Prels: 60 1. cts. Fretheil Nummer 18-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Dienstag, den 11. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun Die Rednergabe ist etwas sehr Gefährliches. Es muß in jedem Redner, der auf Zuhörer wirken soll, etwas von einem Dichter stecken. Ist aber der Dichter oder Improvisator gerade derjenige, dem das Steuerruder des Staates, welches volle kühle Ueberlegung erfordert, anzuvertrauen wäre? Bismarck Frauen und Kinder als Geiseln Wir rufen die Kulturwelt zum Protest auf Die Nationalsozialisten haben schon seit Monaten in Einzelfällen sich bemüht, durch das Festhalten von Frauen und Kindern flüchtige Sozialdemokraten zu zwingen, zurüdzukehren. Manchmal hat man versucht, durch Bedrohen der Frauen von diesen den Aufenthaltsort der Männer zu erfahren. Die Frau und das Kind des Reichsbannerführers Söltermann wurden wochenlang gehindert, die Wohnung zu verlassen, bis es ihnen gelang, dennoch abzureisen. Die Frau und die beiden Kinder eines sächsischen sozials bemokratischen Abgeordneten wurden verhaftet. Man erklärte, fie würden sofort freigelassen, wenn der Abgeordnete zurüc fehren werde. Er hat das flugerweise nicht getan, sondern hat damit gedroht, die Weltöffentlichkeit zu alarmieren, wenn seine Frau und seine Kinder nicht freigegeben würden. Es wurden dann die Frau und ihre Tochter aus der Haft ent laffen, der Junge aber wurde weiter festgehalten. Nun schrieb der sozialdemokratische Abgeordnete an führende Nationalfozialisten, daß er sich an den Völkerbund wenden werde. Erst dann wurde nun auch der Junge entlassen. Es ist gefährlich, solche Fälle sofort und unter Namensnennung zu veröffentlichen, da die Nationalsozialisten dann Rache an den in Deutschland befindlichen Verwandten und Freunden der Betroffenen nehmen. einmal Der von uns schon kurz erwähnte neue Fall der Verhaftung einer Frau als Geisel in Pirmasens ist aber derartig, daß er unter genauen Angaben, die jede Nachprüfung ers möglichen, der Oeffentlichkeit übergeben werden kann. Der bayerische Landtagsabgeordnete Ludwig, der seit Wochen von der SA. mit Mordabsichten verfolgt wird und der schon ist, die nachts sein Haus umstellt hatten, hat sich im Saargebiet in Sicherheit gebracht. Darauf wurde seiner Frau angedroht, sie werde verhaftet, wenn sie nicht ihren Mann zur Rückkehr veranlasse. Mit Rücksicht darauf, daß die Frau ihr sechsjähriges Söhnchen und den 68jährigen Bater zu betreuen hat, ist die Verhaftung aber unterblieben. Da man befürchtete, sie werde mit ihrem Kind zu ihrem Manne reifen, mußte sie sich täglich bei der Kriminalpolizei melden; fie durfte das Stadtgebiet nicht verlassen und von 9 Uhr abends bis früh 6 Uhr nicht aus ihrem Hause gehen. Das genügte der A. noch nicht. Sie segte durch, daß die Fran, die übrigens an einer schweren rheumatischen Krankheit leidet, in sogenannte„ Schußhaft" genommen wurde. Zwischen einem gelben SA.- Mann und einem blauen Schußmann wurde die Frau auf dem größtmöglichen Umweg durch die ganze Stadt ins Gefängnis geführt. Der sechsjährige Junge, ber feiner Mutter weinend nachlief, wurde davongejagt und von Verwandten aufgenommen. nur mit knapper Not den braunen Banden entronnen Die Nationalsozialisten rühmen sich dieses Vorfalls in der Presse. Es wird wenige Länder geben, in denen solche Schandtaten möglich find. Nach Deutschland um die Befreiung der Frau zu rufen, ist zwecklos. In Deutschland werden folche Barbareien selbst von den Kirchen beider Konfeffionen gedeckt, deren Diener in elender Menschenfurcht das Wort vergessen haben, daß man Gott mehr gehorchen muß als den Menschen. Wir richten unseren Ruf an die Kulturwelt. Wir ersuchen alle, die in zivilisierten Ländern Einfluß auf die öffentliche Meinung haben, weithin bekannt zu machen, daß in Deutschland Frauen und Kinder als Geiseln festgelegt werden. Wir erwarten, daß sich moralische und politische Kräfte in der Stulturwelt regen, die fich gegen solche schändlichen Methoden in Deutschland auflehnen. Es wäre möglich, daß gute Lente unsere vorstehenden Mitteilungen bezweifeln. Darum fügen wir noch hinzu. Vor uns liegt die Nr. 183 der Pfälzischen Rundschau" vom 8. Juli, die mit zynischer Frechheit mitteilt, daß man die Fran Ludwig in Schughaft genommen hat, um auf diese Weise indirekt einen Drud auf Ludwig auszuüben", damit er schleunigst nach Pirmasens zurückkehrt. Der totale Bonzenstaat Alle Volksrechte sind abgeschafft Nur noch nationalsozialistische Parteibonzen haben zu regieren Außerdem Vertrauensleute der Schwer industrie und des Großgrundbesitzes Reichskanzler Hitler hat vor den Reichsstatthaltern verkündet, daß die Revolution zu Ende ist. Abgestimmt und gewählt werde in Zukunft nicht mehr. ER allein habe zu bestimmen, und feine Unterführer hätten ihn zu beraten. Auf denselben Ton ist man die neueste Kundgebung des preußischen Ministerpräsidenten Göring abgestellt. Er setzt einen neuen preußischen Staatsrat ein, der jedoch nur be ratende Stimme haben soll. Göring fragt, wer in diesen Staatsrat zu berufen set, und antwortet: zuerst und zumeist die Gauleiter der NSDAP., also ausgesprochene Parteibonzen, um die frühere Sprache der Nationalsozialisten anzuwenden. Dementsprechend besteht denn der neue Staatsrat ganz überwiegend aus den Gauleitern der Nationalsozialisten, die zu ihren sonstigen hochbezahlten Präsidentenposten und Abgeordnetenmandaten mit hohen Diäten nun auch noch durch preußische Staatsratsehren mit entsprechenben Bezügen gesegnet werden. Die folgende Liste zeigt, wie schamlos das ganze preußische Volk unter die Vormundschaft der nationalsozialistischen Gauleiter gestellt wird. Allerdings find noch einige andere Beute hinzugezogen, so der Schwerindustrielle Frit Thyssen, der für seine langjährige Finanzierung der Nationalsozialisten nun durch einen Staatsratsposten abgefunden, und außerdem sind noch einige Vertrauensleute der ostelbischen Junker zugelassen. Für diejenigen Gauleiter der NSDAP. in Preußen, die gleichzeitig Statthalter eines anderen Gebietes sind, allp den Gauleiter Roeper, der Statthalter von Anhalt und Braunschweig ist, den Gauleiter Meyer, der Statthalter von Waldeck- Lippe ist, ben Gauleiter Saudek, der Statt halter von Thüringen ist und den Gauleiter Sprenger, der Statthalter von Hessen ist, werden die Stellvertre tenden Gauleiter in den Staatsrat berufen. Ferner sind folgende Obergruppenführer der SA. berufen worden: Polizeipräsident Heines- Breslau, Lizmann- Königsberg, v. Jagow- Kassel, Luyken- Niederrhein und Oberpräsi dent Luze- Hannover, ferner die SS.- Gruppenführer Ministerialdirektor Daluege- Berlin, v. Woyrsch und Polizeipräsident Weißel- Düsseldorf. Als Vertreter der Wirtschaft ist der Industrielle Thyssen, als Vertreter des Stahlhelm Rittmeister a. D. Morozowicz, ferner als Vertreter der Personen, die besondere Verdienste um den Staat haben, der frühere Oberpräsident von Ostpreußen Kutscher und der bisherige Oberpräsident von Pommern v. Halfern in den Staatsrat berufen. Der neue preußische Staatsrat wird außerordentlich feierlich mit einem großen Staatsakt veröffentlicht werden und in einem Saale des Berliner Schlosses tagen. Der neue Breußische Staatsrat sieht also so aus: Ministers Einige Paragraphen präsident Göring hat als Führer des neuen Staatsrats in den Staatsrat berufen: Alle preußischen Minister, die Staatssekretäre Graunert vom Innenministerium und Koerner vom Staatsministerium, den Stabschef der SA. Hauptmann a. D. Röhm, den Reichsführer der SS. Himmler, den Stabschef der politischen Organisation der NSDAP. und Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley, den Oberpräsidenten und Gauleiter Koch, Königsberg, den Gauleiter Karpenstein, Stettin, den Oberpräsidenten und Gauleiter von Brandenburg- Grenzmark Kube, den Oberpräsidenten von Nieder- und Oberschlesien und GauLeiter Brüdner, den Gauleiter von Hallet Merseburg Jordan, den Stellvertretenden Gauleiter Görlizer, Berlin, ferner die Gauleiter Wagner- Bochum, TerbovenEssen, Florian- Düsseldorf, Simon- Koblenz, Grohe- Köln, Weinrich- Kassel, Telschow- Hannover- Oft, Oberpräsident und Gauleiter Wohse- Kiel. Sozialismus siegt in Finnland Dieses Wahlergebnis bestätigt, daß die Vormachtstellung der Sozialdemokratie in den skandinavischen Staaten( im weiteren Sinne) sich dauernd verstärkt. Dänemark wird seit Jahren von der Sozialdemokratie regiert, dito Schweden und Finnland wird wohl nach diesem außerordentlichen Wahlfieg der Sozialdemokratie ebenfalls eine sozialistische RegieDer Faschismus in Finnland, repräsentiert durch die nenen Reichstages ist folgende: Sozialdemokraten 88 Lappo- Bewegung, hat ausgespielt. Das finnische Bolt hatte Size( bisher 66), Faschisten 82 Size( bisher 42), Konservative die Möglichkeit, hinreichend den Gegenſaz, zwischen Ver: Agrarpartei 54( bisher 59), Schweden 21( bisher 21). Fortsprechen und Halten zu erkennen und hat jekt den Lappo schrittler 11( bisher 11), Kleinbauern 3( bisher 3), Neue Leuten eine Niederlage bereitet, von der sie sich nicht mehr Kleinbauern 1( bisher 0) Sige. erholen werden. Gleichzeitig erfocht die Sozialdemo tratie bei den gestrigen Wahlen einen ge= 66 Sigen 22 neue und nimmt nunmehr mit 88 Sigen 42 Pro sent aller Sige des finnischen Reichstags ein. Der Faichis: nis mit Lappo" rund 25 Prozent seiner Mandate und mins büßte als„ nationale Sammlungspartei im WahlbündStimmen ein. Auch verlor die Konservative Agrarpartei faft 10 Prozent ihrer Stimmen und Mandate, während die Fort: schrittler unverändert blieben und außer den Sozialisten nur noch gebnis ist ein tataſtrophaler zusamemnbruch der Faschisten und übrigen Rechten. Die Berteilung der 210 Mandate des rung erhalten. Begleitet ist dieser Vormarsch des Sozialismus zugleich von einem starken Absturz und einer immer weiteren Zurück drängung der nordischen Spielarten des Faschismus, der in Dänemark und Schweden zur absoluten Bedeutungslosigkeit auch zahlenmäßig verurteilt ist, und der nunmehr auch in Finnland, wo er zeitweise das ganze Staatsgefüge bedrohte, Aus dem Staatsratsgesetz Die Sizungen des Staatsrats sind nicht öffentlich. Der Reichsfangler fann jederzeit die Einberufung des Staatsrats verlangen; er fann im Staatsrat jederzeit erscheinen und das Wort nehmen. Beamte, Angestellte und Arbeiter des Staats, der preußis schen Gemeinden und Gemeindeverbände und der sonstigen preußischen Körperschaften des öffentlichen Rechts bedürfen zur Ausübung des Amtes als Staatsräte feines Urlaubs; Gehälter und Löhne sind weiterzuzahlen. Das Amt der Staatsräte ist ein Ehrenamt. Die Staatsräte erhalten freie Eisenbahnfahrt und Aufwandsentschädigung nach Maßgabe von Vorschriften, die das Staatsministerium erläßt. Ein Verzicht auf die Aufwandsentschädigung ist nicht statthaft, ben entscheidenden Schlag aufs Haupt erhalten hat. Beer ausgegangen sind auch die Kommunisten, deren Werbekraft anscheinend erst mit der Entfernung von Sowjetrußland zu nimmt und die daher in der allernächsten Nachbarschaft wie in Finnland nichts ernten können. Demnach muß man annehmen, daß da, wo der wahre nordische Geist" zu Hause ist, der Marxismus in seiner sozialistischen Ausprägung seine besten Triumphe feiert. Das ist gewiß ein großer Schmerz für jenen pseudo- nordischen Geist, auf den sich der undeutsche Nationalsozialismus, der gar nicht nordisch, sondern eine sflavische Kopie MussoliniItaliens ist, weshalb man die Nazis mit Recht die Affen Mussolinis nennt, so viel zugute tut, daß jetzt die bisherige Zeitung des„ Jungdeutschen Ordens" in Berehrung vor dem nordischen Geist als„ Nordische Zeitung" herausgegeben wird. Nun find die Finnen, abgesehen von den eingewanderten Schweden, allerdings fein germanisches Bolt, wohl aber mit den Ungarn des Hitlerfreundes Gömbös stammverwandt! Das ist nun ein doppelter Schmerz für die deutschen Hitleriden: Der nordische Geist verrät fie ebenso, wie der der Stammesverwandten des einzigen ihnen noch verbliebenen Freundes" auf dem europäischen Kontinent! Unser Beileid an Adolf! M. B. Innerdeutsche Machtkämpfe Entlassung von Reichswehr- Generälen abgelehnt- SA.- Revolten setzen sich fort- Ein französisches Urteil Berlin, 10. Juli.( Eigener Bericht.) Der Reichskanzler hat bei seiner letzten Zusammenkunft mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg die sofortige Entlassung von vier Generalen der Reichswehr gefordert: awei Gruppenfommandeure und zwei Divisionskommandeure. Der Reichspräsident hat diese Forderung des Reichstanzlers abgewiesen. Er hat es abgelehnt, wegen dieser Forderung Hitlers auch nur mit dem zuständigen Reichswehrminister General von Blomberg Fühlung zu nehmen, und hat kein Hehl daraus gemacht, daß die Wehrmacht und alle sie betreffenden Fragen zu seiner ausschließlichen Kompetenz gehören. Auf einem bisher unbekannten Wege ist die Tatsache dieser Hitlerschen Forderungen der Generalität mitgeteilt worden; und eine dahingehende Anfrage des Reichswehrministers sah sich der Reichspräsident gezwungen zu bestätigen. Das Vorkommnis hat im Offizierkorps Erregung hervorgerufen. Die„ Gleichschaltung" der Reichswehr stößt auf Schwierigkeiten. Die SA.- Opposition gegen den neuen Kurs, der durch die Reichenhaller Rede Hitlers eingeleitet und durch seine Ausführungen vor den Statthaltern in verschärfter Form bestätigt worden ist, greift immer weiter um sich. In zahlreichen Städten, wie in Gera, Greiz, Altenburg, Zwickau, Halle, Eisleben, Stettin, ist die gesamte SA. kurzerhand aufgelöst worden. An anderen Plätzen, wie vor allem in HamburgAltona und im Ruhrgebiet, wo wegen der außerordentlichen numerischen Stärke der SA. und wegen ihrer proletarischen Struktur die Frage nicht ungefährlich zu liegen scheint, schweben noch Erörterungen. Das Zentrum der Opposition befindet sich in Berlin. Der Chef des Stabes der SA., Staatssekretär Röhm, ist von München nach Berlin berufen worden; Herr Röhm hat den Abgeordneten Schulz( bekannt aus seiner früheren Tätigteit als Fememörder) mit der Reglung der Berliner Verhältnisse beauftragt und hat ihm außerordentliche Vollmachten erieift. Inbesondere ist dem Kommissar Schulz die gesamte Berliner und Brandenburger SS., deren Gegensatz zur SA. bekannt ist, unterstellt worden. Der bisherige Berliner SA.- Führer Ernst ist seines Amtes enthoben worden. Um Hitlers Position Ein Urteil des ,, Temps" Paris, 10. Jult. Der offiziöse Temps" hält Hitlers Stel Iung für erschüttert. Der heutige„ Temps" beschäftigt sich in seinem Leitartikel eingehend mit der Lage in Deutschland. Die Zeitung registriert die bekannt gewordenen Vortommnisse der letzten Wochen, wie die Auflösung ganzer SA- Formationen, die Protestkundgebungen der Nationalsozialisten gegen den„ Reichenhaller Kurs", die Einrichtung von Konzentrationslagern für rebellische SA.- Leute usw. und meint dann: " Herr Hitler wird sich sehr stark machen müssen, wenn er verhindern will, daß er nicht eines schönen Tages von feinen eigenen SA.- Lenten weggespült wird. Wird er hente diese Kraft noch befizen? Schließlich war es doch der " Führer", der diese sogenannte nationalsozialistische, alles zerstörende Welle entfesselt hat! Es ist eine blutige Illus fion anzunehmen, daß der Anstifter die von ihm gezeugte Welle einfach wieder anhalten kann, wenn es ihm gerade beliebt!" Der„ Temps" läßt schließlich durchblicken, daß nach seiner Ueberzeugung das„ Dritte Reich" am Vorabend schwerster innerer Kämpfe steht. Er überschätzt aber wahrscheinlich die Reife dieser Entwicklung, die trotz zahlreicher Einzelrebellionen nur langsam zu größeren Aktionen führen wird. * Der Sohn des verstorbenen Reichspräsidenten, der Redaks teur Friz Ebert, ist, wie der„ Berliner Börsen- Courier" meldet, nach langem vergeblichem Suchen aufgefunden und in Schuzhaft genommen worden. Er wird in ein Konzens trationslager gebracht werden. Die„ Germania" meldet: Im Einvernehmen mit dem Bundesführer der NS.- Studentenschaft wurde gestern der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Forschbach( Dortmund) zum Führer des gesamten Kartell verbandes der katholisch- deutschen Studentenverbindungen ( C. B.) bestellt. Als erste Amtshandlung hat der neue Führer des G. V. den österreichischen Bundeskanzler Dr. Dollfuß und die übrigen Mitglieder der österreichischen Bundesregierung wegen ihrer reichsfeindlichen Haltung aus dem E. V. auss geschlossen. Die Kirche beugt sich Der Abschluß des Konkordats Die katholischen Priester dürfen künftig kein Wort mehr gegen den Hitler- Terror sagen Weder im Amt, noch privat 食 频 Die Paraphierung des Reichskonkordats ist Samstag aben Die Quittung an das Zentrum 6 Uhr durch Kardinalstaatssekretär Pacelli und Vizekanzler v. Papen im Vatikan vollzogen worden. Zu der endgültigen Unterzeichnung wird der Vizekanzler, der heute abend Rom wieder verläßt, in zwei bis drei Wochen nach Rom zurückfehren. Die Veröffentlichung des Reichskonkordates wird erst nach seiner Unterzeichnung erfolgen. Das Ergebnis der achttägigen Verhandlungen, die von Anfang an auf beiden Seiten im beften Geist geführt worden sind, ist auch im Vatikan mit größter Befriedigung" aufgenommen worden. Hitler erläßt die folgende Verfügung: Durch den Abschluß des Konkordates zwischen dem Heiligen Stuhl und der deutschen Reichsregierung erscheint mir ge= nügende Gewähr dafür gegeben, daß sich die Reichsanges hörigen des römisch- katholischen Bekennt nifies von jegt ab rüdhaltlos in den Dienst In Saarbrüden eingetroffene Flüchtlinge berichten, daß Freitag in Wattenscheid( Ruhrgebiet) eine Stadtratssigung stattfand. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte der Führer der dortigen NSDAP., daß die Zentrumsfrattion fein Recht mehr habe, an der Sigung teilzunehmen! Es wurde erklärt, daß die NSDAP. selbst die neuen Stadtvers ordneten an Stelle der bisherigen Zentrumsvertreter be stimmen werde, da feiner der bisherigen Zentrumsfrattion mehr das Recht haben werde, im Stadtrat zu erscheinen. Die Zentrumsfrattion mußte den Sizungss jaal verlassen! bes neuen nationaliosialistilen Staates Müller bläst zum Şammeln #tellen werden. Ich ordne daher an: 1. Die Auflösung solcher katholischer Organisationen, die durch den vorliegenden Vertrag anerkannt sind und deren Auflösung ohne Anweisung der Reichsregierung erfolgte, find sofort rückgängig zu machen. 2. Alle Zwangsmaßnahmen gegen Geistliche und andere Führer dieser fatholischen Organisationen find aufzus heben. Eine Wiederholung solcher Maßnahmen ist für die Zukunft unzulässig und wird nach Maßgabe der bestehenden Gefeße beftraft. Ich bin glücklich in der Ueberzeugung, daß nunmehr eine Epoche ihren Abschluß gefunden hat, in der leider nur zu oft religiöse und politische Interessen in eine scheinbar unlösliche Gegenfäglichkeit geraten waren. * Der volle Wortlaut des Konkordats soll erst in vierzehn Umrisse ganz deutlich. Unter Druck und Terror gefeßt, he Tagen veröffentlicht werden. Aber schon jest zeigen sich seine stürmt von den deutschen Kirchenfürsten, hat sich der Vatikan gefügt, genau so wie gegenüber Mussolini. Der Unterschied besteht nur darin, daß hier der Konflikt mit der Kirche ein Jahr währte, während man mit Hitler- Deutschland schon nach kurzer Verhandlung einig wurde. Der römische Korrespondent der Germania" will wissen, daß die Bekennt nisschule, der Religionsunterricht unter der Leitung der Kirche, das Recht der Kirche auf Erhaltung der freien Betätigung und kulturellen Verbände gesichert sind. Die Konkordate mit Bayern, Preußen und Baden werden aufrecht erhalten. Wesentliche Bestimmungen des badischen Kontorbates werben fünftig auf Württemberg, Hessen und Sachsen ausgedehnt. Aber das ist nicht das Entscheidende. Aus Hitlers Verfügung geht deutlich hervor, daß der Terror gegen katholische Priester, geduldet von der nationalsozialistischen Führung, seinen Zweck erreicht hat: die offizielle Liquidation des politischen Ratholigismus, also der 3entrumspartei, unter päpstlichem Segen. Die Priester haben sich aus Seelsorgern in Mithelfer am nationalsozialistischen Staat zu verwandeln. Weder in Ausübung ihres religiösen Amts, noch in Privatgesprächen dürfen sie fünftig ein Wort der Kritik gegen den Hitler- Terror wagen. Sie dürfen Gottes Wort lehren, aber sie müssen schweigen, wenn sie die Durchführung der christlichen Sittengebote im Hitler- Slaate verlangen. Die gesamte fatholische Presse ist gänzlich verstummt. Sie gibt das Zentrum wortlos und widerstandsIo8 preis. Sie ist damit zufrieden, daß wenigstens die katholischen Verbände, wenn sie sich auf religiös- ethische Aufgaben beschränken, ein Scheinleben führen dürfen. Das katholische Deutschland begrüßt mit Freude das neue Reichskonkordat und hat den sehnlichen Wunsch, daß durch dasselbe eine Aera harmonischer Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Neich und dem Heiligen Stuhl eingeleitet werden möge. So schreibt ein Zentrumsblatt im Saargebiet, die„ Saarbrücker Landeszeitung". Das ist der jämmerliche Schlußstrich unter die Geschichte der Zentrumspartei, die heroisch begann und sich selber auflöfte. Das ist das Echo auf den Verzicht allen fatholischen Eigenlebens außerhalb des religiösen Bereichs! Man freut sich und begrüßt" es... Der Papst ist einverstanden! Alles ist in Ordnung! Weh dem, der nicht pariert Wehrkreispfarrer Müller erläßt folgenden Aufruf an die Gemeinden der altpreußischen Landeskirche: " Der Kommissar für die Evangelische Landeskirche in Preußen hat mir das Recht der obersten Leitung der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union übertragen. Ich übernehme die Leitung des evangelischen Oberkirchenrates in der festen Zuversicht, daß ich auch an dieser Stelle dazu beitragen kann, das begonnene Einigungswerk der deutschen evangelischen Kirchen im Sinne der kirchlichen Selbsthilfe so rasch wie möglich zu Ende zu führen. Das evangelische Kirchenvolk wartet allerwärts auf den Bau der deutschen Evangelischen Kirche. Darum ist jetzt vordringliche Pflicht, die Verfassung, die dem Leben dieser Kirche Form und Regel geben soll, in fürzester Frist fertigzustellen. Diese Bauarbeit gelingt nur, wenn sie in Einmütigkeit und stiller Sammlung geschehen kann. Alle Störungsversuche durch unsachliches Reden und Handeln sind jetzt nicht mehr zu verantworten. Es müssen jezt alle, die Presse eingeschlossen, zusammenstehen. Ich rufe die Glieder unserer Kirche auf, in treuer Fürbitte sich unter mich und meine Mitarbeiter zu stellen. Ludwig Müller, Wehrkreispfarrer. In der legten Zeit waren mehrfach Gerüchte aufgetaucht, baß es beabsichtigt sei, Ostpreußen vom preußischen Staate zu trennen und unter einem Reichsstatthalter zum Bundess land zu machen. Ministerpräsident Göring erklärt dazu, daß dieser Gedanke nicht einmal ausgesprochen werden dürfe. Es gebe keine Loslösung Ostpreußens in irgend einer Form vom preußischen Staate, und Verbreiter ders artiger Gerüchte würden sofort strafrechtlich belangt werden. Der wachsame Daladier Ein Hüter des ,, humanen Gewissens" gegen Hitler Deutschland Erfolge der französischen Politik in West und Ost- Lob für SowjetRußland Paris, 9. Juli. Am heutigen Sonntag haben dret französische Minister in der Provinz Neden gehalten. Es sprach in Apt im Departes ment Baucluse Ministerpräsident Daladier, in St. Aignan im Departement Loir- et- Cher Außenminifter Paul Boncour und im Departement Allier Budgets minister 2 amoureng. Ministerpräsident Daladier hat eine Art Rechenschaftsbericht über die Innens und die Außenpolitik seiner Regierung gegeben. Er erklärte, daß er den französischen Franken verteidigen wolle und die Negies rung das Parlament im Monat Oktober auffordern werde, mit einer endgültigen Sanierung der Finanzen das notwendige Wert des öffentlichen Heils zu krönen. Das Defizit seiner( rechtsradikalen) Vorgänger habe er um mehr als 10 Milliarden herunterges drückt, und nunmehr falle seiner Regierung die Auf: gabe zu, die finanziellen und wirtschaftlichen Probleme der Zukunft in einem Geiste allgemeiner Gerechtigkeit zu vollenden, wobei er jedoch in schroffer Weise jedem Drud von außen her wie von der Straße entschieden ablehnte. Was die Außenpolitik seiner Regierung anbetrifft, so führte der französische Ministerpräsident aus, er glaube, daß feine Regierung mit Wa chamkeit die großen Interessen Frankreichs und des Friedens verteidigt habe. 3m Mittelpunkt dieser Politik habe der Völkerbund ges standen, und man habe entschlossen jede Politik der Jolierung des Nationalismus und der Illufionen abgelehnt. Wenn sich im internationalen Leben ein humanes Problem ftelle, habe die französische Regierung ftets ihre Stimme ertönen lassen, die getreu sei dem Geiste der Freiheit und der Gerechtigkeit. So habe jüngst vor dem Völkerbundsrat der Vertreter Frankreichs den notwendigen Protest des humanen Gewissens zum Ausdruck gebracht( gegen Hitlerdeutschland. D. Red.). Auf die Abrüstungsbebatte übergehend, erklärte Daladier, daß Frankreich ernste Beweise seines Willens, die Rüstungen herabzusehen, ohne das Ergebnis der Arbeiten der Abrüftungskonferenz abzuwarten, gegeben habe. Frants reich freue fich, daß die Sowjetregierung einen Fortschritt dadurch ermöglicht habe, daß sie den Begriff des Angreifers formulierte. Daß die Abrüftungskonferenz jegt vertagt wurde, sei nicht auf Frankreich zurückzuführen; denn seine Stellungnahme sei flar. Es sei bereit, an der Abrüstung teilzunehmen, wenn sie gemeinsam durchgeführt werde; aber es wolle die Sicherheit haben, daß die Abrüstung teinen Hinterhalt bedente. Dess halb fordere es eine ernst e, ständige, mobile und automatische Kontrolle, die sich ausdehne auf die Fabrikation und den privaten Handel mit Waffen. Der französische Ministerpräsident verwies alsdann auf den Biererpatt hin, den Frankreichs Alliierte von der Kleinen Entente und Belgien gebilligt hätten und der als der Abschluß einer Politik bezeichnet werden könne. Frants reich wolle die Aussprache mit einem großen Nachbarn( ges meint ift Italien), von dem man zu lange durch Meinungsverschiedenheiten getrennt gewesen sei, fortseßen. Daladier lobte auch den mit Sowjetrußland abgeschlossenen Nichtangriffspakt und wies darauf hin, daß mit Rußland durch die Militärattaches und durch nügliche Besprechungen wirtschaftlicher Art ein Meinungsaustausch herbeigeführt wurde, von dem man für die beiden Länder ausgezeichnete Ergebnisse erwarte. Schließlich betonte der Ministerpräsi dent die guten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und zu Großbritannien. Frankreich wolle nicht nur seine eigene Freiheit garantieren, sondern auch die Unabhängigkeit aller Bölter sicherstellen. Paul Boncour wies in seinen Ausführungen ebenfalls wie Daladier auf die Friedenspolitik Frankreichs hin und hob hervor, daß es gewillt sei, die Ententen zu erweitern und den Frieden zu konstruieren. In diesem Gedankengang erwähnte er den Vierers pakt sowie den osteuropäischen Nichtangriffss pakt und den Patt, der in London jezt unterzeichnet wurde, um den Begriff des Angreifers zu firieren. Folgen werde ein baltisches Abkommen und vielleicht noch andere Abkommen mit Staaten, die die französische Diplomatie bereit sei durch einen direkten oder ins direkten Beistand zu unterstützen. * Journal of Commerce" schreibt, man sei hier im allgemeinen der Meinung, daß nach der Erreichung der Golds parität durch das Pfund Sterling der Dollar wenigstens für eine bestimmte Zeit stabilisiert werden würde, 8 b 11 er 8 ts es 3s ιδ rt te Ti: d te er uf e8 合 8: zet 11. it e bs Enthüllungen durch Reichshaushalt Zahlen bringen es an den Tag Aus Deutschland wird uns geschrieben: Ohne jede Kontrolle des Reichstages hat die Regierung Hitler das Reichs budget für 1983/84 durch einen einfachen Beschluß zum Gesetz erhoben und damit den Unterschied zwischen einem parlamentarisch regierten und einem autoritären" Staat auch dem uneinsichtigsten Menschen kundgetan. Der neue deutsche Reichshaushalt ist deswegen wichtig, weil er das Wert einer nationalsozialistischen Regierung ist und deutlicher als alle Propagandareden zeigt, wie sich das Dritte Reich die wirtschaftliche Entwicklung denkt, von welcher Seite her es Einnahmen erwartet und in welcher Richtung es mit einer Ausgabensenkung einsetzt. Börsen- und Fettsteuer Für das Steuerjahr 1933/34 mußte also, wenn man dem Erfolg der diversen Arbeitsbeschaffungsaktionen und der angekündigten Konjunkturanfurbelung ernstlich vertraute, die Lohnsteuer beträchtlich höher eingeschätzt werden, denn ein Abflauen der Arbeitslosigkeit und ein erhöhter Beschäftigungsgrad der Wirtschaft erhöhen selbstverständlich die Lohnund Gehaltseinnahmen und damit auch die Erträgnisse aus der Lohnsteuer. In Wahrheit hat aber die deutsche Reichsregierung, die im abgelaufenen Rechnungsjahr aus der Lohnsteuer einen Ertrag von 748,5 Millionen Mark verzeichnet, diesmal die Lohnsteuereinnahmen auf fast genau um weit mehr als die Hälfte fürzen, obwohl die Situation der Gemeindehaushalte geradezu verzweifelt ist und alle Gemeinden diesmal auf vermehrte Reichszuschüsse hofften. Nur auf diese Weise können sie die neuerlich gekürzten Wohlfahrtsunterstüßungen zahlen. Die Naziregierung wird damit die Gemeinden zwingen, den größten Teil der deutschen Arbeitslosen überhaupt nicht mehr zu unterstützen. Herrn Hitlers Weisheit auf finanziellem Gebiet ist die Auslieferung von Millionen Arbeitslosen an grauenvolles Hungern und fürchterliche Verzweiflung! denselben Betrag, nämlich auf 750 Millionen art, g Luftschiffahrt gedeiht schätzt. Hinzu kommt, daß nach den bisherigen Erfahrungen und nach den Lohnsteuereingängen im neuen Rechnungsjahr auch diese Annahme noch zu optimistisch ist. Es ist aber auf jeden Fall festzustellen: Nach den eigenen Annahmen und Berechnungen erwartet die Reichsregierung, daß die Lohnsteuererträgnisse 1983/84 genau so hoch sein werden wie im Jahre 1932/33. Das Kabinett Hitler nimmt damit selbst an, das Arbeitseinkommen des deutschen Volkes werde heuer nicht höher sein als 1982, dem schwersten aller vorhergegangenen Krisenjahre. Dem Haushaltplan, der von der deutschen Reichsregierung souverän zum Gesetz erhoben wurde, ist also zu entnehmen, daß Herr Hitler und seine Minister nicht einmal mit der leisesten Belebung rechnen! Ihre großen Versprechungen, den Arbeitslosen Arbeit zu bes schaffen schaffen glauben sie selber nicht! Dabei ist von vornherein interessant, daß es nur bei einer einzigen Steuerart eine erhebliche Mehreinnahme erwartet: das ist die Börsenumsazsteuer! Dieser Optimismus zeigt, wie liebevoll fördernd die deutsche Regierung die Börse auch fernerhin zu behandeln gedenkt und wie wenig sie auch in Zukunft bereit sein wird, die Maßnahmen zu ergreifen, deren Erfüllung Herr Hitler so oft seinen Anhängern versprochen hat. Eine neue Steuer tritt zum erstenmal in einem Reichsbudget auf: die Fett steuer! Es ist wiederum bezeichnend für das erste Nazibudget, daß es mit der Neueinführung von Steuern nicht den Besitz, nicht die„ Raffkapitalisten und Börsenjuden", sondern die breite Masse der Verbraucher trifft. Auf derſelben Linie ist es gelegen, daß viel mehr als in früheren Arbeitslosenfürsorge gesenkt Jahren die indirekten Steuern den Hauptanteil der Einnahmen bilden. Auf die Steuern, die am leichtesten auf den Eleinen Mann" abgewälzt werden, leat der Nationalfozialismus am meisten Gewicht. Lohnsteuer stabil Die Gestaltung der Einnahmeseite des deutschen Reichshaushaltes ist aber noch in einer andern Hinsicht recht aufschlußreich. Aus der Art, wie die einzelnen Steuereingänge geschätzt werden, ist am besten zu erkennen, wie die deutsche Reichsregierung die weitere Entwicklung beurteilt. Mit andern Worten: die nüchternen Zahlen des Reichshaushaltes lassen viel besser als alle hysterischen Hitler- Reden Schlüsse darüber zu, ob die Führer des deutschen Nationalsozialismus im Ernst an ihre eigenen propagandistischen Ankündigungen glauben. Im Reichsbudget von 1932/33 waren die Einnahmen aus der Lohnsteuer mit 900 Millionen Mart geschätzt. In Wahrheit brachte diese Steuer, die in einem beſtimmten prozentualen Verhältnis von jedem Arbeitseinkommen erhoben wird, nur 748,5 Millionen Mark ein. Hölle von Heuberg Wir beißen die Zähne zusammen! Bern, 7. Juli( Infa) Einem Brief eines Genossen, der fich im Konzentrationslager auf dem Heuberg befindet, entnehmen wir folgende Stellen: " Treue Genossen! Hoffentlich erhaltet Ihr diesen Hilfe: schrei. Das Leben ist hier geradezu furchtbar. Die Behand: lung ist schlimmer als in den Gefängnissen und Zuchthäusern, von den Kriegsgefangenen nicht zu reden. Um 8.30 Uhr müssen wir zu Bett, morgens um 5.30 Uhr werden wir her: ausgejagt. In der Nacht haben wir keine Ruhe. Oft werden wir drei- bis viermal des Nachts vor die Barade getrieben und werden auf dem Plazz herumgejagt, wobei Prügel und gröbste Beleidigungen zur Selbstverständlichkeit geworden find. Des Nachts haben wir auf diese Weise 3-4 Stunden " Ruhe". Ein Vorfall: Die ganze Abteilung wird des Nachts herausgejagt, muß exerzieren und 6 Nazis mit Gummis knüppel und vorgehaltenem Revolver prügeln einen Ges nossen unmenschlich. Sie warteten nur auf Wi erstand und hätten den Genoffen zweifellos erfchoffen. Da er sich nicht provozieren ließ, schlugen sie ihn später nochmals grün und blau. Diesem Genossen erklärte man:„ Sie können sich zwar beschweren, aber das ist zwecklos. Wir können Sie aber auch mit einem Sandjad beschweren". Ein Elbinger Genosse erhielt während 6 Tagen Dunkelarrest nur zweimal zu essen und kam verhungert und totenbleich zurüd. Im Dunkelarrest ist er schrecklich verprügelt worden. Alle SA.Leute, die nicht scharf genug vorgehen, werden abgelöst. Viele SA.- Leute behandeln uns so brutal, um sich ihre ersten Sporen zu verdienen, um schneller befördert zu werden. Alle 4 Wochen kommt ein neues Kommando. In den Strafbauten ist noch kein Journalist gewesen. Den Journalisten hat man wahrscheinlich die Bauten der Stufe 1 gezeigt. Trene Genossen! Das ist unser Leben. Es gleicht einer Sölle. Unter großen Gefahren übermitteln wir Euch diesen Brief mit der Bitte: helft uns! Bringt diese Dinge an die breiteste Deffentlichkeit. Berstärkt den Kampf gegen die fa schistische Dittatur, gegen dieses niederträchtige Prügelund Gewaltsystem. Von Eurem Kampf hängt es ab, ob in ben Strafbauten menschenwürdige Verhältnisse geschaffen werden. Wir beißen die Zähne aufeinander und bleiben stark und unerschütterlich!" Hitlers brave SA. w.rd immer von andern überfallen Hamburg, 7. Juli. Wie die Polizei meldet, wurde Freitagmittag auf einen SA.- Mann, als er auf Klingeln die öffnete, von einem unbekannten Mann ein Ueberfall verübt. " Dich suche ich ja, die anderen kommen auch noch bran" und perfette dem Ueberraschten einen Messerstich in die linke Brustseite. Allmählich ist die deutsche Deffentlichkeit hinter diefe Greuelberichte des Reichskanzlers Adolf Hitler gekommen. Auf der Ausgabenseite sind die Posten am interessantesten, bei denen am meisten gespart, und diejenigen, die freigebig erhöht wurden. Die Ausgaben für die Arbeitslofen. fürsorge hätten an sich beträchtlich höher angesetzt werden müssen. Denn die Gestaltung der Einnahmeseite zeigt fa, wie wenig die Reichsregierung auf eine Verringerung der Arbeitslosigkeit rechnet. Da aber der weitere Ausbau des Freiwilligen Arbeitsdienstes und die bevorstehende Ein führung der Arbeitsdienstpflicht vermehrte Ausgaben mit sich bringen, hätte das Reichskabinett den entsprechenden Haushaltposten beträchtlich höher als bisher einsehen müssen. Das Gegenteil ist der Fall! Die Ausgaben für Arbeitslosenfürsorge betrugen bisher 929 Millionen Mart, sie sind für das Jahr 1983/84 kurzerhand auf 520 Millionen Mart gesenkt worden. Obwohl demnach die Reichsregierung feine ins Gewicht fallende Entlastung des Arbeitsmarktes erhofft, hat man die Ausgaben für die Arbeitslosenfürsorge um mehr als 45 Prozent gekürzt. Von den 929 Millionen, die im vergangenen Rechnungsjahr dafür ausgegeben wurden, entfielen 880 Millionen Mark auf die Zuschüsse an die Gemeinden; nun will man die Zuschüsse Auf anderen Gebieten ist die nationalsozialistische Regierung freilich nicht so fnauserig. So wurde die Subventionierung der Luftschiffahrt, soweit sie offen ausge wiesen wird, von 39 Millionen Mark auf 68,8 Millionen Mark erhöht. Gilt es, der Industrie Geschenke zu machen, gilt es, der Aufrüstung Deutschlands zu dienen, ist dem Nationalsozialismus jeder Betrag zu niedrig, wie ihm um gekehrt bei den Arbeitslosenunterstützungen jeder Betrag zu hoch ist! Dem Dritten Reich erscheinen 13,5 Millionen Mark für das neuerrichtete Propagandaministerium des Herrn Dr. Göbbels nicht zu reichlich bemessen. Von dem Gelde, das Herr Dr. Göbbels jährlich für Bonzengehälter, Korruptionsfonds, Fackelzüge und ähnliches ausgibt, könnten mehr als fünfzigtausend erwerbslose Familien, die jezt keine Unterstützung bekommen, ein ganzes Jahr Wohl= fahrtsfürsorge beziehen! Aber an einer solchen Propaganda ist ja Herrn Hitler und seinen Ministern nicht gelegen. Sie meinen, dem Volte seien Spiele nüßlicher als Brot. Kunststückchen Obwohl der Voranschlag mit einer ganzen Reihe von Zahlen manipuliert, die vom Standpunft des Dritten Reiches außerordentlich günstig frisiert" wurden, obwohl er auf die bevorstehende Finanzkatastrophe der Gemeinden keinerlei Rücksicht nimmt, ist seine Ausbalancierung nur durch einige Kunststückchen möglich gewesen- die sich noch bitter rächen werden. Man hat unter anderm 100 Millionen lionen Mark Einnahmen aus dem Verkauf von ReichsbahnVorzugsaktien eingesetzt, obwohl noch aus dem vergangenen Haushaltjahr ein staatlicher Posten solcher Papiere unverkäuflich geblieben ist. Man hat vor allem mit einem ge= radezu verbrecherischen Leichtsinn die Tilgung der alten Schulden gestrichen. Das ist bei dem Umfang der bisherigen Schuldenlast das Zeichen eines bewußten und vorbedachten Bankrotts; das erste Nazibudget ist ein Plan sozial rücksichtsund finanziell loser brutaler verantwortungsloser Bankrotteure! Besonders in der letzten Zeit tauchten in der Hitler- Preffe über angebliche Ueberfälle auf SA.- und SS.- Leute auf. Bei der näheren Untersuchung ergab sich meist, daß diese Berichte entweder völlig aus der Luft gegriffen waren oder eine völlig falsche Darstellung des Vorfalls gaben. Wir erinnern an die vielen Fälle, in denen Republikaner von SA.- Leuten überfallen wurden, sich wehrten und dabei gelyncht bzw. furchtbar mißhandelt wurden. Die Berichte lauteten regelfurchtbar mißhandelt wurden. Die Berichte lauteten regel Der Exkronprinz zeichnet mäßig dahin, daß der Ueberfall selbstverständlich von den Republikanern ausgegangen sei, von Sozialisten oder Kommunisten, und daß die SA. halt Sieger bei diesem Zusammenstoß geblieben sei. Hitlers Methode, die Wahrheit zu fälschen, ist weit über die Grenzen Deutschlands bekannt. Teilweise werden Ueberfälle auf SA.- Leute einfach konstruiert, um die war, iegt eingestellt worden ist, da sich Anhaltspunkte für die Ermittlung des oder der Täter nicht ergeben haben". Nach den von uns fürzlich veröffentlichten Angaben „ Polizeipräsident und Hellseher" wird man sich nicht wundern, daß die Polizei die Täter nicht finden kann. niedrigsten Leidenschaften der SA.- Truppen aufzustacheln bzw. die unzufriedenen Hakenkreuztruppen abzulenten. Hitler ist jedes Mittel recht. Uns aber wirft er Greuelpropaganda vor. Totale Verblödung Zwei gemaßregelte Richter Aus Weimar wird berichtet: Der thüringische Innenminister Wächtler hat zwet richterlichen Beamten und dem Beisißer der Dienststraf fammer in Weimar die Ausübung ihres Amtes bis auf weiteres untersagt. Der Grund hierfür ist in zwei Urteilen zu finden, die die Dienst straffammer dieser Tage fällte. Sie verurteilte zwei thüringische Oberstudienräte, die sich vor einiger Zeit geweigert hatten, einen Wechselfpruch gegen den Versailler Vertrag in ihren Klassen sprechen zu lassen, zur Strafversezung beziehungsweise zu einem Verweis. Dieses Urteil, so führt der thüringische Innenminister an, wird an gesichts der in der ganzen Handlungsweise liegenden schweren Disziplinlosigkeit als zu gering empfun den. Die Strafe in dieser Form sei geradezu eine Sabo tage des neuen Straf- und ErziehungsBieles. In Deutschland werden also Richter hinausgeworfen, weil sie sich vor der Urteilsfällung nicht bei der Nazipartei erfundigt haben. Sie haben zwei thüringische Oberstudienräte verurteilt, weil sie sich weigerten, ihren Schülern das tägliche Haßgebet gegen den Erbfeind beizubringen aber das Urteil war den wahnwißigen Verderbern des deutschen Volkes zu mild. Wer die Schulkinder nicht mit allen Mitteln verheßt, ist in ihren Augen ein ,, Saboteur des neuen Straf- und Erziehungszieles". So führt der totale Staat zu totaler Verblödung und zu totalem Untergang in Barbarei. Mord Hanussen Die Polizei findet nichts Als letzten Abschluß der Ermordung des„ Hellsehers" Hanussen teilt das„ Berliner Tageblatt"( 1. 7.) mit, daß„ bas geführte Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt", das nach der Auffindung des ermordeten Hanussen eingeleitet worden Die Bleistiftzeichnung, benannt„ Der Postbote von Wieringen", wurde vom Kronprinzen während seines Erils in Holland gezeichnet und ist jetzt auf einer Auktion im Haag versteigert worden. Das Bildchen ist gar nicht übel gemacht. Mit dieser Begabung hätte sich der Hohenzoller auf ehrliche Weise ein bescheidenes Brot verdienen können. Soldatenspielen war allerdings für ihn lohnender, für die Opfer seines Feldherrnfimmels, die vor Verdun begraben liegen, war seine Striegsspielerei aber der Tod. Den Abonnementsbetrag für Einzelabonnenten zuzüglich der Portospesen für den laufenden Monat werden wir jeweils am Anfang des Liefermonats, dem Wunsche der meisten Leser entsprechend, durch Nachnahme erheben. Wir bitten, diese bei Vorzeigen sofort einzulösen, um unnütze Unkosten zu ersparen Verlag ,, Deutsche Freiheit" Das einzige Ergebnis von London Rußlands Triumph über Hitler- Deutschland Russisch- englische Verständigung, osteuropäische Nichtangriffspolitik und Hitler- Deutschlands Einkreisung London ist in den letzten Tagen und Wochen nicht allein der Schauplatz der Weltwirtschaftsfonferenz gewesen, dort hat sich in dieser Zeit auch der jüngste Abschnitt des weltpolitisch sehr wichtigen Kampfes um Osteuropa abgespielt. Die Sowjetunion, England und das Hitler- Deutsch= land sind die Teilnehmer dieses Streites gewesen, und auf diesem Londoner Kampfplay hat sich die Hitler- Diplomatie thre jüngste Niederlage geholt. In London hat Rosenberg um die Gunst Englands geworben, um einen deutsch- englischen Block gegen die Sowjetunion asfzurichten. In London hat Hugenberg sein antirusfisches Memorandum mit offenem Aufruf zum Intervention ldzug gegen die Sowjetunion veröffentlicht. Aber in London ist es auch zu einer Verständigung zwischen England und der Sowjetunion ges kommen und ebenso in London hat die Sowjetunion mit ihren sämtlichen Nachbarn von Afghanistan bis Finnland und Rumänien eine Verständigung über die Nichtangriffspolitik erzielt. Alle diese Ereignisse sind Glieder einer und derselben Rette. Eine der ersten Taten der Hitlerschen Außenpolitik war der Versuch, die antirussische Aktion einzuleiten. Rosenberg ging nach London, um von der russisch- englischen Spannung zu profitieren. Aus eigener Kraft kann der deutsche Faschismus nicht viel gegen die Sowjetunion unternehmen, dagegen im Auftrage Englands und im Bündnis mit ihm kann er die Sowjetunion sehr ernstlich bedrohen. Die englisch- russische Spannung ist deshalb eine ebenso wichtige Voraussetzung der antirussischen Politik des deutschen Faschismus wie das deutsch- englische Bündnis. Der deutsche Faschismus glaubte, daß der Konflikt um die in Moskau verhafteten und abgeurteilten englischen Ingenieure eine englisch- deutsche Annäherung mit der Spiße gegen Rußland erleichtern wird. Die Sowjetunion war seiner Zeit im April so unvorsichtig, daß sie den Konflikt mit England eben zu jener Zeit veranlaßte, in der Hitler- Rosenbergs antirussisches Spiel sichtbar wurde und mit sehr gefährlichen Konsequenzen drohte. Im Mai hatte die Sowjetunion nicht allein die deutschen Faschisten, sondern auch die englischen Konservativen gegen sich, und es war die ganze Plumpheit Rosenbergs notwendig, um diese günstige Situation nicht auszunüßen und selbst die englische Rechte von sich abzustoßen. Diese gefährliche Situation ist für die Außenpolitik der Sowjetunion zu einer ernsten Warnung geworden. Seit jener. Zeit leiden die Sowjetpresse und die Sowjetdiplomatie Widersprüche Der ,, ausgerottete" Marxismus Berlin, 8. Juli. Während die Hitler- Propagandisten nicht müde werden zu posaunen, es gebe im Dritten Reich nur noch" Deutsche", haben die verschiedenen Polizeien im Reich alle Hände voll zu tun, um zu versuchen, den Antifaschisten beizukommen. Eine amtliche Meldung aus Redlinghausen besagt, daß gestern dort acht kommunistische Funktionäre verhaftet worden seien, die in großen Mengen die Junge Garde", fommunistisches Jugendorgan, breiteten," lautet wörtlich der Polizeibericht. Die Logik will nun, daß große Mengen marxistischer Literatur nur dort verbreitet werden können, wo auch große Mengen von Abnehmern bestehen. Die Geschichte mit dem„ ausgerotteten Marrismus“ ist also Essig! unter dem Alpdruck der deutsch- englischen Koalitionsmöglichfeit gegen Rußland. Deshalb verfolgt die Sowjetunion mit größter Unruhe alle Anfäße irgendeiner deutsch- englischen Annäherung, alle Möglichkeiten, bei denen die antirussischen Pläne der englischen Konservativen und der deutschen Faschisten in Einklang kommen können. Aus diesem Grunde hat die Sowjetregierung auch den Viererpatt selbst in seiner legten verwässerten Form leidenschaftlich bekämpft, weil sie gegen jede Art des Blocks der europäischen Großmächte ist, in dem die englisch- deutsche Zusammenarbeit sich zu einem englisch- deutschen Blocke gegen die Sowjetunion verdichten fann. Das tolle Hugenberg- Memorandum, das Kolonisationsgebiete in Rußland für Deutschland verlangte, hatte diese Unruhe noch weiter gesteigert. Daß das Hitler- Regime be= reits einen Monat nach der provokatorischen Mission Rosenbergs in London dasselbe Spiel wiederholte, hat in Moskau besonders empörend gewirkt. Radek schrieb, daß die Bombe in den Händen eines Wahnsinnigen viel unheil anstiften fann, und die Prawda" griff zu einer direkten Kriegsdrohung, indem sie erklärte, daß infolge eines deutschen Interventionsversuchs mächtige Stücke des deutschen Gebiets in russische Hände gelangen können. Das Toben der deutschen Außenpolitik hat die Sowjetunion zu raschen Entschlüssen gedrängt. Es hat sich erwiesen, daß die Verlängerung des Friedens- und Freundschaftsvertrages mit Hitler für Sowjetrußland völlig wertlos war. Sie hat der Sowjetunion gar feine Garantien gegeben, dagegen das Hitler- Deutschland vom Osten' her entlastet und zu neuen Abenteuern ermuntert. So ist die Sowjetunion vor die Frage gestellt worden: wie kann die antirussische Politik Hitler- Rosenbergs unschädlich gemacht werden? Die Antwort lautete: durch eine rasche Verständigung mit England. Litwinow hat nunmehr alles daran gesetzt, den englisch- russischen Konflikt aus der Welt zu schaffen. Die englischen Ingenieure wurden aus der Haft entlassen, die ruffische Einfuhr nach England ist freigegeben worden. Die starke antideutsche Strömung in der englischen Außenpolitif, die Stimmung der englischen öffentlichen Meinung gegen die Außen- und Innenpolitik Hitlers, der Haß der englischen Arbeiterschaft gegen den deutschen Fa schismus all das ist Litwinow bei seiner Verständigungsarbeit zugute gekommen. So ist Rosenbergs antirussischer Trumpf ihm aus der Hand geschlagen worden. Aber die Sowjetunion wollte sich angesichts der Unftetiafeit der englischen Politik und der ununterbrochenen BeWas Kriege Kosten Die reinen Kriegskosten betrugen zirka 782 Milliarden Mart. Es fostete demnach runb 71 000 Mart, einen Mens schen umzubringen. Durch den Krieg wurden allein in schen umzubringen. Durch den Krieg wurden allein in Frankreich zerstört: 741 888 Häuser, 2300 Industriebetriebe, 37 Millionen Hektar Land, 90 Prozent der Eisenproduktion, 33 Prozent der Kohlenproduktion, 94 Prozent der Wollproduktion, 70 Prozent der Zuckerproduktion. Insgesamt gingen nach amerikanischen Berechnungen an wirtschaftlichen Werten für 400 Milliarden Dollar oder 1680 drohung durch Hitler noch von einer anderen Seite her sichern. Sie war bestrebt, die Sache des Friedens an ihren Grenzen noch weiter zu befestigen. So ist die Nichtangriffsbestimmung durch die um die Sowjetunion liegenden acht Länder Europas und Asiens zustandege= tommen, die jede Interventionsmöglichkeit von vorns herein ausschließen und ächten will. Unmittelbar danach tam die ähnliche Verständigung mit der Kleinen Entente. Auch hier hat der Vorstoß Hugenbergs das Gegenteil von seinen Absichten erwist. Allen kolonisatorischen Hirngespinsten der deutschen Faschisten zum Troß erweist sich heute Osteuropa als ein sehr widerstandsfähiges und stabiles Gebilde. Die Kleine Entente erwägt die Möglichkeit der for mellen Anerkennung Sowjetrußlands und Rumänien schließt mit der Sowjetunion nach 15 Jahren vertragsloser und feindlicher Zustände den Frieden. Die beffarabische Frage, die noch vor kurzem ein Krisenherd ersten Ranges war, wird durch den Angriffsverzicht Rußlands geschlichtet, und Titulesku, der noch vor wenigen Monaten den Abschluß des russisch- rumänischen Nichtangriffspattes hintertrieb und auch verhinderte, tritt jest in London als treuer Partner der Sowjetunion auf. Hitler und Gombös scheinen ihm heute viel gefährlicher zu sein als Litwinow. Als Ergebnis der Hitlerschen Provokationen werden jeßt in Osteuropa Gräben geschlossen, die noch vor kurzem Länder und Nationen trennten. Die Sicherheitszone um die Sowjetunion liegt heute von Helsingfors bis Bukarest und von Kabul bis nach Prag. Die Sowjetunion erreicht heute, daß ihre unmittelbaren Nachbarn unter feinen Umständen als Aufmarschplaz gegen fie mißbraucht werden können, sons dern als Schußkordon um fie liegen. Diese unbestreitbaren Erfolge, die die Sowjetunion in London erzielt hat, bleiben indessen nur außenpolitische Erfolge defensiver Art ohne große historische Perspektive. Die Sowjetunion wird erst dann die nationale Beschränktheit ihrer Außenpolitik überwinden können, wenn sie ihre Macht in die internationale antifaschistische Front eingliedert und die Politik der internationalen proleta= rischen Einheit einleiten wird. Erst dann wird die Außenpolitik der Sowjetunion zu einem mächtigen Instru ment im Kampfe um das sozialistische Europa werden und erst dann wird Litwinow seinen endgültigen Sieg über Rosenberg erfechten tönnen. Milliarden Mark burch Sachwertzerstörung und Produts tionsausfall verloren. hiermit tönnte man jeder Familie in Deutschland, Desterreich, Rußland, Belgien, Frankreich, England, in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien ein Hau& bauen im Werte von 10 000 Mart, mit einer Wohnungss einrichtung für 4000 Mart und mit einem Garten für 2000 Mart, und von der übrigbleibenden Summe fönnte in jeder Stadt von 20 000 Einwohnern erbaut werden: Eine Riesens bibliothek im eigenen Gebäude, ein Krankenhaus und Pflegeheim und Altersheim mit Einrichtung sowie höhere Lehranstalten mit freiem Schulbesuch. Bekanntlich aber ist es beffer, die„ Wehrfähigkeit" eines Voltes für die Inter: effen der Nüftungsindustrie zu erhalten. Diebe Da saß er nun und plärrte, der Kleine. Er hatte gestohlen, war ertappt worden und wurde nun hier festgehalten. Er sah, daß es da feinen Ausweg gab, und jedesmal, wenn er sich es sagte, wurde sein Geplärr lauter und zugleich bitterlicher. Diese umfangreiche Bretterbude auf dem städtischen Markt war der größte Verkaufsstand für Obst und dieser kleine Verschlag in einer Ecke der Bude war das Kontor des Obstgroßhändlers. Der Mann hatte den Jungen eigenhändig erwischt und in dem Verschlag eingesperrt. Vorläufig, am Nachmittag, hatte der Mann noch mit der Ablieferung an die kleineren Händler zu tun, dann aber, nach Betriebsschluß, würde er dann den kleinen der Polizei übergeben. Das hatte er mit so viel Kälte und so unbedrohlich erklärt, daß der Junge um so fester daran glaubte. Und die Tür des Verschlages war versperrt und wurde jedesmal, nachdem der Großhändler an seinem Schreibtisch eine Notiz gemacht hatte und wieder aus dem Raum gegangen war, sorgfältig verschlossen. Das einzige Fenster des Raumes aber war vergittert. Der Kleine war auf einen Stuhl neben dem Schreibtisch geklettert und saß hier mit hochgezogenen Beinen, gekrümmtem Rücken und hängendem Kopf. Er war barfuß, seine Knie verschmutzt, auf seinen fleinen Zehen lagen Krusten von Straßenstaub, seine Hose war zerschlissen und über einem gestreiften Trikotleibchen trug er eine verwaschene, von allen Wettern gebleichte Leinenjacke. Draußen stand die Sonne eines späten Sommertages, und wenn der Junge den Kopf hob und mit immer neuer Fassungslosigkeit nach dem Gitter des Fensters blickte, fielen die Strahlen auf sein ungeschorenes helles Haar und spielten warm über seine schmalen, von Tränen, Fett und Schmuh glänzenden Wangen. Im Raume roch es nach den Früchten, die die Bude umschloß, und nach dem Holz, aus dem sie gemacht war, ein wunderbarer, zum Essen und Träumen reizender Geruch, wie in einem gut gehaltenen Obstgarten, über dem die Vögel durch das Blau der Freiheit segeln und die Wolken nach den fernsten Ländern ziehen. Der Großhändler hatte eine helle, harte Stimme, und wenn er an dem Telefon, das neben dem vergitterten Fenster angebracht war, seine gemessenen Aufträge nach den Bahnhöfen gab, vermeinte der Kleine ihn auch schon sagen zu hören:„ Und das ist der Dieb, Herr Kommissar. Er hat Pflaumen aus dem Korb gestohlen. Und jetzt nehmen Sie ihn mit und sperren ihn ein." den Der Mann beachtete bei seinen Telefongesprächen Jungen zwar faum, aber schon seine Stimme machte bange. Und nun, da auch vor den flehentlichsten Blicken die Tür immer wieder verschlossen wurde, was wollte man nun anders erwarten, als solch ein Gespräch des Obstgroßhändlers mit dem Herrn Kommissar? Erst nach einiger Zeit empfand der Kleine in seinem Winkel eine geringe Erleichterung, da statt des Händlers eine junge Frau den Verschlag betrat und sich dem Schreibtisch näherte. Sie war hochgewachsen, mit breiten Schultern und Hüften, ihr dunkles Haar tam in kleinen Locken unter einem bunten Kopftuch hervor, eine helle Bluse legte sich eng um ihre starte Brust und ein blauer weiter Kattunrod reichte ihr fast bis an die Knöchel. Sie hätte wie eine Bäuerin ausgesehen, wäre in ihrem Gesicht nicht die fahle Farbe des Städters gewesen und in ihren Augen die große Müdigkeit des schwer arbeitenden Menschen der Stadt. Die Frau legte nur einen Zettel auf den Schreibtisch und streifte den Jungen mit einem Blick. Da der Kleine nicht mehr weinte und sich das Gesicht mit dem Aermel seiner Jacke getrocknet hatte, mußte sie seine verzweifelte Lage nicht erkennen und konnte ihn für einen Boten von einem der Krämer nehmen, der von dem Großhändler einen Bescheid erbitten ließ. Sie sprach ihn nicht an und ging hinaus. Und der Kleine senkte den Kopf, heulte wieder, mit der ganzen Erleichterung war es nun vorbei, und draußen, über dem Markt, spannte sich das Blau des Himmels und der Freiheit geradeso wie etwa über einem großen Obstgarten und ebenso vergeblich wie vorhin. Nach einer Weile erst, da die Frau wieberkam und der Kleine in sein Weinen ganz versunken war, machte sie sich nicht nur beim Schreibtisch, sondern auch um ihn zu schaffen, und nun stellte sich so etwas wie Hoffnung ein. Die Frau fragte nicht viel, ihr Gesicht war breit und freundlich, und der Kleine antwortete ohne Angst. Er hatte seine Tränen hinuntergeschluckt und blickte ihr in die Augen. Sie lächelte ihn an, und selbst eine kleine wehmütige Bitterfeit in ihrem Gesicht erschreckte ihn nicht, sondern machte ihm Mut.„ Er hätte Hunger gehabt", sagte er schließlich, um alles zu erklären, und sie neigte sich noch tiefer zu ihm nieder und wiederholte: Ja, ich weiß schon, Hunger hast du gehabt." Aber dann ſegte sie nachdenklich hinzu:„ Stehlen darfst du aber doch nicht." Dazu nickte er und gleichzeitig hörte er sie sagen: Stehlen darf man eben nie. War man einmal eingesperrt, so fommt man nie wieder hoch." Aber das verstand er wohl faum oder hatte es gar nicht gehört. Er sah sie gespannt an und fragte:" Darf ich ießt gehen?" " Warte", saate sie und richtete sich aus. Ich will sehen, wo der Chef ist." Damit ging jie. Und nun gab es eine wause you wan tung und Angst. Sie war nicht gerade kurz und wurde ab geschlossen von einem Knacken im Schloß der Tür. Gleich darauf bewegte sich der Türflügel und ein Spalt blieb offen. Der Kleine schlüpfte durch die Deffnung und erreichte mit ein paar lautlosen Säßen den Ausgang der Bude. Dort sah er die Frau mit ein paar andern Markthelferinnen an Obstförben hantieren. Sie legte die Finger an die Lippen und nickte ihm zu und lächelte. Dann sab sie ihn rennen, daß jeine kleine Leinenjacke wild um seine Schultern flatterte. Er rannte quer über den Markt, erreichte die äußersten Buden, überquerte einen Fahrdamm und war dann in einer Seitengasse verschwunden, Der Chef fam erst am Abend wieder in die Bude und ermittelte die Frau als Helferin des Davongelaufenen bald. Darauf erklärte er ihr mit seiner hellen harten Stimme, daß sie entlassen sei, weil er sich von seinen Markthelfern nicht an der Nase herumführen laffe. Der Verschlag bleibt versperrt, das habe ich deutlich genug gesagt", meinte er. Und wenn so ein Bub stiehlt, dann soll er auch bestraft werden." Die Frau glaubte an den Ernst der Sache nicht gleich. Sie stand vor dem Chef in dem kleinen Verschlag, dicht neben dem Stuhl, auf dem der Junge gesessen war. Sie wollte sich erklären, und da Erklärungen nicht angenommen wurden, wollte sie bitten. Dabei blickte sie nicht den Chef an, sondern nach dem vergitterten Fenster hin, an dem auch der Blick des Kleinen gehangen hatte, und die paar unbeholfenen. Worte, die sie fand, fonnten eine Bitte für sie selbst so gut wie für den kleinen Uebeltäter sein. Aber sie verhallten nuplos im Raum, sie verflatterten durch das Gitter des Fensters zu der Stille des Abends hin, und wer nun einmal aus triftigem Grunde entlassen war, tat wohl am besten, ohne viel Worte in die Düsternis dieser späten Stunde hinauszugehen und nicht mehr hinter sich zu blicken. Ehe die Frau ging, übergab ihr der Chef einen Zettel, auf dem der Lohn der letzten Tage verrechnet war. Als Taglöhnerin, die nur aushilfsweise eingestellt war, wurde sie ohne bezahlte Kündigungsfrist entlassen, und da sie auch den Lohn schon als Vorschuß erhalten hatte, bekam sie nichts auf die Hand. Den Lohnzettel faltete sie zusammen, steckte das Papierchen in ein Fach ihrer Börse, und das war nun neben einem Knopf, einem kleinen Schlüssel, einer Tramwayfarte und einer Sicherheitsnadel der ganze Inhalt des ledernen Dinges. Als die Frau über den Markt nach Hause ging, wurden die Buden eben geschlossen. Sie ging zögernd mit schleifenden Schritten und hielt den Kopf gesenkt. Nur einmal blickte sie auf und sah nach der Seitengasse hin, in der der Kleine verschwunden war. Aber da zuckte sie die Achseln, als ginge sie das alles nichts mehr an. Nach einer Weile, da sie stehenblieb, glaubte sie wieder die letzten Worte zu hören, die sie dem Chef gesagt hatte: ,, So kann ich doch nicht zu den Kindern nach Hause kommen mit leeren Händen." Dabei schüttelte sie den Kopf und ( flüsterte es jetzt wieder vor sich hin:„ mit leeren Händen". Im Weitergehen hob sie den Blick nicht vom Boden, als dente sie angestrengt nach, ihr Schritt wurde wieder langsam, dann noch schleppender, und als sie an einer Reihe fleinerer, mit Obst gefüllter Henkelkörbe vor einer der lezten Buden angelangt war, stand sie still. Sie richtete sich erschrocken auf. Sie sah, daß die Leute der Bude ziemlich weit abseits an einem Lastautomobil mit Verladen beschäf tigt waren. Sie fah, daß es im Umkreis sonst keinen Men schen gab Ein Schußmann in großer Entfernung wandte ihr den Rücken zu, zählte also jezt nicht mit. Da blickte sie noch einmal rasch nach der Seitengasse, die den Jungen aufgenommen hatte, nachher noch rund um sich, dann neigte sie sich mit einem Ruck vor und griff zu. DAS BUNTE BLATT Wie klingt des Teufels Stimme? Der Londoner Rundfunk sucht unter seinen Hörern einen Mann, der in einem geplanten Hörspiel die Stimme des Teufels sprechen soll. Bisher hat sich kein geeigneter Mann gefunden. Es kamen sehr seltsame Angebote. Und vor allem sehr, sehr viele. Der Regisseur war gewissenhaft und prüfte sie alle. Gerade als ein älterer Industriearbeiter seine Fähigkeit, den Teufel zu sprechen, unter Beweis stellen wollte, ließ sich der Generaldirektor des Petroleumskonzerns Sir Moneyson melden. Der Regisseur ließ den Arbeiter warten und empfing Sir Moneyson recht aufgeregt. So hoher Besuch, und wie sollte man sich benehmen und was wollte der Milliardär eigentlich, hatte man bei irgendeiner Sendung die Delinteressen geschädigt? Aber Sir Moneyson, ein Mann in den besten Jahren, von stattlicher, voluminöser Figur, in tadellosem, aber nicht übermäßig eleganten Anzug, umweht vom ganz leisen, herben Geruch eines teuren Parfüms- Sir Moneyson lächlte über sein ganzes freundliches Magnatengesicht: er wollte also nichts Böses. " Was führt Sie zu mir?" fragte der Regisseur, devot dienernd. Sir Moneyson war beinahe ein bißchen verlegen.„ Tja, hm. Sie suchen doch jemanden, der den Teufel sprechen soll, ich wollte, ich bitte, Sie wissen ja, jeder von uns hegt so einen Traum, einen Wunschtraum. Der meine ist immer gewesen. Theater zu spielen, zu rezitieren, wissen Sie. Tja. Angesichts meiner gesellschaftlichen Stellung kann ich natürlich nicht auf irgendeiner Bühne auftreten. Aber im Rundfunk, wo feiner mich sieht, keiner mich kennt. Also, ich möchte mich um die Aufgabe bewerben." Der Regisseur brauchte eine lange Zeit, um sich von seiner Ueberraschung zu erholen. Dieser Industriefapitän, dieser gewandteste Ausnüßer jeder wirtschaftlichen Lage, der eben erst einen raffiniert geführten Kampf um eine Lohnsenkung gegen die streifenden Arbeiter gewonnen hatte und damit noch um ein paar Millionen schwerer geworden war, dieser reiche, stattliche, freundliche Elegant wollte hier für ein paar Minuten den Teufel sprechen das war der Traum seines Lebens! „ Herr Generaldirektor," sagte der Regisseur endlich,„ es ist reizend von Ihnen, daß Sie auch der Kunst Ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Sehr gern will ich Sie beschäftigen, es soll mir eine Ehre sein, selbstverständlich- aber gerade den Teufel, Herr Generaldirektor? Sie haben ein sehr schönes, weiches und doch kräftiges, gepflegtes und auffallend warmes, ja herzlich klingendes Organ- und gerade das scheint mir unteuflisch zu sein. Vielleicht ein andermal, als Erzengel, als Held oder so... " Nun ja," meinte Sir Moneyson etwas bedrückt,„ Sie haben wahrscheinlich recht. Also vielleicht höre ich einmal von Ihnen!" Und er ging. Der Regisseur schüttelt noch eine Weile den Kopf. Dann ließ er den Arbeiter vorsprechen. Dieser Arbeiter war an einer Maschine in einem der Moneysonschen Betriebe beschäf= tigt, seit mehr als dreißig Jahren. Von den heißen Deldämpfen hatte der eine rauhe, hustende, halberstickte Stimme bekommen, grau, drohend, dumps und doch schreiend laut, er mußte ja die Räder übertönen im Betrieb taum menschlich noch. Der Regisseur engagierte ihn sofort:„ Das ist die Stimme des Teufels! Wahrhaftig, das ist recht, das ist teuflisch, mein Herr." Der Arbeiter ging nach Hause, in die schmutzige Elendsbaracke von Eastend, und küßte vor Glück seine verwelkte Frau und seine blassen Kinder. Abends im Klub aber sagte Sir Moneyson zu seinem Freund und Standesgenossen, dem Leiter der RüstungsFreund und Standesgenossen, dem Leiter der Rüstungsindustrie, Sir Armerong: „ Wissen Sir, Armerong, heute zum erstenmal habe ich begriffen, warum wir soviel Erfolg haben im Leben. Weil wir gut aussehen, vertrauenerweckend, gütig, eine weiche, freundliche Stimme haben. Wir wirken wie Engel. Dabei sind wir doch, wie die Sache nun einmal liegt, die Teufel der Menschheit. Solange aber die Menschen glauben, daß der Böse hinken müsse und ärmlich gekleidet ist und nicht gut riecht und eine heisere, häßliche Stimme hat- 50= lange haben wir Teufel nichts zu fürchten!" Er lachte wohltuend und sagte lässig und sanft:„ Uebrigens, Armerong, wollen Sie nicht auch in Ihrem Betrieb die Löhne ein bißchen abbauen? Auf meine Hilfe können Sie rechnen!" Die Aufführung des Hörspiels Der Teufel" wurde ein großer Erfolg. So," schrieben Tausende von Händen in be= geisterten Briefen, ganz genau so haben wir uns die Stimme des Teufels immer vorgestellt!" Prometheus mit der Zigarette Von Erich Hammer Steht neulich ein Herr an der Haltestelle Uhlandstraße und scheint, wenn nicht alles täuscht, auf die Elektrische zu warten. Es ist, das muß gesagt werden, ein gutaussehender Herr, höchstens dreißig; in der einen Hand hält er ein Paar helle Glaces, in der andern eine brennende Zigarette. Kommt ein junger Mann auf ihn zu, zieht höflich den Hut und sagt:„ Sie verzeihen, darf ich vielleicht um Feuer bitten?" " Nein, tut mir leid," gibt der gutaussehende Herr zur Antwort, aber er sagt es keineswegs unhöflich und zieht auch seinerseits grüßend den Hut. Der andere kann das natürlich nicht begreifen und macht, leicht brummend, kehrt. Es halten mehrere Straßenbahnen, fahren weiter, der gutaussehende Herr wartet noch immer. Wieder tritt jemand an ihn heran, diesmal ein älterer Herr, zieht höflich den Hut und bittet um Feuer. Wieder wird er höchst zuvorkommend abgewiesen, wieder macht der andere achselzuckend kehrt. Das wiederholt sich noch ein drittes Mal. Sutziehen, Bitte, Ablehnung, alles in forrett gesellschaftlichen Formen, mit tadellosen Manieren. Dann steigt der gutaussehende Herr in einen Wagen der Linie 76. Vorher aber hat er die brennende Zigarette fortgeworfen( weil man doch im Triebwagen der Elektrischen nicht rauchen darf), und das Feuer so sorgfältig ausgetreten, als habe er Angst, es könne sich sonst jemand daran vergreifen. Die drei Männer, die bittend an Fettgewinnung ihn herangetreten waren, stehen noch an der Haltestelle. Jeder hält eine falte Zigarette in der Hand, sie lächeln einander an und man weiß nicht recht, ob dies Lächeln Verachtung oder Ueberlegenheit bedeuten soll. Sie sprechen kein Wort miteinander, sie gründen keinen Zweckverband gegen unfreundliche Zigarettenraucher, sie sind stumme Kameraden ohne Feuer. Jeder steigt auf seine Bahn, die Szene an der Haltestelle ist zu Ende. Wer unbedingt will, fann sich darüber allerhand Gedanken machen, vor allem über den gutaussehenden Herrn, der sein Feuer für sich behalten wollte. Kurios genug ist die Szene jedenfalls gewesen, und wer Lust und Phantasie hat, könnte sich zur Not einreden, er habe Prometheus persönlich gesehen, einen neuen Prometheus, der etwas von dem Schaden wiedergutmachen will, den sein Namensvetter einst angerichtet hat. Bielleicht hat an der Haltestelle Uhlandstraße der uneigen nützigste Philantrop gestanden, der das Zitat von des Feuers wohltätiger Macht nach besten Kräften ins Leben überträgt. Er bewacht das Feuer, das jener andere Prometheus brachte, und wenns auch nur das Feuer der eigenen Zigarette ist, und wenns auch nur um das bescheidene Ziel ging, die Lungen dreier Menschen für einige Minuten vom lästigen Qualm zu befreien. Der Mann hat jedenfalls getan, was er konnte. Und kein Zeus wird es wagen, ihn an einen Felsen zu schmieden. deutender Ohrenarzt, Dr. Karl Mailand aus Kopenhagen, daß das künstliche Trommelfell an sich nichts Neues ist, daß aber die Anwendung von Zellofan eine überaus aussichtsreiche Neuerung darstellt. Bellofan ist eine Formalinverbin dung, eine dünne durchsichtige Papierart, wie man sie bisher für Packungen von Schokolade, Papierservietten und anderen Dingen, die hygienisch gepackt sein müssen, verwendet. aus Schimmelpilzen Den Schimmelpilz sieht man im allgemeinen als einen Schädling an, und dennoch muß man ihm einen gewissen Nußen zuerkennen. Die amerikanischen Wissenschaftler Dr. Ward und Dr. Lodwood haben bei Experimenten nachgewiesen, daß Schimmelpilze, wenn man sie auf bestimmten Nährböden aufzieht, einen hohen Fettgehalt bekommen. Man stellte bis zu 43 Prozent in der Trockenmasse fest. Die Fettabsonderung kann man auch in Form eines rötlichen Humor Dels gewinnen, das einen dem Nußaroma ähnlichen Geruch aufweist. Schon in nächster Zeit will man versuchen, dieses " Schimmelfett" industriell zu verwerten. Künstliche Frommeffelle Schwedischer Arxt macht Gaube wieder fiörend Wenn Sie eine Schreibmaschine bei mir faufen, dann nehme ich Ihre alte Maschine in Zahlung." Ich habe gar keine alte Maschine." „ Nun, die kann ich Ihnen auch besorgen." " Du, Mama, ich möchte auch' n Bräutigam haben!" Aber, Dummchen, du bist doch noch viel zu flein, um zu wissen, was das ist!" Doch, Mama, das weiß ich! Das ist der Mann, den man Kleinstadtpolizei Stimme am Telefon: Bitter, Herr Kommissar, senden Sie schnell einen Beamten mit Polizeihund. Bei mir wurde eingebrochen. Auf dem soeben abgeschlossenen Kongreß der Ohren-, Halsund Nasenärzte in Oslo demonstrierte der bekannte Stod holmer Arzt Dr. W. Nasie II ein fünstliches Trommelfell, bei einer Hochzeit braucht!" das die bisher beste Lösung dieses nun bald dreihundert Jahre alten technischen Problems darstellt. Viele Fälle von Fehlen des Trommelselles zurückzuführen. Dr. Nasiell beabsichtigt nun, im Laufe von kurzer Zeit diesen an Taubheit Leidenden ihr Hörvermögen ohne die geringsten förperlichen Unannehmlichkeiten zurückzugeben. Die Prothese, die in das Dhr eingesetzt wird, besteht aus Zellenfan. Sie ist 3weihundertstelmillimeter did und damit dünner als das natürliche Trommelfell. Die Prothese wiegt zwei bis drei Milligramm, ist durchsichtig und wird an die betreffende Stelle angeklebt. In einem Interview erklärt ein anderer be- bekommen? Kommissar: Bedaure. Unsere beiden Polizeihunde sind wegen gemeinsamen Fleischdiebstahls bis zur Erledigung des Disziplinarverfahrens vom Dienste enthoben worden. Ordnungssinn Bater: Warum haft du in Geograpbie ein Nichtgenügend Mary und Douglas lassen sich scheiden Die Ehen der Filmstare sind ein Kapitel für sich, nicht immer ein restlos erfreuliches. Aber es gab eine, die allgemein als Musterehe gepriesen wurde, Douglas Fairbanks und Mary Pickford. Zwar waren beide Partner, als sie 1920 aufs Standesamt gingen, schon einmal verheiratet gewesen. Aber ihr Verhältnis hatte den Anschein der ersten und einzigen großen Liebe. Ihre Hochzeitsreise nach der alten Welt war ein großer Triumphzug und man konnte sich seither den einen Namen nicht ohne den anderen denken. Das Paar baute sich in Hollywood die Villa Pickfair", ein Name, der sich ausnimmt wie die verschlungenen Initialen in einer Verlobungsanzeige, und wenn Doug und Mary Tischgäste hatten, pflegten sie immer nebeneinander zu sitzen, entgegen der herrschenden Konvention. An Bällen wollte Mary nur mit Doug tanzen. Aber nun ist der Zauber verschwunden. Die Villa, Pickfair" wird verkauft. Doug, der Abenteurer, der wie Robert der Teufel und Richard Löwenherz mit Zähnen zur Welt kam, zieht auf neuen Raub aus, und Mary, die von der Wiege an immer gelächelt hat, das Sweetheart( Schäßchen) aller Amerikaner, sie lächelt weniger und denkt nach über die Vergänglichkeit von Glück und Liebe. * Die Meldung aus Hollywood, wonach das Ehepaar Douglas Fairbank und Mary Pickford beschlossen habe, sich nach 18jähriger Ehe zu trennen, wurde heute von dem in England weilenden Douglas Fairbank bestätigt. Wie der Filmschauspieler hinzufügte, sei eine Scheidung vorerst noch nicht in Aussicht genommen. Wenn sie erfolgen sollte, dürfte fie wegen„ Unvereinbarfeit der gegenseitigen Temperamente" beantragt werden. Die englischien Freimaurer gefin mit der Zeit Man spricht und schreibt heute viel von der Freimaureret, die am Weltkrieg und dem nachfolgenden Schlamassel im Verein mit den Juden schuld sein soll. Ob man der alten Geheimgesellschaft mit solchen mindestens sehr gewagten Behauptungen nicht viel zu viel Ehre antut? Bezeichnender für die Harmlosigkeit der Freimaurer ist vielleicht die Nachricht, die durch die englische Presse ging, daß die von König Eduard VII. einst für die gesamte englische Freimaureret eingeführte Bestimmung, daß die Freimaurer bei ihren Anlässen schwarze Westen tragen müssen, nun aufgehoben wird. Der jetzige Großmeister, Herzog von Connaught hat nämlich nach langen Beratungen eingewilligt, daß statt den schwarzen künftig nur noch weiße Gilets getragen werden. Dies sei moderner. Die Hauptursache ist, daß die weißen Westen sauber bleiben, dann kann sicher niemand ihren Träger ernsthafte Vorwürfe machen. Ein Goldschatz in Utrecfit gefunden Bei Ausschachtungsarbeiten, die zur Zeit in Utrecht auf historischer Stätte, auf dem Platz vor dem altehrwürdigen Dom, dem Wahrzeichen der Stadt, vorgenommen werden, hat man eine fulturhistorisch äußerst wertvolle Entdeckung gemacht. Man hat einen Goldschatz ausgegraben, der aus 50 schweren römischen Münzen besteht, deren Goldgehalt allein schon einen Handelswert von etwa 5000 Franken hat. Diese Münzen, die einen Durchmesser von etwa zwei Zentimeter und ein Gewicht von ungefähr 7 Gramm haben, weisen fast alle Bildnisse römischer Kaiser auf. Auf einer Münze befindet sich Augustus, vier andere zeigen Tiberius, sieben andere Claudius( 51 bis 54 n. Chr.) und nicht weniger als 36 Nero( 54 bis 68 n. Chr.). Die restlichen beiden Münzen stellen für Gallien im Jahre 68 n. Chr. geschlagene Geldstücke dar. Auf ihnen befindet sich fein Kaiserbildnis. Alle diese Münzen wurden in Brandüberresten einer Baracke aufgefunden, die zu dem alten römischen Heerlager gehörte, das den Anstoß zur Begründung der heutigen Stadt Utrecht gab. Die Münzen sind vermutlich verloren gegangen, als im Jahre 70 n. Chr. die Stüßpunkte der römischen Legionen während des Aufstandes der Bataver größtenteils in Flammen aufgingen. Dieser Münzenfund soll in Rürze im Utrechter Zentralmuseum zur Besichtigung freigegeben werden. Bereits in früheren Jahren wurden in Utrecht vereinzelt Funde gemacht, die aus der Römerzeit herstammten. Sohn: Ich wußte nicht, wo die Anden liegen Vater: Nächstesmal paß halt besser auf deine Sachen auf und sei nicht so schlampig...! Frechdachs Richter: Sind Sie vorbestraft? Dieb: Ja, vierzehnmal. Richter: Wissen Sie, daß die Strafe hiedurch schwerer aus. fällt? Dieb: Wenn es gerecht zuginge, müßte ich doch eigentlich Rabatt bekommen? Aus dem Programm einer landwirtschaftlichen Ausstellung 10 Uhr: Eintreffen des Horn: und Borstenviehs. 11 Uhr: Eintreffen der Ehrengäste. 12 Uhr: Gemeinsames Mittagessen. Ein Jdealift Der Jungverheiratete: Klara! Hier schwimmt eines deiner herrlichen platinblonden Haare in der Tomatensoße..! Der Herenschußs Angestellter: Entschuldigen Sie, Herr Chef. Ich konnte gestern nicht ins Büro kommen. Ich hatte einen Herenschuß. Chef: Stimmt. Ich habe Sie mit der Here über die Ringstraße schießen sehen....! ,, Sie bitten jetzt zum drittenmal um Gehaltserhöhung!" „ Ach, Herr Direktor, meine Frau braucht soviel Geld." " Darf ich mal fragen, wofür?" " Ja, Herr Direktor, Sie dürfen, aber ich nicht." „ Ist es wahr, daß Otmar gestern abend nahe daran war, dir einen Heiratsantrag zu machen?" Ja. Er hat mir erzählt, daß an seinem Jackett ein Knopf febit." BILDER AUS ALLER WELT Der Tag des Wassers in Constanza Der Warschauer Besuch des Danziger Senatspräsidenten Altrömisches Schiff in dem allegorischen Umzug In ganz Rumänien, besonders aber in der Hafenstadt Constanza, wird der Tag bes Waffers" alljährlich festlich begangen. In großen Veranstaltungen wird auf die Bedeutung des Wassers für den Handel und Verkehr, für den Sport- und nicht zuletzt für die Hygiene hingewiesen. Eine Kreuzigungs- Prozession im Londoner Hafenviertel Bei der Ankunft in Warschau: Links Senatspräsident Dr. Rauschning, neben ihm der polnische Generalfommissar für Danzig, Dr. Pappee Unter Führung des Senatspräsidenten Dr. Rauschning traf eine Danziger Senats- Delegation in der polnischen Hauptstadt ein, um über mehrere bedeutsame Fragen zu vers handeln. Amerikas riesige Nordjüd- Kanalverbindung eingeweiht Christus unter dem Kreuz dieses neutestamentarische Bild war mitten in der prosaischen Umgebung des Londoner Hafenviertels anläßlich einer großen Prozession zu sehen, in der die Leiden des Heilands dargestellt wurden. Die englische Kirche hat von jeher fich nicht hinter die Mauern der Gotteshäuser zurückgezogen, sondern es verstanden, eindringlich unter den Tausenden im alltäglichen Leben zu werben. Auch bei der jetzigen Kreuzigungsprozession säumten große Massen die Straßen ein und viele wurden bekehrt, die zuvor noch nie eine Kirche betrefen hatten. Stuttgart zum Deutschen Turnfelt gerüstet Eine malerische Indianergruppe bei den großen Feierlichkeiten, die anläßlich der Einweihung des neuen Kanals zwischen den großen Seen und Chikago mit dem Golf von Mexiko stattfanden. Die neue Schiffahrtsverbindung hat eine Länge von nicht weniger als 2500 Kilometer. Bor 50 Jahren gab es die ersten Gonderzüge für Ferienkinder Gines der vielen Gebäude, die auf dem Cannstadter Wasen bei Stuttgart für das gewaltige Fest errichtet wurden: Der Aufgang zu der Haupttrübine der Adolf- Hitler- Kampfbahn. Vom 22. bis 30. Juli findet in Stuttgart das diesjährige Deutsche Turnfest statt, zu dem Hunderttausende deutscher Turner aus allen Gauen des Reiches, aber auch von jenseits der Grenzen, ja selbst von USA. und Südamerika erwartet werden, Abschied auf einem Berliner Bahnhof Anno 1883, als zum erstenmal ein Sonderzug Großstadtkinder aufs Land befördert, ein Vorbild, das inzwischen sooft und mit so segensreicher Wirkung nachgeahmt wurde. Damals ging es dann mit gewaltigem Fauchen der etwas schmächtigen Lokomotiven im erstaunlichen 40- Kilometer- Tempo los. Aber das Erlebnis mag für die Beteiligten doch gewaltiger gewesen sein, als es eine Reise für die Kinder unserer Beit ist, die an Tempo und große Entfernungen gewöhnt sind. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" Ereignisse und Geschichten Blicke auf deutsche Charakterbilder Ecce homo Tony van End und die Musen. Heinrich George, der langjährige Schwergewichtsmeister proletarischer Rollen, und Friedrich Kaysler, ehemaliger Kulturhüter, haben neulich den Meister öffent lich bei einer Tell- Szene im Deutschen Theater begrüßt. Die Szene wurde im Radio aufgenommen. Für ihn," sagte Heinrich und schlug auf sein Schwert, möchte man Göz von Berlichingen spielen, nun spiele ich vor ihm den Geßler; wenn er da ist, so kann das Theater nicht untergehen. Es lebe Deutschland!" Rechtzeitig hat auch der blonde Liebhaber Genschow, einst flüssiger Rezitator kommunistischer Bergmannslieder und Anführer der Gruppe junger Schauspieler, die Revolte aufgegeben und ist zum Erziehungshaus übergegangen. Am meisten hebt aber die junge Schwäbin Tony van Eyck den rechten Arm hoch. Vorgestern wurde sie von dem Juden Holländer entdeckt und von May Reinhardt als Käthchen von Heilbronn herausgestellt, gestern sammelte Alfred Kerr für fie während einer schweren Krankheit jüdische Gelder, heute begrüßt sie den Führer öffentlich in einem Interview als Liebling der Musen und wird dafür ins Staatstheater engagiert. 2. Noch zwei jüdische Theaterdirektoren Das einst von Lessing geweihte Nationaltheater zertritt Sinkel, der Kampfbundmacher im Kultusministerium. Ihm stehen u. a. die Schauspieler Alfred Abel und Jürgen von Alten, sowie der ehemals streng paritätische Baron von Holthoff aus dem Bühnennachweis zur Seite. Die ehemaligen Reinhardts, Barnowsky, Ziegel, Falkenberg und Barnay sind verschwunden, und der Bühnenverein ist gleichgeschaltet. Es gibt nur noch zwei jüdische Theaterdirektoren: Helmer in Frankfurt und einen Operettendirektor Kraushaar in Stuttgart. Die Nachfolger Hülsens were den den Arierparagraphen einführen und das Vetorecht gegen jüdische Schauspieler haben, damit nur ja nicht ein neuer Moissi oder eine zweite Luise Dumont zur Erscheinung tommt. An Staats- und Stadttheatern sollen grundsätzlich nur Arter geschminkt werden, eigentlich müßten wohl auch die klassischen Rollen des Shylock, des Mohren von Vewedig und des weisen Nathan mit den drei Ringen gestrichen werden. Vor die Rampe kommen u. a. am Berliner Genbarmenmarkt Die hundert Tage" von Mussolini und der blutrünstige„ Schlageter" von Hans Jobst, im Komödienhaus„ Der Wanderer", ein Kampfstück von Dr. Göbbels höchstpersönlich. In Frankfurt an der Oder wurde fürzlich ein Stüd vom Oberpräsidenten Kube aufgegefeiert hat. den Tisch des( Braunen Hauses) legt. Die Filmspitze, die D.Banken, die Ministerien, die Kinos, Filmateliers und Verleiher sind hier zu einem einzigartigen Lichtungeheuer vereinigt. 5. Das Schicksal Travens Nach der berühmten Bücherverbrennung vor der Berliner Universität sind zunächst zwölf Schriftsteller, darunter Gläser, Holitscher, Kerr, Heinrich Mann und Remarque ganz verboten worden, dann hat Preußen durch seinen Kultusminister Rust schwarze Listen aufgestellt und eine Reihe von Meisterwerfen, wie Gorki und Upton Sinclair und berühmte Autoren, wie Jakob Wassermann und Werfel, den Schweik Bon Jochen Klepper. Wir leben alle zwischen Tag und Nacht, und was am Tage einer weint und lacht, ist nur ein Zufall zwischen den Gesezen. Wir leben hin aus Hunger und aus Blut, im Freuen böse und im Leiden gut, man könnte einen für den andern segen Wir tragen alle erst ein Ja ins Sein, verarmen alle an des Todes Nein, find gleich mit so verschieden Gesichtern. Wir wachen ängstlich zwischen Schoß und Grab. Ein Dunkel löst das andere ab. Inmitten liegt ein wirres Spiel von Lichtern. und fast den ganzen Kaestner und sogar die emsig summende Film- Zuckerbrot Biene Maja aus den Volksbibliotheken verbannt. Nach der traditionellen Versammlung am Sonntag Kantate des Buchhändlervereins sind jetzt auch die Buchgemeinschaften schwer bedroht. Auch Jack London und Traven, die besten erzieherischen Werke der Jugend, sollen durch nationale Schmöker verdrängt werden. Von Jack Londons Reisebüchern stehen drei, von Travens ergreifenden Dichtungen zwei in nächster Nähe des gebrauchsfertigen Rohrtungen zwei in nächster Nähe des gebrauchsfertigen Rohr stocks Rusts. 6. Dichter im Konzentrationslager Erich Mühsam, ein sechzigjähriger Mann, harmloser Anarchist und lyrischer Dichter, befindet sich im Konzentrationslager Sonneburg, in dem er langsam zu Tode gequält wird. Der aufrechte Mann, der die Verse gedichtet hat: Und wenn sie mich erschlügen Sich fügen, heißt lügen, ist auf dem Transport schmählich mißhandelt worden. Auch Karl von Offietsky wurde geschlagen, weil er sich geweigert hat, ein nationales Lied mitzusingen. Mit ihnen schmachtet Ludwig Renn, ein ehemaliger Offizier, dem seine Standesgenossen von ehedem ein Buch gegen den Krieg nicht verzeihen. Keiner der sieben braunen Männer, die heute den Gesamtverband der deutschen Schriftsteller lenken, fordert ihre Freilassung.... Baptist. Nazis sind humorvoll führt, der Hitler als eine Art Kaiser des Dritten Reiches Das Stinktier im bonzoologischen Garten" 8. Die Zukunft der Volksbühne Die einzige Bühnengemeinde im Lande der Konzentra tionslager wird die Deutsche Bühne sein, ein Teil des Kampfbundes unter Dr. Walter Stang. Der christliche Bühnenvolksbund ist zum Bankrott getrieben worden und ihm droht ein Strafverfahren. Der Volksbühnenbund besteht einstweilen noch auf dem Papier, nachdem sich der Generalsekretär Brodbed mit Braunhemden an einen Tisch gesetzt hat. Aber die Hoffnung, das herrliche, in einer Vereinigung von Säulen- und Industriestil errichtete Gebäude am jetzigen Horst- Weffel- Plaß zu retten, ist wohl vergeblich. Den Trommlern des Dritten Reiches, denen stets eine Nachtübung wichtiger als Gerhart Hauptmann war, gefällt das getäfelte Bolkstheater des Berliner Ostens mächtig. Nach einer Ankündigung des soeben mit der Goetheplakette belohnten Sinkel ist mit der alsbaldigen Einziehung der Volksbühne durch die Getreuen vom Biberpelz unter Vorantritt des Herrn Amtsvorstehers von Wehrhahn zu rechnen. 4. Senator Springornm Der Glanzstoffdirektor Dr. Springorum ist ein König der Kunstseide im Wuppertal, Haupthahn auch als Mitglied befreundeter amerikanischer Konzerne. Eines Tages im Mai flog der Laden auf. Hitler warf ihn und den aus einer alten rheinischen Industriefamilie stammenden Direktor Benrath in die Einzelzelle, während der dritte Glanzstoffdirektor, Dr. Friz Blüthgen, ins Ausland floh und steckbrieflich gesucht wird. Aber nach wenigen Wochen änderte sich plötzlich das Bild. Die Elberfelder Landrichter erhielten den SonderbeDr. Joseph Göbbels, uneingeschränkter Gebieter aller deutschen Rundfunkwellen, erließ vor einigen Wochen den neuen Ufas:„ Mehr Unterhaltung". Die gleichgeschaltete Presse winselte vor Freude auf, viele vorübergehend Ausgeschaltete glaubten sich nunmehr wieder einschalten au können, aber die Unterhaltung" lag schon fix und fertig in den Schreibtischfächern der parteitreuen Nazifunkleiter und auf den längst erwarteten Wink des Menschenkenners" sprangen die Manuskripte wie kleine Teufel aus dem Spielfasten ins Mikrophon, auf die Wellen und in die Lautsprecher. Da sandten die Herrschaften, um im Sinne der„ Voltsaufklärung und Propaganda" wirksam zu unterhalten, einen kabarettischen Ersatz für die ehemaligen Wochenendglossen. Einige Beispiele: Das Stinttier im„ bonzoologischen Garten" hieß Emil Ludwig.„ Eigentlich fanden sie bei ihm eine Visitenkarte auf den Namen Cohn", bemerkte der„ Bonzoo- Führer". Und dann machte er ein Interview mit Ludwig, in dessen Verlauf man humorvoll" zeigte, wie man in Deutschland die Ludwigsche Schreibmethode zu verstehen wünscht. Er schrieb ein Buch über Schiller, sagte der Funk- Ludwig, und da Schiller faule Aepfel gerne hatte und ein Korsett trug, seien die analogen Beziehungen in seinen Werken ausschlaggebend. Ein Zitat: „ Durch diese hohle Gasse...", dient zum Beweis. Im Humor des von den Nazis gestalteten" Ludwigs wird die hohle Gasse" zum yom Korsett eingeengten Darm und die fehr, die Kunſtſeidenen aus den schwedischen Gardinen her- Chaim verkauft braune Uniformen auszulassen, und Springorum fam vom Knast direkt in den Senat der Kaiser Wilhelm- Gesellschaft der Wissenschaften, der im Goethe- Saale des HarnackHauses versammelt war. Dort fand der Freigelassene u. a. seine Brüder Krupp, Duisberg, Siemens und Vögler bereits als Senatoren der Wissenschaft vor, und neben ihnen Adolfs lateinischen Dekonomiker Dr. Darre, den Mistiuristen des Braunen Hauses und Hauptfeind des verflossenen Hugenbergs. Weiter entsandte Hitler u. a. seinen Freund Herzog von Koburg und den Geldgeber Thyssen, Röchling und Schacht in die Forschungsstätte, während Göring für Preußen u. a. den Prinzen Aumi und Junters berief. Auch für den vom Philosophen Moses Mendelssohn abstammenden Handelskammerpräsidenten Franz von Mendelssohn wurde eine Zulassung erreicht, während der Rassenforscher Günther und der Zinsgeldbefreier Feder in das hohe Haus zu Dahlem nicht aufgenommen wurden... 4. Die Filmkreditbank Sowas von Pleite, wie Dr. Göbbels im gleichgeschalteten Film angerichtet hat, seit der SA.- Mann das Quecksilberlicht betritt, ist nicht alltäglich. Selbst die von Karl Better, dem heroischen Mossedirektor, verwaltete Presse muß zugeben, daß die deutsche Leinewand finanziell schwer erschüttert ist. Um den Kummer des einsam in der Ufa schreienden Hugenberg noch zu vergrößern, bat Göbbels jetzt auch noch eine Filmkreditbank gegründet, die vorläufig mit zehn Millionen schnödem Kreditkapital aus den Schränken der jüdischen Banken ins Dasein tritt und nominal 200 000 Mart auf Ee st noch schlauer Im Kölner„ Westdeutschen Beobachter" liest man eine tragitomische Geschichte. Wörtlich: „ Aerger und Verdruß erregen die galizischen Kleiderramschgeschäfte, die immer wieder neu erstehen. Obgleich es doch jetzt nicht erlaubt ist, ohne besonderes behördliches Zugeständnis Warengeschäfte aufzu machen. Vor allem ist es der Galizier Chaim EngIänder, der sich mit brutalfter Rücksichtslosigkeit über alles hinwegsetzt und einfach tut, was er will. Er hat, wie uns glaubhaft mitgeteilt wird, Häuser in der Bechergasse erworben, und zwar hat er sie angeblich von der Stadtverwaltung dekauft, allerdings noch in der Zeit, als Pg. Oberbürgermeister Dr. Riesen dies noch nicht verhindern konnte. Nun richtet sich der Galizier zeitgemäß ein. Er gründet Gea schäfte, in denen gutgläubigen Nationalsozialisten Uniformen und Bekleidungsstüde aller Art zum Vorteil des Juden Chaim Engländer verkauft werden. Er handelt dabei so, daß er jetzt z. B. wieder einem gewissen Willy Effern in der Bechergasse einen Ramschladen eingerichtet hat, der geder Bechergaffe einen Ramschladen eingerichtet hat, der geschmackloserweise 3 um billigen Willy" genannt wird. Effern ist selbstverständlich ein vorgeschobener Strohmann, dessen sich der Jude bedient, um Geschäfte mit National sozialisten zu machen..." So ergibt sich denn die beflagenswerte Tatsache, daß in Köln zugleich SS. und SA. mit Uniform von Chaim Engländer herumlaufen. Nun hat auch die Welt der Textilien ihre Rassenschande. Die zuständigen preußischen Ministerien haben einen Erlaß zur Durchführung der Reichsratsbestimmungen über die Aenderung der Vergnüungssteuer herausgegeben. Von besonderer Bedeutung ist die Erweiterung des Kreises der steuerbegünstigten Filme. Während bisher nur als künstle risch oder als volksbildend" anerkannte Bildstreifen steuerlich begünstigt wurden, sind die erhöhten Steuererleichterungen jetzt auch auf solche Filme ausgedehnt worden, die als ,, kulturell oder staatspolitisch wertvoll" anzusehen sind. Der Sinn dieser Steuererleichterung ist die Auszeichnung guter nationaler Filmerzeugnisse und damit die Heranbildung einer im nationalen Sinne Wertvolles schaffenden deutschen Film. industrie. So sieht man uns drüben " Der Gegner besigt keine Rechte". ,, Maneh e ster Guardian", eines der über Deutschland am besten unterrichteten Blätter, widmet einem nationalsozialistischen Aufsatz, der in der Deutschen Juristenzeitung" die Grundsäße der Nazijustiz behandelt, einen Ar tikel mit den bezeichnenden Ueberschriften: Richter schützt Mörder",„ Nazi- Justiz" und der Gegner besist feine Rechte". braune Hörerschaft darf sich wiehernd über das Stinktier Ludwig entrüsten. In einem anderen Käfig begann man die Schlangen zu hören. Ein Dr. Nathan Wipper und ein Dr. Otter inviewten einen soeben aus Berlin irgendwo im Ausland eingetroffenen Deutschen und fälschten alle feine wahr. heitsgetreuen" und lammfrommen Aussagen in Greuelmel dungen um. Dabei wurde dem Ganzen ganz nebenbei ein Unterton beigemischt, der in jedem Naziherzen unweiger lich eine neue Welle wüste sten Judenhasses mußte aufsteigen lassen. Und dann gab es noch einen Käfig, in dem dem Ansager aufolge echte Bonzenschweine" untergebracht waren. Reine Nazis natürlich, bewahre! Das eine Schwein bezeichnet sich selber als„ kleiner Metallarbeiter". Schon wenige Tage später schrieb der von Goebbels und feinen Plänen sonst so begeisterte Rundfunk, Kritiker" bei Ulstein, daß man doch bedenken sollte, welchen Einbrud derlei„ Sendungen" im Ausland machen müßten.„ Wir find im Rundfunk nicht ganz unter uns!", rief er bes schwörend. Wären sie also ganz unter sich... Das Ausland aber, das die brannen Humoristen offenbar doch noch fürchten, wird begreifen, daß dieses Wigniveau, daß dieser„ Geift" nichts mit dem wirklichen Deutschland zu tun haben. Jüdische Musiker machen sich selbständig Arnold Schönberger, der Vorfämpfer der modernen, atonalen Mufit, und Oscar Fried, der bekannte Dirigent, haben fich, nachdem sie Deutschland verlassen haben, an den be rühmten Geiger Hascha Heifez, den Pianisten Arthur Schnas bel, den Dirigenten Bruno Walter, den Pianisten Leopold Godowski und an andere weltberühmte Musiker mit der Aufforderung, in Palästina eine neue jüdische Musikkultur zu gründen, gewandt. Schönberg, dessen Arbeiten für die Entwicklung des atonalen Stils grundlegend gewesen sind, hat geäußert, er werde für die neue Musik, deren Schaffung jetzt seine heiligste Aufgabe sei, auf den atonalen Stil verzichten müssen. Wittler und Hitler In Berlin gibt es eine große Brotfabrit, deffen Inhaber Wittler heißt. Daraufhin folgende Anekdote: Adolf Hitler fommt ans Simmelstor an, es melbet fich Petrus. Wie heißen Sie?" Hitler." Bittler?"" Nein, Hitler! H wie Heiri.."„ Ach so, ich dachte, Sie seien der Wittler, der den Deutschen das Brot liefert und jest find Sie bloß der Hitler, der es ihnen versprach!" Mutige Worte in Genf gime in Deutschland zu ergreifen. Hier muß im Interesse der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit eingegriffen werden. Man wird diesen Wunsch vielleicht nicht berücksichtigen. Rede eines Luxemburger Arbeiterführersch bezweifle es wenigstens. gegen die Barbarel Verspätet, aber noch immer aktuell, geht uns folgender Bericht zu: In der Nachmittagssigung der Internationalen ArbeitsKonferenz am 29. Juni 1933 intervenierte Genosse P. Krier zu Gunsten der von den Genossen Jouhaux, Mertens, Schürch und Kupers eingebrachten Resolutionen betr. die deutschen Flüchtlinge. " Zu der vorliegenden Resolution über die deutschen Flücht. linge möchte ich meine Auffassung turz und bündig sagen. Vorerst will ich bemerken, daß ich vollständig mit dieser, heute Morgen von Herrn Justin Godart erläuterten Entschließung einverstanden bin. Ich erlaube mir jedoch etwas grundsäßlicher auf die Frage einzugehen und einige Anregungen zu machen. Wer seit Anfang März dieses Jahres, jeden Tag immer wieder neue Flüchtlinge aus Deutschland unterbringen oder weiterbefördern muß, wer dieses unbeschreibliche Elend prat. tisch kennengelernt hat, der begreift die hohe Aufgabe, die dieser Resolution zu Grunde liegt. Man darf annehmen, daß heute fast in allen Ländern Europas deutsche Flüchtlinge untergebracht sind. In den Ländern, die an Deutschland grenzen, sind gewiß die allermeister Flüchtlinge. Und hier darf man wohl sagen, daß ganz besonders das demokratische Frankreich, das Frankreich der Gambetta und Jean Jaures den deutschen Flüchtlingen offenherzig seine Grenzen öffnet. Man muß dieses großmütige Frankreich bewundern, das vor allem aus Gründen der Menschlichkeit diese verfemten und verjagten Männer, Frauen und Kinder aufnimmt. Die Meinungen über die Ursachen der jeßigen Zustände in Deutschland sind sehr verschieden. Hier ist auch nicht der Ort, um darauf einzugehen. Aber es ist leider eine bitterböse Tatsache, daß deutsche Menschen gezwungen find, ihr deutsches Heimatland zu verlassen und zu flüchten. Aus verschiedenen Ursachen. Die einen flüchten aus politischen Gründen und die andern müssen flüchten, weil ihre Nase den jetzigen Machthabern in Deutschland nicht gefällt. Das alles ist bekannt. Wir wissen es! Und was tun wir? Man muß den Mut haben, zu erkennen und zu sagen, was ist; das ist einer der Grundsäße, die uns Jean Jaures gelehrt hat. Diesen Grundsatz will ich befolgen und sagen, warum viele Menschen aus Deutschland, flüchten: Die meisten flüchten, weil sie ihre Menschenehre und ihre Menschenwürde, weil sie ihr moralisches und materielles Leben retten wollen. Man schändet dort die Andersdenkenden und unterdrückt brutal jedwede Freiheit. Die rechtsdenkende Arbeiterschaft wird verhöhnt, entehrt, gefoltert und gemordet. Judens hezen wurden veranstaltet, wie sie seit dem Mittelalter nicht mehr erlebt worden sind. Die augenblicklichen Verhältnisse sind in Deutschland so gelagert, daß sie nicht nur eine Gefahr für unzählige Deuts sche sind; sie sind zu einer großen Gefahr für die Menschheit überhaupt geworden. Will man diese Gefahren für den Welt: frieden ignorieren? Das wäre erbärmlich und feige. Diese Gefahren erkennen, sie nicht übertreiben, aber sie genau abwägen und sie zu überwinden suchen, das ist meine Auffassung über die Aufgabe, die die Internationale Arbeitsorganisation in diesen schweren Stunden an erster Stelle mitzulösen hat. Wenn der Teil 18 des Friedensvertrages einen Sinn hat, wenn man den Gefühlen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit Rechnung tragen will, dann muß man auch die Mittel dazu wollen. Gestern, am 28. Juni, waren es 14 Jahre feit der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages. Wer gestern und heute die deutsche Regierungspreise gelesen hat, der wird empfinden, daß dort der Völkerhaß in der schändlichsten Weise propagiert wird. Von dem Versailler Friedensvertrag, will ich hier nicht reden. Was die ArbeitsKonferenz interessiert, ist der Teil 13, das Soziale und Menschliche, das diesem Vertrage zu Grunde liegt. Und grade das wird heute in Deutschland mißachtet, verdreht und umgelogen. Dort drüben versucht dieser Dr. Ley- dessen schändliches Gebahren wir vor einigen Tagen kennengelernt haben dem deutschen Volke begreiflich zu machen, daß sein erbärmliches Verhalten hier in Genf gegen den Vertrag von Versailles gerichtet ist. Daraus darf man schlie= Englands Arbeiterblatt Zwei Millionen Auflage Der„ Daily Herald", das englische Arbeiterblatt, fann stolz verkünden, daß er die erste Tageszeitung Englands und der ganzen Welt ist, die am 1. Juli eine tägliche Durchschnittsauflage von zwei Millionen Exemplaren erreicht hat. Das Wunder von Fleets Street"( dem Londoner Zeitungsviertel), wie der„ Daily Herald" einstmals genannt wurde, weil er mit unglaublich geringen Mitteln seine Existenz tapfer gegen die Riesenübers macht der kapitalistischen Pressekonzerne zu behaupten wußte, ist heute zu einem Wunder ganz anderer Art geworden. Wie man weiß, weicht der„ Daily Herald" allerdings in Form und Inhalt, auch in seiner Verlagskonstruktion, einigermaßen von der Arbeiterpresse der übrigen Länder ab. Er ist kein reines Parteiblatt, sondern gehört zur Hälfte den englischen Gewerkschaften und der Arbeiterpartei, zur an. deren Hälfte einer großen bürgerlichen Verlagsfirma. Dems gemäß entspricht auch seine Form und sein Inhalt mehr dem Bemühen, durch geringe Unterscheidung von der bürgerlichen Presse an möglichst große Massen heranzukommen. Nicht fozialistisches Propagandas und Kampfblatt, sondern ein Maffenblatt mit sozialistischer und arbeiterfreundlicher Ten benz will der„ Daily Herald" sein. Dieses Bestreben hat ihm unter der fähigen Führung seines jeßigen Chefredakteurs Stevenson den großen Erfolg gebracht, der sich in der riesigen Auflagezahl ausdrückt. Die englische Arbeiterschaft hat allen Grund, auf diesen Rekord stola au sein, ben, daß die Provokationen dieses Dr. Ley den Zwed verfolgten, die Internationale Arbeitsorganisation zu unterminieren. Und das nur, weil diese Einrichtung speziell geschaffen wurde, um dem Weltfrieden zu dienen, der nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden kann. Aus all diesen Gründen möchte ich dem Verwaltungss rat der Juternationalen Arbeitsorganisation nahelegen, prüfen zu wollen, ob dem Völkerbund eventuell empfohlen werden könne, Präventivmaßnahmen in irgend einer Form, gegen das den Weltfrieden bedrohende Res Darum rufe ich von dieser Stelle aus: Menschheit erwache! Wahre deine Würde! Berteidige deine Ehre!- Erkämpfe dein Recht! Diese Grundsäge entsprechen meinem internationalen Fühlen und denken. Mit dieser Haltung möchte ich ein wenig, ganz bescheiden der Menschlichkeit dienen! Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten, die notwendigerweise von der Gewerkschaftsinternationale- Gemeinsam mit der sozialistischen Arbeiterinternationale eingeleitet werden müssen. Und darum trotz alledem: Es lebe die Arbeiterinternationale, fie wird die Menschheit erretten!" Mehr Fahnen und mehr Denunzianten! Hakenkreuzfahnen nicht genügend gefragt- Nazis kaufen bei Juden Auch sonst tut sich allerhand- Denunzianten helft! Ein Mittelständler aus Trier übersendet uns ein Rundschreiben, das der Kampfbund des gewerblichen Mittel standes in der NSDAP. versandt hat. Diesem Bund sind schon 2000 Mitglieder freiwillig" angeschlossen. Die Mitglieder werden in eine Art nationalsozialistische Zwangserziehung genommen, indem sie veranlaßt werden, das nationalsozialistische Parteiblatt zu beziehen. Das geschieht unter Druck wie folgt: Es wird jedem Mitglied des Kampfbundes nunmehr zur Pflicht gemacht, das„ Trierer Nationalblatt" zu bestellen. Die amtlichen Bekanntmachungen des Kampfbundes erfolgen in Zukunft nur mehr im„ Trierer Nationalblatt". Rundschreiben werden feine mehr auss gegeben. Die Gastwirte, Hoteliers, Cafes, Friseure usw. sind verpflichtet, das„ Natio= nalblatt" in ihren Räumen aufzulegen. Die Durchführung dieser Verordnung wird ges nanestens überwacht. Außerdem wird es unseren Mitgliedern zur Pflicht ges macht, bei Inseraten in erster Linie das„ Nationals blatt" zu berücksichtigen. Es ist aber auch dringend notwendig, daß durch das Studium des„ Nationalblatts" sich die Moral des Mittelstandes in Trier bessert, denn man erfährt aus dem besagten Rundschreiben mit Schaudern, daß noch immer eine ganze Menge dieser Nazis und gar erst ihre Frauen und Töchter verjudet sind: In den legten Tagen wurde festgestellt, daß noch immer Mitglieder des Kampfbundes, hauptsächlich weibliche An= gehörige von Stampfbundmitgliedern, in iibischen Ges fchäften faufen. Ich weise ausdrücklich nochmals darauf hin, daß es Kampfbundmitgliedern und deren Angehörigen strengstens untersagt ist, in Warens häusern, Einheitspreisgeschäften und in jüdischen Geschäften zu kaufen. Auch diese Vers ordnung wird von heute ab strengstens durchgeführt, in allen Stadtteilen genauestens überwacht und diejenigen Mitglieder, welche selbst oder deren Angehörige gegen diese Berordnung verstoßen, werden ohne vorherige Verwars nung aus dem Kampfbund unter gleichzeitiger Bekannts gabe an die Mitglieder ausgeschlossen. Die Frage, warum die weiblichen Angehörigen des ehr samen Mittelstandes gerade bei den semitischen Wüsten söhnen kaufen, wird leider nicht erörtert. Wer weiß, Straßbourg Unsere Inseraten- und Abonnements- Annahme befindet sich 6 was für Zaubermittel die Weisen von Zion in Trier ana wenden, um die Schönen des dortigen Mittelstandes in die jüdischen Wucherhöhlen zu locken. Auch sonst geben die Trierer Mittelstands- Nazis zu Klagen Anlaß. Man lese nur: Es wird seitens der politischen Kreisleitung Klage darüber geführt, daß viele Kampfbundmitglieder noch nicht die Hakenkreuzfahne flaggen. Unsere Mitglieder find verpflichtet, bei allen Anlässen die Hakenkreuzfahne zu hiffen. Das ist doch wirklich ein trauriges Verhalten. Wie soll fich denn die deutsche Textilindustrie beleben, wenn nicht Mann und Weib und Greis und Säugling Fahnen heraushängen? Wo die Leute sowieso kein Geld haben, sich Hemden zu kaufen, muß doch wenigstens für Fahnen etwas getan werden. Ueberhaupt verzeichnen wir mit Staunen, daß trotz dem sichtbaren Aufschwung in Deutschland noch immer Nörgler am Werke sind. Das Flugblatt klagt und droht: In den letzten Tagen mehren sich die Anzeichen, daß innerhalb des Mittelstandes Kräfte am Werte sind, welche die nationale Aufbauarbeit jabotieren wollen. Wir werden mit diesen Sabos tenren schnell und gründlich aufräumen und verlangen von den Kampfbundmitgliedern, daß sie uns alle Fälle sofort zur Kenntnis bringen, auch wenn es sich um sogenannte Kollegen handelt. Mitglieder, von denen einwandfrei feststeht, daß sie solche Fälle nicht zur Anzeige gebracht haben, werden ausgeschloffen. Saboteure und Landesverräter und wer sich schützend vor fie stellt, ist ihnen gleich zu achten. Recht so, mer so gottverlassen antinational ist, daß er nicht mit Freuden und„ Heil Hitler" Bankrott geht, muß eingesponnen werden. Erst wenn die eine Hälfte der Deutschen im Konzentrationslager sitzt und die andere als Nazibonzen in Staatsämtern, ist das Dritte Reich vollendet. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Hubert Jüttner, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Lothringen Mitten im lothr. Indu striegebiet gel. Eisen. werk( Eisenkonstruks tion u Blechschmiede) mit Bahnanschluß zu verkaufen Schöner Besitz( Schloß, 19 ha Park und Garten) Straße Metz Saar brücken, u mehrere schöne Wohnhäuser zu verkaufen. Ausk ert C. 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