B It e Preis: 60 1. cts. Jouffate 29 rethell Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 15-1. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, den 7. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun Man könnte vielleicht ein Schiff voll Narren eine gute Weile vor dem Winde treiben lassen; aber seinem Schicksal trieb es entgegen, eben darum, weil die Narren dies nicht glauben. Dieses Schicksal ist die Revolution, die uns bevorsteht. Karl Marx. It 201 کار 批 Па te. mt ers els ier ar, ber ter mts ein hos itss rd= tler the ege, tlen nan von δαξ fsen Attentat auf Straßburger Sender Der Plan cincs Bombenattentats- Durch Ausplaudern vorläufig verhindert Deutschland soll gegen Luxemburger und Straßburger Sender abgesperrt werden Ein Bewohner der Pfalz mußte dieser Tage wie so viele andere die Grenze bei Luremburg überschreiten, weil er seines Lebens daheim nicht mehr sicher war. Er ist weder Jude noch Kommunist noch Sozialdemokrat. Sein Unglück ist, daß er genaue Kenntnis hatte von einem Attentatsplan auf den Straßburger Sender, und man wollte den zufällig Eingeweihten beseitigen oder einsperren. Der Straßburger Sender, den man im Inneren Deutsch lands nur schwach hört, wird in der Pfalz, wo er gut zu verstehen ist, sehr unangenehm empfunden. Darum wurde am 27. April in Ludwigshafen der Plan ges schmiedet, den Sender lahmzulegen. Es wurden neben einigen Draufgängern drei nationalsozialistische Ars beiter hinzugezogen, die längere Zeit im Elsaß gearbeitet haben und die Gegend um den Straßburger Sender genau kennen. Fünf Verschwörer sollten in der Nacht zum 1. Mai das Bombenattentat auf den Straßburger Sender ausführen. Die Fahrt sollte über Saarbrücken und Forbach gehen. Nach dem Attentat sollte in Straßburg sofort das Ges rücht verbreitet werden, das Attentat sei von elsässis fchen Kommunisten ausgeführt worden. Der Anschlag unterblieb nur, weil einer der Beteiligten furz vorber Abfahrt, als er glaubte, schon etwas offenherzig sein au tönnen, Andeutungen machte, die einen anderen SS.- Mann veranlaßten, mit dem Motorrad an dem Führer der Aktion zu fahren, um die Erlaubnis zur Beteiligung zu erlangen. Als der Führer merkte, daß mehr Personen eingeweiht waren, als vorgesehen, war er flug genug, das ganze Unters nehmen sofort abzuftoppen. Der Plan ist aber trotz aller Schweiggebote da und dort besprochen worden. Unser Ges währsmann war einer der Verdächtigen und er mußte dess halb flüchten. Im Zusammenhang damit veröffentlichen wir folgende Buschrift aus Deutschland: Die deutsche Reichsregierung sucht Deutschlands Grenzen gegen alle nicht gleichgeschalteten Druckschriften abzuschlies Ben. Luftdicht ist das aber nicht möglich. So fizzen denn Tag für Tag hunderttausende kritische und zweifelnde Menschen vor ihren Radioapparaten und versuchen„ Straßburg" oder " Luxemburg" zu hören. Sie hoffen so wenigstens zu einigen Nachrichten zu kommen. Aus Zuschriften wissen wir, wie unsere Freunde fich freuten, als sie das Erscheinen der " Deutschen Freiheit" durch das Radio erfuhren. Der Straßburger Sender wird nur in Westdeutschland gehört. Auch dort nicht gut. Der Sender ist verhältnismäßig schwach und wird zweifellos gestört. Anders ist es mit dem Luremburger Versuchssender. Er ist einer der stärkVier Todesurteile Im BVG.- Räuber- Prozeß Berlin, 6. Juli. Im Prozeß gegen die BVG.- Räuber wurde das Urteil verkündet: Die Angeklagten Hildebrandt, Soheisel, Willy Krebs und Achtenhagen wurden wegen ge= meinschaftlichen Mordes, begangen in Tateinheit mit ges meinschaftlichem schwerem Raube mit dem Tode bestraft. Außerdem wurde auf schwere Zuchthausstrafen erkannt. Der Angeklagte Winkel erhielt lebenslängliches Zuchts haus, Söhne sieben Jahre Gefängniß und Max Krebs zehn Jahre Zuchthaus. Der Angeklagte Klann wurde wegen Hehlerei zu vier Jahren Gefängnis und Stach wegen Hehlerei zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die vier Hauptangeklagten wurden zum Tode vers urteilt. Von der Kanzel verhaftet Wie die ,, Freiheit" der Katholischen Kirche gemeint ist Der Kaplan Bombitki von der Pauluskirche in Recklinghausen hielt am Sonntag eine Predigt, in der er sich mit der Aktion des preußischen Staates gegen die fatholischen Vereine tritisch befaßte und dem Staat jedes Recht auf Eingriffe in die Verhältnisse der katholischen Kirche absprach. Nach seiner polizeilichen Vernehmuna wurde Boms bigti in Schughaft genommen. sten der Welt und sendet seine Wellen über ganz Deutsch- daß die Reichsregierung zunächst ein Verbot der größeren land. Die Reichsregierung mit ihrem Propagandaminister erwägt nun einen Schlag gegen den Luxemburger Sender. Beseitigen läßt sich der unangenehme Geselle nicht. So soll er denn dadurch ausgeschaltet werden, daß man dem gemeinen Volke die größeren leistungsfähigen Apparate verbietet. Es soll der deutsche Voltsempfänger", das Rundfunkgerät für jedermann eingeführt werden. Das ist außerdem ein Bombengeschäft für die 28 deutschen Funkfabriken. Die Aufträge werden nach einem bestimmten Schlüssel an sie verteilt. Der Preis ist trotz der scheinbaren, Billigkeit so, daß genügend verdient wird. Es ist möglich, Radioapparate unterläßt, weil sie hofft, daß es ihr gelingen wird, den„ Voltsempfänger" für die breitesten Schichten einzuführen. Das Verbot der Apparate für Fernempfang steht aber im Hintergrunde, auch wenn es jetzt noch dementiert werden sollte. Das Ziel ist, möglichst alle deutschen Familien unter die Wirkung der behördlichen Radiopropaganda zu bringen. Diesem Zweck dient auch die vor wenigen Tagen gegründete„ Nationalsozialistische Rundfunkkammer." Sie vereint alle Rundfunkorganisationen, Schaffende und Hörer, unter der nationalsozialistischen Parteidiktatur und schließt jede eigene Meinung aus dem deutschen Rundfunkwesen aus. General oder Revolution Hitler zwischen Junkern und Massen- Aufmärsche u. Saalschlachten Reventlow unter Vorzensur- Generäle auf dem Beobachtungsstand Berlin, den 6. Juli( Eig. Drahtbericht). Gestern hat in der Reichskanzlei unter dem Vorsitz des Reichskanzlers eine Besprechung der beteiligten Minister und Staatssekretäre unter Hinzuziehung von Interessenten eine Besprechung über Maßnahmen zum Wiederaufbau der ostpreußischen Wirtschaft statt. Diese Besprechung ist eine unmittelbare Folge des Besuches des Reichskanzlers in Neudeck. Dort hat der Reichspräsident dem Reichskanzler dringend nahe gelegt, mehr als bisher für die Sanierung des Großgrundbesitzes zutun und den« siedelungsbolschewistischen" Bestrebungen in der NSDAP. zu wehren. Aus taktischen Gründen hat der Reichspräsident seine Mahnung nicht wie im Kirchenstreit veröffentlicht, aber der Reichskanzler hat zusagen müssen, sofort entsprechende Aktionen vorzubereiten. Es bestätigt sich, daß der Reichspräsident infolge der gespannten Lage einstweilen nicht nach Berlin zurückkehren soll. In den Reihen der Nationalsozialisten verschärft sich der Gegensatz zwischen den Anhängern der nur nationalistischen Revolution, die Hitler führt, und den Verfechtern der zweifen, der sozialistischen Revolution immer mehr. Der Hauptsitz der ehrlich revolutionären Elemente ift die SA. Sie soll daher nicht nur gefiebt, sondern verkleinert werden, damit sie wieder ein zuverlässiges Instrument in der Hand des Parteiführers wird. Darum sollen einstweilen Neuaufnahmen weder in die SA. noch SS. erfolgen dürfen. Man will die verkleinerte und ge. säuberte SA. möglichst durch allerlei materielle Zugeständnisse zufrieden halten und ist überzeugt, dann jede pufschistisch- sozialistische Bewegung mit Gewalt niederschlagen zu können. Die sozialistischen Rundgebungen mehren sich und die Sonntagsrede des Reichskanzlers, die sich gegen die zweite Revolu tion wandte, hat die Unruhe gesteigert. In den Abendstunden des Montag durchzogen unter Führung von SA.- Leuten tausende Arbeiter die Straßen von Rönigsberg und forderten in Sprechchören:„ Her mit der sozialistischen Revolution!" An der Kundgebung waren auch starke Abteilungen von Bauern beteiligt. Mehrfach wurden die alten sozialistischen Kampflieder gesungen. Gegen Mitternacht war auf dem Rathausplatz eine Demonstration. Mehrere Redner forderten das Weitertreiben der Revolution, insbesondere die Ent eignung des Großgrundbesitzes und der Großindustrie. Die Polizei hielt sich auf Befehl des Oberpräsidenten Koch zurück. Eine Versammlung der SA. in Berlin- Norden, ebenfalls am Montag, verlief stürmisch, weil die Menge sich gegen die als gegenrevolutionär empfundene Rede des Reichskanzlers in Reichenhall wandte. Es wurde eine Entschließung angenommen, die die sofortige Jnangriffnahme des sozialistischen Vieriahresplanes fordert. Es wurde ein Ausschuß gewählt, der sich mit fämt lichen SA.- Formationen im Reich in Verbindung setzen soll, um eine gemeinsame Aktion für den Sozialismus zu erzwingen. Die anwesenden hohen Funktionäre der Partei wurden niedergeschrien. Mehrere SA.- Stürme in Berlin werden aufgelöst In Breslau kam es am Montag zu einer blutigen Saalschlacht zwischen SA. und SS. Als sich ein proletarischer SA.- Mann gegen den feßigen Kurs der Reichsregierung und Hitlers Reichenhaller gegenrevolutionäre Rede wandte Der Versammlungsleiter entzog dem Redner das Wort. Der Mann weigerte sich, die Tribüne au verlassen. Als die SS. auf Befehl ihn aus dem Saal befördern wollte, stürzte sich die SA. auf die SS. Die Schuß polizei räumte den Saal und hielt die SS.- Leute bis lange nach Mitternacht im Saal eingeschlossen. In das Polizei frankenhaus wurden sieben SS.- Leute eingeliefert, drei davon schwer verwundet. Zweifellos sind in den letzten Tagen im Reiche vielmehr solcher Zusammenstöße erfolgt, als öffentlich bekannt wurden. Die Art der Vorfälle scheint zu beweisen, daß auch schon eine zentrale Führung der Opposition vorhanden ist. Die Nervosität in der Nationalsozialistischen Parteiführung wird auch dadurch gekennzeichnet, daß auf Befehl Hitlers die von dem nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Graf Reventlow herausgegebene Zeitung„ Der Reichswart" unter Vorzensur gestellt wurde. Graf Reventlow muß jede Ausgabe der Zeitung vor der Drucklegung der Pressestelle der Reichsregierung zur Zensur vorlegen. Die politischen Sünden Reventlows besteht darin, daß er ein entschiedener Antiklerifaler und ein erklärter Sozialist ist, wenn er auch die marristische Begründung des Sozialismus ablehnt. Die wachsende Unsicherheit der Lage im Reich. bie Bus spigung der Wirtschaftskrise und die zunehmende Furcht des Bürgertums vor Unruhen haben zu einem Vorstoß des Reichswehrministers, General von Blomberg. geführt. Er hatte sehr bewegte Aussprachen mit dem Reichskanzler, dem er keinen Zweifel darüber ließ, daß die Reichswehr sich gegen anarchische Zustände wende. General von: Blomberg und andere führende Reichswehrgeneräle befürchten schwere innere Konflikte bis spätestens im Herbst und stellen sich darauf ein. Ihre Politik ist, den Reichskanzler und die mehr oder minder versorgten Teile der SA. und SS. von den Sozialrevolutionären loszulösen und der wachsenden Revolu tionsstimmung einen bewaffneten konservativ- nationalen Blod mit charitativem Einschlag für die Massenopfer der auf lange hinaus unlösbaren Wirtschaftskrise au bilden. Totenklage des Zentrums Das Neueste Ein kläglicher Abschied Beschleunigtes Sterben Berlin, 7. Juli. Die Deutsche Zentrumspartei hat am Mittwoch beschlossen, sich aufzulösen. Die Reichsleitung des Zentrums teilt das in folgender Form mit: Die politische Umbildung hat das deutsche Staatsleben auf eine völlig neue Grundlage gestellt, die für eine bis vor kurzem mögliche parteipolitfiche Betätigung keinen Raum mehr läßt. Die Deutsche Zentrumspartei löst sich daher im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler Hitler mit fofortiger Wirkung auf. Mit dieser Auflösung gibt sie ihren Anhängern die Möglichkeit, ihre Kräfte und Erfahrungen der unter Führung des deutschen Reichstanzlers stehenden nationalen Front zur positiven Mitarbeit im Sinne der Festigung unserer nationalen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse und zur Mitwirkung am Neuaufbau einer rechtsstaatlichen Ordnung rückhaltlos zur Verfügung zu stellen. Die Zentrumspartei vollzieht den notwendigen orgas nisatorischen Abbau mit tunlichster Beschleunis gung. Sie darf hierbei loyalerweise damit rechnen, baß die Beschlagnahme von bisherigem Parteigut, parteipolitisch bedingte Verhaftungen von ehemaligen Parteiangehörigen in Zukunft unterbleiben und bereits Berhaftete wieder freigelassen werden, soweit nicht der Verdacht strafbarer Handlungen vorliegt. Sie gibt ferner der berechtigten Hoffnung Ausbruck, daß die bisherigen Anhänger der Zentrumspartei von den Führern der nationalsozialistischen Bewegung in Zukunft vor Diffamierung und Zurücksehung geschützt werden, und daß die katholische zum nationalen Staat positiv eingestellte Presse die gleiche Behandlung ers fährt, wie die übrige nationale Presse. Den Mandatsträgern im Reichstag, in den Landtagen und den kommunalen Körperschaften ist hinsichtlich der Beibehaltung ihrer Mandate völlige Beschlußfrets heit anheimgegeben. Die Mitglieder der bisherigen Zentrumsfraktionen treten also nicht geschlossen als Hospitanten in die Fraktionen der NSDAP. über, sondern bleiben vorerst fraktionslos und stehen ledig: lich durch Verbindungsmänner mit den Fraktionen der NSDAP. in Fühlung. Die Bestimmung dieser Verbindungsmänner erfolgt in unmittelbarer Verständigung mit den zuständigen Fraktionsvorsißenden der NSDAP. Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler und den zuständigen Fraktionsvorsitzenden der NSDAP. wird als Verbindungsmann der bisherigen Reichstagsfrats tion des Zentrums Herr Dr. Sadelsberger bei der Reichstagsfraktion der NSDAP. bestimmt. Die Reichss leitung des Deutschen Zentrums. Kurzum: Die Auflösung erfolgt sofort und bedingungslos. In allem fügt sich die einst mächtige Partei den Be fehlen des Diktators. Im übrigen ist der Text: Hoffen und harren. So stirbt die Partei der Windhorst und Reichensperger. Wer so zu Grunde geht, wird sich nie mehr erheben. Große Unterhaus- Debatte Alles gegen Hitler Man glaubt ihm nicht, man traut ihm nicht... ..Ungeschickter war bisher keiner** London, 6. Juli.( Eig. Meld.) Jm englischen Unterhaus tam es gestern ernent zu einer hochaktuellen außenpolitischen Debatte. Der Führer der Ars beiteroppofition Lansbury ebenso wie Chamberlain richteten bie schärfften Angriffe gegen die Politik des Reichskanzlers Abolf Hitler. Sie richteten an Deutschland nicht nur die Mahnung, endlich die Nevanchepolitik zu lassen, sondern sie forderten im Hinblick auf das„ riefige Wiederaufleben des Kriegsgeiftes", die schnellste Durchführung einer Unters fuchung über den Stand der deutschen Kriegsrüstungen. Systematischer Vorstoß Die englischen Parlamentsredner warteten mit reichhal #gem Material auf, mit dem sie die Feststellung des deutschen Wiederaufrüstens argumentierten. Im englischen Unterhaus wurde vor allem darauf hingewiesen, daß der Neichskanzler Hitler zwar den Vertrag von Versailles durch den Biermächtepakt selbst bestätigt und anerkannt habe, daß aber der neue politische Kurs in Deutschland in Wirklichkeit auf neuen Krieg zusteuere. Man habe in England wohl erkannt, daß die große außenpolitische Friedensrede des deutschen Reichskanzlers nur aus Opportunitätsgründen erfolgt set, da die deutsche Wiederaufrüstung noch einige Jahre in Anspruch nehme. Explosion in Bautzen Drel Tote, acht Verletzte cnb. Baugen, 6. Jult.( Eig. Meld.) Auf der Baußener Schießbleiche wurde am Mittwochabend das übliche Feuerwert der Baußener Schüßengesellschaft abgebrannt. Dabei ereignete sich gegen Schluß des Feuerwerks ein furchtbares Explosionsunglück, bem drei Menschenleben sum Opfer fielen. Ein schwerer Feuerwerkskörper explodierte nicht in der üblichen Weise, sondern blies aus. Dabei wurden ein junges Mädchen und ein 14jähriger Junge fofort getötet. Ein achtjähriger Knabe wurde so schwer verlegt, daß er kurz darauf starb. Weitere acht Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Ueber die nähere Ursache des Unglücks sind die Untersuchungen noch im Gange. Kurz vor Redaktionsschluß wird aus Baußen gemeldet: Bei dem Feuerwerksunglück find nicht, wie gemeldet, acht Personen, sondern nur sechs schwer verletzt worden. Der Feuerwehrmann Schöne aus Schland, der das Feuerwerk' lieferte, wurde in Haft genommen. Bombenabwurf und was das kostet! Duisburg, 6. Juli. Am 16. Juli wird in Duisburg eine große Bombenabwnrfübung der getarnten deutschen Wie dem„ Populaire" aus Chambery gemeldet wird, sind drei Soldaten des 99. Infanterieregiments, das gegens wärtig an Manövern in der Grenzgegend teilnimmt, bei einem Ausflug ins Gebirge am Bramans- Paß verunglückt. Einer stürzte einen 100 Mieter tiefen Abhang hinunter und war sofort tot, der zweite wurde an den Beinen schwer vers letzt, und der dritte blieb unverlegt und konnte Hilfe hera beiholen. Es ist beabsichtigt, den Arbeiterjamariterbund in das Rote Krenz zu überführen. Wie Havas aus Asuncion meldet, berichtet das Kriegss ministerium, daß die paraguayischen Truppen im Abschnitt Nanawa den Bolivianern viel Kriegsmaterial abgenommen und den bolivianischen Truppen Verluste von mehr als 1000 Toten und zahlreichen Verwundeten beigebracht haben. Wie die Agentur Indopacifique aus Schanghai berichtet, hat der Exekutiv- Yüan den Rücktritt des Befehlshabers des nordoftchinesischen Geschwaders, von dem fünf Schiffe ges meutert haben, des Admirals Tichnenschankun, angenommen. Aus Ersparnisgründen hat der französische Ministers präsident und Kriegsminister Daladier beschlossen, von der Veranstaltung des überlieferungsmäßigen Frühstücks ab zusehen, daß der Kriegsminister sonst am 14. Juli, dem Nationalfeiertage, zu Ehren der Mitglieder des Obersten Kriegsrats und der Armeekorps- Kommandanten zu geben pflegte. Die„ Danziger Landeszeitung", bas Organ der Rentrumspartei, beschäftigt sich mit der Auflösung der Danzig die Auflösung des Zentrums ab. Deutschen Rentrumspartei in Deutschland und lehnt für ** Boltskommissar Litwinow ist ans London in Paris angekommen. Er wird im Laufe seines Aufenthalts in Paris von Ministerpräsident Daladier und von Außenminister Paul Boncour empfangen werden. Im übrigen ist die ursprüngliche Savasmeldung aus London, daß Litwinow in Paris der Gast der französischen Regierung sein werde, bes richtigt worden. Die Faffung der Havasmeldung über seine Ankunft enthält diesen Rusaz nicht mehr, und auch in den Sonstigen Meldungen fehlt dieser Hinweis. * Max Schmeling und Anny Ondra wurden Donnerstag vormittag in Charlottenburg ftandesamtlich getraut. * Der Dampfer Theffalia" der Deutschen Levantelinie, der an Bord die sterblichen Ueberreste der jungen Fliegerin Marga v. Etzdorf führt, ist in Hamburg eingetroffen. Die Neben der englischen Parlamentarier fanden stürmische Die Erpresser Zustimmung des Hauses. Sehr eingehend wurden weiterhin die innenpolitischen Zustände in Deutschland besprochen. Als Beweis für die rücksichtslosen Verfolgungen der Repu blikaner in Deutschland wurden nicht etwa die Berichte von Flüchtlingen angezogen, sondern die offiziellen und offiziösen Berlantbarungen der deutschen Reichsregierung. Lansbury stellte weiter die Frage, ob es nicht möglich set, unter Artikel 11 der Völkerbundssabung, die Aktionen der Wir erhalten das nachfolgende Flugblatt, das in deutschen Städten verteilt wird und dessen Text auch als Inserat in deutschen Zeitungen erscheint. Es illustriert die Methoden der Erpressung und Drohung, mit denen in Hitler- Deutsch land, wo es bekanntlich keinen Terror und keine Judenver folgungen gibt, gearbeitet wird. deutschen Regierung zur Kenntnis des Bölkerbundes au Sie werden beobachtet bringen. Die deutsche Sozialdemokratie hat bei ihrer Friedens- und Berständigungspolitik stets in verstärktem Maße die Abrüstung der Weltmächte verlangt und sie hat stets auf den ungleichen Stand der Rüstungen hingewiesen. Was der neue Reichskanzler Adolf Hitler sich aber angesichts der Abrüstungskonferenz an Mißgriffen und Provokationen leistete, die sich im Auslande zuungunsten der deutschen Nation aus wirken mußten, das steht beispiellos da. Die Hitlersche Außenpolitik ist ein großer Aft des Hochverrats in Deutsch land. So ungeschickt wie der Reichskanzler Hitler, hat wohl noch kein deutscher Reichskanzler operiert. Es blieb Adolf Hitler vorbehalten, der Abrüstungskonferenz mit seiner provokatorischen Wehrpolitik selbst die Waffen gegen Deutschland in die Hand zu drücken. NS. dikttert Amtsenthebung in der sozialen Versicherung Berlin, 6. Jult. Wie das VDZ.- Büro meldet, hat der Reichsarbeitsminister eine Verordnung erlassen, nach der Inhaber von Ehrenamtern in der sozialen Versicherung ihres Amtes zu entheben sind, wenn sie auf Vorschlag einer rein wirtschaftlichen Vereini gung gewählt, berufen oder bestellt sind und die Vereinigung oder ihr Nachfolger bis zum 30. September 1933 erklärt, daß die Amtsinhaber thr Vertrauen nicht besitzen. Soweit die Neubesetzung eines solchen Ehrenamtes erforderlich ist, hat die Vereinigung oder ihr Nachfolger das Vorschlagsrecht. Diese Verordnung gilt entsprechend für die Beifißer aus dem Versorgungsberechtigten bei den Spruchbehörden der Reichsbehörden, wenn die NS.- Kriegsopferversorgung das beantragt. gnädige Frau! Warum schädigen Sie den nokleidenden Mittelstand? Warum haben Sie die Sucht dorthin zu gehen und Ihre Einfäufe da tätigen, wo große Räume, in denen Waren in raffinierter Aufmachung ausgestellt sind, zum Kauf loden? Nur um Augenweide zu haben an Waren meis den Sie das Deutsche Spezialgeschäft. Die Deutschen Spezialgeschäfte bieten Ihnen in Qua lität und fachlicher Beratung mehr Garantie für guten Einkauf und find ebenso leistungsfähig wie das Waren haus. Wenn Sie das Einkommen Ihres Mannes nicht gefährden wollen, so bleiben Sie den jüdischen Geschäften fern und kaufen nur in Deutschen Geschäften! Rampfbund des gewerblichen Mittelstandes: Kreisführung Meschede. Versicherungen gegen die Beschlagnahme des Eigentums von Emigranten Die nationalsozialistische Presse ist beunruhigt durch Meldungen aus Amsterdam, wonach Emigranten aus Deutschland sei großen Bersicherungsgesellschaften Policen gegen die Beschlagnahme ihres in Deutschland zurückgelasse nen Eigentums aufnehmen. Es sind bekanntlich in vielen Fällen durch SA. oder SS.- Formationen bei sogenannten Haussuchungen gewöhnliche Diebstähle und Plünderungen vorgekommen, die dann später von führenden Regierungsmitgliedern als unerlaubte Uebergriffe qualifiziert wurden. Später wurden solche Uebergriffe als amtliche Handlungen gedeckt. Die Versicherungsgesellschaften wollen das Deutsche Reich unter Anrufung des Völkerbundes in solchen Fällen zum Schadenersatz heranziehen. London vor dem Abbruch? Man bleibt formell beisammen, um das Ende zu vertuschen London, den 6. Juli 1938. Reuter zufolge verlautet, daß die amerikanische Delegation auf Grund des transatlantischen Tefefongespräches mit Präsident Roosevelt bereit ist, einer Vertagung der Weltwirtschaftskonferenz zuzustimmen. Sie wird sich aber gegen eine permanente Bertagung der Konferenz erklären und wird nachdrücklich dafür eintreten, daß einige der Ausschüsse der Konferenz wieder zusammenkommen sollen, wahrscheinlich in Genf. Die Delegationsführer, die hente abend eine Sigung abhalten wollen, werden den amerikanischen Bericht entgegens nehmen und die Entschließung betreffend die Bertagung aufstellen, die morgen der Plenarsession unterbreitet werden soll. Luftstreitkräfte durchgeführt werden. Es wird eine befon Für drei Monate bere große Zeltstadt errichtet, die von den Kampffliegern durch schwere Brandbomben in Brand gesetzt werden wird. Also eine regelrechte Manöverübung! Die Welt, die bisher nur die Zahlungsunfähigkeit des Herrn Hitler gehört hat, wird gewiß Augen machen- nicht nur, wo man die zum Bombenabwurf eingerichteten Flug= zeuge und geübten Piloten auf einmal hernimmt, sondern auch darüber, wo die großen Finanzmittel herkommen, die biese Luftmanöver kosten, Paris, 6. Jult. Das„ Echo de Paris" meldet aus London, daß der französische Finanzminister Bonnet noch gestern abend dem französischen Ministerpräsidenten Dala dier von der neuen amerikanischen Erklärung telefonisch Kenntnis gegeben habe. Daraufhin sei beschlossen worden, daß die Vertagung der Weltwirtschaftskonferenz nötig sei, und daß die französische Delegation am Samstag nach Paris zurückkehrt. Der Newyork Herald" berichlet aus London, daß die amerikanische Delegation gestern abend privatim eine Vertagung um drei Monate für angebracht gehalten habe. Präsident Roosevelt habe bei seinem Telefongespräch mit Unterstaatssekretär HuII anfänglich eine zehntägliche Pause für ausreichend gehalten, sich aber dann der Ansicht der amerikanischen Delegation angeschlossen und sich mit einer dreimonatigen Vertagung einverstanden erklärt. Paris, 6. Juli. Ueber die Konferenz, die die Vertreter der Länder, die an der Goldwährung festhalten, am Samstag in Paris in der Bank von Frankreich abhalten werden, berichtet das„ Echo de Paris", daß man versuchen werde, einen gemeinsamen Fonds zu schaffen, um die ges meinsame Verteidigung des Goldstandards zu schüßen, und daß die Schaffung dieses Fonds auch gelingen werde, , t ! It 24 It It It t. It Se It 8. it ent Te Its II. er ich rt. m en en es nd Von Nero zu Göring „ Reichstagsbrand" vor 2000 Jahren Zeitgenössische Berichte über ,, Brandstiftung" im kaiserlichen Rom Schuld waren damals nicht Sozialisten und Kommunisten, sondern die Christen Sonst alles wie unter Göring Am 16. Juni 817( nach der Gründung Roms), also im Jahre 64 unserer Zeitrechnung, ging Rom, die Stadt der Cäsaren, in Flammen auf.„ Das Feuer," so schilderte es Tacitus, dem wir die eingehendste Darstellung jener Zeit verdanken, in den„ Annalen"( Buch 15, Kapitel 38 bis 45), nahm seinen Anfang beim Zirkus, der an Palatin und Celius grenzt. Die Fenersbrunst, furchtbar schön in ihrer Entstehung und vom Winde begünstigt, ergiff den Zirkus in seiner ganzen Ausdehnung, zumal seine mit Waren ge= füllten Buden die Flammen nährten. Denn es gab weder Brandmauern noch sonst etwas, das dem Feuer Widerstand leiftete. Stürmisch breitete es sich aus, zuerst auf die unteren, dann auf die oberen Teile. Es fletterte wieder herunter und verwüstet die unteren Viertel so schnell, daß alle Abwehrmaßnahmen versagen, zumal die Stadt mit ihren engen und winkligen Gäßchen ihm eine leichte Bente bietet... Oft, wenn man um sich blickte, war man seitlich oder von vorn von Flammen eingefreift. Gelang es einem in die Nachbarschaft zu entkommen, sah man auch sie in Flammen, und selbst die entferntesten Viertel brannten lichterloh.( 38)... Erst am sechsten Tage gelang es, das Fener bei den Esquilien einzudämmen, indem man die Gebäude auf einem großen Platz zerstörte und ihm so eine tahle Fläche entgegensette..." Nero war Kaiser von Rom. Er war von einer krankhaften Grausamkeit. Seine Mutter und seinen Bruder hat er ermorden lassen( Sueton 6, 39; Tacitus 14, 1; 15, 62), seine Frau zu Tode gequält. Gegen mißliebige Politiker ließ er unbegründete Prozesse anzetteln und sie des Hochverrats, der Unterschla gung, der Untreue beschuldigen.( Tacitus 15, 20, 35.) „ Den Anklägern wurde Befehl gegeben, ihm seine Vers schwendung und Freigebigkeit vorzuwerfen, die seine Neis gung für eine Revolution bewiesen." Aber nicht genug. Zahllos sind die Politiker, die während seiner Regierung auf seinen Befehl abgeschlachtet wurden. Silanus, Laternanus, Lupanus, Silcicius- nur einige Beispiele für hunderte.( Tacitus 13, 1; 15, 60; 68, 70.) Dabei war Nero feige. Er befand sich in ständiger Furcht vor einem Attentat. " Immer stärker zitterte er, trok der Schutzstaffeln( SS.), beren Zahl er vervielfacht hatte, damit sie einen Wall um ihn bildeten."( Tacitus 15, 57.) Seltsamen Lüften fröhnte er.( Tacitus 15, 37.) Dem Rauschgift und( Tacitus 14, 1), der Homosexualität. " Der Kaiser, besessen von allen erlaubten und verbotenen Gelüften, schien alle Scham verloren zu haben. Denn einige Tage später nahm er sich aus der Schar der Luftknaben ein Individuum namens Pythagoras und ließ sich mit ihm feierlich trauen. Nero nahm den Brantschleier; man ließ Zengen kommen; das Brantbett und Hochzeitsfadeln wurs den gerichtet. Schließlich sah man das, was die Nacht be= deckt, sofern es sich um Mann und Frau handelt."( 37.) Den zeitgenössischen Historikern fällt seine Sucht auf, fich in merkwürdig theatralische Kostüme zu hüllen( Sue ton 6, 38), also im Gegensatz zur römischen Toga in wallende braune Tücher etwa, oder in braune Hemden, überhaupt sich in Szene zu setzen und Theater zu spielen( Dion Cassius 58, 23; Sueton 6, 38; Tacitus 15, 33; 16, 4.) In dieses Gebiet gehört es auch, daß sich Nero sehr gern reden hörte und bei diesen Reden den Mund sehr voll nahm.( Suetot 6, 37.) Eine seiner Reden, kurz vor dem Brande, ist bedeutsam. „ Keine Regierung vor ihm so fagte er habe das ges durft, was ihm erlaubt sei. Und er ließ ganz eindeutig vers nehmen, daß er auch den Rest des Senats nicht schonen werde. Eines Tages werde er diese Einrichtung der Repus blik verschwinden lassen, um die Provinzen und die Armee römischen Rittern anzuvertrauen."( Sueton 6, 87. Und dann brannte Rom... Als einer der ersten erscheint Nero am Tatort: ,, Er betrachtet das Feuer vom Turm des Mäcenas aus"( Sueton 6, 36), und hält sofort eine Rede.( Tacitus 15, 39; Sueton 6, 38; Juvenal Satiren 8, 219.) ,, Entzückt von der Schönheit der Flammen, wie er sagte, sang er das Lied von der Zerstörung Trojas( von ihm, gedichtet: Juvenal 8, 219) im Theatergewand."( Sueton 6, 38.) Ein Verbot wurde erlassen, dem Feuer mit den aus. reichenden Löschmaßnahmen zu begegnen.( Tacitus 15, 38.) ,, Manche schleuderten sogar offen Brandfackeln und schrien, sie seien dazu autorisiert, vielleicht weil sie plündern wollten, vielleicht weil sie wirklich Befehle erhalten hatten.( Ebenda.) Um möglichst viel von dem Brande zu profitieren, versprach Nero, die Leichen und Trümmer kostenlos beseitigen zu lassen( Sueton 6, 38) und erklärte sofort, daß die zerstörte Stadt umgehend aus Staatsmit teln neu aufgebaut werde, worüber natürlich eine gewisse Zeit vergehe.( Tacitus 15, 42; 43.) Kein Wunder, daß sofort das Gerücht auftaucht: „ Nero hat Rom anzünden lassen!"( Tacitus 15, 39; 40; 44.) Illegale Flugblätter werden verteilt, deren Urheber man nicht herausbekommt.( Sueton 6, 39.) Darauf steht: „ Nero hat Rom anzünden lassen!" Nero läßt billige Lebensmittel verteilen; läßt Baracken errichten, um die Massen der Obdachlosen aufzunehmen; öffnet, um das umherirrende, wohnungslose Volk zu trösten, das Marsfeld, dessen Baulichkeiten, selbst seine eigenen Gärten.( Tacitus 15, 39.) „ Aber alle diese Maßnahmen verfehlten ihren Zwed: die Popularität," sagt Tacitus.( Ebenda.) Hartnäckig hält sich das Gerücht: Nero hat Rom anzünden lassen!"( Tacitus 15, 40.) Das Gerücht wächst in Gewißheit. Mehrere Konsuln, die in ihrem Hause Sklaven mit Werg und Fackeln überraschten, hatten diese nicht festzunehmen gewagt, weil sie Bescheid mußten, und Getreidespeicher, die dicht bei dem Haus mit der Goldkuppel ein belebtes Terrain einnahmen, wurden erst niedergerissen und dann an gezündet, weil sie aus behauenen Steinen waren."( Sueton 6, 38; Dion Caffius 62, 16.)- ,, Rein menschliches Mittel." sagt Tacitus( 15, 44),„ weder die Großzügigkeit Neros noch die großen Reden( Gottesdienste) sind mehr imstande, das schimpfliche Gerücht verstummen zu lassen, wonach die Feuersbrunst von der Regierung anbefohlen war." Und nun durchschaut man auch den Zweck des Manövers. Kölns Riesenpleite 36 Millionen Mark Fehlbetrag Teilweise Zahlungseinstellung unter nationalsozialistischer Führung Allgemeiner Abbau Der frühere Kölner Oberbürgermeister hieß Ade. nauer. Der jezige von den Nationalsozialisten eingesetzte heißt Riesen. Als der Umschwung kam, meinte Der Kölner Galgenhumor:„ Die Adenauer pleite haben wir hinter uns, die Riesen pleite haben wir vor uns" Aus dem Witz ist rasch bitterer Ernst geworden. Dr. Riesen und seine Kommissare haben binnen weniger Monate die schon unter Zentrumsführung herabgewirt schaftete Finanzverwaltung vollständig ruiniert. Man ge nieße eine Verfügung, die das Verwaltungsblatt der Riesenrekord der Stadt Köln tung muß vielmehr mit allen nur erdenklichen Mittelu vers suchen, einen möglichst weitgehenden Abbau von Einrich tungen, die zur Erfüllung freiwillig übernommener Aufs gaben dienen, und eine allgemeine Berringerung der Auss gaben durchzuführen. Da die Prüfung, Vorbereitung und Durchführung der erstgenannten Maßnahmen noch eine gewisse Zeit erfordern, werden zunächst folgende allgemeine Anord nungen getroffen: Alle Beamten und Angestellten, die mit der Einziehung von Einnahmen oder mit der Verwaltung Nicht um Rom neu aufzubauen( Sueton 6, 38; Tacitus 15, 40), ließ man es in Flammen aufgehen. Die Brandstiftung galt der Vernichtung der ersten Christenkommune... doch hören wir die Schilderung des Tacitus( 15, 44): „ Auch um dieses Gerücht zu beseitigen, suchte Nero Schul: dige und wandte raffinierte Foltermethoden gegen die an, deren Lehren man verabscheute. Die Menge nannte sie Christen. Dieser Name tommt Christus, den Pontins Pilatus unter der Regierung des Tiberius hatte foltern laffen. Zunächst unterdrückt, kam diese scheußliche Einrich tung von neuem auf, nicht allein in Judäa, wo sie ihren Ursprung hatte, sondern auch in Rom, wo alles Graufige und Schimpfliche aus aller Welt zusammenfließt und eine zahlreiche Anhängerschaft findet. Man ergriff also zunächst die, die sich offen zu ihrem Glauben bekannten. Dann auf Grund ihrer erpreßten Geständnisse viele andere, die man weniger der Brandstiftung, als allgemeiner Umtriebe be schuldigte. Man begnügte sich nicht damit, sie zu vernichten. Man vergnügte sich damit, sie in Tierfelle zn kleiden, das mit sie von den Hunden zerrissen wurden. Oder sie wurden auch ans Kreuz geschlagen, mit Teer bestrichen angezündet, und leuchteten, wenn der Tag fich neigte, in der Dunkelheit wie Fackeln. Nero hatte seine Gärten für dieses Schauspiel hergegeben; er gab mit ihnen auch Vorstellungen im Zir: fus, wo er sich bald im Gewande eines Kutschers unter das Volt mischte, bald aufrecht auf seinem Wagen an den Wett: rennen teilnahm. Und obwohl diese Leute doch schuldig und letter Strenge würdig schienen, hatte man doch Mitleid mit ihnen. Denn man sagte sich, daß man sie nicht im Staatsinteresse, sondern um der Grausamkeit eines ein: zelnen willen vernichtete." Unbequeme Mitwisser am Hofe ließ man natürlich verschwinden. Seneca, Lehrer und Berater des Kaisers, stellte sich bald darauf krank und bat, sick, in eine ferne Proving zurückziehen zu dürfen. Man verweigerte es ihm, und auf Neros Befehl unternahm sein Diener Cleonicus einen Giftmordversuch gegen ihn. Der mißlang( Tacitus 15, 45); doch zwang man Seneca etwas später zum Selbstmord.( 15, 63; 64.) Die Steuern stiegen durch den Wiederaufbau Roms ins Ungeahnte.( Sueton 6, 38; Tacitus 15, 45.) Die allgemeine Unzufriedenheit wuchs. Schon hört man von einem Aufstand der Gladiatoren von Prenest( Tacitus 15, 46), später von anderen Verschwörungen und Erhebungen( Sueton 6, 40! Tacitus 15, 19 bis 53.) Ganz offen spricht man im Volfe von Spartakus und den Wehen seiner Zeit. Denn das Volk wünscht und fürchtet gleichzeitig die Revolution.( Tacitus 15, 46.) Nero verbannte die Revolutionäre. Er beschlagnahmt ihr Vermögen. Er errichtet auf den ägäischen Inseln Konzentrationslager( Tacitus 15, 71) Er veröffentlicht eine Anklageschrift gegen die Verbannten( 15 73). Er ruft seine Soldaten zusammen, gibt jedem 20 000 Mark und kostenlos Getreide, das sie sogleich wieder zum Marktpreis verhökern( 15, 72). Man kennt das Ende: Ein allgemeiner Volksaufstand, und Nero wird durch Marodeure im eigenen Lager von seinen eigenen Schutzstaffeln beseitigt.( Sueton 6, 40). Alles schon dagewesen, sagte Ben Akiba... Prokurator. Ist Stelling ermordet? Man behauptet: von der SA. zu Tode gemartert Berlin, 1. Juli. Der sozialdemokratische Abgeordnete und Mitglied des Pateivorstandes, Johannes Stelling, ist im Verlauf der letzten Aktionen gegen die SPD. von SA.Leuten verhaftet worden. Stelling wurde von den SA.- Bestien furchtbar mißhandelt; seither ist er spurlos verschwunden. Man befürchtet, daß man ihn zu Tode gemartert und daß man seinen Leichnam beiseite geschafft hat. Solche Gerüchte sind seit Wochen zu uns gedrungen. Wir konnten bisher Gewißheit nicht erlangen. Inzwischen haben schon vor einer Reihe von Tagen ausländische Zeitungen gemeldet, Stelling sei ermordet, ohne daß die Nachricht bisher dementiert worden wäre. Wir fragen also die Reichsregierung: Wo ist der Reichstagsabgeordnete Stelling? Stadt Köln als Kundgebung des Oberbürgermeisters ver- von Haushaltplanmitteln betraut find, find über den Er Ohrfcigen für Thyssen öffentlicht: Die Finanzlage der Stadt Köln hat sich in den letzten Jahren derart tatastrophal entwickelt, daß der Haushaltplan für 1933 trop bereits durchgeführter umfangreicher Sparmaßnahmen mit einem Fehlbetrag von 36 374 000 art abschließt. Um die im Haushaltplan vorgesehenen Ausgaben leisten zu können, müßten mithin Rassentredite in Höhe von mehr als drei Millionen Mark monatlich aufgenommen werden. Da jedoch auf diesem Wege Mittel überhaupt nicht beschafft werden können, müßte die Stadt Köln, sofern nicht eine Verringerung des Haus= haltfehlbetrages möglich ist, mit weiteren Zahlungsverpflich tungen in der angegebenen Höhe im Rückstande bleiben. Eine teilweise Zahlungseinstellung in diesem Umfang fann aber nicht nur für die Stadt Köln die schwerstwiegenden Folgen haben, sie muß sich auch auf die übrigen Wirtschaftskreise in bedrohlichster Weise auswirken. Es muß daher unter allen Umständen versucht werden, den Fehlbetrag in ganz erheblichem Maße zu vermindern. Bei der Höhe des der städtischen Finanzlage genau zu unterrichten. Insbesondere haben bis auf weiteres alle freiwilligen Leistungen der Stadt, soweit sie nicht zur Aufrechterhaltung der bestehenden Einrichtungen unbedingt notwendig sind, zu unterbleiben. Es kommen hier unter anderm in Frage: Zuschüsse und Beihilfen, Vereinsbeiträge, auf jeder zeitigen Widerruf bewilligte Unterstügungen. Auf die vollständige und pünktliche Einziehung der Einnahmen ist mit größtem Nachdruck hinzuwirken. Die bei den Besoldungsmitteln vorgesehenen Einbehaltungsbeträge auf Grund der preußischen Verordnung vom 8. Juni 1982 ( 2,5 und 5 v. H.) und die entsprechenden Anteile an den für die Ruhestandsreglung vorgesehenen Mitteln sind einzusparen, also nicht an die Kasse der Nebenkassen abzuführen. Nur von einer Herabsetzung der hohen Tagegelder für die Nazikommissare verlautet nichts. Haushaltfehlbetrages kann die Stadt Köln nicht ab. Die wilden Aktionen warten, bis die von der Reichs- und Staatsregierung zu erwartenden Maßnahmen, insbesondere hinsichtlich einer anderen Verteilung der Wohlfahrtslasten, einer möglichen weiteren Zinssenfung und einer Aenderung der Finanzund Lastenausgleichreglung getroffen sind, da sie doch nur eine teilweise Entlastung bringen können. Die Stadtverwals NSDAP. droht mit Ausschluß Die NSDAP. bedroht jeden Parteigenoffen, der sich an Einzelaktionen gegen Konsumvereine oder die dafür eins gesetzten Kommissare beteiligt, mit Ausschluß. Auftritt in Pariser Luxushotel In einem der vornehmsten Pariser Hotels, dem Hotel Claridge", spielte sich dieser Tage eine aufsehenerregende Szene ab. Seit einigen Tagen wohnte dort der Hamburger Großindustrielle August Thyssen, der zu den eifrigsten Förderern der nationalsozialistischen Bewegung gehört und einer ihrer Hauptgeldgeber war. In der Halle des Hotels saßen an einem Tisch mehrere Gäste, die sich in deutscher Sprache über Hitler unterhielten. Thyssen, der am Nebentisch saß, paẞte anscheinend die Kritik nicht und er rief im erregten Tone: " Ich halte Hitler für das größte Genie der Welt, der auch den Franzosen über kurz oder lang eine richtige Lehre geben wird!" Auf diese Herausforderung antwortete ein Mitglied der anderen Gesellschaft, Hitler sei ein Jdiot. Thyssen sprang auf, ergriff ein Glas und schrie: „ Wenn Sie das nicht widerrufen, werfe ich Ihnen das Glas an den Kopf!" Der Mann, an den diese Aufforderung gerichtet war es handelt sich um einen Deutschen stand auf, trat dicht an den Nazi- Industrie- Kapitän heran und bevor Thyssen feine Drohung wahrmachen konnte, hatte er eine schal. lende Ohrfeige erhalten. Offo Burgemeister, Amsterdam: Holland fühlt sich bedroht! Nationalsozialisten setzen die alldeutsche Kriegspolitik fort Weniger die zahlreichen Artikel deutscher Naziorgane seit Monaten, in denen Niederland als Teil des großen Germanenreiches der Zukunft für den Zuchthausstaat Hitlers beansprucht wird, als die ununterbrochene Wühlarbeit der deutschen und von diesen abhängigen holländischen Nationalsozialisten zeigen deutlich, welche Gefahren de m europäischen Frieden hier in absehbarer Zeit drohen. Die deutsche Nazibewegung selbst tritt in Niederland mit einer wachsenden Frechheit auf. Je näher der deuts schen Grenze, desto schlimmer ist der Terror. Während der deutsche Gauleiter Pasig in Amsterdam sich für diese Stadt zunächst damit begnügen mußte, die 800 Mitglieder der Amsterdamer Ortsgruppe des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes und die zwölf Sport- und Vergnügungsvereine der Amsterdamer Deutschen zu je 100 Mitgliedern durch Veränderungen im Vorstande gleichzuschalten, wurde in Limburg bereits eine sogenannte " Deutsche Kolonie" als Dachorganisation unter dem Einfluß des Maastrichter deutschen Konsulates gebildet, und der Vorsitzende des Katholischen Arbeiterverbandes teilte anläßlich der Generalversammlung seiner Organisation in Utrecht am 21. Juni d. J. mit, daß den Limburger Deutschen für den Fall ihrer Nichteintragung in die Listen dieser " Deutschen Kolonie" der Verlust ihrer Staats= angehörigkeit einschließlich aller sich daraus ergebenden Rechte angedroht sei. Nach seinen Informationen soil diese Zwangskoloniebildung von den Nazis allmählich auf ganz Holland ausgedehnt werden. In Eindhoven werden im Cafe Rheingold unter Leitung des berüchtigten Kreisleiters Hans Wolters bereits Femegerichte abgehalten, wo direkte Aufhebung zum Morde stattfindet. So wurde nach einer Mitteilung in Het Volf" vom 24. Juni auf Veranlassung des genannten Hans Wolters von einem dazu bestimmten Sturmbannführer auf einen rechtzeitig ge= warnten deutschen Einwohner ein vergeblicher Mordversuch unternommen. Dennoch sind die mit deutschem Geld ausgehaltenen nationalsozialistischen und faschistischen holländischen Bewegungen weit gefährlicher. Drei Gruppen stehen hier im Vordergrunde. Die nationalsozialistische Bewegung in Niederland unter Leitung des in der rheinischen Stadt Goch von einer anderen holländischen Nazigruppe fast verprügelten Ingenieurs Mussert scheint erst einmal neue Anfnüpfungspunkte in Deutschland gesucht zu haben, da Mussert in der Nummer vom 1. d. M. in seiner Zeitschrift ,, Volk en Vaderland" mitteilt, daß er von einer Urlaubsreise nach Deutschland und Italien zurückgefehrt sei. Die Hakenkreuznazis des nach Deutschland geflohenen Dr. van Rappard in Heelsum und des A. van Waterland in Amsterdam sprechen in ihrem Blatt„ De Nationaal- Socialist" von dem Zusammenarbeiten aller Niederländer einschließlich der belgischen und fran= zösischen Vlamen und von dem Zusammen: schluß der Niederländer mit den Deutschen, Standinaviern und Schweizern zu einem großen Gers manenreich. Selbst ein Arnhemer katholisches Blatt, De Gelderlander", hat bereits erklärt, daß Rappard und Konsorten ohne deutsches Geld ihre Propaganda nicht zu führen vermöchten. Diese Gruppe arbeitet auch unter den Niederländern in Westdeutschland. Die Schwarzhemden des naturalifierten Engländers Haighton im Haag stehen dem Herzen des Herrn van Beuningen in Rotterdam, des Vertreters des Ruhrkohlensyndikates und Erwerbers der Utrechter Dokumente im Jahre 1929 sehr nahe, wie das frühere Mitglied van 3tip in einem Blatte in Amersfoort verriet. Außer diesen ausgesprochen nationalsozialistischen bzw. faschistischen Bewegungen bedienen sich die deutschen Nazis noch eines dritten Weges zur Untergrabung des heutigen holländischen Staatsgefüges, und dies ist die sogenannte dietsche Propaganda. Dietschland ist der alte Name für das Großniederland der burgundischen Zeit und der Zeit Karls V. bis zum niederländischen Aufstand gegen Spanien, wo Belgisch- Flandern und die französischen Nordost- Departements mit Lille noch niederländisch waren. Eine ungeheure Wühlarbeit wird gleichzeitig von Niederland aus in Flandern entfaltet, wobei die Zeitschrift„ De Dietsche Gedachte"( Der großniederländische Gedanke) als Mittel zum Zweck dient. Schrieb dieses Blatt schon im Sommer 1931 von einem Niederland vom Dallart bei Emden bis zur Straße von Calais, so propagiert es jetzt auf Seite 188 seiner Juninummer 1933 den offenen Staatsstreich durch den Rat von Flandern zum Zwede der Befreiung Flanderns von Belgien mit einer Grundsazerklärung, wonach das vläs mische Volk einen untrennbaren Bestandteil des nieder: ländischen Volkes ausmacht. Gleichzeitig wird die Errichtung von neun Sekretariaten für innere Politit, auswärtige Politik, Finanzen, Unterricht usw. vorgeschlagen, die demnach augenscheinlich Ministerien werden sollen. Wenn man dann noch in Betracht zieht, daß auf dem Dietschen Landtag in Mecheln am 10. und 11. Juni d. J. drei niederländische Redner von der belgischen Friedhof an Rhein und Ruhr Trostlose Denkschrift der niederrheinischen Handelskammer die Hälfte Einzelhandel ruiniert Die Niederrheinische Industrie- und Han delskammer Duisburg- Wesel zu DuisburgRuhrort, hat soeben eine Denkschrift veröffentlicht, die in schroffem Gegensatz zu den amtlichen Schönfärbereien über die deutsche Wirtschaftslage steht. Die Denkschrift unterstreicht den Rückgang der Beschäftigung in allen Zweigen, den Verfall von Industrie, Handel und Verkehr. Beinahe um die Hälfte ist die Gesamtzahl der Arbeitneh mer in drei Jahren zurückgegangen, von 170 000 Beschäf= tigten im Jahre 1929 auf 95 000 im Jahre 1932 und, wenn man die Zahl der Arbeiter allein betrachtet, von 143 000 auf 75 000. Die großen Betriebe der Eisen- und Metallgewinnung weisen einen Rückgang um 55,6 Prozent auf, die Herstellungsbetriebe von Eisen, Stahl- und Metallwaren verzeichnen sogar eine Einbuße von 68,7 Prozent, ebenso das Holz- und Schnitzstoffgewerbe, und das Baugewerbe weist die geradezu verheerende Rückgangszahl von 74,1 Prozent auf. Aber nicht genug damit: der Bergbau ist um 49,9 Prozent, die Maschinenindustrie um 48,6 Prozent und die Textilindustrie um 46 Prozent zurüdgegangen. Um dessentwillen", so heißt es in der Denkschrift, sprechen diese Zahlen eine so furchtbare Sprache, weil es sich um die Lebensadern des Gebiets handelt und weil, was sonst nur wenigen Wirtschaftsbezirken selbst in den schwersten Wirtschaftskrisen versagt geblieben ist, fehlt: Ausgleichsmöglichkeiten in Aufstieg, Erhaltung oder doch mindestens geringerer Einbuße bei dem einen Gewerbezweig, wenn es dem andern besonders schlecht geht und umgekehrt." Die Produktionsmittelindu= strien werden von der Krise in erster Linie erfaßt, aber auch die Verbrauchsgüterindustrien und die damit verbundenen Gewerbe find gerade im Kammerbezirk durch ein unglückliches Zusammenwirken verschiedener SonRückgang der Belegschaften um derumstände in ein besonders starkes Abgleiten geraten. So haben die zoll- und handelspolitischen Maßnahmen in sehr starkem Maße die Bocholter Baumwollspinnereien und Webereien getroffen, so übten fie auf den Lebens: mittelimport sehr starke Rückwirkungen aus, und nicht zuletzt wurde der Einzelhandel fast im gesamten Bezirk mit dem Zusammenbruch der allgemeinen Kauftraft in die Tiefe gerissen. Dazu kommt die immer noch trostlose Lage der Rhein fchiffahrt. Nicht nur der Erz-, Kohlen-, Eisen- und Holzumschlag ist bis ins Mark getroffen, auch die Getreideeinfuhr ist bis auf 1½ zurückgegangen. Nicht allein veränderte Verhältnisse, sondern auch der Rheinschiffahrt abträgliche Kräfte im eignen Volke tragen dazu bei. Die Wirtschaft am Niederrhein muß nachgerade mit berechtigter Leidenschaft Verwahrung gegen Auffassungen einlegen, die dem Rhein und seinen Verkehrsbelangen eine geringere vaterländische Regierung ausgewiesen wurden, weil am gleichen Tage u. a. die Heeresdienst verweigerung der vlamischen Jugend im belgischen Heer behandelt werden sollte, dann tritt flar zutage, welchen Zielen diese Propaganda dient. Die Zerschlagung Belgiens gehörte zu den alldeutschen Kriegszielen des Weltkrieges, und die Nazis sind die politischen Erben der Alldeutschen. Wie sehr der dietsche Gedanke von den deutschen Nazis unterstützt wird, kam in einem Artikel des Berliner„ Tag" vom 22. Juni deutlich zum Ausdruck, wo die„ Drahtzieher in den Amsterdamer und Haager Klubs" im Hinblick auf die wachsende Stärfe dieser Bewegung gewarnt wurden. Schließlich wird neuerdings auch die friesische Bewe gung von den Nazis mißbraucht. Der gleiche Artikel des " Tag" weist darauf hin, daß die Friesen in Holland Anschluß bei ihren Stammesgenossen im Reich suchen, und der Nieuwe Rotterdamsche Courant" vom 28. Juni veröffentlichte einen langen Bericht über die Errichtung der Friesischen Faschisten- Front am 30. Mai 1933. Von diesem Gesichtspunkte aus gewinnen auch die Aufriesentage 1925 in Jever, 1928 in Leeuwarden und einige Jahre später in Husum eine andere Bedeutung. Selbstverständlich haben die Nazis noch mehr Mittel und Wege, um Holland für ihre Ziele sturmreif zu machen. Der geheime Spizeldienst unter Leitung des Gauleiters Pa big, der durch Rundschreiben des Reichstagsabgeordneten Dr. Nieland Hamburg vom 9. November 1932 seine Richtlinien erhielt, ist bisher trop der Veröffentlichung dieses Rundschreibens in Het Volt" im Februar d. J. von der Niederländischen Regierung nicht unterdrückt worden; seine Bedeutung liegt zweifelsohne ebensosehr auf militärischem wie auf politischem Gebiete. Die starke Position des niederländischen Guldens ist ihnen naürlich ein Dorn im Auge; ein finanziell starkes Holland wird sich nicht leicht von Deutschland ins Schlepptau nehmen lassen. War es daher vielleicht nur ein Zufall, daß der Petros leumfönig Deterding, der doch auch zu Hitlers Gelds gebern gehört haben soll, in einem Schreiben an die Amsterdamer Handelsgesellschaft eine Gulden- Inflas tion warm empfahl? Daß er in dieser Körperschaft alls gemeinem Widerspruch begegnete, ist begreiflich. Was sich in Holland einstweilen noch hinter den Kulissen abspielt, ist die Fortsetzung der alldeutschen Kriegszielpolitik mit anderen Mitteln. Es ist hohe Beit, daß die europäische öffentliche Meinung auf dieses Treiben aufmerksam wird! Tage, als Hoover die blutige Attade gegen die Veteranen befahl, Kansas. Als er hörte, daß W. W. Water die Bonus fordernden Veteranen, Khafishirts nannte, ernannte er sich sofort als den Western Kommandeur dieser Khakishirts, und dann als Water von ihm abrückte ernannte er sich zum Na tionalfommandeur. Gewiß Größenwahn und Lächerlich feiten! Polen befiehlt- Hitler gehorcht Neuer Rückzug Vor Warschau Das deutsche Generalfonsulat in London hat einer Reihe poluischer Staatsbürger, die durch Deutschland nach Polen zurückreisen wollten, das Durchreisevisum verweigert, weil sie Juden sind. Diese Nachricht wurde laut„ Daily Herald" vom polnischen Konsulat in London auch bestätigt. Inzwischen aber hat die polnische Regierung gegen diese Benachteiligung ihrer Staatsbürger, die infolge Verweigerung der deutschen Durchreisevisums große Umwege machen mußten, mit dem Erfolge protestiert, daß nunmehr das Durchreisevisum wiederum ohne Rücksicht auf Konfession oder Abstammung allen polnischen Staatsbürgern erteilt wird. Note geben wollen, nur weil die Mündung des Stromes Flucht ins Ausland nicht in Deutschland ist." Die Denkschrift wendet sich dann von der Schilderung des Ablaufs der Dinge im gesamten Kammerbezirk Duisburg Hamborn, als Kern des Gebiets, zu, wobei naturgemäß im Mittelpunkt die Frage Hütte RuhrortMeiderich" steht. Dazu wird abschließend gesagt:„ Auch ganz Duisburg- Hamborn wird sich nicht wieder zu wirklicher Bollkraft erholen können, wenn es nicht gelingt, gerade hier wieder neues Leben erstehen zu lassen." Nach einer besondern Betrachtung der Lage Wesels behandelt die Schrift kurz das eigentliche Grenzgebiet, das, vom Fremdenverkehr in früheren Zeiten besonders begünstigt, heute die schweren Schattenseiten dieser Grenzlage, besonders in Form des Schmuggels, fennenlernen muß. Was einst zum Segen war, hat sich auch hier zum Unheil verkehrt. Braunhemden in Amerika Ein geschäftstüchtiger Mister Smith Man schreibt uns aus Philadelphia: In Philadelphia hat sich jetzt unter der Führung von einem Artur J. Smith eine Organisation gegründet, die dem Adolf Hitler nachzuäffen versuchen. Die Zeit der Krise scheint ihnen die geeignete zu sein, um ihre sogenannte Ideen, die noch nicht einmal geboren wurden, zu propagieren. Die Hauptsache scheint für diese Herrschaften zu sein, sich erst einmal ein Khakishirt zu besorgen und eine ent= sprechende Kopfbedeckung. Dieser Smith scheint aber auch ein großer Geschäftsmann zu sein: wie feststeht, verlangt er von jedem, der sich in seine Organisation aufnehmen lassen will, 2 Dollar. Einen davon behält er für sich, für den andern bestreitet er seine Organisationsaufgaben. Außerdem hat er sich den Verkauf der Uniformen für einen hohen Preis vorbehalten. Nach seiner eigenen Auffassung ist er das amerikanische Gegenstück der Hitler und Muffolini. Neben der Uniformierung fommt natürlich die Bewaffnung in Frage, ganz so leicht hat es da der Smith nicht, wie seine europäischen Kollegen, Mordwaffen, wie Revolver, Dolch usw. sind wohl vorhanden, aber nicht so leicht zu tragen, da die Geseze dem entgegenstehen. Diese braunen Gesellen werden also mit Knüppel und Gasrohrstücken ausgerüstet sein. Zunächst sollen alle radikalen Elemente ausgerottet werden, selbstverständlich kann es ja nicht anders sein, denn noch braucht man ja Geld, die Zeitungen und auch die Popularität, um aber auch die große Masse der indifferenten Arbeiter fangen zu fönnen, hat dieser Smith auch versprochen zu versuchen, J. P. Morgan und die " Sweatshopbosse" zu hängen. Zwei Tausend dieser Burschen haben auch bereits eine Parade der Veteranen in Philadelphia gestört und gestohlen. Sie drängten sich in den Zug und zerstörten die Einheit. Smith selbst gibt die Zahl seiner Anhänger, sicher übertrieben, auf 7000 an. Die Anfänge dieser Organisation gehen zurüd auf den Bonusmarsch im vorigen Sommer. Smith fam mit seinem fleinen Trupp von Hollywood, und erreichte gerade an dem Braune und schwarzweißrote Emigranten In Prag und Paris mehren sich die landflüchtigen Stahls helmer, atmen in Feindesland" auf und zeigen sich hoch= erfrent darüber, daß es noch Demokraten gibt und daß man beim„ Erbfeind" vor der„ nationalen Erneuerung" ficher ist. Zwei von ihnen erklärten vor Prager Emigranten- Auss schüssen, sie seien geflohen, weil sie zuviel wußten und weil ihnen die„ Einigung aller Deutschen" lebensgefährlich wurde. Da der Zuzug von dieser Seite andauert, wäre es Bruderpflicht der Deutschnationalen, endlich eigene Emis grantenfomitees einzurichten, denn sie können doch die erste Hilfe für geflohene Stahlhelmer nicht allein den Demokraten und Sozialisten überlassen. Die deutschnationalen Blät ter aller Abarten hingegen mögen ruhig weiter auf die marristischen Ausreißer" schimpfen. Aber sie sollten allmäh= lich sagen, wie sie sich zu den landflüchtigen Erneuerern zu stellen gedenken, zumal im Ausland sehr bald mit dem Ans drang getürmter Nazioppofitioneller zu rechnen ist. Wer soll sich da überhaupt noch auskennen? Defters reichische Naziausreißer find auf der Flucht vor Dollfuß bereits in Deutschland eingelaufen, deutsche Nazioppofi tion flüchtet hinter den Stahlhelmern her nach Kopenhagen und Zürich, Prag und Paris- es ist notwendig, daß bes rufene nationale Ausschüsse in dieses Durcheinander endlich Ordnung bringen. Straßbourg Unsere Inseraten- und Abonnements- Annahme befindet sich St. Gotthardtstraße 31 Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" Rund um Courths Mahler Die Flucht ins Land der Träume und des Kitschs Die Romane der Hedwig Courth- Mahler sind den neudeutschen Vernichtungsaktionen nicht zum Opfer gefallen. Ihre Liebes- Romane- jedes Jahr zur Winterszeit erscheint ein neuer mit altem Inhalt sind von widerlicher Süßlichkeit und unwahrhaftigkeit. Sie spiegeln eine Wirklichkeit" vor, die bis in den Kern verlogen ist. Das Schema dieser Romane: Beginnende Liebe zwischen einem armen Mädchen und einem Fürsten oder Großkapitalisten oder Bankmagnaten;; es entstehen Komplikationen; fast scheint es, als ob das schöne Verhältnis zerbricht; die kleinen und großen Mädels, die diese Romänchen verschlingen, weinen von Rührung; aber... aber... trop aller Schwierigkeiten: Der edle Herr ist ach so gut und so ritterlich; zum Schluß führt er das arme Mädelchen als teure Gemahlin in sein hochherrschaft liches Palais. Gott sei Dank!, flüstert die brave Leserin und schläft befriedigt ein. Der Traum gaukelt ihr einen schönen guten reichen Mann vor, der sie einstmals heimführen wird... Die Courths Mahler- Leserin war innerlich reif für Hitlers Drittes Reich... Man kann garnicht ermessen, wie störend die Gattung dieser Liebesromane war. Von Courths Mahler zum kitschigen happy- end- Film ist nur ein kleiner Schritt. Auch hier ist die mehr oder minder bewußte Tendenz, den Menschen von der rauhen Wirklichkeit und seinen Tatsachen in ein erkünfteltes Traumreich zu entführen, tonangebend. Und wahrhaftig, die Zahl der Deutschen, denen das was ihnen die Leinwand vorschwindelte, teuer und heilig war, wuchs von Tag zu Tag. Nicht umsonst liebte Herr Hugenberg das Filmgeschäft so sehr. Seine Ufa hat tüchtig gearbeitet. Die Krise erfaßte in Deutschland immer weitere Kreise; mit Verschärfung der Krise wuchs die Bereitwilligkeit, JIIustonen anzuerkennen und reale Tatsachen zu übersehen. Die Leute wollten nicht mehr denken; es war zu unbequem und half doch nicht... Diese echt kleinbürgerliche Gefin= nungswelt darf, will man die politische Entwicklung der lezten Jahre in Deutschland begreifen, nicht vergessen werden. Als Beileis mit seinen Wunderkuren kam, jubelte man thm zu. Er konnte nicht heilen. Aber viele, viele Kranke glaubten an ihn und seine Firlefanzen und sonderbaren Apparate. Ja, mancher glaubte fich nach Behandlung durch den Wunderdoktor geheilt, obwohl er genau so frank wie früher war. Man glaubte an ihn. Später wurden seine Schwindeleien zu offensichtlich. Er mußte vom Schauplatz abtreten. Er machte aber nur Platz für einen neuen Wundertäter.. * In Berlin trieb und treibt Weißenberg sein Unwesen. Tausende scharen sich um ihn, die ihn als Heiligen verehren; er ist ihnen Nachfolger Jesu, er hat die Macht, zu segnen und zu verfluchen, er heilt alle Krankheiten mit weißem Käse; nebenbei ist er überzeugter Monarchist und Reaktionär. Geheimnisvoll ist sein Getue. Die Hauptsache, man glaubt an ihn... In der letzten Zeit war in Deutschland der geeignetste Boden für Hellseher",„ Astronomen" und ähn= liche Wunderberufe. An jedem Zeitungsstand: Beitungen mit Horoskopen, Prophezeiungen. Hanussen hatte eine große Konkurrenz. Daß viele astronomische Blättchen erwähnt. Es hieß da ganz einfach: Adolf Hitler wird direkt für den Faschismus Propaganda machten, sei am Rand Kanzler!" In den Sternen stands geschrieben... Und der biedere Spießbürger glaubte den Sternen und den Hellsehern aller Schattierungen, die in mythischem Dämmer arbeiteten.. Fatalismus und Drang zum Mythischen blühten. Wurzel und Grund: das entsetzliche Elend, Dummheit und Resignation der zwischen Proletariat und Bourgeoisie schwebenden Kleinbürger. Der Marrismus war zu schwierig, er hielt zum Denken an, griff in die Probleme, wollte erklären und lehren. Er führte alles auf das Leben und die reale Wirklichkeit zurück, er konstruierte feinen künstlichen Bau. Man mußte langsam und stetig in ihn eindringen, ihn erfassen. Und das wollten viele, viele nicht. Bedeutend einfacher war Hitlers Schlachtruf ,, der auf allen Plakaten zu lesen war:„ Es muß alles anders werden!" Ein Sazz, der an Banalität, Oberflächlichkeit und Demagogie nicht seinesgleichen hat. Aber er, padte"! Es war ein Wundersaz. Da war endlich ein Mann, ein " Führer", der alles mit einem Schlage besser machen wollte, ein Mann, dessen leere Rhetorik berauschen konnte, da war endlich der politsche Zauberer! Courths Maler, Zeileis, Weißenberg, der Kriegsgefangene" Daubmann, der so phantastische Dinge von seiner Gefangenschaft erzählte und schließlich leider.. doch entlarvt wurde, Hanussen, höchste Inkarnation: Hitler! Ereignisse und Geschichten Nächtlicher Gast Im Schlafzimmer eines Hakenkreuzführers Pit! Ist es gestattet, Sie aufzuwecken? Sie leiden wohl manchmal an Atemnot? Verzeihn Sie, ich wollte Sie nicht erschrecken. Nein laffen Sie Ihren Revolver stecken, er nüßt Ihnen nichts, ich bin leider schon tot. Sie zittern so fomisch ist etwas geschehen? Ach so, ich vergaß ganz, ich hab kein Gesicht, ich hab um die Augen nur einen zähen, blutklebrigen Brei, und mich anzusehen, ist sicher kein Spaß. Ich gefall Ihnen nicht. Warum hat mich Ihre SA. so zerschlagen? Ich war noch sehr jung, hatte Kinder zuhaus, ich war schöner als Sie doch das will nicht viel sagen, jezt müssen Sie halt meinen Anblick ertragen, Ihr neues Reich sieht nicht lieblicher aus. Ein deutscher Arbeiter bin ich gewesen. Sind Sie so bleich? Oder täuscht mich der fahle Schetu, in dem ich stehe? Ich hab mal gelesen, am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Wie war das? Sie wollten mich doch befrein? Jezt hat man mich auf der Flucht erschossen. Von vorn fam die Kugel zehn Morde in einer Nacht. Ich hab viele hundert Todesgenossen, es wurde viel deutsches Blut vergossen. So sieht es aus, wenn Deutschland erwacht? Sie brauchen vor mir nicht zurückzuweichen! Sie schützt die SA., uns hat sie zu Tode gequält, jegt modern entstellte, zertretene Leichen in deutschen Gräbern und Gruben und Teichen. ganz Deutschland ein Pestloch, vom Gifthauch durchschwelt. Wir warten in dumpfigen Gräbern und schweigen, Ihr feiert Feste, noch seid Ihr die Herrn, doch werden wir schreiend zum Lichte steigen, um mit blutigen Fingern auf euch zu zeigen. Nicht stöhnen! Ich geh schon. Die- Zeit- ist- nicht- fern, Kara. Paderewski Biele Wegbereiter des Dritten Reiches, viele Bundertäter, spielt für Emigranten viele Führer ins Traumreich. Aber man glaubt an sie. Noch glaubt man! Und wenn der Nebel weicht? Wenn Klarheit in die Gehirne und Herzen zieht? Wenn Deutschland wahrhaft erwacht?... Dec Jude mischt die Lymphe Schrei nach Qualität Die„ Nürnberger Zeitung" vom 21. Mai bringt diesen Beitrag: " Am vergangenen Mittwoch, dem 17. Mai, fand im Stadtparksaale eine Versammlung statt, bei der Pg. Dr. Will, Nürnberg- O., über das Thema„ Die Auswertung des nor dischen Blutes durch das Rindvieh- Der Jude als Arzt in der Medizin" einen für jeden deutschen Menschen wichtigen Vortrag hielt, der durch Lichtbilder veranschaulicht wurde. Nach Eröffnung der Versammlung fand zunächst die Uebertragung der welthistorischen Rede unseres Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler statt. Zu dieser Uebertragung hatte die Firma Dehn u. Hausner, Nürnberg- O., fostenlos einen Großlautsprecher zur Verfügung gestellt. Die Befanntgabe, daß die Ueberlassung gegen Berechnung erfolgte, beruhte auf einem Irrtum. Mit tiefer Ergriffenheit lauschte die Versammlung den wunderbaren Worten des Führers des deutschen Volkes. Das gemeinsam gesungene Deutschlandlied beendet diese Feierstunde. Nach kurzer Pause ergriff Pg. Dr. Will das Wort zu seinem Vortrage. Ausgehend von der Tatsache, daß das deutsche Volk der vorwiegende Träger nordischer Rasseneigenschaften ist, die dem jüdischen weit überlegen sind, schilderte er die Mittel und Wege, die an= ....eigentlich nur Marristen". Quis. „ Es muß Schluß gemacht werden mit der peinlichen Unter suchung eines jeden, der mitarbeiten will im weiteren Verbande. War es manchmal auch gut gemeint, wenn das Kampfbundmitglied Sänger X die hohe Leitung beschwor, nicht den Regisseur V zu fördern, der zwar bekannt, aber ein ausgemachter Konjunkturpolitiker sei, so sprach doch oft auch persönliche Mißgunst und Parteiengherzigkeit mit, wie sie eigentlich nur Marristen ansteht. Das muß aufhören. Wetteifert untereinander in der Kunst selbst im Können, in der Form der Kunst, im Charakter! Wir denken nicht daran, alte Rämpfer enttäuschen zu wollen, die mitgeholfen haben, Bühnen, Filmateliers und Gemäldegalerien zu säubern; mögen sie aber wie bisher kämpfen für den Maßstab der Güte, mögen sie so an sich arbeiten, sich höher heben durch Eigenes, nicht durch die Bewegung als solche." ( Völkischer Beobachter, 1. Juli.) gewendet wurden, um die Erbmasse, den Sis der Naſſen- Na Gott sei Dank eigenschaften zu schädigen. Blut und Drüsen sind die Träger der Erbmasse. Unter den zur Schädigung der Erbmasse in Frage kommenden Mitteln ist eines der hauptsächlichsten die durch jüdische Einflüsse zum Gesetz erhobene Pocenimpfung. Die tierische Lymphe( Kalbseiter) ist ein Erbmassegift allererster Ordnung. Der Rückgang der Pockenepidemien ist in feiner Weise auf die Pockenschußimpfung zurückzuführen. Da die Pocken in erster Linie eine Schmußfrankheit sind, vermindert sich naturgemäß mit zunehmender Völkerhygiene das Auftreten dieser Seuche. Ist die Schußimpfung wirklich das alleinseligmachende Heil- bzw. Vorbeugungsmittel, dann müßte logischerweise jeder Mensch mindestens jedes zehnte Jahr eigentlich noch öfters, da man sich über die Dauer der Wirkung der Impfung absolut nicht einig ist wieder geimpft werden. Die Podenimpfung ist der erste geglückte Großangriff des Juden gegen die Erbgesundheit." Die„ Nürnberger Zeitung" ist nach den„ Münchener N. N." die größte Zeitung Bayerns. Wir fürchten, daß diese Redaktion bereits unter jüdischem Einfluß ihre Erbgesundheit verToren hat. So etwas gibt es! In der deutschnationalen Deutschen Tageszeitung" ( Karlsbader Badeblatt) vom 23. Juni finden wir nachstehendes Inserat: „ Soc. des Amis de La Langue Francaise, Hot.„ Nürns berger Hof" um 20.45 Uhr. Es spricht Herr Konsul Dr. Pierre über die Weltkrise vom wirtschaftlichen, finans ziellen und humoristischen Standpunkt, ihre Ursachen, Wirs fungen und Abhilfe. Französisch sprechende Gäfte will= tommen." Studiummöglichkeit für deutsche Emigranten Die Kopenhagener Universität hat beschlossen, aus Deutsch Iand geflüchtete Studierende ohne alle Schwierigkeiten fo fort zum Studium an der Hochschule zuzulassen. Das Geschäft geht weiter. Der Verlag Piper, der ehemals sein Hauptgeschäft mit den„ kulturbolschewistischen" Büchern von Destojewski machte, versucht die Gedichte des längst verstorbenen Christian Morgenstern auf den Markt zu werfen. Da Morgenstern, nicht nur ein sturiler Satyriker, sondern auch ein theosophischer Lyriker, einen Bart getragen hat und dunkle Haare hatte, betont der Verlag Piper in seiner Verlagsreklame, Morgenstern sei durchaus arischer Abstammung gewesen. Verhaften und ,, vechaften" „ Es besteht Anlaß, darauf hinzuweisen, daß Verhaftungen nur von Organen der ordentlichen Polizei vorgenommen wer= den dürfen. Auch Angehörige der Hilfspolizei dürfen nur gemeinsam mit Beamten der ordentlichen Polizei tätig sein. Wer, ohne Polizeibeamter zu sein, einen anderen„ verhaftet" macht sich wegen Freiheitsberaubung und Anmaßung von Amtsgewalt strafbar. Die Staatsautorität erfordert schärfstes Einschreiten gegen solche Eigen mächtigkeiten. Die Betroffenen werden aufgefordert, Strafantrag zu stellen." ( Mitteilung der Staatspressestelle der hessischen Regierung.) Dora cein arisch In der Schlesischen Aerztezeitung" finden wir folgende Anzeige: Tägliche Vorkommnisse in meiner Pragis veranlassen mich zu der öffentlichen Erklärung, daß ich rein arischer Abstammung bin, und daß ich hinfort jeden Kollegen, der das Gegenteil behauptet, wegen bewußter wirtschaftlicher Schädigung gerichtlich zur Verantwortung ziehe. Dr. med. Dora Fuchs, Hautärztin, Breslau, Tauentaienstraße 27, Unter den zahlreichen Komitees in Paris, die es sich zum Ziele gesetzt haben, den Opfern des deutschen Faschismus zu helfen, befindet sich eines, das die Fürsorge für die aus Deutschland geflüchteten Intellektuellen zu seiner Spezialaufgabe gemacht hat. Das Komitee, dem die bekannten französischen Staatsmänner Berard und Petri präsidieren, und zu dessen Mitgliedern unter vielen anderen prominenten Vertretern des französischen Geißeslebens Profeffor Lange= vin, vom College de France, Loues Rollin Claude Farrere angehören, verfolgt die Absicht, den Hunderten von Aerzten, Juristen, Lehrern, Jornalist ent und Angehörigen anderer freier Berufe, die aus dem Deutschland des dritten Reiches vertrieben, um ihre Zukunft ringen, bei ihrem Streben nach neuen Arbeitsmöglichkeiten zu unterstüßen. Darüber hinaus aber beteiligt sich das Komitee an der Aufbringung der außerordentlich hohen Summen, die erforderlich sind um gerade die so schwer auf praktische Berufe umzustellenden Intellektuellen vor wirtschaftlicher Verelendung zu bewahren. Im Zuge dieser Bestrebungen ist es dem Komitee gelungen, einen ganz Großen, den polnischen Staatsmann und Künstler Paderewski, für einen Abend in der Wohltätigkeit zu gewinnen. Der polnische Staatsmann, der Gründer des polnischen Staates, wie manche ihn nennen, spielt für die Angehörigen eines anderen Staates, Deutschland, der lieber heute als morgen den neuen Nachbarstaat an seiner Ostgrenze verschwinden sähe. Freilich, Paderewski spielt für jene Deutschen, die aus ihrem Vaterland vertrieben sind. Aber ist nicht ein großer Teil dieser Vertriebenen jüdischen Glaubens, und gab es nicht eine Zeit, da jener polnische Staat, den der Musiker, der heute spielt, als Staatsmann schuf, zwischen Juden und Deutschen nicht allzu sehr zu unterscheiden pflegte? Die grausam- mittelalterlichen Methoden der braunen und schwarzen Garden Adolf Hitlers haben in diesem Punkte Meinungen geändert. Das Weltgewissen hat sein Mitgefühl und seine Sympathie denjenigen geschenkt, die als Minderheit, von hundertfacher Ueberlegenheit brutalisiert werden. Ein katholischer Priester, R. P. Sanson, Mitglied des Komitees, sprach diese und andere Gedankengänge von höch ster Humanität in einer Rede aus, die diesem eigenartigen Abend, den Rahmen gab." Paderewski aber füllte diesen Rahmen mit einem Programm, dessen erster Teil Bach, Beethoven und Schuhmann gewidmet waren. Aller Oeffentlichkeit sollte damit gesagt werden, daß es ein anderes Deutschland gab und wieder geben muß als das des dritten Reiches: Jenes Deutschland, in dem Große im Reiche des Geistes und der Kunst Unvergängliches schufen. Ein kleines, blondes Mädchen, niemand wußte, ob Frankreich, Deutschland oder Polen sein Vaterland ist, reichte dem Meister Blumen und füßte seine Hände. Und das geschah an jenem Abend, an dem der Pole Padereweski für deutsche Emigranten spielte. Unerwartetes Echo Im Reiche finden als neueste Propagandamaßnahme für die Jugend sogenannte volksdeutsche Staffelläufe an die Grenzen" statt. Am vergangenen Sonntag erschien in AltBreisach ein solcher, volksdeutscher Staffelläufer" und rannte atemlos bis zur Grenze. Dann rief er sein Hitler- Sprüchlein hinüber und wartete begierig auf Antwort. Sie fam auch. Von drüben rief ein großer echter Germane:„ Göß von Berlichingen!" DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Angeklagter 3. sitzt auf der Bank Von Walter Süß Ich fahr' morgen nach Krizendorf", sagte der Herr OberLandesgerichtsrat und zündete sich eine Aegyptische dritter Sorte an: dritte Sorte rauchte er Samstag und Sonntag, die war sozusagen die Weekendzigarette, sonst begnügte er sich mit Menphis und die letzten Tage vor dem Ersten mit Sport. Ich werde wahrscheinlich nach Klosterneuburg gehen", meinte der Staatsanwalt. Er war jung, braun gebrannt von der Sonne. Und in der Schwimmhose wirkte er durch aus als ein Mensch. Man hätte keinen Talar in diesem Zus sammenhang vermutet, teine rote Robe und keine Be rufungen wegen zu geringen Strafausmaßes. Vielleicht mach' ich nachmittags einen Sprung nach Krigendorf. Dann sehen wir uns wohl." Er lächelte dabei sehr höflich, der Herr Oberlandesgerichtsrat lächelte ebenfalls sehr höflich und niemand hätte daran gedacht, daß der Herr Oberlandesgerichtsrat keineswegs mit dem Herrn Staatsanwalt, und der Herr Staatsanwalt keinesfalls mit dem Herrn Oberlandesgerichtsrat einen Sonntag verbringen wollte. Nein, sie hatten eigentlich nichts gegeneinander. Aber wenn man die ganze Woche miteinander die Gerechtigkeit macht, dann hat man gern seine Ruhe am Sonntag und will keinen anderen Gerichtsmenschen sehen. Durchaus begreiflich. Nur der Schöffe Kreuzhuber nahm das Lächeln ernst. Sein Antlig umklärte sich. Mehr, als wenn er, der heute einen Tag Volksrichter war und gestern an seine Kundinnen Fa schiertes und ein Stück Hinteres verkauft hatte, um es am Montag wieder zu tun, zu der Hausgehilfin Leopoldine, üß d Hand" sagte. Ja, dachte der Schöffe und bürgerliche Fleischhauermeister Kreuzhuber einen Augenblick, eine blöde Funsen ist sie, die Poldi, aber höflich muß man sein, zwegen dem Gschäft, na... Aber jetzt war er ganz strahlende Freundlichkeit. " I hab a Häust in Greifenstein", erklärte er,„ ganz am Wasser. Da bin i jeden Sunntag mit meina ganzn Famülli draußt. Wann die Herrn vielleicht Luft hättn, außiz fumma..." Und der Schöffe Kreuzhuber lächelte sehr freundlich, denn solche bessere Bekanntschaften, die sein Selbstbewußtsein haben, wußte er zu schätzen. Schnitzeln, dachte er, Schnitzeln müßte die Mizerl machen, schön ist sie ja nicht mehr, die Mißerl, aber von der Kuchel versteht sie was, und einen gemischten Salat dazu. Da werden die Herren vom Gericht sicher sehr zufrieden sein. Hoffentlich nehmen sie auch an... Gott behüte, dachte der Oberlandesgerichtsrat. Mit so einem Volksrichter, seiner fetten Frau und den Gschruzzen. Brrr. Lächerlich, dachte der Herr Staatsanwalt. Wo ich mich doch mit der Daisy verabredet habe. Die Daisy, wenn man sie endlich einmal herumkriegen könnte. Na, vielleicht morgen. " Das wäre ja sehr nett", sagte der Herr Oberlandesgerichtsrat. Vielleicht ist es mir möglich, Herr Kreuzhuber." „ Ja, das wäre wirklich nett, Herr Schöffe", sagte der Herr Staatsanwalt. Ich werde trachten, daß ich kommen kann." Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Jest müssen wir es aber angehn. Die Sache P. ist für neun ausgeschrieben und jetzt ists schon halber zehne." Se. Majestät zafift Kopfsteuer Als unter dem ersten Preußenkönige, Friedrich I., der ver schwenderische Hofhalt, die glänzenden Hoffeste und die Bau ten des Königs ungeheure Summen verschlungen hatten und mit den alten Steuern längst nicht mehr zu decken waren, verfiel man auf die sonderbarsten Steuermethoden, um den armen Bewohnern des durch Kriege und Seuchen entkräfteten Landes immer noch etwas abzupressen. Voran tam die Kopfsteuer; fein Stand war davon befreit. Sogar der König zahlte für sich 4000 Taler jährlich, für die Königin 2000 Taler, für den Kronprinzen 1000; da die Steuer wieder in seine eigene Tasche floß, konnte er sich diese Pose des leuchtenden Vorbildes schließlich leisten. Uebler war die Sache für die anderen Preußen: Offiziere vom Generalfeldmarschall bis zum Stabsoffizier mußten jährlich ein Monatsgehalt opfern. Zwölf Groschen wurden jedem Handwerksgesellen, acht bis zwölf Groschen jedem Bauern, sogar jeder Tagelöhnerin vier Groschen Kopfsteuer im Jahre abgenommen! Aber die Kopfsteuer konnte im Verein mit den alten direkten Steuern und den erhöhten indirekten Steuern, die in fünfzehn Jahren von 60 000 auf 170 000 Taler stiegen, die preußischen Hof- und Staatsfaffen noch nicht retten. Man verfiel noch auf andere Mittel. Das Recht, Gold und Silber auf der Kleidung zu tragen, kostete jährlich einen Taler Sondersteuer. Vor allem aber sollten die Perücken - damals ein unentbehrliches Kleidungsstück des Mannes - als Geldquelle dienen. Fünfundzwanzig Prozent des Wertes war für eine französische Perücke, sechs Prozent für eine einheimische zu zahlen. Die Steurereinnahme mar an einen Franzosen verpachtet. Wer seinen Steuerquittungsschein nicht bei sich hatte, war in Gefahr, auf der Straße seine Perücke vom Kopfe gerissen zu bekommen! Die Verpachtung wurde allerdings nach drei Jahren beseitigt und die Perüktensteuer in unmittelbare staatliche Verwaltung genommen: Hof- und Staatsbeamte bis herab zum Generalmajor entrichteten 2,5 Taler jährlich für ihre Perücke, die anderen Untertanen je nach dem Stande bis herunter zu den Handwerksgesellen und anderen Leuten„ niederen Standes", die immer noch einen halben Taler abgeben mußten. Der Kopfputz der Damen war mit einer jährlichen Fontangensteuer" von einem Taler belastet, während jeder Strumpf, Schuh, Stiefel, Pantoffel oder Hut einen Groschen Steuer zu tragen hatte. Das Recht, Kaffee, Tee oder Schokolade zu trinken, mußte mit der erstaunlich hohen Steuer von zwei Talern jährlich erfauft werden. Indessen verblassen alle diese Schöpfungen erfindungsreicher Staatsfinanzretter vor der- Jungfernsteuer. Jede Jungfrau" mußte von ihrem zwanzigsten Lebensjahre bis zum vierzigsten, sofern es ihr nicht vorher glückte, in den heiligen Stand der Ehe zu treten, einen Taler jährlich dem Steuermoloch opfern. Und welche erhabenen Die Sache P. saß schon seit einer Viertelstunde auf der Anklagebant. Die Sache P. war fünfundvierzig Jahre alt, arbeitslos, ausgesteuert, verheiratet und Vater von vier Kin dern im Alter von zwölf, zehn, neun und sechs Jahren. Die Sache P. war angeklagt wegen Verbrechens des Gewohnheitsdiebstahls. Nicht zum erstenmal. Der Anton P. hatte schon einigemale Kerker bekommen. Immer wegen Verbrechens des Rückfalldiebstahls. Der Fall P. war eingesperrt worden und hatte sofort nach seiner Freilassung wieder gestohlen, war wieder eingesperrt worden und hatte wieder gestohlen. Es war ein ewiger Kreislauf, dessen motorische Triebkraft sechs leere Magen waren. Der Anton P. war ein absolut unverbesserlicher Verbrecher. Und er saß jetzt auf der Anklagebank, der Fall P., und wartete. Wenn er den Hals hochreckte, dann sah er die grünen Wipfel von einigen Gürtelbäumen und die grauen Waggondächer eines Stadtbahnzuges, der nach Hütteldorf fuhr, Gürtellinie, obere Wientallinie, Linie G, Heiligenstadt Hütteldorf, Hunde unter sechzig Zentimeter Schulterhöhe werden mitgenommen, Kinder bis zu 1.30 Meter zahlen ermäßigten Fahrpreis. Solcher Art aber zeigte sich der Fall Lenz 1933, dem Fall P., Aktennummer P 327/33. Ja, es war unzweifelhafter Frühling, warmer Frühling, mit Sonne und blauem Himmel und so und allem, was dazu gehört. Wenn man in der Untersuchungszelle sitzt, dann weiß man nicht viel davon, und wenn man im Hofe des Zweiergerichtes spazieren geht, auch nicht. Die Welt ist vermauert und über den Mauern ist ein blaues Dach und das blaue Dach ist der Himmel. Wenn ich frei wäre, denkt der Fall P., und wenn ich Arbeit hätte, ja, dann würde er morgen mit der Marie und den Kindern nach Neuwaldegg fahren. Die Marie ist nämlich seine Frau. Die Marie war einmal ein hübsches Mädel. Und dann haben sie geheiratet und Kinder sind gekommen und er ist aus der Fabrit hinausgeflogen und die Marie hat einen Hängebauch bekommen, ja, einen leeren Hängebauch und Krampfadern. Und jetzt wächst wieder ein Kind im Hängebauch, hat sie ihm hineingeschrieben in die Zelle. Und eigentlich müßte das alles nicht so sein. Ja, nach Neuwaldegg könnte man fahren und zur Rohrerhütte gehen oder bis zur Sophienalpe hinauf oder gar zum Scheiblingstein. Und irgendwo ein paar Knackwürste in Essig und Oel essen, Schani, a schwarz Brot kriagn ma dazua, hau glei a paar Reanken her. Komisch, daß er von den Knackwürsten nicht loskommt, der Fall P. Deswegen ist er ja angeklagt: weil er einen ganzen Kranz Knackwürste mitgehen hat lassen, bei einem Berufskollegen des Herrn Kreuzhuber. Und natürlich ist er ia geschnappt worden dabei, er macht es ja immer so blöd, und andere räumen eine Stasse aus und schmeißen ihren Janker hin, daß es eine Freud ist, und man derwischt sie doch nicht dabei. Aber wenn man so ein Trottel ist, zum Stehlen zu blöd, na.... Der Justizwachtmeister pufft den Fall P. sanft in die Seite. „ Aufsteh..." " Der Gerichtshof erscheint mit einiger Verspätung", nottert der Berichterstatter 3. Er sitzt ganz allein auf der JournaStaatszweden diente all diese ungeheuerliche Steuerlast? Nur ein winziges Beispiel: im Jahre 1695 kosteten allein die goldenen und silbernen Tressen für die Kleider der Kurfürstlichen Trabanten und Dienerschaft 42 838 Taler. Liebesdrama in einem rumänisdien Kloster Der tote Mönch. Dorffinder, die nach dem Kirchgang im Kloster Tzibucani bei Piatra- Neamt unter den Apfelbäumen vor den Klostermauern im Frühlingssonnenschein spielten, fanden zwischen Gras und Frühlingsblumen ein metallenes Kreuz, wie es die rumänischen Mönche um den Hals tragen. Die kleinen warfen sich auf das Kreuz und begannen darum zu raufen, und als sie im Raufen daran zu ziehen begannen, war am Kreuz auch eine Kette, und die Kette führte in die Erde, und als sie weiter zu ziehen und zu scharren begannen, stellte sich heraus, daß unter dem jungen Gras und den Frühlingsblumen ein toter Mönch lag, mit zwei Kugeln in der Brust. Dieser Fund führte nunmehr zur restlosen Aufklärung eines geheimnisvollen Falles, der sich vor einigen Monaten im Kloster von Tzibucani ereig nete. In der Zelle eines Mönches wurde eine Nonne des nahegelegenen Frauenklosters mit einer Revolverfugel in der Brust, auf dem blutgetränkten Bett des Mönches liegend listenbank. Ausgeschlafen ist er auch nicht. Aber her muß man halt doch, von wegen dem unmittelbaren Eindruck, den man dabei hat. Und dann läßt sich vielleicht eine nette sentimentale Geschichte schreiben, von Knackwürsten und einem Menschenschicksal. Ja, da fizzt man am Vormittag hier und am Nachmittag in der Redaktion... Und der Gerichtsberichterstatter 3. notierte: Geständig, aus Not, zerschlissene Hose, mager, sieht älter aus als fünfundvierzig, Frau, vier Kinder, seit 15. April in Haft. Ein Kranz Knackwürfte, Wert etwa acht Schilling..." Zwischendurch malt der Gerichtsberichterstatter 3. eine Lokomotive aufs Papier. Eine dicke Rauchwolke steigt aus dem Schlot. Die Lokomotive faust. Irgendwohin. Weit fort.„ Angefl.", notiert der Gerichtsberichterstatter 3.( das heißt Angeklagter). „ Angefl: An Hunga hab ighabt.- Vors.: Suchen Sie sich lieber Arbeit. Angefl.( weinend): Es gibt da kane. Herr Rat, i hab vier Kinder..." Der Herr Rat blättert in den Akten. * Herr Zeuge P.", sagt der Herr Staatsanwalt plößlich, ,, Sie bleiben also bei ihren Angaben, daß die Ordnung Ihnen seit Jahren keine Arbeit und keine Erwerbsmöglichkeit gibt?" Ja", sagt der Anton P., maßlos erstaunt ,,, ja, Herr Staatsanwalt, die Urtnung laßt mi derhungern". Er schweigt plötz lich. Er ist doch so müde. Er ist Angeklagter. Er ist doch nicht Zeuge. Ah, Unsinn. „ Hoher Gerichtshof", sagt der Herr Staatsanwalt ,,, ich beantrage die sofortige Vorführung der angeklagten Ordnung. Ich erhebe gegen die Ordnung die Anklage auf Mordversuch, begangen durch Hungernlassen des Anton P. und seiner Familie." Der Anton P. möchte gern etwas sagen. Aber er ist zu er staunt, um reden zu können. Ein widerliches Weibsbild führen sie herein, zwei Justizwachebeamte, sie ist in der Mitte. Oben ist sie sehr elegant angezogen. Und unten hat sie Lumpen. Aha, denkt der Fall P., so schaut eben die Urtnung aus. Oben hui, unten pfui. Oben hat sie alles und unten einen Dred. ,, Angeklagte Urtnung", fragt der Herr Oberlandesgerichtsrat,„ bekennen Sie sich schuldig?" Angefl:" Ja". Brot zu beschaffen, damit er nie mehr Hunger leide. Zugleich richtsrat. Die Angeklagte ist schuldig, den Anton P., die Frau Marie P. und deren vier Kinder durch andauerndes Hungernlassen in ihrem Leben gefährdet zu haben. Sie wird verurteilt, Anton P. und seiner Familie sofort Arbeit und Brot zu beschaffen, damit er nie mehr Hungerleide. Zugleich wird die angeklagte Ordnung zur Abschaffung verurteilt." * Plöblich brüllt der Herr Oberlandesgerichtsrat. Der Angeklagte Anton P. wacht auf. Erschrickt. „ Unerhört", brüllt der Herr Oberlandesgerichtsrat, während der Verhandlung zu schlafen! Angeklagter P., Sie erhalten vierundzwanzig Stunden Disziplinararrest! Steheu Sie auf, wenn ich mit Ihnen rede!" Der Fall Anton P. steht auf. Wenn er den Hals reckt, steht er die grünen Wipfel von einigen Gürtelbäumen und die grauen Waggondächer eines Stadtbahnzuges, der nach Hütteldorf fährt. Was es affes gibt Die Wanzenfalle Nicht appetitlich, aber praktisch Man kennt die mittelalterlichen Berichte über die sogenannten„ Flohfallen", die auf der Brust unter dem Wams getragen wurden und im wesentlichen aus Samtstückchen bestanden. Heute ist der Floh so gut wie ausgestorben, irgend. einer Seuche zum Opfer gefallen, wie die Zoologie festgestellt hat. Aber Ungezieferfallen gibt es immer noch, ia kürzlich ist sogar eine patentiert worden. Sie besteht aus zwei zusam mengeklebten Blättern Krepp- Papier, zwischen denen sich ein geeigneter Köder befindet. Das auf der Oberseite befindliche Blatt ist mit Löchern versehen, durch welche die Wanzen nach dem Köder gelangen. Wenn sich genügend Ungeziefer angesammelt hat, wird das Ganze verbrannt. Nicht gerade appetitlich, aber ohne Zweifel sehr praktisch! Schreibmaschine gefit mit der Zeit stücken zu vermeiden, hat man eine neue Schreibmaschine Um das zeitraubende Einsetzen des Datums bei Schriftbare Typen enthalten. Die eine Type zeigt den Monat an, erfunden, bei der zwei zusäßliche Typenhalter auswechseldie andere den Tag. Man sieht, auch die Schreibmaschine geht- buchstäblich mit der Zeit. gefunden. Die Nonne fonnte, bevor sie verschied, angeben, Lachfien nicht verlernen daß der Bewohner der Zelle, der Mönch Ambrosius, sie niedergeschossen hätte. Der Mönch Ambrosius selber war aber verschwunden und blieb auch verschwunden, bis ihn die Kinder beim Spiel im Frühlingssonnenschein an seinem Ordenstreuz tot aus Gras und Frühlingsblumen hervorzogen. Soweit die gerichtliche Untersuchung bisher ihre Fest stellungen erstrecken konnte, hat sich der Mönch offenkundig, nachdem er die Nonne Cornelia, zu der er anscheinend längere Zeit Beziehungen unterhielt, aus Eifersucht niedergeschossen hatte, von Gewissensbissen geplagt, selber das Leben genommen. Nicht festgestellt ist noch, wer ihn vor der Klostermauer verscharrte. Sind die Personen, denen ich Hilfe schuldig bin, nur die, die mir durchs Blut oder durch Stand und Lebensart und Neigungen verwandt sind? Ist nicht jeder Mensch, auch der, der weiter unter mir oder über mir steht, in tausend Fällen mein Nächster? 6. F. Gellert( Moralische Vorlesungen", Leipzig, 1770). Das Jdeal. Es hat gewiß etwas für sich," sagte der junge Mann zu der jungen Dame, Junggeselle zu sein; aber es gibt doch auch Zeiten, in denen man sich nach einem Wesen sehnt, das einen als vollkommen ansieht und das man ganz sein eigen nennen fann."„ Ach," erwiderte die junge Dame, dann würde ich an Ihrer Stelle mir doch einen Hund zulegen." „ Auf die Frauen kann man sich nicht verlassen. Ich zum Beispiel habe vier Bräute, aber feine ist mir treu!" Liselott, sechsjährig, fährt mit der Mama in der Straßenbahn. Ein freundlicher Mann mit Schirmmüße spricht sie an: Wie alt bist du denn, kleines Fräulein?"-" Mutti," dreht sie sich zu dieser, darf ichs sagen, oder ist das der Kondukteur?" „ Na, Junge, das ist ja eine schöne Bescherung! Was hat denn Vater zu dem zerbrochenen Füllfedrehalter gesagt?" „ Soll ich die Schimpfworte weglassen, Mutti?"-„ da." " Dann hat er gar nichts gesagt." Patient:„ Ich möchte mir gern einen Zahn ziehen lassen." Zahnarzt:„ Na, wissen Sie, Sie sind der erste Patient, der das behauptet." Von Ebert zur Emigration Ursachen des Niederganges der Der Apparat ist tot, es lebe die Bewegung Sozialdemokratie- Neue Formen, neue Führung- Grundlagen neuen Aufstiegs Jm„ Neuen Vorwärts" untersucht ein Sozialdemokrat, der seit der Reichskonferenz im April dem Parteivorstand angehört und seit zwei Jahrzehnten auf dem linken Flügel der Partei steht, die Lage der deutschen Sozialdemokratie. Der Parfeigenosse schreibt mit großer Offenheit, und wir freuen uns über seinen Mut zu schonungsloser Klarheit. Es kommt jetzt nicht darauf an, ob wir in der Beurteilung der Vergangenheit zu einer einheitlichen Meinung kommen. Das wird nicht möglich sein. Notwendig ist aber, daß wir uns alle bemühen, aus offensichtlichen Fehlern zu lernen und neue geistige Erkenntnisse und neue Organisationsformen zu erarbeiten. Kritik am Vergangenen ist ein Anfang und schärffte Kritik am Faschismus ift notwendig. Darüber hinaus aber muß der marristische Sozialismus positiv zu den deutschen Problemen Stellung nehmen. Wir haben gewaltige geistige Aufgaben zu erfüllen. Die Niederlage Unter den Schlägen der Konterrevolution ist das eiserne Gerippe der deutschen Arbeiterbewegung zerbrochen, ist ihr gewaltiges organisatorisches Gefüge restlos zerstört worden. Die größte Armee der Sozialistischen Internationale hat eine ungeheure Niederlage erlitten und ist in Auflösung begriffen. Der größte Staat Europas, im Zentrum der alten fapitalistischen Welt gelegen und mit den glänzendsten Produktionsmitteln ausgerüstet, ist in die Hände einer faschistischen Diktatur gefallen, die das Brutalste darstellt, was die moderne Menschheit bis jetzt auf diesem Gebiet erlebt hat. Sechzig Millionen Menschen leben in entsetzlichster Sklaverei. Alles, was drei Generationen sozialistischer Arbeiter in siebzig Jahren Rampf und Organisationsarbeit errungen haben, ist in drei Monaten zusammengeschlagen wor den. Aus dem öffentlichen Leben ist jede Opposition ver bannt, fede Handlung, die sich gegen das Regime auflehnt, ist mit Tod und Zuchthaus bedroht. Das ist die Situation, vor der wir stehen. Und fie ift bunkel genug, daß jedem, der sozialistisch denkt und fühlt, der Atem stockt vor Sorge darüber, welches Schicksal dem Weltsozialismus bevorstehen mag, wenn avir, auf dem klasfischen Boden der um ihre Freiheit kämpfenden Arbeiterbewegung, die ehernen Würfel so zerschmetternd gegen den Sozialismus gefallen sind. Aber diese Situation ist doch nicht so dunkel, daß der um die Gesetze der ökonomischen Entwick Inng wiffende, marristisch geschulte Sozialist nicht schon das Neue sehen könnte, das in dem politischen Chaos dieser Tage um Auftrieb und Geltung ringt. Denn gerade diese fanatische Ausschließlichkeit der natios nalsozialistischen Herrschaft ist es, die den Kern des Zus sammenbruchs und die Garantie ihres episodenhaften Ablaufs in fich birgt. Diese auf ihrer Ausschließlichkeit wie auf einer Messerspike balacierende Herrschaft wütet wie ein Mmofläufer gegen jede andere Weltanschauung, ohne jedoch selbst ein eigenes Weltbild zu besitzen. Sie versteigt sich im Kampf um ihre Selbstbehauptung zu den bizarrsten Formen, verbrennt in wahrhaft findischer Raserei Bücher, verjagt berühmte GeIchrte und Aerzte, proklamiert an Stelle der Vernunft das Gefühl, füttert das Gefühl mit sinnlosen Schlagworten, stürmt Gewerkschaftshäuser und Kirchen, verhaftet Arbeiterführer und Geistliche, macht einen Borkampf zu einer göttlichen Entscheidung zwischen Rasse und Raffe, stellt den Rundfunk ab, da die Entscheidung zu ihren Ungunsten fällt, spielt den Friedensapostel in einem zur Komödie erniedrigten Parlament und macht den Clown auf Weltkonferenzen, drückt ihre bürgerlichen Bundesgenossen an die Wand und schließt gleichzeitig Freundschaftsbündnisse mit dem Bolsche wismus, betont die Priorität der national- ,, sozialistischen" Revolution und läßt im selben Augenblick durch eine Umlagesteuer der Unternehmer ihre Parteikasse füllen, jagt aus einem Paradoron ins andere und kennt nur einen Trieb, den der Vernichtung. Revolution gegen Bajonette Nur eines tut sie nicht, was allein ihrer Herrschaft entwicklungsgeschichtliche Daseinsberechtigung geben könnte: fie taftet nicht die mit dem Stand der Gefell= schaft in schärfstem Widerspruch stehende heutige tapitalistische Produktionsordnung an. Sie ist ein Organ der Zerstörung, der Negation, des ResTentiments ihre Aktionsbasis ist da zu Ende, wo die geschichtliche Aufgabe jeder herrschenden Partet heutzutage beginnt, am Sozialismus. Und da in dem Land, das am furchtbarsten unter der fapitalistischen Weltfrise leidet, jede Regierungsformel auf diese Entscheidung gestellt ist, da die Waffen selbst, die durch ihre Berzweiflungspsychose das febige Regime an die Macht gefchwemmt haben, mit ihrem Echwergewicht auf diese Entwicklung drücken, so muß die politische Basis des deutschen Faschismus immer mehr und mehr zusammenschmelzen bis zu dem. Punkt, wo jedes Tausend verlorener Stimmen nur noch durch ein neues Maschinengewehr aufgewogen werden kann. Es hieke jedoch den Machtwillen der jegigen Gewalthaber unterschäßen, wollte man in Zweifel seßen, daß fie alles tun werden, um diese Entwicklung zu meistern. Sie werden die Gewalt bis zur leßten grausamsten Ronse quenz anwenden und sie werden was das Gefährlichere ist die Hirne und Herzen der heranwachsenden Generation in ihren Bann zu schlagen versuchen, wie das ihr Vorbild, der flügere Mussolini, nicht ganz ohne Erfolg versucht hat. Und hier liegt die große Aufgabe der deutschen Arbeiterbewegung, deren Apparat man zwar dem Erdboden gleichgemacht hat, deren sozialistisches Denken und Fühlen man jedoch nicht zerstören könnte. Es geht jest um die Seele der jüngeren Generation es geht später, wenn nur noch Bajonette gegen Menschen stehen, um die revolutio= näre Austragung dieses Kampfes. Um die Führung Neu Spiel hebt an in Deutschland, eine von Grund auf neue Front formiert sich auf dem Feld der Niederlage, und ganz neue Methoden des Kampfes, grundverschieden von de nen der Vergangenheit, wachsen aus den harten Erfahrun gen dieser Niederlage. Zwar herrscht noch chaotisches Durcheinander im Lager des Proletariats, zwar ist von einem planmäßigen Aufmarsch noch nichts zu sehen, und die noch vorhandenen Kräfte des Widerstandes verbluten sich resultatlos in verzweifelten Einzelhandlungen, aber schon sammeln sich die Starken, die Jungen, die Zukunftsgläubigen und schauen aus nach einer Fahne. Alles hängt jetzt davon ab, wer die Führung über: nimmt und wie diese Führung aussieht. Man spürt schon, daß der Kampf begonnen hat, denn einzelne wers den mutiger, exponieren sich. Es ist eine seltsame Erscheinung, daß die Rebellion in jenen Kreisen zuerst sichtbar wird, die zu den Trägern der Konterrevolution gehörten, bei den SA.- Garden. Da sie sich tionslager bedrohten Arbeiter, wagen fich einzelne proletasicherer fühlen als die von Gefängnis und Konzentra= rische und lumpenproletarische Schichten der SA. in der Opposition weiter vor. Sie werden ausgeschieden und stumm gemacht, fie ziehen ihre Uniform aus und versinken, aber im Proletariat gärt es weiter. Und so entsteht die Gefahr, im Proletariat gärt es weiter. Und so entsteht die Gefahr, daß Elemente, die gestern bolichemistisch waren, heute faschisttsch wurden und morgen wieder bolschewistisch werden können, die Führung an sich reißen und unsägliches Unheil an= richten, weil fie objektiv die Gesetze des Klassenkampfes nicht beherrschen und subjektiv brüchige und fäufliche Charaktere sind. Die Gefahr ist um so größer, weil jeder Kampf nunmehr illegal geführt werden muß, was das Auftauchen dunkler Existenzen außerordentlich erleichtert und weil der große Spalter der Arbeiterschaft, der Nationalbolschewismus im Often, schnell seine Hände im Spiel haben würde. Die deutsche Arbeiterschaft würde unter solcher Führung aus einer Katastrophe und Enttäuschung in die andere stürzen. Wie ist diese Gefahr zu bannen? Kann die Führung der Sozialdemokratie, die zwar mit manchen Fehlern und Unterlassungssünden der Vergangenheit belastet ist, aber im letz ten Stadium der Entwicklung sich doch zu einer scharfen Wendung herumwarf, wenn auch ihre Absicht des Kampfes mit allen Konsequenzen am Apparat selbst scheiterte, fich mit Aussicht auf Erfolg an die Spitze der neuen Bewegung stellen? Sie hat die Antwort darauf in ihrem ersten Aufruf bereits gegeben. Es handelt sich nicht darum, wer jetzt an die Spige der Bewegung tritt, sondern einzig und allein darum, den neuen Führern, die im Kampf aus der Bewegung er: stehen werden, geistig den Weg zu bahnen, ihnen die gc= machten Erfahrung zu übermitteln, ungeschminkt, rücksichtsJos gegen uns und die Vergangenheit, um sie vor abermaligen Fehlern zu bewahren. Es ist nichts mehr zu verderben, was nicht schon verdorben wäre, helfen kann uns und denen, die nach uns kommen, nur noch die lauterste Wahrheit, auch wenn sie bitter ist. Mene, tekel, upharsin! Der Kampf um Sein oder Nichtsein der sozialistischen Bewegung in Deutschland spielt sich ab auf einer geistigen und organisatorischen Grundlage, die eine völlig andere sein wird als die, auf der die Partei in den fünfzehn Jahren der nunmehr gestürzten Republik gestanden hat. Und es wird auch von schicksalhafter Bedeutung für die Sozialistische Internationale und die ihr angeschlossenen Parteien sein, ob sich in Deutschland schnell genug eine Eltte des Proletariats formiert, die unsere Erkenntnisse aufnimmt und sich mit revolutionärer Entschlußkraft auf diese neue Plattform einstellt. Es wird unendlich viel davon abhängen viel mehr jedenfalls als die Frage, wer berechtigt ist, die Brahmanenfeder eines Führers am Hute zu tragen ob die geistigen Kräfte der Partei noch imstande find, mit den letzten Resten an sich bereits zerstörter, aber in vielen Köpfen noch nachwuchernder Illusionen zu brechen und so diese neue Plattform zu schaffen. So furchtbar das Los der verbotenen Partei und ihrer Funktionäre jetzt auch ist, so entseßlich auch die Friedhofsruhe infolge des Fehlens feder oppofitionellen Partei auf Deutschland lastet, eines hat der Ausschließlichkeitsfanatismus Hit: lers zuwege gebracht: Klarheit! Gewiß wäre diese Klarheit früher oder später auch eingetreten, aber mittlerweile hätte sich ein Verwesungsprozeß treten, aber mittlerweile hätte sich ein Verwesungsprozeß entwickeln können, dessen giftige Dünste weit über die Grenzen Deutschlands hinauszugreifen und die Idee des Sozialismus furchtbar zu kompromittieren drohten. Man stelle sich einmal vor, was die sadistischen Regiefünstler in der WilhelmStraße aus einem Reichsparlament mit sozialdemokratischer Vertretung noch alles hätten machen können; man denke sich, wie verheerend ein von der Zuchtrute Görings betreuter " Vorwärts" auf den Kampfwillen der sozialdemokratischen Arbeiter gewirkt hätte; man erinnere sich, wie die Schmach des 1. Mai, die in der Seele jedes klassenbewußten ProleGöbbels sagt: tariers brannte, von führenden Gewerkschaftlern in eine „ historische Tat der Gleichberechtigung" umgedeutet wurde; man schaue im Geist noch einmal auf jene Reichstagssizung am 17. Mai, den schwärzesten Tag der stolzen deutschen Arbeitergeschichte, und man sieht deutlich den Abgrund, in den eine große, ruhmbedeckte Partei zu stürzen drohte. Dann erst kann man ermessen, wie wertvoll diese von Hitler geschaffene Klarheit für den Kampf der sozialistischen Welt gegen die Weltkonterrevolution ist. Aber eben deshalb, weil, wie leider oftmals in der Ges schichte der Republik, es der Gegner war, der uns diese Klarheit aufzwang, ist schärffte Selbstkritik geboten. Es wäre unrecht, die Gruppe des 17. Mai für ihre Handlungsweise moralisch verantwortlich zu machen, ohne gleichzeitig zu fonstatieren, daß die Politik des kleineren Uebels, deren letzte und widersinnigste Konsequenz diese Gruppe zog, seit 1918 der Leitfaden der Partei gewesen ist. Die Genossen des 17. Mai hingen eben am stärksten in den Fesseln eines Apparates, der über sich selbst hinausgewachsen und zum Selbstzweck geworden war, sie erachteten leere Mandate wichtiger als das Vertrauen der Massen und fanden dann nicht mehr die Kraft, sich von den traurigen Resten des Apparates loszulösen, um die Bewegung und die Idee rein zu erhalten. Es ist ein weiter Weg von 1918 bis 1933, ein Weg der Irrungen und Fehler und die gesamte Arbeiterklasse Deutschlands hat die Berantwortung zu tragen. Was ihr jetzt auferlegt wird, ist furchtbar schwere Schuld eigener Sünden, von der Spaltung angefangen bis zur letzten Kapitulation. Unsere Aufgabe ist es, mit dem Messer der Kritik die Schnittpunkte dieser Entwicklung bloßzulegen, da, wo aus Kompromiß und Kraftlosigkeit die heutige Niederlage geboren wurde: der blutige Bruderkampf mitten in der Revolution, der dem geschlagenen Feind gestattete, sich sofort wieder in wichtigen Machtpofitionen festzuseßen; der Verzicht auf die Ausnüßung des revolutionären Sieges nach der Niederwerfung des Kapp- Aufstandes, als dreiviertel des deutschen Volfes mit dem Generalstreit für schärfste Maßnahmen votiert hatten; die widerstandslose Hinnahme der verfassungsbrecherischen Exekution gegen die sozialistischen Freistaaten Sachsen und Thüringen 1923, die ihre grausam- ironische Analogie in dem Staatsstreich gegen Preußen am 20. Juli 1932 fand; die unbegreifliche Verschleuderung des prächtigen Wahlfiegs 1928 durch eine unwürdige Panzerfreuzeraffäre, die die Partei bis ins tiefste aufwühlte das alles sind Bruchstellen einer Taktik, die nun zu Grabe getragen ist. Zur Herrschaft der Arbeiterklasse „ Es gibt keine wahre Demokratie ohne die Herrschaft der Arbeiterklasse! Es gibt keine wahre Demokratie ohne den Sozialismus!" Jede Demokratie, die nicht entscheidend von der Arbeiterklasse bestimmt wird, schlägt um in Reaktion. Jede Koalition, die nicht aus Kraft neue Kraft zu schöpfen versteht, dient dem Gegner. Jede Bourgeoisie liefert lieber die ganze Staatsmacht dem Faschismus aus, ehe fie den Machtanspruch der Arbeiterklasse erfüllt, sollten dabei auch ihre eigenen bürgerlichen Organisationen in Trümmer gehen. Ja, es führt ein weiter Weg vom Sessel des dents hen Reichspräsidenten Ebert bis zur Emigration der Sozials demokratischen Partei und an seinem Rand liegen unzählige zerbrochene Illusionen. Nun aber muß die Fahne neu aufgerichtet werden für die kämpfenden Menschen in Deutschland. Millionen schauen Antwort heischend nach Prag. Wird sich hier das geistige Zentrum bilden, das den neuen Weg zu weisen imstande ist? Werden sich hier alle Richtungen in der einen Aufgabe finden fönnen, geschlossen den Kampf gegen ihren Todfeind zu eröffnen? Die Bewegung stirbt nicht mit dem Apparat. Der Apparat fann zerschlagen werden, die Bewegung ist unsterblich, so lange ihr Sinn nicht erfüllt ist. Was nicht mehr funktioniert, das ist die Apparatur. Jede Führung, wo sie sich auch be findet, ist räumlich abgeschnitten von den kämpfenden Menschen im Innern Deutschlands. Apparatur und Regie sind verschwundene Begriffe. Aber die, die da drinnen iezt den Kampf aufnehmen, würden auch diese Dinge der Vergangenheit mit einer Handbewegung wegschieben. Die Menschen, die Tod und Zuchthaus auf sich nehmen, sind jeder apparatlichen Vormundschaft entwachsen. Jeder Versuch, sie mit alten Mitteln zu beeinflussen, muß zur Lächerlichkeit führen. Noch nie ist, so wie jetzt in Deutschland, im Geburtsland von Karl Marx, das Wort zur Wahrheit geworden, daß die Befreiung der Arbeiterklasse nur das Wert der Arbeitertlaffe selbst sein kann. Wie lange es dauert? Wir fragen nicht danach. Wir wissen, daß wir fiegen werden. Wir greifen an! ,, Nie gab es eine friedlichere Revolution!" Wir sagen: ,, Nie gab es verlogenere Leute"... Sofia, 5. Juli. Die Regierungszeitung„ Sname" hat ein großaufgezogenes Interview ihres Berliner Korrespon denten mit Reichsminister Göbbels veröffentlicht. Dr. Göbbels gibt zunächst eine eingehende Darstellung über die nationalsozialistische Revolution. Er betonte die Friedensliebe der Regierung, weil eine Regierung, die den inneren Frieden wolle, keinen Krieg nach außen wünschen könne. Als Grund, warum das neue Deutschland auf die Kühle der ganzen Welt gestoßen sei, nennt Göbbels die Verleumdungshezze, die von den früheren deutschen Regierungen gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung betrieben worden set, der nationalsozialistischen Bewegung betrieben worden set, so daß die Welt nicht habe erkennen können, was der Nationalsozialismus in Wirklichkeit darstelle. Seine Aufgabe sei es, die im Auslande herrschende falsche Vorstellung zu bekämpfen. In jeder Revolution fämen Entgleisungen vor, doch habe die Welt noch keine friedlichere Revolution gesehen als es die deutsche war. * Der famose Propagandaminister Göbbels gibt der Wahrheit wieder einmal die Ehre. Die Regierung Hitler will den ,, inneren" Frieden. Die unerhörten Brutalitäten in den Konzentrationslagern, die Mißhandlungen der Sozialdemofraten, Kommunisten und Republikaner schlechthin, das Er schießen„ auf der Flucht", Raub, Terror und Plünderungen der Nationalsozialisten sind Symptome diefes inneren Frie dens". Und nach außen will Deutschland bestimmt keinen Krieg, weil es noch einige Jahre bis zur endgültigen Krieg, Aufrüstung braucht. Herr Minister Göbbels meint, die Verleumdungshebe gegen Hitler habe die ablehnende Haltung der Welt gegen ein Hitler- Deutschland verursacht. Es handelt sich zwar um keine Berleumdungshezze, sondern um wahrheitstreue Berichte von Zehntausenden von deutschen Flüchtlingen. Diese Wahrheit über das Dritte Reich hat allerdings die Welt vorsich tig gemacht. Der Herr Reichskanzler hat innerhalb eines Vierteljahres mit den primitivsten Mitteln eine geschlossene Front der Kulturstaaten gegen Hitler- Deutschland zustandegebracht. Das ist auch eine Leistung, nur mit negativen Vorzeichen. Trotzdem hat die Welt noch nicht erkennen können, wie Herr Minister Göbbels meint, was der Nationalsozialismus in Wirklichkeit darstellt, denn durch die Gleichschaltung der deutschen Presse, infolge der kategorischen Zensur, tommt uns nur ein Bruchteil der brutalsten Terrorakte zu Ohren. Das wahre Gesicht des Nationalsozialismus zeigt der Propagandaminister Göbbels in seinem letzten Saz: " Die Welt habe noch keine friedlichere Revolution gesehen als die nationalsozialistische..." Wer die Bestialität der braunen Mordbanden, den unerhörten Terror in den Kon zentrationslagern kennt, der hat auch Verständnis für das Wörtchen Frieden" im nationalsozialistischen Jargon. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz: Inserate Hubert Jüttner, beide in Saarbrüden. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. b. S., Saarbrücken, Schüßenstraße 5, Der Klassenkampf überwunden! nov So macht man das: Freiheit für den Unternehmer und Knechtung für den Arbeiter Am 28. Juni 1988 erließ der Führer der deutschen Ar- schaften besetzt wurden, seinen Gleichschaltungsrausch mit beitsfront, Dr. Ley, folgende Verfügung: „ Es ist der Wille des Führers, daß außer der deutschen Arbeitsfront feinerlei Organisationen mehr, weder der Arbeitnehmer noch der Arbeitgeber, existieren. Ausgenommen find der ständische Aufbau und Organisationen, die einzig und allein der Fortbildung im Berufe dienen. Alle übrigen Vereine, auch sogenannte katholische und evangelische Arbeitervereine, find als Staatsfeinde zu betrachten, weil sie den großen Aufbau hindern und hemmen. Deshalb gilt ihnen unser Kampf, und es ist höchste Zeit, daß sie verschwinden". Rey sprach und sie verschwanden! Es gibt demnach heute in Deutschland feinen einzigen Arbeiter mehr, der mit dem Staat anders in Beziehung steht, als daß er - der Arbeiter die Befehle von oben, d. h. von Personen auszuführen hat, die von höchster Stelle ernannt werden und die er nur dem Namen nach oder überhaupt nicht fennt. Wie liegen die Dinge bei den Unternehmern, wie sieht die Gleichschaltung und das Gehorchen bei ihnen aus? Man hört über die Art und Zusammensetzung der„ Unters nehmersäule" in der Arbeitsfront sehr wenig! Die großen Organisatoren der Nazis, von Muchow bis Len und Schuhmann, schwelgen lediglich in Superlativen über die rechtlose Erfassung, d. h. Versklavung, der Arbeiter. Einige Zurückhaltung gegenüber den Unternehmern ist ohne 3weifel gerechtfertigt, denn die Unternehmer fönnen Herrn Ley jederzeit darauf aufmerksam machen, daß er von allem Anfang an sagte, er glaube, die Wirtschaft dadurch zur höchsten Blüte führen zu können, daß das Führertum im Betrieb, der„ Herr- im- Hause- Standpunkt", wieder eingeführt wird. Die Unternehmer haben diesen Programmpunft der Nazis seit Jahren mit klingender Münze quittiert, fie spenden" auch heute noch dafür. Wenn jedoch die Unternehmer in ihren Betrieben wieder Herr im Hause sind, so sind sie es auch in der Wirtschaft und Herr Len verzeihe uns diese marristische" Schlußfolgerung im Staate. Oder will Hitler etwa auf diesem Gebiete dem italienischen Faschismus den Rang ablaufen? Wird er die deutschen Unternehmer jenes Selbstbestimmungsrechts berauben, das z. B. die Unternehmer Italiens in ihren Körperschaf ten und Organisationen auch heute noch, d. h. nach ihrer jog. Gleichschaltung und nach der vollen Unterwerfung der Arbeiterschaft, genießen? War es anti- kapitalistische Gesinnung oder nur faschistische Schlauheit und Taktik, daß Hitler, noch bevor die Gewerkeiner Aftion gegen das Unternehmertum begann? Im Lager der Unternehmer wurden nämlich schon am 6. April große Personalumwälzungen" in diesem Falle bediente man sich eines feineren Wortes gemeldet. Das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie teilte damals offiziell mit, daß die Reichsregierung mit maßgebenden Kreisen der Wirtschaft verhandelt habe" und im Einvernehmen mit allen zuständigen Ressortministerien ein Ausschuß gebildet wurde, der die Regierung hinsichtlich der Maßnahmen zur Vereinfachung und Umgestaltung der Organisationen beraten soll".( Man sieht also, daß im Falle der hochgeschäßten Unternehmer säuberlich verhandelt und nicht einfach an sich gerissen“ und„ hinausgeworfen“ wurde.) Bald darauf verschwanden in der Tat im Reichsverband der Industrie sowie bei den Arbeitgeberverbänden, den Handelskammern, dem Reichsverband des deutschen Groß- und Ueberseehandels usw. verschiedene Herren- meistens jüdischer Rasse aus der Leitung. Damit war dem Tatendrang Hitlers vorläufig Genüge getan; es folgte die in„ atemberaubendem Tempo" diftierte Gleichschaltung nach unten, über die heute jede dramatische" Einzelheit befannt ist. Was die ein bißchen fagenhafte„ Unternehmersäule" be= trifft, so herrscht auf diesem Gebiete eine seltsame Schweigsamkeit und Gewitterschwüle. Herr Len sagte allerdings noch am 19. Mai 1933 auf dem 1. Deutschen Angestelltenfongreß":„ Alle Kreise der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft müssen begreifen, daß die einzelnen Wirtschaftsgruppen nicht Selbstzweck sein dürfen, sondern daß das Wohl des Volkes über allem steht. Wer das nicht freiwillig begreifen will, den werden wir brutal und rücksichtslos( gilt dies auch für die Herren Junker und Großgrundbesißer in Ostpreußen? d. Red.) dazu zwingen". In der Folge hörte man nicht mehr viel über dieses Thema. Erst in den letzten Tagen nahm Herr Ley den Faden wieder mit einer Verfügung auf, in der es heißt, daß gegen „ den wilden(!) Aufbau von sogenannten Reichsständen, die in Verkennung des ständischen Aufbaus gebildet werden", von der zentralen Leitung aufgetreten werden müsse und die Bezeichnung„ Reichsstand" erst dann gegeben sei, wenn der grundsätzliche Gedanke, Unternehmer und Arbeitnehmer in einer Organisation zu vereinigen, gewahrt bleibe und wenn die Art und Form dieser Organisation so durchgeführt ist, daß einerseits die höchste Blüte der Wirtschaft garantiert und andererseits der höchste Schutz der Arbeitskraft ge sichert ist." Wie diese höchfte Blüte", soweit sie den Unternehmer betrifft, herbeigeführt werden soll, haben wir bereits oben erfahren. Um was handelt es sich nun bei einem solchen - wie die Nazis selber sagen sogenannten Reichss stand"? Wie die Kommandogewalt in den Gewerkschaften von oben herunter tommt, so kommt sie hier von unten herauf, und zwar so, daß die unterste organisatorische Einheit der Betrieb mit dem Unternehmer als Führer und dem lediglich beratenden" Betriebsrat ift. Die Betriebe eines bestimmten Wirtschaftszweiges werden über Bezirksfachgruppen und Landesfachgruppen zu einer Reichsfachgruppe oder einem Stand zusammengefaßt. Als oberste Spizze endet dieser Aufbau in einer Reichskammer, dem großen und dem kleinen Arbeitskonvent. Der kleine Arbeitskonvent( 14 Mitglieder) umfaßt die obersten Führer der Gewerkschaftsbürokratie, also des Regierungsapparates, der große Konvent( 60 Mitglieder) setzt sich aus dem kleinen Konvent und Vertretern der wichtigsten Gewerkschaftsverbände und einzelnen Richtungen( Christen, Hirsch- Dunf fer) zusammen( die letzteren sind heute zum größten Teil bereits davongejagt). Wie und durch wen eigentlich die Unternehmer in diesem Aufbau vertreten sind, ist noch sehr schleierhaft, desgleichen hält es schwer, festzustellen, wie die inzwischen gebildeten Reichsstände des Handwerks und des Handels und der Reichsstand der deutschen Industrie( der angeblich aus dem Zusammenschluß des Reichsverbandes der deutschen Industrie und der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände hervorgegangen sein soll) tonstituiert sind. Alle diese Dinge haben gute Weile. Man läßt wahrscheinlich mit Absicht das Damoklesschwert noch ein bißchen über den Köpfen der Unternehmer hängen und macht sie inzwischen freundlich darauf aufmerksam, daß die Nazis noch vers schiedene finanzielle Zulagen brauchen, um ihre alten und neuen Schulden zahlen zu können. Einmal wird es sich allerdings zeigen müssen, ob die Unternehmer wie in Italien- das erhalten, wofür sie allzeit bezahlt haben! Ohne Zweifel wird früher oder später der Augenblick kommen, wo die Nazis mit Recht sagen können, daß sie das deutsche Volk nicht belogen, sondern die ihm seit Jahren versprochene Freiheit gebracht haben: die Freiheit des Unternehmers gegenüber einer aefnechteten Arbeiterschaft! Mischehen strafbar ,, Stahlhelm auf der Brust..." Beamte, die mit Jüdinnen verheiratet sind, werden lüchtlinge aus den Reihen des Stahlhelms und anderer entlassen Das neueste Beamtengesetz im Dritten Reich enthält die aus dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums abgeleitete positive Feststellung, daß Personen nicht arischer Abstammung Reichsbeamte nicht werden dürfen. Darüber hinaus aber wird angeordnet, daß auch nicht Reichsbeamter werden kann, wer mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet ist. Reichsbeamte arischer Abstammung, die mit einer Person nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, find zu entlassen. Wer als Person nichtarischer Abstammung zu gelten hat, wird nach Richtlinien bestimmt, die der Reichsminister des Innern erlassen wird. Weibliche Personen dürfen als planWie bas„ Pravo Libu" berichtet, find in Prag die ersten deutschnationaler Organisationen aus Deutschland eingetroffen. Einige von ihnen haben sich beim Prager Emigrantenausschuß gemeldet. Sie wollen nicht Hitler heißen Fünf Familien in der Tschechoslowakei haben, wie tsche chische Blätter berichten, in der letzten Zeit bei den zuständigen Behörden um die Erlaubnis ersucht, ihren bisherigen Namen Hitler ablegen zu dürfen. Von diesen fünf Familien sind dret jüdisch, während die beiden anderen es nach ihrer eigenen Angabe nicht sind. mäßige Reichsbeamte auf Lebenszeit erst nach Vollendung Teilhaber des 35. Lebensjahres berufen werden. Diese Vorschriften gelten auch für das Beamtenrecht der Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände und der sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts. Reichsbahn, Reichsbank und die öffentlich- rechtlichen Religionsgesellschaften sind ermächtigt, gleichartige Vorschriften zu erlassen. Asylrecht bedroht In der Schweiz Durch die Schweizer Presse geht die Mitteilung, daß die Bundesanwaltschaft, die mit der Prüfung der Aufenthaltss bewilligungen der Emigranten betrant ist, einen großen Teil der Gesuche abschlägig beschieden hat. Nach Mitteilung der„ Noten Silfe" wurde der Schriftsteller Erich Weis nert ausgewiesen, weil er früher Rezitationsabende in der Schweiz abgehalten habe". Ferner wurde der Schrifts steller und Bauernführer Bruno von Salomon auss gewiesen, weil die deutsche Regierung gegen ihn einen Steckbrief erlassen hatte und weil er auf Grund revolutio: närer Tätigkeit vorbestraft war. Ebenso müssen Ernst Toller, Rudolf Marchwitza, der bekannte Stati stifer Woytinsky und Prof. Felix Halle das Gebiet der Schweiz verlassen. IG.- Farben Ein nationalsozialistischer Angriff Unter der Ueberschrift Kampf dem strupellosen Konzernbelschewismus" droht das führende nationalsozialistische Or gan des Ruhrgebiets, der„ General- Anzeiger", dem größten deutschen Konzern:„ Wenn Kartelle geschlossen werden müssen, so ist es notwendig, sie unter staatliche Kontrolle zu stellen." Diesem Ausspruch des nationalsozialistischen Reichswirtschaftskommissars Dr. Wagner genüge JG.- Farben fetneswegs. Daher stehe die JG.- Farbenindustrie am Scheide wege." Heute heißt es nicht, wie noch im Juni 1988 der Herr Geschäftsführer Dr. Karl Kirchner zurief: Die JG. ist eine Macht! Heute ist das nationale Deutschland eine Macht! Wer sich zu dieser Macht nicht bekennt, mag freiwillig Plazz machen. Feind oder Freund des Dritten Reiches! Etwas anders gibt es nicht." Diese Drohungen sind so deutlich, daß mit einem unmittelbaren Angriff auf die Leitung von JG. Farben gerechnet werden darf. still oder tätig, mit 50 Mille Franken, für f. Spezialgeschäft in Südfrankreich sofort ge sucht. Evtl. käufl. Uebernahme sot. od. spät. Angeb, erb. unt. Nr. 19 an die Exped. d Ztg. Gelegenheits- Angebot! Henry Barbusse: Das Feuer Tagebuch einer Korporal schaft. Kriegsroman Vollst. Ausgabe. Leinenband nur Fr. 12, Buchhandlung Volksstimme Saarbrücken 3 Bahnhofstraße 32 Neunkirchen Hüttenbergstraße 41 Der Herbst... Sorgen des Reichskanzlers Die Beltenkorrespondenz in Berlin, eine streng vertrans liche, persönliche Information eines gewissen UnternehmerIreises, unterrichtet über Aeußerungen Hitlers selbst anläßlich gewisser Verhandlungen. Es heißt da:„ Insbesondere kennzeichnete er die außenpolitische Lage Deutschlands als sehr ernst und ließ auch durchblicken, daß er zu manchem Nachgeben sich werde bereitfinden müssen. Die eigentliche Belastungsprobe für sich selbst sieht der Kanzler erst noch kommen und zwar in der wirtschaftlichen Entwicklung, die der Herbst dieses Jahres mit sich bringen muß." Deutsche lassen ihre Möbel und sonstigen Stückgüter nach Frankreich einzig und allein befördern durch STERN- EXPRESS 460 31, Rue de Pétrograd- PARIS 8° ( Nähe Place Clichy) Téléphon: Europe 60,10. Kabeladresse: Sternex- Paris Sammelwaggons aus den wichtigsten Städten Deutschlands. 1-3 mal wöchentlich nach Paris- Riviera und den tranz. Provinz Städten; dadurch ermäßigte Fracht Lagerung Verpackung Versicherung Agenturen in allen Städten Deutschlands und Zentral- Europas Auskunft: Rechtsstelle für deutsche Flüchtlinge 27, Rue Jean Dolent- Paris 14 Alle Geldfendungen für die ,, Deutfche Freiheit" ob durch Banküberweifung, Scheck, Poftanweifung, find zu adreffieren an Verlag der Volksftimme GmbH. Saarbrücken Zu vermerken ift bei jeder Zahlung: Für Deutfche Freiheit! Bank: Deutſche Bank und Diskonto- Gefellſchaft, Filiale Saarbrücken Poftfcheck: Saarbrücken 619( Verlag der Volksftimme G. m. b. H.)