Ur. 68. Kdsmrmtnt»• KrdiiMitStn: Abonnement»- Preis pränumerando: Bierteljährl. SL0 Ml., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich LS Pfg. frei tn» Hau». Einzelne Nummer S Big. Sonntag»� Liummer mit tlluftrirter Sonntag»- Betlage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Mari pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung»- Pretiltste für 1897 unter»r. 7437. Unter«reu, band für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Di» Juserttons- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene«olonel- zetle oder deren Raum 40 Pfg., für BeretnS- und PersammlungS-Anzetgen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» tn der Expedilio» abgegeben worden. Die Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends. an Sonn- und Festtagen bi» g Uhr vormittags geöfsnet. erscheint täglich außer Montag». Devttnev Volksblatt. F»rnsprrchrr: Lmt I, Ar. 1398. Telegramm- Adresse: „Poiialdemostrai Verlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZtedaKtlon: 8V. 19, ZZettty-Straße 2. Sonntag, den 2l. Marz 1897. Expedition: 8V. 19, Menth-Straße 3. Buu Clzsvakteviflik BVilhelm's I. Zur Charakteristik großer Männer darf man sich niemals mit der Aufzählung ihrer Thaten begniigen, zumal wenn man die Mitwirkung anderer Personen und den Einflnß äußerer Verhäluiisse nicht genau übersehen kann. Einen viel werth- volleren Anhalt bieten die Reden, in denen sie ihren Gefühlen Ausdruck geben, und dies Material ist um so brauch- barer, je häufiger darin dieselben Gedanken wiederkehren. Wilhelm I. liebte es im allgemeinen nicht, mit seinen An- sichten offen hervorzutreten und zu allen Tagesfragen Stellung zu nehmen. Rur einmal, im Jahre 1863, sah er sich geuöthigt, dieser Gewohnheit untreu zu werden. Damals hatte die Mehr- heit des preußischen Landtages den von dem König selbst entworseilen Reorganisationsplan der Armee nicht an- genommen und war infolge dessen in einen schweren Konflikt mit der Regierung gerathen. Den zahlreichen Deputationen, die sich in jenen Tagen dem Throne näherten, um dem Monarchen für seine Haltung zu danken— der König sprach ausdrücklich den Wunsch aus, daß ähnliche Kund- gedungen ihm recht zahlreich überbracht werden möchten— erwiderte er in offenbar recht wohl vorbereiteten Ansprachen, von denen einige so charakteristisch für seine Gesinnung sind, daß es nicht unangebracht erscheint, sie dem Meer der Vergessenheit zu entreißen und im authentischen Wortlaut anzu- führen. In erster Linie betont er in fast allen Ansprachen die Nothwendigkeit der Reorganisation der Armee; er beklagt es, daß das Abgeordnetenhaus mit seiner Haltung eine Schwächung des Thrones beabsichtige und hält es nicht für ausgeschlossen, daß das Heer auch einnial gegen den inneren Feind, unter dem damals natürlich nicht die Sozialdemokratie, sondern die alte Fortschrittspartei zu ver- stehen war, gebraucht werden könne. In diesem Sinne äußerte er sich zu einer am 27. Oktober von ihm empfangenen Deputation: „Ich habe nach reiflicher Erwägung zu diesem Werke(Heeres» Reorganisation) mich enlschlofle», und ich werde dabei beharren in der festen Ueberzeugung, daß es zum Wohle des Volkes und des Staates nothwendig ist, damit w i r allen Feinden fest begegnen können, sie komme», woher sie Wolfen." Am 6. November erwiderte er einer Deputation aus der Altmark: „M an will am Heer« rütteln. Ich brauche aber das Heer zumSchutze desVaterlandesgegen äußere Feinde und andere, sie mögen komme», woher es auch sei." Nicht ganz so deutlich, aber doch immerhin noch klar genug, kommt derselbe Gedanke zum Ausdruck in dem Dank, den er der Deputation aus dem Kreise Franzburg aui 21. Oktober dafür abstattete, daß sie sich ermannt und ge- samnielt habe den Angriffen gegenüber, deren Ziel die Schwächung des Königthums und des Thrones ist.".... Selbstverständlich wird in den Reden auch dem Paria- mente, das dem König nicht zn Willen war, mancher Hieb versetzt. Nichts war ihm widerlicher, als der Gedanke, daß in Preußen einmal eine parlamentarische Regierung entstehen könnte. Diese Ansicht vertritt er in einer Rede vom 14. Oktober, worin er ausspricht, daß zum Schutz der Güter, die Gott uns geschenkt hat, ein festgegliedertes stehendes Heer gehört,„'und nicht ein sogenanntes Volksheer, das, wie ein Preuße zu sagen sich nicht gescheut hat, hinter dem Parlamente stehen müsse.".. Am 1. Dezember sprach er sich einer Deputation aus Martenwerder gegenüber noch deutlicher aus:- „Die Absicht, die nnt allen Mittel» verfolgt wird, ist die E i n- fnhrung der parlamentarischen Regierung. Diese ist nicht durch die Verfassniig verheißen, sonder» nur die par- lanientarische Gesetzgebung." Und wenige Tage später, am 3 Dezember, äußerte er: Das Heer hinter dem Könige will man nicht, man will ein P a r l a m e» t s h e e r. Nicht der König. sonder» eine Partei soll über die Armee zu gebieten haben. Damit wäre es aber mit Preußens Machtstellung aus und die Wohlfahrt des Landes auf immer gestört." Aehulich war die Antwort, die er.einer Deputation am 15. Dezember ertheilte: „Ihre Angriffe(d. h. die Angriffe der demokratischen Partei) sind nicht gegen die Armee-Reorgauisation, sondern gegen die Armee selbst gerichtet; sie wollen überhaupt keine Armee, die hinter dem König als ihrem Kriegsherrn steht, sondern eine Armee, die hinter dem Parlament steht. Das ist die par- lam entarische Regierung. Daß es zu dieser nicht kommen soll, das i st mein f e st e r Entschluß, darauf verlassen Sie sich!" Die Verfassung hatte der König zwar beschworen, und er war selbstverständlich auch bereit, sie zu halten, aber er verrieth doch in einigen Reden, daß er hierüber seine eigenen Ansichten hatte. Am 10. Oktober erwiderte er einer Deputation aus Berlin, die Verfassung habe er beschworen und wolle sie halten, w o sie aber nicht ausreiche, dahabe das König- thum in die Lücke ein».u treten. Wenige Wochen später, am 6. Noveniber, sprach er sich einer anderen Abordnung gegenüber dahin aus: „Ich werde bei meinem gegebenen Worte bleiben und die Versasjung halte»: freilich nicht i u dem S i» n e. wie dlejen ige«wolle u, welche nach dem Throne und nach der Krone greifen und die mir von Gott gegebene königliche Macht zu schwächen suche n." Was der König unter der Schwächung seiner Macht ver- stand, ergiebt sich ans folgendem Ausspruch vom 18. November: „Es thul mir leid, daß ich jetzt ohne festgestelltes Budget regieren muß. Das ist freilich ein Ausnahmezustand. Es wird in die geregelte Bahn wieder eingelenkt werden; indessen muß die Landesvertretnng auch an ihrem Theile dazu mithelfen, daß dies möglich werde, und von ihre» verfassungsmäßigen Rechte» nicht e i n e n G e b r a u ch machen wollen, der meine Regierung lähmen und das Land wehrlos mache» würde. Ich kann die Rechte der Krone nicht preisgebe»." Zu wiederholten Malen beklagt sich der König über den „schlimmen Geist", der im Lande herrscht. So äußerte er sich am 11. November: „Es ist ein schlimmer Geist der Verführung und B e i r r u n g weit im Laude verbreitet. Dem muß entgegengetreten werden... Es ist ein schwerer Kampf, aber ist, habe die Zuversicht, daß es wieder besser werden wird; beharre» Sie in dieser Treue, dann werden wir mit Gottes Hilfe siegen." Einige Tage früher, am 31. Oktober, hatte er sich bereits ähnlich ausgesprochen: „Der religiöse Sinn des Volke? wird irre geleitet; das darf nicht geschehen, und ich werde an meinem Theil dahin wirken, daß der Glaube im Volke bewahrt bleibe. Wir müssen alle wach sein und bleibe», damit es wieder besser werde. den» viele Erscheinungen find wieder wie im Jahre 1S48. Meine Pflicht und mein Wille ist es, alle thenern Güter des Vaterlandes zu schützen, und i ch werde jedem unberechtigten Andringe» mit Festig- l e i t w i d e r st e h e n." Einmal sah sich der König auch geuöthigt, seinem U n- willen über die Stadt Berlin Ausdruck zu ver- leihen: „Ich muß es mit Betrübniß sage», daß die Residenz den» Lande vielfach ein betrübendes Beispiel gegebe» hat, und das hat mich tief bekümmert und verletzt." Zum Schluß sei es gestattet, noch einen Ausspruch an- zuführen, der uns beweist, daß auch das bischen vom Volke nach schweren Kämpfen errungene Preßfreiheit dem Könige nicht recht war. „Die Presse wirkt nicht''.n diesem Sinne, vielmehr miß- braucht sie vielfach die Freiheit, welche ihr in so reichem Maße geboten und nie v e r k ü m m e r t worden ist; s i e richtet einen Schaden an, welcher durch die Gut- gesinnten aus demselben Felde schwer zu heilen ist. Alle Worte. die hier gesprochen werde», komme» i» die Oeffentlichleit, und ich bin damit wohl zufrieden, aber sie werden geflissentlich e n t st e l l t." Die Wahrheit dieser letzten Aeußerung, nur im umgekehrten Sinne, hat die jüngste Vergangenheit bewiesen. Wir eine Psiirlit der Dankbarkeit aber glauben auch unsererseits eine Pflicht der Dankbarkeit erfüllt zu haben, wenn wir heute die Erinnerung an Kaiser Wilhelm I. dadurch auffrischen, daß wir seine Worte uu- e u t st e l l t, wie er es wünschte, der Mitwelt überliefern. polikifche Berlin. 20. März 1897. Aus dem Reichstage. Endlich sind die Würfel ge- fallen und der Reichstag ist in großer Mehrheit den Beschlüssen der Budgetkommission beigetreten. Es hat also nichts genützt, daß die Minister unisono antraten, wie selten bei einer früheren Gelegenheit und es hat auch nichts genützt, daß Herr v. Stumm sich auch bei dieser Gelegenheit wieder in semer Rolle als Scharfmacher versuchte. Die Debatte des heutigen Tages litt unter dem Ein- drucke, daß alle Reden nichts mehr ändern werden. Die Parteien von links und rechts waren fast vollzählig an- marschirt und sie stimniten geschlossen. Nur das Dutzend Abgeordnete, das sich Freisinnige Vereinigung nennt und unter dem Kommando von Rickcrt und Dr. Pachnicke steht, fiel auch bei dieser Gelegenheit wieder auseinander, indem die eine Hälfte für und die andere gegen die Kreuzer stimmte. Um diesen Zwiespalt in den eigenen Reihen auch nach außen möglichst scharf zu markiren, hatte Herr Dr. Pachnicke auch noch den Einsall, namentliche Abstimmung zu beantragen. damit ja die' Welt erfährt, daß das Häuflein um Rickert auch in dieser Frage nach zwei Seiten zieht. Aus den heute gehaltenen Reden verdient nur die des Herrn Dr. Bache m besonders hervorgehoben zu werden. DieserHerr sprach nämlich mit einer Schärfe und legtedieHaltung seiner Partei in der strittigen Frage so fest, daß ein Umfall bis znr dritten Lesung geradezu ausgeschlossen erscheint. Ganz ledern und nur in Gemeinplätzen sich bewegend sprach von Stumm. Der Reinsall, den er mit den von ihm kolportirten Kladderadatschgeschichten erlebt hat, wirkte ersichtlich ver- stimmend auf ihn. In seiner Rede that er auch nicht mit einer Silbe seines Reinsalls Erwähnung. Sonst sprachen noch Dr. Barth, der Minister Hollmann und der Referent Dr. Lieber. Die erste namentliche Abstimmung über das Panzerschiff ergab die Anwesenheit von 336 Abgeordneten, von denen 245 mit Ja und 91 mit Nein stimmten. Das Zentrum und die terren von der freisinnigen Vereinigung stimmten mit der echten und den Nationqllibcralen. Anders gestaltete sich die Abstimmung über den erste» Kreuzer, welche ebenfalls eine namentliche war. Die Zahl der Anwesenden war ans 347 gestiegen, von denen 204 gegen und 143 für die Bewilligung stimmten. Das Zentrum und>die Linke stimmten, mit Ausnahme von ein paar Rickert-Liberalen, dieses Mal geschlossen mit Nein, von den Antisemiten schloß sich der Abg. Hirsche! den Verweigerern an, während die übrigen Herren dieser Partei mitsammt des Rektors aller Deutschen, Ahlwardt, mit Ja stimmten. Ohne erwähnenswerthe Debatte wurde dann der gesammte Marine-Etat nach den Beschlüssen der Budgetkommission an- genommen. Wie in den Reihen der Abgeordneten erzählt wurde und wie die Abendblätter bestätigen, sind zum Montag Abend diejenigen Mitglieder des Reichstages ins königliche Schloß geladen, die am 18. Januar vorigen Jahres daselbst erschienen waren, im wesentlichen also die- jenigen Parlamentarier, die ihre Karten im Schlosse abgegeben haben. Man vermuthct, daß sich die Unterhaltung ans die Marinefrage erstrecken wird. Letzteres ist möglich, aber nach Lage der Sache wird für dieses Jahr wenigstens auch die geistreichste Unterhaltung und das reichst besetzte Büffet nichts mehr ändern. Nächste Sitzung Mittwoch, 24. März.— In den Ernst der heutigen Reichstag-- Sitzung fielen zwei elementare Aasbrüche der Heilerkeit. Der erste, als Freiherr v. Stumm würdevoll die Rednerbühne bestieg, was von besonders feierliche» Scharsmacher-Abstchten zeugte, und von allen Seiten nnt dem Ruf: Kladderadatsch! begrüßt ward. U»d der zweite, als A h l w a r d t mit pathetischem Ja! für den uferlosen Patriolismus stimmte. Stumm»nd Ahlwardt die zwei Hauptjänlen de- deutschen Wasser- Chauvinisinns— das ist freilich ein so lustiges Bild, daß der Anblick einen Sterbende» zm» Lachen bringen könnte.— Das preußische ZlbgeordnctenhanS erledigte heute in zweiter Beralhung die Etats der indirekten und der direkten Steuer n. Abg. v. E y n e r n(natl.) führte Beschwerde über die Beanstandung der Steuerdeklaration und wies darauf hin, daß die Stenerkommissare de» Zenstle» oft in die Rolle eines Angeklagten versetzen. Wenn es so fortgehe, so werde man das Gesetz ändern müssen. I» demselben Sinne sprach sich auch Abg. G o t h e i u (fr. Vg.) aus. Der Finanzminister Dr. v. M i q u e l erwiderte, daß man nicht die Beanstandungen einfach' beseitigen und die Deklarationen ohne weiteres als richtig annehmen dürfe, da sonst die Ergebnisse der Einkommensteuer um etwa 40 Millionen zurück- gehen würden.(Ei» nettes Zeugniß von der Opferwilligkeit der besiyen- den Klassen!) Im übrigen liege in der Beanstandung durchaus nichts nnehrenhafles für den Zensiten; auch die äußeren Formen des Ver« fahrens vermeiden alles, ivas solche Vermulhung nnskommen lassen kSnnte. Er hoffe, daß es den Gegnern der Selbsteinschätzung nicht gelingen werde, diese Einrichtung im Volke mißliebig zu machen.— Auf die Beschwerden, die im einzelueii vorgebracht werden, unter denen natürlich auch die Klagen über eine angeblich stärker« Be- laslung des platlcn Landes eine Rolle spielten, näher einzugehen lohnt sich nicht. Nächste Sitzung Mittwoch: Kleine Vorlagen und zweite Lesung des Richterbesoldungs-Gesetzes. Das Herrenhaus hielt heute ebenfalls eine kurze Sitzung ab. Da die aus der Tagesordnung stehenden Gegenstände nur neben- sächlicher Natur waren und auch wohl noch einen längeren Aufschub geduldet hätten, so darf man wohl annehuien, daß die Herren weniger der parlamentarischen Verhandlungen als der Zeiitenarscier wegen zusaiiinienkamcu. Das Haus erledigte einige Petitionen, nahm von mehreren Druckschrislen Kenutniß,' lehnte den Antrag von W o y r s ch belreffctid Gehaltsaufbesserung der Regierungsassessoren ab und nahm den Gesetzentwurf betreffend die Ergänzung einiger jagdrecht- licher Bestiimmingeii an. Nach dieser anstrengenden Arbeit ist ihm eine Erholung sehr nölhig, weshalb es sich ans unbestimmte Zeit vertagte. Tie Situation im Orient. Mit der Blockade Kreta's soll morgen wirklich ernst gemacht werden, wenigstens meldet die amtliche„London Gazette" die Bekanntmachung betreffend die Blockade Kreta's. Aus K a ti e a liegt die Meldung vor, daß estern die griechische Flotte ihre Ankerplätze vor Kanea ver- äffen habe. Die Stimmung gegen die europäischen Großmächte tonimt in Angriffen ans das Eigenthum deutscher und französischer Staatsangehöriger zum Ausdruck. Auf der Insel geht es auch sonst recht unruhig zu. Zahlreiche Znsammenstöße zwischen Insurgenten und regulären Truppen werden gemeldet. Die„Times" melden aus Kka n e a von gestern: Infolge der Anffordening des Admirals Canevaro begaben sich vier Führer der Anfständischen an Bord des italienische:» Flaggschiffs. Der Admiral hiell eine Ansprache an dieselben, in welcher er mit ihnen die Verlüiidigung der Autonomie besprach. Die Jiisnrgeiilen weigerten sich jedoch, eine andere Lösung als die Einverleibung in Griechenland auzuiiehme». Nach der„Köln. Zlg." machte die Frage nach der Besetzung Kreta's fortdauernd Schwierigkeiten, da bisher keine der Mächle geneigt war, einen diesbezüglichen Austrag anzunehmen. Italien und Frankreich weigern sich aus Rücksicht aus die Bolls- stimmungen, desgleichen wollen Rußland und England nicht heran. Die Besetzung sei bisher nicht zu förmlichen Vorschlägen gediehen, doch stehe keineswegs ein griechischer Prinz in Frage. Der denlsche Vizekonsul in Kandia beschwerte sich über das Abreißen sämmllicher Konsulatsabzeichen. Die Plünderung aller dortiger Läden dauert fort. Die Aufständischen unternahmen gestern gegen die Hochebene östlich Kandia's einen Vorstoß, wurden jedoch zurück- geworfen. Die internationale SanitätS-Konventio» ist am Freitag in Venedig unterzeichnet worden. Ohne Vorbehalt haben unlerzeichiiet die Vertreter von Oesterreich-Ungarn, Belgien, Frankreich, England, Italien, Luxemburg, Montenegro, Holland und Rumänien. /id referendum haben unterzeichnet die Vertreter von Spanien, Griechenland, Persteu, Portugal, Serbien und der Türkei. Die Ver- treter Deutschlands unteizeidinelei» unter Vorbehalt in betreff einiger in Europa zu treffender Maßnahmen. Tie Vertreter der Schweiz «nterzeichneten die in Europa zu treffenden Maßnahmen. Die Ver- treter von Däneinarl, Schiveden-Norwegen und den Vereinigten Staaten traten der Konvention bei, indem sie zu Protokoll erklirten, ihre Regierungen würden, so weit wie möglich, die in der Kon- vention vorgesehenen Maßnahmen vor dem zur Ratifikation der Konvention festgesetzten Zeitpunkt in Anwendung bringen. Di« Vertreter Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Frankreichs, Eng- lands, Italiens, Luxemburgs, Montenegro'?. Hollands, Por- tugals, Rumäniens, Rußlands und der Schweiz sprachen den Wunsch aus, daß folgende Punkte den betreffenden Regierungen übermittelt würden: 1. Die Miltheilung der Ganitäts- Konvention von Venedig an de» Gssnndheitsrath in Tanger, um in Marokko die in der Konvention vorgesehenen Maßnahmen zu treffen, namentlich das Verbot oder die zeitiveise Beschränkung der Pilgerfahrten. 2. Vereinheitlichung der prophylaktischen Maßnahmen der Behörden in Malta und Gibraltar. 3. Zusammenstellung und Aufzeichnung binnen kurzer Zeit aller Bestimmungen früherer Kon- ferenzen gegen Cholera und Pest. Der Konvention ist ein allgemeines Reglement beigefügt, welches in fünf Kapiteln alle Vorsichtsmaßregeln euthält, die auf der Grundlage beruhen, daß die Ausbrütungsdauer des Pestkeims 10 Tage beträgt.— Rußlands Thätigkeit ans dem Balkan. In einem bul- aarischen Blatte ivird folgende Meldung gemacht:„Eine freudige Nachricht: Wir sind so glücklich, mittheile» zu können, daß»ach unseren Informationen aus maßgebender Quelle zwischen Bulgarien, Serbien und Montenegro ein formelles Bündniß unter dem Protei- torate des slavischen Protektors Rußland geschlossen worden ist." In einem anderen, als offiziös bezeichnete» Blatte wird nur von erzielter„Verständigung" über die„Theilung der Einflußsphären" ge- redet. Nach einer anderen Meldung sollder bulgarische Ministerprästdent Stoilow geäußert haben, daß sich die drei genannten Staaten in dein unter dem Protektorate Rußlands abgeschlossenen Bündniß gegenseitig verpflichtet hätten, jeden ohne ihre Zustimmung gemachten Versuch einer Abänderung des Status quo aus der Balkanhalbinsel abzuwehren. Die„Sachs. Arbeiter-Ztg." bemerkt hierzu: Wir wissen nicht, was daran wahr ist— der bisherigen Politik Rußlands würde es aberdurchaus entsprechen. Die„Großmächte" können sich nicht einigen über ihr Verhalten gegenüber Griechenland, weil sie jede ihre besonderen einander entgegenstehende» Interessen habe», unter- deß, che die Einigung zu stände kommt, könnte Griechenland viel unter- nehme», wie es ja thaisächlich immer energischer rüstet— Rußland sucht deshalb seinen eigene» Weg. um der Entwicklung der Dinge auf dem Balkan die Richtung zu geben, die seinen Interessen entspricht. Das erwähnte Bündniß setzt voraus, daß die Integrität der Türkei nicht verletzt werde ohne Zustimmung der drei Kleinstaaten ihre Zustimmung ist die Zustimmung Rußlands, des„slavischen Pro- tektors". Diese Ziistimmung wird nur ertheilt werden, wenn die Vivisektion der Türkei in einer den Interesse» Rußlands ent- sprechenden Weise vor sich geht. Ist das jetzt noch nicht zu er- reichen, dann werfen sich die drei Büudnißstaate» mit ihre» militäri- scheu Streitkräften Griechenland entgegen— zur Wahrung der Interessen Rußlands. Chronik der MajestiitsbeleidigungS-Prozesse. In der Nacht znnl 8. Januar wurde in Mainz der Tagelöhner Julius Richter aus Mainz in einer Wirthschaft wegen Ruhestörung verhaftet. Auf dem Transport nach der Polizeiwache und auch in seiner Haftzelle stieß er grobe Beleidigungen gegen den Kaiser aus. Wegen Majeftätsbeleidigung angeklagt, stand jetzt Richter vor der Straf- kammer. Da durch den Kreisarzt Dr. Balfer festgestellt wurde, daß der Angeklagte damals in bewußtlosem Zustande handelte, sprach das Gericht den Angeklagten frei.— «« « Deutsches Reich. --- Der Scharfmacher st reitet ab. Stumm'S Organ, die„Post", schreibt: „In der gestrigen Abendnnmmer des„Berliner Tageblatts" steht ein Artikel über Mittheilungen, welche Freiherr v. Stumm- Halberg im Auftrage Sr. Maj. des Kaisers an Mitglieder des Reichstages über die Konsequenzen, welche die Aufrechterhaltuug der die Marine- Ab- striche betreffendenKommissionsbeschlusse nach sich ziehen würde.gemacht haben soll.— Richtig ist, daß Freiherr v. Stumm seinen politischen Freunden Aeußerungen Sr. Majestät über dies« Angelegenheiten mitgetheilt hat; unwahr aber ist die Darstellung des„Berliner Tageblatts", daß von einem„Kladderadatsch" oder davon die Red« gewesen sei. das Staatsministerium„die Kosten der Ablehnung be- zahlen zu lassen". Die Insinuation, das Staatsministerium„solle zum Teufel gejagt werden", trägt an sich schon den Stempel der Erfindung an der Stirn." Darüber, was er wirklich gesagt hat, schweigt Herr Stumm sich in Presse und Parlament gründlich aus! — Freisinniger Mannesmuth. DaS„Berl. Tageblatt" schreibt in einem„Der Kampf um die Kreuzer" überschriebenen Leitartikel:„Das Zentrum war klug genug, seine Verstimmung über die Stumm'sche Agitation nicht zur Schau zu tragen. Dagegen hielten die Vertreter der Sozialdemokraten und der freisinnigen Äolkspartei, die Abgeordnete» v. V o l l»> a r und Engen Richter, es für angemessen, unverblümt ihrer Ansicht über die jetzige Regier ungs Methode in Sln- Wesenheit des Prinzen Heinrich, der in der Hofloge die Richter'sche Rede von Ansang bis zn Ende stehend anhörte. Aus- druck zu geben."— Gronau, 20. März. Amtliches Wahlresultat der im 2. Wahlbezirk des Landdrosteibezirkes Hildesheim stattgehabten Landtags- Ersatzwahl. Abgegeben wurden insgesammt 133 Stimmen; davon erhielt Oberamtmann So mm er- Hornsen(frei- konservativ) 102 Stimmen und Amisgerichtsrath Fuincke- Alfeld(natl.) 31 Stimmen. Elfterer ist mithin gewählt.— — Die Bäckerekoerordnung in Baden. Die „Karlsr. Ztg." bringt über das Ergebniß der von der Regierung von sämmtliche» Bezirksämtern eingezogenen Erkundigungen über die Bäckereiverordnung vom 4."März v. I. amtliche Mit- theilungen, nach denen in der überwiegenden Mehrzahl der Amtsbezirke, und zwar nicht nur in den Landgemeinden, sondern auch in den meisten Städten die Verordnung unbeanstandet durchgeführt worden ist. Die„Franks. Ztg.". der der Artikel telegraphisch übermittelt wurde, entnimmt deniselben das folgende: „Selbst in den Städte» Mannheim, Karlsruhe und Freiburg scheint die Einhaltung der Bestimmung über die Dauer der Ar- beitsschichten und die Ruhezeiten in allen Betrieben ermöglicht worden zu sein, obwohl hier wie noch in einigen anderen Bezirken von den Bäckern in Uebereinstimmung mit den Angabe», welche sie auf eine Umfrage des freie» deutschen Bäckerverbandes gemacht haben, auch den Behörden gegenüber versichert wird, daß bei den häufig eintretenden Betriebsstörungen die zulässige Arbeitszeit zur Herstellung der Backwaare nicht ausreicht. Für Städte, in denen ein größerer Verkehr stattfindet, wie Baden. Heidelberg, wird auch seitens der Bezirksämter anerkannt, daß die dem Bäckereigewerbe auferlegte Einschränkung fast unüberwindliche Schwierigkeiten zur Splge habe, und es ist aus diesem Grunde z B. von der Gemeinde- ehörde von Heidelberg die Gestattungßll stündiger Arbeitsschichten lebhaft befürwortet worden. Daß nachtheilige Wirkungen der im Schreiben des Reichsamts bezeichneten Art schon jetzt im erheblichen. Maße hervorgetreten sind, ist nirgends abgewiesen. In Karlsruhe »nußte in vier Betrieben je zwei, in zwölf Betrieben je ein, und in Rastatt in zwei Betrieben je ein weiterer Gehilfe angestellt werden. In einzelnen Betrieben sucht man sich durch Einstellung eines weiteren Ofens für die Bedürfnisse der Feinbäckerei ent- sprechend einzurichten. Befürchtungen, daß eine wirthschaftliche Schädigung des Bäckergewerbes nicht ausbleibe» werde, sind aller- diugs von manchen Seiten geäußert worden, diese sind aber noch nicht auf bestimmte that sächliche Wahrnehmungen gestützt und erklären sich wohl zun, größten Theile aus der Agitation gegen die Verordnung. Aehnlich verhält eS sich hinsichtlich der behaupteten Störung deS Einvernehmens der Meister und Gesellen. Hier ist es das für manchen Arbeitgeber drückende Gefühl, der Kontrolle der Gehilfen unterworfen zu. sein, was Besorgnisse für die Zukunft hervorruft. A» einigen Orten will man auch bemerkt haben, daß daS Auftreten der Gesellen seit dem Jnlraft treten der Verordnung ein anmaßendes geworden sei."— — DcrFall Peter? soll Mitte April vor die Disziplinar- kammer für die Schutzgebiet« gebracht werden.— Schweiz. Zürich, 18. März.(Eig. Ber.) Die Züricher Regie- r u n g, welcher die Vermehrung der Staatseinnahmen infolge der Entlastung der Gemeinden und Uebernahme bedeutender Nen-Aus- gaben auf die Staatskasse geradezu als ein dringendes Bedürfniß auf die Finger brennt, hat den Entwurf zu einem neue n Erbschafts st e u er-Gesetz ausgearbeitet. Derselbe schlägt folgende Steuersätze vor: bei Intestaterben 4 pCt. für Adoptivkinder. Verlobte und Geschwister, 8 pCt. für Adoptiveltern, die ferneren Linien der elterlichen Parantel und die Großeltern, 16 pCt. für alle weiteren Verwandten. Steuerfrei find die Jntestaterbschaften der Kinder und ihrer Nachkommen, der Eltern und Ehegatten, und bis zu 1000 Fr. für den einzelnen Empfänger für Adoptivkinder, Ver- lobte und Geschwister, Vermächtnisse an Angestellte, Bedienstete und Taufpathen des Erblassers, sowie Vermächtnisse an Staat und Ge- meinden. Wenn der einzelne Erbschaftsantheil mehr als 10 000 Fr. beträgt, steigt die Steuer um Vio, bei 20 000 Fr. um a/io, und so fort bis wiio bei 100 000 Fr. In einige» Kantone»(Schaff. Hausen, Thurgau. Aargau, Uri, St. Gallen) steigt die Progression der Erbschaftssteuer je nach der Höhe des Vermögens biS auf 100, ISO. 200 und 300 pCt. Zuschlag zun, einfachen Steuer- sah.— Der Kantonsrath hat beschlossen, bei der Volksabstininiung über das neue Advokaturgesetz, dem übrigens von, Lande schon jetzt Opposition geniacht wird, die Bestimmung betreffend die Zulassung der Frauen zur Advokatur gesondert zur Abstimmung vorzulegen. Die Opposition nimmt daran Anstoß, daß nach dem Gesetz dem Bürger das Recht genommen wird, jemanden vor Gericht zu vertreten, wenn er nicht das Advokatur-Patent hat und findet dies undemokratisch sowie verfassungswidrig.— Bern, 20. März. Die eidgenössische Staatsrechnung kü» 1SS6 weist einen Ueberschuß der Einnahmen von 7 702 732 FrcS. auf, während im Budget ein Ausgabenüberschuß von 840 000 FrcS. veranschlagt war. Frankreich. Pari». 20. März. Die Blätter melden, der UntersuchungS richter Poitevin ist aus London mit allen Papieren Arton's zurückgekehrt. Er äußerte einem Berichterstatter gegenüber, die Papiere bestätigten sämmtlich die Ent- h n l l u n g e n Ä r t o n' s. In Kammerkreisen verlautet, angesichts der Erregung und des Unbehagens, welche die Arton-Angelegenheit im Parlament hervorgerufen habe, würden einzelne Deputirte inter- pelliren, falls die Untersuchung sich hinziehen sollte. Dänemark. — Man verweigert den Arbeitern, waS man den Bauern und Fabrikanten bewilligt. Der dänische sozialdemokratische Abgeordnete Klausen hatte eiuen Antrag gestellt, den vereinigten Fachvereinen zur Abhaltung von Vorträgen in de» Provinzen, sowie zur Erlangung und Bekanntmachung von Ermittelungen über industrielle Verhältnisse im Auslande 5000 Kronen zu bewilligen. Im Finanzausschuß wurde dieser Antrag mit allen Stimmen gegen die der Sozial- denwkraten abgelehnt! Diese Thatsache ist um so charakteristischer, als gleichzeitig 6400 Kr. zur Abhaltung landwirlhschaftlicher Vor- träge in den Landansiedelungs-Vereinen und 7000 Kr. für die Ge- sammtvertretung von Handel und Industrie zur Abhaltung von Vor- träge» in der Provinz bewilligt wurden. Für die Arbeiter find keine Mittel da, weil man sie in Un- kennlniß erhalten möchte; aber die Arbeiter erringen sich ihre Kenntnisse, trotz aller Hindernisse, und die Aufklärung über die Arbeiterverhältnisse und damit die Zahl der Anhänger der sozialistischen Theorie wächst.— Das vom dänischen F o l k« t h i n g angenommene Z i v i le h e- G es e tz wurde vom dänischen Landesthing ver warfen! Bon derRechlen. die als Mehrzahlspartei sich sonst stets zuerst zum Worte zu melden pflegt, meldete sich niemand, trotz mehr- maliger Aufforderung durch den Präsidenten. Dann sprach ein Vertreter der Linken für die Annahme des im Folkething akzeptirten Entwurses. Der Kultusminister sprach sich aber sehr scharf dagegen aus. Als es zur Abstimmung kam, stimmten die 40 Vertreter der Rechten dagegen, die 13 Vertreter der Linken dafür. Ein« zweite Lesung wurde gleichfalls abgelehnt, sodaß das Gesetz damit gefallen ist. Die Rechte hat also keine Gründe gegen das Gesetz, sie ftiniint eS nur kraft ihrer im Oberhaus« liegenden und durch die Bevorzugung der oberen Klassen erhaltenen Macht nieder! Ein solch brutales Vorgehen gegen einen im Folkething auch von den Moderaten unterstützten Antrag ist im ganzen eine Seltenheit. Es beweist aber die ganze Ueberhebung einer solchen Etandesvertretniig, wie es der Landeslhing ist.— Niederlande. — D i e Agrarierin Holland versuchen, die NuSbreitiing des Wahlrechts für sich zu benutzen dadurch, daß sie den Arbeitern das Blaue vom Himmel herunter versprechen. falls sie nur dumm genug sind, bei den Wahlen für die schütz- zöllnerischen Kandidaten zn stimmen. Sie stoßen aber bei dieser betrügerischen Taktik auf den harten Widerstand unserer Genossen. Am 22. d. M. wird«ine Volksversammlung nahe an der deutschen Grenze in Winschoten stattfinden, wo nebst dem holländischen Genossen Troelstra auch unser deutscher Genosse Paul Hug über die Folgen der Schutzzollpolitik für die Arbeiter reden wird.— Italien. — Di« Neuwahlen»um Parlament, das von Rudini aufgelöst wurde, noch bevor eS kaum die Hälfte der gesetzlichen Dauer(S Jahre) erreicht, finden morgen, Sonntag, den 21. März, statt. Zwischen der Regierungsweise C r i s p i' s und d i R u d i n i' s ist ein großer Unterschied nicht vorhanden— nur durch die Methode unterscheiden sie sich. C r i s p i war gegen unsere Partei brutal und gewaltthätig,! Rudini bekämpft die Sozialisten unter dem Schein der Gesetzmäßigkeit. Trotzdem ist Crispi von der Opposition zu Fall gebracht und Rudini steht sich schon nach einigen Monaten genölhigt, an das Volk zu appelliren. Bei den letzten Wahlen war die Zahl der sozialistischen Ab- geordneten von S aus 14 gestiegen. Zwei von ihnen waren von CriSpi beseitigt worden, sodaß nur noch 12 verblieben. In 160 Wahlkreisen von den b03 haben unsere Parteigenosse»! Kandidaten aufgestellt. Sie haben in den letzten Wochen, trotz der Verfolgungen und Chikanen, denen sie ausgesetzt sind, eine energische Thäiigkeit entfaltet und hoffen am morgigen Wahltage auf mindestens 17—20 Eitze. Wir haben Vorkehrungen getroffen, daß unsere Leser auf möglichst schnellste Weise von dem Resultat der Wahl unterrichtet werden.— Spanien. Madrid, 20. März. Der gestrige Tag ist in Barcelona ruhig verlaufen; indessen steckten zahlreiche Personen die katalanische Mütze aus und einige Frauen trugen Bänder in den katalanischen Farben. Mehrere Blätter erklären, die Bewegung werde gefährlich. weil die föderirlen Republikaner niit der katalanischen Partei gemein- same Sache machen; die Blätter fordern die Regierung auf, mit Takt und Energie zu handeln.— Rumänien. — Ein« theilweise M i n i st erkr i s i S ist eingetreten. Ob die Gründe in der Situation im Orient liegen, wird nicht gemeldet.— Rnhland. — Ueber die Demonstration in der Kasan'fchen Kathedrale in Petersburg geht uns von den russischen Genossen die folgende Mittheilung zu: Ein paar Tage vor Weihnachten wurde in Petersburg gleich- zeitig mit mehreren andere» Personen die Studentin der höheren Frauenknrse und frühere Volkslehrerin Marie Wjetrowa verhaftet. Sie wurde beschuldigt, während des Massenstreiks der Petersburger Arbeiter im Sommer des verflossenen Jahres agitatorisch thälig gewesen zn sein. Die erste Zeit ihrer Untersuchungshaft verbrachte die Wjetrowa im Untersnchungsgefängniß, wo ihre Schwester sie einig, Male besuchen durfte. Nachdem sie aber Ende Januar in die Peter-Pauls-Festung kam, wurde niemand mehr zn ihr zugelassen. Das Nichtzulasse» von Besuchen zu den Ge- sangenen wird von den Petersburger Behörden in der letzten Zeit öfters angewendet, als Mittel, sie in eine deprimirU Stimmung zu versetzen. Vielleicht trat bei Wjetrowa eine solche Stimmung als Folge dieser Maßregel ein, doch könne» wir das nicht init Bestimmtheit behaupten. Noch einiger Zeit wurde in der Peter-Pauls-Festung auf Befragen über die Wjetrowa die! Antwort gx. geben, sie befände sich nicht mehr in der Festung, wohin sie gekommen war, konnte man bei den Behörden nicht erfahre». Als am 4. März mehrere von den in der Peler-Paulsfestung Jnhaslirten nach dem Uiitersuchungsgefängniß übergeführt wurden, erfuhr man von diesen, daß die Wjetrowa gestorben ist; über die Ursache und Art des Todes konnten auch sie nichts mitlheile». Erst später wurde bekannt, daß die Wjetrowa sich ver- b r a n n t hat, doch der Grund, welcher sie zu dieser schreck- liche» That bewog, ist zur Zeit noch nicht aufgehellt. Die Wjeirowa war unter den Petersburger Studentinnen sehr be- kannt. Die Kunde über ihren Tod fand daher rasche Verbreitung unter der Studentenschast und machte einen tiefe» Eindruck. An, 16. März fand sich eine große Anzahl von Leute» in der Kasau'sche» Käthe- drale zusammen, um eine Todesmesse für die Verstorbene abzuhalten. Der Pope verschwand. Es wurden Kränze gebracht. Mau sang Todesmessenlieder. Daraus bewegte sich ein Theil der Denio»strirenden den Newski- Prospekt, der'andere die Morskaia entlang. Die Polizei zerstreute den Zug und verhastete dabei gegen 200 Personen.— Nach einer aus Petersburg in Königsberg i. Pr. eingegangenen Meldung versammelte» sich die dortige» Sludenten an, Donnerstag Nachmittag in der Aula der Universität und beschloffen, ihre Kommilitone» an allen russischen Universitäten aufzufordern, für die Studentin Wjetrowa, die im Gefängniß Selbstniord beging, Messen lesen zu lassen. Die Zahl der belheiligten Studenten wird aus 1200 angegeben. Der„Kölnischen Zeitung" wird anS St. Petersburg geschrieben: Ueber die Studenten-Kundgebung dürfen die Blätter ebenso wenig etwas bringen wie etwaige eigene Erhebungen über den mysteriösen Selbstniord der»»glücklichen Wjetrowa. Die Be- Hörde» selbst schweigen vollständig. Da glaubt denn das Publikum an das, was Studenten darüber erzähle», und zuckt über die wenigen die Achsel, die behaupten, die Ursache des Selbst- mordes sei die Angst der Wjetrowa vor ihrer nahe bevor- stehende» Ueberführung nach Schlüsselburg gewesen. Heute Vor- mittag hielten die Studenten eine Versammlung in der Universität; ein Student verlas dabei Aufzeichnungen über die Vorgänge der letzten Tage, sowie über die Gründe, die sie hervorgerufen hatten, und forderte dann alle Sludenten, die sich von der Kundgebung zurückgehalten haben, auf. sich nachträglich durch ihre Unterschrift mit den andern für solidarisch zu erklären. Viele thaten das. andere dagegen lehnten ihre Unterschrist ab. Dann theilte der Sprecher mit. daß die hiesigen Studenten die Kommilitonen der sänimtlichen anderen Universitäten Rußlands aufgefordert hätten, Todteumesse» für die unglückliche Wjetrowa abzuhalten. Die Be- Hörden störten die Versammlung nicht. Universitätsprofessoren, die von Studenten gebeten worden waren, der Versammlung b«izu< wohnen, hatten das abgelehnt. Im kasanskischen Polizeihaus wurden vorgestern nicht 700, sondern 1100 Namen von studentischen Theil- iiehmern aufgezeichnet, darunter viele Schülerinnen der weiblichen Kurse. In der Kasauski- Kathedrale, heißt es, seien auch die von den Studenten eingeladenen Verwandten der Wjetrowa zugegen gewesen.— Türkei. — Der Schiffsverkehr in den türkischen Ge- wässern. Ter letzte Ausweis der bekanntlich internationalen Sanitätsverwaltung des türkischen Reiches bietet interessantes Material über den Schiffsverkehr in den türkischen Gewässern im Jahre 1311 mohainedanischer Zeitrechnung(13. März I8SS bis 12. März 18V6). Derselbe entwickelte dem„Konstantin opeler Handels- blatt" zufolge sich im Vergleiche mit Vorjahr folgendermaßen: Flagg« Schissszahl 1310 1311 England..... 15 225 14 599 Türkei....... 141 671 137 169 Oesterreich-Ungarn... 4749 5017 Griechenland..... 17 269 17 283 Rußland...... 1 636 1 682 rankreich...... 1 719 1 811 lalien....... 1853 2 069 Egypten...... 989 660 Schweden und Norwegen 619 431 Deutschland... 416 411 Bulgarien...... 693 685 ~ olland....... 248 292 änemark...... 184 210 Belgien....... 84 106 Verschieden..... 5 004 5 608 Tonnenzahl 1310 14 446 622 6 325 295 4 329 904 8 756 739 2 069 630 2 268 447 1 409 260 810 091 698 931 435 034 234 697 274 921 200460 150 508 127 810 1311 13 923 445 6 583 438 5 022 070 8 662 131 2 377 446 2 368 454 1 655 699 560 521 541 090 451 203 350 392 321 565 245 092 169 865 157 233 Total..192 269 188 033 37 618 549 38 409 144 Die Veränderung, welche das Jahr 1311 brachte, ist nicht wesentlich; doch bedeutet sie, was die Tonnenanzahl anlangt, einen kleinen Fortschritt, der seit dem Jahre 1890/91 stetig ist. Die Schiffsbewegung in allen türkischen Häfen giebt seit 1890 folgendes Bild: Der Fortschritt in der Verkehrsentwickelung kommt in erster Linie Oesterreich-Ungarn zu gute; auch das Deutsche Reich, das freilich erst an zehnter Stelle steht, Frankreich und Rußland erzielten eine kleine Besserung, die bei Holland und Belgien ebenfalls zu konstatiren ist. Einen Rückgang zeigt die englische Schiffsbewegung in den türkischen Gewässern, sie macht aber iimnerhin noch 36,2 pCt. de? ganzen Ver- kchrs aus. Asien. — I ii n g- C h i n a. Das Beispiel, da? die„Jungtürken" ge- geben, wirkt ansteckend: jetzt erheben auch die„Jung-Ehinesen" ernste Ansprüche auf Reformen. In der letzten Nummer der„Fortnightly Review" richtet der bekannte, in England naturalisirte und einmal aus der chinesischen Botschaft in London gefangen lehaltene Chinese, Dr. Sun Iat Sen, im Namen der chinesischen steformpartei ein Manifest an Europa. Die Partei verlangt nicht, daß man ihr Resormprogramm unterstütze, sondern nur eine„wohl- wollende Neutralität."„Laßt uns gewähren", ruft Sun Iat Sen aus,„kümmert Euch nicht um das, was demnächst in China vor- gehen wird, und Ihr werdet eS nicht bereuen. denn Ihr werdet wirthschaftliche Bortheile daraus ziehen" Welcher Art die geplante» Reformen sein sollen, läßt sich aus den AuZführungen des„Jung- Chinesen" nicht mit mnnschenswerther Deutlichkeit entnehme», maukann es nur aus den beweglichen Schilderungen ahnen, die Dr. Sun Iat Sen von den Leiden China's entwirst..China für die Chinesen!" so lautet die Formel, die er aufstellt und erklärend füat er hinzu, daß in China daS ganze Verwaltungswesen, von den kaiserlichen Hofämtern bis herab zu den niedrigsten Beamtenstellen, in Händen der Ausländer fei. Von vier schweren Plagen werde China heimgesucht: von HungerSnoth, Pest, Ueberfchwemmungen und Räubern; nnd diese vier Plagen seien durch die verdorbenen nnd alles verderbenden Ausländer ins Land gebracht worden. Man muß also annehmen, das die Ausländer in China Ueber- schwemmungen hervorzaubern können und daß sie ein Jnteresse daran haben, die Pest zu kultiviren. Was folgt daraus? Daß China dnrcb feine Reformen alle Ausländer aus dem Lande jage» muß. Dr. Sun Iat Sen ist aber nicht sicher, ob sich Europa eine solche Behandlung seiner Unterthanen gefallen lassen wird, und des- halb hat er so unrecht nicht, wenn er vor allem um.wohlwollende Neutralität" bittet.— Amerika. — Die Mac Kinley'sche Zollvorlage soll am nächsten Montag beralhe» werden, die enlgiltige Abstimmung soll am 31. d. M. stattfinden.— MeWhsksia. 196. Sitzung vom 20. März 1897, 11 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Fürst zu Hohenlohe, von Bötticher, von Marschall, Holl mann. Gras Posado wsky. Die Berathnng des Marineetats wird fortgesetzt und zwar bei den einmaligen Ausgabe», erste Raten für den Bau eines Panzerschiffes I. Klasse.Ersatz König Wilhelm", für de» Bau zweier Kreuzer(0 und?), eines Avisos, zweier Kanonenboote, eines Torpedodiviftonsbootes und von Torpedobooten. Abg. Dr. Barth tsrs. Bg.): Herr v. Vollmar hat gestern seine Ankündigung, die Sache nüchtern zu behandeln, nicht gehalten; denn er hat uns von einer Wellpolitik gesprochen, als ob man vor dem bloßen Begriff Weltpolitik schon erschrecken mußte. Deutsch- land ist nun einmal eine Großmacht und muß Weltpolitik treibe». Es kann sich nur darum Handel», welcher Art die Weltpolitik sein soll. Wir müssen schon wegen unserer Lage in der Mitte von Europa Weltpolitik treiben, und der Reichstag ist dazu da. auf eine allzu schneidige Politik mäßigend einzuwirken. Die großen Flottenpläne werden immer bestehe» bleibe», es wird immer Flottenenthusiasten geben. Je mehr wir uns von sachlichen Gründe» leiten lassen bei der Entscheidung der Marinefrage, desto mehr werden wir solchen Pläne» entgegenwirken. Die Budget- kommission hat de» Panzer.Ersatz König Wilhelm" genehmigt. Es bleiben also nur die beiden Kreuzer und die Abstriche bei den tveilere» Raten übrig. DieNützlichkeitdieser Abstriche ist mir nicht recht klar geworden; denn eigentlich ist die Ver- zögerung des Baues eine Verschwendung. Die Kreuzer werden schließlich auch vielleicht im nächsten Jahre bewilligt werden. Und deshalb Räuber nnd Mörder, deshalb die Drohung mit Auflösung und mit einer großen Regierungskrisis! Deutschland würde sich zum Hohn- gelächter der ganzen Welt gemacht habe», wenn aus dieser Maus der Elephant einer großen Regiernngskrisis hervorgegangen wäre. (Sehr richtig!) Der Staatssekretär v. Marschall hat aus- geführt, �.daß unser Export nach den zivilistrten Ländern nicht mehr zunehmen wird, daß wir uns also nach dem Absatz in unzivilisirten Ländern umsehen müssen. Aber unser Export geht zu einem Viertel nach dem hochzivilistrten England! Ich bestreite also, daß ein kräftigerer Schutz unserer Handels- Interessen durch die Marin« nolhwendig oder auch nur nützlich ist. Die Nothwendigkeit eines äußeren Schutzes wird von Jahr zu Jahr geringer werden. England hat eine Kriegsflotte. größer als die irgend einer anderen Macht. Diese große Kriegsflotle hat in dem Konflikt zwischen England nnd Venezuela garnichtS ausrichten können. Die Thäligkeit der Krieg-flotte schränkt sich also sehr erheblich ein für den Frieden und auch für den Fall eineS Krieges; denn der Handelsverkehr Deutschlands würde im Kriege doch nur unter neutraler Flagge bestehen können, unter deutscher Flagge würde er vollständig lahm gelegt trotz der stärksten Flotte. Unter diesen Um- ständen muß der Reichstag solchen Marinewünschen entgegentrete». Die Frage kann durchaus nicht zu einer großen aufgebauscht werden. Staatssekretär im Reichs- Marine- Amt Hollwauu: Herr v. Vollmar meinte, Graf Caprivi habe 8 Millionen als ausreichend erklärt. Das ist richtig, aber damit können nicht alle milltärischen Desiderate erfüllt werden. Herr v. Vollmar fand den Betrag von 60 Millionen mierhört hoch. Bon den 60 Millionen sind SO'/» Millionen für die Folgeraten eingestellt; diese Summe kann also kein Erstaunen erregen. Es bleiben 10 Millionen Rest für Neu- bauten. 189B/96 hat der Reichstag 8 640 000 M. erste Raten bewilligt und sich verpflichtet für 33 Millionen Folge- raten; 1896/97 wurden bewilligt 8 843 000 Mark nnd die Folgeraten betragen ebenfalls 33 Millionen. Jetzt werden 7 673 000 Mark erste Raten und 3l Millionen Folgeraten verlangt. Ich habe viel mehr Berechtigung zu erstaunen, als Sie. daß man diese Forderung zu hoch findet. Herr v. Vollmar meinte, wie man die gleiche Schiffszahl wie 1873 verlangen könnte, während doch die Schiffswerthe die zweifache und dreifache Höhe gegen früher erreicht hätten. Das wäre zutreffend, wenn die anderen Nationen ans dem Standpunkte von 1873 stehen geblieben wären. aber sie habe» die Zahl ihrer Schiffe erheblich vermehrt. Tie englische Flotte halte in der Mitte der siebziger Jahre eine Bausumme von 16 Millionen Mark znr Verfügung. Jetzt fordert die englische Flotte 440 Millionen Mark, davon 140 lediglich für den Schiffsbau.(Hört, hört! rechts.) Da ist es doch unberechtigt, wenn Sie ins Land hineinrufen, daß die deutsche Flotte der englischen gleichkommen will. Der Admiralstab. den Herr v. Vollmar so bedenklich findet, hat für die Marine dieselbe Bedeutung. wie der Generalstab für die Armee. Die Marineverwaltnng muß sich beim Bau neuer Schifft nach den Erfahrnngen des Sldmirnlstabes erkundige». Ich weiß nicht, Herr v. Vollmar, welchen Werth Ihre Angriffe überhaupt haben, wenn Sie selbstverständliche Dinge zu Angriffen gegen die Marineverwaltung benutzen! Herr v. Vollmar meinte, daß die Marine für Vergnügungsfahrten und Paraden stets Schiffe genug zur Verfügung habe.(Sehr richtig! links.) DaS ist nicht mehr richtig, nachdem ich in der Kommission eine Erklärung darüber abgegeben habe. Ich habe das Ober- kommando zur Miltheilung des amtliche» Materials ans- gefordert und festgestellt, daß im Jahre 1396 die Marine einen Paradentag hatte bei Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers von Rußland in Kiel. Im übrigen hat die Flotte nicht einmal so viel Ruhetage wie Sonntage im Jahre gehabt, die übrigen Tage find von Dienst- und nicht von Vergnügnnqssahrten in Anspruch genommen worden. Ich möchte Sie bitten, die Forderung der Regierung zu be- willigen. Präsident v. Bnol theilt mit, daß auch über die erste Rate für den„Ersatz König Wilhelm" eine namentliche Abstimmung beantragt ist. Abg. von Stumm(Rp.): Der jetzige Moment erinnert etwa» an jenen anderen, wo die deutsche Flotte unter dem Hammer Hannibal Fischer's verkaust wurde(Widerspruch), nur sind die Rollen ver- tauscht Damals wurde die Flotte verkauft, unter dem Entrüstungsschrei des deutschen Volkes verkauft(Unruhe) und heute will man nicht unbrauchbar« Schiffe ver- kaufe», sondern die Floll» verkümmern lassen.(Widerspruch links und im Zentrum) Für die Küstenverlheidigung würde die Flotte in ihrem heutigen Znstande genügen, aber in der Boraus. setznng, daß ein Theil der Armee die Küstenvertheidigung unterstützt. Aber zur Verhinderung der Landung einer Jnvasionsarmee»st schon 1873«in« erhebliche Vermehrung der Flolle als nolhwendig an- «rlannt worden. Seildein der Gedanke eiues Krieges nach zwei Fronten aufgetaucht ist, wird von der Landarmee nichts zum Küstenschutz diSpo- nibel sein; die Flotte wird den Küstenschutz allein übernehmen müssen. Aber die Flotte könnte nicht hindern, daß eine Flotte z. B. Hamburg blokirte und einen Landungsversuch machte. Was daraus für Folgen entstehen, brauche ich nicht auszuführen. Der Kaiser Wilhelms- Kanal hat für uns nur dann«inen Werth, wenn wir die Flotte an beiden Endpunkten frei benutzen können, sonst bleibt die Flotte ini Kaiser Wilhelms-Kanal festgenagelt.(Unruhe im Zentrum. Beisall rechts.) Wenn auch die Denkschrift von 1873 den Hauptwerth aus die Landmacht legt, so wird doch auch ein großer Werth auf die Flotte gelegt. Der Seehandel weiß ganz genau, daß im Falle eines Seekrieges er vollständig lahmgelegt wird. Wenn die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin vom politischen auf das handelspolitische Gebiet übertragen und alle Staaten chikaniren wollen in ihren Beziehungen zu amerikanischen Ländern, so können wir uns das nicht ohne weiteres gefallen laffen. Herr v. Vollmar meint allerdings, die Diplomaten sollen gar keine Kanonen brauchen. Auf diesen Standpunkt können wir uns nicht stellen. Den Schutz der Deutschen im Auslände hält Herr Richter nicht für nolhwendig, weil sie doch nur aus Geldinteressen ausgewandert sind. Wenn unsere Bevölkerung stetig zunimmt, so daß die Leute ins Ausland gehen müssen, so ist den Auswanderern kein Vorwurf zu machen; sie können ihre idealen Interessen zu gunsten des deutschen Vaterlandes wahrnehmen. Ein Kriegsjahr würde doppelt zu rechnen sein in bezug auf die Ernährung der Armee. Ohne Einfuhr von Lebensmitteln kann diese Ernährung nicht stattfinden, und ohne die Flotte ist die Einfuhr nicht möglich. Unsere finanzielle Lage ist niemals so günstig gewesen, wie in diesem Jahre. Kein Kulturstaat hat die ärmeren Klassen soweit entlastet, wie die deutschen Einzelstaaten; i» keinem Staate sind die wohlhabenden Klassen so hoch belastet, wie in Preußen und den andern Einzelstaaten. Wir können also sehr wohl noch neue indirekte Steuern vertragen. Kind nnd Kindes- kind werden uns nicht segnen dafür, daß wir diese Ausgaben vermieden haben, sondern werden es vorziehen, daß sie durch weise Fürsorge davor geschützt werden, Milliarden von Kriegskoften zu bezahlen. Unsere Flotte ist relativ vernnndert worden dadurch, daß nicht regelmäßig für aus- reichenden Ersatz gesorgt wurde. Wir zwingen durch die Verzögerung der Ersatzbauten die Marineverivaltung im Kriegsfalle mit alten Kasten in See zu gehen. Wir werden einstimmig für die Fordernngeii der Regierung stimmen. Wir meinen, daß diejenigen, welche durch die Ablehnung die Wehrkraft der Marine und damit iinsere gesammte Wehrkraft erschüttern, sich am Vaterlande ver- sündigen.(Beifall rechts. Lachen links. Zuruf des Abgeordnete» v. Vollmar: Wo bleibt der Kladderadatsch?) Abg. Bachem(Z): Alles, was Herr v. Stumm vorgebracht hat, ist in der Budgetkommission bereits widerlegt worden. Wenn wir noch nicht entschloffen wären, so würde die Rede deS Herrn v. Stumm uns zur vollen Entschlossenheit gebracht haben.(Zu- stimmung im Zentrum.) Wenn man den Forderungen zustilnmt, dann wird dem A bald das B und das C folgen nnd schließlich wird daS ganze Alphabet der Hollmann'schen Pläne durch- buchstabirt werde» müssen. Jetzt erklärt der Reichs- Schatzsekretär bereits, daß man ohne Anleihe nicht auskommen kann. Woher sollen die Einnahmen genommen werden?(Zuruf: Bier! Indirekte Steuern!) Von 1878 bis jetzt sind die indirekten Steuer» von 241 auf 714 Millionen Mark gestiegen. Die Ausgaben für die gesammte Landesverlheidigung sind von 1872 biS jetzt von 291 aus 700 Millionen angewachsen, die Ausgaben für die Marine allein von 21 auf 91 Millionen, im vorliegenden Etat aus 104 Millionen, wozu noch erhebliche Anleihebeträge kommen. Die Flotte, deren Werth 324 Millionen Mark belrägt, ist fast ganz, nämlich im Betrage von 234 Millionen Mark, aus Anleihen gebaut worden. Kann man bei dem große» Verschleiß wie bei der Marine noch mehr Anleihen aufwenden? Mit den indirekten Steuern sind wir zu Ende; die direkte» Steuern sind schließlich auch nicht mehr zu erhöhe». Die oberen Zehntausend klagen vielleicht noch nicht über Steuerdruck. aber gehen Sie doch in die inittleren Kreise und in die Kreis« der Landwirthschast. die ja lebhaft klagt! Wir ziehen die Konsequenz, indem wir durch die Verweigerung der Ausgaben den Steuerdruck erleichtern.(Große Unruhe rechts.) Wen» die geforderten Aus- gaben bewilligt werden, ist der ganze Effekt unserer dreijährigen Schuldentilgung dahin. Dan» müssen wir wieder Anleihen über Anleihen machen. Das ist ein Frevel aus Kosten unserer Söhne nnd Enkel, die doch auch Lasten für die Laudesvertheidigmig zu tragen haben werden; denn der ewige Friede steht doch nicht nahe bevor. Wir müssen also unsere Ver- theidigung selbst bezahle» und wenn die indirekte» Stenern nicht ausreichen, dann greife» Sie in den Säckel der direkte» Steuern. Die Auseinandersetzung des Reichs- Schatzsekretärs klang sehr freundlich. Ich habe schon verschiedene Erklärnngen gehört, z. Ä. die des Herrn Schatzsekretärs v. Malizahn bei der Militär- vorläge, der eine natürliche Steigerung der Einnahmen in den Jahren 1893 bis 1893 von 114 Millionen Mark voraussagte. Kanin war das Mililärgesetz erlassen, da stellte sich die Nothwendigkeit von 100 Millionen neuer Steuern heraus. (Hört, hört! links.) Die Stenern wurden von uni abgelehnt. Es kam aber die zweite Auflage der Finanzreform, die auch neue Steuern forderte. Die Tabaksteuer wurde abgelehnt. Die Ausgaben sind gestiegen und sollen noch mehr steigen, und nun trägt uns der Reichs-Schatzsekretär vor, wie glänzend unsere Finanzlage ist, wie wir gar keine neuen Steuern brauchen. Also einmal grau in grau, einmal rosen- roth nnd Himmelsblau, je nach Bedarf. Da können Sie es uns nicht verdenken, wenn wir die Augen selbst aufmachen. Ich komme zum Schluß, daß die Fiuanzlage es in keiner Weise erlaubt, mehr zu bewilligen, als die Budgelkoiuinifsiou empfohlen hat. Herr v. Bennigsen hat anerkannt, daß das Zentrum keinen Handel bei dieser Gelegenheit treiben will. Es ist uns schwer, unsere Position zn wahren; das kann nur geschehen, wenn nicht blos unsere Wähler, sondern auch das übrige Land weiß, daß wir nur gerade Wege gehen. Wir wollten nicht Handel treiben. Aber der Schatzsekretär sprach von dem warmen Abendbrot der Soldaten. War das ein Handelsangebol? Oder sollte der Hinweis ans die Missionare ein Angebot bedeuten? Die Rücksicht auf die Missionare wird uns. niemals znr Vermehrung der Flotte bestimmen. An unferer Fordernng, daß dieRech tsverniinderung, welche die Jesuiten erlitten haben, beseitigt wird, halten wir fest, aber wir bezahlen dafür keinen Pfennig, sonst können mir ja keinen Schritt mehr th»n, ohne daß wir des Hnndels verdächtigt werden. Schließlich hält man uns gar für die Handelsjuden deS Reichstages. (Heiterkeit.) Wir haben niemals gekargt gegenüber der Marine. aber Marine-Enthusiasnins hat bei uns ebensowenig geherrscht wie Milttär-Enthusiasmns. Wir glauben dem deutschen Volke besser zu dienen, wenn wir hier Widerstand leiste». Dehnt man de» Begriff der Weltpolitik zu weit aus, so führt uns das aus eine Bahn, daß die innere Politik, die Schaffung deS sozialen Friedens aus den Augen gelassen wird.(Sehr richtig! im Zentrum.) Die Bndgelkommission hat soviel bewilligt wie früher, soviel, daß eine ruhige Entwickelnng der Flotte verbürgt ist. Des- halb sind meine Freunde entschlossen, für die Beschlüsse der Budget- konimission einzutreten.(Lebhafter Beifall im Zentruni.) Schatzsekretär Graf Posadowsky: Die Darstellung der Finanz- Verhältnisse, die ich gestern gab, war durchaus objektiv. Darauf wird die Debatte geschlossen. Zur Geschäftsordnung benierkl Abg. t>. Kardorff: Der Präsident des preußischen Abgeordneten- Hauses hat auf Anfrage des Abg. v. Eynern bezüglich einer Aeußerung deS Abg. Müller-Fulda im Reichstage erklärt, daß. wenn«in« solch« Aeußerung im Abgcordnetenhause gefallen wäre, er den betreffenden Abgeordneten zur Ordnung gerufen hätte.(Große Unruhe. Abg. Singer ruft: Er kann ja mache», was er will.) Unter- brechen Sie mich doch nicht.(Schallendes Gelächter.) Ter Abg. Bachem hat soeben den Abgeordneten im preußischen Abgeordnelen- Hans, der polemisirt hat gegen die Haltung der Majorität des Reichstages in der Marinefrage, als einen solchen bezeichnet, der vom allgemeinen direkten Wahlrecht ausgemustert wäre. Ich frage den Herrn Präsidenten, ob er glaubt, daß eS zweckmäßig und angemessen ist, wenn in diesem Tone über Abgeordnete des preußischen Abgeordnetenhauses hier gesprochen wird?(Große Bewegung und Unruhe.). Vizepräsident Schmidt-Elberfeld- Ich bemerke zunächst, daß der Abg. Bachem nicht von allen Abgeordneten gesprochen hat, sondern nur von denjenigen, die sich um eine Kandidatur zum Reichstage beworben haben, aber nicht gewählt worden sind. Der betreffende Ausdruck ist weder gegen ein Mitglied des Reichstages noch des Bundesraths gebraucht worden. Wenn auch zugegeben ist, daß der von der militärischen Aushebung hergenommene Ausdruck in übertragener Bedeutung eine unangenehme Bedeutung haben kann, so kann ich doch etwas Beschimpsendes in ihm nicht finden. Der Gedanke an sich muß hier seinen Ausdruck finden können, das erfordert die Redefreiheit, die ich hier zu wahren habe.(LehhafterBeifall.) Ich gebe aber zu, daß dieser Ausdruck vorsichtiger hätte gewählt werden können.(Große Heiterkeit.) Abg. v. Kardorff(k): Die Majorität des Hauses wird ,a zweifellos deni Herrn Präsidenten in seiner Ausfassung recht geben (Lebhafte Zustimmung und Heiterkeit); ob sachlich das Verhältniß zwischen deni Abgeordnetenhaus nnd dem preußische» Reichstage(Große Heiterkeit)— dem deutschen Reichstage dadurch gefördert wird, wie wir es in Aller Interesse wünschen, ist mir doch sehr bedenklich. Ich möchte zur Motivirung meines Standpunktes nur noch hinzu- fügen, daß der Abg. Bachem ausgeführt hat, der Präsident des Ab- geordnetenhauses hätte sich nm Reichstagsdinge überhaupt nicht zu bekümmern. Das ist ein Jrrthum. Das Abgeordnetenhaus hat acht zu geben, wie die preußischen Stimmen im Äundesrathe abgegeben werden. Dazu hat es ein Recht. Abg. Bachem: Wir haben alle Veranlassung, auch jetzt noch gegen die Anwendung eines solchen Zitats aus uns zu protestiren. In namentlicher Abstinimung wird der Panzer„Ersatz König Wilhelm" mit 24S gegen 91 Stimmen angenommen. Für die Be- willigung stimmen die beiden Parteien der Rechten, das Zentrum mit den Welsen, die Natioualliberalen und die freisinnige Ver- einigung geschlossen, die deulsch-soziale Reformpartei mit Ausnahme der beiden Abgg. Hirsche! und Köhler; serner die Abgg. Ahlwardt nnd Rösicke. Dagegen stimmen die Sozialdemokraten, die beiden Volksparteien, die Polen geschlossen, ferner die Bauernbündler Bachmeier und Bruckmaier, Dr. Sigl und der Däne Johannse». Die Elsaß-Lothringer sind zahlreich anwesend, betheiligc» sich aber nicht an der Abstimmung. Bei der Forderung für den Kreuzer V bemerkt Abg. Friedberg(natl.): Der Abg. Bachem hat eS nicht für nothweudig befunden, die verletzende Bemerkung seines Fraktions- genossen Müller über den Abg. v. Eynern zu entschuldigen, sondern hat es über sich gewonnen, eine Malice hinzuzufügen. Er hat ge- meint, daß in bezug aus statistische Fragen Herr von Eynern der Sachkenntniß entbehre. Herr Bachem ist der letzte, der eine Autorität auf diesem Gebiete beanspruchen kann. Er ist in dieser Beziehung der blamirteste Europäer.(Heiterkeit. Rufe: Zur Sache!) Er hat sich bei einer statistischen Berechnung um Vi Milliarde verrechnet.(Große Unruhe.) Präsident von Boul bemerkt dem Redner, daß in seiner ganzen Rede nicht ein Wort zum Titel 15 sei. Staatssekretär Hollmann: Von den Mitteln, die der Reichstag bewilligt hat im vorigen Jahre, wird nicht ein Pfennig in das nächste Etatsjahr hinübcrgenonnnen, und ich kann versichern, daß auch nicht ein Pfennig über den 31. März 1893 hinaus übrig bleiben wird.(Große Heiterkeit.) Abg. Bachem: Wir dürfen den, Staatssekretär nur dankbar sein für die Offenheit, mit der er erklärte. daß der Schiffsbau gefördert werden soll. Wenn nichts übrig bleibt, so muß schneller gebaut sein als in früheren Jahre», da sonst imnier sehr viel übrig geblieben ist. Daß ich das Recht hätte, Herrn Kollegen Müller-Fulda z» rektifiziren, ist mir neu. Dieses Recht hat nur der Präsident des Reichstages und kein anderer, auch nicht im Abgeorduelenhanse, einschließlich des Präsidenten des Ah- geordnetenhauses.(Sechr richtig! im Zentrum.) An den statistischen Tabellen, die ich dem preußischen Abgeordnetenhause vorgelegt habe über die Zuwendungen an die katholischen und evangelische» Kirchen, ist nicht ein Punkt geändert worden dnrch die Debatte.(Hört! im Zentrum.) Abg. Friedberg(natl.): Ich muß konstatiren, daß die Statistik deS Herr» Bachem mit schallender Heiterkeit abgelehnt worden ist. lilbg. Bachem: Im preußischen Abgeordnetenhaus« wird sehr vieles mit Lachen abgcthan. Lachen ist nämlich sehr viel billiger als Gründe. In namentlicher Abstimmung wird darauf die Bewilligung des Kreuzers„0" mit 204 gegen 143 Stimmen abgelehnt. F ü r die Bewilligung stimmen die beiden konservativen Parteien und die Nationalliberalen geschlosse»; die Freisinnige Vereinigung mit Ausnahme der Abgeordneten Barth, Gaulle nnd Lültich, die deutschsoziale Reformpartei wieder mit Ausnahme der Abgg. Hirsche! und Köhler; ferner die Abgg. Ahlwardt und Rösicke. Dagegen stimmen das Zentrum mit den Welsen, Polen nnd Elsässerii, die beiden Volksparteien nnd die Sozialdemokraten geschlossen; ferner die Abgg. Bachmeier, Bruckmaier und Dr. Sigl. Gestrichen wird mit derselben Mehrheit der Kreuzer der Aviso„Ersatz Falke" und die Torpedoboote. Genehmigt werden die Kanoneuboole„Ersatz Hyäne" und„Ersatz Iltis". Die artilleristische Ausrüstung für die gestrichenen Schiffe wird ebeusalls gestrichen. Die Kommission beantragt ferner von den weiteren Raten für die Eratzbaulen„Leipzig" und„Friedrich der Große", für Kreuzer und N, die aus je 4 Millionen Mark bemessen sind, je eine Million zu streichen. Staatssekretär Hollmann: Ich kann Ihnen nicht empfehlen, dem Antrage der Budgetkouimissiou gemäß die Bauraten zu kürzen. Das Haus schließt sich dem Antrage der Budgelkommission in allen Punkten an. Auch im übrigen werden die einmaligen Ausgaben nach dem Antrag der Budgelkommission erledigt. Es werden im ganzen 12 385 300 M. gestrichen, darunter 27 500 M. für die Bor- und Projektirungsarbeiten für den Neubau eines Dienstgebändes für die obersten Marinebehörden in Berlin. Um 5 Uhr wird darauf die weitere Berathnng bis Mittwoch. 24. März, 1 Uhr, vertagt. Maifeier i» London. Das Komitee für die Feier des 1. Mai hatte am letzte» Sonntag seine erste Sitzung und beschloß, die Demonstratio», wie im Vorjahre, im Hyde-Park abzuhalten und zwar am Sonnabend, den 1. Mai. Bei der GcmcinderathSivahl in Saal seid i. Th. sind unsere Parteigenossen unterlegen. Ter Redakteur des„Korrespondent fiir Teutschlands Buchdrucker und Schriftgirsser" veröffentlicht in der letzten Nummer dieses Fachblattes folgende„Erklärung: Nach einer persön- lichen Aussprache mit dem Kollegen Herberl habe ich den Eindruck gewonnen, daß die ihm im„Correspondent" gemachten Vorwürfe der nolhwendigen Begründung entbehren. Ich habe lediglich das zum Ausdrucke gebracht, was mir von den Einsendern ans Sleltin zugegangen ist. Auf grund gegenseitiger Aussprache, in Gegenwart von Kollegen beider Parteien, ist hiermit die strittige Angelegenheit ohne richterlichen Spruch für den„Corresp." erledigt. Berlin, den 13. März 1897. L. R e x h ä u s e r." Polizeiliche», Gerichtliche» ,e. — Das Landgericht in Köln hatte den verantwortlichen Redakteur der ,R hei» is ch en Z ei t un g". Genossen Michels, von der Anklage der Beschimpfung der evangelischen Kirche frei- gesprochen. Dieses Urtheil wurde vom Reichsgericht aufgehoben nnd die Sache an das Düsseldorfer Landgericht verwiesen. Das Düsseldorfer Gericht hat nun den angeklagte» Parteigenossen des erwähnten Vergehens schuldig befunden und aus fünf Monate Gefängnißstrafe erkannt, während der Staatsanwalt nur vier Monat« beantragt halte. — In H a l l e a. S. war die Nummer des„Bollsblatts- vom 14. Februar wegen des Leitartikels:„Hat das deutsche Volk Anlaß, die Hundertjahrseier für Wilhelm I. zu begehen?" beschlagnahmt und gegen die Redakteure Ad. Thiele und L. S a l o m o n das Verfahren wegen Majestätsbeleidigung eingeleitet. Dieser Tage wurde beiden Parteigenossen die Mittheilung gemacht, daß das Verfahre» eingestellt ist. — Das P o l i z e i- A m t in Leipzig begründet das Verbot der vier Märzversammlungen damit, daß in Hinblick ans die gewählten Themata und nach den in früheren Jahren gemachten Erfahrungen, sowie mit Rücksicht auf die Personen der benannten, als aufreizende Agitatoren hinlänglich bekannten Referenten es außer allem Zweifel stehe, daß die Versammlungen ausschließlich zur Verherrlichung der Revolution und des gewaltsamen Umsturzes der Staats- und Gesellschaftsordnung beziehentlich dazu dienen sollten, die Zuhörer zu solchem gewaltsamen Vorgehen gegen die bestehenden Gesetze geneigt zu machen(§ S des sächsischen Bereinsgcsetzes). In früheren Jahren ist noch nie etwas in den Märzversammlungen passirt; es spricht also nur Verlegenheit aus der Begründung und ee kann kein Zweifel darüber sein, daß das Verbot legiglich ans Rücksicht aus die Zenlenarseier erfolgt ist. Dio Mahlen in Orlkevveich. Uebcr die Ergebnisse in den Stadtgemcinden Böhmens wird der„Voss. Ztg." gemeldet: Die Deutschen haben das Städte- Mandat Budweis verloren, wo Prinz Friedrich Schwarzenberg »lit 1210 Stimmen gegen den deutschforischrittlichen Wunderlich gewählt wurde. Eine große czechische Menge demonstrirte ans dem Budweiser Ringplatze gegen die Deutsche». Von den deutsch- fortschrittlichen Kandidaten sind wiedergewählt: Zdenko Schueker in Saaz, Funke i» Leilnieritz, Pergelt in Nuniburg, Nilsche in Krumau, Stöhr rn Mies. In die Stichwahl kommen: Fonrnier in Titsche» mit dem Sozialisten Wedlich, Bendel in Gablonz mit dem Sozia- listen Roscher, Hallwich in Traulenau mit dem Schönererianer Wolf. Von Deutschnationalen sind wiedergewählt: Bareuther in Eger, Prade in Reichcnberg, Kindermann in Schluckenau. Ueberraschend ist die große Stimmenzahl der Sozialisten in den deutschen Städten. Eine Privatdepesche aus Neichenberg i. B. meldet u»S. daß in Gablonz Roscher(Soz.) 844, Bendel(liberal) 1438, Geschmeidler(deutsch- national) 843. in Tetschc» Wedlich(Soz.) 730, Fournier(lib.) 1400, Hank(deutsch- national) 640 Stimmen erhielt. In diesen beiden Kreisen kommen unsere Genossen am Dienstag in Stichwahl. Die Ergebnisse der weitere» am Freitag staltgesnndenen Wahlen sind: Der mährische Großgrundbesitz wählte nach der Kompromiß- liste vier Liberale, zwei Konservative, drei Mitglieder der Mittelpartei. Die galizischen Handelskammern wählten drei Kandidaten des polnische» Zentralkomitees. Bei der stattgehabten Stichwahl in der Städtekurie Linz wurde der Deutschnationale Peßler gewählt. Aus Trieft wird telegraphirt: In dem benachbarten Dorfe Santa Croce kam eS zu Au?- schreitungen, welche die Entsendung militärischer Verstärkung dahin veranlaßten. Im Bezirke Parenzo erscheint die öffentliche Sicherheit infolge der Agitation der Slovene» bedroht, weshalb die dortige Gendarmerie durch Militär verstärkt wurde. Wien, 20. März.(W. T. B.) Bei den heutigen Reichsraths- wählen in Wien wurde» in neun Wahlbezirken Antisemiten gewählt. n der inneren Stadt ist Stichwahl nothwendig zwischen den drei iberalen Noske, Wrabetz, Kopp und einem Sozialpoliliker einerseits und den 4 Antiliberalen Porzer, Noltsch, Buendsdorf und Nenmayer andererseits. In den übrigen fünf Städten Nieder-Oesterreichs wurden ein Antisemit und vier Mitglieder der deutschen Volksparlei gewählt. Die Handelskammern in Böhmen Ivählten vier Jung- czechen und drei Deutsch- Fortschrittliche, der Großgrundbesitz in Schlesien drei Versaffnngstreue, der Großgrundbesitz in Salzburg eine» Katholisch-Konservativen, der Großgrundbesitz in Kärnten ei» Mitglied der Deutschen Volkspartei und die Handelskammer in Linz einen Liberalen. Eine Depesche ans Parenzo meldet: Hier ist ein Bataillon Infanterie ans Pola eingetroffen zur Ilnterdrücknng der infolge der Wahlen staltfindeudeu Ausschreitungen._ Geiverkslsiafiliches. Berlin und Niugcbnng. Der Gewerkschafts-Ansschnff sendet uns folgende Er- k l ä r u n g zu: In der letzten Versammlung der Fabrik-Schuhinacher haben nach dem Berichte in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" ver« schiedene Redner den Ausschuß der Gewerkschaftskommission in gleicher Weise wie den„Vorwärts" wegen seiner Stellungnahme angegriffen. Der Ausschuß hat hierzu zu erkläre», daß er schon vor dem„Vorwärts" und unabhängig von diesem be- schloffen hatte, in der nächsten öffentlichen Dclegirtenversammluiig die Schuhmacherangelegenheit zur Sprache zu bringe» und die Stellungnahme des Ausschusses hierzu zn begründen. Dort wird der Ort sein, wo der Ausschuß den gewerkschaftlich organisirten Ar- beitern Berlins Rechenschaft abzulegen haben wird. Bis dahin ver- zichte» wir, uns auf eine Polemik über die Angelegenheit einzu« lassen. Der Ausschuß der Berliner GewerkschastS« Kommission. Im Auftrage: R. Millarg. An silmmtliche in Buchbindereien, Kontobuch-, Album-, Lcdergalantericwaaren-, LnxnSpapier- und Karton-Fabrike» beschästigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Kollegen und Kolleginnen! Wie verlautet. beabsichtigt ein großer Theil unserer Arbeitgeber, de» 22. bezw. 23. März als „Feiertag" zu proklamiren. Wir haben gegen die Arbeits- ruhe an diesen Tagen durchaus nichts einzuwenden, wenn die Bezahlung dafür erfolgt. Leider hat uns aber die Feier von St. Sevan im Jahre 1395 gezeigt, daß die Herren wohl mit ihrem Patriotismus glänzen wollen, indem sie ihre» Betrieb an der- artigen Festtagen schließen, hinterher aber„vergessen". ihren Arbeitern und Arbeiterinnen den für diesen Tag ausgefallenen Lohn zurückzuerstatten. Wir richten nunmehr an Euch die dringende Aufforderung, unS alle diejenigen Arbeitgeber namhaft zu machen, welche ihrem Personal die genannten„Feiertage" nicht bezahlen, und sind alle Meldungen nach unserem Bureau A n n e» st r. SO, H. p. zu richten. Gleichzeitig machen wir bekannt, daß für alle diejenigen, welche gezwungen sind, zu feiern, am Montag, den 22. März, ein Ausflug geplant ist.(Siehe Inserat in der heutigen Nummer). D i e Vertrauenspersonen sämmtlicher Branchen. I. A.: Alb. Bergmann. Die Glaser werden auf die am Montag, den 22. d. Mts., in den A r m i n h a l l e n tagende Versammlung aufmerksam gemacht, Namentlich werden die Arbeitslosen ansgefordert, sich zu be- theiligen, weil die Zahl derselben möglichst genau festgestellt werden soll und ein Referat über„Arbeitslosigkeit in unserem Berufe" gehalten wird. Der Vertrauensmann. Die organisirten Kaufleute, Handlungsgehilfen und Gc- hilfinnen werden auf die am 22. d. Mts., abends 3 Uhr, in de» Arminhallen tagende öffentliche Versammlung aufmerksam gemacht. In derselben soll Stellung genommen werde» zu dem geplanten Handln ngsgehilfen-Kongreß Ostern 1897 und zur Feier des I.Mai. Hermann L e s s e r, Vertrauensmann. DentscheS Reich. Die Zimmerer stehen, soweit deren Fachzeitschrift„Der Zimnierer" davon in Kennlniß gesetzt worden ist. in 31 Orten in einer Bewegung um Verbesserung des Arbeitsverhältnisses. Gefordert wird fast durchweg, außer der Erhöhung des Stundenlohnes, die Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde. Der Zentralverband deutscher! Brauer hat zur Zeit 3600 Mitglieder, darunter zirka 800 Einzelmitglieder. Die streikenden Schneider in Forst beschlossen aus Anrath«» zweier Meister, nochmals eine Verständigung mit den übrigen Meistern zu versuchen, und wenn diese erfolglos sein sollte, den Kampf energisch fortzusetzen. AuS Liegnitz berichtet die Breslauer„Volksmacht": In der Beer'schen Fabrik haben von 77 Personen, welche bisher»och im Streik standen, 64, und zwar 36 männliche und 23 weibliche, die Arbeit wieder aufgenommen. Aus Rnda in Oberschlesien wird der„B. B.-Ztg." gemeldet, daß auf den Gräflich Balle st rem'schen Gruben wegen Lohnstreites ein Streik ausgebrochen ist. Man befürchtet, daß die Bewegung weiter um sich greifen werde. In Magdeburg haben die Z i m m e r e r an die Unternehmer eine Forderung auf 40 Pf. Stundenlohn gestellt. Die Meister er- klärten sich bereit, 33 Pf. zu bewilligen, während die Arbeiter ge- sonnen sind, an ihre Forderung sestzuhalte». Außerdem will man die Beseitignng der Akkordarbeit verlangen, sowie eine Reihe von Nebenforderungen stellen. Ter Ausstand der Schuhmacher in Nenbrandenburg dauert fort. Gegenwärtig sind einige Meister bemüht, in Berlin Arbeiter anzuwerben. Die hiesigen Schuhmacher werden gut thun, ihre Kollegen vor Zuzug nach Neubrandenburg zu warnen. Auf der Flenöburger Schiffswerft legten s e chzigNieten- wärmer die Arbeit nieder, da ihre Forderung auf 2ö Pf. Stunden- lohn von der Werflverwaltung abgelehnt wurde. Die Forderungen der Holzarbeiter Kiels wurden von der Tischlcrinnnng abgelehnt. Die Innung ist nun aufgefordert worden, eine Konnnission zwecks Verhandlung mit der Lohnkommission einzusetzen. Falls die Innung bis zum 30. März keinen Bescheid giebt, Ivird eine öffentliche Holzarbeiter-Versammlung die weiteren Schritte beschließen. In Frankfurt a. M. hat die Schriftgießerei Benj. Krebs N a ch f. den Arbeitern den neuen Tarif bewilligt. Tie Tapczirer Leipzigs wollen am 22. März die Arbeit niederlegen. Neunstündige Arbeitszeit, 13 pCt. Lohnzuschlag, 334 z pCt. Zuschlag für Ueberftunde», 30 pCt. für Sonntagsarbeit, 100 pCt. für Nachtarbeit und Abschaffung der Akkordarbeit. Die Innung hat die Forderungen bewilligt, aber von den Gehilfen ver- langt, daß bis zum 27. Miirz die Akkordarbeit in den größere» Ge- schästen abgeschafft oder über diese Werkstätten die Sperre ver- hängt wird. Damit haben sich die Arbeiter einverstanden erklärt. Tie Leipziger Schristgicffrr wollen, wie uns geschrieben wird, nächste Woche nach Ablauf der achttägigen Kündigungsfrist die Arbeit niederlegen, da die Prinzipale dem von den Gehilfen ausgestellten Spezialtarife die Anerkennung versagen. Tie Leipziger Ban- Handarbeiter haben, wie uns von dort berichtet wird, den Beschluß gefaßt, auch ihrerseits, für de» Fall einer Lohnbewegung der Maurer und Zimmerer, nicht unthätig zu bleiben, sondern bei neunstündiger Arbeitszeit 40 Pf. Stundenlohn zu fordern. Die Freie Vereinignng der Kaufleute in Leipzig hatte seinerzeit im Austrage einer Versammlung, die von ca. 1000 Personen besucht war. an den Rath der Stadt das Ersuchen gerichtet, die SonntagSarbeit im Handelsgeiverbe von fünf a u f drei Stunden zu reduziren. Aus diese Eingabe ist dem Verein der Bescheid zugegangen, daß für den Handel mit Material-, Eß-, Fleischwaaren und dergl.»ine Einschränkung nicht ersolgen wird. Bei einer Revision der geltenden Bestimmungen soll jedoch in Erwägung gezogen werde», ob eS niöglich ist, die in der Eingabe gewünschten Einschränkungen für ander« Geschäft« ein- zuführen. AuS Offenbach-Oberrad wird über kffe Schuhmacher- Bewegung mirgetheilt. daß die Arbeiterausschüsse der einzelnen, vom Streik betroffenen Fabriken in den Verhandlungen mit ihren frinzipalen die Wicdereinstcllimg der Streikenden in ihre alte» lätze fordern, während die Fabrikanten fordern, daß dies ihnen gegenüber als Vertrauensfrage behandelt werden soll. Unter dieser Voraussetzung wollen die Fabrikanten über die übrigen Punkte ver- handeln. Es wird min eine Versammlung der Streikenden um ihren Entscheid angegangen werden. Das Nürnberger Arbcitersekretariat ist mit dem dortigen G e w e r b e g e r i ch t in einen seltsamen Konflikt gerathen. Die „Fränk. Tagespost" berichtet darüber: Minderjährige Personen können bekanntlich ohne Rechtsbeistand oder sonstige Vertretung auch vor dem Gewerbegcricht nicht klagen. Das ist ein besonderer Nachlhcil für jene minderjährigen Arbeiter, die hier weder Eltern noch Vormund oder sonst jemand haben, der ihnen Beistand leisten könnte. Solchen Arbeitern hat bisher, aus Ansuche», das Arbeitersekrctariat in der Person des 2. Sekretärs einen Vertreter bestellt und das Gewerbegericht hat diese» Beistand Minderjähriger bisher auch nicht beanstandet. Vergangenen Montag erschien der minderjährige Eisendreher Peter Grenninger, vertreten durch den zweiten Sekretär des Arbeilersekrctarials Dorn, als Kläger gegen die Firma Steinnesse u. Stolberg. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte der Vor- sitzende, Herr Rechlsrath Wagner, daß Angehörige des Arbeiter- sekretariats als Vertreter vor dem Gewerbegerichte nicht mehr sungiren könnten, da sie die Rechtshilfe„gewerbsmäßig" betrieben! Die Beamten des Arbeitersekretariates seien mit allen einschlägigen Gesetzesbestimmungen vertraut, sie erhielten durch ihr häufiges Erscheinen vor dem Gewerbegericht eine Routine, über welche der Arbeitgeber nicht verfüge; dadurch seien die Arbeitgeber im Nachtheil. Herr Dorn machte gegen diese Auffassung den Einwand gellend, daß er unentgeltliche Rechtshilfe leiste, weshalb von einer gewerbs- mäßigen Ausübung wohl schwerlich die Siede sein könne. Dieser Einwand wurde von Herrn Rechtsrath Wagner nicht beachtet, sondern ein Gerichtsbeschluß herbeigeführt. Entgegen der Auffassung des Herrn Rechtsraths Wagner stimmten die Beisitzer für Zulassung des 2. Sekretärs als Vertreter des minderjährigen Klägers. Herr Rechtsrath Wagner erklärte, daß er diese Frage in einer der nächsten Sitzungen wieder aufgreifen würde. Es besteht somit zwischen dem Vorsitzenden des Gewerbegerichtes und dem Arbeitersekretariat ei» Konflikt, auf dessen Lösung man sehr gespannt sein darf. Ausland. Zn der Metallarbeiter-Ausspcrrung in Dänemark wird uns geschrieben: Einige Eisenwaaren- Fabriken in A a l b o r g hatte» eine neue Lohnregnlirnng und ein neues Arbeitsreglement aufgestellt. Die Arbeiter verweigerten ihre Anerkennung und kündigten. Da beschlossen die vereinigten Fabrikanten der Eisen- und Metall- Industrie Dänemarks. alle ihre Arbeiter zu entlassen, wenn die Aalborger Arbeiter sich nicht fügten. Dieser Beschluß wurde dem Vorstand des Schmiede- und Maschine»- Arbeiter- Fachvereins mitgetheilt. Die Arbeiter in Aalborg erklärte» sich nun bereit, den Streit einem Schiedsgericht zu unterbreiten, aber die Fabrikanten verlangten erst die Unter- werfung und dann das Schiedsgericht. Als die Arbeiter sich nicht fügten, wurde in allen Provinzialstädten, an einen, und demselben Tage die Hälfte aller Arbeiter entlassen— etwa 700. Hierauf erklärten die ander» auch nicht weiter zu arbeite»; infolge dessen feiern jetzt 1100 bis 1200 Arbeiter. Sobald, was zu erwarten steht, die Kopenhagener Fabriken folgen, dürste die Aussperrung Arbeiter umfassen — der größte wirthschaflliche Konflikt, der in dem kleinen Dänemark je dagewesen ist. Die Fabrikanten haben übrigens seit dem Jahre 1394 die Arbeiterorganisation wiederholt mit dieser Riesen- aussperrung bedroht, weil dieselbe Forderungen von Arbeitern unterstützte. Der Allgemeine Niederländische Weber- und Spinner- dund, welcher der sozialdemokratischen Partei Hollands zugehört und seinen Sitz in G o o r hat, geht damit um, ein Arbeiter- haus, ähnlich den V o l k s h ä u s e r n, wie wir sie in Belgien und auch in einigen Städten Hollands habe», zu erbauen. Es soll eine» Sammelpunkt abgeben für die Arbeiter der Stadt und Um- gegend, sowie als Lokal für Versammlungen, Vorträge, Unterrichts- kurse u. s. w. dienen. Von verschiedenen Arbeiterorganisationen sind schon beträchtliche Zuschüsse gekomme», allein die Summen reichen noch nicht aus. und die Genossen in Goor, welche wisse», daß der„Vorwärts" auch in Holland viel gelesen wird, bitten uns mitzuiheile», daß, wer sich für diesen Bau interessirt, von Herrn D. H. P e d d e in o r s in Goor, Holland, alle nöthige Auskunft er- halten wird. Die streikenden Arbeiter der Druckerei von Dnpont in L e v a l l o i s bei Paris hatte», wie wir gestern iiiitlheilten, eine Delegation an den Unternehmer abgesandt, die mit ihm unterhaudelu sollte. Die Arbeiter forderten die früher gewährte höhere Be- zahlung der Sonntagsarbeit und Wiedereinstellung der entlassenen Kameraden. Der Unternehmer bewilligte die erster«, lehnte aber die letztere Forderung ab. Heute Sonntag werden die Arbeiter über ihr ferneres Verhalten entscheiden. Soziales. pCt. Dividende vertheilt auf das Geschäftsjahr 1896 die Aktiengesellschaft Ludwig Löwe u. Co. in Berlin. Veesatnmlnttgen. Blcrter VerbaudStag des Zentral-BerbandcS der Manier TcntschlaudS. Magdeburg, de» 18. März. Die achte Sitzung, wird eröffnet mit einem Referat B ö in e l b u r g s zum Punkt 6 der Tagesordnung:„») Die Lohnbewegung in de» Jahren 1333 und 1836, und was lehrt dieselbe? b) die bevorstehende Lohn- bewegung im Jahre 1897; c) Beschaffung der Mittel zur Unter- stntzung der streikende» Kollegen, soweit dieselben— bei den jetzige» Beiträgen— aus der Verbandskasse nicht gedeckt werden könne»." Redner nimmt bezng ans eine de» Delcgirte» vorliegende Statistik, woraus sich ergiebt, daß in den beiden letzten Jahren be- denlende Lohnkämpse im Manrergewerbe stattgefmide» haben. Die Streiks in de» meiste» Orte» konnten durch den Ver- band in ausreichendem Maße unterstützt werden; wen» die Kollegen in mehreren Orten trotzdem im Kampfe mit dem Unternehmerthum nnlerlagc», so lag dies meistens daran, daß sie durch Zuzug von Auswärts erdrückt wurden. Redner glaubt weiter darauf hiniveisen zn müsse», daß es ein Jrrthum sei, den Streik für das beste und einzige Mittel zur Besserung der Lage der Kollegen zu halte». Selbst bei manchem ganz oder thcilweise gewonnenen Streik sei es fraglich, ob die Erfolge im Verhältuiß zu den aufgeivendeten Mitteln stehe». Das eine steht aber fest, daß alle Erfolge, die im Streik errungen sind, nur gesichert werden durch eine alle Ge- werkSgenossin umfassende gute»»d starke Organisation. Bei der bevorsteheuden Lohnbewegung sei folgendes Prinzip zu beachten: Wo die Arbeitszeit noch mehr wie zehn Stunde» beträgt und Akkordarbeit üblich ist, muß die Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit und die Abschaffung der Akkordarbert gefordert werden. Bei Lohnforderungen ist ein Minimallohn zu verlangen. Die Verbesserung der Baubuden, Aborte und Einrichtungen zur Ver« hütung von Unfällen darf bei eventuellen Forderungen nicht ver- gessen werden. Ebenfalls empfiehlt es sick, eine» Tarif auszuarbeiten, durch welchen Lohn und Arbeitszeit näher bestimmt werden. Weiter spricht Redner sich dahin ans, daß nur dann«in Lohnkampf inszenirt werden darf, wenn eine flotte Bauthätigkeit vorhanden ist, wenn die Kollege» genügend organisirt und zuverlässig im Kampf sind, und wenn sie gewillt stnd, Opfer z» bringen, dahingehend, daß diejenigen, die streiken, für die erste Woche einen Anspruch auf Unter. stntzung nicht mache», und diejenigen, die die gestellten Forderungen bewilligt erhalte» haben, wenigstens 10 pCt. ihres WochenlohneS zur Unterstützung der Streikende» an die Streikkasse abführen. Zum letzten Absatz der Tagesordnung macht Redner lein« direkten Vorschläge; eindringlich verweist er aber darauf, daß mit den bisherigen Mitteln des Verbandes die bevorstehenden Streiks kaum geführt werden können. BiS zum Schlüsse der Sitzung hatten sich 30 Redner eingezeichnet. von denen aber nur 13 ihre Ausführungen erledigen konnten. Längere Reden hielten Beycr-Leipzig und Tönnies-Hanuover, die beide mit Nachdruck dafür einträte», daß die Kollegen allerorts sich daran gewöhnen müßte», Gelder, für den Zcntral-Streikfonds der Maurer aufzubringen. Beide Redner wiesen mit recht auf die Leistungen ihrer Mandatgeber hin. Darauf gelangte«ine Reihe von Anträgen zur Verlesung. Die neunte Sitzung wird von Jacob um 2 Uhr eröffnet. Der Vorsitzende verliest zunächst wieder eine Anzahl von Anträgen. Die Debatte über„Aufbringung der Gelder zur Streikunter- stühung" füllt den ganzen Nachmittag ans. Di« vorliegenden An- träge befriedigen nach keiner Seite; fast alle Dclegirten sind der Ansicht, daß man den Mitgliedern»lit einer Erhöhung der statutarischen Beiträge noch nicht kommen dürfe. Ans der anderen Seite kommt aber auch die Thatsache zum Ausdruck, daß sich eine große Zahl der Mitglieder nicht in der gewünschte» Weise an der Aufdringnug der Mittel betheiligt, so lange die Zahlung nicht obligatorisch eingeführt wird. Kurz vor Schluß der Debatte wird noch eine Resolution eingereicht, in der den Mitgliedern empfohlen wird, unbeschadet der jetzige» Einrichtungen örtliche Fonds anzusammeln, aus denen, der Nothwendigkeit entsprechend, der ans dem dritten Verbandstag geschaffene Zentral-Streikfonds ergänzt wird. Nach einem Schlußwort BömelburgS, in dem er die in der Debatte zu tage getretenen Ansichten resmnirt, läßt der Vorsitzende zunächst über die grundsätzliche Frage abstimme», ob die im Statut festgesetzten Beiträge(13 und 20 Pf. pro Woche) erhöht werden sollen. Die Abstimmung ist eine nameutliche: für eine Erhöhung stimmen nur die Delegirle» Efftinge. Kupke. Holter, Paul, Rolle und der Redakteur des„Grundstein". Es wird dann weiter beschlossen, daß die Beiträge zum Zentral-Streikfonds freiwillige sein sollen; die Beiträge werden durch Marke» auf Karten quitlirt. Die Marke» solle» in vier verschiedenen Preislage» hergestellt werden, und zwar zn 10, 20, 30 und 30 Pf. Eine Konnnission von 5 Personen wird beauftragt, die sonst noch zu diesem Punkte vorliegenden Anträge zu einem gemeinsamen zusammenzuarbeiten. Depeschen nnv letzte Macheichken. Berlin, 20. März.(B. H) Zahlreiche Telephonverbindnngen nach nahen und«ntsernten Plätzen sind infolge heftiger Stürm« unterbrochen. BreSlan, 20. März.(W. T. B.) Die Abendblätter melden über den Bergarbeiter-Ausstaud in Oberschlesie», daß die Kohlcn- sörderung auf dem Valentin- und Klara-Schachl der konsolidirten Wolfgangs-Grube vollständig ruhe. Es stnd ungefähr 800 Mann a»s« ständig. Den Bergleuten ist seitens der Verwaltung eröffnet worden. daß jeder entlassen ist, der am Dienstag nächster Woche nicht einfährt. Bremen, 20. März.(W. T. B.) Die Rettungsstation Trave- münde telegraphirt: Am 13. März abends sind durch das Retlungs- boot der Station 3 Personen von einem Fischerboot gerettet. Es herrscht schwerer Nordweslsturm. London, 20. März.(W. T. B.) Wie das„Reuter'sche Bureau" aus Suez meldet, ist das mit englischen Truppen aus Bombay kommende Transportschiff„Dilivara" wegen eines auf der Reise vorgekommenen Todesfalles infolge Pest daselbst behördlich an- gehalten worden. Konstantinopel, 20. März.(B. H.) Die türkische Flotte er- hielt Befehl, in den Dardanellen Ausstellung zu nehme». Kauea, 20. März.(B. H.) Drei griechische Dampfer haben ungehindert Munition und Lebensmittel in der Ephakiabucht gelandet. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Inserate,»heil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. Nuterhaltungsblatt. Nr. 68. 14. 1, Jfi((l|C Dio Ungv in Hnnrbuvg. y« einer Versaiumlimg der ausgesperrte» Kohlen» Akkord-Schauerlente theilte am Freitag Abend deren Ver- treter bei der Senatsko», Mission, M o j e, folgendes mit: Die Aus- sperrnng sei seit Nachmittag in ein neues Stadium getreten. Die bedeutsamsten Stauer, nämlich L. Dahn, s, Bielenberg und L a m b e ck hätten mit den Ausgesperrten gemeinsame Sache gemacht. Sie hätten den Importeuren die ihnen über» tragene Arbeit zurückgegeben und erklärt, daß sie mit den neuen Leuten, den„Arbeitswilligen", nicht an Bord der Schiffe gehen würden. Der Stauer Dahms habe ihm, Mose, erklärt, daß er bei der Arbeit, die er nock habe, nur alte Leute beschäftigen iverde, und zwar zu dem alten Lohntarif vom Id. Juli 1896, daß er weiter auch nicht die Unterzeichnung eines Reverses und die An- erkeiuiung einer Spar- und Unterstützungskasse fordere. Diese Mit- theilnug Moje's rief eine sehr lebhafte Diskussion hervor; man hielt vielerseits die Aeußernng des Stauers nur siir einen Schachzng, um die vielen, momentan an der Stadt liegenden Kohlenschiffe leer zu bekommen.(Es liegen deren nämlich zivanzig Stück bei St. Pauli und Altona, von denen sieben Stück am Freitag völlig ruhten, während an drei Schiffen noch alte Leute arbeiteten, und zwar weil sie die Schiffe schon vor der Aussperrung übernommen hatten, oder weil die Jmporteurfirma den Lohntarif der Arbeiter bewilligt hat, wie das bei der Firma R e 1 1 i g der Fall ist, die sich weder dem Verein der Importeure, noch dem Ardeitgeber- Verband angeschlossen hat und sofort nach Beendigung des Streiks alle Forderungen der Arbeiter bewilligt hat.) Schließlich nahm die Versammlung gegen fünf Stimmen einen Antrag der Lohnkommissio» an, der dahin geht, daß bei denjenigen Stauern, die auf die Unter- zeichnung des Reverses verzichten und nach dem Lohntarif der Kohlenschauerleute vom 15. Juli 1896 bezahle» ivollen, gearbeitet werden soll, einerlei ob die Firmen, für die die Schiffe hier liegen, dem Jiuporteurverein angehöre» oder nicht. Um sicher zu gehen, sollen jedoch nicht die einzelne» Leute mit den Stauern unterhandeln, sonder» die Lohnkommission will sich mit letzteren in Verbindung setzen und ihr gegenüber sollen sich die Stauer verpflichten. Wie schon vor einigen Tagen mitgetheilt, hat der Senator O' S>v a l d dem Verein der Importeure die Resolution der Kohlenschauerleute vom 17. März nebst einem Handschreiben übersandt, worin ein neuer Ber- Mittelungsvorschlag gemacht wird. Eine Aeußernng daraus ist bis jetzt noch nicht erfolgt. Die Meldung der„Frankfurter Zeitung", daß der Vorsitzende der Schanerleute dem Senator gegenüber einen Generalstreik sämmtlicher Sektionen der Hafenarbeiter in Aussicht gestellt habe, falls die Aussperrung der Kohlen- Schauerleute nicht aufgehoben würde, ist insofern richtig zu stellen, als der Vorsitzende dem Senator O'Swald nur gesagt hat, die Kohlen-Schanerleute hätten den Zentralvorstand des Verbandes der Hasenarbeiter gebeten, zu der Aussperrung Stellung zu nehmen und sich mit den Ausgesperrten soli- darisch zu erklären. Der Zentralvorstand hat daraufhin eine kombinirte Versammlung sämmtlicher Sektionen des Verbandes der Hafen- arbeiter zu Sonntag einberufe». Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat, wie bekannt, während des großen Streiks recht ausgiebigen Gebrauch von dem§ 153 der Gewerbe-Orduung gemacht, und zwar suchte sie dabei diesem an sich schon recht dehnbaren Paragraphen eine Interpretation zu gebe», die diejenige des Reichsgerichts noch weit hinter sich zurück- läßt. Es wurde nämlich jedermann wegen Vergehens gegen s 153 der Gewerbe-Ordnung angeklagt. der als Borsitzender oder Mitglied irgend einer Vereinigung, geselligen oder gewerkschaftliche» Vereinigung den Ausschluß eines anderen Mitgliedes beantragte, weil dies Mitglied ivährend des Streiks im Hasen arbeitete. Besonders betroffen wurde» dadurch die Gewerkschaften, deren Versammlungen ja sämmtlich polizeilich überwacht ivaren. Und es gab kaum eine hamburgische Gewerkschaft, die verschont geblieben wäre. Bei den Schöffen- gerichten fand die Staatsanwaltschaft eingehendes Verständniß für ihr Streben. Eine ganze Anzahl Gewerlschasts- Vor- sitzender wurde zu allerdings geringen Gefängnißstrafen verurtheilt. Bei der prinzipiellen Bedeutung der Sache wurde in allen Fällen Berufung eingelegt, und zwar mit Erfolg. Beim Landgericht ist die Staatsanwaltschaft ab- geblitzt, und zwar haben zwei Strafkammern jetzt Stellung gegen die Auslegung des§ 153 G.-O. durch die Staatsanwaltschaft ge- nomine». Sie finde» in dem Ausschluß eines Mitgliedes keine Ehr- Verletzung und keine Verrusserklärung, weil die betreffenden Mitglieder ja dadurch, daß sie im Hafen während des Streik? arbeitete», den Interessen ihrer respektive» Gewerk- schastsverbände, die in erster Linie auf Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen gerichtet wäre», zuwider gehandelt und darum keinen Anspruch mehr darauf hätten, als Mitglieder geduldet zu werden. Es könne auch nicht angenommen iverde», daß durch den Ausschluß solcher Mitglieder auf die anderen Mitglieder dahin eine Einwirkung ausgeübt werden sollte, daß sie nicht auch Streikbrecher würden, denn die Schuhmacher, Klempner re. hätten nichts mit dem Hasenarbeiter-Streik zu thun.— Mehr Glück hat die Staatsanwaltschaft in der Frage gehabt, ob die Bekannt- machung des Senats vom 14. Dezember v. I.» in der die H a u s s a nnn l u n g e n für die Streikenden verboten wurden, zu recht bestehe. Es war eine Unzahl Anklagen wegen Uebertrelung dieser Bekanntmachung erhoben. Die Scköffengerichte verurtheillen sämmtlich. Dagegen wurde Berufung eingelegt und die Verlheidigung bestritt im Landgericht das versassungsgeinäße Siecht des Senats, derartige Bekanntmachungen zu erlasse». Das Landgericht erkannte das Siecht jedoch an und verwarf die Berufung der Verlheidigung, die sich nun an das Hanseatische Oberlandes- gericht wenden wird. Unabhängig davon wird aber auch das Gewerlschastskartell Beschwerde über die Bekanntmachung beim Bürgerausschuß führe». Vommnnnkes. Ter EtatSanSfchuß der Stadtverordneten- Versammlung hat in seiner am Freitag Abend unter Vorsitz des Stadtverordneten- Vorstehers Dr. Langerhans und in Anwesenheit des Kämmerers Maaß. der Stadt-Schulräthe Dr. Bertram und Fürstenau, des Geh. Bau- raths Dr. Hobrecht, des Banraths Hoffmann und der Sladträthe Namslau, Hübner, Marggraf. Kochhann, Bail, Schäfer. Straß- mann und Slruve abgehaltenen Sitzung zunächst die Etats der Geschäftsbedürfnisse und Prozeßkosten, sowie der S t r a ß e n r e i n i g u n g und Besprengung in zweiter Lesung festgestellt. Zu dem letzteren Etat beschloß der Ausschuß der Ver- sammlung folgende Resolution zur Annahme zu empfehlen:„Die Versammlung ersucht den Magistrat, die Lohn Verhältnisse der städtischen Straße nreinigungs-Mannschasten in folgender Weise zu gestalten: Die Versuchsklasse er- hält täglich 2,75 M., der Arbeiter erhalten einen Tagelohn von 3,25 M. und einen solchen von 3,50 M. Die bezüglich der Borarbeiter vom Magistrat vorgeschlagenen Lohn- Verbesserungen wurden vom Ausschüsse genehmigt. Gegen den Etat der Wasserwerke fand der Ausschuß nichts zu er- innern. weshalb derselbe nach dem Entwurf festgestellt wurde. Der bisherige W a s s e r t a r i f soll auch für 1897/93 in Geltung verbleiben. lieber die zum Wasseretat eingegangene Petition wegen Festsetzung eines Einheitstarifs für das aus der städtische» Wasserleitung entnommene Wasser und über die Petition des Bundes der Berliner Griindbesitzer-Vereine, betreffend die Abänderung der Ortsftatute und Regulative für die städtischen Wasser- Ks„Kwürls" werke und die Kanalisations-Verwaltung. empfiehlt der Ausschuß zur Tagesordnung überzugehen. Die Etats des Vieh markts, des Schlachthofes und der F l e i s ch s ch a u gelangten unverändert zur Aiinahine. Beim S ch l a ch 1 1 a r i f tritt eine Erhöhung des Schlachtgeldes für Schweine um 20 Pf. für das Stück ein, im übrigen bleibt der jetzige Tarif auch für das nächste Jahr in kraft. Die Etats der städtischen Markthallen- Verwaltung, der Kana- l i s a t i o n s- n u d Rieselfelder-Ver waltung sowie der Hanptkasse sder städtischen Werke wurden unverändert nach den Entwürfen genehmigt. Auch der Spezialelat 35— Hochbau— gelangte nach dem Eiitwnrfe zur Annahme, infolge eines Antrages des Magistrats wurden indessen für den Er- weiterungsbau der Viktoriaschule 17 000 Mark Baukosten nachträglich in den Etat eingesetzt. In ihrer letzten geheimen Sitzung am Donnerstag beendete die Stadtverordneten» Bersaniinlung die Berichterstattung über die Besetzung der Stadtbauraths-Stelle und wird infolge dessen die Wahl des Stadtbauraths in der nächsten Sitzung der Versammlung um 6 Uhr»achmittags stattfinden.— Ferner wählte die Versainmlung den Arnienkoininissions-Vorsteher Jansen an stelle des Maklers Jsaac zum Bürgerdeputirten für die Armendirektion. Zur Frage der städtischen Hilfsarbeiter nimmt der Magistrat eine eigenthüniliche Stellung ein, die für die Zustände in der städtischen Verwaltung immerhin bezeichnend ist. In letzterer Zeit hat man dem Personal gegenüber Maßregeln getroffen, um Publikationen, die eine Kritik der städtischen Verwaltung enthalten, pariren z» können, und dem gegen die Regeln moderner Disziplin verstoßenden rücksichtslosen Vorgehen einen Damm entgegen zu setzen. Analog der Thalsache, daß ein Kanzleiarbeiter des Magistrats, um die Wirkung unseres in Nr. 52 erschienenen Artikels über die Lage dieser Hilfsarbeiter abzuschwächen, gestützt aus einen„wohlge»ieiiitenNalh"voil „oben" eine Protesteingabe zur Unterzeichnung in Umlauf setzte, die dem Herrn Oberbürgermeister überreicht worden ist, soll sich jetzt ein Herr gesunden haben, der in gleicher Weise eine Protesteingabe gegen das Vorgehen des„Ortsvereins der Berliner Gemeindebeaniteii" ab- fassen und zur Unterzeichnung in den verschiedenen Berivaltungs- bureaus vorlegen wird. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß auch diese Eingabe sich mit einer großen Zahl von Unter- schriften bedecken wird, da bei der Natur dieser Maßregel eine Ver- Weigerung der Unterschrift seitens des Personals aus leicht begreif- lichen Gründen nicht zu erwarten ist. Culmles. Zur Kriminalstaiistik Berlins kann das letzte Berliner „Statist. Jahrb."(das im allgemeinen die Statistik von 1894 be« handelt) erst die Zahlen von 1893 geben. Berücksichtigt sind dabei alle 1893 abgeurtheilten Verbrechen und Vergehen gegen das Straf- gesetzbuch und andere Reichsgesetze, nicht berücksichtigt die Ueber- tretungen, Zuwiderhandlungen gegen landespolizeiliche Vorschriften über öffentliche Abgaben und Gefälle, Aburtheilungen vor Militärgerichten. 1893 wurden in Berlin wegen 30 542 strafbarer Handlungen 21 847 Personen rechtskräftig verurtheilt, darunter 4393 wegen mehr als einer Handlung. Vorbestraft waren 9247. unter achtzehn Jahre alt 1922 Personen. Von allen 21847 Vernrtheilten wurden verurtheilt: I. wegen Verbrechen:c. gegen Staat, Religion und öffentliche Ordnung 4423, darunter wegen Vergehen gegen die Gewerbe-Ordnung(besonders Sonntags- ruhe) allein 2190, wegen Hausfriedensbruch 891, Gewalt und Drohung gegen Beamte 525, Verletzung der Wehrpflicht 439, ferner unter anderem wegen Beleidigung des Landesherrn u. f. w. 44 und aus grund des Sozialistengesetzes noch 3 Personen; II. wegen Verbrechen und so weiter gegen die Person 6407, darunter Beleidigung 1949, gefährliche Körperverletzung 1803, ein- fache Körperverletzung 1025, fahrlässige Körperverletzung 351 Kuppelei 651 u. s. w.; III. gegen das Vermögen 10 973, darunter einfacher Diebstahl 3348, schwerer Diebstahl 663, einfacher im wiederholten Rückfall 650. schwerer im wiederholten Rückfall 206, Unterschlagung 1818, Betrug 1192 n. s. w.; IV. im Amte 44, darunter aktive Bestechung II, passive 9 Personen. Von den 1922 Jugendlichen kamen auf Gruppe I 70; II 133, darunter gefährliche Körperverletzung 65, einfache 32; III 1663, darunter einfacher Diebstahl 888, schwerer 234, einfacher im Rückfall 59, schwerer im Rückfall 37; IV 1 Person. Die Berliner Vernrtheilten bildeten 5,03 pCt. der im ganzen Reich Veriirtheilleu. Der Prozentsatz war jedoch in den einzelnen Gruppen der Verbrechen u. s. w. sebr verschieden. Die Berliner Vernrtheilten waren nämlich in Gruppe I 6,03 pCt., II 4,72 pCt.. III 5,98 pCt.. IV 2,83 Cpt. der im Reich wegen der betreffenden Verbrechen u. s. w. Vernrtheilten. Sehr günstig standen die Berliner z. B. bei Kindesmord mit 0,52 pCt., widernatürlicher Unzucht mit 0,76 pCi., Religionsvergehen mit 1,61 pCt., Meineid mit 1,66 pCt., Mord mit 1,75 pCt., sehr ungünstig z. B. bei Kuppelei mit 25,93 pCt, Vergehen gegen die Gewerbe- Ordnung mit 32,43 pCt. der im Reich Verurlheilten. Von je 100 000 strasniündigen Personen der Berliner Bevöllerung wurden bestraft wegen Ver- brechen u. f. w. der Gruppe I 354. davon Gewerbe-Ordnung allein 176, II 513, III 879, davon Diebstahl allein 390, IV 4 Personen, zusammen 1750 Personen, während im ganzen Reich>893 nur 1210 pro Ivo 000 Strasmüudige verurtheilt wurden. Das Berhältniß der Vernrtheilten zu den Strafmündigen ist nicht konstant. In Berlin wurden zum Beispiel 1333: 1408. 1884: 1294, 1885: 1220, 1886: 1272, 1887: 1251, 1888; 1197, 1889: 1256, 1890: 1318, 1891; 1427, 1892; 1498, 1893: 1750 pro 100 000 Slrafmündige verurtheilt. Die Verhällnißzahl für 1393 wäre geringer, wenn nickt die Vergehe» gegen die Ge- iverbe-Ordnung so bedeutend zugenommen hätten. Hier blieben die Verurtheilungen von 1883—1891 stets unter 30, stiegen dann aber 1892 ans 80 und 1893 auf 176. Ohne diese plötzliche Steigerung wären für 1893 rund 1600 Verurtheilte pro 100 000 Etrafmündige anzunehmen. Im übrigen wird der Gang der Verhällnißzahl in 1883—1893 wesentlich bestimmt durch die Eigeuthninsvergehen, ans welche in diesem Zeitraum 758, 682, 640, 610, 613, 005, 675, 695. 790, 332, 870 Verurtheilte pro 100 000 Slrafmündige kamen. Von den Berliner Zn- und Fortziigen kommt ein bedeutender Theil aus die nähere Umgebung. Da? ist von vornherein wahrscheinlich, aber es läßt sich— wenigstens für die zu- bezw. fortziehende Arbeiterbevölkerung, und die ist ja in der Berliner Zn- und Abwanderung ausschlaggebend— unter anderem auch aus der hohen Zahl schließen, mit der bei dem gegenseitigen Austausch abgelaufener Quittniigskarte» zwischen der Jnvali- ditäts- u n d Zlltersversicherungs-Anstalt Berlin und auswärtigen Anstalten die der Provinz Brandenburg betheiligt ist. Im Jahre 1894 z. B gingen, nach Angabe des letzten Berliner„Statist. Jahrb.", bei der Anstalt Berlin(das Stadtgebiet umfassend) 394 230 Karten ein. Darunter waren 64 631, die den Namen auswärtiger Anstalten trugen, also nach Berlin zugezogenen Versicherten gehörten, und 42 350, die von auswärtigen Anstalten als zu Berlin gehörig eingeschickt waren, also auf von Berlin fort- gezogene Versicherte lauteten. Die zu- oder fortgezogenen Versicherten stellen zwar selbstverständlich nicht den gesaininten Zu- und Fockzug, nicht einmal den gesammten Zu- und Forlzug der Selbstthätigen dar, aber sie bilden doch einen beträchtlichen Theil derselben — 1894 wurden in Berlin 161 943 Selbstlhätige und 22 711 An- gehörige als zu-, 132 033 Selbstlhätige und 24 161 Angehörige als sortgezogen gemeldet—, sodaß daraus immerhin ein Schluß auf den gesammten Bevölkerungsauslaiisch zwischen Berlin und dem Reiche gezogen werden darf. Nun waren von den 64 631 Karten hier Sullitiig, 21. Wiirs 1897. zugezogener Versicherter allein 27 061 in Brandenburg ausgestellt, während andererseits von den 42 850 Karten aus Berlin fort- gezogener Versicherter 26 333 in Brandenburg abgegeben wurden. Auf Brandenburg fielen also, wenn man die absoluten Zahlen betrachtet, ziemlich gleich viel Versicherte, die von dort zu- bezw. dorthin abzogen: berechnet man dagegen den Anlheil des Berlin-Brandenburger Kartenaustausches an dem ge- sammten Austausch zwischen Berlin und auswärts, so ergiebt sich, daß 42 pCt. der hier Zugezogenen aus Brandenburg kamen und 61 pCt. der von hier Fortgezogenen nach Brandenburg'gingen. Natürlich wird es sich dabei meist nur um einen Austausch mit den Vororten, besonders den direkt angrenzenden Orten Chalotten- bürg, Schöneberg, Rixdorf, Friedrichsberg u. s. w. handeln, bei den Fortzügen noch mehr als bei den Zuzügen.— Der Austausch Berlins mit den ü b r i g e n p r e u ß i s ch e n P r o v i n ze n und den anderen deutschen Staaten läßt den bekannten Zug der arbeitenden Bevölkerung vom Osten nach dem Westen ziemlich deutlich erkennen. Von den nach Berlin ZugezogeiienKin Klammern die Zahlen der von Berlin Fortgezogenen) kameii aus(bezw. gingen nach): Ost- preußen 3881(513), Westpreußen 3206(480), Pommern 5223(1732), Posen 3890(624), Schlesien 7573(1988), Provinz Sachsen einschließlich Slnhalt 3768(1627), Schleswig-Holstein 521(765), Hannover 923 (982), Westfalen 486(594), Hessen-Nassau 690(503), Rheinprovinz 1000(1260), beide Mecklenburg 957(994), Lübeck, Hamburg. Bremen 803(902), Oldenburg 57(45), Braunschweig 293(112), thüringische Staaten 768(600), Königreich Sachsen 2205(1654), Hessen 188(113), Bayern 548(531). Württemberg 250(132), Baden 257(250), Elsaß- Lothringen 93(61). Die östlichen Provinzen Preußens sind sämntt- lich mit starkein Zuzug nach Berlin und schwachem Fortzug von Berlin nach dort vertreten. Von den anderen Theilen Preußens und des Reiches haben nur die benachbarten starken Zuzug nach der Reichshauptstadt; sonst war der Zuzug überall verhältnißmäßig gering und blieb vielfach noch zurück hinter dem Forlzug aus Berlin nach den betreffenden Landestheilen. Heber Ursprung und Name von„M«abit" sind schon viele Betrachtungen angestellt und Streitfragen ausgefochten worden, während jetzt, wie"die„B. Z." schreibt, allgemein feststeht, daß der Name„Moabit" folgendermaßen zu erklären ist. Im Jahre 1713 erhielt ein gewisser Faultrier eine Stelle zur Anlage für Seidenbau. 1719 wurden dann weitere 23 Stellen zu erblichem, aber unver- äußerlichem Besitze an französische Kolonisten abgegeben. Sie erhielten zehnjährige Freiheit von allen Abgaben und zahlten nach Verlauf der zehn Freijahre nur einen Satz von acht Groschen für je einen Morgen Landes. Es wurde ihnen sogar Geld zur Beschaffung der Maulbeerbäume ausgezahlt. Die Seidenzucht in der neuen Kolonie hatte indeß keinen Fortgang. Der sandige Haideboden ließ die Pflanzungen nicht gedeihen; wohl aber war er es, welcher dem jetzt so thätigen Stadtlheil« der Metropole seinen Namen gegeben hat. „La. terre de Moab!" so nannten die ersten bibelfesten französischen Ansiedler ihren Ansenthaltsort. Es schwebten ihnen dabei selbst- verständlich die Erzählungen der Bibel vor. Im Lande der Moabiter, jenseits des Jordans, hatten die wandernden Israeliten lange Zeit verhandeln müssen, ehe ihnen der Einzug über den Fluß ins Land Kanaan gestattet wurde. So blickten auch die sranzösischen Ansiedler in dem nachmalig«»„Moabit" sehnsüchtig nach der Residenz herüber, von welcher der Fluß sie schied. Das ist die Ent- stehuna des Namens„Moabit", der auch sprachlich durchaus richtig ist. Ganz abzuweisen.ist jene Erklärung, welche in Vorahnung der fatalen Kriuiinalereignisse der Neuzeit„Moabit" als eine Um- sormung von„terra rnaudite" gleich„Land des Fluches" aus- äffen will. Tem Abgeordnetenhanse ist der Gesetzentwurf betreffend C h a r i t e e- K r a n k e n h a u s und Botanischen Garten zugegangen. Er lautet: „§ 1. Die Staatsregierung wird ermächtigt, zur Deckung eines Höchstbetrages von 16 Millionen M. der Kosten— um 1) für das Charitee-Krankenhaiis in Berlin und die mit demselben verbundenen Institute der Universität Berlin geeignete Gebäude herzustellen, 2) das Grundstück Luiseustraße Nr. 2 Hierselbst, sowie das der Stadt Berlin gehörige, am Nord- user, an der Buch- und Trislstraße Hierselbst belegene Grundstück anzukaufen und aus letzteres das Institut für Jnsektions- Krankheiten zu verlegen, 3. für das Hygiene-Jnstitut der Universität Berlin ein neues Gebäude zu errichten, 4. den Botanischen Garten und das Botanische Museum Hierselbst nach der Domäne Dahlem zu verlegen und dort ein pharmazeutisches Institut für die Universität Berlin zu erbauen, 5. für die vorbezeichuelen Institute die Neben- anlagen und die innere Einrichtung zu beschaffen— Staatsschuld- verschreibinigen auszugeben.§ 2: Der Erlös aus dem Verkauf des jetzt für den Botanischen Garten in Berlin benutzten Grundstücks ist mittels Anrechnung auf die der Staatsregierung bewilligten, offen stehenden Kredite zur Tilgung von Staatsschulden über das anderweit planmäßig oder durch bestehende Gesetze bestimmte Maß hinanS zu verwenden.§ 3. Die Staatsregierung wird ermächtigt: 1. für den Ankauf der in den ZZ 1 und 2 bezeichneten Grundstücke 315 000 M. und 245 000 M.; 2. zum Neubau des Hauptgebäudes des Instituts für Jnfektionskraukheiten 475 000 M.; 3. zum Neubau eines Kochkücheugeväudes, sowie Maschinen- und Werkstättengebäudes der Charitee einschließlich der Einrichtung mit Kesseln und Maschinen 659 000 M.; 4. für die Herstellung eines Sainmlnngsgebäudes des Pathologischen Jiisliluls' den Restbetrag von 292 000 M.; 5. für den Neubau nachbenannter Gebäude der Charitee, und zwar der Kapelle 63 000 M., eines Pförtner- und Stall- gebäudes 14 500 M., einer Baracke der Augenklinik 70 000 M. und einer Baracke der geburtshilflich-gynälologischen Klinik 69 700 M. zu verwenden." Nach der Begründung ist die Umgestaltung der Charitee an ein- maligeu Kosten auf rund 9 330 000 M. berechnet. Hierzu treten die Kosten für den Ankauf der Grundstücke Die laufenden Ausgaben der Charitee sino schon ivährend längerer Zeit nur dadurch annähernd gedeckt worden, daß in die Anstalt eine größere Zahl von Kranke», als wofür sie eingerichtet war, aufgenommen sind. Den sich hieraus ergebenden Mißständen ist neuerdings durch Einschränkung der Aufnahmen thunlichst abgeholfen worden. Die Durchführung des Planes setzt voraus, daß nicht nur die einmaligen Kosten außer dem schon entstandenen Fehlbetrag der Charitee ge- deckt, sondern daß auch der Anstalt fortlaufend erhöhte Mittel zur Bestreitung ihrer Ausgaben zugeführt werden. Aus der Staatskasse wird an die Charitee ein Zuschuß von 203 000 M. gezahlt, welcher zum theil auf besonderen Rechtstiteln beruht.„Eine weitere recht- liche Verpflichtung des Staates, für die Bedürsuisse der Anstalt zu sorgen, besteht nicht. Indessen ist die Erhaltung und Ausgestaltung der Charitee im Interesse des medizinischen Studiums nothwendig. Eine Betheiligung der Stadt au den Kosten jiir die unvermeidliche Umgestaltung der Charitee ist au sich gereckt- fertigt."— Wenn die Staatsregierung sich in letzterem Punkte nur nicht schneidet. Berlin wird vorziehen müssen, seine eigenen städti- scheu Krankenhäuser zu bauen. Patriotisches. Aus betheiligten Kreisen wird im? geschrieben: „Die königl. Hof-Buchhandlung und Hof-Buchdruckerei E. S. Mittler u. Sohn, Kochstr. 68/71, hat einen großen Theil der gelegentlich der Zenlenarseier erscheinenden Druckschriften in Verlag bekoinnien, so u. a. die militärischen Schriften Wilhelms I. in zwei starken Bänden und eine Biographie dieses Monarchen, die in etwa 150 000 Exem- plareu gedruckt worden ist. Außerdem ist der Firma, die aus- schließlich patriotische nud militärische Verlagswerke in die Welt sendet, ein großer Theil anderer, ans die bevorstehende Feier bezug habender Ansiräge zu theil geworden. Die Herren können also mit der Zenleiiarseier wohl zufrieden sein. Dieser für weitere Kreise ganz uuiiiteressauten Sache ist aber einiges hinzu- zufügen. Es geht der Firma Mittler u.Sohn wie so vielen anderen Patrioten, die vor Vaterlandsliebe glühen, wenn es sich verlohnt, und von Patriotismus nichts wissen wollen, wenn er etwas kostet. Das letztere ist bei dieser Firma immer der Fall gewesen; so z. B. hat das Personal bei dem Begräbnist des jetzt gefeierten Kaisers den ganzen Tag arbeiten müssen, so ist auch am letzten Eedanstage ge- arbeitet worden und iviederum werden jetzt die etwa 250 Druckerei- Arbeiter an den„Festtagen" nicht eine Stunde freibekommen. Der Geschäftsgang ist durchaus nicht so überstürzt, daß sich die Firma damit rechtfertigen könnte, im Gegentheil sind vor wenigen Tagen noch Leute entlassen worden. Den Zähnen der Kinder besondere Pflege angedeihen zu lasse», kann nicht oft genug betont werden, und auch auf die Nolh- wendigkeit, praktische Hygiene in den Schalen auch insofern zu pflegen, daß man die Zahne der Schulkinder nnter fachmännische Aufsicht stelle, ist häufig schon hingewiesen worden. Ein neues Bei- spiel für diese Nothwendigkeit wird aus Wiesbaden mitgeiheilt. Der dortige Zahnarzt Herr Stieren untersuchte in zwei Bürgerschulen die Zähne von 131S Schulkindern im Alter von 6— 14 Jahren. 97,8»Et. derselben hatten kranke Zähne, und zwar zusammen 7964. durch- schnittlich jedes Kind unter 22 Zähnen immer 6 kranke. 17 Zähne waren bereits entfernt, 2—3000 mußten noch entfernt werden, aber ungefähr 5000 wären durch geeignete Behandlung noch zu retten, während bisher nur 17 erhalten worden wären. Zum Polizeikampf gegen die Anarchisten wird berichtet: Die Hauptverhandlung gegen die Anarchisten Koschemann und Genossen findet am 6. April und folgenden Tagen im große» Schwurgerichtssaal statt. Die Anklage lautetauf Verbreche» und Vergehen gegen das Reichs- gesetz vom S.Juni1884 gegen de» verbrecherischen undgemeingesährlichen Gebrauch von Sprengstoffen. Mit der Koschemann'sche» Angelegenheit scheint die Verhaftung des Anarchisten Warsenke aus der Ziethen- straße zu Rixdorf zusammenzuhängen, den am vergangenen Mittwoch drei Kriminalbeamte nach einer Haussuchung festnahmen. Warsenke forderte vor einigen Wochen durch eine» Aufruf im„Vorwärts" diejenigen Arbeiter von Ludwig Löwe, die Koichemann an dem kritischen Tage bei ihrem Ausflüge in Friedrichshagen gesehe» haben sollen, auf, sich bei ihm zu melde». Wie sich aus diesem Grunde eine Verhaftung rechtfertigen läßt, ist unerklärlich. Was ist aber im Polizeistaate nicht alles möglich? In der Angelegenheit wird von einer Lokalkorrespondenz, deren Mitthestungen wir auf ihre Richtigkeit hin nicht weiter kontrolliren können, nachträglich noch berichtet:„Die Berhastnng des Anarchisten Warsenke hängt in der That, wie wir vermutheten, mit dem Verfahren gegen Koschemann zusammen. Warsenk« wird be- schuldigt des Versuches, Zeugen, die in diesem Verfahren vernommen worden find, zum Meineid zu verleiten. Bei der Haus- suchung hat man bei ihm eine Menge Briefe gesunden. Daraufhin werden jetzt noch zahlreiche Personen von neuem vernommen, deren Namen die Briefe enthielten, oder auf welche die hier benannten Personen wieder zurückwiesen." Unseres Erachtens wäre es Sache des Rechtsanwalts von Koschemann. die nöthige» Schritte zur Herbei- fchaffung etwaiger Zeugen aus der Löwe'schen Fabrik noch in letzter Stunde zu unternehmen. Wegen Aintsnnterschlagnngen wurde gestern der Bürger- meister Glohr aus Rogowo, Provinz Posen, auf Antrag der Staats- anwaltschaft zu Gnesen durch die hiesige Kriminalpolizei verhaftet. Er hielt sich hier zu Besuch auf. Der heftige Wind am Freitag, der zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags auch die Einstellung des Telephonbetriebes nothwendig machte, hat die in der Petersbnrgerstraße— nahe der Landsberger Allee— befindliche Luftschaukel umgeworfen. Das 20 Meter hohe, 14 von unten nach oben rundnm gehende Gondeln enthaltende Bauwerk begrub unter sich zwei Männer, die unten an dem Holzwerk, das das Schaukelwerk trug, zu thun hatten. Wunderbarerwcise wurde keiner von ihnen verletzt, weil sie gerade zwischen die Schaukellräger zu liegen kamen. Der Schaden des Besitzers ist um so größer, als durch den Sturz auch der Wagen (ein sogenannter Künstlerwagen), der neben der Schaukel stand und als Wohnung dient, schwer beschädigt wurde.— Das Wetter des ganze» Tages war ei» höchst sonderbares. Man hatte die schönste Auswahl: Sonnenschein, Regen, Graupeln. Blitz und Donner und dazu einen Brausewind, der einem den Athem benahm und das Fortkommen auf der Straße außerordentlich er- schwerte.— Nach der Markthalle VI wurde die Feuerwehr am Nachmittag um Uhr gerufen, da infolge des starke» Sturmes vier große eiserne Schornsteine einzustürzen drohten. Es gelang der Feuerwehr, die Schornsteine umzulegen, sodaß jede Gefahr beseitigt war.— Im hochgelegene» Norde» der Stadt hat der Sturm viel Unheil angerichtet. Mittags riß er das außerordent- lich lange Gilterthor der Einfahrt zum Stettiuer Güter- bahnhof, das mit Rollen auf einer Schiene läuft, los, warf es mit solcher Gewalt gegen den eisernen Hemmpfeiler, daß dieser wie weggemäht von seinem Standort verschwand, und stellte das lange Gitter schließlich quer über die Jnvalidenstraße, so daß es. bis zum jenseitigen Bürgersteig reichend, jeden Verkehr hemmt«. Es machte viel« Mühe, die schwere Eisenmasse in ihre frühere Lage zurückzubringe». Auch auf dem Jahrmarkt am Vineta- platz und den angrenzenden Straßen trieb der Sturm in den späteren Abendstunden sein wüstes Wesen. Die aufgestapelten Waare» der Solzhändler wurden umgeworfen und zum theil zerbrochen. Eine pielzeugbude, die sehr leicht gefügt war, wurde in Stücke zerpflückt. Schlimmer aber trieb es der Sturm in der Stralsunder« straße, wo die Töpfer und Porzellanhändler ihre Stände haben. Di« ausgestellte» Waaren wurden am Abend nicht erst wieder ein- gepackt, sondern mit einein durch Nägel festgehaltenen Leinenpla» überdeckt. Wo diese Decken nun nicht sorgfältig angenagelt waren, riß sie der Sturm los und peitschte die schwere Leinewand zwischen das Geschirr, dies in einen Trümmerhaufen verwandelnd.— An Neubauten, deren Fenster noch nicht verglast sind, hat der Wind arg gehaust. Er sehte sich im Innern fest, riß das Dach aus- einander nnd brach ab, was irgend hervorstand. Auch einige Unglücksfälle sind vorgekommen, doch ist von einem solchen schwerer Natur inchts bekannt. Ueber den Poraestrigeu Brand in der Reichenbergerstraße 72 wird berichtet: Das Feuer war gegen 8 Uhr abends auf dem Dach- boden des Seilenflügels durch unbekannte Ursachen enlstanden nnd verbreitete sich hier mit ungeheurer Geschwindigkeit. Als die Feuer- wehr«intraf, stand bereits der ganze Dachboden in Flammen nnd der Hausbewohner hatte sich ein gewaltiger Schreck be- mächtigt, da eine vollständige Verqualmung des Treppen- Hauses eingetreten war. Der größere Theil der in den oberen Etagen befindlichen Bewohner vermochte sich selbst zu retten, andere wurden durch die Feuerwehr gerettet. Der Brand hatte sich aber inzwischen auch dem Quergebäude mitgetheilt und eS waren nicht nur die Nachbarhäuser, sondern auch das nahe Omnibusgebäude auf das ärgste gefährdet, um so mehr als der heftig« Wind brennende Lumpen, Papier w. Siraßcn weit umher» schleuderte. Die Feuerwehr gab mit sechs Schläuchen so energisch Wasser, daß eine weitere Ausdehnung verhindert wurde. Die Ab- löschungSarbciten waren gegen IOVz Uhr beendet. Die Auf- ränmungsarbeiten zogen sich jedoch biS gegen Mitternacht hin. Der mit tZ«Ott M. durchgebrannte Komptoirbursche Ernst Müller aus Berlin soll sich, wie ein hiesiges Blatt berichtet, unter falschem Namen in Brüssel aufhalten. Wegen Anschüttung der Rampe« werden die alte Schöne» berger Brücke und die unmitteloar daranstoßenden Strecken der Echönebergerstraße, sowie des Schöneberger, Tempelhoser und Halleschen Ufers vom 24. d. M. ab bis aus weiteres für Fuhrwerk« und Reiter gesperrt. Erhängt hat sich das 27 Jahre alt« Dienstmädchen Hildegard B.. das seit dem l. d. Mts. bei dem Bauruth Heyden. Karlsbad Nr. 26 a, in Stellung war. Die Gründe sind unbekannt. Vor feinem Hause überfallen wurde vorgestern Abend um 11 Uhr oer 44 Jahre alte Pförtner August Hellwig aus der Kirch- bachstraße 5. Nach feiner Darstellung stand er bei der Heimkehr eben im Begriffe, die Hausthür aufzuschließen, als zwei Männer ihn hinherrücks überfielen und mit einem Knüppel bearbeiteten. Hellwig erlitt einen Schädelbruch und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Wer die Angreifer waren und aus welcher Veranlaffung sie ihn überfielen, wnß er nicht. Herr Reinhold Klinger, Verlagsbuchhändler, Höchstestr. 41. ersucht uns mitzutheilen, daß er nicht mit dem in unserer vorigen Nummer erwähnten Berliner Verlagsbuchhändler Reinhold Klinger, dessen Jubiläums- Kollektion wir den Lesern zum besten gaben, identisch ist. Tie neuesten Bereicherungen deS Berliner«qnarinms erstrecken sich hauptsächlich aus die„niedere" Thierwclt des Meeres. Eine der absonderlichsten und infolge des Ilmstandes, daß sie sich in den Aquarien des Binnenlandes höchst selten vertreten findet und sich dort leider nicht lange hält, doppelt beachtenswerthe Erscheinung ist die Fransen- oder Segelschnecke des Miltelmeers. Diese frei- schwimmende gehäuselose, fast handgroße Bewohnerin der hohen See trägt auf dem Rücken ihres platten Leibes zwei Reihen büschcl- sörmige Kiemen und auf dem Kopf einen umfänglichen, Halbkreis- förmigen gefransten Lappen; das„Segel" und paarig gestellte, im Gegensatz zn allen übrigen, weißlichen Körpertheilen roth und schwarz gezeichnete Hautanhänge des Rückens machen das ohnehin schon merkwürdige Aeußere des Thieres noch abentenerlicher. Aus der forinenreichen Gruppe der Krebslhiere sind über Rovigno zwei Spezies angekommen, nämlich der braune, roth gestreifte nnd durch blattartig verbreiterte Anhänge der äußeren Fühler ausgezeichnete, ziemlich plumpe Bärenkrebs(LcMarus) und eine schöne, rolhe, mit blauen Querlinie« am Bruststück gezierte Galathee. Urania. Am Montag den 22 d. Mts. bleibt die Urania in der Taubenslraße für das PublUmn geschlossen; nachmittags findet für die Schüler höherer und städtischer Lehranstalten eine Borstellung statt, zu welcher die Eintrittskarten von der Schuldepulation vertheilt worden sind.— An allen übrigen Tagen der Woche wird der neue Ausstattungsvortrag „Der Äampf um den Nordpol" das Repcrtoir der Urania in der Tauben- straße beherrschen.— Repertoir der Urania, Jnvalidenstraße: Sonntag, Montag und Dienstag geschlossen.— Mittwoch und Sonnabend, Herr Dr. Spies:„Flüsfige Luft".— Donnerstag, Dr. Schwahn:„Bilder aus dem Weltall".— Freitag, Herr G. Witt:„Bau des Weltsystems".-» Ans de» Nachbarorte». Achtting, Adlershof, Glienicke! Alle Arbeiter«nd Ar- beiterinnen, welche am Montag, den 22. März, durch da? Macht- wort patriotischer Arbeilgeber zur Unthäligkeit an ihrer Arbeitsstelle gezwungen sind, werden hiermit anfgefordert, sich an der am Montag stattfindenden F u ß p a r t i e zu betheiligen. Sammelpunkt bei Gastwirth Schubert, Oppeustraße, vormittags 9 Uhr. Abmarsch 9'/2 Uhr über Grünau nach Schmöckwitz, Hankelsablage, Zeuthen »nd Rauchfangswcrder. Für Nachzügler jTreffpunkt in den be- kannten, der Arbeiterschaft zur Verfügung stehenden Lokalen. Ferner werden die Parteigenossen darauf aufmerksam gemacht, daß am Montag, abends 8 Uhr. in Adlershof»nd Glienicke ei» Flugblatt zur Verlheilnng kommt. Die Genossen, welche sich hieran betheiligen wollen, mögen sich in Adlershof bei Soltisiack, Lackeiibergstroße, in Glienicke bei Witte, nm 7'/e Uhr abends ein- finden. Der Vertrauensmann. Die Parteigenosse» von Pankow»nd Nieder-Schönhanse» werden nochmals aus die am heutige» Sonntage, nachmittags 2 Uhr, bei Stör, Pankow, Mühlenstr. 24, staltfindende öffentliche Ver- sammlung hingewiesen, in der Reichstags- Abgeordneter Stadt- Hagen das Referat halten wird. Steglitz und Friedenau. Die jetzt heranrückende Jahreszeit macht es de» Genossen aus de» Vororte» zur gaiiz besonderen Pflicht, von den gesperrten Lokalen genaue Notiz zu nehme». I» Steglitz find gesperrt:„Kaiserhallen", Albrechtstraße,„Krone", Albrechtstraße; in Friedenau:„Kasino", Rheinstraße,„Rhein- schloß". Rheinstraße,„Kaiser Wilhelms-Garten", Rheinstraße. Die Lokalkommissiou: I. A.: Kunkel. Maßuahme» gegen Lehrlings- Ausbeuter? Eine Kor- respondeuz meldet: Der Arbeitszeit der Lehrlinge, besonders von Handwerkern wird jetzt auch von der Regierung größere Aus- merksamkett zugewendet. I» verschiedenen Orten der Mark stnd die ansässige» Handwerksmeister, welche Lehrlinge ausbilden, nach dem Polizeivurea» zitirt und hier darüber vernommen worden, wie lange sie ibre Lehrlinge des Abends beschäftigen. Auf diese Weise soll die Regierung das erforderliche Material zu allgemeinen Fest- stellnngen über den Umfang der Arbeitszeit der Lehrlinge, nameut- lich jedoch über die Ausdehnung derselbe» in die Abendstunden hin- ein beschaffen und ans Grnnd dieser Feststellungen dann die Arbeits- zeit gesetzlich derart regeln wollen, daß die Lehrlinge nicht mehr über 6 Uhr abends hinaus beschäftigt werden dürfen. Der Teltower Kreistag beschloß in seiner gestrigen Sitzung die Errichtung eines großen Krankenhauses in Groß- Lichterfelde. Es wurde eine Summe von 210 000 M. zum Ankauf eines Geländes bewilligt. Einstimmig angenommen wurde ferner ein« Vorlage betreffend Gewährung einer Beihilfe von 180 000 M. an die Gemeinde Schöneberg für Herstellung nnd Unierhaltung zweier Brücken über die Potsdamer und Wannsee- Bah», im Zuge der Stubeurauchstraße bis zur Monumeutenstraße und im Zuge der Saarstraße bis zur Beckerstraße. Die beiden Brücken sollen dem Wagen- wie dem Fußgängerverkehr dienen. Die Gesammtkosten sind auf 600 000 M. veranschlagt. Publikum und Polizei in Nixdorf. DaS dortige„Tageblatt" meldet, daß der Gendarm Peters zwei jener unglücklichen Wesen, welche sich durch Prostttulion ihr Brot verdienen, nebst ihren Begleitern ergriffen halte, nm sie nach dem Amtsburean zn fistiren. Wie dies bei solchen Anlässen üblich, sammelte sich bald nm den Beamten eine Menschenmenge an. nnd den hierdurch ent- stände»«» Auflauf benutzten die beiden Burschen, nm das Weite zu suchen. Wie dem Blatte Augenzeugen mittheilen, ward dem Beamten auch nicht der geringste Beistand von selten des Publikums zu lheil, vielmehr wurde das Ausreißen der Zuhälter mit Lachen begleitet. Anfsehen erregt i« Charlotteubura das Verschwinden deS 54 Jahre alten Hauseigenthümers und Malermeisters Johann S t e e n b o ck vom Spandaner Berg 19 und seiner 45jährigen Ehefrau Emilie, geb. Dittman». Frau Steinbock hat am Donners- tag Morgen ihre Häuslichkeit verlassen und ihr Mau» ist ihr »achmitlags gefolgt. Das Ehepaar hat fünf Kinder; eine Tochter ist verheirathet, ein Sohn studirt. ein anderer ist im Geschäft« des Vaters thätig und die beide» jüngsten Kinder sind noch uuerwachsen. Gestern erhielt der eine Sohn von seinem Vater einen mit dem Poststempel Erkner verseheneu Brief, worin er den Kindern mittheilte, daß er sich gemeinsam mit der Mutter das Lebe» nehmen wolle, für diesen Schritt um Verzeihung bat und den Wunsch äußerte, dort begraben zu werden, wo man die Leichen finde. Wie verlautet, sind die beiden Leichen am Sonnabend Morgen in der That bei Erkner aus dem Wasser gezogen worden. Die Veranlassung zu dem Doppelselbstmord scheint im Vermögensverfall zu liegen. Eine andere Darstellung geht dahin, daß Steinbock mit Mündel- geldern schlecht gewirthschastet habe. Durch Entgleisung eines Postbahnznges entstand gestern zwischen Charlollenburg und Westend eine nicht unbeträchtliche Verkehrsstörung. Der Unfall, bei dem glücklicherweise niemand ver- letzt wurde, ereignete sich 100 va hinter dem Bahnhof Charlotten- bürg. Die Lokomotive und der erste Wagen des Zuges sprangen aus dem Geleise und bliebe» auf der Strecke liegen. ?>,»«»«?. W»«ch,«chi:»»iK. Opernhaus. Sonntaa. den 21. Mär,: Thiiut pare: isu(Schüler-Vorstellung.) Ansang 6 Uhr. Montag, 12.: gelt- Vorstellung. Ansang s Uhr. Dienfiaa, 23.: TheJtre pare:„WNlehalm". Ansang es Ubr. Mittwoch. 24.: Neunte Sinfonie der tönigltchen Uapelle. Anfang Ti Uhr. Tonnerstag, 2S., mittag» l Uhr: Matinee.„Wllihalm".«dendS Uhx „Wtlleholin". Freitag, 2».:„Undtne". Sonnabend, 27.: Zum l. Male:„EnoÄ Arven".„Die Entführung ans dem SeraU". Sonntag, 23.:„Ter Prophet". Anfang 7 Uhr. Montag, 23.: 3.«esellschafts-Abend.„Der fltigendelHolländer". Der Holländer: Herr Dhcod. Retchmann. als Gast. Anfaiig 3 Uhr.— Tchausptel- h aus. Sonntag, 2l.:„tSlä." Schüler-Borstellung. Anfang S Nhr. Montag, 22.: Festvorstellung.„Festspiel Solderg." Anfang Uhr. Dienstag, 23.:„Festspiel Solberg." Anfang 7 Uhr. Mittwoch, 24.:„l3l2." Donnerstag, 25.:„FtgaroS tochzetl".(Oper.) Freitag, 23.:„Die Jungfrau von Orleans". Sonnabend, 27.: um l. Male:„Die Athenerin". Sonntag, 23:„Die Athenertn". Montag. 23.: „Die Athenertn".— Neue« töntgltcheS Operntheater(Kroll). Sonnlag, 2i.: ,l3»2." Schüler-Borstellung. Ansang 5 Uhr. Sonntag, 23.:„Der Berschwender."— Im Deutschen Theater wird sowohl am Sonnlag Abend al« Montag und Dienstag„Die verfunkene Glocke" gegeben. Montag und Dienstag beginnen die Borstellungen ouSnahmSiveife um 3 Uhr. Für bis übrigen Tags der nächsten Woche ist der Spielplan: Mittwoch„Der Sohn des Kalifen", Donnerstag und Freitag„Die ver- funken« Glocke", Sonnabend„Nora" mit Frau Sorma, Sonntag Abend„Die versunkene Glocke"(letztes Auftreten von Frau Sorma tn dieser Spiel, eit): Montag „Morituri". NachmitiagSvorstellungen: Heute, Sonntag„Die Weber", nächsten Sonntag„John Gabriel Borkman".— Das Lessing-Theater hat für diese Woche folgenden Spielplan festgesetzt: Sonntag, Montag und Dienstag Gustav von Moser'« Lustspiel„Ter Beilchenfresser". Mittwoch Abend beginnt Frau Hedwig Niemann ihr neues Gastspiel in Sardou'« Lustspiel„Madame Sans- Gene" und fetzt Sonnabend und Sonntag ihr Gastspiel fort als Marianne tn Goethe't„Geschwister" und Eyprienne im gleichnamlgen Lustspiel Sardou'«. An, Donnerstag wird Subermann's Schauspiel„Die Ebre" mit Herrn Loewenfeld als Gast gegeben. Freitag„Ter Betlchensresser" mit Herrn Schönfeldt in der Titel- rolle. Al« Nachmittagsvorstellung gelangt heute Sonnlag„Somtefie Suckerl", nächsten Sonnlag„Die Ehre" mit Herrn Loewenfeld al» Gast zur Ausführung.— Das Berliner Theater veranstaltet Sonntag, Montag und Dtenflag drei „Festvorstellungen". Sonntag wird das Stück„Marlfteine. vier Tage preubischer Geschichte" aufgeführt. Montag ist der Beginn der Borstellnng ausnahmsweise auf 3 Uhr festgesetzt. Zur Aufführung kommt Festprolog von Ernst v. Wildenbruch. „Söntg Heinrich". Dienstag Festprolog.„Kaiser Hetnrich".„Renaissance" wird Mitl- woch und Sonnabend und die Novität„Marksteine" am Donnerstag wteberholt. Frettag geht alz 23. AbonnementS-Borftellung zum ersten Male„Kinder der Bühne", Lustspiel tn fünf Auszügen von Sdaar Hoger, deutsch von«inil Jona», tn Szene und wird Sonntag wlederholl. Nachmittag»- Borstellungen: Heute. Sonntag: „Uttel Acosta", nächsten Sonntag:„König Heinrich".— Der Spielplan de« Neuen Thealer« setzt stch für die nächste Woche wie folgt zusammen: Sonntag:„Zopf und Schwert". Montag:„Zop" und Schwert". Dienstag: „Minna von Barnhelm". Mittwoch, Donnerstag:„Marcelle". Freitag: Beginn des Saftfptel» Baron, Marcslle Lender und Barral. Erster Abend:„biacre 117". Sonnabend: Gastspiel Baron, Marcelle Lender und Barral:„Le prämier Mari de France". Sonntag: Gastspiel Baron, Marcelle Lender und Barral:„Ma Cousine". — Im Schiller-Theater wird heute, Sonntag, Nachmiltag Shakespeare'S „Ein Wtntermärchen". abend« da« BollSstück„Der Milltonenbauer" gegeben. Montag, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend finden Wiederholungen von „Maria Stuart" statt, Mittwoch und Frtttag geht vieultna'S Tragt- lomödie„Die gerechte Well" tn Szene.— Im Theater de« Westen«, wo Herr Kadelburg tn dieser Woche wieder mehrfach al» Galt erscheinen wird, findet heute noch eine letzte SonntagSvorstellung de« Lustspiel«„Die berühmte Frau" statt. Im übrigen wird dleleS Luftfptel unter Mttwirlung feine« BerfasserS nur noch am Mittwoch und Donnerstag zur Aufführung gelangen. Montag wird die Borstellung de« RobertS'fchen Schau- spiel»„Treue",»er ein Prolog von Ad. von Haustein, aesproche» von Frl. Jmmtsch. vorausgeht, um 7 Uhr beginnen. Dieselbe Botttellung wird auch Dienstag Nachmittag wiederholt. Dienstag Abend wird„Tropenloller" gegeben. Freitag findet die erste Aufführung de« Lustspiels„Reiff Reisslingen" mit Herrn Kadelburg al» Gast statt. Dieselbe Vorstellung wlrd Sonnabend, nächsten Sonn- tag und nächsten Montag Abend wiederholt.— Johann Strauß' ziveiter Abend tm ZyNu«„Ter Karneval tn Rom", bleibt tm Theater Unter den Linden nächste ganze Woche auf dem Spielplan. Am Montag gehl zur Feter de» Tage» dem„Karneval" ein von Karl Matthla« verfaßter Prolo., mit großem Schluß- tableau voran«.— Im Oftend-Theater findet heute Nachmittag eine Jubel- Vorfeier statt. Nach einem Prolog von M. Rinckleben wird ei» grobes patttolische» Tongemälbe:„Kaiser Wilhelm der Große," lompontrt v. Rtch Eilenberg. ausgeführt. Hierauf folgen die Stnalier„kurmärler und Pikarde" und„Nach 5» Jahren",„Ehassepot und Zündnadel". Zum Schluß wird der„Sang an Segir". dargestellt und gelungen. Abends gelangt„Zu hoch hinan«", BollSfiück mit Ge- sang von M. Günther mit Herrn Weiß als Stüwecke zur Nuflührung.— Im Friedrich Wllhelmstädttschen Theater gelangt heute Nachmittag da« romantische Schauspiel„Der Trompeter von Sälltngen" zur Aufführung, während abends„Liane, die zweite Frau", Eharaktergemäld« in fünf Auszügen noch dem gleichnamigen Marlitt'schen Romane gegeben wlrd.— Im Aleranderplay- Theater findet heute Nachmittag eine Kindervorstellung mit dem Zauber- Märchen„Dt« steben Raben" von Bolten-Bäcker» statt. Abend» setzen Frl. Stöcker- Goltz und Herr Bendir ihr Gastspiel tn der Posse„Die Tanzfttda" fort. Gerichts-Rettung» Von der Rixdorfer Gendarmerie. Slm 27. August 1896 wurde der Schlosser Wilhelm K e t t n e r auf den Köllnischen Wiesen bei Rixdorf von mehreren Strolchen übersallen. Er entfloh nnd wurde von ihnen bis zum Amtshause in Rixdorf verfolgt. Als er hier zu seinem Schutze Einlaß suchen wollte, fand er die Thür verschlossen. Er klopfte deshalb mit seinem Schirm gegen das Fenster. Der Gendarm Schneider öffnete ihm und forderte ihn auf. weg zn gehen und den nächsten Tag die Anzeige zu erstalten. Kettner bestand aber auf Einlaß, da er sonst seinen Verfolgern wieder in die Hände fallen würde. Schneider ließ ihn schließlich ei». Kaum war er eingetreten, so erhielt er nach Kettner's Behauptung von dem Gendarmen Bornemann mit dem Säbel zwei Schläge von hinten anf den Kopf und mehrere auf die Schulter und über den Rücken, und al? er infolge dessen tanmelle. noch mehrere Säbelhiebe über den Vorderkopf, sodaß er blutttber- strömt zusammenbrach. Während er am Boden lag. habe ihm der Gendarm Bornemann noch zwei Fußtritte ins Gesicht gegebe». Der anf Requisition des AmtSvorstehers herbeigerufene Dr. Nagel konstalirte auf der Höhe des Scheitels und der Scheitelwurzel nach vor» eine 7 Zentimeter lange, die ganzeKopshaut durchdringende Wund«, die stark blutete nnd eine durchschlagene Arterie, ans der ein kleiner Blutstrahl spritzte. Ferner links neben dieser Wunde in der Richtung nach dem Ohr z» eine 2 Zentimeter lange Wunde, ferner an der vorderen Partie des Kopfes bis zur Haargrenze gehend eine etwa 6 Zentimeter lange oberflächliche Kopfhautwunve und endlich ober- halb des linken Auges wiederum eine tiefe die ganze Stirnhaut bis auf den Knochen durchdringende 7 Zenti- meter lange Wunde, welche stark blutete, und bis aus daS Augenlid herunterreichte. Während des Nähens und bald nachher wurde der Verletzte einige Male ohnmächtig, wurde dann nach Hanse gebracht und war vier Wochen lang arbeitsunfähig. Nach seiner Ge- nefung erhielt er eine Anklage wegen Widerstands gegen die Sraatsgewalt. Vor dem Schöffengericht zu Ripdorf ivnrde er auch zu 3 M. Geld- strafe, im Unverinögenssalle zu ernem Tage Gefängniß vcrurtheilt. Der Gendarm Schneider bekundele dort eidlich, es habe sich, während Kettner sich mit ihm vor dem Amtshaus nnterdielt und Einlaß begehrte, ei» Auflauf gebildet und er habe ihn. als er seiner Anffordernng zu gehen nicht Folge leistete, verhastet. Beim Eintritt in das Amlshans habe sich Kettner geiveigert, sich in daS Arrestlokal führen zu lassen und sich mit dem Schirm gegen das Treppengeländer gestemmt. Dann sei der Gendarm Bornemann hinzngekonnnen und habe ihm die Säbel» hiebe versetzt. Das Schöffengericht nahm an. daß Kettner's „Weigerung, sich fortzubegeben, als der Gendarm ihn dazu anf forderte, berechtigt war, weil er sich nicht der Gefahr ansznsetzen brauchte, nochmals in die Hände seiner Verfolger zn fallen. Anderetseits habe sich aber der Gendarm in rechtmäßiger Ailsübung seines Dienstes befunden, als er den Angeklagten, der sich nicht weg- begab, arretirte, um den Menschenauflauf zu zerstreiten. Gegen dieses Urlheil legte der Angeklagte Berufung ein, welche am Freitag vor der vierten Strafkammer des hiesigen Landgerichts II verhandelt wurde. Der Gendarm Schneider blieb bei seinerAussage. Der ebenfalls vernommene Amtsschreiber Kempke, der das Fensler des AmlshauseS öffnete, als Kellner gegen dasselbe klopfte, konnte sich nicht erinnern, einen Auflauf gesehen zu haben. Anf die Frage des Vorsitzenden erklärte der Gendarm Schneider, der Widerstand des An- geklagten sei nicht schlimm gewesen, er hätte leicht selbst mit demselben fertig werden könne». Der Vertheidiger Rechtsanwalt Herzfeld führte aus. daß die Verurtheilung des Angeklagten wegen Widerstands gegen die Gendarmen, in deren Dienstlokal er Schutz gesucht, aber auf das nnerdörtest« mißhandelt worden fei, dem öffentlichen Rechts- gefühl widerspreche«nd auch juristisch unhallbar sei. Wenn der Angeklagt«, wie der erste Richter zutreffend entschieden habe, de- rechtigt war, der Aufforderung, sich fortzubegeben, nicdt Folge zu leiste», weil er stch der Gefahr, nochmals in die Hände seiner Verfolger zu falle», nicht auszusetzen brauchte, so könne seine Ver- Haftung unmöglich zn Recht erfolgt sein. Der Vertheidiger legte serner dar, daß unter den Umständen des Falles, da keine strafbare Handlung vorlag, ein Recht zur Festnahme überhaupt nicht existirte. Der Angeklagte habe deshalb, selbst wenn geglaubt iverde, daß der Angeklagte Widerstand geleistet habe, sich nicht einer Amtshandlung des Gendarmen widersetzt. Im übrigen sei auch nach der eigenen Angabe des Gendarmen ei» Wideiftand im Sinne des Gesetzes objektiv nicht vorhanden geivesen nnd jeden» falls habe dem Angeklagte» das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit ge» s«hlt, wenn et sich weigerte, in das Attestlokal zu folgen, während et nichts Straffälliges gethan und nur Schutz im Aintshause gesucht habe. Es müsse deshalb Freisprechung erfolgen. Der Staats- anmalt beantragte Verwerfung der Berufung. Das Gericht erkannte auf Freisprechung. Der Vorsitzende verkündete, daß weder objektiv noch subjektiv der Thatbestand des Widerstandes vorliege. Verjanunlungen. Tie ans Holzplätzeu und in HolzbearbeitnngS-Fabrtken beschäftigten Arbeiter(Filiale II) hielten am IS. d. M. ihre Mit- gliederversammlung ab, in welcher Dr. Joel referirte. Der Vor- trag, welcher die Eroberung des Nordpols behandelte, wurde mit regem Interesse seitens der Anweseiiden verfolgt und der Referent »ach Beendigung desselben mit reichein Beifall belohnt. Die darauf folgende Abrechnung vom Maskenball ergab: Einnahme 14S,ö0 M., Ausgabe S3 M., bleibt Bestand 92,S<1 M.; dazu kommen noch IS M. vom Vergniigen bei Job! am 6. Dezember 1896. Aus Antrag der Revisoren wurde der Ikassirer entlastet. Zum letzten Punkt der»Tagesordnung macht der Vorsitzende bekannt, daß Ostern die Generalversammlung fiatifindct, die nächste Mit- glieder-Versammlnng am Mittwoch nach Ostern. Auf die Anfrage, ob die auswärtige» Filiale» schon ihre Anträge zur General-Ver- sammlung an den Hanptvorstand eingesandt habe», verliest der Vor fitzende einen Auszug vom Protokoll der letzten Hauptvorstauds-Sitzung. Aus Befragen giebt der Delegirle der Filiale 2 die Erklärung ab, daß er sich gegenüber dem Antrag auf Anschluß an de» Holzarbeiter� Verband aus der Generalversammlung ablehnend verhalten werde. Bei den Arbeiter»« und Arbeiterinnen der Wäsche- und Kravattcnbranchc sprach am Mittwoch der Genosse Sailer über „Die Entinickelung der kapitalistische» Produktions>veise". Redner erntete für seinen interessanten Vortrag den Beifall der Versammlung. Hieraus tvurden Frau P o l z und die Kollegen K u n z e, R e i ch e l t und Kutschk ofsky zu Revisoren gewählt. Ferner ivurde be kannt gemacht, daß am Sonntag, den 9. Mai, der Verein die Urania besucht und sind Billets an den bekannten Stellen zu haben. In Weißensee fand am 10. März«ine öffentliche Ma urer-Bersamml un g statt. Ein Antrag, daß jeder in Arbeit stehende Kollege vier Wochen lang einen Zuschlag von 2ä Pf. pro Woche zum Streikfonds zahlen solle, ivird angenommen. Die Bau- Kontrollkarten sollen nur bis zum 81. März ausgestellt »Verden. Kagel, Kreis Nieder-Barnim. Sonntag, den 14. März, sollte hier eine Versammlung stattfinden, in ivelcher Reichstags- Abgeordneter Stadthagen sprechen sollte. Ii» letzter Stunde halte der Wirth das Versprechen, seinen Saal znr Versammlung herzugeben, zurückgezogen, er»var hierzu nicht zu bewegen, trotzdem er an sein gegebenes Versprechen erinnert»vurde, den Saal herzugebe». ES hatten sich viele Arbeiter und Bauern eingefunden. Hatten wir auch keine Versammlung, so haben wir uns doch überzeugt, daß es auch in diesem Winkel viele Unzufriedene giebt, die uns versicherten, nur«inen» Sozialdemokraten ihre Stimme zu geben. Briefkasten der RedaKkion. Die juristische Tprechftnnde findet Montag», Dienstags, F r est t a g ö und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. G. Antwerpen. Im deutsch-französischen Kriege verloren die Deutschen 2058 Offiziere und 47 320 Unteroffiziere und Gemeine, die Franzosen 2900 Offiziere und 138 000. Ueber die Zahl der Verwundeten liegt unseres Wissens kein Material vor. Die niateriellen Verluste der von den Deutschen besetzten französischen Departements betrugen 708 817 000 Franks. Mit zehn Milliarden Franks dürften die Gesammtkosten beider kriegführenden Theile nicht zu hoch angegeben sein. — Vorort 10«. 1.— 4. Nicht ganz verständlich. Sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor.— Mcnk. Die Ueberwachung ist zu- lässig.— Rother Abonnent 39, La Haie. 1. Ja. 2. Von der Behörde. 3. In 10 Jahren, falls keine llnterbrechimg erfolgt.— R. P. FallS durch Vertrag nichts anderes vereinbart ist, hat der Wirth den Schaden zu tragen, sonst Sie.—<£• H. Falls der Vertrag nichts darüber enthält, ist der Wirth im Unrecht.— S. C. H. 73». Pfändung ist noch niöglich.— - G. M. 32. Solches Recht der Polizei besteht nicht.- 1890. Ist absoluter Blödsinn: an dem ganzen Quatsch ist nicht ein Wort wahr.— H.2— s Uhr, Oktober und März l2— s Uhr, November und Februar l>-4 Uhr, Dezember und Januar 12—2 Uhr(Unent- geltlich).— Museum kür Völkerkunde, Königaräherstr. 120. Besuchs- zetl wie im tkunstgewerbe- Museum sUncnIgelllich).— Hygiene-Museum, ittosterstr. 86. Besuchszeit Sonntag» wi« im Kunstgewerbe- Mussum. Außer- dem Dienstags und Freitagz von 10—2 Uhr(llnentgellNch).— Museum für Naturkunde, Jnvalidenstr. 42. Besuchszeit Sonntag« wie im Kunst- gewerbe-Mussum, Außerdem Montag» und Sonnabend» It— 8 Uhr,— Museum für deutsch- BollSirachten und«rzcugnisse de» Hausgewerbes, Kloster str. s«. Jeden Dag mit Ausnahme des Mittwochs von ll— 2 Uhr geöffnet. Sin Irinsgeld: Erwachsene 60 Ps., Kinder 26 Ps.. «ereine Lonutags 1» Pf.- R e i ch S p 0 st- M u s e u m. Leipzigerstr. 16. Sc- öfinet Eonniag« 12-2 Uhr. Montag«, Dienstags, Donnerstags Freitags von ll— 2 Uhr sUnentgclUich).— NalhhauS, Königstraße. Geofsnet täglich außer Donnerstag und Freilag von 11-s Uhr.(Unentgeltlich). Au»- sichtSthurm(Sintriltepreis 20 Ps.).- Kunstausstellung des BereinS Berliner Künstler, Wilheliustr. 92. Sonntags il-2Uhr. Wochentag« 10 di« 4 Uhr. 60 Pfennig Sniree.— Sternwarte, Enae- vloft 80. Millivochs und Sonnabends von 9 bis 11 Uhr Vormittags.— Urania, WisscnichasllicheS Theater. Sternwarte. Jnvaltdenstraße 67-62 und Daudeustr. es/es. Eeössuet vo» 6 Uhr Nachmittags bi§ 10% Uhr Abends, Enlree 60 Ps. Zuschlag für Theater von 60 Pf. bis 6 M.— Aquarium: Schadowsir. 14. Geöstnet von 9—6 Uhr. Emree Sonntags 60 Pf., an jedem letzten Sonntag im Monat 26 Ps.— Castan'S Panopttlnin. Friedrlch. straße. Seöffuel 10— 10 Uhr. Sintrittsprets 60 Ps.— P a s s a ge- P a n 0 pl tl um 10-10 Uhr. Stntrttt spreis 60 Ps.— M a r ine- P ano r a ma. Am Lehrler Bahnhos. Sonntags von 9— 9 Uhr. Sutree 60 Pf.— Ka tser- P ano ram a, Passage(Unter den Linden). Geöfsnet von 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends 300 verschiedene Reisen, LandschaflsbUder. Jede Reise 20 Ps.— Zoolo. g ts ch er Gart en, Lützowuser. Sonntags 60 Pf.— Borftg'S Garten mit PalmenhauS, AU-MoabU 66/86. SinlriiispretS 60 Pf.— O essen t- ltche Lesehall e der Deutschen Gesellschaft für Ethische »ultur. Neue Schönhauserstr. 18. Uueutgelllich geöffnet am Werllag abends ron 6 dt« 10 Uhr, Sonntag s%—l vorm., 6-10 abends.— Städtische Lese- Halle, Mohrenstr. 41, geössnel Wochentags abends von 8—9 Uhr und Sonntag« von li bt« 2 Uhr. WlttevungSlibersicht vom SV. März t8S7. Welker ZÄR Ll-� L-I!> ß-SbS Schnee bedeckt Regen halb dedeckt heiter bedeckt halb bedeckt wolkig wolkig halb bedeckt 2 5 5 7 ö 5 —1k 10 5 s Welter-Peognose für Souutag, den 21. Marz Vielfach heiter, zeitiveise wolkig bei abnehmenden nordwestlichen Winden, etwas kälterer Nacht- nndlangsam steigeuderTagestempe.a ur; keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t e r b n r e a Beim bevorstehenden OttSvkalsmechsel empfehlen sich folgende Partei-Tpeditionen: vei-lli» vierter Wahlkreis O.: Robert Wenzels, Fruchtstraße 30, Hof I.- SO.: Fritz Thiel, Skalttzerstr. 3b v. pari.- Sechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedele r- straße 7, pari, im Laden.— Weddlng und Oranienburger Vor- atadt: Emil Siolzcnburg, Wiesenstr. 14.—€!esandbriiniien: Wilh. Gaßmann, Grünihalerstr. 84.— Kosenthaler Torstadt: Gustav Rosenthal, Gransee rstr. 6.— Sehönhaaser Torstadt; Karl Mars, Kastanien-Allee 95/98.— Charlottenbnrc: Gustav Scharnberg, Pestalozzistr. 34, Quergeb. part.— Oeatsch-Wilmers- dorf: Frau Kübler, Sigmarmgerstr. 34 und Frau Heinemann, Sigmaringerstr. 35.(Hier ist auch die„Brandenburgtfche Bolks-Zeiwng" zu erhalten.)— Kixdorf: O st ermann, Jägerstr. 70, 11— Schttne- berg: Wilhelm Biumler, velzigerstr. 59, Seitenflügel park.— Johannlsthal-Wieder-Scköneweldc: Otto John, Johannisthal, Friedrtchstr. 57. Annahmestelle: Nieder-Schünewctde: Karl Weber, Zigarrengeschäst. Außerdem ist sämmtliche Parteiltterawr, sowie alle wissenschaftlichen Werte dort zu haben. Auch»erden Inserate für den„Vorwärts" entgegen genommen. Um gvnsue Angabe der Adresse wird dvingenv gebeten. Actienbrauerei Dollkn-Schö«hilustn Dshen-Schönhauseu bei Berlin MO. 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Frdl. möbl. Schläfst, f. 2 H., ev. möbl. Zimm. Britzerstr. 31, v. 1 Tr. b. Richter. n Orts ttrankenkasse der Zigarrenmacher. Zigarrensortirer«. deren gewerbliche» Hilfsarbeiter. Dienstag, den 30. März, abends 8 Uhr, int Restaurant Röllig, Rosen- thalerstr. 11-12: Generalversammlung. Tagesordnung: Bericht der Kommission zur Vor- Prüfung der Jahrcsrechnung. Vor- lcgung des Jahresberichts. Entlastung des Rendaiitcn. Entschädigung an Vorstandsmitglieder für baare Aus- lagen. Krankenlontrolle. Anträge. Be- schwerde Schlestger. 1032b Di« Herren Vertreter der A r b e t t- geber werden ersucht, sich um 7 Uhr in oben genanntem Lokal zu ver- sammeln behufs Vonlahme der Wahl etnes Borstandsmitgliedes. _ Der Borstand. Verband der Korbmacher Berlins«nd Umgegend. Montag, den 22. März, abends (5V, Uhr, Orantenstr. 61: T ersamralung. Nur Mitglieder haben Zutritt. Mit- glicdskarte legitimirt._ 98/15 TgziMmkrMerLese-M DiMirklub„Enden". Jeden Dienstag Abend 81/, Uhr: Sitzung bei Ew ald, Schönleinstr. 8. Welcher Parteigenosse würde eineni durch Krankheit m Roth gerochenen Genossen 80 M. leihen auf V, Jahr? Sicherheit, Zinsen. Adr. bitte an die Exp. d. Bl. unter ,.H. B." zu richten. Amandas KHIs' Festsäle, Köpnickerstr. 62. 9936 Täglich im Parterre-Restaurant: Konzert, Clesung, Vortrug. Entree frei. Saal f. zirka ik»0 Personen noch Sonnabend«nd Sonntag frei. Schmied« 1083b mit alter, fester Knndsch. wegen vor- gerückt. Alters bill. z. vrk. Näh. Weißen- sce, Weißenburgstr. l, t. Bicrv. b. Klar. Einen Kinderwagen verkaust Neumann, Granseeerstr. I, 4 Tr. Kinderwagen- Räder und jede Reparatur. Palltsadenstr. 101. sl054b Zchlaf-Sopha, 1 gr., 1 kl. Teppich 15, 2 Spiegel 18, 1 Tisch 12, Stühle, Bilder, Gardinen, alles noch neu, verkaufe schleunigst Antoustr. 9, vorn 3 Tr. rechts(am Weddingplatz). Am Donnerstag früh wurde uns unser Freund u. Mitglied, der Wäsche- Zuschneider Herr Heinrieh Brauer nach kurzem, schwerem Krankenlager durch einen plötzlichen Tod entrissen. Wir werden dem Verstorbenen, der durch feinen liebenswürdigen Charakter sich zahlreiche Freund« erworben und sein Talent so oft in den Dienst unseres Vereins gestellt hat, ein danl- bares Andenken bewahren. Samariter- EursuS ftir Arbeiter und Arbeiterinnen. Di« Beisetzung erfolgt Sonntag, den 21. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Wee, aus statt. 10346 TobeS-Anzeige. Ich benachrichtige hiermit alle Freunde und Bekannte, daß mein lieber Mann, der Maurer Anzgust Peter[10876 nach schweren Leiden sanft ent- schlafen ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 21. März, nachmittags 2iU Uhr, von der Leichenhalle der tionsgemeind« in Weißensee statt. ie trauernde Wittwe Frau Peter. Banksagnng. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen und Mitgliedern d. Gesangvereine„Acacie" und„Freya H" für die zahlreiche Be- tbeiligung u. Kranzspende bei der Beer- digung meines tnntggeliebten Bräu- tigams Johannes Haesncr meinen besten Dank. 1019b Clara Meissner. Danksacung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Theilnahm« bei demBegräbniß unseres lieben Baters, Schwieger- und Groß- vaters, des Maschinenbauers Wilh. Bethg;e sprechen wir hierdurch allen Betheillgten unseren herzlichsten Dank aus. Berlin, 20. März 1897. 1007b Die trauernden Hinterbliebenen. Wühlkuliraßr 8. nahe Oberbaum, sind zum 1. April freundliche, billige Wohnungen von 2 und 1 Stube nebst Küche und Zu- behör, z. vcnniethen. Der Verwalter. Fremtdl. Hofwohnungen von 12 bis 18 M. Swineuiünderstr. 51/52. Schläfst, zu verm. Witttoe Hüthcr, Swiiicmünderstr. 43, v. 3 Tr. Ein kl. möbl. Zimmer zu vermieth. Naunynstr. 48, v. I. r., Ecke Orantenpl. Frdl. Schlaff, z. Venn. b. Gluske, Schmidstr. 10, 1. Ausg., 4 Tr. 10186 Möbl. Schläfst, f. 1 od. 2 H. z. verm. Fürstcnstt. 19, Hof 4 Tr. b. Hoffmann. Frdl. Schläfst, f. Schuhm. z. 1. April. Novalisstr. 4. Zu erfr. b. 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Die berühmte Frau. Nachnnttags 3 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Montag: Treue. Residenz. Associss.— Vorher: Der Brummer. Montag: Dieselbe Vorstellung. Linden. Strauß- Zyklus. Der Karneval in Rom. Nachmittags 3 Uhr: Der Ober- steiger. Montag: Festvorstellung. Thalia. Frau Lieutenant. Montag: Dieselbe Vorstellung. Schiller. Der Millionenbauer. Nachmittags 3 Uhr: Ein Winter- Märchen. Montag: Maria Stuart. Zentral. Ein ftdeler Abend. Montag: Dieselbe Vorstellung. Volks. Signor Piffarello. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Liane, die zweite Frau. Nachmittags 3 Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Montag: Der Kampf um den Niederwald. Alexanderplan. Die Tanzfrida. Nachnnttags 4 Uhr: Die sieben Raben. Montag: Die Tanzfrida. American. Lumpe-Gastspiel: Die Räuber auf Maria-Culm. Passage-Panoptikum. 32 Mädchen aus Samoa. Apollo. Spezialitäten._ Delle-Alliance-Theater Bolks-Borstellnng unter Regie von«rulta» Türk. Sonntag, den 21. März, nachm. 3 Uhr: Gastspiel der Damen Martha Frey und Therese Freyburg? der Herren Heinrich Schulz und Wilhelm Rufs. Zinn vorletzten Male: Die ZllugsM von Lrleans. Romantische Tragödie von Fr. Schiller. " wtha Frey. Agnes Freyburg. König: Johanna: Martha Frey. Agnes Sorcl: Therese Freyburg. König: Richard Jürgas. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Ruff. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot: Julius Türk. Die Kostüme, Requisiten, Waffen sind aus den kunstgewerblichen Werl- statten von P. Hildebrand. Eintrittskarten a 60 Pf. sind in den bekannten Geschäften zu haben. SckillvV-GheÄtev (VV»Ni»er-TI>v»t«rj. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ein Wintermärchen. Abends 8 Uhr: Der Millionen- bauer. Montag, abends 8 Uhr: Maria Stuart._ Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Sonntag, den 21. März 1897: Emtl Thomas a. G. SST" Xnm 45. Male:'TMS Ein fideler Abend. Burleske dramatische Revue in einem Vorspiel und 3 Bilden: v. I. Freund und W. Mannstädt. Musik von Julius Einödshofer. Anfang V-8 Uhr. Morgen, Montag: Gr. Festvorstellung zu Ehren der Hundertjahr-Feier. Fest- Ouverwre und Huldigung. Hierauf zum 46. Male: Ein fibeler Abend. Dienstag und die folgenden Tage: Gin ftdeler Abend._ Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). Vorletzte Sonntags-Aufführung. Zun: 69. Male: „Frau Lieutenant.- Vaudeville in 3 Akt. v. P. Ferrier. Musik von S e r p e t t e. Morgen: Festvorstellung zur Feier des hündertjähr. Geburtstages Kaiser Wilhelm I. Jubel- Ouverwre von C. M. v. Weber. Prolog von W. Krause, gesprochen v. Elizzcr Nilaffon. Hierauf zum 70. Male: Frau Lieutenant. Oste»td-Theater. Gr. Frailkfilrterstr.132. Dir. E. Weift. Heute Nachm. 3 Uhr: Centenar- Vorfeier. Prolog. Darauf: Kaiser Wilhelm derGroße. Großes musikalisch- patriotisches Tongemälde von Eilen- bcrg. Dann:„Kurmärker u. Pikarde." ,.Ehassepot und Zündnadcl."„Nach 50 Jahren." Zum Schluß: Sang an Acgir, Dichtung und Komposition von Seiner Maj. Kaiser Wilhelm H, dargestellt vom gcsammte» Personal. Abends 7�/2 Uhr:„Zu hoch hin- aus!" Volksstück mit Gesang. Montag: Große Fest- Vorstellung. Prolog. Kaiser Wilhelm der Gr. von Eilenburg. Kurmärker und Pikarde. Chassepot und Zündnadel. Nach 56 Jahren. Sang an Acgir. Anfang 7i/, Uhr. IfPSTlia Tauben-Strasse U1(1111(1, Ko. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorn:, ab. Eintritt 5« Pf. Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. Jnvalidenstr. 57/62 Lehrter Stadtbahnhof. Täglich von 7l/z Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erperi- menten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. Beiiiner Aquarium Unter denUinden 08a (Eingang Schadowstr. 14.) Heute Sonntag Eintrittspreis IM" 50 Pfg. Reichhaltigste Sammlung der Welt an lebenden Seethieren, Reptilien etc._ Passage- Panoptieum. Mädchen aus Samoa. Castan's Panoptieum. Di« beiden indischen � die kleinsten Menschen der Welt! Damcn-Wettschwimmen. Pygmäen >ie kleinste» Friedrilh Wilhelmst. Theater. Nachmittags 4 Uhr: Der Trom- Peter von Säkkingen. Romantisches Schauspiel mit Gesang in drei Akten (7 Bildem) von Emil Hildebrand und Julius Keller.— Abends 8 Uhr: Liane, die zweite Frau. Charakter- genlälde in 5 Aufzügen nach dem gleich- namigen Marlitt'schcn Gartenlauben- Roman für die Bühne bearbeitet von H. W. Merlee. Montag, Dienstag: Zur Centenar- feier: Festprolog, gedichtet v. Konrad Byr, gesprochen von Lina Doppel. DM- Hierauf:"WL Der Kampf um den Niederwald. Vaterländisches Drama in 5 Akten von Konrad Byr. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellgebiihr an der Theater- kasse zu haben. Außerdem im In- validendank, Unter den Linden 24, bei Paul Romeick, Leipzigerstraße 6, und Julius Lengcnfcld, Markgrafenstr. 50. Alexilndervlah-Tjeattt. Nachm. 4 Uhr: Die sieben Raben. Großes Zaubermärchen in 7 Bildern von Bolten-Bäckers. DM*' Abends 8 Uhr und die folgenden Tage: Gastspiel des Frl. Stöcker-Goltz und des urkomischen Bendix. Die Tauzfrieda. Berliner Poffe mit Gesang in 3 Akten(4Bildern) von Heinrich Wilker. Billets sind ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- kasse zu habe». Vormittags II— 1 Uhr und abends von V2' Uhr an._ Volks-Theater 34, Rcichenberger- Strafte 34. Pferdebahnstation: Kottbuser Thor. 8ignor kittarello. Poffe mit Gesang in 6 Bildern von H. Willen nnd S. Haber. Musik von G. Michaelis. Die neuen Kouplets und Gesangstexte von R. Brodek, komp. von R. Thiele. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Feen-Pala�t, Direktion 4VinUIer dt Fröbel. Zur Centenar-Feier: Kr. M- Uorkellmg. Gieorxette Duvul mit ihrer l Damen-Schönheits-Gallerte. Die allbeliebten Duettisten SJIF" 0iil>u n. Walde, i Juda s Jagd-Abenteuer. Neue Bilder der sensationellen Tiebendcn Photograplilen. Anfang 71/2 Uhr. Sonntags 6Va Uhr. Entree 30 Pf. bis 1 Mark 50 Pf. llnhuhor«Urse. Sonntag, den 21. März 1897: 2 gr. Vorstellungen 2 Nachmittags 4 Uhr: (1 Kind unter 10 Jahren frei): lsekens, kt Mdlniidchen. Schwimmende Elefanten, schwimmende Pferde mit Reitern. Außerdem tntcrcffanteS und Wechsel- reiches Programm. Abends 7-/2 Uhr: Nach Sibirien. Gr. Festakt: Den Manen des groftc» Kaisers. Vortrag d. neuen Saiferliedes d. einen gr. Gesangschvr. Ferner die Glanznummern des Repertoirs. Morgen: Gala- Festvorstellung Festakt. Nach Sibirien. Circus Renz Karlstrasse. (Jubiläums-Saison 1896/97.) Sonntag, den 21. März 1897: 2 große Vorstellungen 2 Nachmittags 4 Uhr:(Ermäftigte Preise u. 1 Kind unter 10 Jahren frei.) Tjo Hi En mit dem beliebten Schcllenspiel. _ Abends 7-/z Uhr: DM— Aufführung der Novität:"�8 Durchschlagender Erfolg. Aus der Mappe eines Riesengtbirgs-Phliilillstell. Außerdem die hervorrag. Nummern des Repertoirs. Montag, den 22. März 1897: Anläftlich der Centenar-Feier! tüala-E'est- Vorstellung, arrangirt vom Direktor Fr. Kens, dargebracht vom gcsammtcn Damen- und Herren- Personal, unter Mit- Wirkung zweier Musik-Kapellcn. Ans der Mappe Apollo-Theater. Gr. Festvorstellung. Austreten dergtslilniiltkiiRiiilstltt des März- Programms und der Kinelograph W&V) Kasseneröfsnung 6 Uhr. Ans. 7'A Uhr. Oer Krieg auf Kreta Neuester Schlager von Slegvi-art Genthes in Raufmann's Variete als Sultan der Türkei. Goncordia Varräte-Theater Brunncnstr. 154. Täglich: Grosse Theater- und tiipczialltiiten-VorstellnnjE;. Das beste Programm d. Nordens. Neu! Tronpe Richardt(IHerr, 1 Dame, 1 Kind) Akrobaten. Reu! Kathi Richter, Tyrolienne. Neu I-ong and little Adolfi. Tanzduettisten. Neu! Ein geplagterDichter. Poffe. Anfang Wochentags 7»/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. �Imtaus��illet�aben�Gilti�� Konzerthaus Sanssouci, Kottbnser Strasse 4a. Heute, sowie jeden Sonntag und Donnerstag: Stettluer Sänger (Meysel. Pietro. Britto», Steidl, Krone. Röhl und Schräder). Anfang 7 Uhr. Enttee 50 Pf. Zum Schluß: Zum letzten Male: KonserTatorlum für Musike. Ensemble von Meysel. Morgen, Montag. 22. März 1897: V i k t o r r a- B r a n e r e i. Auf. 8 Uhr. Borverkaufbillets giltig. Abzar Varldtd-Theater 1. Ranges. Dresdenerstr. 52, 53 lCity-Paffage) Aniicustrafte 42/43. Geschwister Oottlieb. Prof. Roberts. Wendini. Anfang: Sonnt. 6 Uhr, Wochcnt. 8Uhr Freikarten in der Woche giltig. Entree 30 Pf. Die Direktion. Welt- Restaurant Varidtd-nndSpezlalltiiten- Theater. Dresdcnerstrafte 97 Berlin, vie's baut«ab krocht! Bilder ans dem Volksleben v. E l y. Der letzte Fang. Operette von Runge-Landwchr. Im vorderen Saal täglich: Throler-Konzert-Alois Eimer. Anfang: i Entree: Wochcnt. 8 Uhr. Wochentags 20 Pf. Sonntags 6 Uhr.| Sonntags 30 Pf Actien- Brauerei Friedrichsliain. Heute Sonntag: Fest- Konzert mit ausgewähltem Programm i.prächtig dckorirtcn«aale. Kapelle des 4.Garde- Regts. in Uniform. Dirig.R.�..Rsrgtsr. Eintritt 20 Pf. Programm unentg. Im Nebensaal: Familienkränzchen. Zum Ausschank gelangen die unter der nenen Direktion gebrauten Stete: Lager, Pilsener, Senator. �nonm Küttig! Knaben- Anzüge Bar sehen- Anzüge M äd chen-Mäntel Mädchen- Jacken Mädchen- Kleider WM" Riesige Aaswahl J. 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Genosse L e g i e», der Vorsitzende der Geuernlkoininisfion der Gewerkschaften Deutschlands, hat ein Buch herausgegeben unter dein Titel:„Der Streik der Hafenarbeiter und Seeleute in Hamburg-Altona. Darstellung der Ursachen und des Ver- lauss des Streiks. sowie der Arbeits- und Lohnverhällnisse der im Hafeuverkehr beschäftigten Arbeiter."(Preis 30 Pf.) Es ist dies unseres Wissens die dritte größere literarische Be- arbeitung, die durch de» Streik hervorgerusen worden ist. Zuerst kam, noch während des Streiks, eine von bürgerlicher, aber arbeiterfreundlicher Seite ausgehende recht gute Broschüre „Die Wahrheit über den Streik der Hafenarbeiter und Seeleute in Hamburg 1896/97". Daraus folgte eine im Februarhest des Archivs für„Soziale Gesetzgebung und Statistik" veröffentlichte Monographie des Professors T ö n n i e Z, die in ausgezeichneter und gründlicher Weise die wirthschaftlichen und sozialen Verhältnisse darstellt, die zum Ausbruch des Streiks geführt haben, den Verlauf des Lohn- kampses selbst aber nicht mehr umfaßt. Dazu kommt nun L e g i e n. Er schildert anschaulich die groß- artige Entwickelung des Hamburger Handels und Rhedereigeschäfts während der letzten Jahrzehnte und die immense Steigerung der in diesen Geschäfte» erzielten Profite. Dein wird gegenübergestellt die durch den Zollanschluß im Jahre 1889 erfolgte Berthenerung der Lebensmittel für de» Arbeiter und die Vertheucrung der Wohnungen durch das Niederreißen eines ganzen Stadttheils zu Zwecken der neuen Hafen- bauten. Der Verfasser giebl dann eine ausführliche Darstellung der Arbeitsverhältnisse und der Lebenslage der 15 am Streik betheiligt gewesenen Arbeiterkateaorien. un> sodann in einer Schilderung des großen vom 21. November bis zum 6. Februar währenden Lohnkampfes noch einmal das ganze Drama vor unser» Augen aufzurollen. Das Auseinanderplatzen der Ereignisse, das Hin- und Herwogen der Schlacht bis zur endlichen Niederlage ist gut und i» warine» Töne» geschildert, jedem Ar- beiter verständlich, in jedem Arbeiter den Grimm über das Ham- burger Protzenthum neu entfachend. Und doch hätten wir von Legier, mehr erwartet. Das, was er hier bietet, hätte er auch biete» können, wenn er nicht während der ganzen Dauer des Kampfes in der Streikleitung gestanden hätte, in die interne» Vorgänge nicht eingeiveiht wäre und von den Dingen nur so viel wüßte, wie die Tagespresse darüber berichtet hat. Legier, wäre in der Lage gewesen— wie außer ihm nur noch wenige Männer— eine aussührliche, quellenmäßige, kritische, der Legende uuzugäug- liche Geschichte deS Hamburger Streiks zuschreibe». Seine Darstellung dagegen scheint uns zu sehr aus den Ton gestimmt zu sein, der während deS Kampfes geboten war. Jehl könnte aber ohne Schaden ein mehr kritischer Standpunkt eingenommen werden. Es wäre für einen Mau», der»ritleri darin stand, doch sicher- lich so manches zu sagen gewesen über die bei dem großen Ausstand gewonneneii Erfahrungen, über die Organisirung des Streiks, etwa zu überwindende Hindernisse, über die einzelne» uirtev nommenen Schritte mit Erwägungen darüber, ob sie richtig oder falsch waren, übereilt oder verspätet erfolgten, hier etwas versäumt oder da etwas zu viel geschehen ist rc. In dieser Weise hätte» die Erfahrungen des Hamburger Streiks für die ganze Arbeiterbewegung nutzbar ge- macht werden können; es wäreu'Bausteine geliefert worden zu einer Gefcchtslehre für die wirthschaftlichen Kämpfe der Arbeiter. Freilich, daß es sich bei dem, was rvir hier im Auge haben, um eine sehr undankbare Aufgabe handelt, deren Lösung vielfach Anstoß erregen würde, daS soll auch nicht verkannt werde». Und auch so hat der Verfasser ja eine durchaus gute und empfehlenswerthe Schrift geliefert. Aus dem letzten Kapitel, das über- die Lehre» des Streiks handelt und in der Mahnung an die Ar- beiter gipfelt, sich zu organisiren, möchten wir die folgenden Sätze herausheben:„Man muß von denLenteu, rvelche durch die Unterstütznirg ihrer Klassengenossen bessere Arbeilsbedingunge» erreichen wollen, verlangen können, daß sie selbst erst für diesen Zweck etwas geopfert haben, ehe sie die Hilfe anderer in Anspruch nehmen... An stelle des mit Enthusiasmus und ungenügender Vorbereitung geführten Kampfes ist der orgauisirte Kampf zu setzen, dessen Ausbruch und Führung von Verstand und Berechnung geleitet wird." In einer etwa erforderlichen zweiten Auslage könnte vielleicht statt der Geschichte und der Abrechnung des Londoner Docker- streikS im Jahre 1889 mehr Material über den Hamburger Streik, wie Flugblätter, der Echriftrvechsel, etwaige Sitzuugs Protokolle, Zeitungsartikel(„Englische Braudstiftnngen") und der gleiche», als Anlage abgedruckt werde». Daß dann die bis dahin roohl vollendete Abrechnuug über de» Hamburger Streik und eine Darstellung der gegeurvärtig noch schwebende», vom Senat geleiteten Verhandlnngen über die Regulirung der Lohn« und lilrbeitsverhältnisse gegeben wird, ist wohl selbstverständlich.— Aber auch heute ist das Buch schon für alle, die eine von sachverständiger Seite geschriebene kurze Darstellung des Hamburger Streiks im Zufaniurenhange lesen wolle», und denen zugleich errvünscht ist, das wichtigste Material, die von den Streikenden aufgestellten Tarife rc., zur dauernde» Ans bewahrung zusammengestellt zu sehen, zur Anschaffung bestens zu empfehlen._ Mnkernelzmev�DerbÄttde. Ueber das Deutsche Kammgaril-Kartell berichtet das Wiener „Handelsmuseum:„Die deutsche» Wollkämmereien haben das Ab- komme» getroffen, für das laufende Jahr eine Erzeugungseinschränkung von 20 pCt. durchzuführen und für das Jahr 1898 die Kammzug anfcrtignng für eigeneRechnung auf eine» bestimmten kleinen Theil derGe- sammterzeugung herabzusetzen. Diese Abmachungen sind für das Kammwollgewerbe und de» Wollhandel von weittragender Bedeutung. Bekanntlich betrieben die Kämmereien früher ein reines Lohngeschäst und sind in dieser Form nicht allein selbst zu großer Blütde gelangt, sondern sie sind auch durch ihre Leistungssähigkeil der Entwicklung der deutschen Kammgarnspinnerei ein mächtiger Stützpunkt gewesen Durch die Einführung des Kamn,zug-Zei>handels wurden sie all- mählig vom alten Wege abgedrängt, und es entstanden für das Gewerbe selbst wie für den Wollhandel die in den letzte» Jahren von allen Seiten beklagten Zustände, denen nunmehr der Zusammen schlnß der Kämmereien ein Ende mache» soll: durch die Ruch kehr zum Lohngeschäft werde der Handel auf das wirksamste in seinen Interesse» geschützt, große Schäden des Kammzuglermines würden beseitigt, und das für die Kammgarnspinnerei so überaus wichtige thatsächliche Liesernngsgeschäft könne sich auf sicherer Grund- läge in nmsaffender Weise entwickeln." Bisher war nur bekann», daß die Produktiouseinschränknug zehn Prozent betragen solle, abgesehen von Elsaß-Lothringen, wo sie aus ein Sechstel festgesetzt war. Ein„Verband siiddentscher Eiseuhändler n»d verwandter Branchen" hat sich in Mainz konstiluirt. Er beziveckt die Förde- rung des Eisenhändlerstandes durch persönlickes Nähertreten und Meinungsaustausch unter den Kollegen, solidarische Unter ftützung bei Wahrung ihrer Interessen, Stellungnahme gegen den direkte» Verkauf der Fabrikanten an Konsumenten oder aus Umivegen durch Agenten, gegen Preisschleudereien der großen Waarenhäuser, gegeiK rmlantereii Wettbewerb. endlich gemeinsame Abwehr von Angriffen auf den Kaufmannsstand in, allgemeinen nnd die Branche im besonderen. Als Vorort wurde für die nächsten 2 Jahre Mainz gewählt. Zum Beitritt haben sich bis jetzt 170 Firmen gemeldet. Eine vom Zentralverband der nordböhmischen Wollindustriellen nach Reichenbach einberufene Konferenz der bedeutendsten nord- böhmische» Wollwaaren- Fabrikanten einigte sich über die Schaffung von Usancen für die Tuch- und Konfektionsstoffe-Jndustrie. Es wurde beschlossen, die Uuteruehmervereiue der übrigen Woll-j industrie-Zeutren um ihren Anschluß zu ersuchen. Soziale Ne�kspflege. Die Frage, ob ein Mord vorliege oder ein Eisenbahn- Unfall, war in dem Rechtsstreit, den die Hinterbliebenen des Eisenbahn- Arbeiters Ullrich gegen den Eisenbahn- Fiskus an- gestrengt halten, die Hauptsrage. Ullrich war am 14. Oktober 1895 abends 6 Uhr auf dem Bahnplauum todt aufgefunden worden. Man stellte an Verletzungen eine Kopfwunde und den Bruch seines Schädels fest. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, fand aber nichts, was irgendwie beweiskräftig für die Annahme eines Mordes gewesen wäre. Die Stelle, wo U. gefunden wurde, ließ nicht erkennen, daß dort ein Kampf stattgefunden habe. Die interbliebenen gingen nun den Fiskus um eine Unsallrente an. >er Fiskus wies sie indessen ab, indem er sich trotz des staats- anwalilichen Mißerfolges darauf versteifte. U. müsse unbedingt er- mordet sein. Das Schiedsgericht verurtheilte jedoch den Fiskus. Der Fiskus beruhigte sich aber immer noch nicht, sondern ergriff jetzt das Rechtsmittel des Rekurses gegen das schiedsgerichtliche Erkenntniß. Der Rekurs wurde mit der Begründung zurückgewiesen, für die Au- nähme eines Mordes fehle jeder Anhalt, während andererseits wenigstens die Wahrscheinlichkeit vorliege, daß U. durch einen Güterzug verletzt worden sei. Die ostpreußischc Aerztc-Revisioiiskommission, die sich den schönen Beinamen einer reisenden Rentenquetschkommission erworben hat, kam auf einer ihrer Inspektionsreisen auch zu dem Landwirth Brodda, der für eine Beinverletzung 20 pCt. der Vollrente bezog. Brodda wurde untersucht. Die Komniissio» bescheinigte dann in ihrer lakonischen Weise, die bereits beim Reichs-Versicherungsamt Unwillen erregt hat, daß B. nur 10 pCt. erwerbsunfähig sei. Schleunigst setzte die landwirthschaftliche Berufsgenossenschaft die Unsallrente aus 10 pCt herab und das Schiedsgericht bestätigte später diesen Bescheid. Auf seinen Rekurs billigte das Reichs-Versicherungsamt Brodda wieder 20 pCt. zu. Zur Begründung führte der Vorsitzende aus, daß die Feststellung der Aerztekommission nicht genüge, die Herabsetzung der Rente zu begründen. Dies vermöchten nur Fesb stellungeu einer wesentlichen B e s s e r u n g; das Attest der Kommission enthalte aber lediglich eine andere Schätzung ans grrniv des gleichen Gesundheitszustandes, der früher schon vor- handen war._ Gerichts �Ieitung. Ter Tchnuspielcr und Schriftsteller Gustav Kadclbnrg und der Architekt Maaß besitzen gemeinsam das Haus Brücken Allee 36, das zu dem Gebiet der ehemaligen Schöneberger Wiesen gehört, welches besonderen baupolizeilichen Beschränkungen unter liegt. In der Brücken- Allee iverden z. B. Mir Vorder- Häuser geduldet, die außer dem Erdgeschoß nicht mehr wie zivei Stockwerke haben. Außerdem bestimmt für sie die Polizei- Verordnung vom 27. April 1894, daß die Räume im Dachgeschoß der Vordergebäude zil dauerndem Aufenthalt der Menschen nur insofern benutzt werden dürfen, als dieselben Zubehörräume zu de» Wohnungen im Erdgeschoß und den in de» zwei Stockwerken darüber sind. Kadelburg und Maaß bewohnten in ihrem Hause Mansardenräume über dem 2. Stock. Hiergegen schritt die Polizei am 26. Februar ein, indem sie unter Androhung von je 100 M. Strafe die Räumung anordnete. Kadelburg und Maaß erhoben Klage, erzielten aber weder beim Bezirksausschuß noch beim Ober-Verwaltungsgericht ei» günstiges Erkenntniß. Der II. Senat des Ober-Verivallungsgerichts erklärte am 20. März dte erwähnte Polizeiverordnung für rechtsgiltig, weil sie aus sanitären Gründe» erlassen sei. Sie bezweck� den Zutritt der Thiergartcnluft in anders Stadttheile zu ermöglichen. Auch fei sie richtig angewandt worden. Gegen eine Greisin, die siebzigjährige Frau R. hatte der pensionirte Kriminal-Schutzmann Völker eine Privat-Beleidigungs- klage angestrengt, weil die alte Frau über ihn ein dummes Gerede verbreitet hatte. Die 149. Abtheilung des Amtsgerichts I ließ es nicht bei einer Geldstrafe bewenden, sondern erkannte gegen die Greisin auf drei Wochen Gesängniß! Der Hausdiener Mörke, welcher auf den Herbergswirth Wilhelm Kern in der Jüdenstr. 6 zu S p a n d a n am 25. Januar dieses Jahres einen Raubmordversuch unternommen hatte, ist gestern vom Schwurgericht am Landgericht II zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust, sowie zur Stellung unter Polizei-Anfsicht verurtheilt worden. Schrecklich! In Triebe! ist am 19. d. M. der Ritterguts- besitzet Heinke auf Schonksdorf vom Schöffengericht zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt worden, weil er den Schuhmacher Streit einen „Rothen" genannt hatte! Der Staatsanwalt Plaschke in Stettin ist an das Berliner Landgericht I versetzt worden. Plaschke kämpfte in Stettin vielfach gegen die Mächte des Umsturzes, soweit sie in den Schlingen der Strafgesetz- Paragraphen zu fangen waren. Mit welchem Erfolge, werde» die nächsten Wahlen lehre». Vevfsumnlunjgen. Die Mnsikiiistrilnienten- Arbeiter waren in einer Branchen- Versammlung des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes am Montag Abend in den Arminhallen zusammengekommen. Glocke, der das Referat hielt, forderte zum Anschluß an den Verband der Holzarbeiter auf. Ihm entgegen traten in der Diskussion einige Redner, die für den Lokal-Fachverei» plädirten. Eine gut besuchte Wandervrrsamnilnng des Vereins znr Wahrung der Jutcrcssen der Maurer Berlins und der Um- gegend tagte am 14. März in Friedrichsberg bei Spitzig. Kollege B l a u r o ck hielt einen Vortrag über die Vortheile der Lokalorgani- satio» gegenüber dem Zentralverband. An der Diskussion bethei- ligten sich die Kollegen Thomas, Knöpchen, Schacht, P f i st e r im Sinne des Referenten. Auch sympathisirten fast alle Anwesenden mit dem Standpunkte des Vortragenden. 10 Kollegen ließen sich einschreiben. Unter Vereinsangelegenheiten theilte der Kollege Laurisch mit, daß jede» Sonntag, vormittags von 10 bis 12 Uhr, bei Lange, Warlenbergstr. 61, Frühsprachen statlsiude», wozu jeder Maurer Zutritt hat. Tic Posameutiere hielten am 15. März im Englischen Hof ihre regelmäßige Versammlung ab. Kollege K o tz k e hielt einen beifällig anfgeuommenen Vortrag. Beschlossen wurde, der Firma Wiegan d in Kottbus durch den Arbeitsnachweis keine Kollegen mehr zuzuweisen, weil die Löhne dort zn niedrig sind. Die nächste Versaminlung fällt aus, dagegen soll am 3. Mai eine solche abgehalten werden. Ter Verband der Korbmacher beschäftigte sich am 15. d. M. mit der Situation in der Kugelkorbbranche, welche eine sehr heftige Debatte erzeugte, indein die Arbeitslöhne in de» einzelnen Werkstätten für die gleiche Arbeitszeit sehr verschieden sind. Gewählt wird schließlich eine Korn Mission, die in der Werkstatt von Schmidt u. Komp. die Löhne regeln soll. Zu Punkt 2 gab der Vorsitzende de» Ge- schäftsbericht des Verbandes für die Zeit vom Mai 1896 bis März 1897. Die Neuwahl des Vorstandes wurde auf die nächste Versammlung verschoben, welche am Montag, den 22. d. M., Oranienstr. 51, stattfindet. Bei den Ttaakern referirte am 15. März Genosse Faber über Zweck und Nutzen der Gewerkschaftsorganisation, wofür ihm reicher Beisall zu theil wurde. Durch die Annahme riner entsprechenden Resolution erklärten die Versammelten ihr Einverständniß mit dem Gehörte», und verpflichteten die im S t a a k e r beruf Thätigen zum Beilritt in die Organisation der S l a a k e r. Hierauf gab der Delegirte der Gewerkschaftskommission feinen Bericht, und legte daraus sein Mandat in die Hände seiner Wähler zurück. Ge- wählt wurde R i e k als Delegirter i» die Gewerkschaftskommission. Der Rest des Abends ivurde ausgefüllt durch lange breite Debatten über den„Vorwärts". Man fühlte sich beschwert über die Ab- lehnung eines„Aufrufs". Es wurde eine Kommission von drei Mitglieder» geivählt, welche die Sache weiter verfolgen soll. Die Marmor- nnd Granit-Arbcitcr hielten am Dienstag eine öffentliche Versammlung im Englischen Garten ab, in welcher Kollege G erstenberger an stelle des fehlende» Referenten referirte Beschlossen wurde gleich der Filiale I, für den Streikfonds 50 Pf. Marke» zu kleben. Der 3. Punkt: Einführung eines einheitlichen Tarifes für Marmorarbeiter, wurde als verfrüht zurückgestellt nnd aufgefordert, daß sich erst sämmtliche Marmor- und Granit-Arbeiter Berlins und Umgegend der Organisation anschließen müßten, ehe in dieser Sache etwas geschehen kann. Unter Verschiedenem theilt Wolff niit, daß die Streikfonds- Marken nächsten Sonntag vor- mittags 10 Uhr bei Glauer, Krausenstr. 18, in Empfang zu nehme» sind. Die Festsetzung einer Entschädigung für den Ver- trauensmann wurde gleichfalls vertagt. Die nächste öffentliche Ver- sammlung findet am 13. April im Englischen Garten statt. Die Plaü-Dcpntirten der Berliner Zimmerer beschäftigten sich am 17. d. M. mit den Arbeiten zur Zenlenarfeier. Einleitend bemerkt Fischer, daß unter den gegebenen Verhältnissen die Schuld, daß Ueberstunden und auch am letzten Sonntag gearbeitet wurden, weniger auf feiten der Arbeiter liege, als im allgemeinen angenommen werde. Die Mehrzahl derjenigen, welche sich weigerten Ueberstunden zu arbeile», wurde» einfach entlasse». Für die meisten sei dies in diesem Jahre die erste Arbeitsstelle und so habe die lange Arbeitslosigkeit sie wenig wider- standsfähig gemacht. Besonders sei aber das Verhalten der Zimmerer von Stiebitz und K ö p p ch e n zu tadeln, diese hätten am Sonn- tag unter Aussicht des Poliers Neumann die Arbeiten des Zimmermeisters Schlüpke, dessen Leute sich weigerten Sonntags- arbeit zu verrichten, fertig gestellt. Auch am Sonntag vorher ist aus dem Zinnnerplatz von Schlüpke, Franksurter Allee, ge» arbeitet worden, trotzdem sich in deniselben Hause ein Polizei- Revier befindet und der Zimmerplatz von dort zn übersehen sei. Die Beamten wurden deshalb von zwei Arbeitslosen daran erinnert, daß auch für Zinnnerleute Sonntags- ruhe existire, und nun erst wurde eingeschritten. Von den nach- folgenden Rednern Päseler. Ob st. Grabsdorf, Schleuder und anderen wurde in scharfe» Worten das Verhalte» der be- treffenden Arbeitgeber getadelt. Hierauf gab K u b e den Siluatious- berichl über die allgemeine Lage, abgesehen von den Arbeiten zur Zenlenarfeier werde überall die 9stündige Arbeitszeit eingehalten und nur in wenigen Fälle» der Minimallohn nicht gezahlt. Bei einigen Arbeilgebern, wo die Arbeiter keinen Widerstand leisteten, sei es in letzter Zeit zu Abzügen gekommen. Besonders gefährlich gestaltet sich die Konkurrenz aus de» Vororten. So werden große königliche Arbeiten von Arbeitgebern aus Potsdam, Groß- Lichterfelde, Bernau u. s. w. ausgeführt, die alsdann auch hier für die dort üblichen Löhne(35—45 Ps.) fertig- gestellt würde». Um ein genaues Bild, von der allgemeinen Lage zn bekommen, ivurde beschlossen, in nächster Zeit eine umfang- reiche Kontrolle vorzunehmen und das Material statistisch zu ver- werthe». Im Verschiedenen wurde zu den Tiesbau-Arbeiten Stellung genommen; bei denselben ist bis jetzt noch eine zehnstündige Arbeits- zeit üblich. Nach eingehender Diskussion ivurde beschlossen, in diesem Jahre den Versuch zu machen, auch für diese Arbeiterkategorie den Neunstundentag einzuführen. Britz. In der am vergangenen Montag stattgefniidenen Ver- sanimlnng des„Volksbildungs-Vereius für Britz und Umgegend". welche ausnahiusweise gut besucht war, hielt Genosse W. Eberharb t einen Vortrag über„die Freimaurerei, ihre Geschichte, Thätiglcil und innere Einrichtung". An der darauf folgenden Diskussion be- theiligten sich mehrere Genossen. Die nächste Versammlung findet am 29. März, abends Vs9 Uhr, im Lokale von Dorn, Bürger- Straße 4, statt. Albeiter- Kildongsschul«. Tomilag, vormittags von>oX— 12 Uhr, ab- wechselnd FoitschrtilStursuS in Naiionalölonomie und Redeübung im Lokal der Nordschule. Brunnenstr. 25. Monlag Abend lein Unterricht. Di« L«sel,aUr d«r Arbritrr-Dildüngolchitl«, Brunnenstr. 2«, ist Wochen- tag« von s— 9 Uhr, Sonnlags von«-o Uhr, unentgeltlich für jedermann geöffnet: die c ll e der Schute N., Vrunnenstrahe 26, dte den Vereins- vorständen zur Vermitlelung von Vorträgen wissenschafrltchen Charakter? zur Verfügung steht, ist cb.»falls von«— s Uhr nachmittags geöffnet. x«»- lind Disilntillltnbo. Polnischer Dtskutirklub JaroSlaw D o»> d r o>v S l r> in 8i> x d o r f lagt jeden Sonnlag»ach dem lö. des Monats nochmiltags 6 Uhr bei Pretzier, Zicthensir. es. ztlont»«: Karl Marx, bei Grnde, Mariendorferstr. 6.— M org enr ö th e, abends o Uhr bei Trittelwitz, Falkensteinstr. 7.— Sozialdemokratischer Lese- und TiSkutir- llub für den Stadtvczirl>76: Versammlung jeden 2. und 4. Monlag im Monat, abends s Uhr, bei Buchmann, Eubenerstr. ls». Leopold Jaloby, Blnmenstratzc si a bei Jonas, jeden Montag nach dem>. und 15. im Monat.— Nordlaute, Wiese»»r. 27 bei Bolz. Arb-itr»- Kä»vl»b»„d tjirrli»« ,l»d zu»>g»g«»d. I. Vorsitzender Ad. Sieuinann, Pasewalkerslr. 3. Alle Aendcrungen im Vereinslalendcr sind zu richten an Friedrich Kortnm, Manteusselslr. 4», v. 2 Tr. Montag, abends v— Ii, UcbungSftunde und Aufnahme»euer Miigliedcr.— D o r f- gl Set lein. Deutsch-Wilmersdorf, Berlincrstr. 40 Slingenberg's VolkSgarten.— Zu t u n f I l, Steglitz, Ahornstr. lo.— Vorwärts IX. llharlottenburg, WilmerSdorserstr. as,„Bismarckhöhe�.— Harmonie 2, Weinslr. il, Restaurant Feind.— Edelweitz IV, Ruinmelsburg, Kant- u. Goethestratzen- Ecke bei iviertens.— Tonblüth«, Zeughofslr. 8, Restaurant Behlcndors.— Süd-Ost, Curryslratze 25 bei W. Erbe.— Li e d öS s r e ihet t II, Strautzberg, Wilhelmstratze bei Piagnus.— Frey« II igem. Chor), Urbansir. 61 bei Wulle.— Apollo, Charlottenburg, Krummestr. 33 bei Müller.— P h t l o m e l e lgein. Chor), Chaussecftr. 72 bei Mettzner.— Solidarität, Schützcnstr. 29, Mielhkc's iiiestaurant.— W a l» e s l u st, Görlitzerstr. es bei Zugmantel.— I e l s e n v u r g, Kraulstratze 6 bei Böttcher.— Metallweber, Weinstr. 28 bei Spät.— Rixdorfer Liederkranz, Rixdors, Prinz Handjerysir. ss/«7 bei Maresch. Knud der gesellig«,, Arbeitervereine Kerli»» ,»>d zlingegend. (Alle Zufchriflen, den Bund der gesellige» Arbeitervereine belrefsend, sind zu richle» au P. Gent. Tresdenerstratze>07.8.— Sountag: Geselliger Verein Jngwelde, Tanzigerstrabe n bei Schloßnieß. nachm. 4—7 Uhr.— Montag: Geselliger Verein Voran. Pappel- Allee 19 bei Bischoff.— Geselliger Verein Liberle, Admiralstr. isc. Marlischer Hof. Arbeiter- l!o»cherb»nd Keriino»nd Zlmgegend. Aenbernngen in» Vereinslalender sind zn richten a» Hermann Brannfchiveig, Dresdenerstr. so, 2. Hof.- Montag, abends von 9— II Uhr: Klub.Abend und Ausnahme»euer Mitglieder. — Mexttaner, Elbingerstr. 15 bei Tames.— Brüderllchkeit, Pücilerstr. 4» bei Schuhmacher. A b g u tz II. Webcrstr. 10 bei Schulze.— F r c u» d s ch a f l- P v r w ä r t s, Chorinerstr. 54 bei Klcnnert. »Zesang-, Turn- n»b gesciiige&>erri»». Sonntag: Prival-Thealerverei» Crescendo, nachmittags e Uhr, Liniensir. 7». Gesellige Zusammenlunsl.- Dramatischer Klub Liebe sglück, nachm. 5 Uhr, Sremmen-rstr. i.— Per» anügnngsverei» Jngwelde. nachmittags S Uhr, Tunclerfir. 90 bei Schul;.. Dhealervcrein Vorwärts ts, nachm. 4 Uhr, Gr. Frankfurterftr. 42 bei Jonas.— Montag: Berliner Damenchor im Hotel„Zenlralhalle",»n der Stadt- bahn 40, i Tr., Eac der Rochstratze. VergnügnngSverein Bava rta, Dnull'.r, stratze uo bei Schulz.— Damengefangchor Harmonie, Rofenthalerftr. 5? ver Babiel. Arbeitcr-Tulncrbnnd. Sonntag: Turnverein Fichte, Lichtenberg, Jeden Sonntag vo» 3 Uhr an vottslhnmliches Turnen, Weitzenfeeer Weg bei Asche. Montag: Turnverein Fichte, Berlin. Abends von 8-10 Ubr: 7. Männerabtheilung, Reichenbergerstraßs ist. 2. Damcnabtheilung, Arlerstr. 67. iloamo». Perein für t>olltstI>»»>Uche Wistenschaft. Dienstag, den 23 März, avendS Z9 Uhr, bei Hensel, Brunnenstr. 178: Vorlrag dcs Dr.Wiczwiansli über Nerventranlheiten. Diskussio». Gäste willlommen. Moabiter Paturlicitverel», Heule, abcuds 7 Uhr, im Moabiter Markt: hallen-Reslauranr: Vortrag„Ein Biicr i» das Innere des Menschen". Referent! Herr Grundmann. Nachdem: Gesellige Unteihailung. tu, ein deutscher Schuhmacher. Monlag, den 22. d. Mts., abends»X llhr, Zahlstelle I bei Feindr, Weinstr. Ii! Zahlstelle 2 bei Lange, Dragonerstr. i»: Zahlstelle s bei Cohn, Beurhstr. 20; Zahtstclle 4 bei Noll, Analbertslr. 21. jjokalverein der Konditoren. Heule, nachmittags t Uhr, bei Babiel, Rosenlhalerstr. 57! Versammlung, l. Vortrag über Marx und Rönlgc», zwei Kämpfer gegen die Finstrrnitz. 2. n-mräge zum VcrbandSlage. Theater- nnd N»rg»iigung>�!�.e>» ,.blr»»iisa»r« Heute, abends 6 Uhr, bei Sauermann, Adalderlstr. 8; G-�üichaftSavenb. Samariterliur)»» für Arbrltc» und Arbeit«»»»»»», Montag, den 22. März, avendS s; Uhr, i» Cohu'S Fsstsäien, Beulhstratze 20: Vortrug des Herr» Dr. Friedebcrg»der; Krauls npflege. Nachher: Praltische Uebunge». s. LVaszlkveis. Tonntag. den 81. Mär» 18V7. abends«V- Uhr, bei Z ab eil, Linden-Strahe 106: OeZPenkl. VorfAMMlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen<-». Wagner über:„Die heiligsten Güter des Deutschen". Siachdem: Geselliges Beisammensein.— Eintritt 10 Pf. 211/7 Um regen Besuch ersucht Die Vertraucnsperson Wahlverein des III. Kreises. Mittwoch, den 81. März, abends«>/- Uhr. im Avsspalast, Alexandrtuenstr. 110:_ iPST Versammlung."Wg Tages-Ordnnng: 1. Bortrag des Stadtverordneten Genossen Tupont. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 210/13 Gäste willkominen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zu regem Besuch ladet ein Hei» Vorstand,_ SonaldemoKraMer verein fiit den 5. Berliner Reichstags- MablKreis. Hoanerstair, den 83. Ifiirz. abends« l'hr, bei Baske, Orcnadierstr. 33: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Dr. W e y l: Ernähnmgsfragen in ihrer Bedeutung für das Proletariat. 2. Diskusston. 3. Vereinsangelegenhetten und Verschiedenes. Den Mitgliedern zur Kenntnis;, daß die eine Zahlstelle von der Landsbergerstr. nach der Landwehrstr. 11 bei Merlins verlegt worden ist. 213/7 Der Borstand. Sozialdemokrat. Verein„Vorwärts" Berlin. Dienstag, den 23. März, abends S'/a Uhr, im„Viktoria- Salon", Perlebergerstraße Nr. IS: M Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnnng: 1.„Die Eroberung des Nordpols". Referent: Herr Br. C. JoSL 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenhetten und Verschiedenes. Gäste haben Zuttttt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zahl- reichen Besuch, besonders der Genossen Moabits, erwartet 274/16 Her Vorstand. Oeffentliche Versammlung Für Männer und Frauen. Tonntag, bot.21. März, abends 6l/3 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27o, 1 Treppe: 1020b Bortrag der Krau M e s ch über„Die Bedeutung der Arbciterfeste". _ Der Einberufer. Montag, den 88. März, abends 8 Uhr: LtWlilhe VliW-Vechmiilltlilg im Enellseben Garten, Alexanderstr. 87c: Tages-Ordnung: Der 18. und der 22. März. Arbeiter Berlins! Beweist durch zahlreiche Betheiligung Eure Kestesfreude! Der Einbcrnfer:.Albert Weiducr. 10306 A�kunql JsttztzVevvin Nchiung! der Bilderrahmenmacher. Heute, Sonntag, in den Arminhallen, Kommandantenstrasse 80: IV. Stöttungstest. Van., Festrede, Gesangs- u. hnmoristisohe Vortrüge. DM- Anfang nachmittags 4 Uhr.-WW Eintrittskarten k 50 und 30 Pf. sind bei den Vorstandsmitgliedern, sowie auch an der Kasse zu haben.— Um zahlreiche Bcthetltgung der Kollegen und Genossen ersucht_ Der»Borstand. Montag, 22. März, avendS SV, Uhr, bei Stramin, Ritterstraße 121: Veveins�Vevsttananlarng. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Kollegen dringend erforderlich.__[H/l]_ Der Vorstand. Mttwfl! Bmrbelter. Mm! Große öffentl. Mtmmliiiig derBMrbeiter Berlins«. am Dienstag, den 83. März, abends 8 Uhr, in Feaerstein's Festsülcn(Parterre-Saal), Alte Jakobstr. 73. Tages-Ordnung: ' 1. Bericht der Lohnkommtssion und Abrechnung derselben. 2. Bericht der Kongreßdelegirten. 3. Wahl eines Vertrauensmannes. 4. Wahl eines Deleairten zur Gewerkschaftskommilston. lOOlb Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist zahlreiches Erscheinen erwünscht, desgleichen eine rege Agitation für die Versammlung. Die Lohnkommtssion. I. A.: Carl D e r e d d e r Achtung, Buchbinder etc.! Montag, den#2. Mftra, findet für diejenigen Kollegen und Kolleginnen, welche gezwungen sind zu feiern, ein 185/14 MW" Ausflug statt. Treffpunkt: Nachmittags l Uhr im Restaurani Grosse, Annenstr. 1«. Die Bethetligung sämmtlicher Feiernden ist dringend erforderlich. gö/lg_ Die Bertranenspersonen sämmtlicher Branchen. Achtung! Ächtung! Grosse öffentliche Versammlung (i.Herren-Konfektionssehneideru.Sehneiderinnen am Montag, den 88. März 1807, abendS 8'/- Uhr. im Saale des Herrn Hensel. Jnvalidenstr. 1a, Ecke«runnenstr. Tages-Ordnung: 1. Welche Stellung nimmt die Frau in der Herren-Konfektion ein? 2. Dtskussion. 3. Verschiedenes.— Die Kollegen, sowie deren Frauen, werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der«inbernfer. IQaOb_________ Willlg! Wiaurer- Wnilg! Dienstag, 23. März, abends 8% Uhr, bei Herrn Cohn, Benthstr. 20—22: Grosse öffentliche Maurer-Versammlung. DrttWer DchMkiter- Verband. Branche Pare|netbodenleger. Montag, den 82. März, abends 8 Uhr, bei Znbeil, Lindenstr. Ivb: WW- Mersammlunq,"WU Tages-Ordnung: 87/19 I. Vortrag des Kollegen R. Millarg über:„Die Hygiene im Bau- gewerbe". 2. Diskusston. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die IlommissZon. Bildungsverein„Mehr Licht" Sonntag. 21. Miir«, abds. O1/., L'hr, Alexanderstr. 27c: Mr Vorsoltninluttg."WZ Vorttag des Genossen Manered Vrittlg aus Leipzig Über:„Ada Negri, die Dichterin des italienischen Proletariats."— Darauf: 66/8 Geselliges Beisammensein und Tanz. Gäste willkommen. DW- Sonnabend. 87. März, findet der I. Mashcnball des Vereins in den»Arminhallen, Komiuandantcnslr. 20, statt. Billets ä 50 Ps. sind bei den Komttee- und Vorstandsmitgliedern zu haben, und werden die Freunde und Gönner des Vereins hiermit freundlichst eingeladen._ Fachverein der Tapezirer Berlins II. Dienstag, den 83.»März, abends 8V, Uhr, in Stnbernack's Vereinshans, Jnsclstrafte 10 t Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn I>r. Oppcnhelmer über: Die Siedlungsgenossenschaft. 2. Diskussion. 3. Gewerlschaftltches. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. 179/11 XL. Am Sonntag, den 18. April(1. Osterfeiertag) findet inBrochnow's Salon, Sebastianstr. 37: Gesellige Abendnntcrhaltnng verbunden mit Konzert, Theater, Vorträgen und Gesanganssityrungen vom Gesangverein Liedcrlust(M. d. A.-S.-B) und großem Tanz statt. 179.11_ Der Borftand. Maler and Berufsgenossen! Donnerstag, den 25. März, abends 8 Uhr, in den„Armin- Hallen", Kommandantenstr. 20: Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des VerttauenSmanncs und der Revisoren. 2. Neuwahl derselben. 3. Bericht des Delegirten aus der Gcwerkschasts-Kommisston. 4. Vorttag des Genossen Wagner über„Uniere fernere Taktik mit bczug aus den Hamburger Hafenarbeiter-Streik." 5. Diskussion. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 11er Vertranensniann. 126/1_ L. Jakobeit. jetzt Friedrichsberg, Gürtelstr. 32, Q. �ii�em. �rkiter- u. Arbeiterinnen-Verein Berlins and Umgegend. Montag, den 88.»März, abends 8Vz Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 87e: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vorttag des Genossm Massatsch. 2. Diskussion. 3. Veretnssachen." 18/17 Kollegen und Kolleginnen, da die letzte Versammlung sehr schwach besucht war, ersuchen wir Euch im Interesse der Sache diesmal zahlreich zu erscheinen. Gäste haben Zuttttt. Der Vorstand. Charlottenburger Gewerkschafts-Äommisfion. Dienstag, den 23. März, abends 8'/, Uhr, im Lokale des Herrn A. Leder, Bismarck-Slrahe 74: Oeffentliche Versammlung der Delegirten. Tagesordnung: 1. Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl des Vertrauensmannes. 3. Regelung des öffentlichen Bersamnilungswescns inr Orte. 4. Stellung- nähme zur diesjährigen Maifeier. 5. Gewerkschaftliches. 203/17__ I. A.: Otto Flemming. SchlÜterstr. 71. Verein deutsolier Schuhmacher. Verinntmlungetr Mp- am jflontag, den 22. d. Ifts., abends 8'/- Uhr."VS Zahlstelle. I bei Feind, Weinstr. 11: Vorttag des Genossen M. Wtttich ans Leipzig. Zahlstelle II bei Uange, Dragonerstr. 15: Vorttag des Gen. Stramm. Zahlstelle III bei Uohn, Benthstr. 20: Vorttag. Zahlstelle IV bei Boll, Adalbertstr. 21. Um zahlreiche Betheiligung bitten 18/514 Die Bevollmächtigtein Achtung! Stnckatenre! ,7-/11 Montags den 88. März, abends 8 Uhr. bei Bnske, Grenadierstr. 33, kachvcnsins-Vcnssnimlung. Tagesordnung: 1. Besprechung innerer Bercinsangelcaenheiten. 2. Ge- werkschaftlichcs. Um zahlreiches Ericheinen crnicht_ Der»Vorstand. I n e r! C|3 na■ b 10286 Fhcnialige Mitglieder des Fachvereins der Klempner. Dienstag, den 23.»März, abends 8»/, Uhr, bei Stramm, Ritterstr. 123: P3r Versammlung."WD Tagesordnung: Bericht der Komniisston. I.A.: Winter. ZMal-Nndaiiii der Naubels-, TriBpott- md Nnstehrsardrittr kjeuNchlands. Vervaltnngsstelle Berlin. DM- Heute, Sonntag, den 81.»März 1807:"ME Gvokes Fntnilien� ästest in„Cohn's Fostslllen", Benthstr. 20, I. BillerS für Herren I»0 Pfg-, Damen 30 Pfg. Anfang nachoi. S Uhr. Ende??? Billets sind in allen unseren Zahlstellen zu haben 67/5 Bureau und Arbeitsnachweis Hetligegeiststr. 15, pt. Etablissement SUd-Ost, Waldemarstr. 75. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Ferner cmpfchlc meine Säle zu Versammlungen und Verctnsfestlichkeiten unentgeltlich. Mehrere Sonnabende sind noch zu vergeben vom 15. Mai bis 15. August, auch Sonntage. 1079C* Sonnabend, 1. Mais noch zu vergeben Hermann Brttder. Märkisclier Hot, Admlrnlstr. I8c. Jeden Sonntag im prachtvollen Spicgelsaal: jWF Grosser Festball. Anfang 4 Uhr� Ende 2 Uhr. Gr. Orchestermusik. Die beiden Säle sind Sonnabends u. Sonntags an Vereine zu Bällen, Hochzeiten u. Versammlungen zu vergeben. Gr. Bercinözimnier. Die Restaurattonsräume stehen den geehrten Familten Sonntags zur Verfügung. AchtW! Berme! Achtung! Englischer Garten. Alexanderstr. 27 c. 11668* Sonnabend, 24. April, Sonnabend, 1. Mai, Sonntag, 2.»Mai, Tagesordnung: 1. Die Einwirkung der Akkordarbeit durch Bausperren unsere Forderungen auf unsere Lohnbewegung. 2. Wie ist es möglich, zur"Durchführung zu bringen? 4. Gewerkschaftliches. Die Kollegen, welche augenblt-klich»Maurerarbetten in Akkord ausführen, sind hierzu ganz besonders eingeladen. Um regen Besuch ersucht n c* Die Lohlikommlstion. Zk Ziilr frei.« Zciimieiiel's Zeft- Zille »Alte Jakobstr. 38. n. Eenttalrheater. Vereinen u.»Privatgesellschaften halte meine cleg. Säte besten-.» empfohlen. »Auch sind noch einige Sonnabende»nd Sonntage srci. Ww. E. Schmiedel. Verein freie Volksbühne. Die Aufnahme von Mitgliedern für die I. Abtheilung findet in den Zahlstellen, welche wir gestern an dieser Stelle veröffent- lichten, gegen Hinterlegung eines Pfennig(nicht 50 Pf., wie es im gestrigen Inserat irrthümlich hieb) bettagenden Eintrittsgeldes statt. Der Monatsbeittag beträgt gleichfalls 00 Pf. Die Zahlstelle von Paul Nikolas befindet sich Berlin Sit)., Skalitzerstr. 107, im Zigarrenladen. irbeiter Berlins! Werbet Mitglieder für die Freie Volksbühne! Der Vorstand. 230/11 Typographia Gesangverein Berliner Bnchdrncker n. Schriftglesser (Dirigent:"W. B ö 1 k ej Sonntag, den 4. April 1897, in der Brauerei Friedrichshain(Lips)s Uolkslieder Abend unter gütiger Mitwirkung deS Herrn Albrecht I.ölTIer(Violoncello- Virtuose), Max Frühnert(Klavier-Virtuose), und des Kollegen Bich. Fape(Bartton). 10476—— Anfang präzise OVi Uhr.—— Entree im Borverkauf 30 Pf., an der Kasse 50 Pf., Kinder 15 Pf. Vorberkauf-»BiUets sind auf der Berwaltung des»Vereins»Berliner Buchdrucker und Schriftgiester,»Ritterstt. 88, II, in der»Musikalien- Handlung von Richard Kann, Grüner Weg 17, im Sehersaal des ,,»Vorwärts", bei Herrn Netterman», Bandelstr. 45, bei Herrn Siewert, Gräfeslr. 69/70, Freitags im UebnngSlokal des Vereins(llohn's Festsäle), sowie in allen mit Plakaten belegten»BerkanfSstellen zu haben. Nach dem Konzert: ES elf Im Serren, welche daran theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Das Rauchen vor und während des Konzerts sowie das Re- serviren der»Plätze ist nicht gestattet. Her Vorstand. Achtiing! Parteigenossen! Willig! Sonntag, den 88. März, im EöSttner Hof, Eöslinerstraf?e 8: Gr. Matinee zum Besten des seit 2 Jahren kranken»Parteigenossen M. Slkorskl veranstaltet vom Gesangverein Maiglöckchen I. JSU- Anfang mittags 18 Uhr."Wg a 20 Pf. sind bei allen bekannten Parteigenossen zu haben. Programme Um rege Betheiligung ersucht Idas Comltee. Rixdorf. Viktoria-Säle. Rixdorf. Hermannstrasse\T o. 40. Sonntag, den 21. März 1897a Theater-Abend des Berliner Boltsbiihnen- Ensembles(Leitung Jallns Türk) veranstaltet vom Deutschen Holzurbeiter-Berband(Filiale Rixdorf). Der Reinertrag ist für die Opfer des vorjährigen Stteiks bestimmt, Zur Aufführung gelangt: Nora. Schauspiel i n 3 Akten von Henrik Ibsen, »Nach der Vorstellung: Grofter Ball. Herren, die am Tanz theilnehmen, zahlen 30 Ps. nach. Anfang des Konzerts 6 Uhr. Anfang der Vorstellung 7 Ubr. ■jmr» Programm 50 Pf. leg Billets sind bemi Vorstand, sowie in allen Zahlstellen der Filiale zu haben._ 87/15_ Der Borstand. Schweizer-Garten Am«önigsthor.- Haltestelle d. Ringbahn.- Am Friedrichshain. .Jeden Dali Anfang 4 Uhr. Enttee inkl. Tanz und Sonntag: Drtll. Garderobe Herren 1»Mark, Damen 50 Pfennig. Bekanntmachuug: Zin April unb Mai sind Arten und Saal an Bereine n. s. w. waihentags nnentgeltlilh zn vergehen. Oentenar-keier Dienflttg. den 23. März, abends 9 Uhr: fest-Concert im Gircus Benz unter Mitwirkung bcöFrk'schen Männcr-Gcsangverclns gCh. Hnnptstcin), der Kammcrsilngcrln FrKuIcln elnl, des KOnigl. Kammersängers Herrn Pnnl Bulss. der Berliner Itiedcrtafcl(A. Zander), des Httngerbnniles des Berliner Uehrerverelns(Professor Felix(üchmldt) nnd dos Kcncn Berliner (Sinfonie- Orchesters. Preise der Plätze: Logensitz 20 M., Parquet- und Tribiineiisitz 10 M., Balkon 5 M., Zweiter Platz 3 M., Dritter Platz(Stehplatz) 2 M. Billet-Vorverkauf findet von Donnerstag, den 18. März, ab täglich an der von der Karlstrahe aus links belegenen Kasse des Cireus Renz von II Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags statt. Am Sonntag, den 21. März, von 1—2 Uhr. Das Görnitz für die Gentenarfeier. Max Mörschers Salon, Schönhauser Aller 88. Saal zu Versammlungen und Fest- lickkeiten. Einige Sonnabende im Februar und März noch frei. 982L* Jeden Sonntag Tanx. Empfehle auch Sonntags meine Fest-Säle an Bereine, zu Privat-Festlichkeiten. 9952» B. Vleft, Weberstr. 17. Schmargendorf „Sanssouci" Rnhlnerstr. 20. A. Mallts. Vereinen und Gesellschaften bestens cmpsohlen.» Jeden Sonntag: Grosser Ball. Gtesdlseliaftsliaira Swinemiindcrstr.48(alte Nr. 35) jedeu Sonntag: M«. Theatn-MstcllW. Empfehle meine Säle(250 u. 700 Personen fassend) sowie Vereiiiszimuier zu Festlichkeiten und Berfammluiigen. BNbner. Yereinszimmer Berndts WQrstelsiube Vo. 7. Molhcnmarkt Vo. 7. Empf. uiciit VereinSziulnier m. Piano. ZÜ»-»UM zm Olga Jacobson, Jnvalidcustr. 115, Warnung! Bei Beginn der FrühjahrS-Saiion ist eS wiederum nöthig, das geehrte Publikum daraus aufmerksam zu machen, sich nicht durch marktschreierische ReName bekannter Herren- und Knaben-Garderoben-Geschäfte irre sichren zu lassen. Trotz des„Gesetzes wider den m, lauteren Wettbewerb- liest man doch in allen Stadtgegenden, besonders aber im„Südosten" nach wie vor Ankündigungen von„Ausverkaufen", die den Anschein erwecken sollen, als würde die Waare fast verschenkt. Jedoch ist es eine feststehende Thatsache, daß diese Anzeigen der sogenannten„M assen-Aus verkaufe wegen Aufgabe des Geschäftes rc," nur auf Täuschung des Publikums berechnet sind und lediglich den Zweck ver- folgen,„unter allen Umständen" Käufer auzulocken. Und leider finden sich auch immer wieder— tjeute, die auf derartige schwindelhaftc Anpreisungen hineinfallen, uoi allerdings nach kurzer Zeit die trübe Erfahrung zu machen, daß sie die nur aus Ramfchwaare bestehenden Gegenstände niit dem so„fabelhaft billig" erscheinenden Schleuderpreis noch viel zu theucr bezahlt haben. Wer sich aber vor Schaden hüten will und auf wirklich reelle Bedienung Anspruch macht, meide solche Reklame- und AuSverkauf-Geschäfte und besorge seine Einkäufe bei soliden Ainnen; die Preise sind auch hier im eigenen Interesse so billig wie iwr irgend möglich gestellt. Gestützt auf den langjährigen guten Ruf meines Hauses,— eine Folge der gewissenhaften Bedienung meiner weitverbreiteten Kundichaft— darf auch ich getrost mein Geschäft zu den bestrenommirtesten der Herren- und Knaben-Garderoben-Branche am hiesigen Platze zählen. Die Besichtigung meines r e i ch s o r t i r t e n Lagers in fertigen Anzügen, Paletots, Mänteln zc. ist auch Nichtkäufern gern gestattet und besonders jetzt nach Eingang der Neuheiten für die Frühjahrs- und Sommersaison sehr zu empfehlen. Einige der recht geschmackvollen Muster sind in meinen ü grnßen Schaufenstern ausgestellt. Die Preise sind streng fest, an jedem Gegenstand deutlich in Zahlen vernierkt und in anbetracht der vorzüglichen Qualität der Stoffe und besseren Ausführung billiger als wie sie die sogenannten Reklameaeschätte zu bieten im stände sind. Anfertigungen nach Maaß werden in eigener Werkstatt und in kürzester Zeit, wenn nöthig schon innerhalb 12 Stunden ausgeführt; für tadellosen Sitz der Kleidungsstücke leiste ich Garantie. Zwecks nngenirter Anprobe sind Ankleide-Kabinets vorhanden. Ich habe das Bewußtsein, auch den verwöhntesten Ansprüchen in jeder Weise genügen zu ckönnen und richte daher cm das geehrte Publikum das Ersuchen, bevor es seinen Bedarf anderweitig deckt, sich von der Wahrheit»lciner Offerte zu überzeugen. Carl Zobel, MMN- UttD KmbkN-ModkN. 80- K!ÄkÄ."""— Telephon. ine weitere Garantie für die enorme Billigkeit meiner Preise ist das Bestreben der bei mir kaufenden Damen, mich ihren Bekanntenkreisen weiter zn empfehlen. Der von vielen Seite» an mich gerichtete Wunsch, in die hiesigen Lehrer- und Beamten- Vereine einzutreten, kann nicht erfüllt werden. Meine Original'VerkanfsPreise verbieten selbst den kleinsten Rabatt. lileUlwatokTe in nur modernen und geivählten Farbcntönen. Lodenstosfe, gezwirnt....... doppeltvreit Meter 50 Pf. Cheviot, reine Wolle....... doppeltbreit Cnglische Fantasiestosfr, reine Wolle, doppeltbreit Sllpacca, modernes Frübjahrskleid.. doppcltbreit Indischer Cachemire, IM om, breit, reine Wolle.. 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Das Knie wurde stets, so daß er an der Ausübung seines Berufes verhindert war. Nach vielen vergeblichen Kuren versuchte er es mit meinen Bädern. Durch 16 derselben war sein Leiden geheilt. Herr F. Höhle. Fabrikbesitzer, Berlin, Wasserthorstr. 3, litt längere Zeit an Gicht und Podagra. Nach Gebrauch von 25 moiner Loh-Tannin-Bäder war er vollständig geheilt. . Herr Kaufmann Maier, Berlin, Badstr. 21. litt seit einigen Monaten an Rheumatismus. 16 meiner Loh-Dannin-Bäder führten. eine Beseitigung der Schmerzen und Geschwulst herbei, welche dauernd fortblieben._ Seit mehreren Jahren hatte Herr A. Ockler, Lientenant a. D., Potsdam, Alexandrowka 5, an heftiger Ischias gelitten; nachdem sich Badereisen nach verschiedenen bekannten Kurorten als zwecklos gezeigt hatten, ist genannter Herr nach Benutzung von 16 meiner Loh-Dannin-Bäder vollständig von seinein Leiden genesen. Fräulein Marie Schneider, Berlin. Sophienstr. 14, welche lange Zeit an Lähmung. Blutarmuth und Bleichsucht gelitten, wurde, nachdem dieselbe mehrere Aerzte vergeblich konsultirt hatte, durch den Gebrauch meiner Loh-Daunin-Bäder in kürzester Zeit von ihrem Leiden vollständig geheilt. � t �„ Herr H. Kästen. Rendant der Charlottenburger Waffer- werke. Berlin, welcher 2 Jahre an Blasenkatarrh, sowie Magen- leiden litt, wurde nach Gebrauch von 12 meiner Loh-Dannin- Bäder vollständig wieder geheilt., vi.„ m,, Herr Kannemberg, Gumtow bei Kyritz, litt 3 Wochen lang an JSchias(Hüftweh», welches so heftig austrat, daß er nur per Droschke zur Bade-Anftalt befördert werden konnte, welches Leiden mit 5 memer Loh-Dannin-Bäder vollständig verschwunden ist. Frau Bastian. Berlin. Augsburgerstr. 72, litt ö Monate an Rückenmarksleiden Sie konnte nicht allein mehr gehen. Nach ca. bll meiner Loh-Dannin-Bäder war das Leiden vollständig ver- schwundes. Thcllzahlung gestattet! Fabrik fertiger Betten, Stand von 12-60 M. Engl. 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Es handelt sich in dem vorliegenden Fall um den Bauern Wilhelm K n h n l e aus B e n t e l s b a ch in Württemberg, der jahrelang von dem Schultheißen seines Dorfes gemisthandelt und chikanirt worden ist. um dann, als er hiergegen mit Klagen und Beschwerden vor- ging, wegen„unheilbaren Querulantenwahnsinns" ins Irrenhaus gesperrt zu werde», aus dem er erst nach jahrelangem Kampf und verschiedenen Fluchtversuchen befreit worden ist. Formell handelt es sich in dem Stuttgarter Prozeß um An- klagen gegen den Verlagsbuchhändler Lutz und den Redakteur Binder, die sich in Broschüren und Zeitungsartikeln des verfolgte» Kuhnle angenommen und dabei den Schultheißen S ch l ö r wohl etwas hart angefaßt habe»,— wofür sie natürlich auf die Anklage- dank geschleppt iverden mußten. Thatsächlich gestalten sich aber die Verhandlungen zu einem Prozeß gegen eben denselben Schultheißen Schlör, dem die ihm von Kuhnle und den angeklagten Schrift- stellern zur Last gelegten Amtsverbrechen, systematisch auf dem iltalhhause betriebener Ehebruch«. s. w. bewiesen zu werden scheinen und der auch schon infolge der durch den Prozeß gebrachten Enthüllungen vom A», t e f» s p e n d i r t sein soll. Die Einzelheiten der Prozeßverhandlunge», in denen hunderte ro» Zeugen und Sachverständigen vernommen werden, könne» wir nicht wiedergeben, doch seien im solgenden kurz die Vorgänge zusammen- gestellt, die sich aus den bisherigen Verhandlungen ergeben haben. Im Jahre 1879 fand in Beutelsbach im Oberamt Schorndorf die Neuwahl eines Schultheißen statt, der in Württemberg auf Lebenszeit gewählt wird. Kandidaten waren Schultheiß Schlör und Kassirer Schaufler. Ersterer blieb Sieger. Infolge bei der Wahl vorgekommener Unregelmäßigkeiten wurde eine Untersuchung eingeleitet, in der auch Kuhnle, ei» Parteigänger des unterlegenen Schaufler, vernommen wurde und zu gunsle» Lchaufler's aussagte. Infolge dessen entstand eine tiefgehende Feindschaft zwischen Kuhnle und dem Schultheißen Schlör, der sich auf die Parteigänger Schlör's übertrug. Am Tage des Einzuges des neuen Schultheißen Schlör fand ein Festgelage der Anhänger desselben statt. Die Theilnehmer waren allesammt schwer betrunken. Eine Bande davon drang in Kuhnle's Haus. Ueber die Vorgänge daselbst be- richtet ein Zeuge: Polizeidieuer Deiß habe zu Kuhnle gesagt: „Wenn Du Dich wehrst, ersteche ich Dich!" Man habe immerfort auf Kuhnle eingeschlagen, so daß dieser über und über mit Blut besudelt war. Der Transport Kuhnle's sei in der Weise vor sich gegangen, daß man ihn an den Füßen gepackt und mit de m Kops nach unten die Darfst raße entlang geschleift habe. Der Wagen, ans den man Kuhnle gelade» habe, sei ein Mistwagen gewesen. Der Polizeidiener sei auf Kuhnle hinauf- Setreten und habe geschrien:„Macht das Aas doch hin! !st denn das Aas gar nicht zum Hinmache»!" Kuhnle's Kleider seien zerrissen gewesen. Er wurde ins Gefängniß geschleppt und erhielt, wie er behauptet, aus einen falschen Bericht des Schult- heiße» Schlör hin, eine Anklage wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und wurde zu zehn Tagen Gefängniß verurtheilt. Von diesem Zeitpunkte an habe Schlör ihn zu vernichten gesucht. Kuhnle machte verschiedene Strafanzeigen und Beschwerden gegen Schlör, denen zum theil keine Folge gegeben wurde. In der jetzigen Verhandlung schilderte Kuhnle, wie er fortwährend Gerichts- kosten und Prozeßkosteu zu zahlen gehabt habe, mit Zahlungsbesehlen fei er bedrängt und fortwährend genöthigt worden, Geld durch Ver- Pfändung und Veräußerung von Vermögensstücken flüssig zu machen. Er hält auch die in der Broschüre enthaltene Angabe über seinen Vennögensbesttz aufrecht und weist die ihm zngesügte Vermögens- schädiguug an mehreren Beispielen»ach. Schließlich, im Jahre 1387, beantragte Schlör die Unterbringung Kuhnle's in eine Irrenanstalt, und es fand sich auch ein Arzt, Dr. Gaupp, der diese Einsperrung Kuhnle's durch das folgende Gutachten empfahl:„Kuhnle sei mit unheilbarem Querulanten mahn sinn behaftet, ein gemeingefährlicher Mensch geworden und seine Unterbringung in eine Irrenanstalt geboten, wo ihm alles Aufregende ans dem Wege geräumt und er sich als harmloser Protestler aufspielen kann." Infolge dessen versügte das Oberamt Schorndorf die Unterbringung Kuhnle's in der Irrenanstalt Winnenthal. Nach sechs Wochen floh er ans der Anstalt, ivivd» aber gleich darauf ergriffen. Inzwischen hatten die Verwa:. l> Kuhnle's eine Eingabe an den König gemacht, der den Befehl gav. Kuhnle dem Ministerium des Junern zur Untersuchung vorzuführen. Dies geschah jedoch nicht, vielmehr wurde Kuhnle am 12. September 1888 nach der Jrrrenanstalt Schussenried übergeführt. Hier gelang es ihm nach viermonatigem Aufenthalt bei 29 Grad Kälte zum zweiten Male zu entfliehen, wobei er nach seiner Angabe von vier in einem Schlitten sitzenden Wärtern und zwei Bernhardiner Hunden verfolgt, aber nicht eingeholt wurde. Nach beschwerlichen Wanderungen nahm ei» Bauer im Oberamt Ravensburg den Flüchtling als Tagelöhner auf. Nachdem Kuhnle hier S Monate und später noch in Bayern und Stuttgart ebenfalls monatelang zur vollen Zufriedenheit seiner Brotherren gearbeitet hatte, wurde er im Dezember 1889 in Stuttgart erkannt, wieder verhaftet und hier in» Bürgerspital zunächst in die Zelle für Tobsüchtige gesperrt. Später wurde er dann wieder nach Schussenried lrausportirt und blieb hier fast zwei Jahre, che ihm seine dritte Flucht gelang. Gegen den Leiter der Anstalt in Schussenried, Dr. Ast, er- hebt Kuhnle schwere Vorwürfe i» bezug auf die Beaussichtigung des Krauken- und Wärterpersonals, das in moralischer Beziehung ganz minderwerthig gewesen sei. Unter diesen Umständen unter- nahm Kuhnle am 3. September 1891 seine dritte Flucht. Unter großen Beschwerden gelang es ihm, unangefochten »ach Heidelberg zu kommen, wo er sich in der dortigen Klinik auf seine Zurcchnnngssähigkeit hin untersuche» lassen wollte. Man lehnte jedoch die Untersuchung ab, da Kuhnle Wllrttem- berger und demzufolge nach der Klinik in Tübingen zuständig war. Er reiste daher zurück, wurde aber ans dein Wege nach Stuttgart in Kannstadt von dem dort beschäftigten Sohn des Schultheißen Schlör erkannt und wieder verhaftet. Der Arzt des Kanustadter Bezirks-Krankenhanses, Hosrath Dr. Veiel fand ihn ganz normal, konnte jedoch seine Einlieferung nach Schussenried nicht verhindern. Auf dem Wege dorthin entfloh Kuhnle seinem Transporteur, wurde aber sofort wieder eingefangen. dann im Bezirks-Krankenhause i» die Zwangsjacke geschnallt und mit dieser durch die Straßen Kann- stadts zum Bahnhofe geführt. In Schussenried angekommen, wurde er in die Tobzelle eingeperrt. Inzwischen hatten leine Geschwister ein nochmaliges Bittgesuch an den König eingereicht und dieser befahl am 22. Dezember 1891 die Entlassung Kuhnle's. Doch erst am 29. Januar 1892 wurde dieser freigelassen. Obwohl in Freiheit gesetzt und obwohl in Beutelsbach zuständig, verweigerte doch der Schultheiß Schlör die Rückkehr Kuhnle's, so daß dieser sich erst au den König wenden mußte, um wieder in seine Heimath zu gelangen. Nunmehr begann der alte Kampf. Kuhnle, der niemals ent- mündigt worden ist, verlangte, da sein Vermögen von ca. 12 999 M. während der vier Jahre seines Aufenthalts im Jrrenhause spur- los verschwunden war, Entschädigungen, die ihm jedoch nicht gewährt wurden. Außerdem erginge» mehrfache Beschwerden über den Schultheißen, in denen diesem Erpressung, Urkundenfälschung. Betrug und Ehebruch vorgeworfen wird. Alle diese Behauptungen über den Schultheißen Schlör sind in die erwähnte» unter Anklage gestellten Broschüren ausgenommen und mit vielem Beweismaterial publizirt worden. Aus den Gerichtsverhandlungen und den Zeugenvernehmungen aber gewinnt man den Eindruck, daß vieles davon, wenn nicht alles der Wahrheit entspricht. Bei den Verhandlungen über die Ehebruchs- abeuleuer des Schlör muß fortwährend die O e s f e n t l i ch k e i t ausgeschlossen werden. Auch die Jrrenhauszustande und die Gefährdung des Publikums, durch das Gutachten eines beliebige» Arztes zeitlebens ins Irrenhaus gesperrt zu werde», werden durch diese Verhandlungen wieder scharf beleuchtet. Dagegen macht der angeblich wahnsinnige Kuhnle, wie alle Berichte konstatiren, den Eindruck absoluter geistiger Klarheit und Gesundheit. Es sind bei den Vetyandlunge» auch mehrere Irren- ärzte zugegen, die sein Verhalten vor Gericht i» dieser Beziehung prüfen sollen. Auch an hochdramatischen Effekten fehlt es bei den Verhaud- lungen nicht. In der Vernehmung des bei der oben geschilderte» Mißhandlung Kuhnle's am meisten betheiligtcn Polizeidicners Deiß kann sich dieser angeblich aus nichts besinnen. Der Präsident fragt, ob er denn mit seinen Helfern die Thür er- brachen und in das verschlossene Haus Kuhnle's gedrungen sei. Der Zeuge antwortet jedoch nicht, sondern schwankt und fällt plötzlich>v ie vom Blitz getroffen ohnmächtig hintenüber. Der Angeklagte Lutz ruft in die allgemeine Ec- regung hinein:„Ein Gottesgericht!" Der Zeuge wurde so- fort ans dem Verhandlungszinimer getragen. Ausführlich wiedergeben wollen wir im nochfolgenden doch das Gutachten, das der Professor H o f r a t h F ü r st n e r aus Straßburg, welcher der ganzen Verhandlung beigewohnt hat, über den geistigen Zustand Kuhnle's abgab. Ter Psychiater spricht sich über die Folgen der Mißhandlungen ans, denen Kuhnle ausgesetzt war. Im Gegensatz zu den seinerzeit abgegebenen ärztlichen Gutachten. sagt er, muß ich feststellen, daß zunächst die linke Brustseite Kuhnle's großen Schaden erlitten hat. Weiler sind verschiedene R i p p e n k n i ck u n g e n vorgekommen und schließlich steht die schwere Lungenentzündung Kuhnle's in unmittelbarein Zusammen- hange mit den Mißhandlungen. Ich nmß zugeben, daß Kuhnle den an feiner Gesundheit erlittenen Schaden nicht m c h r l o s w e r d e n wird. Nach alledem finde ich es durchaus begreiflich, daß Kuhnle in Erregung kam. Das Verfahren gegen Kuhnle mußte diesem unbegreiflich erscheinen. Er kam im Anschluß an die erlittenen Mißhandlungen unter die Anklage deS Widerstandes gegen die Staatsgewalt, und in dem Prozeß wurde er am härtesten bestraft, während die Gemeinderäthe Schweizer und Eipper, die er natürlich für die Hanptverüber der Mißhandlungen ansehen mußte, fast leer ausgingen. Eine weitere Kritik des Urtheils erlaube ich mir nicht. Dagegen möchte ich als Arzt hervorheben, daß ein Bund schwerer Arrestschlüssel denn doch keine so harmlose Waffe ist, wie sie das Urlheil hinstellt. Also die Erreg u n g Kuhnle's ist durchaus menschlich, durchaus begreiflich und durchaus nicht krankhast. Ich kann mir wohl denken, daß den Kuhnle die fortwährende Abweisung seiner berechtigten Beschwerden gekränkt hat. Ich komme also zu dem Schluß, daß bis zum Jahre 1834, wo Kuhnle noch eine sehr mustervolle bescheidene Eingabe um Stundung von Gerichtskosten einreichte, Kuhnle nicht geisteskrank gewesen ist. Vom Jahre 1884 ab aber ist eine ganz ausfällige Veränderung der Stimmung Kuhnle's zu verzeichnen. Aus der Erkenntnis!, daß er seinerzeit unschuldig verurtheilt und nun(nach dem Beschluß der Strafkammer in Ellwangen im Jahre 1389) zum Querulanten gestempelt ist, arbeitete sich bei Kuhnle die Ansicht heraus, daß alles gegen ihn unter einer Decke stecke. Zu- nächst das Gericht in Ellwangen, dann sämmtliche Gerichte des Jagstkreises und schließlich die ganze Regierung bis zum König hinauf. Darin, daß er sich von dieser Vorstellung nicht loszumachen vermag, beweist er eine Schwäche der Intelligenz, die schließlich bei ihm einstanden ist und welche die Unterschiede zwischen geistig gesund und geistig krank vollständig verwischt. Es handelt sich nun um die Verbringung Kuhnle's in die Irrenanstalt. Die Frage ist: War es nothwendig, ihn dort unterzubringen? Und da hat die gegenwärtige Verhandlung sehr. sehr wenig B e g r ü n d n n g s m a t e r i a l ergeben. Er soll Drohungen ausgestoßen haben. Das wäre schon erklärlich, ebenso wie es dann erklärlich ist, daß er deswegen schließlich i» die Anstalt kam. Aber merkwürdig ist es— und den Vorwurf muß ich hier aussprechen— daß die Anstaltsärzte nicht früher der Frage der Entlassung Kuhnle's näher ge- treten sind, und daß die außerordentlich furchtsamen Gemeinde- räche von Beutelsbach sich nicht besser um das Schicksal ihres Ge- meinde-Angehörigen bekümmert haben. Präs.: Und was halten Sie von der Gemeingefährlichkeit Kuhnle's?— Sachverständiger: Ich bin jetzt dafür, ihn in der Freiheit zu lassen, denn die Verhandlung hat gerade dafür nichts ergeben, was darauf hinweist, daß er je gemeingefährlich gewesen ist.— Präs.: Und glauben Sie, daß lediglich die Thal- fache, daß ihm Unrecht geschehen i st, Kuhnle krank gemacht hat?— Sachverständiger: Nichts weiter, und ich bin überzeugt, daß es wesentlich zu seiner Ve- ruhigung beitragen dürfte, wenn ihm eine entsprechende Entschädigung zugebilligt würde. Das würde nur gerecht und unumgänglich uoth- wendig zu seiner Beruhigung sein.(Beifälliges Murmeln im Zu- schauerranme.)— Präs.: Sind Sie etwa der Ansicht. daß alles, ja die Krankheit Kuhnle's hätte vermieden werden können, wenn man ihm damals vernünftig zugeredet hätte? — Sachverständiger: Gewiß. Wenn man ihn da- mals vor dem allmälig entstehenden Glauben, alles sei gegen ihn, durch gütliches, liebevolles Zureden bewahrt hätte, so wäre die Sache anders gegangen. Daß diese Aufregungen, diese ganzen widrigen Vorgänge geeignete Momente sind. einen Menschen verrückt zu machen, gebe ich ohne weiteres zu. Ueber den allgemein mit Spannung erwarteteten Ausgang des Riesenprozesses. in dem der demokratische Reichstags-Abgeordncle Rechtsanwalt Haußmann die Vertheidigung der Angeklagten führt, werden wir unseren Lesern berichten. 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