Preis: 60 1. cts. Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 21-1. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, den 14. Juli 1933 Kntefall vor dem„, Erbfcind" Chefredakteur: M. Braun Die Deutschen meinen, daß die Kraft sich in Härte und Grausamkeit offenbaren müsse, sie unterwerfen sich dann gern und mit Bewunderung; sie sind ihre mitleidige Schwäche, ihre Empfindlichkeit für alle Nichtse auf einmal los und genießen andächtig den Schrek ken. Daß es Kraft gibt in der Milde und Stille, das glauben sie nicht leicht. Sie vermissen an Goethe Kraft und meinen, Beethoven habe mehr: und darin irren siel Fr. Nietzsche. Papen soll nach Paris Hitlers Fühlungnahme mit Franzosen Das Saargebiet als Handelsobjekt Papen soll seine französischen Beziehungen nutzen Berlin, 18. Juli.( Eig. Drahtber.) Seitdem Vizekanzler von Papen in der inneren Politik vollkommen ausgespielt hat, wird er vom Reichskanzler zu wichtigen an ßen politischen Missionen benutt. Papen ist neben dem reichlich inattiven Außenminister von Neurath das einzige Kabinettsmitglied, das über gute Beziehungen im usland verfügt. Nachdem es Herrn von Papen gelungen ist, über den Leichnam der Zentrumspartei ein Konkordat zwischen dem Vatikan und dem deutschen Faschismus abanschließen, soll seine nächste Aufgabe darin bestehen, die europäische Isolierung Deutschlands zu durchbrechen. Der Leiter des außenpolitischen Amts der Nationalsozias liften, Dr. Rosenberg, dessen Ehrgeiz sowohl Neurath wie Papen auf dem Felde der Außenpolitik verdrängen wollte, hat in London sich eine so furchtbare Abfuhr geholt, daß er für außenpolitische Missionen einstweilen nicht mehr in Betracht kommt. Man hat ihn in London, wie man sich dort allgemein auszudrücken pflegt, behandelt wie einen Hund. verhandlungsbereit sein könnten, als es vom deutschen Standpunkt aus zu wünschen wäre. Die deutsche Reichsregierung beteuert deshalb entgegen den Tatsachen, daß der Judenboykott abgebrochen sei. Das jüdische Geschäftsleben ſoll unbehindert bleiben. Nur in der Beamtenschaft würden Juden nicht mehr geduldet. Die französischen Radikalsozia: listen, die über Deutschland ausgezeichnet unterrichtet sind, mißtrauen natürlich diesen Versicherungen. Vizekanzler von Papen hat mit katholischen Zirkeln Frankreichs Fühlung genommen. Anlaß zu den in Aussicht ge= nommenen direkten Besprechungen soll die Saarfrage bieten. Berlin will in der Saarfrage Franks reich wirtschaftlich entgegenkommen. Wie das geschehen soll, steht noch nicht fest. Man erinnert sich, daß ähnliche Verhandlungen, die vor Jahren Stresemann führte, ergebnislos geblieben sind, obwohl damals die politische Atmosphäre besser und Deutschlands wirtschaftliche Verhält nisse günstiger waren. Die Mission des Vizekanzlers ist von dem französischen Botschafter in Berlin, Herrn Andre Francois Poncet, mit begreiflicher Genugtuung aufgenommen worden und wird von ihm und anderen französischen Kreisen gefördert werden. Kanonenchristen Aus München wird gemeldet: Und die Herren sind hundertprozentig national." Huns dertprozentig: die Katholiken, die Prediger der allgemeinen weltumfassenden Kirche. Der Pförtner feines Hotels hat nicht einmal Bedienung Hundertprozentiges Frontchristentum geld von ihm angenommen. Auf der Rückreise Rosenbergs von London nach Dover hat ein englischer Fahrgast, als er erfuhr, wer im Zuge saß, die Notbremse gezogen und erklärt, daß er lieber die hohe Strafe zahlen wolle, als mit dem Sunnen Rosenberg in einem Zuge zu fizen. Dieser Rosens berg muß also einstweilen im Hintergrunde gehalten werden. Nach Warschau ist der nationalsozialistische Senats= präsident Danzigs geschickt worden, damit er dort um gut Wetter bitte. Für Frankreich ist eine Reise Papens nach Paris in Aussicht genommen. Die Reichsregierung ist schon durch Mittelspersonen an französische Radikalsozia= listen herangetreten, um für einen Besuch Papens vor: zufühlen. In Berlin hat man freilich die Befürchtung, daß diese französischen Areise wegen der Judenfrage nicht so Sind das Menschen? Eine Frage an alle! Wir haben gestern über die Ermordung des früheren Reichstagsabgeordneten, unser Parteivorstandsmitglied Stelling berichtet. Sein Leichnam wurde entseßlich verstümmelf in einem Sack aus dem Wasser gezogen. Die Vereinigung ehemaliger bayrischer katholischer Feldgeistlicher hielt in München ihre Jahresversammlung ab. Polizeioberpfarrer Schneider erklärte, wenn heute der Frontfoldat wieder an der Spize des Staates marschiere, so marschiere auch der Frontgeistliche mit ihm. Der katho lische Geistliche sei durch seine politische Tätigkeit in der Vergangenheit in Mißkredit gekommen. Jeder Katho lik müsse jedoch selbstverständlich hunderts prozentig national und christlich sein. Die Versammlung, die ein Bekenntnis zum Führer Adolf Hitler darstellte, genehmigte die Aenderung des Vereinsnamens in Vereinigung katholischer geistlicher Kriegsteilnehmer. " Katholische Feldgeistliche" war den Frommen nicht kriegerisch genug: fie mußten geistliche Kriegsteilnehmer" heißen. Ohne das Wort„ Krieg" macht ihnen das Christen. tum feinen Spaß.! Müller in Front Kirche ohne Arierparagraph Die neue Verfassung der evangelischen Kirche ist perfeft. Die nationalsozialistischen Deutschen Christen" haben erreicht, was sie wollten. An der Spike ber dem lutherischen Bekenntnis angehören muß. Das Führerneuen Kirche steht als Führer ein Reichsbischof, der prinzip, welches im Reichsbischofsamt Gestalt gewinnt, wird ergänzt durch die Mitwirkung des Kirchenvolkes, die in der Nationalsynode ihren Ausdruck findet, die dem Wie wir jetzt noch erfahren, war Stelling infolge schwerer Mißhandlungen durch Reichskanzlerbanditen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Von dort aus verliert sich seine Spur, und es ist auch vom Krankenhaus aus erklärlichen Gründen keine genaue Auskunft zu erlangen. Entweder ist Stelling unmittelbar aus dem Krankenhaus verschleppt und abgeschlachtet worden, oder er hat sich im sicheren Gefühl der Bedrohung selbst aus dem Krankenhaus entfernt und ist dann von den ihm auflauernden Beffien eingefangen und hingemordet kundigen Mitglied. Die drei theologischen Mitglieder verworden. Ob die Leiche schon freigegeben und beerdigt ist, war bisher nicht zu ermitteln. Die Ermordung Stellings ist eine der viehischsten Schandfaten, die von der Garde des deutschen Reichskanzlers verübt worden sind. Keines der nationalen christlichen Blätter im Reich und im Saargebiet wagt über dieses scheußliche Verbrechen zu berichten. Wer zu solchen Schandfaten schweigt, ist ein Helfershelfer der Verbrecher. Wir verweisen auf unseren Aufsatz:« Greuelnicht wahr?" an anderer Stelle des Blaffes. Grundsatz entspricht, auch die äußeren Formen der deutschen evangelischen Kirche gemäß dem Neuen Testament zu gestalten. Neben den Reichsbischof tritt das geistliche Ministerium, das den Bischof in der Leitung der Kirche unterstützt. Es besteht aus drei Theologen und einem rechtstreten die drei Bekenntnisgruppen der Kirche, die lutherische, die reformierte und die unierte. Das reformierte Mitglied des Ministeriums wird in allen Fragen, die die Wahrung und Pflege seines Bekenntnisses angehen, an Stelle des Reichsbischofs handeln. Nur in einem Punkte haben die nationalsozialistischen Forderungen teine Erfüllung gefunden. Die neue Stirchenverfassung enthält nicht den Arierparagraph. es fann danach Protestanten geben, die nicht arischer Abfunit sind- wieviele es bisher gegeben hat, ist bekannt. Natürlich fehlt nicht der Hinweis darauf, daß auch die Kirche die Aufgabe hat,„ artfremde Einflüsse" abzuwehren, was besonders die kirchliche Führung betrifft. Bald wird also Wehrfreispfarrer Müller komman= dieren. Die Deutschen Christen" werden führen die wahren Christen ziehen sich zurück, sofern sie nicht längst an ihrer Kirche verzweifelten, die alle Schandtaten des braunen Terrors deckt, Erinnern wir uns recht. so durchbrach Jesus Christus den hundertprozentigen i üdischen Nationalismus durch die Mahnung gehet hin in alle Welt und leeret alle Völker!" Aber wer ist schon Jesus Christus für Hakenkreuzchristen? Auf Grund seiner biblisch belegten Abtrennung aus dem Geschlechte Davids hätte er in Deutschland nicht einmal gewöhnlicher Polizeipfarrer, geschweige denn Polizeioberpfarrer werden können. Allerdings würde sich Jusus Christus gegenüber den„ geistlichen Kriegsteilnehmern" wohl das Wort von Bodenstedt zu eigen gemacht haben: „ Nun schweigt von euerm Christentum, Gepredigt aus Kanonenschlünden!" ..Die fürchterlichen Kruzifixe" Kriegerdenkmäler an die Stelle von Kruzifixen Am 11. Juli stand in der nationalsozialistischen SaarZeitung ein Aufsatz von Alfred Rosenberg, der folgenden Satz enthielt: Die fürchterlichen Kruzifire der Barock: und Rokokozeit, welche an allen Straßenecken verzerrte Gliedmaßen zeigen, werden auch nach und nach durch herbe Kriegerdenkmäler verdrängt. Auf ihnen stehen eingegraben die Namen jener Männer, die als Zeichen des ewigen Mythos von Blut und Willen für den Höchstwert unseres Volkes starben: für die Ehre des deutschen Namens. Am selben Tage schrieb die katholische„ Saarbrücker Landeszeitung", es sei nirgendwo mehr in Deutschland eine antikatholische Stimmung zu entdecken. Wer denkt da nicht an das Wort:„ Wen der Herr verderben will, den schlägt er mit Blindheit." Antreten! Antreten! „ SA. ist kein Militär" Aus dem Sauerland wird uns geschrieben: Am 2. Juli fand in Meinerzhagen im Oberbergischen eine große Truppenschau und Felddienstübung der SA.- und SS.- Formationen aus der Umgebung statt. Abgesehen davon, daß man Uebungen mit dem Karabiner vornahm und mit improvisierten Handgranaten arbeitete, machte man auch mit Autos, die als Tanks atrappiert waren, das um Meinerzhagen liegende Gelände unsicher. Charakteristisch ist, daß am voraufgegangenen Samstag- Nachmittag alle Kommunal beamten zum Wehrsport antreten mußten, Frankenfälscher in der Geheimen Staatspolizei Budapest, 11. Juli. In den Kreisen des Fürsten Windischgrät ist man außer ordentlich beunruhigt über die Berliner Skandal: und Unterschlagungsaffären eines der Leiter der dortigen Gez heimen Staatspolizei, des ungarischen Rittmeisters von Moszaros. Mozzaros war im Jahre 1926 einer der Komplicen der Frankenfälscher Fürst Windischgräß und des Polizeipräfeften Nadofy. Anläßlich des Prozesses der Frankenfälschung, unter benen sich Moszaros nicht befand, hat die ungarische Regie: rung nicht gewagt, seine Auslieferung aus der Türkei, wo er fich aufhielt, au fordern. SA.- Sozialismus Der berüchtigte Hochstapler und Spion, der immer noch nicht als Leiter der Auslandsabteilung der deutschen Ges heimen Staatspolizei abgesezt ist, wird vom Grafen Hell: dorf beschützt, die er nicht nur in seiner Bar verkehrte, sondern unter Mithilfe von Moszaros die Ermordung des Hell: sehers Hanussen persönlich organisiert hat. Im preußischen Innenministerium befürchtet man im Zusammenhang mit dieser schmutzigen Affäre äußerst unangenehme Enthüllungen, die auch Göring kompromittieren werden. Man nimmt an, daß aus dem Göbbelsschen Ministerium eben aus diesem Grunde in den nächsten Tagen Erklärungen über diesen Teil in die Oeffentlichkeit gelangen werden. Wirtschaftsbolschewismus Vertrauliche Berichte aus Deutschland Man schreibt uns aus Mitteldeutschland: Deutsche Unternehmer versichern in vertraulichen Gesprächen immer wieder, daß die Wirtschaftslage sich fortlaufend verschlechtere. Das komme in den Berichten über den Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht in dem notwendigen Maße zum Ausdruck. Diesen Berichten über den fortwährenden Rückgang der Arbeitslosigkeit glaubt im Reiche kein denkender Mensch mehr. Ein Wizbold äußerte im Anschluß an die Lektüre eines solchen Berichtes:„ Ja, ich habe auch schon gemerkt, daß es jetzt anders wird. Erst gestern traf ich jemand, der noch nie arbeitslos war und jetzt erwerbslos geworden ist. Ueberschrift: Rückgang der Arbeitslosigkeit." Die Unternehmer versichern, daß sie schon längst einen größeren Teil ihrer Belegschaften hätten entlassen müssen, aber niemand getraue sich das jetzt schon zu tun, weil wahr= scheinlich dann am nächsten Tage ein SA- Kommando die Verhaftung vornehmen werde. Sehr lange ließe sich ein solcher Zustand aber nicht mehr aufrechtzuerhalten. In den letzten Wochen haben die Abhebungen von ben Sparkassen wieder in außerordentlich starkem Maße zugenommen. Amtliche Angaben werden darüber natürlich nicht gemacht. Aber die Belebung in der Möbelindustrie sowie vor allen Dingen auch in der Fahrrabindustrie ist gerade auf diese Tatsache in erster Linie aurückzuführen. Eine deutsche Margarinefabrik muß infolge der Fettverordnung der Reichsregierung ihre Produktion um 40 Prozent einschränken. Die Folge ist Kündigung von etwa 100 Arbeitern und Angestellten. Am nächsten Tage steht vor der Fabrik ein SA.- Kommando, und der Sturmführer berung abgebe, daß sein Geschäft ruiniert sein würde, wenn er die beiden Arbeiter bis zum Jahresschluß weiterbeschäftigen solle. Der Möbelhändler weist darauf hin, welche Ungeheuerlichkeit man damit von ihm verlange. Eine solche Erflärung könne er selbstverständlich nicht abgeben. Urteil: Die Leute sind bis zum Schluß des Jahres zu bezahlen. Arbeit hat der Möbelhändler selbstverständlich für sie nicht.. In den deutschen Betrieben mehren sich die Anschläge der Unternehmer, daß die Arbeitsleistung in den letzten Wochen zurückgegangen sei. Diesem Zustande müsse unbedingt Einhalt geboten werden. Der Wirtschaftsbolfchewis. mus in den Betrieben müsse unbedingt aufhören. Die NSBO.- Leute sind entsetzt, wenn ihnen Wirtschaftsbolschewismus vorgeworfen wird, aber die Unternehmer werden wohl wissen, wie sie die Betätigung der NSBO. einzuschätzen haben. Der Beitrag der NSBO. fann seit einiger Zeit von den Gewerkschafts beiträgen abgezogen werden. Es wurde höchste Zeit, daß diese Verordnung erlassen wurde. Immer häufiger weigerten sich die Mitglieder der NSBO., thren Beitrag zu bezahlen. Man habe wohl früher auf die alten Bonzen geschimpft, daß nichts geschehe und nichts erreicht werde, aber man habe von der Tätigkeit der NSBO. noch weniger gesehen. Es würden erst wieder Beiträge geleistet werden, wenn die NSBO. wirklich etwas für die Arbeiterschaft getan habe. Als man in den Reihen der Nationalsozialisten Unheil merkte, erließ man die genannte Verordnung. Damit kann jetzt selbstverständlich jeder Gewerkschaftler auch als Mitglied der NSBO. gezählt werden. gibt sich mit mehreren SA.- Leuten zu dem Fabrikletter. Dessauer Dieser wird aufgefordert, die Kündigungen sofort zurückzunehmen. Er erklärt, daß das unmöglich sei, da er seine Produktion durch die Verordnung der Reichsregierung einschränken müsse. Darauf fragt ihn der SA- Führer, ob er also erklären wolle, daß er nicht in der Lage sei, auch bei eingeschränkter Produktion die Belegschaft zu vollem Tarifs John weiter zu beschäftigen. Als der Unternehmer erklärt, daß er dazu nicht imstande sei, wird er verhaftet und für die Fabrik zunächst ein Kommissar eingesetzt. Durch Eingreifen des damals noch amtierenden Reichsministers Hugenberg gelingt es, den Fabrikleiter zu befreien und den Betrieb ordnungsmäßig fortzuführen. Ein Möbelhändler in Berlin stellt zwei Kräfte zur Aushilfe ein. Er fordert sie beim Arbeitsamt ausdrücklich als Aushilfe für das Pfingstgeschäft an und erklärt auch den Leuten, daß er sie nur unter dieser Bebingung einige Wochen beschäftigen fönne. Er behält sie auch nach Pfingsten noch einige Wochen, solange ihm das eben möglich ist. Dann entläßt er sie. Eine Stunde später tehren die Leute mit dem zuständigen SA.- Führer wieder, der verlangt, daß die Leute bis zum Jahresschluß weiterbeschäftigt werden. Als der Händler das ablehnt, wird mit Klage beim Arbeitsgericht gedroht. Die Klage wird eingereicht und bei der Verhandlung legt der Möbelhändler die Sachlage klar. Der Vorsitzende des Arbeitsgerichts erklärt ihm dann, daß das Gericht nur zu seinen Gunsten entscheiden könne, falls er jetzt noch die eidesstattliche Versiches Der arische Film Wie wird er sein? Berlin, den 12. Juli. Der Deutsche Bühnennachweis gibt es Richtlinien für alle Filmschaffenden heraus. Das nach haben Produktionsleiter, Regisseure, Autoren, Kompo= nisten, Aufnahmeleiter, Kameraleute, Architekten, Tonmeister und Cutter sofort ihre Staatsangehörigkeit und arische Abftammung beim Bühnennachweis anzugeben. Für den Nach weis find Geburtsurkunden der Eltern beizubringen. Aus diesen Geburtsurkunden muß auch die Religionszugehörigs teit der Großeltern hervorgehen. Den Produktionsfirmen wird empfohlen, schon jetzt alle Produktionsvorhaben beim Bühnennachweis zu melden und fich durch die Tonfilmabteilung bezüglich der Besegung bes raten zu laffen, da alle Filmschaffenden, die die erforderlichen Nachweise nicht erbracht haben, von der Vermittlung ausges schloffen werden. Vier Filme hat Göbbels als beifpielgebend für die fommende deutsche Filmproduktion genannt: 1. Die Nibelungen, hergestellt von dem jüdischen Produzent Erich Pommer, inszeniert von dem Judenstämmling Friz Lang. 2. Panzerkreuzer Potemkin, inszeniert von dem Juden Sam Goulding, 8. Anna Karenina, inszeniert von dem Juden Sam Goulding. 4. Der Rebell, Produktionsleitung: Der Jube Kohner, Regie: Der Jude Kurt Bernhard. Er ist und bleibt ausgeschaltet Zu den wissenschaftlichen Zierben der Frankfurter Unis versität gehörte bis vor kurzem der sowohl als Wiffens schaftler wie als Zentrumsführer und MdR. bekannte Profeffor Deffauer, ein Freund und Mitarbeiter Brünings. Dessauer entstammt einer ganz oder halbjüdischen Familie, die aber schon seit Generationen getauft ift. Das genügte, um Dessauer sofort zu beurlauben. Da Dessauer in wich tigen wissenschaftlichen Arbeiten sich befand, so wurden Schritte unternommen, die Beurlaubung rückgängig zu machen; insbesondere bemühte sich darum ein Führer des Stahlhelms, ein Major a. D., der extra zu diesem Zwed fich nach Berlin begab, um mit dem zuständigen Referenten zu sprechen. An diesen heranzukommen war schon schwer, aber schließlich gelang es ihm. Der Herr Referent" entpuppte fich als ein ganz junger Mensch von höchstens Mitte der Zwanzig; schon die die Unterredung einleitenden Worte des Herrn Majors wurden von diesem jungen Schnösel barsch unterbrochen mit der Bemerkung: Wenn Sie hierher gekommen sind, um sich für diesen Halbjuden und Geschäftes macher Dessauer zu verwenden, so ersuche ich Sie, das Zim= mer sofort zu verlassen; Dessauer ist und bleibt ausgeschaltet. Damit war die Besprechung zu Ende. So wahrt die Nazis regierung die Interessen der deutschen Wissenschaft. In derselben Rede erklärte Göbbels, die jüdischen Film leute feien für die künftige Gestaltung des deutschen Films nicht geeignet. Zwei Autoren, die für die Ufa einen Film geschrieben hatten, der in Spanien spielt, wurden kurz nach Ausbruch des Dritten Reiches zum Dramaturgen gebeten. Dieser verlangte von ihnen, sie möchten die in dem Manuskript enthaltene Komifer- Figur zeitgemäß ändern; einen deutschen Juden daraus machen, der im Auslande umher reist und Greuel märchen" verbreitet! Der Schauspieler P. 2. erhielt von der gleichgeschalteten Schauspieler- Organisation einen Brief, er möchte, falls er jüdischer Abstammung sei, freiwillig austreten, um Rompli tationen au vermeiden; sollte er dagegen arisch sein, so möchte er seine Abstammung aftenmäßig beweisen. Der Schauspieler schrieb folgenden Brief zurüd: " Sehr geehrte Herren, meine arische Abstammung aftenmäßig zu beweisen, bin ich leider nicht in der Lage, weil in meinem Familienarchiv das Akt- Photo meines Großvaters mütterlicherseits fehlt." Die Ufa erwarb seinerzeit die Verfilmungsrechte der französischen Komödie„ Der kleine Kuppler". Das ist die Ge schichte eines Nüttchens, dessen Hund darauf dressiert ist, in elegante Autos zu springen und dadurch die Verbindung des Mädchens mit zahlungskräftigen Herren einzuleiten. Dieses Stück wurde seinerzeit in der ganzen Welt gespielt, gefiel tausenden von Menschen und passierte manche Zensur. Nicht aber die deutsche Filmzensur! Deswegen wurde aus der Nutte ein anständiges Mädchen gemacht, wozu fie den Hund ausschickt, weiß der liebe Gott, oder wissen diejenigen. die den kleinen Kuppler" in Amor an der Leine" umtauften. Täter verhaftet Wagen beschlagnahmt! Reichsdeutsche SA.- Leute photographieren in Saarbrücken die Verkäufer der« Deutschen Freiheit"! Seit dem Erscheinen der Deutschen Freiheit" lassen die Gegner der Freiheit fein Mittel unversucht, den Verkauf, die Verbreitung des deutschen Blattes zu verhindern. Neuerdings halten sich reichsdeutsche SA.- Leute mit deutschem Wagen in Saarbrücken auf. Sie find emsig tätig. Zu ihren Aufgaben in Saarbrücken gehört auch das Photographieren der Brekäufer der Deutschen Freiheit"! Die reichsdeutschen SA.- Leute fahren schnell vor, photographieren und ver schwinden. 1. a. handelt es sich um den reichsdeutschen Wagen I A 14 728. Die Täter find am Donnerstag verhaftet, der Wagen ist beschlagnahmt worden. Das Ende von Mosse Berlin, 18. Juli. Die Rudolf- Moffe- Stiftung G. m. b. H. hat nach genauer Prüfung sämtlicher geschäftlichen Unterlagen die für einen vollkommenen Neuaufbau der Firma nötigen Schritte in die Wege geleitet. Um das Sanierungswerk ungestört durchführen zu können, hat die Firma das gerichtliche Vergleichsverfahren beantragt und zunächst die Zahlungen eingestellt. Das Erscheinen der Zeis tungen und sonstigen Berlagswerke wird durch die finanzielle Neuordnung nicht berührt. Das Neueste Berlin, 18. Juli. Wie das vdz.- Büro meldet, find im Zuge der Gleichschaltung der großen Parlamente wieder eine Reihe von Abgeordneten des Reichstages und preußischen Landtages als Hospitanten in die NS.- Fraktion aufgenoms men worden. Im Reichstag hat die NS.- Fraktion mitgeteilt, daß der seit 1930 als Mitglied der BVP. dem Reichstag angehörige Abgeordnete Graf Quadt- zu- Jony, der auch Mits glied der bayerischen Staatsregierung war, als Hospitant in die NS.- Reichstagsfraktion aufgenommen worden ist. Im preußischen Landtage wurden alle drei für den Chriftlich fozialen Volksdienst in das Parlament gewählten Abgeord neten in die NS.- Preußenfraktion als Hospitanten eins gegliedert. Berlin. Der Hauptgewinn der 4. Klasse der PreußischSüddeutschen Lotterie in Höhe von 100 000 RM. fiel auf Nr. 56 788. Der Gewinn fiel in der ersten Abteilung nach Niederschlesien, in der zweiten nach Schleswig- Holstein. Rudolstadt. Der 20 Jahre alte Kutscher Eskofier, der ein Dienstmädchen erdrosselt hatte, wurde zum Tode verurteilt, scin Mithelfer zu neun Jahren Zuchthaus. Budapest. Ein Schulflugzeug stürzte bet Szekesfejervar auf ein Gebäude ab und setzte mehrere Wohnhäuser in Brand. Die beiden Insassen kamen ums Leben. Die Wohnhäuser brannten nieder. Berlin, 12. Jult. Der Obergefreite Patermann von der 1. Schwadron des Reiter- Regiments 7( Breslau) ist heute früh auf einem Patrouillenritt bei Margareth in der Oder mit seinem Pferd ertrunken. Erst nach längeren Be mühungen fonnte Patermann geborgen werden. Wieders belebungsversuche blieben ohne Erfolg. Nenyork, 12. Juli. Das Flugzeuggeschwader Balbos wurde um 18.45 Uhr Greenwicher Zeit von Schiffen gesichtet. Es befand sich auf 57 Grad 2 Minuten n. Br. und 46 Grad 5 Min. w. L. Das Geschwader hat somit den gefährlichsten Teil seiner Fahrt hinter sich und befindet sich etwa 250 Meilen südlich von Grönland und 500 Meilen östlich der in Labrador gelegenen Stadt Cartwight. Wien, 12. Juli. Das Bundeskanzleramt hat die Ver breitung der Münchener Telegrammzeitung in Desterreich bis zum 10. Oktober verboten. Aus Halifax wird gemeldet, daß Oberst Lindbergh mit Gattin kurz vor Mittag nach St. John auf Neufundland gestartet ist, wo er das italienische Geschwader voraussichtlich morgen vormittag empfangen wird. ,, Locarno der Meerengen" London, 13. Juli( Eig. Meldung.) Der diplomatische Korrespondent des„ Daily Telegraph" glaubt berichten an fönnen, daß im Laufe der Besprechungen, die iegt in Rom zwischen Mussolini und dem türkischen Außenminister Tewfit Rüschdi Bei im Gange seien, der Außenminister wahrschein lich ein Locarno der Meerengen" vorschlagen werde. Ein solcher Locarnovertrag würde in erster Linie einen Nichts angriffspakt zwischen den vier Schwarzmeermächten Türkei, Bulgarien, Rumänien und der Sowjetunion sowie Griechens land bedenten. Er würde ferner eine Verpflichtung der mittelländischen Seemächte, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien, einschließen, die sich auf die fünftige Benutzung der Meerengen durch ihre Kriegsflotten beziehen würde. Troßdem wurde der Film nach Fertigstellung von der Filmzensur des Dritten Reiches verboten. Ebenso der nächste Film der Ufa Stern von Valencia". Hugenberg scheint auch bei seinen Filmgeschäften fein Glück mit Hitler zu haben! Ein jüdischer Produzent erhielt von der Ufa den Auftrag, einen Film für sie zu machen. In dem Vertrag, den man ihm vorlegte, stand die Bedingung, daß er in seinem Film feinen Juden beschäftigen dürfe. Der jüdische Probuzent unterschrieb. Der Vertrag, den ein Star mit einer großen deutschen Firma gemacht hatte, enthielt die Verpflichtung der Gesells schaft, die Toiletten der Schauspielerin zu bezahlen, und awar in der Weise, daß die Dame die Sachen aussuchen und die Rechnungen der Firma übersenden sollte. Die Firma zahlte anstandslos alles, nur die Rechnung für ein Paar Schuhe wurde refüsiert: mit der Begründung, die habe ein jüdisches Geschäft geliefert! Die Ufa ist nicht immer ganz fonfequent: vor kurzem erst spielte der Gloria- Palast den Film„ Ein Lied für Dich" ( Produktionsleitung Rabinowitsch und Preßburger; Regie: Joe May; Buch: Bernauer und Desterreicher; Musik: Katscher und Jurman). Bei der Premiere war der Film ein Bombenerfolg. Der Star, Jean Kiepura, konnte sich nach der ersten Vorstellung unzählige Male verbeugen, und das enthusiastische Publikum zwang ihn, Lied auf Lied zu singen. Als er nach der zweiten Vorstellung wieder auf die Rampe gerufen wurde verhinderte ihn die SA. am Erscheinen: er set Pole und man befürchte Gegendemon ftrationen! „ Greuel" • nicht wahr? Die ,, Deutsche Freiheit" wird von Fragen bestürmt...- Nichts ist widerlegt!- Die Berichte aus Hitler- Deutschland über viehischen braunen Terror häufen sich immer mehr Häufig wird an die Redaktion der„ Deutschen Freiheit" von guten, menschlich gesinnten Leuten die Frage gerichtet, ob denn alle die Nachrichten über die furchtbaren Quälereien, Mißhandlungen und Tötungen in Hitler- Deutschland„ a u ch wirklich wahr" seien. Die Gründe für diese Fragen sind uns vollkommen verständlich. Man kennt das deutsche Volk, wie es seiner ruhigen Arbeit nachgeht; man hat es erlebt in harmloser Hingabe an bescheidenen Freuden. Nun haben diejenigen, die noch in sozialer und menschlicher Geborgenheit leben, keine innere Beziehung mehr zu den Ereignissen unter dem braunen Terror! Sie begreifen diese wilden Ausbrüche aus den niedrigsten menschlichen Bezirken, ge= nährt von Haß und Roheit, nicht. Daher kommen dann auch diese Fragen an uns. Andere wiederum sind der Meinung, daß die„ Deutsche Freiheit" zuviel solcher Meldungen brächte. Eine derartige Häufung von Berichten über viehische Untaten an Wehrlosen schwäche sie ab. Allen Fragern und Kritikern dürfen wir versichern, daß sich die„ Deutsche Freiheit" nicht um der Sensation willen um derartige Meldungen bemüht. Aber was soll fie tun, wenn dauernd Not- und Hilferufe an sie gelangen? Sie ist das einzige auf deutschem Boden erscheinende Blatt, das es wagen kann, der Wahrheit und der Wirklichkeit die Ehre zu geben. Sie erfüllt in diesen Monaten eine harte und bittere Chronistenpflicht, weil dem geschändeten Menschenwesen auf deutschem Boden keine andere Zeitung zur Verfügung steht, um sich Gehör zu verschaffen und das Weltgewissen anzurufen. Sie prüft jeden einzelnen Fall mit den Möglichkeiten, die ihr heute angesichts der Nachrichtensperre und der Presseknebelung im Reiche zur Verfügung stehen, auf das Genaueste. Sie nimmt nichts auf, was irgendwie zweifelhaft erscheint. Wir stellen fest: Bon all den Meldungen über braune untaten, die wir bisher veröffentlicht haben, ist nicht eine einzige widerlegt oder dementiert wor den. Heute berichten wir in aller Sachlichkeit, unter Beschränkung auf die reinen Tatsachen über eine Reihe von Fällen, die uns in den letzten Tagen zugegangen sind. Die Hitler- Autoritäten werden aufgefordert, unsere Angaben unter Vorlage genauer Unterlagen zu widerlegen, wenn sie es können! Wir fügen noch hinzu: Die Zahl der uns bekannten Fälle von Mißhandlungen ist um ein Vielfaches höher als fie von uns veröffentlicht werden, denn die Opfer liegen sehr häufig im Krankenhaus und sind damit noch in den Händen ihrer Peiniger. Sie haben Familien, die in Angst und Furcht schreiben. So werden wir denn oft inständig gebeten, zunächst nichts in die Deffentlichkeit zu bringen. Bitten, die wir in jedem Fall respektieren. Auf Beschwerden haben die ordentlichen Gerichte wiederholt geantwortet, ob gegen jemanden wegen unberechtigter Anzeige oder wegen Mißhandlung von Gefangenen usw. einzuschreiten sei, darüber bestimme nicht das Gericht, sondern einzig und allein der Leiter der Lippener Hilfspolizei, ein SS.- Mann. Die Hilfspolizei habe eben ihre eigene Rechtsprechung. 3. Irrsinnig geprügelt Nationalsozialistische Zeitungen melden, daß der ehemalige badische sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Nu= baum, der bekanntlich sich seiner Verhaftung in Freiburg im Breisgau mit der Waffe in der Hand widersetzt und dabei zwei Beamte niedergeschossen hatte, auf Grund der wochenlangen Untersuchungen in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch für unheilbar irrfinnig erklärt worden sei. Nachdem man diesen Mann in der unmenschlichsten Weise mißhandelt hatte, verbreitet man jetzt die Nachricht, Nußbaum leide an einer unheilbaren Baralyse fortgeschritten sei. Nußbaum jei worden zugerichtet haben, wenn es in der amtlichen Mit einer vernachlässigten Syphilis, die nun bis in das Stadium gemeingefährlich irrsinnig. Wie müssen ihn die braunen teilung heißt, daß die Widerstandskraft Nuß= baums nicht mehr hoch zu veranschlagen ist". 4. Immer drauf Am 22. Juni drang ein Sturm nationalsozialistischer Studenten gewaltsam in das Landgerichtsgebäude in Frank furt a. Main ein. Sie durchsuchten sämtliche Räume nach jüdischen Anwälten und fanden schließlich sechs, die als ehemalige Frontsoldaten das Recht erhalten hatten, ihre Praris weiter auszuüben. Mit Gummiknüppeln, Stahlruten usw. fiel die braune Horde über ihre Opfer her und mißhandelte sie schwer. Blutüberströmt brach schließlich Rechtsanwalt Eilbott zusammen. Rechtsanwalt Hochschild wurde so zugerichtet, daß man für ihn den Verlust eines Auges befürchtet. Rechts: anwalt Lieblich muß heute noch das Krankenlager hüten. Außer dieſen drei Rechtsanwälten wurden darauf noch die Rechtsanwälte Rosenthal und Rheinstein und ein sechster Rechtsanwalt von der Polizei in Schußhaft genommen, um die Unglücklichen vor den Mordbanden des Herrn Hitler zu schützen. Am Tage nach diesen Vorgängen seßte eine neue Ver haftungswelle ein. So wurden u. a. die Frankfurter Anwälte Emmerich, Haas und Steffen- Kann festgenommen, die fämtlich den Weltkrieg an der Front mits erlebt haben. Rann ist sogar Landesverbandsvorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. 5. Es wird geprügelt und gemordet.... Berlin. In den Prügelfellern der geheimen Feldpolizei der General- Vape- Straße werden die Ge prügelten dem Arzt mit entblößtem Oberkörper vorgeführt. Einer Generalanweisung zufolge werden die Gefangenen, die hier besonders viehisch mißhandelt werden, nicht mehr auf den Oberkörper geschlagen und der Arzt bestätigt, daß der Vorgeführte völlig gesund ist. 1. Der Fall Margoliner in Breslau treibt, hat Anweisung gegeben, die Gefangenen nicht mehr Der 24jährige Kaufmann Mar Margoliner wurde Anfang April ins Braune Haus in Breslau auf der Karlstraße von SA. geschleppt. Sier sette man ihn 24 Stunden auf Eis. Man schlug ihn ununterbrochen mit Stahlgerten auf den Körper und auf die Fußsohlen. Der Kopf wurde ihm rafiert und das Hakenkreuz eingebrannt. Damit nicht genug! Die entmenschten Burschen drehten dem längst nahezu Bewußtlosen eine Spiralfeder in den Mastdar m. Nach zwei Tagen warfen sie den jungen Menschen, der nur noch eine blutende Masse war, der 63 Jahre alten Mutter vor die Tür. Das, was von ihm noch da war, wurde ins jüdische Krankenhaus nach Breslau- Süd gebracht. Hier lag er acht Wochen im Wasser, weil er weder sizzen noch liegen konnte. Bor 14 Tagen ist er gestorben... 2. Bericht aus Lippe Wie die Nationalsozialisten in dem kleinen Freistaat Lippe hausen, das läßt sich mit wenigen Säßen gar nicht beschreiben. In Alverdissen( Lippe), einem Dorf mit rund 1000 Einwohnern, wohnen zwei jüdische Familien Arensberg. Die beiden Ehemänner sind Brüder. Sie wurden im Fe= bruar dieses Jahres von SA.- Lenten angeblich wegen Steuerhinterziehung verhaftet und ohne richterliches Verhör in einem Reller festgehalten. Erst nach längerer Zeit wurden fie entlassen. Obwohl beide über die Behandlung, die ihnen zuteil geworden war, sichtlich unter einem Zwang feinerlei Auskunft gaben, sah man ihnen an, daß sie Furcht: bares erduldet haben müffen. Dafür spricht auch folgende Tatsache. Der eine der Brüder, Paul Arensberg, der verheiratet ist und ein Kind hat, verübte wenige Tage nach seiner Entlassung im Keller seines Hauses einen Selbstmordverfuch, indem er sich beide Pulsadern durchschnitt. Weiter versuchte er durch einen Schnitt in den Hals sich die Hauptpulsader zu öffnen. Seit dieser Tat liegt dieses Opfer der brannen Peft schwerkrank im Krantenhaus in Lemgo ( Lippe). Musingfeld in Lippe ist ein Dorf mit ungefähr 1500 Einwohnern. Davon sind etwa 20, die Kinder eingerechnet, Juden. In diesem Dorf waren in einer Woche awei schwere Ueberfälle auf Juden und vier gegen sie ge= richtete Terrorafte zu verzeichnen. Unter anderem wurden in jüdischen Häusern die Fenster eingeschlagen und die Dächer abgedeckt. Im Orte B. in Lippe wurde der jüdische Inhaber K. eines bedeutenden Geschäftes Anfang März verhaftet, weil man bei ihm alte, völlig unbrauchbare Waffen gefunden hatte, die nur Erinnerungswert besaßen. K. wurde von den Nazis ich wer mishandelt und erst nach zwei Monaten entlaffen in lebensgefährlichem Zustand. In Salzuflen wurde ein Schneider deshalb verhaftet, weil er für einen Kommunisten eine Hoje angefertigt hatte. In Lippe werden alle namentlich bekannten Stommunisten, Sozialdemokraten und Juden systematisch brotlos gemacht. Breslau. Der Fememörder Heines, der in Schlesien die Vernichtung der politischen Gefangenen zielbewußt bemit Stahlruten zu prügeln, sondern mit nassen Sand: fäden und so zuzuschlagen, daß nach Möglichkeit die Nieren getroffen werden. In Liegnig, einem Konzentrationslager, das ebenfalls dem Heines untersteht, werden die Gefangenen an einen Pfahl gebunden und mit nassen Ruten gepeitscht. Im Kabinett des Polizeipräsidenten Heines stehen die Photographien seiner besten Freunde, der viehischen Mörder von Potempa, die im vorigen Jahre einen wehrlosen Arbeiter abgeschlachtet haben und von Hitler amnestiert wurden. München. Man munkelt in der Stadt, daß im Konzen: trationslager Dachau nicht 8 oder 9 Gefangene ermordet worden sind, wie die amtliche Lesart lantet, sondern 42. Bei den meisten wird als Todesursache Erschießung auf der Flucht angegeben. Es gibt feinen Menschen in Bayern, der auch nur ein Wort von diesen Fluchtmärchen glaubt. Elberfeld. Hier wurden einige den Kommunisten nahestehende Funktionäre ermordet. Zwei Stadtverord= nete, Dattan und Gottschalk, wurden aus dem Konzentra tionslager entlassen und furz nach ihrer Entlassung ermordet. Gottschalks Bruder ist schon vor längerer Zeit ermordet worden. Ein junger Kommunist aus Elbersfeld wurde mit aufgeschlittem Leib auf dem Müllabladeplay ermordet aufgefunden. 6. Frauen zur SA.Kasernenreinigung gezwungen Aus Frankfurt a. Main wird uns glaubhaft, mit Namensnennung der Betroffenen, folgendes berichtet: In einer seit Jahren eingemeindeten großen Industriestadt von Frankfurt a. Main haben sich die Nazis die Wählerlisten verschafft und die Nichtwähler festgestellt. Es ereignet sich nun folgendes: Zu den Ehefrauen, die nicht gewählt haben, tommen vier SA.- Leute und erklären: Sie haben Ihre vater= ländische Pflicht nicht erfüllt und nicht gewählt, sie werden deshalb zu vier bis zehn Tagen Kasernendienst verurteilt( Strafdaner je nach Gesinnung der Eheleute, bei einer Zentrumsangehörigen z. B. vier Tage). Die Frauen werden gezwungen, unter rohen Drohungen usw., z. B. vier Tage in der SA.- Kaserne zu wohnen, zu übernachten! und dort die niedersten Reinigungsarbeiten Fußboden, Latrinenreinigen, Fensterpuzen usw.) zu verrichten. 7. Schändung des Grabes von Ferdinand Lassalle! In Breslau liegt auf dem jüdischen Friedhof seit 1864 Ferdinand Lassalle, der Begründer der deutschen Sozial demokratie, der im August 1864 in der Schweiz im Duell fiel. Er wurde im Erbbegräbniß seiner Familie beigesetzt. Seine Freunde, die dem fühnen Pionier der deutschen Arbeiter: bewegung nachtrauerten, ließen auf seinen Grabstein fol= genden Spruch einmeißeln: Hier liegt, was sterblich ist von Ferdinand Lassalle, dem Denker und Kämpfer. Alle Jahre wallte die sozialistische Arbeiterschaft Breslaus am Todestage Lassalles in langen Zügen zu seinem Grabe und legte Kränze nieder. Aber: Jude, Sozialist, Vorfämpfer der Arbeiterbewegung! Wie die Fälle Eisner und Landauer in München beweisen, lassen die braunen Horden selbst die Toten nicht ruhen, die sich für die Sache des Sozialismus eingesetzt haben. Vor wenigen Tagen meißelten sie die Worte Denter und Kämpfer" aus der Grabinschrift" heraus und schändeten damit diese geschichtliche Weihestätte. Wer Lassalles Wirken kennt, der weiß, daß er der Erfte gewesen ist, der sich um die Erweckung des Staatsbewußtseins der Arbeiter: schaft um die Mitte des 19. Jahrhunderts bemühte... Aber Denter und Kämpfer eine solche Zusam= menstellung ist der nationalsozialistischen Gedankenwelt fremd, weil ihr Kampf vom Adel der Idee nicht gefegnet ift. Darum schänden sie das Grab eines Juden auf dem jüdischen Friedhof. Man muß froh sein, daß sie wenigstens die Gebeine Ferdinand Lassalles in Ruhe ließen... Die„ Untermenschen" von Finnland Erobert der Faschismus Europa? Die Baseler National- Zeitung" schreibt: Mann und tros der Meuterei der 7 Provinzen" so ziemlich alles beim alten bewenden ließen. Daß die Hitlergedanke selbst in solchen Ländern, die sich sonst stark nach Deutschland hin orientieren, keine Zugkraft hat, das zeigten nun noch deutlicher als Holland die Wahlen in Finnland, die mit einem Sieg der Sozialisten und einer Niederlage der zwei Parteien endigten, die etwa den Deutschnationalen und Nationalsozialisten entsprechen. Auch die schwedischen Untermenschen" haben ihre Stellung behauptet. Infolge eines etwas komplizierten Zählverfahrens find die Resultate der finnischen Reichstagswahlen vom 1. und 3. Juli erst nach einer Woche bekannt geworden. Man erwartete sie, und zwar nicht nur im Lande selber, mit großer Spannung. Handelte es sich doch um einen entscheidenden Vorstoß der Unionisten und namentlich der Lappolente, jener interessanten finnischen Spielart des Faschismus gegen die Sozialdemokratie, der man den Todesstoß versetzen wollte. Man erinnert sich, wie Lappo die Auflösung der Kommunistischen Partei erreichte. Damals waren die Anhänger des Lappoführers Kosola noch eine Bewegung. Inzwischen haben sie sich zur Partei konstituiert, einer Partei, zwiſchen haben sie sich zur Partei konstituiert, einer Partei, Auf Regimentsunkosten die sich mit Hitlerscher Weisheit noch einen bessern Auftrieb zu geben suchte. Da es in Finnland kaum Juden gibt, so behandelten die nichtarischen Bewunderer und Nachahmer des Nationalsozialismus die germanischen Schweden, die in Finnland etwa 11 Prozent der Bevölkerung ausmachen, als„ rassenfremde Untermenschen". Solche Stilwidrigkeiten hinderten die Hitlerpresse nicht, ihrer Hoffnung Ausdruc zu geben, daß Lappo den Hauptgewinn bei den Wahlen davontragen würde, wie man ja überhaupt wie in Italien an so etwas wie eine siegreiche faschistische Internationale glaubt. In der Tat finden sich in allen Ländern begeiste= rungsfähige junge Leute, denen eine Uniform gut steht und die sich durch nationalistische Schlagwörter exaltieren lassen, in Portugal, Griechenland, in der Schweiz, in Holland, England, und als Balbo in Reykjavik landete, war er durchaus nicht erstaunt, im fernen Thule von den isländischen Faschisten in grauen Hemden begrüßt zu werden. Aber von einer lärmenden Minorität bis zu einer ernsthaften zählenden Schicht ist ein weiter Schritt. Das zeigten vor Wochen die niederländischen Wahlen, die auch nicht einen einzigen Nazi oder Faschisten in die zweite holländische Kammer brachten, sondern troß dem Ruf nach dem starken Die neuen Bonzen Man schreibt uns aus Köln: Wie jetzt bekannt wird, ist der Kommissar für die freien Gewerkschaften in Köln, Michelmann, am 6. Juli von seinem Posten abberufen worden. Man hat sämtliche Angestellte des Volkshauses zusammengeholt und ihnen die Abberufung- natürlich ohne Angabe von Gründen bekanntgegeben. Dabei weiß auch der kleinste Funktionär, daß Michelmann über die Verwendung von Gewerkschaftsmitgliedsbeiträgen etwas eigenartige Ansichten vertrat und eɣerzierte. In dem Zusammenhang ist mindestens interessant, daß seit dem 2. Mai sämtliche Beauftragten der NSBO. Oberbonzen, Bonzen und zur Bewachung der wertvollen Bälger der Vorgenannten kommandierten SS.- und SA.Kulis im Restaurant des Volkshauses auf Regimentsunkosten verpflegt werden. Selbstverständlich beziehen die Leute daneben ihre nicht kleinen Bonzengehälter. Ein Dokument der Gleichschaltung: Aufgenordetes Warenhaus- jüdische Angestellte Rudolf Karstadt AG.- einst jüdisch, heut arisch Es ist bekannt, daß die großen deutschen Warenhauskonzerne unter dem Druck des Aprilboykotts sich gleichschalteten. Bei Karstadt und Ties traten die jüdischen Vorstände und Aufsichtsräte zurück, um Ariern Platz zu machen: das heißt, jüdisches Kapital durch Rassereine in gute Sut nehmen zu lassen. Da, wie man hört, die jüdischen Warenhausgrößen abgefunden wurden, so wäre ihr Schicksal, verglichen mit dem Los zahlreicher Glaubensgenossen in Deutschland, noch zu ertragen. Die neuen Herren über das Warenhauskapital haben aber ihre Tätigkeit damit begonnen, die jüdischen An= gestellten in den Betrieben in hellen Scharen auf die Straße zu feßen. Eine große Anzahl von ihnen wurde fristlos entlassen. Man schämt sich der bisherigen jüdischen Mitarbeit, um den stolzen Titel:„ Deutsches Geschäft!" an die Warenhausfront schreiben zu können. Aber nicht genug damit! Uns liegt ein Dokument vor, das in dieser Aera der Judenverfolgungen an Schändlichkeit, Heuchelei und Pharisäertum seinesgleichen sucht. Ein jüdischer Angestellter des Warenhauses Theodor Althoff im Karstadt- Konzern, ein Einkäufer, wurde fristlos entlassen. Er klagte beim Arbeitsgericht. Wie die neuen Gewalthaber des Hauses Karstadt diese Klage in einer langen Erwiderung an das Arbeitsgericht beantworteten, das muß man in den entscheidenden Stellen im Wortlaut lesen: Karstadt A.-G. an das Arbeitsgericht 1. Der Kläger ist Angehöriger der jüdischen Rasse. Er mußte wegen dieser Rassenzugehörigkeit, nicht wegen seiner Konfession bei der Beklagten ausscheiden. Die Bestimmungen der Reichsverfassung Art. 135 ff. und Betriebsräte- Gefeß§ 84, Abs. 1, Ziffer 1, haben also für den vorliegenden Fall keine Bedeutung. Es ist eine nicht zu bestreitende Tatsache, daß die Angehörigen der jüdischen Rasse heute im Deutschen Reiche nicht mehr vollwertige und gleichberechtigte Staatsbürger find, was sie chedem jedenfalls im Wirtschaftsleben und vor dem Gefet waren. Dieser Wandel hat sich erst in jüngster Zeit in Berfolg der nationalen Revolution vollzogen und damit erst nach dem Zeitpunkt, in welchem der Vertrag, auf den der Kläger seine Ansprüche stüßt, geschlossen wurde. 2. Daß die Angehörigen der jüdischen Naffe hente nicht mehr vollwertige Staatsbürger sind und daß fie als wes fensfremde Eindringlinge in den deutschen Bolfskörper bes trachtet werden, deren aufgebante Machtposition restlos ge= brochen und beseitigt werden muß, hat sich in den Wochen feit ber nationalen Erhebung in immer stärkerem Maße als allgemeine Voltsauffassung durchgesetzt. Diese Auffassung hat auch noch nicht die geringste Abschwächung erlitten: im Gegenteil ist überall eine weitere Verstärkung dieser Auffassung festzustellen und sie ist zu einer fo unumstößlichen Ueberzeugung geworden, daß auch der Gesetzgeber dieser Voltsauffassung in steigendem Maße getragen hat und noch trägt. So ist die Ausschaltung des Judentums in zahlreichen Gesezen festgelegt worden: In Zukunft ist den Juden die Beamten Laufbahn vollständig versagt; sie können nicht mehr in staatlichen Behörden oder Betrieben angestellt werden; sie werben nicht mehr zur Anwaltschaft und zur Patentanwaltschaft zugelassen; die jüdischen Aerate werden nicht mehr zu den Krankenkassen zugelassen; an den Universitäten werden die jüdischen Dozenten entfernt und die Dozenten- Laufbahn ist ihnen für die Zukunft verschlossen, im Besuch der Schulen und Hochschulen sind ihnen die größten Beschränkungen auferlegt. Aus allen Berufsorganisationen find die Juden restlos oder jedenfall18 fast restlos entfernt worden. Jetzt ist fürzlich sogar durch bas Preußische Anerben- Gesetz( Gesetz über das bäuerliche Erbhofrecht vom 15. Mai 1988) bestimmt worden, daß ein Jude nicht Befizer eines Erbhofes sein kann. Im§ 2 Abs. 2 dieses Gesetzes find die Juden in dieser Sinficht sogar ausdrücklich den Angehörigen der farbigen Raffen gleichgestellt worden, während andererseits den Angehörigen aller anderen Rassen die Fähigkeit, Erbhofbefizer au sein, anerkannt worden ist. 3. Auch im Privatleben und privaten Geschäftsleben geht die Stellungnahme der Allgemeinheit gegen das Juden tum weiter und es wird in immer stärferem Maße der Unterschied zwischen den Angehörigen der jüdischen Rasse und der sonstigen Staatsbürger betont. So sei beispielsweise aufgeführt, daß die Beklagte in ihrer Zentralverwaltung aus dringenden geschäftlichen Gründen nach Vereinbarung mit der nationalsozialistischen Betriebs- Organisation zunächst noch einige jüdische Zentraleinkäufer beschäftigt hat, da diese wegen der angesetzten Einkaufsmusterungen dringend benötigt wurden und nicht sofort durch andere ge= eignete Personen ersetzt werden konnte. Das hat sofort zu Reibereien und Unzuträglichkeiten geführt, und und die deutsch stämmigen Einkäufer der zum Konzern der Beklagten gehörenden Häuser haben sich geweigert, an diesen Musterungen teilzunehmen, solange die Leitung noch in den Händen eines Angehörigen der jüdischen Raffe liegt. Die Tätigkeit der wenigen aus besonderen Gründen noch im Dienste der Beklagten verbliebenen Angestellten haben dauernd zu Unträglichkeiten und geschäftlichen Schwierigkei ten geführt. Tagtäglich sind beim Vorstand briefliche Be schwerden eingegangen und mündliche Vorstellungen der Betriebsorganisation erfolgt, in denen immer wieder die restlose Entfernung aller jüdis schen Angestellten als unbedingte Boraussetzung für eine gedeihliche Arbeit im Betriebe gefordert wurde. Es sei im übrigen betont, daß sich derartige Unzuträg lichkeiten infolge Weiterbeschäftigung jüdischer Angestellter nicht nur bei der Beklagten, sondern auch bei anderen großen Firmen ergeben haben. Daß bei solch schwieriger Lage der beklagten Firma auch alle Erschütterungen im Betriebe selbst vermieden werden müssen, und daß die Beklagte es sich nicht leisten kann, in Gestalt der jüdischen Angestellten dauernd Unruheherde im Betriebe zu haben, bedarf keiner weiteren Erörterung. Nie mand, aber - auch nicht die Polizeikann den Kläger oder die Beklagte legenendes vor derartt. gen aus der Belegschaft der Betriebe Herauskommenden Aftionen, die zum Zusammenbruch der Firma führen müssen, schützen, wenn Kläger und Beklagte sich in derartigen Fragen zum Urteil und zu den Auffassungen der Allgemeinheit in Widerspruch setzen. An der Tatsache, daß durch die eingetretenen Ereignisse die Vertragsgrundlage vollkommen in Fortfall gekommen ist, ist nicht vorbei zu kommen: der mit dem Kläger abge: fchloffene Vertrag hat seine Bedeutung und seinen Inhalt verloren. Der Kläger ist infolge der eingetretenen Umstände nicht mehr in der Lage, seine Dienste in solcher Form und in solcher Bollwertigkeit zu leiften, wie er nach dem Vertrage verpflichtet war und wie die Beklagte es beanspruchen konnte. Der Vertrag hat dadurch einfach durch die Macht der Tatsachen und Ereignisse seine Wirs fung verloren und die Beklagte war daher berechtigt, vom Vertrage zurückzutreten, wie sie das mit der fristlosen Kündigung zum Ausdruck gebracht hat. Jede andere Rechtsauffassung würde mit den Interessen der Allgemeinheit nicht vereinbar sein. Sie müßten als zwiespältig und unflar empfunden werden: auf der einen Seite der Versuch des Deutschen Volkes, sich von der Herr schaft des Judentums zu befreien und auf der anderen Seite ein übersteigerter Schuß des Judentums, der letztenendes auf Kosten der übrigen Volfskreise gehen würde. Aus diesen und aus anderen Gründen ist die Uebertras gung der hinsichtlich der Beamten usw. getroffenen Reges lung für Langbeschäftigte und Frontkämpfer auf die Privats industrie unmöglich. Bei einem füdischen Beamten, der noch im Betriebe tätig ist, weiß mit Rücksicht auf die gesetzliche Regelung jeder Außenstehende, daß bei ihm besondere Gründe für seine Weiterbeschäftigung gegeben sind. Bei einem Angestellten im Privatbetrieb trifft das aber nicht zu und man kann auch nicht jedem jüdischen Angestellten ein Schild umhängen, auf dem die besonderen Gründe für seine Weiterbeschäfti gung angegeben sind. Die allgemeine Abneigung richtet sich gegen die jüdische Rasse schlechthin und der wichtige Kün digungsgrund nach§ 70 Abs. 1 SGB. ist bei allen jüdischen Angestellten- einerlei ob Langbeschäftigte oder Frontkämps fer der völlig gleiche. Es wird dann nur im Ermessen der Beklagten liegen, die Härten durch etwaige Billigkeitsmaßnahmen zu mildern. Uebrigens hat sich auch die Boykottleitung in München bei ihrem Verlangen auf fristlose Entlassung der jüdischen Angestellten keinen Unterschied hinsichtlich Langbeschäftigten und Frontkämpfern gemacht; das Verlangen der Boykottstelle richtete sich gegen alle Juden in gleichem Maße. Beweis: Zeugnis der Herren a) von Kieniz, b) Mielfe. Stempel: Theodor Althoff, Inh. Rud. Karstadt A.-G. i. V. gez. Meyer. Jeder Satz dieses Dokumentes ist eine Jllustration. Es zeigt die Rechtlosigkeit jüdischer Menschen, die Brutalität, mit der ihre Existenz vernichtet wird, die Würdelosigkeit, mit der man mit bisher geschätz ten Mitarbeitern umgeht. Man versteckt sich hinter den Willen des Betriebsrates der NSBO. und des Publikums, wagt aber nicht zu sagen, daß man sich dem Terror beuge. Im Gegenteil! Man anerkennt die Gesin. nung, die die Juden mit Negerngleichstellt, um vorden Behörden in den Genuß der un antastbaren Patentnationalsozialismus zukommen. So spiele das von Juden aufgebaute Warenhauskapital unter neuer christlicher Leitung den Fronvogt gegen jüdische Angestellte! Die Zinsknechtschaft bleibt, wenn sie das frisch arische Mäntelchen nach dem richtigen Winde hängt Diese Zuschrift an das Arbeitsgericht, feige und gesinnungslos, kennzeichnet den deutschen Antisemitismus besser, als es die intensivste Abwehr der Juden selber zu tun vermag! Stimmen aus dem Dritten Reich! Ein Berliner Freund, der, um seine nach langjähriger Arbeitslosigkeit eben wieder erlangte Arbeitsstelle als ,, Strippenzieher"( Elektromonteur) nicht zu verlieren, vor zwei Monaten der SA. beitrat, sendet mir folgende erbauliche Stimmen aus dem. Dritten Reich, die dort, vorerst noch in aller Heimlichkeit, als Handzettel verteilt werden: Neue Nationalhymne Neue Worte nach Balthasar Schumacher Harries, 1790, zur alten Weise God save the King" von Henry Carey, 1745 Maestoso non lento Heil Dir im Siegerkranz, Olaf des Braunen Lands, Heil, Hitler, Dir! Fühl in der Fadeln Glanz die hohe Wonne Gans, Kanzler des Volks zu sein! Heil, Hitler, Dir! Sechshundert Mille Pg. ( samt Roß' und Reisige) sichern die steile Höh', auf der Du stehst; Liebe der blonden Gans, Bettschatz des Brauen Mann's, stützen Dir Deinen Thron treu bis zum Tod! Handlung und Wissenschaft haben genug gerafft, bevor Du famſt! Kriecher und Landsknechts- Tat finden ihr Lorberblatt treu aufgehoben dort an Deinem Thron. Blutrote Flamme glüh, glüh und verlösche nie, schalt alles gleich! Wir alle tommen dann Das ist die Garde Und ihre Bonzen Auf der Grotenburg, dort wo Hermann der Cherusker sein Schwert erhebt, fand kürzlich ein Treffen der sogenannten alten Garde der NSDAP. statt. Das sind die Mitglieder, die vor dem 14. September 1930 eingetreten sind. Zu dieser Ver: anstaltung waren auch der Staatsminister von Lippe und der Herr Reichsstatthalter Dr. Meyer geladen. Als der Herr Staatsminister mit einiger Verspätung erschien, wurde er von nicht gerade liebenswürdigen Zurufen seiner Pags. empfangen.„ Na, da kommt der Bonze. Früher hat man uns aufgefordert, die roten Bonzen zu verjagen. Aber es sollte nur für unsere Bonzen Plas geschaffen werden. Früher habt Ihr über die Gehälter der anderen geschimpft. Heute habt Ihr gelernt, sie selbst einzufteden." Da der Reichsstatthalter noch nicht da ist, werden Rufe laut: Wo bleibt denn der Meyer?" Antwort:„ Der zählt sein Geld."( Die Zeitungen hatten einige Tage vorher die Mitteilung gebracht, daß der Herr Reichsstatthalter allein 3600 Mt. an Wohnungsgeld be: zöge, alle Bezüge zusammen: 60 000 r. pro Nase. Die beiden Prominenten versuchten nun, den Raum zu ver: laffen. Sie wurden aber von ihrer treuen alten Garde um= ringt, so daß sie nicht hinaus fonnten und ihre ganze Schänd= lichkeit wurde ihnen ins Gesicht geschrien. Es mußte Polizei herbeigerufen werden, damit die beiden Führer von der Liebe ihrer Parteigenossen nicht mehr behelligt wurden, Steh mir bei." Stockholm, 8. Juli. Der Schwager Görings, von Rosen, hat in einem Schreiben an den sozialdemokratischen Justizminiſter Schwebens, Schlyter, die Anklageerhebung gegen dret Arbeiter- Zeitungen verlangt, weil sie Göring als den Verantwortlichen für den Brand des Reichstagsgebäudes bezeichnet haben. Die Unverschämtheit ist um so größer, als fich Göring in Schweden schon einmal eine Abfuhr holte. endlich doch auch mal dran, fämpfen und bluten gern für's Dritte Reich! Set, Adolf Hitler, hier lang Deiner Braunen Zier, der SA. Stola! Fühl in der Fackeln Glanz die hohe Wonne Gans, Kanzler des Volks zu sein! Seil, Hitler, Dir! „ Es geht aufwärts" Die Belebung der Textilindustrie Ein Textilfachmann der Thüringischen Großwebindusfete teilt uns mit: Die Mitteilung der Nationalsozialisten, daß im Mai vier Millionen Tertilwaren mehr in Arbeit gebracht worden seien als im Mai 1982, fann nicht bestritten werden. Die Meldung aus nationalsozialistischer Quelle hat nur einen Mangel: fie unterläßt, der Deffentlichkeit die Ursache dieses bemerkenswerten Vorganges mitzuteilen und erweckt dadurch den Anschein, als ob es der jeßigen Reichsregierung gelungen sei, die Textilwirtschaft tatsächlich in nennenswertem Umfange anzukurbeln. Tatsache ist: Aus Furcht vor einer im Herbst drohenden großen Preiserhöhung der Textilrohstoffe haben die Großabnehmer ihre Winterbestellungen, die sonst erst im Hochsommer vergeben werden, schon im Mai ausgeschrieben. Die große Frage aber ist, so sagt der Fachmann, ob die Bestellungen überhaupt effeftuiert werden, da in Fabrifantenfreifen die Sorge vorherrscht, daß es den Grossisten nicht möglich sein wird, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. In den Kreisen der thüringischen Textilfabrikanten herrscht deshalb die Meinung vor, daß es ein Gottesgeschenk wäre, wenn auch nur 15 Prozent der Aufträge realisiert werden könnten. Die derzeitige Beschäftigung Iteße schon das als einen nennenswerten Fortschritt erfennen. Frau Minis'er Gorbbels" Gegen die Titelsucht der Frauen München, 11. Juli. Um die gesellschaftliche Gleichheit aller Volksstände durchzuführen, soll nach einem Antrag der nationalsozialistischen Stadtratsfraktion in Altötting Frauen verboten werden, die Amtstitel ihrer Männer zu führen. Wer diese Titel in der Anrede verwendet, oder wer sich eine solche Anrede gefallen läßt, soll in die Wohlfahrtskasse der Stadt eine Ordnungsstrafe von drei Mark bezahlen. Unser Beileib, Frau Doktor! Sehr schön! Und was muß Frau Goebbels bezahlen, die sich in ihren Mode- Interviews stets Frau Minister" nennen läßt? Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der Deutschen Freiheit" ★ Ereignisse und Geschichten Magda So eine Ministersqattin ,, hat das deutsche Volk noch nicht gekannt" In Berlin hat man in diesen Tagen ein deutsches Modeamt gegründet. Es hat die Aufgabe, eine deutsche Tracht zu stabilisieren, denn es ist natürlich undenkbar, daß sich die Gleichgeschalteten Extratouren im Zeichen des liberalen Individualismus gestatten dürfen. Weder gibt es fürderhin französische Spißen und Rüschen, noch fremdländische Schnitte und Linien. Man kann nie wissen, welche Geheimzeichen des Widerstandes gegen die nationale Regierung sich dahinter verbergen. Kurz, das Ministerium für Propaganda hat bereits alles fertig. Wir lesen darüber im„ Bölkischen Beobachter" vom 2. Juli: Die führenden Berliner Modehäuser und Salons wurden zu einer Besprechung eingeladen, und weitere Besprechungen werden folgen. Die Inhaberin eines befannten Modesalons, Frau Assy Dehm, Berlin- Halensee, Joachim- Friedrich- Straße 16, ist zur Vorsitzenden der Fachschaft Modeschöpfer ernannt worden, der voraussichts lich sämtliche Modegeschäfte beitreten werden. Das Ministerium für Propaganda hat bereits für das Modeamt einen Syndikus bestellt, Herrn Dr. Oehlen heim aus Mannheim. Für die Büroräume ist nicht die Gegend an der Wilhelmstraße gewählt worden, sondern das Columbushaus am Potsdamer Plaz. Viele Vorarbeiten sind noch zu leisten, da das neue Modeamt eine Reihe von verschiedenen Interessenten vereinen soll. Mehrere Abteilungen wird es umfassen, die wichtigsten ... werden die Abteilung„ Modeschöpfer" und die Abteilung " Deutsche Stoffindustrie" sein. Erst wenn all die noch zu führenden Verhandlungen erledigt sind und alle Inter effengebiete gegeneinander abgewogen sein werden, dürfte die erste amtliche Propaganda in aller Deffentlichkeit für das Deutsche Modeamt einsehen. Die außerordentlich interessierte Gattin des Herrn Reichsministers Dr. Göbbels, Frau Magda Göbbels, hat das Protektorat über das Modeamt übernommen, und damit sind die Beziehungen zwischen Regierung und Modeamt weit mehr als rein amtliche geworden. Frau Dr. Göbbels hatte bisher eine recht glückliche Hand, und ihre wiederholten Ausführungen im Rundfunk wirkten fehr überzeugend. Mit Frau Magda Göbbels, deren Tätigkeit für die deutsche Mode und das Modeamt sicher nur in einem rein dekorativen Protektorat bestehen wird, hat das deutsche Volf eine Ministersgattin, wie man sie bisher in Deutschland noch nicht kannte. Allein ihr Name bietet schon Gewähr dafür, daß das Deutsche Modeamt nach allen Richtungen hin unter Weglaffung unnötiger Uebertreibungen und Einseitigkeiten seine großen Aufgaben erfüllen wird. Wir haben wieder jemanden, um den uns die Welt beneidet: Frau Magda. Sie ererziert die deutsche Mode und wird binnen kurzem im Besitz eines arischen Hosenband- und Hüftenhalterordens am germanischen Chiffon sein. Heil unserer jungen Ministerin! Aerzte Nazi- Placreen gewidmet Accate reinigen das Blut... Luther über den Krieg: Rühmen sie nicht dasjenige vor allem anderen am meisten, was das Allerböseste ist? Wer macht nicht aus Kriegsruhm, d. i. aus Bergießung des Menschenblutes die höchste Tugend unter den Menschen? Was sind Homer, Vergil und die übrigen Poeten, so Heldengedichte geschrieben haben, anders, als solche Leute, die andere dazu anreizen und entflammen, daß sie auch, wie ihre beschriebenen Helden, Blut vergießen mögen? Rühmen sie nicht die blutdürftig sten und grausamsten Totschläger der Menschen, die Tyrannen und die allergrausamsten Feinde des menschlichen Blutes und Geschlechts? Sogar, daß auch ein Christenmensch in Gefahr läuft, wenn er diese ihre Bücher liest, daß er entweder die Begierde nach gleichem blutdürftigen Ruhm zugleich mit einsaugen möge, der ein Vergnügen finde an so großen Niederlagen des menschlichen Geschlechtes, wenn er durch seine bonigfüße Beredsamkeit gefißelt wird."( Walch IV, 1104.) Lotterie mit ,, Arbeit und Brot" In München veranstalten die Nationalsozialisten ein Die vereinigten Blätter der beiden führenden ärztlichen Spisenorganisationen„ Aerztliche Vereinigung“ und„ Aerztliche Mitteilungen" find ießt zum ersten Male als neues Deutsches Aerzteblatt"( Dr. Daedenkamp als Schriftleiter) erschienen. Die beiden Reichsminister Frid und Seldte haben Geleitworte geschrieben. Der Kommiffar und neue erste Vorsitzende der ärztlichen Spizenverbände, Dr. Gerhard Wagner, legt seine Auffassungen über„ Arzt und Volk im Dritten Reich" dar. Die Vorstände dieser Organisationen sind fortan nur sachberatende Organe, wäh= rend er selbst einzig und allein seinem Führer verantwortlich ist und dem revolutionären Willen der Bewegung, der er dient. Zu den Aufgaben gehört Erziehungsarbeit des Aerztestandes an sich selbst, die Aerate müssen die Kräfte zur Abwehr des Fremdartigen, Fremdrafsigen, Fremdgeistigen steigern, bis die Reinhaltung des Blutes und des Deutschtums zu einer Selbstverständlichkeit wird, die sich mit instinktiver Sicherheit vollzieht..." Geschäft mit Braunhemd Anordnung der Reichsleitung der NSDAP. vom 12. Juni: " Es wurde festgestellt, daß geschäftstüchtige Firmen thre Waren, Bücher, Bilder usw. dadurch zu fördern suchen, daß Wir sind das Schweet! Wir sind das Schwert, das kampfbereit die neue Zukunft flammend schwingt, wir sind der junge Sturm der Zeit, der alle Dumpfheit frisch durchdringt, wir sind die Rächer alter Fron und heben hoch empor das Haupt, denn in den Staub zwingt Haß und Droh'n nicht den, der an die Sonne glaubt! Wir sind das kommende Geschlecht, das Not gestählt und Qual gestillt, wir fordern unser Menschenrecht und schweigen nicht, bis sie's erfüllt! In unserm Arm, in unserm Hirn liegt aller Zukunft Glück und Glanz, und rot flammt uns um unsre Stirn der Jugendrosen Blütenkranz! Wir sind die Jugend: neu und jung erschaffen wir uns unsre Welt, denn jeden füllt Begeisterung, daß er sich fühl als Mensch und Held! Als Mensch... der Zukunftsmenschheit gilt ja unser Streben, Hoffen, Müh'n, daß endlich sich einmal erfüllt, wonach Jahrtausende geschrien! Wir sind der Arbeit junger Sproß! Und wer da fämpft im Daseinskrieg, der sei uns Freund und Weggenoff' im Alltagskampf und Zukunftssieg! Wir sind des Volkes Frühlingskraft, die vorwärts strebt, aufwärts begehrt, die mit am Wert der Zukunft schafft, bis hoch es ragt... wir sind das Schwert! Ludwig Leffen. Rundfunk eindeutig nationalsozialistisch Im Mittelpunkt der Tagung der Reichsfunkwarte der NSDAP. und der Mitgliederversammlung des Deutschen Funktechnischen Verbandes e. V. am Freitag stand ein Empfang des Präsidiums des Deutschen Funktechnischen Verbandes e. V. mit den Funkwarten durch den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Joseph Göbbets, der in einer Rede u. a. ausführte: " Wir Nationalsozialisten haben uns absolut durchgesetzt. Ich werde in den nächsten Tagen die Vertreter des Rundfunks, die die Schlüsselstellungen innehaben, zu mir kommen lassen und ihnen noch im besonderen sagen, daß der Rundfunk von der höchsten Spiße bis zum letzten Mann im Sende: raum nun ganz eindeutig nationalsozialistisch eingestellt zu sein hat." großes deutschen Fest. Dem Programm, das im„ Bölkischen sie ihre Verkäufer veranlassen, beim Anbieten auf der Straße SS.- Kapelle mit Beobachter" abgedruckt wird, entnehmen wir: Sonntag, 30. Juli( Haupttag): Vormittags 11 Uhr Frühkonzert in den Bräuhallen und Standkonzerte mit Losverkauf für die Lotterie„ Arbeit und Brot". Nachmittags und abends im Gelände der Münchener Ausstellung. » Arbeit und Brot" für die Lotterie... Mann stößt oder an den Wohnungstüren das nationalsozialistische Braunhemd anzuziehen. Es wird den Parteigenossen hiermit untersagt, das Braunhemd bei derartiger gewerblicher Betätigung zu tragen. Ausgenommen sind Zeitungsverkäufer usw., die im Auftrage nationalsozialistischer Blätter oder parteiamtlicher Stellen tätig sind." Frau kreist Orgel und Predigt In einem Gottesdienst in der Königsberger Schloßkirche hielt der Beauftragte des Reichskanzlers Wehrkreispfarrer Müller, der zukünftige Reichsbischof, die Predigt. Bemerkenswert mar die Neugestaltung des Gottesdienstes. Er dauerte nur eine knappe Stunde. Eine SS.- Kapelle wirkte mit. Pfarrer Müller selbst sprach nur eine kurze Viertelstunde. Die Bewegung, die entstanden sei, set firchlich ge= sprochen, eine moderne Erweckungsbewegung". Pfarrer Müller betonte, daß gerade der Volkskanzler persönlich sich dem allmächtigen Gott gegenüber verantwortlich fühle. Pfarrer Müller erläuterte dann, wie man Gott erfassen und verstehen müsse. Auch der kleinste Dienst am Volke sei Gottesdienst, nicht nur der in der Kirche. Bemerkenswert war, daß in eigene Worte fleidete. Die schwingenden Bewegungen" des Urausdrucks Barrer Müller am Schlusse das Baterunſer und den Segen In der Wochenbeilage des„ Bölkischen Beobachters",„ Die deutsche Frau"( 5. Juli) finden wir einen Aufsatz über„ Neue Wege der weiblichen Leibeserziehung". Sein Verfasser Dr. Rudolf Bode, Leiter der Bodeschule in Berlin. Wie es heute Mode ist, hat es Herr Dr. Bode zunächst mit dem bösen 19. Jahrhundert: Während das 19. Jahrhundert durchweg mit dem Sammelbegriff„ Triebleben" die ganze Fülle materialer Lebensäußerungen zu umschreiben glaubte und dieses Triebleben mit dem mehr oder minder vertarnten Urteil der Minderwertigkeit belegte, entdeckte die Wende des 20. Jahr: hunderts und die folgenden drei Jahrzehnte fortschreitend die ganze Fülle feelischer Lebensäußerungen und deren Berflechtung mit dem triebhaftsströmenden Element unseres Wesens. Diese vertarnten Säge werden aber dann zu leuchtender Klarheit geführt. Jest nämlich, unter Hitler, haben wir den positiven Inhalt des Trieblebens" in den Leibesübungen: Die bisherige Leibeserziehung ist ein Irrweg ge: wesen, soweit sie einseitig die Beherrschung der leib lichen Bewegung zu erzwingen suchte ohne Rücksicht auf die elementare Urtatsache, daß die menschliche Bewegung gleichzeitig Offenbarung seelischer Mächte ist und eine restlose Beherrschung der törperlichen Bewegung nichts anderes bedeutet als die Abgitterung dieser feelischen Mächte im Innern, ihre Zurückdrängung von den Be zirken der Außenwelt und damit die Aufhebung der elementarsten Wirkung, welche im Ueberströmen seelischer Lebensmächte von Volks zu Volksgenossen besteht und vorhanden sein muß, wenn ein Volk nicht nur äußerlich, fondern innerlich lebenskräftig bleiben soll. Wir brauchen gottlob heute nicht mehr in den Bezirken Kleiner Betriebsunfall der„ Abgitterung" beharren. Dr. Bode deutet uns das tiefe und letzte Geheimnis der Vitalität der Geschlechter: Wenn auch die schwingende Bewegung beider Ges schlechter eine Urbewegung seelischen Ausdrucks ist, so hat diese Schwingung beim Manne in erster Linie doch eine offene Bahn und wird dadurch Trägerin der wehrhaften auf Stoß und Hieb eingestellten Bewegung, beim Weibe aber ist diese Schwingung von kreisendem Charakter, ja der Unterschied beider Geschlechter läßt sich bewegungsmäßig in diesem Gegensatz der offenen und freisenden Bewegung erfassen, nicht in starrer Gegenüberstellung, sonbern in dem Sinne, daß überwiegend der Mann auf ges richtete Bewegung eingestellt ist, das Weib auf kreisende. Das hat kein Psychoanalytiker, fein Magnus Hirschfeld geschrieben. Dieser auf Stoß und Hieb eingestellte Mann ist ein Germane reinsten Geblüts, dessen„ Kraftausgabe in den Rumpfbewegungen“ Rumpfbewegungen" so heißt es später einmal auf ihren ethischen Gehalt hin die höchste nationalsozialistische Approbation erfuhr. Wir sind sicher, daß seine„ ur. bewegungen" bei der Rassezucht schöner Männer und schöner Frauen ernsthafte Beachtung finden werden. Eine Frage stieg in uns auf. Wie steht es mit Hauptmann Röhm? Ist er der Stoß und Hieb- Typus oder ist er mehr auf freisende Bewegung eingestellt? Bei der Stellung, die Herr Röhm als oberster Führer von SS. und SA. einnimmt, scheint uns diese Frage nicht unziemlich zu sein. Beste Bezugsquelle" Wir lefen im„ Völkischen Beobachter" vom 3. Juli: Am Sonntag, um 28.16 Uhr, hat die Danziger Abordnung, der neben dem Präsidenten des Senats, Dr. Rauschning, der Vizepräsident des Senats, Greiser, Oberregierungsrat Dr. Ferber und Dr. Blume von der Auswärtigen Abteilung des Senats, sowie der persönliche Referent des Senatspräsidenten, Beste Bezugsquelle für Möbel, Teppiche, Betten, Linoleum J. G. Böhmler im Tal Streicher, angehören, Danzig verlassen, um sich zum offiziellen Staatsbesuch bei der pol= nischen Regierung nach Warschau zu begeben. Der Herr Senatspräsident als„ beste Bezugsquelle"- das fommt davon, wenn man sich, des Mammons halber, auf Diktat des Herrn Böhmler Möbel, Teppiche, Betten und Linoleum mitten in die polnische Reise des Danziger Führers hineinsehen läßt! Wahrscheinlich befand sich auch der Teppich darunter, auf dem Herr Rauschning seinen Kniefall vor Polen gemacht hat. DAS RDM TÄGLICHE UN T E R H ä!l!T LtN GS-BE ILiA Die fache mit der abgebuchten Mand y on Alexander Stern «Gnädige Frau, wir drei kennen Ihr Geheimnis," sagte ich sehr bestimmt.„Wir wollten nur nichts sagen, so lange die beiden Herren da waren. Aber jetzt sind wir unter' uns. Leugnen ist Nutzlos. Ich wiederhole: Ich kenne das Ge- heimnis des österreichischen Konsulats von Monastir." Die zarte, blonde Frau, in die mir alle verliebt waren, lachte unbekümmert. Aber ich blieb hart und unnachgiebig. «Ich bin unerbittlich, gnädige Frau, und fest entschlossen, von meinem Wissen schonungslos Gebrauch zu machen. Schonungslos!" In diesem Augenblick trat der Konsul ein.„Gut, daß du kommst," rief sie ihm entgegen,„rette mich vor diesen Böse- wichtern." Er zog sie mit einer großartigen Gebärde an die Brust. «Was ist euer Begehr, Ruchlose? Fordern Sie! Und wäre es mein halber Konsulatsbereich. Für mein goldhaarig Ehe» gespons opfere ich alles.—" «Halt, Unbesonnenerl" donnerte ich,„alles?" „Alles!" „Hüten Sie sich! Wir kennen Ihr Geheimnis! Ha! Wie er erbleicht!" „Zugegeben, ich erbleiche. Was verlangt ihr, Blutgierige?" „Blutgierige kostet extra." Wir erhoben uns, machten einen Schritt gegen ihn und sprachen in schrecklichem Chor: „Wo— ist— der— heute— angekommene— Bols— »ersteckt?" „Ich bin verloren," ächzte der Konsul und sank in einen Stuhl. Das Geblödel wäre wahrscheinlich noch weiter ge- gangen, aber da brachte schon der bosnische Diener, einst Komitatschiführer in den Schluchten von Stolac und Avto- vac, die Schnapsorgel, Flasche neben Flasche. Und aus diesen Registern stand Prunelle und Half and Half und noch manch segensreicher Name, und die schöne Frau braute bereits den Türkischen. Einer von uns, der Leiter der hiesigen Zweigniederlassung einer Bank, war neu.„Da haben Sie," belehrte ihn der Kon- sul,„gleich ein Stück Räuberromantik des Balkons. Die Burschen riechen es auf Kilometer, wenn ich Schnaps be- komme." „Beklagen Sie sich?" fragte ich ihn.„Wir haben aus Ihrem faden Amtsgebäude ein reizendes Kaffeehaus gemacht. Jedem Nachmittag leisten wir Ihnen pünktlich Gesellschaft, erzählen Ihnen die neuesten Witze, verhelfen Ihnen zu einem Herr- lichen Schwarzen, glätten Ihre Sorgenfalten— a propos. Sorgen: die größte sind Sie jetzt los. Für Ihren Wochen- bericht nach Wien haben Sie eine süße Rosine: Organisiert« Räuber überfallen das k. k. Konsulat von Monastir—." „Gibts hier noch Räuber?" fragte der Neue.„Hier gibts doch lauter solche Sachen. Ich hatte zum Beispiel heute beim englischen Konsul zu tun— „Sie, an den halten Sie sich. Der hat Whisky. „Danke. Aber er hat noch etwas, das mich interessiert. Ich sah aus dem Kaminsims ein Zylinderglas, offenbar voll Weingeist und in dem hing— erschrecken Sie nicht gnädige Frau— „— ein Ohr, ein menschliches Ohr. Nicht wahr?" „Sie wissen das? Es ist ein wenig gruselig. Ich wollte nikßt fragen—." „Unser Konsul hat die Geschichte miterlebt," warf ich ein. „Ich bin erst nach dem Balkankrieg hergekommen, ich war nicht dabei." Und der Konsul erzählte ihm die Geschichte. Westlich von Monastir liegt der Peristeri, über zwei- tausend Meter hoch, Eckpfeiler des Gebirges, das sich quer durch Mazedonien zieht. Um seinen Fuß schlängelt sich die Straße, die schon die Römer bauten, von Saloniki über Monastir. Ochrida und Elbasan bis wieder ans Meer. Als Monastir noch türkisch war, kam eines Abends ein Mann auf dieser Straße gegangen und brachte dem eng- tischen Konsul einen Brief und ein Päckchen. In dem Brief stand:„Wir haben einen Engländer gefangen. Wenn wir L0 000 türkische Pfund in Gold bekommen, lassen wir ihn laufen. Wenn nicht, schlagen wir ihn tot. Wir schlagen ihn auch tot, wenn du Soldaten oder Gendarmen gegen uns schickst. Wir spaßen nicht. Des zum Zeichen schicken wir dir das linke Ohr des Mannes." Lag auch richtig in dem Päck- chcn. Dasselbe, daß jetzt in dem Zylinderglas auf dem Kaminsims schwimmt. Der Konsul ließ vor allem einmal den Boten festnehmen. Dann sauste er zum Wali, dem Statthalter des Sultans. Verlangte Alarmierung der Gendarmen und Verfolgung der Räuber. Engländer seien, sagt man, kühl. Der Konsul wars nicht, der kochte. Dafür war der Wali gletscherkalt. Schob dem Konsul Tabak und Kaffee hin und riet:«Essen- bühm! Schick den Hunden das Geld, sonst ist dein Lands- mann verloren." Der Konsul sott vor Wut:„Was? Ein Konsul Seiner Majestät, des Königs von England, soll vor lausige» Räu- bern kapitulieren?" „Sollst du nicht. Efsendühm," beruhigte der Wali,„sollst du nicht. Wir kennen den Handel. Du schickst das Geld, sie schicken den Mann, bann schicke ich die Gendarmen, schlag die Hunde tot und schicke dir dein Geld zurück." „Und wenn du sie nicht erwischest, o Wali?" „Dann hat es Allah eben anders gewollt, und du bekommst das Geld aus Stambul, von unserer Regierung." „Nimmermehr! Ein englischer Konsul paktiert nicht mit Briganten. Verhöre den Boten!" Der war unschuldig, ein Hirt aus Magarovo. War mit einem zweiten hinter seiner Herde über die Straße gezogen. Stand da ein Bewaffneter, nahm ihm die Schafe weg, gab ihm Brief und Päckchen und die Weisung:„Wenn sie dir ein Haar krümmen, töten wir deinen Gefährten. Bringst du Antwort, sehen wir dich kommen." Und war mit dem Ge- fährten und den Schafen auch schon in einer Schlucht ver- schwunben. Der Mali hörte es in goldiger Ruhe, schweigend hinterm Zigarettendampj. Dann riet er dem Engländer:„Gib dem Hin Gelehrter. der vierzig fprocAcn spricht Wie es ein ausgesprochenes Talent zur Musik oder Malerei gibt, muß ein Individuum auch eine besondere Gabe besitzen, leicht fremde Sprachen erlernen zu können. Bekannt in dieser Beziehung war vor etwa hundert Jahren der italie- nische Kardinal und Sprachforscher M e z z o s a n t i gewesen, der nicht weniger als achtundfünfzig Sprachen vollkommen beherrschte. Der deutsche Gelehrte, von dem hier die Rebe ist, der in München lebende Professor Steinmayer, wehrt bescheiden den Ruf ab, ein moderner Mezzofanti zu sein und nennt schon in München zwei andere Gelehrte, die ebensoviele Sprachen wie er beherrschten. Es soll auf dem Erdenrund hundert derartiger Sprachforscher geben, die drei- big bis vierzig lebende und tote Sprachen verstünden. Schon als Lateinschttler zeigte Professor Steinmayer, wie er selbst erzählt, das lebhafteste Interesse für das Italienische, das er rasch erlernte, und das ihn zum Studium der anderen romanischen Sprachen anregte, so daß er— noch in der vierten und fünften Lateinklasse— Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch hinzulernte. Durch letztere Sprache war er auf das Slawische und von da zum Altslaivischen und Gothischen gekommen. Noch hatte er nicht das Gymnasium verlassen, als er mit dem Studium von germanischen Dia- Ickten und dem Altsächsischen und Altfränkischen, weiters mit dem Dänischen, Schwedischen und Norwegischen begann. Die Fritjofsage und Originaltexte von Ibsen und Björnson konnte er bald in ihrer Ursprache lesen und verstehen. Ein Schulkamerad veranlaßte den jungen Gymnasiasten Stein- mayer, das Studium des Hebräischen, Aethiopischen und Russischen aufzunehmen. Auch diese Sprachen lernte der junge Sprachforscher auf das leichteste. Aus die Universität gekommen, begann das Studium des Arabischen, der ver- schiedenen Keilschriftsprachen, des Sanskrit, der Turksprachen, afrikanischer, malaiischer und indischer Idiome.„Und so habe ich denn nach und nach gegen vierzig verschiedene Spra- che» gelernt.. meinte bescheiden der Gelehrte. Das Jïapoteon-Jtaus auf ft. Helena In einer Pariser Zeitschrist berichtet ein Mitarbeiter, der längere Zeit auf Helena weilte, über das Haus, in dem der große Korse als Gefangener gelebt hat. St. Helena ist be- kanntlich englischer Besitz. Die Queen wollte dem dritten Napoleon eine Freundlichkeit erweisen und verkaufte ihm das Grundstück mit dem Haus. Augenblicklich wirb dafür ge- worben, dem Anwesen die noch erreichbaren Teile seiner alten Einrichtung zurückzugewinnen. Es handelt sich um Reste der Bücherei, um einige Möbel und das alte Billard. Nach dem Tode des Kaisers hatte man das Anwesen einem Bauer verpachtet, der hier 37 Jahre lang hauste und die Räume naturgemäß nicht sehr sorglich behandelte. Arbeits- zimmer, Schlafzimmer und der Waschraum mußten einem Stall weichen. Erst als das Haus wieder französischer Besitz geworden war, ging man unverzüglich an die Arbeit, den früheren Zustand herzustellen. Auch der Garten zeigt jetzt wieber sein früheres Gesicht. Ebenso hat man das Grab, in dem die Leiche Napoleons von 1821 bis 1840 ruhte, instand gesetzt. Den französischen Wächter, der augenblicklich das Haus bewohnt, will man ausquartieren, um die Räume Museumszwecken nutzbar zu machen. Aus: Faust II Mann das Geld und schick ihn fort. Das Uebrige ist dann meine Sache." „Nein! Die Nacht ist um. Los! Gib mir Gendarmen! Ich hole mir meinen Mann selbst. Der Wali seufzte unhörbar. Allah wird schon gewußt haben, was er tat, als er die Engländer schuf und ihre um- ständliche Betriebssamkeit. Und der Statthalter alarmierte die Gendarmen, vierhundert Mann. Die Truppe marschierte, Sicherungen vorne, links, rechts und hinten, schon Stunden auf der Straße, der Konsul und der Wali bei der Vorhut der Bote, der das Ohr gebracht hatte, als Führer. Plötzlich rief er:„Da ist mein Gefährte!" Der kam mit einem Brief und einem Bündel. Das Schreiben gab er dem Konsul. Der las:„Wir haben euch verboten, Gendarmen gegen uns zu schicken. Warum ge- horcht ihr nicht, Gottverfluchte? Wir sehen euch schon seit Stunden. Hört unser letztes Wort. Entweder ihr kehrt so- fort um und zahlt, was wir fordern oder der Engländer stirbt. Wir spaßen nicht. Des zum Zeichen des Engländers linke Hand." Und wirklich, in dem Bündel lag sie, abgehackt. Der Wali sagte kein Wort, sog nur an der Zigarette und sah den Eng- länder von der Seite an. Der wandte sein Pferd und zerbiß einen Fluch zwischen den Zähnen, an dem er noch kaute, als man zwischen den ersten Häusern Monastirs war. Die Räuber bekamen noch am selben Tage das Geld. Dem Ueberbringer folgte ein Späher. Der Engländer wurde frei. Nachts marschierten die Gendarmen aus, fanden die Räuber, kämpften mit ihnen und metzelten sechsundfünfzig nieder. Die drei Anführer fingen sie lebend. Tags daraus amtete der Wali. Kurz und schnell. Im Garten des Kaffeehauses rechts an der Straße von Monastir nach Resen wurden die Drei geköpft. Nachher ließen sich die Gendarmerieossiziere photographieren. Sie sitzen mit ver- schränkten Armen rings um ein Tischchen, auf dem die 30 000 Pfund liegen und die Köpfe der drei Räuber. Unser Konsul zeigte mir das Bild. Nach der Hinrichtung bekam der verstümmelte Engländer ein Telegramm. Es lautete: „gebt keine interviews stop erwerben alleinvertrieb eurer erlebnisse stop rückdrahtet bedingungen." Ja! Diesem Sinne bin ich ganz ergeben. Das ist der Weisheit letzter Schluß: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muß. Und so verbringt, umrungen von Gefahr, Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr. Solch ein Gewimmel möcht ich sehn. Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn. Goethe, Der gefilmte t Todessturz eines 9Hegers Ein Opfer des Films ist der 29jährige italienische Flieger B i st a r i o geworden, der mit dem Flugzeug eines Freundes in der Nähe von Versailles Kunstflüge ausführte, die ge- filmt wurden. Bei der Ausführung eines Loopings konnte sich der Apparat nicht mehr rechtzeitig aufrichten und stürzte vor den Augen des Filmoperateurs und bei laufender Kamera ab. Der Operateur glaubte zuerst, es handle sich um ein besonders waghalsiges Bravourstück des Fliegers, bis schließlich der Aeroplan auf dem Boden ausschlug und man den Flieger aus den Trümmern der Maschine mit einem Schädelbruch und zahlreichen inneren schweren Verletzungen sterbend herauszog. Jteuschrechenschlacht in Jugoslawien Eine erbitterte Schlacht auf Tod und Leben geht gegen- wärtig in dem nördlichen Teil Jugoslawiens, im oberen Banal vor sich. Milliarden von Heuschrecken sollen diesem Kampfe zum Opfer fallen, der vom jugoslawischen Staat nach allen Erfordernissen moderner Kriegskunst geführt wird. Die Waffen dazu wurden aus Deutschland bezogen. Heu- Zwei Jahre nacheinander vernichteten unabsehbare schreckenschwärme in dieser Gegend die Ernte, und nun hat man sich zum VernichtungSkamps gegen die Heuschreckenbrut einschlössen. 30 Flammenwerfer, 100 Ttahlbllrsten, 10 000 Kilogramm Petroleum, große Mengen Uramiagrün, Melasse und Kalk werden in diesem Krieg verwendet. Man geht nach einem festen Plan gegen die gefährliche Brut vor. Von Pferden gezogene Stahlbürsten ziehen über die von Heu schreckensckwärmcn befallenen Wiesenflächen und die aus- .' die gescheuchten Heuschrecken werden mit Flammenwerfern, von Soldaten gehanbhabt werden, vernichtet. Das schwache Geschlecht Die Männer werde« öfter krank Die Zeitschrift„Die Frauenbewegung" wendet sich erbittert dagegen, daß der Ausdruck„Das schwache Geschlecht" aus die Damenwelt angewandt wird? zartbesaitet, so wird erklärt» seien nicht die Frauen, sondern vielmehr die Männer. Zum Beweis für die Behauptung wird eine von Versicherungs- gesellschaften angestellte Erhebung angeführt, derzufolge nicht die Frauen, sondern die Männer stärker von Krankheiten be- fallen werden: auf 40,7 kranke Frauen entfallen 48,5 erkrankte Männer. Sobald Frauen das 20. Lebensjahr über- schritten haben, sinkt die Zahl der Erkrankungen, bei Männern dagegen steigt sie. Wer ist also in Wahrheit das schwache Geschlecht, fragt die Zeitschrift nach dieser schlüssigen Beweisführung. Anekdoten Ein Anwalt, der nicht nur wie ein Meyer aussieht, sondern auch s» heißt, kommt stilvoll benagelt und verschnürt aus den bayrischen Bergen und trifft in München seinen Freund Puttkamer. „Gut, daß Sie kommen," meint Puttkamer.„Heute geht der Hitlerputsch los... da müssen Sie hierbleiben!" „Wenn er bald anfängt. Um neun geht mein Zug." „Elf Uhr dreißig geht noch ein Zug." erklärt Putt- kamer und überredet Meyer, der vaterländischen Sache bei- zuwohnen. In der zehnten Stunde wird Meyer ungeduldig. „Wo bleibt denn der Putsch?" Puttkamer weiß auch nicht und zerrt Mener» nach dem Kindlkeller, wo der nationalsozialistische Rummel starten sollte. Vorm Portal steht ein Posten, und die Eintretenden müssen sich legitimieren. Puttkamer, dem ein„von" in die Wiege gelegt war, darf aus Anhieb passieren. Bei Meyer zögert der Kontrolleur. „Sö—son S' vielleicht jüdisch!" Meyer wirft ein Paar flehende Augen auf Puttkamer. Das konnte schlimm werden, aber es wurde nicht. Puttkamer drückt Meyern an seine arische Brust: „Mein Freund... und jüdisch?!" tut er entrüstet. Dan» dursten sie hinein. In das Feuer umwälzender Staatsaktionen hagelte der Generalstreik und verdarb der verkappten Wilhelmstraße das Konzept. Es gab keine Kohle, kein Gas, kein elektrisches Licht und keinen Briefträger. Auch nicht die sattsam bekannte Straßen- bahn. Mit einem der letzten Fernzüge kam ein Reisender ahnungslos nach Berlin gerutscht. Ihn traf der durch keinen Strommangel geschmälerte Schlag, als er am Potsdamer Bahnhof weder Dienstmann, noch Zeitung, noch Omnibus und Straßenbahn sah. „Warum fährt denn keine Straßenbahn?" fragt er auf frischer Tat einen Droschkenkutscher. „Det is janz einfach," sprach der Kutscher.„Die Straßen, bahn fährt«ich. damit daß die Rejierung jehtl" J Welch eine Wandlung in 14 Tagen! Verraten und verkauft! Der gegenrevolutionäre Schwindel der Hitler und Frick durch ihre eigene Presse entlarvt Seit Anfang Juli redet und donnert Hitler immer wieder gegen die„ zweite Revolution". Er befiehlt, daß die Revolution zu Ende sein muß. Reichsinnenminister Dr. Frick hat neuerdings unter Androhung mit Haftstrafen verboten, daß über die Möglichkeit einer zweiten Revolution überhaupt nur geredet wird. Um zu ermessen, welchen Umschwung im Denken und Fühlen man den ehrlichen Sozialisten im Hitlerlager zumutet, zitieren wir einen Aufsatz„ Revolte oder Revolution?", von C. Fr. Rasche, der in zahlreichen national sozialistischen Zeitungen u. a. in Nr. 111 vom 29. Juni der„ Saar- Front" erschienen ist: Die großen Epochen der deutschen Ges schichte sind immer in ihren Ansägen fteden geblieben. Das klassische Beispiel dafür ist der Bauernkrieg. Diese Revolution erhob sich erst ge: waltig im Bolt und versprach eine vollkommene Wands lung der deutschen Verhältnisse. Sie versant aber bald in Reformismus und Reaktion und löfte sich in einem furchtbaren Gemezel und Brands Schagen auf. Wie kam das? Der Grundzug der Bauerns revolutionen war liberal. Die Bauern waren ohne einheitliche, starte Führung. Sie wußten nicht um die Gesetze, die ihre Revolution beherrschten, und schlugen als zerstreute Haufen sinnlos und planlos, nur ihrem Trieb folgend, los. So war es den finsteren Mächten, die die damalige Zeit beherrschten, leicht, die einzelnen Gruppen der Banern zu zerschlagen und die Revolution einzudämmen. Wir haben aus diesem traurigen Abschnitt der deutschen Geschichte die Lehre zu ziehen. Sie heißt: Eine einheitliche starte Führung ist das Fundamentalgesen der Revolution! Daraus ergibt sich das zweite Gesetz: Eine Revolution kann nur diszipliniert zu einem Litwinow Bekommt er den Nobelpreis! Ein großes englisches Blatt will wissen, daß der diesfährige Friedens- Nobelpreis dem ruffischen Außenkommissar Litwinow zuerkannt werden soll. Wenn das stimmt, dann ehrt der Beschluß nicht nur it winow, sondern auch das Nobelpreis- Komitee, das damit einen Beschluß wahrhaft geistiger Größe erbringen würde. Sweifellos ist Außenkommissar Litwinw derjenige Diplo mat, der im Auftrage der Sowjet- Union am meisten dazu beigetragen hat, daß Europa nicht jetzt schon wieder im Kriegsbrand steckt. An allen Konferenzen und bei jeder Gelegenheit hat der russische Außenminister flug und entse teden dahin gewirkt, den Frieden zu erhalten. Der in den letzten Tagen in London unterzeichnete Ostpakt zeugt von Litwinows Arbeit in dieser Richtung. Wäre die Abrüftungsfonferenz vor anderthalb Jahren auf seine Vorschläge der bollständigen und sofortigen Abrüstung eingetreten, die Konferenz tönnte längst zu Ende sein mit einem positiven Erfolg. Nur waren seine Forderungen selbstverständlich unannehmbar", denn was wäre aus den Aktionären der Rüstungswerke geworden? Wie in Deutschland Ein gefährliches Kinderfest in Litauen Die Frauenfektion der Sozialdemokratischen Partei Litauens beabsichtigte am 14. Mai ein Kinderfest zu veranstalten. Das Programm sollte aus folgenden Teilen bestehen: 1. Ein Theaterstück in drei Akten Hans und der Hase" ( ein gekürztes Theaterstück nach Balaca„ Hans Urian geht Ein Toter wird lebendig Von Gustav Landauer.*) ... Aber das Gefährliche und ein verruchtes Ding ist es, wenn man den Massen sagt, was sie schon selber sagen und meinen, um sie zu gewinnen. Um sie wofür zu gewinnen? Für Personen gewinnst Du sie allenfalls dann oder für eine Organisation, aber nie für Deine Sache. Wenn's drauf ankommt, bist Du dann nichts als der angestellte Redner und Schreiber derer, die Du gewonnen hast, das beißt aber derer, denen Du Dich ins Joch gegeben hast... April 1909. Ist der Krieg erst da, so muß er durchgekämpft werden; aber ich kann mir nicht denken, daß es auch dem härtesten Striegsmann lieber wäre, wenn die Seelen der einzelnen Menschen und damit der Völker in ihrer Güte so start, in ihrer Gerechtigkeit so festgewurzelt wären, daß nie mehr ein Krieg kommen müßte... Oktober 1914. so ist doch meine Achtung vor den europäischen Soldaten und ihren militärischen Führern groß. Aber gar keine Achtung vor den Epigonen Spinozas und Goethes und Fichtes; nichts( nicht einmal die Feldpost) hat in diesem Krieg so kläglich versagt wie der deutsche Geist. Ich habe am Anfang, auch an Personen, die ich zu meinem Kreis zählte, *) Aus„ Gustav Landauer, sein Lebensgang in Briefen," von Martin Buber, Berlag Rütten u. Zpening. Im Februar 1919 wurde Landauer von der gegenrevolutionären Soldatesta auf den Straßen Münchens ermordet. Jeszt, nach 14 Jahren, haben die nationalsozialistischen Machthaber in Bayern angeordnet, daß die Urne mit feinen Ueberresten ausgegraben merden muß. Das ist auch geschehen... siegreichen Ende geführt werden. Wenn wir wollen, daß diese deutsche Revolution eine totale Wandlung unserer deutschen Verhältnisse bringen und durch sie eine neue Lebensgrundlage geschaffen werden soll für jeden Volksgenossen, dann müssen wir uns vor allem diesen fundamentalen Gesetzen der deutschen Revo Intion unterwerfen. Die Avantgarde der deutschen Revo Intion find die braunen und schwarzen Soldaten, die SA. und SS. Dadurch erhält sie auch ihr ausgesproche nes Gepräge, Das heißt: Befehlen und Gehorchen. Be fehlen kann nur der Führer und gehorchen muß der Soldat. Die Führer, die diese Revolution eingeleitet und durchgesetzt haben, sind die Garanten der revolutionären Enta widlung. Sie werden dafür sorgen, daß alle revo: Intionären Wellen einheitlich und dem Gesetz der Revo Intion entsprechend, durchgeführt werden. Wir befinden uns in der zweiten Welle der deutschen Revolution. Um die Nevolution zu einem sinn: vollen Ende zu führen, müssen wir uns noch stärker den fundamentalen Gefeßen unterwerfen. Sonst ist alles verloren und Deutschland wird wieder das Objekt seiner Feinde. Die deutsche Revolution ist kein Klaffeskampf, sondern eine Volksrevolution, deren Ziel ist: die Nations werdung des deutschen Volkes durch die restlose und kompromißlose Durchsezung des deutschen Sozialismus auf allen Ebenen des Lebens. Schlag um Schlag werden die alten Mächte, die für das Elend und die Schmach der vergangenen Jahre verantwortlich sind, nieders gerungen. Wir sind in der zweiten Welle. In wenigen Tagen sind große Entscheidungen gefallen: die Reaktion von Wels über Schäffer bis Sugenberg ist niedergerungen worden. Hugenberg, der starke" Mann, nach Brot"), 2. ein Ballett: Rote Tulpen und grüne Grillen, 8. Rindermarsch, 4. Spiele und Tänze. Die Erlaubnis für dieses Kinderfest wurde von den zu ständigen amtlichen Stellen verweigert. der glaubte, die nationalsozialistische Revolution in eine ,, nationale Konzentration" umfälschen zu können, hat seinen Rücktritt erklärt. Die letzte Säule der Reaktion ist damit gefallen. Mit dem Manne Hugenberg fällt aber auch ein ganzes System: der Kapitalismus. Hugenberg hat als„ der Wirtschaftsdiktator" vergeblich versucht, den Kapitalismus zu retten. Nun ist die Bahn für den Sozialismus frei, Schranke um Schranke fällt, Wir marschieren dem Endziel entgegen. Nichts tann uns mehr hemmen. So seht ihr aus, ihr guten dummen Jungen!„ Nichts kann uns hemmen. Wir marschieren dem Endziel, dem kompromißlosen deutschen Sozialis. mus entgegen." Einer hemmt euch, an den bedingungslos zu glauben, ihr die nationalsozialistische Jugend erzogen hat: Adolf Hitler. Er war und ist der Landsknechtführer der hochkapitalistischen Gegenrevolution und ihr guten Jdealisten habt ihn für einen Sozialisten gehalten. Er ist es so wenig wie ein anderer der wirklich einflußreichen Nationalsozialisten. In dem vorstehend zitierten Aufsatz heißt es drohend: Darüber müssen auch wir uns klar sein: wer sich außerhalb der fundamentalen Ges jezze der Revolution ftellt, ftellt sich auch außerhalb Deutschlands und schlägt sich auf die Seite der Feinde. ,, Wer sich außerhalb der fundamentalen Gesetze der Revolution stellt", das ist vor allem Adolf Hitler. Er schlägt sich auf die Seite der Volksfeinde, bei denen er innerlich immer gestanden hat. Der wehrlose Scheidemann wird diffamiert Der deutsche Rundfunk wird seit Hitlers Regime nur noch für nationalsozialistische Parteipropaganda mißbraucht. Well er nicht gerecht behandelt Gestern abend wurde beispielsweise durch den Rundfunk wird... Lewin will nicht ausgeliefert werden Nach einer Meldung der Associated Preß aus Boston ist die Auslieferung des Schwindlers Lewin, der in den Vereinigten Staaten unter dem Namen eines Profeffors Joao Normano aufgetreten war, im leßten Augenblick verhindert worden. Der von Washington erteilte Auslieferungsbefehl sollte heute durchgeführt und der Schwindler an Bord eines deutschen Dampfers gebracht werden. Es ist jedoch beim Bundesgericht eine Petition eingegangen, die sich auf die Habeaskorpusatte beruft und die Behauptung aufstellt, daß eine Meldung über den Sozialdemokraten Scheidemann durchgegeben. Dieser Meldung zufolge bezog Scheidemann in der Republik ein Riesengehalt und war im übrigen ein ganz gemeiner Kerl. Der 8wed dieser Meldung war so durchsichtig, daß selbst der indiferente deutsche Bürger dieses Manöver durchschaute. Solche absoluten Falschmeldungen werden zur Ablenkung der Massen von den Bonzenpfründen des Dritten Reiches benutzt. Aber selbst die SA. sieht heute flarer denn je. Das gesamte deutsche Volk weiß heute, daß Deutschland nur noch Parteibuchbeamte kennt, daß Hitler einen weit kostspieligeren Verwaltungsapparat aufgezogen hat als ihn die Republik je besessen und daß das Bonzentum im Dritten Reich mehr denn je floriert. der Beschuldigte in Deutschland wegen seiner Schnorrer- Sozialismus Rassezugehörigkeit nicht gerecht behandelt werden würde. Demokratisches Ideal Die Demokratie ist ein Zustand, in dem die menschlichen Wesen einander nicht benüben als Mittel zu persönlichem Vorteil. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind werden als etwas geistig Wertvolles anerkannt. Das ist Demokratie. Sie ist das höchste Ideal der politischen Or ganisation der Gesellschaft und das Ideal der Humanität. Demokratie verlangt vom Demokraten wenigstens ein wenig Geduld. Präsident Masaryk. Enttäuschungen erlebt, die schmerzlich waren. Jebt fann ich's schon allgemein und also beherrscht nehmen und sehe nur meine Aufgabe gewachsen wie meine Einsamkeit... November 1914. Halte Deinen Mut nur aufrecht und laß keinen Gedanken daran aufkommen, als hättest Du nicht recht gehandelt. Nichts ist verkehrter, als an lebendige, einmalige Situationen ein Schema anlegen, und wäre es auch das der größten Beispiele, das Opferschema. Manchmal ist das Opfer durchaus nicht das Schwerste. Aushalten um des Amtes das willen, das einem geworden ist, set's klein oder großNovember 1914. tut jetzt not ... Meine Kinder wissen seit vielen Wochen, daß es bei uns dieses Jahr wegen des Krieges keine Weihnachten geben wird, und daß Weihnachten sofort nach Friedensschluß zu irgend welcher Jahreszeit nachgeholt wird. Sie wissen es und verstehen es wie sie nun in dieser Zeit allerlei haben verstehen lernen müssen. Dieser„ Frieden" wird zwar auch nun soso lala sein aber immerhin, man wird dann in der Welt, die man sich selber aufbaut, nicht gar zu sehr gestört werden. Aber jetzt! Nein, mein Lieber, dieses Jahr feiern wir Weihnachten, indem wir es nicht feiern. Dezember 1914. Empfindest Du die Schmach der Benommenheit, Benebelung und Besoffenheit fast aller unserer Geistigen nicht als das Schlimmste unserer Zeit, so sollst Du, solange Du als das Schlimmste unserer Zeit, so sollst Du, solange Du Dir die gerade Anrede eines, der wahr und klar sein will, nicht verbittest, hören, daß andere sie empfinden! Andere, auch Soldaten. Wir sind nicht mehr so vereinzelt, wie es im Anfang wohl schien. Und wenn wir es wären, würden wir es tragen. Das leichteste Teil haben wir nicht erwählt, und um Behaglichkeit ist es uns nicht zu tun.. Dezember 1914. Eine Konjunkturbelebung durch Bettel Um Verwechslungen zu vermeiden, weisen wir noch darauf hin, daß diese Adolf- Hitler- Spende der deutschen Wirtschaft" nicht identisch ist mit der Freiwilligenspende zur Förderung der nationalen Arbeit"( Arbeitsspendengeset vom 1. Juni 1981). Sie ist auch nicht identisch mit der „ Stiftung für die Opfer der nationalen Arbeit", zu der Herr Reichskanzler im Anschluß an den Feiertag der nationalen Arbeit“ aufgerufen hat.( Aus einem Rundschreiben der „ Berufsgenossenschaft für den Einzelhandel", Reichsunfallversicherung, Berlin NW. 7, Neue Wilhelmstraße 2.) ... Ja, das ist das Grundübel dieser Zeit: immer warten, immer nach andern sehen, immer von einem Aeußeren Heil und Erlösung erwarten. Jetzt soll der Krieg dieses Aeußere sein; Ihr werdet, wenn Ihr Euch mit Eurem Hoffen daran flammert, grauenhaft enttäuscht werden; nur wer seiner Sache folgt und gar nichts erwartet, ist vor Einzelenttäuschungen gefeit, weil er die Enttäuschung und die Hoffnungslosigkeit in sein Innerstes aufgenommen und zur Grundlage seiner Lebensenergie und seines Tuns gemacht hat... Dezember 1914. ... Wir werden einen schonungslosen Kampf, viel mehr noch gegen die Verfälscher und Unterdrücker des Geistes, als gegen die wirtschaftlichen Ausbeuter zu führen haben. Es wird immer klarer: da sitzt der Erbfeind, auf den Kathedern der Universitäten und Schulen und in den Sesseln der ZeiNovember 1915. tungsredaktionen... Wir haben eine ungeheure Aufgabe, die dadurch noch schwerer gemacht ist, daß nach all den Qualen, die den Men schen die Ausdauer genommen haben, der Sieg über die alten Mächte so spielend leicht war. So stehen wir vor der größten Wandlung, ohne daß die meisten innerlich bereitet November 1918. und gewandelt sind... Es ist möglich, daß erst Industrieruinen und Arbeitslosigkeit von Hunderttausenden kommen müssen, ehe die November 1918. Zeit für unsere Jdeen reif ist... ... Schon bin ich wieder fast so einsam, wie vor der Revolution; am Werk sehe ich nur hilflose Verkehrtheit und Gemeinheit. Wenn nicht noch größere Not fommt, glaube ich in diesem erbärmlichen Volke an teine Erneuerung der Revolution, Januar 1919, Ein mißlungenes Bubenstück Die Bezüge des Gewerkschaftsführers Leipart 4000,, Mark" Monatseinkommen- Im Jahre 1921 Das halbamtliche Conti- Büro verbreitet folgenden Brief des Gewerkschaftsführers Leipart, den es mit hämischen Glossen über die mangelhafte Opferbereitschaft der Gewerkschaftsbonzen begleitet: An den Stuttgart, den 4. Januar 1921. Vorstand des Allg. Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin. Leider bin ich genötigt, auf die materiellen Bedingungen meiner neuen Stelle dasselbst mehr Gewicht zu legen, als ich dies sonst in meinem Leben bisher getan habe. Nach Mitteilung des Genossen.... würde ich bei der Uebernahme des Amtes in ein Monatsgehalt von 2540 Reichsmark eintreten. Das wäre eine erhebliche finanzielle Verschlechterung für mich-- und für meine Frau. Ich habe hier jetzt folgendes Einkommen: vom Holzarbeiterverband Nuhegehalt als Minister a. D. 2120 Rmf. 1320 Rmf. zusammen: monatlich 3440 Rmf. Hinzu kommt noch meine Aufwandsentschädigung als Landtagsabgeordneter, die im Monat 450 RM. zuzüglich 25 RM. für einen Sizungstag ausmacht. Die Gewährung des Ruhegehalts besteht noch auf altem Gesetz; das in der jetzigen württembergischen Verfassung vorgesehene neue Gesez für die Pensionsansprüche der parlamentarischen Minister ist noch nicht gemacht. Der Pensionsanspruch nach dem Recht, ist mir bei Uebernahme des Ministerpostens im Sommer 1919 zugesagt worden, ich habe daraufhin aus diesem und auch aus allgemeinen Gründen meine Ansprüche an die Angestellten- und Invalidenversicherung an die Unterstüßungsvereinigung und auch an die Krankenversicherung damals aufgegeben. Rechtlich bin ich nun zwar nicht verpflichtet, bei meinem Wegzug aus Württemberg auf das Ruhegehalt zu verzichten. Das käme nur in Frage, wenn mein Gehalt in der neuen Stelle mit dem Ruhegehalt zusammen mein früheres Ministergehalt übersteigen würde. Aber moralisch würde nach meiner Auffassung das Ansehen des Vorsitzenden des Gewerkschaftsbundes beeinträchtigt sein, wenn ich in Berlin neben dem Gehalt noch die württembergische Ministerpension beziehen wollte. Diese Meinung werdet auch Ihr teilen. „ Juden raus!" Massenentlassungen im Kaufhaus Joseph Von den rund 500 Angestellten des Kaufhauses W. Jofeph in Berlin- Neukölln waren etwa hundert Juden. Auf Anordnung der NSBO. des Betriebes wurden im Mai sämtliche jüdischen Angestellten fristlos entlassen. Als der Inhaber der Firma Wilhelm Joseph sich weigerte, dieser Anordnung nachzukommen, wurde SA. in das Geschäft geholt, die die Entlassung erzwang. Herr Joseph bemühte sich vergebens, die Wiedereinstellung des jüdischen Personals zu erreichen. Nur bei fünf Abteilungsleitern, die für die Weiterführung des Unternehmens unentbehrlich waren, ge= lang ihm dies. In den übrigen Fällen war bisher ein Erfolg unmöglich, weil zwei Mitglieder der Nazibetriebszellen ihre Unterschrift verweigerten. Und recht bezeichnend für die Situation ist es, daß einer von diesen beiden ein 17jähriger Lehrling der Firma Wilhelm Joseph ist. Hilfe für unsere Berfolgten! Das Verbot unserer Partei durch die Faschisten wird eine neue Terrorwelle über unsere bisher noch tätigen Funktionäre hervorrufen. Um dem Blutterror dieser Verbrecher zu entgehen, wird mancher seinem Vaterland den Rücken fehren müssen. An diesen Kämpfern aus unsern Reihen muß werktätige Solidarität geübt werden. Jeder, der es noch einigermaßen fann, wird gebeten, sein Scherflein für diese Hilfe zur Verfügung zu stellen. Geldspenden sind nur auf das Posticheckfonto Nr. 796 Daraus ergibt sich dann aber, daß sich meine Haushalts rechnung von jezt über 4000 RM. zukünftig auf 2540 RM. monatlich verringert, wozu die immerhin noch etwas teuere Lebenshaltung in Berlin obendrein mit in Kauf genommen werden muß. Ich sehe nun wohl ein, daß ich neben dem großen Opfer des Wegzugs von Stuttgart auch noch ein finanzielles Opfer bringen muß, wenn ich Eurem Rufe folgen will. Und für meine Person bin ich, nachdem ich einmal Ja gesagt habe, auch hierzu bereit. Ob es aber möglich sein wird, meinen Haushalt zufünftig mit dem gebotenen Gehalt im Gleichgewicht zu halten, erweckt angesichts der heutigen Preisver hältnisse auch bei mir einige Zweifel. Es würde meiner Frau und mir der Abschied von Stuttgart etwas erleichtert, wenn es Euch möglich wäre, hier noch einen Ausgleich zu finden. Jedenfalls wäre ich Euch dankbar, wenn Ihr zu der Frage in einer der nächsten Sizungen Stellung nehmen und mir die Ansicht des Vorstandes mitteilen würdet. Frdl. Grüße! gez. Th. Leipart. In einem Brief vom 30. 1. 1921 schreibt er: ,, Auf meine Frage, wie es mit einer Berufung in den Reichswirtschaftsrat steht, habe ich noch keine Antwort. Es wäre doch erwünscht, daß ich den Freifahrschein nach hier her( Stuttgart D. B.) zugesandt erhielt, um ihn gleich für die Reise nach Berlin benutzen zu können. Im Vertrauen auf die Allzuvielen, zumal sehr jungen Leute, die nichts mehr von der Inflation wissen, wird verschwiegen, daß aus diesem Brief aus dem Jahre 1921 von Papiermark die Rede ist. Am 3. Januar 1921 stand der Dollar auf 74,50 Papier mark. Legt man aber beispielsweise die amtliche Goldumrechnungs- Tabelle zugrunde( welche den Markwert nach dem arithmetischen Mittel von Dollarindex und Großhandelsinder bemißt), so waren in der Zeit vom 1. bis 10. Januar 1921 100 Papiermark gleich 6,05 Goldmark; ein Einkommen von 4000 Mark monatlich hätte nach dieser Tabelle damals also einen Wert von 242 Goldmark gehabt. An alle Selbstmörderkandidaten Die Nazis organisieren Selbstmörder, um nationale Helden zu schaffen Die österreichische Regierung veröffentlicht ein nationalsozialistisches Geheimdokument, das nicht nur zu Sabotageakten auffordert, sondern den bisher wohl noch von keiner politischen Partei aufgestellten folgenden Punkt enthält: ,, Aufforderung an alle Selbstmörder, sie sollen sich doch, wenn sie schon abfahren wollen, einen Heldentod suchen und immer ein paar Schuldige ihrer Not mitnehmen. Bei geschickter Aufmachung dieser Propaganda fann man die Personen, die daran kommen sollen, schon richtig in den Vordergrund rücken." Daß dieses Vorgehen Methode hat, kann man kaum abstreiten, und nennt man es Wahnsinn, so täuscht man sich über die Organisationsfähigkeit der Nazis. Selbstmörder aller Länder, vereinigt euch zum Ruhme Hitlers, ist die neue Devise. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Hubert Jüttner. beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. b H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Die ,, Deutschfie Freiheit" der Spds. Saarbrüden oder bei den nachstehenden An muß man regelmäßig lesen nahmestellen einzuzahlen: Bezirksbüro der Arbeiterwohlfahrt, Saarbrücken 1, Hohenzollernstraße 45; Buchhandlung der Volksstimme", Saarbrücken 3, Bahnhofstr.; Buchhandlung des Neunkircher Echo", Neunkirchen, Hüttenbergstraße 43; Abonnieren Sie sofort! Expedition der„ Volksstimme", Saarbrücken 3, Schüßenstr. 5; Besteffschein: Parteisekretariat der SPDS., Saarbrücken 3. Brauerstr. 6–8; Bezirksbüro des Bergbauindustriearbeiterverbandes. Saarbrücken 2, Sophienstraße 23; Büro des Bergbauindustriearbeiterverbandes in Fraulautern, Saarbrücker Straße 47: Büro des Bergbauindustriearbeiterverbandes in Jllingen, Heusweiler Straße 22; Büro des Bergbauindustriearbeiterverbandes in Neunkirchen, Hüttenbergstraße 43; Büro des Bergbauindustriearbeiterverbandes in St. Wendel, Karlstraße 14; Büro des Bergbauindustriearbeiterverbandes in Sulzbach, Hammersberg 1. Helft nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Auch Bekleidungsgegenstände, Bettwäsche niw. werden ents gegengenommen, sind aber nur bei der Annahmestelle der Arbeiterwohlfahrt, Saarbrücken 1, Hohenzollernstraße 45, abzugeben. Trotz Verbot geht der Kampf für den Sozialismus weiter. Erst die restlose Vernichtung des Faschismus bedeutet Sieg für den Sozialismus. Tue jeder in diesem Stampf seine Pflicht! Freiheit! Für die Flüchtlingsfürsorge: Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der ,, Deutsche Freiheit" Genaue Adresse: Unterschrift: Die einzige unabhängige Sageszeitung Deutschlands Ein Brief Folgender Brief aus Frankfurt a. M. wird uns zur Verfügung gestellt. Der Schreiber ist uns als zuverlässig bekannt: Mal wieder ein Lebenszeichen! Wie es hier geht? Beschissen von oben bis unten. Politisch seid Ihr ja im Bilde. Am Freitag sind nunmehr alle Gewerkschaftler entlassen worden. Grund: Antinationale Gesinnung, Betrug und andere schöne Dinge. Der Betrug wird darin erblickt, daß bei wohl einem kleinen Teil der Gewerkschaftler das Gehalt nicht in voller Höhe ausbezahlt worden ist als solches, sondern ein Teil als Aufwandsentschädigung, die nicht versteuert worden ist. Untersuchung durch das Finanzamt, des= sen Beauftragte tagelang sich im Gewerkschaftshause zu schaffen machen. Auch wird noch wie folgt argumentiert: Der Teil, der von der Organisation zur Unterstüßungsvereinigung entrichtet wurde, mußte versteuert werden, was nicht geschehen ist, ergo Steuerhinterziehung, ergo Betrug, ergo fristlose Entlassung. Aus! Die Geschäftsführer der so= zialen Baubetriebe( Bauhütte usw.) sind ebenfalls fristlos entlassen worden. Jetzt kommen die Genossenschaften dran. 51 Prozent Nazis sollen hinein. Es macht sich eine Austrittsbewegung bemerkbar. Wir waren jetzt alle in Schutzhaft. Und als wir wieder entlassen wurden, mußten wir unters schreiben, daß wir uns jeder Zeit wieder freiwillig(!!!) in Schuhhaft begeben können. Herrlich diese Besorgnis um unser Wohlergehen. Gestern war wieder eine große Aftion in einer ArbeiterWohnsiedlung. Mit Trompetensignalen der SA. wurde angekündigt, daß in der Siedlung noch Munition versteckt sein müsse, die herausgegeben werden müsse, andernfalls kämen alle kommunistischen und sozialdemokratischen Funktionäre ins Konzentrationslager. Ich will hier gleich noch einschalten, daß ein angestellter Funktionär eines Verbandes( folgt Namen) offen mit dem Hakenkreuz umherstolziert, er glaubte sich damit retten zu können. Aber auch er mußte gehen. Geschieht ihm recht! Auch ein früherer Genosse, der Bürgermeister( folgt Name) in einem benachbarten Orte, der seine Funktion retten zu können glaubte, indem er be= reits vor den Wahlen zur NSDAP. übertrat, wurde hinausgeschmissen. Recht so! Einige Gewerkschaftsangestellte sizzen noch in Schutzhaft. Währenddem eine ganze Reihe nach mehrmaliger Verhaftung wieder frei ist. In H. sind gleich an die 250 Verhaftungen vorgenommen worden. Ins Gefängnis hat man dann aber doch nur 8-10 gesteckt. In dem Vorort N. war ein Jammern. Sämtliche Frauen auf den Straßen. Einige ehemalige Gewerkschaftssekretäre klagen zuerst auf dem Arbeitsgericht wegen der fristlosen Entlassung. Ob etwas dabei herauskommt, ist abzuwarten. Einem derselben hat man Totschlag angedroht, wenn er die Klage nicht zurückzieht. Er hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Nötigung erstattet. Der Konkurs unserer Druckerei( In dem das Organ der Sozialdemokratischen Partei bergestellt wurde) iſt eingeſchlagnahme nicht vorhanden ist. Der Genosse M. verkauft Seifen, Bohnerwachs, Persil und Aehnliches. Der Genosse K. macht eine Kneipe auf und R. einen Zigarrenladen. M. bemüht sich mit Versicherungen ab. Jezt müssen auch unsere Funktionäre bis zu 51 Prozent aus den Betrieben hinaus, dafür müssen Nazis eingestellt werden. Der Genosse H. hat den Gashahn aufgemacht. Wir waren alle in Schußhaft, als die Beerdigung erfolgte. Die Wanderungen der Emigranten und der Flüchtlinge nimmt von Tag zu Tag mehr zu. Unfreiwillige Kuriere, man erfährt da haarsträubende Dinge. Die Nazi sind jetzt im Stadtparlament unter sich, nachdem sich die Christen und die paar anderen den Nazi als Hospitanten angeschlossen haben. Unsere Liste war bereits aufgebraucht. stellt, da eine den Kosten entsprechende Masse wegen der BeWer auch nur erklärt, daß das Fett teuerer geworden sei, tommt in Schuzhaft. Keiner traut dem anderen. Selbst in den Familien findet eine offene Aussprache nicht mehr statt. Selbst der großen bürgerlichen Zeitung, prophezeit man, daß sie nicht mehr lange leben werde. Auf der anderen Seite wächst die Unzufriedenheit von Tag zu Tag. Mit uns waren auch Deutschnationale und Nazi in Schuhhaft. Es sind dieses solche, die sich über das hohe Gehalt des Herrn Statthalters entrüstet haben. Jetzt wird um den Kopf des Nazi- Polizeipräsidenten gewürfelt. Der angeblich nicht scharf genug sein soll, dessen SA.- Leute aber dieser Tage wieder einen Oesterreicher erschossen haben. In den Zeitungen stand nichts davon. Der Erschossene soll angeblich Rot Front" gerufen haben. Aus fommunistischen und sozialdemokratischen Funktio nären, die bis zum Kopf in die Erde eingegraben worden find, wurden Geständnisse erpreßt. Nach einigen Wochen der Ruhe, scheint der Kampf jetzt von neuem anzugehen. Dadurch, daß wir nicht erkannt haben, daß nach einer Revolution eine Konterrevolution erfolgt, dadurch, daß wir nichts Besseres mußten, als uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, ist unser Schicksal einigermaßen verdient. Hoffentlich wird jetzt der Volfstribun geboren, ein Führer, der nicht nur schwazzt, sondern handelt. Der blutige Rache nimmt. Der mit der Humanitätsduselei Schluß macht. Der nicht bloß den Kampf predigt, sondern ihn auch führt. Mit jener Grausamkeit, wie es uns jetzt von den Nazis vordemonstriert worden ist. Ich grüße Euch recht herzlich und bleibe in treuer Rame= radschaft mit Euch verbunden. Gelegenheits- Angebot! Henry Barbusse: Das Feuer Tagebuch einer Korporalschaft. Kriegsroman Vollst. Ausgabe. Leinenband nur Fr. 12, Buchhandlung Volksstimme Saarbrücken 3 Bahnhofstraße 32 Neunkirchen Hüttenbergstraße 41 Lothringen Mitten im lothr. Indu striegebiet gel. Eisens werk( Eisenkonstruks tion u. Blechschmiede) mit Bahnanschluß zu verkaulen. Schöner Besitz( Schloß, 19 ha Park und Garten) Straße Metz Saar brücken, u mehrere schöne Wohnhäuser zu verkaufen. Ausk ert C. Gresset, Courcelles- Chauss 23 Telefon 6 K. Mößinger.