Preis: 60 1. cts. b Freiheit Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nur Tyrannen sind argwöhnisch; nur geheime Bösewichter furchtsam. Ein offener Mensch, der Recht tut und auf seinen Grundsätzen fest ist, läßt alles über sich sagen. So auch eine Regierung, auf Gesetze, Wohl und Freiheit der Menschen gegründet. Herder. Nummer 27-1. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, 21. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun Deutsche Miliz im Aufbau Was Henderson im Braunen Hause in München berät/ Deutschlands militärische Angebote an Frankreich/ Die Zukunft der SA. Höchste außenpolitische Aktivität in Paris und Rom Berlin, 20. Juli.( Eig. Drahtb.) Wahrscheinlich heute schon, spätestens aber morgen, wird der Präsident der Abrüstungskommission Henderson von Prag aus in München eintreffen, um mit dem Reichskanzler Hitler zu verhandeln. Reichsaußenminister von Neurath ift zur Teilnahme an dieser Besprechung nach München abge: reift. Henderson hat sich über seine Fühlungnahme in Berlin zwar nicht sehr zuversichtlich, aber auch nicht hoffnungslos ges äußert. Er hat den Eindruck, daß die Reichsregierung sich in der Abrüstungsfrage entgegenkommender verhält, als sie bies bisher in Genf getan hat. Henderson hat die Reichsregies rung allerdings auch nicht darüber im Zweifel gelassen, daß die Regierungen von Rom, Paris und London in der Ents waffnungsfrage weitgehend geeinigt sind und Berlin start nachgeben muß. Die Reichsregierung nähert sich unter ausländischem Druck allmählich dem französischen Plan eines obligatoris Ichen Milizheeres. Der Reichskanzler wird in München Henderson das Angebot machen, die SA. abzubauen nnd Teile der SS. als erste Formationen des nenen deutschen Heeres aufzustellen. Diese Seeres: reform tönne Anfang 1934 beginnen. Der Reichskanzler hofft auf diese Weise die unzuverlässigen Teile der SA. los= eine pflegliche Behandlung der Banken zuges sichert. Große Schwierigkeiten bereitet die Frage, in welcher Höhe die Reichswehr neben der Miliz aufrechterhalten bleiben soll. Der französische Botschafter de Jouvenel und der französische Botschafter in Berlin Francois Poncet, die in erster Linie die Wandlungen der Hitlerregierung in der Militärfrage hervorgerufen haben, halten die jeßige Reichsregierung außenpolitisch bis auf weiteres nicht mehr für ges fährlich und erwarten eine an Kapitulation grenzende Nach= giebigkeit Hitlers in der Militärfrage. Nebenher arbeitet Bizekanzler von Papen mit Hochdruck, um Deutschland aus der wirtschaftlichen und politischen Zange zu lösen. Die teilweise heftigen Kommentare der Pariser Presse haben wohl den Zweck, Hitler zu noch größerer Nachgiebigfeit zu veranlassen. Die Hauptschwierigkeit einer Einigung über die Höhe der Truppenzahl liegt zweifellos nicht bei dem im Grunde weichen Reichskanzler, sondern bei den Reichs= wehrgenerälen, die mit Festigkeit der allgemeinen Wehrpflicht zustreben, nicht zuletzt, um die gesamte waf= fenfähige Jugend aus der Politit heraus und auf den Kaser: nenhof zu bringen. zuwerden und in der SS. eine militärisch disziplinierte durch Zehn Jahre Frieden! aus zuverlässige Miliztruppe zu erlangen. Henderson hat dem Reichskanzler eröffnet, daß sowohl Engs land wie Frankreich und Italien Schluß mit der pris vaten Hitlerarmee verlangen und Deutschlands Pris vatrüstungen, die ja teineswegs geheim find, aufhören müß: ten. In dieser Forderung findet Frankreich mancherlei Unterstügung bei den Führern der Reichswehr, die Klarheit in der Rüstungsfrage wünschen, die ferner den militärischen Wert der SA. und der SS. sehr gering einschätzen und seit langem den Milizgedanken propagieren. Reichskanzler und Reichsregierung hoffen in einer größeren Armee ein Aufs fangbeden für hunderttausende Arbeitslose und eine Möglichkeit für die Wirtschaftsbelebung zu erlangen. Der Reichss tanzler hat den fremden Regierungen zur Entspannung der Atmosphäre eine Milderung des Antisemitismus und die Absage an alle sozialistischen Experimente, vor allem auch De Jouvenel über den Viererpakt Die französisch- italienische Annäherung Alle Italiener zwanzig Jahre alt" Paris, 20. Juli. Die Rückkehr des französischen Botschafters in Rom Henry de Jouvenel nach Paris hat das Thema Viererpakt wieder in den Vordergrund gerückt. De Jouvenel erklärt, es habe sich einmal darum gehandelt zu ersuchen, ob Frankreich und Italien nicht zu einer gemeinsamen Auffassung bezüglich des allgemeinen Interesses Europas fommen fönnten, und andererseits darum, eine Formel der Zusammenarbeit der vier Großmächte zu finden, die bis dahin in zwei verschiedene Lager gespalten waren und daher auch die kleinen Mächte in zwei verschiedene Lager geteilt hätten, was jede dem Völkerbund nüßliche Arbeit unmöglich machte. Der Locarnopakt bildete sozusagen den Beginn dieser Politik, aber er habe vor allem einen defensiven, sozusagen negativen Charakter, denn er finde nur Anwendung in dem Falle, daß die Grenzen eines der Signatarstaaten schon verletzt seien. Der Viererpakt dagegen führe die Zusammenarbeit dieser Staaten ein, bevor ein solcher Fall eintrete und suche ihn überhaupt zu verhindern und biete weite Möglichkeiten zu gemeinsamer Arbeit. Außerdem sichere er den Ländern zehn Jahre Frieden. Das sei übrigens der große Ehrgeiz Mussolinis. Holte Jouvenel die bekannten Entspannungsbeteuerungen, Bezüglich der französisch- italienischen Beziehungen wiederund hinsichtlicher einer deutsch- französischen Entspannung bemerkte er in dem Havas- Interview, er halte sie für möglich, wenn vorher der Viererpaft die Unterzeichnung. eines gemeinsamen Abrüstungsablommens zur Folge habe. Schließlich äußert er sich in begeisterten Worten über das heutige Italien. Italien sei ein prachtvolles. Land, alles in Italien sei positiv eingestellt. Mussolini habe das in glücklicher Weise zusammengefaßt in dem Saß, alle Italiener seien zwanzig Jahre alt. Er selbst freue sich, in der letzten Rede Daladiers ebenfalls einen ähnlichen Gedanken gefunden zu haben, als nämlich Daladier erklärte, Frankreich müsse eine junge Politik treiben. Macdonald habe einmal erwähnt, das anfängliche Ziel des Viererpaftes sei die Revision der Verträge gewesen, aber der schließliche Tert habe die Revisionsaussichten bes trächtlich einschränken müssen. Gewiß sei in der Auffassung gewisser Regierungen der Gedanke an eine Revision nicht aufgegeben worden. Das nationale Leben, begründet auf der Achtung der Gesetze, lasse ja auch den Fall zu, daß diese Gesetze den Bedürfnissen der Bürger besser angepaßt und abgeändert würden. Man könne also auf internationalem Gebiete ein ähnliches Verfahren zu= lassen, das die friedliche und gerechte Reglung gewisser Probleme erlaube, die bisher nur durch Krieg gelöst worden wären. Tragödie um Scheidemann Wer sind die verhafteten Geisein? Geiseln? Eine Barbarel - Eine Barbarei ohne jeden Anlaß Philipp Scheidemann bittet um die Veröffent lichung folgender Erklärung: " Das geheime Staatspolizei- Amt in Berlin teilt mit, daß es fünf meiner Verwandten in ein Konzentrationslager überführt hat, weil ich einen Artikel in den„ New York Times" veröffentlicht haben soll, in dem ich die maßgebenden Männer des neuen Deutschland schwer beschimpft und außer dem versucht haben soll, eine neue Grenelheze gegen Deutsch land zu entfesseln. Wörtlich heißt es:„ Die Festnahme der Verwandten Scheidemanns sei als ein Aft der Staatsnots wehr zu betrachten!!!" Ich habe für die N. Y. T. einen Artikel#bers haupt nicht geschrieben. Wahrscheinlich handelt es sich um den Nachdruck des einzigen Artikels, den ich im Laufe der letzten 5 Monate für ein in deutscher Sprache erscheinendes schweizerisches Blatt geschrie= ben habe. Daß sich das geheime Staatspolizeiamt nicht auf das schweizerische Original, sondern auf eine für mich ganz unkontrollierbare Ueberseßung einer amerikanischen Beitung beruft, ist deshalb interessant, weil der einzige Sat aus dem N. Y. T., der bisher in Deutschland zitiert worden ift, eine glatte Fälschung war. In dem N. Y. T. foll der Schlußsaß meines Artikels heißen:„ Es sei selbstverständs lich, daß das einen blutigen Krieg nicht aus= Ichließe." Was soll einen blutigen Krieg nicht ausschlies Ben? Wenn die Kulturwelt mit mir der Meinung sein sollte, daß die jetzigen Zustände in Deutschland unerträglich seien. In Wirklichkeit lautet der von mir verfaßte und in der Schweiz auch richtig gebrudte sa in Uebereinstimmung mit der sozialdemo fratischen Parole„ Nie wieder Krieg!" wörts lich so:„ Daß dabei nicht an blutigen Krieg gedacht wird, ist selbstverständlich!" Daß man gegen die Politik der Herren Hitler, Frid, Göring usw. tein Wort des Widerspruchs sagen soll, das geht gegen die menschliche Natur. Von Menschenrechten will ich im Zusammenhang mit dem neuen Deutschland garnicht reden. Ich habe mit meinem Artikel Einspruch erhoben, das ist wahr. Dafür sollen fünf absolut unschuldige and unpolitische Menschen als Geiseln in Konzentrationslager gesperrt werden? Muß eine solche Maßnahme nicht jedes einzelne Wort der Kritik, die ich veröffentlicht habe, zehnfach, ja hundertfach unterstrichen und die Kulturwelt erst recht auf peitschen? Wer sind die fünf Verwandten, die man als Geiseln verhaftet hat? Ich weiß es nicht. Wo find fie? Ich weiß es nicht. Ich habe zwei Töchter. Die eine ist aus Bes sorgnis und hingebender Kindesliebe zu mir geeilt, als man ihr geschrieben hatte, daß ich schwer erkrankt sei. Die andere Tochter lebte in Berlin, ganz der Sorge um ihre beiden Kinder hingegeben: einem Jungen, der, wie ich gehört habe, in einem Arbeitslager des„ Stahlhelm" tätig ist, und eine 20jährige Tochter, die sich vor wenigen Wochen verheiratet hat. Ihren Mann tenne ich fanm, man hat mir zu meiner Freude gesagt, daß er ein tüchtiger Mensch sei, der den Krieg mit Auszeichnung mitgemacht habe; zu meinem Bedauern hat man mir allerdings auch berichtet, daß er politisch un interessiert ist und meinen politischen Standpunkt keinesfalls teilt. Das sind die Verwandten, die für mein Tun und Laffen ebenso wenig haftbar gemacht werden können, wie irgend ein Verwandter der Herren Hitler oder Frid. Was ist der Zweck der Geifel verhaftung? Sollen fie büßen, was ich angeblich gesündigt habe? Wird man fie in Freiheit fegen, wenn ich mich in Deutschland stelle? Infolge infamster politischer Hege gegen mich erlag meine Frau im Herbst 1926 vor Aufregung einem Schlaganfall. Vor zwei Monaten wählten meine älteste Tochter und ihr Mann, die 20 Jahre lang in glüdlicher he gelebt hatten, den Freito Beide waren häuslich gesinnte Menschen, die ganz und gar unpolitischen Liebhabereien lebten. Sie erlagen der Heze und den Anpöbelungen auf der Straße. In ihren herzergreifenden Abschiedsbriefen baten sie um Verzeihung, aber so schries ben fie,„ wir können die neuen Verhältnisse und die Hezerei nicht ertragen". Am unerträglichsten waren ihnen die fortge= setten Verleumdungen des Vaters durch die gleichgeschaltete Presse und den Rundfunk. Das alles sollten sie lesen und mitanhören, ohne daß ihrem Vater die Möglichkeit gegeben war, alle Berleumdungen glatt zu Boden schlagen zu können? Das ertrugen sie nicht. Die Fran, eine Tochter und der Schwiegersohn direkt in den Tod gehezt, alle übrigen Verwandten in Konzentrationslager gesperrt! Mir hat man zuerst die Pension gestrichen, dann durch Aberkennung des Reichstagsmandats die Diäten genommen; so blieb mir noch als legte Hoffnung auf eine bescheidene Rente vom Buch druckerverband, an den ich volle 50 Jahre lang Bei träge gezahlt habe. Auch das ist mir genommen. Nach Annahme der maßgebenden Herren in Berlin hatte ich nun immerhin die reichhaltige Auswahl zwischen Köpfenlassen oder Freitod. Zunächst eilt es mir nicht, weder mit dem einen, noch mit dem anderen, weil ich dabei sein will, wenn abgerechnet wird. Tochter und Enkel! Aus Prag wird gemeldet: Zu den fünf verhafteten Verwandten Scheidemanns gehört dessen Tochter mit ihren beiden Kindern, einem achtzehnjährigen Sohn und einer zwanzigjährigen Tochter, ferner ein Schwiegersohn, den Scheidemann persönlich überhaupt nicht fennt. Keiner der Verhafteten hat sich jemals politisch betätigt, Gemecker und Gegrunze verboten! Der Führer auf der Höhe und die Sorgen in der Tiefe Darmstadt, 20. Juli. Das schlechte Verhältnis der alten Nationalsozialisten, deren Postenhunger nicht gestillt werden konnte, zu den neuen, die die Konjunktur erfaßt haben, zu den Leuten also, die Göbbels die„ Märzgestolperten" nennt, ist denkbar schlecht. Die Presse beschäftigt sich fortwährend mit dieser Frage und gesteht dann unfreiwillig die merkwürdigften Sachen. In einem großen Artikel in der Hessischen Landeszeitung" liest man beispielsweise:„ Der Riesenunterschied zwischen den alten und den meisten neuen Parteigenossen liegt in dem blinden Vertrauen auf die oberste Führung, bas jeden wahren Nationalsozialisten beseelt. Die Politik der feitherigen Parteien wurde von dem Gegrunze der Niederungen bestimmend beeinflußt; bei uns ist diese Masse" wohl auch noch nicht ganz ausgerottet, aber: das Gemecker dieser Biertischpolitiker dringt höchstens bis zur Ortsgruppe oder Kreisleitung. Einfluß auf die Staatsführung hat es nicht. Diese wird durch den Führer bestimmt, der mit der Jdee so verwachsen ist, daß er stets das Beste treffen wird. Und durch das stete Zusammenarbeiten mit ihm werden wieber eine ganze Reihe Unterführer allmählich so beeinflußt, daß sie zu jeder Zeit selbst als Führer eintreten können." Keine Arbeitsvermittlungsstelle Karlsruhe, 20. Juli. Der Reichsstatthalter und Gauleiter von Baden erläßt eine Bekanntmachung, die mit den Worten beginnt:„ Verschont uns möglichst mit Euren persönlichen Angelegenheiten." Außerdem betont die Bekanntmachung: " Merkt Euch besonders auch: Reichsstatthalter und Regierung haben keine Stellen zu vergeben; sie können sich mit der Stellungvermittlung auch garnicht beschäftigen." Wir vergeben 300 000 Stellen Darmstadt, 19. Jult. Der Kreisleiter der NSDAP. eröffnet in einem Aufruf, daß alle Stellen, die Arbeiter einstellen, sich mit der Kreisleitung in Verbindung setzen: 1. zur Kontrolle und 2. daß vor allen Dingen die Parteigenossen 1 bis 300 000 untergebracht werden. Es geht nicht an, daß, solange noch alte Parteigenossen arbeitslos sind, jüngere Par. teigenoffen in Arbeit kommen." Aber vor allem die ,, alte Garde" Berlin, 19. Jult.( Inpreß). Staatskommissar Maretzky hat alle städtischen Dienststellen angewiesen, bei der Vergebung von Lieferungen und Leistungen solche Anbieter mit Vorzug zu berücksichtigen, die seit Jahren als alte Garde"( Mitgliedsnummer bis zu 100 000) für die Ziele der nationalsozialistischen Bewegung gekämpft haben." Die ,, Revolution" doch noch nicht vorüber? Berlin, 19. Juli. In der„ Deutschen Metallarbeiterzeitung" behauptet ein Artikel:„ Da sind auch noch ein paar, die sehen uns mit ihren Augen an und meinen, die Revolution wäre schon vorbei. Das ist ein Trugschluß. Wenn das wäre, Keine Kirchenwahlen an der Saar Im Saargebiet ist der Kampf der offiziellen protestantischen Behörden mit den„ Deutschen Christen" auf der ganzen Linie entbrannt. Die Deutschen Christen" haben in Versammlungen der Gläubigen die nicht auf Hitler schwörenden Pastoren als„ Landesverräter" und„ vaterlandslose Ge sellen bezeichnet, was zu einer Serie von Beleidigungsflagen geführt hat. Mit diesen Vorgängen hängt es wohl zusammen, daß jetzt die Regierungskommission die Abhaltung der von Berlin hier angeordneten Kirchenwahlen untersagt hat. dann wären wir eine Partet. Wir sind keine Partei, sondern Das Neueste eine Weltanschauung." Sind die schönen Augen von Hitler gemeint? Werdet reich durch Achtellose Berlin, 19. Juli. Die Direktion der Preußisch- süddeutschen Klassenlotterie hat sich zu einer einschneidenden Aenderung ihres gesamten Lotterieplanes entschlossen. Der neue Plan tritt mit der nächsten 5- klassigen Ziehung der Lotterie in Kraft. Das Achtellos wird dann nur noch 3,- Mark fosten. Oder werdet reich durch Spielhöllen Baden- Baden wird amtlich damit begründet, daß eine solche Baden- Baden, 19. Juli. Die Zulassung der Spielbank Maßnahme volkswirtschaftlich von höchstem Wert sein müsse, da sie den Fremdenverkehr hebt. ,, Hier wird nicht gemeckert" " Berlin, 19. Juli.( Inpreß.) In der„ Deutschen Metallarbeiterzeitung" liest man goldene Worte, beispielsweise: Wir machen Weltgeschichte! Wir denken nicht in Bilanzen, nicht in einem Jahr, wir denken in Jahrhunderten". Oder: „ Es fangen manche an zu meckern. In Deutschland hat keiner zu meckern, sondern jeder zu arbeiten." ,, Adler und Kreuz" Des Zentrums unrühmliches Ende Inzwischen hat der Rittmeister von Papen die„ Germania" gekauft und läßt darin einen verwässerten AuchkatholizisKirche aber im Dritten Reich stehen harte Tage bevor. Das katholische Volksblatt„ Grenz- Echo" in Eupen mus mit harten Nazi- Brocken ausschänken. Der katholischen schreibt: Jetzt hat die Zentrumspartei ein unrühmliches Ende gefunden. Dem Nazi- Naubzug auf die Barvermögen und Rassenbestände der katholischen politischen Vereine fielen Millione in die Hände. Heinrich Brüning hatte die undankbare Miffion eines de- und wehmütigen Bittstellers vor der Hitlerschen Majestät zu übernehmen; fie galten lediglich dem Bestreben, den katholischen Interessen innerhalb des Nazi- Parteikaders ( 300 parlamentarische Braunhemden) eine Vertretung zu sichern. Bergebens. Hitler blieb hart; die Reichstagspolitik des Zentrums ist ausgespielt. Die 92 Zentrumsabgeordneten werden nicht als Hospitanten" der Nazi- Fraktion angegliedert. Das wäre zu viel der Ehre! Dieses führer- und prinzipienlose Häuflein irrender Nullen soll einer strengen Ueberwachung und noch viel strengeren Prüfung unterzogen werden. Wer von den reuigen Büßern im Vorhof von Canoffa vom gottähnlichen Parteipapst Hitler die Verzeihung erhält, darf in die Gruppe Adler und Kreuz" des Ulanenrittmeisters Franz von Papen eintreten; ist jener Läuterungsberg als Fegfeuer überwunden, so kann nach dem Gutdünken der Nazt von Fall zu Fall der Gebesserte als Hospitant bei den Nazi" Aufnahme finden. Arbeit nur für Nazis Die anderen können verhungern Berlin, 19. Juft. Für die Einstellung als Hilfskräfte und Arbeiter bei- der Deutschen Reichspost kommen in erster Linie Angehörige der NSDA P. und der ihr eingefügten nationalen Verbände in Frage. Besonders berücksichtigt werden die älteren und verdienstvollsten erwerbslosen Mitglieder der NSDAP. mit einer Mitgliedsnummer bis 100 000. Um vornehmlich ihnen wieder einen Arbeitsplatz zu verschaffen, werden alle durch die Entlassung von staatsfeindlich eingestellten Arbeitnehmern freigewordenen Arbeitspläge nur mit Nationalsozialisten besetzt werden. Sofern im übrigen zur Einstellung von Hilfskräften und Arbeitern auch langjährig bereits bei der Deutschen Reichspost beschäftigt gewesene, politisch durchaus zuverlässige, nicht der NSDAP. angehörige Bewerber in Frage kommen, deren Wiederverwendung im dienstlichen Interesse liegt, können die Stellen bis zur Hälfte mit ihnen besetzt werden. Wieder: der Pranger! ,, Separatistenhäuptling" wird durch die Stadt geführt Der nationalsozialistische Westdeutsche Beobachter" berichtet: Durch mehrere Hauptverkehrsstraßen von M.- Gladbach zog am Dienstagmittag eine sehr erregte Menschen= menge, die einen früheren Separatisten brandmarkte. Er war am Morgen in einer Gerichtsverhandlung bei einer Beleidigungsklage, die er selbst gegen einen bekannten Gladbacher Nationalsozialisten angestrengt hatte, als Separatist überführt worden. Nach Schluß der Verhandlung hatten ihn die Zuhörer in der Empörung über sein Iandesverräterisches Treiben umdrängt und ihm schnell ein Schild in die Hand gedrückt mit der Aufschrift:„ Dr. Stad ler, der Separatistenhäuptling". Dieses Schild mußte er dann durch die Straßen Gladbachs tragen. Die Menge, deren Erreaung und Empörung immer mehr anwuchs, drang schließlich auf ihn ein und er mußte durch SA.- Männer geschützt werden. Zu seiner eigenen Sicherheit wurde Stadler ins Polizeigefängnis eingeliefert. Alle drei Kategorien der Hitler- Bewegung stehen der römisch- katholischen Religion feindlich gegenüber. 1. Da sind die Anhänger eines aufgefrischten Wotanfultus: Odin auf dem Donnerroß Sleipnir mit dem„ bergenden Schlapphut" samt der übrigen Göttersippschaft aus der Edda des Snorr Sturluson( 1178 bis 1241). Die Nazi- Nasseforscher mit ihrer erheuchelten Bewunderung norwegisch- irländischen der Dichtungen haben bis zur Stunde noch nicht einmal das süddeutsche Original und seinen Export nach Skandinavien er tannt! 2. Die sogenannten„ Deutschen Christen", welche ein romfeindliches höchst intolerantes Christentum durch die Militärpfarrer Hossenfelder und Müller predigen und schon das„ Vaterunser" des Herrn Jesus Christus durch ein eigenes Gefasel mit Vergottung Hitlers als Sendboten des altgermanischen Weltgeistes erseßen. 3. Die letzte Kategorie perficht theoretisch und praktisch die Anschauung: die Religion entspringt einem Denkfehler,„ Adler und Kreuz". Bis dahin dürfen ein Drittel der heutigen Zentrumsabgeordneten laut einer gestrigen offiziellen Meldung der NSDAP. als Hospitanten beitreten. Für einen großen Teil der übrigen zwei Drittel wird man wohl bald Mittel und Wege finden, sie auszuschalten... Lohnforderungen gibts nicht mehr! Die Zechenbarone haben so befohlen... Ein Bevollmächtigter Hitlers hat mit den Arbeitgebern des rheinisch- westfälischen Steinkohlenbergbaus verhandelt. Dabei ist folgende Reglung vereinbart worden: 1. Die Bergarbeiter dürfen keine Lohn forderungen stellen. 2. Die Arbeitgeber sind ohne weiteres zu Entlassungen berechtigt, wenn die Absatzlage die Weiterbeschäftigung der Belegschaft nicht zus läßt. 8. Die Zechenbarone werden gebeten, sobald die„ technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten" dazu vors liegen, die Belegschaften soweit zu vermehren, daß fie für die einzelne Zeche im Durchschnitt des Jahres monatlich etwa 20 Arbeitsschichten für den einzelnen Mann ergeben. Es sollen aber, da eine schematische Reglung nicht möglich" ist, die„ besonderen Verhältnisse der einzelnen Zechen Berücksichtigung" finden. Nachdem mehr als die Hälfte der Mitgliedsstaaten des Völkerbundes sich für eine Vertagung der diesjährigen Völkerbundsversammlung um einige Wochen ausgesprochen haben, hat der Generalsekretär hente den Regierungen die Mitteilung gemacht, daß die diesjährige Völkerbundsversammlung erst am 25. September zusammentreten wird. Im Laufe des Mittwochnachmittag haben sich in Wien zwet Straßenbahnunfälle ereignet, bei denen insgesamt 16 Pers sonen verlegt wurden, einige schwer, Man spricht von neuen Nazi- Sabotageaktionen. * Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz, Henderson, hatte mit Dr. Benesch heute zwei Unterredungen. Es wurde das Abrüstungsproblem durchgesprochen. * Wie aus gut unterrichteter türkischer Onelle verlantet, hat Tropki von der französischen Regierung die Erlaubnis erhalten, fich dauernd in Frankreich niederzulassen.( Bravo!) * Die von der Polizei durchgeführte Suche nach versteckten Waffen und Sprengstoffen hat zur Entdeckung von ins gesamt 46 Rollen Ammonit, zwei Kisten mit 50 hocherplos fiven Sprengförpern, 20 Sprengkapseln mit 75 Metern Zündschnur, 15 Stielhandgranaten und 24 Wurfbomben ges führt. 12 Marristen wurden festgenommen, die sämtlich ges ständig" find.(???) * Die Abstimmung, die zur Aufhebung des Alkoholverbotes in den Einzelstaaten der Union zur Zeit durchgeführt wird, hat nun auch in Arkansas und Alabama, zwei alten Hochs burgen der Abstinenzler, zu einem Sieg der Prohibitionss gegner geführt. Die Gewährung von Ruhegehältern und Sinterbliebenenbezügen wird nach einer neuen Verfügung des Nazi- Finanzministers abhängig gemacht von der Zustimmung der Gauleiter der nationals fozialistischen Partei. Nichtarische"," Parteis bu cha" und" politisch nicht zuverlässige" Ruhes gehaltsempfänger und Hinterbliebene haben nicht 3 mehr zu erwarten. O, Hitlerdeutschland, hoch in Ehren! Von einem im Saargebiet auf Urlaub befindlichen reichsdeutschen höheren Post beamten erfahren wir, daß seit einiger Zeit die unteren Postbeamten im Reich zu Schießkursen beurlaubt werden müssen. Die Neueinrichtung läuft offiziell unter der Flagge des " Schutzes gegen etwaige Postüberfälle"! Gediente Leute müssen 14 Tage, ungediente Beamte 4 Wochen an diesen militärischen Kursen teilnehmen! * Das Balbogeschwader ist Mittwoch nachmittag im Wassers flughafen Floydbennet niedergegangen. Tolles Urtell Ein Monat Gefängnis für ein Abzeichen Zu einer grundsätzlichen gerichtlichen Entscheidung kam das Berliner Sondergericht in einer Anklage wegen unbe= rechtigten Tragens eines nationalsoziali stischen Hoheitsabzeichen 3. Angeklagt war ein junger Landwirt aus Dobrilugt, der nach wiederholter Verwarnung von dem dortigen Ortsgauleiter der NSDAP. angezeigt worden war, weil er ein Hoheitsabzeichen der Partei trug, obwohl er nicht Parteimitglied war. Der Verteidiger des Angeklagten wies nach, daß es sich bei dem Abzeichen gar nicht um ein amtliches Hoheitsabzeichen der Partei handle, sondern um eine ähnliche Nadel, die jedermann vor wenigen Wochen noch für 10 Pf. kaufen konnte. Der Angeklagte habe sich also nicht gegen die Verordnung vergangen, die das unberechtigte Tragen solcher Abzeichen verbiete, die die Mitgliedschaft zur NSDAP. Kennzeichneten. Das Sondergericht verurteilte im Gegensatz zu den Ausführungen der Verteidigung den Angeklagten zur Mindeststrafe von einem Monat Gefängnis mit der Begründung, es käme nicht darauf an, ob das unberechtigt getragene Abzeichen wirklich ein„ amtliches" Parteiabzeichen war, sondern es genüge, daß das Abzeichen äußerlich sich als ein solches darstelle, wie es als Hoheitsabzeichen von der Partei getragen wird. Mit anderen Worten: Den Bergarbeitern wird 1000 oder 30000 Jahre? alles verboten, den Unternehmern aber wird bittend nahegelegt, soweit es die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten" und die besonderen Verhältnisse der einzelnen Zeche ihnen zweckmäßig erscheinen" Iaffen, ein paar Leute mehr anzulegen. Das also ist Hitlers Buchthausstaat für das Prole= tariat! * Die deutsche Arbeitsfront des Gewerkschaftsräubers geg hat an die Arbeitnehmer Deutschlands eine Bekanntmachung gerichtet, in der er von ihnen verlangt, restlos einem der Nazi- Berufsverbände beizutreten, andernfalls ihnen die Entlassung aus dem Betriebe und das Konzentrationslager bevorsteht! Mit diesem Druckmittel des Brotkorbes versuchen die unfähigen Nazikommissare die von ihnen zugrundegerichteten Gewertschaftstassen zu ihrer eigenen Bereicherung wieder aufzufrischen und den Anti- Hitler- Arbeiter zu zwingen, ihnen seine Schweißgroschen zu ihren Korruptionsaffären auszuItefern. Aber die Abrechnung folgt! Das heilige Reich Karlsruhe, 19. Jult.( Inpreß.) Der Gauleiter und Reichsstatthalter Wagner hielt eine Ansprache an die Jugend und versprach ihr das tausendjährige heilige Reich Adolf Hitlers. Gegen Herrn Himmler, dem obersten SS.- Führer, der 80 000 Jahre versprochen hat, ist Wagner geradezu ein Miesmacher. Nazikunst Hakenkreuz im Poststempel Das Hakenkreuz im Poststempel trägt als erste deutsche Stadt das Bad Gandersheim. In feierlicher Weise wurde diesem Nazikurort ein neuer Poststempel verliehen, der auf die Bedeutung des Ortes als Solbad und Luftkurort hinweist, und in dem sich, wie die Nazipresse mit Genugtuung mitteilt, das Zeichen des erwachenden Deutschland, das Hakenkreuz" sich befindet. Die Torheit des deutschen Volkes H ,, Die schwelende Glut wird einmal hervorbrechen" IT, Lord Arthur Ponsonby, das bekannte Mitglied des britischen Oberhauses, hat an die in Prag erscheinende„ Wahrheit" folgenden Brief gerichtet: Sie fragen mich, sehr geehrte Herren, was ich über die Ereignisse der letzten Zeit in Deutschland denke und was ich darüber zu sagen habe. Ich hegte für das deutsche Volk stets große Bewunderung, die nicht einmal der Krieg zerstören fonnte. Denn die Deutschen waren schließlich damals, wie viele andere Nationen, auch der Ansicht, aus reinstem Patriotismus ihr Vaterland verteidigen zu müssen. Tapfer kämpften sie gegen eine große Zahl von Feinden. Uns hatte man verpflichtet, die Deutschen anzugreifen. Sie wiederum fühlten sich verpflichtet, ihre Feinde zu schlagen. Doch all das war vorbei, als man den Krieg beendet hatte. Von neuem bekannte ich mich zu der Ansicht, daß es wertvoll fei, die deutsche Kultur zu studieren, die durch hervorragende soziale Fortschritte gekennzeichnet war. Was ich jedoch jetzt zu den letzten deutschen Ereignissen zu sagen habe? Nur das eine: daß meinem Empfinden nach die ganze Nation dem Wahnsinn verfallen sein muß. Ich gebe zu: das deutsche Volk hatte Grund zur Entrüstung und Verzweiflung. Dazu bot nicht nur der Versailler„ Straffrieden", sondern auch die unsympathische Stellungnahme aller Regierungen im Völkerbund Anlaß. Ich gebe weiter zu: das deutsche Volk hatte gerechte Ursache, sich zu beklagen. Denn die anderen Nationen verzichteten nicht auf Sanktionen und verzögerten die Abrüstung. Jedoch dies alles zusammen durfte nicht zum Anlaß genommen werden, um die Grundlagen des eigenen Volks lebens zu zerstören und sich sowohl die Verachtung wie die Verurteilung der gesamten zivilisierten Welt zuzuziehen. Ich denke nicht allein an die barbarische Grausamkeit gegen Unschuldige. Ich denke nicht allein an die widernatürliche Rassenverfolgung, wie sie sich in dem Verhalten gegen die Juden zeigt. Ich denke auch nicht nur an die Ungerechtigkeit, an die bösartige Unterdrückung von Sozialisten und Pazifisten- was mich am meisten bedrückt: das ist die Torheit des deutschen Volkes! Niemals wird man Ideen durch Gewalt ausrotten, niemals wird man auf Revolvern und Bajonetten eine Herrschaft der Vernunft aufbauen können. Man soll nicht sagen, daß die deutschen Methoden mittelalterlich seien. Sie sind Methoden des Wahnsinns, des Jrrenhauses. Je mehr sie das Volk durchdringen, ein um so grökeres Chaos steht dem Deutschland der Zukunft bevor. Man tann Juden töten, Sozialisten gefangen setzen, Pazifisten verhungern lassen, man kann die Grausamkeit ermutigen und Wüstlingen hohe Aemter zuteilen. Man kann das Recht der freien Meinungsäußerung einschränken und Vagabunden regieren lassen. Was aber dann, wenn dies alles geschehen ist? Es wird möglich sein, den Geift der Zivilisation in Deutschland zu unterdrüden- endgültig vernichten wird ,, Rache für Stelling! Freiheit!" Der Schwur am Sarge Bei der Beerdigung des in der Haft ermordeten sozialdemofratischen Führers Johannes Stelling spielten sich bezeich= nende Vorgänge ab. Obwohl die Todesanzeige mit der Angabe der Beisetzungszeit nur in der„ Bossischen Zeitung" ers scheinen konnte, also in einem Blatte, das an die Arbeiter freise nicht herankommt, war die Beteiligung außerordentlich ftart. Die große Halle des Krematoriums in der Gerichtss Straße war lange vor Beginn der Feierlichkeiten überfüllt. Man zählte 1200 Teilnehmer. Als sich der Sarg in die Tiefe senkte, ging plötzlich ein Naunen durch die Versammlung. Dann erscholl aus einer Ede der Ruf:„ Rache für Stelling!", aus einer anderen Ede wurde„ Freiheit" gerufen. Wie ein Mann erhob sich die riesige Trauerversammlung und rief:„ Rache für Stelling! Der Tag der Rache kommt! Freiheit!" Die anwesende Kriminalpolizei ließ sofort die Türen schließen und meldete telephonisch „ Höchste Alarmstufe!" Da aber bereits die Teilnehmer der nächsten Beerdigung erschienen, hielt es die Polizei doch für zweckmäßiger, fein weiteres Aufheben in der so peinlichen Angelegenheit zu machen. Die Türen wurden daher nach reichlich zehn Minuten wieder geöffnet und die Teilnehmer an der Beerdigung Stellings fonnten sich ungehindert ents fernen. Angesichts des in Deutschland herrschenden furchtbaren Drudes muß dieser Verlauf der Beerdigung als eine wuchs tige und erfreuliche Demonstration bezeichnet werden. Der verbotene Bauernaufmarsch Unruhe auch in der SS. Aus Berlin wird uns geschrieben: Am 11. Juli erschien in der deutschen Presse ein Aufruf des neuen Reichsernährungsministers Darre, in dem gesagt wurde, ein für den 12. Juli in Berlin geplanter Bauernaufmarsch müsse in Anbetracht der bevorstehenden Ernte verschoben werden. Dieser Aufruf erregte sofort allgemeines Aufsehen und ließ vermuten, daß andere Zusammenhänge hier verborgen werden sollten. Wir sind heute in der Lage, Näheres über die Vorgänge hinter den Rulissen mitzuteilen. Vor kurzem sagte der ostpreußische SS.- Führer Kaul, die Bauern hätten nun genug vom Feiern; vor September fänden keine Versammlungen oder Demonstrationen mehr statt. Auf Grund dieser Aeußerungen, die eindeutig als Kritik an der Regierung und ihrem ganzen Rummel gemeint waren, wurde Kaul verhaftet. Das war der Funke ins Pulverfaß. Zwölf Stunden später war in Berlin eine Abordnung aus Königsberg mit 200 Unterschriften von SS.- Funktionären, Man flüffert... 3eitungsmeldung: Am Freitag haben sich die neuernannten Reichsminister Darre und Schmidt zu ihrer Bereidigung nach Neudeck zum Herrn Reichspräsidenten begeben. Frage eines Neugierigen: Worauf werden die Herren eigentlich vereidigt? Antwort eines Wissenden: Auf Widerruf! Hitler hat in Westfalen einen Dr. Klein zum„ Treuhänder der Arbeit" eingesetzt. Dieser hat seine Tätigkeit mit der Anordnung aufgenommen, daß Streiks und AusSperrungen jeglicher Art verboten sind. Für jede Neureglung des Arbeitsvertrages ist die Entscheidung des Treuhänders erforderlich. Früher sang das Proletariat das Kampflied Georg Hermeghs mit der Strophe:„ Alle Räder stehen still, wenn dein starter Arm es will." Jezt heißt es:„ Räder stehen nicht mehr still, weil der Treuhänder nicht will!" Aber wird der Treuhänder auch genug Hände haben, um im Ernstfall seinen Willen durchzusetzen?! Nach der gleichgeschalteten Berliner Presse erklärte der Reichslandbundpräsident von Hitlers Gnaden Meinberg auf einem Bauerntag zu Lüßen:„ Führertum hat mit Wissen nichts zu tun." Wer hätte soviel Selbsterkenntnis bei den Nazis erwartet?! Hitler wird von seiner Lakaienpresse wieder einmal beweihräuchert: Er hat auf seinem bayerischen Landgut ein neues Gästehaus errichten lassen( daher das Wort„ Gehaltsverzicht") und dabei, obwohl der Bauunternehmer eine Betonmaschine hatte, angeordnet, daß alle Arbeit mit der and gemacht werden müsse. Wir können dazu noch viel mehr verraten: den umliegenden zwölf Dorfschmieden hat Hitler den Auftrag auf ein nächstes 100pferdiges, achtfißiges Sechszylinderauto gegeben. Jeder von den 12 Schmieden stellt einen Teil des Wagens mit der Hand her. Man hofft, schon im Jahre 1940 mit der Zusammensetzung des Chassis zu beginnen. Ein 21jähriger Schuhmacher in Frankfurt a. M. wurde au 1 Monat Gefängnis verurteilt, weil er, ohne Mitglied der NSDAP. zu sein, ein Braunhemd mit SA.- Lize die ultimativ die sofortige Freilassung von Kaul forderten. Wegen des Ernstes der Situation begab sich der stellvertre= tende Parteiführer Heß sofort im Flugzeug nach Königsberg. Dort erklärte er den SS- Führern, es ständen der national sozialistischen Regierung unendlich schwere Monate bevor, alles verloren. Im übrigen verfügte er die Freilassung des und wenn jetzt auch noch die SS. unzuverlässig werde, sei Verhafteten. Gleichzeitig mußte er sich aber über die Stimmung der erbitterten Bauern informieren lassen. Da auch aus anderen Teilen des Reiches ähnliche Stimmungsberichte vorlagen, wurde der Bauernaufmarsch in letzter Minute ab= geblasen Diese Nachrichten sind vor allem deshalb interessant, weil sie uns von der ersten Rebellion im Lager der SS. Kunde geben. Auch diese zuverlässigste Kerntruppe der Regierung ist also bereits angefressen von der allgemeinen Enttäuschung und Zersezung. man ihn nicht. Es ist Betrug, wenn vorgegeben wird, daß bas vergewaltigte Volt die Barbarei billige. Ideale sind ebenso wenig auszulöschen wie das Fener echter Humanis tät. Die schwelende Glut wird einmal hervorbrechen und jene Peiniger vernichten. Ich glaube, daß Deutschland zur Zeit ein außerordentlich unglückliches Land ist. Troßdem halte ich diesen Zustand für vorübergehend. Es liegt im Wesen der Diktatur, daß sie nicht anderen als provisorischen Charakter tragen kann, mag sie sich auch noch so lärmend gebärden. Neue Pläne zu umfassenden Aenderungen in der Verwaltung der Staaten fönntent manchem Land der Welt heute dienlich sein. Doch ich bezweifle, daß die Pläne und Methoden des Hitler- Regimes zu etwas anderem führen werden als zum völligen 3u= sammenbruch und zum Bürgerkrieg. Die Lage in Deutschland scheint mir den internationalen Frieden zu bedrohen. Denn die Haltung der deutschen Staatsmänner erzeugt weit über die Grenzen des„ germanischen Vaterlanbittere Feindschaften. Aus manchen Briefen, des" hinaus die mir zugegangen sind, schöpfte ich die Ueberzeugung, daß die Deutschen selbst nicht wissen, was eigentlich in hrem Lande vorgeht. London, im Juli 1988. ..Ich bin cin Saujude" Ein Augenzeuge berichtet uns: Ihr Bonsonby. Am Donnerstag, dem 13. Juli, abends 9.30 Uhr, wurde der jüdische Fabrikant N. in Göppingen aus dem Auto gezogen. Es wurde ihm ein Strick um den Hals gelegt und dann wurde er mit großem Geschrei durch die Straßen von Göppingen geführt. Vor jedem Hause, in dem Juden wohnen, machte man Halt und N. mußte dann laut rufen:„ Ich bin ein Sau: jude, ich habe ein deutsches Mädchen geschändet." Außerdem trug er zwei Plakate um den Hals, das eine auf der Brust, das andere auf dem Rücken mit dem gleichen Inhalt. Schließ= lich wurde N. fürchterlich verprügelt, sodaß er einen Bluts erguß erlitt. Es wurden ihm zwei Zähne eingeschlagen. Seine Augen find gefährdet. Die Mißhandlungen wurden von einem Sprechchor begleitet und die Szenen wurden mit Pfeifen unterstrichen. Schließlich, als die Mißhandlungen zu bunt wurden, hat die Polizei eingegriffen. Aber was tat sie? Nahm sie etwa die Anführer und Anstifter, den Kreisleiter Defterreicher von der NSDAP. fest? Nein, sie inhaftierte den Fabrikanten N. Es steht einwandfrei fest, daß N. durchaus falsch beschuldigt worden ist. Schon vor einigen Jahren hatte er einen Prozeß gegen seine Verleumder geführt und ihn gewonnen. Dies ist nun die Nache derer, die damals verurteilt wurden. Sahm muß gehen? Auch Oberbürgermeister Sahm von Berlin Die Stellung des Berliner Oberbürgermeisters Dr. Sahm gilt als erschüttert. Da eine Reihe hoher nationalsozialistischer Funktionäre auf diesen gut bezahlten Posten aspirieren, hat der Innenminister Göring bereits in einem Runderlaẞ festgestellt, daß nach der Entfernung der Sozialdemokraten aus den Kommunen auch solche Personen, die nur mit Hilfe sozialdemokratischer Stimmen in ihre Aemter gekommen sind, zu entfernen sind. Da Dr. Sahm mit Hilfe der Sozialdemokraten zum Oberbürgermeister gemacht wurde, schwebt das Schwert Damokles über seinem Haupte. getragen hatte. Das Gericht erkannte an, daß der junge Der Blitz kommt aus der Höhe Mann nur aus Begeisterung", nicht aus unlauteren Motiven gehandelt habe, sonst wäre die Strafe noch viel höher ausgefallen. Ferdinand Lassalle meinte einst, Begeisterung sei keine Heringsware. Welch ein Irrtum! In Frankfurt wird sie auf einen vollen Monat eingepökelt! Das„ Gemeinschaftsleben" der Referendare in Preußen beginnt. Sturmbannführer Dr. Spieler, mit der Leitung des ersten Gemeinschaftslagers beauftragt, teilte mit, daß bereits demnächst der erste derartige Lagerkurs auf dem Truppenübungsplay in Jüterbog beginnen werde. " Da gehörste hin!", sagt der Berliner. Wäre es nicht ganz gut, wenn bei dieser Gelegenheit die fünftigen Herren Richter auch gleich im Scharfrichtern im Köpfen, Hängen, Füsilieren usw. mitausgebildet würden? Man würde auf diese Weise die Scharfrichterstelle ersparen und zugleich würde der Gang des Verfahrens ganz außerordentlich vereinfacht werden, wenn nach gefälltem Todesurteil der Herr Schwurgerichtsvorsitzende das Beil unter seiner Robe hervorzöge und, während die Herren Beisitzer den Delinquenten anpackten und in entsprechende Lage brächten, gleich das Urteil vollstrecken würde.- Na, Herr Staatssekretär Roland Freisler, Sie russischer Bolschewistenkommissar von 1918, wie wärs?! Ein neuer preußischer Staatsrat, bestehend aus den Nazi- Gauleitern, ist gebildet worden. Die Mitglieder genießen auf der Eisenbahn freie Fahrt und haben unverzichtbaren Anspruch auf Aufwandaentschädigung. Dagegen darf der Staatsrat keine Beschlüsse fassen! Die Mitglieder des Staatsrats singen die Preußenhymne mit folgender Zusatzstrophe: Ich bin ein Preuße, kennt Ihr die Moneten Die mir der Staatsratsposten eingebracht? Ich habe Anspruch täglich auf Diäten, Umsonst werd ich zur Sigung hingebracht. Zwar hab ich nichts zu sagen. Soll ich mich darum beklagen? Solang es mir Diäten nur bringt ein, Will ich in Nazi- Preußen Staatsrat sein! Nietzsche über Rüstung und Abrüstung Reine Regierung gibt zu, daß sie das Heer unterhalte, um gelegentliche Eroberungsgelüfte zu befriedigen, sondern der Verteidigung soll es dienen. Jene Moral, welche die Notwehr billigt, wird als ihre Fürsprecherin angerufen. Das heißt aber: sich die Moralität und dem Nachbar die Immoralität vorbehalten, weil er angriffs- und eroberungsluftig gedacht werden muß, wenn unser Staat notwendig an die Mittel der Notwehr denken soll; überdies erklärt man ihn, der genau ebenso wie unser Staat die Angriffslust leugnet und auch seinerseits das Heer vorgeblich nur aus Notwehrgründen unterhält, durch unsere Erklärung, weshalb wir ein Heer brauchen, für einen Heuchler und listigen Verbrecher, welcher zu gern ein harmloses und ungeschicktes Opfer ohne allen Kampf überfallen möchte. So stehen jetzt alle Staaten gegeneinander: fie setzen die schlechte Gesinnung des Nachbars und die gute Gesinnung bei sich voraus. Diese Voraussezung ist aber eine Inhumanität, so schlimm und schlimmer als der Krieg: ja, im Grunde ist sie schon die Aufforderung und Ursache zu Kriegen, weil sie, wie gesagt, dem Nachbar die Immoralität unterschiebt und dadurch die feindselige Gesinnung und Tat zu provozieren scheint. Der Lehre von dem Heer als einem Mittel der Notwehr muß man ebenso gründlich abschwören als den Eroberungsgelüften .... Unseren liberalen Volksvertretern fehlt es, wie betannt, an Zeit zum Nachdenken über die Natur des Menschen: sonst würden sie für eine allmähliche Herabminderung der Militärlast" arbeiten. Vielmehr: erst wenn diese Art Not am größten ist, wird auch die Art Gott am nächsten sein, die hier allein helfen kann. Der Kriegsglorien- Baum kann nur mit einem Male, durch einen Blitzschlag zerstört werden: der Blig aber kommt, ihr wißt es ja, aus der ( 1880.) Joe. Höhe Hindenburgs Eid ,, Treue um Treue" Wir entnehmen dieses Kapitel dem Buche: „ Hitler, der Eroberer, die Entlar vung einer Legende". Von einem deutschen Politiker. Erschienen im Malik- Verlag, Berlin, Mai 1933). Am Abend der Ernennung des Kabinetts stand der Reichspräsident am Fenster seines Palais. Unten marschierten Stunde um Stunde in unendlichem Zug die„ braunen Soldaten der nationalen Erhebung" vorbei. Frenetisch drang es aus tausend Mündern:„ Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht's nochmal so gut!" Nur selten waren ihre Reihen unterbrochen von einer grünlich- grauen Abteilung Stahlhelm. Einmal wandte sich Hindenburg vorwurfsvoll an Meißner: Warum haben Sie mir nicht gesagt, daß es so viele sind?" Und er setzte später hinzu:„ Die Verteilung der Ministerien ist ungerecht, das muß gleich nach den Wahlen geändert werden." Er ging schlafen in dem Bewußtsein, nach seinem Eid gehandelt zu haben. Stets und diesmal wieder hatte er sich geweigert, eine Diktatur zu errichten. Er hatte einen parlamentarischen Kanzler ernannt. Der sollte sehen, ob ihm das Volk die Mehrheit gab. Bei allen Schritten hatte er die Billigung von Professoren des Staatsrechts, höchst gelehrten Fachmännern, so des berühmten Carl Schmitt, erfahren. Er wollte auch in Zukunft nicht anders handeln. Er hatte nicht vergessen, daß der Verfassungseid, den er schwor, auch die schwarzrotgoldenen Farben schüßte. Er wollte darauf bestehen, daß sie am Tag von Potsdam von den Staatsgebäuden wehten. Der Reichswehrminister mußte geholt werden, um zu sagen, daß die Truppe nicht schießen werde, wenn SA. die Hakenkreuzflagge aufzöge. Da mag der fromme Christ sich vor seinem Gott mit der höheren Gewalt entschuldigt haben, die ja von Gott selbst stammen muß. Nur ein Jahr vorher hat er Geßler, den er zum Kanzler rufen wollte, und der die Ausschaltung des Reichstages verlangte, erwidert:„ Ich habe einen Eid geschworen!" Es war der Eid, den er in die Hand Löbes, des sozialdemokratischen Reichstagspräsidenten, ablegte. Was Geßler verlangte, war zu grob, zu plump gewesen. Erst als diese Pläne durch die Gaukeleien des geistvollen Carl Schmitt mit der Weihe authentischer Interpretation umgeben worden waren, hatte vieles ein anderes Gesicht angenommen. Aber es war dieselbe Hand, die Hindenburg in die Hand Löbes gelegt hatte und die er am 1. Mai, am Tag der Arbeit“ vor allem Volk zum Faschistengruß erhob. Ist das nicht ein Gegensatz, den keine Auslegungstünste vergessen machen fönnen? Das Reichsbanner wird nicht vergessen haben, daß es den Wahlkampf für Hindenburg gegen Hitler führte und gewann, die Männer der politischen Mitte haben die Wahlplakate nicht vergessen, die laut verkündeten:„ Wer Hindenburg wählt, schlägt Hitler". Die Richter des Reichsgerichts, die zugleich schlägt Hitler". Die Richter des Reichsgerichts, die zugleich im Staatsgerichtshof die Oberste Instanz der Verfassungsdeutung sind, mögen vergessen haben, daß sie die Verjagung der Preußen- Regierung Braun- Severing für verfassungswidrig erklärt haben und daß der Reichspräsident, das Erefutionsorgan ihrer Urteile, dem Spruch keine Folge gegeben hat. Aber das Volk hat nicht vergessen, daß die Parolen, die für Hindenburg warben, versprachen:„ Die Treue ist das Mark der Ehre" und" Treue um Treue". Ihnen erwidert die Geschichte selbst, daß es eine Treue gibt, die sich zu allen Zeiten stärker bewährt, als die Treue des Worts. Es ist die Treue, die der Bauer seinem Hof hält, der Soldat seinem Degen, der Fabrikant der Profitrate, der Arbeiter der Arbeiterklasse. Hindenburg ist Junker, Neudeck hält ihn unlöslich verbunden mit dem Junfertum. Es war der letzte Versuch, das Junkertum zu retten, aus dem Kanzlerschaft und Diktatur Hitlers erwuchsen. Am Tage nach dem Reichstagsbrand war Herr von Oldenburg- Januschau Gast bei einem Diner, das der Reichspräfident zur Feier des hundertsten Geburtstages des Generalstabschefs Graf Schlteffen gab. Der Junker spottete laut über die Schwazzbude", die endlich auch zu etwas gut" gewesen sei. Das Staatsoberhaupt verwies ihm mit lächelndem Ernst seine Wizze. Noch am Tag von Potsdam versicherte er dem Mikrofon des Rundfunks, dem Erdrund also: das sei das Wichtigste, daß alles, was geschah, verfassungsmäßig geschah. Und wieder einige Tage später wurde, wiederum verfafsungsmäßig, die Verfassung aufgehoben. * Es gibt dreiunddreißig Biographien Hindenburgs. Sie alle schildern mehr oder weniger ausführlich auch die Geschichte seiner Familie. Wie es in Biographien üblich ist, stellen sie die Entwicklung ihres Helden aus dem Charakter der Ahnen dar. Unter ihnen kommt mehrfach der Name von Polenz vor; die traditionelle Felonie, die ostpreußische Junker in früherer Zeit am deutschen Ritterorden, später an den Monarchen übten, war in dieser seither ausgestorbenen Familie so häu fig, daß man den landesverräterischen Verkehr mit Warschau furzweg„ Polenzen" nannte. Das wird in keiner der Biographien erwähnt. Und ebensowenig ist in einer von ihnen zu lesen, daß ein Vorfahr des Reichspräsidenten, der Major von Beneckendorff und von Hindenburg, zum Tode verurteilt wurde, weil er 1806 die Festung Spandau den Franzosen ohne Schwertstreich übergeben hate Der totale deutsche Einheitsstaat Es schadet nicht, wenn wir nach innen fest zusammen. aussen geschwächt sin wir nur geschweisst sind 90000000 Geheime„ Spionage" Görings Agenten überall... Drei in Straßburg, zwei in Saarbrücken Paris, den 20. Juli 1933. Seit der vor drei Wochen erfolgten Gründung der Aus: Yandsstellen der Geheimen Staatspolizei des Herrn Göring find bei der deutschen Botschaft in Paris bereits vierzig Beamte eingestellt worden. Dreizehn Beamte hiervon waren schon bisher in Paris mit unbekanntem Beruf ansässig, drei in Straßburg, zwei in Saarbrüden; die übrigen tamen unmittelbar von Berlin. Diese Beamten haben bekanntlich für Paris die Funt tionen der deutschen politischen Polizei und des deutschen Spionagedienstes wahrzunehmen unter mißbräuchlicher Be nugung der offiziellen diplomatischen Einrichtungen. * Dieser schwere systematische Mißbrauch der diplomatischen Egterritorialität wird. noch sein Nachspiel haben. Man hat ja am öster reichischen Beispiel des Nazi- Habicht erlebt, wie die Hitlerregierung ihre Spione und Provokateure unter die diplomatische Unantastbarkeit zu stellen versucht, um ihnen ihre Verbrecherarbeit gegen den Frieden und die Unversehrtheit der Nachbarstaaten zu erleichtern. Wir haben allerdings auch erlebt, mit welcher Energie die Regierung des kleinen Desterreich darauf mit dem Hinaus wurf der Habicht und Konsorten geantwortet hat. Frankreich wird die Antwort auf diese Gangster Metho. den der Hitlerdiplomatie nicht schuldig bleiben. Mindestens so interessant ist aber die Feststellung in der obigen Meldung, daß zwei der Naziverbrecher Typenzur Bespigelung Frankreichs bisher in Saarbrücken tätig waren. Wir haben bereits vor einigen Tagen festgestellt, daß das neue Saar- Naziamt bei der politischen Zentrale der nationalkapitalistischen Bartei in Berlin nichts anderes darstellt, als ein Saar. Terforamt und dabei nach einer durch Jnpreß" verbreiteten und aus bester Quelle stammenden Meldung im wenn TROPP Hitler- Generaloberst! Die Reichswehr wollte nicht... Die„ Volksstimme" in Saarbrüden meldet ans Berlin: Durch Indiskretion einer der Reichswehr nahestehenden Persönlichkeit des Berliner politischen Lebens wird erst jetzt bekannt, daß Herr Hitler im Juni dieses Jahres durch Vers mittlung des nationalsozialistischen Abgeordneten Prinzen August Wilhelm von Hohenzollern an eine Reihe von höheren Offizieren der Reichswehr das Anfinnen richten ließ, sich das für einzusetzen, daß ihm, Hitler, der Rang und die Uniform eines Generalobersten vom Reichspräsiden ten im Namen des deutschen Boltes und auf Wunsch der Reichswehr" verliehen werden. Obwohl Prinz August Wilhelm sich mit Energie dieser heiklen Aufgabe unterzog und eine Rundreise quer durch Deutschland anstellte, scheiterte der Plan am allgemeinen Widerstand der Generäle der Reichswehr, die ablehnten, sich für Hitlers Eitelkeiten zu verwenden, und die von dem neuen Kollegen" nichts wissen wollten. Die Verleihung der Würde eines Generalobersten sollte nach den Wünschen Hitlers zum 1. August, zum Jahrestage des Kriegsausbruches, erfolgen. Die belächelnswerte Eitelkeit des Herrn Adolf Hitler alias Schicklgruber aus Braunau bzw. Polna ist betrüblicherweise durch die verständnislosen Herren Reichswehr. generäle abgeschmettert worden. Sollten die Herren vielleicht Befürchtungen tragen, daß der Generaloberst von Hitler mit seinem militärischen Ehrgeiz, der während des Krieges nicht über den Gefreiten hinaus gelangte, mehr beabsichtige, als nur einen Ersatz für den Titel„ Duce", den sein sklavisch nachgeahmtes Vorbild Mussolini vom König von Jtalien erhalten hat? Sollten die Herren Reichswehrgeneräle vielleicht vermuten, daß ein solcher neugebackener Generaloberst den vielleicht eines Tages notwendigen militärischen Belagerungs will?! Aber wie dem auch sei: Für die Militärkamarilla in Gaargebiet bereits zwei Nazi- Spionage. austand unter eigenen Befehl nehmen zentralen und Spezialposten der Ge. heimen Staatspolizei bestehen und die Aufstel lung aktiver Terror- und Sprengstoffabtei Iungen bereits begonnen hat. Wir glauben, daß der Zeitpunkt gekommen ist, in dem durchgreifende Maßnahmen zur Sicherung der Saargrenzen und zum Schutz des Saar. gebietsporjeglicher Artoon Terror Akten des Nationalsozialismus ergriffen werden müssen. Das ist um so mehr erforderlich, als, wie wir noch vorgestern nach amtlichen Verlautbarungen des offiziellen Conti- Büros der Nazi- Regierung nachgewiesen haben, daß an der Saar trotz des Verbots der Regierungskommission SA. und GS. weiterbe. stehen und dem Kommando innerdeutschen Stellen der Nazipartei unterstellt sind. Um alle diese Vorgänge zu tarnen, wurde dann nach außen hin bekannt gegeben, daß der neuernannte Gauleiter Nazi- Spaniol allein für alle Maßnahmen im Saargebiet verantwort lich sei die in Wirklichkeit jedoch durch die politische Zentralleitung der Nazipartei und das Geheime StaatsHitlerdeutschland bleibt Adolf lediglich der willkommene Feldwebel zur neuen Militarisierung und Herstellung der Aufrüstungsmentalität im deutschen Volke. Sobald dieser neue Unteroffizier von Potsdam mehr zu sein verlangt, zeigt man ihm die kalte Schulter- obgleich er sich als Ernennungstermin ausgerechnet den Jahres tag des Kriegsanfangs vom August 1914 als einen deutlichen Wink mit dem Zaunpfahl an den Generalstab, der schließlich Hitlers Mannschaften braucht, ausgesucht hatte. Das sächsische Aerzteblatt, das in Nr. 11 in gleichgeschalteter Liebedienerei schrieb:„ Er steht in den Augen und Herzen der Nation, ja, im Grunde aller hochwertigen Völker, so hoch infolge seiner Leistung und natürlichen Würde, daß der Titel eines Raisers keineswegs zu hoch für ihn wäre", hat also zweifellos etwas zu hoch gegriffen. In den Augen seiner eigenen Verbündeten langt es nur zum„ Sergeanten vom Dienst". polizeiamt Görings vorbereitet und durchgeführt werden. 500 Nazis interniert Videant Consules! 6 Millionen Juden Weltboykott gegen Deutschland m. b. London, 19. Juli.( Inpreß.) Samuel Untermeyer, der eine Weltboykottbewegung der Juden gegen Hitler organisiert, tritt im Namen von sechs Millionen Juden auf. Er teilt in der englischen Preffe mit, er habe nicht die Absicht, Hitler aufzusuchen, der ihn eingeladen habe. Er werde gegen Hitler fämpfen. Wenn Hitler beispielsweise erklärt habe, kein Film, der in den Vereinigten Staaten von Juden gemacht worden sei, dürfe in Deutschland gezeigt werden, so stelle er, Untermeyer fest, daß praktisch fein amerikanischer Film mehr nach Deutschland tommen könne. Aber hier werde die amerikanische Regierung auch noch ein Wort mitzureben haben. Untermeyer entfaltet von London aus eine fieberhafte organisatorische Tätigkeit. m. b. Zuwachs in den Konzentrationslagern Daß die inneren Auseinandersetzungen in der nationalsozialistischen Bewegung bereits einen sehr großen Umfang angenommen haben, geht daraus hervor, daß nach zuverlässigen Informationen von höheren Funktionären der SA., der SS. und der sonstigen Organisationen der NSDAP. gegenwärtig bereits etwa 500 in den Gefängs nissen und Konzentrationslagern interniert worden sind. Nach dem Fund der Leiche von Stelling sind erneut in der Dahme einem Nebenarm der Spree im Südosten Berlins - acht gräßlich verstümmelte Leichen gefunden worden. Sechs waren linksstehende Personen, a wei wurden als Mitglieder der A. festgestellt. Man darf annehmen, daß bei der Ers mordung der Gegner auch gleich unbequeme A.- Leute von ben eigenen Kameraben um die Ede gebracht worden find, Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" Oskar Maria Graf Goethe im Dritten Reich Jeßt, weil der Hitler samt seinem so pompös angekündigten Vierjahresplan nur das Gegenteil von einer Besserung der allgemeinen Lage und von der Lebenshaltung des einzelnen erreicht hat, jezt betreibt man bei uns im Dritten Reich erhöhte Kulturpropaganda. Grad notwendig und wichtig hat man es. Der Kampfbund für deutsche Kultur und die einschlägigen Instanzen schicken ungezählte Aufklärer" in die Dörfer des flachen Landes. Jeder Parteigenosse oder SA.Mann, der sich irgendwie einmal mit Büchern und dergleichen beschäftigt hat, wird herangezogen, und da selbstverständlich eine solche Betätigung nicht nur sehr lohnend ist, sondern auch einen gewissen geistigen Nimbus gibt, so melden sich wie sich denken läßt haufenweise Anwärter dafür. " Pflügt die deutsche Bauernseele mit Geist!" verkündete eine diesbezügliche Proklamation des Kampfbundes:„ Düngt unser unverdorbenes Landvolk mit den Inhalten unserer reichen, tiefen nationalen Kunst und Dichtung!" Auf diese Weise ist jetzt sogar schon nach Hinterwiegelbach, Gemeinde Wiegelbach, Pfarrei Anzhofen, der Goethe hingedrungen. Nämlich vorige Woche hat im Saale des Postbräus von Anzhofen eine derartige Kulturversammlung stattgefunden. Unverschwiegen soll es bleiben- unter großem Andrang. So eine Versammlung ist ja immer eine ganz nette Unterhaltung. Wer dort redet und was geredet wird, ist ganz Wurscht. Die Hauptsache ist, daß sich was rührt. Ob es jetzt ein Marionettentheater oder ein Zirkus, eine Aufführung des Burschenvereins oder eine politische Versamm lung ist, immer wird der Postbräusaal voll dabei. Der Herr Parteigenoffe Referent hat seine Sache auch ausgezeichnet gemacht. Er hat nicht bloß höllenmäßig über die vierzehn Jahre Lotterwirtschaft des vergangenen Regimes, über die Verbrecher" und Juden, die uns so weit in den Dreck gebracht haben, geschimpft, nein, nein, er ist auch um es gebildet auszudrücken in bessere Kultursphären in bessere Kultursphären hinaufgestiegen. In Hinterwiegelbach ist unsere Dorfschule und da hat auch ber Bürgermeister Alois Schmauseder seinen Siz. Folgedessen find auch der Lehrer Haunsberger und der Bürgermeister bei der betreffenden Versammlung zugegen gewesen. Und wo diese Prominenten einmal hingehen, da kommt selbstverständlich der große Haufen nach. Also gut, der Rebner hat einmal mit großem Schwung gesagt:„ und stellt euch doch vor, werte Anwesende, Deutschland ist das Land der Dichter und Denter! Wir haben die größten Genies und Erfinder auf jedem Gebiet, aber- so frag ich wer hat in der Gott sei Dank für immer verschwundenen Novemberrepublik Achtung vor uns in der Welt gehabt? Nein Mensch! Und warum das? Weil wir vor der Machtergreifung unseres großen Führers Adolf Hitler militärisch überhaupt keine Macht mehr gehabt haben, weil wir bis jetzt wehrlos waren, darum hat uns auch all unsere geistige Größe kein Ansehen verschaffen können. Unsere großen Denker und Dichter und Erfinder sind fast alle verHungert, und jetzt, weil sie tot sind, jetzt gehen unsere Erzfeinde her und wollen uns auch noch die Ideen, die Erfin bungen und die hinterlassenen Kunstwerte dieser Großen unserer Nation stehlen! Und warum das? Weil wir uns bis jetzt gegen diese niederträchtige Räuberei einfach nicht haben wehren können!" Er hat einen Schluck Bier genommen und noch begeisterter weitergeredet:„ Zum Beispiel voriges Jahr, da haben wir Deutsche die hundertjährige Wiederkunft des Geburtstage 3 unseres größten Dichters Johann Wolfgang Goethe gefeiert. Die ganze Welt lebt nach seinen Ideen. Er hat Bücher geschrieben, die in alle Sprachen übersetzt worden sind. In Amerika, in Australien und in den verstecktesten Inseln werden seine Werke gelesen. Wir Deutsche tönnen stolz sein über den Besitz eines solchen Genies, aber gar nichts hat es uns geholfen vor Hitler sind wir entmachtet gewesen. Kein Heer, teine Waffen, radikal gar nichts haben wir gehabt, mit was wir unseren niederträchtigen Feinden hätten vorschreiben können, wie der große Deutsche gefeiert werden müßte!" Auf diese allerdings nicht grad wirkungsvollen Worte, die feinen Bauern recht interessiert haben, weil nichts Handgreifliches drinnen vorgekommen ist auf diese Worte hin haben bloß der Lehrer und der Bürgermeister den Kopf gehoben und einander zuerst fragend angeschaut. Alsdann aber ist es dem Schmauseder doch ein wenig zu dumm geworden. ,, Wia schreibt sich der, vo dem er redt?" hat er den Lehrer gefragt und genau so den Redner: Wia schreibt er sich?" " Goethe!" unterbrach sich der Redner befliffen. " Wos sogst? Hundert Johr sollt der vit( alt) sei? Dös gibts ja nachher dengerst( doch) net," hat der Bürgermeister beleidigt hingeworfen, hat ein zweiflerisches Gesicht gemacht und sofort die anderen Bauern mitgerissen. Der Redner wollte fortfahren, aber er ist nicht mehr zum Wort gekommen. " Hundert Johr? Ah, geh! Lüag üns doch net gor a so o, gell!" hat der Enzensberger gebrüllt, und jetzt ist es schon von allen Seiten losgegangen. " Do müaßt man doch schon wos in der Zeitung glesn habn! Hundert Johr, hm?! Und man hot überhaupts noch nig derfahrn davo? Ah, man kennt den Menschen gor net? Geh, här auf mi dein'm Schmarrn!" schrie es durcheinander. Der Redner kam wirklich in Bedrängnis und wußte nicht mehr weiter, weil die schimpfenden Bemerkungen grad so niederhagelten auf ihn. Der Lehrer Haunsberger erkannte die vorhandene Gefahr und er ist auf das hin aufgestanden. Bauern und Bayern! Werte Anwesende!" hat er mit seiner mächtigen Stimme geplärrt:„ Der Goethe ist ja schon hundert Jahre tot! Der Redner hat sich geirrt!" „ Wos? Tot? Hundert Johr tot? Ja, wos redt er denn nachher davon?" erhoben die verärgerten Anwesenden Einspruch. Seinen Mißgriff jäh erkennend, wollte sich der Redner fuchtelnd Gehör verschaffen und schrie:„ Ah, natürlich! Entschuldigung! Irrtum! Irrtum meinerseits, werte Anwesende, Irrtum!" Und um seine profunde Kenntnis in allem leuchten zu Isen, leierte er, wie aus dem Konversationslexifon auswendig gelernt, hastig herunter:„ Johann Wolfgang Goethe, unser größter deutscher Dichter, wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und und verstarb am am..." Jetzt war es aber schon ganz aus mit dem Respekt. In Hinterwiegelbach und überhaupt im ganzen altbayrischen Geviert hat man seit ewiger Zeit so seine festen Ansichten und die kann auch der Hitler nicht ausrotten. Unmöglich! Feste Ansichten sind das über bestimmte Städte beispielsweise. In Berlin, sagt man, da gibt's bloß Preußen, in Hamburg nur Matrosen, in Köln sind die Rheinländer daheim und in Frankfurt die- Juden! „ Wos? Wos? Vo Frankfurt is er hergwefn, der Geethe? Wos? A Jud is er gwesn? A Jud aa noch? Wos? Wos? schrien die versammelten Bauern rebellisch durcheinander und wurden immer grimmiger: Wos, du damischer Kerl do drobn, du damischer! Du Bazi, du elendiger! Zerst redtst in van fort vo dö Daitschn und jetzt fimmst auf oamoi( einEreignisse und Geschichten mal) mit aran solchern windign Saujudn daher, dö wo boch der Hitler verbotn hot!" Und sie nahmen im Nu eine derartig drohende Haltung gegen den Redner ein, daß dieser eiligst die Flucht ergriff. Seither hat der Nationalsozialismus- bet aller Staatstreue im dortigen Gebiet in Hinterwiegelbach und Umgebung alles Renommee verloren. Es ist auch merkwürdigerweise kein solcher Kulturvortrag" mehr abgehalten worden. Namen mahnen! Ein holländischer Mitarbeiter schreibt uns: Mendes da Costa, Cologo de Montero, Lopes Cordoso, Lopes Diaz- wo begegnet man diesen flangvollen Namen? An den Haustüren von Amsterdam sind sie zu lesen. Sie erinnern daran, daß es vor mehr als 400 Jahren einmal eine Judenaustreibung aus Portugal gegeben hat und daß es die Holländer waren, die die vertriebenen Juden aufnahmen.( Ein Nachkomme dieser portugiesischen Flüchtlinge war u. a. der berühmte Philosoph Spinoza.) Nun, das sind feststehende Dinge. Warum wird daran erinnert?- Weil sie ein Prüfstein für die Richtigkeit gewisser Theorien abgeben. Wenn nämlich die nationalsozialistische Lehre recht hat, so müssen die Portugiesen infolge ihrer Selbstreinigung vom jüdischen Gift seit 1500 mächtig emporgeblüht sein, während die Holländer, die sich leichtfertig selber mit diesem blutsaugerischen Parasitenvolt infizierten, ficherlich e lend verkamen...? Und so war es in Wirklichkeit: Portugal, das sich um 1500 mit Spanien in den Besitz der Seeherrschaft und der Kolonien teilte es war u. a. seit Vasco da Gama im Betz von Vorder- und Hinterindien, stürzte im folgenden Jahrhundert von der stolzen Höhe und sank zu einem der 8urückgebliebensten Länder Europas herab. Die Niederlande erlebten dagegen im 16. und 17. Jahrhundert eine ungeahnte Blüte als Kultur-, Handels- und Seenation, und wenn sie auch gegen England die Seeherrschaft nicht auf die Dauer behaupten konnten, so blieben sie doch eines der reichsten und tultu viertesten Länder der Welt; ein Land, so wohlhabend, daß es jetzt den Bankrott seines deutschen Schuldners erlebt, der ihm zirka 2 Milliarden schuldet, ohne daß dadurch eine Panik oder ernstliche Zahlungsstockung in Holland entsteht! Portugal ohne, Holland mit Juden. Ist diese Ent widlung rein zufällig? Man schlage den soeben erschienenen 14. Band des Großen Brockhaus", des wegen seiner Objektivität allgemein anerkannten deutschen Konservationstons, auf. Dort Itest man unter" Portugal" folgendes: Dem spanischen Königspaar zu Gefallen vertrieb er ( König Emanuel 1. von Portugal) in den Jahren 1496/97 die Juden und die nach dem Fall Granadas ins Land ge= kommene Mauren oder ließ sie zwangsweise taufen. Damit aber beraubte er Portugal der fleißigsten und wirt schaftstüchtigsten Boltsteile. Die Glanzzeit Portugals trug überhaupt schon den Keim des Verfalles in sich. Das past wahrlich schlecht zu Hitlers Theorie, daß die Juden es sind, die den Verfall ihrer Wirtsvölker herbeiführen. Wird nun übrigens auch der„ Große Brockhaus" auf den Scheiterhausen der deutschen Bücherinquifitoren Joe. wandern? Stufen Stufen zur Spize enrer Macht, Stufen zum Turme enrer Gewalt, Steilen sich unsere Leiber. Leicht und mühlos und ohne Gefahr Steigt ihr zum Gipfel, zum Gipfel empor, Harter Schritt knallt auf die Stufen... Uneben, zerrissen wäre der Weg, Schmiegte sich nicht Stein an Stein, Stufe an Stufe, Körper an Körper... Ihr und das Schicksal, das uns In den düstern Gaffen aus dem Mutterleibe riß, Ihr und das Schicksal habt Körper an Körper Und Leiden an Leiden Aneinandergetettet, aneinandergeschweißt. Granit läßt sich williger zerstüden Als sie, die unzerreißbare Einheit. Nie währte Geduld länger und ward fie Grausamer genugt als unfere. Doch, ihr, seid wachsam, einmal wird Ein Zucken und Zucken durch die Glieder des Koloß Laufen und springen, aufbäumt sich Der Riese und schüttelt sich aus weitem Schlaf... Und atmet tief die fremden Düfte ein Und grüßt die Sonne, die unserer Freiheit Jubelt und jauchzt... Ihr, ihr seid in die Tiefe hinabgeschleudert, Abgeschüttelt, läftiges Ungeziefer... Hoch in den Strahlen des Lichts Glühen und wachsen wir! 28. Wilf. Das Das Buch sticbt in Deutschland ! Das gleichgeschaltete„ Börsenblatt für den Deuts schen Buchhandel" veröffentlicht eine Bekanntmachung, in der es heißt: Verschiedene Kreisvereine haben in den letzten Tagen an uns das Ersuchen gerichtet, sofortige Maßnahmen zur Abwendung der im Sortiment herrschenden Notlage zu er greifen. Wir weisen darauf hin, daß eine Besprechung der Verhältnisse im Buchhandel mit Herrn Reichsminister Dr. Göbbels unmittelbar bevorsteht.. Vor allen Dingen muß der Buchhandel sich selbst helfen. Dabei muß er, wie in früheren Notzeiten, den Gedanken der Arbeitsgemeinschaft in den Vordergrund stellen. Jeder Buchhändler soll das Verhältnis zu seinen Berufskollegen darauf einstellen, daß Gemeinnuß vor Eigennus geht. In diesem Sinne sprechen wir die dringende Bitte an den Verlag aus, Wünsche der Sortimenterkunden auf Verlängerung der Zahlungsziele und auf Zahlungsstundung im Rahmen des Möglichen zu erfüllen. Kurz und gut: den Buchhändlern geht es im Dritten Reich hundsmiserabel.- Deutschland war das Land höchster Buchkultur; jedoch diese Kultur ist auf den Scheiterhausen, die Göbbels anzündete, gestorben. Die Kulturmenschen, die Bücher gelesen haben, wagen es nicht mehr, Bücher zu kaufen. Eine gute Bibliothek kann zum gefährlichsten Beweis für politische Unverläßlichkeit werden. Die andern aber, die heute Deutschland beherrschen, pflegen Bücher nicht zu lesen, sondern nur zu verbrennen. Und da der Buchhandel von Hitlers„ Mein Kampf" und von Karl May allein nicht leben kann, geht er im Namen von Deutschlands Erneuerung zugrunde. Was man Was man sich zuflüstert Eine Frau betritt in Leipzig eine Buchhandlung. Ich „ Darf es möchte ein Buch für meinen franken Mann." vielleicht etwas Nationales sein?"" Nein danke, so krank ist er nicht!" Ein Pariser, ein Wiener und ein Berliner unterhalten sich über die Frauen. Der Franzose sagt:„ Bei uns schäßt man am meisten die reife, mondäne Frau." In Wien", ente gegnet der Zweite, hat man die jungen, feschen und reschen Maderln am liebsten." Darauf der Berliner:„ Und bei uns im Dritten Reich ist die begehrteste Frau momentan die arische Großmutter!" Der nicht sehr germanisch aussehende Doktor Göbbels ift zufällig unerkannter Zeuge eine SA- Razzta. Plötzlich zupft ihn jemand verstohlen am Rocke und flüstert:„ Mensch, Jude, mach' Beene; hier ist dicke Luft!" Darauf entrüstet sich Göbbels:„ Erlauben Sie mal, ich bin Dr. Josef Göbbels!" Da fängt der andere zu lachen an:„ Det is doch zu doll! Eben hat die SA. einen anderen Juden laufen lassen, der fich für Göbbels ausgab." Große Aufregung im Parterre bei der SS.- Wache. Einer hat einen weißen Geist gesehen, die weiße Frau". Alles alarmiert! Durchsuchung der Räume! Zuletzt kommt man in das Arbeitszimemr des Reichskanzlers. SS. stellt fest: Hitler sitzt da und regiert; vom Geist keine Spur! Ein Saarwagen fährt über Homburg nach Kaiserslautern. In Landstuhl wird das Auto von einem SA.- Mann ange= halten:„ Wollen Sie mich mitnehmen, ich habe in Kaiserslautern dringend zu tun!" Frage des Fahrers:„ Wer sind Sie denn?" Antwort:„ SA." Darauf der Chauffeur:„ Hitler sagt, SA. marschiert. Wir fahren!" Und fuhr davon. Biel tausend Funken, eine Glut, Viel Herzen und ein Schlag, So harren wir gar wohlgemut Bis an den Jüngsten Tag; Die Einheit muß verschlingen Die böse Zwei, Dann soll es donnernd flingen: Deutschland ist frei! Gerwegh DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Onkel Vogelfrey Doo, wie schön, Onkel Vogelfrey will mit uns Kindern in den Wald: das wird aber fein. Mit Onkel Vogelfrey auf Wanderfahrt und zu denken: daß Onkel die Sprache der Bögel und Pflanzen versteht. Herrlich wird das. Vor Freude schmeckt uns heute früh schon kein Kaffee und Brot mehr. Mutter, adjes- hinaus gestürmt aus dem Haus Treffpunkt die andern sind schon da-- ei, guten Morgen, Onkel Vogelfrey- und dann gehts mit Gesang zur Stadt hinaus das Wandern ist der Kinder Lust- hinaus in die Ferne der Sommer ist gekommen wo wächst der hohe schöne Wald? Die Sonne spielt auf der Geige. zum Felder links und rechts. Obstbäume an der Chaussee was sagen die Obstbäume? Was sie sagen? Kinderchen, fagen die Obstbäume: guckt mal auf meine Aeste' nauf, da fizzen all meine Kleinen, meine Kinderchen, die ersten Aepfelchen, die Sonne hat sie ausgebrütet wenn sie groß sind, meine Kinder, dann schenke ich sie euch alle: die rotwangigen Aepfel. Onkel, was find das für Felder? Links der Roggen, rechts der Weizen. Die Lerche drüber hin. Höret, Kinder, wie die Lerche jauchzt: liebe Menschlein, fliegt mir nach, breitet eure roten Herzensschwingen: hinauf fliegen wollen wir, bis an den blauen Baum des Lebens unter dem das liebe Mütterchen Sonne fizzt- und ihren Fiedelbogen zieht, tlingklang: über die goldenen Saiten! Ein anderes Feld. Ein Kleestück. Roter duftender Klee. Horche- das Sensenlied, ein Bauernwagen mit zwei braunen Füchsen davor: und der Bauer wetzt die Sense Onkel, was heißt das?- Roter Klee und weißer Klee Hochzeitskranz und Totenkranz heute Freude, morgen Weh. Höret und sehet drei Schatten fliegen durch die Luft - drei Raben die Totenvögel: Grab! Grab! Grab! Doch am Acerrain fiebeln die lustigen Grashopper- gib: gib: gib- gib dich ganz der Freude des Augenblicks hin. Hoo, Onkel, da hoppelt' n Hase was sagt der? Niemals trauen, niemals trauen: immer lieber von weitem schauen und die Ohren spißen, man kann niemals wissen! Der Waldhei, der Wald öffnet uns seine Arme Kinder, kommt an mein Herz. Daß ich euch meinen frischen Odem in die lebendigen Seelen blase: daß meine Schönheit und Freiheit euch ganz durchdringe! Singe. Berne. Sei gut. Gut ist Gott. Zuerst geht es durch Haselbusch. Dann kommt Jungeichenwald. Onkel, was schreit denn die Elster? Geht nicht an die Vogelnester, schreit die schwarzweiße Elster. Und was schreit der blaue Häher? Laßt die Haselnüsse fißen, bis sie reif sind. Hoo, Onkel Vogelfrey: hier ist ein Korallenbaum, rote Mensɗienkind und Schimpansenkind Bor ungefähr einem Jahre erregte der Professor der Piychologie an der Universität von Indiana, Dr. Kellogg, mit einer eigenartigen Ankündigung Aufsehen. Er wollte ein Schimpansenjunges zusammen mit seinem kleinen Söhnchen Donald erziehen und die beiden unter völlig gleichartigen Bedingungen groß werden lassen. Er erhoffte sich von diesem Experiment interessante Aufschlüsse über die Psychologie und Intelligenz der Menschenaffen. Jezt ist dieser mit Interesse erwartete Versuch beendet und Professor Kellogg hat sein Ergebnis mitgeteilt. Ungleidie Entwicklung Gua, das Schimpansenkind, war siebeneinhalb Monate alt, als Professor Kellogg es in sein Haus nahm. Der fleine Donald zählte damals zehn Monate. Menschenkind und Affenkind wurden nun vollkommen gleichartig und ge= meinsam erzogen. Sie erhielten gleiche Kleider, gleiche Nahrung, bekamen dasselbe Spielzeug und schliefen sogar nachts in gleichfarbigen Pyjamas. Das Ergebnis der ersten Monate war für die Eltern erschreckend. Sie stellten zu ihrer namenlosen Verblüffung fest, daß der kleine Affe erheblich mehr Intelligenz an den Tag legte als das Menschenkind. Gua bewies eine raschere Auffassungsgabe als sein Spielkamerad; wenn ihm etwas gezeigt wurde, so lernte er schneller als Donald. Ueberhaupt zeigte er bedeutend mehr Lebhaftigkeit und Geschicklichkeit. Diese Ueberlegenheit dauerte jedoch nur bis zum 16. Lebensmonat des Schimpansenfindes. Von diesem Zeitpunkt an vollzog sich seine psychische Entwicklung wesentlich langsamer als früher, während das Söhnchen des Professors sich in beschleunigtem Tempo zu entwickeln begann. Die Entscheidung In den ersten Monaten des Experiments konnte man im Benehmen der beiden ungleichen Spielgefährten kaum einen Unterschied wahrnehmen. Der Schimpanse benahm sich ebenso wie der Mensch, ja, er begriff ebenso wie der kleine Donald, was der Professor und seine Angehörigen zu ihm sprachen. Das entscheidende Erlebnis für das Affenkind waren die ersten Sprachversuche des„ Brüderchens". Als der kleine Donald zu sprechen begann, war der Schimpanse völlig verwirrt und bemühte sich vergebens, seine Sprache nachzuahmen. Nicht ohne Ergriffenheit verfolgten die menschlichen Pflegeeltern diesen Versuch. Der kleine Schimpanse wurde aber feinem Gefährten entfremdet, ja, er begann ihn sogar zu fürchten und zeigte keine Lust mehr, mit ihm zu spielen. Es sprach eine Schwalbe zu einem Kalbe: " Sag, fannst du fliegen, in Lüften dich wiegen?" Das Kalb sprach:" Muh! Laß mich in Ruh! Ich habe keine Zeit dazu." Korallenbeeren, wir machen uns forallene Halskettchen davon: wir Mädels.- Nir da anrühren, die roten Beeren sind Tollkirschen nicht immer ist das Schöne schön, oft ist das Schöne nur eine Lockspeise- Köder auf den Fisch. Jahaa jetzt sind wir im richtigen Hochwald wie ein Part Gras und Farnkraut, unterm Farnkraut spielen die rotnafigen Gnomen Würfel, auf der Stubbenplatte eines abgesägten Eichenbaumes. Vielhundertjährige Eichbäume und alte bronzestämmige Rotbuchen- o, wie würzig sich die Luft atmet. Oben zwischen den Baumwipfeln zeigt sich des Himmels leichtes Blau- und noch leichtere Alabasterwölfchen gucken mit einem schneeweißen Zipfel zu uns Kin dern in den Wald. Huuh, Onkel, was war das für ein Schrei? Das war der Jagdruf des Sperbers. Was ruft der Sperber, Onkel? Ich bin der Starke, fürchtet mich: ihr Schwachen! Wie aber sollen wir Schwachen uns wehren, Onkel? Schließt euch zusammen, zur Arbeit und Freiheit dort das Volk der rotbraunen Ameisen: im schwarzen Fichtenwaldstück Nadel auf Nadel tragen die Ameisen zusam men: Tannen- und Kiefernnadeln, Balken zu Balken und stolz wächst die Ameisenburg. Obendrauf die Flagge der Gemeinschaft. Ein Volt, ein Wert, eine Freude! so mie hoch Und jetzt sind wir am Weiher, rund herum die schönen grünhaarigen Birken: um den Weiher tanzen die Waldnigen, ihr fliegendes grünes Haar wie frisch geht hier der Wind. Drüben steigt die Felswand: Braunwacke- Goldwacke, im Felsspalt waltet Rübezahl seines Amtes, als Feuermeister im Fels drinnen schmieden die Kobolde das glitzernde Geschmeide. Für wen ist denn das Geschmeide, Onkel Vogelfrey? Für den, der offene Augen hat. Braunwacke: Goldfels. Junges Buchenblatt- Smaragde. Im WeiNähe Waldfriedhof von Erich Häfner Männer stolperten stumm durch den Wald. Riefernadeln fielen auf ihre Zylinder. Die Gehröcke glänzten. Sie waren alt. Männer stolperten stumm durch den Wald wie zu groß geratene Kinder. Der schwarze Leichenwagen fuhr zwischen den Bäumen langsam nach Hans. Nun lag der Leichnam in der Natur und der leere schwarze Wagen fuhr wieder aus ihr heraus. Ein Mann blieb an einem der Stämme stehen Schuld trug die viel zu lange Predigt. Er wippte verlegen auf seinen Zehen und konnte sich selber nicht recht verstehen. Dann war auch Das erledigt. Er rannte hinter den Andern her, jenem Baumftamm zu entfliehn. Als ob gar nichts gewesen wär und tief bekümmert sagte er: „ Schade um ihn." Die Andern nidten ftreng und alt. In ihren Ohren flang Choralgefang. Der Simmel sah aus wie feuchter Asphalt. Die Männer ftolperten stumm durch den Wald ins Restaurant. Was es alles gibt her glizern Türkisen. Opalen liegt die Luft überm weiber. Affen im Strandbad Die Falter vertragen Rubine. O wie schön ist es hier. Welcher Reichtum: an funkelnden glitzernden Farben. Und am Ufer des Weihers wächst Schilf. Die kleine luftige Rohrdommel pfeift ihr Kinderlied. Im Nest schlafen die Kleinen. Die violetten Libellen, lautlos huschen sie hierhin huschen sie dorthin wie rastlose nimmermüde Gedanken. Soo, Kinder, hier an der Felswand wird jezt das Feuer angemacht den Hordentopf mit der Erhswurst drüber und nun nimmt Onkel Vogelfrey der Lisbeth den großen hölzernen Kochlöffel ab und er selber rührt die duftende Suppe um und er spricht den Mittagsspruch Feuer: Inistere und flamme- nicht zerstörend, sondern segnend, Felder gaben ihre Früchte, Wasser macht das Ganze gar. Nach dem Schönen, nach dem Reichen- laßt uns speisen, laßt uns rasten. Onkel Vogelfrey: dein Kuckuck ruft. Onkel Vogelfrey, wie lange lebst du noch? Ein zwei- drei- acht Jahre. dm. Das ist für mich Alten genug. Ladien nicht verlernen Aus der Frankfurter Jllustrierten": „ Am Nordpol find sechs Monate Tag und sechs Monate Nacht." " Da möchte ich leben." Warum?" " Wenn ich einen Wechsel einlösen soll, sage ich: Kommen Sie morgen." ,, Als Sie auf den riesigen Tiger stießen, warum haben Sie ihn denn da nicht erlegt?" Für einen Bettvorleger hatte er doch nicht den richtigen Gesichtsausdrud." In Hagenbecks Tierpart in Stellingen gibt es nicht weniger als zweihundertfünfzig Affen. Für sie wurde vor einigen Tagen ein regelrechtes Strandbad eröffnet, das fünfzig „ Badeluftigen" Plaz bietet. Ganz klar ist den Affen die Bedeutung dieser neuen Einrichtung offenbar noch nicht geworden; vorläufig betrachten sie jedenfalls die vielen Badehäuschen als die Hauptanziehungspunkte des Strandbades, denn diese sind ständig von Einlaßsuchenden umlagert und werden gewöhnlich paarweise auf längere oder kürzere Zeit besetzt. Auch auf den Dächern dieser Häuschen hat sich schon ein reges Badeleben" entwickelt nur ins Wasser gehen die Affen recht selten. Weiße Neger? -Wenn die Meldung wahr ist, so tritt die Negerbleich e, eitles Scherzwort der Weißen, aber Traum und Sehnsucht vieler Farbigen, in den Bereich der Wirklichkeit ein. Aus Monato wird berichtet, daß der Direktor des fürstlichen Sanitätsamtes vom monegassischen Konsulat auf Haitiein Konsulat des Fürstentums Monako auf Haiti: an sich schon ein Weltwunder!- eine höchst merkwürdige, ja sen sationelle Nachricht erhielt. Dort begab es sich nämlich, daß der schwarze Bürger Jêmeon Dauphin an Asthma erkrankte und nach Landesbrauch ein gegen solche Beschwerden bestens bewährtes Pulver zu sich nahm, das aus dem Samen des auf den Antillen häufigen Roisy- oder Roirybaumes gewonnen wird. Da Jsmeon jedoch zu den ganz Schlauen gehörte, die ohne Unterschied der Hautfarbe unter allen Himmelsstrichen verbreitet sind, so nahm er die auf mehrere Tage berechnete Dosis auf einmal ein, um desto rascher gesund zu werden. Die Folge war, daß er wie tot umfiel und längere Zeit unter schweren Vergiftungserscheinungen frank lag. Allmählich aber erholte er sich und nun wurde ein Vorgang beobachtet, der die Gelehrten und Laien von Haiti in ErFrauen find doch ehrlicher, nie Itest man, daß eine Raf, staunen versezte. Die Haut des Genesenden verlor zusehends fiererin durchgegangen ist." Die nimmt eben immer gleich ihren Chef mit." „ Es ist unglaublich, wie viele Briefe täglich ohne Adreffe vollster Bedeutung ein weißer Neger geworden. Der in den Kasten geworfen werden." So? Ich habe noch nie einen bekommen." * Immer treffe ich Sie mit der Schnapsflasche." Ich versuche, meinen Kummer zu ersäufen." Und gelingt das nicht?" " Ich glaube, das Biest kann schwimmen." * Aus dem„ Lustigen Sachsen": Die Witwe Hubinger, Besizerin eines sehr gut gehenden Hutsalons, hat sich neulich wieder verheiratet. Mit einem um zwanzig Jahre älteren Geldbriefträger. Und von jetzt an", sagte ste nach der Hochzeit zu ihrem Gatten, wirst du die Rechnungen austragen. Denn wenn der Geldbriefträger kommt, lassen sich die Leut' niemals verleugnen!" * Ungeeignet Der Radiohändler Möbes fuchte einen tüchtigen Radioinkassanten. Eines Tages sprach ein junger Mann bei Möbes vor und bot dem Kaufmann seine Dienste an. den schwarzen Hochglanz, der ihr vordem eigen war. Sie erbleichte mehr und mehr, bis sie endlich so weiß war, wie nur irgendeine europäische Haut. Jsmeon war in des Wortes Direktor des Sanitätsamtes von Monako, Dr. Jean Marsan, hat alsbald die nötigen Schritte getan, um die zur wissenschaftlichen Untersuchung erforderlichen Mengen Riosysamen in die Hand zu bekommen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Monako, das als Reiseziel märchenhafter Träume unter der Konkurrenz immer zahlreicherer Riviera- Kasinos zu leiden beginnt, damit einem neuen Aufschwung entgegengeht. Die Neger, vor allem die in Europa ansässigen, deren Zahl seit dem Kriege bedeutend zugenommen hat, werden in Scharen nach Monako ziehen, um sich- das Wort ist bereits in Umlauf gekommen ismeonisieren" zu laffen. Jaubstumme fören mit den Händen Im Phonetischen Laboratorium des Leipziger Staatlichen Heinicke- Instituts, der ältesten Taubstummenanstalt der Welt, find schon seit dem Jahre 1908 Versuche im Gange, um ein Hilfsmittel zu finden, das den Taubstummen das Hören ersetzt. Professor Lindner hat jetzt das Mittel gefunden. Er hat zu seinen Versuchen die Errungenschaften der Rundfunktechnik herangezogen und übermittelt mit Hilfe eines kleinen Radiosenders die normale Sprache, die dann in elektrische Schwingungen umgewandelt wird. Die Schüler des Instituts tasten diese in Schwingungen umgewandelte Sprache einfach mit den Händen ab. Der Chef musterte den Bewerber von oben bis unten und wieder retour:„ Na, ausseh'n tun Sie gar nicht übel!" Der junge Mann griff nach der Brieftasche:„ Und jetzt, bitte schön, verehrter Herr Möbes", sagte er, möchte ich Ihnen, wenn Sie gestatten, meine Zeugniffe vorlegen." it nicht mehr nötig!" lehnte da der Kaufmann energisch Röntgeninstitut auf Räder ab. Sie kommen als Inkassant leider nicht in Frage, mein Lieber, denn Sie sind viel zu höflich für diesen Beruf." * Der zahlende Gast „ Aber, ich bitte dich, Otto, wie kannst du nur diesen Herrn Franke ausgerechnet heute zu Tisch mitbringen, wo du doch ganz genau weißt, daß ich Großreinemachen habe?" Abwarten, Liebling, Franke ist der einzige von meinen Bekannten, der start genug ist, um dir den Küchenschrank wegzurüden..." Auf Luzon, der größten Insel der Philippinengruppe, ist die Tuberkulose stark verbreitet. Zur Unterstützung des Stampfes gegen diese Krankheit haben die Gesundheitsbehörden auf Lastautos ein fahrbares Röntgenlabo ratorium eingerichtet, das, mit Fachleuten besetzt, regelmäßig die Runde auf der Insel machen soll, um Röntgenaufnahmen von tuberkulofeverdächtigen Einwohnern her zustellen. Die schlechten Wohnverhältnisse und das feuchte Klima der Insel haben dazu geführt, daß auf Luzon die Tuberkulose die meisten Opfer fordert. Ein Franzose bereist Deutschland Kritische Reportage eines französischen Sozialisten Daniel Guerin, ein Berichterstatter des Populaire", der tezt in Deutschland reist, erzählt unter anderem: Wie klar sehen? Ich habe gesucht, mich vorsichtig vorgetastet. Schließlich tam mir ein Zufall zuhilfe. Als ich durch die Straßen einer großen Stadt schlenderte, sah ich plötzlich in der Auslage einer Buchhandlung, wie eine verlorene Insel, ein Buch von Romain Rolland. Freudiges Erstaunen. Ich trete in den Laden. Auf den Tischen sozialistische Broschüren; in den Regalen Werke von Marg und Engels. Ich glaube zu träumen. Ein Verkäufer naht sich, finster, mißtrauisch. Aber als er mich als franzöſischen Genossen erkannt hat, sagt er: " Siehst du, wenn du morgen gekommen wärst, hättest du nichts mehr gefunden. Sie schließen das Lokal, wie sie schon im oberen Stock die Redaktion geschlossen haben. Alle marristischen Bücher sind konfisztert, verbrannt..." Ich betrachte ein letztes Mal diese schönen Ausgaben, den Stolz der Buchhandlung und des deutschen Sozialismus. Man möchte alles wegtragen, der Wut der Henker entreißen. Da tritt ein alter Geschäftsführer hinter den Regalen hervor, mit furchtsamen Schritten und stammelt, während seine Hände zittern: Vierzig Jahre habe ich gekämpft... Dreißig Jahre bin ich da... Man hätte sich einigen sollen... Das Proletariat hätte sich einigen sollen..." Der junge Mann drückt meine Hand mit unbeschreiblicher Traurigkeit: Versuch', ins Parteilokal zu gehen, vielleicht ist noch jemand da..." Und ich finde wirklich in einem leeren Büro einen einzigen Sekretär mit hängenden Armen, niedergebrochen: " Diesen Morgen sind sie gekommen und haben das ganze Eigentum der Partei beschlagnahmt. Ich erwarte von Minute zu Minute, daß man mich arretiert... Wir sind bankrott geworden... Man müßte ohne Verzug, wir selbst müßten es, die Partei auflösen und die Arbeit auf ganz neuer Grundlage aufnehmen, mit ganz neuen Leuten.. " 1 Ja, aber die Meinung des Genossen er wurde am nächften Tag verhaftet hat nicht obsiegt. Die Parteileitung hat gezögert, Ausflüchte gesucht, und das durch Wochen; anstatt sich tapfer in die illegale Arbeit zu stürzen, hat sie versucht, sich mit dem Gegner auszugleichen. Und, während langer Wochen, blieben die führenden Genossen abwartend, untätig, schließlich waren sie entrüstet: " Die Abstimmung im Reichstag am 17. Mai war der Gnadenstoß," versicherte mir ein Genosse mit energischen Zügen, früherer Unterführer des Reichsbanners. Er sagte das mit der gebrochenen Stimme eines, der lange Beit, trotz allem, vertrauen, hoffen, warten wollte: „ Wir haben den Kelch bis zur Neige geleert." Und nach einem Moment düsteren Nachdenkens: ,, Wenn du eine Ahnung hättest! Ich werde niemals die Nacht vom 5. zum 6. März vergessen, in der wir aus dem ganzen Reich nach Berlin gekommen waren, spontan, um die Order zum Kampf entgegenzunehmen.. Was hat man euch geantwortet?" Rube! Ruhe! Nur fein Blutvergießen!" * Damit eine Zusammenballung von Menschen den Titel Partei verdient, ist zumindest nötig, daß die Mitglieder ihre Beiträge zahlen, sich zaghaft oder auch nicht zaghaft vereinigen und die Anweisungen der Führung entgegennehmen. „ Man zahlt nicht mehr... man kommt nicht mehr zusammen. Die Führer bleiben zu Hause, neigen die Köpfe unter dem Sturm oder sind im Gefängnis..." erklärt mir ein alter sozialistischer Wirt und setzt fort: " Im übrigen ist es ganz gut, daß sich die„ Gewesenen" vom Schauplatz zurückziehen. Sie haben nicht mehr unser Vertrauen.. nur noch die Jungen könnten etwas erreichen..." „ Und du selbst?" Er seufzt: " Ich habe zwei Kinder zu ernähren. Die Nazi haben mir gesagt:„ Wenn du in der Herberge bleiben willst, tritt in unsere Partei ein." Ich habe die ganze Nacht geweint. Ich hätte ihnen gesagt, daß man nicht so das Herz eines Sozialisten ändert... Aber meine Frau hat gedrängt mein Gott, zu allem übrigen müssen wir auch noch gegen unsere Frauen fämpfen und ich habe nachgeben müssen..." Auch in Lübeck schildert mir ein braver Genosse seine VerTegenheit: Ich sage dir, ich weiß nicht mehr, was ich tun soll... wir sind verlassen von unseren Führern... ohne Zeitungen. ohne Parolen... Und um das Unglück zu vollenden, sind gute Genossen besonders Reichsbannermitglieder- die die Situation hätten klären können, zu Hunderten in den Stahlhelm eingetreten... in der Absicht, die Gegensätze zwischen Deutschnationalen und Nazi zu vergrößern und Waffen in die Hand zu bekommen... vielleicht war das richtig... ich glaube, daß es nur den Wirrwarr aufgezeigt hat. Man weiß heute nicht mehr, wo die Freunde, wo die Gegner stehen..." Auf dem Tisch bemerke ich zu meinem Erstaunen ein Eremplar des„ Volksboten", der früheren Parteizeitung dieser Stadt. Wie? Er erscheint wieder?" Dia, aber unter der Kontrolle der Nazi! Und mit einem Chefredakteur, der ein bekannter Genosse in Lübeck war! Du wirst zugeben, daß ihre Taktik recht geschickt ist! Die Arbeiter können glauben, daß sie ihr altes Blatt lesen..." " Dieser„ Genosse" ist natürlich ein Verräter?" " Die einen sagen es, die anderen wieder, daß es gut sei, Leute von uns dem Blatt zu erhalten... aber was ist die Wahrheit? Man weiß heute nicht mehr, ob man den Mitfämpfern von gestern noch die Hand geben kann!" Und er hebt entmutigt die Hände zum Himmel. * Weshalb widerstehen? Wie oft im Leben stößt hier das Gute an das Schlimme. Auf der einen Seite der Medaille der furchtbare Zusammenbruch, die Desertion, der Selbstmord. Auf der anderen die unerschütterliche Treue, die Jugend, der Glaube. Wenden wir uns zu denen, die die Zufunft in sich tragen. Ich habe im vergangenen Jahre in Draveil einen jungen Kinderfreundefunktionär gekannt. Das Arbeitsamt hat ihm jede Hilfe verweigert und ihn als Knecht auf das Land arbeiten geschickt; zu geizigen und hartherzigen Bauern, die bis zur Hysterie nationalsozialistisch waren, die ihn beargwöhnten und aushorchten. Deutsches Tischgebet טי UND HALTE KOMM HERR HITLER/ SEI UNSER GAST WAS DU UNS VERSPROCHEN HAST! Ich finde ihn im Bett in seiner niedrigen Kammer. Er hat sich bei der Arbeit verlegt und fiebert. Ich habe die Türe plötzlich geöffnet und er mußte fich die Augen reiben, um sich zu versichern, daß er nicht träume. " Du?" Und gleich darauf erflärt er mir: „ Ich bin hier seit einem Jahr. Sie haben mir gesagt:„ Du hast die Wahl zwischen dem Gefängnis und dem Arbeitsvertrag." So habe ich unterschrieben. Ich bin ganz allein, ohne Freund, ohne Buch. Man hat mir meine Broschüren beschlagnahmt. Rings um mich nichts als beschränkte und haßerfüllte Menschen." Er blickt mir in die Augen. „ Aber ich bin geblieben das, was ich war, daß, als was du mich kanntest." Er spricht von der französischen Bewegung mit einer Art Zärtlichkeit, wie von einer Sache, die die seine ist. Und in dem Augenblick, in dem ihn der einzige Genosse, den er im Laufe von zwölf langen Monaten gesehen hat, verläßt, murmelt er, im Tiefsten bewegt:„ Ich beklage mich nicht. Ich bin 18 Jahre alt. Ich werde den Triumph des Sozialismus erleben." Ein Mann mit grauen Haaren, ein alter Vorkämpfer der proletarischen Freidenkerbewegung, hat sich an seinem Lebensabend dieselbe Gewißheit bewahrt.„ Ich selbst," sagt er mir, werde das vielleicht nicht mehr sehen. Aber ihr anderen! Unsere Generation hat ihre Aufgabe nicht erfüllt. Siehst du, ich glaube an das Entstehen einer ganz neuen Bewegung, die aufsteigen wird aus den Tiefen der Arbeiterklasse." Er zuckert seinen Kaffee, lächelt und betrachtet mich aus seinen blauen Augen von durchsichtiger Reinheit:„ Denn im Schoß dieser Masse, in dieser Jugend, die noch nicht ihr Wort gesprochen hat, gibt es wundervolle Reserven, eine jungfräuliche Erde." * Und schon, überall ein wenig: in Berlin, in Leipzig, in anderen Städten, tauchen Gruppen junger Leute unter dreißig Jahren" auf, durch das Neue angeregt. Die SAJ. ist die Hefe des Teiges. Diese Gruppen werden durch die Begier, etwas zu tun, umhergetrieben, verteilen Zeitungen, suchen die Verbindung mit anderen revolutionären Zellen, gleich, welcher Richtung. Um einen Tisch, beim Schein einer Lampe, ein Dußend junger Köpfe. Es gibt darunter junge, geschickte Burschen, die ich noch vor einem Jahre als ängstliche Knaben gekannt habe. Die erklären fröhlich, daß sie heute ganz andere Kerle sind. Sicherlich gibt es bei ihnen noch einige Hemmungen: fie alle müssen erst den illegalen Kampf lernen; einige stehen den Kommunisten noch mißtrauisch gegenüber. Andere wiederum sind der Meinung, man müsse, bevor man zur Tat schreite, erst noch zu den Quellen des Marxismus hinabsteigen... Aber alle wollen kämpfen und versichern wie aus einem Munde mit jugendlicher Energie: „ Wir haben zu sehr an die Tugenden der Demokratie geglaubt! Ohne in das entgegengesetzte Extrem zu verfallen, den Putsch, kennen wir nur eine Parole, die von Mary: die Diktatur des Proletariats!" Gegen die Flüchtlinge! Ein Protest der Handelskammer in Metz Die Handelskammer in Meß erhebt in einem Schreiben an den Generaldirektor für elsaß- lothringische Angelegenheiten im Ministerpräsidium Iebhaften Protest gegen die Ansiedlung in Lothringen von zah!= reichen Flüchtlingen aus Deutschland, die, mit reichen finanziellen Mitteln ausgestattet, den franzöfischen Unternehmern schwerste Konkurrenz machen. Aus der Statistik der Handelskammer gehe außerdem hervor, daß im Jahre 1932 61 v. H. aller Bankerotte auf das Schuldkonto der Ausländer gesezt werden müßten. Es wäre eine Ungerechtigkeit, so heißt es in dem Schreiben, wenn die französische Regierung eine weitere Ansiedlung von Ausländern in Lothringen dulden werde. Diesen Ausländern dürfe nur vorläufig Aufenthaltsgenehmigung erteilt werden, damit ihnen von vornherein die Möglichkeit genommen sei, fich endgültig anzusiedeln. Die Deutsche Freiheit" muß man regelmäßig fesen Abonnieren Sie sofort! Besteffschein: Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der ,, Deutsche Freiheit" Genaue Adresse: TROPP Unterschrift: Alles an die Front Der Reichsluftschuß stellt fest, auch der junge Mensch soll Unruhe in der SA. Von der Besatzung des Dresdener Volkshauses, unter der nicht meinen, der Luftschus ginge ihn nichts an". Beispiels schon seit langem Unzufriedenheit und Unruhe herrscht, find Die einzige unabhängige weise:„ Die Kinder können, wenn die Männer von anderen Pflichten fern gehalten werden, sich durch Handreichungen nüzlich machen". Und nur der Säugling in der Wiege darf ruhig sterben. fürzlich 150 SA.- Leute in das Konzentrationslager Königsbrück geschafft worden. Im Arbeitslager Hohnstein ( Sächsische Schweiz) sind 48 Gefangene aus den Reihen der Tageszeitung Deutscfifands SA Presse muß parieren Letzte Warnung! Das ist erlaubt das ist verboten: befiehlt Göbbels Wir sind in der Lage, eine ziemlich vollständige Lifte jener Bensurvorschriften wiederzugeben, die die gleichgeschaltete deutsche Presse in der zweiten Junihälfte vom Propaganda. ministerium des Dr. Göbbels erhielt: 18. Juni: Den Zeitungen wird verboten, das Interview wiederzugeben, das Dr. Hugenberg, damals noch Reichss minister, dem Vertreter seiner„ Telegraphen- Union" in London gegeben hatte. 20. Juni: In der deutschen Presse dürfen künftig Ans fündigungen über Reisen des Reichskanzlers nicht mehr gebracht werden. 21. Juni:„ Verschiedene Vorkommnisse der abgelaufenen Woche geben Anlaß zu erklären, daß keine Berichte über die Teilnahme des Reichskanzlers an Festlichkeiten mehr veröffentlicht werden dürfen." Die Veröffentlichung von Urteilen in Spionagefachen wird gewünscht, weil hiervon abschreckende Wirkung ers wartet werden kann. Aber weder Name noch die Tätigkeit der Verurteilten sind genauer zu bezeichnen. 23. Juni: Der Abdruck eines amtlich verfaßten Kommen tars zu dem angeblichen Fliegerüberfall auf Berlin wird angeordnet. 24. Juni: Den Zeitungen wird je eine Liste von Publis tationsmustern übermittelt: Erwünschte und nichter: wünschte Nachrichten. Nicht erwünscht find Nachrichten über: 1. Interviews mit dem Reichskanzler, wenn vom Propa gandaministerium nicht ausdrücklich ihre Verbreitung angeordnet wird. 2. Erklärungen von gewisser Seite über die deutschnatio: nalen Kampfstaffeln und alles, was mit ihnen in Vers bindung gebracht wird. 8. den Arbeitsdienst, soweit solche Nachrichten Fragen der Landesverteidigung" berühren. Die Redaks tionen werden gehalten, alles zu streichen, was auf Waffenhandel, Wehrsport" usw. Bezug hat. Solche Berichte dürfen auch dann nicht veröffentlicht werden, wenn sie von seiten der Polizei ausgegeben worden sind. 24. Juni: Nicht erwünscht sind ferner Nachrichten folgender Art: 5. Das Wort„ deutsch- österreichischer Anschluß" darf nicht mehr gebraucht werden. 6. Ankündigungen von Kabinettssigungen und Veröffent lichungen über den Inhalt von Kabinettsberatungen dürfen nicht mehr gebracht werden, wenn sie nicht amt= lich bekanntgegeben sind. 7. Die Frage der Uniform des Arbeitsdienstes ist noch nicht gelöst. Besprechungen hierüber sind nicht erwünscht." 8. Ueber Berseßungen bei der Reichswehr und der Polizei darf nichts mehr prbliziert werden. Erwünscht sind dagegen Nachrichten über 1. Die Arbeitsbeschaffung und über die Arbeitsspende". Darüber soll möglichst ausführlich berichtet werden. 2. das Luftschiff„ Graf Zeppelin". Durch französische Tendenzberichte" sei eine gewisse Unsicherheit über die Reise des Luftschiffs nach Amerika entstanden. An der Sicherheit und Pünktlichkeit des Schiffes werde vielfach gezweifelt. Im Interesse des Ansehens der deutschen Luftschiffahrt sei, als geschickte Gegenmaßregel, dringend erwünscht, daß die Zeitungen über die künftigen Süd: ameritafahrten des Luftschiffs, mehr Positionsberichte brächten, um das Vertrauen in die Pünktlichkeit des Luftschiffdienstes zu betonen. 25. Juni: Aus Anlaß des bevorstehenden Jahrestages des Friedensschlusses von Versailles empfingen die Re daktionen genaue Instruktionen. 28. Juni: Die Rede des Reichskanzlers vor dem Verein Deutscher Zeitungsverleger soll nicht veröffentlicht werden. An das polnische See- fest" follen feine Kommentare geknüpft werden, die die im Gang befindlichen Verhandlungen zwischen Danzig und Polen stören könnten. Ueber Fliegernnfälle foll in Zukunft nicht mehr selbständig berichtet werden. Aufschrei ciner Verkäuferin Chase Herende en, Verkäuferin in der Abendfleiderabteilung eines Nobelwarenhauses in der Fünften Avenue, Newyork, schreibt fühl und kurz über das Martyrium, eine Dienerin der Mode auf der andern Front, nämlich hinter dem Ladentisch zu sein. Jch sollte natürlich mit einer Hymne auf die Arbeitsfreude beginnen und beschreiben, wie die Freude an der eigenen Leistung schmerzende Beine und gequälte Nerven hundertmal aufwiegt. Leider empfinde ich es aber nicht so. Unter den vielen hunderten Verkäuferinnen, die mir in den beiden großen Warenhäusern, in denen ich gearbeitet habe, begegneten, waren nur drei, die ihr Beruf wirklich befriedigt hat. Eine von ihnen erlitt einen Nervenzufam menbruch, die zweite starb an Mumps und die dritte brachte es bis zur stellvertretenden Einkäuferin ihrer Firma mit dem Resultat, daß sie bei gleichem Gehalt länger schuften mußte. Gute Kunden wissen von vornherein, was sie was sie wollen, oder haben den Verstand, es zu erkennen, wenn man die Stücke vor sie hinlegt. Sie sind menschlich und höflich und quälen uns selten mit der unglückseligen Prozedur eines Umtausches. Die Verhandlungen mit einer guten Rundin enden gewöhnlich im Probierzimmer, wo einige Aenderungen vereinbart werden. Sobald dies geschehen ist, beginnen alle Spottvögel im Kleiderwald zu trillern, denn jetzt kann die Ware nicht mehr zurückgenommen werden. Die Käuferinnen der Klasse B sind die unentschlof fenen, hilflosen, pathetischen. Sie haben nicht die min deste Ahnung von dem, was sie eigentlich wollen und warum sie überhaupt in das Geschäft gekommen sind. Manchmal wollen sie offensichtlich Dinge kaufen, die sie sich nicht leisten können. Man sollte meinen, das müsse unser bestes Wild sein; aber meist ist unter ihrer Unents schlossenheit eine richtige Dickköpfigkeit verborgen. Alle unentschlossenen Kunden und viele andre dazu verlangen eine größere Nummer, als sie wirklich tragen können; denn jede Frau will die ersehnten Worte hören:„ Viel zu weit! Sie können ruhig eine kleinere Nummer tragen." Eine Marter für sich sind die arroganten Kunden. Sobald sich einer der Arroganten aus dem Aufzug hervordrängt, wissen wir schon, was uns bevorsteht, und wappnen uns. So eine Dame beginnt damit, uns„ Hallo" zu nennen. Keine Kollegin tritt vor. Jede von uns wartet darauf, daß die andre bedient. Und so entsteht eine Verlegen. heitspause, in der die Dame neuerlich, nun noch arroganter ruft:„ Hallo, hallo, ist denn niemand da, der mich bebient?" Die vornehme Abart dieser Arroganten setzt sich( mit Borliebe auf einen andern Stuhl, als den, den man ihr zurechtgerückt hat) nieder, preßt die Lippen zusammen, steckt das Lorgnon an und fordert alle Angestellten der Welt heraus, ihr ein Kleid zu zeigen, in dem sich auch eine tote Razze sehen lassen könnte. Die arroganten Damen, die außerdem unerzogen sind, schleichen herum, berühren, machen Schleifen und Schulterspangen auf, erwischen falsche Nummern und lassen es jeden fühlen, daß eigentlich sie, die Käuferinnen, die ganze Arbeit verrichten, während die Verkäuferinnen, die doch dafür bezahlt bekäme, nicht genug Verstand im Kopfe hat. Eine solche Kundin wird oft schweigsam und mißmutig dasizzen und sich ein Kleid nach dem andern bringen lassen, ohne eine Bemerkung zu machen. Stumm, kalt, fast grausam, sich an unserer Müdigkeit weidend. Oder, wenn sie eine Freun din mithat, wird sie an jedem Stück etwas aussetzen. Am Ende, bereits im Fortgehen, liegt dann das ganze Warenlager chaotisch auf den Pulten. Natürlich kauft sie fast niemals etwas, und tut sie es doch, so dürfen wir uns keine Hoffnungen auf die dem Verkäufer zustehenden Prozente machen. Denn das Kleid kommt tobsicher retour. Junge Mädchen, die allein kaufen gehen, sind nicht schlimm. Rur haben sie leider nicht bas legte Wort zu reden. Sie türmen Schulden bis zur Höhe eines mittleren Wolkenkrazzers auf. Manchmal müssen wir sie sanft fragen:„ Gnädiges Fräulein, werden Ihre Eltern wirklich dafür sein, daß Sie gleich drei rote Abendkleider bestellen?" Sonst müßten wir manchmal alle unsere Mostellen?" Sonst müßten wir manchmal alle unsere Modelle aus dem Hause schicken, um sie ein paar Tage später schmutzig und zerdrückt zurückzubekommen. Mütter mit jungen Töchtern sind sehr unterhaltend. Mütter wollen dann gewöhnlich ihren jungen Töchtern einfache Kleider kaufen, die sich leicht reinigen lassen und nicht sofort aus der Mode kommen. Die Töchter aber möchten aussehen wie Greta Garbo oder Marlene Dietrich. Und die Mütter wissen von Anfang an, daß sie den kürzeren ziehen werden. Warum wird keine Schule für Käuferinnen errichtet? Die Damen müßten dort lernen, wie man eine Verkäuferin anspricht, wie man seine Wünsche präzise ausdrückt, wie man den Rat eines geschulten Verkäufers anhört und wie man das Lokal verläßt, ohne Notizbücher und kleine Pakete liegenzulassen, um die dann später ein großes Getue sein wird. Man könnte ihnen auch klarmachen, was ein freundliches Gesicht wert ist und wie dankbar wir dafür sind. Das spornt uns an, uns die größte Mühe zu geben, während eine mürrische Miene uns unwillkürlich die Worte entlockt:„ Ich kann Ihnen sonst nichts mehr zeigen." Jede Dame, die kurz vor Ladenschluß kommt, gehört ausnahmslos zu den Hassenswerten. Nach 17.15 gehört ausnahmslos zu den Hassenswerten. Nach 17.15 Uhr könnte die liebenswürdigste Käuferin der Welt kommen, bereit sein, in derselben Minute für das zunächst liegende Kleid tausend Dollar auszugeben- trotzdem trotzdem würde jede von uns lieber nach Hause gehen, ein Bad nehmen und sich niederlegen. Diese Leute wissen, daß sie Unrecht tun, und wollen es gutmachen; mit der verzweifelten Ausrede, daß sie unbedingt für heute abend ein neues Kleid brauchen. Aber zu dieser Stunde nutzt nicht einmal mehr der Appell an unser schwesterliches Mit gefühl. Da sind wir Menschen, müde, ausgepreßt, Frauen, die keine andere Sehnsucht kennen als die Ruhe. ( Aus dem Amerikanischen übersetzt von Gertrude 3.) Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz: Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ,, Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. In Sorge um die Abstimmung Die Regierungskommission gebiets stellt fest: des Saara „ Das Saargebiet ist ein Abstimmungsgebiet. Die Bes völkerung des Saargebietes ist berufen, durch Abstimmung ihren Willen über drei durch den Friedensvertrag näher bes zeichnete Fragen zu äußern. Die Abstimmung hat frei ohne jeden 3wang zu erfolgen, woraus sich ergibt, daß jeders mann das Recht hat, für seine Ueberzeugung einzutreten und für sie zu werben. Es ist somit selbstverständlich, daß jede politische Betätigung im Saargebiet, welche sich im Rahmen der Geseze mit der einen oder der anderen der durch den Friedensvertrag vorgesehenen Lösungen befaßt, gleichmäßig gestattet ist und unter dem Schuße der Staatsgewalt steht. Es darf daher in dieser Hinsicht nicht zu unzulässigen Rampfmitteln gegriffen werden, wie z. B. Verrufs oder Aechtungserklärungen, Ehrverlegungen, und vor allem Drohungen. Es ist unstatthast, daß jemand 3. B. als„ Verräter" gebrandmarkt wird, weil er im Hinblick auf die Volksabstimmung die eine oder andere politische Auffassung vertritt. Die Regierungskommission, als Vertreterin des Völkerbundes, greift weder zugunsten der einen noch der anderen Partei in den politischen Kampf ein, ebenso müssen die Richter und sonstigen mittels baren und unmittelbaren Staatsbeamten im Dienste dieselbe Neutralitätgewissenhaftbe= achten. Die Regierungskommission ist somit verpflichtet, dann einzugreifen, wenn die durch den Friedensvertrag ge= währleisteten Rechte bedroht erscheinen, und sie ist auch entschlossen, in dieser Hinsicht alle erforder= lichen Maßnahmen zu treffen." * Diese Erklärung der Regierungskommission ist ange sichts des sich täglich steigernden versteckten und offenen Terrors der Nationalsozialisten notwendig geworden. Die Regierungskommission wird alle nichtgleichgeschalteten Bürger des Saargebietes ebenso wie den Völkerbund und die seinen Jdealen aufrichtig anhängen den Mächte hinter sich haben, wenn sie dieser feierlichen Feststellung Taten folgen läßt, die die vertraglich garantierten Grundlagen der Demokratie, der Gleichberechtigung und der Freiheit der Bewohner des Saarges bietes garantieren. Roub an den Hausgehilfinnen Sozialabbau im Dritten Reich " Unter dem schamhaften Titel„ Gesetzliche Neuerungen" bringt die Arbeiterwohlfahrt", die Halbmonatsschrift des Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt( eine Gründung unserer Genossinnen, jetzt aber unter der Fuchtel der Nazis, in der Nummer vom 15. Mai( Heft 10) folgende Nachricht: „ Die Arbeitslosenversicherung für Hausangestellte ist aufgehoben worden. Die Bedeutung dieser Maßnahme hat start an Gewicht verloren, seitdem die Arbeitslosenversicherung nur noch sechs Wochen gezahlt wird, dann die Fürsorge eintritt. Immerhin verlieren die Hausangestellten nach langjähriger Bezahlung der Arbeitslosenversicherung nun auch den Rechtsanspruch auf Arbeitslosenunterstützung während dieser sechs Wochen. Die Reichssteuer zur Arbeitslosenhilfe besteht fort. Für die Hausfrauen bedeutet die Regelung eine besondere Erleichterung, da sie anders wie andere Arbeitgeber in der Regel die Beiträge ganz selbst getragen haben. Der Fürsorge entstehen durch die neue Regelung besondere Aufgaben, da die Hausangestellten, die ohnehin schon immer den Gefahren der Prostitution besonders ausgesetzt waren, bei eintretender Arbeitslosigkeit nicht nur ihre Arbeit, sondern auch wohnung und Verpflegung und gewohnte Umgebung verlieren. Es wäre wünschenswert, daß die Fürsorge sich der arbeitslosen Hausgehilfen besonders annimmt." Die„ Frankfurter Zeitung" bringt diese Meldung mit einem Artikel unter der bezeichnenden. Ueberschrift: ,, Appell an die Hausfrauen". Darin wird natürlich die ganze Sache nur als ein Geschenk an die Hausfrauen dargestellt, die nun die Versicherungsbeiträge für die Hausgehilfinnen ersparen. Die Hälfte des Beitrages durfte ohnedies vom Lohn abgezogen werden, nur gab es tatsächlich eine große Zahl von Hausfrauen, die sich einer solchen Kleinlichkeit schämten. Nun sind aber die Hausgehilfinnen, die mit dem Arbeitsplatz zum Unterschied von den Industriearbeiterinnen oder Angestellten auch gleich das Obdach verlieren, durch den Raub der Arbeitslosenversicherung auch in ihrem Dienstverhältnis selbst schwer geschädigt. Denn das Bewußtsein, wenigstens eine armselige Unterstützung zu erhalten, verleiht dem Arbeitnehmer einen moralischen Rückhalt. Nun werden die Hausgehilfinnen in der Furcht vor der völligen Hilflosigkeit wieder der Willkür und Ausbeutung viel mehr preisgegeben sein. Und das sind fast ausnahmslos arische deutsche Volksgenossinnen, arbeitende Frauen, von denen nicht wenige Hitler gewählt haben werden... 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