Preis: 60 1. cts. 60 1. cts. Deulfate Fredhei Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 17-1. Jahrgang Sarbrücken, Sonntag- Montag, den 9. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun Räume nicht dem Staat zuviel Gewalt ein. Er darf nicht fordern, was er nicht erzwingen kann. Was aber die Liebe gibt und der Geist, das läßt sich nicht erzwingen. Das lasse er unangetastet oder man nehme sein Gesetz und schlage es an den Pranger. Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, daß ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte. Hölderlin. SA. fordert zweite Revolution Eine hochkapitalistische Rede Hitlers- Kampfruf gegen die betrogene SA. Wachsende Rebellion- Außen braun und innen rot" Reichskanzler Hitler hat schon am vergangenen Sonntag in Reichenhall eine gegenrevolufionäre Rede gehalten. Unser Berliner Korrespondent hat diese Kanzlerrede sofort als einen Kampfruf gegen die revolutionären Forderungen der SA. bezeichnet. Nun hat Hitler am Freitag in Berlin vor den Reichsstatthaltern noch offener gesprochen. Er hat alle revolutionären Aktionen in der Wirtschaft abgelehnt und sich eindeutig zur kapitalistischen Entwicklung bekannt. Das ist für den Eingeweihten nichts Neues. Hitler ist kein Revolutionär. Er ist der Exponent hochkapitalistischer und militaristischer Kräfte gegen die organisierte sozialistische Arbeiterklasse. Er will keine Befreiung des Arbeitsvolks, sondern eine kapitalistisch geführte Wirtschaft mit starkem Staat, dessen Expansionskräfte durch gewaltige Heeresrüstungen nach außen drängen und neue Betätigungsmöglichkeiten für das deutsche Kapital in fremden Ländern erschließen sollen. Wir bringen an anderer Stelle die entscheidenden Partien der Hitlerrede, geben aber zunächst unserem Berliner Korrespondenten über die gesteigerte Unruhe in der SA. das Wort. Berlin, 8. Juli.( Eig. Draht.) Die von #ns Anfang dieser Woche gemeldeten SA.- Rebellionen gegen die Reichenhaller gegenrevolutio näre Rede Hitlers halten an. In der SA. ist die Erregung sehr groß. In Berlin sind aus verschiedenen Teilen Deutschlands Abordnungen eingetroffen, um mit der hiesigen Oppo fition Fühlung zu nehmen. In den Berliner SA.- Büros geht es sehr lebhaft zu. Die SS., deren Gegensatz zu den SA. bekannt ist, sind auf die Parteihänser konzentriert. Das Bes treten der A.- Lokale ist den SS.- Lenten untersagt. Hitler und Heß und andere Führer sind über die Vorgänge genan unterrichtet. Maßnahmen gegen die Rebellen sind bisher nicht getroffen worden. Man scheint anzunehmen, daß sich die Aufregung wieder legt. Inzwischen machen die Polizeipräsidenten gegen die Rebellen in den SA. scharf. Es liegen uns aus fast allen großen Städten des Reiches Drohungen der Polizeipräsidenten gegen die„ Wühlarbeit" vor. Nach bekannter Methode werden die auffässigen SA.- Leute als„ Kommunisten" bezeichnet. So gibt der Polizeipräsident von Dort mund bekannt: Helft die Wühler fassen In legter Zeit macht sich im Präsidialbezirk Dortmund wieder eine ft ärtere fommunistische Zettels propaganda bemerkbar. Ich bitte das Publikum um erhöhte Aufmerksamkeit. Es ist unbedingt erforderlich, eventl. Wahrnehmungen sofort dem nächsten Polizeirevier oder der politischen Polizei beim Polizeipräsidium mitzuteilen, damit den kommunistischen Bühlern ihr Handwerk gelegt werden kann. Uns liegt einer der gefürchteten„ kommunistischen Zettel ,, vor. Wir werden das Original im Schaufenster unserer Geschäftsstelle auslegen. Das Flugblatt hat folgenden Inhalt: F Gegen das System Zeitung des revolutionären SA.- u. SS. Mannes Die Revolution ist noch nicht abgeschlossen???? Die SA. verlangt Säuberung auf allen Gebieten!! In eiserner Diszis plin steht die A. zur Sache des Sozialismus!!! Die Rede unseres Obersten Führers in Erfurt, anläßlich des Reichsappells, brachte uns weiteren Aufschluß über den Fortgang der Regierungshandlungen während der Revos Intion. Seine Ausführungen erreichten den Höhepunkt in dem Ausspruche:„ Wenn uns auch die Abschaffung innerer Gegens fäglichkeiten nicht gelingt in wirtschaftlicher Hinsicht, so wird uns aber das höchfte gelingen, die deutsche Jugend im Geifte des neuen Deutschland zu erziehen. Das ist also die neue Schöpfung!!! Also die Kapitalisten, Fürsten, Prinzen, sie beziehen weiterhin hohe Gehälter, ganz ungeachtet auf die Lage der Arbeiter, die in Not und Elend thr Dasein fristen müssen. Die Bauern schuften Tag und Nacht, um die Verwaltung des Staates zu bezahlen mit ihrer Hände Fleiß. Die Anträge unserer Formationen der SA. genügen nicht. Sie stellen nur ein Teil dessen dar- der Anfänge. Es genügt nicht, einzelne Beamten ihrer Poften an ents heben. Es genügt nicht, die Erwerbslosen aus der Stadt auf das Land zu bringen. Es genügt nicht, die Erwerbslosen in den Arbeitsdienst aufzunehmen, um dort mit militärischem Drill zur Arbeit erzogen zu werden. Es sind dies nur Maßnahmen der Regierung, um den Schein zu erwecken, als marschiere der Sozialismus. Die Personen nur haben gewechselt, jedoch der 30. Januar ift dem 9. November im Verrat nachgefolgt. Wir wünschen eine vollkommene Arbeit. Nichts wurde ge= halten, nichts wurde erfüllt von dem Versprochenen. Wir SA.- und SS.- Männer als Träger der Revolution müssen die Dreckarbeit verrichten und die Generäle, Prinzen, Groß junter feiern mit unserm Führer die Wiedererhebung in die Aemter hinter verschlossenen Türen. Nichts hat sich an unserer Lage gebeffert, der Glaube, die Hoffnung ist uns nur geblieben. Die Revolution kann nicht beendet sein!!! Unser Ziel ist: Die Entlassung und Beseiti gung aller Nugnießer der Arbeit, aller Schmaroßer und Aus beuter. Die Arbeiter selbst müssen die Produktionsmittel in die Hand nehmen, sie verwalten, erst dann ist der Gemeinnuß gesichert und der Sozialismus in seinen Anfängen Tatsache geworden. Wir kämpfen weiter, wenn unsere Führung auch nicht mit dieser Handlung übereinstimmt, Den Arbeitern muß der Staat sein!!! Um dieses Ziel seiner Verwirklichung entgegen zu führen, kämpften wir weiter, trog Hinauswurf auf Hinauswurf. Einige ehrliche SA.- und SS.- Männer. Die Polizeipräsidenten mögen noch so viel beteuern, daß diese Flugschriften von Margisten stammen. Jedenfalls wirken sie und beweisen so, daß sich viele in der SA. nicht mehr täuschen lassen von den hohlen Hitlerphrasen. ed zoda SS. erschießt 13 SA. Im Konzentrationslager Ende Juni ist, wie bekannt, in der Lüneburger Heide bet Wilsede ein Konzentrationslager für rebellische SA.- Leute eingerichtet worden. In dem Lager, das bisher mit zweis tausend Kommunisten und Sozialdemokraten belegt war, sind dreizehnhundert A.- Lente untergebracht; die Bes wachung liegt in den Händen eines starken Detachements der SS. In diesem Lager sind, wie jetzt erst bekannt wird, in der Nacht vom Sonntag zum Montag dreizehn SA.- Lente angeblich bei Begehung eines gemeinsamen Fluchtversuchs erschossen worden. Die Toten wurden innerhalb des Lagers beigesetzt. Wegen dieser Vorfälle herrscht unter den Internierten außerordentliche Erregung, so daß das Wachkommando der SS. hat verstärkt werden müssen. SA.- Sturm in Gera und Greiz aufgelöst Die SA.- Formationen in Gera und Greiz in Thüringen find wegen Menterei aufgelöst worden. Die SA.- Lente hatten unter ihrer örtlichen Führung verbotene Versammlungen einberufen, in denen schärffte Kritik an Hitler und der Thüringer Landesregierung geübt wurde. Zu einem megen dieser Vorkommnisse vom Reichsstatthalter Sandel in Gera angesetzten General- Appell der SA. von Gera und von Greiz weigerten sich die SA.- Lente zu erscheinen; hierauf erfolgte die Auflösung der Formationen. Die örtlichen Führer der SA. und einige angebliche Rädelsführer wurden in Haft genommen. Nach Gera und Greiz wurde je ein Detachement der SS. von 80 bzw. 50 Mann gelegt. Nichts vom Vierjahresplan! DIC Volksrechte sind geraubt und die Herrenrechte bleiben Die entscheidenden Stellen der Rede des Reichskanzlers Wir müssen dabei unser Handeln auf viele Jahre einstellen vor den Reichsstatthaltern lauten: Neuwahlen werden nie mehr ausgeschrieben. Der nationalsozialistische Staat sei in der Praxis noch nicht möglich, da bie Auswahl an geeigneten Führerpersonen, Wirtschaftserderten usw. sehr gering sei. Die Revolution ist kein permamenter Zustand, sie darf nicht zu einem Dauerzustand sich ausbilden. Man muß den frei gewordenen Strom der Revo lution in das sichere Bett der Evolution hinübers leiten. Die Erziehung der Menschen ist dabei das Wichtigste. Der heutige Zustand muß verbessert und die Menschen, die ihn verförpern, müssen aur nationalsozialistischen Staatsauffassung erzogen werden. Man darf daher nicht einen Wirtschaftler abseßen, wenn er ein guter Wirtschaftler, aber noch kein Nationalsozialist ist; zumal dann nicht, wenn der Nationalsozialist, den man an seine Stelle sezt, von der Wirtschaft nichts versteht! In der Wirtschaft darf nur das Können ausschlaggebend sein. Die Aufgabe des Nationalsozialismus ist die Sicherstellung der Entwicklung unseres Volkes. Man soll aber nicht herumsuchen, ob noch etwas zu revolutionieren ist, sondern wir haben die Aufs gabe, Position um Position zu sichern, um sie zu halten und allmählich mustergültig zu besezen. und in ganz großen Zeiträumen rechnen. Durch theoretische Gleichschaltungen schaffen wir keinem Arbeiter Brot. Die Geschichte wird ihr Urteil über uns nicht danach abgeben, ob wir möglichst viele Wirtschaftler abgeseßt und eingesperrt haben, sondern danach, ob wir es verstanden haben, Arbeit zu schaffen. Wir haben heute absolut die Macht, uns überall durchzusehen. Aber wir müssen die abgesetzten Menschen auch durch bessere erseßen fönnen. Der Wirtschaftler muß in erster Reihe nach seinen wirtschaftlichen Fähigkeiten beurteilt werden, und wir müssen selbstverständlich die wirtschaftliche Apparatur in Ordnung halten. Mit Wirtschaftsorganisationen, Konstruktionen und Theorien werden wir die Arbeitslosigkeit nicht beseitigen. Es kommt jetzt nicht auf Programme und Ideen, sondern auf das tägliche Brot für fünf Millionen Menschen an. Die Wirtschaft ist ein lebendiger Organismus, den man nicht mit einem Schlage verwandeln kann. Die Wirtschaft baut sich nach primitiven Gesezen auf, die in der menschlichen Natur verankert sind. Die geistigen Bazillenträger, die jetzt in die Wirtschaft ein zubringen suchen, bringen Staat und Volk in Gefahr. Man darf nicht die praktische Erfahrung, ablehnen, weil sie gegen eine bestimmte Idee ist. Wenn wir mit Reformen vor die Nation hintrete, müssen wir auch beween, daß wir die Dinge verstehen und sie meistern können. Unsere Aufgabe heißt Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit! Aus dem Gelingen der Arbeitsbeschaffung werden wir die stärkste Autorität erhalten. Unser Programm ist nicht geschaffen, um Frankreich protestiert ſchöne Geſten zu machen, sondern um dem deutschen Volke Gegen Uebergriffe der geheimen Staatspolizei das Leben zu erhalten. Die Jbeen des Programms verpflichten uns nicht, wie Narren zu handeln und alles umzustürzen, sondern flug und vorsichtig unsere Gedankengänge zu verwirklichen. Auf die Dauer wird die machtpolitische Sicherheit um so größer sein, je mehr es uns gelingt, sie wirtschaftlich zu untermauern. Beifall rechts! Bravo dem gezähmten Hitler! Die„ Saarbrücker Landes- Beitung"( Nr. 182), ein Bentrumsblatt, läßt aus Berlin die Kanzlerrede wie folgt be= urteilen: Die Rede läßt erkennen, daß er die Sett des stürmischen Vorwärtsdrängens in revolutionären Formen für abgeschlossen hält und daß er wünscht, die weitere Entwicklung möge sich auf organischem und legalem Wege vollziehen. Vor allem ist es ihm darum zu tun, daß der Organismus der Wirtschaft behutsam ange= faßt und daß Angriffe von außen vermieden werden. Hitler hat wiederholt Auslegungen des Begriffes Sozialsimus" gegeben, die beweisen, daß er sich bewußt von den überlieferten geschichtlichen Vorstellungen, die mit diesem Wort verbunden werden, distanaiert. Sozialismus bedeutet für ihn nicht die Ueberführung der Produktionsmittel in den Besiß der Gesellschaft, vielleicht sogar auf dem Wege der gewaltsamen Enteignung, sondern er will unter Sozialismus mehr eine Gesinnung verstanden wissen, die im volksgemeinschaftlichen Denken und Empfinden wurzelt. Boykott gegen Deutschland Großer internationaler Kongreß Berlin, 7. Juli. Der Präsident des englischen Chemietrusts, Lord Melchet, hat für den 17. Juli einen Rongreß zur Organisierung des Boykotts deutscher Waren einberufen. Der Kongreß wird international sein, Delegierte sind aus Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, Tschechoslowakei, Lettland, Polen Norwegen, Dänemark, Schweden, Aegypten, Palästina und Vereinigte Staaten angemeldet. Die Aufgabe des Kongresses ist flar umrissen: aus welchen Ländern können die bisher aus Deutschland importier ten Waren bezogen werden. Umfangreiche Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen. Kardinal in„ Schutzhaft"? Faulhaber bewacht München, 7. Juli. Von verschiedenen Seiten wird berichtet: Kardinal Faulhaber werde durch die Nazis so scharf überwacht, daß er sich in seinem Palais praktisch in„ Schuzhaft" befinde. Es sei ihm jede Verbindung mit den katholischen Führerkreisen absolut verunmöglicht. Bodelschwingh protestiert Gegen die Nazi- Gebote Berlin, 7. Juli, Der abgefegte preußische evangelische Bischof Bodels Schwingh protestiert gegen die von den Nazikommissaren für bie Gottesdienste auferlegte Danteserklärung für Hitlers Wirken. Bodelschwingh hat sein Protestschreiben allen Pfarrern zugeschickt. Paris, 8. Juli.( Eig. Draht.) Am 1. Juli sind, wie wir bereits vor acht Tagen gemeldet haben, in einer ganzen Reihe der wichtigsten Pläge Europas Auslands: Agenturen der Geheimen Staats: polizei eingerichtet worden. Das Personal dieser Agens turen, daß unmittelbar dem Berliner Polizeiamt untersteht, soll, sofern schwerwiegende anßenpolitische Bedenken nicht im Wege stehen, den diplomatischen oder konsularischen Bers tretungen des Deutschen Reiches angegliedert werden, um die Sicherheit der betreffenden Beamten und ihrer Tätigkeit zu erhöhen; zur Durchführung des Nachrichtendienstes von und nach Berlin sind die Einrichtungen der offiziellen deutschen Auslandsvertretungen zur Verfügung gestellt worden. Solche Auslands- Agenturen der Geheimen Staatspolizei sind bisher in Paris, Straßburg, Mez, Zürich, Genf, Basel, Berlin, Wien, Junsbruck, Salzburg, Prag, Karlsbad, Warschau, Posen, Danzig, Kopenhagen, Amsterdam, Ants werpen, Brüssel, London, Rom und in Moskau beobachtet worden. Wie uns hierzu von kompetentester Seite mitgeteilt wird, wird die französische Regierung gegen diesen von Deutschland betriebenen planmäßigen Mißbrauch diplomatischer Einrich tungen und gegen die bisher in der Geschichte der Kultur: nationen unbekannte Verlegung der elementarsten diplomatischen Sitten geeignete Schritte unternehmen. Die franzö fische Regierung wird sich ferner bemühen, die anderen be= troffenen Mächte zu kollektiven Maßnahmen zu veranlassen. Eine Konferenz der Goldländer Sic machen einen letzten Versuch... Berlin, 8. Juli. Es hat den Anschein, daß der Schwerpunkt der internationalen Wirtschaftsbesprechungen von von London nach Paris verlegt werden soll. Während die Weltwirtschaftskonferenz den Versuch macht, die mit den Währungsproblemen nicht unmittelbar zusammenhängenden Wirtschaftsund Finanzfragen weiter zu erörtern, aber sich selbst bewußt ist, daß sie auf diesem Wege höchstens eine theoretische Klä rung ihrer Aufgaben erreichen kann, treten heute in Paris die Notenbankleiter der sogenannten Goldländer unter dem Vorsitz des Gouverneurs der Bank von Frankreich zusam men, um über ein weiteres gemeinschaftliches Vorgehen in der Währungsfrage zu beraten. Der Goldblock, dem außer Frankreich und seinen Verbündeten Italien, die Schweiz, Holland und Danzig angehören, ist in London bekanntlich mit großer Entschiedenheit gegen die Tendenzen der amerikanischen Politik und für die unbedingte Aufrechterhaltung des Goldstandards eingetreten. In der Entschließung der Goldländer vom 3. Jult, die die Antwort auf die erste Roosevelt- Erklärung war, wurde Noch ein Verbot! Der ,, Sonntag- Morgen" Auf Grund des§ 6, Absatz 1 der Verordnung vom 18. Juni 1923, betreffend Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit im Saargebiet, wird die Verbreitung der Wochenzeitung, Sonntag Morgen" für das Saargebiet verboten. Das Mitglied der Reg.- kom. für die Angelegenheiten des Innern: gez. G. G. Knog. Der Knebel Die Tägliche Rundschau auf drei Monate verboten Berlin, 8, Juli, Die Tägliche Rundschau ist auf die Dauer von drei Monaten verboten worden. Junkertum unantastbar! Phantastische Pläne zur Rettung Ostpreußens- Großgrundbesitz muß erhals ten bleiben- Verlegung der Industrie und Nationaltheater- Alles Krampf! Die Meldung unseres Berliner Korrespondenten, daß Hindenburg von Reichskanzler Hitler Garantien ge= gen den„ Siebelungsbolschewism u 8" verlangt und erhalten hat, wird durch den Verlauf der OstpreußenBeratung in der Reichskanzlei bestätigt. Der Großgrundbesig wird nicht angetastet. Im Gegen teil, man spinnt abenteuerliche Pläne, um den Boden wert im Often zu steigern. Nicht mehr und nicht weniger als eine kleine Völkerwanderung innerhalb Deutschlands soll inszeniert werden. Man glaubt Jndustrien aus dem Westen nach dem Osten verlegen zu können. Dort find die Löhne billiger, und die Arbeiter können seß haft gemacht werden. Die Frage ist nur, wie dieses Experis ment, wenn es überhaupt durchführbar wäre, dem Westen bekommen würde. Entweder muß man dort einen Teil des Wirtschaftsbetriebes lahm legen, oder man muß die deutsche Ausfuhr steigern. Es ist nicht ersichtlich, wie man aus dies fer Schwierigkeit heraus will. Wahrscheinlich handelt es fich um dieselbe Reklame- Hochftapelei wie bei dem Plane, ganz Deutschland mit einem Netz von Autostraßen zu über= atehen. Die Proving Ostpreußen soll weitgehend industrialifiert werden, und zwar durch Schaffung von Filialbetrie ben der im Reiche bereits bestehenden Industrien und durch Verlegung von Betrieben der weiterverarbeitenden Jndustrie nach Ostpreußen. In Frage kommen vor allem die Metallindustrte und die Textilindustrie. In welchen Teilen der Provinz die Anlagen geschaffen werden, steht noch nicht fest. Grundsäßlich jedoch werden sie nicht in die großen Städte gelegt, sondern in ländliche Bezirke, auch um der Arbeiterschaft genügend Land zuteilen zu können und sie bodenständig zu machen. Es ist eine wirtschaftliche Struttur, wie sie in Württemberg besteht, erwünscht, die dieses Land in die Lage versette, Krisenzeiten verhältnismäßig gut zu überstehen. Ostpreußen würde dann, solange der Markt infolge der geringen Bevölkerungsdichte nicht genügend aufnahmefähig ist, nicht nur für den eigenen, sondern auch für den Reichsbedarf produzieren. Ebenso ist an die Auswertung der gegebenen Ausfuhrmöglichkeit gedacht. Für die Heranschaffung der Rohstoffe bietet der Seeweg günftige Möglichkeiten. Weiter ist daran gedacht, die in Ostpreußen bestehenden Wasserstraßen auszubauen und neue Wasserstraßen anzn= legen. So denkt man unter Umständen an eine Verlängerung des Oberländischen Kanals bis Allenstein. Auch das Problem des Masurenkanals gewinnt erneute Bedeutung. Die Lebensfähigkeit der neu zu schaffenden Industrien in Ostpreu ßen wird garantiert durch bevorzugte Zulassung von öffent= lichen und teilweise auch privaten Aufträgen. Zu diesem Zweck wird der Anteil Ostpreußens bei der Vergebung von öffentlichen Arbeiten über den Bevölkerungsanteil hinaus erhöht werden. Weiterhin soll bei der technischen Durchführung der Auftragsverteilung das sogenannte Vorlieferungsrecht in Kraft treten, nach dem die öffentlichen Aufträge den öffentlichen ostpreußischen Kammern( Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Landwirts schaftskammer) vorzulegen sind. Diese versuchen dann, den Auftrag in Ostpreußen unterzubringen. Dieser Weg dient vor allem der Sicherung der bereits bestehenden Industrien, während die Garantie eines bestimmten Auftragsbestandes der nach Ostpreußen verpflanzten Industrie zugute kommen soll. Es ist ferner daran gedacht, die Königsberger Albertuss Universität zu einer Nationaluniversitat umzubauen, eventuell auch ein großes Nationaltheater in Ostpreußen zu schaffen. Diese Maßnahmen werden automatisch Menschen vom Westen zum Osten abziehen lassen, dort eine Auflockerung zur Folge haben und hier einen stärkeren Wall in der gefährdeten Provinz schaffen. Der Staat nimmt mit diesen Maßnahmen bewußt die Tradition auf, die im 14. Jahrhundert durch den Deutschen Orden in den Osten getragen wurde. Die kapitalistische Entwicklung des letzten Jahrhunderts, die das Volksvermögen im Westen zusammenballte, müsse rückgängig gemacht und im Osten Volksvermögen und Volk ge= stärkt werden durch Kräftigung der Städte und der nahen Absazmärkte. Damit erhält das Bauerntum in Ostpreußen erst diejenigen natürlichen Grundlagen für seine Lebensfähigkeit, wie sie die Landwirtschaft in Mittel- und Westdeutschland besitzt. die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Aufrechterhaltung der Währungen für die wirtschaftliche und finanzielle Wiederherstellung der Welt, für die Wiederaufnahme des Kredites und für die Sicherstellung des sozialen Fortschrittes notwendig fet. Demgemäß sollten die Notenbanken in enger Fühlung bleiben, um ein freies Funktio nieren des Geld standards zu den gegen wärtig geltenden Parttäten und im Rahmen der bestehenden Geldsäße zu sichern. Diese Erklärung, die eine der Arbeitsgrundlagen der heute beginnenden Pariser Konferenz bilden soll, enthält ein vollständiges Währungsprogramm, über dessen technische und allgemeine Tragweite die Meinungen allerdings noch auseinandergehen. In Frankreich, Belgien und anderen Ländern will man in dem Block der Goldländer den natürlichen Anfang eines europäischen Zusammenschlusses erblicken, den freilich Frankreich und seine Verbündeten bisher gerade von der entgegengesetzten Seite, nämlich vom politischen Herd, begonnen wissen wollten, Das Neueste Der Reichsinnenminister hat die Landesregierungen ges beten, unzulässige Eingriffe" in den Aufbau der örtlichen ,, unzulässige Eingriffe" in den Aufbau der örtlichen Studentenschaften zu unterbinden. * Die 12 Opfer der Explosionskatastrophe auf der Zeche „ General Blumenthal" wurden feierlich bestattet. Der Lübecker Senat hat beschlossen, an die früheren Senatsmitglieder, die der SPD. oder der Staatspartei ans gehört haben, ab 1. Juli feinerlei Zahlungen mehr zu leisten. * Eine Verordnung zur Abwehr von Terroratten bes stimmt, daß diese künftig sofort mit Arrest von 3-6 Monaten bestraft werden. Wie Havas aus Asuncion berichtet, besagt ein paras quanischer Heeresbericht, daß der letzte verzweifelte Angriff der bolivianischen Truppen vollkommen zurückgeschlagen worden sei. Die Verluste der bolivianischen Truppen beliefen fich auf 1500 Tote. Die paraguayanischen Truppen hätten 500 Gewehre und vier Maschinengewehre erbentet und einen Offizier und 31 Soldaten gefangen genommen. * Wie Havas aus Tunis berichtet, haben die Kolonisten und Weinbanern eine öffentliche Straßenfundgebung zur Verteidigung ihrer Interessen veranstaltet. Die Warens user hatten aus Solidarität mit den Manifeftanten ges fchloffen. Herzliches aus Paris Aus Anlaß der Anwesenheit des Volkskommissars für Auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, in Paris gab der Sowjetbotschafter in Paris, Dowgalewski, gestern ein Frühstück, dem Ministerpräsident Daladier, Außens minister Paul Boncour sowie der in Paris anwesende türkische Außenminister Tewfit Ruschdi Ben, der türkische Botschafter in Paris und der türkische Botschafter in Bern beiwohnten. Wie Havas berichtet, hat Litwinow in einer Rede namentlich auf den Friedenscharakter der Sowjetaußens politik und auf die Bestrebungen der Sowjets um die Konso= lidierung des Friedens hingewiesen. Kundgebung gegen die Juden wtb. London, 8. Juli.„ Times" meldet aus Algier: Nach einem Bericht aus Tlemcen( Westalgier) veranstalteten dort am Donnerstag um Mitternacht mehr als 1000 mit Stöden bewaffnete Algierer Kundgebungen in den Straßen, wobei fie riefen:„ Nieder mit den Juden! Nieder mit Frankreich!" Eine Anzahl von Läden wurde zerstört und ausgeplündert. In einer Wüste notgelandet Mostan, 8. Juli. Ueber das Schicksal des Weltfliegers Mattern wird weiter bekannt, daß Mattern infolge einer Motorpanne etwa 80 Meilen vom Golf von Anadyr ent: fernt in einem Wüstengebiet notlanden mußte. Durch jowiet ruffische Küstenwächter, die ihn auffanden, wurde ihm die erste Hilfeleistung zuteil. Um seinen Flug fortseken zu föns nen, muß Matterns Maschine mit einem neuen Motor and gestattet werden. Den Abonnementsbetrag für Einzelabonnenten zuzüglich der Portospesen für den laufenden Monat werden wir jeweils am Anfang des Lietermonats, dem Wunsche der meisten Leser entsprechend, durch Nachnahme erheben. Wir bitten, diese bei Vorzeigen sofort einzulösen, um unnütze Unkosten zu ersparen Verlag ,, Deutsche Freiheit" 3 5-3 It s = [= It 1= S= nt # es ## Ge en 11. es n as en 00 Est En r Its jes Hr ab in de he rn de ทะ 10= ich rt ent jet 124 rt. ra er st: ets bie Its ..Sie werden gewarnt!" Terrordrohung gegen ,, Deutsche Freiheit" Seit dem Erscheinen der Deutschen Freiheit" in Saarbrücken weilt im Saargebiet ein Komitee reichsdeutscher Fa schisten, das nicht nur die Aufgabe der Partei- und politischen Spionage hat, sondern auch die Wege und Mittel prüfen soll, das weitere Erscheinen der Deutschen Freiheit" unmöglich zu machen. Diese Aufgabe ist für die Faschisten allerdings sehr schwierig. Naheliegend wäre natürlich für fie, gleich reinen Tisch zu machen und nach deutschem Beispiel durch einen Gewaltstreich die Druckerei der Volksstimme wie der Freiheit zu zerstören. Die Faschisten wissen aber selbst zu genau, mit welchen Folgen ein solcher Gewaltakt verbunden wäre. Sie wissen, daß sie diesen Anschlag im Saargebiet den Rommunisten nicht zuschieben fönnten, wie das in Deutschland fo Mode ist. Sie wissen, daß die politischen Konsequenzen eines solchen Vorgehens für die Reichsregierung von weittragendster Bedeutung sind. Also arbeiten sie vorläufig mit anderen Methoden. Das erste Mittel war ein Inseratenboykott gegen die Volksstimme. Ein Mittel, das ihnen, nichts nüßen wird. Hinzu kam dann der Versuch, den Verkauf der " Deutschen Freiheit" im Saargebiet zu boykottieren. Unsere Straßenverkäufer mußten sich die Anrempelungen, Be schimpfungen, ja die wüstesten Drohungen gefallen lassen. Das hat den Faschisten nichts genügt. Der Umsatz der Deut fchen Freiheit" vergrößert sich von Tag zu Tag. Nun wird das Mittel versucht, die Propagierung der„ Deutschen Freiheit zu unterbinden. Einzelnen Geschäften gehen anonyme Schreiben zu mit folgendem Text: « Sie werden vor dem Aushang der Deutschen Freiheit" gewarnt. Einer, der es guf meint.( 2. Warnung.)" Auch das wird nichts nühen. Der Faschismus verträgt keine Wahrheit und wird kein Mittel scheuen, die Verbreitung dieser Wahrheit zu unterbinden. Es fragt sich nur, wer Sieger in diesem Kampfe bleiben wird. Schlagt sic tot! Die Presse des Reichskanzlers fordert zum Morde auf Der„ Westdeutsche Beobachter" in Köln schreibt unter Der Ueberschrift" Separatisten erhalten ihren Lohn": Wer einmal Separatist war, der ift des Todes schuldig! Es nügt nichts, wenn ehemalige Spießer, die fich zu früh bekehrten, als der Separatismus die Macht ergriff, nun Prozesse anstrengen, in denen sie nachweisen wollen, daß fie teine Separatisten gewesen wären. Triumphierend wird gleichzeitig gemeldet, daß in den letzten Tagen sich die Volkswut gegen„ jene Menschen" wieder in einem Ausmaße Luft gemacht habe, die es not wendig machte, 20 Separatisten in Schuzhaft zu nehmen, um eine Lynchjustiz zu verhindern. Ein Wunder, wenn die Presse des Reichskanzlers zu solcher Lynchjustiz in klaren Worten auffordert. Dabei ist zu bemerken, daß noch lange nicht alle, die jetzt " als Separatisten verdächtigt werden, Separatisten waren. Es genügt im Dritten Reich, von böswilligen Nachbarn oder neidischen Ronkurrenten verdächtigt zu werden, und schon ist man des Todes schuldig", wie das erwähnte Reichskanzlerblatt sehr offen schreibt. Auf der Titelseite des„ Westdeutschen Beobachters" prangt übri gens als Herausgeber der nächste Mitarbeiter Hitlers, der Präsident der deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley. Brief vom Rhein Auch über uns am Rhein ist in den letzten Wochen die neue große Terrorwelle der Nationalsozialisten niedergegangen. Mancher von unseren Treuesten ist von ihr durch Mißhandlungen oder Verhaftung oder gar Verschickung ins Konzentrationslager erfaßt worden. Troßdem lebt die Bewegung weiter und wir freuen uns, Euch mitteilen zu können, daß auch die„ Deutsche Freiheit" schon bis zu uns an den Niederrhein gekommen ist. Natürlich sind es immer nur vereinzelte Nummern, die von Hand zu Hand gehen. Gelegentlich schicken wir Euch einmal ein paar solche Nummern zu, die vielleicht von hundert oder noch mehr Genossen und Genossinnen gelesen worden sind. Man sieht es dem Papier an, und es ist natürlich nicht mehr ganz appetitlich, weil es feder gut verstecken und seinen Kameraden weitergeben muß. Aber wenn die Blätter auch beschmußt und zerfetzt sind, gelesen werden sie doch. Ueber unsere Arbeit will ich keine Einzelheiten schreiben, denn auch der kleinste Hinweis tann braven Mitstreitern die Freiheit fosten. Ich kann Euch nur versichern, daß wir aufammenfommen und daß wir arbeiten. Wie das geichieht, braucht nicht näher ausgeführt zu werden. Recht tapfer hat sich neulich der aus dem Gefängnis entlassene frühere Polizeipräsident Bauknecht geschlagen und swar wörtlich: geschlagen. Kaum war er von Wittlich wieder in Köln, so drang SA. und SS. in seine Wohnung ein. Baufnecht aber, ein sehr kräftiger Mann, griff nach einem Gummifnüppel, den er noch von seiner Präsidentenzeit her in der Wohnung hatte und vermöbelte die braune und schwarze Bande gründlich. Er wußte dann freilich Köln schleunigst verlassen. Neuerdings soll er in Stuttgart verhaftet und nach Köln transportiert worden sein, wo er angeblich gemeinsam mit Zörgiebel im Klingelpüz sizzt. Der Judenboykott geht trotz aller amtlichen Ablengs nungen kräftig weiter und ruiniert nicht nur jüdische Geschäftsleute, sondern auch manchen Arier, der sein Hauptgeschäft mit Juden gemacht hat. Vor den jüdischen Geschäften stehen noch immer Posten, die mit sanfter Gewalt vom Kaufe bei Juden abhalten. Man droht, die Käufer zu photographieren und die Bilder öffent. lich auszustellen. Wiederholt habe ich unter solchen Posten ehemalige Kommunisten entdeckt. Vor einem halben Jahre noch grölten sie Rotfront!", während sie jetzt schreien Heil Hitler! Kauft nicht bei Juden!" Groß ist die Spigelangst der Nationalsozialisten. Es mag sein, daß sich in ihre Organisationen mancherlei Leute einS Das Friedenstäubchenley.etc 19 web n Die Sanftmut des Hitler- Regimes „ Juda verrecke"! Wo keine Juden sind, werden sie erfunder Die Lappobewegung in Finnland kopiert alle Züge der deutschen nationalsozialistischen Bewegung. Diese reaktionäre Karikatur des deutschen Faschismus wendet sich, da es in Schweden so gut wie keine Juden gibt, gegen die schwedische Minderheit. Der Kampf der asiatischen Finnen, also im hitlerschen Sinne der„ Untermenschen" gegen die germanischen Schweden wird besonders eigentümlich durch die wörtliche Benuzung der deutschen nationalsozialistischen antijüdischen Vorwürfe gegen die Schweden, welche in der Lappopropaganda als rassefremde Untermenschen begeschlichen haben, die dort Zerseßungsarbeit leisten möchten. Aber komisch ist es doch, wie wenig die Leute einander trauen. Es ist eben nicht alles mit Terror zu machen, vnd Terror ist und bleibt die Hauptwaffe der Nazis. Sie haben uns gelehrt, wie man mit Terror inners halb weniger Wochen ein Winkelblättchen, wenigstens äußerlich, zu einer großen Tageszeitung machen fann. Der Nationalsozialistische„ Westdeutsche Beobachter" dürfte jetzt in Köln das Blatt mit der größten Auflage sein. Wie hat er das gemacht? Einfach durch massenhaftes 3 wang 3abonnement. Jeder Beamte, Angestellte und Arbeiter in öffentlichen Betrieben muß abonnieren. Wenn er nicht abonniert, weiß er, was ihm blüht und die Werber, die sich wie Vorgesetzte der Abonnenten betragen, machen auch kein Hehl daraus, was bei einer Ablehnung des Abonnements zu erwarten ist. Auch die Geschäftsleute sind Angstabonnen ten, denn sie wissen, daß sie boykottiert werden, wenn sie nicht Bezieher des„ Westdeutschen Beobachter" sind. Wer es als Geschäftsmann noch irgendwie kann, annonciert im Westdeutschen Beobachter", um seine Ruhe zu haben. Der„ Stadtanzeiger der Kölnischen Zeitung", die bes rühmte Inseratenplantage von Neven- Dumont, ers # läßt verzweifelte Hilferufe gegen die Terrorisierung feines Inferatenteils. Der gute Stadtanzeiger", einst liberal, hat geglaubt, durch fleißiges Lügen über die Marristen und durch byzantinische Lobhudeleien auf die nationalsozialistischen Führer sich so schön gleichschalten zu können. Der„ Westdeutsche Beobachter" aber läßt feine Ruhe, bis die Geschäftswelt so unter Druck gesetzt ist, daß sie nicht mehr im Stadtanzeiger" zu inserieren wagt. So kündigt das Nazi- Blatt jetzt an, das es von Geschäftsleuten, die im„ Stadtanzeiger" inserieren, keine Annoncen mehr aufnehmen werde. Man könne es den sauberen Spalten eines Naziblattes nicht zumuten, daß es durch Annoncen verunreinigt werde, die im„ Stadtanzeiger" neben Judenanzeigen gestanden hätten. Zu sagen ist noch, daß man den„ Westdeutschen Beobachter" nicht einmal so ohne weiteres abbestellen kann. Man muß nämlich noch zwei Monate nach Abbestellung den Bezugspreis weiter zahlen. Der Gruß Heil Hitler!" ist jegt bei den Behörden offiziell eingeführt und die Beamten müssen ihn auch außerhalb des Dienstes anwenden. Wenigstens insofern, als ein Beamter, der auf den Zuruf Heil Hitler!" nicht die Hand hebt, ohne weiteres entlassen wird. Die einstige Hitlerbegeisterung bei den Massen der Beamten hat schon sehr stark nachgelassen. Am fühlsten steht wahrscheinlich die Polizeibeamtenschaft der Hitlerei gegen über. Viele Polizeibeamte haben eine Stinkwut auf die Lagediebe der SS. und SA., die ihnen schon Arbeit genug 26 Glonges 2010 22 電 き handelt werden. Einige der Lappopropagandisten gehen noch weiter und behaupten, die finnischen Schweden seien verkappte Juden. Die Lappoleute benußen das Hakenkreuz als Parteisymbol und beweisen überall, daß die Schweden in jeder Beziehung minderwertig sind. Gummi- Pech bankrott Die seit mehr als 50 Jahren bestehende M. Pech A.-G. für sanitären Bedarf in Berlin hat die Zahlungen eingestellt. Diese befannte Firma hatte 29 Filialen und belieferte bis zur nationalsozialistischen Umwälzung die Stadt Berlin und ihre Krankenhäuser. Sie ist als Lieferantenfirma gestrichen worden. gemacht haben. Im Falle eines Falles darf man annehmen, daß so mancher SA.- und SS.- Mann eine kräftige Abreibung durch die Schupo beziehen würde. Jede Kritik an dem Hungersystem Adolf Hitlers ist verboten. Dennoch wird nach Kräften über die Teuerung geschimpft. Aber es muß mit Vorsicht geschehen. Als ich neulich in einem großen Lebensmittelgeschäft eine Kundin über die teueren Fettpreise beschwerte, antwortete die Verkäuferin:„ Da müssen Sie sich bei Adolf Hitler bedanken." Die Verkäuferin wurde verhaftet und man erzieht ihr jetzt im Frauengefängnis die nötige Hitlerbegeisterung an. Da fällt mir noch ein, was einem Landrat in einem rheinischen Kreise passierte: Ein Landwirt hatte einen besonders schönen und kräftigen Eber gezogen. Das Tier sollte ausgestellt und prämiiert werden. Der Landrat machte bei den Bauern ein Gesuch, um den Zuchteber zu besichtigen. Im Laufe des Gesprächs wurde die Frage erörtert, wie man den Eber nennen solle. Der Landrat, der fein großes Licht ge= wesen zu sein scheint, glaubte, seine Loyalität dadurch bekunden zu sollen, daß er anregte, man solle das Prachttier „ Adolf Hitler" nennen. Das war im vollen Ernst gemeint. Der Bauer, ein Nationalsozialist, sah den Landrat drohend an und sagte:„ Herr Landrat, an dieses Wort werden Sie Ihr ganzes Leben lang denken". Der Bauer behielt recht, denn wenige Tage später war der Landrat entlassen. Zum Judenboykott ist noch nachzutragen, daß der Kölner Großschlächter Katz eine Hafenkreuzfahne durch die ganze Stadt tragen mußte. Ganz anders verlief dagegen ein Besuch bei einem jüdischen Arzt, dem man ebenfalls eine Fahne in die Hand drücken wollte. Die SA.- Leute wußten nicht, daß dieser Arzt im Kriege sich sehr ausgezeichnet hatte und mit zahlreichen Orden dekoriert war. Als die Braunen mit der Hakenkreuzfahne zu ihm tamen, erklärte er sich sofort bereit, ihrem Befehl zu ents sprechen. Nur bat er noch um die Erlaubnis, sich vorher umziehen zu dürfen. Er zog sich für einige Minuten zurück und trat dann in seiner vollen Uniform als Militärarzt mit dem Helm auf dem Kopfe und mit seinen sämtlichen Orden auf der Brust vor die verblüfften SA.- Leute: „ So, meine Herren, nun geben Sie mir die Fahne, ich will mit Ihnen durch Köln marschieren." Die SA.- Leute wollten nun auf einmal von dem Zuge mit dem Juden nichts mehr wissen. Der Arzt bestand aber darauf, die Hakenkreuzfahne dem Zuge voranzutragen. Die SA.. Leute wußten sich nicht mehr anders zu helfen, als daß sie den Arzt mit Gewalt hinderten, aus dem Hause zu treten und den Befehl auszuführen, durch den sie ihn hatten demiR. Heinisch. tigen wollen. Die Volkszählung in Deutschland belu Das Reich der 65 Millionen Drei neue Großstädte Drei Millionen Deutsche mehr Bevölkerungsbewegung Ueber die bisherigen Ergebnisse der Volks ählung werden vom statistischen Reichsamt folgende Einzelheiten veröffentlicht: Die Bevölkerungszahlen der einzelnen Länder und Provinzen geben ein Bild von dem ungleichartigen Verlauf der Bevölkerungsentwidlung in den verschiedenen Reichsteilen. Die Bevölkerungszunahme von 1925 bis 1933 war, wenn man von den kleineren Ländern und den Statistiken absieht, Oberschlesien am stärksten mit 7,8 v. H. in Stadt Berlin mit 6,9 v. H. in Rheinproving mit 5,9 v. H. in Westfalen mit 5,2 v. H. in Provinz Brandenburg mit 5,1 v. H. am schwächst ent in Grenzmart Posen- Westpreußen mit 0,1 v.. in Pommern mit 1,1 v. 5. in Braunschweig mit 2,0 v. H. in Provinz Sachsen in Niederschlesien 53 Großstädte mit 2,4 v. H. mit 2,5 v. H. Die Zahl der Großstädte, d. h. der Gemeinden mit 100 000 und mehr Einwohnern, beträgt nach der neuen Zählung 52( einschließlich Saarbrücken 53). Neu in den statistischen Rang einer Großstadt aufgerückt sind: Beuthen, Gleiwit und Würzburg. Die ortsanwesende Bevölkerung der deutschen Großstädte beläuft sich auf insgesamt 19,7 Millionen Einwohner oder 30,1 v. H. der Reichsbevölkerung. Fast jeder dritte Deutsche lebt also heute in einer Großstadt, 1925 war es jeder vierte. Durch Eingemeindungen und Bevölkerungszuwachs sind zu den 16,4 Millionen Großstadtbewohnern von 1925 weitere 3,3 Millionen Menschen oder 19,6 v. H. hinzugekommen. Innerhalb der heu= tigen Gemarkungen der Großstädte( Gebietsstand vom 16. Juni 1933) ist die Großstadtbevölkerung jedoch nur um 1,1 Millionen oder 5,7 v. H. gewachsen, in der Hauptsache durch Zuwanderung. Bei der Beurteilung aller Angaben und Vergleiche ist zu beachten, daß es sich um die vorläufigen Ergebnisse der ortsanwesenden Bevölkerung handelt, während die endgültigen Volkszählungsergebnisse nach Prüfung des umfangreichen Zählungsmaterials durch die Statistischen Landesämter auf Grund der sogenannten Wohnbevölkerung aufgestellt werden. Da die Volkszählung wegen der Verbindung mit der Berufs- und Betriebszählung im Juni, also in der beginnenden Reisezeit, stattgefunden hat, ist zu erwarten, daß die Feststellung der Wohnbevölkerung, namentlich bei den Großstädten, noch einige Aenderungen bringen wird. Preußens Provinzen Oberschlesien und Berlin stärkste Zunahme Die Länder Baden Thüringen Hessen Hamburg Mecklenburg- Schwerin 1925 7 411 589 4 981 862 2 595 114 1 358 445 1 128 788 1938 Bayern Sachsen 7 708 997 5 196 886 Württemberg 2 713 150 2 429 977 2 336 498 1 676 759 1 626 405 1426 830 1 181 548 708 077 687 599 581 296 558 670 518 786 508 660 365 824 351 692 866 425 332 547 197 805 166 038 186 469 112 809 50 469 Deutsches Reich 65 806 180 127 540 112 052 48 660 62 568 455 Oldenburg Braunschweig Anhalt Bremen Lippe Lübeck Mecklenburg- Strelis Schaumburg- Lippe 20 Millionen Großstädter Die ortsanwesende Bevölkerung der Großstädte( Gemein Rückblick Im Jahre 1858 zählte Deutschland 36,2 Millionen Ein wohner, erst im Jahre 1867 wurden 40 Millionen Einwohner gezählt. 1892 wurden alsdann 50 Millionen Einwohner und im Jahre 1905 60,3 Millionen gezählt. Die Höchstzahl an Einwohnern, die bis jetzt noch nicht wieder erreicht worden ist, brachte das Jahr 1915. Damals zählte das allerdings größere Deutsche Reich 67,8 Millionen Einwohner. Infolge der großen Kriegsverluste und des Geburtenrückganges sank die Zahl im Jahre 1916 auf 67,7 Millionen Einwohner, um im Jahre 1918 auf 66,8 Millionen abzusinken. Den tiefsten Stand erreichte Deutsch= land im Jahre 1920, wo sowohl infolge der Kriegsverluste wie auch infolge der Gebietsabtrennungen das Deutsche Reich nur noch 61,8 Millionen Einwohner zählte. Damit war Deutschland auf den Stand von 1907 zurückgeworfen. In Gemeinden mit 50 000 und mehr Einwohnern lebten im Jahre 1925 34,8 v. 5. der Gesamtbevölkerung, im Jahre 1982 35,6 v. H. der Gesamtbevölke rung. Es ist also immer noch ein Zuwachs der großstädti schen Bevölkerung meist infolge der Abwanderung aus ländlichen Gebieten festzustellen. den mit über 100 000 Einwohnern) am 16. Juni 1983 ergab Familienstand die folgenden Zahlen:( Die Zahlen von 1925 unter Zugrundelegung des Gebietsstandes vom 16. Juni 1933 berechnet.) Aachen Altona Augsburg Berlin Beuthen Dortmund Dresden Erfurt Essen Gleiwit Hagen Halle a. S. 1983 163 265 237 019 168 152 ( 202 050 100 857 Bielefeld 120 720 Bochum 805 488 1925 155 244 224 487 163 196 8 929 648 86 755 118 400 310 325 Braunschweig 154 686 145 756 Bremen 818 384 289 151 Breslau 623 754 592 011 Chemnitz 848 419 330 520 534 794 521 480 642 989 613 628 Duisburg- Hamborn 439 035 419 741 Düsseldorf 495 366 460 910 142 858 184 183 650 304 606 732 Frankfurt a. M. 548 476 532 637 Gelsenkirchen 326 677 326 791 Gladbach- Rheydt 202 842 192 617 110 727 147 134 208 017 Hamburg 092 423 94 860 142 541 192 518 1054 021 Hannover 488 612 416 894 Harburg- Wilhelmsburg 111 657 105 064 Hindenburg D.-S. 180 002 122 206 Karlsruhe 156 448 147 087 Kassel 174 728 169 269 216 428 211 861 750 182 698 894 Rönigsberg i. Pr. 311 522 282 127 Krefeld- Uerdingen 164 179 157 928 Leipzig 702 050 Lübeck 129 262 1938 1925 Ludwigshafen a. Rh. 107 168 668 290 120 605 100 258 2 356 938 2 275 065 Magdeburg 302 447 291 004 Provinz Brandenburg Mains 137 019 181 587 2 747 520 Stadt Berlin Mannheim 278 299 251 654 4 202 050 Mülheim a. Ruhr 181 779 Provinz Pommern 1942 367 1920 868 München 726 111 677 271 341 875 Münster 121 879 105 122 Provinz Niederschlesien 3 237 241 3 158 883 Provinz Oberschlesien 1479 010 1 372 540 Nürnberg 406 178 885 374 Oberhausen 190 611 184 886 Proving Sachsen 3 878 948 8 299 780 Provinz Schleswig- Holstein Plauen i. V. 113 860 110 106 1596 811 1 586 670 Remscheid 100 638 100 127 Provinz Hannover 8 365 610 3 247 717 Provinz Westfalen 5 081 211 Provinz Hessen- Nassau 2 577 988 2 487 187 Provinz Rheinproving 7 627 117 Hohenzollern 78 387 7 205 802 72 372 Preußen insgesamt 89 958 078 88 241 258 Solingen Stettin Stuttgart Wiesbaden Würzburg Wuppertal Insgesamt 189 359 134 986 263 509 250 218 416 522 382 228 161 008 149 481 101 790 405 520 19 662 148 Die ortsanwesende Bevölkerung in den Provinzen Prens Bens und in den übrigen Ländern zeigte am 16. Juni 1933 folgendes Bild: Provinz Ostpreußen Grenzmart Posen- Westpreußen 2.615 132 3 929 648 887 351 4.782 788 Kiel Köln Nach dem Familienstand waren im Jahre 1925 52,9 Prozent ledig, 40,8 Prozent verheiratet, 5,9 Prozent verwitwet und 0,4 Prozent geschieden. Davon waren männ liche ledige Personen 54,6 Prozent, während die Zahl der weiblichen ledigen Personen 51,3 Prozent betrug. Verhei ratet waren von männlichen Personen 42,2 Prozent, vers witwe 2,9 Prozent und geschieden 0,3 Prozent. Von den weiblichen Personen waren 39,4 Prozent verheiratet, 8,7 Prozent verwitwet und 0,6 Prozent geschieden. Bemerkens wert ist einmal die Abnahme der Ledigen um 2,2 Prozent gegenüber 1910 sowie die überaus starfe Zunahme der Scheidungen, die 1925 gegenüber 1910 insgesamt 120,2 Prozent betrug, also um mehr als das Doppelte gestiegen ist. Zentrum hoffnungslos! So etwas muß zugrundegehen Die„ Saarbrücker Landeszeitung" Nr. 180 leistete sich in ihrem Abschiedsgesang auf die Zentrumspartei folgenden Satz: Wir wollen nur flüchtig daran erinnern, daß das Zens trum die einzige Partei ist, die der Nationalsozialismus auf dem demokratischen Fechtboden bis zur Stunde nicht hat überwinden können. Jetzt verschwindet die Zens trumspartei aus unserem öffentlichen Leben. Demnach scheint dieses Zentrumsblatt die gewalt. tätige Unterdrückung der Sozialdemokraten und der Kommunisten durch alle Mittel der Staatsgewalt und den widerrechtlichen Raub ihrer Mandate für eine„, demokratische Ueberwindung" zu halten. Auch nicht übel. Die überwundenen" Marristen fügen sich nicht, sondern leisten unter unerhörtem Märtyrertum Widerstand. Insofern gleichen sie bestimmt eher der heroischen Gläubigkeit verfolgter Christen als die gutkatholischen Zentrumsleute, die vor dem Reichskanzler- Diktator kapitulierten. Steht nicht irgendwo: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen?" Die Bibel scheint im Zentrum nicht 127 545 mehr beachtet zu werden. 98 726 400 093 18 608 848 Denunziert Kommunisten Feine ,, Kommilitonen" Die deutschen Hochschulen sollen durch Spitzelei von Kommunisten ,, gesäubert" werden Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Voltes bildung hat verfügt, daß alle Studierenden an preußischen Hochschulen, die sich in den letzten Jahren nachweislich in tommunistischem Sinne betätigt haben( auch ohne Mitglied der KPD. zu sein) mit sofortiger Wirkung von dem Universitätsstudium( Relegation) auszuschließen sind. Zur Feststellung der betreffenden Studierenden ist die Mits arbeit der örtlichen Studentenschaften heranzuziehen. Die Namensliste der relegierten Studierenden sind dem Kultuss ministerium, der örtlichen Studentenschaft und sämtlichen deutschen Hochschulen alsbald zuzuleiten, damit eine neue angebliche Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland auf Immatrikulation an anderen Hochschulen nicht mehr erfolgen dem Papier zustande kommt. Wieder 120000 Arbeitslose weniger!" Zahlen, deren Richtigkeit niemand kontrollieren darf Berlin, 8. Juli.( Eig. Melbg.) Seit der Unterdrückung jeglicher Meinungsfreiheit in unferem deutschen Vaterlande ist das deutsche Volk der Reichsregierung auf Treu und Glauben überantwortet. Niemand mehr ist in Deutschland in der Lage, die Berichte der Reichsregierung auf ihre Richtigkeit nachzuprüfen. Es gibt in Deutschland fein Mittel mehr, die Richtigkeit der amtlichen Statistiken zu prüfen. So find auch die Mitteilungen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Arbeitsmarktlage faum nachzuprüfen. Der offizielle Hitlerbericht gibt gestern erneut starken Rückgang der Arbeitslosigkeit an.„ Wieder 120 000 Arbeitslose weniger" heißt es im offiziellen Bericht. Wir haben schon einmal die Fragwürdigkeit dieser amtItchen Verlautbarungen festgestellt und flargelegt, wie dieser Laßt sie verhungern! Nichts für die bisherigen Angestellten der Cewerkschaften Man hat bei der Faschisierung der freien und der christlichen Gewerkschaften tausende Sekretäre und Büro: angestellte unter verleumberischen Vorwürfen fristlos ent: laffen. Jetzt erläßt die deutsche Arbeitsfront ein Rund: schreiben, aus dem hervorgeht, daß Abfindungen auf Grund der politischen Lage und der Erklärung der Staats: feindlichkeit ber SPD. nicht mehr genehmigt und gezahlt werben würden." Die Reichsregierung ist selbstverständlich daran interess fann. fiert, der täglich steigenden Unzufriedenheit des deutschen Gegen Dollfuß Loltes entgegenzuwirken und mit falschen Zahlen zu opes rieren. Diese Methode ist nicht einmal neu. Der Reichs fanzler hat bei der Kriegsberichterstattung des deutschen Ge neralstabs Schule gemacht. So wie im Weltkrieg in den Heeresberichten, in den Berichten des Hauptquartiers die Verluste der deutschen Truppen stets in fleinen Zahlen wiedergegeben wurden, so führt heute die Reichsregierung das deutsche Volt irre mit falschem Zahlenmaterial. In Wirklichteit geht Deutschland einer Arbeitslosigkeit in noch nie das gewefenem Maße entgegen, über die auch die geschickteften Fälscherkunftstücke des Reichskanzlers nicht mehr hinwegtäuschen können. Wie verlogen die Begründung der Staatsfeindlichkeit der SPD. ist, geht aus dem folgenden Satz hervor:" Dasselbe gilt für das Personal der chriftlichen Gewerkschaften." Das Personal der christlichen Gewerkschaften hat mit der D. gar nichts zu tun, es gehörte der Zentrumspartei, den Deutschnationalen oder dem Chriftlichen Volksdienst an. Für die Faschisten genügt es, daß alle diese Lente im Dienste einer selbständigen deutschen Arbeiterbewegung geftanden haben. Dafür müssen sie mit der Existenzvernichtung bes straft werden. Radio- Offensive gegen die österreichische Regierung Das bayerische Staatsministerium teilt mit, daß vom 5. Juli an alle zwei Tage die Nationalsozialisten in Desterreich durch das Mittel des bayerischen Rund funks über die sich rasch abwickelnden Ereignisse in Oesterreich unterrichtet werden sollen. Es sollen auch Nazi- Flüchtlinge aus Desterreich zum Worte kommen. Es handelt sich um eine schwere Provokation Desterreich gegenüber, daß die Nazi- Partet verboten und deren Funktionäre ihrer Mandate verlustig erklärt hat. In der ersten Sendung am Mittwoch abend soll ein Aufruf der( verbotenen) Landesleitung der österreichischen nationalsozialistischen Partei an die„ Parteigenossen in ganz Desterreich". Der kleine Dollfuß wird hüpfen! Kornblume verboten In Innsbruck darf man keine Kornblumen tragen Die hiesige Polizei hat verboten: braune Knöpfe, schwarzweiß- rote Bändchen und zuletzt das Tragen von Kornblumen ,,, da es sich zweifellos um eine Umgebung des Abzeichenverbots der Nationalsozialisten handelt?" Es sind auch bereits Verhaftungen wegen des Tragens von Korn Viele davon sind in einem Alter von 50 und 60 Jahren. blumen vorgekommen. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" Martin Andersen- nexo: Der ewige Jude In der folgenden Skizze nimmt Andersen Nerö, dieser blauäugige nordische Recke, an dem Hitler und Göbbels lernen könnten, was germanische Rasse heißt, zur Judenfrage Stellung. Er widerlegt den Antisemitismus nicht mit Argumenten, sondern er erledigt ihn, indem er ihn der Lächerlichkeit überantwortet. Es ist ein gut Ding, Freunde außerhalb der Landesgrenze zu haben. Gerade in der Fremde bewahrheitet sich ja das Sagawort, daß ohne Rückendeckung der Bruderlose fei. Um so mehr Grund habe ich also, die Freundschaft des Herrn von Germanenstolz zu würdigen; seine Verbindungen reichen weiter als die meinen, und er hat eine hilfreiche Hand. Urbrigens ist unsere Bekanntschaft älter als unsere Freundschaft. Es gab eine Zeit, wo wir uns nicht treffen fonnten, ohne uns in die Haare zu geraten. Für einen neuzeitlichen Großfaufmann und Industriellen war Herr von Germanenstolz sehr belesen und kultiviert, ein ganzes Stück von einem Denker; aber auf gewissen Gebieten haute er böse daneben. Er glaubte z. B. eine Zeitlang seinem Lande sei eine göttliche Aufgabe etwa die Wiedergeburt der Welt zugeteilt worden! Und diese Ueberzeugung machte ihn gelegentlich den Kaufmann abstreifen und den Berserkergang gehen. Wenn die Anfälle über ihn kamen, troch er wie Don Qui jote in eine gewaltige Rüstung, und paßte man dann nicht gründlich auf ihn auf, zog er los und richtete Unheil an. Na, es hat ja jeder seine Mucken, aber es war nicht immer leicht, mit ihm zu verkehren. In mir als Nordländer sah er einen entarteten Deutschen und konnte nicht begreifen, daß es ihm nicht gestattet set, mir den Kopf abzuschlagen und den Deutschen in mir wiederzugebären- mich wiederherzustellen", wie er es nannte. Sonst aber war er, wie gesagt, ein ganz famoser Kerl, und es hat keinen Wert, jetzt noch bei diesen kleinen Sonderlichfeiten zu verweilen. Um so weniger, als er seither seine Auffassung geändert hat und nun eher geneigt ist, die fleinen skandinavischen Völker als die eigentlichen Träger des Urgermanischen und folglich auch der Erneuerung der Welt zu betrachten. Jest will er mir nicht mehr an den Kragen, wenn wir zusammentreffen, sondern schenkt mir seine ungeteilte Bewunderung. Obgleich er weitaus der größere und kräftigere ist, hat er doch herausgefunden, ich sei„ urwüchsig". Jest dürfte ich seinen Kopf abschlagen wenn ich nur schwören wollte, ihn als urechten Germanen wiederherzustellen". Aber dazu hatte ich nicht den mindesten Drang. Ich fann ihn ganz gut teiden, so wie er ist, besonders, wenn er sich das menschlichste von allem eine kleine Unsicherheit zulegen würde. Der Mensch sollte in nichts so sicher sein und am wenigsten in Betreff seiner Stammtafel! Wie es nun fam, daß er in seinem Rassenhochmut schwankend und dann wieder gestärkt wurde? Ja, die Vorsehung drehte ihn dreimal eine Nase, und das war entschieden das eine Mal zu viel. Natürlich war Herr von Germanenstolz Antisemit, das Wort Meinung war die Eröffnung der Chetto- Tore die größte Dummheit der Weltgeschichte, und er führte einen energischen Bertilgungskrieg gegen die Juden. Er organisierte die antisemetische Bewegung und war jahrelang ihr Präsident. In jeinen ausgedehnten Unternehmungen wurden feine Juden angestellt und er unterhielt überhaupt keine Geschäftsverbindung mit Beuten jüdischer Abstammung. Auf dem Bürgersteig vor seinem Geschäftshaus stand, deutlich in Mosaik eingelegt:„ Besuche von Juden verbeten!" In ienen Jahren tonnte man in den großen norddeutschen Gasthöfen Aкschläge sehen, wie:" Juden werden nicht bedient!" Und wer tennt nicht die berüchtigte antisemitische Kneipe, die vor einigen Jahren in der Friedrichstraße lag? Eine Bierstube mit beschimpfenden Wandverzierungen und einem aufge hängten gewaltigen Knüppel, unter dem geschrieben stand: „ Die Lösung der Judenfrage!" Alles dies und noch viel mehr war das Werk des Herrn von Germanenstolz. Er gab mit brutalem Humor das Losungswort aus:„ Deutschland für seine eigenen Kinder!" Er selber hatte zwar feine, nicht einmal das allerkleinste Mädel, geschweige denn einen Sohn, der einst das ganze übernehmen konnte. Das war ihm und seiner Frau ein aufrichtiger Rummer, und sie scheuten teine Anstrengungen und Ausgaben; aber es half alles nichts. So gaben sie denn die Mühe auf und beschlossen ein fremdes Kind anzunehmen. Gerade zu dieser Zeit hatten sie ein Dienstmädchen, das in anderen Umständen war und eigentlich hätte fortgejagt werden sollen. Nun wurde die Sache aber so eingerichtet, daß die Frau und das Mädchen nach dem Süden reisten und nach entsprechender Zeit fam Frau von Germanenstolz zurück als Mutter des niedlichsten kleinen Jungen, der zu allem hin noch schwarze Haare hatte, gerade wie ihr Mann. Das war ein großes Glück, denn niemand sollte anders meinen, als daß der Bub ihr eigener sei. Solch ein Kind erobert sich fa schnell sein Geburtsrecht und Herr von Germanenstola tam auch wunderbar schnell darüber hinweg, daß das Kerlchen nicht sein leibliches Kind war. Es wurde ihm ganz warm ums Herz, wenn er die Leute sagen hörte:„ Nein, was es doch seinem Vater ähnlich sieht!" Und das tat es auch wirklich. Die Augen waren ganz die gleichen- und das Haar. Nur die Nase wollte nicht die richtige Form eines trompetenden Elefantenrüffels annehmen, sondern ging ihre eigenen Wege und wurde alle Tage frümmer. Und als der Junge erst drei Jahre zählte, war kein Zweifel mehr möglich. Das Dienstmädchen hatte sie bemogelt, oder sie hatten versäumt, sich aller Möglichkeiten zu versichern. Wer konnte auch in seiner wildesten Fantasie- hat die Welt denn je einen Juden in Holzschuhen gesehen? Herr von Germanenstolz verhehlte nun nicht länger, daß der Junge nur ein Pflegekind sei und daß sie Pech damit gehabt. Sie hatten zwar alle beide den Wechselbalg lieb gewonnen aber als Präsident der Antisemiten! Kurz gesagt, der Junge wurde in die Küche verwiesen und nur noch heimlich geliebkost. Ihn ganz aus dem Hause zu schicken, fonnte Herr von Germanenstolz doch nicht übers Herz bringen. Ich besuchte sie gerade zu jener Zeit; die peinliche Geschichte hatte ihn sehr angegriffen. Wie der Mann Hiob fühlte er sich vom Herrn verlassen wer sollte nun seine ausgedehnten Unternehmungen übernehmen und weiterführen? Aber mit einem Schlage bekam alles ein anderes Aussehen, als seine Gattin ihm endlich mitteilte, sie befinde sich in gesegneten Umständen. Es kam wieder etwas vom alten Schwung über Germanenstolz. Ereignisse und Geschichten Er empfing seinen leiblichen Sohn mit allen Ehrenbezengungen. Nordische Mythologie fing damals an in Deutschland in die Mode zu kommen, und der Junge erhielt den Namen Heimdal, nach dem wachsamsten der Asen; es war nicht weit davon, daß er in eine goldene Wiege gelegt wurde. Nun erst trat das Leben in sein Recht! Im Charakter des Pflegekindes war so manches, dem man fremd gegenüberstand und für das man keine Verantwortung übernehmen konnte; aber dies war ganz ihr eigen Fleisch und Blut. Der Erbe glich seinem Vater aufs Haar, sowohl inals auswendig; er hatte genau die gleichen Augen und Haare. Wenn man dies feststellte, geriet der Vater ganz aus dem Häuschen vor Entzücken. Germanenstola junior wurde ein prächtiger fleiner Bursche; er füllte die Stuben mit Jubel, und es war fein Flecken noch Mackel an ihm. Ein kleiner Himmelsstrick war er: er verfiel auf alle möglichen Tricks, um sich irgend etwas zuzuwenden, und sein Vater versprach sich viel davon. Vielleicht war hier endlich der Germane geboren, der durch sinnreichen Geist und Geschicklichkeit die gemeine jüdische Ge schäftsschlauheit besiegen und das finanzielle Uebergewicht in deutsche Hände aurückerobern fonnte Schon als kleiner Kerl offenbarte der Junge eine ausgeprägte Fähigkeit, Menschen einzuschäßen. Und wenn er einen so mit den Augen tagierte, verdichtete sich sein Blick und seine Nasenspizze bog sich klug herunter, als wolle sie sich mit dem Mund unterreden. Das tat er immer öfter, bis es zu einem seiner Ausdrücke wurde. Und ob nun ein Fall oder sonst irgend etwas Schuld daran war der Nasenrücken bekam einen Buckel. Des fleinen Heimdals Nase erhielt immer mehr Aehnlichkeit mit der seines Pflegebruders. Es wurde nicht gesprochen darüber, die Ehegatten unterhielten sich und taten, als ob gar nichts Besonderes los wäre, und die Besucher zeigten eine erstaunliche Gewandtheit, die Nase des Jungen zu übersehen. Es war, als ob er überhaupt gar keine Nase hätte. Aber Herr von Germanenstolz wurde merkwürdig kleinlaut und eines schönen Tages legte er recht unmotiviert sein Mandat als Präsident der Antisemiten nieder. Ganz unvorbereitet platte ich bei meinem nächsten Besuch mitten in dies alles hinein.„ Was ist denn mit Heimdals Nase los?" fragte ich unbefangen. Mein Freund sandte mir einen hinsterbenden Blick, antwortete aber nicht. Da verstand ich mit einem Mal die Sachlage.„ Es werden wohl Polypen sein", sagte ich, um ein wenig aus dem Zusammenbruch zu retten. Mein Freund klammerte sich direkt an das mit den Polypen, und eines Tages mußte ich mit nach Leipzig. Er wollte den Jungen untersuchen lassen, legte aber offenbar keinen Wert darauf, diese Untersuchung in Berlin vornehmen zu lassen, wo Gott und die Welt ihn kannte. Der Chirurg ein berühmter Spezialist, dessen Namen ich mich hüten werde zu nennen konnte jedoch keine Polypen finden.„ Der Nase fehlt überhaupt gar nichts", erklärte er, ,, sie ist die vollendetste Judennase, die man sich nur wünschen fann. Ich möchte Ihnen nur nicht raten, sie Herrn von Germanenstolz vorzuführen". Der unglückliche Vater sah aus, als sollte er vom Schlage getroffen werden.„ Sie müssen sich irren", stöhnte er. „ Weder meine Frau noch ich sind Juden wir sind Urgermanen." Der Arzt betrachtete ihn lächelnd.„ Dann gehören Sie und ihre Gattin jedenfalls in das Prähistorische Museum. Urgermanen- Jotte- Jott!- Nein, hier bei uns sind die Karten von viel zu vielen gemischt worden, mein guter Mann". „ Nun, davon wird man doch wohl kein Jude", brummte Germanenstolz. „ Nicht? Doch, doch, Sie können darauf schwören, daß wir alle miteinander mehr oder weniger Juden sind- jedenfalls dem lieben Gott gegenüber. Die Juden haben im Lauf der Zeiten ihr Ei in jedes Nest hineingeschmuggelt; ein Kuckucksjunge wie dieser hier, taucht ab und zu in jeder Familie auf. Ich möchte Ihnen nicht raten, sich den Kopf über das Wie zu zerbrechen Sie könnten sonst leicht dazu kommen, die Tugend Ihrer eigenen Großmutter zu be= zweifeln. Nennen Sie es einfach den ewigen Juden auf seiner Wande ung unter uns! Wenn Sie aber wollen, kann ich ihn wieder verschwinden lassen, dies ist. soviel ich weiß, das einzige, dem Ahawer nicht zu widerstehen vermag." Der Chirurg spielte mit einem scharfen Instrument. Darauf wurde der Jude lokal betäubt, und der Arzt führte das Instrument durch das eine Nasenloch hinauf und schnitt mit großer Geschicklichkeit ein Stück vom Nasenrücken unter der Haut weg. Es blutete nur ganz wenig und der Jude war gründlich totgeschlagen! Herr von Germanenstolz stellte das mit einem gewissen Stolz fest- wie wenn es seine eigene Tat gewesen wäre. Aber nur mir gegenüber, wie dies alles ja ein Geheimnis zwischen ihm und mir ist. Der Junge erholte sich wunderbar schnell, er entwickelte sich gut und wird jeden Tag mehr ausgeprägt germanisch. Und der Vater ist jetzt dabei, den Kampf gegen die Juden mit allen Mitteln weiterzuführen. Bajuwaren mit Judenbäcten! Man soll nicht glauben... Eine peinliche Geschichte aus Oberammergau Man soll nicht glauben, daß die Herrn so fest im Sattel fizzen, wie sie tun. Die Zeit rollt furchtbar schnell und gern, und gegen Zeit sind diese hohen Herrn auch nicht immun. Die Zeit sägt an den Füßen der bequemen Seffet. Die Zeit zerfrißt die aller stärkste Fessel. Die Zeit macht Dampf in ihrem Kessel! Und wie sich die Herrn auch ängstlich bemühn und den Bizeps im Rundfunk spielen lassen Die Zeit macht Inventur in allen Kassen! Die Zeit pfeift auf Beamtenmassen. Die welten schon, die heut noch rosig blühn... Man soll nicht glauben, daß Zeit allein Denn die Zeit ist verflucht abstrakt. Man selbst muß das Schwungrad der Zeiten fein im klaren, historischen Takt. Heut unter der Erde und morgen im Licht, heut noch maskiert, morgen frei das Geficht! Hent noch Gespenst und morgen schon Fauft Hent nur ein Wind, daß die Herren leicht zittern, morgen ein großes, dumpfes Gewittern: Morgen das Schwungrad, das einstampft und braust!! Man soll nicht glauben, daß die Herren nicht wüßten, was morgen ist. Die Zeit wird sie aus den Winkeln zerren, die Zeit, die nicht vergißt! Stefan Heym. Vorläufig untergegangen Dieser neue Mensch ist ein Mensch des tätigen und handelnden Diesseits. Es bietet ihm so viele ungelöste Aufgaben, und es fordert so sehr seine ganze Kraft, daß er wenig Zeit dazu bat, sich um die jenseitigen Dinge zu kümmern. Das Volk der Dichter und Denter ist vorläufig in ihm untergegangen."( Die Tat", Jena, Heft 8.) Das bayrische Kultusministerium hat sich mit einer merfwürdigen Frage zu befassen. Im Jahre 1984 finden in Oberammergau die weltberühmten und für das ganze Land äußerst einträglichen Passionsspiele statt. Die Darsteller sind Dorfbewohner, die sich, um möglichst wie Juden auszusehen, lange Bärte und lange Haare, sogar echt jüdische Schmachtlocken wachsen lassen. Nun sind in letter Zeit Belästigungen solcher Apostelfiguren durch durchreisende landesfremde Nazis vorgekommen: ostpreußische Heißsporne haben sogar einen solchen falschen Kaftanjuden am Bart gezerrt und mißhandelt. Aber die Darsteller können ihre Bärte nicht abschneiden, weil sie sonst die Tradition verlegen. Andererseits sind einige der jüngeren Darsteller inzwischen Nationalsozialisten geworden und leiden Gewissensqualen, weil sie Juden darstellen sollen. Der bereits gemachte Vorschlag, anstelle der Passion Christi das Leben des Führers Hitler darzustellen, wurde abgelehnt, da man annahm, dieses Thema werde keine Fremden herbeilocken. Man sucht eine Lösung dadurch zu erreichen, daß die Parteileitung der Nationalsozialisten die Darsteller zu ihrer Schauspielerarbeit kommandieren wird. Die Passionsspiele sollen durch wiederholtes Absingen des HorstWessel- Liedes dann doch den notwendigen rassigen Schimmer erhalten. Besonders bei den Germanen „ Das Feuer ist ja seit je bei fast allen Völkern, be= sonders aber bei den Germanen, das Sinnbild reini gender Kraft."( Aus dem Artikel„ Deutschlands Sonnenwende" in Nr. 26 der„ Süddeutschen Sonntagspost", München.) Pitigrilli erlaubt Italienische Pornographie in Deutschland. Der Berliner Verlag des italienischen Schriftstelles Pttigrilli macht darauf aufmerksam, daß von der natio= nalen Regierung noch nirgends irgendwelche Beanstandungen gegen diesen geistreichen Autor des uns befreundeten Italiens laut geworden sind". In Deutschland kann der Keuschheitsgürtel" und die Jungfrau von 18 Karat", die ebenso saftige wie oberflächliche Schweinereien aus der Bebemanns- Athmosphäre bringen, ruhig weiter vertrieben werden, während die Ethik des Spinoza und die Relativitätstheorie auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. DAS BUNTE BLATT Dureux vor den Gesɗinorenen Vom Postscfialter zur Guillotine ..Entschuldigen Sie, daß ichi 3fire Frau getötet fiabe" Das Pariser Schwurgericht stand im Zeichen einer traurigen Sensation: es sollte über das Verbrechen des ehemaligen Postbeamten Roger Dureur sein Urteil fällen. Der Gerichtssaal war zum Bersten voll, als die Verhandlung gegen den 27jährigen Mörder eröffnet wurde. Vor einigen Jahren saß Dureur noch als wohlbestallter Beamter hinter dem Schalter eines Pariser Postamts und erfüllte brav seinen Dienst. Da trat in seiner Lebensweise ein unerklärlicher, plötzlicher Umschwung ein, der den ruhigen Beamten auf die Bahn des Verbrechens brachte. Dureur verließ aus unbekannten Gründen seine Stellung und begann ein unstetes Wanderleben. In Belgien beging er seinen ersten Diebstahl. Einige Tage später saß er bereits im Gefängnis. Achtmal hintereinander wurde er wegen Diebstahls und Betruges festgenommen und verurteilt. Eines Tages tauchte er in Chartres auf und lernte dort das Gastwirtschepaar Clére fennen. Das mitleidige Ehepaar half ihm, wenn er wieder einmal ohne Geld war, mit freien Mahlzeiten über das schlimmste hinweg. Als die Eheleute einige Zeit später nach Paris übersiedelten und dort ein neues Geschäft eröffneten, erhielten sie unerwartet Dureur' Besuch. Er beklagte sich, daß er wieder ohne Stellung sei und wurde auch prompt zum Nachtmahl eingeladen. Am nächsten Morgen, während der Mann im Geschäft weilte und Frau Clére sich gerade auf den Weg machte, um Einkäufe zu besorgen, klopfte Roger wieder an die Tür. Frau Clére lud ihn, obwohl ihr der Besuch nicht sehr gelegen fam, zu einer Tasse Kaffee ein. Als sie sich für einen Augenblick weg wandte, zog Dureur plötzlich ein kurzes Stück Eisenrohr, das er in seinen Kleidern verborgen hatte, und schlug damit die Frau von hinten nieder. Während er die Schränke durchwühlte, tam sie für einen Augenblick wieder zu sich. Dureur versetzte ihr daraufhin noch einige wuchtige Hiebe auf den Kopf, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Einige Stunden später fand sie der Ehemann sterbend auf. Als sie für einen Augenblick das Bewußtsein erlangte, beugte sich Clére zu ihr nieder und fragte:„ War es Roger?" Die tödlich verwundete Frau konnte nur noch mit dem Kopf nicken. Sie verschied einige Minuten später. Nun hatte sich der Mörder wegen seiner bestialischen Tat zu verantworten. zain Die dramatischste Szene des ganzen Prozesses spielte sich ab, als Dureur sich nach der Zeugenvernehmung des Ehemannes an diesen wandte: " Entschuldigen Sie, Herr Clére, daß ich Ihre Frau getötet habe. Ich wollte ihren Tod nicht." Worauf Clére, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, erwiderte:„ Den einzigen Menschen, der ihnen vergeben könnte, haben Sie ermordet." Die Geschworenen verurteilten Roger Dureur nach kurzer Beratung zum Tode. „ Fatty" ist tot Vom populärsten Filmkomiker Amerikas zum Verfemten Mutter singt! Meine Mutter geht durch die Stuben und singt. Selten, daß meine Mutter singt. Sieht immer so ernst aus und sorgenvoll. Heut aber singt sie, und das klingt so schön, daß ich, daß ich ganz stille size und weinen möchte. C Denn meine Mutter geht durch die Stuben und singt. Von einem 15jährigen Schüler.( Aus dem Gildenbuch „ Die Mutter") Das Kantaphon Im Wiener Sender wurde ein neues elektrisches Instrument vorgeführt, das„ Kantaphon" genannt, was aus dem Lateinisch- Griechischen übersetzt etwa einen Singsprecher bedeuten würde. Der Erfinder, Herr Dr. Walter Brandt, produzierte sich selbst auf dem Apparat, der keine Spieltechnik, nur Musikalität erfordert. Er besteht aus einem Mikrophon, das um den Hals geschnallt wird, aus einem Zwischengerät und einem Lautsprecher. Die Schwingungen des Kehlkopfes, den ein stummer Sänger bewegt, lösen durch das Mikrophon elektrische Schwingungen aus. Das Zwischengerät ist ein Magnetsystem mit einem Kontakt, das die Obertöne reguliert. Im Lautsprecher erklingt diese neuartige Musit so ähnlich wie das Blasen auf einem Kamm. Man fann das auch mit Klavier- oder Orchesterbegleitung üben. Vielleicht ist es ein Anfang. Wahrscheinlich aber ist auch dieses " Gold, das aus der Kehle dringt" und in Blech verwandelt wird, nur eine technische Spieleret. Dreizefinjährige Mutter Immer wieder will man uns weißmachen, nur die Großverderbe die Sitten, auf dem Lande dagegen, in den Die Frauen forderten Boykott- Der ,, Sittlichkeits"-Diktatorillen Dörfern, da ſorge die fittlich- religiöse Erziehung für Der berühmte ehemalige Filmkomiker& atty" Arbuckle, der seit mehr als einem Jahrzehnt von der Filmindustrie und dem Kinopublikum boykottiert wurde, ist in seinem Hotelzimmer tot aufgefunden worden. Es gab eine Zeit, da der Ruhm des dicken„ Fatty" alle Namen unter den Filmkomikern Amerikas überstrahlte. Der große, behäbige Mann, der in jeder Situation durch seine Figur und seine Mimik Stürme der Heiterfeit zu entfesseln wußte, war einer der erfolgreichsten Vorkämpfer des amerikanischen Knock- about- Films, in dem die Amerikaner bis auf den heutigen Tag unerreichte Meister geblieben sind. Während des Krieges und in den ersten Nachkriegsfahren feierte Fatty seine größten filmischen Triumphe. Seine kurzen Lustspielfilme waren ausgesprochene Schlager und stroßten von lustigen Einfällen. Fatty stand auf dem Höhepunkt seiner Karriere und seiner Beliebtheit beim Publikum, als er vom Schicksal ereilt wurde. Fatty weilte gern in heiterer Gesellschaft und liebte einen guten Trunk. Daher nahm er oft an den feuchtfröhlichen Zusammenfünften teil, die von den Bewohnern des übrigens recht langweiligen Hollywood veranstaltet wurden. Zwar wurde vielfach davon gemuntelt, daß sich bei diesen geselligen Veranstaltungen unglaubliche Orgien abspielten, aber diejenigen, die mit dem Betrieb in der Filmmetropole vertraut waren, bezeichneten diese Gerüchte als Märchen, die von den Hollywooder Reklamechefs nur zu dem Zweck erfunden wurden, um ihren Stars einen Anschein dämonischer Verruchtheit zu geben. „ Gemütlichkeit" wurde Es wurde abgestimmt. Zum Vergnügungsleiter dann einstimmig Gregor Straßler gewählt. Der lange Eisendreher wand sich wie ein Wurm. Er sei viel zu dusselig dazu, wenn er mit den Musikern verhandeln solle, bekomme er das Stottern. Aber es half ihm nicht, er mußte das Amt annehmen, und eine Lage kostete die Sache auch. Die zweite Lage gab Lagerhalter Vogelbein freiwillig. Die dritte Runde schob der Wirt ein. Der Wirt ließ auch das Grammophon spielen, weil die Tagesordnung damit erledigt war. Das Grammophon sang Tauber, sang, Mädchen, mein Mädchen". Gregor Straßler begann auch Tauber zu singen, Mädchen, mein Mädchen". Ein Fleischermeister, der seinen Abendschoppen trant, fühlte sich darauf gemüßigt, wie er sagte, eine Lage Korn zwischen zu schieben. Er sei vor drei Wochen in Berlin gewesen und habe Tauber persönlich gehört. Sein Bruder, der in der Schwäbischen Straße eine Fleischerei betreibe, habe die Karten besorgt gehabt, zwölf Mart der Plaz, es wäre aber ein Kunstgenuß gewesen. Doch wo er nun Gregor Straßler gehört habe, müsse er sagen, an ihm sei ein Tauber verloren gegangen. Das kostete dem Eisendreher von Pott u. Söhne natürlich eine Lage. Das Grammophon mußte darauf„ Ich habe den Frühling gesehen" spielen, weil Gregor da am besten mit der Stimme zittern fonnte. Dem Fleischermeister kamen dabei die Tränen, er hatte ein weiches Gemüt, er ließ eine Runde vom besten, Herr Wirt, vom allerbesten Kognak. bringen. " In solcher Gesellschaft kommt es mir nicht darauf an." Nun machte auch der Kassierer Ignaz Czekalla den Mund auf. Ignaz Czekalla hatte viel Aerger in seiner Familie. Ein Sohn saß im Gefängnis, seine Tochter Hella trieb sich rum, er selbst aber war die Gewissenhaftigkeit selbst. Immer saß er schwer auf seinem Stuhl, die Worte, die er beisteuern wollte, sprach vorher der Mund eines anderen. Nur wenn er getrunken hatte, liefen sie schneller, fiel das Schwere aus seinem Wesen, und er fonnte mithalten. ,, Nein, Paul, du bezahlst hier nichts." Ob Gregor Straßler auch das Heidegrab singen könne, er halte das Lied für das allerschönste, fragte der Fleischer, er wolle gut und gern noch eine Lage vom allerbesten Kognaf geben, wenn Gregor ihm das Lied singen wolle, er bitte aber dann um Ruhe, um äußerste Ruhe, damit der Genuß schön sei. Selbstverständlich fonnte Gregor das Heidengrab fingen, Ganz harmlos scheint es allerdings bei diesen Festlichfeiten nicht immer zugegangen zu sein, sonst hätte dem dicken Komiker nicht das Unglück passieren können, das seine Karriere für immer ruinierte. Nach einer solchen Zecherei wurde eine junge Hollywooder Filmschauspielerin in seiner Wohnung tot aufgefunden. Sie war unter ganz mysteriösen Umständen verschieden; Fatty und seine Freunde behaupteten, daß sie vermutlich einem Herzschlag infolge übermäßigen Alkoholgenusses erlegen fei.dual Der Vorfall entfesselte einen shi ungeheuren Standal. Fatty wurde verdächtigt, die junge Frau getötet zu haben. reines Menschentum. Und immer wieder straft die Wirklichfeit solche Behauptungen Lügen. In dem oberösterreichischen Ort Steyrmü h I erregt ein Sittlichkeitsverbrechen furchtbares Aufsehen. Der 26jährige Franz Lins both aus Laakirchen hatte sich an einer Dreizehnjährigen schwer vergangen. Er schlich sich in die Wohnung des Mädchens und vergewaltigte es. Die Eltern gewahrten einige Zeit darauf zu ihrem Entseßen, daß ihre Tochter schwanger sein müsse. Die Beobachtung wurde in einem Zeitpunkt angestellt, wo eine fünstliche Unterbrechung nicht mehr möglich ist. Der Schurke Vater ist dem Bezirksgericht Gmunden überstellt worden. Es wurde gegen ihn ein Strafverfahren eingeleitet. Tro ,, Kinder zu verkaufen dem er von der Anklage des Mordes freigesprochen wurde, war er für die Oeffentlichkeit und die Filmindustrie erledigt. Amerikas mächtige Frauenorganisationen hatten über ihn den Boykott verhängt und damit war auch über den Filmdarsteller Fatty das Todesurteil gesprochen. Die Filmproduktion ließ ihn fallen, ja, es wurde ein eigener Diftator bestellt, der fortan über den Ruf der Hollywooder Filmwelt zu wachen und unerwünschte Personen dem Filmsternhimmel fernzuhalten hatte. Fatty aber bemühte sich unablässig um seine Rehabilitierung. Trotzdem er seine Unschuld der Mitwelt glaubhaft darlegen konnte, blieben alle seine Versuche, wieder in die Höhe zu kommen, vergeblich. Man hörte verschiedentlich davon, daß er in Armut lebe, In einem Budapester Blatt erschien Sonntag folgende Anzeige:„ Kinder zu verkaufen. Wegen Brotmangels möchte ich vier kleine Mädchen und einen fleinen Buben verfaufen. Nachfrage bei Franz Nemeth, Post Szent- Lörint, Stadtfiedlungsanlage." Eine Nachfrage ergab, daß es sich um einen seit zwei Jahren arbeitslosen Lagerhausarbeiter handelt, der nicht mehr imstande war, seine fünf Kinder zu ernähren. Er wohnt mit seiner Familie in einer elenden Baracke. Er wollte die Kinder um 50 Pengö das Stück verfaufen. daß er umfatteln wolle, daß er sich mit neuen Filmprojekten Naci sediszefin Jafren trage, bis jetzt der Tod den Mann ereilt hat, der für seine Umwelt bereits seit zwölf Jahren tot war. zweimal sang er es und trant dann Brüderschaft mit dem Fleischermeister. „ Gregor." „ Stefan." „ Prost Gregor!" " Prost Stefan!" Dann sangen sie alle das Heidegrab. Sie sangen alle das Heidegrab. Alle sangen sie das Heidegrab. " Paul, nun mußt du auch was singen!" " Ja, Paul, jetzt bist du dran!" Da stieg Paul auf einen Stuhl. Was jibts Neies in Insterburch, fündete Paul an " Wo hast du bloß die Sprache gelernt. Paul?" In meiner Kompanie war einer." " Beim Militär, siehste, beim Militär. Das war doch die schönste Zeit, nicht, Paul? Wolln mal einen ordentlichen Ein während des Krieges zur Disposition gestellter Hauptmann hat in einem Prozeß vor dem Bufarester Gericht die Verurteilung des Kriegsministeriums und die Zuerkennung einer ansehnlichen Entschädigung erreicht. Der Offizier war auf Grund eines Berichtes seines Brigadekommandanten im März 1917 zur Disposition gestellt worden.- Der Hauptmann fand, daß der Bericht vollkommen falsch und darin von ihm vollbrachte Kriegstaten einem andern Offizier zugeschrieben wurden, der dann auch sehr rasch befördert wurde. Auf seinen Antrag hin wurde im Jahre 1919 eine besondere, aus fünf Generälen bestehende Kommission vom Kriegsministerium beauftragt, den Fall zu untersuchen. Die Kommission bestätigte, daß dem Hauptmann Unrecht geschehen war und empfahl seine Reaktivierung. Das Kriegsministe= rium reagierte aber nicht auf diese Empfehlungen, worauf Hauptmann Dumitrescu das Kriegsministerium auf die Zahlung von 4 Millionen Lei Entschädigung verklagte. Das Gericht gab dem Ansuchen Folge und verurteilte das Kriegsministerium zu einer Million Schadenersatz und den Kosten der Prozeßführung. Marsch blasen laffen! Herr Wirt, einen Marsch aufs Lachen nicht verlernen Grammophon!" Aber Paul winkte ab und Gregor winkte ab, da kam von der Platte her der Walzer Rosen aus dem Süden". „ Wenn ihr nicht wollt, gut! Keine Politik, gut!" Aber er war doch beleidigt, der Fleischermeister, er setzte sich neben den Lagerhalter Vogelbein. Er habe gehört, die Laubenkolonie wolle ein Fest feiern. Da müsse doch unbedingt auch ein Fleischer sein, der da Wurst verkaufe. Gerade Bockwürste seien seine Spezialität, eine prima Wurst. Ja, ein paar Wurststände müßten schon da sein. Ob er mal welche rumholen solle. Das hätte heute noch feinen Zweck, das würde erst noch in einer anderen Vorstandssitung besprochen. Na, er meine man, probieren könnten sie doch immerhin, eine prima Wurst. Aber Vogelbein wollte nicht; da war der Fleischermeister Stefan beleidigt, wo er doch eine prima Bockwurst mache. Gregor sang von der Donna Klara, die er im Traume gesehn, wenn die Elisabeth nicht so schlanke Beine hätt', im Rosengarten von Sanssouci. Ignaz weinte dem Paul Kummer vor über seine Tochter Hella, die fast keine Nacht zu Hause wäre, der Wirt löschte die Lampen, er bekam ein dienstliches Gesicht. " Feierabend!" Sie erhoben sich langsam, der Fleischermeister, wollte noch weiter; durch die offene Tür strich kühl die Nachtluft herein. Feierabend, meine Herren!" Da gingen sie. Aus: O. B. Wendler, Laubenkolonie Erdenglüd" Die Generalreinigung Schularzt: Hören Sie, liebe Frau, Ihr Sohn Hans ist gerade nicht der sauberste. Das Kind hat ja eine ganz graue Haut." Aber, Herr Doktor, das muß ich mir ganz energisch verbitten. Bei meinem Hans ist das von Natur so, da hilft auch fein Waschen" Darauf gab der Arzt einer Schwester das Zeichen, das Kind mit Alkohol zu reinigen. Das Wunder geschah, das Kind wurde sauber. Darauf meinte die beleidigte Mutter: Kunststück, wenn Sie den Jungen chemisch reinigen!" „ Denke nur, Papa, Kurt sagte gestern, er sei so verliebt in mich, daß er mich auffreffen fönnte!" Warum hat er es denn nicht getan?" Sein Arzt hatte ihm am Tage vorher empfohlen, Vege tarier zu werden!" ( Bart Hem".) Eilig. Haben Sie nicht eine alte Hose für mich?" ,, Augenblicklich nicht; aber ich werde bald eine ablegen." " Kann ich vielleicht darauf warten?" („ Fliegende Blätter".) ... aber ich kann mich nicht erinnern," sagte der Profeffor zu dem Kandidaten,„ Sie in meiner Vorlesung gesehen zu haben... " So?" machte der beleidigt.„ Das muß mein Zwillingsbruder gewesen sein. Wir sehen uns so ähnlich Aha," strahlte der Professor.„ Das ist allerdings was anderes. Be Rire".) Dr. iur. Warnke: Gibt es noch Richter in Deutschland? Richter in Day Am Anfang der Reichskanzlerschaft Hitlers stand die Gewalt und das Unrecht. Hitlers erster Staatsatt war die Aufhebung der Grundrechte der Verfassung. Damit wurden die nach jahrhundertelangen Rämpfen durch die Verfassung von Weimar endgültig veranferten Freiheitsrechte des einzelnen und der Gemeinschaft gegenüber willkürlichen Eingriffen von Staatsorganen zerfetzt. An die Stelle der Unverleßlichkeit der Person trat das unbestrafte Recht zur Tötung von Mitmenschen. Die Zahl der unbekannten" Toten und Ermordeten der Nazidespotie ist bisher statistisch nicht erfaßt, aber ungeheuerlich groß. Gegen Mord wird häufig nicht ein geschritten, zuweilen wird ein Verfahren der Form nach eingeleitet, aber dem Täter geschieht nichts. Die Freiheit der Person hat der willkürlichen Einterferung des politisch Berdächtigen, häufig auch des Gläubigers, zumal des jüdischen, Platz gemacht. Die Unverleßlichkeit des Eigentums ist nicht nur gegenüber den Organisationen politischer Gegner und Gewerkschaften zur Farce geworden, nicht nur die Beschlagnahme des Eigentums und der Ersparnisse ihrer einzelnen Mitglieder durch offiziellen Staatsaft ist zur Verwaltungsgewohnheit geworden; darüber hinaus hat sich bei den Raubzügen der SS.- und SA.- Banden die private, brutale Ausplünderung des Ueberfallenen zur ruchlosen Sitte entwickelt. * Freiheit der Meinung kann sich selbst nicht durch Flüstern äußern. Denn das Aussprechen der Wahrheit unterliegt den schwersten, selbst Zuchthausstrafen, wenn das Interesse des Staates", wie es Gitler und seine Anhänger auslegen, hier durch gefährdet wird. Und Vereins-, Versammlungs- und Pressefreiheit haben dort im Zuchthaus Deutschland keinen Daseinszweck. Zehntausende von Menschen verschwinden ohne Richterspruch und ohne Zeitbeschränkung in Konzentrationslagern, Behntausende sind außer Landes geflüchtet, weil sie in der Heimat vogelfrei werden und straflos der Tötung ausgesetzt sind. Die Zertrümmerung des Rechtsstaats schriften verboten. Aber es gab gegenüber den Verboten wenigstens ein Beschwerderecht. Und wenn die„ Reichskommission" zur Prüfung von Beschwerden, die mit richterlichen Garantien ausgestattet war, sich auch als ein „ Schattenspiel an der Wand" erwies, weil sie von 627 Verboten, die bis zur Mitte des Jahres 1879 ergangen waren, nur 6 aufhob, so war noch der Schein des Rechts" gewahrt. Das Gesetz fannte auch die Aufenthaltsbeschränkung für ,, berufsmäßige Agitatoren" und die Untersagung des Gewerbebetriebes, aber nicht durch polizeiliche Verfügung, sondern nur durch gerichtliches Erkenntnis und mit der Einschränkung, daß die Aufenthaltsbeschränkung sich nicht auf den Wohnsitz des Verurteilten erstrecken dürfe, wenn er den Wohnsis schon 6 Monate inne hatte. Auch Personen, von denen eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu befürchten war, konnte der Aufenthalt in bestimmten Bezirken und Ortschaften untersagt werden. Es gab schließlich die Möglichkeit zur Verhängung des ,, kleinen" Belagerungszustandes für die Dauer von min destens 1 Jahr über Bezirke und Ortschaften, die durch sozialdemokratische Bestrebungen mit Gefahr für die öffentliche Sicherheit bedroht seien. Versammlungen und Geldsammlungen für die Partei wurden verboten und Verstöße gegen die Verbote, die Teilnahme an verbotenen Vereinen mit schweren Geld- und Gefängnisstrafen bedroht. Aber es war noch ein Rechtsboden da, es bestand die Mög lichkeit der Verteidigung in einem richterlichen Verfahren. Zwar hatte Bismarck durch seine öffentlichen Spöttereien auf die Milde der Gesetze und die Gutmütigkeit der Richter die deutsche Strafrechtspflege mit teilweisem Erfolg au forrumpieren versucht. Aber das alles war ein Kinderspiel gegenüber der gigans tischen Zertrümmerung des Rechts durch Hitler- denn er ist der große Schuldige. Die Aufhebung der Grundrechte bedeutet praktisch die Ausschaltung des Richterstandes von seiner Berufsaufgabe: der Hütung des Rechts nach den Grundsäßen der Gerech tigkeit. seinen Abschnitt zu beziehen. Das ist fein Irrtum und kein Hörfehler. Nicht etwa erklärt, sich für seine Lebens- und Berufsaufgabe, nämlich gegenüber allen Staatsbürgern ohne Unterschied der politischen Ueberzeugung Gerechtigkeit zu üben, allen feindlichen Gewalten zum Troß erhalten und durchsetzen zu wollen. Sine ira et studio, d. h. ohne Un voreingenommenheit und mit überzeugter Unparteilichkeit den Kampf gegen das Unrecht zu führen, das ein moderner Rechtsphilosoph als ein Abweichen vom Grundsatz der Gleichheit der persönlichen Würde bezeichnet hat. Nicht etwa die Ehrfurcht vor den Menschen, d. h. praktische Menschlichteit als Leitstern des Richters hingestellt, sondern die organisierte Teilnahme am politischen Kampf um die Staatsmacht in den Formationen der Nationalsozialisten. Schon kann ein führender deutscher Jurist, der Lands gerichtspräsident Dietrich- Hechingen, offen seine Berufss genossen auffordern, durch eine weitherzige Auslegung des Strafgesetzbuches„ Kampfhandlungen gegenüber dem ins neren Feind, wie Körperverlegungen, Freiheitsberans bungen, Tötungen" straflos zu lassen. Das ist die konsequente Fortführung Hitlerscher Ge danken, der die Freiheit der Mörder von Potempa, die wegen viehischer Tötung eines Wehrlosen zum Tode verurteilt waren, als seine Ehre erklärt und ihre Befreiung nach seinem Regierungsantritt durchgesetzt hat.( Bekanntlich hat ihn dieserhalb sein jeßiger getreuer Schildknappe Papen in seiner Reichstagswahlrede vom 5. 11. 1982 als moralisch minderwertig qualifiziert.) Das ist die moderne Praris des„ Christentums als Grundlage des nationalen Staates", wie sie Hitler in seiner Rebe zum Ermächtigungsgesetz als Richtschnur seiner Staatsleitung verkündet hat. Die Verwirklichung des„ Du sollst nicht töten". Aber in Deutschland wird straflos getötet und gemartert. ** Der heroische Abgang eines Oberlandesgerichtspräfis denten, eines weit rechts stehenden aber gerechten Mannes durch Selbstmord, der in der Hitlerschen Justizdiktatur die völlige Vernichtung des Rechtsstaates und damit persönlich die Unmöglichkeit, dem Unrecht zu dienen, empfand, ist ein vereinzeltes und nugloses Opfer geblieben. Aber trotz der Aufhebung der Grundrechte besteht das deutsche Strafgesetzbuch, das den Mord mit der Todesstrafe, den Raub, insbesondere den bewaffneten, wenn er sich zur schweren Körperverlegung gesellt, mit schwerem Zuchthaus bestraft, bestehen die Bestimmungen gegen Landfriedensbruch, Mißhandlung usw. Noch besteht in Deutschland ein nach Zehntausenden zählendes Richtertum, das nach Verfassung und Recht zur Uebung von Gesetz und Gerechtigkeit, zur Ahndung und Bestrafung der Räuber und Mörder verpflichtet ist, besteht auch noch eine Anklagebehörde zur Untersuchung strafbarer Handlungen, zum unpartetischen Schutz des Berfolgten und zur unerbittlichen Verfolgung pressungen sind seit Monaten in Deutschland an der Tages- Strafen gegenüber den kleinen Uebeltätern an, die nur ein der Attentäter." mit Ein Blick über die Rechtsprechung in politischen Strafs fachen zeigt für jeden, der sich noch ein Gefühl für Recht und Gerechtigkeit, einen Funten von Empfinden für Billigkeit und Unrecht bewahrt hat, unverständlich grausame Urteile: leife 8weifel an Maßnahmen der Regierung werden mit langjährigen Gefängnis- und Zuchthausstrafen, unbefugtes" Anlegen der Parteiabzeichen der NSDAP. mit Freibeitsstrafen, geringfügige Beleidigungen Hitlers schweren Gefängnisstrafen, wie sie weder im zaristischen Rußland noch im Deutschland der Majestätsbeleidigungsprozesse Wilhelms II. üblich waren, bestraft. Andererseits bleiben Ueberfälle, wie sie noch vor einigen Tagen auf politisch Andersgesinnte, mögen fie Juden, katholische Geistliche oder Gesellen( Pfalz, München) ja selbst rechtsstehende Frondeure sein, erfolgten, völlig straflos, ja es wird häufig gegen die Täter nicht einmal ein Verfahren eingeleitet. * Schaudernd fragt man sich: Ist der deutsche Richterstand lo verberbt, daß er ein willenloses Werkzeug, demütiger und eifriger Helfershelfer einer Willkürherrschaft, einseitiger Büttel und Aburteilungsmaschine gegenüber politisch Andersgesinnten geworden ist, oder verkennen wir seine berufliche Haltung, beurteilen wir sie unrichtig? In seiner Geschichte der deutschen Sozialdemokratie bemerkt Mehring aur Rechtsprechung der deutschen Richter unter dem Bismardschen Sozialistengesetz: Abermals bestätigte sich, was Helvetius einst über befoldete Richter gesagt, und ein namhafter Jurist wie Twesten in etwas höflichen Worten bestätigt hatte: Sätte die Pest Orden und Pensionen vergeben, so würden die Juristen beweisen, daß die Pest von Gottes und Rechts wegen bestehe und daß sich ihr zu entdiehen Hochverrat sei." Müssen wir über das besoldete deutsche Nichtertum/ uns ferer Zeit ebenso scharf urteilen? Bei einem Vergleich der Borgänge zur Zeit des Sozialistengesezes und der Vors gänge in Deutschland seit 4 Monaten zeigt sich allerdings, daß das, was das Bismarcsche Sozialistengesetz an Ausnahmerecht gegenüber der Arbeiterklasse schuf und was Bismard an Einschüchterung gegenüber den Richtern vers fucht und das war nicht von Pappe, harmlos gegen: über der völligen Zertrümmerung des Rechts und den ges walttätigen Drohungen gegenüber dem Richterstand seit Hitlers Regierungsantritt war. Denn das sogenannte Sozialistengesetz vom 21. 10. 1878 war trotz der himmelschreienden ungerechtigkeit gegenüber der Arbeiterklasse noch ein Gesetz mit geordnetem Rechtsgang, nicht wie die Aufhebung der Sonderrechte durch Hitler 1938 eine völlige Vernichtung des Rechts und des Rechtsstaates, so daß nicht einmal die Fiftion" des Rechtsstaats noch aufrecht erhalten werden kann. Zwar enthielt das Sozialistengeset harte und grausame Bestimmungen gegen die Organisationen der Arbeiterschaft, deren Bestrebungen als umstürzlerisch, als Untergrabung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung, als Gefährdung des öffentlichen Friedens, ins besondere der Eintracht der Bevölkerungsklassen gebrand markt wurden. Das Gesetz gab die Möglichkeit zum Verbot der Parteipreffe und der Auflösung der Parteivereine und Gewerkschaften und deren Hilfskassen, und es wurde nicht lange gefackelt. Bis zum 30. Juni 1879 waren 216 Vereine, 5 Raffen, 127 periodische und 278 nicht periodische Drud. Wenn unter dem Sozialistengefeß die diftatorischen Vollmachten noch einer staatlichen Behörde, der Polizei, eingeräumt waren, so üben heute die bewaffneten schwarzen und braunen Horden der SS. und SA., diftatorischen, tollen sadistischen Wahnsinnstaten ungestraft ungehemmt von Gesez, Verantwortung und Aufsicht ihre aus. Tötungen, Verhaftungen, Mißhandlungen, Sachbeschädigungen, Raubzüge, Diebstähle, Einterferungen, Erordnung. Und wenn die staatliche Polizei heute in vielen Fällen ohnmächtig, aber mit Ingrimm diesem Hemmungslosen Rasen zuchtloser Banden zusteht, so gibt es dafür eine staatliche Exekutivorgan der Machtinhaber ist. Aber der Erklärung, wenn auch keine Entschuldigung, daß sie das deutsche Richterstand hat diese Entschuldigungen unterworfen". Diese Unabhängigkeit bedeutet nicht, daß er nicht. Denn er ist unabhängig und nur den Gesetzen als einziger Berufsstand in einer Zeit allgemeiner polis tischer und wirtschaftlicher Umwälzungen finanziell gesichert sein soll, sondern daß er gegenüber jedem Druck von außen gefeßlich geschützt, in aller inneren und äußeren Unabhängigs dem Richterstand genommen. teit Recht sprechen soll. Diese Unabhängigkeit hat Hitler In seiner Reichstagsrede zur Begründung des Ermächtigungsgesetzes beließ er ihm vorläufig die Unabseßbarkeit unter der Bedingung,„ daß er durch eine elastische Rechtsprechung den Erfordernissen der Zeit Rechnung trage". Leider ist ein großer Teil des Richterstandes auf diesen Wink mit dem Zaunpfahl wie eine S.- Kolonne eingeschwenkt. Der preußische Richterverein hat in einer Befanntgabe, in der er sich den nationalsozialistischen Juristen anschließt, erklärt, im Kampf um die nationale Revolution Herr Bumfe, der oberste Hüter deutscher Gerechtigkeit, schweigt. Gewiß mag es noch viele billig und gerecht denfende Richter geben, die mit innerer Ablehnung der Vergewaltigung des Rechts gegenüberstehen, aber man sehe sich das Rasen der Justizmaschine mit ihren drakonischen unfluges Wort der Kritik gegenüber Hitler oder den Regierungsmaßnahmen wagen, man stelle demgegenüber die völlige Straffreiheit von Mördern, Banditen und Räubern. Man sage nicht: Wo kein Kläger, da ist kein Richter, denn trop lauter Klage gibt es häufig keine Richter und keine Staatsanwälte in Deutschland. Und die Rechtsanwaltschaft? Sie ist, soweit nicht gleichgeschaltet, vielfach entmutigt und eingeschüchtert. Was die deutsche Justiz in 4 Monaten gefehlt hat, das wird sie in Jahren nicht wieder gut machen fönnen. Jede Ungeseglichkeit ist eine Form der Ungerech tigkeit, die in einem höheren Sinne mit dem Maße der gleichen Vergeltung wird gefühnt werden müssen. Der Uebel größtes für den Richter ist die Schuld des gebengten Rechtes. Das Strafgesetzbuch, das so häufig straflos verlegt wird, stellt eine Garantie der Gerechtigkeit dar. Gerechtigkeit zu üben außerhalb des Gesetzes, wie sie Herr Dr. Dietrich vorschlägt, dazu bat niemand das Recht noch die Macht. Wir vergessen nicht. Der große Schuldige, das ist Hitler. Am Anfang seiner Herrschaft stand die Gewalt. Die Revolution frißt ihre Kinder. Mit dem Recht der Gewalt, das er anderen zugemessen, wird er behandelt werden. Von Rechts wegen. Zwei uralte Staatspräsidenten per Tschechoslowake Masaryk und der Deutsche Hindenburg Im Verlag„ Cin" in Prag ist soeben der erste Band einer Publikation erschienen, die in mehreren Bänden die Rundgebungen, Reden und sonstigen Dokumente der täglichen organisatorischen, erzieherischen, politischen und diplos matischen Tätigkeit des Präsidenten Masaryk gesammelt vorlegen wird: Spisy T. G. Majaryta. Kniha III, Gefta demos fratie. Soubor projevu za republiky. Svazek proni, 1918-1920( 1933, gr. 8°, 588 S. mit 72 Abb. 70 Stc., geb. 82 Rc). Die Publikation stellt eine Fortsetzung des„ Berichtes" dar, den die Weltrevolution" erstattet hatte. Präsident Ma saryk hat dem ersten Band ein Vorwort auf den Weg gegeben, daß nachstehend in Ueberfegung wiedergegeben wird. Das Amt des Oberhauptes eines Staates und besonders eines neuen Staates erfordert, immer auf der Wacht zu sein, sich zu informieren, zu wissen, was geschieht, abzus schäßen, wohin die Menschen und die Dinge gerichtet sind, nachzudenken und im Rahmen der verfassungsmäßigen Mög lichkeiten einzugreifen. Es ist eine ständige und ausdauernde lichkeiten einzugreifen. Es ist eine ständige und ausdauernde Arbeit, diese geduldige alltägliche Kleinarbeit und Zusammens arbeit, freilich nicht eine zufällige, sondern eine planmäßige, programmatische Arbeit. Den Präsidenten verpflichtet wie jeden anderen Staatss bürger das demokratische Wort Jesu: Und welcher unter euch will der Vornehmste werden, der soll aller Knecht sein. Mir ist nie eingefallen, der Bornehmste zu sein; ich will eher den Dienst betonen, den ich für meine Aufgabe ers achtet habe, auch als erster unter Gleichen. Ich habe an die Demokratie geglaubt und glaube daran, aber ich weiß, daß die Demos fratie nicht leicht zu verwirklichen ist. Demos tratie bedeutet für mich, ein demokratisches, humantäres Programm durchzuführen: in der demokratischen staatlichen verfassungsmäßigen Form die Ideale der Demokratie als einer ganzen Weltanschauung, wie ich die Demokratie immer begriffen habe, zur Geltung au bringen. Die demos tratische Initiative, die verantwortliche Initiative ist die Aufgabe aller denkenden Demokraten; wir wahrhaften Demokraten haben alle ehrliche und vernünftige Gründe in der öffentlichen Meinung das durchzusehen, was für die gesunde Entwicklung im Staat wichtig und richtig ist. Was ich mein ganzes Leben lang, getan habe, muß ich auch als die erste Aufgabe für den ersten Bürger des Staates ers achten: die Erkenntnis dessen zu verbreiten, was das Zus fammenleben im demokratischen Staat braucht und was der Staat im Zusammenleben der Staaten braucht. Masaryk ist in den Achtzigern wie Hindenburg. Was hat das deutsche Staatsoberhaupt für die Welt über demokratische Staatsführung zu sagen? Die unterirdische Arbeit Der Marxismus lebt Der Polizeipräsident von Minden fordert das Publikum auf, Hersteller staatsfeindlicher Flugblätter" gegen Beloh nung anzuzeigen. Die englische Zeitung„ Observer" meldet, daß die illegale Tätigkeit, besonders von Kommunisten, in Deutschland zunimmt und daß viele Flugschriften zirkus lieren. Die Teufelsinsel Italiens Das ,, Konzentrationslager" Mussolinis- Noch immer neue Opfer- Die Miliz haust- Der Haß geht um Am 9. Juni find hundertzweiundfünfzig politische Ber schickte auf der Insel Ponza wegen„ Aufruhrs" verhaftet worden. Was geschieht in Ponza, wo es nach der letzten Amnestie angeblich überhaupt keine politischen Verschickten mehr geben sollte? In Wahrheit empfängt die ungaftliche Insel immer neue Opfer, besonders Kommunisten und Angehörige der Bewegung„ Gerechtigkeit und Freiheit". Sieben Frauen waren wegen serueller Verfolgungen durch die Miliz vorstellig geworden; dafür wurden sie verurteilt und nach abgebüßter Strafe Ende Mai erst recht wieder nach Ponza gebracht. Seitdem hat die Leitung der Straffolonie die Quälereien gegen die Politischen verschärft. Am Tage, wo die Frauen zurückfamen, wurde eine Verordnung erlassen, die den Verschickten verbot, sich in Gruppen von mehr als sieben Personen zu versammeln, die Wohnung andrer Verschickten zu betreten und sogar in den Schlafsälen sich gruppenweise zu unterhalten. Die Bibliotheken, die Mensa, furz, alle gemeinschaftlichen Schöpfungen wurden praktisch außer Funktion gesetzt. Auf diese Provokation, die das Leben der Verschickten elender macht als das des Zuchthäuslers, antworteten die Politischen durch eine Demonstration. Am 10. Juni( dem Tage der Ermordung Matteottis) sollte die neue Verordnung in Kraft treten; am 7. Juni wußte man schon, daß eine Liste von Verschickten aufgestellt war, die auf alle Fälle verhaftet werden sollten. Am Abend des 9. Juni begaben sich hundertzweinndfünfzig Berschickte vor das Kommando der Miliz und vor das Büro der Oberleitung der Kolonie und warfen ihre Sträfs lingsbücher auf den Boden. Sofort wurde die Miliz aufgeboten, alle Polizisten und Karabinieri. Man trieb die Demonstranten gewaltsam in die Schlafsäle und sperrte sie ein, bis ein telegraphisch aus Gaeta angefordertes Kriegsschiff mit dreihundert Karabinieri eintraf. Dann wurden die Aufständischen", unter de nen sich die sieben Frauen befanden, in Handschellen geschlos= sen und ihnen schwere Ketten um die Fußgelenke gelegt. Nachdem viele der so Gefesselten auch noch mißhandelt wor den waren, lub man sie auf ein Schiff und transportierte fie nach Neapel. Zum Empfang waren die Straßen vom Hafen zum Gefängnis mit Truppen abgesperrt, um dem Publifum den Anblick dieser Prozession von fettenflirrenden Menschen vorzuenthalten. Am 13. Juni wurden die Verhafteten verhört, am 14. Juni war die Verhandlung, wobei hundertneuundvierzig Angeklagten einen Ex- officio- Verteidiger hatten, die übrigen drei eigene Verteidiger. Diese wurden erst zwei Stunden vor dem Prozeß benachrichtigt, daß die Verhandlung stattfinden werde. Alle Angeklagten wurden verurteilt: hundertachtundvierzig zu je fünf Monaten, vier zu elf Monaten. Unter den zu elf Monaten Verurteilten befindet sich Giors gio Amendola, der Sohn des liberalen Kolonialministers, Iden die Faschisten bei Montecatini in einen Hinterhalt ges lockt und tödlich verwundet haben. Von den verurteilten Frauen hat die Kommunistin Baroncini Berti, die vor einem Jahr verschickt wurde, überhaupt nur achtunddreißig Tage auf der Insel verbracht. Drei Monate dauerte ihre Beförderung auf dem Schubweg, die übrige Zeit ging für Strafverbüßung von drei Verurteilungen drauf. Ihr Mann, der Kommunist ist, fonnte ins Ausland fliehen. Das kleine Kind lebt als Waise, bald bei dieser, bald bei jener Familie. Dieser Monsterprozeß, der übrigens unter Ausschluß der Deffentlichkeit stattgefunden hat, lenft wieder die Augen auf die entseglichen Zustände in Ponza. Dreiundzwanzig Verschickte sind augenblicklich lebensgefährlich frank an Tuberkulose, an Magengeschwür, an Darmfrankheiten. Viele tragen an den Folgen der Folterungen, die sie in der Untersuchungshaft erlitten haben. So wurden Igino De Sanc= tis, Aristide Ciccotti und Ferdinando Giuliano in Rom auf Befehl des Oberkommissärs der politischen Polizei Menichincheri mit Stahlruten auf die Fußsohlen ge= peitscht, mußten dann mit den ganz von der Oberhaut entblößten Fußsohlen gehen und die Wunden in Salzwasser tauchen. Ein Matrose namens Manifo, ein Mann von dreinndfünfzig Jahren, der fünf Kinder hat, ist im November 1982 Stimme der Jugend Jetzt exerzieren wir Bald kämpfen wir! Der nachstehende Brief gelangte soeben auf Umwe gen aus Hitler- Deutschland an einen nach Schweden geflüchteten deutschen Sozialisten. Der Briefschreiber ist ein neunzehnjähriger, junger Student, dessen so: zialistische Ueberzeugung der Dittatur standgehalten hat. Ju ungeschminkter Sachlichkeit schildert er die nene Militarisierung der Jugend in Deutschland. Für die deutsche„ Geheime Staatspolizei", die diesen Bericht vielleicht lesen wird, sei hinzugefügt, daß der junge Student kein Jude, sondern ein reinraffiger, blonder Arier ist. Ich freue mich aufrichtig, daß es Ihnen gelungen ist, nach Schweden zu kommen. Inzwischen warten wir hier auf unsere Zeit, warten darauf, daß wir auch äußerlich und in jeder Beziehung wieder wirkliche Menschen sein dürfen. Nicht alle warten so tatenlos wie ich; ich weiß, daß das Neue, das wir wünschen, da ist und wächst. Vielleicht haben wir nie so flar gewußt, was wir wollen, wie jetzt- diese furae 3eitspanne hat geläutert, alle Gescheh nisse haben daran mitgeholfen, und ich glaube fest, daß sich unsere Aufgaben noch viel flarer und sichtbarer fris stallisieren werden. Wehrsport, SA. und Reichswehr Augenblicklich werden wir herabgewürdigt zu einem nationalen Etwas, gerade wir Studenten, Wir müssen bedingungslos gehorchen, es gibt kein„ Warum" mehr. Wir sollen nicht zweifeln, so sagte man uns, auch nicht fragen, sondern nur glauben. Wer nicht glaubt, hat kein Recht am Staat. Jeder Student im ersten und zweiten Studienjahr wird gezwungen, vier volle Wehrsporttage mitzumachen, außerdem jeden Donnerstag zwei Stunden theoretischen Dienst. Die Wehrsportkurse werden von SA.Führern geleitet, die durchweg bei der Reichswehr ausgebildet worden sind, wie sie uns selbst erzählten. Ueberhaupt ist es so, daß SA.- Abtetlungen bei der Reichswehr ausgebildet werden. Strafexerzieren und Waffendienst Der Dienst geht so vor sich: Wir rücken um 12 Uhr vom Potsdamer Bahnhof ab nach Zossen( Militärlager). Dort ohne Mittagspause Geländedienst bis 8.30 Uhr. Wir sind in Hundertschaften eingeteilt. Es ist wie beim Kommiß: wer nicht schnell genug macht oder falsch, muß strafegerzieren. Der erste Ausmarsch war für alle eine große Quälerei, weil die meisten elf Stunden nichts gegef= sen hatten. Wir hatten doch keine Ahnung, daß wir ohne Pause gleich antreten mußten. Bisher haben wir mehr auf dem Bauch gelegen und im Sand, als auf den Füßen normal gestanden. In den nächsten Tagen fommt Waffendienst dran. Wir haben dort im Lager nicht einmal Waschgelegenheit. Als wir uns beschwerten, wurden wir angebrüllt:„ Wir haben uns an der Front wochenlang nicht gewaschen!" Ich empfinde dies alles als furchtbar innlos. Das erstemal, als ich mitmachen mußte, habe ich mich vor mir selber geschämt: dreckig, müde und stumpf vor Hunger und Gehorsam. Es ist überhaupt unangenehm schwer, so einer braunen Uniform bedingungslos zu gehorchen und er ist oft nicht viel älter als wir. Arbeitsdienst: Deckname für militärische Ausbildung Heute ist für die Studenten die Arbeitsdienstpflicht verkündet worden; der Staat wirft dafür eine Milliarde Mart hinaus. Derzeit kommen nur die Studenten dran, die bereits vier Studienhalbjahre studieren, Das schafft böses Blut, denn einige Fakultäten haben im fünften Halbjahr Examen, und es ist für die Studenten nicht angenehm, vor dem Examen ein halbes Jahr aus dem Studium herausgerissen zu werden. Außerdem wissen wir alle: Arbeitsdienst ist nur Deck name, in Wirklichkeit ist es eine forrekte militärische Ausbildung und dafür fällt dann jede ethische Begründung weg. Daneben ist für alle Studenten noch ein reiwochenIdger während der Ferten vorgesehen. So wird in keiner Weise auf das Studium Rücksicht genommen. Ein Führer sagte fürzlich:" Der soldatische Mensch ist für uns ausschlaggebend, nicht der geistige." In der Universität laufen schrecklich viel SA.- Uniformen herum, und fast alle Professoren find plößlich von dem nationalen Aufstieg innerlich tief und freudig erschüttert. Ent weder heucheln sie jest oder sie haben es früher getan! Lothringen Mitten im lothr. Indu striegebiet gel Eisens werk( Eisenkonstruks tion u Blechschmiede) mit Bahnanschluß zu verkaufen Schöner Besitz( Schloß, 19 ha Park und Garten) Straße Metz Saar brücken, u mehrere schöne Wohnhäuser zu verkaufen. Ausk ert. C. Gresset, Courcelles Chauss Telefon 6 23 Alle Ausgaben Klassiker empfiehlt Buchhandlung Volksslimme Bahnhofstr. 32 Seriöser Kaufmann wünscht zwecks weiterer Vervollkommnung seiner französischen Sprachkenntnissen Konversation mit gebildeter Französin. Strengste Diss kretion zugesichert und erwünscht. Offerten unter Nummer 22 an die Geschäftsstelle dieses Blattes ei beten in Tripolis drei Tage hintereinander geschlagen worden, dann hat man ihm Rauschgifte gegeben, um ihn zum Res den zu bringen und ihn schließlich neunzehn Tage hungern laffen. Er fam in entfeßlichem Zustand nach Ponza und ist dann plötzlich in ein römisches Gefängnis gebracht worden. Seitdem weiß man nichts mehr von ihm. Jener Republikaner Delfini, der im Bovone- Prozeß im vorigen Jahre vor dem Ausnahmegericht erklärte, er wäre gefoltert worden, und der, zum Teil auch deshalb, dreißig Jahre Zuchthaus. bekam, wurde, wie man heute durch Mitgefangene erfährt, durch Ausreißen der Nägel an Händen und Füßen, durch Verbrennen der linken Wange mit einer Spirituslampe, durch Quetschen der Hoden und durch Eintreiben von Nadeln in die Fingerspißen gepeinigt. Diese Tortur wurde unter der Leitung desselben Kommissärs Menichincheri vollzogen. Heute ist Delfini, der bei seiner Verhaftung gesund und kräftig war, im letzten Stadium der Tuberkulose. Dasselbe gilt von dem kommunistischen Führer Gramsci, der nach einem von dem römischen Primararzt Umberto Arcan= geli ausgestellten Zeugnis im Zuchthaus in fürzester Frist sterben wird. Leider reicht die im Ausland ansposannte Amnestie nicht bis zu den politischen Gefangenen. Sie verpufft vorher als Reklamerafete. Während solche Dinge in Italien vorgehen, läßt Mussolini sein in allen Aemtern angebrachtes Bildnis, das ihn in der Zäsarenpose, mit unverdünnter Wiedergabe der natürlichen Brutalität darstellt, durch ein neues ersetzen, das ihn väterlich lächelnd zeigt, als den sorgenden„ Vater seines Volkes". In diesem Volt aber geht der Haß um. Einer der Miliz= Teute, der sich in Triest immer gerühmt hat, an der Hinrichtung des Südslaven Gortan teilgenommen zu haben, ist erschossen aufgefunden worden. Die seit zehn Jahren in Ita Iten betriebene„ Gleichschaltung" ist noch immer nicht beendet. Tortur und Menschenschinderei find herrlich wie am ersten Tage." Es lesen nur noch drei Professoren. Auch da sind in den Vorlesungen Störungen vorgekommen. Es wurde auch Boykott gegen sie bestimmt: wer bei ihnen belegt hatte, wurde notiert, und wer in die Vorlesungen ging, sogar nach Möglichkeit photographiert. Trotzdem sind die Vorlesungen aller drei Professoren voll besetzt, weil sie ausgezeichnet lesen. Die jüdischen Studenten sind alle von der Universität verwiesen, es wird auch keiner aufgenommen oder gar zum Examen zugelassen. Es ist schwer, alles schweigend mitzumachen. Aber letzten Endes beschleunigt dies alles ja die Entwicklung! Es sind cine ganze Menge unzufrieden. Ueberall, auch in den Stra= ßenbahnen und auf den Straßen hört man die Leute be= reits verstohlen kritisieren. Das ist doch ein großer Schritt vorwärts. Seien Sie überzeugt: Wir stehen hier auf Posten und die Zeit arbeitet für uns! An Unbekannt. Die an Frau Sch., Trillerweg, übers sandten 100 Franken, werden für Flüchtlinge verwendet. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz: Inserate Hubert Jüttner. beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Boltsstimme" G. m. b. S., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Automobilisten! Wollen Sie gut bedient sein, kaufen Sie ihre Reifen in der Vulkanisier- Siffa Anstalt KronprinzenTelefon 22127 Ecke Stengelstr., Saarbrücken 1, oder in Saargemünd Vulcanisation Kursner, Telefon 550 Frankreichstraße, Ecke Schiffstr. Generalvertreter der versicherten India- Reifen Schreibmaschinen, neu u. gebraucht, auf Tellzahlung in monatlichen Raten von Fr. 40 Unverbindliche Vorführung. Zuschriften unter Nr. 32 an die Geschäftsstelle dieses Blattes erbeten Gelegenheits- Angebot! Henry Barbusse: Das Feuer Tagebuch einer Korporal, schaft. Kriegsroman Vollst. Ausgabe Leinenband nur Fr. 12. 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