erschließung. Ein Teil des Moores wurde trockengelegt durch den Bau des Würmkanals, den der Miniatursonnenkönig Max Emanuel für die Wasieranlagen seines Klein-Versatlles im Schleißheimer Park anlegen ließ. Diese„Kulturarbeitenwaren fast durchweg Gefangenenarbeit. Im Weltkrieg wur- ten im Dachauer Moos viele gefangene Russen beschäftigt. Es gibt heute Bauern im Moos, die über das Los der da- maligen feindlichen Russen und der heutigen Gefangenen deutscher Herkunft im Dachauer Konzentrationslager Be- trachtungen anstellen. Denn die meisten russischen Kriegs- gefangenen waren auf Bauernhöfen untergebracht, arbei- teten mit den Bauern, aßen mit in der Stube und eS soll sogar vorgekommen sein, daß junge Halbrussen als Erinne- rung zurückblteben. Die Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau hat nicht die geringste Aehnltchkeit mit der eines solchen Kriegs- gefangenen. Das Lager, eine halbe Stunde vor Dachau, liegt im Areal der erst im Weltkrieg erbauten ehemaligen Pulver- und Munitionsfabrik, und man findet es, wenn man vom Bahnhof aus dem Geleiseanschluß nachgeht. Dort, wo man vor einem verschlossenen Eisentor steht, ist nicht der Eingang zum Konzentrationslager, das zur Gemeinde Etzen- Hausen gehört. Um es zu umschreiten, braucht man ändert» Kalb Stunden. Zur Rechten von der Bahn, an der betonier« ten Außeneinfassung der ehemaligen Fabrik entlang ist ein vornehmes Kaffeerestaurant, das ehemalige Offizierskastno der Pulver- und Munitionsfabrik, komsortabel und groß- zügig mit Kriegsanleihegeldern gebaut. Dann folgen etwa zwölf größere und mittelgroße herrschaftliche Villen. Hier wohnten die Herren Offiziere, die in das Lager kommandiert waren. 4 Wenn man den staubigen Weg, auf dem einem schon die brutal aussehenden Gestalten zu Fuß, im Motorrad oder Auto begegnen, entlang geht, gelangt man in ein erbarm- liches Barackenviertel. Dort waren die Munitionsarbeiter untergebracht? dort sitzt auch heute noch das arbeitslose Proletariat(Dachau hat von allen bayerischen Gemeinden die größte Arbeitslosigkeit). Schon in dieser ElendSkolonie, in der es leider auch Kommunisten gibt, die heute mit der Hakenkreuzuniform herumlaufen, kann man manches über das Konzentrations- lagcr erfahren. Was da erzählt wird, stammt oft unmittel- bar aus dem Mund der Braunen selbst. Sie renommieren mit der Behauptung, baß„kein Jude lebend herauskomme". Wie sollte auch einer herauskommen aus einem Lager, das eigentlich eine Falle ist, ein Barackenlager, das drei Meter hoch von einem festen Stacheldrahtzaun umgeben ist, beson- derS gesichert durch eine Starkstromleitung und spanische Reiter. 4 Und hier sind nicht etwa Raubmörder, Mörder, Einbrecher, Diebe untergebracht. Hier schmachten die politischen Gefan- genen des Dritten Reiches in drei Abteilungen, müssen, kahl- geschoren, mit Peitsche und Revolver angetrieben,„das Ar- beiten lernen". Für die„Widerspenstigen und Juden" ist die Strafabtei- lung reserviert. Ueber diesen Teil des Lagers wird nur im Flüsterton unter ganz Vertrauten gesprochen. Man erzählt von ungeheuerlichen Mißhandlungen, Folterungen, von „Selbstmorden". Von Quälereien, die nur in der Zeit der spanischen Inquisition ihr Beispiel haben könnten. Man raunt sich ins Ohr, daß dieser oder jener Kommunist„er- leüigt" worden ist. Fünfzehnmal sei der Leichenwagen dagewesen.„Auf der Flucht erschossen!" Aber jetzt wird darüber nicht mehr berichtet. Durch Zu- fall erfährt man aus irgendeiner Todesanzeige, daß daS Leben eines jungen jüdischen Studenten, einzigen Sohnes, Bräutigams„jäh erloschen" ist. Neuerdings werden die Opfer auch nicht mehr zur Beerdigung in ihrer Heimat frei- gegeben, sondern im Dorssriedhof Etzenhausen begraben. Selbst der letzte Wille des Toten zur Einäscherung wird da- bei nicht respektiert. Seit neuerem gibt eS auch eine ganze Reihe sozialdemo- kratischer Stadträte und ihre Ersatzleute in Dachaul Auch da. Ein furchtbares Scherzwort. Mag auch das Leben im ganzen Hitler-Deutschlanb dem in einem Gefängnis gleichen, gegen die Hölle des Strafkonzentrationslagers ist es die Freiheit. Der Himmel wölbt sich über allen und der deutsche Sommer zwitschert darunter in harmloser Skala der Töne. In den hohen Tannen und Kiefern, die da« Lager Dachau von außen her wie ein Idyll erscheinen lassen, klopfen die Spechte, klopfen aber auch Verzweifelte an die Tore der Außenwelt. Ihnen ist alle Sommerlust vergangen. Sie zählen aber- gläubisch den Ruf des Kuckucks. Die Tür ist hinter ihnen inS Schloß gefallen. Lebendig Begrabene..», Banken unter sich Ein lehrreicher deutsch-französischer Briefwechsel An die Direktion der Société Generale Paris. Sehr geehrte Herreni Die Propaganda angeblich tn Deutschland begangener Greuel, die offensichtlich aus fremden, politisch interessierten Kreisen stammt, schädigt nicht nur die deutschen Wirtschaft- äichen Interessen, sondern stört auch in weitem Maße die nor- inalen Handelsbeziehungen mit dem Ausland. Diese Propaganda beruht aus Lügen und aus absichtlichen Verdrehungen der Tatsachen. In Deutschland herrscht absolute Ruhe, und jeder unpar- itetische Mensch kann sich ohne Schwierigkeiten an Ort und Stelle davon überzeugen, daß niemand in der gesetzlichen Ausübung seiner beruflichen oder persönlichen Beschäftig»«- gen gehindert ober dabei belästigt worden ist. Wir wären ihnen dankbar, wenn Sie, im Interesse der Ent- Wicklung der internationalen Handelsbeziehungen, die Wahr- hett in ihren Kreisen verbreiten und Ihr Möglichstes tun wollten, um der gegen die deutschen Waren gerichteten Be- »vegung unverzüglich ein Ende zu machen. Mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung '. Die Direktion der Dresdner Bank, Berlin. » An die Dresdner Banbk, Berlin. Messkeurs. Beim Oeffnen unserer heutigen Post finden wir ein von Ihrer werten Bank stammendes verblüffendes Zirkular. Wir gestatten un», Sie darauf aufmerksam zu machen, daß «ine französische Bank oder ein französisches Handelshaus sich niemals, unter keinen Umständen, erlaubt hätte, ihren aus- läwdischen Geschäftsfreunden in einer rein geschäftlichen Kor« respondenz politisches Propagandamatertal zu senden. Wir sind also gezwungen anzunehmen, baß die Taktlosig- kett einer solchen Zuschrift einem angeborenen Mangel an Geschmack entspringt. Was die systematische Verfolgung der deutschen Juden durch ihre Regierung bêtrifst, so wissen wir sehr gut, woran mir uns zu halten haben. Wir wissen mit Bestimmtheit, daß in einer sehr großen Zahl von Städten deutsche Aerzte aus den Spitälern vertrieben, Advokaten aus den Listen gestrichen wurden, und daß zu wiederholten Malen große jüdische Ge- schäfte den offiziösen Befehl jener Parteien gesperrt worden sind, die Sie zur Macht berufen haben. Jedes Volk ist Herr innerhalb seiner Grenzen, es ist somit durchaus nicht unsere Sache, in diesen Fragen zu interve- nieren oder uns mit ihnen zu befassen, nichtsdestoweniger aber steht uns frei, unsere kommerziellen Sympathien unseren Freunden anzuwenden und nicht einem Volk, dessen Führer sich die Zerstörung der durch die Zivilisation errungenen in- dividuellen Freiheiten zum Ziel gesetzt haben. Wir bitten Sie uns zu glauben, sehr geehrte Herren, daß wir Ihrer werten Bank unsere Schätzung bewahren werden, ebenso, wie wir sie jedem deutschen Bürger als Einzelnem bewahren, aber es ist uns unmöglich, die deutsche Allgemeinheit tn diese Schätzung«tnzubcztehcn, denn wir verhehlen uns nicht, daß die nationalsozialistische Partei, die Sie zur Macht berufen haben, ihre Herrschergelüste hei der ersten Gelegenheit auf die anderen Länder Europas ausdehnen wird, was uns wie» der einmal zur Verteidigung unserer Grenzen führen könnte, um zugleich unsere Freiheit zu verteidigen. In Bezug auf Ihre Regierung erinnern wir Sie daran, baß im 1ö. Jahrhundert Ferdinand der Katholische es für gut befunden hatte, die Juden aus Spanien zu verbannen. Si« flüchteten nach Rom, wo der Papst Sie in einem Stadtteil, dem„Ghetto" ansiedelte. I» der Türkei wurde ihnen ein ganzes Viertel von Adrianopel durch den Sultan zur Ber- sügung gestellt, der Ferdinand dem Katholischen eine Botschaft folgenden Inhalts sandte: „Mein lieber Vetter! Wir danken Ihnen sehr dafür, daß Sie unsere Staaten zu bereichern geruhten, indem Sie die Ihrigen ärmer machten". Sie bitten uns, daS Zirkular, daß Sie uns geschickt haben, zu verbreiten? Sie können versichert sein, daß wir nicht er- mangeln werden, das zu tun, und zwar zugleich mit unsere" Antwort. Mit dem Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung Die Direktion der Société Generale, Paris. Wachsender Einfluß der Schwarzen Front in der NSDAP.? Wir erfahren aus verschiedenen Städten Deutschland», daß die Zersetzungsarbeit der Gruppe Otto Strasser inner- halb der NSDAP. Anhänger findet. Strassers sogenannt« Schwarze Front stellt radikale und sozusagen sozialistische Forderungen und macht immer wieder auf den Widerspruch zwischen Hitlers praktischer Politik und dem ursprünglichen Programm der Nationalsozialisten aufmerksam. „Untermensch" Baer— und Uebermensch Schmeling Der Besieger Schmelings, ber jüdische Boxe« Baer, teilt mit, daß er jeden Kinnhaken, den er Schmeling versetzte, für Hitler bestimmte, jeden rechten Schwinger für den Brand- stifter Goering und jeden Schlag auf den Mund für die Großschnauze Wöbbels. Schmeling, der Abgott der nationa- len Deutschlands hatte Hitler eigens um die Erlaubnis bit- ten müssen, mit dem„Untermenschen" Baer boxen zu dürfen. vrol. Oskar Jaszl: Entwicklung Rne Vorschau bis 193Î Oscar Jaszi, der seit mehreren Jahren an der Universität von Oberlin, Ohio, USA., den Lehrstuhl für Staatswisseuschast innehat und auch in Amerika großes Ansehen genießt, veröffentlicht in der letzten Nummer der Neuyorker Wochenschrift„The Rationeinen überaus interessanten und ausschlußreichen Aussatz, der nicht mehr und nicht weniger ist als in besonders origineller Form eine Antwort aus die für Europa so brennende Frage nach der Zukunft des Hitler-Systems. Zu pessimistisch ist der satirische Aussatz hinsichtlich des Konkordats und dem Papste. Das kommt noch im Jahre 1S8S. September 108 3. Eine Gruppe angesehener amerl- kantscher Universitätsprofessoren, die kürzlich auf Einladung einer deutschen Schiffahrtsgesellschaft in Deutschland war, um die wahren Hintergründe ber„Greuelpropaganda" zu studieren, gibt korporativ eine Erklärung ab. Obwohl, so sagen diese hervorragenden Männer, einige kleine Exzesse satsächlich stattgefunden haben, natürliche und unvermeidliche Erscheinungen in der Zeit einer nationalen Erhebung, ist Deutschland allright und Fremde genießen unbehelligt die Gastsreundschaft dieses Volkes der Dichter und Denker. Die Professoren legen Wert darauf, zu betonen, sie hätten nicht lltiehen, daß vor dem Hotel Adlon auch nur ein einziger àde niedergeschlagen oder mißhandelt worden wäre. Sie baben natürlich keines der Konzentrationslager besucht, in denen Sozialisten, Kommunisten und Pazifisten zur Zwangs- arbeit angehalten werden,' aber diese Kleinigkeit sei im Hinblick auf die wachsende Prosperität im Deutschen Reich gewiß nicht wichtig. November 1033. Ein Leitartikel des Neuyorker »Daily Planet" meldet, daß ber Geist der Erwerbstätigkeit nach Deutschland zurückkehre und daß das Kapital im Reich, unbelastet durch sozialgesetzliche Knebelungen, ausgezeichnete ErpansionSchancen habe. Dieser Feststellung folgen ein paar freundliche Worte der Anerkennung für Hitler. ES wird angebeutet, daß er beginne, sich wie ein wahrer Staats- mann zu benehmen und daß ber Geist des Antisemitismus bereits stark abflaue. Eine Anzahl hervorragender jüdischer Geschäftsleute, so wirb weiter gemeldet, hätten dem„Retter Mitteleuropas vor der eminenten Gefahr des Bolschewis- mus" ihr uneingeschränktes Lob gespendet. Dezember 103 8. Präsident Nicholas hat ein viel- besprochenes Lunch mit Mr. Hitler. Murray Butler von der Columbia-Universität. Der große Gelehrte legt dem Dik- tator feinen großen Friedensplan vor und ist auf das an- genehmste überrascht von der lebhaften Sympathie, die der Führer der„Nazi" seinen Ideen entgegenbringt. Als ein vollkommener Diplomat erwähnt Präsident Butler in jener Unterredung nicht die große Anzahl seiner pazifistischen Freunde und Kollegen in Deutschland, die noch immer inter- niert sind,' dem hervorragende» amerikanischen Gelehrten erscheint es als selbstverständliche Pflicht, Diskussionen über interne Angelegenheiten des fremden Landes zu vermeiden. März 103 4. Die Tageszeitungen künden das Erscheinen eines sensationellen Buches an, es stammt aus den Federn von sechs bedeutendsten amerikanischen Staatsrechtslehrern, sein Titel ist„Der neue Korporativ-Staat in Deutschland". In dieser glänzenden Sammlung von Aufsätzen zeigen die führenden Männer der amerikanischen Wissenschaft, wie daS Deutsche Reich Wege zu einer neuen Demokratie geöffnet hat und wie Hitler und seine Freunde zu einer Synthese aus Hegel, Gierke und Othmar Spann gelangt sind. Natürlich darf in Deutschland niemand eine abweichende Meinung äußern, aber es kann nicht bezweifelt werden, daß die preu- ßische Organtsationskunst der Demokratie vollkommen neue und überraschende Ausdruckssormcn geschaffen hat. September 108 4. Der Papst schließt ein neues Kon- kordat mit dem Deutschen Reich. Der Heilige Vater crmahnt die Katholiken, an der nationalen Einigung Deutschlands mitzuarbeiten, im Geiste der Liebe, der Eintracht und mit aller schuldigen Rücksicht auf andere Rassen. Die bösen aus- ländischen Zeitungen berichten über das Ereignis unter der Ueberschrist„Gott wieder einmal auf Seiten der stärkeren Bataillone". Dezember1035. Eine sensationelle Rede Adolf Hitlers wird viel besprochen. Sie beschäftigt sich mit der„Eingliede- rung der Juden tn Deutschland". In dieser Rede eine» wahrhaft glänzenden Staatsmannes warnt er seine An- Hänger vor dem allzu radikalen Antisemitismus? jetzt, da die Fremdrassigen aus den Aemtern entfernt und von ihren Lehrstühlen verjagt sind, unterscheidet er zwischen patrio- tischen und marxistischen Juden. Den ersteren gegenüber, so sagt er, sei ein gewisses Maß von Toleranz im Interesse de» Deutschtums ratsam. Februar 19 3g. Emil Ludwig unternimmt seine erste Reise nach Deutschland seit seiner Vertreibung. Di« Frucht dieser Reise ist ein Buch„Gespräche mit Hitler", in welchem der bekannte Historiker die politischen, philosophischen und religiösen Anschauungen des großen deutschen Führers dar- legt, der bedauerlicherweise so lange von einer hysterischen Öffentlichkeit mißverstanden worden sei. August 103 6. Drei Viertel der Konzentrationslager konnten aufgelöst werden, da die ärgsten Kommunisten ge- storben sind, während die besseren Elemente sich zu den wah- rcn Grundsätzen des Deutschtums bekehrt haben. Unglück- licherweise, so erklärt der Propagandamintster, müssen einige Lager bestehen bleiben für neue Verbrecher, die trotz ber reinigenden Wirkung des Korporativ-Staates immer wieder auftauchen. Mussolini befindet sich in einer angenehmeren Situation. Er braucht nicht im schönen Italien solche Lager zu errichten, da er für diese Zwecke die Liparischcn Inseln hat. Der wahre Grund, ivarum Deutschlands innerer Frie- den unvollkommen bleibt, ist: daß man ihm seine Kolonie» geraubt hat. Januar 103 7. Einige einflußreiche Mächte im Völker- bund, die unter Führung von Ramsay Macdonald zu immer freundschaftlicheren Beziehungen mit Deutschland gelangt sind, plädieren für die Rückgabe einer Kolonie an das Reich, um des Friedens willen und um die ernste Absicht einer internationalen Arbeit zu zeigen. » Während dieser Ereignisse haben die friedliebenden Staa- ten Europas ihr Wettrüsten fortgesetzt, zugleich ist die inner- politische Situation über immer bedrohlicher geworden. Die Diktaturen stehen vor der Wahl zwischen offener Auf- lehnung der Opposition gegen ihre Macht oder einem neuen Krieg. Kein Zweifel, wie ihre Entscheidung ausfalle» wird. Von Abraham zu Adolf? Die jüdische Familie Hitler Stammbaum polnischer Hitler Juden bis zum Jahre 1681 Abraham- Friedemann Hitler und die Seinen- Die Die katholische Taufe und die Auswanderung nach Oesterreich Urkunden und Originalpatente Vor einiger Zeit hieß es, die NSDAP. wolle die Familiengeschichte der Hitlers erforschen. Auffälligerweise ist es aber um den Stammbaum des rassigen Ariers verdächtig still geworden. Inzwiodlaschen hört man, daß ein polnischer Jude Moses Hitler den Antrag auf Namensänderung gestellt hat, weil es ihm zu peinlich war, einen Namensvetter als deutschen Reichskanzler und Führer des deutschen Judenboykotts zu haben. Wir glaubten uns um die Geschichte der Familie Hilter ein Verdienst zu erweisen, wenn wir die von den Nationalsozialisten unterbrochene Forschung fortsetzen. Nachstehend unterbreiten wir unsere vorläufigen Ergebnisse der Oeffentlichkeit. Unser Gewährsmann ist der Urgroßenkel des Salomon Reismann, der Geschäftsteilhaber des Abraham Hitler war. Die Hitlersche Familiengeschichte zeigt, daß kommerzielle Fähigkeiten sich durch Generationen forterbten. Wir finden hervorragende kaufmännische Tugenden auch bei dem jetzigen Herrn Reichskanzler. Er handelt zwar nicht, wie die früheren Hitlers, in Schafwolle, aber er ist auf sozusagen geistigen Gebieten ein Großverdiener ersten Ranges. Wir erinnern uns in der Geschichte keines Falles, daß jemand durch politische Reden und Schriften auch nur einen kleinen Teil der Summen erworben hätte, die Herrn Adolf Hitler zugeflossen sind und jetzt erst recht in enormen Ausmaßen zuströmen. Die alte jüdische Familie Hitler stammt aus dem Orte Polna an der böhmisch- mährischen Grenze. Diese jüdische Familie wohnte laut den Aufzeichnungen der Stadt schon im Jahre 1681 in Polna. Der ursprüngliche Name der Familie war Friesch. Am 28. Juli 1781 nahm lant einem noch vorhandenen Patent der Abraham Friesch den Namen Friedemann Hitler an. Die Familie Abraham Friesch- Hitler zählt in der jüdischen Matrik das mals 16 Mitglieder. Abraham Hitler war der bedeutendste Kaufmann des Ortes und führte ein Wollgeschäft zusams men mit seinem jüdischen Mitbürger Salomon Reismann. Es liegen verschiedene Kaufverträge der beiden Teilhaber vor. Aus den Geschäftsakten geben wir einen Wechsel in Abschrift wieder: Polna, 1817, 5. Januar. Daatto 4. Monate zahle ich gegen diesen meinen Solowechsel den Betrag von 2100 fl. an Order Salomon Reismann, Valuta habe ich in reiner Schafs wolle erhalten und unterwerfe mich dem Handelss und Merfantilgerichte. Ein Schweizer Abraham Hitler. drei Striche für Terfie Hitler, S. Nathansky, Zeuge, in Berlin von Nazi überfallen Dem Travail" wird aus Berlin berichtet, daß am Samstagabend ein Schweizer Bürger, dessen Name aus begreiflichen Gründen verschwiegen wird, in seiner Wohnung in Berlin von einem SA- Sturm überfallen wurde. Es war um 23.30 Uhr. Es wurde ihm nicht einmal die Zeit gelassen, fich anzuziehen, bevor er die Türe öffnen mußte. Die NaziHunnen warfen ihm vor, antifaschistische ausländische Zeitungen zu erhalten. Er wurde mißhandelt und als er der Aufforderung, das Horst- Wessel- Lied" zu singen, nicht nachfam, erhielt er zwanzig Hiebe mit dem Gummitnüttel. A uch die Frau des Schweizer Bürgers wurde mißhandelt. Diese begab sich am folgenden Tage auf die schweizerische Gesandtschaft, um sich zu beklagen und um Rat und Beistand nachzusuchen, da die Nazi ihn aufgefordert hatten, sich am Tage nach dem Ueberfall in ihrem Büro zu melden, um das Horst- Wessel- Lied zu singen, das er bis dahin lernen sollte. Auf der Gesandtschaft bekam der Mann die Antwort: Gehen Sie auf das Nazibüro und fingen Sie oder verlassen Sie das Land; das ist alles, was ich Ihnen raten kann." Wir verlangen vom politischen Departement Auskunft über diese Angelegenheit, namentlich darüber, ob der Mann auf der Gesandtschaft diese Antwort wirklich erhalten hat. Das wäre allerdings ja schon der Gipfel. Systematische Morde ..Herr im Hause" Für Diktatur des Unternehmertums Der neuernannte nationalsozialistische Staatssekretär eder, hat an der Bergakademie Klemthal eine grundsätzliche Rede für die Freiheit des Unternehmertums und gegen den Sozialismus gehalten. Es genügt zur Charakteristik dieser Rede die begeisterten Robsprüche der„ Kölnischen Zei tung"( Nr. 355) zu genießen, um zu erkennen, daß das bißchen, sozialistische Revolution" nun abgewürgt werden soll: " Wer wird nicht mit vollem Herzen die These unterschreis ben, daß die deutsche Wirtschaft Ruhe und unbedingte Rechtss ficherheit haben müsse. Ans der Vergangenheit der letzten Jahre wissen wir alle, was Intervention in bestehende und laufende Verträge bedeutet, wie sich auß solchen vom Staate unter Umständen gut gewollten Eingriffen mit der Zeit eine allgemeine Larheit in der Vertragstreue entwideln fann. Und mit gleicher Genugtuung werden Unternehmer und die treu zum Betrieb haltenden Angestellten und Ars beiter die Ankündigung vernommen haben, daß eine Rückziehung aller Kommissare geplant sei. Ueber ihre Notwendigkeit und ihre Tätigkeit tann kein allgemeines Urteil abgegeben werden, das Urteil von Feder selber ist gegenüber den Auswüchsen sehr scharf. Aber soviel ist sicher, daß ein solcher Kommissar immer etwas Betriebsfremdes darstellte, das der Führerstellung des Leiters des Unternehmens sehr abträglich werden konnte. Auch nach den Aeußerungen der Arbeitsfront soll der Unternehmer der Führer sein, und zwar im Sinne dessen, was das Wort Unternehmer besagt." Das klingt sehr nach„ liberalistisch- kapitalistischen" Prin sipien, aber es ist ehrlich. Die Schreibweise des Namens ist übrigens, wie schon in ber nationalsozialistischen Presse festgestellt worden ist, manchmal auch Hittler und Hüttler. Das gilt, wie wir her, vorheben, für die jüdischen Familien. Der Sohn Leopold des Abraham Hitler verzog nach Wien und ließ sich taufen. Er nahm in der Taufe den Namen Ignaz an. Das von der Stadt Polna beglaubigte und vom Bürgermeister unterschriebene Dokument über die Aus: wanderung Leopold Hitlers, geboren 28. März 1816, nach Wien und seine Taufe ist in beglaubigter Abschrift an die Jewish Agency nach London gegangen. Die jüdische Kultusgemeinde in Polna stellt folgenden Auszug über Mitglieder der Familie Hitler im Anfang des vorigen Jahrhunderts zur Verfügung: Michael Hitler, geb. 19. Jänner 1800, als Sohn des Friedes mann und der Barbara, Efther Hitler, geb. 12. März 1804, als Tochter Friedemann Hitlers, Herz Hitler, geb. 29. November 1806, als Sohn Friedes mann Hitlers, Karl Hitler, geb. 18. September 1812, als Sohn Abrahams und Rachel Hitlers, Major Buchrucker verhaftet Der Major Buchrucker, der 1923 in Rüstrin einen Putsch organisierte, um die Hitlersche Revolution einzuleiten, ist verhaftet worden. Es wird bekannt, daß er, der in Verbindung mit dem Hauptmann Stennes und dem nach Wien entflohenen Otto Strasser steht, innerhalb der nationalsozialistischen Partei Zellen der sogenannten„ Schwarzen Front" gebildet hat. Teilhaber still oder tätig, mit 50 Mille Franken, für f. Spezialgeschäft in Südfrankreich sofort ge sucht. Evtl. käufl. Uebernahme sot. od. spät. Angeb. erb. unt. Nr. 19 an die Exped. d Ztg. Gelegenheits- Angebot! Henry Barbusse: Das Feuer Tagebuch einer Korporalschaft. Kriegsroman Vollst. Ausgabe. Leinenband nur Fr. 12, Buchhandlung Volksstimme Saarbrücken 3 Bahnhofstraße 32 Neunkirchen Hüttenbergstraße 41 Julie Hitler, geb. 19. März 1813, als Tochter Abrahams und Rachel Hitlers, Leopold Hitler, geb. 28. März 1814, als Sohn Abraham und Rachel Hitlers( das ist der getaufte Hitler), Franzl Hitler, geb. 29. April 1819, als Sohn Abraham und Rachel Hitlers, Wilhelm Hitler, geb. 16. April 1821, als Sohn Abraham und Rachel Hitlers, Klara Hitler, geb. 11. Oktober 1821, als Tochter Jakob und Elisabeth Hitlers, Amalie Hitler, geb. 21. Juli 1827, als Tochter Abraham und Rachel Hitlers. Die Aufzeichnungen der Gemeinde Polna ergeben, daß die jüdische Familie noch bis zum Jahre 1844 in Polna ans fäffig war, dann aber nach Oesterreich auswanderte. Man weiß, daß auch Adolf Hitler aus Oesterreich stammt und zugibt, daß seine Familie seit Generationen in Defters reich lebt. Wußte Hitler von den jüdischen Hitlers etwas? Viels leicht macht er denselben Einwand wie der rassige Arier Düsterberg, dem nichts davon bekannt geworden war, daß noch sein Großvater das Ehrenamt eines Vorstehers der jüdischen Gemeinde bekleidete. Die Heimat der Hitlers, das Städtchen Polna, mit einer einft großen Judengemeinde, hat schon einmal Weltberühmts heit erlangt. Dort wurde einem Juden hilsner ein Ritualmord angedichtet. Der jezige Präsident der tschechos Slowakischen Republik, Masaryk, damals Universitätss professor, machte die Vorwürfe gegen Hilsner zu nichte. Es ist ein merkwürdiger Zufall, daß dieses RitualmordPolna fich nun als die Heimat der jüdischen Familie Hitler erweist, deren Namen der derzeitige antisemitische Reichsfanzler Deutschlands trägt! Weniger Studierende Die letzten Jahre haben, zum ersten Male seit dem Kriege, einen Rückgang im Zustrom zu den deutschen Hochschulen gebracht. Die Zahl der Neuimmatrikulierten ist, wenn man die Studierenden des Volksschullehramtes abrechnet, von 21 525 im Sommer 1928 auf 18 767 im Sommer 1932, das letzte Semester, für das die Hochschulstatistik abgeschlossen vorliegt, gesunken. Deutsche lassen ihre Möbel und sonstigen Stückgüter nach Frankreich einzig und allein befördern durch STERN- EXPRESS 31, Rue de Pétrograd- PARIS 8° ( Nähe Place Clichy) Téléphon: Europe 60.10. Kabeladresse: Sternex- Paris Sammelwaggons aus den wichtigsten Städten Deutschlands. 1-3 mal wöchentlich nach Paris- Riviera und den franz. Provinz Städten; dadurch ermäßigte Fracht Lagerung Verpackung Versicherung Agenturen in allen Städten Deutschlands und Zentral- Europas Auskunft: Rechtsstelle für deutsche Flüchtlinge 27, Rue Jean Dolent- Paris 14 Alle Geldfendungen für die ,, Deutfche Freiheit" ob durch Banküberweifung, Scheck, Poftanweifung, find zu adreffieren an Verlag der Volksftimme GmbH. Saarbrücken Zu vermerken ift bei jeder Zahlung: Für Deutfche Freiheit! Bank: Deutfche Bank und Diskonto- Gefellſchaft, Filiale Saarbrücken Poftfcheck: Saarbrücken 619( Verlag der Volksftimme G. m. b. H.)