Prels: 60 1. cts. Senifare Freiheit Nummer 32 1. Jahrgang chrolled Madras 6 min umalis pamodta Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Donnerstag, den 27. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun mad ,, Festen Mut in schweren Leiden, Hilfe, wo die Unschuld weint, Ewigkeit geschworenen Eiden, Wahrheit gegen Freund u. Feind. Männerstolz vor KönigsthronenBrüder, gält es Blut und Gut Dem Verdienste seine Kronen Untergang der Lügenbrut." ( Schiller.) In Hitlers Folterkeller 112 10 sin 126. Tod Hier berichtet einer für Tausende Ein 21jähriger junger Sozialdemokrat aus dem Rheinland, ber dieser Tage als Flüchtling das Ausland erreichte und die Spuren seines Erlebnisses deutlich an sich trägt, berichtet uns das folgende fiber seinen Leidensweg in der Hölle des Dritten Reichs: Das Wohlfahrtsamt meines Heimatortes verweigerte meinem seit Jahren arbeitslosen Vater einen Mietzuschuß, wenn ich nicht ins Arbeitslager ginge. So mußte ich denn, um meinen Angehörigen das Leben zu ermöglichen, ins Arbeitslager des sogenannten„ Freiwilligen Arbeitsdienstes", das sich in einem Fort befindet, Dort mußten wir in den feuchten und verschimmelten Kasematten auf dem Boden fchlafen. Das Essen war kümmerlich. Außer Erbsen-, Bohnens und Linsensuppen gab es für zwei Tage ein fleines Kommißbrot und für drei Tage ein Viertel Pfund Butter. Im übrigen ging es streng militärisch zu. Der Kasernenhof im Vorkriegsdeutschland soll dagegen ein Kindergarten ges wesen sein. Die Leiter und Aufsichtsbeamten trugen graue Militäruniformen und hatten umgeschnallt. Man betonte immer, daß wir die Soldaten des neuen Deutschland seien. Die am meisten verordnete Strafe war die„ Strafwache". Wenn einer etwas ausgefressen hatte, dann mußte er außer bem Tagesdienst, der von morgens 7 bis abends 8 Uhr bauerte, drei Nächte lang Wache schieben ohne zu schlafen. Mit wem die„ Führer" gar nicht einverstanden waren, der wurde ins SA- Straflager bei Aachen abgeschoben. Inzwischen hatte die SA. erfahren, daß ich mich im Lager befinde. Um von mir Angaben über andere Genossen zu bes kommen, holte mich die Geheime Staatspolizei ab. Die Folterkammer, in die man mich per Auto schleppte, befand sich in einem gut bürgerlichen Hotel, dessen, harmlose Straßenfaffade nicht vermuten ließ, welch viehischen Taten von den entmenschten Banden in den Hinterhanstellern bes gangen wurden. x102 stay on Zuerst wurde ich von den sogenannten Beamten in einem Sotelzimmer verhört, Um mich zum Reden zu bringen, bot man mir sogar Zigaretten an. Man fragte mich nach dem Berbleib anderer Genossen. Da ich erstens nichts wußte und zweitens niemals meine Kameraden verraten hätte, schlepp ben zur Fortseßung. Von Zeit zu Zeit hielt man an und fragte mich, ob ich immer noch nicht reden wollte. Ich blieb stumm. Nach einer halben Stunde verlor ich die Besinnung. Ich merkte nur, wie ich auf die Erde fiel. Als ich wieder zu mir tam, hatte ich das Gefühl, daß der ganze Körper steif und tot war. Ich konnte mich nicht mehr bewegen. Inzwischen brachte man andere Opfer, denen es genau so ers ging wie mir. Ich mußte noch sechsmal aufs Schafott, dann war der Tag und die kommende Nacht vorüber. Es war der erste Sonntag in meinem Leben, an dem mir der Tod lieber gewesen wäre, als nochmals diese Qualen zu erleiden. In einem dumpfen nassen Keller lag ich noch drei Tage halb tot. Danernd hörte ich das Schreien und Stöhnen meiner Leidenss genossen. Ich weiß nicht, wieviele diese Folterkammer übers haupt noch lebendig verlassen haben. Ich muß noch hinzus gefügen: ten mich die Kerle in den dunklen Folterkeller, der nur durch eine Laterne erleuchtet war. Hier riß man mir die Kleider vom Leibe und warf mich über einen Holzbock, auf dem man mich feftband. Nachdem man mir über den nachten Körper in Simer Maller solchüttet hatte und die großen Hundes peitschen, an deren Enden Bleiflumpen angebracht waren, dur los. mouse ausgequollen hatte, ging die Prozes Sechs Mann schlugen nun wie wahnsinnig auf mich ein, bis mein Rüden eine blutige Masse war. Dann tamen die fechs folgens Diese entmenschten SA. Bestien waren alle höhere Führer, die an ihrem Brannhemd Sterne und Tressen trugen. Der SA.- Oberführer Palm, der bei uns als einer der ges meinsten Verbrecher bekannt ist, leitete die Aktion. Der ehes malige Kommunist und heutige braune Beigeordnete Schaller aus Köln war auch im Hause und wurde von mir gesehen. Gaidas mi novi sidod tim Dem glücklichen Zufall, daß mich einer von den anderen Mißhandelten, der wieder herausfam und die Bevölkerung meines Stadtteils alarmierte, verdanke ich, daß man mich nach fünftägigem Martern wieder laufen ließ und mich nicht fertig" machte, wie man mir in Aussicht gestellt hatte. Ich mußte das Versprechen abgeben, daß ich sofort wieder ins Arbeitslager zurückkehre und mich bereithalte für neue Vers nehmungen". Ich benußte die Gelegenheit zur Flucht. Zers schlagen und zermartert, seelisch gebrochen, schleppte ich mich über die Grenze. Das Bewußtsein der Sicherheit meines Lebens war mir allein eine Erlösung. Ich werde es nie vers gessen, was ich als sozialistischer Streiter im Kerker des Dritten Reiches erlebt habe und ich verspreche, daß ich mit den vielen Tausenden, die noch am Leben geblieben find, den braunen Mörderbanditen alles heimzahlen werde, was wir erbulden mußten." 100000 Mann Polizei mobil Der Ueberfall auf alle Verkehrsmittel- Ein großer Theaterschlag Tausende Verhaftungen- Tatsächliches Ergebnis gleich Null mad as bad Berlin, 26. Juli.( Eig. Drahtb.) Von beteiligter Seite wird angegeben, daß gestern bei der politischen Nazzia auf alle Eisenbahnzüge und Landstraßen mindestens 100 000 Mann Polizei, Hilfspolizei, Bahnschutz and SA. und SS. beteiligt waren. Alle waren schwer bes waffnet. Auch ein Teil der SA. und SS. war mit Karabinern ausgerüstet. Das Eindringen in die Eisenbahnzüge erfolgte überfallartig und dauerte etwa von 12 Uhr bis 1 Uhr mittags. Es verursachte zahlreiche Zugs verspätungen. Nach den hier vorliegenden amtlichen Mels dungen, die natürlich nicht veröffentlicht werden, hat das Ers gebnis dem Auswand bei weitem nicht entsprochen. Einige steckbrieflich verfolgte Personen wurden gefunden, aber die Ausbeute an verbotenen Druckschriften und deren Verbreiter, nach denen man fahndete, war sehr gering. Bis zur Stunde ist nur davon die Rede, daß bei vereinzelten Reisenden einzelne verbotene Zeitungsblätter gefunden worden sind. Man hoffte, kommunistische und sozialdemokratische Ruriere mit Briefen und großem Gepäck an verbotenen Flugschriften festnehmen zu in ihren Familienverhältnissen und in ihren Bekanntens kreisen das Belastungsmaterial zu finden, das noch fehlt. Es besteht der Verdacht, daß die Geheime Staatspolizei selbst„ illegales" Material herstellen und verbreiten läßt, um durch die Entdeckung dann ihre Tüchtigkeit und Unents behrlichkeit zu beweisen. In dieses Gebiet gehört die Be= hauptung, in Stuttgart sei anläßlich des Deutschen Turns festes beabsichtigt worden, marristisches Schriftenmaterial in großem Maße zu verbreiten. Es wurden in Stuttgart zwar hunderte Personen in Schußhaft genommen, aber niemand hat dort auf dem Deutschen Turnfest bisher ein tommus nistisches oder sozialdemokratisches Flugblatt gesehen. Die zweifellos anwachsende marxistische Agitation vollzieht sich viel mehr von Mund zu Mund als durch Flugschriften, obwohl Neuer Vorwärts"," Rote Fahne" und auch die „ Deutsche Freiheit" in einzelnen Exemplaren von Hand zu Hand gehen. Auch die Drohung mit Todesstrafe wird dies ienigen, die jetzt noch aur Werbearbeit entschlossen sind, an ihrer Tätigkeit nicht hindern. können. Das scheint nicht in einem einzigen Falle gelungen Nächtliche Autokatastrophe Bu sein. Unter normalen Zeiten würde die Masse der Fests gestellten sofort wieder freigelassen werden müssen, weil nichts gegen fie vorliegt, jetzt aber werden sie als„ verdächtig" festgehalten und man wird versuchen, durch Herumschnüffeln Ein Toter, mehrere Verletzte la t Königsberg, 26. Juli.( Eig. Meld.) In der Nacht ann Mittwoch fuhr im Kreise Fischhausen ein mit vier Personen besetzter Kraftwagen in voller Fahrt gegen einen Baum und wurde vollständig zertrümmert. Der Lenker des Wagens, Rittergutsbefizer Freiherr von Gimmich, war auf der Stelle tot. Von den Mitfahrenden erlitt eine junge Dame einen schweren Schädelbruch, zwei Damen wurden leicht verlegt Auf der Flucht erschossen" SA.- Justiz im Dritten Reich Landsberg, 26. Juli, Die Brüder Erich und Gustav Rudolf aus Dühringshof, die den Hitlerjungen Liebsch aus Dechsel ermordet hatten, sind bei einem Fluchtversuch ers schoffen worden. Der Raubsfaat Rechtsmittel gibt es nicht Berlin, 26. 7. Der Preußische Minister des Innern gibt. in einem neuen Runderlaß für die Einziehung von Vermögensgegenständen staats- oder volksfeindlicher Organtsationen nähere Anweisungen. Danach sind gegen die Einziehung von Vermögensgegenständen staatsfeindlicher Dr ganisationen zu Gunsten des Landesfiskus die gegen polis zeiliche Verfügungen zulässigen Rechtsmittel nicht gegeben. Die Einziehungsverfügung wird vielmehr mit der 3. stellung oder öffentlichen Bekanntmachung rechts träfita 3 Frau und Tochter als Geiseln Appell an das Weltgewissen Thüringen folgt der preußischen Barbarel Saareinwohnern vor dem Völkerbund Schande! Die Verschleppung von Die Verletzung der Saargrenze Weimar, 25. Juli. Wie die Thüringische Staatliche Pressestelle mitteilt, hat der aus dem Staatsdienst entlaffene frühere Regierungsrat und Bürgermeister Wor ch aus Langewiesen in Thüringen am 5. Juli die Grenze der Tschechoslowakei überschriften und dabei erklärt, er würde von Prag aus die Zustände, welche zur Zeit in Deutschland herrschten, öffentlich in der Presse bekanntgeben, damit man erfahre, wie es eigentlich Deutschland aussehe und zugehe. Diese Angabe kann, so heißt es in der Verlaufbarung weiter, nur dahin verstanden werden, daß Worch beabsichtigt, von der Tschechoslowakei aus Greuelnachrichten über Deutschland zu verbreifen. Um der Verbreitung solcher unwahrer Greulnachrichten entgegenzutreten, hat das thüringische Minifterium des Innern angeordnet, die Angehörigen von Worch( Frau und Tochter) bis auf weiteres in polizeiliche Sicherungsverwahrung zu nehmen. Wir wiederholen: die Meldung ist amtlich! Warum widerlegt die Regierung die Greuelnachrichten" nicht, wenn fie unwahr sind? Das Einsperren von Frauen und Kindern ist doch keine Widerlegung. Regierungskommission greift durch! Amtlich wird uns mitgeteilt: Am Abend des 22. Juli wurden in Homburg aus dem im Saargebiet gelegenen Hause des August Kennel drei Saareinwohner, von denen zwei als französische Staatsangehörige bei der Bürgermeisterei Homburg geführt werden, durch eine Anzahl aus dem Reich gekommener Männer unter Bedrohung mit Waffen über die deutsche Grenze gewaltsam verschleppt. Eine gerichtliche Untersuchung der Angelegenheit ist im Gange. Eine Person wurde bereits wegen dringenden Verdachts der Beihilfe der Freiheitsberaubung verhaftet. Gleichzeitig hat die Regierungskommission bei der deutschen Regierung die nötigen Schriffe unternommen und den Bölkerbund verständigt.1enie Plante Göring Staatsstreich? 30 Die Führerbesprechung ohne Hitler- Görings Tellsleg Die Unruhe bleibt Berlin, 27. Jult.( Inpreß.) Die von Göring überraschend einberufene große Führerbesprechung in Berlin endete insofern mit einem Kompromiß, als Göring nicht gewagt hat, mehr durchzusehen, als die drakonischen Androhungen von Todesstrafen und Zuchthausstrafen für alle Feinde seines Regimes. Indessen ist der Zweck der Konferenz ein anderer gewesen. In den Kreisen, die dem Reichskanzler Hitler nahe stehen und ihm wirklich ergeben sind, war man durch Görings vorher nicht angemeldete Konferenz nicht so überrascht, wie es den Anschein haben konnte. Da innerhalb der rivalifierenden Führergruppen der NSDAP. zahlreiche Querverbindungen bestehen, wußte man von Görings Plan, ie nach der Stimmung der versammelten Führer unter Umständen einen weitgehenden Staatsstretch zu wagen. Infolgebeffen traten Hitlers Vertrauensmänner rechtzeitig mit hohen Reichswehroffizieren in Verbindung und boten ihnen die Festigung ihrer Stellungen, wenn sie bereit wären, nötigenfalls einzugreifen. Andere Vertrauensmänner Sitlers, unter ihnen auch merkwürdigerweise Göbbels, bearbeiteten Göring und legten ihm nabe, sich mit seinen vielen Diktaturvollmachten zufrieden zu geben und die Schärfe des Schwertes doch gegen die meuternden SA. Leute zu wenden, die allenthalben Göring ebenso wie Hitler gefährlich geworden seien. Göring gab nach und begnügte sich Die ratlose Welt mit seinen neuen Strafandrohungen sowke mit der Ron zentrierung sämtlicher Begnadigungsrechte in seiner Hand. Der Kampf der Führerkliquen in der NSDAP. geht aber selbstverständlich weiter. Es ist allgemein aufgefallen, daß zu der von Göring plößlich einberufenen Führerbesprechung Hitler nicht getommen ist. Hitler blieb demonstrativ bei den Bayreuther Wagnerfestspielen, aber keineswegs, wie etwa angenommen werden könnte, aus Kunstbegeisterung, sondern vielmehr, wie einige Unterführer Görings, insbesondere der Graf Helldorf, unter der Hand verbreiten lassen, weil er be= fürchtete, es könne ihm in Berlin etwas passieren. Auch in Bayreuth steht die ganze Zeit über ein Flugzeug startbereit. Basel, 25. Jult.( Inpreß.) Die Baseler Nationalzeitung kommentiert die Aufsehen erregende Göringsche Sonderkonferenz in seine geheimnisvolle Sitzung auf der Insel Sylt" mit den Worten:„ Das Massenaufgebot derer, die in Preußen für die Aufrechterhaltung der Ordnung verant wortlich sind, scheint anzubeuten, daß der Totalität des Staates irgendwie ernstliche Gefahren drohen und daß Ueberraschungen im Dritten Reich nicht ausgeschloffen sind." A# Zweifel an Roosevelts Programm: Kürzere Arbeitszeit Kürzere Arbeitszeit und höhere Löhne Der Appell des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Moosevelt, an das amerikanische Volk wird von der fran Bösischen Presse start beachtet. Das, was man das„ Experiment Roosevelts" nennt, wird nur in einigen sozialistischen Beitungen mit gewiffer Sympathie aufgenommen, weil sie in Plaffe erblicken aleme agliden wollen, von einigen Organen als nach ahmungswertes Beispiel von Mut und Entschlossenheit beBeichnet, im übrigen aber mehr als steptisch beurteilt. Wir wissen nicht, so schreibt der Quotidien", ob es Roosevelt gelingen wird, einem Volt, das unter dem Elend furchtbar zu leiden hat, eine normale Existenz wiederzugeben, aber immerhin dürfen wir in dem, was er unternimmt, ein Beispiel der Energie erblicken. Das Journal" glaubt, daß Roosevelt aus dem circulus vitiosus nicht herauskommen werde, und auch das„ Echo de Paris" sieht die amerikanischen Maßnahmen als ein Behelfsmittel an, das es Roosevelt nur gestatten werde, Zeit zu gewinnen, ohne das wesentliche Problem zu lösen. Die„ Ere Nouvelle" weist auf den spekulativen Charakter der Wirtschaftspolitik Roosevelts hin und fragt, ob nicht schwere Enttäuschungen folgen werden. Das Blatt vertritt die Auffaffung, daß Amerika noch nicht genug vom Geist internationaler Zusammenarbeit und Opferbereitschaft durchdrungen sei, der als Voraussetzung auch für die Förderung der eigenen Interessen zu gelten habe. Natürlich müssen wir, so erklärt das Deuvre", die Ergebnisse des Experiments ab ents abLetzte Meldungen Das Reichsgesetz zur Unfruchtbarmachung wird am 1. Januar in Kraft treten. Die Vollversammlung der Weltwirtschaftskons ferenz ist für Donnerstag, 19 Uhr, einberufen worden. Der Oberste Gerichtshof in Moskan verurteilte den Kapis tän ber am 18. Juli d. J. auf der Wolga gesunkenen Bars taffe zum Tobe. Bei dem Unglück ertranken etwa 90 Paffas giere warten, daß, wie Roosevelt behauptet, ein ganzes, zusammenhängendes, logisches bildet. Vorläufig aber fönnen wir weder Zusammenhang noch Logik darin erkennen. Abzeichen und Ehrentafel „ Wir haben das Unserige getan" In der von uns gestern schon zum Teil veröffentlichten Rundfunkrede des amerikanischen Präsidenten Roose= velt führte dieser u. a. noch aus: Wenn alle Arbeitgeber in jeder gleichartigen Branche fich auf die Festsetzung der gleichen angemessenen Löhne und der gleichen angemessenen Arbeitszeit für ihre Angestellten einigen würden, dann würden höhere Löhne und fürzere Arbeitszeit den Arbeitgeber nicht schädigen. Hiermit sei die Grundidee der Gesellschaft und der Nation selbst berührt. Wir haben unsere Richtlinien an alle größeren Industrien geschickt. Der Plan hat die einstimmige Billigung dreier Ausschüsse gefunden, nämlich von Vers Billigung breier Ausschüsse gefunden, nämlich von Vers tretern der Arbeiter, der Industrie und des Wohlfahrtss dienstes. Der Präfident teilte mit, daß alle Arbeitgeber, die fich an die Richtlinien halten würden, ein Abzeichen erhalten sollen, mit der Inschrift:„ Wir haben das Unserige getan". Tiefes Abzeichen solle an sichtbarer Stelle getragen werden, um die Teilnahmslosen zu beschämen. Auch werde im Posts amt jeder Stadt eine Ehrentafel mit den Namen aller Selfer musim iu angebracht werden. Besonders hohe Temperaturen werden ans Spanten gemeldet. In Madrid wurden gestern 37 Grad im Schatten verzeichnet und in Gacores fogar 41 Grad. Die Temperas turen in Paris betrugen gestern 30 Grad. Ein mit freiwilligen Feuerwehrleuten besetter Laftkrafts wagen aus Einddat- Rodrigo bei Salamanca in Spanien, der ein Feuer in einem Dorfe der Umgegend bekämpfen sollte, überschlug sich in einer Kurve, Von den Feuerwehr lenten wurde einer auf der Stelle getötet und 29 schwer verlegt. Kurz vor Redaktionsschluß trifft ein Aufruf des Partels vorstandes der Deutschen Sozialdemokratie ein, der sich in einem eindrucksvollen Appell an das Weltgewissen gegen das nene Göringsche Galgengesetz wendet. Wir werden ihn morgen im Wortlaut veröffentlichen. Wilhelm darbt Ein armer Schlucker Von der Generalverwaltung des preußischen Königshauses wird gegen unsere gestrige Veröffentlichung mitgeteilt: Troßz früherer Berichtigungen erscheinen neuerdings in der Tagespresse wieder Nachrichten, nach denen Kaiser reichste Deutsche sei. Dieſe völlig aus der Luft gegriffene Wilhelm II, mit einem Vermögen von 700 Millionen der falsche Zahl wird unter Hinweis auf die jetzt vor liegenden Ergebnisse der Einkommensteuerstatistit genannt, und dadurch der Eindruck erweckt, daß es sich dabei um amtliches Material handelt. Demgegenüber ist darauf hinzuweisen, daß das Ver mögen des preußischen Königshauses sich aus den in der preußischen Gesezessammlung von 1926 veröffentlichten Verträgen zwischen Staat und Krone vom 6. Oktober 1925 und 12. Oktober 1926 klar ergibt, und daß der heutige Wert dieses Vermögens nicht annähernd den zehnten Teil der obengenannten phantastischen Zahl darstellt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß das Königshaus unter den da maligen Umständen auf fünf Sechstel seines Privatver mögens zugunsten des Staates verzichten mußte, und daß aus dem ihm verbliebenen Vermögen die Unterhaltung von 17 prinzlichen Haushaltungen mit 49 Personen und die Versorgung der zahlreichen vom Königshaus über nommenen Beamten und Angestellten zu bestreiten sind." Wilhelm II. hat auf nichts verzichtet als auf Eigentum, das zweifelsfrei dem preußischen Staat gehörte. Die von uns genannte Zahl von 700 Millionen Mark ist zuverlässiger als die von Wilhelm- nicht genannte 3ahl feines wirklichen Vermögens. Was soll der sentimentale Hinweis auf 17 pringliche Haushaltungen, die unterhalten werden müssen? Die Herrschaften sollen ehrlich arbeiten wie andere Sterbliche auch. Oesterreich hilft sich Gegen die Lahmlegung seines Fremdenverkehrs Paris, 26. Juli. Die Anstrengungen der österreichischen Bundesregierung, den durch das Fortbleiben deutscher Reisender entstandenen Ausfall zu decken, kommt in einer Mitteilung des Desterreichischen Automobilklubs an den französischen Automobilklub zum Ausdruck. Der öfterreichische Automobilklub fordert darin französische und belgische Automobilfahrer zum Besuch Desterreichs auf mit dem Hinweis, die Bundesregierung habe die Sichtvermerke für Franzosen und Belgier abgeschafft und ausländische Automobilisten von der in Oesterreich üblichen Automobilsteuer für einen Aufenthalt bis zu 60 Tagen befreit. Krise in Spanien Rücktritt der föderativen Republikaner Paris, 27. Juli. Nach einer Meldung des Journal aus Madrid wird die Umsturzbewegung, die die Regierung durch zahlreiche Verhaftungen im Reime erstickt zu haben glaubte, politische Nachwirkungen haben. Der Industries und Hans delsminister Franch 1, Führer der föderativen Republis kanischen Partei, habe, wie verlautet, gestern seinen Rüds tritt erkleet, da die Mitarbeit seiner Partei nicht vereinbar sei mit mwendung von polizeilichen und gerichtlichen Methoden. Die durch diese Erklärung ausgebrochene Res gierungskrise werde in einem am Donnerstag ansammens tretenden Ministerrat ihre Lösung finden. Die französische Luftflotte Nachtübungen an der Ostgrenze Paris, 26. Juli. Vom 1. bis 14 August werden in der Gegend von Mez Nachtübungen starker Luftflottengeschwader abgehalten werden. Bomben und Jagdstaffeln aus Nancy, Reims, Chartres und Diedenhofen werden unter Mits wirkung von Luftabwehrabteilungen aus Toul unter Leitung von General de Gone de Mezeyrac, Mitglied des Obersten Rates für die Verteidigung in der Luft, operieren, um die Wirkung besonderer für Nachtangriffe vorgesehener Jagds flugzeuge zu erproben. Flugzeug abgestürzt! 2 Tote ST Paris, 26. Juli. Ein Verkehrsflugzeug, das an dem 10- Etappenflug Rund um Frankreich teilnimmt, stürzte infolge Geschwindigkeitsverluft bei Biarriz ab. Die beiden Ins fassen wurden getötet. Sieben Tote Militärflugzeug stürzt ab Ans unbekannter Ursache ist in Ralifornien ein Militäre bombenflugzeug abgestürzt. Die gesamte Besatzung von fieben Mann kam ums Leben. Stalin und Trotzkl Kommt die Versöhnung? wtb. Paris, 26. Juli. Trotz der Erklärung Trokkis, daß seinem Kuraufenthalt in Royat keine politische Bes deutung ankomme, verdichten sich die Gerüchte von einer bes vorstehenden Aussöhnung des ehemaligen Volkskommissars angebahnt werden soll. Das in Paris erscheinende weißmit Stalin, die durch den gleichfalls dort weilenden Litwinow russische Blatt" Renaissance" behauptet, die Begegnung Trotti- Litwinow fei von der sowjetruffischen Abordnung auf der Weltwirtschaftskonferenz vorbereitet worden. Wenn die Aussöhnung zustande komme, werde Trozki wegen seiner besonderen Kenntnis spanischer Fragen als erster Sowjets botschafter nach Madrid gehen, um später den Botschafters poften in Washington zu übernehmen. Zuspitzung an der Saar! Die ,, Deutsche Front" mit Zentrum hinter Hitler!- Max Braun: Wir vertreten das wahre Deutschland, das Deutschland Goethes, Kants, Marx, Engels. Dieses DeutschDie Abstimland, das wir lieben, kennt nur einen Feind: Das braune Blutregiment" mungskämpfe werfen Ihre Schatten voraus.... Am Dienstag war im Landesrat des Saargebietes ein großer Tag. In einer politischen Aussprache zeichneten sich die Linien und die Fronten, unter beren Zeichen der Kampf an der Saar geführt werben wird, aufs deutlichste ab. Hier die sogenannte„ Deutsche Front" aller bürgerlichen Parteien dort die Linke unter Führung der Sozialdemokratie, für die der Abgeorb. nete Mar Braun eine außerordentlich eindrucksvolle Rede hielt. Den Anlaß zu der AusSprache boten die Zeitungsverbote im Saargebiet und ver schiedene Beschwerden über die französische Bergwerks direktion, der unzulässige Agitation zugunsten der fran zösischen Schulen vorgeworfen wurde. Wir laffen die ent scheidenden Stellen der Rede Brauns hier folgen; Abg. Braun( Soz.): Die Herren Abgeordneten Martin und Schmelzer von der sogenannten„ Deutschen Front" haben sich über angeblichen Druck beklagt, der auf die Gleichgeschalteten des Saargebietes feitens der Regierungskommission, der fran 8öfifchen Bergwerksdirektion usw. ausgeübt werde. Das gibt mir Veranlassung, einmal fura, aber deutlich herauszustellen, wo der wirkliche Drud im Saargebiet angesezt und von wem er erzeugt wird! Ich beginne mit der Politik einiger jaardeutschen Kommunen. Da gibt es Gemeinde- und Kreisparlamente, in denen ble nicht gleichgeschalteten Parteien boykottiert werden, indem man ihnen die zustehenden Size vorenthält, sie zu Beratungen nicht einlädt und fie regelrecht entgegen allen demokratischen Abfichten des Gesetzgebers und aller demokratischen Gepflogenheit mit sturster Brutalität vergewaltigt. In diesen Parteten find es z. E. wieder besondere Personen, die dadurch geächtet wer den sollen, daß man mit der gleichen Bergewaltigung fie aus Aufsichtsräten, Verwaltungsräten, Deputationen usw., wo fie rechtmäßig Siz und Stimme haben müßten, wiederum entgegen allem demokratischen Proporz, hinausbefördert. Die Zeitungen der gleichen Parteien werden diffamiert und boykottiert, indem man ihnen die Inserate, die Drucksachen und die amtlichen Abonnements entzieht, obgleich ihre Leser nicht weniger gute Steuerzahler sind, als die Gleichgeschalteten. Und den Gipfel biefer Terrorpolitik stellt dann die praks tische Beseitigung des Selbstverwaltungsrechtes burch bes fondere Ausschaltungsmaßnahmen der vom Geleggeber ges wollten Kommissionsarbeit bar, bie burch geheime Bes sprechungen unter den Gleichgeschalteten mit bem Bürgers meister ersetzt werden, die dann die anderen vor vollenbete Tatsachen stellen. Und das gleiche trifft su auf den Drud, der in einer Meihe von Schulen des Saargebietes ausgeübt wird. Hier sind heftige Anklagen gegen die franaöfifche Schule erhoben worden. Diese Antlagen würden ein ganz anderes Gewicht besitzen, wenn sie verbunden wären mit der dringend notwendigen Verurteilung einer einseitig naziotischen Verpolitiste= rung mancher deutschen Schulen im Saargebiet. Muß ich Sie erinnern, meine Herren von der sogenannten Deutschen Front", an die vielen Be lästigungen von jüdischen, margistischen und lästigungen von jüdischen, marxistischen und ausländischen Kindern?! Erst wenn Sie, meine Herren von der sogenannten " Deutschen Front" diese Kulturschande für das wahre Dentschtum in den deutschen Saar- Schulen beseitigen, bes gründen, dann erhalten Sie die moralische Qualifikation zu Attacken gegen die französische Schule!( Sehr gut, links.) Ich verzichte darauf, zu dem bereits Angeführten noch in eine fritische Betrachtung der Erekutive, der Rechtspflege und der Verhältnisse der Eisenbahn und Post einzutreten, aber ein Wort muß ich Ihnen noch sagen zu jenem ungeheuerlichen Fall von Menschen= jagd, wie er sich am vergangenen Samstagabend im Saargebiet zugetragen hat: Die, die da in das Saargebiet eingefallen sind, daß find dieselben Banditen, die in der Pfalz die Priester gemeine Verbrecher, die den Gesellentag geprügelt, die den Prälaten Ulizka geohrfeigt und die den katholischen Gottesdienst solange gestört haben, bis er geschlossen werden mußte. Das sind dieselben Unmenschen, die unere Arbeitsbrüder schlimmer behandeln als das gefchundenste Stück Vieh! Wir hoffen und erwarten, daß gegen biese Elemente der Unsicherheit nunmehr für einen durchgreifenden und ausreichenden Schuß der Saarbevölkerung, wie er ihr in den Ver: trägen garantiert ist, Sorge getragen wird. Wir verspüren nicht die allergeringste Luft, wehrlos den Ueberfällen eines Terrorismus ausgefekt zu sein, den Chamberlain eine whysterische Tobincht" genannt hat! Der Herr Abgeordnete Schmelzer hat sich über die Preiseverbote der Regierungskommission beschwert. Leider habe ich in seiner Erklärung kein Wort des Protestes gehört gegen das Verbot von sechs saarländischen Zeitungen durch die Regie rung Hitler!( Sehr richtig!) Wenn dieses Verbot von der Regierungskommission in gleichem Maße heimgezahlt würde, müßte sie die gesamte gleichgeschaltete Hitler- Presse verbieten!( Sehr richtig! links.) Herr Schmelzer wünscht weiter, daß man den Journalisten bes Saargebietes endlich sagt, was erlaubt ist und was verboten! Das ist doch nach der gleichgeschalteten Methode sehr einfach: Herr Göbbels, der Diktator über die deutsche Preffe, hat dafür das Rezept ausgegeben, die Regierung müsse auf der Presse spielen können wie auf einem Klavier"! Das ist nun zwar keineswegs ein gut gestimmtes Klavier, beffen Musik mehr dem Geräusch als der Harmonie nahe aber wenn in der Saar nach der Methode der kommt, Hitler- Gleichschaltung auch in der Presse verfahren würde, würden die gleichen Herren, die das im Reiche geduldig und ohne zu mudsen hinnehmen, an der Saar dagegen aufs muden und wir selbstverständlich mit ihnen! Aber mir scheint nur, man hat für die Forderung nach Pressefreiheit einen außerordentlichen schlechten Start und eine noch schlechtere Resonanz, wenn man sie in der Regierungsform der eigenen Sehnsucht nicht zu geben bereit ist. Es wiederholt sich hier auf dem Gebiet der Pressefreiheit der sattsam bekannte Vorgang, daß die Hitleriden außers halb der Hitlerherrschaft nach jenen Prinzipien schreien, die sie innerhalb ihrer despotischen Diktatur zu gewähren nicht bereit sind! Warum reden Sie von Freiheit an der Saar, wo nichts anderes Ihre Absicht ist, als die Saar möglichst bald restlos unfrei zu machen? Wir hören von Ihnen feinen Totschlag, Protest gegen die täglichen Meu chelmorde, Raub, viehischsten Sadismus, gegen Konzentrationslager, gegen 3erschlagung der Arbeiterorganisationen, gegen den Diebstahl an deren Vermögen und gegen die langsame Abschlachtung verdienstvoller Volksgenossen, die nicht nur vier Jahre im Schüßengraben ihre Pflicht getan, sondern auch 14 Jahre lang einem Staate aufopfernd gedient haben, den sie aus dem katastrophalen Zusammenbruch der Monarchie mit unsäglicher Mühe wieder aufzubauen begannen. Warum finden Sie da tein Wort des Protestes, warum geht ein Teil von Ihnen, dessen Glaubensgenossen drüben in der schamlosesten und unmenschlichsten Weise behandelt worden sind, feszt mit den Henkern der eigenen Kameraden in eine & ront, die vom undeutschen Faschismus mit seiner schweren Sabotageschuld gegenüber den Grenzlanden geführt wird?! Seitdem Hitler auf dunklen Wegen die Macht in die Hand gespielt wurde und seitdem Deutschland von der viehischsten Bestialität brutalisiert wird, müssen wir uns immer wieder in den Landesratsfizungen in feineswegs immer erfreu lichen, aber leider notwendigen Debatten mit jener besonderen Aufgabe beschäftigen, die angesichts der Fesselung Innerdeutschlands den noch außerhalb der Hitler- Einflußsphäre stehenden deutschen Grenzgebieten zufällt. Was hier gesagt werden muß, richtet sich nicht gegen Deutschland, nicht gegen sein Volt, nicht gegen seine Nation- denn das wahre und echte und unverfälschte Deutschtum, das Deutschland Goethes, Kants, Marrs, Engels, das find wir selbst! Alles, was wir an Sammlung der Kräfte und an Kampfmaßnahmen in der antifaschistischen Front aufbieten, das fennt nur einen Feind: das braune Blutregiment, und das alles hat eine große Liebe: Deutschland, wie es einmal sein wird nach der Be zwingung der Hitler- Katastrophe durch die Kraft, die wahre Einigkeit und seine spezielle fulturelle Berufung im Leben der Völker!( Bravo!) „ Verräter" nennen, er meint ja doch Volksstimme" und„ Deutsche Freiheit"! Herr Hillenbrand wird vergeblich in der Volksstimme" wie in der Freiheit" ein Wort gegen DeutschI and, gegen das deutsche Volk, gegen die deutsche Na tion, gegen das deutsche and, suchen, denn Deutschland find wir! Alles, was am deutschen Volk Kultur, Tradition leben in Freiheit, Gleichberechtigung, Gerech tigkeit, Recht und Wahrheit. Wir sehen es deshalb als unsere erste nationale Verpflichtung an, dieses wahre Deutschtum wieder zur Macht zu bringen und es von dem bestialischen Terror der braunen Okkupationsarmee über Deutschland zu befreien. Sturm in der Saarbrücker Stadtverordnetenversammlung und ehrwürdige Geschichte bat, lebt bei uns und fann nur Auch in der Stadtverordnetenversammlung Saarbrüden 8, die am Dienstag tagte, tam es zu für mischer Debatte. Es erwies sich, daß von dem reaktionären Oberbürgermeister Neites angefangen bis zu dem 8en trumsmann Hillenbrand alles gleichgeschaltet" ist. Anlaß zu der Aussprache bot die Wahl zweier Beigeordneter, die unter schwerster Verlegung des Selbstverwalt gs rechts gegen die Stimmen der Linken erfolgte. Für die Sozialdemokraten hielt Stadtverordneter Dr. Lehmann eine scharfe Abrechnung mit dem Oberbürgermeister, der wir diese Stellen entnehmen: Sie weisen auf unsere Politik hin, Herr Dr. Neiles, tüms mern Sie sich um Ihre Verwaltung und nicht um unsere Politik, von der Sie sowieso nichts verstehen. In der Verwaltung haben Sie genug versäumt. Beispiele sind genügend vorhanden. Die Steuerzahler mußten die Folgen tragen. Schafs fen Sie mal in Ihrer Berwaltung Ordnung, dann wäre der Stadt viel gedient. Sie sprachen von Charakterlosigkeit! Das habe ich gesagt in bezug auf die Gleichschaltung. Sie haben erklärt, Sie hätten das sozialdemokratische Pferd noch nicht geritten. Ich werde Ihnen mal sagen, auf wieviel Pferde Sie schon gesezt haben. Als Sie hierher nach Saarbrücken kamen, haben Sie auf das Pferd des franzöfifchen Obersten Hongendonbler gefeßt. An den französischen Kommandanten haben Sie eine Ers gebenheitsadresse gerichtet. Als Sie in meinem Büro vor mir faßen und mir Kenntnis davon gaben, habe ich Ihnen seinerzeit sofort erklärt, wie unmöglich ein folches Handeln fei. Dieses Pferd konnten Sie nicht reiten. Also seßten Sie auf ein anderes Pferd. Als die sozialdemokratische Regierung am Ruder war, waren Sie einer der ersten, der zu uns tam, um Rüdens deckung zu finden. Das war das zweite Pferd, Herr Dr. Neikes. Als der frühere sozialdemokratische Reichskanaler Hermann Müller in Saarbrüden weilte, waren Sie es, Herr Neikes, der bei Hermann Müller um dessen Gunst bettelte und buhlte. Als der preußische Innenminifter Severing hier weilte, waren Sie es, Herr Neikes, der den Minister abends in die Wohnung einlud. Severing war von 11 bis 2 Uhr bei Ihnen. Sie haben auf alle möglichen Pferde gefeßt. Auch wenn andere am Ruder waren in Deutschland, haben Sie stets um die Gunst gebuhlt. Heute tun Sie das bei Hitler. Ihre Wandlungsfähigkeit müssen wir endlich einmal vor aller Oeffentlichkeit ins rechte Licht rüden.( Tosender Beifall.) ( Die Deutsche Front schweigt verlegen.) Im Anschluß an diese Ausführungen kam es zu stür. Eine Wider mischen Auseinandersetzungen. legung mißglückte Herr Neikes vollständig. Als sein Verteidiger legte sich der Zentrumsstadtverordnete sillen brand ins 8eug. Er wagte es, im Hinblick auf Lehmanns Ausführungen von„ Verrätern" zu sprechen, was zu minutenlangen Unterbrechungen führte. Es wurde wieder ruhiger, als der sozialdemokratische Stadtverordnete Schwarz sprach und unter anderm sagte: Verfechten Sie ruhig Ihre Thesen, aber die Sozialdemos kratie bildet ihre Deutsche Front in ihren eigenen Reihen. Die sozialdemokratische Partei ist in Sprache, Sitte und Kuls tur so deutsch, wie Sie alle zusammen mit Herrn Neites es nicht sind. Sie können nus in unserer Vergangenheit nicht einen einzigen Verstoß gegen das Deutschtum nachweisen. Ich stelle feft, bak die sozialdemokratische Partei in der Vers gangenheit voll und ganz ihre deutsche Pflicht erfüllt hat, das wird sie auch in Zukunft tun. Wir gehen den Weg, den uns unser deutsches Gewissen vors schreibt, indem wir auch nicht jeden Tag unsere Meinung ändern. Und die Geschichte des Saargebietes wird eines Tages den sauberen Schild der Sozialdemokratie zeigen. Und wie es mit der Sauberkeit der anderen bestellt sein wird, das wird sich schon zeigen. Das deutsche Volt ist nicht die nationalsozialistische Partei. Die Millionen deutscher Arbeiter sind nicht die NSDAP. Wir sind der Meinung, daß in einem deutschen Kulturstaat auch die 15 Millionen Sozialdemokraten und Kommunisten Menschen im Staate sind. Und wenn Sie von Verräter sprechen, so sage ich Ihnen: Ich wünsche, daß Ste 1935 oder 1986 so deutsch sind wie die deutsche Sozialdemokratie. ( Starker Beifall!) Zum Schlusse rissen zwei kurze Reden des Stadtverordneten Mar Braun die Debatte noch einmal empor. Er sagte unter anderm: Aller Protest nüßte nichts. Die Deutsche Front" wählte ihre neuen Beigeordneten. Die Boltsstimme" sagt abschließend und grundsätzlich zu dieser unwürdigen Debatte: „ Es gibt nichts Gemeinsames mit diesem Regime, weder in der Idee, noch im Willen, noch im Handeln. unser unverrüdbares Ziel ist der Sturz der nationalsozialistischen Despotie!" Der Mörder des Juweliers Futterweit Aufseher im Dachauer Konzentrationslager Er hat gemordet und es geht ihm gut Der Arbeiterwille" in Graz meldet: Aus Loeben wird uns berichtet: Gustav Rieger, einer der Mörder des durch Bombenwurf getöteten Wiener Juweliers Futterweit, der wie andere Nazimörder nach Deutschland geflüchtet ist, hat nach Leoben eine Karte aus Dachau geschickt. Er erzählt darin, daß es ihm gut geht. Er ist Aufseher im Konzentra tionslager. Man kann sich unschwer vorstellen, wie es den Gefangenen dort geht, wenn man erfährt, daß notorische Mörder dort Aufseher sind. Rieger war jahrelang in Leoben. Er hat hier einen Weinhandel betrieben, der aber zugrunde ging, teils, weil er nichts vom Geschäft verstand, teils, weil er selbst sein bester Kunde im Keller war. Auch veriuxte er mit Freunden, was ihm noch übrig blieb. Wie alle Bankrotteure, wandte sich Rieger, der sich vorher politisch überhaupt nicht betätigt hatte, nachher den Nazis zu und verschwand nach Wien. Es ist zweifellos das gute Recht des Herrn Hillenbrand, fich gegen die Presseverbote der Regierungskommission zu wenden. Nur würde diesem Protest eine viel größere moralische Stärte und eine breitere Resonanz zu eigen sein, wenn er diesen Protest zugleich richten würde gegen die von der Sitler- Regierung erlassenen Preffeverbote gegen sechs saarländische Zeitungen. Entweder gilt die Presse= freiheit für uns alle dann muß sie auch für uns im Drit ten Reiche gelten! Solange aber das eigene Vaterland unter dem braunen Terror sowohl die deutsche Saarprese Braunhemd und Geschäft verbietet wie die innerdeutsche Oppofitionspreffe vernichtet- solange hat jeder Gleichgeschaltete hier eine außerordentlich schlechte Position, nach Pressefreiheit nicht im eigenen Vaterlande und gegenüber der eigenen Regierung, sondern gegenüber einer Regierung des Völkerbundes zu rufen, die hundertmal mehr Freiheit gewährt als die Nazi- Despotie, vor der Się tuschen. Schließlich kann man ja nur verlangen, was man felbst zu geben gewillt ist! Und daß Herr Hitler nicht will, haben wir ja doch am Schicksal der gesamten Bentrums mie christlichen Gewerkschaftspreise erlebt, nicht wahr, Herr Hillenbrand?( Heiterkeit!) Herr Hillenbrand sprach sodann noch von der Haltung einer gewissen Presse an der Saar. Er soll uns ruhig Die Reichsleitung der NSDAP. ordnet an: „ Es wurde festgestellt, daß geschäftstüchtige Firmen ihre Waren, Bücher, Bilder usw. dadurch zu fördern suchen, daß sie ihre Verkäufer veranlassen, beim Anbieten auf der Straße oder an den Wohnungstüren das national. sozialistische Braunhemd anzuziehen. Es wird den Parteigenossen hiermit untersagt, das Braunhemd bet derartiger gewerblicher Betätigung zu tragen. Ausgenom men find Zeitungsverfäufer usw., die im Auftrage national. sozialistischer Blätter oder parteiamtlicher Stellen tätig sind." Dr. R. Thorwesten: Von Niederlage zu Niederlage Die Außenpolitik des Dritten Reiches vollbringt Wunder Das hätte sich Karl Radet sicher nicht träumen lassen, daß er, der Bolschewik, einmal in Polen und noch dazu im Polen Pilsudskis mit nahezu fürstlichen Ehren empfangen werden würde. Aber Adolf Hitler bringt Wunder zuwege, sogar das einer freundschaftlichen Annäherung zwischen Polen und Sowjetrußland. Allerdings sind es ungewollte Wunder, denn es kann nicht in der Absicht der deutschen Außenpolitik gelegen haben, einen Block im Osten herbeizuführen, über dessen antideutsche Tendenz kein Zweifel besteht. Man erinnert sich daran, daß im nationalsozialistischen Lager zwei außenpolitische Richtungen vorhanden waren. Die eine, gruppiert um den Grafen Reventlow, war ruffens freundlich, die andere, geführt von Alfred Rosenberg, sah im Bolschewismus den Feind und suchte engste Verbindung mit den weißen Russen ringsum in den europäischen Ländern. Reventlom fonnte furz nach dem Umsturz Hoffnungen hegen. Er feierte in seinem„ Reichswart" in hohen Tönen die sympathische Haltung, die die russischen Machthaber gegenüber der„ nationalen Revolution" einnahmen. Er war in der Lage, mit großer Befriedigung die Erneuerung des Freundschaftsvertrages zu registrieren. Die nicht nur für die deutschen Kommunisten, sondern für die deutschen Proletarier ganz allgemein unverständliche und verabscheuungswürdige Politik der Sowjetregierung war Wasser auf seine Mühle. Aber sein Gegenspieler Rosenberg war doch der geschicktere und einflußreichere. Er wurde der außenpolitische Vertrauensmann Hitlers, und seine Ideen sind maßgebend. Rosenbergs engftirnige Absichten gehen dahin, das heutige Rußland zu schwächen und zu zerschlagen. Seine und des„ Führers" Blicke sind auf die Ukraine als deutsches Kolonisationsgebiet gerichtet. Es soll aus der Ukraine ein Staat gemacht werden, der scheinbar Autonomie besitzt, in Wirklichkeit aber unter deutscher Oberherrschaft steht. Die kühne Phantasie erstreckt sich sogar bis zu der Grwerbung eines deutschen Hafens am Schwarzen Meer. Auf dieses Ziel steuerte auch das berüchtigte Memorandum hin, das Hugenberg der Weltwirtschaftskonferenz in London vorlegte, und das auf die Vertreter der übrigen Staaten wie eine Bombe wirkte. Herr Hugenberg ist nachträglich des avouiert worden. Ob bei dieser Abschüttelung taktische Ermägungen oder innerpolitische Motive mitspielten, kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls steht fest, daß der Inhalt der Deutschrift von der deutschen Delegation in London einstimmig gutgeheißen worden war, und sicher hat diese Delegation keinen Bes schluß ohne Zustimmung der Berliner Regierung gefaßt. Herr Rosenberg hat seine Fäden auch bereits weiter geSponnen, und namentlich auch in London Anknüpfungspunkte gesucht. Als er sich vor einem Jahr in England aufhielt, war er der Gast des seiner Delinteressen wegen sowjetfeindlichen Herrn Deterding, und auch bei seiner letzten be= kanntlich so glorreich verlaufenen Reise nach London ist er, allen Dementis zum Trozz, mit diesem Manne wieder zusammengetroffen. Es gibt in London mehrere ukrainische Komitees, die für das, was sie die Befreiung ihres Vaterlandes nennen, tätig sind und dabei sehr enge Beziehungen zu dem Hitler- Regime unterhalten. Mit ihnen arbeiten Hand in Hand Deterding sowohl wie Lord Zwischen Prag Rothermere, der vor kurzem in seiner„ Daily Mail" einen für Hitler- Deutschland begeisterten Artikel veröffent. lichte. Der Vorstoß gegen Sowjetrußland bedeutet natürlich den wenigstens vorläufigen Verzicht auf die vordem so lebhaft propagierte antipolnische Politik. bings ließ man sie nicht ohne Weiteres ziehen. Sie wurde für den nächsten Tag zur„ Belehrung" bestellt. Bei dieser Beleh rung" erklärte man thr:„ Wir wissen, daß Sie ins Ausland und zwar zu Ihrem Gatten nach Prag fahren wollen. Es steht dem auch nichts im Wege. Aber wir warnen Sie! Hüten Sie sich, auch nur die geringste gegen Deutschland oder die jezige Regierung gerichtete Aeußerung zu machen! Wir ha ben überall, auch in Prag, unsere Beobachter, die uns alles Derartige überbringen. Sie haben sich ja jetzt schon davon überzeugt, wie unser Dienst funktioniert. Bei der kleinsten Aeußerung können Sie niemals mehr nach Deutschland, in Ihr Heimatland zurück, ohne sofort verhaftet zu werden. Damit hat man ganz offiziell zugegeben, daß man überall im Ausland, auch in Prag, festangestellte Spione unterhält. Ja, die untergeordneten Organe! Nicht wahr, Herr„ Führer Hitler? 3 and toresd] TA Man weiß zudem, daß ein Angriff auf Polen außerordent- Dieser Trotz chrt cuch!" lich bedenklich wäre, weil weder Frankreich noch die Kleine Entente in diesem Fall ruhige Zuschauer bleiben würden. Gegen Rußland vorzugehen scheint oder schien wenigstens den frivolen deutschen Ostpolitikern weniger gefähr= Itch, weil sie damit rechnen oder rechneten, die fapitalistischen Regierungen Westeuropas an ihrer Seite zu haben und auch Bei den Polen Sympathien zu finden. Um diese Sympathien zu gewinnen, empfing Herr Hitler alsbald nach seinem Amtsantritt den polnischen Gesandten in Berlin und versicherte ihn seiner Vertragstreue. Deswegen auch hatte die neue Naziregierung von Danzig nichts Eiligeres zu tun, als in Warschau ihre Visitenkarte abzugeben und da mit die Hoffnungen auf die Wiedereroberung des Korridors und die Eingliederung Danzigs in das Dritte Reich zu zerstören. Aber das ganze Spiel ist allzu durchsichtig. Die russische Diplomatie hat sich sofort zur Wehr gesezt und, entgegen früher verkündeten Grundsägen, mit den andern Staaten des europäischen Ostens, ohne Rücksicht auf ihre antibolschewiftische Einstellung, Nichtangriffspatte abgeschlossen, die mit aller Dentlichkeit ihre Spitze gegen deutsche Ges lüfte richten. Und besonders eng gestalten sich die Beziehungen an der pols nischen Republik, die klug genug ist, zu erkennen, daß eine unter deutschem Einfluß stehende Ukraine für sie eine um so größere Gefahr darstellen würde, als Polen dann in eine Zange deutschen Einflusses geriete. Diese Sorge war groß genug, um Warschau zu veranlassen, selbst dem sicher nicht geliebten früheren Polen Karl Radek den freundschaftlichsten und ehrenvollsten Empfang zu bereiten. Wir stehen also vor einem neuen Fiasko nationalsozias listischer Außenpolitik. Jeder Versuch, sich nach irgend einer Seite hin Luft zu verschaffen, oder irgendwo Freunde und Verbündete zu gewinnen, schlägt grausam fehl. Dieses Deutschland manövriert sich in eine immer größere Isolierung hinein. Es hat Desterreich von sich abgestoßen, es hat die Annäherung zwischen Frankreich und Italten herbeiführen helfen, es hat die freundschaftliche Hilfsbereitschaft Englands verscherzt, und jetzt hat es Polen und Rußland gegen sich zusammengeführt. Die Folgen dieses geradezu verbrecherischen Dilettantismus aber werden sich nicht nur auf dem eigentlich politischen, sondern vor allem auch auf wirtschaftlichem Gebiete geltend machen. Der Boykott deutscher Waren in den westlichen Ländern nimmt immer größeren Umfang an, und jetzt sprechen alle Sie winseln um Arbeiterleser H. In Berlin hat man das Aushängeschild des nationalen Sozialismus" längst schon wieder abgehängt. In der Provinz wird es zum Zweck des Arbeiterfangs noch immer gebraucht. Vor uns liegt ein Flugblatt aus Kiel vom 28. Juni, in dem die Leser der früheren sozialdemokratischen„ Volks. zeitung" aufgefordert werden, ein gleichgeschaltetes Schundblatt zu abonnieren, das pompös als„ Kampforgan für den deutschen Sozialismus" bezeichnet wird. In dem Waschzettel heißt es unter anderem: " Die vergangenen Wochen dürften Euch darüber Klarheit gegeben haben, daß es uns wirklich ernst und heilig ist mit der Durchführung des deutschen Sozialismu 3 und daß dieser deutsche Sozialismus tatsächlich marschiert .... die Ereignisse haben Euch gezeigt, daß wir aufrechte deutsche Sozialisten sind. So wie wir niemals daran gedacht haben, Eure Gewerkschaften zu zerschlagen(!), so wenig haben wir je daran gedacht, Eure„ Volkszeitung". die auch mit Euren Groschen erbaut wurde, zu enteignen. Gebäude und Betrieb der eingegangenen Volkszeitung" find heute Staats- und damit nach wie vor Euer Eigentum.(!!) Um den Hohn voll zu machen, wird dann weiter immer von„ Ehrlichkeit" geredet und versichert, jeder„ ehrliche" Sozialist müsse sofort die ehrliche Nordische Rundschau" abonnieren. Ob die Kieler Arbeiter auf diesen Schwindel hereinfallen werden? Der Verfasser des Lügenblattes scheint das selber nicht zu glauben, wendet er sich doch an die Arbeiter mit folgenden Worten: Seit dem Tage, an welchem die Schleswig- Holsteinische Boltszeitung", Euer Organ, ihr Erscheinen einstellte, find die meisten von Euch ohne Zeitung. Diese Treue und dieser Trotz ehren Euch. Der Flugblattverfasser gesteht also, daß die sozialistische Arbeiterschaft Schleswig- Holsteins der Sache der Sozial demokratie die Treue hält und der nationalsozialistischen Despotie gegenüber in troßiger Ablehnung verharrt. An dieser Treue und an diesem Troß werden seine Lügenkünste nichts ändern. Anzeichen dafür, daß das für die deutsche Ausfuhr so wich- Die anderen tige, Rußland seine Bestellungen immer mehr nach andern Staaten hinüber legen wird. Zuletzt werden die deutschen Arbeiter diejenigen sein, die die Folgen zu tragen haben. Gefälschte Arbeitslosenziffern werden sie über ihre Not nicht hinwegtäuschen können, und die verschärften Maßnahmen gegen jede oppositionelle Regung werden die Massen nicht an der Erkenntnis verhindern, daß ihnen unter dem Hakenkreuz nicht nur die Freiheit geraubt, sondern auch das Brot vom Munde weggenommen wird. und dem Dritten Reich zwei Fälle Man schreibt uns aus Prag: Wer fann die Greueltaten, die Verbrechen zählen, die zwt Ychen Prag und dem„ erwachten Deutschland" spielen. Wieviele mag es aber noch geben, von denen die Oeffentlichkeit nichts erfährt? Nur durch Zufall gelingt es, hie und da ein besonders brutales Geschehen an das Licht der entsetzten Algemeinheit zu zerren. So etwas, was auszudenken nur gemeingefährlichen Wahnsinnigen vorbehalten ist, etwas, vor dem ein normaler Mensch fassungslos steht, das man nicht glauben möchte, wenn nicht unwiderlegbare Beweise die Wahrheit verbürgen würden, hat sich vor kurzem abermals ereignet. Es betrifft ein altes Prager Ehepaar, tschechoslowakischer Staatsangehörigkeit. Der einzige Sohn der Leutchen war seit Jahren in Deutschland ansässig und hat sich dort naturalisieren lassen. Er betätigte sich politisch und hat sich als Jude und Linksradikaler bei den Stüßen des Dritten Reiches" selbstverständlich sehr mißliebig gemacht. Das Schicksal vieler Zehntausender, die den Konzentrationslagern überwiesen" wurden, ward auch ihm zuteil. Die alten Eltern in Prag hörten wochenlang nichts von ihrem einzigen Kind. Sie machten die Behörden mobil, auch die tschechoslowakischen, aber es war alles vergebens. Schließlich erfuhren sie aber doch, daß ihr Sohn in dem fächsischen Konzentrationslager bei Grünhainichen saß. In ihrer Naivität machten sich die alten Leute auf, um den Sohn zu besuchen und vielleicht seine Freilassung zu bewirfen. Sie fuhren zu dem Konzentrationslager hin, ließen sich bei dem Lagerkommandanten melden, wiesen sich als tschechoslowakische Staatsbürger aus und baten ihn, das einzige Kind frei zu geben. Sie versicherten dem„ Führer", daß sie sofort mit ihrem Sohn über die Grenze fahren würden, daß er sich nicht mehr politisch betätigen und über Deutschland und das regierende Regime nichts Nachteiliges veröffentlichen würde. Der Lagerkommandant ließ das bedauernswerte Paar ruhig zu Ende sprechen und schwieg. Da die Eltern das als Ablehnung auffaßten, baten ste, man möge ihnen ihr Kind wenigstens einmal zeigen. " Sie sollen ihn sogar gleich mitnehmen", erklärte da der Herr" Kommandant und hieß das Elternpaar warten. Er verschwand und kehrte nach einer Viertelstunde mit vier SA.- Leuten, die einen Sarg trugen, zurück. Den Sarg stellte man vor die alten Leutchen hin und der Kommandant sagte: Hier haben Sie Ihren Sohn. Sie können ihn sofort mitnehmen. Den Sarg aber( es war ein Zinksarg) dürfen Sie nicht öffnen. Die Leiche wird hier beerdigt. Sollten Sie aber den Wunsch haben, Ihren Sohn noch einmal zu sehen, wozu Sie ja den Sarg aufmachen lassen müßten, so wären wir gezwungen, Sie beide hier im Konzentrationslager festzuhalten." Was blieb den unglücklichen Eltern anders übrig, als den ihnen vor die Füße gestellten Sarg von dem eiligst herbeigeholten Rabbiner einsegnen und an Ort und Stelle beisezen zu lassen? Jeder Kommentar zu dieser Sache ist überflüssig! Ein anderer Fall: Seit mehreren Wochen hält sich in Prag ein emigrierter Arzt aus Köln auf. Er war dort an einem Krankenhaus angestellt und entlassen worden. Seine Frau ließ er noch zurück. Sie sollte einstweilen alles für den Umzug vorbereiten und dann nachkommen. Einige Tage später wurde die Frau in Köln in„ Schußhaft" ge= nommen. Man warf ihr vor, daß sie vor einem Jahr in einer Gesellschaft geäußert hätte, man müßte den Hitler aufhängen. Wochenlang saß die Frau im Gefängnis, bis es ihr durch Protektion gelang, die Freiheit wieder zu gewinnen. AllerCompagnon wird von Gewerbetreibenden in Brüssel mit feinem Kundenkreis wegen Vergrößerung gesucht Briefe unter Mitätig" an die Expe dition dieser Zeitung erbeten 46 Schreibmaschinen, neu u. gebraucht, auf Teilzahlung in monatlichen Raten von Fr. 40 Unverbindliche Vorführung. Zuschriften unter Nr. 32 an die Geschäftsstelle dieses Blattes erbeten Existenz für Flüchtlinge, die arbeiten wollen. Kollektionsnach nahmepaket Fr. 100. Garantiert gangbarer Artikel zum Engros Preis. Bei Nicht zusagen wird Geld zurückerstattet. Bestellungen sind zu richten an Etbl. Sadose, Paris, 88, rue de Faub. Poissonnière mögen verhungern Der Bürgermeister von Schmalkalden hat angeordnet, baß Arbeitslose, die marristischer Gesinnung verdächtig sind, keine Unterstützung mehr erhalten. Dasselbe wird aus anderen deutschen Städten berichtet. In Bayern probiert man eine andere Methode der AusHungerung durch. Der Präsident des bayerischen Landesarbeitsamtes fordert Bevorzugung der SS. und SA. bei allen Stellenbeseßungen. Gegen Arbeitgeber, die Angehörige der aufgelösten Parteien und Organisationen ein stellen und damit die Unterbringung der braunen Prätorianer zu sabotieren versuchen, werde mit den allerschärfsten Mitteln vorgegangen" werden. Tönend verhieß Hitler einst allen Arbeitern Freiheit, Arbeit, Brot. Da es eine Lüge war, muß er jeßt seine Parteianhänger versorgen, sonst knüpfen sie ihn auf. Also mögen die anderen Deutschen verhungern. Wer im Wege steht, ist einfach marristischer Gesinnung ver dächtig..." Noch nie hat es in der neueren Geschichte eine Bewegung gegeben, die so heuchlerisch mit Idealen prozte und so partei materialistisch war wie die des Hakenfreuzes. Gute Gelegenheit „ Durch das Ausscheiden jüdischer Aerzte ist in günstiger Lage Neuköllns gute Niederlassungsmöglichkeit für deutschen Arzt gegeben. Anfragen unter...( Groß- Berliner Aerzteblatt, 20, 1933.) Post hängt Hitler auf Die enge Verbundenheit der deutschen Reichspost mit der Person des Reichskanzlers Hitler soll, nach einer Anordnung des Reichspostministeriums, auch äußerlich dadurch dargetan werden, daß in den wichtigsten Diensträumen Bilder Hitlers aufgehängt werden sollen. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. 5 H.. Saarbrücken, Schüßenstraße 5. b Französische Weberei sehr gefragter Spezialartikel, sucht Kapital zum weiteren Ausbau. Referenzen, Antwort: 48 Marigny, 7, avenue Foch, Paris( XVI³) Werbt für die ,, Deutsche Freiheit"! Kanonenrohre und Panzerplatten Von Stinnes über Thyssen zu Hitler. Die Union der festen Hand Die Unersättlichen Aus Deutschland wird uns geschrieben: say Mit der Berufung des Generalrats der Wirtschaft und der Ernennung Frizz Thyssens zum westdeutschen Wirtschaftsdiktator hat die Gruppe von Industriellen die Macht in Deutschland übernommen, die schon seit Jahrzehnten als die Union der festen Hand" unter diesem Titel hat sie ein bekannter Roman geschildert- unvorstellbar großen und verhängnisvollen Einfluß auf Wirtschaft und Politik des Deutschen Reiches ausübte. Es waren die Krupp, die Rir dorf, die Thyssen, die Vögeler, die Schlenker, die Deutschland in den Weltkrieg trieben und die noch in einem Augenblick, als das Land den Krieg bereits militärisch und ökonomisch verloren hatte, jeden ehrenvollen Frieden mit der Begrünbung sabotierten, die deutsche Wirtschaft sei ohne halb Nordfrankreich und ein Drittel Belgiens nicht lebensfähig. Blut und Knochen des deutschen Volkes schienen ihnen gerade gut genug, die Erz- und Kohlenbasis ihrer Betriebe zu erwei tern. Es waren dieselben Krupp und Thyssen, Kirdorf und Aloedner, zu denen noch Hugo Stinnes hinzufam, die dann die Inflation benußten, um die„ Substanz" ihres Besizes Bu vermehren und die Schulden abzuschreiben, um die Löhne zu reduzieren und Staat und Gewerkschaften zu entmachten. Sie waren es auch, die jede Reparationsregelung verhin derten und Deutschland in den verhängnisvollen Ruhrkrieg ftießen. Hatten fie früher die rechtsradikale Bewegung nur nebenbei unterstützt, so förderte jetzt die Union der festen Hand ganz offiziell den Nationalsozialismus und das Fememördertum: alle Leidenschaften wurden aufgepeitscht gegen Bölferverständigung und soziale Republik, gegen Weimar und gegen Völkerbund. Als aber der Ruhrkrieg so elenbiglich verlorenging, wie er leichtsinnig und verbrecherisch begonnen wurde, waren es die Leute von der Ruhrindustrie, die mit dem französischen Militarismus und der franzö fischen Schwerindustrie zu packeln begannen und damals tausendfach das begingen, was sie tagtäglich ihren Gegnern Borwarfen: Landesverrat zig bis siebzig Prozent ausgenußt. Aber man baute ja gar nicht, nur um zu produzieren, man schuf auch massenhaft Produktionsstätten, um sie sofort stillzulegen, nachdem man sich in einem netten Quotenramsch" einen größeren Anteil an den Kartellen und Syndikaten gesichert hatte. Es gibt im Ruhrrevier unzählige Werke, die, kaum geöffnet, schon wieder geschlossen wurden, obwohl sie viele Millionen gekostet batten! Die Anlagepolitik Und wiederum fehlte Geld, denn die Anlagepolitik fraß schwere Summen. Konnten und wollten die deutschen Banken nicht mehr pumpen, wandte man sich eben an das Ausland. Da fich auch die deutschen Großstädte um holländische, englische und amerikanische Kredite bemühten, gab man Freund Schacht, dem Reichsbankpräsidenten, einen Wink: er erschwerte und verhinderte schließlich, daß die Gemeinden langfristige Auslandgelder befamen, denn Wohnungsbauten seien, erklärte er, unproduktiv". Mit ausländischen Geldern aber schuf man gleichzeitig die Vereinigten Stahlwerke, den großen Trust der großen Beherrscher Deutschlands. Jeder einzelne Industrielle, vor allem Thyssen Vater und Thyssen Sohn, brachten ihre Hochöfen und Walzwerke, ihre Kohlengruben und Roksöfen zu phantastisch hohen Beträ gen in die neue Firma ein. Da jeder jedem diesen Bes trug gestattete, weil er selbst freie Bahn dafür brauchte, waren die Vereinigten Stahlwerke von Beginn an über tapitalisiert, ein totgeborenes Rind. in Offensive gegen Arbeiter Die 700 Millionen Market walt, Dr. Grauert, engagiert und ihm ein Jahresgehalt Als die Geldentwertung für fie fein Geschäft mehr war, folgte ihr die Stabilisierung der Währung und die Rationalisierung: mit verantwortungslosem Größenwahn und wider fede wirtschaftliche Vernunft wurde überrationalisiert und überinvestiert. Als dann die große Pleite vor der Tür stand, als man nicht mehr aus und ein wußte, nahm man einfach die Reichsregierung unter Druck, berief sich auf einen nie publizierten privaten Briefwechsel und stellte Schadenersatzansprüche. Weil die Rechenbarone den Ruhrfrieg provoziert, weil sie in ihm zuerst gegen, dann mit den Franzosen riesenhaft verdient, weil sie mit ihrer ganzen Taktik Deutschland unsäglichen Schaden zugefügt hatten, erbielten fie als Gegenleistung vom Reich siebenhundert Millionen Mart. Das Geld verwendete man aber nicht, um die alten Schulben zu zahlen, sondern man baute weiter Hochöfen und Balzwerfe, errichtete neue Kohlengruben und Förderanlagen. Und das Ergebnis? Selbst in Zeiten günstigen Abfages wurden die Anlagen des Ruhrgebietes nur zu sechGöring- sein eigener Richter Er kann seinen Bestechungsfall selber niederschlagen " Jupreß" meldet aus Berlin: Bei den Lieferungsaufs trägen der deutschen Luftflotte haben die Bayerischen Motorenwerte eine Vorzugsbehandlung erfahren, die wie aus deutschnationalen Kreisen mitgeteilt wird barauf zurückzuführen ist, daß Göring von der Firma erheb liche Beftechungssummen erhalten hat. Die BMW. haben außerdem die Gelegenheit wahrgenommen, einige ältere Modelle abzusetzen, um ihre bereits vorhandenen Werkzeugmaschinen außzunuzen. Inzwischen hat fich Herr Göring mehr Bollmachten zuges legt, als sie selbst der absolutistische preußische König besaß: Er tann alle Untersuchungen, auch bereits eingeleitete, nieders schlagen, jede Aufdeckung seiner und seiner Freunde Stans bale unmöglich machen und vereinigt hente bereits in seiner Hand mehr Macht als Hitler. Grete und Gnädige Der manikürte Marxismus Willst Du den Nazi ganz verstehn, mußt du in seine Blätter sehn... Wenn auch nur gelegentlich, denn täglich hält das kein Normaler aus. Was wir nachstehend zitieren, stammt aus dem Zentralorgan der Hitlerpartei, aus dem Völkischen Beobachter". Die traurige Geschichte beginnt damit, daß die Hausangestellte Grete zum Friseur gehen will. Wie lange, meint die gnädige Frau, wird das dauern?- Drei Stunden, höhnt Grete falt lächelnd. Ist das nicht reichlich viel? fragt die Gnädige, nicht ohne ein Bibbern der Empörung. Und Grete was erwidert dieses schandbare Produkt einer jüdisch verweichlichten Welt? Lassen wir die Verkommene selber reden: " Nun, am Samstag muß man erſtens lange warten. Dann bitte bedenken Sie Haare schneiden, Kopf waschen, Wasserwellen. Dann muß ich mich auch wieder einmal maniküren lassen." Ha, Verruchte, haben wir Dich?! Und wer hat Dich so ver borben? Die Auflösung, lieber Reser, folgt am Schluß. Vorber mußt Du genießen, wie Hitlers Leibjournalist von seiner Teutolinde schwärmt.( Sperrungen wie im Original): Meine Frau, die einer vielleicht glänzenden medizi nischen Laufbahn den Beruf vorzog, in dem sie jetzt kocht und Wäsche flickt und Strümpfe stopft und den Herren Söhnen, die das Bedürfnis haben, nur in Erdhöhlen zu hausen, immer die Anzüge säubern muß usw. also meine Frau hat sich noch niemals maniküren lassen. Das ist vielleicht ein Fehler von ihr. Laßt nur, mir gefällt sie mit diesem Fehler sehr gut. Aber Fräulein Grete muß hingeh'n, sich maniküren zu lassen. Keiner soll mich nun in den Verdacht bringen, ich möchte unsozial sein. Ich glaube, ich bin das nicht. Das, was ich Da es mit weiterer Rationalisierung nicht ging und man über Kopf und Hals verschuldet war, verfiel man wieder einmal auf das probate Mittel, andre für die eigenen Fehler büßen zu lassen: die Arbeiter. Nicht umsonst hatte man fich einen vom Preußenkabinett gemaßregelten Staatsanwalt, Dr. Grauert, engagiert und ihm ein Jahresgehalt von einer runden halben Million Mark gegeben, ihm überließ man es nun, eine Offensive gegen die überhöhten Löhne" der Arbeiterschaft und gegen die aufgeblähte Sozialpolitik" zu führen. Bald folgte mit riesenhaften Mitteln eine wilde Propaganda gegen Gewerkschaften und Krankenfassen, gegen Schlichtungswesen und Sozialversicherung. Der Höhepunkt des Rampfes war die Aussperrung einiger Hun derttausender Metallarbeiter durch die Nordwestgruppe der Arbeitgeberverbände. Als damals eine von Sozialdemokraten geführte Reichsregierung den Streifenden Unterstützungen gab und das Schlichtungswesen nicht fallen ließ, war die weitere Haltung für die Union der festen Hand entschieden: damals begann sie mit Hochdruckt die Finanzierung der rechtsradikalen Bewegung. Sie erfolgte zentral und wurde durch eine Umlage gedeckt, die jeder Verbraucher von Kohle und Eisen zahlen mußte: fremdes Geld für eigene Zwecke gab man im Ruhrgebiet immer gern und großzügig aus. Ueber Fragen der Arbeitslosenversicherung stürzte die Regierung Hermann Müller. Wieder hatte die westdeutsche Stille, stille, kein Geräusch gemacht! Aus absolut zuverlässiger Berliner Quelle ging uns zu unserer Meldung noch folgender Kommentar zu: Die Reichsregierung hat der deutschen Presse eine Er flärung zugehen lassen, in der behauptet wird, es sei unwahr, daß der Reichsminister Göring Bestechungsgelder angenommen hat; es sei ferner unwahr, daß Deutschland die Luftaufrüstung in welcher Form auch immer betreibe. Den Zeitungen wird bei Androhung des Verbots auf unbestimmte Beit untersagt, über die in dieser Sache im Ausland ver breiteten Meldungen zu berichten; ebenso darf bis auf weiteres das Dementi der Reichsregierung nicht publiziert werden. Bei den Junkers- Werken in Dessau und Berlin find am 20. Juli durch Beamte der Geheimen Staatspolizei die gesamten Geschäftsbücher und Papiere beschlagnahmt worden: dasselbe erfolgte mit den Privatakten des Professors Junker. Einige führende Angestellte der Junkers- Werke wurden verhaftet. hier bemängle, richtet sich auch durchaus nicht gegen alle Hausangestellten. Aber ich füge hinzu, daß der Vater des Fräulein Grete ein ganz kleiner fozialdemo fratischer Arbeiter ist, der seine Tochter beim Heimkommen immer begrüßt: Hast du dir auch die Hände maniküren lassen?" Eine Zeiterscheinung, die gegeißelt werden muß. Sie ist auch aus den Quellen des Marrismus ge-. kommen. Die wahren Herren Deutschlands Schwerindustrie den Ausschlag gegeben, denn ein stramm rechtsorientiertes Regime sollte es ihr ermöglichen, die Folgen der Fehlrationalisierung und der Wirtschaftskrise auf Arbeiterschaft und Staat abzuwälzen. Die Regierung Brüning tam und mit ihr kam Lohnsenkung und Zerschlagung der Sozialversicherung: jeder Wunsch der Ruhrbarone wurde erfüllt. Das Ergebnis war Verschärfung der Wirtschaftsfrise und Vergrößerung der politischen Spannungen. Dennoch pleite! Schon 1930, aber erst recht Anfang 1981 tauchte im Revier" ernstlich die Frage auf, wie lange es noch möglich sein würde, die Pleite der Eisen- und Stahlindustrie und das Debakel des Ruhrbergbaues aufzuhalten. Denn schon längst hätten die Leute von Rheinland- Westfalen, wären sie mehrbare deutsche Kaufleute" gewesen, über ihre Betriebe das Ausgleichsverfahren verhängen lassen müssen. Mehr als einmal stellten sie an Brüning das Ansinnen, mit einer neuen Geldentwertung zu beginnen. Während der Kredit- und Bankenkrise des Jahres 1931 ging es hart auf hart: stabile Währung oder Inflation? Die Leute vom„ Revier" verbanden sich mit den hoffnungslos überschuldeten ostelbischen Junkern, und ihr gemeinsames Programm war: Staatssubventionen, Schuldennachlaß, Sozialreaktion, Sanierung auf Kosten des Volkes. Ihr Reich! Das Bündnis mit Hitler, daß die Union der festen Hand, die Herren der deutschen Industrie, nach den anfänglichen Erschütterungen und Schwankungen der nationalen Revolution" erfolgreich durchgesetzt haben, vollendet vorläufig die Entwicklung. Dieses Bündnis, gekittet mit dem Blut der zehntausende Arbeiter, die in den Kerkern und den Kon zentrationslagern schmachten, ist ein festes und gegenseitiges: die deutschen Großkapitalisten stützen Hitler, der nationalsozialistische Staat schützt die Herrschaft des Kapitals. Der deutsche Faschismus hält die Arbeiter nieder. Der deutsche Faschis. mus gibt große Rüstungsaufträge. Das„ Revier" produziert wieder Kanonenrohre und Panzerplatten, das Revier drängt zum Kriege, weil sich in seinem Stahlbad das Bankrotteurtum der Wirtschaftsmagnaten wieder gesundbaden kann. Und eines ist sicher: die Union der festen Hand hält wieder die Herrschaft fest in Händen. Reichskanzler ist der Mann, dem ihre Subventionen den Weg zur Macht bereitet haben. Wirtschaftsminister ist the alter Geschäftsfreund Dr. Schmitt, Reichsbankpräsident ist thr bewährter Freund Dr. Schacht. Göring ist ständiger Gast im Revier, sein Stellvertreter in dem wichtigsten aller deutschen Ministerien, dem preußischen Innenministerium, ihr Lakai Grauert; die deutsche Sozialpolitik leitet ein andrer ihrer bezahlten Sekretäre, Dr. Mansfeld, und die Treuhänder der Arbeit sind ihre Untergebenen. Hat die Union der festen Hand mit dem Nationalsozialismus nicht all das erreicht, was sie sich vornahm? Kann sie nicht mit Stolz sagen, daß das Dritte Reich im wahrsten Sinne des Wortes ihr Reich ist? Verlus'geschäft Pleiten am laufenden Band Die Automobilwerke Büssing, welche schwere Lastwagent bauen, schließen ihr Geschäftsjahr mit 1,5 Millionen Defizit ab. Die Kaiserkeller- A.- G. weist einen Verlust von einer Million 200 000 Mark auf. Das Dachpappwerk Ruberoid hat eine Unterbilanz von 2 Millionen( bei 4 Millionen Aktienkapital). Der westdeutsche Sementverband in Bochum stellt fest, daß der Zementversand seit 30 Jahren keinen ähnlichen Tiefstand gekannt hat. squallöH Neue Erhöhung der Oelpreise Die Regierung hat den Delmühlen vorgeschrieben, künftig einen Preis von mindestens 30 Mark pro Doppelzentner Naps, 22 Mark pro Doppelzentner Leinsamen für das nächste Jahr zu zahlen. Die Festsetzung dieser Mindestpreise wird die Delpreise im Einzelhandel wieder erheblich steigern. gernägel für teures Geld polieren zu lassen und daß dies im Leibblatt der Nazibonzerie hochgenommen werden würde, das konnte der große Seher nicht einmal im Traume ahnen. Denn er setzte zwar immer die wachsende Brutalität der antisozialistischen Gegner, aber nicht gerade die progressive Verblödung des faschistischen Lagers voraus. Bei Wotan, hier wird endlich einmal die Sonde tief in Schandmal! eine Wunde der Zeit gelegt! Bliebe nur zu ergänzen, daß die neuere Statistik folgendes erweist: 92,2 Prozent aller ,, kleinen sozialdemokratischen Arbeiter" empfangen ihre Töchter täglich mit der Frage:„ Hast Du Dir auch die Hände maniküren lassen?!" Wer von euch Arbeitern hört das in seinem Kreise pro Tag nicht r- mal? Die Zahl der Maniküren wächst deshalb dauernd, weil sie sich vor dem Ansturm der Proletariermädchen nicht retten können; deswegen treiben die auch dauernd ihre Arbeitslosenunterstützung in die Höhe. 83,4 Prozent aller sozialdemokratischen Arbeiter mütter lassen sich sogar die Zehen dreimal wöchentlich ladieren, weil sie nicht wissen, wohin mit dem Gelde! Edle Kämpen, diese Nazis! Jm wilhelminischen Deutsch land versuchte man den Marxismus einst wissenschaftlich zu widerlegen, dann gab mans auf, und der selige Reichslügenverband suchte ihn mit Verleumdung zu erschlagen. Seine faschistischen Nachfahren mobilisieren nunmehr gegen den Marrismus das, was zu allen Zeiten, in allen Schichten als elendestes Gewäsch galt: Den Dienstboten flatsch. Der Gnädige fnatscht in Großdruck, wie seine Gnädige fich über Grete ärgern muß, weil usw. usw. Karl Marx sah vieles voraus, aber daß sein weltumspannendes kommunistisches Manifest und sein zyklopisches Rapital einmal sozialdemokratische Dienstboten nötigen tönnte, sich die Finnd 3790 Den Meuchelmördern Rathenaus- Erwin Kern und Hermann Fischer- wurde auf Burg Saaleck in Deutschland ein Denkmal errichtet. Ein Denkmal den Mördern Rathenaus, ein Denkmal deutscher Schande! Ein Denkmal den Mördern Rathenaus schreit es in alle Lande: dies Mal soll fest gemauert sein jetzt und für alle Zeiten, wir wollen einst zu dem blutigen Stein eine neue Jugend geleiten und wollen ihr sagen: vergeßt es nie, daß einst eine Bande von Affen den deutschen Geist mit Dred bespie! Ihr sollt ein Deutschland schaffen, dem nie mehr gleiche Schande droht, der Stein hier soll euch mahnen an eures Landes schmachvollste Not jebt hin, und sentt eure Fahnen! al slex Hier spricht ein Berliner Junge Ein junger Arbeiter schreibt uns aus Berlin: Der Schußhäftling Krohn, Oranienburg, ist gestern auf der Flucht erschossen worden." Das und noch viel mehr dieser Meldungen könnt Ihr täglich in den Berliner Zeitungen Lesen und damit will man Euch glauben machen, daß es wirklich so war. Und wie ist es in Wirklichkeit? Wir Berliner Arbeiter, die wir in den Betrieben stehen, wollen Euch auf biesem Wege einmal die Verhältnisse aus Berlin schildern. Es ist nicht wahr, daß die gesamten Belegschaften mit fliegenden Fahnen zu Hitler gelaufen sind. Die Belegschaftsmitglieder sind wohl in der NSBO., aber wie sind sie hinein gekommen? Du bekommst einen Revers vorgelegt, indem Du Dich verpflichteft der NSBO. beizutreten. Tuft Du das nicht, so fliegst Dn. Und so entstehen die riesigen Aufnahmeziffern der NSBO. Wir sind in den letzten Wochen sogar gezwungen worden, Hitler- Spende zu zahlen. Man hat, ohne sie nach ihrem Einverständnis zu fragen, einfach 1 Prozent ihres gesamten Einkommens vom Lohne einbehalten. In demselben Atemzuge wurde ein Anschlag in den Betrieben veröffentlicht, der im Wortlaut folgendes sagte: Wer über die Hitler- Spende diskutiert, fliegt." Mit diesen Methoden finanziert man seine Opferspenden. Es ist uns heute möglich, Euch auch einmal über den BerItner Parteibetrieb, den Vorwärts", einiges zu sagen. Es erschien dort ein Kommissar, der mit viel Stimmenaufwand verkündete, daß die Betriebsverhältnisse die gleichen bleiben sollten, und was geschah? Der Herr Kommissar redete von Sparmaßnahmen, er hat dabei vergessen, daß er selbst 4facher Verdiener ist. Aus diesem Grunde konnten die Ersparnisse natürlich nur auf Kosten der Belegschaft vorgenommen werden. Und das hat er denn auch besorgt. Als erstes wurden sämtliche vom Geschäft bisher gezahls ten Zuschüsse bei Kranten, Rentnern und Invaliden eins geftellt. Die Ferien wurden gekürzt, die übertariflichen Löhne gestrichen und zu allem Ueberfluß wurde der Bes trieb für unrentabel erklärt. Wöchentlich wirb ½ der Belegschaft entlassen. Damit aber ber sosialistische Gedanke" dieser Leute gewahrt blieb, wurben sie mit dem Vermerk der staatsfeindlichen Gesinnung herausgeworfen. Auf den Arbeitsnachweisen wurden sie mit dem Vermerk: Was wollt Ihr denn hier?", herausgeworfen. Damit ist die gesamte Vorwärtsbelegschaft wirtschaftlich tot gemacht und mehr oder weniger mittellos auf die Straße gesetzt worden. Und jetzt werdet Ihr sicher fragen, wie stehen denn die Berliner Arbeiter überhaupt? Auch darauf sollt Ihr heute Antwort bekommen. Ich will es Euch an einem Beispiel zeigen. Am Donnerstag ,, bem 18. d. M. wurde unser Berliner Genosse Stela Reise- Anekdoten! Sprachschwierigkeiten 8wet Automobile fahren etwas rascher als statthaft durch etn Dorf, das zweite wird vom Gemeindewächter aufgehalten, der nach der Nummer des Autos auch den Namen des Schnell fahrers wissen will. Durch Zeichen gibt der Insasse, ein Engländer, zu verstehen, daß sich seine Papiere im vorderen Kraftwagen befinden. Ihr Name?" bringt ber Gemeindewächter in ihn. My name, oh, please, Willy Woodwheel." Wie?" Willy Woodwheel." Buchstabieren Sie mir bas!" Pariser Spaziergang Höllenpassage Auf dem Montparnasse, wo die modernen Maler des Tuilerien- Salons hocken, während andere Liebhaber in die fer Brathize zu Dürer und Rembrandt und dem Sonnenmaler Renoir in die Sonderausstellungen ziehen, öffnet sich ein schmaler Pfad, der Höllendurchgang heißt. Dort stehen alte Häuser, ein menschenleerer gepflasterter Gang bildet ein Joyll mit Staße und Stridstrumpf, Schusterwerkstatt und Kramladen. Mitten in diesem Pariser Frieden hat sich Hitler niedergelaffen. Ein Knopf vor einem neueren Hause, das wie ein strebfamer Landhausstil mit gelben Fensterläden ausschaut. Sehr unschuldig und bürgerlich. Innen ist es aber die SA.Frembenlegion in Frankreich, der gleichgeschaltete Austauschbienst auf den Hochschulen. Einstweilen begnügte sich Wotan im Landes des Aperitifs noch mit fleineren Siegen. Er klebt überall Zettel an, fleine antisemitische Heßworte, die abends unter Viadukten und an Platatsäulen zum Vorschein kommen. Wer das wohl gewesen ist? Natürlich darf man niemanden verdächtigen, aber es ist eigenartig, daß der Austauschdienst durch seinen Vorposten in Paris auch bereits die Arierparagraphen einführen läßt. Eine Sekretärin, die seit 1980 zur Zufriedenheit der Republit tippte, wurde fristlos entlassen. Da aber an der Seine im Gegensatz zur Pleiße immer noch nicht nur Justiz, sondern auch Gerechtigkeit besteht, erreichte sie, daß der Erwecker des Montparnasses den Gehalt nachzahlen muß. Schimpfend zog sich darauf der Geist der Höllenpassage wieder in seinen Engpaß zurück, in dem die Teufel dürften. Zola in moderner Tracht Der„ Assomoir", Zolas berühmter Roman, ist jetzt verfilmt worden und wird im Gaumont- Palast gegeben. Der Assomoir", das ist jene große Sittenschilderung und jener große Liebesroman, der die Erinnerung an die Zeit der Blusenmänner wieder wachruft. Das arme Mädel, das zwei Kinder von einem Tunichtgut hat und dann einen braven Arbeiter heiratet und glücklich ist, bis ihr Mann dem Teufel Alkohol verfällt, zieht wieder ganz Paris in ihren Bann. Nur daß die Arbeiter in diesem Stück, in den noch" Badinguets", der Kaiser Napoleons des Dritten Spitzbart hineinragt, moderne Kleider tragen, paßt der Kritik in der etwas fonservativen Stadt der klassischen Geister nicht. Aber gleichviel, seitdem an Stelle Badinguets Spitbart die gleichgesinnte Fliege Adolfs Weltgeschichte macht, werden wir in Deutschland wohl den Bola- Film kaum sehen. Zola gehört natürlich auf den Scheiterhaufen. 196 Große Wochen Sommersonnenschein im Bois de Boulogne. Die Hauchdünnen Kleider und die breiten Strohhüte der Damen in Iing, den diese Hitler- Halunken faltblütig ermordet haben, im Krematorium eingeäschert. Hunderte und aber Hunderte von Genossen wohnten dieser Beisetzung bet. Als der Sarg nach einer ergreifenden Ansprache eines jungen Genossen in die Tiefe sant, da stand jung und alt, Mann und Frau mit erhobener Faust, den Freiheitsgruß einem dahingemordeten zum letzten Mal bietend und spontan riefen all die Hunberte troß der großen Gefahr, in der sie sich befanden, Rache für unseren Genossen Stelling, Freiheit". An diesem Beispiel will ich Euch zeigen, daß der Kampfgeist unserer Berliner da ist, daß er immer da sein wird. Aufgebaut auf dem Jdealismus unserer Jungen, unterstützt durch die Erfahrungen der Alten, kämpft das rote Berlin seinen Kampf gegen Hitler. Täglich holt man unsere Leute ins Ronzentrationslager, aber täglich stehen neue Kämpfer im Kampf für die Freiheit. Braunes Geflüster Der SA.- Mann sagt, aber vorerst noch mehr für sich: Da haben wir nun die Roten erschlagen, Die Juden vertrieben und stramm konzentriert, Damit, um es noch höflich zu sagen, Der Geldschrank der Krupp und Thyssen diktiert?! Wir waren gute Parteigenossen Und rüstig bei jedem Rummel dabei, Wir haben en masse auf der Flucht erschossen". Damit Herr Thyssen Diktator sei?! Wir hörten tagaus und tagein die Reden Von Sozialismus und Arbeit und Brot, Jetzt werden wir in den Hintern getreten Und stehen stramm nach Herrn Thyffens Gebot Wir gehen stempeln; das ist das Ende, Die braunen Bonzen find fein heraus, Und schütteln den Krupp und Thyssen die Hände Die Revolution? Die ist längst noch nicht ans!" Ome. Es ist nicht leicht, sich gegen eine„ bisziplinierte Sorbe" Der Nazi- Parteitag durchzusehen, denn die Disziplin besteht im Rippeneins schlagen und Mißhandeln unserer Leute, Und wenn Ihr trotzdem immer wieder von Verhaftungen hört, dann glaubt uns, die Berliner Genossen kennen tein Verzagen. Der Wille, dieser braunen Pest den Garaus zu machen, ist so groß, daß jedes Opfer gebracht wird. Wir Berliner sagen Euch daher folgendes: Das Konzentrationslager, das Gefängnis, die Folterkels ler der Nazis in Berlin, das alles sind nur Etappen, die zähneknirschend durchlaufen werden. Einmal tommen wir auch an das Ende dieser Dinge, und für diesen Tag spas ren wir unsere Kraft. Der Tag, an dem Abrechnung gehalten wird, an dem wir Herrn Hitler eine Rechnung präsentieren, bei deren Anblick ihm die Augen übergehen sollen. Wir wollen auch schon heute all den Spießbürgern sagen, daß sie uns dann nicht an unsere Anständigkeit" erinnern sollen, denn es wäre vergeblich. Wer so viel Arbeiterblut vergossen hat, der hat keinen Anspruch mehr, anständig behandelt zu werden. An diesem Tage werden rote Fahnen über Berlin wehen, Fahnen, die den Anbruch einer neuen Zeit verkünden werden. Euch allen " aber wollen wir die Worte eines Arbeiters sagen. Dentt immer daran, wenn Ihr verzweifelt, und denkt immer daran, wir Berliner arbeiten nach wie vor für die Freiheit, für den Sozialismus: Borwärts und nicht vergessen, Worin Eure Stärke besteht, Bet der Arbeit und beim Effen, Vorwärts und nicht vergessen, Die Solidarität, Nur gesiebte Teilnehmer Die NSDAP. gibt amtlich bekannt: Ueber die Durchführung des Reichsparteitages der NSDAP., der am 2. und 8. September in Nürn berg stattfinden wird, sind vielfach unzufreffende Meldungen verbreitet worden. Es ist nicht geplant, die gesamte Parteigenossenschaft der NSDAP. in Nürnberg zusammenzuziehen, sondern es wird sowohl die SA. wie die HJ. und die Amtswalterschaft der Partet und NSBO. nur ein bestimmtes Teilnehmertontingent aum Parteitag nach Nürnberg entsenden. Jeder Teilnehmer erhält eine Teilnehmerfarte, ohne die ein Besuch des Parteitages verboten fein wird. Das heißt für jeden, der lesen kann, daß große Teile der Mitgliedschaften unzuverlässig sind und deshalb nicht zum Parteitag zugelassen werden. Nur die ganz Hitler treuen erhalten die Teilnehmerkarte. Thomas Esser Ein Meineidsprozeß Die nationalsozialistische Presse fordert ein Meineidsver fahren gegen den früheren Reichstagsvizepräsidenten und Zentrumsführer Thomas Esser. Angeblich soll schon ein Er mittlungsverfahren eingeleitet sein. Es handelt sich um einen Prozeß gegen das nationalsozialistische Grenz- Echo, in dessen Verlauf die Eidespflicht verlegt sein soll. Uns fcheint, daß die Absicht besteht, den Zentrumsmann mit allen ga ira, berlin Mitteln niederzuheben. " Please: Döbblju, at, döbbl- 2, utat, döbblju, döbbľov, dt, döbblju, etsch, döbbl..." Bören Sie auf, das is ja nicht sum Aushalten, fahren Ste sum Teufel." Das Meer Nun, wie fefällt et bir hier an der Nordsee?" Ach, weeste, det Meer ist wie'n fleenet Kind; et brüllt den Janzen Tag und wenn man hinfäßt, is et naß." Johannisbeeren 2 Im Abteil zweiter Klasse fist ein junger Herr allein. Der Bug fährt gerade langsam an, als ein junges, bildhübsches Mädchen in einem himmlischen weißen Komplet die Tür aufreißt und sich atemlos in die andere Ede fallen läßt. Sofort springt der junge Mann auf: ben teuren Cafes glißern. Sahllose Autos, fanfte Musit, abends Boote mit Lampions, am Tage Bonnen und Schwäne. Dies sind die vornehmen Wochen von Paris, bevor KavaIter und Gemüsekrauter und wer es sich irgendwie leisten fann, an die See oder aufs Dorf fährt. Der historische Tag der Drags schwelgt in Biedermeier und Schönheitsköniginnen, der große Preis von Longchamps ist unter Rassentönigen und echten Herzoginnen ausgetragen. Später find acht internationale Militärmusikkapellen, die englische Garde mit den dicken Bärenmüßen am meisten schwizend, unter dem Triumphbogen durchgezogen, nachts haben sie in Versailles vor den beleuchteten Wassern gespielt. Der fleine Angestellte, der im Tabaksladen, dort wo Pmu" steht, das Zeichen des Wettbüros, einen guten Tip, den„ tuyau" landet, weiß gar nicht, wo so viel Vornehmheit herkommt. In denselben großen Wochen von Paris aber sind die Arbeitslosen aus der Mitte des Landes von St. Nazaire Bolt begleitete fie jubelnd, die Kaufleute schloffen zum Beinach Nantes gezogen, ein zweitägiger Hungermarsch. Das chen des Einverständnisses thre Läden, und die verhaßten Marristen", die hier aber gar nicht verhaßt sind, sprachen in einer gewaltigen Massenversammlung im bretonischen Stadion zu den Tausenden. Das Ende eines Gefängnisses „ Violon" ist der„ nast", das Gefängnis. Das berühmte Gefängnis von St. Lazare, die Aufnahmestätte unzähliger Apachen, unzähliger Mädels, die abends um den Schwarzen Stater" gehen, wird mit der Hacke abgebrochen. Eine achthundertfährige Geschichte des Verbrechens und der Prostitution! Der alte Arzt der Gefangenen erzählt Ergreifendes von dem, was er unter den vielen Elenden sah. Da war einmal eine zum Tode Verurteilte, die half an einem Gefängnissonntage einer Mitgefangenen schwesterlich, liebevoll, azart bei der Geburt ihres Kindes- am nächsten Morgen lag ihr Haupt auf dem Block. Die geheimnisvolle Madame Steinheil, halb Engel, halb Dämon, die Mutter und Mann tötete, geistert an den Wänden. Die große Schwindlerin Hanau saß hier unter stets den seltsamsten Blumendüften und riß Zigarette um Zigarette an ihre Lippen. Eine Mörderin, die einen Menschen mit drei Schüssen getötet hatte, weil er aus ihrer Vergangenheit gesprochen hatte, erhielt später die Ehrenlegion. Im Kriege waren 11 Spioninnen da, eine davon Mata Hari. Sechs wurden in Vincennes erschossen, als erste eine arme Näherin aus Grenoble, die zwanzig Minuten zu früh hinaus gebracht wurde und warten mußte. Am mildtätigsten benahmen sich die Straßenmädchen, sie warten oft ganze Nächte an den Krankenbetten anderer Gefangener. Der Gascogner- Kadett Einer von den tollen Junkern, die Rostand befungen hat (... sie stören des Ehemanns Ruh") erschien vor den „ Sie entschuldigen, gnädiges Fräulein..." Doch die junge Dame, an derartige Attaden gewöhnt, hart die Hände vor die Brust und ruft nein, schreit: ,, Mein Herr, wenn Sie mich anrühren, ja, wenn Sie mit zu nahekommen, ziehe ich sofort die Notbremse!" Was kann man da machen? Der iunge Herr zieht sich wieder in seine Ecke zurück, liest ein Buch und rührt sich nicht mehr. Aengstlich beobachtet ihn das bildhübsche, junge Mädchen, das längst bereut, den gut aussehenden Herrn so angefahren zu haben. Der Zug hält, der junge Mann steigt aus. Beim Ver lassen des Abteils dreht er sich noch einmal um und sagt höf lich und zart: " Sie verzeihen nochmals, würden Sie mir jetzt die Tüte Johannisbeeren geben, auf der Sie seit einer halben Stunde fitzen?" schworenen der Seine. Er hat den schönen Namen von La fatrix zu Carfagne und Peyronner und führt vier Vornamen und hat sein Weib vor den Augen des Scheidungsrichters niedergeknallt. Johann mit dem langen Namen erbte einst von seinem Vater etwa 800 000 Franken; davon faufte er sich ein Hotel in Paris. Aber das Hotel hatte Stundenzimmer, und die Frau, die er heiratete, hatte einst auf den Terraffen seiner schönen Heimat öffentlich Liebe verkauft. Nach kurzer Honigs zeit endete denn auch das Idyll, und der Limusiner Ritter sollte monatlich 2500 Franken zahlen. Aber er drückte sich darum, und selbst als ihm nach zwei Ordnungsstrafen drei richtige Monate aufgebrummt waren, blieb er mit der Hälfte der geforderten 120 Mille im Rückstand. Dann erklärte der Gascogner, der sich inzwischen eine andere Geliebte und von diefer ein Rind angeschafft hatte, sein Weib vor Gericht für ihm dies verwies, schnurstracks nieder. ein öffentliches Mädchen" und knallte fie, als der Richter Das Sittenbild endete nach kurzer Beratung mit fünf Jahren Gefängnis. Die Eltern der toten Frau des Ritters erhielten aber nur 1000 Franken Schadenersatz statt der 120 000, die sie verlangten, denn auch Madame hatte wiederholt gesündigt und ihre Liebhaber gewechselt. Die französischen Richter sind manchmal sehr weise Paris Berlin Die meisten Blätter haben Extra- Leute nach Berlin ge schickt. Der Verfasser der„ Berliner Aktualitäten" im Intrans" ist zum Beispiel bei einer Nazifeier im Stadion Grunewald gewesen, mit den üblichen Berliner Eisverkäufern und Wurstmaɣen, aber niemand hat Göbbels Beifall zuges knallt, das„ Heil Hitler!" klang pflichtmäßig und ohne Wärme. Dasselbe im Kino: die Nazi- Wochenschau ohne Beifall, dann stürmisches Klatschen bet einem Reklamefilm für Zigaretten. Ein Abgesandter des sozialistischen„ Populaire", der Hauptsächlich die Lager der Hitlerjugend besucht hat, geriet in eine Kneipe. Selbst bis dahin verfolgte ihn die Propaganda durch ein politisches Kasperletheater im Radio. Aber die wenigsten hörten hin. Die Leute sind müde. Im Romanischen Cafe verstummten zwei Menschen, als sich ein Franzose zu ihnen sezte. Vielleicht hatten sie jenes furchtbare Witwort getuschelt, das hier die Zeitung„ Haint" als Telegramm einer jüdischen Familie aus Deutschland wiedergibt:„ A engstigt Euch nicht, uns geht es allen ausgezeichnet. Samuel, der anderer Meinung war, ist schon längst tot..." " Bapti DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Der Mann, Bei mir ist Haussuchung der Nachtschicht hat Eine feider alltägliche Geschichte von Lotte Seter Von Walter Bauer Der Leser vernahm durch das„ Hamburger Fremdenblatt", baß„ SA. und Polizeibeamte einen Häuserblock abgertegelt und die Wohnungen gründlich nach Heßschriften durchsucht haben. Gefunden und beschlagnahmt wurden Flugblätter, Plakate, Waffen und Munition. Drei Personen sind verhaftet worden...." Nicht viele Leser werden eine Ahnung davon haben, wieviel Unheil so eine kleine Meldung in sich bergen kann. Ich habe nicht weniger als vier solcher Haussuchungen über mich ergehen lassen müssen, und ich lebe in fteter Angst vor der fünften. Und mit mir viele Tausende im neuen Deutschland. ... Man versucht zu schlafen. Es ist spät am Abend. Eine innere Unruhe, die mich nicht verlassen will, erlaubt es nicht. Seit Monaten habe ich nur noch den einen Wunsch: Laßt mich einmal gänzlich ungestört und völlig entspannt schlafen! Nehmt mir den Nervenschmers aus dem Rüden, der mich Tag um Tag und Nacht um Nacht quält. Man liegt mit wachen Augen und überlegt: Seit wann eigentlich schliefen wir nicht mehr ohne Furcht? Das war, ich rechne nach- halt! Das war die Nacht vom 4. zum 5. März! Was alles habe ich seit damals erlebt! Mein Mann ist seit Wochen flüchtig; mein ältester Junge auch. Meine dret schulpflichtigen Rinder find mehr als einmal mit der Klage nach Hause gekommen, daß man sie als Marristen" verprügelt habe. Ich selber bin von der Polizei einmal anständig, viermal roh und rüde gefragt worden, wo mein Mann und mein Junge sich verborgen hielten. Man glaubt mir nicht, wenn ich sage, daß ich es nicht weiß. Dret Haussuchungen haben in meiner Wohnung stattgefunden. Jedesmal ist einiges beschlagnahmt" worben. Ich werde balb kein Buch mehr befizen. Ich letbe Not. Meine Kinder wollen effen; woher soll ich das Geld nehmen? Gewiß: tch arbette, was ich an Arbeit erhalten kann. Viel ist es nicht und reicht kaum für die Miete. Mein Hauswirt ist ein Nast und hat mir gedroht, mich ohne Möbel aus der Wohnung zu werfen, wenn ich die Miete schuldig bleibe. Wenn t allein wäre, hätte ich mit biefem Beben schon längst Schluß gemacht. Aber meine brei fleinen Rinber! Ste find luftig, fie wissen und ahnen noch nicht, was eine Mutter leiden tann Wenn sie nur nicht immer fragen wollten, wo der Vater ist! So Itegt man, so überlegt man! Der ersehnte Schlaf will nicht kommen. Alle Nerven find gespannt; die Sorge drückt aber auch au Yehr! Schließlich weine to, bas hat schon so oft geholfen! Ich springe aus dem Bett! Was war das? Feueralarm oder Polizei? Ich etle zum Fenster. Unten steht Boliget! Ein, awet, bret Autos. Weiter fort noch einige Wagen! Ihre Scheinwerfer suchen die Häuserfront ab. „ Licht aus! Fenster zu! Weg vom Fenster! Es wird gefchoffen!" Laut hallen die Befehle durch die Nacht. Die Kinder werden munter, fte weinen: Mutter, tun fte uns was? Kommen die Nazi wieder zu uns? Was haben wir getan?" Ich beruhige sie und bin doch selber dem Weinen nahe. Still fizen wir auf bem Bettrand. Jm Simmer ist es finfter. Das Haus ist voll Lärm und Aufregung. Wir hören Schimpfen, Fluchen und Geschret. Auf den Treppen wird eilig gelaufen. Wir warten. Die Kinder flüstern; mir bohrt der Schmera im Rücken, ber mich nicht mehr verläßt seit der Stunde, in ber mein Mann verhaftet werden sollte, aber noch fliehen konnte. Ich fühle: jetzt! Nein, erst jest kommen sie zu uns! Es pocht laut: Aufmachen! Polizei!" Bissiger Hund Von Erwin Dasch Herr Goldini steht vor Gericht und verlangt sein Recht. Und außerdem sechzig Mark Schadenersatz. Er verlangt das von Fräulein Minna Dagebrecht, die gleichfalls vor Gericht anwesend ist. " Sie behaupten also, Herr Goldini," sagt der Amtsrichter, von dem Hund der Beklagten angefallen worden zu sein?" " Jawohl, angefallen," ruft Herr Goldini, überfallen, mit Berreißen bedroht, in Lebensgefahr gebracht!" Wollen Sie uns nicht erzählen, wie das geschah?" ,, Gutt! Will ich erzählen, will ich sagen dem Gericht verita die ganze und volle Wahrheit über feigen, heimtückischen Ueberfall durch Bestie, gefährliche! Ich gehen also in Park tadel= spazieren. Ich' aben besten Anzug an ganz neu Tos. Erst zwei Tage vorher von Stange gekauft.' errliche Anzug,' err Richter! Dunkelblau mit grüne wie sagt man? Mit grüne Karees. Gehe also ruhig auf Weg, denke an gar nichts. Freue mich über schönes Wetter und Sonne ich erein ganz' armloser Spazierer. Bis auf einmal schrecke zu Tode, dent' ich! Stürzt aus Gebüsch wütende Bestie. Gerade auf mich zu. Was soll ich tun? Ich reiß aus! Bestie stürzt mir nach, wütend, mordluftig! In meine Angst -in meine Verzweifelung ich versuche, auf Baum au Klettern. Bestie kann nicht klettern, denke ich! Aber Bestie war schon zu nahe' inter mir ganz nahe. Ich will' inauf da fühle ich, wie Bestie mit furchtbare Zähne in meine Die Kinder schreien auf: Mutter! Hierbleiben!" Ich öffne. Herein treten SA. und Polizeibeamte. „ Na, hier sind wir ja keine Unbekannten mehr!" Höhnisches Lachen folgt. „ Los, wo ist der Vater!" schreit einer meinen Jungen an. Der wischt sich die Tränen, wird trozzig und spuckt aus! Ich werde verlegen.„ Marristenbrut!" knurrt ein SA.- Mann. Die andern suchen. Unter den Papieren im Schreibtisch finden sie einen Brief meines Mannes, der vor einem Jahre aus Bremen geschrieben wurde. Es waren Grüße und persönliche Mitteilungen von einer Gewerkschaftskonferenz. " Aha! Also in Bremen ist er?" Wer?" „ Na, Ihr Mann! Hier, der Brief beweist es!" So? Zeigen Sie." Ich lese und lache: Bitte, beachten Sie das Datum! Der Brief ist genau ein Jahr alt!" Verflucht!" Inzwischen haben die andern beschlagnahmt". Einer hält Bücher in der Hand, ein andrer das Luftgewehr meines flitchtigen Jungen, daß er vor acht Jahren zu Weihnachten befam. Hallo! Eine Waffe?" ruft der Kommissar. Ich sage ihm, sie sei ein Weihnachtsgeschenk, das nun bald zehn Jahre alt sei. " Werden wir sehen; vorläufig wird das Gewehr beschlagnahmt." Auf dem Polizeipräsidium häufen sich die beschlagnahmten" Dinge bergehoch. Kein Beamter fümmert sich um sie; man hat auch gar keine Zeit dafür, wurde mir einmal geantwortet, als ich einige Sachen zurückforderte. Der Mann, der aus der Nachtschicht kommt, Legt sich ins Bett, zu schlafen, wenn die anderen leben. Ihm kann der helle Tag nichts geben, Nur Schlaf im Bett, das noch vom Traum der Fran ers wärmt ist. Er wäscht sich, ißt, legt sich und ist wie tot Für alles, das um seine Ruhe sich bewegt. Manchmal hat er im Schlafe schwach geregt Die eine Hand, als sei da eine Laft, die ihn bedroht. Die Fran wäscht aus und kniet am Boden hin, Sie hat die Tür zur Schlafkammer leis zugemacht. Ihr Kind, das noch nicht in die Schule geht, Schickt sie zum Spielen raus, weil es so lacht. Ihr Mann soll schlafen, denn er hat es schwer. Wenn mittags ihre Kinder aus der Schule komme Wie ein Vogelschwarm, Sagt ihnen Mutter, daß fie sollen leise sein, Weil Vater schläft. Und niemand geht hinein, Als sei dort drin ein Toter aufgebahrt. Am Nachmittag erst geht die Türe langsam ant, Der Mann der Nachtschicht ist von etwas aufgewacht, Vielleicht hat auf der Straße doch ein Kind zu großen Lärm gemacht. Er ist, trinkt, fragt: Wo find die Kinder? Die sind jetzt beim Spiel. Am Abend fieht er sie nur kurze Zeit. Wenn fie schon schlafen, ist's für ihn zur Schicht nicht weit. Für Frau und Kinder ist jetzt Ruhezeit und Nacht, Indes er sich zur Nachtschicht und zu seinem Leben fertig macht. Ich muß noch den Keller öffnen und dann oben den Boden. Hier noch ein Triumph: Im Gerümpel wird eine alte Neues Krebsserum schwarzrotgoldene Kinderfahne gefunden. Die haben sie bisher übersehen gehabt! Endlich verlassen fie mich. Eine andre Wohnung kommt brán. Die Spannung läßt nach; ich weine wieder. Jezt trösten mich die Kinder: Mutter, bitte, nicht weinen! Es wird alles wieder gut werden! Wenn nur erst Vater wieder nach Hause kommt!" In den Straßen herrscht noch immer Alarmstimmung. dort in Verstohlen schaue ich durch die Gardinen. Da dem Auto- Gefangene! Mein Gott! Auch der Möller! Wie konnte der Mann aber auch nach Hause kommen? Er wußte doch, daß er seit Wochen gesucht wird! Sein Verbrechen ist, daß er Kassierer der Sozialdemokratischen Partei war. Sensationelle Mitteilungen über ein neues Krebsferum wurden auf dem Jahreskongreß der englischen Gesellschaft für Krebsforschung gemacht. Wie der Vorsitzende der Gesellschaft, der Herzog von York, ausführte, werden zur Zeit mit einem von englischen Aerzten entdeckten Serum nach erfolgreichen Tierexperimenten Versuche am menschlichen Organismus unternommen. 25 für unheilbar erklärte Krebskranke haben sich freiwillig für diese Versuche zur Verfügung gestellt und werden in verschiedenen Londoner Krankenhäusern behandelt, wobei in einigen Fällen bereits eine bedeutende Besserung zu bemerken sein soll. Um zu träumen! Die arme Frau! Fünf Kinder hat sie; das sechste er- Warum gefit der Japaner ins Kino? wartet fie! Erst in den frühen Morgenstunden tritt allmählich Ruhe ein. Die Kinder sind eingeschlafen. Mir steigt ein Schluchzen auf; irgend etwas würgt mich. Angekleidet werfe ich mich auf das Bett. Schlafen kann ich nicht. Die Erregung zittert nach; ich muß tun, was ich seit Monaten mache: grübeln, nußlos grübeln. Warum? Was taten wir? Wie lange ist es her, daß ich mit Mann und Kind zum letztenmal ruhig schlafen konnte? Vier Monate erst? Mir scheint, es sind so viel Jahre! Ich bin froh, als endlich die Zeit gekommen ist, wo ich aufstehen muß, um die Kinder für die Schule fertig zu machen. Ich bin so müde... oh...! Jedes Volk hat sein eigenes Urteil über die Flimmerwer Der Engländer sieht sich einen Film an, um sich zu unterhalten, der Franzose, um sich zu amüsieren, der Italiener, um sich zu begeistern, der Japaner aber.... um zu träumen. Als kürzlich in den japanischen Filmtheatern Bilder von Mar Skladanowsky, dem Vater des heute weltbeherrschenden Films, über die Leinwand gingen, verlieh ihm die japanische Verleihfirma durch den Sprecher den Ehrentitel„ Vater der süßen Träume" Eine Ozeanreise aus Versefien Zwei amerikanische Studenten gingen in Neuyork as Bord des Ozeandampfers Majestic", um sich von einigen Studienfreunden zu verabschieden, die die Ueberfahrt nach Europa machen wollten. Sie waren in der Kabine ihrer Wenn ich nur nicht zu denken brauchte, daß auf diese Nacht Freunde fest eingeschlafen, nachdem sie den Abschied ausein Tag und auf den Tag wieder eine Nacht folgt! Nicht wieder eine Nacht mit Autohupen, Scheinwerfern, Befehlen und Haussuchungen. Für andre eine furze, belanglofe, alltägliche Zeitungsnotia, für uns eine endlose Qual. Mein Gott! Wann endlich kommt der Retter diesem Lande? so heißt es doch wohl in Schillers„ Tell"? verzeihen Sie,' err Richter!- in meine' osenboden schlägt. Ich schreie, schreie, aber Bestie ist wütend, ist wahnsinnig, reißt und reißt mir Riesenlock in' osenboden. Ich' aben' osenboden das' eißt nein: ganzen' osen mitgebracht-' ter sind' osen,' err Richter, und' ter is Loch! Und' ter is' erausgeriffenes Stüd!" Herr Goldini legt das Korpus deliktt auf den Tisch des Hauses. Der Amtsrichter besichtigt es aufmerksam. ,, und selbst sind Sie nicht verletzt worden, Herr Goldini?" „ Berletzt? Jch, an' osenboden verletzt schwer verletzt, von wüstende Bestie!" Ich meine, ob der Hund Sie auch ins Fleisch gebissen hat?" Ins Fleisch nicht, aber in' osenboden!" Schön. Wir wollen also die Beklagte hören. Fräulein Minna Dagebrecht Sie haben gehört, was Kläger sagt. Ist das richtig? Hat sich Ihr Hund auf den Mann gestürzt, ihn verfolgt, und ihm die Hosen zerrissen?" „ Herr Amtsrichter, daß mein Ami dem Herrn die Hosen zerrissen hat, will ich nicht bestreiten. Aber der Herr war selber daran schuld. Sein Anzug war schon sehr auffallend bitte, Herr Amtsrichter Sie sehen es ja selber. Dann hat der Herr sehr laut vor sich hingepfiffen das hat den Hund offenbar gereizt, und er hat den Herrn angebellt. Der Herr ist nun sofort vom Weg weggesprungen, und da ist der Ami eben nach, und als der Herr am Baum hing, da ist eben das Unglück geschehen." Ist das ein großer Hund?" fragt der Amtsrichter. Fräulein Minna Dagebrecht lacht. " Ich habe ihn mitgebracht, Herr Amtsrichter; er ist draußen im Gangdarf ich ihn hereinholen?" giebig„ begossen" hatten und überhörten daher das Signal zum Verlassen des Schiffes. Als sie nach drei Stunden erwachten, befanden sie sich bereits auf hoher See. Schuldbewußt begaben sie sich zum Kapitän, der aber Verständnis für die Folgen ihres Abschiedschmerzes zeigte und sie umsonst bis Southamton mitzunehmen versprach. Dort werden sie auf der Polizei festgehalten, bis man mit Amerika betreffs ihrer Rückreise eine Vereinbarung getroffen hat. Zum Glück wird ihre unfreiwillige Reise von der englischen Polizeibehörde mit Humor aufgenommen, so daß sie die Erlaubnis bekommen haben, ich bis zum Eintreffen des Bescheids aus Neuyork in Stuthampton' umzusehen und das englische Leben zu studieren. Ladien nicht verlernen Aus der Welt im Bild": Die bedeutungsvolle NuII. Der reiche Onkel beantwortete den Brief des Neffen. Er schrieb: „ Beigeschlossen sende ich Dir die erbetenen zehn Mark und möchte Dich auf einen Schreibfehler in Deinem Brief aufmerksam machen: Zehn Mark schreibt man nur mit einer Null." „ Bitte!" sagt der Amtsrichter. Fräulein Minna Dagebrecht holt die Bestie herein-: es ist ein kleiner, hellbrauner Rehpinscher, der nun zitternd und mit verzweifelten Glogaugen vor dem Richtertisch steht. Der Amtsrichter kann sich nicht helfen; er muß lachen. " Ist das der Hund?" fragt er den Kläger. Jawoll! Das is die Bestie, die wütende, blufdürftige!" " Sagen Sie, Herr Goldini was find Sie eigentlich von Beruf?" " Beruf? Ich bin- wie sagt man?- ich bin Tierbändiger, Dompteur mit Löwen und Tigern und so!" Der Prozeß endete mit einem Vergleich: Fräulein Minna Dagebrecht flickt Herrn Goldini die zerrissenen Hosen. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" Ereignisse und Geschichten Der Zaubercing Von Schaggi Riefenbarth Damit erhoben sich die Herren und traten langsam ins andere Zimmer, und ich ging allen voraus, weil ich den in aller Welt berühmten und hochgeehrten alten Herrn, der uns jezt erwartete, möglichst nah sehen wollte. Da saß er auch, hinter einem großen Schreibtisch; rechts von ihm und links von ihm standen, als wären sie gar nicht aus Fleisch, sondern aus Stein, zwei erzstumme Offiziere. Ich hatte den alten Herrn schon auf X Bildern gesehen, aber in Wirklichkeit sieht er halt noch viel feiner aus. Alt, ernst, mit einem großen weißen Schnauz und dabei doch so gut, ja geradezu heimelig. Er schaute uns lange an. Ich wußte, daß ich unsichtbar war, und dennoch wurde ich über und über rot. Ich schämte mich geradezu, daß ich mit diesem alten ehrwürdigen Herrn Schabernack trieb. Gine gewaltige Verlegenheit erfaßte mich. Ich wußte gar nicht, wohin ich schauen sollte. Dabei niffelte ich in meiner Verlegenheit an den Händen herum, und Herr Hindenburg hatte sich gerade erhoben, als ich sah, wie er auf einmal stürzte und zugleich hörte ich einen der Herren Hinter mir, es war Herr Hitler, wie er in höchster Erregung ausrief: Was tut der Bub auf einmal hier? Wie kommt er hierher? Polizei!" Dabei sagte er noch etwas, was ich nicht verstand, etwas von Mus und Mar und dann wieder von Max und ist. Ich sah in sein erbleichendes Gesicht. Einer der Herren war schon hinausgeeilt und rief in einem zu: Polizei, Polizei!" Todesangst hatte mich gepackt. Schon wieder rief Herr Hitler was von Max. Ich dachte, er meine mich und voller Berzweiflung lief ich zu Herrn Hindenburg, ergriff seine Hand und rief, indem ich heftig schluchate, in einem zu: Ich heiße gar nicht Max, sondern Schaggi heiße ich, Schaggi Riefenbarth, Viertkläßler, aus Basel.... ை Wie kommst du denn hierher, mein Rind?" fragte gütig Herr Hindenburg. Aber vor lauter Schluchzen konnte ich gar nicht antworten. Dafür sagte Herr Hitler, immer noch sehr beunruhigt: Das geht nicht mit richtigen Dingen zu, Exzellenz. Hier Das geht nicht mit richtigen Dingen zu, Exzellenz. Hier spukt es! Eben war der Junge gar nicht da, und jetzt ist er auf einmal da, wie aus dem Boden heraus. Gespenster!" „ Ach, Adolf, Jespenster! Quatsch man nicht so! Jespensta jiebts übahaupt nich!" sagte einer der anderen Herren, ein kleiner, der beim Gehen hinkte. ,, Meinen Sie, lieber Göbbels?" antwortete Herr Hindenburg.„ Wir erleben heute in einem zu so verrücktes Zeng. Warum sollte da so ein kleiner Bengel nicht auf einmal mir nichts aus dem Boden steigen?" Dabei hielt mich Herr Hindenburg in einem zu an der Hand und spürte jetzt auch das Ringlein:„ Einen Ring hast du an, mein Junge..." " Ja, Herr Hindenburg, der Ring ist an allem schuld!" rief ich unter neuen Tränen. " Beig mal her, mein Kind!" Dabei nahm mir Herr Hinden burg das Ringlein vom Finger, steckte es sich ans eigene Fingerbeeri, und dann geschah es, das ganz Ungeheure, daß auch Herr Hindenburg... aber von hier ab streicht mir der Getti die Geschichte, weil er meint, es tönnte sonst noch einen sogenannten„ diplomatischen Zwischenfall" zwischen Deutschs land und der Schweiz abseßen. Also will ich schließen. Am Abend desselben Tages langte per Flugzeug schon mein Vater aus Basel an, um mich abzuholen. Die Erinnerung an das Wiedersehen mit Vater trage ich an meinem Hinternicht stumpf werden! Und wenn du eine Stellung haft, Genosse, Und deine Frau kam ungefährdet nach. Dent nicht an Deutschland wie an eine Posse, Dent an die Opfer und an all die Schmach! Wenn du jetzt wohnen kannst und leidlich essend Und wieder atmen, fern vom brannen Joch, Du darfst nicht friedlich sein und nicht vergessen: Denn uns're Brüder, hörst du, leiden noch! 390 Und wenn dich Freunde und Asylrecht schüßen, Der Druck des Granens langsam von dir weicht: Du mußt die Freiheit für die Brüder nützen. Sie leiden schwer, darum mach dirs nicht leicht. Wir dürfen nicht erlahmen, nicht ermatten, Wed alle Kampfluft, wede alle Wut, Denn hinterm Grenzpfahl stehn nicht schwache Schatten, Rein Fleisch von unserm Fleisch und unser Blut! Und kannst du wieder ein paar Stunden schlafen, Dent', wie die Nacht in brauner Haft verrinnt. Du darfst nicht ausruhn, wie in einem Hafen. Rein Friede lächelt uns. Der Kampf beginnt! 902 Willi Eckenroth. geſchirr berum; ich fann mich noch heute kaum drauffeßen.„ Es ist ja furchtbar" Was das Ringlein betrifft, so wurde mir erzählt, Herr Hitler habe es an sich genommen. Man könne nie wissen, ob man nicht einmal so etwas brauchen könne. Sachsenspieglein an der Wand Und daneben der Franger und das peinliche Halsgericht Im nationalsozialistischen Freiheitskampf" in Dresden empfiehlt ein Dr. jur. Hans Paul Probst die Einführung des Sachsenspiegels an Stelle des Bürgerlichen Gesetzbuches. Hatte schon Alfred Rosenberg öffentlich ge= äußert, daß das deutsche Ideal der geföpfte Sachsenherzog Widukind und nicht sein Besieger, Karl der Große ist, so zitiert Probst mit Begeisterung den alten primitiven Sachsenspiegel, obwohl man annehmen darf, daß die hoch notpeinliche Hals- und Gerichtsordnung" der Karolinger mit thren barbarischen Strafen ihm eigentlich auch gefallen müßte. Die Gebräuche, die den Nazijuristen gefallen, sehen etwa so aus:„ Die feierliche Hegung erfolgte durch Spannung mittels Seidenfadens und mit Bekleidung von Stoffen oder Blättern( ähnlich einer gelappten Jagd), indem gleichzeitig der Richter seinen weißen Stab aus abgeschälter Esche in die Höhe hub, seinen Schild auf seinen in die Erde gesteckten Speer aufhängte und mit seinem Stabe, auf den Richtertisch schlagend, Stillschweigen gebot," schreibt Herr Führerrat Ort: Reichsfanzlet in Berlin. Bett: Juli 1933. Hitler sitzt auf dem Stuhle Bismarcks. Hitler: Ich habe Sie, meine Herren Parteigenossen, hergebeten, um eine Gleichschaltung der Reden der Regierungsmitglieder zu erzielen. Es muß mit dem Gerede vom Weitertreiben der Revolution radikal Schluß gemacht werden. Was um die Welt soll denn noch gleichgeschaltet werden? Wir haben doch bereits die Schachspieler gleichgeschaltet. Es wäre mir lieber gewesen, dieses jüdische Spiel würde überhaupt verboten. Was denken diese Schachspieler, wenn sie einem König, einem Führer also, Schach ansagen? and C Probst. Man stelle sich die Wiedereinführung dieser Zeremonie beim Amtsgericht Berlin- Mitte vor oder die folgenden Veranstaltungen bei einem Oberverwaltungsgericht: 3 Tage lang blieb das Pferd des Richters gesattelt, auge= bunden stehen am Schwertpfahle vor dem Gerichtsstein." Auch die Zeugenladung ging besonders einfach vor sich: Symbolisch zog der Ankläger seine Zeugen am Ohrläppchen als Ohrenzeugen heran." Das Beweisverfahren ist ebenso simpel:" Für das peinliche Gericht galten als Beweismittel zunächst Leibeszeichen: eine Hand, ein Finger des Ermordeten, auch die Leiche selbst, später genügte dessen Hut oder ein Spahn aus der Haustür, um den Mörder zu bestricken." Der Erguß des nach Barbarei sehnsüchtigen Nazijuristen schließt mit den Worten: Wie Bismarck das Reichsstraf gesetzbuch als eiserne Klammer in sein junges Deutsches Reich legte und wie am 1. Januar 1900 das neue Bürgerliche Gesetzbuch entstand, so drängen für das heutige Geschlecht die alten Grundgedanken des Sachsenspiegels wieder zum Licht." Werfen von Blumen in mein Auto bedroht ständig mein Leben. Ich muß mich der Nation erhalten. Rust: Man müßte haft eine deutsche Schrift in den Schulen einführen. Hitler: Ob das genügen wird? Alle Deutschen sind doch keine Kinder mehr. Göbbels: Für die Erwachsenen schreibe ich einen Artitel„ Die Juden und die Marristen sind schuld," das paßt immer. Hitler: Ein ausgezeichneter Einfall! Also meine Herren Parteigenossen, so wird es gemacht. ( Erasmus.) Ich halte das ganze Spiel für eine marzistische Erfindung. Sie war ganz außer sich Göbbels: Die arischen Inder... Hitler: Das ist Ihre ewige Revolutioniererei, Pg. Göbbels, ich möchte sagen, Ihre Chuzpe, daß Sie mir, dem Führer, immer widersprechen müssen. Wie oft habe ich Ihnen schon gesagt, daß ich das Wort„ Sozialismus“ der Parteifirma für recht unglücklich halte. Sozusagen ein Notbehelf... Feder: Ja, aber wir haben doch ein sozialistisches Programm... Hitler: Jawohl, für die Revolution. Jetzt aber haben wir die Revolution beendet, jetzt stehen wir in der Evolution. Feder: Die SA. will die Erfüllung der 25 Punkte... Göring: Die Kerls sind überhaupt unzufrieden. Hitler Lieber Herr Hauptmann, Sie müssen die Leute mehr beschäftigen. Soldaten haben sich doch nicht mit Theorien abzugeben. Man sollte überhaupt damit aufhören, so viel zu schreiben und zu drucken. Feder: Aber man könnte vielleicht wieder die Warenhäuser boykottieren. Hitler: Aber nicht doch, jetzt, wo die Pg.3 in den Aufsichtsräten sizzen, können wir doch deutsche UnternehmerInitiative nicht hemmen. Göring: Wir müssen eben wieder etwas anzünden. Hitler: Und uns einen neuen Attentäter aufladen, der nachher nichts aussagen kann. Nein, wir haben am Luebbe schwer genug zu kauen. Göring: Dann vielleicht etwas neues: ein Attentat auf den Führer! Hitler: Nein, nein, das ist zu gefährlich. Schon das Gegen Stänkerer, Wühler und Unterwühlec In der Hessischen Landeszeitung" schreibt Heinz KochAspisheim unter der Ueberschrift„ Die Verfügung bezweckt feine Degradierung" folgendes:„ Ich seze voraus, daß alle Leser dieses Artikels die Verfügung des Stellvertreters unseres Führers kennen:„ Mitglieder der NSDAP., die nach dem 30. Januar 1933 ihren Beitritt erklärt haben, werden einer zweijährigen Bewährungsfrist unterworfen... Vor ihrer endgültigen Aufnahme steht ihnen nicht das Recht zu, das Braunhemd zu tragen". Diese Verfügung vom 26. Juni hat bei sehr vielen Parteigenossen ein leises Lächeln, bei anderen eine innerliche Befriedigung hervor gerufen, während einige( sogar betroffene neue Pg.3!) nur jagten:„ Es mußte ia so kommen." Bei der großen Mehrs heit der Märzgeftolperten"( Göbbels) aber hat es lange Gesichter gegeben, dann Wut und zuletzt noch Maulen und Schimpfen, wodurch sie aber bewiesen, wie notwendig die Verfügung war. Es ist ja furchtbar, was heute alles als Nationalsozialist herumläuft; es genügt nun mal nicht, daß man nur ein Hakenkreuzabzeichen anzustecken braucht, um „ Kamerad der Hitlerbewegung" zu sein( Göbbels). Und gerade diese sind jetzt ungehalten und bestürmen den Ortsgruppenleiter:„ Wenn ich gewußt hätte, daß man noch nicht einmal die Uniform anziehen darf, dann Man muß es doch begreifen können: den Männern, die lange Jahre in dieser Uniform stritten und litten, opferten und bluteten, steigt die Galle hoch, wenn sie die höhnisch lächelnden Fragen derer sehen, die sie bis Januar oder gar März bekämpft und für idiotisch gehalten haben. Und nun kommen diese Herrschaften und wagen noch verstehen zu geben, daß von jetzt an die Geschichte anders zu funktionieren hat, denn mit ihnen hält der„ Geist des Anstandes und des Verstandes seinen Einzug". Gerade der einfache Soldat hat das natürliche Gefühl, daß es sich hier nicht um ehrliche Befehrung handelt, nicht um ehrliche Absicht, sondern daß der Träger eben der berufsmäßige Stänkerer und Wühler und Unterwühler jeder Disziplin ist." St. Hitler bitte für ihn!" Die Hellebarde aus Dänemark Ein ungenannt bleiben wollendes dänisches Ehepaar hat Adolf Hitler eine alte fahnengeschmückte Hellebarde aus dem Zeughaus Kopenhagens gewidmet. Die Fahne,„ von der Dänin in emfiger kunstvoller Handarbeit gestickt", zeigt vorn und ging dann mit dem Kuß fremd die Gestalt des brachenbezwingenden heiligen Georg, der die Die nationalsozialistische Leipziger Tageszeitung" berichtet folgende wahre Begebenheit", die sich bei der Ankunft Adolf Hiters am letzten Sonntag zugetragen haben soll: In Halle 7 auf dem Ausstellungsgelände war Hochbetrieb. Wir Leipziger sollten wieder mal unserem Führer in die Augen sehen dürfen. Eine iunge Parteigenoffin hatte das große Glück, ihren Platz direkt am Mittelgang zu haben. Ihre Freude und Erwartung, den geliebten Führer vielleicht sogar aus allernächster Nähe zu sehen, wurde immer größer. Die Fahnen zogen ein, die Arme streckten sich. Die Spannung und Erwartung unter den Massen stieg immer mehr. Da setzten zuerst aus der Ferne, dann immer mehr anschwellend, die Heilrufe ein, die Ankunft des Führers meldend. Unsere Parteigenoffin geriet in immer freudigere Erregung. Ganz nahe fam Gesichtszüge Hitlers trägt. Die Rückseite enthält einen lateinischen Text, der in deutscher Uebersetzung lautet:„ Adolf Hitler, von der Gnade Gottes Soldat des Herrn im heiligen Jahre 1900 nach Christi Auferstehung. Wie der heilige Georg Besieger des Drachens. Führer der Germanen, Hoffnung der christlichen nordischen Völker. Sct. Georg, bitte für ihn." Dazu bemerkt die Wochenschau" Essen, in Nr. 28:„ Allein dieser eine hervorstechende Sympathiebeweis:- er ist fürwahr nicht der einzige, der dem Vertreter des Auswärtigen Amtes in Skandinavien begegnet ist- wiegt eine Menge blinden Vorurteils oder unwissender Gehässigkeit im Auslande auf." ber Führer an ihr vorbei. Die Gunſt, diefen Augenblid Sätze von Lessing erleben und ihrem Führer in die Augen gesehen zu haben, löste in ihr eine unbändige Freude aus. Sie wat ganz außer sich und zitterte am ganzen Körper vor Ergriffenheit. Ihrer großen Freude mußte sie Ausdruck geben, sie wandte sich zum Nachbar, einem älteren, befahrten Herrn, umarmte ihn und gab ihm einen schallenden Kuß. Der Zusammenhang zwischen Hitler- Bewegung und Sexualpathologie ist selten so flar geworden wie bei dieser Schilderung der Hin- zu- Hitler- Bewegung einer ergriffenen Parteigenoffin, bei der es mitten im Bahnhof und am ganzen Körper zitternd zu einem- Ruß an die unrichtige Adresse kommt Das Ding, das man Kezer nennt, hat eine sehr gute Seite. Es ist ein Mensch, der mit seinen eigenen Augen wenigstens hat sehen wollen. Die Frage ist nur, ob es gute Augen gewesen sind, mit welchen er hat selbst sehen wollen. Ja, in gewissen Jahrhunderten ist der Name Kezer die größte Empfehlung, die von einem Gelehrten auf die Nach welt gebracht werden konnte. Möchte es in jedem Staate Männer geben, die über die Vorurteile der Völkerschaft hinweg sind und genau wissen, wo Patriotismus Tugend zu sein aufhört.