Preis: 60 1. cts. Freiheit Nummer 20-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Donnerstag, den 13. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun Was wir in sozialer Beziehung wollen, das kann durch politische Ereignisse, feien diefelben noch so bedeutend, nicht berührt werden. Mag vorgehen in der Politik, was da will: der Gegensatz von Kapital und Arbeit und mit diesem Gegensatz die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, bleibt ja immer. Tean Baptist v. Schweitzer, geb. 12. Juli 1833. Die Revolution lebt! Der nationalsozialistische Polizeiminister gegen revolutionäre Nationalsozialisten Goebbels gesteht die Lebens kraft des Marxismus zu- Bauernaufmarsch abgesagt- Drohungen mit der Staatsautorität- Furcht vor Unruhen Berlin, 12. Juli.( Eig. Drahtber.) Die von uns schon vor Wochen an Tatsachen aufgezeigte Rebellion in der SA. wird jetzt in zwei amtlichen Rundgebungen zugestanden. Der Reichsminister Dr. Goebbels schreibt in seinem„ Angriff": Die Partei ist im Begriff, eine innere Umformung zu vollziehen. Von den bielen Hunderttausend, die seit der Machtübernahme zu uns kamen, wird der brauchbare Teil nach und nach in den Parteikörper eingeschmolzen; der andere Teil, soweit er unbrauchbar ist, aus ihm wieder ausgeschieden. Auch das dauert seine Zeit, aber in wenigen Monaten schon wird die ganze Organisation wieder von derselben wuchtigen Schlagkraft und vorwärtsstürmenden Aktivität erfüllt sein wie in den Zeifen unserer Opposition. Damit ist zugestanden, daß die Partei der National fozialisten sich zur Zeit in einer inneren Krise befindet. Goebbels bezeichnet dann nicht die SA. und die SS., lon= bern die nationalsozialistische Betriebszellenor gas nisation als die Körperschaft mit den nächsten großen Aufgaben. Er bezweifelt aber selbst, ob die NSBO. so aus verlässig ist, wie man sie haben möchte. Denn in den industriellen Betrieben, wo die proletarischen Massen zus fammen arbeiten, zusammen leiden, zusammen diskutieren und zusammen kämpfen, lassen sich die Menschen auf die Daner nicht durch Hitler- Phrasen täuschen. Goebbels sagt das in folgenden Worten: Man wird darauf zu achten haben, daß der Marxismus, seiner organisatorischen Möglichkeiten beraubt, hier nicht ein neues ideologisches Tummelfeld findet. Auch da ist mehr Wert auf die Qualität als auf die Quantität zu legen. Nicht jeder, der ein NSBO.- Abzeichen ansteckt, ist damit ein freuer Hitlersoldat. Und zu glauben, daß der Marrismus nach dem Ende der SPD. und KPD. auch welt. anschaulich restlos ausgerottet wäre, das mag man anderen, nur nicht uns alten Nationalsozialisten zumuten. Das ist die flare Absage an das triumphale Gerede, in bem sich gerade Hitler ab und zu gefällt, von dem fläglichen Tod Widerstandes lebt in den Köpfen des dents ichen Arbeitsvoltes und wächst von Tag zu Tag. An die nationalsozialistische Presse ist die amtliche Auf forderung ergangen, sich in Zukunft sozialistischer Fordes rungen zu enthalten und vor allem nicht die Bergesells schaftung großer Betriebe zu verlangen. Insbesondere an die nationalsozialistische Presse im Ruhrgebiet, die glaubt, den Massenstimmungen Rechnung tragen zu müssen, ist die Anweisung ergangen, sich zurückzuhalten. Der Reichs Polizeiminister Dr. Frick Hat in einem amtlichen Erlaß an sämtliche Reichsstatthalter und sämtliche Landes: regierungen nicht nur jede revolutionäre Betätigung, sondern auch jedes Reden über die Fortiezung der Revolution ver boten und unter schwerste Strafe gestellt. Wir bringen den Erlaß an anderer Stelle wörtlich. Er ist ber offene Verrat an dem Glauben von 17 Millionen Hitlerwählern, die in der Einfalt lebten, die National: sozialisten wollten eine sozialistische Umgestaltung der deutschen Wirtschaft. Damit ist es nun vorbei. Es bleibt bei Herren und Knechten. Zwar ernennt Dr. Ley die deutschen Proletarier zu Herrenmenschen", aber diese Herrenmenschen stehen nach wie vor hungernd vor ben Stempelstellen, leisten Zwangsarbeit im Arbeitsdienst oder schnften zu den niedrigsten Löhnen Mitteleuropas in den Betrieben. Ein Zeichen für die gefährliche Spannung ist auch das Absagen des für den heutigen Mittwoch geplanten Aufmarsches der Bauern im Lustgarten zu Berlin. Der Reichsernährungsminister begründet die Absage mit ben dringend notwendigen Erntearbeiten. Das ist natürlich eine Ausrede, denn auch schon vor Wochen wußte man, daß der Juli ein Erntemonat ist. Die Absage erfolgte in letter Stunde, weil zur Zeit Massenansamm lungen auf dem heißen Boden Berlins zu Ruheftörungen Anlaß geben könnten. Wir rechnen nicht damit, daß wir schon binnen kurzer Frist Explosionen erleben werden. Aber es ist auch nicht zu übersehen, daß die kritische Stimmung gegenüber dem jezigen Regime im Wachsen begriffen ist. Neben polizeilichen Verboten der revolutionären Propaganda soll das Lügenministerium des Reichsministers Goebbels mit uns begrenzten Mitteln ausgestattet werden. Nicht weniger als dreizehn Landesstellen und achtzehn Nebenstellen werden errichtet. 3.1 neue nationalsozialistische Parteibon zen erhalten fette Pfründen und sollen dafür den Zorn des Volkes, der fich allmählich gegen die Hitlerbonzokratie au regen beginnt, auf den Margismus ablenken. Greuelmärchen" Das ,, Attentat auf den Straßburger Sender" und die harmlose Zentrumspresse Unsere Meldung von einem in der Nacht zum 1. Mai geplant gewesenen Attentat auf den Straßburger Sender. hat die autonomistische„ Elsaß- Lothringer Zeitung" veranlaßt, von„ Sensationsmache" zu sprechen. Das Blatt schreibt: ,, Man beachte die unklaren Angaben! Wenn die Sache auf Wahrheit beruhte, müßte das Blatt die Namen der Verschwörer nennen. Doch keine Namensnen nung ist erfolgt! Man spricht nur von Ludwigs: hafen und vom 27. April. Beides ist nicht nachzukon trollieren; Angaben, die eine Kontrolle ermöglichen würden, fehlen vollständig." Die„ Saar- Zeitung", ein Zentrumsblatt, das sich in bezug auf sich selbst den guten Witz leistet, von jeder unabhängige Journalist" zu schreiben, schließt sich mit Begeisterung dem Straßburger Heimatorgan an. Wir stellen dazu fest: Wir haben bis ins Ein zelne gehende Angaben über den Attenfatsplan in unserer Hand. Das Straßburger Blatt und die„ Saar- Zeitung" sollten sich doch nicht so einmit der Veröffentlichung dieser Angaben zurückhalten. Sobald wir mit Einzelheiten kommen, liefern wir gewisse Menschen, die sich in der Gewalt der drüben herrschenden Verbre cherbefinden, entseglichen Grausamkeiten aus. Das saarländische Zentrumsblatt spricht von einer„ Stich probe". Wir nennen dem christlichen Blatt eine andere Stichprobe. Am 10. Juli haben wir unter genauesten Angaben mitgeteilt, daß in Pirmasens die kranke Frau des Abgeordneten Ludwig von ihrem 68jährigen Vater und ihrem 6jährigen Kinde weg als Geisel ins Gefängnis geworfen worden ist. In diesem Falle konnten wir, ohne Unbeteiligte zu gefährden, die Namen nennen. Warum entrüsten sich die Organe, die sich ihres Christentums rühmen, nicht über diese Schandtat? Warum verschweigen sie ihren Lesern diese offenbaren Greuel? Warum machen sie sich durch Beschönigung solcher Zustände an dem Verbrechen mitschuldig? Wahrscheinlich, weil sie gar so unabhängige Journalisten sind. Banden, die Frauen und Kinder als Geiseln nehmen, dürfte doch wohl auch ein Attentat auf den Sender zuzutrauen sein, der die Wahrheit in die Welt ruft. Wir halten unsere Angaben aufrecht. Frick befiehlt: Schluß mit jeder Nebenregierung- Nieder mit den Kommissariaten- Sicherung der kapitalistischen Wirtschaft Der Reichsminister des Innern Dr. Frick hat an sämtliche Reichsstatthalter und sämtliche Landesregierungen( für Preußen an den Ministerpräsidenten und an den Minister des Innern) folgendes Rundschreiben gerichtet: Die NSDAP. ist der alleinige Träger des Staates geworden. Alle Macht dieses Staates ist in den Händen der von dem Herrn Reichskanzler allein geführten Reichsregierung, in der alle entscheidenden Aemter mit zuverlässigen Natio= nalsozialisten besetzt sind. Damit ist die siegreiche deutsche Revolution in das Stadium der Evolution, d. h. normaler gesetzmäßiger Aufbauarbeit getreten. Wichtigste Aufgabe der Reichsregierung ist es nunmehr, die in ihr vereinigte totale Macht geistig und wirtschaftlich zu untermauern. Diese Aufgabe wird jedoch auf das schwerste gefährdet, wenn weiter: hin noch von einer Fortsetzung der Revolution oder von einer zweiten Revolution geredet wird. Wer jetzt noch so redet, muß sich darüber klar sein, daß er sich damit gegen den Führer selbst auflehnt und dementsprechend behandelt wird. Solche Aeußerungen stellen eine glatte Sabotage der nationalen Revolution dar und sind insbesondere geeignet, die deutsche Wirtschaft, die dank den von der Reichsregierung zur Lösung des Arbeitslosenproblems getroffenen Maßnahmen in erfreulichem Wiederaufleben begriffen ist, neuen Beunruhigungen auszusetzen und damit das deutsche Bolt in seiner Gesamtheit zu schädigen. Jeder Versuch einer Sabotage der deutschen Revolution, wie er namentlich in unbefugten Eingriffen in die Wirtschaft und in Nichtachtung von Anordnungen der Träger der Staatsautorität zu er blicken ist, muß daher auf Grund der Verordnung zum Schuße von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 zu den schärfften Maßnahmen( mindestens Schußhaft) gegen wen immer geahndet werden. Soweit Eingriffe nötig und berechtigt sind, dürfen sie von nun an nur von den Trägern der Staatsautorität und auf deren ausdrückliche Anordnung und unter ihrer alleinigen Verantwortung erfolgen. Aufgabe der Herren Reichsstatthalter und der Landesregierungen, insbesondere der zuständigen Minister des Innern ist es, wie der Herr Reichsfanzler am 6. Juli ausdrücklich betont hat, mit allen Mitteln zu verhindern, daß irgendwelche Organisationen oder Parteistellen sich künftig, noch Regierungsbefugnisse anmaßen. Im besonderen Auftrag des Herrn Reichskanzlers ersuche ich die Herren Reichsstatthalter und die Landesregierungen, die Autorität des Staates auf allen Gebieten und unter allen Umständen sicherzustellen und jedem Versuch, diese Autorität zu erschüttern oder auch nur anzuzweifeln woher er auch kommen mag rücksichtslos und unter Einsatz aller staatlichen Macht mittel entgegenzutreten. Ich bitte ferner, dafür zu sorgen, daß aus diesen Gründen fünftig auch von der bisher geübten Einsehung von Kommissaren und Beauftragten Abstand genommen wird, da der unter ausschließlicher nationalsozialistischer Leitung stehende Staatsapparat in der Lage ist, die in Frage kommenden Aufgaben allein durchzuführen. Ich bitte daher in eine beschleunigte Prüfung darüber einzutreten. O Deutschland hoch in Ehren Das Land der Freien und der Frommen, wie es jetzt wirklich ist Zu den wenigen ausländischen Zeitungen, die dem neuen Regime in Deutschland mit einem gewissen Wohl wollen gegenüberstehen, sich jedenfalls bemühen, es zu verstehen, gehört die„ Neue Züricher Zeitung". Auch dieses Blatt sieht sich aber veranlaßt, auf die großen Gefahren hinzuweisen, die der deutsche Nationalismus - wie jeder Nationalismus in sich birgt. Das angefehene Schweizer Blatt tut dies in einem Aufsatz, der eine umfassende Zusammenstellung der jetzigen Rechtszustände" in Deutschland enthält. Man wird keinen der folgenden Säße der„ Neuen Züricher Zeitung" als unrichtig oder übertrieben bezeichnen können: In 57 Artikeln hatte die Weimarer Verfassung die Grundrechte und Grundpflichten der Deutschen geregelt und ihnen so eine weitgehend gesicherte Rechtsstellung eingeräumt. Obwohl formell unberührt, wird kaum eine dieser Schutzbestimmungen in der Praxis mehr beachtet, so daß an ihre Stelle ein Zustand der Rechtsunsicherheit getreten ist. Folgt man in großen Zügen der Ordnung der Grundrechtsbestimmungen, so findet man zuerst die Gleichheit vor dem Gesetz durch die Benachteiligung aller Nichtanhänger der herrschenden Partei ersetzt. Die Auswanderungsfreiheit ist durch eine Fülle von Ausreiseerschwerungen unterbunden. Die Unverletzlichkeit der höchstpersönlichen Freiheit ist durch die polizeiliche Schuhhaftpraxis jeder Bürgschaft beraubt. Schußhaft bedeutet praktisch Verwahrung nach Art der Untersuchungshaft für Straftaten, aber unter Ablehnung des Rechtes auf einen Verteidiger mit der Begründung, die Haft finde ja zum Schuße des Häftlings statt. Meist wird jeder Verkehr mit anderen Menschen einschließlich der nächsten Familienangehörigen verboten, die Gründe der Inhaftnahme werden lange Zeit nicht mitgeteilt, eine Vernehmung findet oft erst nach vielen Wochen statt. In einzelnen Gebieten werden dazu noch die Kosten der Haft aus dem Vermögen des Verhafteten eingezogen, wobei sogar der Grundsatz der solidarischen Verpflichtung aller Gefangenen ausgesprochen, d. h. von den Wohlhabenden eine oft sehr erheblich gesteigerte Leistung verlangt wird. Das Haus- und Wohnungsrecht ist der polizeilichen Befugnis zu jederzeitiger Haussuchung gewichen, bei deren Vornahme gewöhnlich die intimste, rein persönliche Privatkorrespondenz einschließlich der Notiz- und Tagebücher beschlagnahmt zu werden pflegt. Der Grundsatz der nichtrückwirkenden Kraft strafgesetzlicher Bestimmungen ist beiseite geschoben. Das Brief- und Postgeheimnis ist suspendiert, der Telegrammund Fernsprechverkehr wird kontrolliert. An Stelle der persönlichen Meinungsfreiheit ist strengste Bevormundung getreten, die Pressefreiheit gehört der Vergangenheit an. Das Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder wird bestritten. Das Versammlungsrecht ist aufgehoben, das Vereinsstritten. Das Versammlungsrecht ist aufgehoben, das Vereins recht durch Ueberwachungsmaßnahmen illusorisch gemacht. Wahlrecht und Wahlfreiheit bestehen nicht mehr, da die öffente lichen Organe regelmäßig durch Regierungsmaßnahmen be= „, ilic gut Württemberg allewege!" 99 Aus dem Schwabenlande wird uns geschrieben: Heuberg Sobald irgendwo in der Welt von einer in Deutschland von den Hitleranhängern an den ihnen schuß- und rechtlos ausgelieferten„ marristischen" Opfern etwas berichtet wird, schäumt die Nazipresse vor Wut und Entrüstung und faselt von erfundenen„ Greuelmeldungen". So war es erst vor wenigen Tagen wieder, als ein französisches Blatt den Bericht eines tschechischen Staatsangehörigen über Zustände in dem württembergischen Konzentrationslager auf dem Heuberg berichtete. Ohne auf den Inhalt dieses Berichts im besonderen einzugehen, fönnen wir feststellen, daß zur Entrüstung über solche Berichte nicht der geringste Anlaß besteht. Es ist vielmehr Tatsache, daß die mit der Aufsicht über geistig hochwertige Persönlichkeiten auf dem Heuberg beauftragt und schon infolge thres meist sehr jugendlichen Lebensalters nicht mit dem erforderlichen Verantwortungsgefühl ausgestatteten SA- Männer in mehr als einem Fall ihren sadistischen Haßgefühlen hemmungslos den Lauf ließen und einige Gefangene so unerhört quälten, daß fie an den Rand des Jrrsinns gebracht wurden. Wenn diese Fälle nicht schon früher berichtet wurden und auch jetzt noch nicht deutlicher bezeichnet werden sollen, so ist dafür das Motiv maßgebend, den bestialischen Instinkten ber dortigen Gefangenenwärter feine Gelegenheit zu geben, ihre Wut erneut an diesen unschuldigen Menschen auszutoben oder Repressalien gegen solche zu verhängen, die sich heute noch der sogenannten deutschen Freiheit erfreuen. Nachdem aber immer wieder behauptet wird, daß auf dem Heuberg alles in bester Ordnung sei und nur für die selbstverständliche Dissiplin gesorgt werde, war es doch nötig, auch einmal auf diese Fälle hinzuweisen. Die Eingeweihten werden schon wissen, welche gemeint sind, Ein SA.- Früchtchen Die moralische Eignung vieler S Männer zu den ihnen übertragenen staatspolitischen Aufgaben wurde übrigens gerade in diesen Tagen an einem Fall in Stuttgart besonders deutlich illustriert. Da war schon im Jahre 1931, also nicht erst nach der durch den Ausfall der Reichstagswahl vom 5. März d. Js. plötzlich entstandenen parteipolitischen Hausse, ein gewisser Willi Meier in den Sturm 13/119 der SA, in Cannstatt eingetreten. Er gehört wahrscheinlich noch zu den ersten Hunderttausend der Parteimitglieder, denen bestimmt ein Posten zugesichert worden ist. Aber er war, was man so nennt, eine feine Nummer" und die wahren Motive seines Handelns wurden jetzt in einer Verhandlung vor dem Stuttder Bevölkerung vor nenem Terror, nicht alles so deutlich wie in diesem Fall an das Rampenlicht eines Gerichts. Den Beweis dafür liefert eine erst in den allerjüngsten Tagen, am 8. Juli, von der Pressestelle des Württembergischen Staatsministeriums verbreitete amtliche Be= kanntmachung. Sie lautet wörtlich: " In letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen parteis politische Dienststellen oder solche der A. sich polizeiliche Befugnisse anmaßen. So find unbefugter Weise Verbote von Aufzügen und dergl. aus: gesprochen worden, ja sogar die Verhängung von Schuzhaft erfolgte gelegentlich. Es wird darauf hingewiesen, daß polizeiliche Befugnisse nur mit polizeilicher Gewalt ausgerüstete staatliche Stellen befizen. Wenn andere Stellen sich solche Befugnisse ans maßen und Maßnahmen polizeilicher Natur durchführen, so ist dies rechtswidrig. In Zukunft werden solche Handlungen nicht mehr geduldet. Jeder, der sich rechtss widrig Amtsbefugnisse anmaßt, hat ein Einschreiten zu gewärtigen. Darüber hinaus wird bei der Gauleitung Ausschluß der Betreffenden aus der NSDAP. beantragt." Bekanntmachungen diesen oder ähnlichen Inhalts sind schon mehrfach erschienen, haben jedoch anscheinend wenig Wirkung gehabt, sonst wäre ja ihre Wiederholung nicht nötig. Daher hier noch nachträglich eine Frage: Beruhte die Art, wie kürzlich der frühere Staatspräsident Bola nach der Rückkehr von seiner Teilnahme an der Salzburger Tagung in Stuttgart in Schußhaft genommen worden ist, auf einer berechtigten Anordnung beamtlicher Organe oder auf einer Amtsanmaßung unbefugter SA.- Dienststellen? Es ist nämlich gar nicht wahr, daß es dabei so geordnet" hergegangen ist, wie es die darüber verbreitete amtliche MelDr. Schumacher verhaftet Ueberführung ins Konzentrationslager Der frühere sozialdemokratische Reichstags- und württems bergische Landtagsabgeordneter Dr. Schumacher, gegen den schon seit längerer Zeit von der politischen Polizei Württems bergs ein Steckbrief erlassen worden war, ist in Wuppertal verhaftet worden. Die politische Polizei hat seine Uebers führung in das Konzentrationslager auf dem Heuberg ans geordnet. garter Schöffengericht schonungslos bloßgelegt, da man in Rundfunk- zur Lüge mißbraucht diesem Fall wohl doch nicht hat vermeiden können. Die Anklage gegen ihn lautete in einem Fall auf Unters schlagung, in fünf Fällen auf Betrug im Rückfall, in drei Fällen in Tateinheit mit Amtsanmaßung. Er war bes auftragt worden, Geld und Waren für eine Verlosung zu sammeln, hatte aber nahezu alles unterschlagen. Außerdem hatte er eine Anzahl ebenso schamloser mie raffinierter Betrügereien an Frauen verübt, die um das Schicksal ihrer verhafteten Männer in Sorge waren. So erschien er eines Tages in Begleitung eines Feldpolizeiwachtmeisters, den er entsprechend angelogen hatte, bei einer Frau im Stuttgarter Vorort Gaisburg, deren Mann auf dem Heuberg war, stellte sich als„ Ordonnanz vom Brannen Haus" vor, behauptete, als staatlicher Funktionär mit der Verhaftung ihres Mannes dienstlich zu tun zu haben, veranlaßte die Frau, ein Gesuch um Entlassung ihres Mannes aufzusezen, versprach ihr, den Mann sofort im Tari aus dem Lager zu holen, und erhob von ihr einen entsprechenden Die Konzentrationsläger Der Reichskanzler Hitler läßt durch die Korrespondenzbüros mitteilen, daß sich zurzeit in ganz Deutschland 18 000 Personen in Schußhaft befänden, davon in Preußen rund 12 000. Das ist eine der bekannten Meldungen, die sich bewußt gegen die wahre Sachlage wenden. Die Zahl der deutschen Schußhäftlinge, die Hitler angibt, ist nur ein verhältnismäßig fleiner Prozentsaß der richtigen Siffer. Aber der Reichskanaler weiß genau, daß heute in Deutschland feine Beitung wagt, den amtlichen Meldungen entgegenzu treten. Die gesamten deutschen Behörden stehen unter dem direkten Einfluß Hitlers und alle Meldungen, Statistiken usw. werden nur im Sinne der faschistischen Propaganda verfaßt; so wie jeder vernünftige Deutsche weiß, daß es Hitler niemals einfallen würde, das Ansteigen der deutschen Arbeitslosigkeit melden zu lassen, ist es für den größten Teil des deutschen Volkes klar, daß heute in Deutschland die Wahrheit überhaupt keine Heimat hat. Kostenvorschuß. Aehnlich verfuhr er gegenüber einer Frau Todesurteile in Moskau in Eßlingen, die zwei Söhne auf dem Heuberg hat. Außerdem verübte er unter der Flagge eines Beauftragten der Hitlerspende" bei zwei Frauen in Ludwigsburg und als " Sonderkommissar" bei einer Frau in Kornwestheim Be trügereien. Der Staatsanwalt beantragte gegen diesen sauberen Teilhaber an der sittlichen Erneuerung Deutschlands zwei Jahre Zuchthaus, das Gericht war milder und verurteilte ihn zu einem Jahr, sechs Monaten Gefängnis. Wer aber glauben sollte, daß es solcher Früchtchen, wie dieser es war, nicht noch sehr viele in den SA.- Stürmen gibt, der würde sich irren. Es kommt nur, wegen der Angst Das Mostaner Stadtgericht verhandelte in öffentlicher Sigung gegen 12 Angeklagte wegen angeblicher Schädlings: arbeit im öffentlichen Speisungswesen und verurteilte fünf Angeklagte zum Tode durch Erichießen. Weiter wurden Strafen von 18 Monaten bis 8 Jahre Gefängnis verhängt. -- Ueber den Inhalt der Anklage berichtet die Telegraphen agentur der Sowjetunion, daß seit 1982 in einer Reihe von Fabritspeisehallen Glassplitter, Sand, Nägel, Haare und Drahtstücke in den Speisen gefunden worden seien. Man habe feftgestellt, daß eine Gruppe antisowjetistischer Elemente unter Leitung des ehemaligen Zarenoffiziers Stefan Dichkin als Täter in Frage kämen. setzt werden. Der Gebrauch des Petitionsrechts ist zu einem Wagnis geworden. Das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden ist beseitigt. Von einer gleichen Zulassung zu den öffentlichen Aemtern ist keine Rede mehr, die wohlerworbenen Rechte des Beamten sind bis auf weitres außer Kraft gesetzt. In die Freiheit der Kirchen- und Religionsgesellschaften zur selbständigen Ordnung und Verwaltung ihrer Angelegenheiten ist durch Ernennung von staatlichen Kommissionen eingegriffen. Die Freiheit der Künste, Wissenschaft und ihrer Lehre wird ausdrücklich verneint. Gegen das Recht auf die Errichtung von Bekenntnisschulen, die, nebenbei bemerkt, bisher in den meisten Teilen des Reichsgebiets die Regel waren, wird regierungsseitig angekämpft. Im Schulunterricht ist an Stelle der Rücksicht auf die Empfindungen Andersdenkender ein System der obligatorischen Erziehung im Sinne der herrschenden Partei getreten. Im Wirtschaftsleben ist der Grundsazz der Freiheit des Handels und Gewerbes im Rahmen der Gesetze in weitem Umfang durch behördliche und behördlich geduldete Eingriffe von Parteiinstanzen eingeschärft. Der Schutz der Privateigentümer leidet unter administrativen Beschlagnahmen und Enteignungen. Das Arbeitsrecht ist zum großen Teil Objekt von Verwaltungsverfügungen geworden, das Koalitionsrecht gänzlich abgeschafft, in den wirtschaftlich- sozialen Vertretungskörpern ist das genossenschaftliche System der freien Wahl durch amtliche Ernennung ersetzt. dung glauben machen wollte. Die Wahrheit ist vielmehr, daß Bola nach seiner Vernehmung auf dem Polizeipräsidium im offenen Wagen in ganz langsamem Tempo an der Markthalle vorbeigeführt wurde, wo sich die bestellte Ents rüftung einer schaulustigen Menge in aller Seelenruhe mit Kartoffeln und Eiern ausstatten konnte, die gegen Bola geworfen wurden, und daß die Fahrt dann weiterhin ebenso langsam durch die belebtesten Straßen der Stadt bis zum Bahnhof ging. Hat die Stelle, die solches anordnete und damit offenbar die in Karlsruhe an Remmele, Marum und Genossen begangene Gemeinheit nachahmen wollte, nun auf Grund amtlicher Autorisation oder unberechtigter Anmaßung gehandelt? Diesen Illustrationen des im Schwabenland leider ebenso wie auch im übrigen Deutschland herrschenden brutalen Terrors gegen alle, die noch eine geistig selbständige Haltung einnehmen, sei zum Schluß noch der Bericht über einen Vorgang in den Reihen der Arbeitsdienstfreiwilligen des Landes angeführt, der auf tiefgehende Differenzen schließen läßt. An der Spitze dieses Arbeitsdienstes stand bisher ein Hauptmann a. D. Alfred Müller, der aber plößlich beurlaubt und durch einen fommissarisch auf seinen Posten berufenen Major a. D. Kolhorn ersetzt wurde. Die Folge davon war, daß am 4. Jult etwa 1200 Arbeitsdienstfreiwillige aus Stuttgart und Ums gebung vor dem Landesarbeitsamt Südwestdeutschland ers schienen, um gegen diesen Führerwechsel zu demonstrieren, von da vor die Wohnung des früheren Führers zogen, der vom Fenster aus eine Ansprache an sie hielt, und schließlich ein Telegramm an das Reichsarbeitsministerium schickten. Auch dieser Vorgang legt Zeugnis davon ab, daß im Gegensatz zu der immer behaupteten, einmütigen völkischen Gesinnung ein erbitterter Cliquenkampf im„ nationalen" Lager, teils über-, teils unterirdisch stattfindet, denn unbeschadet aller zur Schau getragenen Hitlerbegeisterung ist doch der Kampf um die Futterkrippe immer noch das stärkste Motiv, von dem diese Kreise geleitet werden. Suevius. Man kennt Hitler Henderson, Daladier und Paul Boncour verhandeln Paris, 12. Juli.( Eig. Melbg.) Dienstagvormittag fand zwischen dem Vorsitzenden der Abrüftungskonferenz, Henderson, und dem französischen Ministerpräsidenten Dalabier mit dem Außenminister Paul Boncour in Anwesenheit eines hohen Bertreters des Bölkerbundes eine wichtige Unterredung statt. Eine Unters redung, die vor allem die Kontrolle des Kriegsmaterials und des privaten Waffenhandels zum Thema hatte. U. a. wurde auch die Frage der deutschen Aufrüstung behandelt. Man wieß darauf hin, daß Hitler entgegen seiner großen Friedensrebe in der Praxis seine Politik darauf einrichte, bas ganze deutsche Volt zu militarisieren. Eine solche Politik müffe den Frieden Europas auf das stärkste ges fährden und verlange entscheidende Schritte der Großs mächte auf diesem Gebiet. * Kein Wunder, die Militarisierung großer Teile des deutschen Volkes durch Adolf Hitler spielt sich heute offent vor den Augen der Welt ab. Frankreich wie England sind genau über den Sinn des freiwilligen Arbeitsdienstes wie über sein Programm orientiert. Das Mißtrauen des Auslandes Deutschland gegenüber zeigt sich von Tag zu Tag mehr, ja, der Reichskanzler Hitler fördert dieses Mißtrauen in jeder Hinsicht. Und zwar nicht nur durch den amtlich verordneten Wehrsport in Deutschland, nicht nur durch die Militarisierung der Jugend, sondern auch durch die Eratehung des deutschen Voltes zum Revanchegeist. Geradezu lächerlich wirkten übrigens im Auslande die von Hitler im ganzen Reich anläßlich des Tages der Unterzeich nung des Versailler Vertrages inszenierten und verordneten Protesttundgebungen gegen den Versailler Vertrag. Gegen denselben Vertrag, den der Reichstanzler Adolf Hitler vorher selbst durch den Viermächtepakt nen bestätigt und anerkannt hat. Das ist keine Politik mehr, daß find Hanswurstiaden. e g t et r t t I 3 3 . t e Die Hölle von Dachauon Ein Greis im Konzentrationslager- Die Chronik der Opfer- Bisher 41 Ermordete gemeldet Wir wir zuverlässig erfahren, ist in das Konzentrationslager von Dachau in Südbayern auch der Vorsitzende des Schuhmacherverbandes Simon eingeliefert worden. Er steht im Alter von 68 Jahren, und man muß befürchten, daß ein längerer Aufenthalt in dem ungefunden Konzentrationslager dem alten Manne den Tod bringen wird. Das ganze« Verbrechen" Simons besteht darin, daß er seit Jahrzehnten sich sozialdemokratisch und freigewerkschaftlich betätigt hat. Simon gehörte seit Jahrzehnten dem deutschen Reichstag an und war lange Jahre Vorsitzender des Volkswirtschaftlichen Ausschusses. Er ist übrigens nicht Jude, sondern Arier, der Sohn eines bayerischen Schäfers und hat sich durch eigene Kraft zu seiner führenden Stellung emporgearbeitet. Ein aus Dachau geflüchteter Münchener berichtet folgendes: Von allen deutschen Konzentrationslagern scheint das bei München gelegene, in einem ehemaligen Pulvermagazin eingerichtete Lager Dachau das schrecklichste, das wahre Inferno für die dort Inhaftierten zu sein. Mit gutem Gewissen kann man die Worte, die mir neulich ein Genosse über diese Hölle schrieb, über den Eingang dieses Lagers setzen:„ Wenn du hier eintrittst, lass' alle Hoffnung fahren". Ich will nicht weitschweifig sein und nur einen kurzen, übrigens leicht überprüfbaren Tatsachenbericht geben, denn das, was hier behauptet wird, war zum größten Teil in deutschen Zeitungen zu lesen, wird also amtlich zugegeben. Man weiß, daß die ersten vier Toten, von denen die Presse Deutschlands und des Auslandes zu melden wußte, Artur Kahn, Provisionsreisender aus Nürnberg, Erwin Kahn, Kaufmann aus München, Goldmann, Reisevertreter aus Nürnberg, und Dr. Alfred Benario, ein Neffe des bekannten gleichnamigen Münchener Rechtsanwalts, in Dachau erschossen wurden. Diese vier Menschen waren Juden, waren völlig unpolitisch, es war allen vieren nichts nachzuweisen, dennoch wurden sie ein Opfer der braunen SA.- Bestie. Nach einer deutschen Radiomeldung wurden die vier angeblich auf der Flucht erschossen. Sie hatten aber, was nicht wegzuleugnen ist, alle Stirnschüsse! Ferner nahm die SA. den Münchener Polizeimajor Sunglinger( bis 1923 Hitler- Anhänger, später Bayrischer Volksparteiler) und einen gewissen Sebastian Nefzger( SA.- Mann) fest. Hunglinger soll befehlsmäßig vor der Machtergreifung Hitlers gleichmäßig scharf gegen Nazi und Kommunisten vorgegangen sein. Nefzger wurde auf Grund einer Quittung, die man in der Münchener Polizeidirektion fand, verhaftet. Diese Quittung lautete:„ Nefager 50 Mark erhalten". Beide Verhaftete wurden schwer mißhandelt, derart, daß man sich veranlaßt sah, von jedem Selbstmord zu melden. Der siebente Tote aus Dachau ist der SPD.- Mann und Vorstand der Pasinger Ortskrankenkasse Michael Sigmann. Irgend ein rachsüchtiger Denunziant hat ihn ans Messer geliefert. Der achte: ein Mann namens Johann Wiesmann, 22 Jahre alt. Nunmehr wird gemeldet, daß der Funktionär der KPD. Nordbayerns, Karl Vehr burger aus Nürnberg, auf der Flucht erschossen" wurde. Das„ Dachauer Volksblatt" vom 27. Mai d. I., also eine amtlich gestattete deutsche Zeitung, weiß zu berichten, Lehrburger sei mit dem Tischmesser auf seinen Wärter losgegangen und von diesem erschossen worden. Ferner erfährt man auch den Tod des NGO.- Funktionärs Anton Hausladen. Offiziell ergab die Untersuchung „ Herzschlag", in Wirklichkeit wurde Hausladen zu Tode ge= foltert. Nach zuverlässigen Nachrichten befinden sich in Dachau die Kommunisten Mar Holy, Stadtrat Hirsch und Freiberger. Dazu kamen der Münchener KPD.- Reichstagsabgeordnete Hans Beimler und der Landtagsabgeordete Franz Dressel. Dreffel soll nach Zeitungsmeldungen" Selbstmord durch Oeffnung der Pulsadern" begangen haben. Die Wahrheit ist, daß er bis zur Unkenntlichkeit geschlagen wurde und daß man der Leiche- um Selbstmord vorzutäuschen- die Pulsadern aufschnitt.( Was jetzt immer häufiger vorkommt.) May Holy, einer der aufrechtesten und mutigsten Kommunisten Südbayerns, war Landessekretär der Roten Hilfe, Bezirk Südbayern. Er soll bereits über die österreichische Grenze gekommen sein und hatte angeblich in Salzburg bei einem Kommunisten Unterkunft gefunden. Er wurde aber bei einer Polizeirazzia festgenommen und angeblich wieder der SA. in die Hände gespielt. Was mit Holy geschehen ist, weiß man bis heute nicht. Josef Göder" Götz- Sepp", ein sehr beliebter Münchener KPD.- Mann, ist erschlagen worden. Ungewißheit herrscht über das Schicksal des bei Freund und Feind geachteten Kommunisten Freiberger. Ein Bericht besagt, er sei längst tot, ein andrer lautet, er sei in Dachau Korporalschaftsführer.( Man muß wissen, daß in solchen Konzentrationslagern streng militärisch„ erzogen" wird. Zehn Mann bilden eine Korporalschaft und haben die Berechtigung, aus ihrer Mitte den Führer zu wählen.) Zynisch plauderten deutsche und österreichische Naziblätter darüber, daß sich der kommunistische Münchener Stadtrat Josef Huber, ein von Aerzten aufgegebener Lungenkranker, beim Holzhacken in der Haft den Daumen abgehackt habe, um ins Krankenhaus zu kommen, was ihm aber„ danebengelungen" sei. Ueber seinen Kollegen, den kommunistischen Stadtrat Hirsch, ist nicht das Geringste zu erfahren. Hans Beimler, der Münchener KPD.- Reichstagsabgeordnete, wurde festgenommen, nach Dachau gebracht und unbeschreiblich gefoltert. Schließlich mußte ihn der Lagerarzt ins Krankenhaus geben. Von dort wurde er auf abenteuerliche Art und Weise entführt und er soll über der Grenze sein, allerdings in schrecklichem Zustand. Dr. Alfred Strauß, Rechtsanwalt aus München, 30 Jahre alt, Jude, wurde angeblich auf der Flucht" in Dachau erschossen. Man erfuhr aus unwidersprochenen Zejtungsnachrichten, die Leiche wäre den Eltern in versiegeltem Sarg übergeben worden. Die Eltern haben sich verpflichten müssen, über die Todesumstände ihres Sohnes zu schweigen. Das Gleiche ereignete sich mit dem jugendlichen Funktionär der Eisernen Front, dem Wilhelm Aron( Justizratssohn, 22 Jahre alt, Referendar). Er wurde bestialisch ermordet. In einem verlöteten Zintsarg erhielten die unglücklichen Eltern die Ueberreste der Leiche zurück, mußten ebenfalls die Zusicherung geben, daß sie den Toten nicht sehen wollten. Aron wurde in seinem Heimatsort Bamberg begraben. Er war Jude. Dem Begräbnis wohnten viele angesehene Katholiken bei. Der dortige Rabbiner hielt eine ergreifende Totenpredigt und das Blatt der Bayrischen Volkspartei, das„ Bamberger Volksblatt", brachte einige Stellen dieser Predigt. Es wurde sofort verboten. Die Münchener Zeitungen haben bis jetzt 41( einundvierzig) Ermordete aus dem Konzentrationslager Dachau gemeldet. Dachau, wo einst die Rote Armee der Münchener Räterepublik gegen die überlegene Weiße Garde" kämpfte, dieses blutgedüngte Dachau, wird in der revolutionären Leidensgeschichte des bayrischen Proletariats für immer ein düsteres und dennoch heroisches Blatt sein. Die deutschen Richter bekennen sich leidenschaftlich Helit! Helft! Sie sind einverstanden mit der Verwüstung von Recht und Moral Treu Deutschösterreicher. In dem Aufruf heißt es u. a.:„ Die Zahl hinter Hitler und dem braunen Terror! Nürnberg, 9. Jult. Die heute in Nürnberg tagende Vertreterversammlung des Deutschen Richterbundes als der einzigen Zentralorganisation der Richter und Staatsanwälte aller deutschen Länder und des Reiches hat an den Reichskanzler folgendes Telegramm gesandt: Der Führer des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen hat auf Vorschlag des Fachleiters der Richter und Staatsanwälte bei dem Führerstab der Reichsführung, Amtsgerichtsrat Kyser, in Anwendung der ihm vom Führer erteilten Vollmachten und auf Grund der einschlägigen Satzungsbestimmungen ernannt: Zum Bundesvorsitzenden: Senatspräsident beim Reichsgericht Linz, Stellvertreter: Reichsgerichtsrat Dr Schulze; Schriftführer: Amtsgerichtsrat Weiß; Stellvertreter: Reichsanwalt Jorn 3; Kassenwart: Landgerichtsdirektor Dr. Gerth- Norisch, Stellvertreter: Reichsgerichtsrat Lindenmayer; zu Mitgliedern des Bundespräsidiums: Landgerichtsdirektor Dr. Schmidt und Landgerichtsdirektor Burczek in Berlin vom Preußischen Richterverein usw. Diese vom Führer ernannten Herren unterstehen dem Amtsgerichtsrat Keyser als Fachleiter der Fachgruppe Richter und Staatsanwälte beim Führerstab des BNSDJ. und bei dessen Unterstab. Auch„ Kurpfuscher" gleichgeschaltet Die Heilpraktiker: Heil Hitler! gez. Dr. Frant. Aus der Versammlung wurde dann folgende Entschließung gefaßt: „ Der Deutsche Richterbund, der mit seinen sämtlichen Landesvereinen dem Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen angehört, fühlt sich eins mit der großen Idee, die von dem Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen getragen wird, und bekennt sich leidenschaftlich zu dem von dem Führer dieses Bundes, Reichsjustizkommissar Dr. Frant aufgebauten Arbeitsprogramm. Der Deutsche Richterbund sieht seine Hauptaufgabe und damit beste Standesvertretung in der Mitwirkung des gesamten Richtertums an der Neugestaltung des deutschen Rechtes und der deutschen Rechtsordnung, die in Zukunft von einem Reichsrichtertum getragen sein soll." Man darf den deutschen Richtern nicht nachsagen, daß sie sich dem Hitler- Terror gebeugt hätten. Sie haben freiwillig und leidenschaftlich auf die Bewahrung der Rechtsgrundlagen Verzicht geleistet, begeistert von den faschistischen Jdealen, die bemußt das Recht zugunsten der„ nationalen" Interessen des totalen Staates beugen. Die Justitia in Deutschland trägt keine Binde mehr. Sie hat das Schwert in der Hand, das gegen die politischen Gegner Hitlers in Bewegung das gegen die politischen Gegner Hitlers in Bewegung gesetzt wird. Es folgt ein Fragebogen von sieben Seiten, mit mehr oder weniger diskreten Fragen aus dem privaten, öffentlichen und beruflichen Leben des Bewerbers, z. B. ob er erblich be= lastet und seguell normal ist und insbesondere nach der Artder ausgeübten Krankheitserkennung „ Augendiagnose, Gesichts- und Körperausdruckskunde, Handlesefunde, Graphologie, Pendeldiagnose, Einfühlungsdiachoanalyse, Suggestion, Hypnose, neugeistiges Verfahren, anthroposophische, theosophische Medizin, Mazdaznan, christ liche Wissenschaft, okkulte Methoden. Im Reich werden jetzt auch die Heilpraktiker" zu einer gnose ,, offulte Diagnose, Nageldiagnose, Hautdiagnose, Psynationalsozialistischen Fachschaft vereinigt, dessen Aufnahmegesuch folgende Säße enthält: Ich bin eingeschriebenes Mitglied der NSDAP. und ersuche... um Aufnahme Nach bestem Wissen und Gewissen gebe ich folgende ehrenwörtliche Versicherung ab. Ich bin( nachweislich bis zu den Großeltern) rein deutscher- arischer Abstammung und nicht jüdisch oder fremdrassig verheiratet. Ich gehöre keiner Freimaurerloge oder sonst einem Geheimbunde an. Soweit ich folchen Logen oder Bünden früher angehört habe, mache ich nachfolgend wahrheitsgetreu die geforderten Angaben. Ich gehöre keiner anderen Partei an und werde einer solchen so wie einem Geheimbund oder einer Loge während der Dauer meiner Mitgliedschaft bei der Fachschaft weder beitreten, noch solche offen oder im geheimen unterſtüßen. Ich verspreche, die Arbeitsgemeinschaft und die nationalfozialistische Weltanschauung mit allen meinen Kräften zu fördern. Alle Angaben und zur Aufnahme geforderten Belege aebe ich nach bestem Wissen und Gewissen ab. Für welches Behandlungsgebiet wird Zulassung und Ans erkennung gewünscht? 3. B. Beinleiden, Magen- und Darmkrankheiten, Nervenkrankheiten usw., Allgemeinbehandlung oder Sonderfach?" Zum Schluß erklärt der Bewerber:„ Ich verpflichte mich, jederzeit für die Idee Adolf Hitlers mich mit allen meinen Kräften einzusetzen, strengste Parteidisziplin zu wahren und die Anordnungen der Abteilungsleitung gewissenhaft auszuführen." Keine jüdischen Inserate Dortmund, 8. Juli.( Inpreß.) In der Dortmunder Stadtverordnetenversammlung wurde beschlossen, daß in Zukunft nur diejenigen bürgerlichen Zeitungen berechtigt sein sollen, städtische Bekanntmachungen zu veröffentlichen, welche sich der Stadt gegenüber verpflichten, Anzeigen jeder Art von jüdischen Firmen abzulehnen." Die Berliner Blätter veröffentlichen einen Aufruf der nationalsozialistischen Nothilfe für die vertriebenen" der aus Desterreich ausgewiesenen Deutschen steigt immer mehr. Ihrer Tätigkeit entrissen, ohne Heim und Auskommen hoffen sie auf unsere Unterstügung. Schnelle Silfe ist geboten. Wir haben die Pflicht zu helfen. Die Großfirmen, die Industrie und andere Unternehmungen find in erster Linie dazu berufen, unseren Brüdern ans Oesterreich die so bitter not wendige Hilfe angedeihen zu lassen. Laßt unsere österreichis schen Volksgenossen nicht im Stich." Spenden sind an ein Sonderkonto zu Händen der Gattin des Reichsinnenministers Frick zu richten. Sie hat ein mildtätiges Herz, die gnädige Frau Frick. Von dem Elend der vielen Zehntausenden, die unter Mitwirkung ihres Mannes aus Deutschland in die Fremde gejagt werden, wird sie aber nicht berührt. Helft den sozialistischen und republikanischen Emigranten! ,, Neuer Vorwärts" in Kopenhagen Eine neue Ausgabe des„ Vorwärts" wird jetzt auch in Dänemark herausgegeben. Gedruckt wird das Blatt in der Druckerei der Arbeiterpartei in Slagelse, einer kleinen dänischen Provinzstadt in der Nähe von Kopenhagen. Der Titel ist„ Neuer Vorwärts", sozialdemokratisches Wochenblatt". Herausgeber ist Ernst Sattler, verantwortlicher Redakteur Wenzel Horn, beide in Karlsbad( Tschechoslowakei). Kleine Erinnerungen Vor fünfzig Jahren Am 24. Mai 1878 lehnte der Reichstag Bismarcks erstes Sozialistengesetz ab. Die Sozialdemokraten begnügten sich, durch Liebknecht folgende Erklärung abgeben zu lassen: " Der Versuch, die Tat eines Wahnwißigen, noch ehe die gerichtliche Untersuchung geschlossen ist, zur Ausführung eines lange vorbereiteten Reaktionsstreiches zu benutzen und die„ moralische Urheberschaft" des Mordattentats auf den deutschen Kaiser einer Partei aufzuwälzen, welche den Mord in jeder Form verurteilt und die wirtschaftliche und politische Entwicklung als von dem Willen einzelner Personen ganz unabhängig auffaßt, richtet sich selbst so vollständig in den Augen jedes vorurteilslosen Menschen, daß wir, die Vertreter der sozialdemokratischen Wähler Deutschlands, uns zu der Erklärung gedrungen fühlen: Wir erachten es mit unserer Würde nicht vereinbar, an der Debatte des dem Reichstage heute vorliegenden Ausnahmegesetzes teilzunehmen und werden uns durch feinerlei Provokationen, von welcher Seite sie kommen mögen, in diesem Entschluß erschüttern lassen. Wohl aber werden wir uns an der Abstimmung beteiligen, weil wir es für unsere Pflicht halten, zur Verhütung eines beispiellosen Attentats auf die Volksfreiheit das Unsrige beizutragen, indem wir unsere Stimmen in die Wagschale werfen. Falle die Entscheidung des Reichstages aus, wie sie wolle, die deutsche Sozialdemokratie, an Kampf und Verfolgung gewöhnt, blickt weiteren Kämpfen mit jener zuversichtlichen Ruhe entgegen, die das Bewußtsein einer guten und unbesiegbaren Sache verleiht." Kommt die zweite Revolution? Vom Trommler zum Flötenspieler- Die Furcht vor der Lawine- Die revolutionäre Entwicklung hält an Die leeren Mägen Der deutsche Faschismus hat alle Parteien zerschlagen. Er steht nun, nach einem Wort des„ Völkischen Beobachters", " gestaltlos gewordenen Millionenmassen" gegenüber. Aber diese gestaltlos gewordenen Millionenmassen", die man mit Leuchtraketen und Truppenparaden mit maulwerk- und feuerwerktätiger Propaganda in eine Volksgemeinschaft" verwandeln wollte, hungern wie einst, fiebern wie einst, gären wie einst von tiefer Unzufriedenheit. Und so gestaltlos die Massen wurden, die ökonomischen Gestalten des Ausgebeuteten, des Kapitalisten und des Arbeitslosen, des Geschäftemachers und des Proleten sind unverändert geblieben; die wirtschaftlichen Gegensäße wurden nicht gleichgeschaltet". Und wenn auch die Herren Wirtschaftsführer an Feiertagen in der Doppelreihe" marschieren, ein Bild wahrer Volksgemeinschaft", an Wochentagen drücken sie die Löhne und fahren sie im Luxusauto; und schließlich sind es die Wochentage und nicht die Feiertage, die das Leben eines Volkes bestimmen. Von Judenblut wird man nicht satt, mit Folterwerkzeugen kann man die Wirtschaft nicht ankurbeln, und eines Tages hört man nicht mehr die vollen Worte dröhnen, sondern die leeren Mägen knurren. Der Führer wird Reformist Das ist der Augenblick, in dem die Führer, ängstlich im Polster ihrer Automobile zusammengekauert, in jeder Blume die Bombe ahnen, die ihnen das Volk ins Auto wirft, in dem sie die gestaltlos gewordenen Millionenmassen am liebsten in lauter fleine, wohlgeordnete Privateɣistenzen zerhacken möchten. In dieser Situation hat sich der Revolutionär" Hitler in einen braven Reformisten verwandelt; der Trommler" wird zum Flötenspieler der Bürgerlich keit, der Mann, der Mord und Messer gepredigt hat, predigt auf einmal Ordnung und Ruhe. In einer Führertagung in Reichenhall hat er vor der zweiten Revolution" gewarnt, auf einer Konferenz der Reichsstatthalter hat er die „ Gleichschaltung" der Wirtschaft abgelehnt, hat er sich zu der Gesellschaftsordnung bekannt, gegen die der Haß der Millionenmassen rebelliert.„ Man muß den freigewordenen Strom der Revolution in das sichere Bett der Evolution hinüberleiten... In der Wirtschaft darf nur das Können ausschlaggebend sein... Der Wirtschaftler muß in erster Linie nach seinen wirtschaftlichen Fähigkeiten beurteilt werden und wir müssen selbstverständlich die Wirtschaftsapparatur in Ordnung halten... Die Ideen des Programms verpflichten uns nicht, wie Narren zu handeln und alles umzustürzen, sondern flug und vorsichtig unsere Gedankengänge zu verwirklichen... Die geistigen Bazillenträger, die jetzt in die Wirtschaft einzubrin gen suchen, bringen Staat und Volf in Gefahr. Man darf nicht die praktische Erfahrung ablehnen, weil sie gegen eine bestimmte Idee ist". Die Massenlawine Die geistigen Bazillenträger", das sind die Sturmabteilungen, die Hitler zur Macht emporgetragen haben, das sind die SA.- Proleten, denen man einredete, man werde das„ System" zertrümmern und den nationalen Sozialismus aufrichten, das sind die radikalen Intellektuellen und Kleinbürgersöhne, denen alle Klugheit und alle Vorsicht in dieser Krisenwelt des Kapitalismus nichts nüßt, die man gelehrt hat, nur an ihre Verzweiflung, nur an ihre Erbitterung zu glauben. Die praktische Erfahrung" aber, die man nicht ablehnen soll, weil sie gegen eine bestimmte Idee" ist, nämlich gegen die Jdee des Sozialismus, diese praktische Erfahrung wird verkörpert von dem Großfapital, dessen politischer Exponent Herr Hugenberg war. Hugenberg wurde gestürzt, Hitler hat seine Rolle übernommen; der Name tut nichts zur Sache, das Wesen entscheidet. Die Rede, die Hitler vor den Reichsstatthaltern gehalten hat, könnte als Leitartikel in jeder liberalen Zeitung abgedruckt werden; die Bürger werden ihr Beifall flatschen. Aber die geistigen Bazillenträger", die das Programm des Nationalsozialismus ernst genommen haben, die gestaltlos gewor denen Millionenmassen", die in Bewegung geraten sind, werden für den Kurswechsel tein Verständnis aufbringen. Die braunen Bonzen bremsen aber die Massenlawine wird die Bonzen zermalmen. Grollen in der Tiefe Die Angst Hitlers vor einer zweiten Revolution" ist durchaus berechtigt, die Vorbereitung dieser zweiten Revolution hat überall begonnen und es gehört zu den inneren Widersprüchen des deutschen Nationalfaschismus, daß die selben Elemente, die seinen Aufstieg verbürgten, auch seinen Untergang beschleunigen werden. Der deutsche Faschismus ist, anders als der italienische, das Produkt der akuten Wirtschaftskrise: Mussolini konnte die Bewegung abbremsen, konnte bedächtig und behutsamer seine Macht stabilisieren, weil er in die letzte Konjunktur des untergehenden Kapitalismus hineingeriet. Hitler kann die Bewegung nicht abbremsen, weil er seine Macht nicht wirtschaftlich untermauern" fann, weil die Verschärfung der Krise zu einer Verschärfung aller Klassengegensäße und aller Massenstimschaftsordnung unaufhaltsam fortschreitet, weil jeder sterben mungen führt, weil der Zersetzungsprozeß der alten Gesellmuß, der im sterbenden Kapitalismus wurzelt. Hitler predigt Ruhe und Ordnung aber die SA.- Proleten beginnen zu meutern. Hitler stellt sich schüßend vor die Ausbeuter aber schon kommt es da und dort zu wilden Streifs, zu Demonstrationen gegen die Kapitalisten, schon fordern Nazibetriebsräte im Namen der nationalsozialistischen Revolution", daß die liberalen", die„ marristischen" Unternehmer davongejagt werden. Die Terminologie hat sich grotesk verändert, aber der Klassenkampf hat nicht aufgehört, trotz allen Feuerwerken und allen Beschwörungen. Die rote Fahne wurde verboten: nun denn, die Proletarier rebellieren unter der Hakenkreuzfahne gegen die Geldgeber des Hakenfreuzes. Der kommende Einheitsblock Es gibt keine Parteien mehr, bald wird es nur noch eine unter dem furchtbaren Druck des Faschismus geeinigte Millionenmasse revolutionärer Proletarier und erbitterter Kleinbürger geben. Bald wird die Klassenfront, die Einheitsfront gegen das letzte Bollwerk des deutschen Kapitalismus, gegen die faschistische Diktatur, hergestellt sein. Mit den Parteien sind wichtige Instrumente des Klassenkampfes, mit ihnen sind aber auch viele Hemmungen zerschlagen worden, die den Klassengenossen vom Klassengenossen absonderten; bisher gab es in Deutschland kommunistische, sozialdemokratische, Zentrums- Arbeiter, dazu in den letzten Jahren Millionen Nazi- Proleten, bald wird es nur noch radikale, zu revolutionärem Umstura entschlossene Proletarier geben. Die legalen Parteien waren nicht nur eine Zusammenballung, sondern vielfach auch eine Zer splitterung der Kampfenergien: der Kommunist fämpfte nicht nur gegen den Kapitalismus, sondern auch gegen die Sozialdemokratie, widernatürliche Koalationen durchkreuzten die Klassenfronten, der Feind war niemals in einer Partei, in einer politischen Organisation fonzentriert, er versteckte sich hinter verschiedenen Parteien und Parteigruppierungen. Nun aber verschmilzt alles. Bald wird niemand mehr fragen: Warst du Kommunist? Warst du Sozialdemokrat? Warst du Zentrumsarbeiter? Bald wird die ge= staltlos gewordene Millionenmasse sich in der Gestalt der sozialen Revolution erkennen. Von der Einzelaktion zur Revolution Der Prozeß, der da beginnt, wird nicht von heute auf morgen vollendet sein, aber ihn zu verhindern wird keine Macht der Welt imstande sein. SA.- Meutereien, Revolten unter der Hakenkreuzfahne, Versuche, die nationale Erhebung" weiterzutreiben, bis sie die Grenzen des Kapitalismus überschreitet und in die soziale Erhebung umschlägt aus all diesen Einzelaktionen, aus diesen anfangs spontanen, später unterirdisch organisierten Rundgebungen des Massenwillens wird sich die zweite Revolution" entfalten. Hitler hat sich der antifapitalistischen Leidenschaften von Millionen bedient, um den Kapitalismus, um die„ praktische Erfahrung" des Ausbeutertums zu retten; es wird ihm nicht gelingen, diese antikapitalistischen Leidenschaften in das " sichere Bett der Evolution" zu leiten, es wird ihm nicht gelingen, den Explosivstoff, dessen er einst bedurfte, in den Mörtel zu verwandeln, dessen er nun bedarf, es wird ihm nicht gelingen, die Bazillenträger der Krise zu freundlichen Krantenschwestern des Kapitalismus zu erziehen. Es wird ihm nicht gelingen( und wäre er selbst, was er nicht ist, nämlich ein großer Führer), innerhalb des Rapitalismus für Millionen Arbeit zu schaffen: die Arbeitslosen, die das von ihm erwartet haben, werden bald seine wütendsten, seine gefährlichsten Gegner sein. Die Blumen, mit denen man den Sieger überschüttet, werden zu Bomben, mit denen man sich an dem Schwindler rächt. Vom Chaos zum Sieg Hitler fündigt Reformen an, vorsichtige, halbschlächtige Maßnahmen; aber keine Reform der alten„ Ordnung" wird diese Ordnung vor dem Einsturz bewahren, das Chaos wird seinen Söhnen, den faschistischen Zauberlehrlingen, über dem Kopf zusammenschlagen, die Welle, die sie emportrug, wird sie verschlingen. In diesem Chaos, das sich in Deutschland unerbittlich ankündigt, haben die illegal ar beitenden Margisten eine ungeheure Aufgabe zu bewältigen; es ist ihre wichtigste Funktion, diesen Rebellionen Ziel und Richtung zu geben, im entscheidenden Augenblick die Führung zu übernehmen und das Chaos durch die proletarische Machtergreifung zu überwinden. Denn der unfehlbar komora mende wirtschaftliche Zusammenbruch der NSDAP. durch die in ihr wirkenden Widersprüche und Gegensätze ist noch nicht die soziale Revolution, ist noch nicht der Sieg des Sozialismus; zur zweiten Revolution", zur Herrschaft der Arbeiterklasse, zum Sieg des Sozialismus führt das alles, nur durch die unbedingte revolutionäre Entschlossenheit der marristischen Proletarier, durch ihre klare Erfenntnis der revolutionären Notwendigkeiten und durch ihre völlige Einstellung auf die neuen Kampfmethoden. Der Jüdische Menschenfreund Opfer des Anitisemitismus Am 5. Juli erschoß sich in Köln der bekannte und ange= sehene Arzt und Philantrop Dr. med. Schwarzschild, der in der Kreuzgaffe seine vielen Armen und Bedürftigen gut bekannte Praris betrieb. Ursache ist die Diffamierung als Jude, der auch dieser Menschenfreund nicht entgehen konnte. Seine Frau, die im gleichen Hause als Zahnärztin praktizierte, hat an der Leiche ihres Mannes einen GiftSelbstmordversuch unternommen Sie ist im Krankenhaus gestorben. Als der Fall bekannt wurde, versammelte sich vor dem Hause eine große Zahl dankbarer armer Frauen, die in Verwünschungen gegen die Nazis ausbrachen und ihrer Trauer in Schmerzausbrüchen Ausdruck gaben. Carnera Boxweltmeister Sharken in der sechsten Runde knockout geschlagen. Die Welt hat einen neuen Bormeister, den Weltmeister aller Kategorien, wie er genannt wird. Der italienische Riese Primo Carnera, noch vor wenigen Jahren von den Fachleuten nicht als vollwertiger Borer angesehen, eroberte fich den vielbegehrten Titel in einem Kampf, der etwas mehr als eine Viertelstunde dauerte. Sharkey mag nachher vielleicht am meisten von seiner Niederlage überrascht gewesen fein. Er hätte nicht daran gedacht, daß sein Gegner ihm ein derartiges Ende bereiten würde. Bis zur sechsten Runde, in der die Entscheidung fiel, hatte Carnera durchaus nicht als Sieger ausgesehen. Sharten nuzte seine Schnelligkeit und Wendigkeit aus, er trieb Garnera mit schweren Körperschlägen durch den Ring. konnte ihn jedoch nicht erschüttern. Im übrigen schien er sich auf Carneras Langsamkeit im Schlagen und Denken zu ver laffen. Tatsächlich machte der Italiener nicht den Eindruck. als ob er anscheinend angreifen würde. Auch in der sechsten Runde, der legten des Weltmeistertampfes, der mit fünfzehn Runden limitiert war, befand sich Sharkey zuerst in der Offensive. Plötzlich geschah das Unerwartete: Mit dem italienischen Riesen ging eine überraschende Wandlung vor sich. feine Schwerfälligkeit verschwand, er ging unvermutet zum Angriff über und deckte den Weltmeister mit einem Hagel von Schlägen förmlich zu. Sharkey war derart verblüfft, daß er nicht einmal ordentlich Deckung nehmen konnte; er wußte Feme- SA.- Mord Die Regierung muß zahlen In Dresden gelang es der Polizei, eine Liste ehemaliger Mitglieder jetzt verbotener linksstehender Organisationen aufzufinden. Darunter waren auch Ausländer, die freilich aufzufinden. Darunter waren auch Ausländer, die freilich zum größten Teil schon viele Jahre in Deutschland leben. Sie wurden alle zusammengefangen und zum Teil in der neudeutschen Aufbauweise behandelt. Daran ist ein polnischer Staatsbürger- natürlich in echt slawischer Tücke gestorben. Da er eine ganze Familie erhalten hatte, die nun ratlos dasteht, forderte die polnische Regierung einen Schadenersatz von 300 000 Mart, und die Hitlerregierung ist bereits soweit, daß sie 120 000 Mark zahlen will. Die anderen Verhafteten sind ausgewiesen. im ersten Augenblick nicht, welche Gegenmaßnahmen er treffen sollte. Garnera ließ ihm aber keine Zeit dazu, denn er brachte fortwährend schwere Schläge an und erwischte ihn schließlich mit einem Uppercut am Kinn. Wie ein gefällter Baum ging Sharkey zu Boden. Das Geschrei in der Arena, das während des Kampfes nie aufgehört hatte, brach plötzlich ab. Bewegungslos lag Sharkey da. Der Schiedsrichter zählte bis zehn, dann hob er Garneras Hand in die Höhe, rief ihn zum neuen Weltmeister aus und nun ging ein ohrenbetäubender Lärm los. Die Zuschauer schrien und tobten, in den Beifall mischte sich Pfeifen, aber schließlich überwog der Beifall, da die Zuschauer zum Großteil Lands leute des neuen Weltmeisters waren. Freudestrahlend nahm Carnera die Ovationen des Publikums in Empfang. In der anderen Ringecke saß Sharkey, still und blaß, noch ganz befangen von dem schweren Knockout, den er erhalten hatte. Ein geschlagener Mann, dessen Karriere durch einen einzigen Kinnhaken jäh vernichtet wurde. Der Kampf, der Carneras Laufbahn krönt, ist der achtzigste, den der Italiener in den letzten viereinhalb Jahren ausgetragen hat. In diesen achtzig Kämpfen erlitt er, abgesehen von zwei Disqualifikationen gegen Stribbling und Diener, nur vier Niederlagen. 1930 unterlag er gegen Jim Malonen nach Punften, 1931 verlor er sein erstes Match gegen Sharken ebenfalls nach Punkten und im Vorjahr wurde er von Larry Gains und Poreda wieder nach Punkten geschlagen. Sein lester Kampf war jener gegen Ernie Schaaf im Februar. Schaaf trat als franter Mann an, wurde Mosscpresse plcite? Abonnenten- und Inseratenschwund Die Leserflucht von der gleichgeschalteten Mosse- Presse hat einen so argen Auflageschwund nach sich gezogen, daß nun auch schon die Inserate wegbleiben. Infolgedessen droht dem Unternehmen die Totalpleite, zumal die Hitlerregierung kein Interesse daran hat, diesen Betrieb aufrechtzuerhalten. Am Monatswechsel konnte die Firma einer größeren Anzahl ihrer Angestellten das Gehalt nicht mehr auszahlen. Der gleichgeschaltete, Chefredakteur" Karl Better- einstmals linksradikal spielend wurde im Flugzeug nach Paris zu dem auf fünf Jahre mit 100 000 Mark Jahresbezug ausgeschalteten Verleger Lachmann- Mosse um Hilfe geschickt. Lachmann- Moffe bedauerte höflich und Karl Vetter kehrte mit dem nächsten Flugzeug, wenn auch ohne Geld, nach Berlin zurück. vernichtend geschlagen und starb kurze Zeit darauf im Kranfenhaus. Carnera borte weit öfter als Sharkey, der sich offensichtlich schonte und auf seinen Lorbeeren ausruhen wollte. Das rächte sich. Carnera war seit dem letzten Kampf gegen Sharkey besser geworden, Sharkey jedoch fehlten große und harte Schläge; die Ruhepause tat ihm nicht gut. Er glaubte, mit Carnera auch so fertig zu werden und beschränkte sich bloß auf einfaches Training. Sein Gegner bewies ihm, daß mit ihm nicht zu spaßen ist. Sharkey taucht in die Versenkung unter. Er kommt für den Weltmeistertitel nicht mehr in Betracht. Carnera gegen Baer lautet nunmehr die Parole, die man noch vor wenigen Wochen ernstlich wohl nicht in Betracht gezogen hätte. Der Italiener ist nach dem Deutschen Schmeling der zweite Europäer, der den Weltmeistertitel in seinen Besitz gebracht hat. Ein bitterer Schmerz für Amerika, das seit jeher die Vorherrschaft in der Borweltmeisterschaft für sich in Anspruch nahm. Aber die Yankees haben jetzt in Max Baer einen Mann, der alle Fähigkeiten besitzt, um Weltmeister zu werden und der es vielleicht in ein paar Monaten werden wird. Er gibt an Schlagkraft den Riesenfäusten des Italieners nichts nach und wer weiß, ob Carnera sich lange der neuen Würde wird erfreuen können. Wenn diese beiden Faustgiganten im Herbst aufeinandertreffen, wird die Welt wieder eines jener Schauspiele erleben, wie sie nur ein oder zweimal im Jahr wiederkehren und durch geschickte Regie das Interesse der Sportmassen in Atem halten. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" ★ Hilfspolizei und„ ,, unsere Mädels" Das Erwachen der neuen Kultur An einem herrlichen, sonnigen Tag trafen, so liest man im fächsischen„ Freiheitstampf", alle die frischen, jungen Mädels aus den verschiedenen Gegenden Sachsens ein. Der Tag begann mit Arbeit. 5.30 Uhr war schon Wecken, und nun folgten Körperübungen, Schulungs- und Unterrichtsstunden in reichem Wechsel. Der Unterrichtsstoff umfaßte folgende Gebiete: Anleitung der Führerinnen zur Gruppenarbeit und Heimabendgestaltung, Juden- und Rassenfragen, Streifzüge durch die alte und neue Geschichte unter dem Gefichtspunkt einzelner Themen, wie Opfertod, deutsche Frauen, der Zug in die Ferne, Wellen aus dem Osten, der Bantapfel Elsaß- Lothringen usw., neue Geschichte von 1870/71 bis heute, neue Literatur, Jesuitentum und Zentrum, Gymnastik, Sport, Spiele und Volkstänze, Wanderungen mit Kartenlesen und GeländeLunde. Die beiden letzten Abende waren für eine Grenzlandfundgebung und für einen abendlichen Kirchgang bestimmt. Die Hilfspolizei und unsere Mädels stellten sich am vierten Abend zur Kundgebung, und los ging es im strammen SA.Schritt drei Stunden lang an der tschechischen Grenze ent lang mit nur einer zwei Minuten langen Stehpause. 18 Rilometer wurden durchmarschiert, und ich muß offen bekennen, daß dieser Marsch für alle Mädels eine tüchtige Leistung bedeutet, da sie wohl kaum jemals zuvor im gleichmäßig großen Marschschritt eine solche Zeit zurückgelegt hatten. Wenn ich auch schon eine überzeugte Nationalsozialistin Hier, Deutscher, war, so habe ich den Geist unserer herrlichen Bewegung hier noch besser erlebt. Da war kein Hurrapatriotismus, fondern echte, wahre Begeisterung und Liebe für das deutsche Vaterland, ein Führen und Folgen, eine straffe Disziplin, die auch scharfe Verweise und Strafen kannte, eine einheitliche Erziehung zu deutschem Geist, zu Ordnung und Freiheit. Also PGn. Käthe Eichner, eine junge Dame, die threm martigen Namen alle Ehre macht. Passende Zitate Alfred Rosenberg zitiert Aristoteles:„ Das Weibchen ist Weib kraft einer gewissen Fähigkeits= Tosigkeit", und Thomas von Aquino: Die Frau ist schnellwachsendes Untraut; sie ist ein unvollkommener Mensch, dessen Körper nur schneller zur vollständigen Ent wicklung kommt, weil er von geringerem Wert ist, und weil die Natur fich weniger mit ihm beschäftigt. Die Frauen Ereignisse und Geschichten Lied des Hörigen Bon Oskar Wiener. Girfit, der Holzknecht, legte Die Eisenagt ins Moos; Sei dumpfes Herz bewegte Ein Traum und rang fich los, Sein dumpfes Herz erlebte Ein Heiliges und schrie, Sein dumpfes Herz erbebte Vor dieser Melodie: Feuer in den Forst zu legen, Daß die roten Zungen leden, Daß ein fahler Funkenregen Niederfaust auf Stamm und Steden; Daß die greisen Eichen krachen Und im Sturz sich überschlagen Und im Fallen nen entfachen Einen Glanz von tausend Tagen Bis die legten Stämme ächzen, Jäh zerspalten und geborsten, Und wie toll die Raben krächzen Und verbrennen mit den Horsten. werden geboren, um ewig unter dem Joche ihres Herrn und Man lagert mit Wissenschaft. Meisters gehalten zu werden, den die Natur zur Herrschaft bestimmt hat", zitiert von Edgar J. Jung( Die Herr schaft der Minderwertigen"). Von demselben:„ Die Frau stand in einem höheren Sinne niemals in Hörigkeit, mie auch die Sklaveret ein erhabener Geist vom Range Platons als selbstverständliche Erscheinung betrachtet... Ihre vers meintliche Hörigkeit ist nichts als Gehorsam gegenüber der naturgefeßlichen Notwendigkeit." In diesen Tagen hat in Berlin eine Schulungstagung ice Amtsleiter für Wissenschaft, die in den örtlichen Studentenschaften die Fachschaften zusammenfassen, stattgefunden, auf der die Professoren Bäumler( Berlin), Heidegger ( Freiburg), Ministerialrat Dr. Haupt und Dr. Voigt Iänder( Dresden) sprachen, und die eine grundsäßliche Klärung sowie viele Neuanregungen brachte. Die Fachschafts- und Fachgruppenleiter sowie die Amtsleiter für Wissenschaft werden fünftighin in besonderen Wissenschaftslagern auf ihren verantwortungsvollen Dienst vora Deutscher, nagle nagle ich Dich fest!" bereitet... So schreiben Deine neuen Kulturträger. Deutscher, kennst Du den Juden? Kaum, denn wenn er einige Kilometer deutschen Landes durchquerte, hatte er sich .kultiviert". Allerdings nur äußerlich. Die Gesinnung fonnte er mit dem schmutzigen Kaftan nicht ausziehen. Das wollte er auch nicht. Nur weil er sah, daß man ihn wegen seines Aussehens überall hinauswarf, taufte er sich einen europäischen Anzug. Weißt Du, wie der Jude aussieht, wenn er aus Galizien oder Polen nach Deutschland kommt? Bevor Du weiterlieft, zieh Dir ein möglichst dickes Fell an, damit Du nicht von einer Uebelkeit befallen wirst, wie der kleine Schuljunge, ber 10 Minuten von der ehemaligen polnischen Grenze entfernt großgeworden ist. Regelmäßig wurde es ihm schlecht, wenn er die unübersehbare, in einer Wolfe widerlichen Gestants daherwandelnde Horde über die Grenzen kommen sah, und das will für einen rechten Jungen, dem fein Baum zu hoch und fein Müllhausen zu schmuzig war, etwas heißen. Den Juden hast Du vielleicht schon in so einem langen Kaftan gesehen, wenn nicht persönlich, dann im Bild. Du warst dann zu einer Spottbemerkung gereizt. Der Anblick des Juden an der Grenze rief ein anderes unangenehmes Gefühl hervor. Eine Dreckkruste, wie Du sie an Deinem Stiefel nicht dulden würdest, war seine äußere Gefichtshaut. Aus dieser Dreckrufte wucherte ein scheußlich schmuziger Bart und das Kopfhaar hing strähnig auf den Rüden. Als besonderen Schmud" sah man auf die Backen herabhängend die" Pajes"( forkenzieherartig gedrehte Haarsträhnen). Der Kaftan, der die ganze Jammergestalt einhüllte, war ein Gebilde, das aus 10 Prozent Stoff bestand und von 90 Prozent Dreck gehärtet war, so daß es wie Pad papier flapperte und wie eine Speckschwarte glänzte. Eine eigenartig geformte Müße, die wie eine mit einem Schild versehene Wagenschmierdose aussah und die gleichen BeDer Meisterdieb Ein nendeutsches Märchen. Von Robert. Wieder einmal, wie alljährlich im Mai, versammeln sich die großen Diebe der Erde, damit der Würdigste unter ihnen den Preis der Hölle empfange. Woher ste Termin und Ort bes Stelldicheins kennen, daß weiß der Teufel. Tatsache ist, daß alle großen Diebe darum wissen und durch geheime Bot schaften orientiert werden. ſtandteile wie der Kaftan aufwies, lag auf dieſem wandeln Was man sich zuflüstect den Schmuzklumpen. Die Jüdin war efelerregender, wie keine der hier durchziehenden Zigeunerinnen. Schlampig und lumpig und wenn möglich noch schmutziger als der Jude. Vermutlich, um sich möglich noch schmutziger als der Jude. Vermutlich, um sich wenigstens für die Nacht von dem Läusewald zu befreien, trugen die Weiber( das Wort Frau wäre in diesem Zusammenhang für die deutsche Frau beleidigend) Perücken. Man brauchte nicht erst genau hinzusehen, um dies zu erfennen, denn es war primitivste Machart. Den Scheitel bildete eine einfache Bindfadennaht. Auf jede Art und Weise holt der Jude dem arbeitenden Volk das Geld aus der Tasche und schafft es nach Polen. Von den 5 Schock Eiern, die der Jude nach Deutschland brachte, waren sicherlich 3 Schock geschmuggelt. Aehnlich war es mit seinen anderen Handelsobjekten. Und was war ihm nicht Handelsobjekt? Dadurch war der Zerfall des deutschen Kleinhändlerstandes in den Ostgebieten besonders start ausgeprägt. ( Wörtlich aus dem„ Dortmunder Generalanzeiger" Ende Juni.) Ich befehle Ihnen die folgende Weltanschauung „ Der Totalitätsanspruch des Nationalsozialismus tritt immer schärfer in die Erscheinung nach jeder Richtung hin. Der Reichsstatthalter von Thüringen zieht aus ihm die Konsequenz:" Ich befehle Ihnen nunmehr Intoleranz, die Intoleranz gegen alles andere." Mit dem Stempel des Ver räters müsse derjenige gebrandmarkt werden, der es wagt, bie Richtigkeit der nationalsozialistischen Weltanschauung nunmehr in Zweifel zu ziehen..."(„ Deutsche Rundschau", Berlin, Juliheft.) Da trat der Erste vor, neigte sich, schlug den Mantel zurück und ließ diamantene Fülle im Mondlicht blizen:„ Siehe, Fürst der Hölle, diese Monstranz holte ich während des Gottesdienstes in einer von Tausenden erfüllten Kirche vom Altar." Grinsend und mit triumphierendem Siegerlächeln ging er auf seinen Platz zurück. Da nahte sich der Zweite und, frech wie er war, ohne Verbeugung und Einleitung, donnerte er im Bierbaß:„ Mußt du nicht lachen, oh Mephisto? Wer hat die Kirche noch nicht bestohlen? Und deffen rühmt sich dieser Stümper! Da, seht mich an! Der afrikanische Sultan Habibima besaß den präch tigsten Thronseffel des schwarzen Erdteils, aus Elfenbein geschnitt, diamantengeschmüdt. Während er in diesem Wunderwerk schlief, stahl ich ihm das Ding unterm Arsch weg und ichob ihm einen alten zerlöcherten Rohrstuhl, für den meine Base keinen Schilling gegeben hätte, unter den speckigen Ringsum dämmerten Maienblüten, Jahrgang 1983, in verschwenderischer Heppigkeit durch das Abendbunkel, als Mephisto, wie aus dem Boden gewachsen, vor seiner stattlichen Meisterschar auftauchte. Ein rascher Blick auf die Gesichter Hintern." genügte ihm und schon sonderte er die großen Gauner von den kleineren.„ Geh jeglicher wieder an seinen Platz und diene der Hölle!" entließ er den großen Haufen der Einbrecher und Geldschrankknader, der Raubmörder und Fas lieben Burschen, seh ich an den Gesichtern an, daß Ihr mir Großes zu berichten habt. Wer von Euch maßt sich an, den großen Jahrespreis der Hölle verdient au baben?" Syrock Beelzebub und musterte die Drei. But, gut", lächelte der Teufel, wader, wader, mein Sohn! Mir scheint ,, daß mit dem Höllenpreis ist entschieden. Wer will dir die Krone der Gauneret streitig machen?" " Ich!" rief der Dritte, und der kleine unscheinbare Wicht sprang mit beiden Beinen in den Kreis.„ Was ist das schon: Monstranz, Thronsessel und andere leblose Nichtigkeiten zu ergattern? Davon, daß meine Bande vielen Millionen Arbeitern ihre Volkshäuser und Zeitungen raubte, will ich gar fein Wesen machen. Mit solchem Blech gibt sich der kleine Göbbels ist in München, will abends zur Feldherrnhalle. Hält einen Tagi an. Gibt ihm das Ziel seiner Fahrt. Worauf der Chauffeur erwidert: Hören Sie mal, jebt ist es 9.15 Uhr, am 9.30 Uhr spricht der Führer, da muß jeder an ständige nationalgesinnte Mensch zu Hause am Radio die Rede hören. Ich fahre Sie nur solange, als ich noch Zeit habe, um nach Hause zu kommen. Dann muß ich Sie absetzen." Göbbels, innerlich erfreut über die gute Gesinnung des Taxichauffeurs, willigt ein. Sie fahren los. Es ist 9.25 Uhr, die Taxi hält, der Chauffeur will umkehren, nach Hause. Göbbels ist sehr zufrieden und gibt dem Tarimann 10 Mart. Worauf der Tariführer ihn ansieht und sagt: Hören Sie mal, Sie sind noch ein anständiger Jud, lassen wir den verruchten Hitler quatschen, ist doch Blödsinn. Und tats! Ich fahre Sie zur Feldherrnhalle." Göring ist in Paris, wird von den französischen Spitzen der Luftfahrt empfangen. Man unterhält sich, spricht über Krieg. Ein französischer Militär versichert Göring, daß die Juden schuld sind, daß Deutschland en Krieg verloren habe. Göring, über die Aeußerung ganz erfreut, schimpft nun über das Judenpack.„ Jawohl, das waren jüdische Generäle." " Wie," meint Göring, jüdische Generäle hatten wir doch nicht in der Armee." Nein, aber wir!" Der ist allein ein freier Mann, Und seiner sei gedacht, Der fie fich selbst verdienen faun, Die Freiheit in der Schlacht, Der mit der eignen Klinge Sie holt herbei, Der Mann ists, den ich finge, Der Mann ist frei! Herwegh Hinkende nicht ab. Ich stahl den Menschen das, was sie zu den Herren der Erde gemacht, das, wovon unsereiner zu wenig hat- nämlich Geist, Jdeale, Jdeen. Niemand wird es grimmiger bejubeln, als du, oh Herrscher der Unterwelt! Ich stahl einer großen, mächtigen internationalen Bewegung den Namen ihrer Idee und machte ein Firmenschild, ein Reklameplakat für uns daraus.„ Sozialismus" stand darauf. Meine Bande stahl den Arbeitern die besten ihrer Lieder und ließ auf die Melodien blutige Hunnentexte dichten, deren sich des Teufels Großmutter in ihren gemeinsten Stunden nicht zu schämen brauchte. Ich stabl dem Proletariat der Welt den 1. Mat und machte den Tag der nationalen Maskerade daraus. Ich stahl den Friedensfreunden die Worte vom Mund und formte eine große Lüge zur Tarnung militärischer Rüstungen daraus. Ich stabl Halt ein!" fuhr der Teufel entfeßt dazwischen. Wer sind sie, Herr?" und er fonzentrierte sich nach rückwärts, starrte auf den Klumpfuß, auf das kleine, verkniffene Rattengesicht, auf die große, hödrige, mißgestaltete Nase und frug: Herr, sind Sie nicht der Propagandachef und Einpeitscher von Jäh brach der Teufel ab, nahm den Schwanz über den Arm, ſpie aus, barg die zwei anderen Gauner unter seinem Mantel. Rommt, meine waderen Jungens, mit dem will selbst der Teufel nichts zu tun haben," und entschwand... DAS BUNTE BLATT Solnische Dörfer rebellieren Furchtbare Not der Bauernschaft im ehemaligen Galizien In einer ganzen Reihe von Dörfern Galiziens hat es in den letzten beiden Wochen schwere, blutige Unruhen gegeben. Die amtlichen polnischen Berichte haben nach und nach zwanzig Tote und mehr als hundert Verletzte zu gegeben Nach Darstellungen, die in Polen der Zensur ver fielen, scheint die Zahl der Opfer noch wesentlich höher zu sein. Die Gegend, in der sich diese Vorgänge abspielten, ist rein polnisch besiedelt. Die Spannung zwischen Polen und Utrainern, die in den letzten Jahren mehrfach zu blutigen Ausbrüchen führte, hat also mit den jetzigen Unruhen nichts zu tun. Die amtlichen Polizeiberichte führen die Revolte der Landbevölkerung gegen Steuereinnehmer, Gutsförster und Polizet, mit der die Kämpfe diesmal begannen, auf die Agitation der illegalen Kommunistischen Partei und der oppofitionellen demokratischen Bauernbewegung zurüd. Aber diese Darstellungen deuten mit keinem Worte an, warum eine solche Agitation hier solche Wirkung tun fonnte. Die furchtbare Not der osteuropäischen Bauernbevölkerung ist ein allzu gefährliches Thema. Die westlichen Bezirke des ehemaligen österreichischen Kronlandes Galizien sind alter revolutionärer Boden. Noch lebt in der Erinnerng des polnischen Adels der Schrecken von mehr als einem Bauernaufstand fort, der dort in vergangenen Jahrhunderten getobt hat. Nirgends in Polen ist der Gegensas& wischen Groß und Kleinbesis auf dem Lande so schroff. Die Bauernfamilien find finderreich, das Erbrecht fieht die freie Teilbarkeit des Bodens vor. Die Folge ist, daß neben den Riesengütern der Magnaten immer mehr kleine und kleinste Zwergbesize unter zwei Hektar bestehen. Mittlere Besitzgrößen fehlen dagegen in Galizien fast ganz. Vielleicht ist das Elend der Kleinbauern in den ehemals russischen Bezirken Ostpolens teilweise noch trauriger. Aber dort ist bie ukrainische und weißrussische Dorfbevölkerung aus der Zeit der Zarenherrschaft gewöhnt, vieles geduldig zu er tragen; es muß schon eine langandauernde Hungersnot oder offene Gewalttaten der Regierenden geben, ehe es in den an die Sowjetunion grenzenden polnischen Provinzen zu Unruhen kommt. Aber der galizische Bauer hat in dem halben Jahrhundert vor dem Weltkrieg unter österreichischer Herrschaft doch etwas wie die Anfänge einer Entwicklung fennengelernt, die ihm ein Gefühl von Menschenwürde und den Willen zur Mitbestimmung des eigenen Schicksals gab. So empfindet er es als ein Unrecht, daß jetzt derselbe Staat, der ihn in der Agrarkrise dem Schicksal schlimmster Verelendung überläßt, trotzdem noch schwere Anforderungen an ihn stellt und ihm gerade in der Vorerntezeit, da Kisten und Scheunen leer sind, den Steuereinnehmer in die Hütte schickt. Man muß sich dabei vorstellen, wie es in dieser Hütte aussieht. Die Preise für seine Produkte, die der polnische Bauer in den letzten Jahren erhält, sind so niedrig, daß man dafür in den Städten des Landes so gut wie gar nichts taufen tann. Wäre die strohgedeckte Hütte nicht sein Eigentum, hätte der Bauer nicht etwas Kraut und Kartoffeln eigenen Anbaus, er müßte mit seinen Angehörigen schon längst zugrunde gegangen sein. Was Bargeld kostet, ist für das polnische Dorf im allgemeinen unerschwinglich geworden. Statt Petroleumlampen brennt man wieder Rien fackeln, statt Kochsalz braucht man Viehsalz, selbst Zündhölzer sind auf dem flachen Lande kaum mehr abzusehen. Das ländliche Genossenschaftswesen, seitweise schon intensiv freut. Ich wollte doch so gerne ganz braun brennen. Das ist Organisationen sind erst recht verfallen: soweit fie regierungstreu sind und von den Verwaltungsbehörden gefördert werden, können sie sich nicht gegen die allgemeine Mißstimmung behaupten; find sie oppositionell, so unterliegen ſie dem doppelten Druck der amtlichen Schikanen und der Wunder, daß die illegale Agitation der Kommunisten unter der verzweifelten und desorganisierten Kleinbauernschaft hie und da Fuß faßt? Die angeblichen„ revolutionären Aktionen", die die Kommunisten dann örtlich hervorrufen, bringen ihren Anhängern gewiß auch keine Besserung der Berhältnisse. Sie führen zu politischen und militärischen Gegenaktionen, blutiger Unterdrückung der Verzweiflungsausbrüche und neuem Versinken der Bauernschaft in pöllige politische Teilnahmslosigkeit. wirtschaftlichen Not. Ist es unter solchen Umständen ein Die Sommerbräune Der Buchhaltergehilfe Bukaschkin stürzte ins Zimmer und rief ausgelassen, indem er seiner Frau seine gespickte Brieftasche vor die Nase hielt:„ Anitschka, mein Engel! 800 Rubel! Vorschuß und Urlaub von morgen an! Pack unsere Siebensachen! Morgen geht es los! Nach Sotschi!" " Morgen schon?" fragte Anitschka besorgt. So schnell? Es ist doch noch so viel zu besorgen!" „ Vormittags besorgen wir alles Nötige, kaufen die Fahrfarten und los!" erklärte Bukaschkin kategorisch.„ Also: 100 Rubel für die Reise, 100 Rubel für den Aufenthalt dort und 100 Rubel für unvorhergesehene Ausgaben und Einkäufe. Ich glaube, es wird reichen. Denk dir doch bloß: Den ganzen Tag am Strand! Meer, Sonne, Palmen, hols der Teufel!" „ Ach, wie entzückend, das Meer!" verdrehte Anitschka die Augen. Ich kann mir denken, was man dort für Badeanzüge trägt! Und wie braun ich dort werde! Braun ist ja jetzt modern! Palmen- sagst du? Aber gibts dort nicht Tiger?" „ Nein, dort gibts feine Tiger," beruhigte sie ihr Gatte, und wenns auch welche gibt, so beißen sie nicht. Mit einem Wort ein herrliches Land!" Am nächsten Morgen gingen sie, ihre Einkäufe zu erledigen. „ Ich brauche vor allem zwei Paar Badehosen und ein Paar Sandalen," erklärte Bukaschkin, während er Arm in Arm mit seiner Frau ging. Dann ein Paar dünne Hemden. ** Sonst nichts." „ Ja, ich glaube, mehr brauchst du auch nicht," bemerkte Anitschka.„ Ich werde für mich auch nicht viel ausgeben, ich werde nur das Allernotwendigste kaufen. Erstens: 3wei Paar Sandalen. Auf der Rusneßistraße sah ich weiße, sie sehen ganz wie römische aus. Eine entzückende Fasson! Dann brauche ich drei Badeanzüge, einen hellblauen, einen gelben und einen rosa. Uebrigens nein, ich bin blond und Gelb kleidet mich nicht. Ich werde mir einen roten und einen schwarzen kaufen. Und dann zwei weiße Kleider. Ich werde doch nicht die ganze Zeit im Badeanzug herumlaufen. Na, und dann natürlich einen Schal und einen Hut." Wozu brauchst du denn zwei weiße Kleider?" fragte Bu kaschkin verwundert. " Ja, wie denn sonst? Vielleicht gehen wir in ein Konzert oder ins Theater, ich kann doch da nicht eins von meinen Reisekleidern anziehen. Uebrigens, ich werde sehen. Viel leicht kaufe ich mir nur ein weißes und ein beigefarbenes." Das Ehepaar ging von einem Geschäft ins andere, wühlte aufgeregt in den Waren, feilschte bis zur Heiserkeit, und stürzte weiter, mit Pateten beladen. Bukaschkin brummte erst über die unproduktiven Ausgaben, erwähnte sogar das Sparsamkeitsregime, aber dann wurde er selbst mitgerissen: er holte immer neue Tscherwonezbündel aus der Brieftasche, steckte den Rest in die Taschen, ohne nachzuzählen, und murmelte besorgt; Von N. Karpow „ Anitschka, sich zu, daß du nichts vergißt, sonst wirst du dafür in Sotschi das Dreifache bezahlen. Brauchst du vielleicht einen Schirm? Ach ja, Schirme sind ja jezt nicht mehr modern... Schau, was für ein reizender Schal!" Wie Packesel beladen landeten sie schließlich ganz erschöpft am Bahnhofsschalter. " Jetzt noch die Fahrkarten und dann nach Hause!" er= klärte pustend Bukaschkin. Er legte die Pakete auf die Bank, holte seine Brieftasche hervor, öffnete sie und stotterte verwirrt: Anitschka, ja, was ist denn bas?" Was ist denn los?" fragte fie besorgt. „ Drei Rubel... So... Ein Rubel... Noch ein Rubel..." murmelte er und stöhnte plötzlich:„ Aus! Infer Geld ist dahin! Alles vergendet! Ein Fünfer ist nur noch da! Und du bist an allem schuld!" " Ich?" empörte sich Anitschka.„ Du bist wohl ganz von Sinnen? Du hast es doch selbst ausgegeben! Warum hast du nicht das Reisegeld zurückgelegt? Da hast du Sotschi! Du unpraktischer Idiot!" " Nach Hause!" zischte Bukaschkin wütend und sammelte die Pakete zusammen. Schweigend legten sie den Weg zurüd, einander vernichtende Blicke zuwerfend. Als sie die Wohnung betraten, schleuderte Bukaschkin die Pakete auf den Fußboden und schrie:" So! Da hast du deine Strümpfe, Röcke, Kleider und die übrigen Herrlichkeiten! Und wegen dieser Schmarren verliert ein arbeitender Mensch seine gefeßliche Erholung, die ihm nach der Arbeitsgesetzgebung zufommt. Ist das nicht lächerlich? Die Palmen, das Meer alles zum Teufel!" Anitschka warf sich auf das Sofa und begann zu schluchzen. Bukaschkin ging schweigend auf und ab und fluchte leise vor sich hin. Schließlich beruhigte er sich und sagte sanft: „ Anitschka! Laß das Weinen. So fahren wir halt nicht hol sie der Teufel, diese Reise! Wir werden uns auch zu Hause erholen. Im Grunde genommen, was ist eigentlich das Meer? Nicht der Rede wert. Sieh mal, wieviel neue Sachen du dafür hast!" " Ja, aber die Bekannten werden uns doch auslachen," schluchzte Anitschka.„ Ich habe doch schon allen erzählt, daß wir nach Sotschi reisen. Ich habe mich schon so darauf geausgebaut, liegt heute hilflos danieder. Die politischen jest so modern." „ Das ist nicht so schlimm," tröstete sie der Gatte,„ morgen früh ziehst du deinen Badeanzug an und setzt dich auf den Balkon, dort kannst du dich auch von der Sonne braun braten lassen! Der Balkon geht freilich auf den Hof hinaus, die Luft ist dort auch nicht erstklassig, aber nichts zu machen! Dafür wirst du aber ganz braun werden!" Anitschka hob den Kopf und lächelte unter Tränen... ( Aus dem Russischen übertragen von Nina Stein) Der scfineffste D- Zug der Weft 150 Kilometer in der Stunde Nachdem vor kurzem die Reichsbahn durch die Inbetrieb nahme des„ Fliegenden Hamburgers" einen neuen Rekord für Triebwagen aufgestellt hat, ist es jetzt gelungen, auch D- Züge mit fast ebenso großer Geschwindigkeit wie den Schnelltriebwagen zu fahren. Auf der neu elektrifizierten Strecke München- Stuttgart veranstaltete die Reichsbahn kürzlich mit einer neuen elektrischen Lokomotive und einem aus sieben Wagen bestehenden D- 3ug Versuchsfahrten, bei denen eine Höchstgeschwindigkeit von 151,5 ilometer je Stunde erreicht wurde. Der Zug wog 400 Tonnen und führte einen Meßwagen mit, in welchem die Fahrtergebnisse aufgezeichnet wurden. Bemerkenswert ist, daß der Zug innerhalb von 2 Minuten vom Stillstand auf eine Stundengeschwindigkeit von 110 Kilometer beschleunigt werden konnte. Die neue Lokomotive, die mit neun anderen gleicher Bauart von der Reichsbahn und der AEG. entwickelt wurde, Ieistet 3000 PS. und wiegt 92 Tonnen, ist also leichter als eine Dampflokomotive geringerer Leistung. Auf Grund der günstigen Ergebnisse mit dieser neuen Type ist eine zweite Serie von neuen Einheiten bei demselben Hersteller in Aufs trag gegeben worden. Ein Mammutsafin gefunden In 3öhing bei Langenlois wurde für einen Neubaut Erde ausgehoben. Dabei fanden die Arbeiter einen Mammutzahn von 92 Zentimeter Länge und 16 Zentimeter Breite. Leider war der Zahn in drei Teile zerbrochen. Man nimmt an, daß an der Stelle noch andere Funde gemacht werden. Bayrische Geschichten Biersuppen Als ich zum ersten Male nach meiner Heimkehr in das Dorfwirtshaus ging, bekam ich alle möglichen Fragen über Berlin zu hören, über die merkwürdigen, ja ganz merk würdigen Dinge", die es in Berlin geben solle. " Sagn's," fragte der junge Toni, is wahr, daß in Berlin a Biersuppn essen?" „ A geh," rief Kurbl dazwischen, so was tann's doch gar net gebn, so blöd is doch koaner, daß er a Bier einaschütt in a Suppn, statt das er's so sauft, wo's doch so gut schmeckt." " Doch," erwiderte ich, Biersuppe wird in Berlin häufig gegessen." „ Und da schütt ma wirklich an ganz richtigs Bier in die Suppn eina?" " #Ja." Ah, dös wird halt so a Berliner Bier sein." „ Natirli, so a Berliner Gsöff, um dos is eh net schad." ,, A, da hams ja tei A Bier is doch, und schad is doch." Malz drin in dem Bier."-" Und Hopfn a net." „ Es gibt," sagte ich, auch Feinschmecker, die nehmen für die Biersuppe nicht Berliner Bier, sondern echtes Löwenbräu." Echtes Löwenbräu?" " In die Suppn eina?"-„ Gibts denn dös a?" „ Und einmal bekam ich," fuhr ich fort, im Hause eines reichen Bankdirektors eine Biersuppe, die war aus echtem Salvator gemacht." Herrgott sakre, ausfm echten Salvator!" " Ja," sagte der alte Jäger, der bis dahin geschwiegen hatte, die Preißen, die ham halt teine Jdeale nicht." Karl Valentin Karl Valentin hat bekanntlich die ganze Welt bereist, mit Ausnahme von Amerika, Asien, Afrika, Australien und derjenigen Gebiete Europas, die nicht zu Bayern gehören. Außerdem war er einmal in Wien und ein paarmal in Berlin. Er leidet an Plaßfurcht, Erwartungsneurose, Angstzuständen. Außerdem ist er Hypochonder en gros; er müßte ja fein großer Komiker sein. Reisen ist darum nicht seine Sache. Diesmal ist es der vereinigten Ueberredungsgabe von Kurt Robitschek und Paul Morgan gelungen, ihm die Reise nach Berlin plausibel zu machen. Am Schalter des Münchener Hauptbahnhofs verlangt er die Fahrkarten für sich und Liesl Karlstadt. Für den Nachtzug?" fragt der Beamte. „ Naa, naa," antwortet entsetzt Karl Valentin,„ für den Tag.- Bei der Nacht fahr i net! I muaß doch sehn, wo der hinfährt!" Nochmal: Valentin Karl Valentin, Münchens Lokalphilosoph, ist schwer aus der bayrischen Ruhe zu bringen. Einmal aber, als ein Kabarettgewaltiger die Gagendruckschraube gar zu mächtig ansetzte, geriet Valentin außer Atem, gelangte mühselig wieder zu demselben und brüllte den Direktor an: „ Und dees merkens Ihna, Herr: Sie sind nicht von mir abhängig, sonder ich von Ihnen!! Hams verstanden?!... Widerruf In Nr. 206 vom 7. September 1980 des„ Oberbayrischen Gebirgsboten" findet sich folgende reizende Anzeige: Widerruf: Da man sich nachts täuschen kann, nehme ich die Behauptung gegen Frau Maria Celling zurück und erkläre hiermit, daß es möglich ist, daß es nicht der Weißsteiner Sepp, sondern ein anderer gewesen sein kann. Therese Did I. N. Brailsford, London: Die Konferenz der der 66 Staaten Das Ringen zwischen Amerika und Europa- Dic Schranken der kapitalistischen Wirtschaft Die Londoner Konferens war ein wundervolles Thema für die Witze der Karikaturenzeichner, aber sie mußte jeden ernsten Beobachter zur Verzweiflung bringen. Man konnte lachen, um den Aerger und die Sorge zu betäuben, als man erfuhr, daß die Nazidelegation den Antrag einbrachte, deutsche Kolonien in Westrußland zu errichten. Es war amüsant, aber zugleich auch traurig, als die amerikanische Delegation den Vorschlag machte, die Zölle auf der ganzen Welt um zehn Prozent herabzusehen, um ihren eigenen Vorschlag ein paar Stunden später zu widerrufen. Macdonald versuchte, die hoffnungslosen Gegensäße innerhalb der Konferenz mit allgemeinen gefühlvollen Phrasen zu überfleistern; er forderte sie auf, sich über die„ Mannigfaltigkeit und Ausdehnung" der Gegenstände zu freuen, die zur Disfussion standen. Darin aber lag die Schwierigkeit; die Konferenz sollte alle Teile der Wirtschaftspolitik des modernen Staates behandeln, alles, angefangen von Schulden bis zur Währung, den Zöllen, Einfuhrkontingenten, Preisen, Löh= nen und Arbeitsstunden. Die zerrissene Konferenz Es hat in der Vergangenheit Konferenzen gegeben, deren Gegenstand nicht weniger wichtig war. Der Wiener Kongreß und die Friedenskonferenz von Versailles haben neue Karten von Europa gezeichnet und außerdem noch große Landstücke Asiens und Afritas aufgeteilt. Aber eine Landverteilung, so wichtig ste ist, führt doch zu weniger grundlegenden Streitfragen. Ein Faschist und ein Sozialist, ein Liberaler und ein Ultrafonservativer können sich über eine Grenze einigen. Das ist eine fonfrete Angelegenheit der " Realpolitik", die gewöhnlich nach den Machtverhältnissen geregelt wird. Aber eine Entscheidung über wirtschaftliche Fragen, noch dazu über so grundlegende Fragen, wie sie diese Konferenz behandeln sollte, erfordert irgendeine gemeinsame Politif, eine gewisse Uebereinstimmung des Standpunktes. Man ist entweder ein Internationaler oder ein Anhänger der Absperrung, der Autarkie. Man glaubt entweder, daß die Welt ein einziges Wirtschaftsgebilde darstellt oder man sieht das Heil innerhalb der Grenzen des eigenen Staates, des eigenen Weltreiches oder irgendeiner Gruppe verbündeter Staaten. Man ist entweder ein Anhänger der Einschränkung oder der Ausweitung. Man ist entweder für Deflation und Sparsamkeit oder für Inflation und fühne Ausgabenwirtschaft. Auf einer Konferenz von sechsundsechzig Staaten, von denen jeder seine Souveränität betont, erwies es sich als unmöglich, solche grundlegende Verschiedenheiten miteinander in Einklang zu bringen. Gewöhnlich geschieht es, daß die Großmächte, wenn sie miteinander handelseinig werden fönnen, ihren Willen den kleineren Staaten aufzwingen. Sie haben hinter sich die großen Kapitalmassen, die weltumspannenden Bantorganisationen, die aus gewaltigen Rüstungen erwachsende Macht, zu schaden und zu zwingen. Sie sind die Gläubiger; die andern Staaten sind die Schuldner, die gelernt haben, zu gehorchen; die Souveränität in unserer modernen Zeit ist in Wahrheit eine unterhaltsame Fiktion der Juristen. Aber eine Weltkonferenz kann auf solche Art nicht geleitet werden, wenn die Großmächte selbst in verschiedenen Lagern stehen. Amerikas neue Wirtschaftspolitik Dies war in London der Fall. Amerika ist für die Ausweitung. Dort wird ein kühner Versuch gemacht, das ganze Wirtschaftsleben neu zu organisieren. Amerika war bis zum Sturz Hoovers das klassische Beispiel der staatlichen Nichteinmischung in die Wirtschaft. Dieser Grundsay wurde so extrem gehandhabt, daß Amerika fast allein unter den modernen Industriestaaten keine öffentliche Arbeitslosen- und Krankenversicherung besaß, auch keine allgemeine Arbeiterschutzgesetzgebung; in manchen amerikanischen Südstaaten gab es nicht einmal Beschränkungen der Kinderarbeit. Heute. führt Amerika ein System der planwirtschaftlichen Kontrolle ein, weitreichender als irgendein anderer kapitalistischer Staat bis jetzt versucht hat. Die Produktionsmenge, die Preise, Löhne, Arbeitszeit alles soll planwirtschaftlich fontrolliert werden. Die Regelung des ganzen Wirtschaftsvorganges liegt autokratisch in den Händen des Präsidenten, der jedem Unternehmen die Betriebsberechtigung entziehen kann, wenn es sich seinen Regeln nicht fügt. Man mag den Erfolg dieses kühnen Experiments bezweifeln. Es erfordert fähige und ehrliche Beamte, und die h len in Amerika. Es setzt voraus, daß der Präsident im gegebenen Falle auch jenen Großkapitalisten Fehde ansagen kann, die die Wahltasse seiner Partei gefüllt haben. Seine Vollmachten müssen in einem Jahr vom Kongreß erneuert werden, und bis zu diesem Zeitpunkt fann Wall Street wieder stark genug sein, um das Joch abzuschütteln. Aber im Augenblick ist Präsident Roosevelt voll eiserner Entschlossenheit und die öffentliche Meinung steht hinte ihm. Amerikas Abkehr von Europa Schließlich fragt Amerika, das die Preise und die Löhne erhöhen und die Arbeitsstunden kürzen will, ob die andern Industriestaaten denselben Weg gehen wollen. Wenn nicht kann es dann die Zölle herabsetzen und das Eindringen fremder, unter schlechteren Arbeitsbedingungen hergestellter Waren erlauben? So zwingt die eigene Ausweitungspolitik Amerika dazu, seine Zukunft in der Isolierung zu er blicken. Es wird seine eigenen wirtschaftlichen Probleme innerhalb der eigenen Grenzen zu lösen trachten, hauptsächlich durch Steigerung der Kaufkraft der amerikanischen Massen. Daraus folgt, daß Amerika den Außenhandel als eine Frage zweiter Ordnung betrachten muß. Es wird seine Schuldforderungen an Europa opfern, allerdings nur widerwillig und ohne jede Spur von Großmut. Es wird die Rolle des großen Geldverleihers der Welt nicht wieder übernehmen. Politisch wird Amerika ohne Sympathie auf ein halbfaschistisches Europa herüberblicken, das Scheitern der Abrüstungskonferenz und den Niedergang des Völkerbun des beobachten und sich auf den eigenen Kontingent zurüdziehen solange, bis es von Japan direkt zum Kampf herausgefordert wird. Angesichts dieser Politik Amerikas konnte die Konferenz keinen Erfolg erzielen. Die kapitalistische Wirtschaft kann ohne reichliche neue internationale Anleihen nicht wieder in Gang tommen. Amerika aber will nicht borgen. Seine Zölle geben für alle übrigen den Ton an, und statt sie zu senken, wird Amerika sie wahrscheinlich noch erhöhen. Konnte also vielleicht die übrige Welt ohne Amerika eine Lösung nach ihren eigenen Grundsäßen suchen? Aber hier tauchen wieder unüberbrückbare Gegensätze auf. Es wäre phantastisch, zu glauben, Nazideutschland könne, erfüllt von Rassenfanatismus und Nationsegoismus, wie es heute ist, an irgendeinem Plan der internationalen wirtschaftlichen oder politischen Zusammenarbeit teilnehmen. Frankreich wieder, ebenso wie die andern Goldstandardländer, ist ebenso rückhaltlos deflationistisch und einschränkungsgläubig, wie Amerita ausweitungsgläubig ist. So suchte man auf dieser zerflüfteten Konferenz vergeblich nach einer gemeinsamen Politit. Sie endet mit dem offenen Geständnis, daß die kapitalistische Gesellschaftsordnung über die nationalen Schranken nicht hinaus tann. Sinkende Volkskraft Schicksal der Konierenz Rückgang der Geburten Wie das Preußische Statistische Landesamt durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst bekannt gibt, war das erste Viertel des laufenden Jahres für die Entwicklung der preußischen Großstadtbevölkerung recht ungünstig. Die Zahl der Eheschließungen verringerte sich beträchtlich, die an sich geringe Geburtenfrequenz sank weiter, und die Sterblichkeit stieg so stark, daß die Groß städte insgesamt einen bedeutenden Sterbeüberschuß auf wiesen. Der Durchschnittswert der auf 1000 Einwohner und ein Jahr berechneten Heiratsziffer aller preußischen GroßStädte betrug 6,9 v. T. Die Gesamtzahl der Eheschließungen in den 36 preußischen Großstädten belief sich auf 22 799 gegenüber 24 065 im ersten Vierteljahr 1932, verringerte fich also um 5,3 v. H. Die durchschnittliche Geburtenziffer der preußi schen Großstädte belief sich auf 14,1 v. T. gegenüber 14,8 v. T. im ersten Vierteljahr 1932. Von den 36 Groß städten hatten 29 eine geringere Geburtenziffer als im Bergleichsquartal. Die niedrigste Geburten. differ hat Berlin mit 9,3 v. T. Die Sterblichkeit hat in sämtlichen preußischen Groß städten, gemessen an der des entsprechenden Quartals des Vorjahres, zugenommen; dies dürfte im wesentlichen eine Folge der starken Zunahme der Grippeerkrankungen in den Monaten Januar und Februar sein. Der Durch Rußland profitiert von Hitlers Unfähigkeit Informationen bestätigen, daß zur Zeit Verhandlungen über ein Warenaustauschabkommen& w i ich en Rußland und den Vereinigten Staaten im Gange sind. Die Bereinigten Staaten wollen in erster Linie Rohstoffe nach Rußland einführen, insbesondere Baumwolle. In Amerika soll allerdings Widerstand dagegen erhoben werden, für den von den Sowjets angestrebten Gesamtbetrag von 150 Millionen Dollar russische Waren abzunehmen. Moskau soll die Möglichkeit haben, waren in Höhe von 50 Millionen Dollar nach den Vereinigten Staaten einzuführen, die übrigen amerikanischen Materialien sollen in bar bezahlt oder durch furzfristige Strebite gedeckt werden. Zur Sicherung der ruffischen Verpflichtungen in den Vereinigten Staaten soll die russische Regierung den Goldtransport nach den Staaten wieder aufnehmen. Chemnig. Die bekannte Fallschirmpilotin Frau Lola Schröter( Chemnik) stürzte mit ihrem Segelflugzeug in Hirschberg( Schlesien) über dem Hirschberger Flugplas ab. Beim Aufprall auf den Boden brach sie beide Beine. Sie mußte schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden; Lebensgefahr besteht jedoch nicht. Steigende Sterbeziffern schnittswert der Sterbeziffern sämtlicher preußischer Großschnittswert der Sterbeziffern sämtlicher preußischer Großstädte stieg von 11,9 v. T. auf 14,6 v. T., also um 2,7 v. T.. Die Säuglingssterblichkeit war erheblich höher als im Vergleichsvierteljahr 1932, wenn sie auch nicht in dem Aus: maß der allgemeinen Sterblichkeit zugenommen hat. Auf 100 Lebendgeborene kamen im Durchschnitt der Groß100 Lebendgeborene kamen im Durchschnitt der Groß städte 9,6 Sterbefälle von Kindern unter einem Jahr, während es im Vorjahr nur 8,6 waren. Die hohe Sterblichkeit bei gleichzeitiger niedriger Geburtenziffer hatte zur Folge, daß von den 36 Großstädten nur 15 einen Geburtenüberschuß aufwiesen. Die Geburten- und Sterbeüberschußziffern ergaben im Durchschnitt einen Sterbe überschuß von 0,5 v. T. Im ersten Vierteljahr 1932 hatten noch 31 Großstädte einen Geburtenüberschuß. In der Nachkriegszeit hatte sich bisher nur einmal- und zwar im ersten Bierteljahr 1929 als Durchschnitt der Ges burten- und Sterbeüberschußziffern der Großstädte ein negativer Wert ergeben. Die Zahl der Sterbefälle in allen preußischen Großstädten zusammen übertraf die der Geborenen um 7204; bezieht man diese Zahl auf die Gesamteinwohnerschaft aller 36 Großstädte, so ergibt sich eine Sterbefälle die der Geborenen um 5724, im ersten Viertel1932 dagegen überwogen die Geburten die Sterbefälle um 3484, was einen tatsächlichen Geburtenüberschuß von 1,0 v. I. bedeutet. Jn Berlin übertraf die Zahl der Sterbefälle die der Geborenen um 5724, i mersten Bierteljahr 1982 dagegen um 3409. Zarismus für Hakenkreuz Russische Nationalsozialisten in Deutschland Dresden, 10. Juli. Auch hier hat sich eine Ortsgruppe der russischen nationalsozialistischen Bewegung gebildet, Der Ortsgruppenleiter ist der berüchtigte ehemalige Petersburger Stadthauptmann Stalon, der die Ortsgruppe über die Entwicklung der Kultur Rußlands während der verflossenen Jahrhunderte und die Ziele unserer Bewegung" unterhielt. London. In nur viertelstündiger Sizung billigte das Konferenzbüro Dienstagnachmittag die Vorschläge des Redaktionskomitees. Nach allgemeiner Auffassung dürfte die Konferenz noch etwa 14 Tage zusammenbleiben. Wahrscheinlich wird sie sich dann provisorisch bis September oder Oftober vertagen. Man hofft, daß die internationale Devisenlage dann eine Erörterung in weiterem Rahmen ermöglichen wird. Die zerrüttete Wirtschaft Schrumpfung des Welthandels Die Wirtschaftsabteilung des Völkerbunds hat für die Londoner Konferenz Tabellen veröffentlicht, aus denen die Schrumpfung des Welthandels, dargestellt in Zahlen, folgendermaßen deutlich wird: Seßt man für 1929 den Wert in Gold der gehandelten Waren mit 100 an, so fiel er 1930 auf 81 1931 auf 58 1932 auf 39 Nimmt man die Preisbewegung mit 100 als Ausgangspunkt für 1929, so lauten die entsprechenden Zahlen 87 für 1930 68,5 für 1931 58 für 1932 Seht man schließlich den Inder für 1929 mit 100 an, so erhält man 93 für 1930 84,5 für 1931 78,5 für 1932 Wirtschaftsamt aufgelöst! Der oberste Leiter Dr. Wagener festgesetzt Nachdem vor einigen Tagen vier namhafte nationalsozia listische Wirtschaftspolitiker verhaftet worden sind und diese Verhaftung mit nebelhaften Worten begründet wurde, ist jetzt auch der oberste Leiter des Wirtschaftsamts der NSDAP., Dr. Wagener, nicht nur abgefägt, sondern ver haftet worden, wenn auch hierfür die Form des Hausarrests gewählt wurde. Freunde eines der vier Verhafteten teilten uns mit, daß diese Maßnahmen unter der Beschuldigung, die Wirtschaftsstelle betriebe die„ bolschewistische" Politik der Otto Strasserschen Schwarzen Front, angeordnet worden sind. Außerdem hat der neu ernannte Minister Schmitt, der ein schroffer Gegner aller sozialistischen" Experimente ist, die Auflösung der Wirtschaftsstelle als Bedingung für seinen Eintritt in das Kabinett gestellt. Da Schmitt der Kandidat einiger schwerindustriellen Geldgeber Hitlers ist, mußte Hitler die Bedingung annehmen und sich verpflichten, in einer scharfen Rampagne sich gegen jeden Eingriff in die Wirtschaft auszusprechen. Die russischen Nationalsozialisten in Deutschland führen neben der Hakenkreuzfahne die weiß- blau- rote Zarenfahne, unter der sie von 1914 bis 1917 gegen die„ deutschen Hunnen" fochten. Ihre offiziellen Lieder sind das Horst- Wessel- Lied und die russische Zarenhymne, welche die echt„ sozialistische" These vertritt, daß der autokratische Zar der Herrscher der Göring ernennt Nazi- Willikens zum Staatssekretär ganzen Welt sein müsse. Wuppertal. In Barmen- Haßfeld ertranten in einem Planschbecken, dessen Wasserspiegel infolge der starken Regenfälle von 100 auf 160 Zentimeter gestiegen war, ein neunund ein elfjähriger Knabe cnb. Berlin, 11. Juli. Wie der Amtliche Preußische Preffedienst mitteilt, hat Dr. Wiskott um seine Versehung in den einstweiligen Ruhestand gebeten. Göring hat an seine Stelle auf Vorschlag des Landwirtschaftsministers, Darre den Abg. Willikens zum Staatssekretär im preußischen Landwirt schaftsministerium ernannt Der Sohn schießt für die Eltern Schüsse auf SA.- Räuber- Zum Schutze von Vater, Mutter und Schwester- Die Tragödie von Köpenick Köpenick- Nicht Selbstmord des Vaters, sondern brauner Mord In Köpenick hat sich jüngst ein furchtbarer nächtlicher Kampf abgespielt. SA. und SS. drangen in das Haus eines Gewerkschaftssekretärs Schmaus ein. Das ist etwas Allnächtliches. Kein Sozialdemokrat ist in seiner Behausung noch sicher. In diesem Fall jedoch griff der Sohn des Bedrohten zur Waffe. Er streckte drei oder vier der widerrechtlich Eingedrungenen nieder. Die Räuber wurden dann auf Staatskoffen in feierlichem Staatsbegräbnis beigesetzt. Wie immer, lügen die amtlichen Berichte Hitlers. Wir bringen hier eine zuverlässige Darstellung der Vorgänge in jener Schreckensnacht. In Köpenick, in der Siedlung Alte Dahlwigstraße, steht das kleine Haus des Sozialdemokraten Johann Schmans, cines Sekretärs beim Landarbeiterverband. Der 58jährige hatte als Frontsoldat den Krieg vom ersten bis zum letzten Tage mitgemacht. Er war zweimal verwundet worden, aber schließlich doch glücklich zu seiner Frau und seinen vier Kin dern zurückgekehrt, denen sich später ein fünftes, jetzt ein 13: jähriges Mädchen, zugefellte. Das Familienleben war das denkbar innigste. Natürlich waren die Mitglieder der Fa milie Schmaus auch gute Sozialdemokraten. Sie taten in Reih und Glied ihre Pflicht, ohne besonders hervorzutreten. Köpenick ist aber ein besonders heißer Boden. In der Kais ferzeit war es der Schauplatz einer weltgeschichtlichen Komö die deutschen Kadavergehorsams, im Dritten Reich wurde es die Stätte der grauenvollsten Tragödien. Von hier wurde die Wohlfahrtspflegerin Marie Jankovski weggeschleppt, um in einer SA. Kaserne nadt ausgezogen und halbtot geschlagen zu werden. Offenbar handelt es sich um eine jener eigenmächtigen Attionen nicht amtlicher Personen, die Göring in seinen seinen Reden immer wieder anreizt. Erlässen immer wieder verbietet und zu denen Göbbels in Zweifellos haben in zivilifierten Ländern Privatpersonen kein Recht, bei Tage oder bei Nacht sogenannte„ Haussuchun gen" zu veranstalten. Zweifellos haben in zivilisierten Ländern die mit solchen Haussuchungen" Bedachten das Recht zur Abwehr. Dieses Recht würde in zivilisierten Läns dern desto sicherer feststehen, wenn solche Haussuchungen" wie das in Deutschland zumeist der Fall ist von Plünde= rungen oder Verschleppungen von Personen und grausamen Mißhandlungen begleitet wären. Ju zivilisierten Ländern würden sich alle Sympathien den friedlichen Bür: gern zuwenden, die ihr Leben und ihre Habe gegen ge= walttätige Eindringlinge verteidigen. Der Schutz der Bes hörden wäre ihnen ebenso gewiß, wie den Gewaltverbre= chern die gerechte Bestrafung. In Deutschland ist aber heute alles anders. In Deutschland dürfen bewaffnete Banden halbwüchsiger Jungen das Land unsicher machen, bei Tage und bei Nacht in fremden Wohnungen einbrechen und plündern und mor den. Wehe dem, der sich zu wehren wagt! Anton, der jüngste Sohn des Hauses Schwan wagte es dennoch. Antonicho B, tötete drei der Angreifer und verwundete einige weitere schwer. Dann rannte er, nur mit einer Badehose bekleidet, durch die Nacht zum Polizeirevier und stellte sich. Die SA. holte ihn aus dem Polizeirevier heraus. Ueber das, was seitdem mit ihm geschehen ist, verlautet nichts... Dagegen fand man den Vater im Hause er= hängt. Die offiziellen Berichte lügen von Selbstmord. Johannes Die Gummifnüppel und Stahlruten der Köpenicker SA. Schmaus hat keinen Selbstmord begangen. Er ist von den haben in Berlin ihren besonderen Ruf.... SA.- Leuten durch Erhängen ermordet worden. Im Hause des Sozialdemokraten Schmans hatte im Laufe des 21. Juni eine sogenannte" Haussuchung" durch die SA. stattgefunden, die nichts Belastendes" ergeben hatte. Troßdem erfolgte um 11 Uhr in der Nacht ein neuer Einbruch. Die offiziellen Berichte gaben als Zweck dieses Einbruches eine zweite überraschende Haussuchung" an und nennen als Beauftragte dieser Aktion 6 SA.- Männer vom Sturms bann 15. Es wird nicht einmal der Verfuch gemacht, die nächtlichen Einbrecher als hilfspoli: zisten" zu mastieren! „ Es geht aufwärts"! Die Preise steigen Nicht genug damit, schleppte man auch alle anderen Fami lienmitglieder, deren man habhaft werden konnte, angefan: gen von der 50jährigen Mutter bis zur 13jährigen Tochter in das Gefängnis. Einem Schwiegersohn gelang es, nachdem er schon mißhandelt worden war, sich durch die Flucht zu retten. Auf dem gedruckten Papier, das sich hente„ deutsche Presse" nennt, ist der Entrüftung über die„ marristischen Mörder" fein Ende. Die Nachricht, daß Johann Schmaus, der Vater des Schüßen, sich selber das Leben genommen habe, wird, obwohl jeder ihre Unwahrheit erkennen muß, mit Bieder: Die 99 Deutsche Freiheit" mannsmiene wiedergegeben. In Presse und Rundfunk wins det man dem Heldentum der Einbrecher Lorbeerkränze und bedenkt ihre Opfer mit Flüchen und Drohungen, die be stimmt nicht leere Worte bleiben werden. Die Terrorwelle steigt! Anton Schmaus hat durch seine Tat nicht nur sich selber geopfert, sondern seiner Familie namenloses Unglück ge= bracht. Aber wenn ein Mensch, ein ehrenhafter unschuldiger Mensch es vorzieht, sich zu wehren statt sich wehrlos ver: schleppen und peitschen zu lassen wer will deshalb einen Stein auf ihn werfen? Die braune Presse nennt Anton Schmaus einen marris stischen Mörder. Die Geschichte wird ihn einen Kämpfer für Deutschlands Freiheit nennen. Im Herzen der kämp= fenden Arbeiterklasse bleibt ihm ein Play für immer! Unabhängig von vorstehender Darstellung wird uns ans Berlin von unbeteiligter Seite noch mitgeteilt, daß der Va ter Schmaus nicht erhängt aufgefunden wurde, sondern auf dem Boden liegend mit einer schweren Kopfwunde. Die SA.- Leute sind aus reiner Privatrache in das Haus eingedrungen, weil sie den jungen Schmans für dessen politische Betätigung mißhandeln wollten. Auch die Frau Schmaus ist von den SA.- Leuten mißhandelt wor den. Unter anderm hat man den Kopf der Frau in das Blut der niedergeschossenen SA.- Leute gestoßen. Fran Schmaus muß übel zugerichtet sein, denn es ist bisher niemandem erlaubt worden, sie zu sehen. Wie und wo der Vater Schmaus beerdigt ist, fonnten seine Freunde bisher nicht feststellen. Die jüngste 13jährige Tochter wurde von den SA.- Leuten in ein Sturmlokal mitgeschleppt, wo sie mit ansehen mußte, wie eingelieferte Sozialdemokraten halbnackt mißhandelt wurden. Erst als das Kind in Schreis främpfe fiel, brachte man sie in ein andres Zimmer und entließ sie am frühen Morgen. Eine Sparbüchse mit 90 Mt. haben die SA.- Leute mitgehen heißen. Zwei Tage nach der Schreckensnacht wurde das Haus der Familie Schmaus an drei Stellen angezündet. Die erschoffenen Einbrecher wurden in feierlichem Staats: begräbnis beigesetzt. Diener der chriftlichen Kirche hielten ergreifende Predigten auf die unschuldig Erschossenen und Rachereden gegen die verruchten Marxiſten. Ueber diese Sorte Christentum wird das Verhängnis rascher hereinbrechen, als die gleichgeschalteten gottlosen Pfarrer ahnen. Briefkasten M. W. Einverstanden! Braun. Berlin, 10. Juli. Die vom Statistischen Reichsamt für den 5. Juli berechnete Inderziffer der Großhandelspreise ftellt fich auf 93,7; fie ist gegenüber der Vorwoche( 93,2) um 0,5 Prozent gestiegen. Die Jnderziffern der Hauptgruppen lanten: Agrarftoffe 86,2( plus 1,4 Prozent), industrielle Roh muß man regelmäßig fesen„ Boltsstimme" G. m. b H.. Saarbrücken, Schüßenstraße 5. stoffe und Halbwaren 89,8( plus 0,1 Prozent) und industrielle Fertigwaren 112,8( plus 0,4 Prozent). ..Marxistische Mißwirtschaft" Es war und ist eine große Lüge Eine der Schwindeleien, mit denen der Nationalsozialismus die Massen betrog, war die immer wiederkehrende Abonnieren Sie sofort! Besteffschein: Behauptung, die Wirtschaft werde durch marxistische Jdeen Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der ruiniert. Dabei gab es nirgendwo eine margistische Wirtschaftsführung. Die kapitalistischen Parteien weiteten das ,, Deutsche Freiheit" Thema aus, indem sie behaupteten die Arbeitsleistung gehe immer mehr zurück. Das Konjunkturinstitut hat für jedes Jahr das Produk tionsvolumen durch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden dividiert und so( auf der Basis: 1928-100) folgende Meßziffer für die Produktionsleistung je Arbeitsstunde gewonnen. Produktionsleistung je Arbeitsstunde( 1928= 100) 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 87,3 98,6 100,9 100,0 106,6 115,6 121,0 124,4 Demnach ist die Produktionsleistung aufsteigend gewesen. Der Niedergang der Wirtschaft kann also nicht auf die Schuld der Arbeiter zurückzuführen sein. ,, Schwarze Front" Scheringer und Beppo Römer in Todesgefahr Offenbar mit dem verstärkten Einfluß, den Kreise der " Schwarzen Front" unter mißvergnügten SA.- Mannschaften zu finden beginnen, hat nicht nur gegen die Angehörigen diefer Organisation ein Kesseltreiben eingesetzt, sondern auch gegen frühere Nationalsozialisten, die in das Lager der radifalen Linfen übergetreten sind, wird nunmehr mit besonderer Brutalität vorgegangen. So wird aus Berlin berichtet, daß ein besonderes nationalsozialistisches Tribunal in der letzten Juniwoche gegen den Hauptmann Beppo Römer, der sich früher beim Bund Oberland betätigte und schließlich Mitglied der Kommunistischen Partei geworden war, und gegen einige seiner Gesinnungsfreunde Todesurteile gefällt hat. Auch Leutnant Scheringer, der aus dem Ulmer Reichswehrprozeß und durch sein späteres Bekenntnis zum Kommunismus befannt geworden ist, soll vor dieses Tribunal gezogen worden sein. Großdeutschland vorbei Der Anschluß zerstört Wenn man Nachrichten aus Desterreich selbst vertrauen darf, so ists gerade das„ Totalitätsprinzip" mit seinem Kindlifreffergesicht, das den guten Desterreichern, ihrer Mehrheit wenigstens, jede Luft am Aufgehen an der großdeutschen Herrlichkeit vergällt. Was der verruchten Weimarer Republik zu Zeiten fast gelang, den Anschluß, haben drei Monate Drittes Reich wieder verspielt.(„ National- Reitung." Basel.) Genaue Adresse: Unterschrift: Die einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Hubert Jüttner. beide in Saarbrücken. Drud und Verlag: Straßbourg Unsere Inseraten- und Abonnements- Annahme befindet sich St. Gotthardtstraße 31 Lothringen Mitten im lothr. Indu striegebiet gel Eisen werk( Eis nkonstruk tion u Biechschmiede) mit Bahnanschluß zu verkaufen Schöner Besitz( Schloß, 19 ha Park und Garten) Straße Metz Saar brücken, u mehrere schöne Wohnhäuser zu verkaufen. Ausk ert C. Gresset, Courcelles Chauss 23 Telefon: 6 Schreibmaschinen, neu u. gebraucht, auf Teilzahlung in monatlichen Raten von Fr. 40 Unverbindliche Vorführung. Zuschriften unter Nr. 32 an die Geschäftsstelle dieses Blattes erbeten KI. Bürobedarislager gegen bar zu verkaufen Angebote unter Nr 36 an die Geschäftsstelle dieses Blattes erbeten Alle Geldfendungen für die ,, Deutfche Freiheit" ob durch Banküberweifung, Scheck, Poftanweifung, find zu adreffieren an Verlag der Volksftimme GmbH. Saarbrücken Zu vermerken ift bei jeder Zahlung: Für Deutfche Freiheit! Bank: Deutfche Bank und Diskonto- Gefellſchaft, Filiale Saarbrücken Poftfcheck: Saarbrücken 619( Verlag der Volksftimme G. m. b. H.)