Preis: 60 1. cts. Denijaãe Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 23-1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag/ Montag, 16./17. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun Kein Leiden oder Gedränge und Tod kann überwunden werden mit Ungeduld, Flucht und Trostsuchen, sondern allein damit, daß man feststeht und still ausharrt, ja dem Unglück und Tode kühn entgegengeht. Furcht tut nichts Gutes. Darum muß man frei und mutig in allen Dingen sein und feststehen. Luther. Hitlers Furcht vor uns! Der Kampf gegen die ,, Freiheit"- Reichspost und Polizei im Bunde Scharfschießen auf Jllegale- Dennoch dringen wir vor! Mindestens zweitausend gleichgeschaltete Zeitungen er scheinen in Deutschland. 31 Propagandastellen hat das Reichs= minifterium für Boltsaufklärung über ganz Deutschland eine Aerichtet. Durch Rundfunk stellt die Reichsregierung ohne die Möglichkeit eines Widerspruches Millionen und aber Millionen Deutsche unter ihren Einfluß. Alle Parteien sind auf gelöst und verboten. Alle wirtschaftlichen und kulturellen Organisationen bis zu den Kaninchenzuchtvereinen find gleichgeschaltet und unter tommissarische. Diktatur gestellt. Sitler selbst redet davon, daß niemals eine deutsche Reichss regierung soviel Macht besessen habe wie diese Führung des totalen Staates. Und dennoch fürchtet sich dieser Reichskanzler vor jedem fozialdemokratischen Zeitungsblatt. Die„ Deutsche Freiheit" hat er schon vor dem Erscheinen der ersten Nummer für Deutschland verboten. Die Reichspoft läßt jeden Brief öffnen, wenn sie vermutet, daß ein Exemplar der„ Deutschen Frei heit" darin verborgen sein könnte. Nicht nur das. Auf Bes feht der Reichsregierung weigert fich bie deutsche Reichspost anch, die Deutsche Freis beit im Tranfitverkehr durch Deutschland au lassen. Auf diese Weise will man verhindern, daß Exemplare unseres Blattes auf dem direkten Wege durch Deutschland nach der Tschechoslowakei, Polen und den Rands taaten kommen. Wahrscheinlich befürchtet man, daß die deuts ichen Postbeamten, angeekelt von der versflavten und charakterlosen deutschen Presse, sich Informationen aus der " Deutschen Freiheit" holen. Nach unserer Auffassung ist das Verhalten der deutschen Reichspost eine Verlegung des Weltpoftvertrages, der den Tranfitländern kein Recht gibt, durchgehende Poft zu zens furieren. Man behauptet allerdings, diese Bestimmung gelte nur für Briefpost, aber wir halten das mindestens für ftrittig. Die Reichsregierung erwägt, wie sie auf benachbarte Läns ber, wie z. B. Luxemburg, Holland und Schweiz, einen Drud ausüben kann, um dort den wachsenden Vers trieb der Deutschen Freiheit" zn hemmen. Sowohl in Holland wie in der Schweiz find verschärfte Bestimmungen gegen jede politische Betätigung deutscher Emigranten era laffen worden. Diese genügen ihnen aber in Berlin nicht. Man strebt ein Verbot des Vertriebes der„ Deutschen Freis heit“ und des„ Neuen Vorwärts" in den Ländern an, in benen diese unabhängigen Blätter unter der deutschfprechens den Bevölkerung stark verbreitet sind. Allen Widerständen zum Trog dringen sowohl die„ Deuts fche Freiheit" wie der„ Neue Vorwärts" immer wieder in bas ängstlich vor der Wahrheit behütete Reich ein. Ab und zu passiert natürlich ein Betriebsunfall. So find neulich in einer sächsischen Papierfabrik zwischen Holzstämmen, die aus der Tschechoslowakei tamen, eine Anzahl Exemplare der Nummer 2 des„ Neuen Vorwärts" entdeckt worden. Darob große Aufregung bei der Geheimen Staatspolizei. Die Grenzorgane find zur strengsten Ueberprüfung der Sens dungen angehalten worden. Die Kontrolle sollte sich auch auf die Bäume an den Grenzen erstrecken, da, wie der Vorfall aus Sachsen zeigt, der„ Neue Vorwärts" und die„ Dentiche Freiheit" möglicherweise hoch in den Wipfeln der Bäume wachsen. Alle Flugblätter und Zeitungen, in denen man die Wahrs heit vermutet, werden von der deutschen Bevölkerung bes reitwillig aufgenommen. Die Behörden machen auf illegale Druckschriften dauernd Jagd. heimer Verschwörer Dr. Best, hat angeordnet, daß jeder, findet, bis auf weiteres in Polizeihaft genommen wird, der sich auch nur im Befiz eines illegalen Flugblattes bes daß kommunistische und sozialdemokratische Führer als daß kommunistische und sozialdemokratische Führer als Geiseln genommen werden sollen und daß die Polizei beamten und die Silfspolizei den Auftrag haben,„ gegen über Flugblattverteilern, die sich nicht auf den ersten Anz ruf stellen, sofort von der Waffe Gebrauch zu machen". Die einzige Wirkung des Bestschen Erlasses, der zur Ablieferung mit der Post zugegangener hochverrätes rischer Schriften" auffordert, ist höchst ungewohnt. Es gibt niemanden, der seither nicht die bei ihm eingehenden Druck= sachen auf das sorgfältigste prüft, in der Hoffnung, unter ihnen solche mit ganz ungeheuerlichem Inhalt" zu finden. Untat gegen Scheidemann Sle nehmen fünf Gelscin- als„ Akt der Staatsnotwehr"- Selbst in Rußland ohne Beispiel- Und ein Zentrumsblatt deckt solch eine widerchristliche Handlung! Das Geheime Staatspolizeiamt gibt offiziell bekannt, daß es zur Geiselpolitik nunmehr auch offiziell übergeht. Ein von Scheidemann selbst korrigierter und längst richtigs gestellter Artikel der„ Nenyork Times" wurde zum Anlaß genommen, um fünf Verwandte Scheidemanns in Schutzhaft zu nehmen und in ein Konzentrationslager zu bringen. Wie das Conti- Büro weiter dazu feststellt, handelt es sich um einen Akt von Staatsnotwehr. * Man muß lange in der Geschichte politischer Schandtaten blättern, um ein Gegenstück zu der Untat dieses„ Staatsaftes" zu finden. Fünf gänzlich unpolitische Menschen werden wegen eines Auffazes ihres Verwandten Scheidemann, eines Auffazes, den sie nicht gelesen haben, dessen Inhalt sie nicht kennen, ins Konzentrationslager verschleppt. Selbst in der zaristischen Aera Rußlands und im wildesten Abschnitt der bolschewistischen Revolution hat man solche Verbrechen nicht begangen. Eine Regierung, die ein derartiges unmenschliches und widerchriftliches Handie ein derartiges unmenschliches und widerchristliches Handeln selbstgerecht als„ Staatsnotwehr" bezeichnet, steht außerhalb der menschlichen Zivilisation. Man sollte meinen, daß die katholische Presse Einspruch gegen dieses Verbrechen im Namen des Kreuzes erheben müßte. Aber man irrt sich. Die Zentrumsblätter drucken die Notiz genau so wie alle übrigen ohne Kommentar ab. Zentrumsblatt im Saargebiet sich offen hinter die Schandtat Ja, wir erleben das erschütternde Schauspiel, daß ein stellt. Diese„ Saar- 3eitung" überschreibt die Meldung über die Verhaftung der Verwandten Scheidemanns folgendermaßen: „ Energisches Vorgehen des Geheimen Staatspolizei: amts gegen die Verleumdung im Ausland" und sagt dann: Um gegen die unqualifizierbaren Lente, die ständig im Auslande gegen Deutschland heßen, vorzugehen, hat, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, das Geheime Staatspolizeiamt nun ein Exempel statuiert. Bes kanntlich ist der frühere sozialdemokratische Reichskanzler und Abgeordnete Scheidemann ins Ausland geflo hen und bemüht sich dort, durch schamlose Lügen über Deutschland das deutsche Bolt und seine Vertreter im Auslande zu beschimpfen. Kürzlich hat er in einem Schmähartikel in der Neuyorker Times vers sucht, durch systematische Lügen eine neue Greuelheze gegen Deutschland zu entfesseln. Nunmehr hat zur Abwehr dieser gemeinen landesvers räterischen Heze das Geheime Staatspolizeiamt die Maßnahmen der Staatsnotwehr ergriffen, ins dem es nämlich fünf Verwandte des Herrn Scheide mann, die sich in Deutschland aufhalten, in Schuzhaft genommen und in ein Konzentrationslager gebracht hat. Die Geheime Staatspolizei hat verfügt! Die Sache ist in Ordnung! Also dieses Zentrumsblatt. Wir halten es fest als Beispiel katholischer Menschenliebe, unter der Verantwortung von katholisch ent Laien und katholischen Priestern. Denn hier wird nicht nur geschwiegen. Es wird zu einem unmenschlichen Gewaltatt ein herzhaftes Ja gesagt... Steht nicht irgendwo in den Statuten des Völkerbundes, daß er die humane Gefittung gegen ihre Zerstörer und Verderber in aller Welt beschützen will? Hier wäre eine Gelegenheit zu zeigen, daß man mehr ist als ein Paragraphenbündel. Diese fünf schuldlosen Menschen im Konzentrationslager sind eine Gewissensmahnung, die feinen Staatsmann außerhalb des Hitler- Terrors und des Mussolini- Italiens ruhig schlafen lassen dürfte. Todesstrafe für SA. In Braunschweig ist es bereits so weit gekommen, daß die Polizei den Befehl erhalten hat, auf marxistische Flugblatt Zuchthaus- Strafen gegen Saboteure und Anweisungen an verteiler sofort zu schießen. Besonders auf die Nerven leit einiger Zeit mit oppofitionellem Agitationsmaterial geradezu überschwemmt wird. So berichtet das heifische Staatspolizeiamt: Gewisse Lente erhalten eine äußerlich harmlose Drucks fache mit dem Firmenausbrud Rabattverfandhaus Bers lin W 35" oder„ Teeversandhaus" oder unter der Firmens bezeichnung irgendeiner bestehenden oder nichtbestehens den Versicherungsgesellschaft. Manchmal enthalten die Umschläge noch einen roten Aufdruck wie Sonderangebot" oder ähnlich, um der Sendung einen gefchäftlichen Anstrich au geben und den Empfänger zum Durchlesen zu veranlaffen. die Staatsanwälte- Weitere Auflösungen von SA.- Formationen- Haussuchung bei dem nächsten Mitarbeiter Hugenbergs- Bittere Stimmung in der nationalen Front Berlin, 15. Juli.( Eig. Bericht.) Bei dem Abgeordneten Dr. Brosius, einem der intimsten Mitarbeiter Hugenbergs, ist eine umfassende Haussuchung durch Beamte der Geheimen Staatspolizei veranstaltet worden. Brosius wird beschuldigt, im Auftrage des früheren Reichsministers Hugenberg Material gegen die Nationalsozialisten gesammelt zu haben; er mußte sich zur Vernehmung in Begleitung von zwei Beamten nach dem Polizeipräsidium begeben, wo er mehrere Stunden vernach den Mitteilungen der Staatspolizei hochverräterische Diese geschäftlichen Offerten enthalten nun in Wahrheit Schriften mit ganz ungeheuerlichem Inhalt". Der Staatss nommen worden ist. tommissar für das hessische Polizeiwesen, der bekannte Bogs Kaufmann, wurde die gesamte Hamburger SA. wegen ans geblicher Disziplinlosigkeit aufgelöst. Mehrere hundert SA.- Leute wurden festgenommen. Die SA. soll neu formiert werden; Aufnahme sollen jedoch nur solche Personen finden, die seit mindestens drei Jahren der Hitlerpartei angehören und seit mindestens fünf Jahren nicht in einer der marristischen Parteien organisiert gewesen sind. Der Stabschef der SA. und SS., Staatssekretär Röhm, hat an die Gruppenführer der SA. die Anweisung ergehen laffen, gemeinsam mit den örtlichen SS.- Führern festzu Auf Anordnung des Reichsstatthalters für Hamburg, stellen, welche SA.- Männer politisch geeignet sind zur Ueber: nahme in die SS.". Die Meldungen sind bis zum 25. Juli vorzulegen. Dieser Erlaß Röhms wird in den Kreisen der Hitlerpartet, vor allem der SA., auf das lebhafteste diskutiert. Man erwartet und man glaubt, sichere Anhaltspunkte dafür zu lismus und deren vorwiegend proletarische Einstellung die haben, daß die gesamten SA.- Formationen, deren RadikaParteileitung seit langem mit kritischem Auge betrachtet, aufgelöst werden, nachdem die linientreuen Elemente in die SS. eingegliedert worden sind. Für die Zukunft jedenfalls wird nur die SS. als Parteitruppe bestehen bleiben. Gegen die rebellierenden Elemente und ihre wilden Aktionen richten sich scharfe Erlasse des preußischen Justiz ministers, In denen es u. a. heißt: Die Staatsanwaltschaften find angewiesen, alle Fälle, die eine Auflehnung gegen den Führer oder eine Sabotage des nationalsozialistischen Aufbaus darstellen, mit größter Energie, Schnelligkeit und Stärke zu bearbeiten. Jeder Versuch einer Sabotage muß mit schärften Maßnahmen, gegen wen immer, geahndet werden. In einem weiteren Erlaß weist der Justizminister darauf hin, daß jeder, der den Anordnungen der natio nalen Regierung zuwiderhandelt oder zu solcher Zuwiderhandlung auffordert oder aureizt, hohe Gefängnis- und Geldstrafe, unter Umständen nach der Verordnung zum Schuße von Volk und Staat Todes: oder Zuchthausstrafe und Vermögenseinziehung zu erwarten habe. Jedem unbefugten Eingriff in die Maßnahmen der Behörden ist mit aller Schärfe entgegenzutreten. Wer unbefugt zu irgendwelchen Festnahmen schreitet, soll wegen Freiheitsberaubung und Amtsan= maßung zur Verantwortung gezogen werden. Wird die Freiheitsberaubung in der Absicht begangen, fich des der Freiheit Beraubten als Geisel im polis tischen Kampf zu bedienen, so fommt 3uchts haus oder unter Umständen Todesstrafe in Be tracht. Die Staatsanwaltschaften find angewiesen, solche Straftaten, soweit angängig, im Einklang mit den Sondergerichten zu behandeln. Diese scharfen Erlasse sind natürlich nicht zum Schuße von Marristen herausgegeben. Die dürfen auch in Zukunft nicht nur persönlich als Geiseln festgehalten werden, sondern auch Frauen und Kindern von Marristen kann auch in Zukunft dieses Schicksal blühen. Die vorstehenden Erlasse sind zum Schuze nationalsozialistischer Führer gegen die SA. gedacht. 14. Juli Frankreich feiert Paris, 14. Juli. Heute vormittag fand die offizielle Zeremonie des französischen Nationalfeiertages, des 14. Julis, durch eine Parade statt, die der Präsident der Republik und die Mitglieder der Regierung im Beisein des diplomatischen Korps auf dem Plaze vor dem Invalidendom entgegennahmen. Anläßlich des Nationalfeiertages haben die offiziellen Gebäude und zahlreiche Privathäuser Flaggenschmuck angelegt. Traditionsgemäß sind auf dem Gebäude des französischen Kriegsministeriums die Fahnen sämtlicher Länder aufgezogen, die durch diplomatische Missionen in Frankreich vertreten sind. Vor der Truppenschau fand die Verleihung von Orden der Ehrenlegion statt. Es folgte der Vorbeimarsch der französischen Truppen, zunächst die Militärschüler des Polytechnikums, die Kadetten von St. Cyr, die Marineschüler, dann Infanterie, Ravallerie und Artillerie sowie Marineinfanterie. In diesem Jahre wurde das militärische Schauspiel noch dadurch ergänzt, daß die Luftarmee an der Parade teilnahm, 90 große Bombenflugzeuge und zehn Jagdflugzeuggeschwader in Staffeln zu fünf kreuzten in 500 Meter Höhe über Paris und über dem Festplay. Im übrigen wird der Tag wie alle Jahre durch Gratisvorstellungen in den staatlichen Theatern und durch Volksbälle unter freiem Himmel an vielen Plätzen. der Stadt gefeiert. Frankreich und Polen Der großjährige Bruder Paris, 15. Juli. Der„ Matin" veröffentlicht einen Artife! über die Selbständigmachung Polens, in dem Polen als ein ruhiges Eiland zwischen den in Wallung befindlichen LänDer Raubstaat Diebstahl am Vermögen politischer Gegner Zurück in Kerker und Konzentrationslager oder Ausburgerung- Neubildung politischer Parteien verboten verboten- Spielbanken Die Reichsregierung setzt ihre Angst- und Rachegesetz. gebung gegen politische Gegner und ihre Parteien fort. gebung gegen politische Gegner und ihre Parteien fort. In der Kabinettssitzung vom Donnerstag wurde ein Gesetz über die Einziehung volts- und staatsfeindlichen Vermögens, ein Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörig= teit verabschiedet. Das Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit sieht vor, daß Einbürgerungen, die in der Zeit zwischen 9. November 1918 und dem 30. Januar 1933 vorgenommen worden sind, widerrufen werden können, falls die Einbürgerung nicht als erwünscht angesehen wird. Durch den Widerruf verlieren außer den Eingebürgerten selbst auch die Personen die deutsche Staatsangehörigkeit, die sie ohne die Einbürgerung des Eingebürgerten nicht erworben hätten, also Frauen und Kinder usw. Außerdem können Reichsangehörige, die sich im Auslande aufhalten, der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt werden, wenn sie durch ihr Verhalten gegen die Pflicht zur Treue gegen Reich und Volk verstoßen und die deutschen Belange schädigen. Das gilt auch für Reichsangehörige, die einer Aufforderung zur Rückkehr nicht Folge leisten, die der Reichsinnenminister unter Hinweis auf diese Vorschrift an sie gerichtet hat. Anhörung der Regierungen der beteiligten Länder trifft. Durch Ausführungsbestimmungen, die noch zu erlassen sind, wird noch Näheres darüber bestimmt, wann eine Einbürgerung als nicht erwünscht anzusehen ist, ferner werden darin die politischen Gruppen bezeichnet werden, die der Billigkeit halber in der Regel von dem Widerruf ausgenommen werden sollen( z. B. Deutsche aus den abgetretenen ehemaligen deutschen Gebieten). Das Gesetz über die Einziehung volfs- und staatsfeindlichen Vermögens sieht vor: Die Vorschriften über die Einziehung fommunistischen Vermögens vom 26. Mai 1933 finden auf Sachen und Rechte der SP D. und ihrer Hilfsorganisationen sowie auf Sachen und Rechte, die zur Förderung marristischen oder anderer, nach Feststellung des Reichsinnenministers volks- oder staatsfeindlichen Bestrebungen gebraucht oder bestimmt sind, Anwendung. Die Entscheidung darüber, was als volks- und staatsfeindliche Bestrebung anzusehen ist, trifft der Reichsminister des Innern. In der Begründung zu diesem Gesetz heißt es, daß es nicht genügt, wenn das sozialdemokratische Vermögen vorübergehend von der Polizei beschlagnahmt wird. Es muß der staatsfeindlichen Verwendung auf die Dauer entzogen werden. Das Reichskabinett verabschiedete ferner ein Gesetz, das die Neubildung von politischen Parteien unter Strafe Bei Nichtbeachtung der Rückkehraufforderung kann auch stellen soll, und ein Gesetz über die Zulassung öffentlicher ihr Vermögen beschlagnahmt werden, und nach Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit als dem Reiche verfallen erklärt werden. Diese Maß= nahmen können auch gegenüber Reichsangehörigen im Saargebiet getroffen werden, die nach dem 30. Januar 1983 ihren Aufenthalt dorthin verlegt haben. Die Entscheidung liegt beim Reichsminister des Innern, der sie im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Auswärtigen nach Spielbanken. Zulassung von Spielbanken ist zunächst nur für Baden- Baden vorgesehen. Die Verwendung der Einnahmen aus dieser Spielbank darf nur zu gemeinnüßigen Zwecken erfolgen. Beschlagnahme anständig erworbener und ersparter Privatvermögen und Raub der Arbeitergroschen in der deutschen Partei auf der einen Seite und die Gründung von Spielbanken auf der andern Seite: da hat man das ganze neue Deutschland. ..Deutsche Front Das Zentrum unter dem Hakenkreuz Folgende Verlautbarung wird veröffentlicht: 99 Am 14. Juli 1988 haben sich folgende Parteien bes Saargebietes zur Deutschen Front" zusammengeschlossen: Deutschnationale Front an der Saar, Deutschfaarlän dische Volkspartei, Deutsche bürgerliche Mitte, National sozialistische Deutsche Arbeiterpartei Saargebiet und Zentrumspartei des Saargebietes. Diese Deutsche Front" hat sich die Aufgabe gestellt, alle Kräfte der Saarbevölkerung für den Endkampf um die Heimführung des Saargebietes ins deutsche Vaterhaus zusammenzuschließen. Im Hinblick auf dieses große Biel find die genannten Parteien einig darin, daß jeder fleinliche Hader, jeder persönliche, berufliche und örtliche 3 wist beendet ist. Jebe Partei behält ihre Selbständigkeit. Die in der Deutschen Front" zusammengeschlossenen Parteien haben keinen größeren Wunsch, als alle deutschen Voltstreise an der Saar für die große nationale Aufgabe, die wir zu lösen haben, Jusammenzuführen. Wer sich zu Deutschland befennt, gehört in unsere Reihen. Wir teilen die deutsche Schicksalsgemeinschaft. Wir wollen heim zum Reich. Es lebe Deutschland! wir fühlen uns verbunden mit den Opfern der braunen Verbrecher in den Folterkellern der Braunen Häuser, in den Gefängnissen und Zuchthäusern und Konzentrations lagern, wir fühlen uns organisatorisch und geistig verbunden mit den Massen des deutschen Arbeitervolkes, bie entrechtet und ausgebeutet als Erwerbslose oder als Schaffende in schwerem Ringen stehen. Nichts haben wir zu tun mit den Politikern und Par teien, die maßlose Verbrechen und Schandtaten verschweigen, beschönigen oder gar verteidigen. Nichts haben wir zu tun mit den Politikern und Parteien, die durch ihre Verlogenheit und Heuchelei den deutschen Namen Unehre G bringen und Deutschland in den letzten Monaten mehr ge schädigt haben, als es die antideutsche Kriegspropaganda in vier Jahren vermochte. Jawohl: es lebe Deutschland! Damit es aber lebe, muß die Barbarei sterben, die das deutsche Volk jetzt korrumpiert und knechtet. Das Arbeitsvolk an der Saar will ein Deutschland der Freiheit und des Rechts. Dafür kämpft es und nicht für das Deutschland des regierenden Klüngels, das unser Auch wir teilen die deutsche Schicksalsgemeinschaft: Baterland und unser Volk ins Verderben führt. Hannes, du bist nicht tot" dern Deutschland und Rußland bezeichnet und im übrigen Einäscherung von Johannes Stelling anerkannt wird, daß die französisch- polnischen Beziehungen sich gegenwärtig abgekühlt hätten. Polen habe eben, so heißt es in dem Artikel, seine Volljährigkeit erreicht, es brauche feinen Vormund mehr. Ein Pole habe die Lage im Gespräch neulich wie folgt gekennzeichnet: Frankreich betrachtet Polen wie die ältere Schwester den jüngeren Bruder, der sich seine erfte Bigarette ansteckt, und vergesse dabei, daß der jüngere Bruder( oder Polen) eben das Alter erreicht habe, um Zigaretten rauchen zu fönnen. In dem Artikel wird dann das Mißfallen der Polen gegenüber dem Viererpaft geschildert und dargelegt, wie Polen nun seinerseits eine Reglung mit seinen Nachbarn versucht habe. Diese Bemühung sei gegen niemand, auch vor allem nicht gegen den Völkerbund gerichtet. * Das Handelsamt in Washington hat angeordnet, daß es feinem Flugzeug gestattet ist, sich in einem Umkreis von einer halben Meile um das italienische Luft: geschwader herumzubewegen, während es auf seinen Wir erhalten aus Berlin noch folgenden Bericht: Die Einäscherung des ermordeten sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Johannes Stelling fand am Dienstag um 5.30 Uhr vom Krematorium in Berlin statt. Als der Sarg mit der Leiche Stellings zur Verbrennung in die Gruft gesenkt wurde, rief jemand von der Galerie: " Hannes, Du bist nicht tot!" Darauf erhoben sich die übrigen zahlreichen Teilnehmer und streckten den rechten Arm mit geballter Faust in die Höhe und riefen: " Freiheit!" Die Polizei schritt nicht ein. Die Zahl der Teilnehmer an der Beerdigung war überaus groß. Die Räume des Kremas toriums und der Zugang waren dicht gefüllt. Die Nachricht von der schändlichen Ermordung des hochans Beamtengehälter gekürzt Die Enttäuschungen nahen Stuttgart, 14. Juli. Das Staatsministerium hat in seiner legten Sigung ein Gesez über zeitweilige er absehung der Gehälter verabschiedet. Es ist darin eine Höchstgrenze für das Ges halt festgesetzt, das den Staatsbeamten der Besoldungsgruppen al, bl und cI bis III nach Abzug der Kürzungsbeträge verbleibt. Diese Höchstgrenze bewegt sich zwischen 12 000 RM.( Minister) und 9300 RM. als Endgehalt der Bes soldungsgruppe al( Ministerialrat). Auch die Versorgungsbezüge der Staatsbeamten werden entsprechend gekürzt. Das Gesez tritt am 1. Oktober 1988 in Kraft. Flügen von Montreal nach Chikago begriffen ist. Der italie gesehenen uns beliebten at langen in ble 70 Tote! nische Geschwaderflug, so heißt es in der Anordnung, soll, während er über dem Gebiet der Vereinigten Staaten vor fich geht, so viel wie möglich geschüßt und erleichtert werden. Der amerikanische Flieger Wijey Post bes absichtigt, in einem Allein- Welt- Rundflug den von den Fliegern Post und Gatty im Jahre 1931 aufgestellten Rekord zu brechen. Der Start foll hente früh 3 Uhr Neuyorfer Seit erfolgen. Die erste Zwischenlandung wird in Berlin statt finden. Das Tankschiff Service of Detroit" ist während der Fahrt in Texas in Brand geraten. Bisher konnten 22 Menschen aus den Flammen gerettet werden. Viele haben schwere Brandwunden erlitten. 10 Personen werden ver mißt. Der Kapitän weigerte sich, die Kommandobrücke des brennenden Schiffes zu verlassen. hördlichen Maßnahmen nur langsam in die Massen durchs gesidert. Um so größer ist jetzt die Erregung. Die Szene im Krematorium ist Stadtgespräch. Drei Todesurteile Vor dem Sondergericht Das heifische Sondergericht verurteilte gestern drei Noms munisten, die angeschuldigt waren, einen SA.- Mann ums gebracht zu haben, zum Tode. In Rom ist am Freitag der Viermächtepakt von den genannten Persönlichkeiten unterzeichnet worden, die ihn am 7. Juni paraphiert haben, nämlich von dem italienis schen Regierungschef und den in Rom beglaubigten Bots schaftern Deutschlands, Englands und Frankreichs, Dampfer- Katastrophe auf der Wolga Mostan, 14. Juli. Auf der Wolga tenterte in der Nähe von Jaroslaw ein kleiner Dampfer mit 250 Aus flüglern und versant. Die Mehrzahl der Passagiere wurde gerettet, doch sind auch zahlreiche Todesopfer zu vers zeichnen. Bisher wurden 70 Leichen geborgen. Als Ursache der Katastrophe wird Ueberlastung des Schiffes angenommen. Die Staatsanwaltschaft der Sowjetunion hat eine sofortige Untersuchung angeordnet; die für die Uebers lastung des Schiffes Verantwortlichen sollen unverzüglich dem Gericht übergeben werden. Di Mitglieder des Obersten Gerichtshofes haben sich nach Jaroslaw begeben. Karl Kautsky: Zur Frage des gewaltsamen Widerstandes Der greise Theoretiker des demokratischen Sozialismus untersucht hier die Ursachen des scheinbar kampflosen Abtretens der soziali: stischen Arbeiter von der politischen Bühne Deutschlands. Diese Frage ist nicht nur partei: politischer Natur. Sie wird allgemein erörtert in allen politisch interessierten Kreisen. Vielfach wird heute behauptet, daß die Arbeitermassen Deutschlands der Diftatur wie gelähmt gegenüberstehen. Die Ursache davon sieht man meist darin, daß sich die Gegner des Faschismus nicht geschlagen haben, sondern tampflos das Feld räumten. Das ist heute eine weitverbreitete Ansicht. Auch Genossen, die der Taktik der deutschen Sozialdemokratie bis vor wenigen Monaten sehr zustimmend gegenüberstanden, befennen jetzt voll Schmerz, daß die Widerstandslosigkeit der deutschen Sozialdemokratie sie aufs tiefste enttäuscht und verletzt habe. Ist diese Verurteilung berechtigt? Ich möchte ihr gegen: über nur zunächst auf einen Umstand hinweisen: Die Verurteilung trifft nicht nur die Sozialdemokratie, sons dern auch die kommunistische Partei, die im Deutschen Reiche weit stärker ist als in anderen Ländern. Sie war zeitweise fast so start wie die Sozialdemokratie ( November vorigen Jahres fast 6 Millionen, unsere Partet etwas über 7 Millionen). Gegenüber solchen Massen geht es nicht an, nach Schuldigen zu suchen, man muß nach den Ursachen forschen: Woher kam es, daß 13 Millionen proletarischer Kämpfer sich entrechten ließen, ohne gewaltsam Widerstand zu leisten? Siege der Gegenrevolutionäre in einem Bürgerkrieg bilden nicht die Einleitung, sondern den Abschluß einer gegenrevolutionären Bewegung. Diese Siege werden vorbereitet durch einen Wechsel in der Haltung großer Massen der Bevölkerung, die ihr Vertrauen zur Revolution verlieren oder gar ihr feindselig gegenübertreten, weil sie durch sie enttäuscht wurden oder fich gefährdet glaubten. So wurden im Laufe des Jahres 1848 in Frankreich und Deutschland viele Bourgeois, Kleinbürger, Bauern gegenrevolutionär, die im Februar und März noch revolutionär gewesen. Erst dieser Gesinnungswechsel machte den Männern der Reaktion Mut, wieder an die Waffen zu appellieren, während sie sich im Februar und März mutlos verkrochen hatten oder davongelaufen waren. Als es im Oktober 1848 in Wien zu einer abermaligen bewaffneten Auseinandersetzung mit der Militärmacht des Kaisers kam, da standen Bürger und Kleinbürger ängstlich und vielfach der Revolution feindlich gegenüber. Nur die Lohnarbeiter und die Studenten traten in den Kampf mit dem Militär, doch auch sie hätten es kaum getan, wenn sie nicht auf die Hilfe der nahenden ungarischen Revolutionäre rechneten. Diese blieb aus und so wurde die Erhebung des Oftober blutig niedergeschlagen. Ganz anders vollzog sich wenige Tage später der Sieg der Gegenrevolution in Berlin. Im März 1848 war die Revolution nirgends in den deutschen Landen so kraftvoll aufgetreten wie in Berlin. Am 18. März hatte sie in Wien fast ohne Stampf mit dem Militär gefiegt. Der Kaiser gab nach, che es zu einem schweren Straßenkampf gekommen war, in Berlin dagegen griffen die Truppen des Königs am 18. März auss schärfste an, es tam zu einem langen, schweren Ringen, in dem die Aufständischen schließlich siegten. Jezzt, zu Ende des Jahres 1848, lag die Sache umgekehrt. In den letzten Tagen( 26. bis 31.) des Oktober hatte es in Wien verzweifelte Kämpfe gegeben, in Berlin dagegen marschierte der General Wrangel an der Spizze von 20000 Mann am 10. November ein, ohne daß auch nur eine Spur von Widerstand sich bemerkbar machte. Die Berliner hatten allerdings keine revolutionären Ungarn in der Nähe und, so sonderbar es klingt, die Situation wurde für Berlin dadurch verschlechtert, daß es intellektuell und ökonomisch höher stand als Wien. Es hatte sich in Berlin eine starke und selbstbewußte Arbeiterbewegung ges bildet, die in Wien fehlte. Die Wiener Arbeiter gingen für die Freiheit in den Tod, sie hatten aber in den Monaten vorher nicht verstanden, sich selbständig zu organisieren. In Berlin spizzte sich der Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat 1848 weit schärfer zu als in Wien, das verminderte aber die Widerstandskraft beider Teile gegenüber dem gemeinsamen Gegner, der Militärdiktatur. Aber man vermeine nicht, daß die kampflose Unters werfung der Berliner die Widerstandskraft der Bevölkes rung mehr gelähmt hätte, als es die Niederwerfung der Wiener nach blutigem Kampfe vermochte. Im Gegenteil. Als sich Anfang der sechziger Jahre die Kräfte der Demofratie in Europa wieder regten, da trat das in Preußen viel früher und energischer zutage als in Oesterreich, trotz der dortigen Aufreizung durch die kläglichen Niederlagen der österreichischen Armeen 1859. In Preußen war selbst während der Gegenrevolution der Landtag erhalten geblieben und von ihm ging 1861 jener Militärkonflikt zwischen Kammer und König aus, der Preußen fast ein parlamentarisches Regime brachte und dessen Bismarck nur mit revoIntionären Mitteln, mit der Einigung Deutschlands auf Grundlage des allgemeinen Wahlrechts, Herr wurde. Wie bescheiden stand damals demgegenüber der österreichische Liberalismus da! Also, ob die Abwehr der Gegenrevolution durch die Nevos lutionäre mehr dramatische oder mehr nüchterne Formen annimmt, das hängt von einer Reihe von Umständen ab, die nicht im Belieben der Revolutionäre liegen. Erhebender für den Beschauer sind die dramatischen Formen, oft auch für die Kämpfer. Aber man täuscht sich, wenn man meint, daß die Niederlage im Bürgerkrieg die revolutionären Massen weniger deprimiert als der Verzicht auf kampfloſe Abwehr ganz abgesehen davon, daß einem Entscheidungskampf auf ungünstigem Terrain auszuweichen noch lange nicht eine Kapitulation bedeutet. We ein solches Ausweichen unter Fortsetzung des Kampfes möglich ist, wird die Widerstandskraft der Kämpfenden dadurch sicher weit weniger herabgedrückt als durch eine zerschmetternde Niederlage. Auf den ersten Blick mag es scheinen, als hätte der„ Beutnant mit den zehn Mann" im Juli 1982 genügt, die deutsche Sozialdemokratie niederzuwerfen. In Wirklichkeit war es der unaufhaltsame Aufstieg nationalsozialistischen Denkens und Fühlens in der Gesamtbevölkerung, was die Kampfkraft des klassens bewußten Proletariats herabdrückte, des kommunistischen ebenso wie des sozialdemokratischen. Es wird gefoltert und gemordet Totenstille in der deutschen Presse ,, Zu Breslau in der Stadt" Breslau, 14. Juli. Die Zustände in Breslau, dem Paradies des Herrn Seines, werden immer schlimmer. Die Folterungen, benen zahllose Berhaftete ausgesetzt werden, um von ihnen Auslagen, insbesondere über Adressen von Genossen, zu ers preffen, spotten jeder Beschreibung. Wer ins Braune Hans, Rendorfstraße 58, geschleppt wird, hat die grauenhaftesten Martern zu bestehen. Die ganze Welt muß gegen diese Hölle alarmiert werden. Am Dienstag, dem 4. Juli, hat sich wieder einer der Ges folterten aus dem 2. Stock des Hauses in der Neudorfstraße heruntergestürzt. Er war sofort tot. Andere enden in der Frrenanstalt. So werden unzählige wertvolle Menschenleben in der furchtbarsten Weise vernichtet. Den Kopf zerschmettert Berlin, 18. Juli. Eine besonders grauenhafte Mordtat der braunen Banden, die sich bereits im April abspielte, wird erst jetzt bekannt. In der Fransedyftraße in Berlin- Weißensee wohnte der 16jährige Arbeiter Kindermann, ein eifriger Kommu nift. Die Nazis hatten ihn besonders aufs Korn genommen. Eines Tages lauerten sie ihm vor seinem Hause auf, als er von der Arbeit zurüdtam. Sie riefen seine Mutter her: bei und in ihrer Gegenwart schlugen sie dann den Jungen mit aller Wucht solange mit dem Kopf gegen den Steinboden, bis der Kopf des Unglücklichen buchstäblich zerschmettert war. Auf dem Totenschein wurde dann angegeben, daß Kinder: mann aus dem Fenster gestürzt sei. „ Immer feste druff" Nazi- Frick vor dem Reichsführerring Vor dem neugebildeten Reichsführerring, der die beson dere Wehrertüchtigung( lies: Kriegshebe!) des deutschen Volkes auf sich nehmen soll, hat Nazi- Frick, der Heimkrieger von Pirmasens und Hochverräter von München, gestern eine Rede gehalten, in der er die Erziehung der Jugend zum„ raufgängertum", zum soldatischen Geifte der Disziplin", der terordnung und des fameradschaftlichen Gemeinschaftsgefühls" forderte. Die ganze Nation wird eine einzige Kaserne und die Erziehung der Soldaten beginnt im Säuglingsalter. Schade, daß man noch nicht eine Erfindung gemacht hat, wonach er gleich mit Stahlhelm, Handgranate, Gasmaste und Brandbombe zur Welt kommt. Er könnte dann doch wenigstens fofort die eigene Mutter umbringen, statt späterhin auf die Mütter, Bräute, Schwestern, Söhne, Brüder und Väter der anderen losgelassen zu werden! Aus deutschen Briefen Haben Euern Brief erhalten und freuen uns, daß Ihr gut angekommen seid.- Hier ist das Wetter noch nicht besser, dafür ist stidige Luft in der Stadt.( Umschreibung für Haussuchung und Terror. D. R.)... Wie es hier in Deutschland aussieht, werdet Ihr im Ausland besser zu wissen friegen, als wir hier. In den Zeitungen schreiben sie ja nur, was wir wissen dürfen, weiter doch nichts. Karl hat einen miserablen Verdienst, es reicht nicht hin und her. Wenn die Woche herum ist, kommt er mit 32 Mt. nach Hause.( Familie der Schreiberin besteht aus vier Personen, Eltern und zwei Kinder.) Wenn das übrige Leben dem Verdienst angepaßt wäre, möchte es ja gehen, aber alles ist so teuer und die Wohnuna vor allen Dingen. Wir zahlen für 1 Zimmer und Wohnküche 45 Mt. Miete. Dazu diese Preise für Butter, Margarine und Schmalz. Gesorgt wird bloß für Mitglieder der NSDAP., die kriegen Posten und werden auf alle Art und Weise unterstützt, jeder Außenstehende muß sehen, wie er fertig wird. Ich bin bloß gespannt, wie lange die Herrlichkeit noch dauern wird... * Ich will Ihnen mitteilen, daß sich die Gemüter scheinbar etwas beruhigt haben, denn so wild wie selbige angefangen, geht es nicht weiter. Entlassungen haben jetzt nicht mehr stattgefunden. Nur eine große Aenderung ist erfolgt. Sch. ( bisheriger Kreisleiter der Nazis) ist ehrenamtlicher Bürgermeister und befommt monatlich 400 RM. Gehalt und 200 R M. Aufwandsentschädigung, also feine Sache( Bonzentum). D. wird jedenfalls hier Landrat werden, auch dieser Herr hat dann erreicht, was er wollte. Die Sache B.( früherer Landrat) ist scheinbar eingeschlafen. Oesterreicher furchtbar mißhandelt Im Konzentrationslager Das christlichsoziale katholische Linzer Wolfsblatt" veröffentlicht folgende aufwühlende Schilderung der Erleb nisse eines Desterreichers in einem deutschen Konzentrationslager. Schärding, 12. Juli. Am 5. Juli ist der 32jährige Bergarbeiter Alois Höbenreich, dessen Familie sich in Kärnten befindet, aus Deutschland in Schärding eingetroffen. Sein schwer mißhandelter Körper legt unwiderlegbar Zeugnis dafür ab, wie SA.- Horden gegen Schußhäftlinge" wüten. Höbenreich war im Mai d. J., da er arbeitslos war und Vater von drei Kindern ist, nach Deutschland gewandert, um dort einen Verdienst zu suchen Er durchreiste ganz Bayern und kam am 16. Juni nach Zwickau in Sachsen, wo ihm eine Arbeit im dortigen Kohlenbergwerf zugesagt wurde, die er am 18. Juni antreten sollte. Am Tage vorher wurde er um halb 3 Uhr nachmittags von der Staatspolizei mit der Begründung verhaftet, daß seine Papiere nicht in Ordnung seien und er ein Spion sei, der ungünstige Nachrichten über den Nationalsozialismus nach Desterreich verbreiten solle. Er wurde noch in der gleichen Nacht dem Konzentrationslager in Zwickau überstellt, wo er in einem unterirdischen Keller eingesperrt wurde. Am folgenden Tag hat er sich wegen seiner Verhaftung beschwert. Hierauf wurde er in einer Einzelzelle des dritten Stockwerks untergebracht. Da er nicht enthaftet wurde, hat er sich in den folgenden Tagen abermals beschwert. Deffentwegen wurde er am 29. Juni wieder in den Keller gebracht, dort auf einen Tisch gelegt und von drei SS. Lenten an Händen und Füßen gehalten, während andere brei SS.- Männer mit dem Gummifnüttel auf seinen Rüden, sein Gefäß und auf seine Arme schlugen. Nach 45 Schlägen fiel er mit dem Tische um. Nun wurde er am Boden festgehalten, ein SS.- Mann trat ihm auf das Genick, damit er sich nicht rühren konnte, während ein anderer, welcher ihm die Hand hielt, mit einem Revolver drohte, daß er sofort niedergeschoffen werde, wenn er nur einen Lant von sich gebe. Am Boden erhielt er noch 90 Schläge mit dem Gummifnüttel. Abgesehen von einer Menge Ohrfeigen, wurde er angespuckt und als österreichisches Schwein be= schimpft. Am 30. Juni d. J. wurde er mit der Verpflichtung entlassen, daß er bis längstens 5. Juli die Grenze über: schritten haben müsse. Vor der Entlassung mußte er noch einen Schein unterschreiben, worin er erklären mußte, daß er fich über das Schußgefängnis in feiner Weise beschweren bzw. beklagen fönne. Am 5. Juli traf nun Höbenreich in Schärding auf österreichischem Boden ein. Er wurde sofort von einem Arzt genauest untersucht und dabei wurde gefunden, daß der ganze Körper unzählige Striemen und eine erschreckliche Anzahl von blutunterlaufenen Stellen, die schon schwarz waren, aufwies. Die peinliche Prüfung Pfarrer und weibliche Mitglieder aus der Zentrumspartei werden in die Fraktionen der NSDAP. nicht übernommen Zwischen den Verbindungsmännern der Zentrumsfraktion und den Führern der nationalsozialistischen Fraktionen, Dr. Frick und Kube, werden noch immer höchst peinliche Verhandlungen über die Frage geführt, wer von den bisherigen Zentrumsabgeordneten als Hospitant übernommen wird. Die Entscheidung haben sich Frick und Kube vorbehalten. Den Unterhändlern des Zentrums bleibt nur übrig, Vorschläge zu machen und zu bitten. Die Nationalsozialisten wünschen, daß sämtliche weibliche Zentrumsmitglieder ihre Man date niederlegen. Im Sinne des Konkordats sollen die geistlichen Mitglieder auf ihre Mandate verzichten. Das trifft u. a. so rührige und bekannte Parlamentarier wie den Landtagsabgeordneten Dr. Lauscher und den Reichstagsabgeordneten Dr. Schreiber. Man glaubt übrigens, daß Reichstag und Preußenparlament in ihrer jezigen neuen Gestalt etwa noch ein Jahr bestehen und arbeiten werden, solange nämlich, bis eine feste Grundlage für die neue be rufsständische Umbildung auch dieser Volksvertretungen vorhanden sein wird. In einem solchen Falle würden, so glaubt man, für Reichstag und Landtag Ernennungen der Mitglieder erfolgen nach den gleichen nationalsozialistisch- berufsständischen Gesichtspunkten, die für den neuen Staatsrat maßgebend waren. Die gestrigen und die fünftigen Parlamentarier haben nichts mehr zu sagen: sie beziehen nur noch Diäten. Von diesem großen Skandal, wie selbiger im Anfang bezeichnet wurde, hört man überhaupt nichts mehr. Eine Veröffentlichung über die vorgefundenen Mißstände, wie selbige immer geschrien haben, hat auch nicht stattgefunden, scheinbar alles nur viel Lärm um nichts.( Unter dem früheren Landrat, einem Bürgerlichen, sollen allerhand Unregelmäßigteiten, so behaupteten im Anfang die Nazis, vorgekommen sein, lauter Postenjägerei.)... * Eine riesige Freude hat es uns gemacht zu wissen, daß Ihr geborgen seid, denn was sich hier in Deutschland abspielt, ist wirklich nicht mehr schön. Während die Zeitungen schreiben von einer Besserung, wird die Arbeitslosigkeit immer größer. Der Geschäftsumsatz wird von Tag zu Tag schlechter. Ich habe jetzt einen Zigarren- und Zigarettenvertrieb engros, also auch für Trommler( 3igarette der Nazis). Aber deswegen umsatteln, niemals! Wie könnt Ihr nur auf einen solchen Gedanken kommen.( Der Schreiber, der längere Zeit nichts von sich hören ließ, wurde dieserhalb angefragt. D. R.) Kennt Ihr mich so schlecht bzw. so wenig? Wer wirklich Sozialdemokrat war, kann niemals Nazi werden.- An Pfingsten waren wir auf der Schneekoppe( Riesengebirge in Schlesien) und auf der böhmischen Seite des Riesengebirges. Es war zu schön und wollte ich nicht mehr zurück nach Deutschland. Wenn wir nicht unseren Primaner hätten ( Sohn des Schreibers), wäre ich bestimmt schon im Ausland. - Stellt Euch vor, hier müssen sich sämtliche Funktionäre alle Abende um 9 Uhr auf der Polizei melden zur Kontrolle. Also wie Schwerverbrecher unter Polizeiaufsicht. Das ist die Freiheit im Dritten Reich. Lieber A., sende mir bitte gelegentlich eine deutsche Zeitung von dort, denn in den hiesigen steht nicht die Wahrheit. Hitler- Rom- Luther Der Traum der einzigen deutschen Nazikirche ausgeträumt Adolf Hitler hat in dem Augenblick die Revolution abgeblasen, wie ein Manöver abgeblasen wird, als sein Stellvertreter Papen mit dem Papst in Rom ein Reichstonkordat abschloß. Diese beiden Meldungen zeigen blihlichtartig, wie die sogenannte geistige Linie in der Nazirevolution funstvoll aufgefangen werden soll. Neben den Revolutionsforderungen auf wirtschaftlichem Gebiet lief eng nebenher die Forderung der Naziführer Schemm, Feder, Rosenberg, Kube, Reventlow und Hitler auf eine einzige deutsche Kirche. In den vertrauten Kreisen der Hitlerpartei war der Gedanke, daß nur dann das Dritte Reich Bestand haben würde, wenn nur eine religiöse Glaubensgemeinschaft in Deutschland bestünde. Adolf Hitler kommt aus dem Kreis der Anti- RomBewegung, die vor dem Krieg in Desterreich weite katholische Gruppen erfaßt hatte. Der Schrittmacher bzw. der geistige Vorbereiter dieser Bewegung war der volkstümliche" atti= semitische Bürgermeister Lueger. Der geistige Tenor in dieser religiös- politischen Strömung war der Gedanke, daß Rom schuld sei an der politischen Zerfahrenheit des Staates. Und das, was ursprünglich Luther in Deutschland durchführen wollte, was aber durch das Konzil zu Augsburg durchkreuzt worden sei, eine einzige große deutsche Glaubenskirche, das war der Leitgedanke der Anti- RomBewegung im Vorfriegs- Wien. Kenner der intimen Vorgänge der Hitlerbewegung in ihren ersten Jahren wissen davon zu berichten, daß erst nach mancherlei Rämpfen dies, religiöse" Biel vorläufig aus dem öffentlichen Programm verschwand. Aber niemals hat die Hitlerei darauf verzichtet. Während des agitatorischen Aufbaus der Partei konnte man tausendmal, aber immer nur in protestantischen Gegenden, hören, daß Rom noch schlimmer sei als der Jude. In den katholischen Bezirken aber war die " Tarnung" in dieser Frage wohlweislich durchgeführt. Die protestantischen Nazipfarrer hatten und führten die Aufgabe durch, die Stellungen ihrer Kirche sturmreif" au machen, für den Augenblick der Errichtung des Dritten Reiches. Mit Hilfe der Gruppe" Deutsche Christen" waren die vielen Spielarten der lutherischen und protestantischen Stirche rasch unterworfen. Die fatholische Kirche hoffte man auf dem Umweg der Zerschlagung des politischen Zentrums und seiner Kulturorganisationen, durch großangelegte Diffamierung der katholischen Geistlichkeit und mit einer alles mitreißenden Agitation in die neue, einzige Kirche des Dritten Reiches einzuschmelzen. Adolf Hitler aber und seine Neu- Reformatoren hatten nicht mit der Kraft und Klugheit Roms gerechnet. Welche Druckmittel zur Anwendung famen, welche Kämpfe zwischen dem Vatikan und dem Tritten Reiche sich in diesen Wochen abspielten, kann man vorläufig nur ahnen. Aber eines ist sicher, daß in dem Augenblick, als die Schergen Adolf Hitlers fatholische Geistliche in Massen verhafteten und schändeten, dieser Kämpfer für eine einzige deutsche Kirche von Rom gezwungen wurde, ein Reichskonkordat unter schweren Opfern abzuschließen. Der Traum einer Zerschlagung und Vernichtung der fatholischen Kirche ist vorläufig Schaum. Durch das Konkordat wurden die Nazi gezwungen, alle Maßnahmen gegen die Kirche und ihre Träger sofort rückgängig zu machen. Der Traum einer einzigen deutschen Nazifirche ist ausgeträumt; genau so wie über kurz oder lang der Traum des ewigen Dritten Reiches ausgeträumt sein wird. E.- Mel. Der verwandelte Tietz Noch ziert sich die Nazipresse ein wenig In der Hauptversammlung der Leonhard Tiet A. G. Köln wurde mitgeteilt, daß im laufenden Jahre ein Umsagrückgang von 30 v. H. zu verzeichnen ist. Bankier Andreae( Hardy u. Co.) wies für die Verwaltung darauf hin, daß das Unternehmen sich auf den Warenhausbetrieb beschränkt und nur in wenigen Ausnahmefällen selbst fabriziert habe. Alle Gebäude seien vor der Inflationszeit errichtet, also später erhebliche Kosten erfpart. Der Status sei immer befriedigend gewesen. Die früher von Aktionärseite vorgeworfene Thesaurierungspolitik habe der Vorbereitung auf schlechte Zeiten gedient. Nun weise die Bilanz feine allzu starte hypothe= tarische Belastung auf. Man hoffe bei den Dollaranleihen nach der Valutaentwertung auf geringere Zinsbelastung und später auch auf Kapitalvorteile aus der Dollarentwertung. Der Dividendeausfall sei zwar insofern unbefriedigend; aber es seien erhöhte Abschreibungen vorgenommen und auch voll verdient worden. Die jezige Situation der Warenhäuser müsse man mit großer Sorge betrachten. Das Unternehmen habe in der letzten Zeit unter der Boykottbewegung außerordentlich schwer zu leiden gehabt. Man dürfe nicht vergessen, daß die Warenhäuser in der Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft eine wesentliche Rolle spielen, nicht nur durch Dividendezahlungen, sondern durch Leistungen für die gesamte Boltswirtschaft: große und geschlossene Abnahme bei den Fabrikanten, Pflege des Absatzes standardisierter Waren der Landwirtschaft. In den Warenhäusern sei ein Volfsvermögen von etwa einer Milliarde investiert. Der vollkommene Abbau der Warenhäuser würde dieses riesige Kapital gefährden. Man habe deshalb die Erklärungen der Reichsregierung über eine pflegliche Behandlung der großen Wirtschafts- Unternehmungen mit Genugtuung aufgenommen. Um den ver änderten Verhältnissen Rechnung zu tragen, habe man einschneidende Aenderungen in der Verwaltung vorgenommen. Eine Reihe von Herren habe ihre Posten in Vorstand und AR. niedergelegt, um das Unternehmen zu erhalten und ihm eine neue Chance zu geben. Dr. Baier, der neue Vorsitzende des Vorstandes, erklärte, daß man die veränderten Verhältnisse auch nach außen hin dokumentieren wolle. Die Neubesetzung der Organe der Gesellschaft bedeute mehr als nur einen Wechsel von Personen. Man wolle die bestehenden Spannungen zwischen Groß- und Kleinbetrieben des Einzelhandels nach Möglichkeit mildern und ein ausgewogeneres Verhältnis im Kampf um den Kunden herstellen. Man hoffe, daß durch den neuen Erlaß des Stellvertreters des Reichskanzlers in der Parteiführung auch der bisherige Kundenkreis, der fich in der letzten Zeit zurückgehalten habe, wieder den Weg zum Kaufhaus zurückfinden werde. Im laufenden Geschäftsjahr sei durch die besonderen Verhältnisse bis einschließlich Ultimo Juni ein Umfahrückgang von 80 Prozent 3 Der zeichnen. Es sei schwierig, auf der Spefenſeite etwa den Ausgleich zu finden; man hoffe jedoch, infolge besonderer Maßnahmen und bei einer Besserung der Lage diesen Ausgleich zu finden und für das laufende Geschäftsjahr einen Abschluß vorlegen zu können, der die Zustimmung der Aktionäre finden werde. Bilanz und Entlastung wurden einstimmig genehmigt, ebenso die Aenderung des Namens der Gesellschaft in Westdeutsche Kaufhof AG. vorm. Leonhard Tiez AG. In den AR. wurden hierauf gewählt. Präfident Abraham Frowein in Wuppertal, Björnsen: Schaar in Berlin als Vertreter der NSDAP. und Alfred Leonhard Tieg in Köln. Dir. Reinhart( Commerzbank, Berlin), dessen Zuwahl ebenfalls versprochen war, hat gebeten, von seiner Wahl in den AR. Abstand zu nehmen, sich jedoch bereiterklärt, im Finanzausschuß der Gesellschaft weiter mitzuarbeiten. Trotzdem also ein offizieller Beauftragter der NSDAP nun im Vorstand von Tietz oder wie es jetzt heißt ,,, We st deutscher Kaufhof AG." ist, winkt die Nazipresse noch verschämt ab. Der„ Westdeutsche Beobachter" in Köln meint, solange den Nationalsozialisten verboten sei, für Warenhäuser zu werben, könne ein nationalsozialistisches Blatt keine Anzeigen für ein Warenhaus aufnehmen. Aber nur Geduld! Auch das wird sich noch geben, sobald nationalsozialistische Kapitalisten am Gewinn der halbjüdischen Warenhäuser beteiligt sind, werden sich allmäh. lich auch die nationalsozialistischen Zeitungen den Inseraten der Warenhäuser nicht mehr verschließen. Der Mittelstand aber hat das Nachsehen. Feuerbestattung gleichSie merken aber auch alles ,, Katholisch- kommunistische Kulturgemeinschaft" geschaltet Darmstadt, 14. Juli. Der bayrische Kultusminister Schemm erklärte auf dem hessischen Erziehertag, seinem scharfen Auge entginge nichts und so habe er eben erst eine Geheim organisation ausheben lassen, die bereits Stempel mit der Aufschrift Katholisch fommunistische Kulturgemeinschaft" sich hatte anfertigen lassen. Der blühenden Phantasie des Kultusministers ist es anscheinend entgangen, daß dieser Stempel direkt vom Großrabbiner der Weisen von Zion entworfen und- pfui! in einem Epa- Geschäft für 50 Pfennig zum Schaden des deutschen Mittelstandes geschnitten worden ist. Da Schemm seine Zuhörer gern mit gruseligen Sachen unterhält, fündigt er so ganz nebenbei an, beim früheren bayrischen Innenminister Schwener habe er einen vollständigen, wie von einem Generalstäbler bis ins Einzelne ausgearbeiteten Kriegsplan gegen den Nationalsozialismus gefunden“. Holland weist aus! Der deutsche Gauleiter für die nationalsozialistische Bewegung in Limburg mit Namen Theodor Thyffer ist von der holländischen Regierung ausgewiesen worden, weil deffen Aftionen eine Störung der Ruhe der öffentlichen Ordnung mit sich gebracht haben. Die bürgerlichen Feuerbestattungsvereine in Deutschland haben sich schon vor einiger Zeit gleichschalten lassen. Dem Deutschen Verband für Feuerbestattung, dem alle Vereine ' angehörten, wurden nun auch die proletarischen Vereine angeschlossen. So nebenbei hat den bürgerlichen Vereinen sicher der Gedanke vorgeschwebt, diesen proletarischen Vereinen. die ihnen über den Kopf wuchsen, eins am Zeug zu flicken. Zählte doch der Volksfeuerbestattungsverein in Leipaig mehr als 500 000 Mitglieder und der Verband der deut schen Freidenfer für Feuerbestattung ebenso viele Mitglieder. Durch die Gleichschaltung fonnten nur die bürgerlichen Vereine gewinnen, da sie sich durch die staatlichen Gewaltmittel eine unliebjame Ronkurrenz vom Halse schafften und durch die Aufsaugung des Vermögens der proletarischen Vereine ihre Kassen füllten. Die Leiter der proletarischen Verbände wurden entfernt und an deren Stelle Staatskommissare gesetzt, die den Anschluß an den Verband zu vollziehen hatten. Im Zuge dieser Reform wurden auch aus den bürgerlichen Vereinen Männer, die sich um die Feuerbestattungsbewegung verdient gemacht haben, entfernt, weil sie Juden sind. Die verschiedenen Zeitungen wurden in ein Zentral. blatt für Feuerbestattung" umgewandelt. Die Nazi- Agenten Ihr Auto wurde beschlagnahmt Wir berichteten gestern, daß reichsdentsche Nationals sozialisten die Zeitungsverkäufer der Deutschen Freiheit" in den Straßen Saarbrückens photogra phierten. Sie wurden verhaftet, ihr Auto, mit dem sie gekommen waren, beschlagnahmt. Zur Beschlagnahme des reichsdeutschen Kraftwagens IA 14 723 in Saarbrücken hören wir noch, daß die festgenommenen Insassen sich als Bildberichterstatter des Berliner gleichgeschalteten Ulsteinverlages auswiesen. Sie erklärten bei ihrer Vernehmung, wie vorauszusehen war, daß sie die Bilder lediglich im Rahmen einer allgemeinen Reportage gemacht hätten! Während die Insassen des Kraftwagens nach ihrer Vernehmung wieder auf freten Fuß gesetzt wurden, ist die Beschlagnahme des Kraftwagens bis zur Stunde noch nicht aufgehoben worden. Die Bilder sind inzwischen entwickelt und der Regierungsfommission zur Veranlassung des weiteren vorgelegt worden. Es steht fest, daß auch Bilder gemacht worden sind, die niemals zur Veröffentlichung in einer reichsdeutschen Zeitung bestimmt gewesen sein können und deren Zweckbestimmung eine andere gewesen sein muß. So fann es sich bei der Aufnahme des Verkäufers der Deutschen Freiheit" niemals um eine Veröffentlichungsabsicht gehandelt haben! Die Photographen haben übrigens angegeben, ihre Reise über Süddeutschland- Straßburg nach dem Saargebiet gemacht zu haben. Die Vermutung liegt nahe, daß sie auch im Elsaß unter dem Deckmantel des Bildreporters Bilder für den deutschen Geheimdienst zur Verfolgung politischer Flüchtlinge gemacht haben. Die Saarbrüder Polizei hat die Personalien der beiden Verhafteten festgestellt. Der eine ist ein gewisser Wehner, geboren in Petersburg und jetzt staatenlos. Er gibt an, Mitglied des nationalsozialistischen Kraftfahrerforps zu sein. Der zweite heißt Birnbach und ist gleichfalls Nationalsozialist. Man fand bei beiden u. a. Bilder von den Auslagen der Buchhandlung der Volks. stimme", von Leuten, die sich vor dem Laden der„ Volksstimme" angesammelt hatten, ferner Fotografien von der französischen Bergwerksdirektion, der französischen Schule und dem Regierungsgebäude. Ferner wurden ihnen die Bilder abgenommen, die die Zeitungsverkäufer der " Deutschen Freiheit" festhalten. Das Auto ist nach wie vor beschlagnahmt. Volljude Rothermere Nazis frohlocken über jüdisches Lob Die gesamte deutsche Preffe druckt mit inniger Befriedi gung einen Artikel des englischen extremen Nationalisten Lord Rothermere aus der„ Daily Mail" ab. Dieser Mann, dessen Greuelpropaganda gegen Deutschland die Deutschen zu einem wesentlichen Teil den Krieg mitverlieren ließ, hält aus rein faschistischen Gründen ein Lob der Hitlerei für zweckmäßig. Die Nazipresse verschweigt ihren Lejern nur eins: daß dieser englische" Lord ein Vollblutjude ist. Feiern, Feste, Feiern, Feste, Fackelzug Das nächste: Deutsches Ernte- Dankfest Wie der Preußische Pressedienst der NSDAP. meldet, soll am 1. Oktober in allen Gauen ähnlich der Feier des 1. Mai ein großes deutsches Erntedankfest durchgeführt werden. Das deutsche Bauerutum, das nunmehr in seiner amtlichen wie beruflichen Verwaltung unter einheitliche Führung ge= stellt ist, werde an diesem Tage nicht nur ein machtvolles Be fenntnis zum neuen Reich ablegen, sondern auch seine Bes deutung als Voltsernährer vor aller Augen führen... Nachrichtenhunger Starke Nachfrage nach ausländischen und illegalen Zeitungen Berlin, 14. Juli. Eine aufsehenerregende Verhaftung hat die Deffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht, wie stark verbreitet heimlich gedruckte oder hektographierte fommunistische Zeitungen in Berlin sind: Es wurden nämlich zwei Nazikolporteure, die offiziell mit dem„ Angriff" handelten, im Bersolcher illegaler Seitungen verbreiteten. liner Wedding verhaftet, weil sie außerdem erhebliche Mengen Strammstchen! Wenn die SA. grölt Der SA.- Sturmführer Teusch, der zum Sonderkoms missar für Stadt und Kreis Wittlich ernannt wurde, verlangt in einer Verfügung Achtung vor den natios nalsozialistischen Symbolen und Liedern „ Es gibt noch immer Leute, die nicht wissen, welche Achtung fie den Sturmfahnen und dem Horst- Wessels und dem Kampflied der SA., den Trägern der nationalsozialistischen Revolution, zu bezeugen haben. Sie vergessen, daß es ihre Pflicht und Schuldigkeit ist, den Hut zu ziehen, wenn die SA.- Sturmfahnen an ihnen vorüberziehen und das Horst Wessel- Lied erflingt. In Zukunft werde ich richtslos der artigen Achtungsverlegungen an Ort und Stelle zu begegs nen wiffen." Das heißt, wer nicht pariert, wird an Ort und Stef verhauen. Dann schreit er natürlich mit Begeisterung: Heil Hitler! Der„ Germania" gefällt der Erlaß des Teusch so gut, daß sie ihn auf einer Seite zweimal abdruckt. das Land der Freien und Frommen. Den Abonnementsbetrag für Einzelabonnenten zuzüglich der Portospesen für den laufenden Monat werden wir jeweils am Anfang des Liefermonats, dem Wunsche der meisten Leser entsprechend, durch Nachnahme erheben. Wir bitten, diese bei Vorzeigen sofort einzulösen, um unnütze Unkosten zu ersparen Verlag ,, Deutsche Freiheit" Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der Deutschen Freiheit" Deutsche Bühne in Braun Das Ende der freien Volksbühnenbewegung im Reiche Das deutsche Theaterwesen ist jetzt endgültig unter die braune Walze gekommen. Die Theaterkunft, die von den lebendigen Kontrasten der Menschen lebt, die unendlich vielseitig das Schicksal abspiegelt in der Fülle und der Buntheit der Wirklichkeit und des Traums: in Hitlerdeutschland find menschliche Konflitte, Liebe und Trauer, Sehnsucht und Erlösung. der höheren Ordnung des„ totalen Staates" unterstellt. Der Reichsleiter der Deutschen Bühnen, Dr. Walter Stang, ordnet an: Es besteht Veranlassung, auf die Anordnung des stellvertretenden Führers der NSDAP., Rudolf Heß, vom 11. April 1933 hinzuweisen, nach der der vom Kampfbund für deutsche Kultur gegründete Reichsverband Deutsche Bühne als einzige Theaterbesucherorganisation für die NSDAP, anerkannt wird. In diesem Zusammen hang wird auch daran erinnert, daß der Reichsleiter des Kampfbundes für deutsche Kultur, Pg. Alfred Rosenberg, am gleichen Tage angeordnet hatte, daß die nächste Aufgabe des Reichsverbandes sei,„ die vorhandenen Besucherorganisationen nach einheitlichen Richtlinien zusammenzufassen und durch unablässige Werbung dem deutschen Theater neue Freunde in allen Volksschichten zu gewinnen". Alles ist organisiert, jeder hat seinen Posten... Es gibt 15 Landesleitungen mit eigenen Geschäftsstellen, in die die ganze Vielheit und Vielseitigkeit der Theaterverbände mit Swangsgewalt eingefügt werden... Die Volksbühne nimmt Abschied Der außerordentliche Voltsbühnentag, der im Preußischen Landtag zusammentrat, hat einstimmig die Ueberleitung des Bühnenvoltaverbandes, der Gesamtorganisation der Deutschen Voltsbühne, in den Reichsverband Deutsche Bühne beschlossen. Der bisherige Verbandsvorsitzende, Unterstaatssekretär Baate, gab, so berichtet die Sitler- Presse, in feiner Ab schlußrede einen Ueberblick über die Voltsbühnenbewegung von ihren Anfängen vor 43 Jahren in Berlin über bie Beiten, da der Verband 500 000 Mitglieder umfaßte, bis zu dem Augenblick, da der Durchbruch der nationalsozialistischen Bewegung und des totalen Staates eine einheitliche, allumfassende Organisation der deutschen Theaterbesucher her: beiführte. Der Redner gab der Zuversicht Ausdruck, daß die tragende Idee der Boltsbühne:„ Die Kunft dem Volke", in der Bewegung der Deutschen" Bühne" ihre Vollendung finden und damit das Ziel erfüllt werde, das sich die Volks bühne gesteckt habe. Der Generalsekretär des Verbandes, Albert Brobbed, berichtete, daß zu Ostern in der Boltsbühnenbewegung noch 500 000 Mitglieder in 244 Ber einen zusammengeschlossen waren, und daß sich die Ueberz leitung in die Deutsche Bühne überall reibungslos und in angenehmen Formen vollzogen habe. Anläßlich der Uebers leitung fonnte eine reelle Geschäftsführung und ein durchaus geordnetes Kaffenwesen, das für die folide Arbeit der Verantwortlichen spreche, festgestellt werden. Nach Abschluß der Tagung, die rasch zu dem entscheidenden Auflösungsbeschluß fam, dankte der Reichsorganisas tionsleiter Karl August Walther im Auftrage des Reichsleiters der Deutschen Bühne, Dr. Walter Stang, den leitenden Herren des Voltsbühnenverbandes, insbeson dere dem Generalsekretär Brodbeck, für die loyale Durch führung der schwierigen Ueberführungsarbeiten. Er sicherte den Teilnehmern der Bersammlung zu, daß die gesunde Jdee der Deutschen Boltsbühne nicht nur erhalten bleiben, sondern in der von der nationalsozialistischen Bewegung ins Leben gerufenen Organisation sich erst recht zu voller Blüte entfalten werde... Wir zweifeln daran. Der Hakenkreuz- Ungeist, im tiefften unproduktiv, ist außerstande, die Idee der Volksbühne zu erhalten. Die Volksbühne, die mit dem Aufstieg des deutschen Theaters in den vergangenen vierzig Jahren untrennbar verbunden ist, ihre Arbeit, die Hunderttausende dem Verständnis und dem Interesse für die Bühne zuführte da= von wird unter den groben und unverständigen Fingern der neuen Machthaber nur noch eine schöne Erinnerung übrig bleiben. Welche Rolle die bisherigen Führer der „ Volksbühne“ bei dieser Ueberführung ins braune Lager gespielt haben, das ist bis zur Stunde undurchsichtig geblieben, weil man auf die Nachrichten der gleichgeschalteten Presse angewiesen ist. Die Freie Volksbühne in Saarbrüden ist nicht gleichgeschaltet. Sie besteht. nach wie vor weiter und behält alle ihre bisherigen Tätigkeitsgebiete. Auch der Volksverband der Bücherfreunde Wie die Pressestelle des Reichsverbandes„ Deutsche Bühne" mitteilt, hat der Volksverband der Bücherfreunde seine gesamte Theaterorganisation der„ Deutschen Bühne" zur Verfügung gestellt. Sämtliche Zweigstellen, über die der Volksverband in Berlin verfügt, werden zugleich als Anmelde- und Zahlstellen der Deutschen Bühne“ eingerichtet. Auch in anderen Städten des Reiches ( Hamburg, Breslau usw.) wird es zu einer Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bühne" und dem„ Volksverband der Bücherfreunde" kommen. Volkskanzler, hei! Das Lied des SA.- Proleten Dieses Gedicht, geschrieben für die„ Deutsche treuen Proletenherzen und sollten ein klein Freiheit", erreicht uns aus einem belgischen Grenzort. Sein Verfasser, ein Arbeiter, schreibt uns dazu:„ Ich sende beiligend einige Knüppelverse. Ob Ihr sie brauchen könnt, weiß ich nicht. Jedenfalls kommen sie aus einem Das Gedicht dieses Tapfere"" autet: Volkskanzler, hei! Dir sind wir ewig treu. Wir wissen ja, daß Du es bist, Der uns herausführt aus dem Wi Drum schwören wir aufs Neu, Dir jeden Tag die Treu. Boltskanzler, bei! Noch sind wir Dir getreu. Wir glauben noch an Deine& Die Freiheit bringt und Arbei Die Zweifeler, bet Gott, Die schlagen wir gleich tot. Volkskanzler, hei! Sag an, was das denn sei. Gar plötzlich weht ein andrer Wind, Sag an, was das für Sachen sind? Zu End die Revolution? Wo bleibt denn unser Lohn! Volkskanzler, hei! ' s ist alles alt wie neu. Es fizen ja, Pozz Tod und Dred Die alten Maden fest im Spec. Troß hunderttausend Reichen Regieren noch die Reichen. wenig die Dinge zeichnen, wie ich sie fommen sehe. Ich bin eifriger Leser der„ Deutschen Freiheit", fann mir sie leider nur Sonntags kaufen, denn wenn man acht hungrige Mäuler stopfen muß, reicht es nicht weiter." Boltskanzler, hei! Verfluchte Schweineret. Sind wir gefolgt Dir Mann für Mann Für einen tollen, leeren Wahn? Was machen unsere Führer, Die Brand-, die Hezeschürer? Volksgenoffen, hei! Die sind jetzt schon dabei, Mit flinker Hand und heißen Köpfen Für sich das Fette abzuschöpfen.Derweil wir armen Luder, Erschlagen unsern Bruder. Bolkskanzler, hei! Mit Deiner Kumpanei Beizeiten mögt die Koffer paden. Bevor die S. euch faßt beim Die ihr ganz frech belogen Und ganz gemein betrogen. Boltskanzler, hei! Dein Spiel ist bald vorbei. Das Bolf reckt die verkrampften Glieder, Hat endlich seine Freiheit wieder. SA. marschiert im gleichen Tritt mierten roten Reiche mit. Ereignisse und Geschichten Man wird mit seinem schlechten Gewissen leichter fertig als mit seinem schlechten Rufe. Friedrich Nietzsche ( Die fröhliche Wissenschaft", Buch I.) Stahl- Kirche Christen! Christen sind das! „ Es hat unsrer evangelischen Kirche der Stahl im Blut gefehlt, es hat ihr gefehlt der Geist eines Gustav Adolf. Wir brauchen innerhalb der evangelischen Kirche etwas von der inneren Verbindung zwischen wehrhaftem Staat und wehrhafter Kirche, wie sie zu Zeiten Gustav Adolfs be= standen hat. Eine Kirche, die sich so unsicher und schwach fühlt, daß sie bei Neugestaltung ihrer Form durch den Staat um die Wortverkündigung bangen muß, zeigt damit ihren Mangel an Gottvertrauen, denn Gott der Herr ist und bleibt stärfer als der Staat und würde den Staat zu zertrümmern wissen, der seiner Wortverkündigung sich entgegenstellt." Diese Zeilen entstammen einem Aufsatz des protestantischen Nazi- Kirchenkommissars Landrat Dr. Krummacher, veröffentlicht am 10. Juli im Stadtanzeiger" zur„ Kölnischen Zeitung". Ein Liter Blut, ein Meter Stahl, ein Stück Gustav Adolf- das ist die Kirche, mit der Gott der Herr" ist. Dieser Krummacher kann es nicht erwarten, bis bieder protestantische Heere des Schwedenkönigs sengend und brennend durchs Land ziehen. In Dortmund sprach Pg. Prinz August Wilhelm auf dem Westfalen- Treffen u. a.:„ Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, so schien mir früher Kultur eine Selbstverständlichkeit. Was in jeßiger Zeit begriffen werden muß, ist dies: geleiten kann sie die Kultur, nicht leiten. Das Leiten geht von einer anderen Kraft aus, von unserem großen Führer, den Gott, der Herr, uns geschenkt hat." Karl der Kühne Jetzt bekommt er seinen Lohn Der Direktor der psychiatischen Klinik in Heidelberg, Professor Karl Willmanns, ist vom Statthalter beurlaubt worden. Willmanns, ein Deutschnationaler, hat ror einiger Zeit in einer Vorlesung über Geisteskrankheiten erklärt, Hitler, der damals noch nicht Reichskanzler war, zeige alle typischen Merkmale eines pathologischen Hysterifers. Nach den Wahlen vom 5. 3. 1933 wurde Willmanns verhaftet. Als erschwerender Umstand gilt, daß der Professor in seiner Vorlesung voraussagte, Hitler werde im Irrenhaus enden... Durch ein Mißverständnis.. In einer Leipziger Zeitung las man folgende Todesanzeige: Statt jeder besonderen Anzeige Alfred Elfer geboren 26. September 1886, gestorben 19. April 1938. Durch ein Mißverständnis wurde mir mein Mann entrissen. Um stilles Beileid bittet Martha Lotte Elfer geb. Weinert, nebst Angehörigen. Das Mißverständnis bestand darin, daß Alfred Elfer für ein Jude gehalten wurde. Deshalb wurde er umgebracht, nur weil sein Gesicht jüdisch aussah. Wenn er wirklich ein Jude gewesen wäre, dann wäre es kein Mißverständnis gewesen. Und Deutschland will doch noch als Rechtsstaat gelten. Mehr noch: als Kulturstaat. Es ist ein Mißverständnis. Talentprobe für Präfekten „ Mussolini läßt sich täglich die Liste der Geburten vorlegen und macht die Präfekten dafür verantwortlich, wenn zu wenig Geburten gemeldet werden." ( Else Frobenius in der„ Deutschen Allgemeinen Zeitung", 9. Juli.) Was man sich zuflüstert Es wird vorgeschlagen, analog dem Reichsbeamten- und Anwaltsgefeß folgende Reglung für das Dirnenwesen zu treffen: Beruflich tätig sein dürfen nur noch folgende Dirnen: 1. diejenigen, die rein arisch sind im Sinne der beamten rechtlichen Bestimmungen; 2. diejenigen, die das Gewerbe seit 1914 ausgeübt haben; 3. diejenigen, deren Mütter im Kriege gefallen sind. Hitler besucht die Marinemanöver in Kiel. Als er mit einer fleinen Barkasse zum Panzerkreuzer B fährt, fällt er infolge eigener Unvorsichtigkeit ins Wasser. Er wird gerettet. Nach seinem Retter fragend, wird ihm mitgeteilt, daß ein gewisser Markus Kohn ihn aus dem Wasser gezogen habe. Kohn wird dem Volkskanaler vorgestellt. Hitler ergeht sich in allgemeinen Bemerkungen, daß er prinzipiell feinen Unterschied zwischen Rassen und Konfessionen mache. Schließlich fragt er den Kohn, welchen Wunsch er ihm erfüllen fönne. Markus Kohn:„ Herr Hitler, ich habe eine Bitte. Erzählen's niemand weiter, bringen ses nicht in die Zeitung. Meine Glaubensgenossen schlagen mich sonst tot." DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Jedinik ofine Zivilisation Wir haben uns mit dem Fehlen einer einleuchtenden Erklärung für die verblüffende und erschreckende Tatsache ab= gefunden, daß der Primitive den Entwicklungsgrund" von Jahrtausenden innerhalb weniger Jahrzehnte oder Jahre zu überspringen vermag. Aber wir stoßen auch sonst bei den„ Wilden", und zwar bei solchen, die noch taum mit der Zivilisation in Berührung traten, auf die Tatsache, daß sie Dinge wissen, die sie von Rechts wegen gar nicht wissen dürften. Hierbei handelt es sich um Wissen auf den verschiedensten Gebieten. Es gibt Menschen= Es gibt Menschen fresser auf den Salomonen, die Schädeltrepanationen in einer Weise durchführen, die einem modernen Chirurgen Ehre machen. Von anderen Disziplinen der Medizin nicht zu sprechen, die sich allzusehr dem noch ungeklärten Gebiet der Suggestion und damit verdächtig der Magie nähern. Polynesier machten, bevor sie unter der Zivilisation diese Fähigkeit verloren, ohne Kompaß und Karten. zielsichere Fahrten über die ganze Weite des Pazifiks, die tein europäischer Seemann fertigbrächte. Lange, ehe Kolumbus den Sprung über den Graben des Atlantiks wagte, hatten die Polynesier die ganze Weite des Pazi= fits durchsegelt, dieser ungeheuren Wasserwüste, in der die winzigen Inselwolten so weltverloren liegen, daß Magalhaes auf seiner Weltumseglung diese größte Wasserfläche der Erde von Ost nach West durchfuhr, bevor er an ihrem Ende bei den Ladronen auf Land stieß. Woher diese Fähigkeit? Aber lassen wir diese Beispiele, die manchem zu weit hergeholt erscheinen mögen, und greifen wir ein ganz unverdächtiges heraus, aus dem Gebiet der technischen 3ivilisation. Hält man starr an dem intellektuellen Entwicklungsgedanken fest, so müßten alle Waffen, Werkzeuge und Geräte der Primitiven von den unsrigen durch eine abgrundtiefe luft getrennt sein. Das ist aber nicht der Fall. Ich greife ein Beispiel heraus, das mich am stärksten beeindruckt: die Jagd- und Kriegswaffen der australischen Eingeborenen. Als wir das erstemal mit solchen Australiern zusammentrafen, war es für mich eines der stärksten Erlebnisse, sie mittels des Wumerah, des„ Speerwerfers", ihre Speere zu schleudern und ihre Bumerangs werfen zu sehen. Man ist bei den Eingeborenen ja an überragende Kraft und Geschicklichkeitsleistungen gewöhnt, allein die Ueberraschung lag nicht so sehr in der Kraft und Geschicklichkeit, als vielmehr in der verblüffenden Wirkungskraft dieser Waffen. In ihrer geradezu genialen Konstruktion. Der„ Speerwerfer" ist ein Hebelstock, mit Hilfe dessen sich ein Speer wesentlich weiter und sicherer werfen Erfindungen der Wilden läßt als mit der freien Hand. Ich habe eine ähnliche Konstruktion, die immerhin einige Kenntnisse in den Gesetzen der Mechanik erfordert, noch bei keinem anderen Volk getroffen! Ist nun der„ Speerwerfer" bereits erstaunlich, so ist der Bumerang geradezu verblüffend. Wie ein Geschoß surrt er aus der Hand des Werfenden, trifft den Vogel im Flug und, fehlt er sein Ziel, so kehrt er gehorsam, wie ein gut dressierter Hund, in die Hand des Sch" ben zurück. Es ist einer der überraschendsten Anblicke, die man erleben kann: den Bumerang in der Luft schwirren zu sehen, so hoch und weit, daß man ihn fast aus den Augen verliert, und ihn dann plötzlich zurückkehren zu sehen. Uebrigens heißt es da aufpassen; denn selbst der zurückkehrende Bumerang hat noch so viel lebendige Kraft, daß er böse Verlegungen anrichten kann. Die eingeborenen Läufer bleiben ruhig stehen und parieren den heransurrenden Bumerang mit einem winzigen Holzschild, mit dem sie im Stampf feindliche Speere und Bumerangs auf zufangen pflegen. Ueberlegt man einmal, welche Summe mathematisch physikalischen Wissens für die richtige Herstellung eines Bumerangs erforderlich ist, so kommt Herstellung eines Bumerangs erforderlich ist, so kommt man aus dem Staunen nicht heraus... Der Speerwerfer und der Bumerang Nun soll nicht behauptet werden, daß die australischen Ur. einwohner die mathematischen und physikalischen Gesetze, die die verzwickte Flugbahn des Bumerangs bestimmen, beherrschen und ihn demgemäß herstellen. Selbstverständlich haben sie weder von Mathematik noch von Physik die geringste Ahnung. Aber deshalb bleibt es nicht weniger erstaunlich, wieso und wodurch diese primitiven Menschen auf die Konstruktion einer so komplizierten Waffe tamen. Natürlich kann man sich mit der Idee des Instinkts helfen. Man kann sagen, sie fanden zufällig eine Wurzel, die gerade die Krümmung des Bumerangs hatte, und die Tatsache, daß diese Wurzel beim Werfen zu rückkehrt, führte zu der Herstellung dieser Waffe. Man kann auch sagen, daß die Anpassung an die naturgegebenen Verhältnisse, in diesem Falle an die Armut Australiens an Rohstoffen und Hilfsmitteln jeder Art, diese Waffe erfinden ließ. In solch armseligem Kontinent ist der Bumerang die richtige Jagdwaffe. Hier kann man keine Waffe brauchen, die Munition erfordert, weil Ersatz verschossener Munition nicht leicht beschaffbar ist. Pfeile gehen auch bei größter Sorgfalt dem Schüßen verloren oder zerbrechen. Da ist eine Waffe, die in die hand des Schüßen zurückkehrt, die beste. Colin Roß. Der Kampf mit dem Drachen Von Hedwig Erck Hier also sollte ich nun monatelang, vielleicht sogar Jahre, wohnen. Eben war die biedere Frau Vanek mit dem ersten Mietzins aus dem Zimmerchen gerollt, das von nun an meins war. Gerollt? Ja, Frau Vanek gleicht einer Kugel, einem Wollknäuel; so rund ist sie und so weich- wollig in ihrem ewigen Strickkleid. Und dies ist nun mein Zimmerchen. Von den vielen, die ich mir vorher angesehen habe, noch das erträglichste. Fast teine gehäkelten Deckchen, keine Heiligenbilder in Buntdruck, keine verschossenen Portieren und verblichenen Seidengardinen, eine einzige Base mit Papierblumen, nur -wie soll ich das beschreiben? also furz: ein Porzellanschweinchen gibt es noch, auf den Hinterfüßen stehend, mit einem rosa Ballettröckchen angetan. Das muß weg! Vorsichtig hebe ich es vom Wandbrett herunter, stellte es auf die Plüschtischdecke. Meine Finger sind staubig. Ich werde es nachher gleich Frau Vanek sagen, daß sie das Tier entfernt... Doch Frau Vanet ist noch zu Hause, wie ich gehe. Und am Abend steht mein Schweinchen, sorgfältig abgestaubt, wieder auf seinem Ehrenplay. Am nächsten Tag dasselbe Spiel. Nur daß Frau Vanek mich jetzt schon etwas ungnädig anschaut. Jeden Tag abstauben, das ist doch wohl nicht nötig," meint sie und bevor ich bescheiden meine Bitte um Entfernung des Untieres äußern fann, ist sie wieder hinausgerollt. Und wie das so geht... ich weiß nicht, ob andere„ möblierte Damen" auch im Laufe der Jahre so feige geworden sind wie ich, aber ich kann nun mal Zimmervermieterinnen gegenüber keine Bitten mehr äußern, wenn sie das erstemal ungnädig geworden sind... ich beschließe, eine andere Taftik anzuwenden. Aus den Augen muß das Porzellanvieh, das mir immer furchtbarer in seiner rosaroten Rundlichkeit vorkommt. Bevor ich morgens das Zimmer verlasse, verschwindet es ganz hinten in einer Nische hinter dem Ofen. Hoffentlich fragt Frau Banek nicht, wo es geblieben ist. Nein, Frau Banet fragt nicht. Sie braucht nicht zu fragen. Am Abend steht mein Schweinchen wieder lustig tansend oben auf dem Wandbrett. Nun beginnt ein täglicher Kleinfrieg, ein gegenseitiges berlisten. Aber ich muß gestehen: Frau Vanek ist mir entchieden überlegen, obwohl meine Verstecke jeden Tag raf inierter ausgewählt werden, obwohl ich mich nicht scheue, das Porzellanvieh schließlich sogar in jenem stillen Dertchhen unterzubringen, von dem man im allgemeinen nicht spricht und noch weniger schreibt. Frau Vanek braucht diesmal zwei Tage, um ihren Liebling wiederzufinden und ihn triumphierend wieder auf seinen Ehrenplass zu stellen.„ Lassen Sie doch die Spielerei mit der Nippesfigur," sagt sie mit leichtem Groll, ich finde sie ja doch immer wieder." Verflucht sei meine Feigheit, die mich nun nicht den günstigen Augenblick wahrnehmen und Frau Vanek das Geständnis machen läßt, daß dieses Schweinebiest allmählich anfängt, mir das sonst so gemütliche Zimmerchen verhaẞt zu machen! Verflucht sei meine Feigheit, die mich zehn Minuten später verführt, dieses rosarote Porzellanvieh mit aller Wucht auf den Boden zu schleudern, daß es in tausend nein, tausend Stücke waren es nicht. Es fällt auf den Teppich, bricht sich nur zwei Beine, das Genick und verliert einige Ecken seines Ballettröckchens... Aber hin ist es doch! " Mir ist leider etwas Peinliches passiert, liebe Fratt Banet," melde ich kurz darauf mit scheinheiligem Gesicht in der Küche,„ mit dem, mit dem" " Mit dem Schweinchen?" unterbricht mich rau Vanet drohend über die Kaffeetasse hinweg, und wie ich tief= traurig nice, da nein, da schimpft sie nicht, da macht sie teine Vorwürfe, sondern... sondern vergießt dicke, ehrliche Tränen.„ Ich habe es ja immer schon geahnt," seufzt sie wehmütig, der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht." Und wie ich reuevoll den Vorschlag mache, ihr den Schaden reichlich zu ersetzen, da fließen die Tränen noch dicker und zahlreicher in die große Kaffeetasse.„ Das können Sie nie erseßen, Fräulein," sagt sie topfschüttelnd,„ niemand kann das! Das Schwein war eine Erinnerung an meinen Seligen. Vor sechsunddreißig Jahren, auf der Kirmes, wo ich ihn kennen gelernt habe, da hat er es beim Preisschießen gewonnen, mein seliger Jaroslav... ja!" Die Tränen werden zum Bach. Heimlich schleiche ich mich von der Stätte des Verbrechens. Heimlich schleiche ich auch am Abend wieder in mein Zimmerchen zurück. Jetzt der guten Frau Vanek noch unter die Augen zu treten, wage ich nicht. Und doch... ich bin froh, daß das Vieh tot ist. Vorsichtig knipse ich das Licht an, werfe einen schuld- bewußt- schadenfrohen Blick auf das Wandbrett, das nunmehr leer- nein! Nicht leer! Um Gottes willen da steht ja mein Ballettschweinchen wieder, sorgfältig zusammengefittet, mit frisch angemaltem rosarotem Röckchen und grinst mich hämisch an! Es war stärker als ich. Und wenn mich heute Freunde besuchen kommen und sich über das„ grauenvolle Dingsda" lustig machen, dann bin ich still, ganz still... Wer geschlagen ist, soll den Mund halten. Im Park Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum Still und verklärt wie im Traum. Das war des Nachts elf Uhr zwei. Und dann kam ich um vier Morgens wieder vorbei, Und da träumte noch immer das Tier. Nun schlich ich mich leise ich atmete kaum Gegen den Wind an den Baum, Und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips. Und da war es aus Gips. Joachim Ringelna. Englands Skullermeister in fiödfister Gefafir Von wütenden Schwänen angegriffen- In letzter Minute gerettet Dennis Guye, der bekannte Sportmann und englische Stullermeister, trainierte neulich in der Nähe von Henley auf der Themse für die demnächst stattfindende Regatta. Er hatte gerade einen Probespurt beendet und befand sich knapp zwanzig Meter vor dem Ziel, als plötzlich zwei majestätische Schwäne, in deren Kielwasser ein halbes Duzend puzzige Rüfen dahinsegelten, seine Bahn freuzten. Bevor der Ruderer auch nur Anstalten treffen konnte, einen Zusammenstoß zu vermeiden, stürzten sich die beiden Altschwäne mit ausgebreiteten Schwingen und unter wütendem Zischen auf sein Boot und auf ihn selbst und setzten ihren Angriff so lange fort, bis das leichte Boot gekentert war und nun fieloben weitertrieb. Dennis Guye blieb nun nichts anderes übrig, als sich schwimmend ans Land zu retten. So leicht sollte der„ Frevler" den empörten Schwaneneltern jedoch nicht entkommen. Sie setzten auch jetzt noch ihre Attacken fort und hieben wie wild mit ihren Schnäbeln auf ihn ein. Auch Tauchen und Unterwasserschwimmen half ihm nicht viel, denn kaum erschien sein Kopf wieder an der Oberfläche, da stürzten sich die beiden Schwäne auch schon wieder auf ihn. Erst ein Bootsmann, der den Kampf vom Ufer aus beobachtet hatte, fam ihm dann zu Hilfe und befreite ihn aus seiner gefährlichen Lage. Durch das viele Unterwassertauchen war der Sportsmann tatsächlich der Erschöpfung wahe. Siebenmal Hocfizeit Eine Familie, die viel Geld haben muß Freunde und Verwandte der Familie Ali Beys werden nicht sonderlich erfreut gewesen sein, als sie jüngst die Vermählungsanzeige Alis erhielten. Er zeigte darin nämlich nicht nur seine eigene Trauung mit der Witwe Hatife an, sondern gleichzeitig auch die Eheschließung von dreien seiner Kinder, die auf denselben Tag angesetzt war. Und nicht genug mit dem; Frau Hatife ihrerseits gab bekannt, daß an dem Tag, an dem sie ihre Hand dem Witwer Ali reichen wolle, drei ihrer Kinder in den heiligen Stand der Ehe treten würden. So wird also an einem einzigen Tag siebenmal Hochzeit gefeiert, was, denkt man an die vorge schriebenen Geschenke, bei diesen schlechten Zeiten wahrhaft eine schwere Belastung für die der Familie Ali Bey- Hatife Nahestehenden ist. Humor Die Mundart fann zu unangenehmen Mißverständnissen führen. Im Frühling 1919 zogen preußische Truppen in Bayern ein, um die Räteregierung abzusetzen da geschah es in Dachau, daß ein Bauer einen Offizier anschnauzte: Lassen S'Eahna hoamgeigen!" Man brachte den Bauer vor das preußische Kriegsgericht. Der Verteidiger des Bauern aber, nicht faul, beantragte Zuziehung eines ortskundigen Sachverständigen, des Schullehrers- der sollte die inkriminierte Redensart deuten. Der Schullehrer erklärte: „ Lassen S'Eahna hvamgeigen- damit stellte der Beschuldigte dem Kläger anheim, sich auf seinem Rückweg von den Musikanten ein Liedchen auf der Violine vorspielen zu lassen." „ Ganz liebenswürdiges Ansinnen," sagten die Richter und die Sache war abgetan. Reingefallen Ein Ehemann, der eifrig die Rennen besuchte, träumt des Nachts sehr lebhaft und ruft dabei wiederholte Male im Schlafe:„ Emma, Emma!" Seine Frau stellte ihn deswegen früh zur Rede, er sagt aber ruhig:„ Ach ja, das ist ja das Pferd, das beim Rennen die große Quote gewonnen hat!" Nach einiger Zeit trifft er, von einer kurzen Reise zurückgekehrt, seine Frau tiefverstimmt an. Auf seine Frage erhält er die vielsagende Antwort: Das Pferd hat gea schrieben!" Das Wochenende Die Treue der Freunde schätzt man nicht genügend. Lily, ohne Nachrichten von ihrem Manne, lebte in Todesangst um ihn. Er hatte sich unter dem Vorwand einer nicht näher bezeichneten, aber unumgänglichen Verabredung am Freitagnachmittag entfernt, und nun war es Dienstag, ohne daß man etwas von ihm wußte. Da schickte die in Tränen aufgelöste Gattin all seinen Freunden in der Umgebung die gleiche Depesche:„ Hat Paul das Wochenende bei euch verbracht?" Sie verschickte zwölf gleichlautende Telegramme und erhielt am selben Abend zwölf Antwortdepeschen, die alle das eine Wort enthielten: Ja." DEUTSCHE ZUKUNFT KULTURPOLITISCHE BEILAGE ZUR DEUTSCHEN FREIHEIT BLICK ÜBER ZEITFRAGEN UND BÜCHER Sozialismus und Freiheitsidee Gedanken zur Klärung Manche denken gering über das Werk der Jdeen in Kriegsoder Revolutionszeiten. Sie haben die Sprengkraft des Bewußtseins noch immer nicht begriffen, obwohl der Sieg der Fanatiker des falschen Bewußtseins über die Apparate fie hätte belehren können. Gewiß beseelt uns alle das eine antifaschistische Ziel, das Staatszuchthaus der gleichgeschalteten Bestialität zu sprengen. Gewiß verblassen ideologische Erörterungen vor dem Ende der Gemordeten, dem Schrei der Gemarterten, dem Sklavendasein der Gefangenen, der Hoffnungslosigkeit der Flüchtlinge. Aber nicht das stete Anstarren eines graufigen Seins, nur seine Umsetzung in ein neues Bewußtsein wird es schließlich verändern und meistern fönnen. Daß der Faschismus ökonomisch gesehen eine der Grundformen des untergehenden Kapitalismus ist das hat der deutsche Ueberfaschismus jedem Sehenden bestätigt. Es ist hierbei fast gleich, ob er als verschärfte fapitalistische Ausbeutung oder als pseudosozialistisches Experiment in Erscheinung tritt. Diktatur des Monopolkapitals und„ Bolsche= wismus" der absinkenden Kleinbürgermassen sind zwei Ausdrucksformen der unheilbar gewordenen Krise, des kapis talistischen Verfalls. Wie aber steht es um das ideologische Prunkgewand des Faschismus, um seinen Antiliberalismus? Durch diesen will er ja eine neue Weltepoche heraufführen. Nun, auch dieser Antiliberalismus ist nur ein elender Fezzen zur Verdeckung der Verfallserscheinungen. Er ist eine Mischung reaktionär- feudalistisch- militaristischer Jdeologie mit der pseudosozialistischen Mystit, die als Symptom der Aleinbürger- Psychose auftritt. Mit dem klassischen, gefunden Kapitalismus verfällt auch der bürgerliche Liberalismus. Er löst sich in neufeudalistische und pseudosozialistische Saltung auf. Dieselbe Krankheit kann in zwei verschiedenen Symptomen sich äußern: darauf läuft die ganze berühmte Synthese des Nationalismus und des Sozialismus im Faschismus heraus. Für den Neubau unserer revolutionären Jdeologie aber ergibt sich als Reaktion auf die antiliberalistische Ideologie des Faschismus eine Haltung, die eine gewisse Spannung, eine Art Paradoxie in sich trägt. Gegen den entarteten " Sozialismus" heißt es das Erbe des ehemals bürgerlichen Freiheitsdenkens aufrecht erhalten. Gegenüber der neufeudalistischen Diftatur aber heißt es die Fahne der sozialistischen Diftatur aufpflanzen. Nur durch diese fann jene überwunden werden. Eine nur noch in revolutionärer Gestalt mögliche deutsche Sozialdemokratie wird schärfer„ libe: ralistisch" und zugleich schärfer„ antidemokratisch" sein müssen. Es entspricht dies der Situation, in der die Diktatur der Stlavenhalter nur durch die Diktatur der revolutionären Freiheitskämpfer überwunden werden kann. Die Untrennbarkeit des Sozialismus und der Freiheitsidee ist uns zu neuem tragischen Erlebnis geworden. Nur fehr unvollkommen drückt das abgenützte Wort Liberalismus diese Freiheitsidee aus. Aber der Liberalismus der Menschenrechte lebt, wenn der des Manchestertums längst gestorben ist. Der hysterische Intelligenzler der Nazis Dr. Göbbels hat die Auslöschung des Jahres 1789 aus der Weltgeschichte als Ziel seiner Revolution verkündet. Wir nehmen diese Formel für einen Glaubenskrieg im Weltmaßstab auf. Der antifreiheitliche, autoritäre, preußische Sozialismus“ war von jeher die Lieblingserfindung des verlogenen und aivilisationsfeindlichen deutschen Akademikertums. Er ist Schwindel und hat sich im Nazierperiment endgültig als der ideologische Ueberbau eines Kollektiv- Sadismus entlarvt. Jeder, der Sozialismus und Menschenrechte, Sozialismus und Freiheit des Individuums trennen will, bereitet geistig den Faschismus vor. Es gibt feinen Sozialismus, der die Idee der Wohlfahrt und Würde des einzelnen einem follettivistischen Moloch opfern, der seine geistige Selbständigkeit burch einen universalistischen Mythos auslöschen will. Und der marristische Sozialismus wurde geboren, als westeuropäisches Denten sich mit der deutschen Philosophie vermählte. Der Sozialismus bleibt nach dem Westen nach dessen Ideen der Freiheit und des Fortschritts hin orientiert und nach dem Busammenbruch der deutschen„ Mitte" mehr denn je. Der bürgerliche Liberalismus, der noch in den westlichen Demokratien lebt und die Ehre seiner Tradition mehr, als man erwarten konnte, aufrecht erhalten hat, wird seine Verbundenheit mit dem Sozialismus auf Gedeih und Verderb erkennen müssen. Der Sozialismus ohne Freiheitsgedanken ist richtungslos, die Freiheitsidee ohne Sozialismus iſt wirkungslos so fönnte man ein befanntes Wort Mar Adlers abwandeln. Unterschieden aber, von den unveränderlich zu bewahrenden Zielsetzungen der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ist die Wahl der Mittel, die zur Verwirklichung des Sozialismus anzusetzen find. Die deutsche Gegenrevolution von 1988 hat gegen die politische Technit entschieden, die sich dem fozialistischen Teil mit den Mitteln der Demokratie annähern wollte, Gewiß ist das demokratische Prinzip nicht für seine schwächliche Handhabung, für den mangelnden Mut, seine Von Marius Alter Regel durch den diktatorischen Ausnahmefall kraftvoll zu seinen Gunsten zu bestätigen, verantwortlich zu machen. Hat aber die Geschichte einmal gegen die Demokratie entschieden, so kann der staatliche Zustand, der die gegenrevolutionäre Diktatur ablöst, natürlich nur mit revolutionären Mitteln geschaffen und mit diktatorischen Mitteln behauptet werden. Klar ist es dabei, daß sich eine sozialistische Dittatur in ganz anderen Diktaturformen abspielen müßte wie der Faschismus. Sie ist auch keineswegs an die Formen gebunden, in denen der russische Kommunismus sich verwirklicht hat. Dieser hat gerade, indem er die Mittel dogmatisch zu Zielen verfestigte, an der Schaffung eines antifreiheitlichen kollektivistischen Mythos in der Arbeiterschaft mitgewirkt. Er hat den Boden verlassen, auf dem sozialistische Diktatur und proletarische Demokratie ihre innere Zusammengehörigkeit entfalten können. Gerade die scharfe Scheidung zwischen freiheitlicher Ziel setzung und diktatorischen Mitteln kann hier klärend wirken. Denn kein politisches System ist weltgeschichtlich nach den für Sieg und Behauptung angewandten Mitteln allein zu bes urteilen. Auch indem wir augenblicklich unter die Räder der Weltgeschichte gefommen sind, müssen wir diesen Gesichtspunkt dem Hitlerterrorismus gegenüber festhalten. Zielsehungen und ihre Verwirklichung entscheiden über den weltgeschichtlichen Wert politischer Systeme. Und da glauben wir, daß allerdings zwischen der totalen Ziellosigkeit des deutschen Faschismus und der teuflichen Feigheit seiner Folterungsmethoden der engste innere Zusammenhang obwaltet. Zu neuen Ufern! Also: ,, Aussprechen, was ist!" Die Jugend, die durch die Schule der sozialistischen Ora ganisationen Deutschlands gegangen ist, ist begreiflicher weise von vielen Fragen um Bergangenes und Künfs tiges bewegt. Eine solche Stimme stellt dieser Aufsatz dar: Er ist voller Anklage und Rebellion, bemüht sich aber um den Blick nach einer neuen Front. Die Redaktion der„ Deutschen Zukunft". Um die Gründe, wieso die Vergewaltigung der deutschen Arbeiterbewegung möglich war, bis in ihre letzten Wurzeln zu untersuchen, ist jetzt nicht die Zeit. Das mag den Historifern des Sozialismus in politisch ruhigeren Zeiten vorbehalten bleiben. Um die zu einer Neuorientierung der sozialistischen Front notwendigen Energien auszulösen, genügt die Feststellung der Tatsache. Aussprechen was tst" oder wie es geworden ist, soweit es zur Gewinnung neuer Erkenntnisse notwendig Insoweit sie antiquierte politische Auffassungen in ihrer Unist, gehört aber dazu, wenn man etwas Neues schaffen will. brauchbarkeit für die Zukunft nachweist, wirkt auch Kritik positiv. Festzustellen haben wir, daß die politische Strategie der Sozialdemokratie von der falschen theoretischen Grundlage des Reformismus ausging. Es soll hier nicht der Versuch gemacht werden, den alten Richtungsstreit in der Arbeiterbewegung wieder aufzuwärmen; die Epoche der Vorbereitung revolutionärer Aktionen läßt wenig Ranm zu theorethischen Diskussionen. Noch dazu die Geschichte bereits entschieden hat: der Reformismus hat sich vor dem Urteil der Geschichte nicht be= währt. Eine Feststellung, die unangenehm, aber deshalb nicht überflüssig ist. Um die Jahrhundertwende mochte der Reformismus einen scheinbar hohen Grad der Wahrscheinlichfeit haben, heute wird sich wohl niemand mehr zu dem Satz des Heidelberger Parteiprogramms und so werden die Formen des proletarischen Klassenkampfes immer milder" bekennen. Um neue Wege zu finden, werden wir unsere bisherige Theorie des Reformismus einer Revision unterziehen müssen. Das wird eine für die sozialistische Gesamtentwicklung überaus wichtige Aufgabe der aus den innerdeutschen Kämpfen zwangsweise ausgeschalteten Emigration sein. Diese Revision darf nicht nur Schönheitsreparatur, nur Modernisierung sein. Auch in der Politik gilt. daß Ladenhüter, auch renoviert, Ladenhüter bleiben. Reformismus bleibt auch mit aktivistischem Vorzeichen Reformismus. Der Erneuerung der theoretischen Grundlage muß eine Erneuerung der Führerschaft parallel laufen. Die These, daß der Führertyp in einem funktionalen 3usammenhang zur Theorie steht, darf sicher nicht generalisiert werden. Aber eine Bewegung, von deren theoretischer Warte sich der Weg zum Sozialismus als eine breite Straße an= ficht, auf der es wohl noch Hindernisse zu beseitigen, aber feine Barrikaden mehr zu erstürmen gibt, die ihr Augenmerk vorwiegend auf die Konservierung des Erreichten, zu wenig auf das noch zu Erreichende gerichtet hat, eine der= artige Bewegung wird in ihrem Führerstab eine überwiegende Anzahl Menschen von der Mentalität bürokratischer Verwaltungsbeamter haben, die im Schacher politischer Kompromisse häufig genug große Zielsetzungen aus dem Auge verloren, weniger Politiker, mehr politische Geschäftsleute waren. Diese Führerschaft mußte im Augenblick, in dem das Schwergewicht des Klassenfampfes von dem Parkett des Parlaments auf den Asphalt der Straße verlagert wurde, versagen. Dasselbe gilt auch für die Führergarnitur der KPD., deren bürokratische Formelträmer sich damit begnügten, für jedes politische Ereignis die entsprechende" Resolution zu finden, jedes Ereignis in dem Karthotelfasten ihrer auf Vorrat angefertigten Refolutionen zu rubrizieren. Diese neue Führerschaft wird sich in Deutschland selbst heranahilden müffen. So wie die Sibirienerfahrung erst den Führertyp der russischen Oktober- Revolution ent scheidend geformt hat, wird die Konzentrationslager= erfahrung Wesensmerkmal des sozialistischen Führers der Zukunft sein. Also Theorie und Führerschaft bedürfen der Erneuerung. Diese Erkenntnis muß zum Allgemeingut der Partei merden, vor allem aber muß diese Erkenntnis möglichst schnell in die Tat umgewertet werden. Sicher ist die primäre Frage die Unterminierung des Faschismus. Aber das darf nicht dazu führen, daß wir uns in der Negation der faschistischen Zustände erschöpfen und die Klärung des Posttiven, das wir an ihre Stelle feßen wollen, bis auf den Tag der Machtergreifung verschieben. Der Tag der Machtübernahme wird Taten, aber feine Diskussionen verlangen. Restlose Klarheit muß vor allem über die Frage der fünftigen Staatsform herrschen. Demokratie oder proletarische Diftatur? Gang davon abgesehen, daß der Gedanke der Demokratie derart diskreditiert ist, daß selbst im Augenblick der Enttäuschung über den Faschismus die Massen dafür mobilisiert werden können, würde die Demokratie einer proletarischen Staatsmacht Hindernis sein. Wenn der Faschismus nach seinem revolutionären Sturz von einem demokratischen Staatsgebilde abgelöst würde, würde damit dem Bürgertum die Möglichkeit gegeben, sich in neuen Parteien zu formieren und damit die Keimzellen einer Gegenrevolution zu schaffen. " Demokratischen Sozialismus“ im Sinne einer autoritären Demokratie in der Frage der Staatsform als„ Demokratie nur für Demokraten" ge= wissermaßen als Diftatur der Demokraten zu werten, ist zumindest sehr gefährlich. Wenn man die Zubilligung demofratischer Rechte von dem Bekenntnis zur Demokratie abhängig macht, werden auch die konterrevolutionären Elemente, wie wir es bereits einmal erlebten, sich vorübergehend auf den Boden der Tatsachen" stellen und die Demofratie zum Schein anerkennen. Bekanntlich proklamierte der Stahlhelm" bei seiner Gründung: politisch steht der Bund auf demokratischer Grundlage", um später seine wahre Zielsetzung zu zeigen: die demokratisch- republikanische Staatsform zu beseitigen und an ihre Stelle die natio= nale Diftatur zu setzen". Die Zusicherung demokratischer Rechte darf nicht an die politische Gesinnung- eine moralische Kategorie, die un fontrollierbar ist sondern darf nur an die soziale Existenz gebunden sein. Also Dittatur des Proletariats. Damit verleugnen wir nicht unsere endgültige Zielsetung des demokratischen Sozialismus, die aber erst nach Liquis dierung der Klaffengegensätze möglich ist. Der Gedanke einer antifaschistischen Einheitsfront unter Einbeziehung der liberalen bürgerlichen Sträfte, nach dem Borbild der antifaschistischen Konzentration Italiens mag in der Agitation gegen den Faschismus zweckmäßig sein, er darf nicht zur politischen Basis des zu gestaltenden sozialistischen Staates werden. Dagegen ist die Einheit des Proletariats unbedingte Vorausseßung einer proletarischen Diktatur. Wenn schon eine Diktatur des Proletariats in einem Lande wie Deutschland auf wesentlich größere Schwierigkeiten stoßen wird wie in Rußland, so ist sie völlig unmöglich, angesichts einer in sich zerrissenen proletarischen Front. Ganz abgesehen von der geringen Neigung der sozialdemokra tischen Parteiführung mußte die Einheitsfront illusorisch bleiben, folange die KPD. ihre Politik aus der Perspektive ruffischer Notwendigkeiten betrieb und durch die schematische Uebertragung sowjetrussischer Parolen der deutschen Wirflichkeit nicht gerecht wurde. Heute hat das Problem der proLetarischen Einheit ganz andere Perspektiven als vor dem 5. März. Die historisch gewordenen Gegensäge zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten können nicht verwischt, sondern müssen ausgekämpft werden. Eine Verschmelzung beider Parteien hätte die Problematik nur in das Innere des neuen Parteigebildes verlagert. Von einer der beiden Parteien Unterwerfung zu erwarten, war Utopie, also blieb nur die Möglichkeit politischen Burgfriedens und einheitlicher Aktionen in der Abwehr des Faschismus nach dem Grundsatz: getrennt marschieren, vereint schlagen. Heute sieht das Problem der proletarischen Einheit so aus: die entmachtete Arbeiterschaft, deren Organisationen - gleich ob sozialdemokratische oder kommunistischezerstört find, muß sich eine neue Organisation aufbauen, die Heimat des Gesamtproletariats wird. Dieses Wert wird derjenigen sozialistischen Richtung gelingen, die mit dem Klarsten Programm anfmarschiert. Hinzu kommt, daß man nicht mit mathematischer Gewißheit vorhersagen kann, wie lange die Volfsstimmung für den Faschismus vorhält, wie lange noch die SA.,„ Salvation Army", Heilsarmee eines franken Volkes ist. Diese Segierung hat es fertig gebracht, Deutschland in wenigen Wochen in der Welt zu isolieren. Wie lange wird es noch dauern, bis sie sich selbst in Deutschland isoliert hat? Sicher fann der Faschismus, gestüßt auf seine Exekutivorgane, auch eine unter Umständen lange Zeit gegen die Volksstimmung regieren. Aber das Rad der Geschichte läuft schneller als in früheren Jahrzehnten. Vielleicht wird uns das Volk schon bald nach dem Positiven fragen, nach dem Bauplan unseres Staates. He. Kü. Land der sieben Gendarmen Aber auf zehn Einwohner eine Aktien- Gesellschaft/ Das Paradies der Kapitalf.üchtlinge Vaduz, 10. Juli. Drunten im Rheintal, knapp hingebaut an die Hänge des Schloßberges der eigentliche Ort, an den höher gelegenen, baumbestandenen Lagen neue prächtige Landhäuser, über dem Ganzen das trußige Schloß das ist Vaduz, die " Hauptstadt" des kleinen Fürstentums Liechtenstein, der letzten deutschsprachigen Monarchie. Die Liechtensteiner Untertanen müssen freilich in der Regel ohne Landesvater auskommen. Der Fürst kommt nur wenig ins Land, das fürstliche Absteigquartier, wie das liechtensteinische Telefonverzeichnis die Gelegenheitsunterkunft des liechtensteinischen Regenten nennt, steht meistens leer und die Liechtensteiner behelfen sich, mehr recht als schlecht, ohne Landesvater. Ein Regierungschef leitet die Staatsgeschäfte und ein fünfzehngliedriger Landtag lenkt die Geschicke des kleinen Landes, das auf 157 Quadratkilometer etwas über 10 000 Einwohner zählt. Sieben Gendarmen in der Uniform der österreichischen Gendarmerie sorgen dafür, daß die Ordnung und Ruhe im Lande nicht gestört werde. Daß die sieben Landjäger" manchmal nicht verhindern können, daß doch etwas Programmwidriges geschieht, beweist der Ueberfall auf die Gebrüder Rotter in der liechtensteinischen Sommerfrische Gaflei. Das Land Liechtenstein besitzt vor allem zwei Merkwürdig keiten: unheimlich viele Advokaten und rund tausend Aktiengesellschaften. Auf zehn Einwohner eine Aktiengesellschaft, auf hundert Liechtensteiner zwei oder drei Rechtsanwälte. Dabei sind die Liechtensteiner ein friedliebendes Völklein, das mit dem liechtensteinischen Landgericht nicht viel zu tun hat. Und trotz der tausend Aktiengesellschaften sind nur fünf Prozent der Bevölkerung in der Industrie beschäftigt. Die Sache wird sofort weniger rätselhaft, wenn man erfährt, daß die vielen Aktiengesellschaften nur ein Schein dasein führen, im Fürstentum nicht einen einzigen Arbeiter beschäftigen, bloß ihren„ Siz" in Liechtenstein, und als Vertreter irgendwo in einem der dreizehn Orte des Landes einen Rechtsanwalt sizen haben. Und die Ursache der Vorliebe der ausländischen Kapitalisten für Liechtenstein? Der liechtensteinische Landtag die Abgeordneten sind durchweg Bür gerliche beschloß im Februar 1926, daß ausländische Unternehmungen, sofern sie sich in das liechtensteinische Firmenregister eintragen lassen, in Liechtenstein ein Büro und einen Vertreter etablieren, weitestgehende Steuererleichterungen genießen. Das ließen sich die kapitalistischen Patrioten in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz, Frankreich, Spanien, England und Amerika nicht zweimal sagen. Zahlreiche Unternehmungen verlegten ihren Siz nach Liechtenstein, allwo man bloß ein Prozent Einkommensteuer und dreiviertel Promille Vermögenssteuer zu bezahlen hat. Wenn man will! Man kann sich nämlich die Steuer auch pauschalieren lassen- und dann zahlt man noch weniger. Wobei man, wenn man es wünscht, den Pauschalbetrag auf dreißig Jahre festlegen fann. Eine Unternehmung, die nicht pauschaliert, zahlt bet einem Reingewinn von 500 000 Franken pro Jahr 16 000 Franken Steuer gegen 33 000 in der Schweiz. Die Angabe der Reingewinnhöhe ist aber dem Unternehmen überlassen. Eine Kontrolle in dieser Richtung gibt es nicht. Der liechtensteinische Staatshaushalt ist bei der Geschichte nicht schlecht gefahren, sieht man von der moralischen Seite der Angelegenheit ab. Jm letzten Jahre sind auf diese Weise etwa fünf Millionen Schweizer Franken Liechtenstein hat schweizerische Währung in die Steuerkaffen geflossen. Dazu kommt noch, daß sich Ausländer in Liechtenstein mit Vorliebe einbürgern lassen, um ihren Mammon vor dem Zugriff des eigentlichen Heimatlandes zu schützen. Eine Einbürgerung in Liechtenstein ist eine höchst einfache Sache- sofern man 25 000 bis 30 000 Franken auf den Altar des künftigen Vaterlandes zu opfern bereit ist. Auf den ersten Blick ein teurer Spaß, der sich aber, ist man einmal liechtensteinischer Staatsbürger, durchaus rentiert. Wie die vielen wundervollen Villen und Landhäuser beweisen, die in den letzten Jahren von liechtensteinischen Neubürgern aus allen Herren Ländern erbaut wurden. Die Vaduzer etwa zweitausend Einwohner hat die Hauptstadt" bauen gegenwärtig ein großes, prachtvolles Rathaus, größer als das Regierungsgebäude. Außerdem ist auch ein großes Bürohaus im Bau; nachdem sich gezeigt hat, daß bei allem guten Willen nicht so viele Büros vorhanden sind, um alle Unternehmungen unterzubringen, die ihren„ Sig" in Liechtenſtein haben wollen. Dem liechtensteinischen Staatsfädel also geht es gut. Die liechtensteinischen Arbeitslosen aber können das gleiche leider nicht von sich behaupten. Den lichtensteinischen Volksvertretern scheint nämlich bisher die Tatsache entgangen zu sein, daß es in der übrigen Welt so etwas wie Arbeitslosenunterstü= Bung gibt. Und so besitzt denn das Fürstentum Liechtenstein nichts, was einer Arbeitslosenunterstützung nur entfernt ähnlich sähe. Wahrscheinlich deshalb, weil es in Liechtenstein auch keine wirkliche Arbeiterbewegung gibt, sondern bloß einen liechtensteinischen Arbeiterverband, ein recht harmloses Gebilde auf christlichsozialen Grundlagen. Trotz aller Lammfrommheit dieser Arbeiterbewegung ist dessen Organ, die„ Liechtensteinische Arbeiter- Zeitung" fürzlich auf Grund eines Ermächtigungsgesetzes" beschlagnahmt worden, weil sie ihre Unzufriedenheit mit den bürgerlichen Regierungsmethoden Ausdruck gab. Mit einem Worte: auch in Liechtenstein ist nicht alles Gold was glänzt! Eine traurige Bilanz Die Isolierung Deutschlands im ausländischen Urteil Die„ National- Zeitung" in Basel, die sich sehr um Objektivität gegenüber dem Dritten Reich bemüht, veröffentlicht in ihrer Nr. 319, einen sehr beachtenswerten Aufsatz " Deutsche provisorische Bilanz". Das Blatt erkennt klar den Schwindel, der behauptet, die Erwerbslosigkeit in Deutschland gehe stark zurück: Aber eine deutsche Besonderheit bleiben die Hunderttausende, welche in die Wehrverbände und zur Arbeitsdienstpflicht hineingeschoben werden ebenso wie jene anderen Hunderttausende, ob Sozialisten und Juden, Katholifen und Pazifisten, die feine Unterstüßung erhalten, aber deshalb nicht etwa Arbeit gefunden haben, sondern dem Elend preisgegeben sind. Rechnet man diese Posten zu fammen und nimmt dazu, wieviel an Notstandsarbeiten in versteckter Inflation zum Schaden der Gläubiger Deutschlands ausgegeben wird, so wird man unschwer das " Wunder" der von den Nazi' teilweise besiegten Arbeitslosigkeit rationalistisch, aber zuverlässig erklärt haben. Allerdings nicht mit Glauben", sondern mit der heute bei allen Faschisten so übel beleumundeten Vernunft. Buchhandel in Not Um über die wirtschaftliche Situation in Deutschland ge naue und wahre Informationen zu erhalten, muß man jetzt die Fachblätter lesen. Der katastrophale Rückgang des deutschen Buchhandels, eines der stärksten wirtschaftlichen und nicht bloß moralischen Aktivposten des Reiches, wurde dadurch offenbar, daß im„ Börsenblatt" treibung von Schulden bei den Sortiment ern, die jetzt mitunter nicht einmal Summen unter fünfzig Mark aufbrin gen können, nicht unbarmherzig zu sein. Eine zweite Mitteilung in einer der letzten Nummern des Buchhändlerbörsenblattes gibt dazu nähere Daten. ständigung der beiden lateinischen Staaten und Selbständig eine Mahnung an die Verleger erging, doch in der Einteit Desterreichs. Viertens: Rußland. In Rapallo hatte Rathenau die Jfolierung Deutschlands durchbrochen und es Sowjetrußland an= genähert. Heute spricht Litwinow als lieber Gast in Paris wie ein zaristischer Minister, Rußland steht in der gleichen Front mit Polen, der Kleinen Entente und Frankreich. Die Hakenkreuzler fonnten Rathenau ermorden und auf das Grab seiner Mörder kürzlich offizielle Blumen legen, aber dies ändert nichts daran, daß ihre fanatische und furzsichtige Außenpolitik Deutschland ebenso großen Schaden zufügte wie jene des klugen Rathenau ihm genügt hatte. Die Sowjets fürchten die Weltallianz gegen den Bolschewismus, als dessen Landsknecht der Nationalsozialismus sich anbietet, ohne Werber zu finden, und die deutsche Kolonisierung ihres Landes, die niemand wünscht, in der London, Paris und Rom gemeinsam mit Warschau und Moskau eine Weltgefahr sehen. Also ist auch dieses Spiel verloren. Hier helfen keine Friedensbeteuerungen, die Menschen halten sich nicht an Worte, sondern an Taten. Selbstver= Außenpolitisch aber zieht das Blatt die folgende nicht gottung, Herrschsucht, Unduldsamkeit im Innern müssen sich zu erschütternde Bilanz: Erstens: Aus der Isolierung Frankreichs ist fene Deutschlands geworden. Die Entente mit England ist nicht politisch und schriftlich wiederhergestellt, wohl aber schon gefühlsmäßig dank dem tiefen Argwohn eines großen Teiles der englischen Preffe und des englischen Boltes gegen das jetzige deutide Regierungssystem. Die Auffassung, daß Recht eine Parteisache sei, wie sie die deutschen Juristen verkündigen, daß es eine höhere Rasse gebe, welche die anderen nicht bloß entrechten dürfe, sondern sogar müsse, daß Selbstregierung und Demokratie Entartung seien, widerspricht durchaus dem englischen Sinn. Er kann sich nicht vorstellen, daß ein solches System nicht in konflikt mit der übrigen Welt gerät, er betrachtet also Aufrüstungswünsche der jetzigen Regierung ganz anders als die Forderung der deutschen Republik nach Gleichberechtigung. Die letzte Erklärung von Sir John Simon im Unterhaus, begleitet von den Reden von Austen Chamberlain und Churchill, unterstrich dies unbarmherzig. In Deutschland beklagte man sich, formal nicht zu Unrecht, über Einmischung in innere deutsche Angelegenheiten. Aber diese Angelegenheiten sind eben zwar innere, jedoch nicht bloß innere, sondern sie sammeln Zündstoff an. Ergebnis: England wird sich möglichst jeder deutschen Aufrüstung widersetzen, und versteht heute besser das französische Nein auf der Genfer Konferenz. 3weitens: Desterreich stand lange im Zeichen eines gefühlsmäßigen Anschlusses. Dies hat sich völlig geändert. Seit 1866 war der Graben zwischen Wien und Berlin nicht so tief, und heute ist er sogar viel tiefer. Jede Aussicht auch nur auf ein Zusammengehen der beiden deutschsprechenden Staaten scheint verschwunden, Desterreich verteidigt zugleich mit seiner Selbständigkeit auch die früheren Staats- und Lebensformen des deutschen Volkes vor der Gleichschaltung. Alles läßt vermuten, daß jetzt in Wien ein Sonderabkommen mit Budapest vorbereitet wird, das später in irgendeiner Form ( Vorzugszölle, Kontingente, Abbau der bisherigen Schranfen) zur Kleinen Entente erweitert wird. Damit ist Deutschlands Mitteleuropatraum vorläufig ausgeträumt und es auf seinem Wege nach dem Balkan und Asien aufgehalten, weiterhin zu jener Autarfie verurteilt, die es als Tugend preist, während sie bloß seine Not ist. Drittens: auch nach außen auswirken, und so stellt sich die ganze nicht deutsche Welt auf Mißtrauen ein. Das Dritte Reich wird nicht bei seinen Versuchen gestört werden, wenn es 65 Millionen Menschen aufs Experimentierbrett legt. Aber es wird dabei nirgends Helfer finden. Sinkt die Erwerbslosigkeit? Wie sehr künstlich nachgeholfen wird Die Stadtverwaltung Köln gibt bekannt, daß in Zukunft ,, aus arbeitsfürsorgerischen Gründen" teine Wohlfahrts unterstüßung mehr gezahlt wird, wenn nicht der zu Unterstüßende als Gegenleistung arbeitet. In nächster Zeit sollen etwa 13 000 Wohlfahrtsunterstüßte, wenn auch nur in geringer Wochenstundenzahl, in den verschiedenen städtischen Betrieben beschäftigt werden. Auf diese einfache Art ist dann die Erwerbslosigkeit in Köln wiederum um 13 000 gesunken". Es ist die Methode, mißliebige Menschen von den Unterstützungen auszuschließen und sie verhungern zu lassen. Die Erwerbslosigkeit finkt und die Sterblichkeit und die Auswanderung steigen. Achtung, Eltern! Verlege mein deutsches Jugendheim nach Paris. Unterricht. Berufsausbildung. Sport, Aerztliche Aufsicht. Sommer See. Billige Preise. Sofortige Anfragen: Frau Dr. Berg, Paris 16, 4 Bd. Exemans. Italien fühlt sich zwangsläufig von Deutschland abgedrängt, und die Begegnung Daladier- Mussolini, welche als Strönung einer Verständigung gedacht ist, scheint heute schon mehr als bloße Hoffnung der Franzosen. Es wird sehr schwierig sein, ein dauerndes Abkommen zu erreichen, aber bonniert die heute werden die Italtener, die den Frieden und fein an geschlossenes Desterreich wollen, billiger sein als früher und heute werden die Franzosen auch Mussolini mehr anbieten. Ergebnis auch hier jenes Mephistoschicksal: das Böse zu wollen und das Gute zu schaffen. Keine Einkreisung Frankreichs, kein deutsch- italienisches Bündnis, wohl aber Ver9 ,, Deutsche Freiheit" Bedauerlicherweise, so heißt es da, ist auch die Ausfuhr weiter starf zurückgegangen. Sie betrug in der Zeit vom Januar bis Mai 1932 in Büchern und Musiknoten noch 34,724 Doppelzentner( Doppelzentner ist gleich hundert Kilogramm) im Werte von 21 547 000 Reichsmark, dagegen in der gleichen Zeit dieses Jahres nur 27.535 Doppelzentner im Werte von 13,246 000 Reichsmart. Hier spielt zweifelsohne die deutschfeindliche Propaganda im Ausland eine Rolle. Man wird guttun, diese Vorgänge, soweit sie den Buchhändler betreffen, aufmerksam zu beobachten und rechtzeitig für Abwehrmaẞ-= nahmen Sorge zu tragen. Ob mit diesen Abwehrmaßnahmen die zweite, offizielle Kundmachung des Börsenblattes in Zusammenhang steht, in der die Mitglieder nachdrücklichst darauf hingewiesen werden, bei Neueinstellung von Personal in erster Linie männliche erwerbslose Gehilfen, insbesondere solche, die Angehörige der SA., SS. und ST. sind, zu be rücksichtigen? Es ist eher zu erwarten, daß das bedenkenlose Eingehen des deutschen Buchhandels auf die Intentionen seiner Gleichschalter seinen Ruin beschleunigen wird. Der anstößige Aron Helio- Wattwerke Die Aron- Werke, Elektrizitäts AG. In Berlin, haben in der Generalversammlung beschlossen, den Namen der Gesellschaft in Helio- Watt- Werke, Elektrizitäts- AG. umzuändern. Der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Aron wurde aus dem Unternehmen ausgeschieden. Ferner mußten zwei Aufsichtsräte zurücktreten, die die anstößigen Namen„ Blumental" und„ Vogelstein" tragen. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Hubert Jüttner, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ,, Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schützenstraße 5. Schreibmaschinen, neu u. gebraucht, auf Tellzahlung in monatlichen Raten von Fr. 40 Unverbindliche Vorführung. Zuschriften unter Nr. 32 an die Geschäftsstelle dieses Blattes erbeten In Lothringen Lothringen große Gelände mit Gleisanschluß sowie große Lager, geeig net zu Fabrikräumen, Nähe Bahnhot und Ka nal; terner Geschäfts häuser im Stadtzentrum vorteilhatt zu verkau ten. Offerten unter Nr. 3882 an Agence Havas METZ, die we terbet. Mitten im lothr. Indus striegebiet gel Eisenwerk( Eisenkonstruks tion u Blechschmiede) mit Bahnanschluß zu verkauien Schöner Besitz( Schloß, 19 ha Park und Garten) Straße Metz Saar brücken, u mehrere schöne Wohnhäuser zu verkaufen. Ausk ert C. Gresset, Courcelles Chauss 23 Telefon 6 Freude und Leid vertündet Verwandten und Bekannten bie Familien. Anzeige in der ,, Deutschen Freiheit" Anzeigen baben auch in der Deutschen Freiheit großen Erfolg!