Preis: 60 1. cts. adio 8 nov notes Fretheil Nummer 33-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Freitag, den 28. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun .. die Bande der Gesellschaft sind auf gegenseitige Dienste gegründet. Wenn aber diese Gesellschaft aus mitleidlosen Seelen zusammengesetzt ist, sind alle Verpflichtungen aufgehoben und man tritt wieder in den Zustand der reinen Natur zurück, wo das Recht des Stärkeren über alles entscheidet." Friedrich der Große. 10 Marxisten erschossen! Die geheimnisvolle in besondere Vorkommnisse zu erhalten. Soviel scheint mir Die Hölle von Braunschweig Massenerschießung- Der besetzte Friedhof Die„ Mitteilungen über die Lage der politischen Gefangenen" in 3 ürich berichten: Als bekannt wurde, daß am 4. Juli 1933 in Braunschweig fich Grauenhaftes ereignet habe, wurde ich beauftragt, an Drt und Stelle Nachforschungen anzustellen, die folgenden Tatbestand ergaben. Auf meiner Reise durch Deutschland nach dem im Norden gelegenen Braunschweig, einst der Hoch burg der Sozialdemokratie, hatte ich Gelegenheit genug, zu beobachten, unter welchem geistigen Druck die Fahrgäste stehen. In Braunschweig angelangt, gelang es mir nur mühjam, Fäden anzuknüpfen, um die nötigen Aufklärungen zu erhalten. Die Vorgeschichte Anfang Juli wurde der Nationalsozialist Landsmann in Braunschweig erschossen. Angeblich sollen Marxisten die Täter sein. Trotzdem auf diese Dugende von Revolver= schüssen abgegeben wurden, blieb teiner auf dem Platz liegen. Die Umstellung und Absuchung des Geländes nach Tätern blieb erfolglos. In Braunschweig ist man der Meinung, daß Landsmann absichtlich oder aus Versehen von seinen Kames raden erschossen wurde. Wie dem auch sei, gegen die Arbeiterschaft Braunschweigs segte neuer Terror ein. 10 Marxisten für einen Nationalsozialisten Der Berliner Polizeipräsident Graf Helldorf, berüchtigt durch seine Judenpogrome, hat vor einigen Wochen erklärt, daß für jeden ermordeten Nationalsozialisten 10 Marristen baran glauben müßten. In Braunschweig scheint nnn der Anfang mit dieser neuen Losung gemacht worden zu sein. der Meldungen in der Presse zu verhindern. Der Vorgang ist ja auch so ungeheuerlich, daß selbst die Reichsregierung kaum wagen dürfte, ihn zu decken. Sache der europäischen Oeffent lichkeit wird es sein müssen, die Reichsregierung zum Reden zu zwingen. Mit einem Dementi ist die Angelegenheit nicht abgetan. Auch Ausländer werden gemordet Zuverlässig erfuhr ich in Braunschweig noch, daß die rohen Gewalttaten der SA. sich auch auf Ausländer erstrecken. Ein innger Pole, israelitischen Bekenntnisses, der in einem Warenhause beschäftigt war, wurde so„ menschenfreundlich" behandelt, daß er nach 6 Stunden starb. Es bedurfte des Einflusses des polnischen Konsulats, um die Leiche für die Beerdigung frei zu bekommen. Dieser Fall beweist, was deutsche Staatsangehörige zu gewärtigen haben, wenn sie in Braunschweig verhaftet werden. Verschiedentlich wurde mir versichert, daß eine Verhaftung im gegenwärtigen Augenblicke gleichbedeutend mit der Verkündung eines Todesurteils sei. Was ich sonst noch in Deutschland erlebte Bei der mißtrauischen und zurückhaltenden Stimmung der Bevölkerung war es mir nur schwer möglich, einen Einblick ficher, daß die Welle des Terrors noch nicht sämtliche Landstriche Deutschlands gleichmäßig überflutet hat. Zugegeben werden muß sogar, daß in einigen Gauen die Führung der nationalsozialistischen Partei und die Verwaltung der Polizei für eine einigermaßen bürgerliche Ordnung sorgen. Das vernicht so massenhaft, furchtbare Einzelheiten geschehen. Zur hindert natürlich nicht, daß auch in diesen Gegenden, nur Zeit scheint fich der Terror außer in Braunschweig am stärksten im Freistaat Sachsen und in Anhalt auszuwirken. In ganz Deutschland müssen im übrigen, wie mir übereinstimmend versichert wurde, bei allen festlichen Ans lässen die Betriebe geschlossen mitmarschieren und werden, namentlich in Braunschweig, durch Umstellung der Demonstrationspläge daran verhindert, die Kundgebungen des„ gesamten" Boltes vorzeitig zu verlassen. Mein Gesamteindruck ist, daß die Stimmung der breiten Maffen sich gegen den jeßigen Hitlerkurs zu richten beginnt. Die Bauern werden unruhig, der Mittelstand unsicher und die Proletarierschichten in der SA. und SS. unzufrieden. Im Volke läuft ein Wort:„ Was hat Hitler ges leistet? Feste gefeiert, Fahnen geleiert, Butter verteuert!" Trotzdem muß gesagt werden, daß diese Stimmung keine solche Straft annehmen kann, daß in absehbarer Zeit mit einer Sprengung des Hitlerregimes von innen zu rechnen ist. Es steht vielmehr zu befürchten, daß die herrschenden Stellen in wilder Berbitterung die Hinrich tungen von Rieseberg als Beispiel für massenhafte Anwendung benüßen werden An die Kulturweit! 200 and Am Tage der Beerdigung des Nationalsozialisien Lands Aufruf an das Weltgewissen! mann wurden von der SA. aus den Braunschweiger Gefängnissen 10 bekannte Marristen( Kommunisten und Sozials demokraten) herausgeholt und mit unbekanntem Ziel, nach fürchterlichen Mißhandlungen verschleppt. Das Geheimnis von Rieseberg In der Nähe von Königslutter bei Braunschweig liegt das Dörschen Rieseberg. Seiner landschaftlich schönen Lage und Klasse seit Jahren größere Kinderheime angelegt, die jetzt zu SA.- Kajernen verwandelt worden sind. Nach einer derselben, dem früheren Gewerkschaftskinderheim, wurden diese zehn Unglüdlichen gebracht und in der Nacht vom 4. Juli erichossen und auf dem Fried. hof von Rieseberg verscharrt. Es war mir nicht möglich, in Rieseberg Näheres zu er fahren. Die verängstigte Bevölkerung, kleine Bauern, die meist auf dem Boden des Nationalsozialismus steht, wagt nicht mehr über den Vorgang zu sprechen, seit einer, der es getan haben soll, verhaftet wurde. Allen ist von Amts wegen Schweigen auferlegt. Jeder, der reden würde, weiß, daß er wahrscheinlich das Schicksal der Erschoffenen teilen muß. Mein Versuch, den Friedhof von Rieseberg zu besuchen, war vergebens. Der Friedhof war besezt und Zu= tritt streng untersagt. Das sprach mehr für das Verbrechen, als wenn die unglücklichen Wissenden mir ihre Renntnisse mitgeteilt hätten. Die Aufregung in Braunschweig In den Kreisen der Angehörigen von verhafteten brauns schweigischen Marristen herrscht seit der Tat vom 4. Juli eine begreifliche Erregung. Kein Angehöriger weiß, ob sein gefangener Bater, Bruder oder Gatte noch am Leben ist. Nur durch verschiedene Maßnahmen der Gefängnisverwaltung und der Regierung ist es einigen Angehörigen flar ges worden, daß auch die Mitglieder ihrer Familie sich unter den zehn Toten befinden. Gesagt wurde den Angehörigen, daß die Verhafteten ins Konzentrationslager verbracht worden seien. Es steht zu befürchten, daß unter den Erschossenen von Rieseberg auch der frühere Ministerpräsident von Brauns schweig, Jasper, zu suchen ist, von dem unter anderem auch behauptet wird, daß er nach Dachau verbracht worden fei. Es war mir nicht möglich, Näheres in Erfahrung zu bringen. Auch die Presse muß schweigen Es scheint so, als ob am Tage nach der Hinrichtung der zehn Marristen die Polizei einen Bericht an die braun schweigische Presse gegeben habe, dessen Drucklegung im legten Augenblick verhindert wurde. Auch die Reichsregie rung scheint eingegriffen zu haben, um eine Berbreitung Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Sih Prag, veröffentlicht folgenden Aufruf: Das Preußenkabinett Göring fordert vom Reichskanzler Hitler den Erlaß eines Gesetzes zur Gewährleistung des Rechtsfriedens". Es kündigt zugleich eine neue Amnesfie an, die zweifellos die an Johannes Stelling und hundert anderen Unschuldigen verübten Morde umfassen wird. Das neue Gesetz soll jeden Angriff auf Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei, ja sogar jede Einfuhr mißliebiger Druckschriften aus dem Ausland mit dem Tode bestrafen. Der Vorschlag Görings erstrebt die Vollendung eines Systems, das den Mord zum eigenen Vorteil verherrlicht und begünstigt, jeden Angriff aber auf die eigene Machtstellung, auch den mit geiffigen Waffen, mit dem Tode bedroht. Das ist nicht Gewährleistung des Rechtsfriedens, sondern Zerstörung des Rechtsstaates und Bürgerkrieg in Permanenz. Hermann Göring zittert vor der Wahrheit. Er weiß warum. Aber vergeblich ruft er den Henker gegen sie zur Hilfe. Vergeblich sucht die Nationalsozialistische Partei die Anklage wegen ihres hundertfachen Verrats an allen nationalen und sozialen Forderungen ihres Programms im Blut der Ankläger zu ersticken. Wir erklären hiermit: Die von Göring geforderte Tötung politischer Gegner bleibt Mord, auch wenn sie mit dem durchsichtigen Mantel eines angeblichen Gesetzes umkleidet wird. Minister, die ein solches Gesetz beschließen, Richter, die es anwenden, und Vollzugsorgane, die es ausführen, machen sich des Mordes schuldig. Sie haben am Tage der Abrechnung, der kommen wird, die verdiente Strafe zu erwarten. Das Urteil eines abhängigen Gerichts in Köln hat die ler Göring vorweg genommen und über sechs Arbeiter, die an einem Zusammenstoß mit zweifelhaften Elementen in brauner Uniform beteiligt waren, die Todesstrafe verhängt. Die Vollstreckung dieses Urteils in einem Lande, in dem der Mord zu nationalsozialistischen Parteizwecken grundsätzlich straffrei bleibt, müßte von der ganzen Welt mit einem Schrei der Empörung beantwortet werden. Ein System, das solcher Taken fähig ist, ein System, das sich nicht anders zu helfen weiß als damit, daß es für die Verbreifer läffiger Wahrheiten das Schafott verlangt, hat sich selbst das Urteil gesprochen. Die Kulturmenschheit darf vor ihm nicht kapitulieren, wenn sie nicht untergehen will. Kirchen und bürgerliche Parteien, Wirtschaftsorganisationen und Standesvertretungen aller Art haben sich unterworfen. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ruft zum Kampf. Gegenüber einer Welt der Sklaverei ist er jetzt für Deutschland das einzig sichtbare und wirksame Zentrum des Widerstandes und Angriffes. Deutsche diesseits und jenseits der Grenzen, Arbeiter, freiheitliebende Menschen der ganzen Welt, erhebt euch! Die Entscheidung steht zwischen Kultur und Barbarei vielleicht für Jahrhunderte! Nur der Sieg der Freiheit und des Sozialismus kann die Menschheit vor dem Untergang bewahren. Zu uns muß stehen, wer kämpfen will! Prag, den 25. Juli 1933. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ,, Dicke Berta" im Eisenbahnzug Die Geheime Staatspolizei bringt es an den Tag Göring vollführt einen ungeheuren Krampf, um sich und feine Staatspolizei als die Retter vor dem Bolschewismus hinzustellen. Es ist sicher, daß er aufregende: Aktionen gegen die„ Staatsfeinde" zur Ablenkung von allerlei dunklen Ge: schichten notwendig hat. Der Wissende tann nur lächeln, wenn Göring einem gläubigen deutschen Spießerpublikum erzählen läßt, die Mobilisierung einer Polizei- und Miliza armee gegen harmlose Reisende sei ein außerordentlicher Erfolg gewesen. Wir haben durchaus zuverlässige Nachrichten aus Berlin und einigen großen Provinzstädten, die be: lustigend erzählen, wie die ganze Aktion ein riesiger Reinfall gewesen war Berlin, bie feinen Ausweis bei fich trugen und wegen ihres Personen, Aussehens diesem oder jenem SS.- Mann als„ verdächtig" erschienen. Es tönnen aber nur ganz harmlose Lente sein, die jetzt noch im Dritten Reich ohne irgendwelche Papiere reisen. Einen Paß oder eine sonstige Flebbe muß man schon haben. Ob er immer echt ist, mag ununtersucht bleiben. Die Behauptung, daß massenhaft illegale Druckschriften gefunden worden seien, ist Schwindel. Stein„ Illegaler" ist so dumm, wie es ihm die Staatspolizei nachsagt. Nur komplette Jdioten könnten sich in Deutschland mit Roffern voll Druckschriften auf die Eisenbahn segen. Wahrscheinlich hat die Geheime Staatspolizei das„ Material", das sie erst in den Ratakomben des Karl- Liebknecht- Hauses entbedte und dann bei den deutschnationalen HugenbergKommunisten wiederfand, nun zum dritten Male ausge: graben. Besonders Iuftig ist die Erzählung, daß bei Essen größere Patete Sprengstoffe aus dem 8ug in einen neben der Bahn liegenden Teich geworfen worden sind. Diese Marristen sind doch ganz verfluchte Kerle. Zentners weis verstauten sie das Dynamit in den Gepäcknegen der D- Züge. Dann benutzten sie nur Strecken, auf denen der Zug im kritischen Augenblick einer Revision unbedingt an einem Teich vorüberfährt und mit der Uebung, die sie sich in jahrs zehntelangem Bombenschmeißen erworben haben, schlendern sie den Sprengstoff zehntiloweise mitten in die schönsten Karpfenteiche. Die SS., todesmutig wie immer, macht sofort einen Kopffprung und rettet das Beweismaterial, ehe es die Fische fressen. Ganz fürchterlich müssen die Zuständeinder Gegend von Da Göring uncinat masa bem Rechten lehen. unbedingt nach Nicht nur, daß die Marristen da mit Marktkörben voll illegalen Flugschriften herumfahren, diese Kerle sigen in den Eisenbahnzügen vor den Augen der Polizei mit Gewehren und Karabinern. Die Knarre in der einen Hand, den Koffer voller Dynamit gehen sie anstandslos durch die Bahnsteig mit der„ Deutschen Freiheit" in der andern und die Taschen fperre und niemand hindert sie. Niemandem fällt es auf, Die Verschleppten 06: 21919 von Homburg Was die Regierungskommission von der Reichsregierung fordert Der zuerst von der Deutschen Freiheit" veröffentlichte deutsche Nazis hat internationale Bedeutung gewonnen. Vorfall der Verschleppung von Saareinwohnern durch reichsParis, 27. Juli. Die franzöfifchen Blätter veröffentlichen sämtlich an hers vorragender Stelle einen Bericht aus Genf, wonach die Regierungskommission des Saargebiets beim Präsidenten des Völkerbundsrates Schritte wegen der gewaltsamen Entführung dreier Personen aus dem Saargebiet unters nommen habe. In diesen Meldungen der Pariser Blätter wird betont, daß die Regierungskommission feineswegs vom Völkerbund irgendwelche besondere Maßnahmen vers langen werde, sondern lediglich eine Feststellung der Tats sachen vorgenommen habe. In dem Schreiben wird jedoch erwähnt, daß die Reichsregierung ersucht worden sei, die betreffenden Personen umgehend freizulassen und an die saarländischen Pläge zurückzubeordern. Auch soll eine Schadenersasforderung eingereicht worden sein. wenn fie mit Gewehren und Narabinern im Abteil hantieren. Ein Zartbesaiteter Da endlich, glücklicherweise, wird die ganze Polizei und die SS. und der Bahnschutz mobilisiert, und man tommt hinter die Bescherung. Darum auch der Name: Geheime Staatspolizei. Leider standen diesmal nur 40 Minuten zur Verfügung. In dieser kurzen Zeit fonnte man nur die Handfeuerwaffen finden, die Gewehre und Karabiner, während die Artil= finden, die Gewehre und Karabiner, während die Artil= lerie der Illegalen diesmal noch unauffindbar blieb. Zweifellos find auch 42- Zentimeter- Mörser in den Schnell zügen versteckt oder an den Handgepädstellen aufgegeben oder im letzten Augenblick in Straßengräben geworden worden. Nun, das nächstemal werden auch diese Geheimnisse offens bar werden, dank der Geheimen Staatspolizei. Meutercien und Verhaftungen Aufgelöst! adato A in Erfahrung zu bringen; bekannt ist lediglich, daß die Ins des zum weitaus größten proletarischen niemals verheimlicht haben. Reichsstatthalter Loeper Der Reichsstatthalter Loeper von Braunschweig verlangt quäler in Zukunft in Konzentrationslager gebracht werden in einem Schreiben an das Staatsministerium, daß Tiersollen. Sie sollen dort so behandelt werden, daß ihnen ein für allemal die Lust vergeht, ihre Roheit an wehrlosen Tiren auszulassen. Tiren auszulassen. Ausgerechnet Braunschweig als Land der Humanität. Zu Dußenden sind in Brauischweig Marristen gemordet und zu Tausenden auf das Scheußlichste ges foltert worden. Aus den braunschweigischen A.- Kasernen und Konzentrationslagern dringen die Schreie mißhandelter Wir sind gewiß gegen Tierquälerei, aber es sind sonderbare Leute, die Tierschutz protestieren und Menschen foltern bare Leute, die Tierschutz predigen und Menschen foltern lassen. Allerdings gibt es aus der Kriminalgeschichte viele Beispiele, daß grausame Menschen zu Tieren sich sehr hingezogen fühlten; das galt z. B. für die Massenmörder Haarmann und Kürten. Samburg, 27. Juli( Eig. Draht). Das bei Schwerin ge- Streifen entſtammen und ihre radikalsozialistische Einstellung Ruhrkohle pessimistisch! legene Haupt- Arbeitslager der Medlenburger SA. ist durch Berordnung des Reichsstatthalters Hildebrandt ,, wegen Meus terei" aufgelöst worden. Die gesamte Belegschaft des Lagers in Stärke von etwa dreitausend Mann wurde unter Einsat mehrerer Hundertschaften der Polizei in den Wohnbaraden interniert; bei dieser Aktion, die sich während der Nacht und für die Lagerinfassen völlig überraschend vollzog, kam es zu schweren Zwischenfällen. Zwölf SA.- Leute wurden mehr oder minder erheblich verlegt; einige dreißig wurden verhaftet und abgeführt. Man rechnet damit, daß ein Teil der Beleg schaft in andere Arbeitslager verschickt werden wird; das Schweriner Lager soll durch Bayrische SA. nenbelegt wer= den. Ueber die Art der„ Menterei" sind Einzelheiten nicht Betriebszellen verhaftet Berlin, 27. Juli( Eig. Draht). Durch Beamte der Ges heimen Staatspolizei sind heute in den frühesten Morgenftunden angeblich auf Veranlassung des Führers der„ Ars beitsfront", Dr. Ley, die sämtlichen Funktionäre der nation naliozialistischen Betriebszellen- Organisation des Kraft: wertes Stralau- Rummelsburg und des AEG.- Wertes in Bers lin- Schöneweide verhaftet worden. Den Berhafteten werden gegenrevolutionäre Umtriebe zur Last gelegt. 4 Das gestohlene Arbeitervermögen Der preußische Innenminister verteilt die aufgesparten Arbeitergroschen sid te wor Der preußische Innenminister hat in einem Runderlaß an die Polizeibehörden darauf hingewiesen, daß die endgültige Verfügung über die bei staats- und voltsfeindlichen Organisationen eingezogenen Vermögensgegen stände ausschließlich und allein ihm vorzubehalten ist. Der Umstand, daß es sich bei den eingezogenen Vermögensgegen ständen um Staatseigentum handelt, das nach allgemein gültigen Vorschriften als Staatsvermögen zu behandeln tft. setzt, wie der Minister betont, ihre pflegliche Behandlung und Aufbewahrung im Interesse des nationalfozialistischen Staates als selbstverständlich voraus. Der Minister wird im Einvernehmen mit dem Finanzminister nähere allgemeine Weisungen über die Verwertung eingezogener Vermögensgegenstände in Kürze erlassen, nachdem er einen Ueberblick über das angefallene Gu gewonnen hat. Er ersucht, um die Herausgabe dieser Weisungen zu beschleunigen, um umgehende Vorlegung der and Londons Juden. Die Demonstration der 50 000 vor= geschriebenen Nachweisungen über die beschlagnahmten Gegenstände nach Maßgabe eines früheren Runderlasses. Die allgemeinen Weisungen über die Verwertung eingezogener Vermögensgegenstände werden auch Richtlinien über die Verwendung solcher Vermögenswerte, die zweifellos gewerkschaftlichen Organisationen beschlagnahmt und eingezogen worden sind, zugunsten der Deutschen Arbeitsfront enthalten. Deshalb können hierunter fallende Vermögensgegenstände bis zur abschließenden Reglung der Deutschen Arbeitsfront überlassen bleiben. Hingegen fommt eine unentgeltliche Zuteilung von Vermögensstücken, die bei sonstigen politischen Organisationen, insbesondere bei politischen Parteien, wie der SPD. und ihren Nebenorganisationen und bei den sozialdemokratischen Zeitungsverlagen erfaßt worden sind, an die Deutsche Arbeitsfront nicht in Frage. R Der 11. August drift Zu der jüdischen Demonstration, über die wir schon vor einigen Tagen berichteten, entnehmen wir nach einem Privatbrief aus London: London.( Eig. Bericht.) Vor wenigen Tagen veranstalteten die Londoner Inden eine gewaltige Straßendemonstration gegen das Hitler: regime, Bom jüdischen Biertel im Often zog ein gewaltiger Zug( die Polizei schäßte etwa 50 000 Menschen) durch die Stadt nach dem Hydepark im Westen, wo Tausende warteten. Der äußerst disziplinierte Zug trug Plakate gegen die Hitler= barbarei und mit Aufforderungen aum Boykott deutscher Waren. Im Hydepark sprachen die Führer der Boykottbewegung. Die meisten jüdischen Geschäfte waren zum Zeichen des Protestes geschlossen. Alle Zeitungen berichteten in großer Aufmachung und viel Sympathie über die gewaltige, eindrucksvolle Rundgebung. Die Ehrenliste Dr. Ley gibt die Liste der Geächteten heraus Die Deutsche Arbeitsfront kündigt eine Liste mehrerez Keine Beflaggung am Verfassungstage Keine nennenswerten Neueinstellungen Wiederingangsetzung stillgelegter Zechen Keine Die„ Frankfurter Zeitung" bringt in ihrer Nr. 544/45 einen informatorischen Aufsatz aus Essen, der sich stark von der Stimmungsmache„ Es geht aufwärts!" abhebt. Ziemlich unwirsch wird gesagt: Der Bergbauverein warnt daher in einer Auslaffung zu diefer Frage vor einer Ueberschätzung der Ar beitsmarktauswirkungen der geplanten Neuregelung der Feterschichten. Es sollen auf allen Zechen des Ruhrberg baues im Durchschnitt nur zwanzig volle Arbeitsschichten im Monat verfahren werden. Zweck einer durchschnittlichen Erhöhung der Feterschichten soll der sein, daß dort Neueinstellungen vorgenommen werden, wo Schachtanlagen bisher überhaupt keine oder weniger als durch schnittlich vier Feierschichten im Monat eingelegt haben. Bei einer Gesamtbelegschaft von 206 765 im Juni mußten im Ruhrbergbau ohnedies im Juni arbeitstäglich 28 465 Feierschichten eingelegt werden, d. h. nur 175 812 der im Ruhrbergbau tätigen Bergleute waren im Juni voll bes schäftigt. In der 1. Julihälfte hat sich die arbeitstägliche Feierschichtenzahl noch auf rund 31 000 erhöht. Pro Kopf der angelegten Belegschaft wurden im Juni 3,33 Feier schichten, im Mai 3,68 Feierschichten eingelegt. Es ist klar daß eine Erhöhung dieses Pro- Kopf- Durchschnittes auf etwa vier Feierschichten im Monat keine wesentliche Ents lastung des Arbeitsmarktes bringen würde, selbst wenn sie, was von Fachleuten bezweifelt wird, überall durchgeführt werden kann. Die Zahl der im Ruhrbergbau arbeitsuchenden Bergleute betrug Ende Mai 112 673. Bezüglich der Wiederingangseßung stillgelegter Zechen wird darauf verwiesen, daß der größte Teil der still gelegten Magerkohlengruben nicht weiter unterhalten, 3. T. sogar abgebrochen worden ist. Wo Zechen wieder in Gang gesetzt werden könnten, sei die Voraussetzung die Zuweisung von Aufträgen durch das Kohlensyndikat, die Sann anderen Zechen fortgenommen werden müßten. Wo man also nüchtern rechnet, ist es mit der Begeiste rung für die Arbeitsschlacht" nichts. In Ostpreußen kann man einige tausend Erwerbslose auf die Güter der Junker kommandieren, aber im Westen, wo die Massen der Erwerbslosen sigen, liegt bleierne Hoffnungslosigkeit über Zechen und Hütten. „ Ich bin cin Lump" Daß die Lynchjustiz in Deutschland noch immer fort gesetzt wird, beweist folgender Bericht des„ Westdeutschen Beobachters", des Blattes, das der Präsident der Arbeitsfront Dr. Ley herausgibt: Durch Verordnung über das öffentliche Flaggen ,, Des Volkes Rache" vom 29. Juni 1929 war angeordnet, daß die staatlichen und kommunalen Dienstgebäude sowie die Gebäude der öffentlichen Schulen am Verfassungstage( 11. August) ohne besondere Anordnung zu beflaggen sind. Wie der preußische Minister des Innern in einem Runderlaß ausdrücklich feststellt, ist diese Verordnung durch die Verordnung des Preußischen Staatsministeriums vom 2. März 1933 aufgehoben worden. italcollonoff is out bridesma Es wäre auch der reine Hohn, wenn die regierenden Volksfeinde und Verfassungsbrecher das Werk von Weimar durch die Mörderfahne des Hakenkreuzes ehren" wollten. Moskau verstimmt Hitlers Kirchenrede Moskau, 26. Juli.( Inpreß.) Hitlers Rede zu den Kirchenwahlen, die durch Rundfunk verbreitet wurde, enthielt eine Reihe unverhüllter Ausfälle gegen die Sowjetunion, die hier registriert wurden und möglicherweise zu diplomatischen Schritten Anlaß geben werden. Der Tiroler Landtag beschloß ein Gefeß, durch das es in Tausend( Marristen) Geächteten an, die niemals mehr Tirol künftig keine nationalsozialistischen Gemeinderäte Arbeit bekommen sollen. mehr gibt, 236 Simmern( Hunsrück), 23. Juli. Auf dem vorderen Hunsrück und besonders im Kreis Simmern sind die Einwohner gegen die ehemaligen Separatisten vorgegangen. Diese wurden aus ihren Wohnungen geholt und nachdem man ihnen Schilder mit Aufschriften" Ich bin ein Lump", Ich bin ein Vaterlands verräter usw. umgehängt hatte, wurden sie durch die Ortschaften und Städte geführt. Wo sich die Separatisten weigerten mit zugehen und sich die Schilder umhängen zu lassen, kam es zu Tätlichkeiten. Auf dem Marktplatz in Simmern wurde Einwohnern, die sich in großer Anzahl angesammelt hatten, eine iste aller ehemaligen Separa tisten verlesen. Die Genannten wurden zum Schluß in Schußhaft genommen und dem Gefängnis zugeführt. Wie weiter verlautet, wurde auch der Bürgermeister des Hunsrückdorfes Rheinböllen nach Simmern gebracht und mußte sich mit an dem Zug der Separa tisten beteiligen. Die Menge hatte ihn in der Nähe von Argental ausfindig gemacht und nach Simmern gebracht. Ob die so behandelten Leute wirklich Separatisten waren, steht sehr dahin. Es genügt, daß jemand denun ziert und die Menge entsprechend aufgehetzt wird. Die fogenannten Behörden sehen dem Treiben zu, Einkreisung Deutschlands vollendet Die letzten Siegel unter die furchtbare außenpolitische Niederlage Alles verständigt sich gegen Deutschland, sogar Rußland mit Frankreich, Rußland mit Polen- Herriot reist nach Konstantinopel Fränzchen reist! Eine Hiobspoft auf außenpolitischem Gebiet folgt der andern. Immer schärfer wird die Sprache der englischen Oeffentlichkeit gegen Hitler- Deutschland. Aus Frankreich kommt das Echo:« Wir lassen uns nicht täuschen!" immer laufer. Im Zeichen der deutschen Gefahr" verständigen sich erbitterte Gegner auf dem Felde der europäischen Diplomatie. Durch die Reise Litwinows nach Frankreich ist, wie die französische Presse mit Genugtuung feststellt, eine französisch- russische Beziehung von einer Freundschaftlichkeit gesichert worden, wie sie seit dem Siege des Bolschewismus noch nie bestanden hat. Radek wurde in Polen als Abgesandter der Sowjet- Union mit besonderer Herzlichkeit empfangen. Die Lage zwischen Hitler- Deutschland und Oesterreich ist unverändert... Selbst in den verhängnisvollsten Jahren der Vorkriegszeit war Deutschland nicht so eingekreift und isoliert wie heute! Keine Zusammenkunft Hitler- Daladier Deutschland wird von der Rüstungsindustrie bestimmt... In einem offenbar offiziösen Artikel schreibt„ Ere Rouvelle":" Rein, Herr Henderson, wir wollen teine Zus sammenfunst Daladiers mit Hitler! Man komme nicht, um mit uns die angeblichen Pläne und legten Absichten dieses Herrn Hitler zu reden. Welcher Art diese seine Pläne und Absichten auch sein mögen, das interessiert uns nicht; denn dieser Herr Hitler ist heute schon ausgestochen durch seine Soldaten und ist der Gefangene der Ultra- Radikalen, die ihm zur Macht verholfen haben. Die gegenwärtige Lage in Deutschland, die völlig von den überspannten Chauvinisten und von der Rüstungsindustrie bestimmt wird, rechtfertigt weder, noch auch gestattet sie nur den Gedanken einer Aus: sprache zwischen Daladier und Hitler. Es wird das beste sein, wenn Herr Henderson nach England zurückkehrt und seine eigenartigen Pläne und seine Jülufionen mit sich nimmt!" Görings Luftpläne Scharfe Absage aus England London, 27. Juli 1933,( Eig. Ber.) Bei einer kürzlichen Zusammenkunft Görings mit dem bris tischen Militärattachee in Berlin war der deutsche Lufts minister geschmacklos genug, die Wiener Regierung zu des nunzieren, in England eine Anzahl von Militärflugzeugen gekauft zu haben und diese scheinbar" zu politischen Zweden zu verwenden. Hierbei versuchte Herr Göring in Erfahrung zu bringen, welche Haltung die englische Regie: rung wohl einnehmen werde, wenn Deutsch: land entsprechend verfahre und der Londoner Flugzeugindustrie einen Auftrag erteile Sente ist die Antwort der britischen Regierung eingetroffen. Zunächst wird erklärt, daß die Denunziation, die Göring Defterreich gegenüber beliebt habe, völlig unbegründet ist; die Wiener Regierung habe nicht ein einziges Flugzeug ans England bezogen. Hinsichtlich des Plans wegen der deutschen Polizei- Flugzeuge" aber sagt die Londoner Regierung, daß fie niemals gestatten werde, daß Dentich land sich über das Pariser Abkommen vom Jahre 1926 hinwegiege. Dieses Abkommen, das Deutschland freiwillig unterzeichnet unterzeichnet habe, verbiete ausdrücklich die Existenz einer deutschen Flugpolizei. An diesem Abkommen halte die britische Regierung fest und sie werde dem Abkommen nötigenfalls die ges bührende Geltung zu verschaffen wissen. Paris, 27. Juli 1935. Die Pariser Tageszeitung„ L'Oeuvre" schreibt über die Lage in Deutschland folgendes: Die Behauptungen und die Dementis des Herrn Göring bedeuten gar nichts! Man bes hauptet, Herr Hitler sei ein Diktator; aber das ist nicht wahr! Mussolini ist ein Diktator und Lenin war ein Diktator. Aber Hitler? Er hat durch Demagogie die Massen bezaubert. Und deshalb bleibt er den Massen unterworfen. 3u täuschen und getäuscht zu werden das ist Hitlers Schidial!" Hitler- Phantom einer Macht Paris, 27. Juli 1988. Ueber die derzeitige gespannte. Lage in Neudeutschland schreibt der Figaro" unter anderem: Es ist sehr unwahrscheinlich, daß die Hitlersche Revolution endgültig beendet ist. Denn heute schon ist der„ Führer" und find die anderen Leiter der nationalsozialistischen Partei nur noch die Gefangenen jener dunklen Kräfte, die sie entfesselt haben, um überhaupt zur Macht zu kommen. Hitler kann nichts anderes mehr, als jenen Leuten, die er bisher zu führen wähnte, Gehorsam zu erweisen. Das ist der fundamentale Unterschied zwischen dem Hitles rismus und dem Faschismus: Mussolini ergriff die Macht und stützte sich hierbei auf eine relativ fleine Partei in einem Augenblick, als das Land in Gefahr stand, dem Schatten des Bolschewismus zu verfallen; die Massen aber kamen erst langsam zu ihm, als sie die Wohltaten des Faschismus am eigenen Leibe spürten. Bei Hitler war es umgekehrt. Als er zur Macht kam, war ganz Deutschland bereits hitlerisiert. Seit Jahren hatte er den Massen Versprechungen über Bersprechungen gemacht, um fie einzufangen; und jeder„ Nationalsozialist" fagte fich: " Wenn wir erst zur Macht kommen, dann..." Und aus diesen Gründen ist Herr Mussolini hente der wahre Gebieter Italiens, während Herr Sitler doch nur das Phantom eines Führers" i ft. Herriot fährt nach Konstantinopel Und dann nach Rußland und Polen! Paris, 27. Juli. Matin kündigt an, daß Edouard Herriot in Begleitung des Senators Serlin und des Abgeordneten Bastid am 3. August nach Konstantinopel reisen, sich von dort nach Rußland begeben und wahrscheinlich über Polen nach Frankreich zurüdkehren werden, Zwischen den Zeilen! Saarbrücken, 27. Juli 1933. Das Hitlerregime favorisiert schnellwechselnd bald diesen, bald jenen außenpolitischen„ Verbündeten" mehr oder weniger arischer Stammeszugehörigkeit und zweitoder drittklassiger Weltgeltung. So hat es sich zuerst in einer Würdelosigkeit sondergleichen dem keineswegs germanischen und letzten Endes von Frankreich und England abhängigen Herrn Mussolini an den Hals geworfen. Der hat es so lange zum Abtrocknen seiner schmutzigen Hände benutzt, bis er sein Schäfchen im Trockenen hatte und dann über den Viererpakt mit Frankreich ein Techtelmechtel begonnen, nachdem er noch zuvor Herrn Hitler den Weg nach Desterreich versperrt hatte. Dann fraternisierte der große Adolf mit dem kleinen Gömbös aus Ungarn, einem nichtarischen und nach seiner Weltgeltung fünf- oder sechsklassigen Dikta turstaate, der obendrein von der Finanzgnade Frank reichs abhängt. Herr Gömbös trägt eine schöne und auf fallend prächtige Uniform und trinkt feurigen Ungarwein aber auch ihm schlägt, wie Mussolini unter dem Schwarzhemd, ein treuloses Herz unter der tressenreichen Schnürbruſt des ungarischen Magnaten: Nachdem er von Hitler das Versprechen hatte, daß die ungarische Weizen ernte eine besondere Abnahme in Deutschland finden sollte, fuhr er flugs zu Herrn Hitlers Todfeind" Dollfuß nach Desterreich, um das gestörte Gleichgewicht der ungarischen Beziehungen wieder herzustellen. Aber sein schwarzes nichtarisches Herz hat jetzt offen den Dolchstoß gezückt gegen Hitlers Schüßlinge in Ungarn. In Ungarn gibt es eine von dem Abgeordneten 3 oltan Metz ko( man stelle sich den Arier hinter diesem Namen vor!) geleitete Partei der Nationalsozialisten unb ein von ihm herausgegebenes nationalsozialistisches Haupt. organ„ Nemzet Szava"( Stimme der Nation). Gömbös hat jezt dieses Blatt für sechs Wochen verboten und ihm für drei Monate, nämlich bis zum 30. November, das Kolpor tagerecht entzogen. Man denke: Hitlers Freund Gömbös gegen Hitlers ungarische Nationalsozialisten! Wie ist das möglich? Nun, ungarische Nationalsozialisten! Wie ist das möglich? Nun, das ist nur zwischen den 3eilen zu lesen: Die Be gründung des Verbots lautet, daß die Artikel des ungarischen nationalsozialistischen Hauptorgans über den ungarischen Weizenegport" Erregung und Unruhe hervorzurufen geeignet seien und daß es deshalb verboten werde. Dahinter aber steckt nicht mehr und nicht weniger, als daß Herr Hitler wieder einmal sein Versprechen nicht gehalten und den zugesagten ungarischen Weizenexport nicht bewerkstelligt hat worauf ihm nun Herr Gömbös nach dem Sprichwort " Haust du meinen Juden, hau ich deinen!" sein Haupt organ verboten hat. Nunmehr hat sich Herr Hitler grollend wie Wotan und tief enttäuscht über den bösen Loki ganz auf seine„ verwandten Empfindungen"( wie das Hitlers außenpolitischer Schriftsteller von Leers ausdrückt) für die Mongolen des fernsten Ostens, für die J a paner, die nicht nur als schlitzöhrig gelten, sondern auch schlitz nicht nur als schligöhrig gelten, sondern auch schlitzäugig sind, zurückgezogen. Es ist einsamer um Hitler, als selbst die stärksten Reiche der Weltgeschichte auszuhalten vermochten ge. schweige das über sich selbst herfallende amoklaufende Dritte Reich! Der polnische General Sikorski hat in einem Parifer Blatt Mitteilungen über ungeheure Kriegs. rüstungen Hitlers veröffentlicht: Tanks, schwere Artillerie, Minenwerfer, Flugzeuge, Giftgafe usw. An der Richtigkeit dieser Meldung ist ebenso wenig zu zweifeln, wie an der Behauptung, daß in Deutschland eine Kriegsmaschinerie aufgebaut wird, die an Furchtbarkeit deshalb nicht ihresgleichen hat, weil die NaziDespotie mit unbeschränkter Gewalt über 66 Millionen Staatssklaven verfügt. Schule, Presse, Film, Kanzel über alle diese Waffen der geistigen Beherr schung verfügt allein das Diktaturregiment des National sozialismus und der Verdacht einer Friedensgesinnung genügt zur Reife fürs Konzentrationslager. Sikorski sieht den besonderen Charakter dieser Rüstungen vor allem darin, daß sie in der ausdrücklichen Absicht nicht der Verteidigung, sondern des Angriffs, des Ueberfalls und der Revanche getroffen werden. Als das Ziel Nazi- Deutschlands bezeichnet er die Absicht, mit Blut und Eisen ein gewaltiges Jmperium aufzurichten und den Versuch von 1914, dem 10 Millionen Menschen geopfert wurden, in größerem Maßstabe zu wiederholen Papen will Paris erobern Die Pariser Deutsche Botschaft verschickt Einladungss schreiben zu einem am 28. Juli stattfindenden Festessen zu Ehren des Vizekanzlers Franz von Papen. Papen, der in den letzten Wochen auf jede Art Beschäftis gung im Ausland sucht, besucht wie wir bereits gemeldet haben- Paris in einer„ delitaten" Mission: er soll die allgemeine unfreundliche Stimmung für Deutschland ins Ge= genteil umwandeln und mit seiner bekannten diplomatischen Fertigkeit, die er während des Weltkrieges so glänzend bes wiesen hat, dem Quai d' Orsay die Vorteile eines innigen Berhältnisses zu Hitler- Deutschland eindringlich zu Gemüte führen. Richtig ist zweifellos, daß das oberste Ziel der gesamten sogenannten„ nationalen Erhebung" und der sogenannten nationalsozialistischen Revolution" kein anderes als die Wiederaufrichtung eines imperialistisch- anektionistischen Militarismus ist; das haben inzwischen zu ihrem Leidwesen nach der erneuten Jnthroni fierung von Rüstungsindustrie und Großagrariertum auch die betrogenen SA.- Leute, die Kleinbauern, die kleinen Gewerbetreibenden und alle übrigen Hitlergläubigen einsehen müssen. Worauf hinaus aber der polnische General mit seinem Artikel will, das ist auch wieder zwischen den Zeilen zu finden: Die Nachbarn Deutschlands bangen um Frieden und unversehrtheit ihrer Grenzen. Die Generalstäbler von Frankreich und Polen sind mit denen der kleinen Entente und der Randstaaten einig in folgender Ueberlegung: Will man Europa davor be wahren, ein einziger großer Totenack er zu werden, dann sind Präventivmaßnahmen unerläßlich. Ob man das„ Sanktionen" oder„ Präventiv Krieg" nennen will, ist unbedeutend; bedeutsam ist nur, daß man in Hitler- Deutschlands Nachbarstaaten ausnahmslos die Meinung hat, daß Präventivmaßnahmendas Mindestmaß an Opfern für eine neue Be friedung Europas bedeuten. = Wir haben gestern von Herrn Radeks festlichem Empfang in Pilsudski- Polen berichtet- der Ring ist lückenlos geschlossen und wahrscheinlich unter Verstärkung durch Mussolini wie Gömbös. Gömbös in Rom Der letzte Freund Deutschlands will sich mit Oesterreich einigen M. B. präsidenten Gömbös in Rom sagt der dortige Times- Korre London, 27. Juli. Zum Besuch des ungarischen Ministers fpondent u. a., es bestätige sich, daß die Herstellung engerer wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Un= garuund Oesterreich das Haupthema der Erörterungen haben. Es werde eingesehen, daß das Verhältnis zwischen bilden werde. Aber dabei werde es nicht sein Bewenden Ungarn und der Kleinen Entente und besonders zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei nicht so fortdauern könne wie bisher. Desterreich und Ungarn würden, wenn sie eins ander wirtschaftlich näher rückten und vielleicht zu einer engeren politischen Verständigung fämen, bei Verhandlungen mit der Kleinen Entente in einer stärkeren Stellung sein. Simon an der Saargrenze Er will ,, reinigen" und ,, säubern" erkennung für uns... Eine nflp. Saarbrücken, 26. Juli. Speben liegt der Text jener Rede vor, die der nationalsozialistische Koblenzer Gauleiter Staatsrat Simon auf der Saarfundgebung in Leitersweiler, dicht an der Saargrenze, gehalten hat. Der Inhalt dieser Rede ist um so ungeheuerlicher, als nach amtlichen Verlautbarungen der„ Staatsrat die höchste Autorität des Staates in seinem Bezirt" ist, der lediglich nur den Minister über sich hat. Die Rede dieses höchsten preußischen Staatsvertreters vor den in Leitersweiler versammelten saarländischen Nationalsozialisten ist eine einzige Aufforderung zum Terror. Sie zeigt darüber hinaus fraß die beliebte Methode des Ge sinnungsterrors gegen die Saarländer, die bisher ihr Haupt noch nicht unter das gleichgeschaltete Joch gebeugt haben. " Staatsrat Simon führte aus: wir beschweren uns nur, daß wir zu gnädig gewesen sind. Der einzige Bor wurf, den uns die Geschichte machen kann, wird der sein, daß wir nicht alle Volfsverräter an die Wand gestellt haben. Noch zu feiner Zeit war ein Sieger so großmütig wie Adolf Hitler und seine Bewegung. Diese Großmut wird allerdings einmal ein Ende nehmen. Er wird nicht ausgedehnt werden auf jene, die Deutschland verlassen haben, im Saargebiet gestohlene Gewerkschaftsgelder ver= praffen, neue Zeitungen gründen und Lügennachrichten im Ausland verbreiten. Die Herren aber( es folgt einer der beliebten Kraftausdrücke), die drüben sitzen, werden nach zwei Jahren, weil ihre Arbeit erfolglos blieb, feine Rüds augsmöglichkeit mehr haben. Und diesmal wollen wir nicht gnädig sein, wollen niemals vergessen, wenn sich jemand am deutschen Gedanken verging, wir wollen das Saar= gebiet reinigen und säubern. Das ist offener Gesinnungsterror. Alle die, die an der Saar nicht die geringste Lust verspüren, sich gleichschalten zu lassen, werden hier in aller Offenheit von einem an höchster Stelle stehenden preußischen Staatsbeamten in unerhörter Weise für die Zeit nach 1985( wie die Nationalsozialisten sie sich vorstellen) bedroht. Kürzlich hat der deutsche Regierungsvertreter beim Völkerbund der Erklärung aller Völker zugestimmt, die sich scharf gegen jeden Gesinnungsterror ausspricht. Heute erfahren wir die Anwendung in der Praxis. Auf den sonstigen Inhalt der Staatsratsrede wollen wir nicht eingehen. Die bekannten Phrasen von„ gestohlenen Gewerkschaftsgeldern" usw. usw. locken feinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Die ohnmächtige Wut der National sozialisten gegen die Deutsche Freiheit" wie gegen die " Boltsstimme" hat den Herrn Staatsrat mit dem urdeutschen Namen Simon zur Unvorsichtigkeit verleitet, Junker und Schlotbarone herrschen in Wie ,, Times" und„ Manchester Guardian" Hitlers Preisgabe des Sozialismus beurteilen Erhöhte nationalistische Hetze als Ersatz für den verratenen Sozialismus Hitler ist mit sozialistischen Parolen gewählt worden, Hitler an der Macht hat sein sozialistisches Programm und Samit seine antikapitalistische Gefolgschaft, Proletarier, Kleinbauern und Kleingewerbetreibende verraten. Die englische Presse stellt diesen zynischen und offenkundigen Berrat Hitlers an seinen Versprechungen fest, nicht etwa nur die sozialistische Presse, sondern gut bürgerlich kapitalistische Blätter. Hitlers Fußfall vor dem Kapital ist ihnen natürlich an sich gar nicht so unangenehm, aber mit Grauen überlegen sie, auf welchem Wege wohl Hitler versuchen wird, seine aufgepeitschte Gefolgschaft abzulenken. Die konservative„ Times", das Blatt des„ guten, aufgeklärt- reaktionären Bürgertums" schreibt unter der Ueberschrift ,, Junker und Bauer agrarische Jdeale der Nazis Der Großgrundbesitz sicher" das Folgende: Alle Befürchtungen, daß die preußischen Junker, die Großgrundbesizer Ostelbiens, die Deutschlands Politik unter Bismarck bestimmten und in der Weimarer Republik ihre Macht fast ungebrochen behielten, ihre Macht oder ihr Land unter Hitlers Staat verlieren würden, scheinen jetzt durch eine bezeichnende Feststellung des Landwirtschaftsministers Darre beseitigt zu sein, der sich dabei auf eine spezielle Ermächtigung burch Hitler beruft. Herr Darre sagt, daß die Siedlung, wie sie von den Nazis urchgeführt wird, nichts mit den marxistischen Methoden der Proletarisierung der Landbevölkerung zu tun hat. Sie wollen nicht Siedler, die völlig von einem antiagrarischen Staat abhängig sind, sondern Bauern. Die Politik der preußischen Könige war es nicht, Siedler um jeden Preis anzusetzen, ohne Rücksicht auf ihre Existenzfähigkeit, sondern BauernstelIen zu schaffen, deren Besitzer im Lauf der Jahrhunderte einen neuen Bauernstamm schaffen sollten. Diese Feststellung muß man im Zusammenhang mit der Tatsache betrachten, daß Brüning sowohl wie General von Schleicher das Vertrauen des Reichspräsidenten verloren und stürzten, nachdem sie den Vorschlag gemacht hätten, hoffnungslos überschuldete Großbetriebe für Siedlungszwecke aufzuteilen. Sorgfältige Beobachter der deutschen Politik nahmen an, daß Hitler, als er Schleichers Nachfolger wurde, ein Ver= sprechen gegeben haben müsse, die Großgrundbefizer nicht anzurühren.... Herr Darre sagte weiterhin in vollem Einverständnis mit dem Kanzler", daß kein Gut angetastet würde, ganz gleich wie groß es sei, solange es wirtschaftlich gesund und in der Lage sei, sich selbst aus eigner Kraft zu erhalten. Aber, so fügte er hinzu, auch überschuldete Großgüter würden nicht angetast e t. Wenn sie sich nicht selber zur Bauernsiedlung anböten, würde man sie nicht anrühren, in voller Anerkennung des Prinzips des Privatunternehmertums. Mit Herrn Darres Rede scheint der Nationalsozialismus die letzten Refte seines Sozialismus über Bord geworfen zu haben. ie w backing bauer sistel 100 meginis daisyt daismistes O Dic Revolution der Herrenreiter Franz von Papen, deutscher Vizekanzler, sagte neulich in Dresden: Der Angriff auf die Warenhäuser ist abgeblasen worden renn auch lokale Eiferer ihn fortsetzen die Partei hat den striften Befehl erhalten, ihre Hände von den Konsumvereinen zu lassen. Ein großer Teil der Parteigefolgschaft wurde indessen gewonnen durch das Versprechen, Warenhäuser und Konsumvereine zu zerstören. Die Zusammensetzung des Generalwirtschaftsrats, der jüngst gebildet wurde, um die Regierung in Wirtschaftsfragen zu beraten, und der nur ein oder zwei Naziextremis sten enthält, aber viele Führer der Schwerindustrie, der Banken, der Schiffahrt und des Handels, ist ein anderes flares Anzeichen für den Naziwunsch, der durch die Gefahr furchtbarer wirtschaftlicher Schwierigkeiten hervorgerufen wurde, in diesen Dingen zur Rechtgläubigkeit und Ruhe zurückzukehren. Die Naziführer haben ihre Not, ihre Gefolgschaft zu versichern, daß sie den Vormarsch nicht abgeblasen haben, sondern nur eine Pause eingelegt haben, und daß sie ihr Programm und ihre Versprechungen in Kürze erfüllen werden. Tie Partei, für die der Nationalismus immer der wesentlichere Teile des Nationalsozialismus war, scheint noch gehorsam und diszipliniert zu folgen. Aber eine große Enttäuschung ift offenbar für viele Mitglieder in Bezug auf den sozialis stischen Teil des Programms in Aussicht." 99 So die konservative„ Times". Noch besorgter und ernster sieht der liberale Manchester Guardian" die Lage an, eine Zeitung, die in England etwa die Stellung einnimmt, wie sie in Deutschland vor der Gleichschaltung die " Frankfurter Zeitung" hatte. Der„ Manchester Guardian" schreibt unter der Ueberschrift„ Fütterung der Bestien": " Die Nazipartei hat eine furchtbare Sucht nach Rache und Schaustellungen. Ihre Mitglieder werden in beiden Punk ten nicht gerade kurz gehalten. Juden, Sozialisten und Deutschnationale in bunter Reihenfolge geben das Rohmate= rial für die eine Leidenschaft ab, während eine endlose Serie von Festen die andere Leidenschaft sättigt. Aber wenn es auch ein aufregendes Reizmittel sein mag, den im Egil lebenden Echeidemann auf dem Wege über seine Verwandten zu tyrannisieren, oder einer Feier für die Rathenaumörder beizuwohnen, oder 300 jüdische Geschäftsleute in Nürnberg durch die Straßen zu jagen, so sind zwar die Freuden solcher Gewalttaten Lederbiffen für Fanatiker oder Rohlinge, aber fein nahrhaftes Futter für einen fräftigen Organismus. Die Partei hat den ganzen deutschen Staat verschlungen. Gewiß, es sind noch ein paar Knochen zu knacken die evangelische Kirche zum Leispiel aber das sind nur Krümel für einen hungrigen Riesen. Der Riese hat schon viel Unverdaulicheres heruntergeschluckt. Der radikale Extremismus des Naziprogramms versprach wahren deutschen Sozialismus" für die Industriearbeiter und Erwerbslosen, Freiheit von unfairem Wettbewerb für Schabbes- Schmus Sonne im Herzen und Frühling im Volk 60 Der Präsident der Arbeitsfront, Dr. Ley, redet landauf, landab vor zwangsmäßig zusammengetriebenen Unsere Revolution darf nicht angefehen werden als ein Arbeitern. Hier ein Ausschnitt aus dem, was er den Aufstand der Massen gegen die Oberschicht. Papen sagt diesmal die Wahrheit. Die„ Revolution", die dieser ultareaktionäre Aristokrat die unsere" nennt, war wahrhaftig nicht ein Aufstand der Massen gegen die Oberschicht, sondern sie war ein Sieg der Oberschicht über die Massen. Zum Zeichen dafür will sich Papen am 6. August in Karlshorst als Herrenreiter an einem Rennen beteiligen. Die eleganten Herren sißen wieder fest im Sattel. Der Gaul aber, der zu Tode geritten wird, heißt Volk! Student im Dritten Reich Die Militarisierung der deutschen Jugend Der nachgedruckte Brief gelangte auf Umwegen aus dem Hitler- Deutschland an einen nach Schweden geflüchteten deutschen Sozialisten. Der Briefschreiber ist ein 19jähriger junger Student, dessen sozialistische Ueberzeugung der Diktatur standgehalten hat. In ungeschminkter Sachlichkeit schildert er erlebnisecht die neue Militarisierung der Jugend in Deutschland. Für die deutsche geheime Staatspolizei", die diesen Bericht vielleicht lesen wird, sei hinzugefügt, daß der junge Student kein Jude, sondern ein reinraffiger blonder Arier ist. Diese kurze Zeitpause hat geläutert." " Ich freue mich aufrichtig, daß es Ihnen gelungen ist, nach Schweden zu kommen. Inzwischen warten wir hier auf unsre Zeit, warten darauf, daß wir auch äußerlich und in jeder Beziehung wieder wirkliche Menschen sein dürfen. Nicht alle warten so tatenlos wie ich, ich weiß, daß das Neue, das wir wünschen, da ist und wächst. Vielleicht haben wir nie so flar gewußt, was wir wollen, wie jetzt furze Zeitspanne hat geläutert, alle Geschehnisse haben daran mitgeholfen, und ich glaube fest, daß sich unsere Aufgaben noch viel klarer und sichtbarer kristallisieren werden." „ Wir müssen bedingungslos gehorchen." diese „ Augenblicklich werden wir herabgewürdigt zu einem nationalen Etwas, gerade wir Studenten. Wir müssen bedingungslos gehorchen, es gibt kein„ Warum" mehr. Wir sollen nicht zweifeln, so sagte man uns, auch nicht fragen, sondern nur glauben. Wer nicht glaubt, hat kein Recht am Staat." Wehrsport, SA. und Reichswehr. Arbeitern in Hamburg zu bieten hatte: dio Arbeiter, ich kann Dir nichts versprechen. Wenn Du fragst: Wird das Paradies nun bald kommen? to antworte ich: Nein. Das Leben wird ewig Stampf fein. Das Leben reiht sich zusammen aus Kampf und Opfern. Kampf und Opfer führten zum Endsieg der Bewegung über ihre Feinde. Das Opfer macht das Leben erst wert. Du Geschlecht der Gegenwart bist vom Schicksal ausersehen, Deutschlands Freiheit und Deutsch= lands Größe wiederzuerobern. Darum verlan gen wir, daß Du Deine heilige Mission erkennst, damit außerdem jeden Donnerstag zwei Stunden theoretischen Dienst. Die Wehrsportkurse werden von SA.- Führern ge leitet, die durchweg bei der Reichswehr ausgebildet worden find, wie sie uns selbst erzählten. Ueberhaupt ist es so, daß SA.- Abteilungen mit der Reichswehr zusammen ausgebildet werden." Elf Stunden ohne Effen, Strafeɣerzieren und Waffendienst. „ Der Dienst geht so vor sich: Wir rücken um 12 Uhr vom Potsdamerbahnhof ab nach Zossen( Militärlager). Dort ohne Mittagspause Geländedienst bis um 8.30 Uhr. Wir sind in Hundertschaften eingeteilt. Es ist wie beim Kommiß: wer nicht schnell genug macht oder falsch, muß strafererzieren. Der erste Ausmarsch war für alle eine große Quälerei, weil die meisten elf Stunden nichts gegessen hatten. Wir hatten doch keine Ahnung, daß wir ohne Pause gleich antreten mußten. Bisher haben wir mehr auf dem Bauch gelegen und im Sand, als auf den Füßen normal gestanden. In den nächsten Tagen kommt Waffendienst heran." Dreckig und stumpf vor Hunger und Gehorsam. „ Wir haben dort im Lager nicht einmal Waschgelegenheit. Als wir uns beschwerten, wurden wir angebrüllt:„ Wir haben uns an der Front wochenlang nicht gewaschen!" Ich empfinde dies alles als furchtbar sinnlos. Das erstemal, als ich mitmachen mußte, habe ich mich vor mir selber geschämt: dreckig, müde und stumpf vor Hunger und Gehorsam. Es ist überhaupt unangenehm schwer, so einer braunen Uniform bedingungslos zu gehorchen, und er ist oft nicht viel älter als wir." Arbeitsdienst als Deckname für korrekte militärische Ausbildung. „ Heute ist für die Studenten die Arbeitsdienstpflicht verkündet worden; der Staat wirft dafür eine Milliarde Mark heraus. Es kommen augenblicklich nur die Studenten her an, die bereits vier Studienhalbjahre studieren. Das schafft wird gezwungen, vier volle Wehrsporttage mitzumachen, böses Blut, denn einige Fakultäten haben im fünften Halb" Jeder Student im ersten und zweiten Studienhalbjahr die kleinen Geschäftsleute, Enteignung des Großgrundbe fizzes für die Bauern... Was werden diese Millionen Wähler jetzt tun, wenn sie sehen müssen, daß die Industriepolitik der Regierung von den Großzindustriellen und Banfiers gemacht wird und die Agrarpolitik von den oftpreus ßischen Großgrundbefizern? Denn das ist der Hintergrund der Aufrufe zu Disziplin und Vorsicht, die Hitler und seine Freunde jetzt dauernd wiederholen. Solange Hugenberg Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister war, konnte er für die reaktionäre Politik getadelt werden, die den Wünschen der Massen widersprach. Aber Hugenbergs Ausschiffung belehrte die Massen eines Besseren. Der neue Wirtschaftsminister Dr. Schmidt hat seine Macht benutzt, um die Parteikommissare, die die Freiheit der großen Unternehmer einschränkten, hinwegzufegen; er soll durch einen Wirtschaftsrat unterstützt werden, in dem Großzindus strie und Großbanken start vertreten sind, die nazifizierten Gewerkschaften aber kaum. Herr Heß, Hitlers Stellvertreter in der Parteiführung, hat angeordnet, von jeglichem Eingreifen gegen die Warenhäuser Abstand zu nehmen. Herr Darre der neue Landwirtschaftsminister, hat erklärt, daß der Großgrundbesiß nicht angetastet wird, selbst wenn er hoffnungslos überschuldet ist. Es wird klar, daß mindestens für den Augenblick die Jun fer und Industriellen, die sich bisher der Deutschnationalen zu bedienen pflegten, sich die Herrschaft über die Nazibes wegung gesichert haben. Die Partei hat sie geschluckt, aber konnte sie nicht anpassen. Die Lage, die sich dadurch entwickelt hat, ist voller Gefahren für die Zukunft, obwohl es vorschnell wäre, zu glauben, daß ein Zusammenbruch unmittelbar bevorsteht. Das Beispiel Rußlands zeigt, wie lange feuriger Enthusiasmus durch eine bewundernswerte Propagaenda erhalten werden kann. Aber wenn die Nazimassen der großen sozialen Umfor mungen, die ihre Führer ihnen versprochen haben, beraubt werden sollen, dann müssen sie sonst immer neue Reizmittel erhalten. Selbst wenn der Ausfuhrhandel Deutschlands sich beleben und die Erwerbslosenzahlen sinken sollten, dann müßte doch die deutsche Jug.nd in der Illusion erhalten bleiben, daß sie an einer großen nationalen Erneuerung teilnimmt. Das alte Rezept der Herrscher, die von inneren Schwierigkeiten ablenken wollten, war immer ein„ fleiner siegreicher Krieg". Deutschland kann im Augenblick nicht an Krieg denken. Das ist flar. Aber es fann an Kriegsvorbe reitungen denken und an noch nicht wieder gutgemachtes Unrecht. Deutschlands Herrscher haben den Sozialismus aufges geben. Sie werden unansweichlich dahin getrieben werden, die nationalistische Seite ihrer Propaganda zu verstärken." ( in Kommentar zu diesen Betrachtungen des englischer lattes ist nicht nötig. Die Ausführungen sprechen für sich selbst. Deutschland, damit Deine Kinder und Kindeskinder leben fönnen. Hoffnung, neuer Glaube und neues Vertrauen beseelt das deutsche Volt. Das beste Arbeitsbeschaffungsprogramm ist das Vertrauen des Volkes. Es werfelt in unserem Volf; es fängt wieder an zu hämmern und zu klopfen. Die Hoffnungslosigkeit ist zerbrochen, neues Leben, neuer Glaube, neues Vertrauen fommt wieder ins Volk, Frühling in unserem Volf! Und das alles verdanken wir dem Volkskanzler Adolf Hitler! Wilhelm II. fagte das alles noch viel schöner. Die Hauptbeschäftigung „ Alltägliches" , Alltägliches" aus dem Dritten Reich Leipzig, 26. Juli. In der Woche vom 17. bis 24. Juli wurden im Stadtgebiet gegen 300 Wohnungen mit Unterstüßung der SA. und der SS. durch die Revierpolizei durchsucht. Außerdem etwa 600 Gärten. jahr Examen, und es ist für die Studenten nicht angenehm, vor dem Examen ein halbes Jahr aus dem Studium herausgerissen zu werden. Außerdem wissen wir alle: Arbeitsdienst ist nur Deckname, in Wirklichkeit ist es eine korrekte militärische Ausbildung und dafür fällt dann jede ethische Begründung weg." Keine Rücksicht auf das Studium. Der soldatische Mensch als Ziel. ,, Daneben ist für alle Studenten noch ein DreiwochenLager während der Ferien vorgesehen. So wird in keiner Weise auf das Studium Rücksicht genommen. Ein Führer sagte fürzlich:" Der soldatische Mensch ist für uns ausschlaglebend, nicht der geistige." Die Zustände auf der Universität. " In der Universität laufen schrecklich viel SA.- Uniforment herum, und fast alle Professoren sind plößlich„ von dem nationalen Aufstieg innerlich tief und freudig erschüttert". Entweder heucheln sie jetzt oder sie haben es früher getan! Es lesen nur noch drei jüdische Professoren: Nußbaum, Rabel, Wolff. Auch da sind in den Vorlesungen Störungen vorgekommen. Es wurde auch Boykott gegen sie bestimmt: wer bei ihnen belegt hatte, wurde notiert, und wer in die Vorlesungen gingen, sogar nach Möglichkeit fotografiert. Trotzdem sind die Vorlesungen aller drei Professoren voll besetzt, weil sie ausgezeichnet lesen. Die jüdischen Studenten sind alle von der Universität verwiesen, es wird auch keiner aufgenommen oder gar zum Examen zugelassen." „ Die Zeit arbeitet für uns!" „ Es ist schwer, alles schweigend mitzumachen. Aber letzten Endes beschleunigt dies alles ja die Entwicklung! Es sind eine ganze Menge unzufrieden. Ueberall, auch in den Straßenbahnen und auf den Straßen hört man die Leute verstohlen kritisieren. Das ist doch ein großer Schritt vorwärts. Seien Sie überzeugt: Wir stehen hier auf Posten und die Zeit arbeitet für uns!" Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit" as a la Kim 19 Wahrheit! Die neudeutschen Herren fürchten nicht das Blut, das an ihren Fäusten klebt, nicht des Volkes armes, zerschlagenes Gesicht, nicht das Schreien, das aus den Kerkern bricht, nicht den Haß, der die wehrlosen Opfer durchbebt. Und dennoch sind sie von Aengsten geplagt, sie zittern vor jedem Fetzen Papier, den der Sturmwind über die Grenze jagt, vor jedem Mund, der zu sprechen wagt, sie schnüffeln umher wie scheues Getier. TOT Sie fürchten die Wahrheit- sonst nichts auf der Welt, die aber fürchten sie um so mehr, drum haben sie Wachen aufgestellt, und wo ein Wörtlein Wahrheit fällt, sind hundert Schergen hinterher. Lieb Vaterland, magst ruhig sein! Die Wahrheit schaltet kein Göbbels gleich, sie fließt durch tausend Kanäle ein, sie schlägt sich Bahn durch Eisen und Stein, sie kennt die Wege ins Dritte Reich. Die Wahrheit dringt selbst dem SA.- Mann ins Ohr, dem Hungernden folgt sie bei jedem Schritt, im Takt der Maschinen hämmert sie mit, hinter mageren Lohntüten springt sie hervor, und wenn Herr Hitler ans Rednerpult tritt... dann lügt er. Doch Wahrheit steht blutigrot neben dem Kanzler in flammendem Licht, beschwört des gemarterten Volkes Not, verkündet den Tod, der den Peinigern droht, und mahnt die Geknechteten: Haltet Gericht! Von Tacitus bis Göbbels Die Teutoninnen hieben mit Schwertern und Beilen" Brünne mit Speec „ Die Frau hat die Aufgabe, schön zu sein und Kinder zur Welt zu bringen. Die Vogelfrau pußt sich für den Mann und brütet für ihn die Eier aus. Dafür sorgt der Mann für die Nahrung. Hugin. Brunhilde zu, die mit dem Burgunderkönig Gunther in der Hochzeitsnacht Fangball spielte." „ Die Teutoninnen hieben mit Schwertern und Beilen auf Fliehende wie Verfolger ein und zogen den Tod der Knechtschaft vor." Ereignisse und Geschichten So ein bi So ein bißchen Humor... Lächle mit dem Knebel im Mund! In einer Presse- Besprechung in Frankfurt sagte der preußische Staatskommissar Hinkel unter anderem über die Aufgaben der Presse im neuen Deutschland: Die Frage des Bestandes dieses Staates ist nicht allein eine Frage der Lösung wirtschaftlicher Probleme, sondern der endgültige Sieg der nationalsozialistischen Revolution kann nur dann gesichert werden, wenn es gelingt, die neue Volksgemeinschaft auch weltanschaulich zu unterbauen. Keineswegs genügt die äußere formale Gleichschaltung. Und da ist es, wo uns die Presse tameradschaftlich helfen muß. Nicht trockene Berichte genügen, Farbigkeit, Buntheit, vor allem Eigenarbeit, eigene Initiative, eigenes Urteil müssen der Presse erhalten bleiben. Nichts liegt uns ferner, als daß der einzelnen Zeitung die persönliche Note genommen werde. Wir wollen feineswegs die freie, aber ernsthafte Kritik hemmen, aber der, der das Kritiferamt ausfüllen will, muß zu den Grundsäßen unseres Staates stehen und darf nicht an den Grundsäßen Kritik üben, wohl an den Methoden, Wegen der Taktik der Verwirklichung. In tiefstem Sinne von Humor muß die Kritif erfüllt sein, der wir uns jederzeit gern stellen, aus der Sorge um die Sache muß sie fommen! Mit Frohsinn und Heiterkeit füllt der gleichgeschaltete Publizist jetzt nach dem Hinkel- Rezept seine Spalten. Hinten das gebogene Rückgrat, vorn ein sonniges Lächeln auf den Lippen ein schöneres Symbol für die erlaubte„ Methoden" Kritit ist nicht denkbar. Teutobald spielt Roulette Wir lesen in den Nazi- Blättern:" Das neue Gesetz, das in Kurorten die Zulassung von öffentlichen Spielbanken vorfieht, gab in erster Linie Baden- Baden die Berechtigung, die im Jahre 1874 geschlossene Spielbank wieder zu eröffnen. Das Gesetz läßt die Möglichkeit der Wiedereinrichtung oder Neuerrichtung von Wacht und fuck teen bed. Sonst steht er auf der Die arische Frau ist nicht caffiniert? Spielbanken für solche Aurorte offen, die in einem bestimm wehrt Feind ab." Joseph Goebbels in seinem Roman ,, Michael". Bor einigen Wochen bewegte sich nachts ein seltsamer Zug durch den Berliner Grunewald. Halbnackte Männer mit Speeren in den Händen und gehörnten Helmen auf ihren Häuptern zogen Wagen, deren stolzes Gut weißgekleidete blonde Jungfrauen waren, mit wallendem langem Haar und altnordischen Runenzeichen auf der Brust. Dieser„ Germanenzug" sand statt nicht auf einem Maskenball, sondern im Rahmen der nationalsozialistischen Sonnwendfeier als Rassepropaganda: die altgermanische Vergangene bett als Vorbild für die Zukunft des Dritten Reiches, in erster Linie für die deutsche Frau. Folgen wir darum ein wenig den Spuren Darres, der diese Welt heute wieder auferstehen lassen will, bei seinen Streifzügen durch das altdeutsche Frauenleben. Die seelische Ertüchtigung hatte das Ziel,„ züchtige, d. h. auf die Zucht bedachte" Frauen zu erziehen, nicht solche, ,, die unter der hochgelobten persönlichen Freiheit offenbar nur die Freiheit verstehen, alle Freuden eines Bette liebchens" nach Gutdünken und möglichst schrankenlos auszufosten." " Tatsächlich ist es auch der echtnordischen Jungfrau noch heute in ihrem innersten Wesen unmöglich, alle fene Rünste zu meistern, mit denen die Frauen anderer Rassen sich in die Sinne der Männer einzuschleichen verstehen. Die nordischen Frauen haben das Gefühl, sich durch derartige Mittel zu erniedrigen; sie greifen auch meistens in der Wahl solcher Mittel daneben, weil ihnen hier die Sicherheit des inneren Gefühls abgeht." Zunächſt: daß ein Mädchen geboren wurde, bedeutete Schminke eine jüdische Ecfindung damals keineswegs, daß es aufwuchs: " Es bestand nur die Verpflichtung, das erstgeborene Mädchen unter einer Kinderschar am Leben zu lassen, dagegen war es dem Vater freigestellt, über die übrigen Mäd= chen nach seinem Belieben zu verfügen, d. H. sie großzuziehen oder auszusetzen... Man darf eben nicht vergessen, daß ein Mädchen, welches nicht verheiratet werden konnte, für ihre Familie unter Umständen eine große Last bedeutete. Der Vater und die Brüder waren dafür verantwortlich, daß die Tochter oder Schwester feine Liebesverhältnisse einging, welche als Zuchtschande angesehen werden mußten. In jenen vollblütigen Zeiten mag das aber leichter gesagt gewesen sein, als getan. Daher überließ man es eben dem freien Ermessen des Vaters, ob er feine Töchter aufziehen wollte oder nicht. Die nordische Rasse ist immer eine sehr klar und folgerichtig denkende Rasse gewesen, die niemals davor zurückschreckte, persön liche Gefühle einer notwendigen Maßnahme unterzuordnen." sod and Wurde das Mädchen nun aufgezogen, so spielte die körperliche Ertüchtigung eine entscheidende Rolle. Tacitus nennt die deutschen Jungfrauen„ kräftig und den Jünglingen gleichgeartet". Und nun gar die Kosmetik: 00 ,, Das Schminken des Gesichts ist überhaupt eine uralte semitische Liebhaberet..., die sich besonders bei den Verlobungs- und Hochzeitsfeiern findet; wobei es eine besondere Beachtung verdient, daß die Semiten das Schminken dabei ausdrücklich mit dem Zweck in Verbinten Zeitraum eine Besucherzahl von 70 000 Personen nachweisen können, oder die außer einer entsprechenden Tradition als Kurbad durch ihre geographische Lage in der Nähe einer Reichsgrenze mit ausländischen öffentlichen Spielbanken in Ronkurrenz kommen. Diese lettere Bestimmung würde besonders für eine Spielbantin Aache u sprechen, da ausländische Spielbanken in der Nähe Aachens, direkt an der Reichs grenze betrieben werden. Bei dem neuen Gesetz ist man davon ausgegangen, daß es angebracht ist, daß fremde und deutsche Spieler ihr Geld in deutschen Spielbanken umseßen und damit dem Staat und dem Kurort einen entsprechenden Gewinn zukommen lassen. Tatsache ist, daß gerade aus Westdeutschland viele vermögende Leute zum Wochenende ins nahe Aus= land fahren und in den Spielbanken in Herbesthal und Spa zum Teil nicht unerhebliche Summen liegen lassen. Wie wir erfahren, sind von der Kurverwaltung be= reits die notwendigen Schritte eingeleitet, um auch für Aachen die Genehmigung zur Errichtung einer Spielbank zu erhalten." dung bringen, die finnlichen Beideni aften des Horst Wessel nach Parsifal Bräutigams aufzustache In." Pfui Teufel, sinnliche Leidenschaften! Wir Wilden sind doch beffere Menschen!" Wir haben zwar auch Geschlechtsmerkmale, aber ganz anderer Art: „ In der Erfüllung ihrer Hausfraulichen Tugen= den betätigt das echt nordische Weib ein sekundäres Geschlechtsmerkmal, welches auf den echt nordischen Mann auch durchaus einwirti." Oder nach Goebbels: Während der Mann das Leben meistert, meistert die Frau den Kochtopf." Was auf den echt nordischen Mann durchaus einwirkt. Denn seine Liebe geht offenbar durch den Magen. Dr. Franz Rath. Zitate aus Darres Büchern:„ Das Bauerntum als Lebensquelle der nordischen Rasse". Seite 430/31, 32, 451, 433, Führerbitte ohne Kommentar Während der Freitagvorstellung der Bayreuther Festspiele, wurden der Hitler beiwohnte man gab„ Parsifal" Karten folgenden Inhalts verteilt: Im Auftrage des Kanzlers: der Führer bittet, am Schluß der Vorstellung von dem Gesang des Deutschland- und Horst- Wessel- Liedes und ähnlichen Kundgebungen absehen zu wollen. Es gibt keine herrlichere Aeußerung des deutschen Geistes, als die unsterblichen Werke des Meisters selbst. Gruppenführer Brückner, Adjutant des Führers." Ohne diese Bitte hätten die braunen Bataillone das heilige Gral gestürmt. 455, 412 und„ Nenadel aus Blut und Boden", Seite 143. Ver- Schwur der Aciec „ Einer solchen Jungfrau traut man die Kraft einer lag Lehmann, München. schlechtmachen, lügen, verleumden und das Erhabenein Frau Meier hat Depressionen en Staub sieben Alle haben sie im Reich doch nicht Sonne im Herzen. Neben dem„ Führer" macht sich im neuen Deutschland Frau Meier breit. Wir lesen darüber im„ Völkischen Beobachter" vom 12. Juli unter der Ueberschrift:„ Denkt Euch, Frau Meier hat gesagt"... folgendes: Wahrscheinlich liegt es an der feuchten Witterung, daß fich die neueste Krankheit, die Tratschepidemie, so rasch ausbreitet. Der sehr leicht übertragbare Miesmacherbazillus findet meist einen guten Nährboden und bildet dann rasch einen ausgedehnten Pessimismusherd, der großes Unheil anrichtet, das sich bei den davon befallenen Patienten in Depressionen, Unluftge= fühlen und Verlust des flaren Sehvermögens äußert.- Um es flipp und klar zu sagen: Mit der Krankheit ist das unverantwortliche Gerüchte machen über das neue Deutschland und seine führenden Persönlichkeiten gemeint. Wenn uns also wieder irgendwo und irgendwann so ein gefährlicher Miesmacher und Märchenerzähler begegnet, dann horchen wir gar nicht lange hin, sondern machen ihn auf das große Unrecht aufmerksam, das er durch sein gedankenloses Gerede an seinen Volksgenossen begeht. Wir brauchen frohe, zukunftssichere, besonnene Menschen. die ausbauen, stüßen, helfen, nicht solche, die wühlen, Nicht hinhorchen, nicht glauben, es ist alles in schönster Ordnung. Man sollte Frau Meier und ihre Tratschgenossinnen zwecks Heilung ihrer Depressionen zum Pg. Weißenberg schicken. So etwas läßt sich durch Weichkäse beilen. Wenn's nicht hilft, dann kommt vielleicht auch eine Kleine Bastonade im nächsten Braunen Haus in Betracht, wobei man im Dritten Reich das„ Erhabene" zu sehen pflegt. Vielleicht lindert es die Depressionen, wenn Frau Meier dieses Rezept, das aus einem nationalsozialistischen Kochbuch stammt, zur Notiz nimmt: 50 Gramm Buchweizen ergeben, als Grüße gekocht, eine ausreichende Mahlzeit. Der Grundstoff der Ernährung für die Mahlzeit kostet dreieinhalb Pfennig. Dazu kommt etwas Fett, etwas Zwiebel. Somit fommt das ganze Mittagessen auf fünf, im höchsten Fall auf zehn Pfennig." NO Kurz, wer noch zehn Pfennig in der Tasche und sein„ Heil Hitler" auf der Zunge hat, braucht keineswegs zu hungern. Man sieht: die Lösung der sozialen Frage macht unter dem Hafenkreuz wachsende Fortschritte " Ich versichere hiermit dienstlich: Mir sind trotz sorgfältiger Prüfung keine Umstände bekannt, die die Annahme rechtfertigen könnten, daß ich nicht arischer Abstammung sei; insbesondere hat keiner meiner Eltern- oder Großelternteile zu irgendeiner Zeit der jüdischen Religion angehört. Ich bin mir bewußt, daß ich mich dienst strafrechtlicher Ver= folgung mit dem Ziele auf Dienstentlassung aussetze, wenn diese Erklärung nicht der Wahrheit entspricht."( JustizMinisterial- Blatt für die preußische Gefeßgebung und Rechtspflege, Nr. 159.) Zwei rücken ab Disziplinloser Schriftstellerverband In einer am Freitag durch die Presse verbreiteten Er klärung des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller war gesagt worden, daß auch Schriftsteller nichtarischer Abstammung die Mitgliedschaft des Verbandes erwerben könnten, und daß der berufsständische Aufbau des deutschen Schrifttums jedem frei schaffenden Künstler, gleich welcher Nationalität, die Möglichkeit geben wollte, Mitglied des Verbandes zu werden. Hierzu teilen die Mitglieder des Präsidiums Göz Otto Stoffregen, und Dr. Heinz Wismann mit, daß sie von dem Inhalt dieser Notiz, die ihnen vor Erscheinen nicht vorgelegen bat, ganz entschie den abrücken.... DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Simon Bolivar Von Horacio Quiroga Zum 150. Geburtstag des Befreiers Südamerikas Kein Mann in ganz Südamerika ist im Laufe der letzten Jahrhunderte derart zum Begriff und zum Symbol geworden, wie der vor nunmehr 150 Jahren geborene General Simon Bolivar, der Sproß einer reichen Kreolenfamilie, der den Nordstaaten Südamerikas zum Befreier von der spanischen Herrschaft geworden ist. Vielleicht kann man ihn im Nordteil des amerikanischen Kontinents höchstens noch mit Georges Washington vergleichen, dessen Name in ähnlicher Form in das Denken und Fühlen der Bürger der Vereinigten Staaten eingehämmert worden ist. So wird die venezolanische Geldmünze nach Simon Bolivar der„ Bolivar" genannt und eine ganze Anzahl südamerikanischer Länder und Provinzen haben ihren Namen von dem Befreier Südamerikas erhalten. Der Name Bolivar Zunächst der Staat Bolivien, genauer:„ Republica Boliviana", der große Freistaat im Herzen Südamerikas, der pietätvoll den Namen seines Befreiers und ersten Staatspräsidenten trägt. Weiter aber führt ein Departement der südamerikanischen Republik Columbien den Namen Bolivar, ein etwa 60 000 Quadratkilometer großes Gebiet um den Rio Sindu, dessen Urwaldbevölkerung sich heute noch aus Mischlingen und Negern zusammensetzt. Weiter führt eine Provinz der südamerikanischen Republik Ecuador, und zwar der Gebirgsteil der Anden den Namen des Befreiers. Die Provinzialhauptstadt von Bolivar heißt Guaranda. Außerdem trägt ein Bundesstaat von VenezolanischGuayana den Namen des Befreiers, ein Teil jenes Hochlands, dessen Hauptstadt ebenfalls den Namen Ciudad Bolivar trägt. Der Staatsmann Simon Bolivar ist am 24. Juli 1788 in Caracas geboren and hat, da er aus einer begüterten kreolischen Familie stammte, in seinen Jugendjahren große Reisen nach Europa und den Vereinigten Staaten angetreten. Bolivar besuchte dort die Universitäten und die Zentren der Wirtschaft und des Geisteslebens. Er nahm dort vor allem die Ideen der französischen und der nordamerikanischen Freiheitsbewegung in sich auf und entschloß sich damals, den politischen und militärischen Kampf gegen den spanischen Bedrücker Südamerikas aufzunehmen. Im Jahre 1810 stellte er sich dem südamerikanischen General Miranda zum Kampf gegen die spanischen Gouverneure seiner Heimat zur Verfügung, bis er schließlich im Jahre 1812 zum militärischen Führer des Kampfes gegen die Spanier im Nordteil Südamerikas aufrückte. Zunächst eroberte Bolivar im Jahre 1813 seine eigene Geburtsstadt Caracas, die ihn als den„ Libertador" feierlich begrüßte. Mit verschiedenem Kriegsglück führte nun Bolivar seinen Kampf gegen Spanien weiter. Im Juni 1814 wurde er bei La Puerta geschlagen und mußte sich nach einem vergeblichen Vorstoß nach Neugranada und Bogota vor den überlegenen Truppen des spanischen Generalgouverneurs Morillo an die Nordküste Südamerikas zurückziehen und mit den letzten seiner Getreuen nach Jamaika flüchten. Ende 1816 stieß Bolivar bereits wieder auf das südamerikanische Festland vor und setzte sich in Venezuela wieder fest. Es gelang ihm, von dem Kongreß der Aufständischen in Angostura zum Präsidenten der südamerikanischen Nordstaaten gewählt zu wer den und die Vollmachten eines militärischen Diktators zu erreichen. Er sammelte an der Westküste Südamerikas ein schlagbereites Heer, befreite Neugranada, Venezuela und Columbien von der spanischen Herrschaft in den Jahren 1819 bis 1821 und warf den spanischen Bedrücker in der Schlacht von Pinchincha im Jahre 1822 aus Ecuador und durch die Schlacht bei Junin endgültig aus Peru heraus. Vom Jahre 1825 ab regterte Simon Bolivar als unumschränkter Diktator über den oberen Teil von Peru, das sich nach ihm Bolivien nannte. Im Jahre 1827 wurde er auch in den übrigen Landesteilen Perus zum Staatspräsidenten gewählt. Auch die columbische Republik schloß sich dem Staatenbund Bolivars an. Die Herrlichkeit dauerte jedoch nicht lange. Bolivar fürchtete ein Weitertreiben der Revolution 2.9 durch allzu große Freiheiten an das Landproletariat der In dianer und der Mischlinge und entwickelte sich zu einem sehr harten und unbeugsamen Herrn über die ihm freiwillig unterstellten Republiken. In wenig Jahren entstand eine scharfe Opposition gegen sein Regime. Der Staatenbund Simon Bolivars zerfiel. Erst wandte sich Peru und dann Venezuela von ihm ab, schließlich auch Columbien und Ecuador. Am 27. April 1830 dankte Bolivar als Staatspräsident freiwillig ab und starb wenige Monate darauf. So schloß dieses tatenreiche Leben mit einer großen Enttäuschung. Der Bonaparte Südamerikas sah seinen Ruhm und seine Popularität über den ganzen Nordteil des südamerikanischen Kontinents hinwegsteigen und glaubte, mit dem Kapital seiner Autorität einen Staatenbund zusammenhalten zu können, den er durch seine militärische Leistung zusammenzubringen, aber nicht durch eine große politische Tat zusammenzuhalten vermochte. Trotz des verbitterten Endes des Befreiers Südamerikas lebt sein Name in Wort und Bild, in Sprache und im Denken des Großteils der südamerikanischen, ehemals spanischen Bevölkerung fort, als eines Mannes, der für die Emanzipation seiner südamerikanischen Mitbürger sein Leben hundertmal in die Schanze schlug. Gesundheitsfördernde Musikinstrumente Der Belgier Renainet will mit einer Statistik, die sich auf die deutschen, französischen, belgischen und englischen Musifer stützt, beweisen, daß es Musikinstrumente gibt, die für den Spieler gesundheitsfördernd sind. Am gesündesten von allen Orchesterinstrumenten sind nach seiner Statistik die Bläser tiefer Instrumente, wie es Posaunen, Tuba, Baßflügelhorn und Bombardon sind. Die meisten Todesfälle zwischen dem fünfzigsten und sechzigsten Lebensjahr finden sich unter den Holzbläsern. Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott sollen ihre Spieler besonders nervös machen. Auch das Spielen der Streichinstrumente. Am häufigsten tritt bei den Blechbläsern Lungenemphysem auf. Namentlich die Trompeter fallen dieser Krankheit zum Opfer. Sie wird als Pensionistenkrankheit bezeichnet, gegen die es angeblich nur ein wirksames Mittel gibt, nämlich bis ans Lebensende weiterzublasen. Champagnerfiöfilen von Dover Wer die Ueberfahrt von Frankreich nach England mitgemacht hat, wird sicherlich niemals den Eindruck vergessen, den er vom Deck aus hat, wenn die weißen Klippen von Dover sich vom Meeresspiegel leuchtend abheben. Jeder Engländer, der sein Heimatland verläßt, nimmt noch wehmütig von dieser mächtigen und schönen Kalksteingruppe Abschied. Wer würde ahnen, daß in dieses Kalksteingebilde einst von französischen Truppen zur Zeit der Napoleon Kriege Höhlen ausgehauen wurden, die dazu dienten, Kriegs geräte unterzubringen. Namentlich in die sogenannten " Shakespeares Cliff" wurden tiefe unterirdische Gänge ge= graben, die dann in friedlicheren Tagen von Bierbrauereien die Höhlen von Dover als Durchzugsstation für benutzt wurden, um Fässer unterzubringen. Nun werden kostbare Weine, vor allem für Champagner, benut. Jeden Abend landet in Dover das„ Champagnerschiff", wie es allgemein genannt wird, und ladet seine kostbare Ware ab. Die Hafenarbeiter befördern den Wein dann in die kühlen, unterirdischen Gänge, während das Schiff wieder die ges wohnte nächtliche Rückreise nach Calais antritt. Der Steuermann als auch der Kapitän treffen den Schiffskurs fast schon im Schlaf, denn einer Fähre gleich pendelt der Dampfer immer den gleichen Weg. Ein einziger Nachtwächter, angetan mit einer wollenen Seemannsweste, und die Schreie der Möwen begleiten das Schiff mit dem kostbaren Wein. Wenn der Champagner dann über Nacht seine fühlende Ruhe ge funden hat, wird er am frühen Morgen von mächtigen Pferdekarren abgeholt, die die Flaschen und Fässer in die größten und vornehmsten Hotels und Restaurants befördern. Es wird allgemein behauptet, daß kein Keller der Welt Champagner so gut fühlt wie die leuchtend weißen Höhlen von Dover, die stufenartig und grandios an der Küste Eng lands liegen. Oft ist in einem dicken Buch eine gepreßte Blüte der gescheiteste Gedanke. Arthur- Heinz Lehmann. Gespräch über 1000 Meilen Von Elisabeth Zernike Johanna erwachte spät. Sie sah, daß der Himmel blau wurde, und die Tautropfen an den Bäumen glänzten. Ihr Geburtstag war heute, fiel ihr sofort ein, und zugleich dachte sie an Peter, ihren fernen Verlobten. Sie fragte sich selbst, ob sie es wohl vollkommen begriffe. Einen Tag vor seiner großen Reise nach Java hatten sie sich verlobt. Die Leute fragten: Warum nicht eher? Und lachten. Es war durchaus nicht zum Lachen es war nicht eher möglich gewesen. Vater und Mutter hatten sie nicht aufge= fordert, mit Peter mitzureisen und ihn an Bord zu bringen. Es wäre eine große Ausgabe gewesen, und außerdem: War er ihr nicht noch immer ein Fremder? Mußten sie nicht erst etwas überwinden lernen: die Scham, die zwischen zwet Menschen steht, wenn sie sich fürs Leben verbinden wollen? Das Gefühl, sich selbst behalten zu wollen, sich nicht ganz geben zu können? Man kannte sich selbst noch nicht gut, und sollte sich einem andern Menschen nähern. Es war, als ob man ein fesselndes Buch weggab, ohne es ausgelesen zu haben. Sie liebte Peter, aber sie wußte nicht immer, was es bedeutete. Sie schrieb ihm Briefe, vorsichtig und überlegt. Manchmal ließ sie sich gehen und dann liefen ein paar eilige Säße mit unter. Sie sah es beim Durchlesen, und ihr Herz klopfte schneller. Aber wenn es zuviel war, eine halbe Seite, dann zerriß sie den Brief, denn sie fühlte das absichtlich Unbeherrschte, und das war ihr zuwider. Die Briefe von Peter waren anders. Lang und gleichmäßig, als ob er immerfort in der gleichen Spannung lebte. Dennoch dachte sie öfter nach dem Lesen: Er ist unruhig, und die Frage erhob sich in ihr: Wie wird das enden? Es klopfte an ihre Tür. " Ja!" rief sie. Ihr Vater trat ein. „ Du liegst noch im Bett?" sagte er lächelnd und füßte seine Tochter. Ich gratuliere dir herzlich. Und nun steh' nur schnell auf. Du sollst um elf Uhr auf dem Postamt sein." " Warum denn?" " Du fannst mit Peter sprechen, zwei Minuten. Es ist jetzt neun Uhr durch. Du kannst zu Fuß gehen und dir überlegen, was du sagen willst. Das ist mein Geburtstagsgeschenk." ,, Aber Vater!" Er stand schon lächelnd an der Tür. „ Es ist nicht ganz leicht, verlobt zu sein, nicht wahr? Aber Peter wird dir schon helfen." Sie hörte, wie sich seine Schritte auf dem Flur schnell entfernten. Warum hatte er das getan, er, der nicht gewollt hatte, daß sie mit Peter nach Genua reiste? Und was sollte sie sagen? Sie sah sich schon am Telefon stehen, verlegen und mit klopfendem Herzen. Geht es dir gut? Das ist schon. Ja, mir auch. Samstag habe ich meinen letzten Brief abgeschickt. Verstehst du mich nicht? Ich sagte nein, so etwas war doch zu einfältig. Wie lange dauerten zwei Minuten. Sie sprang aus dem Bett. Im Spiegel nickte sie ihrem Gesicht zu. Guten Tag, das bist du, und wenn dich Peter heftig gefüßt hätte, dann würde man es dir jest nicht mehr ansehen. Aber er hat dir nur zum Abschied einen Kuß gegeben. In den Romanen liest man es anders. Sie fühlte, daß ihr Herz unregelmäßig schlug. Was sollte sie sagen? Johanna ging langsam nach Hause. Die Sonne stand am blauen Winterhimmel und aller Morgentau war verdampft. Klar schimmerte das Wasser zwischen den starren Steinufern. Auf den Plätzen wurden Blumen verkauft, weiße Chrysanthemen und Mimosen, die aus dem Süden kamen. Sie sah alles und lächelte. Ich habe Peter gesehen, dachte sie. Wenn man so deutlich jemandes Stimme hört, steht man so lieb ist, dann kennt man ihn ganz. auch sein sprechendes Gesicht. Und wenn seine Stimme einem freue mich immer so sehr über deine Briefe, schreib mir nur ,, Guten Tag, Jo," hatte er gesagt, guten Tag, Kind, ich weiter so vorsichtige Briefe, dann ist es, als ob du bei mir bist und ich dir zuhöre." Wie deutlich deine Stimme ist, Peter," hatte sie geantwortet, und ich wußte nicht einmal, daß ich sie so gut kannte. Wann soll ich zu dir kommen?" W " Ich spare schon lange für deine Reise," erwiderte er „ vielleicht im Sommer! Wenn du so schnell kannst.. „ Ja, ich denke wohl, daß ich kann deinen Briefen." -, aber dränge nicht in ,, Nein, du bist frei, aber wir fommen einander doch näher, findest du nicht?" " Ja, ich glaube wohl. Fühlst du dich draußen nicht allzu einsam?" „ Einsam? Ein kleines bißchen, aber das ist vielleicht gut." Eine fremde Stimme sagte:„ Noch zwanzig Sekunden!" Da begannen sie beide zu lachen und zu rufen: „ Guten Tag, Jo, guten Tag, Peter! Grüß' zu Haus, ja, alles Gute!" Und es war vorbei... Sie hätte stundenlang so weiter durch die Straßen laufen und allen Menschen ihr Gespräch erzählen können, immer wieder von neuem. Manchmal warf sie es durcheinander, und dann mußte sie die richtige Reihenfolge wiederherstellen. Wußtest du, daß ich anrufen würde?"„ Nein, aber ich habe mich doch vorbereitet." Damit fing es an, und da war es sofort, als ob Peter ihr die Hand auf die Schulter gelegt hätte. Sie fam nach Haus. Ihr Vater stand am Fenster und drehte sich langsam um. Sie schlang die Arme um seinen Hals. „ Es war wunderbar. Ich denke, daß ich ihm bald nachreise, im Sommer vielleicht. So? Das ist schön." Plötzlich fiel ihr etwas ein. „ Hör' mal, Vater, war es deine Absicht, daß ich- Gewiß heit haben sollte?" Sie sah ihn ernst an. Er nickte. Seine Augen glänzten. Ja, mein Kind." " Vater," sagte sie und drückte ihre Lippen auf seine Wange. ( Autorisierte Uebersetzung aus dem Holländischen.) Lachen nicht verfernen „ Entschuldigen Sie," sagte der Schneider, aber hier diese fleine Rechnung ist schon lange fällig..." Wie hoch ist sie?" fragte Johannsen. " Sechs fünfundsiebzig," zitterte der Schneider. Für Entflecken und Bügeln Ihres grauen Som..." Weiter kam er nicht.„ Sechs fünfundsiebzig?" brüllte Johannsen. Ja, sagen Sie mal, was denken Sie sich denn eigentlich? Ich bin Freunden und Feinden Geld schuldig, nicht nur hier, sondern auch in Stockholm, München, Paris, London, Dresden, Kapstadt, Tokio- Tausende von Mark, Tausende, versichere ich Ihnen! Und da wagen Sie es, mich wegen sechs fünfundsiebzig zu behelligen?"(„ Strig") Aus der Hamburger Illustrierten": Müller kommt abends spät nach Hause. „ Bis jetzt bin ich in meinem Büro gesessen, ich hatte zuviel zu tun!" ,, Dann mußt du aus Asbest sein", sagte die Frau. „ Wieso?" Weil die Polizei schon vor drei Stunden Bescheid gesagt hat, daß dein Kontorgebäude in Flammen steht!" Wir trotzen dem Schafott! 3: „ Die Mordgesetze schüchtern uns nicht ein" 18 119 Aus Deutschland wird uns geschrieben: Die große Lähmung, die die deutsche Arbeiterschaft nach dem Siege des Faschismus befallen hatte, beginnt allmählich zu weichen. In den Betrieben fangen die Menschen wieder zu sprechen an, verstohlen, in Gesprächen höchstens zu dritt, ge= wiß, aber es ist doch anders als noch vor sechs Wochen. Auf den Wochenmärkten schütteln die Frauen nicht mehr stumm den Kopf, wenn die Preise steigen und vom März bis Juli nd sie für die wichtigsten Lebensmittel um acht Prozent gefttegen sie tuscheln untereinander, die eine oder andere wagt schon wieder ein Wort des Unmuts und findet Zustimmung. Vor den Stempelstellen fragt einer den anderen, ob er schon etwas von der Belebung der Wirtschaft bemerkt, und dann lachen alle. Es ist ein böses Lachen, nicht laut, aber die Herren im Propagandaministerium hören es ganz genau. Noch vor sechs Wochen konnte von einer illegalen Literatur laum die Rede sein. Heute vertreiben die Kommunisten ihre Rote Fahne" bloß in Berlin wöchentlich in einigen zehntausend Stück, gehen Duhende von antifaschistischen Zeitungen in einigen tausend Exemplaren von Hand zu Hand. Das alles ist nicht allzuviel und man soll es nicht überschätzen. Gegenüber der niederdrückenden Lähmung vom März, April und Mai ist dennoch der Fortschritt gewaltig. Die Arbeiter recken langsam, sehr langsam, den Kopf wieder hoch. Der furchtbare Bann beginnt zu weichen. Es aibt neue Hoffnung, Die Faschisten werden nervös. Wie sehr, zeigen die Sonntag veröffentlichten Mordgeseze. Doch Geseze ist nicht das rechte Wort. Es sind Anweisungen, jeden aktiven Antifaschisten, der in die Hände der Mörder fällt, umzubringen. ,, Wer sich in Zukunft an den Trägern der nationalsozialistischen Bewegung vergreift, muß wissen, daß er binnen fürzester Frist sein Leben verliert. Dabei genügt es vollkommen, wenn er überführt wird, daß er die Tat beabsichtigt hat," er= klärt Göring. Hebt einer die Hand zur Abwehr eines Hiebes mit der Stahlrute, dann wollte er sich offenbar an einem Träger der nationalsozialistischen Bewegung vergreifen, also ist er hinzurichten. Die Todesstrafe wird durch Sondergerichte verhängt, auch schon, wenn in Zukunft das Ansehen und der Bestand des Staates angetastet wird durch Verbreitung der sogenannten Greuelpropaganda". Damit droht jedem, der ein Flugblatt weitergibt, der Galgen! Hinter jedem, der die Wahrheit verbreitet, steht der Henker! Mag jetzt dieser oder jener schwach werden es wird ihnen nicht gelingen! Sonntag beschloß eine Reihe illegaler Arbeitergruppen, den Morderlaß Görings zu beantworten: In der nächsten Woche muß die Zahl der vertrie benen Zeitungen verdoppelt werden. Ste beugen uns nicht! Heer und Hakenkreuz Wehrpolitische Gedanken Vorbemerkung der Redaktion: Wir geben diese Zufchrift wieder, ohne uns mit ihr in allen Einzelheiten zu identifizieren. Die Abrüstungskonferenz ist also bis zum Oktober vertagt worden, nachdem der Gesandte Hitlers, Herr Na dolny, mit seinem Vorschlag, weiterzutagen, auf weiter Flur allein geblieben ist. Wer da glaubt, die Konferenz werde sich im Oktober wieder friedlich zusammenfinden und etwas wie eine Abrüstung beschließen, zahlt einen Taler. Herr Nadolny hat in Genf nichts anderes gesagt, als was er und alle seine Vorgänger auf diesem Gebiet schon früher unter anderen Bedingungen auch gesagt haben. Der Unterschied ist nur, daß man früher immerhin etwas davon geglaubt hat und daß man jetzt gar nichts mehr glaubt. Auch Hitler hat nichts anderes gesagt als was Hermann Müller und Stresemann auch schon gesagt haben:„ Deutschland braucht Frieden". Leider fügte er hinzu:„ No ch zehn Jahre". Das wird nun von der ganzen Welt sv aufgefaßt, daß Hitler, nur noch zehn Jahre Frieden will und daß er diese Zeit benüßen will, um den neuen Krieg vorzubereiten. is a side spreads Ein Müller- Stresemann- Ausspruch ohne Hitler- Zusatz wäre der deutschen Sache nützlicher gewesen. Vielleicht hat es Hitler gar nicht so gemeint. Aber ein Staatsmann muß die Wirkung seiner Worte berechnen können. Das Friedensbetenntnis ist für jede deutsche Regierung eine Selbstverständlichkeit. Seine Begrenzung auf zehn Jahre war eine Dummheit. Leider ist diese Dummheit nur eine von vielen, die auf dem Gebiete der Außenpolitik gemacht werden. Es hieße, die führenden Männer der Reichswehr unterich äßen, wollte man annehmen, sie wären blind für die Gefahren, die dadurch gerade für die Wehrmacht heraufbeschworen werden. Daß das österreichische Bundesheer in diesen Tagen seine reichswehrähnliche Uniform ablegt und zu altösterreichischen Modellen zurückkehrt, ist für die deutsche Wehrmacht gerade fein Rompliment. Es ist aber auch leider das Symptom eines allgemeinen Zustandes der Abneigung und des Mih trauens Deutschland gegenüber, das Symptom einer solierung, wie sie selbst während des Weltkrieges nicht bestanden hat. Im Weltkrieg stellte die deutsche Außenpolitik die deutsche Wehrmacht damals die stärkste der Welt- vor ein Pro= blem, das nicht zu lösen war. Das war, militärpolitisch betrachtet, der tiefste Sinn und der tiefste Grund der deut schen Niederlage. Eine Wiederholung des Hineinschlitterns" in einen Krieg aller gegen Einen hieße die deutsche Wehrmacht in einem sinnlosen Abenteuer aufreiben. Ganz abgesehen davon, was dieses Abenteuer für das deutsche Volk bedeuten würde, glauben wir nicht, daß die Führer der Reichswehr geneigt sind, jede Tölpelhaftigkeit der Außenpolitik mitzumachen, um dann für den Rest thres Lebens als geschlagene Generäle herumzulaufen. Itegt um 25 v. H. über dem saisonmäßigen Tiefpunkt im Januar 1938. Gegenüber dem Vormonat hat sie sich mit 41,6 v. 6. I Arbeiterstundenkapazität( b. i. die Zahl der Standen, die bei voller Besetzung aller Betriebseinrichtungen in der tariflichen Arbeitszeit geleistet werden kann) kaum vers ändert. Das ist zunächst daraus zu erklären, daß Arbeitsstunden' n folge tarifmäßiger Betriebsferien ausgefallen sind. Hinzu tommt, daß zahlreiche Firmen wieder in verstärktem Maße zur Arbeitsstreckung übergegangen sind. Damit ist die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit, die im Mai info'ge segr furgfristiger Aufträge auf 7,4 Stunden gestiegen wer, auf 72 Stunden zurückgegangen. Die Industrie ist also bestrebt, bei dem immer noch geringen Produktionsvolumen möglichst viel Arbeiter zu beschäftigen. Schwabenstreiche Aus Württemberg wird der Deutschen Freiheit" gt schrieben: Unter der höhnischen Ueberschrift Abfahrt Richtung Heuberg!" glossierte das Stuttgarter Naziblatt einen Vorgang der letzten Tage, der den Zustand der völligen Rechtlosigkeit der Arbeiterschaft und ihre Bespizelung durch Denunzianten, die sich in thre Reihen einschleichen, besonders kennzeichnet. In dem Stuttgarter Arbeitervorort Botnang bestand vor der " Gleichschaltung" ein Arbeitergesangverein Freiheit", der natürlich der Auflösung anheimgefallen ist. Wenn aber die Teilnehmer an einer solchen Gemeinschaft, wie es dieser Vera ein war, jahre- oder gar jahrzehntelang kameradschaftlich miteinander gewirkt haben, so kann man nicht erwarten, daß sie sich von heute auf morgen nicht mehr fennen oder kein persönliches Interesse mehr aneinander nehmen. Das zeigte sich auch in diesem Fall und so fanden sich die Mitglieder des früheren Vereins des öfteren mit ihren Familien zu rein geselligen Veranstaltungen zwanglos zusammen. Kürzlich wollten sie an einem Sonntag in mehreren Autobussen einen Familienausflug machen. Die Wagen standen zur vereinbarten Reit bereit, in der Nähe aber war auch- die Von Symmachos Nazipolizei, die, als alles Platz genommen hatte, die Wagen in die Kaserne der grünen Polizei dirigierte. Dort ließ man die Omnibusse warten, suchte sich 43 sogenannte " Rädelsführer" heraus und beförderte fie in den von ihnen selbst für den Familienausflug gemieteten und bezahlten Wagen in das Konzentrationslager auf den Heuberg! Man kann sich die Gefühle der Frauen und Kinder der Männer vorstellen, die aus solchem Anlaß um Freiheit und Brot gebracht und den Brutalitäten der Gefangenenwärter im Ronzentrationslager ausgeliefert wurden. Dafür, daß irgend ein Schuft sie denunziert und staatsfeindlicher Umtriebe verdächtigt hat, mußten sie sich von den Rohlingen in der Schreibstube des„ NS.- Kurier" auch noch verhöhnen lassen! Kann es einen schlüssigeren Beweis dafür geben, daß Deutschland das Gegenteil dessen ist, was man einen„ Rechtsstaat" nennt, als diesen Vorgang? Ist also der deutsche Faschismus mit seiner Ungeschicklichfeit nach außen für die Wehrmacht eine Gefahr, so ist er es mit seiner Brutalität nach innen nicht minder. Ein System, das darauf beruht, daß die Wiehrheit des Volkes von einer Minderheit tyrannisiert wird, the völlig ungeeignet, für eine moderne Wehrmacht die Grundlage zu bilden. Unvergessen bleibt die große Lehre des Weltkrieges, wie die absolutistisch regierten Staaten- das zarische Rußland zuersteiner nach dem anderen zusammenbrachen, während die Demokratien mit ihren inneren Schwierigkeiten fertig wurden und schließlich auch militärisch siegten. Gilt diese Lehre nur für die Vergangenheit? Im Gegenteil, sie wird mit jedem Tage richtiger! Man braucht nur die italienische und die französische Wehrmacht untereinander zu vergleichen, um zu diesem Schluß zu ge= langen. Kein Fachmann zweifelt an der ungeheueren Ueberlegenheit Frankreichs, feiner zweifelt daran, daß im Falle eines Zusammenstoßes der Niederbruch Italiens in türzester Frist eine Selbstverständlichkeit wäre. Warum? Weil die Despotte den Verteidigungswillen des Vol= tes lähmt! Der Faschismus nennt sich zwar national, in seiner Wirfung ist er aber antinational. Und die Dienste, die er mit übertriebener Beslissenheit der Wehrmacht anbietet, sind in Wirklichkeit Bärendienste. Seine Behauptung, er habe das deutsche Volk zusammengeschweißt, ist doch nur Selbstbetrug: das deutsche Volk ist heute zerrissener denn ie. Der vergewaltigte Teil hat nicht dadurch zu existieren aufgehört, daß man ihn zum Schweigen zwingt, er besteht als gärende Masse weiter und verzehrt sich in Rachegedanken. Ein Volk, das sich in einem solchen Zustand befindet, ist außenpolitisch und militärisch nicht start, sondern schwach. Als Volk in Waffen" würde es die Waffen nur benützen, um einer über den anderen herzufallen. Auf keinen Fall fann der Fanatismus einer Parteigruppe den Wehrwillen einer ganzen Nation ersetzen, der nur in Freiheit gedeihen kann. Deutschland ist jetzt nach außen schwach, schwächer als vor dem 30. Januar 1933, und wird es bleiben, bis das grauenhafte Unrecht, das an dem deutschen Arbeiter begangen wurde, wieder gutgemacht worden ist. Nur der Sturz der Despotie, die Deutschland hente gefangen hält, kann die Vorbedingungen für den Bestand einer ihrem Zweck genügenden Wehrmacht herstellen. Treiben die Dinge weiter wie bisher, dann stürzt über kurz oder lang Deutschland kopfüber in den Abgrund- die Reichswehr voran! Keine echte Wirtschaftsbelebung Immer noch geringes Produktionsvolumen zunahme- Schwankende Beschäftigung Wie unsicher die Lage der deutschen Industrie ist und wie wenig der nach den tagesüblichen Berichten vorge täuschte Optimismus berechtigt ist, geht aus den sicher nicht pessimistisch gefärbten amtlichen Zahlen hervor: Die Neueinstellung von Arbeitern in der Industrie hat sich nach der Industrieberichterstattung des Statistischen Reichss amts im Juni fortgesetzt. Die Zahl der Beschäftigten ist von 45,5 v. H. auf 46,4 v. H. der Arbeiterplaykapazität( d. i. die Höchstzahl der Arbeiter, die bei voller Besetzung aller Betriebseinrichtungen beschäftigt werden können) gestiegen und hat damit den saisonmäßigen Tiefpunkt von Januar 1933 um 15 v. H. überschritten. Die Zunahme der Beschäftigten ist in den Produktionsgüterindustrien wie in den Verbrauchsgüterindustrien etwas geringer als im Vormonat. Innerhalb der Produktionsgüterindustrien gilt dies vor allem für die Bauwirtschaft. Im Fahrzeug bau, vor allem in der Kraftfahrzeugindustrie, hat die Beschäftigung weiter zugenommen. Dies ist um so bemerkens werter, als in den letzten Jahren der saisonmäßige Höhe Stocken der Arbeitspunkt bereits im Mai erreicht war. Die Investitionsgüterindustrien, die keine ausgeprägte Saisonbewegung aufweisen, aus deren Bewegung sich also die Konjunkturentwicklung besonders deutlich ablesen läßt, haben in gleichem Maße wie im Vormonat Arbeiter aufgenommen. Bei den Verbrauchsgüterindustrien ist die Zunahme der Beschäftigten ebenfalls etwas geringer als im Vormonat. * Angesichts solcher Vorgänge muß der Inhalt des Aufrufs, den die württembergische Regierung zu dem in dieser Woche in Stuttgart unter einem unerhörten reklamehaften Tamtam stattfindenden Deutschen Turnfest an die Bevölkerung gerichtet hat, als widerwärtige Heuchelei bezeichnet werden. Darin heißt es nach einer sachlich völlig unbegründeten Anknüpfung an die einst von dem Turnvater Jahn verfolgten politischen Ziele: „ Ein deutscher Frühling ist mit diesem Jahr 1983 angebrochen, der Jahrhunderte altem Sehnen der besten Männer Erfüllung bringen soll. Ein Führer ist dem deutschen Volfe erstanden, der es groß und start, einig und frei(!) machen will.... Jezt erst ist die Bahn frei zur vollen Verwirklichung der Ideale, die auch der große Schöpfer der Turnerei vorgezeichnet hat. Guer Bekenntnis zur nationalen Erhebung, zur deutschen Einigkeit, zu deutschem Lebens- und Freiheitswillen wird das Deutsche Turnfest 1933 zu einem Fest aller Deutschen machen." Es braucht nicht erst bewiesen zu werden, daß in dieser wie in zahlreichen anderen Kundgebungen mit dem Begriff Freiheit" der schnödeste Mißbrauch getrieben wird. Eine Regierung, die Zehntausende von Menschen nur um ihrer Gesinnung halber in Konzentrationslager steckt, die ehrliche beiter, Angestellte und Beamte, nur weil sie Marristen" und daher angeblich„ staatsfeindlich" eingestellt sind, aus Brot und Stellung hinauswirft und aller in Jahrzehnten erworbenen Rechtsansprüche beraubt, hat das Recht verwirkt, das Wort Freiheit überhaupt zu gebrauchen. Nichts wäre erwünschter, als daß es möglich gemacht werden könnte, den 300 000 Turnern, die in diesen Tagen aus allen deutschen Gauen in Stuttgart zusammenströmen, eine dokumentarische Darstellung zugänglich zu machen, aus der sie ersehen fönnten, wie es zur Zeit im Schwabenlande um den Freiheitsbegriff bestellt ist. Der in diesem Aufruf bekundeten Unaufrichtigkeit stellt fich würdig das Verhalten des württembergischen Unternehmertums zur Seite. Da fand eine Siguna der Handwerkskammer Stuttgart statt, die sich mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschaffung auf privatem Wege befaßte. Man nahm eine lange Entschließung an, deren letzter Absatz folgenden Wortlaut hat: Die Handelskammer Stuttgart richtet an alle Arbeitgeber das dringende Ersuchen, bei Neubesetzung von Arbeitsposten in erster Linie arbeitslose Kräfte aus den Vers bänden der SA., SS. und des Stahlhelms zu berücksichtigen, die in jahrelangem, opfervollem Kampfe die Vorausseßungen für die Aufrichtung des neuen Deutschen Reiches geschaffen haben." Damit ist selbst für die rein private Arbeitsbeschaffung ein Gesinnungsmonopol aufgerichtet worden, das nicht nur alle Angehörigen der vormals freien, sondern auch der christlichen und Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften brutal diffamiert und samt ihren Familienangehörigen, angesichts der herrschenden Wirtschaftslage, auf unabsehbare Zeit hinaus weiterhin zum Tragen des Kreuzes der Arbeitslosigkeit und des Elends verurteilt. Die mit solchen Anordnungen ausgestreute Saat wird eines Tages Früchte tragen, die den heutigen Machthabern kaum erwünscht sein werden. Suevius Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, daß in einer Reibe Deutsche Zollbeamte sonorren von Verbrauchsgüterindustrien die Frühjahrsbelebung im Mai ihren Höhepunkt erreicht hat. So ist die Beschäftigung in den wichtigsten Zweigen der Bekleidungsindustrie zurück gegangen. In der Textilindustrie dagegen ist die Neueinstellung von Arbeitern größer als im Vormonat. Innerhalb der Nahrungs- und Genuß mittelindustrien hat die Beschäftigung besonders bei den Mühlen, in der Obst- und Gemüsekonservenindustrie sowie in der Zigarrenindustrie zugenommen. Die Gesamtzahl der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden Von dänischen Reisenden, die nach Deutschland fuhren, wird uns folgender Vorfall berichtet: An der deutschdänischen Grenzstation Kupfermühle bei Flensburg werden deutsche Zollbeamten als schnorrende Wegelagerer für die nationale Revolution losgelassen. In aufdringlichster Weise fordern sie die Ausländer auf, Spenden für die nationale Arbeit zu geben. Der Zollbeamte Kröger aus Kupfermühle motivierte die Schnorrei damit, daß die Dänen ja die deutschen Chausseen mit befahren würden und darum auch etwas für das nationale Deutschland zu geben hätten, Führerdiktaturburghausen und Rassenwahn Die Stimme eines deutschen Arbeiters Ein Arbeiter schreibt uns vom Rhein: Adolf Hitler sprach fürzlich davon, daß die nationalfozialistische Epoche drei- bis vier Jahrhunderte andauern könne. Röhm gab sich damit nicht zufrieden und wahrsagte einige Jahrtausende. Der Reichsführer der SS. Himmler aber schoß den Vogel ab. Auf der Eröffnung der Reichsschule der SS. schätzte er laut Frankfurter Zeitung" die Dauer der nationalsozialistischen Kulturepoche, wie lächerlich das auch klingen möge(!), auf zwanzig- bis dreißigtausend Jahre. In diesen Phantasien offenbart sich der Geist, der die nationalsozialistischen Führer beseelt. Es sind von der Fülle der Macht geblendete Leute, die jeden kritischen Maßstab für ihr eigenes Wirken verloren haben. Es beginnt sich bei ihnen der typische Cäsarenwahn zu entwickeln. Sie kommen sich schon allmächtig vor. Ihnen scheint fast nichts unmöglich zu vollbringen. Sie haben sich mit Schmeichlern und Heuchlern umgeben, von denen sie noch in ihrem Wahn bestärkt werden. Und ihr System ist ganz dazu angetan, jede gesunde Kritik zu unterdrücken. Dr. Ley veröffentlichte vor einiger Zeit als Leiter der deutschen Arbeitsfront eine Verfügung, wonach die Selbstverwaltung in den bisherigen Gewerkschaften zwar erhal= ten bleiben soll, aber die Funktionäre unter dem Gesichtspunkt der Führerauslese vom Führer ernannt werden sollen. In der nationalsozialistischen Bewegung war dies schon immer die Praxis. Der oberste Führer ernennt seine Mitarbeiter und entläßt sie nach seinem Gutdünken, diese wiederum ernennen und entlassen ihre Mitarbeiter. So geht es herun= ter bis zum kleinsten Funktionär. Jeder ist gezwungen nach oben zu fazzbuckeln und nach unten zu treten. Die Masse der Mitglieder hat nur zu gehorchen. Ihr trägt man nicht mehr Rechnung, als dies im Interesse der Führerclique dringend geboten erscheint. Da ist es nicht weiter verwunderlich, daß die Führung von einem Machtrausch ergriffen wird und bald nicht mehr unterscheiden kann, ob ihre Maßnahmen von Erfolg oder Mißerfolg begleitet sind, und was zu tun menschenmöglich ist. Gewiß offenbaren die phantastischen Träumereien der nationalsozialistischen Führung viel Dummheit und Borniertheit, aber daß sie ernst genommen, zumindest stillschweigend geduldet werden, ist nur durch das der faschistischen Diktatur eigene System der Führerauslese zu verstehen. Worauf gründet sich nun diese nationalsozialistische Kul: turepoche, die bis in unabsehbare Zeiten die Welt regieren foll? Nach einer Berlautbarung des nationalsozialistischen Raffeamtes baut sie sich auf die Rassenkunde auf. Deshalb wird in den Schulen die Rassenkunde als ordentliches Lehrfach aufgenommen. An den Universitäten werden Lehrstühle für Rassenforschung errichtet, soweit sie nicht schon bestanden. Obwohl die Raffenforschung noch lange nicht zu klaren und eindeutigen Ergebnissen gekommen ist, wird in der Praxis so verfahren, als wären alle Probleme geklärt. Das muß dem primitivsten Menschen zu denken geben. Dieser Widerspruch zwischen Theorie und Praris wird dadurch überwunden, daß man in die Mystik flüchtet. Das ist die einzige Möglichkeit, sich an einem Beweis für die Richtigkeit der Behauptung vorbeizudrücken. Doch die derzeitigen Herren Deutschlands wissen sehr genau, daß ihnen mystische Schwärmer sehr gefährlich werden können. Menschen, die sich nicht an den Tatsachen orientieren, schreien heute„ Ho= stanna" und morgen Kreuziget ihn". Deshalb ist auch die Mystik gleichgeschaltet. Alles, was der Führung nicht in den Kram paßt, wird einfach als art- und blutfremd proflamiert. Mannestreue und das oben geschilderte System Der Schädel des Sultans Mkwawa Der seltsame Artikel des Vertrages von Versailles Von William J. Makin Ich war mit dem Flugzeug in der Nähe der Eingebornen stadt Mbeya in Tanganjika gelandet. Eine Gruppe braunhäutiger Afrikaner beobachtete uns scharf, während wir ntedergingen. Sie schienen sich besonders für unser Gepäck zu interessieren, das Flugzeug flößte ihnen keine besondere Ehrfurcht ein Eine Stunde später saß ich im Kral eines frausköpfigen Häuptlings und wir unterhielten uns im üblichen afrikanischen Gespräch, nämlich über Ernte, Regen und Tabak. Und der Aeroplan", wagte ich zu bemerken, der hat euch gar nicht in Erstaunen versezt?" ,, Er ist ein neuer Beweis von der Verrücktheit der Weißen", erwiderte er, aber er würde mich interessieren, wenn ihr uns den Schädel des Sultans zurückgebracht hättet." „ Den Schädel des Sultans?" Er nickte und rauchte mit Genuß seine Kürbispfeife.„ Den Schädel des Sultans Mkwawa," fuhr er fort.„ Es wird in Afrika nicht eher Frieden sein, bis dieser Schädel wieder hergeschafft ist, wie es uns die Weißen in dem Papier, das fie Versailler Vertrag nennen, versprochen haben." Mr. Baldwin und der Negerkopf Ich gestehe, daß ich bis zu jenem Augenblick nie etwas vom Schädel des Sultans gehört hatte. Aber als ich den Häuptling verließ, begann ich meine Nachforschungen an= zustellen. Ich erfuhr ziemlich viel. Denn es gab, wie ich hörte, auch sonst noch Leute, die nach dem Schädel des Sultans fragten. So zum Beispiel, den Major Mildner, den sozialistischen Abgeordneten von Leeds, der letzthin im Unterhaus versuchte, von Mr. Stanley Baldwin etwas zu erfahren. Er wollte erfahren, ob der Schädel des Sultans. gemäß dem Versailler Vertrag, von Deutschland bereits ausgefolgt worden sei.„ Nein", hatte ihm Mr. Baldwin geantwortet, trop wiederholter Nachforschungen der deutschen Regierung ist der gegenwärtige Aufenthalt dieser Reliquie nicht ausfindig zu machen!" Wie Mkwawa den Kopf verlor Dieser Schädel hat den Diplomaten einige Jahre lang Aufregungen verursacht. Der Sultan Mkwawa war einer Dort gibt es unter anderem eine Irrenanstalt Die Vossische Zeitung" meldet: Im Stadtrat der südthüringischen Stadt Hildburg hausen hat der thüringische Landtagspräsident und Studienrat Hille, der auch die dortige nationalsozialistische Stadtratsfraktion führt, eine Erklärung abgegeben, wonach der Hildburghäuser Stadtrat den Parlaments. charakter aufgibt. Es soll fünftig nicht mehr debat der Führerauslese werden als die der germanischen Rasse tiert, gewählt und abgestimmt werden. Die Anträge sollen eigentümlichen Tugenden hingestellt. Die freie Forschung und die Kritik an der bestehenden Ordnung werden dagegen als jüdisch, fremdstämmig, die germanische Raffe moralisch und physisch degradierend hingestellt. Dies hat in seiner Kölner Rede auf dem dortigen NSBO.Treffen Dr. Ley deutlich zum Ausdruck gebracht:„ Den alten liberalen Gedanken von den Menschenrechten haben wir be graben. Die jüdische, Volk und Art zersetzende Kritik, die sich unter dem Deckmantel der Freiheit, der Forschung und der gesellschaftlichen Betätigung breit machte, hat im nationalsozialistischen Staat kein Daseinsrecht. Der Nationalsozialist gehorcht. Und wer diese oberste Tugend noch nicht kennt, der wird sie lernen müssen!" Wie sieht nun die Nassenfrage in der Praxis aus? 25 Die nationalsozialistische deutsche Arbeitsfront, die den Arierparagraphen eingeführt hat, begnügt sich damit, von ihren Mitgliedern eine eidesstattliche Versicherung zu verlangen, daß Eltern und Großeltern arischer Abstammung seien. Dies sei insbesondere dann zu bezweifeln, wenn ein Eltern- oder Großelternteil der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört habe. Andere Gesichtspunkte werden nicht angeführt. Die Religionszugehörigkeit besagt praktisch aber noch nichts über die Rassenzugehörigkeit. Alle, deren Eltern oder Großeltern vorgetragen werden, dann soll der Fraktionsvorsitzende der NSDAP. oder der Stadtratsvorsitzende darüber endgültig entscheiden." Vermutlich dürften selbst die Hildburghäuser Irren auf begehren, wenn man ihnen zumutete, was hier den Herren Stadträten zugemutet wird. Ein Optimist Professor Lenz: Sechs Millionen Minderwertige Die im Verlag der deutschen Aerzteschaft vom Aufflärungsamt für Bevölkerungspolitik herausgegebene Korrespondenz veröffentlicht in ihrer letzten Nummer eine von Professor Lenz stammende Schäßung, wonach gegen wärtig in Deutschland zirka sechs Millionen geistig Minderwertige, 250 000 Geistes. franke und 75.000 dioten leben. Die Korrespon denz schreibt, nach diesen Zahlen müsse die Forderung be stehen bleiben, schon heute gegen die bisher völlig unge Hemmte Fortpflanzung des großen Heeres der Erblich belasteten und schwer Minderwertigen geeignete Maßnahmen zu treffen. der jüdischen Religionsgemeinschaft nicht angehörten, wer- Ludendorff den also als Arier angesehen, was aber noch lange nicht der Fall zu sein braucht. Andere Merkmale können aber schwerlich aufgestellt werden, weil dann die meisten nationalsozialistischen Führer als verseucht ausscheiden müßten. Außerdem ist es bisher noch niemand gelungen, scharfumrissene typische Merkmale aufzustellen. Die Rassenkunde. wie sie die Nationalsozialisten pflegen, ist also eine Fiktion. An diesen fundamentalen Schwierigkeiten würde die Praxis zerschellen, wenn sich die Führung ernstlich an ihrer Theorie orientieren wollte. Es ist also verständlich, daß die augenblicklichen Herren Deutschlands die freie Forschung und ihre Volkstümlichkeit fürchten, denn sie zerstört das Hirngespenst des Rassenwahns. Die Diktatur würde für jedermann sichtbar ganz nackt und brutal dastehen. Sie könnte sich nicht mehr mit dem billigen Mäntelchen einer auf der Rassenfunde fußenden Moral verhängen. Im Grunde ist der Nationalsozialismus eben nur die brutale Gewaltherrschaft des Großkapitals. Er entbehrt 199 Er gründet einen Verband der Nichtchristen W München, 23. Juli.( Inpreß.). Ludendorff kündigt die Gründung eines Verbandes zur Verteidigung der Rechte der Nichtchristen an. Die Verfassung garantiert die Freiheit der religiösen Ueberzeugungen, also müßten beispielsweise die Kinder vor dem Gift der Beeinflussung durch die christlichen Kirchen behütet werden, wenn die Eltern es wollen, und wenn sie nicht wünschen, daß ihre Kinder durch die Internationale der Juden und Freimaurer, der nach Ludendorff alle christlichen Kirchen angehören, beeinflußt werden. Ludendorff selbst ist schon im Jahre 1928 aus der evange lischen Kirche ausgetreten, hauptsächlich unter dem Einfluß seiner zweiten Frau, die er wiederholt als das größte philosophische Genie seit Kant und Schopenhauer ange priesen hat. für das Proletariat jeder einwandfreien theoretischen Recht Gegen deutsches Spielzeug! fertigung. Die offizielle Theorie ist lediglich dazu da, den Armen im Geiste diese Tatsache zu vernebeln. Achtung! Billige Radioapparate Die Kieler Nazizeitung schreibt: Hier wurden bei ehemaligen Marristen eine Reihe von Haussuchungen durchgeführt, in deren Verlauf die Hilfspolizei eine Anzahl Radioapparate beschlagnahmte. Es handelt sich bei den beschlagnahmten Apparaten um Vierröhrenempfänger, die zum Empfang ausländischer Stationen benutzt wurden. Eine Reihe von Besizern solcher Apparate wurden in Haft genommen." Vierröhrenempfänger sind verboten. Natürlich nur für Marristen. Wer ausländische Sendungen empfängt, ist ein Landesverräter. Und man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: man verhindert die Wahrheit und tommt zu einem billigen und guten Apparat. der eingeborenen Helden Afrikas. Als der Kampf um Afrika entbrannte und die Deutschen in das heutige Tanganjika eindrangen, war der Sultan Mkwawa ein mächtiger Häupt= ling, dem eine ansehnliche Streitmacht zur Verfügung stand. Die Deutschen glaubten, ihn leicht besiegen zu können. Ein zuversichtlicher Hauptmann, namens Zeuife, der eine Anzahl Askaris befehligte, drang in das Innere vor. Der Sultan erwartete ihn im Hinterhalt. Der ganze Trupp wurde niedergemeßelt und triumphierend kehrte der Sultan in sein Stral zurück. Herendoftoren führten Siegestänge auf und prophezeiten weitere Siege. Die Deutschen, über diese Niederlage erbittert, bereiteten nun eine wirkliche Strafexpedition vor. Nicht nur aus Askaris, sondern auch aus deutschen Soldaten bestand die ansehnliche Truppe, die auf den Kral des Sultans losmarschierte. Die Eingebornendőrfer wurden eingenommen und die Bewohner unbarmherzig niedergemacht. Dann, in der Nacht, machten die Deutschen einen Ueberfall auf den Kral des Sultans. Seine Wachen wurden von Gewehrfeuer niedergemäht und die Truppen stürzten zum Schlafraum des Sultans. Mkwawa erkannte sofort, daß sein Ende gekommen war. Ghe die Soldaten seine Hütte betraten, stieß er sich das Schwert in den Leib und fiel tot zu Boden. Wenige Sefunden später stand Hauptmann Prinz über ihm. Er ergriff das Schwert, das noch vom Blute des Sultans feucht war und trennte dessen Kopf vom Körper. Der Kopf wurde in einer Satteltasche verstaut und von den Deutschen nach Dar- es- Salaam mitgenommen. Als er in diesem Hafen am Indischen Ozean ausgestellt wurde, schien irgendein grundgelehrter Deutscher den Vorschlag gemacht zu haben, ihn nach Berlin in ein Museum zu schicken. Mkwawas Schädel war, vom anatomischen Standpunkt betrachtet, sicherlich ein hochinteressantes Beispiel des Schädelbaues, und die Gelehrten, die ihn in Berlin empfingen, waren von dem Geschenk zweifellos entzückt. Dennoch geriet dieser kostbare Schädel eines Tages in Verlust. Versailler Vertrag - Artikel 246 Die Eingebornen von Tanganjika hatten den Schädel aber nicht vergessen. Es kam der Weltkrieg und die Deutschen begannen in Ostafrika um ihren Kolonialbesib zu fämpfen. Die Deutschen verloren den Krieg und die Staatsmänner der Erde trafen sich in Versailles, um den berühmten Vertrag aufzustellen. Dort erschien nun auch eine Abordnung von Männern mit Turbanen aus dem Herzen Afrikas. Sie mischten sich unter die übrigen internationalen Delegationen, hatten aber anscheinend fein Verlangen nach riesigen Landstrichen oder nach Selbstbestimmungsrecht. Alles, was fie verlangten, war die Rückgabe von Sultan Mtwawas Boykottal: tion in London London, 25. Juli.( Inpreß.) In der berühmten Sidney street in Whitechapel, wo 1911 zwei Banditen eine mehrstün dige Schlacht gegen eine ganzes Heer von Polizisten und Soldaten geliefert haben, wurde ein Spielzeugladen ange griffen, da er deutsches Spielzeug verkaufte. Der Leiter des jüdischen Boykotts gegen Deutschland, Hauptmann Webber, wurde geholt und nach einer Verhandlung verpflichtete sich der Inhaber des Ladens, ein gewisser Angel, schriftlich, die Waren nach Deutschland zurückzusenden und keine deutschen Waren mehr zu kaufen, solange die Politik des Hitlerregimes aufrecht erhalten bleibt. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Pizz; Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Schädel. Ihr Ansuchen kam dem vielbeschäftigten, aber leutseligen englischen Premierminister Mr. Lloyd George zu Ohren. Er war mit der Abordnung sehr freundlich und versprach, von Deutschland die Rückgabe des Schädels ganz gewiß zu fordern. Und so wurde in den berühmten Vertrag der Artikel 246 aufgenommen: „ Innerhalb von sechs Monaten nach dem Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrages, muß Deutschland der Regierung Seiner Britischen Majestät den Schädel des Sultans Mkwawa ausliefern, der aus dem Protektorat Deutsch- Ostafrika weggeführt und nach Deutschland gebracht wurde." Die drei Köpfe des Negerkönigs Die Afrikaner waren entzückt. Sie sahen die Deutschen den Vertrag unterschreiben und kehrten in ihre Krals zurück, um die Ereignisse abzuwarten. Die sechs Monate verstrichen. Der Schädel wurde nicht zurückgegeben. Sechs Jahre vergingen. Der Schädel war noch immer nicht da. Die Häuptlinge der Eingebornen von Tanganjika begonnen störrich zu werden. Sie erschienen vor den Bomas, den weißen Beamten ihrer Gebiete, und forderten den Schädel des Sultans. Die Angelegenheit wurde vom Kolonialministerium zum Außenministerium weitergeleitet. Große Staatsmänner mußten den Vertrag überprüfen. Sie hatten an Punkt 246 vergessen. Aber der Schädel des Sultans war eine ernste Angelegenheit. Als Sir Austen Chamberlain Außenminister war, fandte er einen Sonderbotschafter nach Berlin, um Dr. Gu stav Stresemann, den damaligen deutschen Außenminister, zu erinnern, daß dieser Artikel des Vertrages noch immer nicht erfüllt worden sei. Deutsche Beamte begannen nun auf der Suche nach dem Schädel des Sultans Mkwawa alle Museen zu durchstöbern. Dann erhielt das britische Außenministerium eines Tages ein Paket aus Deutschland. Es wurde sorgfältig geöffnet es enthielt drei Schädel. Welcher war nun der echte Schädel des Sultans Mkwawa? Kein Mensch wußte es. Die deutschen Behörden überließen die Entscheidung den englischen Staatsmännern. Sie batten aus verschiedenen Museen eine Anzahl Negerschädel gesammelt, die jeden Kopffäger entzückt hätten. Aus dieser Anzahl hatte sie drei ausgewählt, die vielleicht zweckdienlich" sein könnten. Das bri tische Außenministerium fand aber, daß nicht einmal die Eingebornen von Tanaaniifa auf diese plumpe Art getäuscht werden könnten. Sie schickten die drei Schädel zurück und verlangten die Auslieferung des richtigen Schädels. Dieser Schädel wurde bisher noch immer nicht nach Afrika geschickt. Er blieb verschollen. Und es ist mehr als fraglich, ob er je gefunden wird.