Preis: 60 1. cts. D Freiheit Nummer 25-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Mittwoch, 19. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun Krieg den deutschen Zuständen! Allerdings! Sie stehen unter dem Niveau der Geschichte, sie sind unter aller Kritik, aber sie bleiben ein Gegenstand der Kritik, wie der Verbrecher, der unter dem Niveau der Humanität steht, ein Gegenstand des Scharfrichters bleibt. Karl Marx. Hungerkrieg gegen Deutsche! ,, Rottet sie aus!"- Die Parole des Reichskanzlers gegen die Marxisten- Eine ,, Liste der Geächteten" Auch christliche Arbeiter zum Hungertod verurteilt Ein Geheimschreiben Die neueste Teufelei, die von der faschistischen Deutschen Arbeitsfront ersonnen ist, hat sich die Aushungerung der Margisten in Deutschland zum Ziel gesetzt. Vor uns liegt ein geheimes Sonderrundschreiben der Obersten Leitung der nationalsozialistischen Betriebsorganisation 27. Juni. Darin werden die Margisten als Mörder, als Korruptionisten, als ausländische Agenten, als Verschwörer und als HauptIch meine bezeichnet. Was der Nationalsozialismus bisher gegen diese Margisten unternommen habe, sei " Großmut" gewesen. Nun erst müsse mit der vollen Härte gegen die Marxisten vorgegangen werden. Das Geheimschreiben stellt folgende Forderungen als Ziel auf: Berjagung des letzten führenden Marxisten aus allen Einheiten der Verbände der Deutschen Arbeitss front. Reine geldlichen Abfindungen mehr, feine Respektierung aller ihrer unfitilich aus ftandegekommenen Verträge, Scharfe Beobachtung und Kontrolle ihres pris vaten Treibens, da sie in der Maste eines Bieber. mannes staatsfeindliche Propaganda treiben. Sorgt dafür, daß fie in der Bevölkerung als Ge. ächtete gelten, die eigentlich den Strick verdient hätten. Unter dem Saz„ keine Respektierung aller ihrer un fittlich zustandegekommenen Verträge" ist zu verstehen: Annullierung aller Kündigungs- und Gehaltsansprüche, Raub von Privathäusern und privaten Sparkassenguthaben auch von Frauen und Kindern. Damit noch nicht genug. Alle Margisten, aber auch aufCornelins Heyl A.-G. Worms Verwaltungsdirektion Herrn Worms, den 24. Juni 1983. Die Betriebsleitung läßt Ihnen mitteilen, daß sich Ihr Arbeitsverhältnis zu uns wegen Verdachts staatsfeindlicher Einstellung am 8. Juli d. J. löft. Ihre Entlassungspapiere können Sie am Schalter 7 im Verwaltungsgebände in Empfang nehmen. G. M. Pfaff A.-G. Nähmaschinenfabrik Kaiserslautern Herrn Die Verwaltungsdirektion der Cornelius Heyl A.-G. gez. Cornelius. Kaiserslautern, den 30. Juni 1988 Wegen Ihrer früheren staatsfeindlichen Einstellung sind Sie fristlos entlassen. Die nationalgefinnte Belegschaft lehnt jedes Zusammens arbeiten mit Ihnen ab. Betriebsrat Mord an Dr. Schäfer siche 2. Seite Man beachte: In dem einen Falle genügt der Verdacht staatsfeindlicher Einstellung zum Hinauswurf, und im anderen Falle wird auf die frühere staatsfeindliche Einstellung verwiesen. So werden Familienväter aus dem Brot und aus dem Lande gejagt. Man erreicht dadurch mancherlei: 1. werden Marristen verdrängt oder doch Leute, die man dafür hält, 2. werden für SA.- Leute Arbeitsstellen geschaffen und 3. sinkt auf diese Weise statistisch die Zahl der Erwerbslosen, denn die auf diese Art von der Entlassung Betroffenen müssen ins Ausland. Wir weisen mit Nachdruck darauf hin, daß auch schon christliche Arbeiter auf den„ Listen der Geächteten" stehen und entlassen worden sind. Wir bitten alle antifaschistischen Zeitungen um Nachdruck der vorstehenden Tatsachen. Es wird nunmehr notwendig werden, daß ein allgemeiner gewerkschaftlicher Weltboykott gegen den barbarischen Aushungerungskrieg ( Kreisbetriebszellenleiter der NSBO.) der deutschen Faschisten eingeleitet wird. der G. M. Pfaff A.-G. gez. Antoni Ein korrupter Justizminister rechte christliche Organisierte sollen in Zukunft in ganz Der Reichskanzler persönlich ist für diesen Skandal verantwortlich Deutschland weder Arbeit noch Unterstützung bekommen. In dem uns vorliegenden Geheimschreiben heißt es: » Liste der Geächteten" Das Organisationsamt der Deutschen Arbeitsfront stellt eine„ Liste der Geächteten", gültig für das ganze Reich, auf, auf die alle Namen derjenigen marxistischen Gewerkschaftsbonzen gesegt werden, die in der Bergangens heit und auch jetzt noch den wütendsten Kampf gegen den Nationalsozialismus geführt haben und weiter im Ges heimen führen. Wer auf der Liste der Ges ächteten" steht, bekommt in 3utunft teine Arbeit mehr. Alle Organisationen, die in lebendiger Verbindung mit der deutschen Wirtschaft stehen, erhalten biese gedruckte Liste, so daß keiner von diesen Arbeiters vertretern auf Schleichwegen wieder in die Betriebe tommt, um ihre Aufwiegelung etwa fortzusehen. Dieser Aushungerungskrieg gegen Marxisten und bis. herige Zentrumsarbeiter ist, wie wir dokumentarisch nachweisen können, schon in die Praxis umgesetzt. Natürlich ist es Schwindel, wenn vorgetäuscht wird, es soll nur die„ Bonzen" treffen. Die sind ja längst entlassen. Der Aushungerungs- Krieg richtet sich gegen die Massen der aufrechten Arbeiter, gegen ihre Frauen und ihre Kinder. Hier die Beweise dafür: Nur noch Nazis erhalten Arbeit Der Präsident des Landesarbeitsamtes Bayern hat an die Vorsitzenden der Arbeitsämter in ganz Bayern ein Runds Schreiben erlaffen, in dem er auffordert, offene Ars beitsstellen in Zukunft mit geeigneten Ans wärtern der SA. oder SS. der NSDAP. 3 besezen. Der Aufruf fündigt ferner allerschärftes Borgehen gegen diejenigen Arbeitgeber an, die unter Ums gehung des Arbeitsamtes auch heute noch bei ihren Neus einstellungen Angehörige der aufgelöften Syftemparteien bevorzugen. Es heißt in dem Schreiben noch, die Arbeitsämter müßten es als ihre Pflicht betrachten, den Kämpfern für die nationalsozialistische Revolution Arbeit und Brot zu verschaffen. Uns liegen folgende Abkehrscheine im Original vor. Wir veröffentlichen sie selbstverständlich ohne Namensnennung der von der Entlassung Betroffenen. Seit einigen Jahren ist der Rechtsberater Hitlers ein Münchener Rechtsanwalt Dr. Frank, ein noch junger Mann. In seiner Familie ist einiges dunkel. Ganz München weiß es. Herrn Hitler bekümmert das nicht, denn er hat manche zweifelhaften Gestalten in seiner Umgebung. Frank wird Reichstagsabgeordneter. Seine Praxis wächst. In seinem Büro sitzt cin älterer Herr als Vorsteher: auch ein Herr Frank. Der Vater des Rechtsanwalts. Auch dieser Vater ist einmal Rechtsanwalt in München gewesen, aber schon vor dem Kriege ehrlos aus dem Stande entfernt worden. Nach der sogenannten nationalen Revolution wird der Rechtsanwalt Frank bayerischer Justizminister. Seine Praris und die daraus quellenden Verdienste behält er bei. Umso heftiger kann er gegen die„ Korruption" der Marristen los ziehen. Herr Frank junior regiert also als Justisminister. Eines Tages schiebt er einem seiner Räte ein Aftenstück zu mit der leicht hingeworfenen Bemerkung, es handle sich um einen früheren Rechtsanwalt, der wegen einer Lappalie zu Unrecht aus dem Anwaltsstande ausgeschlossen worden sei und nun wieder zugelassen werden solle. Der Beamte solle einen ent sprechenden Akt ausarbeiten. Dieser Beamte aber ist noch einer aus der alten korrekten Bürokratenschule. Er sieht mit Entsetzen, daß die Schiebung zugunsten des Vaters seines Ministers erfolgen soll, des früheren Rechtsanwalts Frank. Er macht den Minister höflich darauf aufmerksam und hat den Mut, sich zu weigern, weil das Anfinnen seiner Beamtenehre widerspricht. Wie geht die Geschichte weiter? Der anständige Beamte wird entlassen und der Minister verleiht mit Hilfe eines willfährigen Beamten seinem Vater wieder die Anwaltschaft. Die Münchener Rechtsanwälte sind empört über den Vorfall. Aber was hilft es? Keine deutsche Zeitung darf diese ministerielle Korruption veröffentlichen. Niemand darf darüber sprechen, wenn er nicht Gefängnis und Konzentrationslager riskieren will. Die Rechtsanwaltspraris von Frank senior aber blüht und gedeiht, denn wer wollte nicht seinen Prozeß von dem Vater des mächtigen Justizministers führen und gewinnen lassen? Jüdische Vorfahren Hitlers Neues Material Die Familie Hitler aus Polna- Der Name Schicklgruber Die Enthüllungen der Deutschen Freiheit" über den Stammbaum der jüdischen Familie Hiller haben zu weiteren Nachforschungen geführt, die behaupten, die Großmutter des derzeitigen Reichskanzlers sei Jüdin gewesen. Das„ Desterreichische Abendblatt" hat einen Sonderberichts erstatter nach Polna entfendet und hat sowohl dort wie auch in verschiedenen österreichischen Orten Erhebungen ge pflogen. Diesen Erhebungen aufolge soll der Vater Hitlers tatsächlich chiclgruber geheißen und erst im Jahre 1877( im 40. Lebensjahr) den Namen Hitler angenommen haben. Hingegen sei die Mutter des Reichskanzlers eine geborene Klara Pölzl, die Tochter einer ges borenen Johanna Hitler gewesen. Diese Johanna Sitler, also die Großmutter Adolf Hitlers( mütterlicherseits), soll die Tochter eines aus Polna ausgewanderten Juden sein. Für die Behauptung, daß Hitlers Vater bis zu seinem 40. Lebensjahr„ Schicklgruber" geheißen habe, erbringt das „ Desterreichische Abendblatt" einen Matrikelauszug der Ge meinde Braunau am Inn, gefertigt von Bürgermeister Dir. Friedrich Leisner. In diesem Matrikelauszug heißt es wörtlich:„ Alois Hitler( der Bater des Reichskanzlers. Aum. d. Red.) hieß früher Schicklgruber und wurde laut Erlaß der t. t. Bezirkshauptmannschaft Mistelbach vom 6. Jänner 1877 31. 112, auf den Namen Hitler umgeschrieben. Angeblich wegen einer Erbschaft." Dem gleichen Matritelanszug ist auch zu entnehmen, daß Adolf Hitlers Großmutter( mütterlicherseits) eine ges borene Hitler war. Es fäme also auf den Nachweis an, daß diese Frau tatsächlich von den Polnaer Juden ab= Der Mord an Dr. Schäfer tammt. Den Beweis dafür glaubt bas„ Defterreichische Ein neues nationalsozialistisches Verbrechen Abendblatt" wie folgt ableiten zu können: Es sei erwiesen, daß eine Klara Sitler, Tochter eines Jakob Hitler, im Jahre 1821 zu Polna geboren wurde und in der Matritel der israelitischen Kultuss gemeinde verzeichnet ist. Diese Klara Hitler befand sich unter den nach Nieders österreich abgewanderten Polnaer Juden und lebte in Spital bei Weitra, in dem gleichen fleinen Orte, wo die Johanna Hitler( Großmutter des Reichskanzlers) den Bauern Pölzl heiratete. Man hat in Polna Briefe vorgefunden, die von der Klara Hitler aus Spital an ihre Verwandten in Polna geschrieben wurden. Es wäre nun in der Tat unwahr scheinlich, daß in der kleinen niederösterreichischen Orts schaft zwei Mädchen namens Hitler gelebt haben, die nicht verwandt waren. Einen Rückschluß gestattet auch die Tats sache, daß die Mutter des Reichskanzlers ebenfalls den Namen Klara trug. Sie wäre also nach dem Namen ihrer Tante getauft worden. Abendblatt" Das„ Desterreichische ver öffentlicht zu diesen Mitteilungen noch viele Details, u. a. daß ein jüdischer Greis: Ter in der Taborstraße zur Verwandtschaft ber Familie Hitler gehöre. Ein abschließendes Urteil in dieser Angelegenheit wird wohl erst nach einer weiteren Ueberprüfung der Dokumente und Matrikelbücher möglich sein. Jedenfalls wird die Publis tation des„ Desterreichischen Abendsblattes" nun eine Klärung der vielumstrittenen Frage in die Wege leiten. Der Judenstämmling London, 18. Juli.( Jnpreß.) Times" untersucht in einem speziellen Artikel die in Böhmen angestellten Erhebungen über Hitlers Abstammung. Auch das englische Weltblatt gibt die Angaben wieder, wonach Hitler in der dritten Generation aus dem böhmischen Gettho in Bolna stammt. Es ist fest gestellt worden, meldet das Blatt, daß die Namensände rung, Hitler statt Schicklgruber, gerade zu Ehren eines solchen jüdischen Vorfahren, eines Jakob Hitler, vorgenommen wurde. ..Bitte treten Sie cin"... Der völkische Chefredakteur im Konzentrationslager Die Deutsche Bettung" ist auf drei Monate verboten worden. Zum Verbot erfahren wir von unterrichteter Seite folgendes: Das Verbot der Deutschen Zeitung" auf drei Monate tst auf persönliche Anordnung von Ministerpräsident Göring erfolgt. Gleichzeitig hat der Ministerpräsident an geordnet, daß der verantwortliche Redakteur in ein Konzentrationslager gebracht wird. Zu diesen Maßnahmen hat sich der Ministerpräsident wegen des Artikels veranlaßt gesehen, in dem behauptet wird, Balbo solle ein getaufter Jude sein. Diese Verleumdung stammt von der Wiener Presse und verfolgt den Zweck, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem deutschen und dem italienischen Volke zu untergraben. Der Ministerpräsident werde, so wird erklärt, auch in Zukunft unnachsichtig gegen jede Zeitung vorgehen, deren Inhalt geeignet set. die außenpolitischen Beziehungen Deutschlands zu stören. Der Reichsminister des Innern hat ferner gegen den Schriftleiter der in Leipzig erscheinenden Zeitschrift„ Die neue Literatur" und gegen den verantwortlichen Redakteur der Berliner Kreuzzeitung" wegen der von diesem erhobenen Angriffe gegen lettende Beamte des Reichs= ministeriums des Innern und gegen die in seinem Auftrage tätigen Hauptredakteure des Handwerkerbuchs des Grenzund Auslandsdeutschtums" in Kiel Strafanzeige erstattet. Die„ Deutsche Zeitung" und die Kreuzseitung" haben dem Hitler- Regime den Weg gebahnt. In ihren Spalten fand jede Verleumdung republikanischer Staatsmänner bereit willige Aufnahme. Sulegt wurde hysterisch nach dem Hakenfreuz geschrien. Der Chefredakteur der Deutschen Zeitung" wird, wie wir vermuten, hinter Stacheldraht aus doppelter Begeisterung beil Hitler" rufen. Unerwünscht! Kein Hakenkreuz auf schwarz- weiß- roten Flaggen Der frühere nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Schäfer ist erschossen aufgefunden worden. Viele werden diesen Namen und die Borheimer Dokumente schon vergessen haben. Unsere Zeit vergißt rasch, und wer sollte auch alle nationalsozialistischen Schandtaten im Gedächtnis behalten können. Zu der Ermordung des Dr. Schäfer wird uns von besonderer Seite aus Hessen geschrieben: Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Ermordung des früheren Nationalsozialisten Dr. Schäfer das Werk des jezigen hessischen Landespolizeipräsidenten Dr. Best in Darmstadt ist. Dr. Schäfer, ein Mann nahe den Vierzig, geborener Offens bacher, Handelslehrer von Beruf, Dr. rer. pol. der Franks liftischer hessischer Landtagsabgeordneter. Ein Intimus der furter Universität, war vor zwei Jahren nationalsozias hessischen Führer der Hitler- Partei, aber ein Mensch, der an den Sozialismus dieser Gesellschaft glaubte, bis er vom Gegenteil überzeugt wurde. Dr. Schäfer zählte zu dem haftet und von SA. mit unbekanntem Ziel abtransportiert. Nun ist er, wie nicht anders zu erwarten war, ermordet aufs gefunden worden. An ihm wurde ein Exempel statuiert, genau, wie es das Bogheimer Dokument vorschreibt. Dr. Schäfer ist tot. Sein Feind, Dr. Best, ist Polizeipräs ident in Hessen. Mörder an der Regierung! Was gilt ein Menschenleben in Deutschland? näheren Umgang des früheren Gerichtsaffessors Dr. Werner Verfolgt und abgeschlachtet Best, der heute die gesamte hessische Polizei befehligt. Dieser Dr. Best heďte gemeinsam mit einem Dr. Wagner auf dem landwirtschaftlichen Gut Bogheim im hessischen Nied den berüchtigten Borheimer Plan aus, der von der hessischen Polizei aufgefunden wurde und den Oberreichss anwalt beschäftigte. Die Polizei verdankte damals ihre In: formationen nicht zuletzt dem jetzt Ermordeten, den der Mordplan ebenso anefelte wie die Mordgesellen. Dieser Art von Sozialismus" war Dr. Schäfer nicht ergeben. Die Nationalsozialisten tobten über die Enthüllung. Sie schworen Dr. Schäfer blutige Rache. An seiner Beseitigung arbeitete besonders Dr. Best. Dr. Schäfer wurde gehindert, an den Landtagssigungen im Hessenparlament teilzunehmen. Lange schon, ehe die Nazis die Regierungsgewalt besaßen, mußte fich Dr. Schäfer vers bergen. Trotzdem ließ er sich nicht auf die Dauer abschrecken. Mutig fette er sich in unzähligen Versammlungen, besonders in Sachsen, gegen die Mordbanditen ein. In Chemnizers reichte ihn zuerst die Rache des Herrn Dr. Best, Schäfer wurde angeschoffen and lag wochenlang, ernstlich ver wundet, in cinem fächsischen Krankenhaus, Nach seiner Ges nesung nahm er sofort den Kampf gegen seine Mörder wieder auf. Als der Umfturz fam und Dr. Beft die Polizeimacht in Heffen übernahm, hatte die Stunde Dr. Schäfers geschlagen. Es gelang ihm zuerst, sich zu verbergen. Die von Hessen aus: gesandten Häscher aber spürten ihm dauernd nach und schließs lich stellten sie ihr Opfer in Frankfurt a. M. Bor etwa vierzehn Tagen wurde Dr. Schäfer dort vers Das Neueste Der amerikanische Weltflieger Poft ist nach kurzem Aufenthalt von Nowosibirsk in Richtung Irkutsk gestartet. Post nugte die Zeit zwischen Landung und Start zur Einnahme einer Mahlzeit, zum Ueberprüfen des Motors und zum Ausruhen. Das Wetter auf der vor ihm liegenden Strecke Ausruhen. Das Wetter auf der vor ihm liegenden Strede soll nach den legten Meldungen günstig sein. Poft hat bisher jeinen legten Rekord unterboten. Am Montag nachmittag hat sich in Lyon ein Flugzeugunfall ereignet. Ein zweimotoriger Apparat, der von dem Schweizer Flieger Stocking gesteuert wurde und einen yoner Passagier an Bord hatte, stürzte aus bisher unbekannten Gründen ab. Die beiden Insassen kamen ums Leben. Berlin, 18. Juli. Der 14. Reichsfrontsoldatentag des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, fällt auf Befehl des Bundesführers, Reichsminister Seldte, aus. Panzerwagen überfallen Zwanzig Tode und Verletzte Paris, 18. Juli. Dem Petit Journal wird aus Casas blanca gemeldet, daß der Panzerwagen eines mit der Ges haltsauszahlung betrauten Militärzahlmeisters, der 500 000 Franken mit sich führte, von Eingeborenen in der Gegend von Rich überfallen wurde. Die Eingeborenen hatten auf der Straße einen Quergraben von 50 cm. ausgehoben, um das Automobil zum Stehen zu bringen. Etwa 50 Einges borene, die mit Gewehren bewaffnet waren, wollten sich des Wagens und seines Inhaltes bemächtigen. Die Belagung des Panzerantos ließ jedoch das Maschinengewehr spielen und schlug die Angreifer, die 20 Tote und Berlegte zu vers zeichnen hatten, in die Flucht. Diebstahl Ueber das Verbrechen an Dr. Schäfer wird noch bea In den frühen Morgenstunden, etwa gegen drei Uhr, hörten Zeugen mehrere Schüsse fallen, die aus der Richtung der Eisenbahnüberführung famen. Offenbar hat sich um diese Zeit die Tat abgespielt. Am Anfang der Brücke auf der Frankfurter Seite wurden die ersten Blutspriser festgestellt. Weitere Blutspuren zeigen den Weg an, den der zunächst nur verlegte Schäfer zurückgelegt haben muß. Am Ende der Brücke befindet sich eine große Blutlache und weitere Spuren lassen darauf schließen, daß ein energischer Kampf zwischen den Tätern und dem Ermordeten stattgefunden hat. Die Reiche ist dann über das Geländer auf den Bahnkörper geworfen worden, wo sie auf der Böschung aufschlug und danach in einen Graben, der sich an den Geleisen vorbei entlang zieht, herabgerollt. Dort wurde sie von dem Streckenwärter der Reichsbahn aufgefunden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke wurde, ebenfalls auf dem Bahnkörper, eine Aftentasche gefunden, in der sich Papiere des Schäfer und Wäschestücke befunden haben, und einige Meter davon entfernt lag eine Zahnbürste. Die Leiche konnte einwandfrei identifiziert werden. Die vorläufige Untersuchung der Leiche ergab, daß Schäfer mehrere Schüsse erhalten hat. Drei Einschußstellen befanden sich in der Halsgegend, eine weitere Rugel drang dem Ermordeten in den Bauch. Ob durch die Schüsse bereits der Tod hervorgerufen worden ist, oder ob Schäfer erst beim Sturz auf den Bahnkörper den Tod fand, kann erst durch die gerichtliche Sektion geklärt werden. Von den Tätern fehlt bisher noch jede Spur. Ein Jahrhundertplan Da es mit dem Vierjahresplan nichts ist... Reichsminister Göbbels, bis vor einigen Wochen der wildeste Revolutionär, ist nun auch brav auf Hitlers kapitalistische Linie eingeschwenkt. Er hat am Montag im Rundfunk eine Rede gehalten und seine ungeduldigen Zuhörer auf das nächste Jahrhundert vertröstet: Die Regierung hält ein wachsames Auge über jene, getarnten bolschewistischen Elemente, die von einer zweiten Revolution sprechen in einem Zeitpunkt, in dem das Volk und die Nation sich eben anschicken, die Ergebnisse unserer Revolution für das nächste Jahrhundert zu sichern und auszubauen. Es soll auch niemand glauben, daß er einen Mangel an revolutionärem Mut in der Zeit, da wir in der Opposition standen, oder im Schatten der Macht den Staat eroberten, dadurch wettmachen tönnte, daß er heute mit superrevolutionären Redens arten die Hühner aufscheucht und die Kinder bange macht. Etwas beseitigen darf nur der, der augenblicklich den besseren Ersatz zur Hand hat, und wer nicht zu arbeiten versteht, sondern nur Phrasen zu dreschen und laut in der Gesinnung anderer zu machen, der schweige besser in der Gemeinde. Jene getarnten bolschemistischen Elemente waren gut genug, ben mittellofen Studenten Göbbels bis zum Reichsminister emporzuheben. Nun, da er oben ist, droht er, sie einsperren zu lassen, wenn sie nicht ein Jahrhun dert auf die Erfüllung des Versprechens warten wollen. Rußland und Polen Der badische Kultus"-Kommissar hat alle jüdischen In Osteuropa ist der Wind umgeschlagen" Studentenverbindungen aufgelöst und verboten, deren Vermögen beschlagnahmt. Der nächste Schritt ist das Verbot der Zulassung von Juden zu den Hochschulen. Von der NSDAP. wird darauf hingewiesen, daß die Ber Kurze Leichenrede mischung der schwarz- weiß- roten Fahne und der Hakenkreuzflagge nicht erwünscht ist. So sind vielfach schwarz- weiß- rote Flaggen mit dem Hakenkreuz oder einer Gösch in Form der Hakenkreuzflagge gesehen worden. Derartige Flaggen sollen nicht verkauft und auch nicht mehr gezeigt werden. Wieder vier Kommunisten gemordet Im Hitler- Jargon ,, auf der Flucht erschossen" Bei der Ueberführung in das Konzentrationslager Sonnenburg wurden zwischen Woldenberg und Lauchstädt dret Kommunisten erschossen, als sie zu flüchten ver= fuchten und auf mehrmaliges Anreden nicht stehen blieben. Ein kommunistischer Funktionär aus Bochum- Gerthe, der in einer Mordsache dringend der Mittäterschaft verdächtig war, versuchte gelegentlich seiner Bernehmung am Freitag einen Fluchtversuch, auf dem er erschossen wurde. Ehre ben gemeuchelten Arbeitern! Zu Mosses Zusammenbruch Sie waren demokratisch, trugen breite Hüte, Das Feuilleton war forsch und liberal, Und die Gesinnung von erprobter Güte, War fortschrittlich mit sehr viel Kavital Sie träumten nachts von alten Barrikaden, Doch war das wohl so 90 Jahre her, Der Handelsteil litt darum feinen Schaden, Er hatte die Komplexe längst nicht mehr! Dann kam der März- die Tapferen erwachten", Sie drehten bei um etwa 60 Grad, Und während sie an die Geschäfte dachten, Sprach man von„ Umbruch" und von neuer Saat". Nun müssen sie die brannen Segel streichen, Verächtlich sehen wir das Wrack uns an, Die Welt erfieht aus diesen Moffe- Leichen, Daß auch Berrat fich gründlich irren kann! Paris, 18. Jult. In Osteuropa ist der Wind umgeschla gen", so lautet die Ueberschrift eines Berichtes, den der Korrespondent des" Matin" aus Warschau seinem Blatt einsendet. Er behauptet, daß Sowjetrußland dadurch, daß es den Rapallo- Vertrag mit Deutschland erneuerte, einer Erneue rung des deutsch- russischen Militärabkommens ausgewichen set. Marschall Pilsudski habe zwei Bedingungen an die Organisierung der Sicherheit in Osteuropa gestellt: 1. Abbruch der Beziehungen zur Reichswehr, 2. Einschluß Rumäniens in ein geplantes Abkommen. Die Russen glauben daran, daß 1. Sir Serry Deterding die Hitler- Bewegung unterstütze, 2. daß dies geschehe, um eines Tages in den Be sitz der kaukasischen Petroleumvorkommen zu gelangen, 8. daß das Dritte Reich seine Aufgabe nur mit Hilfe Polens lösen tönne. Der Korrespondent spricht dann von einer Entspannung zwischen Polen und Sowjetrußland und erklärt, Radek suche mit Polen ein Generalfiabsabkommen abzuschließen, ähnlich demjenigen, das Sowjetrußland mit Deutschland aufgekün digt habe. Man würde bei dieser Gelegenheit ein Ostseestatut auszuarbeiten haben, das die wohlwollende oder übelwollende Rolle der Sowjetflotte zu präzisieren hätte. Die Reife Radeks nach Gdingen scheine diesen Erwägungen nicht fern zustehen. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Hubert Jüttner, beide in Saarbrüden. Drud und Verlag: uz. Volksstimme" G. m. b. S., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Kulissenkämpfe in Berlin Schacht beinahe verhaftet Schwerkapital und Reichswehrgeneräle haben Hitler an der Strippe Voller Sieg des Hochkapitalismus London, 18. Juli 1933. Der Daily Herald berichtet sensationelle Dinge über die Hintergründe des Gegensatzes im Nazilager. In dem Bericht heißt es: « Hitlers jüngst erfolgte entschiedene Warnung an seine Gefolgschaft, wonach von einer 3 weifen Revolution keine Rede sein könne, hat einen sensationellen Hintergrund. Revolutionäre Elemente unter den Sturmtruppen haften bereits beschlossen, den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht zu verhaften, den sie als den Hauptverantwortlichen für den Verrat der sozialistischen Seite des Hitler- Programms durch die Nazi- Regierung betrachten. Dr. Schacht ist nach wie vor ein entschiedener Gegner einer Jnflationspolitik. Die Inflationsgruppe besteht vor allem aus Gofffr. Feder, Wagemann, Wagner und Darre. Diese Inflationsgruppe beschuldigt Schacht, daß er den Goldstandard nur aufrechterhält im Interesse der Bankiers und Kapitalisten und daß er die soziale Revolution verrät. Die extremistischen Elemente in der Nazipartei haben deshalb in enger Verbindung mit diesen Männern beschlossen, Hitlers Hände zu binden, indem sie Schacht verhafteten erst in der lezten minute wurde ihr Plan entdeckt." Paris, 18. Juli.( Inpreß.) Der Berliner Korrespondent einer großen Londoner Zeis tung, der uns aus bestimmten Gründen gebeten hat, von der Nennung feines Namens vorläufig abzusehen, teilt uns aus bester Quelle mit, daß einige rominente Naziführer, die von Göbbels geschickt wurden, die Verhaftung Schachts gefordert haben. Hitler mußte nicht nur seine eigene Autorität, sondern auch die von Göring, des erbitterten Feindes Göbbels, aufbieten, um die Verhaftung des den fozialistischen" Elementen der NSDAP, verhaßten Schacht, der als Vertreter des großen Kapitals betrachtet wird, zu verhindern. London, 18, Juli.( Inpreß.) Ein deutschnationaler Industrieller teilte hier mit, die Hitlersche Schwenkung der legten Tage fei durch den ver einigten Druck führender Schwerindustriels ler und hoher Offiziere der Reichswehr, welche dem General Blomberg nahestehen, erzwungen worden. Von der Generalität sei eine Art Ultimatum an Hitler gerichtet worden. Die Initiative sei von diesen Kreisen deshalb ergriffen worden, weil Hindenburg durch gewiffe Vorkommnisse der letzten Zeit, die ihn und seine Familie kompromittieren, völlig willenlos und widerstands: unfähig geworden sei. Dabei handelt es sich um den von uns bereits mitgeteilten nachstehenden Fall: Bei einer Haussuchung in der Billa des Banfiers Sobernheim von der Commerz- und Privat: bank wurde ein Register der von diesem Bankier mit reichen Dotationen versehenen politischen Persönlichkeiten gefunden. Unter ihnen war nicht nur der Staatssekretär des Reichs: prafidenten Meißner, sondern auch Hindenburgs Sohn, der Oberst Oskar von Hindenburg, vermerkt. Diese Kundenliste ist ein starkes Druckmittel gegen den Reichspräsidenten, dem von den Nationalsozialisten immer wieder Enthüllungen in Aussicht gestellt werden. Generalrat So sehen des Reichskanzlers wirtschaftliche Berater aus Der Reichswirtschaftsminister gibt folgendes bekannt: glieder die Aufgabe haben, der Reichsregierung zur Bes ratung in allen wirtschaftlichen Fragen zur Verfügung zu stehen. Der Generalrat der Wirtschaft tritt jeweils auf besons dere Einladung zusammen. Die bisher ernannten Mitglieder Berlin, 17. Juli. Der Reichskanzler hat zunächst in den Generalrat der Wirtschaft folgende Herren berufen: Herbert Bade, Domänenpächter( Berlin), Prof. Dr. Karl Bosch( Heidelberg), Geh. Landesbaurat Diplomingenieur Eugen 855ringer, Direktor der Maximilian- Hütte( Rosenberg, Oberpfalz), Generaldirektor August Diehm, Deutsches Kalisyndikat ( Berlin), Bankier August von Find( München), Dr. Otto Chr. Fischer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes( Berlin), Dr. Dr. Albert Hadelsberger, Fabrikbesitzer( Deflingen- Baden), Regierender Bürgermeister Krogmann( Hamburg), Dr. G. Krupp von Bohlen und Halbach( Essen), Preußischer Staatsrat Dr. Robert Ley, Führer der Deutschen Arbeitsfront( Berlin), Dr. Karl Luer, Handelskammerpräsident, Treuhänder der Arbeit( Frankfurt- Main), Preußischer Staatsrat Friedrich Reinhart, Bantdirektor( Berlin), Dr. Hermann Reischle, Führer des Landhandels und der Landwirtschaftlichen Genossenschaft( Berlin), Kurt Freiherr von Schröder, Handelskammerpräsident ( Köln), Karl Friedrich von Siemens( Berlin), Preußischer Staatsrat Dr. Friz Thyssen( MülheimRuhr), Generaldirektor Dr. Albert Vögler( Dortmund). Lauter Hochkapitalisten! Dr. Ben, der so lange Verbin dungsmann zwischen der rheinischen Schwerindustrie und Johannes Stelling Mitglied des Reichstags Mitglied des Vorstandes der SPD. Bon Parteigenossen des deutschen Reichskanzlers schwer mißhandelt und dann nach der Entlassung aus dem Krankens haus abgeschlachtet und in einem Sad im Wasser versenkt. ..Schlagt ihn tot!" Sorge um Dr. Schumachers Schicksal Der sozialdemokratische württembergische Reichstagsabges ordnete Schumacher wurde im Wuppertal verhaftet und ins Konzentrationslager in der Nähe von Stuttgart gebracht. Das Organ der Nationalsozialisten von Stuttgart erklärt, „ daß Doktor Schumacher nicht mehr erwarten kann als politischer Gegner, sondern nur noch kriminell bewertet z werden". Diese Zeitung des hitlerschen Statthalters kündigt dann ziemlich unverhüllt eine Morddrohung an:„ Wir Sprechen nur den Wunsch der breitesten Deffentlichkeit aus, wenn wir den Fall Schumacher der politischen Polizei einer Sonderbehandlung empfehlen, denn was dieser SPD.Genosse auf dem Kerbholz hat, übersteigt die Grenzen alles Erträglichen, auch für die, die weit davon entfernt sind, mit Rachgefühlen belastet zu sein“. Das heißt in faum noch verhüllten Worten, daß Schus macher irgendwie erledigt" werden soll. Dr. Schumacher ift Kriegsbeschädigter. Er hat im Kriege einen Arm ver= loren. Unter seinen Kriegsauszeichnungen ist auch das E. St. II und I. Schumacher hat einen tapferen Kampf gegen die Nazis geführt. Nach der Machtergreifung Hitlers, als der Terror immer stärker einsetzte, wurde ihm geraten, sich ins Ausland zu begeben. Er hat es nicht getan und nimmt nun sein schweres Schicksal auf sich. Wir hoffen, daß er aus: hält, was ihm bevorsteht, und in den kommenden Kämpfen ungebrochen und noch mehr gehärtet neben uns stehen wird. Um bei den Arbeiten der Reichsregierung die Erfahrung Hitler war, wird sich in dieser Geſellſchaft sehr wohl fühlen. Um Scheidemann der praktischen Wirtschaft zu verwerten, beruft der Reichskanzler einen Generalrat der Wirtschaft, dessen Mits Von„ Sozialismus" ist in diesem Generalrat jedenfalls keine Spur! Saar Terror wird organisiert! Nach dem Beispiel Oesterreichs... Berlin, 18. Juli. Obgleich die Regierungskommiffion des Saargebietes e in Berbot der A. und deren Auflösung für das Saargebiet verfügt hatte, wird jetzt aus Anlaß einer amtlichen Bekanntmachung über die„ Nenorganis fation der SA.", die durch das offizielle Contin Büro unter dem 17. Juli verbreitet wird, bekannt, daß die SA. an der Saar nach wie vor ges tarnt weitergeführt und nach wie vor der Obergruppe V in Frankfurt a. M. unter: stellt ist. Nach dieser amtlichen Bekanntmachung der Naziregierung umfaßt die Obergruppe V n. a. die Westmark mit KoblenzTrier, Pfalz und Saar, seffen und ganz Südwest. Obers gruppenführer ist Nazis Steinhoff in Frankfurt a. M. andern Städten in Extrazügen und Laftwagen nach Kufstein befördert worden, wo eine Anzahl Nazi- Häuptlinge ans Deutschland und Desterreich ihre Brandreden vom Stapel ließen. Die österreichische Regierung hatte eine hermetische Schließung der Grenze angeordnet, um die österreichischen Hitlerianer daran zu hindern, nach Stufftein auszureisen. Es scheint immerhin einer kleinen Anzahl von österreichischen Nazioten gelungen zu sein, über die Grenze nach Kufstein zu gelangen. Die österreichischen Grenzposten waren anges fichts der Gefahr von Grenzübergriffen durch Hitlerianer verstärkt worden. Frage: Wie will die Regierungskommiffion des Saarges bietes gemäß dem ihr vom Völkerbund erteilten Auftrag einen solchen Schuß ihrer Grenzen vornehmen? Berlin, 18. Juli, Auch an der holländischen Grenze Amsterdam, 18. Jult.( Eig. Ber.) Gegen das Saargebiet wendet die Naziregierung legt die gleichen Methoden an wie gegen efters reich. Am 23. Juli tommt nach Leitersweiler, nn: mittelbar an der Saargrenze, der preußische Hohenzollern: prinz Auguft Wilhelm, einer der Nazibonzen, und hält dicht an der Grenze eine Grenzlandkund gebung mit dem gleichen herausfordenden Charakter ab, wie sie am vergangenen Sonntag in Kufstein in Bayern an der österreichischen Grenze stattfand, die gegen das Verbot der Nazi- Partei in Defterreich und gegen die Regierung Dollfuk gerichtet war. SA. und SS. waren aus München und Die Enttäuschung Spannung in den Betrieben Der Berliner Spezialforrespondent des Journal" melbet, daß die Fricksche Verordnung sich gegen äußerst starke Stimmungen der Enttäuschung in Deutschland wendet, und vermutlich erfolglos. Man muß bei dieser Gelegenheit betonen, daß die Massen der Arbeiter, Handwerker und Kleinbürger, mit verdoppelter Kraft die vollständige Anwendung der 25 Punkte des von Hitler selbst in den Wahlkampagnen so oft entwickelten Programms fordern. Es besteht kein 3weifel daran, daß das Verhältnis zwischen den Industriellen und den braunen Zellen äußerst gespannt ist und daß vor allem in Oberschlesien die nationalsozialistischen Zellen in offenem Krieg mit den Unternehmern stehen." In den holländischen Grenzbezirken, insbesondere in Limburg, entfalten die Nazi- Agenten eine von Terrormaßnahmen gegen deutsche Arbeiter begleitete fieberhafte Propagandatätigkeit. Von den Nazi- Agenten bes sonders verfolgt werden die etwa 25 000 deutschen Bergarbeiter, die in den limburgischen Bergwerken beschäftigt sind. Der holländische Justizminister hat sich vers anlaßt gesehen, die zuständigen Polizeibehörden anzuweisen, gegen die Nazi- Agenten mit aller Strenge vorzugehen und diese unverzüglich des Landes zu verweisen. 1000 Mann ,, Faschistenmarsch" durch London London, 17. Juli. Ueber 1000 Mitglieder des bris tischen Faschistenverbandes aus London und den Provinzen veranstalteten gestern unter ihrem Führer Sir Oswald Mosley einen Demonstrationsmarsch durch das Londoner Westend. Der Marsch, der die Anwerbung neuer Mitglieder bezweckte, erregte großes Aufsehen. In einer Ansprache führte Mosley aus: Auf diesen Marsch werden weitere Märsche in allen großen Städten Englands folgen. Sie wers den ein Sinnbild des faschistischen Marsches zur Macht sein. Obwohl die Bewegung erst vor zehn Monaten begonnen hat, ist ihr Wachstum schneller gewesen als das irgend einer faschistischen Bewegung in der Welt.... Die Engländer, in alter demokratischer Tradition erzogen, werden dem Hitler Mosley etwas husten. Verhaftungen in Kassel Alles aus Angst vor ,, Greueln", lies: Wahrheit Raffel, 17. Juli. Auf Anordnung des Geheimen Po Iizeiamt& wurde von der hiesigen SS.- Standarte eine Aktion durchgeführt, die sich gegen verschiedene bekannte Persönlichkeiten richtete, von denen man annimmt, daß sie noch Verbindungen mit dem früheren Reichstagsabgeordne ten Scheidemann unterhalten oder daß ihnen von Scheidemann Vermögenswerte zur Aufbewahrung übergeben worden seien. Im Laufe der Aktion wurden zahlreiche Haussuchungen vorgenommen, auf Grund deren Ergebnis der frühere Direktor der staatlichen Kunstgewerbeschule, Profeffor Sautter, der Architekt Karl Wittrock und der frühere Stadtverordnete Christian Wittrod in Schutzhat genommen wurden. Der Rechtsanwalt 3inn wurde in Untersuchungshaft genommen, weil bei ihm Greuelpropagandamittel und Greuelphotographien gefunden wurden, wie sie in Auslandszeitungen erschienen sind. Ferner fand man bei dem Anwalt noch Vermögensteile des aufgelösten Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold", mit deren Hilfe Zinn noch in letzter Zeit an verschiedene Personen Zahlungen geleistet haben soll. Im heiligen Köln Hitlergruß dienstlich Das städtische Presseamt teilt mit:„ 3um nochmaligen bes sonderen Hinweis auf die Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten, daß die Behörden als Vollstrecker des nationalen Willens und aufs tiefste verbunden mit dem Gedanken der nationalen Erneuerung und Erweckung den entstandenen Grußbrauch Rechnung zu tragen haben, hat Oberbürgermeister Dr. Riesen angeordnet, daß alle städtischen Beamten usw. den Hitlergruß nicht nur bei Teilnahme an Veranstal= tungen, sondern im dienstlichen Verkehr immer anzuwenden haben." Dienstboten- umsonst Zum Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung zählt die Einstellung von Hausgehilfinnen. In den lezten Jahren sind in Deutschland etwa eine halbe Million Hausgehilfinnen weniger beschäftigt worden. Man will nun kinderreichen Familien insofern eine Erleichterung bieten, als ihnen auf der Grundlage eines Hauswirtschaftlichen Dienst jahres eine weibliche Hilfskraft zugewiesen werden soll. Heuchlerisch heißt es, daß so viele deutsche Mädchen die richtige Führung eines Haushaltes praktisch erlernen werden. In Wahrheit werden eben auf diese Weise Gratisdienstboten geliefert. Denn daß nur Proletarierinnen für dieſes„ hauswirtschaftliche Dienstjahr" in Betracht tommen wer wollte in Nazideutschland daran zweifeln? Sozialistenkampf in Paris Stimmungsbild vom Nationalkongreß der französischen Sozialdemokraten Der zweite Tag bringt Sammlungsversuche und Vorgefechte- Die Tagesordnung Bracke wird angenommen Ein kritischer Augenblick in der Nachtsitzung ,, Ami du peuple", ein berüchtigtes Coty- Blatt, das seinen Starken Absatz weniger dem Inhalt als der Preiswürdigkeit" während die anderen Pariser Boulevardblätter 25, 30 und mehr kosten, beträgt der Preis des„ Ami du peuble" nur 15 Centimes erscheint heute mit einer Karikatur, die zwar wenig Geschmack zeigt, dafür aber politisch e Wunsch gedanken ausspricht: Auf dem Boden eines Zimmers liegen einzelne Körperteile Renaudels und Leon Blums, der Führer zweier Rongreßgruppen. Eine Reinemachefrau ist im Begriff, die Körperteile zusammenzukehren. Da tritt van der Velde in die Tür: Achtung, die Stücke nicht fortwerfen, man kann sie noch brauchen!" lauten die Worte, die das Bild dem Präsidenten der Internationale in den Mund legt. Wie gesagt, geschmackvoll ist dieses Bild nicht, dafür aber spricht es Wunschgedanken der Leute um Coty aus: wie gerne möchte man, daß der 30. Kongreß der französischen sozialdemotratischen Partet mit einer oder womöglich gleich mehreren Spaltungen endete. Wie nett ließe sich auf diese Weise auch in Frankreich der Boden für eine faschistische Be= wegung weiter vorbereiten. Nun, der zweite Kongreßtag hat solchen Wunschgedanken der französischen Faschisten bestimmt nicht entsprochen, im Gegenteil. Man hat den zweiten Kongreßtag benutzt, um eine Art Brandmaner zu errichten, die, wenn es im weiteren Verlaufe des Kongresses wirklich zu schärferen Auseinanders segungen kommen sollte, die Wirkungen dieser Entwicklung auf den Ursprungsherd beschränken und eine allgemeine Spaltung der Partei verhindern soll. Es war dabei gar nicht so leicht, diese Brandmauer- sie besteht in einer angenommenen Tagesordnung Brackes aufzuführen. Die Gruppe um RenaudeI leistete heftigen Widerstand. Von ihrem Standpunkte aus ist es auch verständlich. Die angenommene Tagesordnung Brackes verpflichtet nämlich sämtliche Confederationen der sozialdemofratischen Parteien Frankreichs, aus den weiteren Beschlüssen des 30. Kongresses, wie immer sie auch lauten, keinen An= laß zur Trennung von der Parteiherzuleiten. Es ist ohne weiteres klar, daß damit die weiteren Bewegungsmöglichkeiten der Gruppe Renaudel empfindlich verringert werden, und es ist vollkommen begreiflich, daß sie mit allen Mitteln die Annahme dieser Tagesordnung zu verhindern suchte. Aber das gelang nicht. Mit einer außerordentlichen Ueberlegenheit der Stimmen fand die Motion Braces Annahme. Borausgesetzt, daß alle Unterorganisationen der französischen Partei diese Beschlußfassung anerkennen daran sollte man eigentlich nicht zu zweifeln brauchen wäre damit die Gefahr einer weitgehenden Spaltung der Partei aus Anlaß des diesjährigen Kongresses im Grunde genommen beschworen. Aber es wäre natürlich irrig, in diesem Er. gebnis des zweiten Rongreßtages, so wichtig es ist, mehr als ein taktisches Ergebnis zu sehen. Aus dem Verlauf der Debatten wurde es immer mehr klar, daß die Gegensäbe an sich wesentlich tiefer liegen. Was Renaudel und feine engeren Freunde wollen, ist das, was manin Deutschland, Tolerierung" nannte. Die Argumente für eine derartige Politik sind zwar allgemeiner, als die in Deutschland seinerzeit für die Tolerierung ins Feld geführten, aber das Ziel ist ziemlich gleich. Die Bataille socialist e, unter der Führung Paul Faures dagegen, will nichts von Tolerierung wiffen. Gleit für Opposition, vielleicht nicht um jeden Preis und unter allen Umständen, jedenfalls aber für den gegenwärtigen Beit punkt und unter den heutigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen. Es hat gar keinen Sinn, diesen einfachen Ausgangspunkt der Gegensäße zu verwischen oder zu komplizieren. Es sind in Wirklichkeit ähnliche Gegensäße, wie sie vor zehn Jahren in Deutschland im Rahmen der sozialdemokratischen Partei auftraten und zum offenen Ausbruch gelangten. Klar, daß es auch im Rahmen der französischen Partei nicht leicht sein wird, die Brücke zu schlagen. Möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich immer noch, daß vor dem Ende des Kongresses so oder so Gruppen„ militanter Sozialisten" aus der französischen Partei ausscheiden. Der Gewinn des zweiten Tages aber ist, daß diese Entwicklung begrenzt bleibt- we nigstens für den Augenblick. An kritischen Momenten war dieser zweite Sigungstag nicht arm. Einen Krisenhöhe punkterreichten die Verhandlungen in einer Nachtsizung. Da hatte Renaudel den großen schwarzen Hut schon auf dem Kopfe, um die Sigung, und damit zugleich wohl auch die Partei zu verlassen. Die Bentristen", die dritte Gruppe dieses Parteitages, stellte sich dieser überspizten Entwicklung der Dinge beherzt in den Weg. Man konnte Renaudel und seine Freunde zum Bleiben bewegen. Als ob der kritische Moment die vorhandenen Spannungen zu einem Teile entladen hätte! Es war nicht zu verkennen, daß alle Kongreßteilnehmer ohne Unterschied der Richtung mit großer Ruhe und man möchte fast sagen, fast mit der Innerlichkeit des ersten Tages, zuhörten, als Auriol und Grumbach, die Verhandlungen dieses Tages mit Hinweisen auf die Gefahren des Augenblickes schloffen. Die Notwendigkeit eines großen Kreuzzuges gegen den Faschismus bejahten alle im Saale. Vielleicht, daß diese Notwendigkeit des Augenblides am dritten und vierten Kongreßtage doch noch die Brücke baut und die Brandmauer überflüssig macht! 300 Millionen Mark neue Steuern Der leere Bettelsack Es muß schlecht um Hitlers Kasse und um die Kasse des Reiches stehen. Man schwingt schon den Bettelsad, um Geld zu beschaffen. Das neueste ist eine freiwillige" Arbeitsspende. Einstweilen ist das Ergebnis dieses Appells sehr dürftig. Aus einem Aufruf des Staatssekretärs im Reichsfinanzministerium, Reinhardt, ersieht man, daß der Druck mit der Hungerpeitsche und die Gefahr der Internierung im Konzentrationslager zwar ausgereicht hat, um einige Beamte, Angestellte und Arbeiter ou zwingen, einen Teil ihres Lohnes als Spende zu entrichten. Aber von Unternehmern wird etwas derartiges noch nicht einmal mitgeteilt. Als Ergebnis der Spende sind bisher 10 Millionen Mart genannt worden. Die„ Spende" ist natürlich nichts anderes, als ein gewöhnlicher Abzug an Lohn oder Gehalt. Im Dritten Reich müssen nur Arbeiter, Angestellte und Beamte zahlen. Das hat die „ Ehest and shilfe" bewiesen, die von der Hitler- Regierung eingeführt worden ist. Sie ersetzt die alte Ledigensteuer, die nur 1 Prozent betrug, während die Ehestandshilfe mindestens 2 Prozent ausmacht. Außerdem wird diese Steuer in erster Linie von den kleinen Leuten erhoben. Sie muß Auch ein..Ehrenmann" Teilweise Rebellion gegen einen Reichsstatthalter Bom Reichsstatthalter in Hamburg, Herrn Raufmann, weiß man, daß er ein Betrüger ist. Im Jahre 1930 hat dieser junge Mann z. B. eine Urkundenfälschung begangen und sein Lebensalter einfach erhöht, um in den Reichstag gewählt zu werden. Er war nämlich damals erst 24 Jahre. Er machte fich da einfach ein Jahr älter. Auch sonst wirft man dem Herrn Reichsstatthalter allerhand Bergehen vor. Vieles ist den SA.- Leuten in Hamburg bekannt, wenn auch vielleicht nicht alles. Der SA.- Führer Böckenhauer, Hamburg, weiß wahrschein lich recht viel. Er weigerte sich nämlich, bei der„ feierlichen Einführung" des Herrn Kaufmann als Reichsstatthalter seine SA.- Leute aufmarschieren zu lassen, mit der Begründung, daß man Kaufmann feine Ehren erweisen könne; denn er sei alles andere als ein Ehrenmann. Böckenhauer wurde dafür eingesperrt. Er sitzt noch heute im Gefängnis. Wieviel mögen noch fizzen, weil sie zuviel wiffen? Sorgen Der Gesellschaftsanzug der SA. Dr. Göbbels hat der Modezeitung„ Herren- Journal" verboten, Bilder von ihm zu bringen, weil diese Zeitschrift Göbbels in einer Uniform abgebildet hatte, wie er im Flughafen von Rom auf die Ankunft des Zeppelin wartet. Die Zeitschrift hatte, wahrscheinlich ohne jede Sinterabficht, einen Artikel Der Gesellschaftsanzug der SA." gebracht. Zugegeben, daß Herr Göbbels auf diesem Bilde schauder= baft aussieht aber hat er teine anderen Sorgen, als die Untaten einer Modezeitschrift? bereits bei dem Einkommen von 75 Mart mit 2 Prozent entrichtet werden. Bei einem Einkommen von 150 Mark beträgt sie 3 Prozent, bei 300 Mart 4 Prozent, bet 500 Mart 5 Prozent. Eine weitere Steigerung findet nicht statt. Dort also, wo die Steuer erst beginnen sollte, hört die Erhöhung bereits auf. Die Steuer ist also wesentlich unsozialer gestaltet als die Einkommensteuer. Sie ist eine brutale Belastung der fleinen Leute, dagegen ist eine sehr wesentliche Entlastung der hohen Einkommen. Selbst in rein fapitalistischen Staaten werden die kleinen Einkommen viel besser behandelt. So hat vor kurzem der Kanton Base I eine Sozialsteuer eingeführt, bei der alle Einkommen unter 2000 Franken steuerfrei sind, während Einkommen von 50 000 Franken einen Zuschlag von 15 Prozent zu zahlen haben. Allein durch Ehestandsbeihilfe und Fettsteuer, die beiden einzigen Steuererhöhungen, die das Hitler Regime gemacht hat, werden den unteren Schichten des Volkes dreihundert Millionen Mart gestohlen. Jede Familie verdankt also Hitler auf diesem Weg eine Einfommensminderung von 30 Mart. Sie wird zu Geschenken an die Reichen benutzt! Oeffentlichkeit ausgeschlossen! Der Besuch von Arbeitslagern nicht mehr gestattet Die Reichsleitung des Arbeitsdienstes hat eine allgemeine Einschränkung der Besucher der Arbeitslager angeordnet. Besonders scharf sollen Gesuche von Ausländern nachgeprüft werden, da bei Besuchen in Arbeitsdienstlagern ausländische Journalisten Unterhaltungen mit Arbeitsdienstfreiwilligen führten, die sie dann völlig objektiv in der englischen, französischen und österreichischen Presse veröffentlichten. Solche Gespräche, die völlig objektiv wiedergegeben wurden, haben immer wieder die große Unzufriedenheit der Freiwilligen mit den Einrichtungen und Arbeitsbedingungen des Lagers bewiesen. Es ist anzunehmen, daß die Arbeitsdienstlager jetzt ziemlich hermetisch gegen Besuche abgeschlossen werden. „ Es geht aufwärts!" Sterben der mitteldeutschen Industrie Die deutschen Nilos- Werke in Chemnitz haben alle ihre Angestellten entlassen, es ist fraglich, ob der Betrieb aufrecht erhalten bleiben kann. Die Chemnitzer Maschinenfabrik Reinecker muß 400 Mann entlassen, nachdem die Belegschaft bereits wesentlich reduziert worden ist. David Richter in Chemniz arbeitet nur noch stark verkürzt. Faschisten in Spanien Nach deutschem Muster Paris, 17. Juli. Havas meldet aus Madrid folgenden Vor fall: In dem Versammlungslokal der Vereinigung Die Freunde Rußlands" in Madrid erschien eine Anzahl junger Leute und fesselte den Vorsigenden der Vereinigung, der fich gerade dort befand, sowie einen Sefretär. Daraufhin nahmen sie eine Reihe von Schriftstücken mit und ver schwanden, nachdem sie an die Mauer einen Bettel geklebt hatten, auf dem zu lesen war: Wir gehören zur J. D. N. S. Man nimmt an, daß diese vier Buchstaben die Benennung einer faschistischen Jugendorganisation bedeuten. Wie bei uns Konzentrationslager auch in Bulgarien Die bulgarische Regierung hat nach deutschem Muster zwei Konzentrationslager für zwei verschiedene Gruppen der mazedonischen Bewegung eingerichtet. Erschießungen auf der Flucht sind auch schon gemeldet worden. Die Flüchtlinge Ein guter Vorschlag In der holländischen Presse erschien ein grundlegender Artikel des Vorsitzenden der holländischen Parlamentsfraktion Alberda über das Asylrecht politischer Flüchtlinge. Es wird der Regierung empfohlen, mit den Regierungen anderer Länder in der Tschechoslowakei, Schweiz, Frankreich, England, Belgien usw. in Verbindung zu treten, um eine grundlegende Vereinbarung zu treffen. Die Flüchtlinge dürfen nicht Freiwild der Willkür reaktionärer Beamter sein. Dollfuß Aus dem katholischen Studentenverband ausgeschlossen Berlin, 18. Jult. Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Forchbach wurde zum Führer des Kartellverbandes der katholisch- deutschen Studentenverbindung( C. V.) ,, bestellt". Der neue Führer des C. V. hat den österreichischen Bundeskanzler Dollfuß und die übrigen Mitglieder der österreichischen Bundesregierung aus dem E. V. ausgeschlossen. Professoren entlassen! In Berlin Die neuen verschärften Bestimmungen des Berufs- Beamten- Gesezes gegen Nichtarier werden jeßt auch rücksichtslosgegen die Professoren der preußischen Hochschulen ausge übt. Der Rektor der Handelshochschule in Berlin hat auch an die Honorarprofessoren jüdischer Abstammung die Mitteilung ergehen lassen, daß sie vom preußischen Kultusminister ihres Amtes enthoben seien, obwohl die Honorarprofes= soren gar keine Berufsbeamten und auch gar nicht so, wie. die Beamten absetzbar sind. Zu den auf diese Weise widerrechtlich entlassenen Lehrern der Berliner Handelshochschule gehören unter andern die Honorarprofessoren der Volkswirtschaftslehre Melchior, Palyi, Landauer und Georg Bernhard. Wie verlautet, ist auch der Professor der Privatwirtschaftslehre Staatssekretär a. D. Julius Hirsch der widerrechtlichen Anwendung der neuen Bestimmungen zum Opfer gefallen. ..Kommilitonen" Die Tätigkeit der Studenten ist Spitzel- und Gendarmendienst Der Führer unter dem geht es nicht der„ deutschen Studentenschaft" hat die Einzelanweisungen für die künftige studentische Arbeit an den deutschen Hochschulen" erlassen. Aus diesen Anweisungen, so weit sie nicht einfach organisatorische Maßnahmen der Einteilung in Fachschaften und Fachgruppen" bedenten, ist eine einzige wichtig, aber auch bes zeichnend:„ Die Mitwirkung der Fachschaften an der Säuberung der Hochschulen von Dozenten, die nicht Lehrer sein können und von Studierenden, die nicht Studenten sein tönnen." Der deutsche Student soll also vor allem Spigel und Gens darm sein. Erfüllt er diesen Beruf nicht und ererziert er nicht fleißig, tommt er nicht, wie es ba heißt, zum Dienst", so fällt er unter den folgenden Passus: Zuwiderhandlungen gegen die Anordnungen des Fachschaftsleiters werden nach soldatischen Gesichtspunkten geahnbet." Darré ,, korht mit Wasser" All das hatten sie vorher versprochen! Auf dem Nassauischen Bauerntag in Wetzlar erklärte der neue Nazi- Reichsernährungsminister Darre: „ Es dürfe feiner glauben, daß er nun, nachdem er Minister geworden sei, bie Dinge über Nacht zum Besten wenden könne. Harte Arbeit sei vielmehr nötig." Daß sie hart arbeiten müssen, haben die Bauern auch schon vor Herrn Darre gewußt. Das Eingeständnis aber, daß auch er ihre Lage nicht bessern tann, nachdem sie ihm zur Macht verholfen haben, wird die Bauern nicht weniger verwirrt haben, als die restlose Absage des Herrn Hitler an jeden Sozialismus" im nationalsozialistischen Staat die SA. wie ein Donnerschlag getroffen hat. Herr Nazi- Darre hat dann im weiteren Verlauf seiner Rede die Bauern damit getröstet, fie müßten wieder von dem Bewußtsein erfüllt werden, ein töniglicher Bauer zu sein". Wir fürchten nur, daß dieses Bewußtsein weder dem ersten handfesten Hunger noch irgendwelchen sonstigen realen Bedürfnissen der Wirklichkeit standhalten wird. Wie lange werden noch die Bauern mit solchen Phrasen von den Nazis an der Nase herumgeführt werden fönnen? In Giebelstadt dürfen keine Juden telefonieren In der kleinen süddeutschen Stadt Giebelstadt sind sämt liche Telefone jüdischer Teilnehmer abgesperrt worden. In dieser Stadt wird man demnächst die Erlaubnis, ein Maschinenfabrik Hilscher in Chemnitz steht vor dem Telefonanschluß zu benußen, von der Vorzeigung der Bankrott. Mitgliedskarte der SA. abhängig machen. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" ★ Ereignisse und Geschichten Kathrin" meldet sich Adrienne Thomas gegen die Hitler- Barbarei Adrienne Thomas hat vor einigen Jahren eines der ergreifendsten Kriegsbücher geschrieben:„ Kathrin wird Solda t." Es war ein aufwühlendes Bekennt nis zum Humanismus und zur Idee des Friedens, das diese Schriftstellerin mit einem Schlag zur Welt: berühmtheit brachte, Nach Jahren des Schweigens ist fie aus der Fremde in ihre lothringische Heimat zurückgekehrt und schildert( in der soeben erschienenen NumJahren, schlug seine Stunde auf einem Scheiterhaufen: Und sie bewegt sich doch!"" Und sie bewegt sich doch!" ruft es in dieser Nacht aller Welt vernehmbar von den Holzstößen in die Sonnenfinsternis hinein und sie bewegt sich doch!" trotz Mondenschein und sie bewegt sich doch!" auch für uns, trop Egil! mer der„ Bunten Woche“) die Eindrücke ihrer Rückkehr. War ich es?" Diese Schilderung leitet sie mit folgendem feierlichen Proteft gegen die Hitler- Barbarei ein: Heute, da ich darangehe, diese Eindrücke einer Lothringenreise zusammenzustellen, rauchen im Dritten Reich die Scheiterhaufen, um den Ungeist der Vergangen heit den Flammen anzuvertrauen". Einer Anklage, die sich auf Argumente stützt, wie„ dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache" und" demokratisch- jüdische Prägung", hat man fein einziges Wort entgegenzustellen. Dieser Ungeist" fann auch auf jegliche Rechtfertigung verzichten. Er ist bereits gerade über diese Scheiterhaufen auf dem direktesten Weg in die Geschichte eingegangen. Nur für uns selbst, für unsere Kriegsgeneration, möchte ich feststellen, daß er es war, der uns in einem Leben, dessen Phasen Inflation, Verarmung, Krise, Nationalsozialismus hießen, die Haltung iener persönlichen Tapferkeit gab, die von uns in all diesen Jahren in weit größerem Umfang gefordert wurde als im Krieg. Bei uns handelte es sich um einen permanenten Kampf. Wir hatten nicht Schuß und Unterstand. Uns traf es immer. Vernichtete mühselig Aufgebautes, schwer errungenen Erfolg und viele Existenzen. Nur uns selbst nicht. Wir standen wieder auf, fingen wer weiß noch, zum wievielten Male? von vorn an und wollten in der Grausamkeit unserer Epoche noch etwas Naturgewaltiges, den Atem von etwas mitreißend Neuem spüren. Ein Glaube, der in diesen Tagen der totalen Sonnenfinsternis zwar betäubt, aber nicht erstickt werden konnte. Auch diesmal, das geloben wir in dieser Stunde dem " Ungeist", auch diesmal werden wir aufstehen und uns in Reth und Glied stellen für die, die jetzt auf dem Felde der Ehre geblieben sind. Denn das Naturgewaltige, das mitreißend Neue, an bas wir glauben, ist etwas uraltes, ist: menschliches Erfenntnisvermögen. Schon einmal, vor genau dreihundert » " Alfred Kece schreibt in der Pariser Zeitschrift Les Annales" über Deutschland. Der erste Absatz des Artikels sei hier wiedergegeben:„ Habe ich den Reichstag in Brand gesteckt? Habe ich die Greuel begangen?( Es wurden Greuel verübt und viel mehr als die, welche bekannt wurden.) Habe ich in Paraden und in Feuerwerken die letzten Pfennige eines verarmten Voltes verpulvert? War ich es etwa, der sich Sozialist" nannte und dabei von der Schwerindustrie bezahlt wurde? War ich es, der sich„ ultranational" nannte und dabei das Ausland bis in die letzte Kleinigkeit nachäffte? War ich es, der sich„ Patriot" nannte und dabei Deutschland balkanisierte? War ich es, der sich„ heldenhaft" nannte und dabei einen feigen Krieg gegen eine ohnmächtige Minorität führt?( Es gibt in Deutschland mehr als hundert Arier auf einen Juden.) War ich es, der„ Tod den Volschewisten!" rief und dabei Bolschewismus schafft? War ich es, der„ Nieder mit der Korruption!" rief und die kleinen Verbrecher in Retten warf und die großen beschützt? War ich es, der schwor," legal" zu bleiben und dabei die Revolution verkündete? War ich es, der die Disziplin verkündend die Menge zu wilder Leidenschaft aufreizt und erlaubt, daß in den Straßen Lieder gesungen werden, die Aufforderung zum Mord find?" An einer anderen Stelle des Artikels heißt es:„ Mein teurer Gerhard Hauptmann, mit dem ich ein Leben lang befreundet war, weiß genau, daß ich aus Deutschland verbannt bin, daß es allen deutschen Zeitungen verboten ist, auch nur ein Wort von mir zu drucken, daß mein Leben wie mitten entzweigeschnitten ist. Trozdem hat er mir auch nicht einmal eine Postkarte geschrieben... Offenbar hat dieser Dichter des Altruismus Respekt für die Herren und Vergessen für die Opfer..." Ullstein verlegt Richthofen ,, Es liegt vohl im Blute eines Germanen" Der Verlag Ullstein hat das Buch:„ Der rote Rampfflieger" von Manfred Freiherr von Richthofen neu herausgegeben, und Reichsminister Göring hat das Vorwort zu diesem Buche geschrieben. Zu diesem Verrat verkündet der Preußische Ministerpräsident und Reichstagspräsident: " Ohne Wehrhaftigkeit gibt es feinen Staat, tann es feine stolze und ehrliebende Nation geben". Diese Worte seien durch die nachfolgenden Zitate aus dem Richthofen- Buch illustriert: S. 42: Wie ich wieder runterfam stand ich inmitten einer murrenden und murmelnden Menge feindselig blickender Jünglinge. Ich hätte so eine kleine Rauferei ganz gern gemocht. Ich fühlte mich mit meiner Pistole in der Hand ganz kolossal sicher..." S. 42: Die Einwohner hatten sich, wie ich später erfahren habe, sowohl einige Tage vorher gegen unsere Kavallerie als auch später gegen unsere Lazarette sehr aufrührerisch benommen, und man hatte eine ganze Menge dieser Herren an die Wand stellen müssen..." S. 47:„ Sofort ließ ich das Haus nach ihnen durchstöbern ( Franktireurs), fand aber keinen mehr. Wir fanden noch die Schrotspriße am Fenster stehen und mußten uns auf andere Weise rächen. In fünf Minuten stand das ganze Haus in Flammen. .. G. 47:„ Es liegt wohl im Blute eines Germanen, den Gegner, wo man ihn auch trifft, über den Haufen zu rennen, besonders natürlich Kavallerie..." S. 49:„ Der Gegner hatte uns glänzend überrumpelt. Er hatte uns wohl von Anfang an beobachtet, und wie es dem Franzosen nunmal liegt, aus dem Hinterhalt seinen Feind zu überfallen, so hatte er es auch in diesem Falle wieder versucht." S. 51: Nebenbei bemerkt, hingen drei Tage darauf mehrere von den Gastgebern( Mönche) an dem Laternenpfahl, da sie es sich nicht hatten verkneifen können, sich an dem Krieg zu beteiligen..." S. 121: Nun kommt eine echt englische Augen Gemeinheit..." in meinen S. 122:„ Gestern schoß ich den Einunddreißigsten ab, vorgestern den Dreißigsten. Lothar hatte gestern seinen ersten Luftkampf. Er war sehr befriedigt, denn der Gegner war angeschossen.' runtergefallen ist er natürlich noch nicht, denn das wäre zu viel Schwein beim erstenmal gewesen..." S. 123: Dem Franzosen liegt es, aus dem Hinterhalt zu überfallen und einen anderen aufzulauern..." S. 101:„ Mein Beobachter schoß feste mit dem Maschinengewehr unter die Brüder und wir hatten einen wilden Spaß baran..." Stephan Heym: Jch aber ging über die Grenze... Meinen Vater sperrten sie ein. Meines Bruders Hand nahmen fie, fagten:" Das find Proletenhände? Haha Und dein Bruder, der Hund, will das Wort führen für fie?" An meiner Mutter Schrei'n tehrten sie sich nicht. Kehrten sie sich nicht. Ich aber ging über die Grenze. Ueber die Berge, da noch der Schnee lag, auf den die Sonne brannte durch die dünne Luft. Und der Schnee drang ein in meine Schuhe. Nichts nahm ich mit mir als meinen Haß. Den pflege ich nun. Täglich begieße ich ihn mit fleinen Zeitungsnotizen von kleinen Morden, nebensächlichen Mißhandlungen und harmlosen Quälereien. So bin ich nun einmal. Und ich vergesse nicht. Und ich komme wieder über die Berge, ob Schnee liegt, oder das Grün des Frühlings die Höhen bedeckt, oder das Gelb des Sommers, oder das dunkle Grau des Herbstes, der den Winter erwartet. Dann steh, ich im Lande, das sich befreien will, mit einer Stirn, die zu Eis geworden in den Jahren, da ich wartete. Dann sind meine Augen hart, meine Haare weiß, aber mein Wort ist noch da, die Kraft meiner Sprache und meine Hand, die des Revolvers eiserne Mündung zu führen versteht. Ueber die Straßen geh' ich der Heimatstadt, über die Felder, die mir verloren gingen, auf und ab, auf und ab. Wir werden nicht martern. Wir sind ja nicht Bestien in Menschengestalt; aber ohne Lächeln werden wir sein, ohne Versöhnung. Dies und jenes hat man getötet in uns, das wird sich rächen ob wir wollen oder nicht. Meinen Bater sperrten fie ein. Meines Bruders Hände betafteten fie, wie der Megger befühlt das Maul der schlachtreifen Ruh. Und an meiner Mutter Schrei'n, meiner Muter Schrei'n, kehrten sie sich nicht. Wir zweifeln nicht daran, daß auch das deutsche Volt, das Franz Lehar kein Komponist für Nazis wieder wie in den Tagen des großen Stahlbads zu Mord und Brutalität erzogen wird, seinen„ wilden Spaß" an den Erlebnissen des roten Kampffliegers haben wird. Und wir beglückwünschen den Verlag Ullstein zu dem ebenso fühnen wie geschäftstüchtigen Einfall, dem neuen Deutschland dieses Buch- mit einer Widmung des Reichstagsbrandstifters Göring versehen auf den Geburtstagstisch zu legen. Uuglückliche Fügung Es fehlt den Nazis an Persönlichkeiten In unbewachten Momenten entschlüpft selbst der Nazifeder die Wahrheit. In Nr. 187 des„ Völkischen Beobachters" triumphiert ein sicherer Robert Scholz über die Entfernung von bekannten Männern wie Wäzold, Justi und Friedländer von der Leitung der Berliner Museen und ihre Ersetzung durch gesinnungstüchtige Nazi- Nullen. Dabei unterläuft dem Verfasser folgendes Geständnis: In ihre( Wäzolds, Justis und Friedländers) Hände war eine Macht gelegt, von deren Reichweite sich der Außenstehende kaum eine Vorstellung machen kann. Und es war eine unglückliche Fügung des Schicksals, daß die marristischen Machthaber zur Verwirklichung ihrer Der Kampfbund für deutsche Kultur propagiert den Boykott der Operetten von Franz Lehar. Die lustigen Witwen der Nazis werden mit den Melodien des Kapellmeisters Fuhsel auch glücklich werden. Lehar ist entrüstet über den Boykott, da er sich niemals politisch betätigt hatte. Allerdings habe sein Bruder, ein General, einmal die deutsche Kriegsführung kritisiert. Als ob das fein Grund wäre! Export aus Böhmen Von dort her ziehen die echten Germanen Die nationalsozialistische Parteiforrespondens beugt". demnächst fälligen Enthüllungen über Hitlers tschechische Abstammung dadurch vor, daß sie plößlich schreibt:„ Es ist ein großartiger und versöhnender Zug des unerforschlichen Schicksals, daß aus Böhmen, dem deutschen Kern= lande der österreichischen Monarchie, in Adolf Hitler uns der Mann erstand, der auf dem Stuhle Bis-, marcks das große Werk der Einheit vollendet. Wir fürchten: auch das ist eines Tages eine jüdische Er findung. zerfegenden Kulturpolitit in diesen Männern Selfer von Das acische Schachbrett einem überdurchschnittlichen Ausmaß der Persönlichkeit und Anlage fanden. Ach ja, das ist überhaupt so eine unglückliche Fügung", daß in der Literatur, in der Malerei, beim Theater, kurzum auf fast allen Kulturgebieten die Männer von„ überdurchschnittlichem Ausmaß" auf Seiten der Geistesfreiheit stehen, während sich um den Göbbelsschen Reklamelautsprecher, der das Rasseln der Sklavenketten verschluckt und übertönt, nichts als geistarme Streber und Honorarschinder sammeln. Wirklich nur eine unglückliche Fügung des Schicksals? Ach nein, es ist ein ehernes Gesetz aller menschlichen Entwicklung, daß Geist und Freiheit einerseits, Dum m= heit und Sklaverei andererseits unlöslich zusammengeschmiedet sind! Keine Christen Graf Reventlow gibt in seinem Reichswart" offen zu, daß die Anhänger des Hakenkreuzes nicht als Christen bezeichnet werden können.„ Wir nennen uns Christen, sind es aber nicht und können es nicht sein. Das Christentum stimmt nicht mit unserer Rasse überein. Der ans Kreuz geschlagene Asket ist der Gott der Altgewordenen und Kranken." Der deutsche Schachbund hat sich an Göring gewandt, um eine für den Verband wichtige Frage zu klären, nämlich, ob dem Verband auch Personen angehören dürfen, deren Großväter nicht eindeutig arifcher Abstammung waren. Die Frage ist negativ beantwortet worden. Was wird nach diesem Diktum aus dem deutschen Schach werden? Die besten Spieler, die Deutschlands Schachruhm durch die Welt trugen, waren Juden: Steiniz, Tarosch, Lasker, um nur ein paar Namen zu nennen. Auch am Schachbrett behalten diese Arier ihr vom Großvater her stammendes individuelles Brett vor dem Kopf. Tote Nation „ Nach einer solchen Epoche sich der Jdee des Schwertes verkaufen und über Geist und Geistesfieg mit forporalsmäßiger Grobheit lachen, nein, glauben Sie mir, das ist eine tote Nation." Dostojewski. DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Der Entmannungsprozess von Graz Betrachtungen über einen Freisprud Nach mehr als dreiwöchiger Dauer ist der Grazer Ste rilisationsprozeß zu Ende gegangen. Das Gericht hat alle achtzehn Angeklagten vom Verbrechen der schweren körperlichen Beschädigung und von der Beihilfe zu diesem Verbrechen freigesprochen. Das ist ein rechtlich unanfechtbares und ein moralisch mutiges Urteil, ein Urteil gegen dunkle Duckmäuserei und ein Urteil gegen das Wegschauen von Tatsachen, die heute unser Leben beherrschen. Um was ging es in dem Prozeß? Da haben sich junge Proletarier, Verheiratete und Ledige, unfruchtbar machen laffen, um ihren Frauen, ihren Freundinnen, die Schwangerschaft zu ersparen. Angeklagt wurden alle, die die Ope= ration vorgenommen, die ihre Wohnungen zur Verfügung gestellt oder für die Sterilisation geworben hatten. Welches Verbrechen sollten sie begangen haben? Das Verbrechen der schweren körperlichen Beschädigung. Nach österreichischem Strafgesetz ist zum Verbrechen der böse Vorsatz erforderlich, jemandem Schaden zuzufügen. Wie war nun der Vorgang? Die Männer famen, so wie man ins Spital geht, um sich den Blinddarm oder die Mandeln operieren zu lassen, zu den Operateuren und verlangten die Operation. Da mit ihnen Schaden zugefügt werde? Nein, damit ihre Frauen vor Schaden bewahrt werden. Es heißt heucheln und blind sein, wenn man heute nicht erkennen will, daß in dieser Zeit der Not die Geburt eines Kindes in einer Proletarierfamilie als ein Schaden empfunden wird, den die Familie und das Neugeborene mit Hunger und oftmals mit Krankheit zu be= zahlen haben. Die Operateure handelten also im Einverständnis mit den Operierten. Diesen Tatbestand kannte der Staatsanwalt, als er die Klage erhob, diesen Tatbestand sowie daß sich keiner der Operierten geschädigt fühlte, mußte das Gericht im Verlaufe des Prozesses feststellen. Daß keiner der Operierten von einer Rückoperation, von einer WiederherstelIung ihrer Zeugungsfähigkeit, wissen wollte, kam in der Verhandlung einmal recht drastisch zum Ausdruck. Da hatte die Frau eines Sterilisierten, der aus St. Pölten zur VerhandIung gekommen war, aus den Zeitungsberichten erfahren, daß in der Verhandlung sehr viel von der Rückoperation gesprochen werde. Sie schrieb ihrem Mann einen Brief, in dem es hieß:„ Wenn Du Dich rückoperieren läßt, dann trau Dich nicht mehr nach Hause!" Dieser Sat sagt mehr über die sozialen Verhältnisse, unter denen wir leben, mehr auch über das Maß an einzelmenschlichem Leid, das heute in jeder Proletarierfamilie zu Hause ist, als lange Abhandlungen. In dieser Zeit beispiellosen Massenelends liegt der Kinderfegen" wie ein Fluch über jeder Fa= milie, über jedem Bett, in dem Arbeitslose ihre freudearmen Nächte verbringen. Aber klagt nicht die Proleten an, die keine Kinder mehr zur Welt bringen wollen, klagt den Kapitalismus an, der es so herrlich weit gebracht hat, daß hunderttausende Kinder heute nur noch für die Arbeitslosig= keit und die Tuberkelbazillen zur Welt kommen! Und klagt auch nicht über die Proletarierfrauen und Proletariermädchen, wenn sie den Kindersegen fürchten! Tief innen, ihr von der Natur mit auf den Weg gegeben, lebt in der Frau die Sehnsucht nach der Mutterschaft, nach dem Kind. Wer wissen will, was Mutterschaft bedeutet, der muß in diesen Tagen in die Proletarierwohnungen gehen und sehen, wie heldenhaft die Frauen um ihre Kinder kämpfen, wie sie sich alles und jedes versagen, um ihren Kindern das Stückchen Brot herbeizuschaffen, wie sie selbst täglich mehr verfallen und Hunger leiden, um nur ihren Kindern den Hunger zu ersparen und wie die Kinder doch immer schmächtiger und bletcher werden. Deshalb wollen sie keine Kinder mehr, deshalb werden sie verzweifelt und grau, wenn ihre Muttersehnsucht wieder in Erfüllung zu gehen droht. Da schreckt sie nicht die Drohung des§ 144, nicht die Tortur einer öffent lichen Verhandlung, die mit dürren Paragraphenfingern in ihr intimites Leben greift. Sie wollen feine Kinder mehr in. die Welt setzen. Etwa darum, weil es mehr Arbeit, mehr Sorgen für sie bedeutet? Ach, Arbeit und Sorgen, das ist ja ihr Leben und sie scheuen sie nicht. Nein, fragt nur einmal eine der Frauen, die nach so einer Verhandlung den Verhandlungssaal verlassen: die meisten haben Kinder, mehrere Kinder, an denen sie mit großer Liebe hängen. Aber noch ein Kind, das man mit seinen Bitten um Brot auf bes= fere Tage vertrösten soll? Nein- dann lieber es nicht zur Welt bringen! Lieber Leid auf sich nehmen auch um des Ungeborenen willen. Dieses Leid wollten die Männer, die sich sterilisieren ließen, ihren Frauen und Freundinnen ersparen und das Gericht hat nun ausgesprochen, daß niemand, der dies tut, eine strafbare Handlung begeht. Die juristische Begründung daß der Hoffnung Herz, schon so alt und noch immer nicht flug, hoffft zu von Tage zu Tagen, was dir der blühende Frühling nicht trng, wird dir der Herbst wohl tragen! Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch, immer zu schmeicheln, zu kosen. Knospend entfaltet am Morgen sein Hanch, abends verstrent er die Rosen. Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch, bis er sich völlig gelichtet, Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch, was ihr geliebt und gedichtet. Friedrich Rüdert, Was es alles gibt Die Frau im Urteil der Chinesen Der Chinese ist härter in seinen Aussprüchen als wir, er sagt: Die Zunge der Frau ist ihre Waffe, und die läßt sie niemals rosten. Tausend böse Geister sind besser als ein böses Weib. Eine kluge Frau bekommt stets einen Dummkopf zum Mann. Man muß seine Frau anhören, ihr aber nicht glauben. Das furchtsame Weib hat Mut genug, um üble Nachrede zu führen. Wenn Männer beieinander sind, so hören sie einander. Mädchen und Frauen besehen sich. Die hübschen Frauen sind gewöhnlich sehr unglücklich, die häßlichen sind dagegen kostbare Schäße. Die Seele der Frau ist aus Quecksilber und das Herz aus Wachs. --Tatbestand sich nicht in die gesetzlichen Bestimmungen ein Foreffen in der Wüste Im vorigen Jahre sind durch Flugzeuge 600 Forellen in die Jupiter- Ammon- Oase in Lybien gebracht und in den dortigen Gewässern ausgesetzt worden. Die Fische haben sich außerordentlich gut afklimatisiert, eine fürzliche Untersuchung hat ergeben, daß die Gewässer voll junger Fische sind. ordnen lasse, ist nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist der soziale Sinn dieses Urteiles. Daß in diesem Gericht feine dreimal verdammten Freidenker saßen, sondern daß sich unter den Schöffen ein„ Silfspolizist", also ein ganz be= sonders bodenständiger Destereicher, befand, zeigt nur, wie man in allen Bevölkerungskreisen über den Kindersegen denkt: um die Menschen wieder zu der Ueberzeugung zu bringen, daß das Leben lebenswert und daß es wert set, fort Verfiängnisvoller Abschiedsgruß gepflanzt und fortgesetzt zu werden, dazu muß man heute schon andere Beweismittel herbeischaffen als Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch- und auch diese, wie sich zeigt, ohne Erfolg. Jene besseren Beweise aber wird die Welt des Kapitalismus nicht mehr beibringen. Erst wenn sie überwunden ist, wird die Zeugungsfähigkeit des Mannes und die Muttersehnsucht der Frau nicht mehr als ein Uebel empfunden werden, daß man beseitigen muß. Bei der Stadt Almelo wollte ein holländischer Sportflieger nach dem Aufstieg zu einer Geschäftsreise vor dem Verlassen der Stadt seiner Mutter noch einen Abschiedsgruß aus der Luft zuwinken. Er flog daher in geringer Höhe über deren Haus, wobei das Flugzeug mit einem Signalmast der Eisenbahn zusammenstieß. Der Apparat stürzte ab und fiel unweit des Hauses der Mutter des Piloten in einen Garten nieder. Das Flugzeug wurde zerstört, sein Führer erlitt schwere, aber nicht lebensgefährliche Verlegungen. Giftangriff gegen die Forleule Tod des Eiffelturms Einer der gefährlichsten Waldschädlinge ist bekanntlich die Forleule. Wenn man einmal ausrechnen wollte, was sie schon an Waldbestand in Deutschland allein im letzten Jahrzehnt vernichtet hat, käme man auf eine siebenstellige Biffer, die auch dem Laien klarmachen würde, daß der Kampf gegen diesen Schädling eine nationalwirtschaftliche Notwen digkeit ist. Bis vor wenigen Jahren glaubte man sich gegen das weitere Vorrücken der Forleulenraupen nicht anders retten zu können, als indem man tiefe Gräben im Walde in der Richtung des Raupenvormarsches zog. Man opferte den Baumbestand viele hundert Meter breit, um dem weiteren Vorrücken, das übrigens in einem unheimlich schnellen Tem20-25 Kilometer täglich vor sich geht, Einhalt zu tun. Der Erfolg dieser teuren und umständlichen Methode war meist recht problematisch. po Oft zeigte es fich, daß die Forenle ganz plötzlich die Richtung des Vorrückens änderte, worauf diese ganze Abwehrarbeit umsonst war und von neuem begonnen werden konnte, soweit noch Zeit und Möglichkeit dazu war. In den letzten Jahren ist man mehr und mehr dazu übergegangen, gegen diesen Forstschädling das modernste aller Fortbewegungs- und Kampfmittel einzusetzen: das Flugzeug. Versuche, vom Flugzeug aus auf die gefährdeten Waldpartien Gift auszustreuen, haben überraschenden Erfolg gehabt. Dieses Verfahren ist immer mehr vervollkommnet worden und kommt jetzt in immer größerem Maße zum Einsatz. Man verwandte in den früheren Jahren meist Freßgifte". arsenhaltige Pulver, die die Raupen töteten, wenn sie vow ihnen in den geringsten Mengen eingenommen wurden. In neuerer Zeit ist man aber dazu übergegangen, sogenannte Kontaktgifte" zur Anwendung zu bringen, also Gifte, die ihre tödliche Wirkung auf die Raupen ausüben, sobald sie den Raupenkörper berühren. Diese Gifte werden von Spezialflugzeugen als Pulver auf die Wälder gestreut. Für Men schen und Tiere, vor allem für Vögel, sind sie unschädlich. Auf diese Weise sind bisher fast eine Million Hektar deutscher Wald bestreut und damit vor völliger Vernichtung durch den gefährlichen Baumschädling gerettet worden. Welche Riesenmengen giftiger Chemikalien dabei zur Verwendung gekommen sind, kann man daran erkennen, daß auf den Hektar ungefähr fünfzig Kilogramm Kontaktgift zur Bestreuung gelangen. Die Wirkung auf die Forleule ist verblüffend. Augenzeugen berichten übereinstimmend, wie schon eine halbe Stunde nach dem Giftangriff" die Raupen zu Millionen von den Bäumen auf den Waldboden zu fallen beginnen. Es ist wie ein unaufhörlich klatschender Regen. Die Raupen winden sich auf dem Boden noch in Todeszuckungen, gehen aber sehr bald ein. Man hat in einigen Fällen einen fast hundertprozentigen Erfolg mit diesem Verfahren erzielt. Aber auch dort, wo der Erfolg nicht ganz so groß war Wind und Regen tun dem Verfahren oft Abbruch ist das gefährdete Waldgebiet immerhin im großen und ganzen gerettet werden. Bernard Shaw sagt sagt... Eines Tages hatte Bernard Shaw ein Gespräch mit Sir Conan Doyle, dem Erfinder Sherlock Holmes'. Conan Doyle war ein überzeugter Spiritist. Er erzählte dem skeptischen Gesprächspartner von der Berufung eines Klopfgeistes: " Ich kann Ihnen versichern, der Tisch begann dann wirklich zu rücken." " Warum nicht?" meinte G. B. S. Der Klügere gibt eben nach." Ein junger Schauspieler erbat sich von G. B. S. eine Wie in der französischen Presse mitgeteilt wird, endet der Eiffelturm am 15. Januar 1934. Das heißt, der Turm selbst bleibt stehen, nur die Funkstation hört auf. Infolge der Beschlüsse von Luzern muß nämlich Frankreich eine von seinen beiden langen Wellen, entweder Radio Paris mit 1725 Meter oder den Eiffel mit 1445 aufgeben und hat sich für das Begräbnis der Eiffelwellen entschieden. Zugleich wird der Sender Saint Remy l'Honore stattlich. Die Linkspresse weint dem scheidenden Eiffelriesen keine großen Tränen nach. Populaire" schreibt, Eiffel habe seit geraumer Zeit viele Sympathien verloren. Die gesprochene Zeitung" des Turms sei wohl vor Jahren eine ausgezeichnete Neuerung gewesen, aber verblaßt. Das musikalische Programm habe ebenfalls nicht allen Erwartungen entsprochen. Die künstlerische Leistung von Radio- Paris dagegen wird als ausreichend und sogar bemerkenswert bezeichnet und die Opferung der ältesten französischen Antenne" zugunsten der jüngeren Stations- Schwester, wenn man so sagen darf, wird begrüßt. 27 Empfehlung an den Direttor eines Theaters, der Shan Lachen nicht verlernen sehr verpflichtet war. G. B. S. willfahrte der Bitte des jungen Mannes und schrieb: „ Lieber X! Ich empfehle Ihnen den Schauspieler N. auf das allerwärmste. Er spielt Hamlet, Shylock, Cäsar, Flöte und Billard. Billard spielt er am besten." Mark Twain duelliert sici Mark Twain, dem berühmten amerikanischen Humoristen, passierte es eines Tages, daß er wegen einer boshaften Bemerkung von einem polnischen Adligen auf Pistolen gefordert wurde. Er beantwortete die Forderung schrift lich: " Dear Sir! Ich bedaure lebhaft, Ihren Wünschen nicht entsprechen zu können, und zwar aus zwei Gründen. Erstens könnte ich Sie erschießen, und ich kenne Sie zu wenig, um zu wissen, ob dazu ein unbedingter Anlaß vorliegt. Zweitens aber könnten Sie mich erschießen, und das wäre geradezu ein Unglück. Ich mache Ihnen aber einen Vorschlag zur Güte. Gehen Sie in den nächsten Wald und suchen Sie sich einen Baum von meinem Leibesumfang aus. Zählen Sie dann richtig die Schritte ab und schießen Sie. Treffen Sie den Baum, dann will ich zugeben, daß Sie Grund zum Beleidigtsein gehabt haben, treffen Sie nicht, dann werde ich der Beleidigte sein, aber großmütig auf Ihre Entschuldigung verzichten. Auf diese Weise wird es für jeden von uns eine nette Erinnerung bleiben." Befofinter Scfimerz Bei Sprengungsarbeiten in Merced in Kalifornien wurde ein Arbeiter von einem Quarzblock getroffen. Als er aus Wut über seinen Schmerz den Block zertrümmerte, fand er in ihm ein Stück Gold im Werte von 700 Pfund. „ Ich habe aber auch gar kein Glück bei den Frauen!" „ Sie Glücklicher!" („ Daily Mirror.) „ Bei Neumanns wird auf Gesellschaften der Champagner immer mit umwickelter Serviette gereicht. Ist das besonders vornehm?" „ Hm wie man's nehmen will die Etikette verlangt's wahrscheinlich." („ Tit- Bits".) es ist Tante Sybille aus Mieshagen ist wieder einmal Anfang Februar- bei Feldsteins als mit süßsauren Mienen begrüßter Besuch erschienen. Ja, wie lange sie wohl bleiben wird, das ist jetzt die Frage. Tante Sybille packt aus und richtet sich im Fremdenzimmer ein. Frau Feldstein schaut dabei zu und hilft auch ein wenig. Jezt kommt sie zu dem Gatten, mit dem sogenannten umflorten Blick. " O je!" sagt Feldstein.„ Sie will wohl lange bleiben, was?" ,, Gesagt hat sie nichts, aber einen Nagel will sie in die Wand geschlagen haben sie hat sich von zu Hause ihren Abreißkalender mitgebracht." ( Flieg. Blätter".) Reicher Schwiegervater zu seinem Schwiegersohn, welcher sich ständig über seine Frau beklagt:„ Ja, mein Lieber, du hast recht; das nächstemal, wenn du dich wieder über meine Tochter zu beklagen hast, werde ich sie enterben!" ( Nebelspalter".) ,, Sind Sie mit Ihrer neuen Sekretärin zufrieden?" ,, Sie ist mir unentbehrlich geworden. Sie hat alles so durcheinandergebracht, daß ohne sie nichts mehr zu finden ist." ( Wesolek".) Zur amerikanischen Inflation Staatskapitalismus gegen die Wirtschaftskrise Die staatliche Kontrolle Während die europäischen Staaten der Wirtschaftskrise tatenlos und ohnmächtig gegenüberstehen, unternimmt die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika einen kühnen Versuch, die Wirtschaftskrise in Amerika zu überwindenden kühnsten planwirtschaftlichen Versuch, den je eine kapitalistische Regierung unternommen hat. Die republikanische Regierung des Präsidenten Hoover ist gestürzt worden, weil sie die Wirtschaftskrise nicht zu meistern vermochte; die neue demokratische Regierung des Präsidenten Roosevelt, durch Hoovers Schicksal belehrt, unternimmt nun den Versuch, das Wirtschaftsleben wieder in Gang zu bringen. Roosevelt hat sich mit einem Stab gelehrter Nationalökonomen umgeben, die ihm die Pläne entwerfen; man nennt sie in Amerika spöttisch den Brain- Trust, den Ge hirn- Trust, weil sie jetzt die geistige Führung der ameris kanischen Wirtschaftspolitik monopolisieren. Es sind fast durchweg Hochschulprofessoren aus der Schule Thorstein Veblens, die die Herrschaft der liberalen Nationalökonomie an den amerikanischen Hochschulen gebrochen und vor einigen Jahren in einem aufsehenerregenden, von Tugwell herausgegebenen Sammelwerk die„ neue induk tive Aera" der amerikanischen Nationalökonomie prokla miert haben. Entwerfen diese Professoren die Pläne, so steht Roosevelt zugleich ein Stab organisationstüchtiger Praktiker zur Verfügung. Es sind dies die Männer, die unter der letzten demokratischen Regierung, der Regierung des Präsidenten Wilson, die amerikanische Kriegswirtschaft organisiert haben. An ihrer Spike steht Bernhard Baruch, der während des Krieges der Ernährungsdiktator der Vereinigten Staaten war; die„ Baruchs boys", die jungen Männer" des Mr. Baruch, das heißt diejenigen, die während des Krieges unter seiner Oberleitung die einzelnen Zweige der staatlichen Ernährungsorganisation geleitet haben, übernehmen jetzt die staat liche Kontrolle der einzelnen Zweige der amerikanischen Volkswirtschaft. In der Tat wird da an die Erfahrungen der Kriegswirtschaft angeknüpft. So wie damals für die 3wecke der Kriegsführung, so soll jetzt für den Zweck der Ueberwindung der Krise die amerikanische Bolkswirt schaft planmäßig organisiert werden. Milliarden neue Banknoten Die Grundlage des ganzen Planes ist eine ebenso planmäßig als großzügig durchgeführte Inflation. Das Federal Reserve System, das Notenbanksystem der Vereinigten Staaten, druckt Milliarden Dollars neuer Banknoten. Ein Teil dieser Banknoten wird dem Staat zur Verfügung gestellt, der sie zu großen öffentlichen Arbeiten verwendet und dadurch unmittelbar Arbeit schafft. Ein anderer Teil der neuen Banknoten fließt der Privatwirt schaft zu. Die Notenbanken verwenden sie, um amerikanische Staatspapiere, die im Besitz von Privatleuten oder Banken waren, zu kaufen. Dadurch kommen die Privatleute und die Banken in den Besiz neuer flüssiger Geldmittel, die immobilisierten Banken werden dadurch gestützt und es wird eine Geldflüssigkeit erzeugt, die es den Banken ermöglicht, der Privatwirtschaft reiche und wohlfeile Kredite zur Verfügung zu stellen. Natürlich ist dadurch, daß Milliarden neuer Banknoten gedruckt mer den, der Wert des Dollars bedeutend gesenkt worden. Aber das liegt im Plan. Durch die Senkung des Wertes des Dollars wird die Schuldenlast der amerikanischen Landwirte und Bodenspekulanten erleichtert. Da sie in folgedessen ihre Schulden in dem entwerteten Geld leichter zurückzahlen können, werden dadurch ihre Gläu biger, die Banken, gestützt. Zugleich hat die Entwertung des Dollars zur Folge, daß alles in die Sachwerte flüchtet", in Erwartung weiterer Preissteigerungen, die durch die Geldentwertung herbeigeführt werden, Waren und Wertpapiere kauft, und dadurch wird sowohl die Börsenspekulation als auch die Produktion belebt. Die Englische Aerzte boykottieren deutsche pharmazeutische Produkte Auf einer Londoner Versammlung, bie von mehreren hundert englischen Aerzten und Zahnärzten besucht war, wurde der Beschluß gefaßt, deutsche pharmazentische Probutte, wissenschaftliche Apparate und andere medizinische Bes darfsartikel nicht mehr aus Deutschland zu beziehen. Es handelt sich hierbei um eine Protestaktion gegen die Verfol= gung der Juden und politisch Andersdenkenden in Dentschland. Eine Liste von deutschen pharmazeutischen Präparaten, denen entsprechende englische und amerikanische Präparate gegenübergestellt werden, zirkuliert zur Zeit als Rundschreiben in englischen Aerztefreifen. Wie Dr. M. Edel, Vorsitzender der englischen Medizinischen Gesellschaft, in der Versammlung mitteilte, seien bereits Verhandlungen mit chemischen Fabriken in England und Amerika im Gange, um diese zu veranlassen, Präparate herzustellen, bie zu liefern bisher Deutschland vorbehalten gewesen war. „ Daily Herald". Staatsgefährliche Zionisten Auflösung einer Versammlung In einer Privatwohnung in der Gurhavener Straße in Berlin wurde von der Polizei eine zionistische Versammlung, die von der Berliner Zionistischen Vereinigung einberufen worden war und an der etwa 30 Personen teilnahmen, aufgelöst, da die Versammlung polizeilich nicht genehmigt war. Der Versammlungsleiter, sein Stellvertreter und der Redner der Versammlung wurden festgenommen und der Politischen Polizei zugeführt. Die Beamten beschlagnahmten eine Anzahl Druckschriften. amerikanische Regierung kann dieses Inflationserperiment wagen; denn da Amerika immer noch über einen riesigen Goldschatz verfügt, ist es sicher, daß es der Geldentwertung wird Einhalt gebieten können, sobald es wollen wird. Vorläufig aber will es das noch nicht; Präsident Roosevelt hat ja die Weltwirtschaftskonferenz gerade daran scheitern lassen, daß er sich noch nicht zur Stabilisierung des Dollars verpflichten wollte. Und indessen spukt in Amerika der Plan, den Dollar überhaupt nicht wieder in der herkömmlichen Weise zu stabilisieren. Das Ziel der künftigen Stabilisierung solle, wie der Professor Irving Fisher schon vor dem Krieg gefordert hat, nicht sein, den Dollar in einem festen Wertverhältnis zum Golde zu halten, sondern in einem festen Wertver bältnis zu den Warenpreisen. Das Federal Reserve System müsse in Zukunft immer den Notenumlauf ver größern, wenn die Warenpreise zu steigen beginnen; auf diese Weise werde man durch Regulierung des Noten umlaufes die Warenpreise und den Geschäftsgang stabil erhalten können. Eine kapitalistische Utopie, die vermeint, durch bloße Regulierung des Banknotenumlaufes die Anarchie, die im Wesen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung begründet ist, die in ihrem Wesen begründeten fortwährenden Schwankungen der Warenpreise und des Geschäftsganges aufheben zu können. Die Landwirte hirn- Trusts, die den Präsidenten Roosevelt beraten, find nämlich sehr weit entfernt von der in Europa immer noch verbreiteten Meinung, daß man eine Krise durch Senkung der Löhne bekämpfen könne. Sie machen viel mehr nachdrücklich immer wieder darauf aufmerksam, daß es nuglos wäre, durch Inflation und Kartellbildung die Warenpreise in die Höhe zu treiben und die Produk tion zu vergrößern, wenn nicht die Löhne, die Kaufkraft der Volksmassen, in gleichem Verhältnis steigen; denn wenn die Preise schneller steigen als die Löhne und die Produktion schneller als die Kaufkraft der Massen, dann könnten ja die erzeugten Waren nicht abgesetzt werden müßte daher die Krise sehr bald von neuem ausbrechen. Die amerikanische Regierung verlangt daher von den Unternehmern entweder eine bedeutende Berkürzung der Arbeitszeit, so daß die Unternehmer gezwungen wären, ihren Arbeiterstand zu vergrößern und dadurch einen Teil der Arbeitslosen aufzusaugen, oder eine Er höhung der Löhne, die in gleichem Maße erfolgen müsse, wie die Warenpreise steigen, damit die produzierten und zu erhöhten Preisen auf den Markt gebrachten Warenmengen auch wirklich abgesetzt werden können. Die Börsenhausse Es ist unbestreitbar, daß dieses ganze kühne Experi ment vorläufig zuerst eine große Hausse sowohl in den Wertpapier als auch in den Warenbörsen und dann auch eine nicht unbedeutende Belebung der industriellen Pro Aber dieses große Inflationsexperimnet ist nur die eine Seite des Planes. Mit ihm gehen unmittelbare Einduktion in Amerika hervorgerufen hat. Ob es sich aber griffe sowohl in die landwirtschaftliche als auch in die dabei nur um eine vorübergehende Wirkung der Infla industrielle Produktion Hand in Hand. Zunächst hat der tion handelt oder ob es auf diese Weise wirklich gelingen Staat die Landwirte aufgefordert, ihm einen Teil ihrer wird, den Tiefpunkt der Krise zu überwinden, wird erst Böden zur Pacht anzubieten. Er will auf diese Weise die Erfahrung lehren. Viel wird davon abhängen, wieacht Prozent der bebauten Böden pachten und sie brach weit der Gehirntrust seine Pläne gegen die widerstreilegen. Dadurch soll auf Kosten des Staates die landwirt. tenden Sonderinteressen der Kapitalisten der einzelnen schaftliche Produktion, besonders die Weizen- und Baum Industriezweige durchzusetzen, ob er ihnen insbesondere wollproduktion, verkleinert, es sollen durch Berringe wirklich die Berkürzung der Arbeitszeit und die Er rung des Angebotes die Weizen- und Baumwollpreise, die höhung der Arbeitslöhne aufzuzwingen vermag. Die schon durch die Inflation emporgetrieben werden, noch Kraft einer kapitalistischen Staatsgewalt gegen kapitaweiter erhöht werden. Zugleich bemüht sich die Regie- listische Sonderinteressen darf man nicht überschätzen. rung der Vereinigten Staaten, auch die anderen großen Mister Baruch ist selbst einer der reichsten Rapitalisten Amerikas und seine„ jungen Männer", die das GesamtKanada, Weizenproduktionsländer Argentinien, Australien und die anderen europäischen Agrarstaaten interessen gegen die Sonderinteressen der Kapitalisten der zu vertragsmäßiger Verkleinerung ihres Weizenanbaues einzelnen Industriezweige durchsetzen sollen, sind selbst oder wenigstens ihres Weizenexportes zu bewegen. Auf Mitaktionäre dieser Industriezweige! Wie immer aber diese Weise sollen die Preise der Agrarprodukte empor dieses Experiment in den Vereinigten Staaten ausgehe, getrieben und soll dadurch die Agrarkrise überwunden sicher ist, daß diefelben Maßregeln, die die amerikanische Volkswirtschaft neu beleben sollen, die Krise in den an deren, in den europäischen Ländern nur zu verschärfen in der Lage sind; denn die Entwertung des Dollars bedeutet für die mit den Vereinigten Staaten konkurrierenden Industrie- und Agrarländer eine wesentliche Ber schärfung der gefährlichen amerikanischen Konkurrenz. Und diese Gefahr, daß Amerika seine Krise nur dadurch lindert, daß es die Krise in den anderen Ländern verschärft, ist um so größer, wenn die europäischen Regierungen in ihrer Untätigkeit gegenüber der Krise ver harren, während Amerika ein so kühnes Experiment werden. Industrie, Arbeitszeit, Löhne Zugleich sucht die amerikanische Regierung aber auch die Industrie und das Verkehrswesen, insbesondere die Eisenbahnen, neu zu organisieren. Roosevelt hat sich vom Barlament ermächtigen lassen, die Sherman- Akte, durch die in Amerika die Bildung von Rartellen verboten ist, für einzelne Produktionszweige außer Kraft zu setzen. Die Baruchs Boys, die den einzelnen Produktionszweigen vorgesetzt worden sind, bemühen sich num, einzelne darniederliegende Industriezweige durch Fusionie rung großer Unternehmungen zu sanieren und gleich zeitig durch Bildung von Kartellen zwischen diesen Unternehmungen die Produktion zu regulieren und die Preise ihrer Erzeugnisse emporzutreiben. Aber die Ausnahme von den gesetzlichen Kartellverboten, die diese Sanierungsmaßregeln voraussetzen, werden den zu sanierenden Industrien nicht umsonst gewährt. Vielmehr werden die Industrien verpflichtet, wenn sie solche Sanierungsmaßregeln durchführen und sich zu Kartellen zusammen schließen wollen, gleichzeitig entweder die wöchentliche Arbeitszeit auf fünfunddreißig Stunden herabzu setzen, wobei die Regierung sich vorbehält, Mindestlöhne für die Arbeiter festzusetzen, oder aber die Löhne der beschäftigten Arbeiter zu erhöhen. Die Männer des GeSchutzhaft oder Strafhaft? Stufenstrafvollzug im Konzentrationslager Die Machthaber verraten sich manchmal durch unbedachte Mitteilungen selbst. In der„ Vossischen Zeitung" vom 22. Juni, Nr. 296, Abendausgabe, wird folgende Meldung aus Stuttgart gebracht: „ Auf Anordnung der politischen Polizei wurden wegen der von kommunistischer Seite erfolgten Brandlegung des Waldheimes Eßlingen 60 Kommunisten in Eßlingen ver haftet und nach dem Heuberg gebracht, wo man sie in die britte Stufe der Haft eingliederte.... Sämtliche Schutzhäftlinge von Eßlingen und Umgebung, die sich schon länger in Schußhaft befinden, wurden in Stufe 3 versetzt. In Zukunft werden Schußhäftlinge, die im Rückfall schon zweimal in das Schußhaftlager Heuberg gebracht wurden, einer besonderen Strafabteilung eingegliedert." Die Notiz ist lehrreich. Nach der bisherigen offiziellen Lesart befinden sich die in Konzentrationslagern festgehaltenen Personen in Schußhaft, aber nicht in Straf haft. Dies bedeutet, daß die Internierung nur zum Schutz des Lebens der Häftlinge oder zur Sicherung der Staatsordnung erfolgt. Wie läßt sich das mit der Einrichtung verschiedener Stufen der Haft, die man nur im Strafvollzug kennt, und mit der besonderen Strafabteilung im Falle des Rückfalles vereinen? Jn allen Kulturstaaten der Welt gibt es Rückfall nur bei Straftaten. Die Nazis kennen offenbar auch einen Rückfall in der Gesinnung, die im Konzentrationslager ausgetrieben werden soll. Bezeichnend ist auch der übrige Inhalt der Meldung. Weil in der Umgebung von Eßlingen ein Waldheim, das übrigens früher von den Kommunisten verhalten wurde, niedergebrannt ist, werden wahllos und willkürlich 60 Personen, die kommunistischer Gesinnung verdächtig sind, verhaftet und ohne Beweis in der Stufe 3 des„ Schutz". haftlagers gequält. unternimmt. Ein neuer Abschni't Jedenfalls aber beginnt mit diesem Experiment etn neuer Abschnitt in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. Auch in dem größten und reichsten kapitalistischen Lande der Welt ist das Zeitalter des wirtschaftlichen Liberalismus, der die Wirtschaft dort länger als in Europa dem„ freien Spiel der Kräfte" überlassen hat, vorbei. Auch dort beginnt eine Aera des Staats- und Plankapitalismus: immer stärkeren, immer ein greifenderen Einwirkens des Staates auf das Wirt schaftsleben. Je mächtiger aber der Staat die Wirtschaft beherrscht, desto lebenswichtiger wird es für die Ar beiterklasse, die Herrschaft über den Staat zu erobern. Deutsche Treue auf bayrisch Die bayerische Volkspartei ist aufgelöst, ihre Führer sind verhaftet. Mit Riefenlettern schrie die gleichgeschaltete Presse in die Welt: Bei Haussuchungen seien Dokumente gefunden, die den Nachweis hochverräterischer Beziehungen zwischen der bayerischen Volkspartei und den Christlichsozialen Desterreichs erbracht hätten. Wir sind heute in der Lage, authentisch mitzuteilen, daß allerdings Beziehungen zwischen den beiden Parteien bestanden haben. Aber von diesen Beziehungen hat die jeßige bayerische Regierung Renntnis gehabt. Sie wußte, wie jene Dokumente entstanden sind. Sie kannte sie so gut und ebenso lange wie der Vorstand der bayerischen Volkspartei. Im Auftrage der bayerischen Regierung war der Bors figende der bayerischen Volkspartei, Staatsrat Schäffer, mit einem anderen maßgebenden Mitglied dieser Organis sation in Wien. Ihre Aufgabe war, im ausdrücklichen Einvernehmen mit dem Innenminister Wagner bei der österreichischen Regierung ausgleichend zu wirken. Ueber das Ergebnis dieser Besprechungen und den folgenden Briefwechsel war die bayerische Regierung in allen Einzelheiten informiert. Das ist der bayerischen Volkspartei zum Verhängnis geworden. Man sette eine große Aktion ein, um Materialien zu„ be= schlagnahmen", die der bayerischen Regierung offiziell bekannt waren. Aus dieser Beschlagnahme wurde dann das Recht konstruiert, die Führer der bayerischen Volkspartei wegen Hochverrates zu verhaften. Da die Wahrheit in Deutschland gegenwärtig nicht gesagt werden darf, konnte die Oeffentlichkeit mit der Nachricht alarmiert werden, daß die Führer der bayerischen Volkspartei allen Ernstes ein Verbrechen begangen hätten. Es zeigt sich aber wieder einmal: Die Verbrecher figen in der Regierung. Dr. G. Warburg Englands wahre Meinung über Deutschland - Mit Begeisterung hat die gleichgeschaltete deutsche Presse den Artikel des englischen Presselords Rothermere wiedergegeben die„ Deutsche Freiheit" hat darüber schon berichtet, der in seiner„ Daily Mail" eine Lanze für Hitler zu brechen versuchte. Daß die„ Daily Mail" eines der wenigen englischen Blätter ist, das auch heute noch ganz allgemein deutschfeindlich ist, daß Lord Rothermere während des Krieges zu den ärgsten Hezern gegen Deutschland gehörte, stört bei Hitler- ,, Patrioten" nicht im geringsten. Sie denken natürlich auch nicht daran, zu berichten, daß die„ Daily Mail" megen ihrer sensationellen unpolitischen Aufmachung zwar viel gelesen politisch eine der einflußlosesten englischen Zeitungen ist. In der Not frißt der Teufel eben Fliegen, und da aus anderen englischen Zeitungen nichts Günstiges zu berichten ist. so müssen eben die„ Daily Mail" und der deutschfeindliche Lord herhalten. Vergebens wird man aber gewiß in der GöbbelsPresse etwas über einen anderen Artikel lesen, der we nige Tage nach Rothermeres Erguß in einer der bedeutausendsten englischen Zeitungen stand, offenbar als Antwort an Rothermere gedacht. Der konservative„ Daily Telegraph", neben der„ Times" das der Regierung am nächsten stehende Blatt, brachte am 13. Juli in großer Aufmachung an der auffälligsten Stelle des Blattes einen Artikel über Deutschland, der von einem in Deutschland wohnenden Engländer geschrieben war. Aus dem Artikel selbst geht hervor, daß es sich um einen Mann in hervor ragender Stellung mit engen Beziehungen zu politischen Kreisen handeln muß. Daß gerade der„ Daily Telegraph", der sich längere Zeit bemühte, die Ereignisse in Deutschland mit dem Mantel der Liebe zu bedecken, diesen Artikel bringt, ist besonders kennzeichnend für die Entwicklung der Stimmung in England. Wir geben die wesentlichsten Teile dieses Artikels, über den man in deutschen Blättern gewiß vergebens etwas suchen wird, im Folgenden wieder: Die Welt muß Deutschland im Auge behalten. Die Zukunft des Friedens und der europäischen Zivilisation werden dort entschieden. Der Reisende, der aus Deutschland zurückommt nicht als Tourist, sondern als Mann, der dort lebt, ist überrascht, wie verhältnismäßig leicht das britische Publikum den Umsturz dort nimmt. Denn Deutschland bereitet die Wiederaufrüstung vor und rüstet bereits jetzt auf mit einer konzentrierten zweckbestimmtheit, wie man sie bisher in Friedenszeiten in feinem europäischen Lande kannte. Ich sage das nicht etwa leichthin oder auf Grund oberflächlicher Eindrücke. Das ganze Land ist ein einziges Feldlager. Die Deutschen exerzieren von Aachen bis Königsberg, von Kiel bis Friedrichshafen. Während alle anderen Industrien darnieder, liegen, ist eine Hausse in der Rüstungsindustrie. Die Propaganda, die täglich jedes Individuum in der ganzen Nation zu beeinflussen sucht, stellt Forderungen an Deutschlands Nachbarvölker, die nur um den Preis eines Konfliktes erfüllt werden können. Gibt es eine Opposition? Nein. Alle, die nicht mit der regierenden Partei übereinstimmen, werden terrorisiert in einem Grade, der bisher in Westeuropa in moderner Zeit unbekannt war. Der gegenwärtige Zustand in Westeuropa ist der einer Kaserne oder eines Gefängnisses. Aus Deutschland herauszukommen, heißt heute, aus der Tyrannei in die Freiheit zu kommen. Ein Aufsatz im deutschfreundlichen„ Daily Telegraph" andere Gebiete in den deutschen Kreis einbezogen werden. Die Hitleranhänger sind besonders erfreut über die Ausbreitung der Nazibewegung in Zürich. Es mag erstaunlich erscheinen, aber es ist Tatsache, daß trotz 1914-1918 die Deutschen von der alldeutschen Idee( noch ein Mythos) betört sind, die nicht nur das ganze deutschsprechende Europa umfassen soll, sondern auch solche quasi- teutonischen Länder wie Holland und Dänemark. Aber wird der Hitlerismus Erfolg haben? Ich habe gesagt, daß es keine Opposition gibt, aber das heißt nicht etwa, daß das ganze Volk Nazi ist. Es ist möglich, daß eine freie Wahl heute nur eine ganze knappe Mehrheit, wenn überhaupt eine Mehrheit für Hitler zeigen würde. Aber es wird in der heutigen Zeit niemals eine freie Wahl in Deutschland geben. Dazu ist das neue Tammany HitIerismus ist wie Leninismus eine Tammanyhall in ganz großem Umfang zu fest im Sattel. Aber die Wirtschaft ist das Krenz. Wenn Hitler in Deutschland die Wirtschaftsblüte wieder herstellen kann, wird er gefiegt haben; aber das ist eine schwere Aufgabe. Wenn er fläglichen Mißerfolg haben wird und es einen harten Winter gibt, mag es zum Bürgerkrieg kommen nicht mit der unterdrückten Opposition, aber zwischen den verschiedenen Nazigruppen untereinander. Ich will nicht den wirtschaftlichen Zusammenbruch prophezeien. Deutschland ist gegenwärtig sehr übel dran, aber die Lebenshaltungskosten und die Not könnten noch ein gut Teil weiter steigen, und doch könnte das alles unter der Gegenwirkung der gewaltigen Propagandamaschine verschwinden. Aber die Arbeitslosigkeit darf nicht steigen. Was ich vorhersage, ist eine Spaltung unter den Nazis. Schon haben verantwortliche Industrieführer gegen das Nazi- Rowdytum protestiert. Ich sehe einen Kampf um die Macht voraus zwischen den Rowdys in der Partei und den im Vergleich zu ihnen ausgeglichenen Köpfen. Wenn der Konflikt akut wird, werden die letzteren einen großen Zustrom von seiten aller anständigen Leute haben, während die Kommunisten die erstere Gruppe unterstützen werden. Es mag dann zum Bürgerkrieg fommen und das Resultat mag dann entweder Kommunismus oder die Wiederherstellung der Monarchie sein. Inzwischen ist Hitler mehr und mehr nur eine Puppe. Seine Reden werden ihm gemacht. In der sachlichen Ar: beit ist er unwissend und nachgiebig, ernsthaft aber ein: fältig. Seine wahrscheinliche Rolle ist es. Hindenburgs Nachfolger als Präsident zu werden. Seine Rednergabe wird weit überschätzt. Sein Ruf in dieser Hinsicht beruht einfach auf der Tatsache, daß in der Vergangenheit alle politischen Die Deutsche Freiheit" muß man regelmäßig fesen Abonnieren Sie sofort! Was ist die Grundursache hiervon? Deutschland hat beschlossen, daß es trotz allem den Krieg von 1914-1918 nicht verloren hat. Deutschlands Selbstbewußtsein war so groß, Besteffschein: daß der Zusammenbruch von 1918 niemals als Wirklichkeit angesehen wurde- mindestens nicht als endgültig. Der gegenwärtigen Jugend Deutschlands hat man den Glauben eingeflößt, daß die Niederlage gar keine Niederlage war, und daß Deutschlands Waffen unbesieglich sind. Die Deutschen find groß im Glauben an Mythen. Haben fie sich einmal einem Mythos in die Arme geworfen, dann mißachten sie alle Tatsachen und glauben nur das, was fie wünschen. Die deutsche Auffassung von Hindenburg ist ein Mythos, und ebenso die von Hitler. Zu den wirks lichen Männern hat sie gar keine Beziehung. Die ganze Presse Deutschlands ist eine große Grammophonplatte, die immer wieder die Geschichte von der deutschen Jugend und von den deutschen Irrtümern spielt. Kein Zweig des nationalen Lebens ist frei von dieser kranthaften Selbstbeweihräucherung. Geistliche schließen sich dem leidenschaftlich an und erklären vom Altar herunter, daß die Hitlerbewegung die Zeichen des Gründers des Christentums trage. Englische Freunde fragen mich erstaunt, wie es kommt, daß die Kirche keinen Versuch gemacht hat, ihre UnabIch ersuche um regelmäßige Zusendung der ,, Deutsche Freiheit" Genaue Adresse: Unterschrift: Die einzige unabhängige hängigkeit zu wahren. Die Antwort ist, daß die deutsche Tageszeitung Deutschlands evangelische Kirche schon längst geistig tot war. Unter der Monarchie war sie kaum mehr als eine Abteilung des Staates, ohne Beziehungen zu dem Volke. Es gibt keine Opposition gegen den Hitlerismus. Sie ist ebenso unmöglich wie eine Opposition gegen die Kriegsführung während des Krieges. Die Möglichkeit des Erfolges des Hitlerismus ist eine Bedrohung Europas. Erfolg bedeutet, daß Oesterreich und Den Abonnementsbetrag für Einzelabonnenten zuzüglich der Portospesen für den laufenden Monat werden wir jeweils am Anfang des Lieftermonats, dem Wunsch: der meisten Leser entsprechend, durch Nachnahme erheben. Wir bitten, diese bei Vorzeigen sofort einzulösen, um unnütze Unkosten zu ersparen Verlag ,, Deutsche Freiheit" Redner in Deutschland Sozialisten waren. Es war etwas Neues, daß ein Nationalist auch nur eine bescheidene Rednergabe hatte. Freunde, die Juden sind oder jüdische Freunde in Deutschland haben, fragen mich aus über den wütenden Antisemitismus der Nazis. Das Motiv für diesen Antisemitismus war teilweise sehr niedrig: es war reine, neis dische Habgier. Juden wurden entfernt, so daß andere in ihre Pläge treten konnten. Aber der Haß, der aufgerührt wurde, ist derart, daß es Generationen dauern wird, um ihn wieder zu besänftigen. Es kann versichert werden, daß Deutschland sich entschie den hat, die Juden los zu werden. Im Gegensatz zu manchen Berichten werden ihnen keine Schwierigkeiten gemacht, wenn sie das Land verlassen wollen. Juden, die in Deutschland bleiben wollen, müssen bereit sein, ein sehr eingeschränktes Leben in einer Atmosphäre mittelalterlicher Feindseligkeit zu führen. Noch mehr sollten die zahlreichen Personen Gegenstand unserer Sympathie sein, die nur wegen ihrer politischen Einstellung in der Vergangenheit ruiniert wurden und stellungslos sind. Das Elend unter der militärischen und selbstsicheren Oberfläche in Deutschland ist nicht so dramatisch wie das der Opfer des Bolschewismus, aber es ist derart, daß die Geschichte einmal die deutsche Erziehung, Kultur und Religion deshalb vor Gericht stellen wird. Dieses düstere Bild enthält viele bittere Wahrheiten. Manches sieht der Artikelschreiber vielleicht falsch, so zum Beispiel wenn er den Gegensatz im Nazilager auf die Formel Rowdys gegen anständige Menschen zurückführt, anstatt ihn dort zu sehen, wo er wirklich liegt, Sozialismus gegen Kapitalismus, wobei ein erheblicher Teil der Rowdys gegen entsprechende Bezahlung sich für die Kapitalisten schlagen wird. Aber im wesentlichen trifft der offenbar gut informierte Artikelschreiber ins Schwarze. Die Stimmung dieses Artikels gegenüber Deutschland entspricht durchaus der allgemeinen Stimmung in Eng land. Es wird für ein freieres, besseres Deutschland später eine schwere Aufgabe sein, den angesammelten Haß, die Verachtung und das Mißtrauen wieder zu be feitigen. Mit Behagen bringen übrigens Blätter wie' ,, Times" und„ Daily Telegraph", die aller Sensationsmarche abgeneigt sind, die Berichte über die jüdische Großmutter Hitlers, sie geben dafür eine halbe Spalte ihres kostbaren Raumes her, wie überhaupt die Rassenschnüffelei - der Arierparagraph in Schachklubs, Regelklubs und Kaninchenzüchtervereinen immer wieder den Anlaß zu boshaften Bemerkungen gibt. Weltwirtschaftskrise Radikale Bekämpfung Die Londoner Wirtschaftskonferenz hat ein pofitives Ergebnis aufzuweisen: sie hat zur Förderung des Weinbaues die Abhaltung von internationalen Traubenfesten empfohlen. Da werden wieder Stimmen laut: ,, Kapitalismus? Ganz knock- out!" Pardon, verzeihn, erlauben Er fand ein rettendes Wunderkraut: Die Trauben. Die Krise wächst? Rezept: man preßt Fachmännisch, gründlich, gut und fest Mit Pressen aus, mit Schrauben Bis auf des Inhalts letzten Rest Die Trauben. Genügt das nicht? Nach Vätersitt' Zerstampft man dann sie, um damit Das Blut ihnen zu rauben, Mit Füßen zertrampelt man, Tritt für Tritt, Die Trauben. Das Elend schwillt? Ach was, man läßt Nicht stören sich das Erntefest, Sie müssen daran glauben! Los, immer weiter stramm ausgepreßt Die Trauben! Doch achtsam sein: voll ist das Maß. Start gärt der Wein im morschen Faß. Hoch wogt das Blut der Trauben. Es sprengt eines Tages in jähem Haß Die Dauben... Alle Geldfendungen für die ,, Deutfche Freiheit" ob durch Banküberweifung, Scheck, Poftanweifung, find zu adreffieren an Verlag der Volksftimme GmbH. Saarbrücken Zu vermerken ift bei jeder Zahlung: Für Deutfche Freiheit! Bank: Deutfche Bank und Disconto- Gefellfchaft, Filiale Saarbrücken Poftfcheck: Saarbrücken 619( Verlag der Volksftimme G. m. b. H.) Jura..