Preis: 60 1. cts. Panipare Nummer 34-1. Jahrgang Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands 100 000 Franken Prämie wird die ,, Deutsche Freiheit" in ihrer morgigen Ausgabe für eine wichtige politische Ermittelung aussetzen. Saarbrücken, Samstag, den 29. Juli 1933 Chefredakteur: M. Braun 300000 Mann Reichswehr! Hitlers Vorschlag an Frankreich und SS. Vermehrung der Reichswehr um 200 000 Mann SA. Papens hoffnungslose Reise Eisige Ablehnung in Paris und in Prag Paris, 28. Juli.( Eigener Draht.) Aus unterrichteten Kreisen wird über die Vorschläge Hit: lers, die Henderson überbrachte, berichtet: Herr Hitler bietet den alsbaldigen Umbau der Reichswehr an in Verbindung mit seinem bekannten Vorschlag über die Zukunft der SA. und SS., womit er die erstere endlich in seine Hand zu bringen hofft und die letztere ebenso nüglich für sich umgestalten könnte. Die nene Reichswehr soll danach eine ein jährige Dienstzeit erhalten, im Verlauf von 5 Jahren relativ aufrüsten dürfen und sich der internatio= nalen Kontrolle unterstellen. Als Höchstgrenze verlangt man 300 000 Mann Reichswehr. Herr Henderson fonnte aus Rom eine„ 90prozentige Zus stimmung" dazu melden, ans Prag jedoch brachte er eine ebenio hohe Ablehnung mit. Paris hat sich noch nicht dazu geäußert, es erwartet noch die Erklärungen seines Berliner Botschafters, der diese persönlich seiner Regierung abgeben wird. Zur Begründung seines Vorschlages führt Herr Hitler n. a. an: Nachdem er den Bolschewismus in Deutschland nie. dergerungen habe(??), wolle er ihn auch außenpolitisch überwinden, wozu er„ die wirtschaftliche Unterstützung der ganzen nichtbolschewistischen Welt" erbittet. Er habe deshalb schon alles Nötige getan, radikalistische Quertreiber, die sich in die nationalsozialistische Bewegung eingeschlichen hätten, und zwar auf Order von Moskan, mit den schärfsten Mitteln auszumerzen. Die französische Regierung mißtrant noch vollkommen dieser neuesten Entwicklung. Ganz Osteuropa schließt sich noch diesen Reserven an, besonders auch Polen, auf das Herr Hitler vergeblich einzuwirken suchte. Auch England ver: langt erst überzeugende Beweise für Hitlers guten Willen! In dieser Hinsicht gibt Herr Hitler die Versicherung, daß er die jüngsten Judenverfolgungen mißbillige, die auch nur durch bolschewistische Provokateure und einige Irrtümer untergeordneter Stellen entstanden seien. Sogar Herr Henderson, der sein Genfer Prestige unbedingt retten möchte, hat in Paris seinem Zweifel an der Richtigkeit der Münchener Mitteilungen Hitlers Ausdruck gegeben; London erwartet klarere Tatsachen von Berlin. Bezüglich der Haltung Italiens überbrachte Henderson römische Meinungen über das Flottenverhältnis im Mittelmeer. Paris lehnt aber die französch- italienische Flotten: gleichheit", wenn auch nicht so entschieden wie bisher, ab, und verlangt vorher eine allgemeine Flottenabrüstung, die aber an den angelsächsischen Flottenplänen scheitern muß. Im übrigen verweist Paris darauf, daß Frankreich einen be= deutenden Schritt der Herriotschen Verständigungspolitik mit Italien erfüllt sieht. Alles in allem: Herrn Hitlers neueste Politik sieht man ges schlossen als nicht Vertrauen erweckend an, mit welchen Eins drücken Herr Henderson nunmehr in London eintraf. Auf dieselben Eindrüde wird Herr von Papen in Paris stoßen. Polizeiaktion verraten! Vollendeter Mißerfolg des Sturms auf alle Verkehrsmittel Der Rittergutsbesitzer liest die Deutsche Freiheit"-Zahlreiche Juden verhaftet ser geheime Runderlaßwaruns schon am 23. Juli bekannt, sowie der Tag und die Stundenangabe, der am 24. Juli erst den nachgeordneten Stellen bekanntgenachgeordneten geben worden ist. Nachdem für unsere Gewährsmänner keine Gefahr mehr besteht, erklärt heute die„ Deutsche Freiheit": Am 22. Juli 1933 hat die Geheime Staatspolizei Berlin an sämtliche Polizeipräsidenten, Regierungspräsidenten und Landratsämter im Reiche eine geheime Verfügung erlassen, nach welcher am Tage r und um die Stunde y eine allgemeine Fahndungsaktion und Säuberungsaktion im ganzen Reiche stattfinden sollte. Der Zweck dieser Aktion war das Ausfindigmachen der Kuriere der SPD. und der KPD. Zwei Tage später am 24. Juli hat das Geheime Staatspolizei- Amt sämtliche Behörden benachrichtigt, daß der Tag r der 25. Juli 1933 sein soll und die Stunde y 12 Uhr. Die Hitler für Tietz! 14,5 Millionen Mark Reichsgelder für das Warenhaus Tietz Der Mittelstand guckt in den Mond Das Naziprogramm vergessen Das Naziprogramm vergessen Berlin, 27. Juli. Der Kampf gegen die Warenhäuser war die zugkräftigste Mittelstandsagitationsparole der Nationalsozialisten. Und der Boykott der Warenhäuser war die erste wirtschaftliche Großtat" der nationalsozialistischen Volkswirtschaftler". Die Boykottbewegung fügte den Warenhäusern großen Schaden zu und heute ist das Reich bereit, für die Er= haltung der Warenhäuser Millionen Mart zur Verfügung zu stellen. So erhält die Firma Hermann Tiek einen Ueberbrückungskredit von 14,5 Mil: lionen Reichsmart. Die Schulden des Unternehmens- Tiez ist das größte Warenhausunternehmen Deutschlands- be: laufen sich auf ungefähr 100 Millionen Reichsmart. Durch die Boykottbewegung geriet das Unternehmen in Zahlungs: schwierigkeiten. Bei den Verhandlungen wurde festgestellt, daß die Hypothekengläubiger im Falle einer Schließung der Betriebe ungeheure Verluste erleiden würden, die sich auf breite Wirtschaftskreise auswirken müßten. Nach den Angaben des„ Deutschen Volkswirt" betrug der Umsag des Warenhauses Tiez im Jahre 1982 rund 300 Millionen Reichsmart. Das Unternehmen kaufte 1932 101 000 Schweine, 32 000 Stälber, 15 000 Rinder, 13 000 Hammel, ge: waltige Mengen Gemüse, Obst, Eier und Käse. Die Gesamt: Summe des Einkaufs der landwirtschaftlichen Produkte allein betrug 40 Millionen Reichsmart. Tietz beschäftigte 17 500 Pers . fonen, hinzu kommen 60 000, die mittelbar durch Aufträge be= schäftigt wurden. An Steuern zahlte das Unternehmen 12,4 Millionen Reichsmark, an Sozialleistungen 2,5 Millionen Reichsmart. Der Schaden, der bei einer Schließung dieses Riesenbetriebes der deutschen Volkswirtschaft entstanden wäre, war so gewaltig, daß die nationalsozialis sierten Minister unter Außerachtlassung ihrer Agitationsphrasen bereit sind, Millionenbeträge für die Aufrechterhaltung des Unternehmens zur Verfügung zu stellen. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß im faschistischen Italien die Warenhäuser sich der besonderen Fürsorge des Staates erfreuen. Der italienische Staat zahlt seit Jahren dem größten Warenhause Italiens,„ La Rinaszente", Subventionen zur Deckung seiner Fehlbeträge. Während in Deutschland den Beamten und allen öffentlichen Arbeitnehmern die Mitgliedschaft in Konsumvereinen unter: sagt wird, bestehen in Italien Konsumvereine für die Beamten und eingetragenen Faschisten. Nach der Auflösung der Kampfausschüsse des deutschen Mittelstandes folgt nun die Sanierung der Warenhäuser durch Reichsgelder. Wie fagte die Deutsche Allgemeine Reitung" im Februar dieses Jahres?:" Seine Gegner ( Hitlers) werden es nicht leicht haben, seinen Ans hängern werden die Augen übergehen." Daß die Aktion auch nicht einen Schuß Pulver werk war, wurde von uns sofort mitgeteilt. Berlin, 28. Juli( Eigener Draht). Die im ganzen sich unter Mobilisierung von über hun. derttausend Polizeitruppen, Hilfspolizei, SA. und SS. durchgeführte Aktion gegen die" Illegalen" hat in Berlin, wo man geglaubt hat, rund zwanzigtausend Mann einsetzen zu müssen, einen vollendeten Mißerfolg gebracht. Es wurden zwar einige hundert Personen festgenommen, verbotenes Material aber fand man nur in einem einzigen Falle bei der Durchsuchung eines Kraftwagens. Es handelte sich um ein paar Exemplare der„ Roten Fahne" und der Deutschen Freiheit". Der Besitzer des Kraftwagens wurde verhaftet, konnte sich jedoch auf dem Polizeipräsidium legitimieren als Mitglied der Nationalsozialistischen Partei und Ritters gutsbesiger in Pommern. Er wurde darauf wieder freigelassen und konnte die Heimreise ungestört fortsetzen; er bes hauptet, die Zeitungen lediglich zu seiner Information mitgenommen zu haben. Außerdem wurden zwei gestohlene Kraftwagen fonfisziert, fünf Kraftwagen wegen nicht bezahlter Steuer, elf Kraftwagen, weil die Führer nicht im Besitz eines ordnungsmäßigen Führerscheins waren. Die Verhafteten sollen zum weitaus größten Teil Juden sein; bestimmte Beschuldigungen werden bisher gegen sie nicht erhoben. In Polizeitreisen nimmt man an, daß die Aktion vor= zeitig verraten worden ist und die Gegner des Systems imstande waren, Gegenmaßnahmen zu treffen. Da weder die Polizeitruppen, noch Silfspolizei, SA. oder SS. vorher über den Zweck der Aktion unterrichtet worden waren, man vielmehr in der Absicht, jeden Verdacht abzulenken, für eine angebliche Felddienstübung antreten ließ, ist man zur Annahme gezwungen, daß die Verräter entweder im Ministerium des Herrn Göring oder in der oberen Beamtenschaft der Geheimen Staatspolizei zu suchen sind. Andere Stellen waren in den Plan nicht eingeweiht. TatSache ist jedenfalls, daß die Aktion in allen ihren Einzelheiten bereits in den frühesten Morgenstunden den maßgebenden Personen, gegen die sie sich richten sollte, bekannt war und eine Ueberraschung somit nicht gebracht hat. Die Aktion in Berlin wurde übrigens durch Herrn Göring höchstselbst geleitet, der zur Feier des Tages und zum ersten Male seine sich selbst verliehene Uniform eines Polizeioffiziers mit Generalabzeichen spazieren führte. Spottvögel in Paris ..Was ihn hindern wird, das ist die Kugel oder die Bombe!" ern wird. Paris, 27. Juli. Die Pariser Presse kritisiert schärfstens die große Polizei- Aktion der Herren Göring und Hitler. Uebereinstimmend gibt sie ihrer Meinung dahingehend Ausdruck, daß die neuen Machthaber Angst haben vor ihren Gegrern und die eigenen Leute abzulenken gezwungen sind. Wir zitieren aus den verschiedensten Blättern: ,, L'Intransigeant": ,, La Volonté": gießen müssen. Und dieses neue Getränk will seinen Partei" Herr Hitler hat schon recht viel Wasser in seinen Wein genossen nicht schmecken; es ist ihnen zu fade, nachdem der „ Führer" ihnen zehn Jahre lang den Raubzug versprochen hat. Gestern hatten sie Hunger zu leiden, das stimmt. Wenn sie aber morgen nicht genug zu essen bekommen, dann werden sie Herrn Hitler dafür verantwortlich machen. Der Kanzler ist außerstande, die Unzufriedenen zu meistern; und deshalb wird er wieder zur Waffe der Demagogie greifen müssen. hier aber stehen ihm die wirtschaftlichen Mächte im Wege. Er will ablenken von den kommenden inneren Schwierigfeiten. Wird ihm das auf die Dauer gelingen? Wir jedenfalls beneiden ihn nicht um den sorgenvollen Schlaf seiner Nächte!" „ Die Tatsache, daß man sogar die Luxus- Automobile angehalten und durchsucht hat, beweist eindeutig genug, daß es sich nicht nur um Maßnahmen gegen eine Revolte von links her gehandelt hat. Wir wollen nicht vergessen, daß Hitler nach links und nach rechts sich vorzusehen hat; und heute ist ihm die Rechte vielleicht sogar der gefährlichere Gegner. Die Propaganda, die von diesen Leuten im geheimen gegen ihn getrieben wird, hat ihn in der letzten Zeit schon mehrfach ,, Le veranlaßt, bereits getroffene Entscheidungen wieder zurückzuziehen. Seine Politik ist verdammt schwierig und unbequem: er muß mit den rechten Gegnern rechnen, denn sie, nicht er, haben die eigentliche Macht. Trotzdem glauben wir, daß er die Rechte besiegen wird, vorausgesetzt, daß er am Leben bleibt. Was ihn hindern könnte, das ist die Kugel oder die Bombe. Und das weiß er auch; deshalb seine verzweifelten Anstrengungen!" " Figaro": ,, An demselben Tage, an dem die inneren Schwierigkeiten ausweglos geworden sind, ist Hitler gezwungen, alle Deutschen noch einmal zusammenzureißen. Er wird das tun unter der Parole:„ Gegen Frankreich!" Herr Hitler schätzt den inneren Krieg" nicht; deshalb wird er„ aus innerem Pazifismus“ eines Tages den Krieg nach außen führen. Hierauf gilt es gerüstet zu sein!" Die Gewalttat an der Saargrenze Ein nationalsozialistisches Komplott Planmäßige nationalsozialistische Aktion Zwei Franzosen und ein Saarländer in die Falle gelockt Die Befizerin des Häuschens in Homburg, nahe der faarländisch- pfälzischen Grenze, aus dem kürzlich zwei französische Staatsangehörige und ein Saarländer nächtlicherweise von Reichsdeutschen gewaltsam über die Grenze ins Reich entführt wurden, Frau Kennel, hat wie wir soeben hören, ein Geständnis abgelegt! Frau Kennel war sofort nach Bekanntwerden der Tat und achdem die erste Untersuchung schon mehrere Belastungssomente gegen sie ergeben hatte, in saft genommen porden. Unter dem Druck der gegen sie vorliegenden Verachtsmomente hat die Verhaftete schließlich zugegeben, daß sie die drei Personen in eine Falle gelockt hat, um die Entführung möglich zu machen! Damit liegen die Beweise dafür vor, daß es sich um einen Ueberfall handelt, der nicht das Werk vollkommen un autorisierter Personen gewesen sein kann. Der Mann der Frau Kennel ist, wie wir ebenfalls bereits berichten konnten, vor einiger Zeit im Reich festgenommen worden. Seine Verhaftung erfolgte nicht durch irgendwelche Privats personen, sondern durch Personen, die einer der zahlreichen, heute im Reich aktionsberechtigten Exekutivorgane ange: hören. Wenn man Fran Kennel nunmehr unter Hinweis auf die Lage ihres Mannes dazu gebracht haben sollte, die drei Personen in ihre Wohnung zu locken, so können diese Versprechungen nur von Personen gemacht worden sein, die über das Schicksal des Ehemannes Kennel tatsächlich zu ents scheiden haben, oder von denen Frau Kennel das wenigstens annehmen konnte! Der Hinweis auf die untergeordneten Organe" dürfte den reichsdeutschen Dienst= stellen diesmal schwer fallen. Die Untersuchung gegen Frau Kennel wird wegen Bei hilfe zur Freiheitsberaubung geführt. Sie wird sich diesers halb auf Grund ihres eigenen Geständnisses vor einem faar ländischen Gericht zu verantworten haben! Attentat in Metz 0310 Ein Taxichauffeur, der vor einiger Zeit ein Hakenkreuz von einem deutschen Wagen entfernte, wird durch Revolverschüsse am Kopf schwer verletzt. Der Täter entkommen! Vor einigen Monaten ereignete sich am Bahnhof in Me ein Zwischenfall, der großes Aufsehen erregte. Ein deutscher Wagen, mit dem einige Reichsdeutsche angeblich einen Auss flug nach den Schlachtfeldern unternehmen wollten, trug die Hakenkreuzflagge demonstrativ zur Schau. Sofort sammelte sich eine erregte. Menschenmenge um den Wagen, und ein Taxichauffeur riß schließlich die Fahne herunter. Die Reichss deutschen wurden vorübergehend in Haft genommen, bis sie dann wieder mit ihrem Wagen nach Deutschland zurückfehrten. Am Donnerstag ereignete sich nun folgendes: Vor dem das mals beteiligten Tarichauffeur erschien ein Mann und vers handelt mit ihm wegen einer Fahrt nach Remilly. Plöglich zog der Fremde während der Fahrt einen Revolver und schoß dem vor ihm fizenden Chauffeur eine Kugel in den Kopf, die ihn schwer verlegte. Der schwer Verwundete war noch in der Lage, dem Fremden die Waffe zu entreißen, aber diesem gelang es, zu entkommen. Die polizeilichen Ermitts lungen sind im Gange. Der Fall erregt in ganz Lothringen ungeheures Aufsehen. Das Neueste Nach einer Meldung des„ Echo de Paris" wird Pro fessor Einstein demnächst die englische Staatsangehörigs feit erwerben. Der frühere Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, ist fristlos entlassen worden. Das Verfahren gegen ihn ist lediglich aus formalrechtlichen Gründen eins gestellt worden. Der Dienstknecht Schriefer in Bamberg, der im Mai ben A.- Mann Wiesheier ermordet hatte, ist zum Tode vers urteilt worden. Der Schnellzug Pariz- Bordeaux entgleifte bet Angouleme. Zwölf Personen wurden verlegt. Bei Turnu- Severin in Rumänien überfuhr nachts ein Schnellzug einen Bauernwagen, dessen fünf Insassen und die zwei Pferde in Stücke gerissen wurden. Das amerikanische Luftschiff„ Macon" unternimmt dems nächst eine Europareise. In einem Bergwerk in Woodlesford( Grafschaft York) ereignete sich eine Explosion. Sechs Berglente erlitten schwere, z. T. lebensgefährliche Brandwunden. Jüdische Millionen zurückgefordert Im übrigen wird der skandalöse Vorfall, der der Welt Die Rosenwald- Stiftung einmal bligartig den Stand des Hitlerterrors im Saargebiet gezeigt hat, noch Nachspiele haben, die durch die Berichterstattung der Saar- Regie: rung an den Bölkerbund bereits angekündigt sind. Wie sic Kuschen Der Reichstagsbrand Das waren ,, Führer" des Zentrums Zwischen Reichsinnenminister Dr. Frid als dem Vorfizenden der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion und dem Abgeordneten Dr. Ha delsberger als dem Verbindungsmann der bisherigen Reichstagsfraktion des Zentrums zur NSDAP. sind folgende Vereinbarungen getroffen worden: Das Stadium der Fraktionslosigkeit, in dem sich jetzt die Mitglieder der ehemaligen Zentrumsfraktion befinden, kann nur ein vorübergehendes sein und höchstens einige Wochen dauern. Das fraktionslose Verhältnis wird vorläufig bis zum 1. September fortgesetzt. Eventuelle Wünsche wegen Mandatsniederlegung bzw. wegen Uebertritts als Hospitant werden zweckmäßigerweise an den Verbindungsmann geäußert. Unbeschadet des freiwilligen Entschlusses jedes einzelnen der bisherigen Fraktionsmitglieder sind von nationalsozialistischer Seite folgende Gesichtspunkte für die Klärung, ob Hospitant oder Rücktritt, mitgeteilt worden: Die Geistlichen scheiden nach dem Konkordat aus. Sämtliche Frauen stellen ihr Mandat zur Verfügung. Ueber 60 Jahre alte Abgeordnete sollen nach Möglichfeit nicht übernommen werden. Hinsichtlich der Gewerk schaftsführer und-sekretäre soll eine wesentliche Herabsetzung erfolgen. Das Hospitantenverhältnis berechtigt zur Teilnahme an allen Fraktionssitungen, gibt die Möglichkeit zur Stellungnahme in diesen Sizungen und auch zur Beteiligung an Abstimmungen. Ein Zwang zum Tragen irgendwelcher Abzeichen oder Uniformen besteht nicht. Ein edler Oberpräsident Kaschemmensprache des Dritten Reiches Die nationalsozialistische Presse verbreitet einen Aufsatz von Wilhelm Kube, Gauleiter, Oberpräsident, Fraktionsvorsitzender der Nazis im Preußischen Landtag, über ,, Das Dritte Reich und die Frauen". Darin sagt er u. a.: Widerlich war es für jeden deutschen Mann, der in feiner Mutter das deutsche Weib ehrt, wenn über Fragen der Geschlechtsmoral, der Mutterschaft und der Nachkommenschaft alte Jungfern, bar jedes Schamgefühls, von der Parlamentstribüne herab gespreizt ihren Edelmist verzapften. Noch scheußlicher war es, wenn bei Verhandlungen über Fragen der Landes: verteidigung und der Wehrpflicht eine demokratische oder margiftische Megäre ihren pazifistischen Unrat gegen unser Land spie. Die Sprache charakterisiert den schweinischen Kerl. Uebrigens pazifistischer Unrat"! Dieser Kube ist neben Frick und anderen einer der vielen praktischen Kriegsdienstverweigerer. Obwohl jung und kräftig, drückte er fich während des ganzen Krieges reklamiert in Berlin herum. Ein notorischer Feigling! Internationaler Untersuchungsausschuẞ Auf Initiative des Weltkomitees für die Opfer des Hitlers faschismus hat sich aus geachteten und unabhängigen Juristen verschiedener Länder ein Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes gebildet. Dem Ausschuß gehören an: England: D. N. Pritt, Kings Counsellor; rant. reich: Gaston Bergery, Mitglied der Kammer; Amerika: Clarence Darrow, Rechtsanwalt und Arthur Garfield Hays, Rechtsanwalt; Spanien: Jiminez de l'Ajuad, Profeffor der Zentraluniversität, Madrid; Schweden: Dr. Branting, Rechtsanwalt; Dänemart: Vald Huildt, Rechtsanwalt; Italien: Francesco Nitti, ehemaliger italienischer Ministerpräsident; Belgien: Vermeylen, Rechtsanwalt, Brüssel. Der Untersuchungsausschuß wird etwa zur gleichen Zeit, wo in Leipzig der Prozeß gegen Torgler, Dimitroff, Popoff und Taneff stattfindet, in einer europäischen Hauptstadt zusammentreten. Die Tagung des Untersuchungsausschusses wird öffentlich sein. Sie ist angesichts der Tatsache, daß in Leipzig weder ein inländischer noch ausländischer Vera teidiger der Angeklagten zugelassen und jeder Entlastungszeuge mit seinem Leben bedroht ist, das einzige Verfahren zur objektiven Aufklärung des Reichstagsbrandes und der wahren Brandstifter. Neujork, 28. Juli. Die Erben des bekannten jüdischen Millionärs und Philans tropen, des amerikanischen Julius Nosenwald, haben heute von der deutschen Regierung die Rückgabe der Rosenwald Stiftung gefordert. Rosenwald hatte diese Stiftung, die sich auf mehrere Millionen Dollar beläuft, verschiedenen dents schen wissenschaftlichen Instituten zur Verfügung gestellt. Die Rückforderung der Stiftung wird damit begründet, daß durch die derzeitige deutsche Regierung jüdische Studierende, in deren Interesse die Stiftung erfolgt ist, von dem Genuß der Stiftung ausgeschlossen worden sind. Export tut not! Aber die Reichsregierung schlägt ihn tot! In einer Versammlung der Industries und Handels. fammer zu Solingen schilderte der Vorsitzende Hartfopf am Beispiel der Solinger Industrie die Lage in der Eisenverarbeitung und der sonstigen Exportindustrie, soweit sie kleineren und mittleren Umfang hat. Die Schwierigkeiten der Solinger Schneidwarenindustrie leitete er von folgen den Ursachen ab: mangelhafter Organisation, Fehlen eines Gemeinschaftsgeistes und Ueberwiegen des materialistischen Denkens, außerordentliche Einengung der Exportmöglichkeiten. Während die Schwerindustrie mit ihren einheitlichen Erzeug nissen es verhältnismäßig leicht hatte, sich durch ihre Organis sation Gehör zu verschaffen, habe es die verarbeitende Industrie mit ihrer Vielzahl an Waren und Qualitäten nicht verstanden, zu einer einheitlichen Zielsetzung zu gelangen. Gegenwärtig sei als eine der wichtigsten Fragen die Neureglung der Tariflöhne anzusehen. Bei vollwertiger Mitarbeit hierbei solle die Arbeiterschaft an Qualitäts- und Dem Untersuchungsausschuß sind bereits zahlreiche Preisfragen den großen Zusammenhang aller wirtschaftlichen Zeugenmeldungen zugegangen. Protest von Gelehrten! * Die tschechischen Universitätsprofessoren Nejeldly, Salda und Krejci haben dem deutschen Gesandten in Prag einen Protest gegen die unsinnige Behauptung, Torgler und die mit ihm verhafteten Bulgaren seien Brandstifter, eingereicht. Amtlich wird noch mitgeteilt, daß mit der Hauptverhandlung wegen der Reichstagsbrandstiftung in der ersten Septemberhälfte zu rechnen ist. Bildersturm Schutzhaft für marxistische Bilder Der Polizeipräsident in Essen hat eine Anordnung getroffen, in der es heißt, daß man noch immer in den Woh= nungen ehemaliger Mitglieder der KPD. und SPD. marxistische Bilder finde. Es sei nicht zu dulden, daß der Geist der Jugend durch den dauernden Anblick solcher Andenken aus der Zeit des Systems verFragen sowohl in lohnpolitischer wie auch wirtschaftspolitischer Beziehung erkennen.( Das bedeutet Lohndruck. D. Red.) Nach Erziehung der wirtschaftenden Menschen zum Gemeinschaftsgeist gelte es, die Preisschleuderei, Schwarz arbeit, unlauteren Wettbewerb und sonstiges unanständiges Geschäftsgebaren mit den schärfsten Mitteln zu bekämpfen. Im Augenblick steht die Solinger Industrie ganz unter den Folgen, die die Einengung der Ausfuhr möglich. feiten gebracht hat. Die Lebensmöglichkeit der Solinger Industrie sei abhängig von der Möglichkeit zu exportieren. Die Stärkung des Binnenmarktes tönne teinen genügenden Ausgleich für den verloren gegangenen Ereport schaffen. Die bisherigen Maßnahmen der Ausfuhrförderung hätten sich als nicht ausreichend erwiesen. Die Kammer werde deshalb die Einrichtung einer besonderen Abteilung für Außenhandelspolitik beim Reichswirtschaftsministerium beantragen, die, eine besonders enge Fühlung mit der Wirtschaft ermöglichen soll. giftet werde. Das Belaffen derartiger Bilder in der woh Luxemburg und der Heilige Rock nung werde als eine herausfordernde Stellungnahme gegen die nationale Erhebung betrachtet. Der Polizeipräsident läßt darauf hinweisen, daß das Zeigen solcher Bilder, auch in Privatwohnungen, unter Umständen als Propaganda zugunsten des Marxismus aufgefaßt werden kann. Inschußhaftnahme könne die zwangsläufiae Folge eines derartigen Verhaltens sein. Zu der in Nr. 28 unserer Zeitung aus Luxemburg ver öffentlichten Buschrift teilt uns Pfarrer Hurt aus Wasser billig mit, daß er bis jetzt von deutscher Seite nicht im geringsten belästigt worden ist". Das ist nun allerdings von unserem Berichterstatter auch nicht behauptet worden. Er schrieb nur, daß solche Absichten bestanden haben. Der Nürnberger Judenpogrom Rohheitsakte- Zusammenstöße mit der Reichswehr Nürnberg, 28. Juli.( Eigener Bericht.) Die Demonstrationen und die Gewaltakte gegen jüdische Geschäfte und jüdische Passanten auf den Straßen nehmen immer noch ihren Fortgang; am Sonnabend nachmittag sind, wie gemeldet wird, nationalsozialistische Trupps in zahl reichen Fällen in die Privatwohnungen jüdischer Fami: lien eingedrungen, haben die Einrichtuns gen demoliert und die Insassen verhaftet. Es handelt sich hier ohne Ausnahme um Personen, die po litisch niemals hervorgetreten find, denen lediglich ihre Zugehörigkeit zum Judentum zur Last gelegt wer= den kann Wohin die Verhafteten transportiert wurden und was mit ihnen geschehen ist bzw. geschehen soll, ist nicht zu erfahren, da die Polizeibehörden jede Auskunft verweigern; die wildesten Gerüchte durchschwirren Nürnberg, man spricht davon, daß viele Juden ermordet worden sind. Das Standortkommando der Reichswehr hat den Reichsstatthalter für Bayern, Ge= neral von Epp, die Reichsregierung und den Reichspräsidenten telegraphisch von den Vorfällen, deren Umfang und deren Art über das in der Auslandspresse veröffent lichte Maß weit hinausgehen, unterrichtet und hat dringend um Abhilfe gebeten. Nach einer anderen Meldung, für die eine Bestätigung je doch bisher nicht zu erlangen gewesen ist, hat das Reichswehrfommando die Verhängung des militärischen Ausnahmezus ftandes für Nürnberg gefordert. Tatsächlich aber durchziehen jeit Tagen zahlreiche Patrouillen der Reichswehr, ausge= rüftet mit Stahlhelm, Gewehren und Handgranaten, die Hauptstraßen Nürnbergs und Fürths. Sierbei kam es in Fürth zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen einer Abteilung der Reichswehr und demonstrierenden Na: tionalsozialisten, bei der das Militär, in Notwehr gebracht, von der Schußwaffe Ge= brauch zu machen gezwungen war. Fünf Na= tionalsozialisten wurden verlegt, darun= ter zwei schwer. Nach einer weiteren Meldung hat das Standortkommando der Reichswehr die sofortige Absegung des örtlichen Führers der Nationalsozialisten, des Abgeordneten Streicher, der die Vorfälle planmäßig inszeniert habe, und das Verbot des Streicherschen Standalblattes, des Stürmer", gefordert. Der Bayrische Innenminister hat durch Polizeifunt ein Verbot an die gesamte Presse in Bayern erlassen, über die Vorgänge zu bes richten. ..Ich bin der Jude NN.!" Hinter ihnen Gummiknüppel und Lederpeitsche! Von besonderer Seite, die ebenso kompetent wie glaubwürdig ist, wird uns über den Beginn der immer noch andauernden Judenverfolgung in Nürnberg Folgendes geschrieben: Am 20. Juli wurden in Nürnberg 800 der angesehenen jüdischen Bürger- Aerzte, Kaufleute, Rechtsanwälte, Wirte schaftsführer ohne jeden Grund verhaftet, zusammengetrieben, entwürdigend behandelt, z. T. geschlagen und im Laufe des Tages wieder entlassen. Nachstehend einige Einzelheiten über den Vorgang. Früh in der 6. Stunde erschienen in den Wohnungen SA.- Leute, veranstalteten Haussuchungen, die ohne Ausnahme ergebnislos vers liefen, und führten die Hausherren unter starker Bewachung ab. Die Verhafteten wurden gesammelt und nach stundenlangem Warten auf den Straßen und Pläzen der Stadt in einzelnen Gruppen wie Verbrecher abgeführt. Eine Gruppe kam auf einen Sportplatz, ber 6. 3. als SA.- Lager eingerichtet ist. Dort gestaltete fich die„ Begrüßung" jedes Einzelnen etwa wie folgt: Strammgestanden! Wie heißt Du? „ NN.“ „ Du haft nachzusprechen: Ich bin der Jude NN." Dann wurde Arbeitsdienst" und Ererzieren vers anstaltet. Die Verhafteten unter ihnen Herzleidende, Kriegsbeschädigte mit Beinprothesen, alte Männer von 60, 70 Jahren und darüber mußten in der Sonnenglut Badsteineschleppen, Parade. marsch, Dauerlauf und Niederlegen Sprung aufmarschmarsch" üben, während SA.- Autreiber mit Gummiknüppeln und Lederpeitschen dafür sorgten, daß keine Müdigkeit anffam. Niemand durfte um sich blicken, denn jeder sollte nur die eigenen Mißhandlungen fühlen, aber nicht die der anderen sehen. Trotzdem wurde mancherlei festgestellt. In einer Barade wurden besonders Auserkorene verprügelt. Man sah die Bedauernswerten nach der Prozedur herauswanken; sie hatten z. T. das Hemd noch nicht wieder über den mit blutigen Striemen bedeckten Oberkörper gezogen. Wer mit den Schlägen nicht ganz einverstanden war, mußte zur Strafe in der glühenden Size noch einige Schnellanfrunden um die Aschenbahn machen. Einem jüngeren Manne wurde wieder und wieder mit der Faust ins Geficht geschlagen. Andere mußten sich anf den Boden legen und mit den Zähnen Gras ausreißen. Nachdem so die körperliche Ertüchtigung ausreichend gefördert war, wurde in Marschkolonne angetreten, und nun gings in strammem Marsch durch die mittaglich belebten Straßen der Stadt. Die Reattion des Publikums war sehr verschiedenartig. Es gab Passanten, die beim Anblick dieses schmachvollen Aufzuges hochangesehener Mitbürger empörte und entsetzte Geften machten, aber natürlich kein Wort des Einspruchs wagen konnten. Andere riefen höhnisch:„ Gott der Gerechte!" oder„ Schlagt sie tot!". Den Verhafteten war gesagt worden, sie sollten in die Hölle von Dachau gebracht werden. Aber man führte sie nur ins Polizeis präsidium. Hier wurde jeder Einzelne durch Beamte der regulären Velizei verhört, wobei auch die erlittenen Mißhandlungen zu Protokoll genommen wurden. Der Ton war hier durchaus höflich. Sofort nach der Vernehmung durfte jeder nach Hause gehen, denn gegen keinen einzigen lag ja auch nur der geringste Verdacht einer ungesetzlichen Handlung vor. Was war geschehen? Die Polizei( und die Reichswehr! D. Red.) hatte fich offenbar ins Mittel gelegt und an höherer Stelle durchgesetzt, daß der Aktion, die anscheinend nur zur Beschäftigung und Be. Inftigung der A. diente, ein Ende gemacht wurde. Während noch am Morgen das Ueberfallkommando, das vielfach von den Ehefrauen der Verhafteten zum Schute ihrer Männer angerufen worden war, ein Eingreifen mit der Begründung, es handle fich um eine politische Aktion", abge lehnt hatte, war es jetzt um die Mittagstunde der Polizei gelungen, der SA. ihre Opfer zu entreißen. Die Beamten machten feinen Hehl barang, bah fie dag ganze Borgehen der A. mißbilligten. Das ..Todesstrafe!" Verhör sollte zum Schluß nur noch den Anschein der Gesezmäßigkeit wiederherstellen. Es dürfte noch von Interesse sein, daß die SA- Vente wiederholt unfreiwillig ihre unzufriedenheit mit dem eigenen Schicksal zu erkennen gaben. Für Bekämpfer des Hitler- Regimes Berlin, den 28. Juli 1983.( Eig. Bericht.) Auf Vorschlag des preußischen Ministerpräsidenten Göring hat die Reichsregierung ein Sondergesetz erlassen, nach welchem gegen deutsche Staatsbürger, die vom Ausland her die deutsche Regierung bekämpfen und deren Autorität in gefährden bestrebt find, wegen Hochverrats eingeschritten werden und„ in Abwesenheit" die Todesstrafe verhängt wer= den kann. Aber die Mörder werden begnadigt! 15. Juli ,, Stichtag" Der Amtliche Preußische Pressedienst fündigt ans Anlaß der Beendigung der nationalsozialistischen Revolution" einen besonderen Gnadenerlaß für die SA. und SS. an, wonach man diesen für alle Straftaten, die sie bis zur Beendigung der Revolution, d. h. bis zum 15. Juli bes gangen haben( ganz gleich, ob das Mord, Raub, Tots schlag, Bandendiebstahl, Mihhandlung, Körperverlegung, Freiheitsberaubung usw. war!), Straffreiheit gibt! Das hat man bereits erwartet! Aber das Interessanteste ist der Schlußsaß, der feststellte, daß diese Maßnahmen nicht Straftaten betreffen, die nach dem 15. Juli 1983 begangen find oder begangen werden sollten! Damit ist also jedem SA.- und SS.- Mann mit aller Dent: lichkeit gesagt, daß seine Verbrechen solange straffrei blieben, als er das Schwertapital und die Großagrarier wieder zur Der Arierschwur Laut Justizministerialblatt Nr. 159 haben die preußischen Justizbeamten, sofern sie dazu in der Lage sind, folgende Erklärung abzugeben:„ Ich versichere hiermit dienstlich: Mir find trotz sorgfältiger Prüfung feine Umstände bekannt, die die Annahme rechtfertigen könnten, daß ich nicht arischer Abstammung sei; insbesondere hat keiner meiner Elternoder Großelternteile zu irgendeiner Zeit der jüdischen Religion angehört. Ich bin mir bewußt, daß ich mich dienststrafrechtlicher Verfolgung mit dem Ziele der Dienstentlassung aussetze, wenn diese Erklärung nicht der Wahrheit entspricht." unumschränkten Herrschaft brachte. Nachdem diese aber wieder an der Macht sind, sind sie entschloffen, auch gegen diese ihre Kulis vorzugehen, wenn fie fich einfallen lassen sollten, oder„ Bolschewismus" zu machen. " Sozialismu s Göring schwelgt im Blut" Sagt der Pariser ,, Rempart" In der richtigen Gesellschaft! Der frühere deutsche Kronprinz bei dem Nazi- Sportkommissar von Tschammer- Osten. Beide als Zuschauer auf der Avus- Bahn. Jest wissen die SA.- Leute doch wenigstens, für wen sie die sogenannte„ nationale Revolution" ge= macht haben und weshalb Göring jezt gegen sie Galgengesetze und Todesstrafen verordnete! Mutige Bürger Protestbrief an den Hamburger Oberbürgermeister Hamburger Bürger richteten an den Oberbürgermeister Krogmann von Hamburg, der zugleich Führer der deutschen Delegation auf der Londoner Wirtschaftskonferenz war, einen Brief, in dem sie die bestialischen Methoden der Ham: burger Polizei und Hilfspolizei darstellen. Sie beschreiben, wie die Spezialabteilungen der Polizei im Hamburger Rathaus, Zimmer 254-256, einen Mann namens Edgar Andre schwer mißhandelt haben, wie dann der bereits bewußtlose Andre auf den Flur geworfen und dort fast zu Tode getrampelt wurde, wie ein kommunistischer Funktionär Anton Saeffow schwer mißhandelt wurde, wie ein junges Mädchen namens Annemarie Jacobs auf das entblößte Hinterteil geschlagen wurde, wie Geiseln genommen wurden, auch Kinder und vor allem, wie im„ Hamburger Tageblatt" diese sadistischen Uebungen der SA. unter den Vers gnügungsanzeigen beschrieben wurden. Braunes Beamtenrecht gegen die Frauen lichen Geschlechtes in wichtigen Punkten praktisch außer Kraft Die Regierung Hitler hat die Gleichberechtigung des weibgesetzt. So bestimmt das neue Beamtenrecht, daß der Zeitpunkt, in dem eine Beamtin des Reiches definitiv und unkündbar wird, auf das fünfunddreißigste Lebensjahr hinaufgesetzt wird. Für die männlichen Beamten ist eine solche Beschränkung nicht eingeführt worden. Diese Sonderstellung der weiblichen Reichsangestellten ist sehr bedenklich, gibt sie doch den Behörden den Freibrief willkürlicher Kündigungen in die Hand. Dadurch gelangen die Frauen auch viel später als die übrigen Angestellten des Reiches in den Genuß der Pensionsberechtigung und erleiden auch, was Beförderung und Rangsreihung betrifft, zahlreiche schwerwiegende Nachnicht bewenden! Es setzt mit einem Federstrich den Absatz 2 teile. Damit läßt es aber das deutsche Reichskabinett noch bestimmt wird, daß weibliche Beamte für gleiche Leistung des Artikels 128 der Reichsverfassung außer Kraft, in dem genau soviel Gehalt zu erhalten haben wie ihre männlichen Kollegen in gleicher Stellung und unter gleichen sonstigen Voraussetzungen. Diese Maßnahme bedeutet ebenso eine schwere moralische Ungerechtigkeit wie eine erhebliche materielle Schädigung der weiblichen Beamten. Paris, den 28. Juli 1933.( Eig. Bericht.) Tolle Preiserhöhungen Der Rempart" beschäftigt sich eingehend mit der gegenwärtigen Lage in Deutschland. Nach Ueberzeugung der sehr einflußreichen Zeitung haben die jüngsten Geseze die außer ordentliche Schwäche der Regierung Hitler enthüllt. Der Rempart" schreibt dann wörtlich: „ Wer regiert in Deutschland? Der Henter!- Eine Unzahl von neuen Gefeßen hat der Metzger Göring ers laffen. Alle diese Geseze haben einen gemeinsamen Re: frain: die Todesstrafe. Wenn sich irgendwo und irgendwie ein vermeintlicher Gegner des Hitlerismus zeigt, dann fann er bestraft werden, unbesehen: Todesstrafe. Wenn in den Straßen ein Hitlermann scharf angeschaut wird, dann fann er sich einbilden, er solle angegriffen werden. Erfolg: Todesstrafe. Wenn jemand die Grausamkeiten des Hitleris mus Grausamkeiten zu nennen wagt: Tadesstrafe. Das deutsche Volt, soweit es überhaupt noch flar zu sehen wagt, wird immer nur den Henker sehen, wird immer nur abge= schlagene Köpfe sehen. Herr Göring schwelgt im Blut. Herr Göring berauscht sich im BInt. Herr Göring schwimmt im Blut." Unterdrückte Friedensarbeit " Die Deutsch- Französische Gesellschaft", die bekannte Bers einigung repräsentabler Deutscher und Franzosen, die von beiden Ländern offiziell unterstüßt wurde und als besondere Verständigungs- Aktion gedacht war, ist automatisch zugrunde Berständigungs- Aktion gedacht war, ist automatisch zugrunde gegangen. Die deutschen Mitglieder find entweder verhaftet oder flüchtig, Dr. Grantoff und Dr. Gesell, die beiden geschäftsführenden Deutschen und Herausgeber der „ Deutsch- Französischen Rundschau" haben nunmehr auch die Die Baustoffsyndikate wuchern Die Frankfurter Zeitung" berichtet refigniert: „ Seit dem Winter 1933 sind die Preise verschiedener wichtiger Baustoffe mehr oder weniger stark gestiegen. Das iſt zum Teil eine Saisonerscheinung, die sich auch in früheren Jahren abgezeichnet hat. In diesem Jahre kommt hinzu, daß die verschiedenen Arbeitsbeschaffungsprojekte die Bautätigkeit insgesamt belebt haben, so daß die Nachfrage nach Baustoffen merklich wuchs. Die Nachfrage und damit auch die Preise waren allerdings in den früheren Jahren schlechter Konjunktur stark zurückgegangen, wie das den Marktgeseßen entspricht. Wenn jetzt die Bewegung sich umkehrt und mit der erhöhten Bautätigkeit auch die Preise sich von ihrem Tiefstand erholen, so wird man hierin im allgemeinen auch nur die Auswirkung desselben Marktgesetzes zu erblicken haben. Die Frage ist nur, in welchem Ausmaß die Preissteigerungen erfolgt sind. Die Gefahr besteht gewiß, daß überhöhte oder gar spekulative vorweggenommene Preissteigerungen die Ankurbelungsversuche am Baumarkt beeinträchtigen tönnten; denn jede unbegründete oder übertriebene Preiserhöhuna fann den raffaft Sa... förderung schmälern. Nach Mitteilungen des Rheinisch- WestWestfälischen Baugewerbeverbandes in Gen frei Baustelle in den ersten 5 Monaten 1933 gestiegen: für Kies von 4,20 auf 6,50 pro Kubikmeter, für Rheinsand von 4,70 auf 7,25, für baumkantiges Bauholz von 29 auf 39, für scharftantiges Bauholz von 36 auf 47 und für Zementfalt ( 10 To.) von 179 auf 192 RM. Grenze überschritten, fie mußten zuletzt den Schuß einer aus Alle Frauen gekündigt wärtigen Diplomatie in Anspruch nehmen, um außer Landes gehen zu können. Damit ist auch die französische Sektion zu fammengebrochen. Auf Antrag der NSDAP. hat die Stadt Mettmann beschlossen, sämtlichen bei der Stadtverwaltung und bei der Sparkasse beschäftigten Frauen zu kündigen. sagt: commen „ Absolut nichts" 0100 Chamberlain sagt: Das Ende in London durch..Verlegung"- Optimistisches Getue in Völkerbundes, veröffentlicht einen Artikel des bekannten eng. der Schlußsitzung Ergebnis gleich Null London, 27. Juli. In der heutigen Schlußßißung der Weltwirtschaftskonfe renz hielt der amerikanische Delegierte James Cox in seiner Eigenschaft als Präsident des monetären und finanziellen Hauptausschusses eine Rede, in der er ausführte, die Konferenz habe Ergebnisse gezeitigt, die die Mühe gelohnt hätten. Es herrsche Einigkeit darüber, daß von einer Aufgabe weiterer Bemühungen keine Rede sein könne. Die erste Hilfe zur Lösung der Wirtschaftsnöte würde eine Besserung der Warenpreise sein. Tatsächlich hätten einige wichtige Schuldnernationen keinen Zweifel gelassen, daß sie zahlen fönnten, wenn normale Verhältnisse wiederkehrten. Um die konstruktiven Bemühungen in den Schuldnerländern zu unterstützen, sei die B33. eine große Hilfe. Bei fünftiger Kreditgewährung bedürfe es einer solchen Einrichtung. Es fönne feine allgemeine Erholung der Welt geben, solange die eingefrorenen Kredite die Handelskanäle verstopfen. Glücklicherweise seien Erleichterungsmaßnahmen im Gange. Die nationalistischen Bestrebungen müsse man mit geduldigem Verständnis"( diese mitleidige und geringschäßige Bemerkung galt Hitler!) betrachten. Nicht nur Geld- und Wirtschaftsfragen, sondern auch soziale Probleme spielten dabei eine Rolle. Es sei unangenehm, daß heimische Sorgen die Arbeit einer internationalen Konferenz verzögerten; aber damit müsse man sich abfinden. Wenn die nationalen Industrien wiederhergestellt seien, dann werde der Handel begin nen, über die Grenzen zu fließen, und nach Erledigung der nationalen Aufgaben seien die Probleme zu behandeln, die die Nationen vereinigt lösen müßten. Der Redner schloß, er wisse nicht, wann die Konferenz wieder zusammentrete. Aber der Zusammentritt selbst sei gewiß. Im weiteren Verlauf der heutigen Schlußsizung der Weltwirtschaftskonferenz fragte der sowjetrussische Vertreter, Botschafter Maisky, was hat die Konferenz getan?" und gab die Antwort darauf:„ Absolut nichts!" Staatssekretär Cordell Hull verlas eine Botschaft des Präsidenten Roosevelt an den Präsidenten der Weltwirt schaftskonferenz Macdonald. Roosevelt betont, daß die Nationen der Welt weiterhin gegenseitige Probleme mit Of= seien nicht immer allein in formellen Uebereinkünften zu sehen. Wir in den Vereinigten Staaten, so heißt es weiter, verstehen die Probleme anderer Nationen heute besser als vor dem Zusammentritt der Konferenz, und wir hoffen, daß andere Nationen in demselben Geist des guten Willens unfenheit und ohne Berstimmung erörtern könnten. Ergebnisie ſere amerikaniſche Politik betrachten, die die Ueberwindung unserer noch nicht dagewesenen Wirtschaftslage im Innern erstrebt. Roosevelt hebt hervor, daß er die Weltwirtschaftsfonferenz nicht als einen Fehlschlag ansieht. Es sprach auch Herr Dr. Schacht für Hitler- Deutschland. Er sprach allerdings nicht, wie die Nazis im Innern Deutsch lands zu reden pflegen, sondern er sprach wieder einmal von der Förderung der internationalen Zusam= menarbeit" durch die deutsche Nazi- Regierung. Nach Dr. Schacht bemerkte der tschechische Gesandte Ma= saryk, die Unterzeichnung der Angriffsdefinition bilde einen wichtigen Schritt zum Frieden und der loyalen Zusammenarbeit der Nationen. Ohne Feindschaft Französische Stimmen Paris, 28. Juli. Der Londoner Weltwirtschaftskonfes renz, die gestern ihre Pforten geschlossen hat, weint die frans zösische Presse keine Träne nach. Die Blätter begrüßen es, daß die Konferenzteilnehmer wenigstens so ehrlich gewesen find, teine falschen Ausflüchte zu suchen, was als Novum in der Geschichte der Nachkriegstonferenzen verzeichnet zu wers den verdiene, und daß man im Grunde genommen sich ohne Feindschaft trenne. Die Konferenz scheint, so erklärt " Journal", kein Unheil angerichtet zu haben, was man von sehr vielen Konferenzen nicht sagen kann. Nouvelle" nimmt für die französische Delegation das „ Ere Verdienst in Anspruch, durch Verteidgung des Goldstandards nicht nur den Interessen Frankreichs, sondern auch der ganzen Welt genußt zu haben. Als greifbarftes Ergebnis der Konferenz bezeichnet Petit Journal" die Bildung einer Staatengruppe mit Frankreich als Mittelpunkt, die den Grundsatz der Ordnung verfechte. Ueber die Möglichkeit eines evtl. späteren Wiederauflebens der Konferenz scheint sich nur noch Volonte Illusionen zu machen. Das Blatt nennt die gestrige Bertagung einen Zwischenakt. Die Verfolgten 65 000 Juden aus Deutschland emigriert Dortmund, 26. Jult.( Inpreß.) Der Kreisleiter des ,, Diesem Deutschland kein Entgegenkommen Genf, 28. Juli 1933.( Jusa.) Das Journal des Nations", offiziöses Organ des lischen Politikers Sir Austen Chamberlain, betitelt: Durch eine Politik der Drohungen und Gewalttätigkeiten wird Deutschland von England keine Konzessionen erhalten." Wie unser Genser Korrespondent, Viktor Friedman, berichtet, hat der Artikel in den Völkerbundskreisen großes Aufsehen erregt. Wir entnehmen ihm folgende Stellen: „ Ich bin tief ergriffen von dem, was gegenwärtig in Deutschland vorgeht. Zweifellos deshalb, weil ich während vier oder fünf Jahren intensiv dafür gearbeitet habe, daß Deutschland seinen normalen Play im Kreise der Nationen wieder einnehmen. Ich sehe nun alle meine Hoffnungen wenn nicht vernichtet, so doch hinausgeschoben, beseitigt durch den neuen Geist, der in Deutschland herrscht. Locarno blieb während einer gewissen Zeit das Symbol des Fries dens und der Versöhnung, aber im neuen Deutschland ist der Name Stresemann nicht respektiert. Locarno ist nur mehr der Ausdruck eines Schimpfs.- Solange die in Deutschland gehaltenen Reden und seine Propaganda drohend, brandstifterisch, ten= denziös und einseitig sein werden darf es nicht erwarten, daß jene, die sich durch diese Propaganda bedroht fühlen, abrüsten und ihm eine bessere Angriffsposition eins räumen! Die Gewährung von Konzessionen hängt nicht von England, sondern von Deutschland ab, das verstehen muß, daß durch seine flammenden Aufrufe an das eigene Volk die Verwirklichung seiner Wünsche hinausgeschoben wird." London, 28, Juli,( Jusa.) Die englische Arbeiterpartei veröffentlicht aus der Feder von Arthur Henderson eine Broschüre über die Außenpolitik der Labour Party. Ein großer Teil der Schrift ist den Fragen der Abrüstung und der Revision der Friedensverträge gewidmet. Waffenfabriken, die Auflösung aller bestehenden Armeen und Henderson fordert die Schließung sämtlicher privater ihre Ersegung durch erne internationale Polizei unter der Kontrolle des Völkerbundes. In bezug auf die Revision der Friedensverträge schreibt Henderson wörtlich:" Die friedliche Revision der Verträge sezt ihre peinliche Einhaltung durch die Inter essierten voraus, bis zum Zeitpunkt, da sie durch gegenseitiges Abkommen die gewünschte Aenderung erreicht haben werden." Kampfbundes für deutsche Kultur, Marquard, teilte in einer Hitler in Angst Versammlung mit, daß im letzten Halbjahr 65 000 Juden aus Deutschland ausgewandert sind. Hinter Deutschlands Gittern Ein aus der„ Schutzhaft" Entronnener erzählt Die tschechoslowakische Bäder- Zeitung" in Karlsbad ( Nr. 154) veröffentlicht folgenden Bericht: -R. Ein erst fürzlich zurückgekehrter Schutzhäftling, ein tschechoslowakischer Staatsbürger aus Engelsdorf im Bezirk Friedland, dessen Namen unserer Reichenberger Redaktion be= kannt ist, erzählt uns über seine Erlebnisse in Deutschland. Wir lassen diesen Schußhäftling selbst sprechen: Am 11. März d. J. wurde ich in Schönfeld bei Ostritz verhaftet, trotzdem ich meinen Paß in Ordnung hatte, tschechoslowakischer Staatsbürger war, feinerlei Paßvergehen oder dergleichen gegen mich vorlag. Nach meiner Verhaftung wurde ich in das Amtsgericht in Ostritz befördert, woselbst tch einen Tag verblieb. Von hier ging es in das Amtsgericht in Zittau, wo ich sechseinhalb Wochen verblieb. Von hier be= förderte man mich in das Braune Haus( jetzt HermannGöring- Haus) nach Löbau, hier verblieb ich viereinhalb Wochen. Danach folgte mein Transport ins Arbeitsdienstlager nach Kupferhammer für dreieinhalb Tage, dann Weitertransport nach dem Arbeitsdienstlager Schloß Heinewalde, woselbst ich bis zu meiner Freilassung, also zweieinhalb Wochen, verblieb. Als Ausländer wurde ich verhältnismäßig gut behandelt, doch hatte ich als Schneider einen großen Verdienstentgang, da gerade die Arbeit über Ostern und Pfingsten die Haupteinnahme des Jahres darstellt. Meine Frau und vier Kinder mußten während dieser Zeit von zwei Czechkarten und drei Milchkarten die Woche leben und hätten verhungern müssen, wenn sich nicht andere Leute ihrer angenommen hätten. Doch dies alles nur so nebenbei. Die Hauptsache ist, all das Ungeheuerliche aufzuzeigen, was ich während der Zeit meiner Inhaftierung erlebt habe. Schon im Amtsgericht in Zittau, wo die Gefangenen brutaler behandelt wurden wie die gemeinsten Verbrecher, erhielt ich durch die Erzählungen der Gefangenen einen Vorgeschmack vom Dritten Reiche. Ich sage Vorgeschmack, denn .das, was ich nun im Braunen Hause in Löbau sah, erfüllte mich mit Entsetzen. Von Löbau bis Heinewalde fühlte ich mich nicht mehr wie in einem Kulturstaat des 20. Jahrhunderts, sondern wie in der Zeit der schlimmsten Barbarei, im finsteren Mittelalter. Die SS.- Mannschaft, die hier die Gefangenen viehisch behandelte, war aus Breslau und war in die Uniform des Zittauer Mordsturms 102 gesteckt. Zu der Zeit befanden sich im Braunen Hause 176„ Schußgefangene". Diese armen Menschen wurden zu allen möglichen Arbeiten, wie Räumung der dortigen sozialdemokratischen Druckerei und Beseitigung der demolierten Gegenstände verwandt. Das Empörendste war, daß die Gefangenen zu jeder Tages= und Nachtzeit zur Reinigung aller durchfahrenden Autos und Motorfahrzeuge für die Nazis und ihre Geldgeber verwandt wurden. Noch nachts um 12 Uhr wurden sie zum Gaudium der SS. und der darin fizzenden Spießer zum Putzen der Autos gezwungen. roter Sportler aus Niederkunnersdorf bei Löbau, Heinz Goldberg, im Alter von 29 Jahren, der eine Frau mit drei Kindern hinterließ, wurden von diesen Banditen im Keller des Hauses erschossen. In Schußhaft waren Personen im Alter von 15 bis 70 Jahren. Ich sah unter den Schuhgefangenen sogar einen 100prozentigen Kriegsinvaliden, dem beide Beine fehlten, einen früheren Eisenbahnbeamten aus Ebersbach in Sachsen. Das sollte wahrscheinlich der„ Dank des Vaterlandes" für seine Helden sein, wie sich Hitler und Göring immer auszudrücken belieben. Schlafen mußten die Schußgefangenen auf Papierabfällen. Für 176 Gefangene waren nur 20 Eßschalen vorhanden. Statt Spaziergängen gab es nur Zwangsererzieren. Bezeichnend für diese Nazi- Kultur ist, daß sich auch deutsche Lehrer in Schußhaft befanden, die mißhandelt und einer von ihnen sogar die Stiege hinuntergeworfen wurde. Ständig wurden die Gefangenen mit Ohrfeigen traftiert, wobei sich einige tschechoslowakische Nazis am rabiatesten benahmen. Bücher aus Arbeiterbüchereien, sowie Schränke wurden als Zielscheibe benützt und nachher verbrannt. Der Abtransport erfolgte von Löbau mit den von Nazis gestohlenen Autos. Gefahren wurden nur die Krankgeschlagenen, die anderen mußten sechs Stunden weit marschieren, wobei sie unter Drohungen Nazilieder singen mußten. Im Arbeitsdienstlager Heinewalde war das Essen bedeutend schlechter, man erhielt täglich ein Pfund Brot, ein Viertelpfund Margarine nebst schwarzem Kaffee und ein elendes Fressen zu Mittag. Die Arbeit begann früh um halb 6 Uhr und dauerte mit zweistündiger Unterbrechung bis abends um 5 Uhr. Die Gefangenen wurden zum Pflügen und Eggen vor die Ackergeräte gespannt, um so dem verlotterten Ritterguts: besiger sein Gut zu bestellen. Dabei wurden sie von 16 SA.- Leuten bewacht. Diese Arbeit mußte bei ungenügender Kleidung in zerrissenen Schuhen bei jeder Witterung verrichtet werden. Die Gefangenen mußten sich abends um halb 8 Uhr noch einmal bei thren Peinigern melden. Dafür muß eine jede Heimatsgemeinde des Häftlings pro Tag zwei Mark zahlen. Die Handwerker erhielten für ihre Arbeit nichts. Da ich Schneider war, mußte ich, nebst anderen Berufskollegen, für die Firma Mentschel aus Groß- Schönau Naziuniformen nähen. Das Geld hierfür steckten die Naziführer ein. Alle Gefangenen mußten wöchentlich zweimal abwechselnd den katholischen und evange= lischen Gottesdienst besuchen. Jede Uebertretung dieser Lagerordnung wurde mit Entzug des Rauchens, mit Zwangsexerzieren usw. bestraft. Die Besuchszeit für nur ganz nahe Angehörige betrug nach Einsendung eines Gesuches nebst 45 Pfennig innerhalb fünf Wochen, fünf Minuten. Er liebt Blumen nicht... Berlin, 28 Juli 1933. fig. Ber.). Bereits vor einigen Monaten wurde eine amtliche Hitler= Bekanntmachung erlassen, wonach es verboten wurde, den ,, mutigen Führer" mit Blumen zu bewerfen aus der Angst, es könnte vergessen werden, die Töpfe vorher zu entfernen! Ruumehr hat Hitler gestern nochmals das gleiche Verbot herausgegeben und über den ganzen deutschen Rundfunk verbreiten lassen er trant der Liebe zum angeblichen Volkskanzler" so sehr, daß er fürchtet, sie könne fich allzu explosiv äußern! 1 In die richtige Beleuchtung gerät diese weibische Furcht Hitlers aber erst durch die Darstellung eines englischen Blattes: Ein Spezialberichterstatter von Reynolds Illu strated News berichtet über Hitlers ewige Attentats= angst und meldet, daß jedermann, der ihn kennt, von seiner persönlichen Feigheit überzeugt ist, daß Hitler fortwährend zwischen Wutansbrüchen, Tränen und Angstzuständen hin und her taumelt und zwischen den einzelnen Anfällen unmäßige Mengen von Zuckerwerk und füßen Refs verschlingt, die er allerdings heimlich untersuchen läßt, um nicht giftige Süßwaren einzunehmen. ..Jede Nebenaktion" verboten Nachdem die Gewerkschaften geraubt wurden! Presseverbot! Berlin, 28. Juli 1933.( Eig. Ber.) Der Reichsarbeitsminister, Stahlhelm: Seldte, hat eine Kundgebung erlassen, die die Abblasung der Revolution auch für die Treuhänder der Arbeit" be= deutet. Amtlich wird befohlen, diese Kundgebung an erster Stelle der am 28. Juli zuerst erscheinenden Ausgabe aller deutschen Zeitungen zu veröffentlichen. Dies ist ein neues Dokument der Wendung zum reak tionärsten Kapitalismus und der Ausschal= tung auch der NSBO. Sie lautet: " Die Kundgebung des Herrn Reichskanzlers über den Abschluß der deutschen Revolution, die Mitteilungen des Hern Reichsministers des Innern, der schärffte Maßnahmen androhung gegen unbefugte Eingriffe in die Wirt schaft und gegen Mikachtung von Anord= " ungen der Träger der Staatsautorität, sind allen Dienststellen in Reich und Ländern bekanntgegeben worden. Im Anschluß daran hat der Herr preußische Minister: präsident für den Bereich seiner Verwaltung befohlen, daß Kontrollen der Staatsverwaltung oder gar Eingriffe in fie durch außenstehende Personen in Rukunft verboten find. Derartigen Versuchen sei mit allen Mitteln entgegenzutreten. Demzufolge erwarte ich, daß auch in meinem Arbeits: bereich die Autorität der Reichsregierung unter allen Umständen sichergestellt bleibt und jeder Versuch, sie zu erschütz tern, unterbunden wird. Insbesondere verweise ich ans den Ausführungen des Herrn Reichskanzlers auf zwei Punkte: 1. Jede Nebenaktion, möge sie herkommen woher sie wolle, muß zurückgewiesen werden. 2. Reinerlei Organisation oder Parteis stellen irgendwelcher Art dürfen sich Re: gierungsbefugnisse anmaßen, Personen absetzen und Aemter besegen. Wie in bezug auf die Wirtschaft allein der Herr Reichs= wirtschaftsminister, so ist auf dem Gebiet der Aufgaben des Reichsarbeitsministeriums allein der Reichsarbeitsminister zuständig." Eine beliebte Methode, die Gefangenen zu quälen, war fol- Sprechen durften die Gefangenen in einem Raume unter Triest gegen Hamburg gende: Die SS. und SA. beschmutzten sich ihre Schuhe und Kleidungsstücke und dann mußten die Gefangenen so lange putzen und waschen, bis alles wieder rein war. Die Mißhandlungen waren so fürchterlich, daß ich mindestens 18 Personen feststellen konnte, denen das Gefäß so zerschlagen war, daß man einige Finger in die Wunden hineinlegen konnte. Manche konnten nur mit Stöcken sich mühsam fortbewegen. Zwei Gefangene, einer aus Ebersdorf in Sachsen und ein Beisein von vier Mann Bewachung, wobei sie voneinander durch eine Tischbarriere von drei Meter Breite getrennt waren. So verließ ich Heinewalbe das Arbeitsdienstlager das Schloß, an dessen Vorderfront zur höheren Ehre des deutschen Faschismus sich ein Hakenkreuz aus lauter Glühbirnen befindet. Damit endet mein Bericht, für den ich mit meiner Person einstehe! Ein Konkurrenzkampf Das österreichische Handelsministerium beabsichtigt, etxen 10prozentigen Vorzugszoll für Kaffee und Teesendungen, die aus Triest nach Desterreich gelangen, zu gewähren. Englische Exportkreise unterstüßen das Projekt, Triest für eine Reihe von Ländern als Exporthafen an Stelle Hamburgs treten zu lassen, aufs wärmste. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit" Ereignisse und Geschichten Sie sitzen am braunen Bronnen Stechschritt- Professoren Hans Heinz Vampir und Bienchen Maja 1. ,, Meine Mutter war untceu.. Einer der feinsten Aciec Der Arierparagraf des Dritten Reiches ist im Interesse der Rassenreinheit sehr streng. Ist die Mutter Christin, der Vater aber Jude, so ist das aus dieser Ehe hervorgegangene Kind ein„ Bastard", ein Judenstämmling, ein verachtenswertes Individuum- mit einem Worte ein Staatsbürger zweiten Ranges. Aber auch in diesem Falle besteht eine Möglichkeit, daß der Sproß aus einer solchen Mischehe zu einem vollwertigen Bürger avanciere, wenn er nämlich die notwendige Gemeinheit besitzt, die einen jeden echten Nationalsozialisten auszeichnet. Arnolt Bronnen, der Verfasser einiger schlechter Kriegsromane, ist seit einigen Monaten, seit der Machtübernahme durch Hitler, ein überzeugter Nationalsozialist. Er verstand es auch, im Münchener Braunen Haus Fuß zu fassen, ja selbst in Hitlers nähere Umgebung einzudringen und ein Vertrauensmann des Hunnenkönigs zu werden. Seine Karriere schien im Dritten Reich gesichert zu sein, aber da passierte ihm ein kleines Unglück. Es kam der berüchtigte Arierparagraf und die Aktion zur Ausrottung der Judenstämmlinge machte selbst vor dem Braunen Hause nicht halt. Auch Arnolt Bronnens Rassenreinheit wurde einer näheren Untersuchung unterzogen, und da kam alles Bro Tageslicht. Es stellte sich einwandfrei heraus, daß Arnolt ans Bronnen mit seinem bürgerlichen Namen Arnolt Bronner heißt und daß er aus Mährisch- Ostrau stammt. Seine Familie besteht aus lauter reichen jüdischen Schnapsfabrikanten. Seine Mutter ist allerdings eine Christin. Aber was tuts? Bronnen mußte das Braune Haus mit Schimpf und Schande verlassen. Arnolt Bronnen war tief unglücklich. Sein nationalsozialistisches Herz schlug immer stärker und stärker und er wollte nicht einsehen, warum er, ein seit sechs Monaten überzeugter Nazi, nun plößlich ein als im Dritten Reiche verachteter Jude sein Leben bis zu dem unausbleiblich nahen Tode weiterfristen soll. Er sann nach Abwehrmaßnahmen, und endlich nach zwei Monaten langem Grübeln hatte er eine Idee, vor dessen Gemeinheit selbst die Herren des Dritten Reiches den Hut zogen. Er suchte die zuständigen Stellen auf und gab eine ganz eigenartige, an Gemeinheit unübertreffliche Erklärung ab. Er erklärte eidesstattlich, daß er, wenn auch sein Vater ein Jude ist, dennoch ein reinrassiger Arier sei, denn... Und nun sprach er ganz im Sinne von Hunnen- Deutschland: Seine Mutter hätte seiner Zeit die eheliche Trene nicht immer gehalten; sie hätte die Ehe neun Monate vor seiner Geburt mit einem reinraffigen Arier gebrochen. Der Sproß dieses Ehebruches sei er- Arnolt Bronnen. Er ist also ein reinrassiger Arier und als solcher hat er das Recht, im Dritten Reich eine Führerstellung einzunehmen. Nun war der Tatbestand sonnenklar. Hitler und seine Henkersknechte sahen reumütig ein, daß sie nicht das Recht hatten, an Arnolt Bronnens Ariertum zu zweifeln und nahmen ihn wieder in ihrer Mitte auf. Der Mann, der seine Mutter öffentlich des Ehebruchs bezichtigt, um sich dadurch Vorteile zu schaffen, ist entschieden würdig, ein Führer des Dritten Reiches zu sein. SD 21osion stb ser beiden Rassen sehr erwünscht, sowohl für uns Deutsche, wie für die Juden." " Ich bin durchaus fein Chauvinist, ich habe vielmehr meinen Patriotismus erst auf langen Reisen in allen Weltteilen erworben, ja, ich muß sagen, daß ich mich gegen eingefleischte humane Menschheitsgedanken" erst in Jahren zu meinem Deutschtum durchgekämpft habe. Die einzige Rasse aber, die ich der meinen als gleichberechtigt anerkennen muß, ist die jüdische."( Seite 37.) „ Es ist durchaus kein Zufall, daß gerade die geistig hochstehenden Deutschen sich so oft zu Jüdinnen hingezogen fühlen, während umgekehrt die kulturell entwickelten Juden sich physisch wie psychisch der blonden Germanin zuwenden; bei den Frauen ist das ganz ebenso. Die Entwicklung geht ganz von selbst vor sich, und sie ist, da die Natur sie will, ganz gewiß erwünscht. Da sie nun einmal da ist, so soll man ihr alle Wege ebnen, nicht aber, wie es wohl oft genug geschieht, thr Steine und Knüppel vor die Füße werfen."( Seite 38.) So schrieb Hans Heinz Ewers damals. Dazumal spielte er noch mit Alraune, saugte mit Vampiren und saß mit JüdinJm Berliner Grunewald veranstalteten die Uni. versitätsprofessoren gemeinsam mit den Studenten einen Gepäckmarsch in Uniform. Und wenn der ganze Erdball lacht: Das Hakenkreuze durchgedrüdt, Marschiert der Vollbart in die Schlacht Und scht, wie es vortrefflich glüdt! * So wird die Sehnsucht doch gestillt Die stumm in seinem Herzen ruht, Der Untertan figt ungefillt In seinem rassenreinen Blut. Was stört ihn Geist und was Kultur? Die Brust heraus, den Bauch hinein. Der Stechschritt wird zur Badekur Für so ein Stubenhockerschwein! Gepäckmarsch, durchgedrückter SchrittDie Professoren sind„ erwacht", Sie schleppen ihre Schande mit Gepäck, das niemand Ehre macht! nen beim Tee. Heute ist er raſſiſch ertüchtigt und ergießt sei. Ohne Marx geht es nicht nen grausamen Kitsch in die stets offenen Becher nationalsozialistischer Legenden, die das Ohr der Zeit und die Münze der Konjunktur besitzen. 3. Bonsels summt ums Kunnenkreuz Der zarte Lyriker hat Sinn für den Gummiknüppel Die gleichgeschalteten deutschen Schriftsteller haben in Waldemar Bonsels einen neuen Geistesverkünder der braunen Barbarei erhalten. Dieser lyrisch verträumte Aesthet galt bisher als viel zu differenziert und vornehm, um in die plebejischen Niederungen politischer Erkenntnisse hernieder zusteigen. Da nun im Dritten Reich ein„ Kulturmanschententum" erwacht ist, erwacht im warmen Süden auch der Dichter der„ Biene Maja", beginnt seine parfümierten Hemdärmel hochzustreifen, um sich mit hinterhältiger- treuherziger Ec bleibt in wissenschaftlichen Bibliotheken Feg. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Preußische Stultusminister in einem an die Univerſitäts-, Hochschul- und Akademiebibliotheken gerichteten Runderlaẞ darauf hingewiesen, daß für die wissenschaftlichen Bibliothe= ten die Beschlagnahme oder Vernichtung jüdischer oder marristischer Literatur nicht in Frage kommt. Der Ausleihung dieser Literatur soll aber in Zukunft besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden. Sie darf nur noch erfolgen, wenn der Entleiher den Nachweis führt, daß er die Bücher zu ernster wissenschaftlicher Forschungsarbeit benötigt. Auch der preußische Minister des Innern hat den Gemeinden und Gemeindeverbänden hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Büchereien entsprechende Anweisung gegeben. Biederfeit im Hakenkreuz- Proletarischen" den Nazioten Arbeitersänger nicht gleichgeschaltet vorzustellen. Er. fißt fern vom Brennpunkt der Geschichte" auf Capri, der Insel der gleichgeschalteten Seligen, und hat keine Ahnung von der Kerferlust der Konzentrations lager. Aber vielleicht erhebt er gerade deswegen seine lyrische Stimme. In einem Artikel der Berliner Kreuz- Zeitung", Vorstoß und Auswirkung" betitelt, versucht der seltsame März, sozialist" in aktuellem Tiefsinn zu machen. Er sei, so schreibt Bonsels, durch zahllose Zuschriften( aus gerechnet den Vergessenen auf Capri haben sich die Unbefannten ausgesucht) zu einem flammenden Protest aufgefordert worden; der Ungeist verdränge den Geist, deutsche Kulturgüter seien in Gefahr, das Mittelalter fehre zurück. „ Gerade das Gegenteil werde ich tun", heißt es unmittelbar darauf. Und dieser Schriftsteller in den Reihen der Konjunkturritter hat wohl im Bölkischen Beobachter" von dem„ mit: telalterlichen Herentanz um die Scheiterhaufen der deut schen Kultur" gelesen, benn er nennt diese Maßnahmen jugendlicher Gemüter eine Proklamation, eine symbo lische Handlung, eine Kundgebung der Heraufdrängenden, das Echte, Wahre und Erhabene hochzustellen und das Nich tige und Schädliche in der Literatur zu verdammen". Der beliebte Waldemar scheint also seine Leute zu kennen und weiß, daß sie die ganze schöne Literatur nicht freut, wenn 2. Vampic, zu Jüdinnen hingezogen fie fie nicht auf einen Scheiterhaufen werfen können. JaDer Fundvogel des Dritten Reichs " Hans Heinz Ewers, Autor der Romane„ Fundvogel" und„ Vampir" und der nur auf Geilheit spekulierenden„ Alraune" aber auch des von Hitler approbierten Horst Wessel" Romans, einer der widerlichsten Konjunkturritter des„ Aufbruchs ins Dritte Reich", dürfte wohl nicht # gern an einen Aufsatz erinnert werden, den er in dem Buch " Judentaufen", in dem Werner Som bart im Jahre 1912 eine Reihe von Aufsäßen über dieses Thema( bei MülIer, München) veröffentlichte, der Ewigkeit überließ. Damals schrieb Hans Heinz Ewers noch ganz anders, und wir wollen mit einigen Proben die Erinnerung auffrischen: „ Und mich deucht, daß das Beispiel der beiden Dichter und ihrer Kinder zur Evidenz beweist, wie völlig gleichberechtigt die germanische und die jüdische Raffe ist, wenn schon ein Tröpflein Blutes genügt, dem Rassegefühl Ans: druck zu verleihen." " So erscheint mir die möglichst enge Assimilation die: Der Zusammenstoß Ort der Handlung: Gerichtssaal. Publikum sitt gelangweilt da und folgt den Vorgängen vor dem Richtertisch ziemlich teilnahmslos. Die meisten kamen, um der für 10.30 Uhr anberaumten Verhandlung über den Zusammenstoß auf der Untergrundbahn beizuwohnen. Endlich ist es so weit. Der Gerichtsdiener ruft: Willy Lehmann und Genossen. Und herein strömt besagter Willy, gefolgt von ein paar Männern, denen man es sofort anmerkt, daß sie Beamte des Dritten Reichs sind. Nicht nur an den mostrich- braunen Uniformen... Gedrückt, verprügelt, getreten naben sie sich dem Richtertisch. Nach Aufnahme der Personalien beginnt die Verhandlung. Staatsanwalt: Willy Lehmann, Sie wissen, was Ihnen zur Last gelegt wird. Sie haben den Zug Nr. 30 74 durch Unachtsamkeit, ja durch grenzenlose Leichtfertigkeit zum Entgleisen gebracht. Im Dritten Reich ist für solchen, dentscher Wesenart völlig fremden Leichtsinn fein Raum Danken Sie Ihrem Schöpfer, daß das Rasseamt eindeut festgestellt hat,... so sind sie, die auf hohen Kothurn einherstelzenden Aestheten Menschen, die noch jeder Entscheidung feige ausgewichen sind. Menschen, die noch immer vornehm näselnd im Hintergrund sich unterhielten, während die wahren Repräsentanten der deutschen Geistigkeit ihre ganze Person für das einsehen, was sie als wahr und notwendig erkannt hatten. Nachdem Waldemar Bonsels, in befohlener Gesinnung Der Deutsche Arbeitersängerbund in Berlin( DAS.) mit seinen 130 000 Mitgliedern und einer vierzigjährigen, großzügigen und erfolgreichen Sulfurarbeit hat zu bestehen aufgehört. Das Kultusministerium hatte dem DAS. die Gleichschaltung angetragen, das Aufgehen in die staatliche Sängerbewegung, die natürlich nur hakenkreuzlerischer Prägung sein darf. Während der Deutsche Sängerbund mit fliegenden Fahnen übergegangen ist, hat es der DAS. einstimmig abgelehnt, sich gleich schalten zu lassen. Da aber ein weiteres Arbeiten im Interesse des Kulturlebens der Arbeiter im Deutschland der Konzentrationslager und Kerfer nicht mehr möglich ist, wurde gleichzeitig die Liquidation des DAS. beschlossen. Damit hat dieser den in dieser Situation für Sozialisten einzig gangbaren Weg gewählt und ist in Ehren gestorben. Wenige Wochen Hitlerismus haben einer glänzenden Bewegung im deutschen Kulturleben ein Ziel gesetzt- vorläu fig, bis auf weiteres. Die Arbeiter werden sich ihr eigenes Kulturleben wiedererobern, nicht nur in ihrem Interesse, sondern in dem für die gesamte Menschheit. Schauspielertournee verboten Eine Auslandstournee von Schauspielern der preußt. schen Staatstheater, die von den Nazis entlassen worden sind, wurde, trotzdem die Schauspieler arbeitslos sind, durch Verweigerung der Ausreiseerlaubnis unmöglich gemacht. schäumend, einige diskrete Warnungszeichen aufgepflanzt hat Blinder (... nicht alles, was deutsch ist, ist ein Hakenkreuz"), empfiehlt er schließlich den Nazioten mit herzlicher Stimme mehr Humor und Güte, um, und dies ist der Zweck seiner allzu billigen und allzu zweckbewußten Einschränkungen, schließlich mit Stentorstimme zu behaupten, daß„ öffentliche Kritik geduldete Gültigkeit behält und bekennt zum Schluß:„ Es ist nicht richtig, daß man heute in Deutschland seine Gedanfen nicht äußern darf." So ist Waldemar Bonsels brauner Lyriker geworden. Seine braune Biene Maja sucht Nektar im„ freien Dritten Reich". Lehmann: Aber, ich habe... Staatsanwalt: Schweigen Sie... Sie haben den Zug zum Entgleisen gebracht... Und das genügt. Sie haben ihn abfahren lassen in einem Augenblick, da Sie genau wuß ten, daß die Ausfahrt nicht frei war. Und diese sträfliche Handlungsweise, dieses dem Germanen völlig artfremde, die Staatsautorität mit Füßen tretende Wesen, das seit der nationalen Erhebung, im Sinne unseres allseits hochverehrten Herrn Reichskanzlers, von uns bekämpft, zerstampft, vernichtet wird, verlangt nach strengster Bestrafung. Lehmann: Ja, aber... ich habe... Staatsanwalt( brüllend): Was haben Sie? Das Zeichen zum Abfahren haben Sie gegeben... Sie haben es aber viel zu früh gegeben... Das ist es...( liest aus dem Strafgesetzbuches alle diesbezüglichen Paragrafen vor). Lehmann( zieht indessen einen ganz zerknitterten Zetel aus der Tasche, entfaltet, glättet ihn...) kehr vor der Tür! Der Frankfurter Blindenverein hat seinen Mitbegründer, den jüdischen blinden Arzt Dr. Cahn, aus= geschlossen. Alle jüdischen Blinden sind aus den Mitgliederlisten gestrichen worden. Börse wird arisch Am 30. September erlöschen sämtliche Börsenzulassungen der Berliner Makler. Ausgeschaltet werden sollen laut offiziöser Meldung„ Elemente, die nach Herkunft, Gesinnung und Betätigung nicht an die Börse gehören." aaa- ber eine... Ver- ver- Verordnung der Reichsbahnver- ver- verwaltung.. Staatsanwalt( reißt ihm den Zettel aus der Hand und liest):„ Die Verwaltung der Reichsbahn ordnet hierdurch, mit sofortiger Wirkung, an, daß mit Rücksicht auf die Verbundenheit der deutschen Reichsbahn mit Reich und Volk sämtliche Beamte, Angestellte und Arbeiter im Dienste durch Erheben des rechten Armes zu grüßen haben." Na, und...? Lehmann( schnell):... und da is der Frizze jekommen... jerade von der andern Seite des Bahnhofs... und da ha' ick natierlich vorschriftsmäßig mein'n rechten Arm zum Hitlerjruß erho'm. Uff eenmal jibts' n Ruck und der Zuch setzt sich in Bewejung. Paar Minuten später is et passiert. Heil Hitler. ( Erschüttert zieht sich der Gerichtshof zurück. Nach kurzer Zeit kam er wieder und sprach Lehmann frei.) Staatsanwalt( mit überschnappender Stimme): An= getlagter... Sind Sie des Teufels? Was tun Sie Nachspiel: Einige Tage darauf erhielt Lehmann seine denn da? Beförderung zum Obergauleiter der SA. und eine BernTurl. Lehmann( stotternd): Ich... Ber- ver- verzeihung... fung ins Eisenbahnministerium e DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Aus einem Burschien wird ein Mäddfien... Eine Operation, die notwendig wurde Auf der Apponyi- Poliklinik in Budapest wurde in diesen Tagen auf chirurgischem Wege ein junger Bursche in ein Mädchen verwandelt. Der Name des Patienten wurde zunächst verschwiegen, man erfuhr nur so viel, daß man ihn nach der Operation Gisela benannte. Die Operation dauerte länger als eine Stunde, sie gelang ausgezeichnet. Ueberraschungen sind bei dem heutigen Stande der medizinischen Wissenschaft bei einer solchen Operation nicht mehr zu befürchten. Das junge Mädchen liegt nun in einem Einzelzimmer, bis es vollkommen wieder hergestellt sein wird. Gisela wurde von einem Journalisten aufgesucht, der sie als funges Mädchen mit langem, gewelltem Haar und Gesichtszügen von etwas männlichem Charakter beschreibt. Der Brustkasten macht jedoch den Eindruck eines jungen Mädchens im Pubertätsalter. Gisela war unruhig, nervös und klagte über Schmerzen. Die Klagen machten den Eindruck, als ob sie von einem schwachen weiblichen Wesen ausgingen. Gisela beruhigte sich aber bald und sprach dann mit normaler Stimme, die etwas knabenhaft anmutet, von ihrer Zukunft, vor der sie sich ängstigt, da sie nicht weiß, was aus ihr werden soll. Schließlich gab sie auch ihren früheren Namen preis. Sie hieß Aladar Kramer, ist achtzehn Jahre alt und stammt aus einer durchaus normalen Familie. Die Aerzte der Klinik erzählten, daß in der ganzen Welt nur zwölf solche Operationen durchgeführt worden seien. Diese Nachricht darf etwa nicht so verstanden werden, als os es sich um eine wirkliche Umwandlung des Geschlechtes gehandelt hätte. Die Operation wurde an einem jener Menschen vorgenommen, die in den Bereich der sogenannten sexuellen 3 wischenstufen gehören. Darunter versteht man nicht nur die seelisch abartigen Männer mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Merkmalen weiblichen Charakters und Empfindens und die abartigen Frauen mit männlichem Wesen; es gibt auch Zwischenstufen, deren förperlicher Typus nicht klar erkennen läßt, welchem Geschlecht sie zugehören. Diese Menschen haben sich aus einer ursprünglich zwiegeschlechtlichen Anlage nur unzureichend in der Richtung auf ein Geschlecht hin entwickelt. Es kommt nun häufig vor, daß dabei auch die äußeren Geschlechtsorgane ein ab= normes Aussehen haben, daß etwa ein mannähnliches Geschlechtsorgan entsteht, das bet näherer Untersuchung seinen weiblichen Charakter erkennen läßt. Auch die Keimdrüsen im Körperinnern verraten mitunter eine andre Geschlechtszugehörigkeit, als einem so abnormen Kinde nach der Geburt zugesprochen worden ist. Kommt nun dazu noch beim herangereiften Menschen dieser Art der Wunsch, seinem Empfinden gemäß dem andern Geschlecht anzugehören, dann kann ein Irrtum, der von Kindheit auf bestanden hat, nicht nur durch Aenderung der Kleidung und anderen äußeren Geschlechtskennzeichen, sondern in manchen Fällen auch durch eine korrektur auf operativem Wege vollzogen werden. Der Schwimmer durch den Niagarafall Sensationen um den größten Wasserfall Amerikas Ein tollküfiner feiltänzer- Der Mann in der Sonne Aus Niagarafalls im Staat Ontario fommt die Nachricht, daß es einem Mann von 18 Jahren zum erstenmal gelungen sei, den Niagarafall zu durchschwimmen. Der Schwimmer stürzte sich auf der amerikanischen Seite des Flusses in den Fall, wurde wiederholt von den Strudeln mitgerissen, konnte aber trotzdem nach zweieinhalbstündigem schwerem Kampf das kanadische Ufer erreichen. Dort wurde er dann von der Polizei unter Anschuldigung der Vagabun dage und der Uebertretung des Verbots, den Niagara zu durchschwimmen, in Haft genommen. Dieses Verbot, den Niagarafall zu durchschwimmen, besteht auf der kanadischen Seite schon aus der Zeit vor dem Kriege. Damals forderte der Rekordfimmel fast jeden Monat eines oder mehrere Opfer, denn der Niagarafall hat jeden dieser kühnen Schimmer getötet und oft bis zur Unkenntlichkeit zermalmt. Die Leichen wurden dann stets am tanadischen Ufer angeschwemmt und umständliche diplomatische Verhandlungen hatten seinerzeit stattgefunden, um ein beiderseitiges Schwimmverbot zu erlassen. Das ist aber nicht gelungen. Der Niagarafall stand schon oft im Zeichen tollkühner Sensationen. Seitdem er in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts für den Verkehr richtig erschlossen und als Sehenswürdigkeit weltberühmt wurde, wurde immer wieder versucht, ihn zum Schauplatz artistischer oder sportlicher Bravourtaten zu machen. Eine der größten Sensationen pieser Art war die Tat eines französischen Seiltänzers, der über den schmalsten Teil des Falles, dort, wo die Gischt am höchsten sprißt, ein Seil spannte und in Gegenwart von vielen tausend Zuschauern mit einer Balancierstange überquerte. Die Nachricht von diefer tollkühnen artistischen Leistung flog damals über die Das Angebot Von Jo Hanns Rösfer Und dies ereignete sich vor drei Tagen an dem Postschalter Ddes Postamtes 62 in der Lerchenfelder Straße in einer frühen Nachmittagsstunde. Bor den Postschalter tritt ein Herr. „ Zwei Marken zu zehn," verlangt er. Der Beamte nickt, löst umständig zwei Marken vom Bogen und schaut auf. Irre ich mich?" Wieso?" Habe ich nicht das Vergnügen mit Herrn Mittelmeier?" „ Gewiß." Der Beamte nickt freudig: " Wie geht es, Herr Mittelmeier? Wie steht das werte Befinden? Alles gesund daheim? Frau und Kinder wohlauf? Was macht das Geschäft?" „ Danke." „ Hoffentlich bleibt das Wetter jetzt schön-" Der Herr am Schalter wird ungeduldig. " Hoffentlich," sagt er, kann ich jetzt meine zwei Marte haben?" ,, Mit Vergnügen." Der Beamte sagt es, gibt aber die Marken nicht aus der Hand. „ Sonst noch einen Wunsch?" „ Danke. Nein." Nein." ,, Vielleicht ein paar Postkarten?" Marken zu fünf, zwanzig und dreißig?" ganze Welt. Bei ihrer Wiederholung waren die Reporter fast aller amerikanischen Blätter vertreten, auch Zeichner Fotografen gab es damals noch nicht haben den Vorgang im Bilde festgehalten. Das Interesse erlahmte dann schnell, als der Franzose den Seilgang jeden Tag wiederholte und eine dauernde Einnahmequelle daraus zu machen versuchte. Nicht minder groß war die Begeisterung, als es am Ende Naditlied Von Wafter Lindenbaum Ich bin so allein. 2 Ueber mir sind die Sterne, der Mond und die Nacht. In mir ist die Sehnsucht nach Ruhm und nach Macht. Und die Sehnsucht wacht. Ich bin so allein. Die Wolken, sie wandern zum großen Meer. Sie wandern nicht einzeln, sie sind ein Heer Allein ist es schwer. Ich bin so allein. Der Wald ist dunkel, der Strom verrauscht. Der Wind hat heimlich mein Herz belauscht Und hat es den Wellen ausgeplauscht. Ich bin so allein. Die Wellen, die Sterne, der Mond und die Nacht. Sie haben mich alle so traurig gemacht. Hat jemand gelacht?... Juberkulosebekämpfung durci fliegende Röntgenlaboratorien Aus Luzon, der größten und wichtigsten Insel der Philippinen, kommt die Nachricht, daß die Tuberkulose so überhandgenommen hat, daß zahlreiche Todesopfer unter den Eingeborenen wie auch unter den Eingewanderten, speziell den Verwaltungsbeamten, zu verzeichnen waren. Nun hat die Sanitätsbehörde, nach echt amerikanischer Art, sofort Röntgenlaboratorien eingeführt. Kleine fahrende Krankendieser Seuche entgegengesteuert und sogenannte fliegende autos und-wagen durchfahren nun die Insel, um dem schrecklich überhandnehmenden Uebel wenigstens einigermaßen abzuhelfen. Von Manila, der Hauptstadt aus, werden die Arzneimittel auch mittels Bahn befördert. Es ist noch nicht festzustellen, was die Ursache der kolossalen Verbreitung der Tuberkulose auf Luzon ist. Die Eingeborenen, die Negritos, die durch prämalaiische Stämme ins Innere des Landes gedrängt wurden, und die jungen malaiischen Stämme, die Tagalen, sind meist auf den Hans-, Tabak- und Rübenfeldern beschäftigt. Es wird nun angenommen, daß durch die heuer übertragbar waren, wozu noch kommt, daß die Konstitution sehr heißen Monsumwinde die Tuberkelbazillen leichter der Malaien besonders für diese Krankheit inkliniert. Die fahrenden Lazarette nehmen nun Tuberkulinreaktionen vor und die Aerzte machen die Beobachtung, daß fast alle Be wohner dieses Erdteils auf die Proben im positiven Sinne reagieren. des vorigen Jahrhunderts einem Manne auf Grund einer Römerfunde bei Sistyan Wette gelang, den Niagarafall in einer Eisentonne eingeschlossen lebend und ohne Verlegungen zu passieren, nachdem derselbe Versuch vorher mehreremal mit tödlichem Ausgang mißlungen war. Der Mann, dem es dann schließlich gelang, hatte umfangreiche Vorübungen mit einer leeren Tonne gemacht, deren Lauf er aufmerksam verfolgte, um sich dann von der richtigen Stelle die Wasserwand herabzulassen. Nur das Schwimmen war nie gelungen. Ez handelte sich dabei selbstverständlich nicht um den Versuch, schwimmend den 40 Meter tiefen Fall herabzugelangen, denn das wäre nackter Selbstmord, sondern unmittelbar unter dem Fall durch die furchtbaren Strudel und Schnellen zu gelangen. Man darf schließlich nicht übersehen, daß der Niagarafall unmittelbar vor dem Kriege bei der Anlage eines riesigen Kraftwerkes reguliert wurde und erheblich an Wildheit eingebüßt hat. Leute, die ihn von früher kennen, behaupten, daß der Fall nur noch ein Schatten seines früheren Selbst sei. Früher jedenfalls wäre die Fallniederung niemals schwimmend zu überqueren gewesen, denn jedes Stück Holz, das da hineingeriet, wurde zu Sägemehl und kleinen Splittern zerrieben. „ Nein. Nein." " Vielleicht Pafetadressen gefällig? Zahlfarten, Postan weisungen?" " Ich brauche wirklich nichts." „ Kennen Sie schon unsere neuen Wohltätigkeitsmarken? Soeben herausgekommen. Hier sind sie. Wunderschön, nicht wahr? Der ganze Saz nur drei Mark. Darf ich sie Ihnen dazupacken." Ich habe keine Interesse für Marken." Der Beamte legt den Satz zurück. „ Schade. Und wie steht es mit Telegrammformularen? Noch genügend Vorrat daheim?" Der Herr wird krebsrot im Gesicht. „ Geben Sie mir endlich meine Marken und lassen Sie mich ungeschoren!" Der Beamte lächelt. Keine Kränkung steht in seinem Gesicht. ,, Bitte sehr wie der Herr Mittelmeier wünschen- vielleicht ein anderes Mal hier sind die Marken, zwanzig Pfennig bitte wenn der Herr sonst noch etwas brauchen wollen Sie sich nicht ein Postscheckkonto anlegen?" Der Herr ist wütend abgegangen. Die Kollegen umstehen nun staunend den Beamten. ,, Was heißt das? Was soll das? Warum haben Sie das getan?" Der Beamte atmet befriedigt auf. ,, Aus Rache", sagte er. " ,, Aus Rache? Wieso?" Der Beamte seufzt: „ Der Herr ist mein Friseur. Ich lasse mon ihm rafieren. Und jedesmal läßt er mich nicht früher aufstehen, bevor er mir nicht seinen ganzen Vorrat von Seifen, Kopfwassern, Parfüms und Puder angeboten hat." Bei den Ausgrabungen der letzten vier Wochen wurden in Vesele bei Pistyan bedeutende Römerfunde in großer Zahl gemacht, darunter goldene Schmucknadeln, verzierte Glasschalen, Vasen aus Keramik und Bronze und vieles andre. Durch diese Ausgrabungen, die zusammen mit den früher erfolgten Funden in dem kürzlich neueröffneten Pistyaner Museum der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, wurde der Beweis erbracht, daß die römischen Legionen zeitweise bis in das obere Waagtal vorgedrungen sind, und die in der Ruine Tretschin eingemeißelte Gedenktafel, die Mommsen als echt anerkannt hat, bestätigt ja diese Tatsache. Die Ausgrabungen bei Pistyan werden weiter fortgesetzt und es ist zu erwarten, daß diese Arbeiten noch weiteres wertvolles Material zutage fördern werden. Bleiben Sie wafinsinnig! Vernünftig werden ist zu riskant Im Jahre 1929 zeigte der Bahnrevident Otto H. plötzlich Anzeichen einer schweren Geistesstörung. Er wurde ent mündigt und pensioniert. Wenn man aber wahnsinnig wird, dann werden einem auf Grund der§§ 37 und 39 der Pensionsvorschriften zehn Dienstjahre mehr angerechnet als man wirklich hat. Das geschah auch im Falle H. Drei Jahre blieb er geisteskrant. Die Aerzte hielten ihn für unheilbar. Aber H. tat etwas sehr unvorsichtiges: er wurde wieder gesund und vernünftig. Das aber war eine ausgesprochene Narrheit. Denn: kaum hatten die Bundesbahnen erfahren, daß H. wieder mündig und bei voller Vernunft war, zahlten sie ihm weniger Pension. Er hatte auf die Anrechnung von zehn weiteren, tatsächlich aber nicht absolvierten Dienstjahren keinen Anspruch mehr. Und so bekam H. als Strafe dafür, daß er nicht mehr wahnsinnig war, um 115 Schilling im Monat weniger Pension als bisher. Anderseits hatte er aber auch keine Möglichkeit, seinen Dienst wieder aufzunehmen; seinen alten Arbeitsplatz hatte schon längst ein anderer inne und Neueinstellungen gibt es nicht. Der pensionierte Revident schien die Wahl zu haben, entweder auf 115 Schilling im Monat zu verzichten oder wieder wahnsinnig zu werden. Es war ja auch wirklich zum narrisch werden". Aber H. wollte weder das eine noch das andere. Er klagte. Und das Gericht hatte ein Einsehen: es entschied, daß der gesunde H. ebensoviel Pension bekommen muß. wie der geisteskranke H. erhalten hat. Diese für ihn so angenehme Entscheidung hat H. allerdings nur einer Lücke im Pensionsgeseß zuzuschreiben; es ist dort nämlich nicht vorgesehen, daß ein wegen Geisteskrankheit Pensionierter wieder vernünftig wird. Möglich, daß diese Lücke bald ausgefüllt wird. Dann müßte ein Pensionist, der aufhört wahr sinnig zu sein, wirklich ein Narr sein... 6000 Bräute mit Diplomen Die größte Hochzeit der Welt In Charbin, der Hauptstadt der Mandschurei, wird zuc Zeit eine der kuriosesten Feierlichkeiten, die die Welt je gesehen hat, vorbereitet. 6000 Paare werden demnächst durch einen einzigen festlichen Akt getraut. Eine Stadt im Dritten Reichsd Diese einfache und ergreifende Schilderung eines deutschen Flüchtlings ist kein Greuelbericht. Sie ist viel aufregender. Man erfaßt das ungeheure ungeheure Ausmaß der Tragödie, die über Deutschland gekommen ist, wenn mann sie gelesen hat Es gibt in Deutschland achtundneunzig Städte mit einer Bevölkerung von fünfzigtausend und mehr Menschen. In keiner von ihnen ist weniger, in fast jeder von ihnen mehr seit den Märztagen 1933 geschehen als in der einen, von deren Schicksal ich erzählen möchte. Die Verlustrechnung an Menschen Die beiden sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten find verhaftet, mißhandelt und ins Konzentrationslager gebracht worden. Die Frau des einen liegt an den Folgen eines Selbstmordversuches danieder, die des andern wurde mitsamt ihrem acht Monate alten Rinde wegen rückständiger Miete aus der Wohnung gejagt, da die Gemeinde jede Beihilfe versagte. Die Mutter und der Säugling werden von einem erwerbslosen Schuhmacher miternährt, der in der Woche für sich und seine Frau knapp sieben Mark Unterstützung erhält. Von den vier sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten sind drei im Konzentrationslager, einer irrt die Landstraßen entlang. 3mei der Inhaftierten wurden von der SA. gequält. Der dritte ist über seine engere Heimat hinaus bekannt, das hat ihn bisher vor dem ergsten geschützt. Die Tochter des einen Genossen wurde von der Schule verwiesen. Der Sohn eines der andern stand unmittelbar vor der Matura. Er wurde zur Reifeprüfung nicht zugelassen und in Gegenwart und auf Veranlassung des evangelischen Religionsprofessors von der von der Wehrriege der Anstalt blutig geschlagen. Am nächsten Tag relegierte ihn das Lehrerkollegium wegen„ sittlicher Unreife". Dem Schwiegersohn des Abgeordneten, der flüchten konnte, wurde von der Stadt zur Strafe- mit fofortiger Wirkung der für ein Siedlungshaus gegebene Kredit gekündigt. Er hat das Haus, das er mit Frau, vier Kindern und einem arbeitslosen Schwager bewohnte, räumen müssen. Die drei Erwachsenen und die Kinder kampieren in einem Schrebergarten, der Genossen gehört. Der Landtagsabgeordnete, der zwar im Konzentrations lager ist, aber bisher nicht mißhandelt wurde, hat drei Rinder. Ein Junge ist arbeitslos, dem geschah nichts. Der andre ist Lehrling; die Firma löste den Lehrvertrag frist los. Der Tochter, einer städtischen Fürsorgerin, wurde zum 30. Juni gekündigt. Das Schicksal der dreiundzwanzig Stadtverordneten sei nur summarisch berichtet. Dem Rechtsanwalt, der der Fraktion angehörte, wurde die Vertretungserlaubnis vor den Gerichten entzogen und die Wohnung von Hilfspolizei demoliert. Den zweiten sozialistischen Juristen im Gemeinderat, einen Landgerichtsrat, entließ man nach vierzehnjähriger Dienstzeit ohne Pensionsanspruch aus dem Staatsdienst. Die Zulassung als Rechtsanwalt wurde ihm verweigert. Von den drei Lehrern der Fraktion sind zwei im Konzentrationslager. Gegen den dritten schwebt ein Verfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung. Der eine der beiden Gemeindebeamten, den die Sozialdemokratie ins Kollegium entsandt hatte, war von dem bürgerlichen Magistrat vor acht Jahren zum Amtsvorstand ernannt worden; jetzt wird er in seiner früheren Abteilung als Hilfsschreiber mit Hilfsschreibereinkommen beschäftigt. Dem andern, Vater von fünf Kindern und Ernährer seines erwerbslosen Vaters und eines Schwagers, wurde gekündigt. Andere Gemeinderäte- ein Straßenbahner, ein Kaffenbote, ein Schriftsetzer und ein Buchhalter sind in Schutzhaft. Nur in einem Falle bekommt die Familie die ihr zustehende Wohlfahrtsunterstützung. Die Frau des Straßenbahnschaffners wurde wegen Mieterückstand delogiert. Gegen den verhafteten Buchhalter liegt nicht die geringste Anschuldigung vor. Seine Firma bat die Polizei um Auskunft, wie lange noch die Schutzhaft aufrechterhalten würde. Man habe bisher unter Schwierig keiten dem Angestellten den Posten offengehalten, länger ginge es nicht mehr. Die Antwort der Polizei:„ Der Mann bleibt in Haft, bis sich die nationale Erhebung ganz durchgesetzt hat." Gegen den Schriftseter schwebt ein älteres Verfahren wegen eines harmlosen politischen Delikts. Die Hauptverhandlung wurde kürzlich vertagt. Grund:„ Der Gesundheitszustand des Angeklagten gestattet eine Vorführung nicht." Drei Hausfrauen gehörten der Fraktion an. Ihnen ist wenig geschehen: Die SA. hat ihnen die Wohnung demoliert. Ihre Kinder wurden von der Hitler- Jugend mit Stahlruten verdroschen und von zweien verloren die Männer ein Kistenmacher und ein Gastwirtsgehilfe wegen der politischen Betätigung der Frau die Arbeitsstelle. Die dritte Frau, die Witwe eines im Krieg gefallenen Genossen, sucht man nach Möglichkeit zu schikanieren: eine Hausdurchsuchung folgt der andern. Dem einzigen berufstätigen weiblichen Fraktionsmiglied, einer Warenhausverkäuferin, wurde auf Veranlassung der Betriebszellenorganisation fristlos gekündigt. Ihre Kolleg innen haben heimlich für sie eine Sammlung veranstaltet. Von dem Geld lebt sie, bis die Unterstützungssperre von vier Wochen, die wegen fahrlässigen Verlassens der Arbeitsstelle verhängt wurde, abläuft. Das Schicksal der restlichen acht Stadtverordneten kann noch gedrängter erzählt werden. Sechs von ihnen, unter ihnen ein Kriegsinvalide und ein Mann von vierundsechzig Jahren, sind im Konzentrationslager. Ihre Frauen und Kinder werden von Genossen unterstützt, die selbst kaum das Notwendigste zum Leben haben. Zwei Genossen sind ins Ausland geflüchtet. Das Schicksal der übrigen Funktionäre der Arbeiter bewegung? Soll ich im einzelnen von den vier Dutzend Lehrern erzählen, die man ihrer Betätigung in der Kinder freundebewegung wegen verhaftet hat und mit Erbarbeiten beschäftigt, derweilen die Schulkinder ohne richtige Betreuung verlubern? Oder von den rund hundert Ge meindearbeitern, die man nach zum Teil vierzigjähriger Dienstleistung für die Stadt- auf die Straße warf, nur, weil sie Sozialdemokraten waren? Oder wäre das Schick sal der Volkshausangestellten wesentlicher, denen man als Ersatz für die verlorengegangene Arbeitsstelle wochenlang die Arbeitslosenunterstützung verweigerte? Verdient nicht auch der Fall der Schauspieler Erwähnung, die stellenlos wurden, weil sie bei Kulturfeiern der Arbeiterschaft rezitiert hatten? Und muß man nicht von den Polizeibeamten sprechen, die man unbarmherzig demütigt und schikaniert, weil sie in all den Jahren Gesetz und Dienstvorschriften gleichmäßig anwandten? Ich möchte nur noch einige Worte den Menschen widmen, die in derselben kleinen Nebenstraße wie wir wohnten. Ein Finanzamtsbeamter wanderte in Schutzhaft, weil er angeblich demonstrativ auf dem Klavier jeden Nachmittag die„ Internationale" gespielt hatte. Ein Jugendheimleiter wurde gräßlich mißhandelt, da er den Vorwurf nicht widerlegen konnte, vor anderthalb Jahren einen Hitler Jungen wegen wiederholten Diebstahls mit Entzug des Sonntagsausgangs bestraft zu haben. Eine Wohlfahrtspflegerin und ihr Vater, Bostbeamter von Beruf, verloren ihre Stellung, weil der Verlobte des Mädchens Reichsbannerfunktionär war. Einer früheren Gewerkschaftsangestellten entzog man ihre Rente. Ein Metallarbeiter bekam vier Monate Gefängnis, weil er im Reichstags= wahlkampf an einer Straßenecke gesagt hatte, Hitler jei der ,, Totengräber von Deutschlands Freiheit", und ein seit fünf Jahren erwerbsloser Holzarbeiter sitt, Opfer einer haltlosen Denunziation, in Untersuchungshaft. Das Ganze hat sich in einer Straße von zwölf Häusern zugetragen, und sie ist nur eine unter den mehr als dreihundert Straßen dieser Stadt. Die Verlustrechnung an Einrichtungen mühsam aufgebauten Enteignet wurden folgende- qus Arbeitergroschen mühsam aufgebauten Einrichtungen: Zwei Druckerei betriebe, ein Gewerkschaftshaus, fünf Arbeiterheime, ein Haus der Arbeiterwohlfahrt, zwölf Kinderfreunde- und Jugendheime, vierzig Arbeiterbüchereien, neunundvierzig Sportkantinen, vierundzwanzig Turnhallen, einundsechzig Sportpläge, fünf Bäder und zwei Bootshäuser. Woran Zehntausende Arbeiter jahrelang geschaffen, was zwei Generationen aufgebaut, was einer ganzen Stadt zur Wohltat, zu kulturellem Aufbau und zur Ehre gereichte, hat man mit einem Fausthieb vernichtet. Männer, die nie gewußt, was Gewerkschaftsarbeit, was die Kulturbewe gung des Proletariats bedeutet, die noch nie etwas von den Kinderfreunden gehört und noch nie ein Buch gelesen hatten, stürmten die Heime, warfen den Brand in die Büchereien, traten mit den Stiefeln auf den roten Fahnen herum, zertrampelten die Spielzeuge der Kinder, trommelten mit den Aerten die Schreibtische auseinander, stahlen des Nachts die Turngeräte, um sie als Brennholz zu gebrauchen, raubten historisch bedeutsame Protokolle, um sie, das Kilogramm zu sechs Pfennig, in die Stampfe Dritten Reiches. zu liefern, und okkupierten das Ganze als Siegesbeute des Der Abbau der Gleichschaltung schonte nicht die städtische Bolkshochschule, die Jahr für Jahr einige hundert Kurse für Arbeitende und Erwerbslose veranstaltet hatte. Er schreckte nicht zurück vor der Schließung der kommunalen Kinderheime, in denen man sich mit liebevoller Sorgfalt der Kleinen und Kleinsten annahm. Er führte zur Auflösung der städtischen Stelle, die den Einkauf zentrali sierte, um das Gemeinwesen vor Ueberpreisen zu schützen. Ihm waren die Bücherhallen ausgesetzt, die man zuerst man ,, reinigte" und dann als„ Sammelstellen des Marxismus" schloß. Konnte der Büchereidirektor etwas dafür, daß daß man ihm deswegen die Lesehallen zusperrte? Zu die SA- Jugend lieber 3oten erzählt, als Goethe liest, fluchtsstätten für die weibliche Großstadtjugend wurden aufgelöst. Die Kunstgewerbeschule fiel ebenfalls, weil fortschrittlich geleitet, der Gleichschaltung zum Opfer. konsequent: Bibt es im Dritten Reich kein Arbeitsrecht, Schließlich hat man das Arbeitsgericht verkleinert, ganz keine Arbeiterrechte wozu braucht man dann ein Arbeitsgericht? Man hat die Gewerbeaufsicht in ihrer Tätig keit beschränkt, denn bei so vielen Erwerbslosen kommt es auf ein paar tödlich verlaufende Betriebsunfälle nicht mehr an! Auch die Berufsberatungsstelle ist vorläufig geschlossen worden. Der junge Mensch gehört in die SA. oder in die SS., andernfalls taugt er nichts, und wozu braucht Hitler Berufsberatung, wenn er keine Arbeitsstellen schaffen kann? Die Gewinnrechnung an Menschen Zum Bürgermeister wurde ein Mann ernannt, der zwar einige Zeit Gemeinderat mar, aber nie in eine Ausschußsigung gekommen ist. Zu seiner kommunalpolitischen Ausbildung hat er einen halbpornographischen Roman geschrieben, der in einigen hundert Exemplaren von der Stadt zur Bildung der Bevölkerung angekauft wurde. Bezirkskommissär ist ein Nationalsozialist, dem es Freude Bezirkskommissär ist ein Nationalsozialist, dem es Freude macht, kleine Marristenmißhandlungen zu arrangieren und täglich einige hundert Kilometer im Amtsauto gleich schaltend durchs Land zu sausen. Dafür bekommt er dreifaches Gehalt und ist von den vielen Hochrufen auf Hitler stets heiser. Seine Lieblingsredensarten, die er insbeson stets heiser. Seine Lieblingsredensarten, die er insbeson dere bei dem Pflanzen von Hitler- Pappeln anwendet, sind:„ Wir, das Volk der Dichter und Denker!" und„ Jhr Schweinehunde werdet euch schon noch im Dritten Reich wohlfühlen, wenn ihr euch mal richtig dran gewöhnt haben werdet!" Stadtrat wurde jemand, der das ausschließlich dem Umstand verdankt, zu viel von dem erwähnten Bürgermeister und dem Kommissär zu wissen. Er hatte bisher eine Zweizimmerwohnung. Jetzt baut ihm die Stadt standesgemäß eine Bierzimmerwohnung in einem städtischen Haus aus. Der neue Stadtrat leitet die Für forgeangelegenheiten. Seine erste Amtsverfügung war: Benimmt sich ein Fürsorgeempfänger ungebührlich, ist erstmals Polizei zu rufen und dann Strafanzeige zu er statten!" Früher hat man erregte Erwerbslose durch gütliches Zureden zu beruhigen versucht. Das war aber wirklich„ marristisch" Personaldezernent der städtischen Betriebe wurde ein SA.- Hauptmann, ein stadtbekannter Schreihals, Raufbold und Flegel. Bei der Ermordung eines Kommunisten war er führend beteiligt, es gingen damals drei Dutzend HitlerLeute gegen einen unbewaffneten Rotfrontler. Rund siebzig Konjunkturnationalsozialisten avancierten in der städtischen Verwaltung. Mehrere tausend Gemeindebeamte, Angestellte, Arbeiter hat man zwangsweise in die Betriebszellen eingereiht. Bei patriotischen Kundgebungen marschieren sie dann als Hitlers getreueste Landeskinder hinter den Hakenkreuzfahnen und Standartenfeldzeichen und zahlen dafür einige Mark Mitgliedsbeitrag im Monat. Die Gewinnrechnung an Einrichtungen In dem Betrieb des Arbeiterorgans wird die Naziv zeitung hergestellt. Jm Gewerkschaftshaus thronen Nazibonzen. In den Kinderfreundeheimen lagert SA., in einem von den Heimen, das in unmittelbarer Nähe eines Jugendspielplatzes gelegen ist, hat man einen bordellartigen Betrieb installiert. Ein Rasseamt ist im Aufbau begriffen. Das Steueramt der Stadt ist wegen der vielen Ereku. tionen vergrößert worden. Ein Sondergericht wurde errichtet. Das Saldo des Vierteljahres Aus der Stadt, in der ein reges geistiges Leben Selbst verständlichkeit war, wurde ein Spießernest. Aus der Stadt, in der eine frohe und lebenslustige Bevölkerung wohnte, ist ein unterdrücktes, von Schrecken erfülltes Getraut dem andern: selbst dem besten Freund vertraut man meinwesen geworden; jeder fürchtet sich vor jedem. Keiner sich nur zögernd an. Gesinnungslumperei, Spigelei, Denunziantentum, Konjunkturakrobatik sind an der Tagesord nung. Von einer Unsumme von Ungerechtigkeiten, De mütigungen, Phrasenpatriotismus, Egoismus und Ungewißheit ist der Alltag erfüllt. Man fühlt sich seines Lebens nicht sicher, weiß nicht, wem zuerst eine SA.Räuberei, eine Mißhandlung, das Konzentrationslager oder die wirtschaftliche Vernichtung droht. Die moralische Korruption ist Trumpf und die schlechtesten Instinkte sind wach geworden. Die versprochene wirtschaftliche Gesundung ist nicht gekommen. Nicht einmal leise Anzeichen, die in dieser Rich tung gedeutet werden könnten. Die Löhne werden gefenkt, die Preise steigen. Winzige Neueinstellungen werden groß verkündet, riesenhafte Entlassungen verschwiegen. Die Arbeitslosenunterstützungen bleibt die Stadt schuldig, die Steuern werden doppelt rücksichtslos eingezogen. Aber das Wichtigste: eine Stadt in Unfreiheit, versklavt dem Dritten Reich! Wißt ihr, was es bedeutet, wenn keine Gesetze und Rechte gelten als die, die gerade die SA. Soldateska will? Ahnt ihr, was es heißt, einer Knecht. schaft an Körper und Seele ausgeliefert zu sein, die euch bei Tag und bei Nacht im Wachen und im Träumen nichts vergessen und nichts gleichmütig überwinden läßt? rühmt an Namen, rechts orientiert ohne Vorbehalt der In dieser Stadt lebt ein Mann- reich an Ansehen, bein ängstlich verschlossener Stube seinem besten Freund kürzlich gestand:" Das Dritte Reich hat es zuwege geAusland fuhr, brachten ihn Freunde und Bekannte zur bracht, daß ich mich schäme, ein Deutscher zu sein!" Als vor einigen Tagen aus dieser Stadt jemand ins Bahn. Als der Zug abrollte, erlitt einer von denen, die Abschied genommen hatten, ein Mann, von dem man menbruch und schluchzte immer wieder nur dieselben glaubte, er befäße Nerven wie Eisen, einen Nervenzusam Worte:„ Hier leben zu müssen- es ist übermenschlich, un menschlich! Wie lange hält man es noch aus?" Bevölkerung von fünfzigtausend und mehr Menschen. In Es gibt in Deutschland achtundneunzig Städte mit einer keiner von ihnen ist weniger, in fast jeder von ihnen mehr seit den Märztagen 1933 geschehen als in der einen, von deren Schicksal in einem Vierteljahr Dritten Reiches ich erzählen wollte. Erschossen! Weil er eine drohende Haltung annahm Leverkusen, 25. Juli. Von der Stadtverwaltung Leverfusen wird mitgeteilt: In der Nacht zum Samstag ereignete sich in der hiesigen Hauptstraße vor dem Hotel Riesen folgender Vorfall: Der Erwerbslose Jakowiak stand sett längerer Zeit bei der NSDAP. in Verdacht, sich als Spigel zu betätigen. Beobachtungen ergaben, daß Jakowiak Beziehungen zu den staatsfeindlichen Parteien unterhielt. Er war deshalb wiederholt von den örtlichen SS.- und SA.. Führern verwarnt worden, weshalb er sich mehrfach in drohenden Aeußerungen gegen diese erging. In der letzten Nacht nun sollte Jakowiak in seinen Beziehungen zur KPD. überführt werden und wurde deshalb einer Leibesvifitation unterzogen. Dabei nahm er eine drohende Haltung ein, so daß sich der Führer der SS. veranlaßt sah, zur Abwendung einer Gefahr dem Genannten zuvorzukommen und einen Schuß gegen ihn abzugeben. Dieser Schuß wirkte tödlich. * Das heißt in flaren Worten: Man wollte einen SA. Mann, der wahrscheinlich zuviel wußte, aus der Welt schaffen, verdächtigte ihn deshalb als„ Spigel" und schoß ihn nieder. An eine Strafverfolgung solcher Mörder ist in Deutschland nicht zu denken. Deutschland erwache! alex tal appDer stenographische Bericht über die Deutschlanddebatte 8sme A im britischen Unterhaus Ein Freund aus England schickt uns das Stenogramm der Sitzung des Unterhauses vom 5. Juli, die fich einmütig gegen die jetzigen Machthaber in Deutschland wandte. Kurze Auszüge aus den Reden sind, in der deutschen Presse, auch in der« Deutschen Freiheit" erschienen. Wir halten es für zweckmäßig, wenn * auch mit Verspätung, nun auch noch den ausführlichen wortgetreu übersetzten Bericht zu veröffentlichen. Es handelt sich hier um ein Dokument, dessen Richtigkeit nicht angezweifelt werden kann. Alle Reden ohne Ausnahme und ohne Unterschied der politischen Gesinnung atmen die abgrundkiese Vermachtung der in Deutschland jetzt regierenden Männer und ihrer verbrecherischen Methoden. Sie zeigen zugleich, daß die britischen Parlamentarier, wie jeder vernünftige Mensch, sehr wohl einen Unterschied zu machen wissen zwischen dem gefifteten deutschen Volke und den braunen Banden, die es terrorisieren. Leider verhindert die jetzige Reichsregierung, die sich ihrer Unfähig keit und ihrer Schuld durchaus bewußt ist, daß die Wahrheit über Deutschlands außenpolitische Isolierung in alle deutschen Volksteile dringt. Die Folge wird eines Tages ein ebenso gründliches und verblüfftes Erwachen sein wie im November 1918. Das deutsche Volk wird von den Faschisten belogen, wie es lange Jahre von den Kreaturen Wilhelm des Zweiten betrogen worden ist, und eine feile und feige, nur auf Profit bedachte Presse entwürdigt sich zur Dirne des Faschismus mehr noch als sie in Jahrzehnten den renommierten Schwäßer Wilhelm den Zweifen verhimmelf hat. Die« Deutsche Freiheit" ist stolz darauf, der Wahrheit und damit der Befreiung Deutschlands aus wüffen und unwürdigen Zuständen dienen zu können. Die Deutschlanddebakke im britischen Unterhaus nahm folgenden Verlauf: Lansbury( Führer der Labour Party): Seit der Beruhigungsrede von Herrn Hitler wurde von gut unterrichteter Seite immer wieder festgestellt, daß heute in Deutschland der Kriegsgeist wieder auflebe und sich vor allem in der Frage der Luftfahrt zeige. Große Gruppen junger Leute wurden im Fliegen ausgebildet. Ist der Außenminister bereit zu untersuchen, welche Aufträge für den Bau von Flugzeugen oder Flugzeugteilen aus Deutschland hier vorliegen? Er habe gehört, daß hier beträchtliche Geschäfte gemacht würden. Die Labour Party will fair play für Deutschland auch in der Luftfahrt und der Bewaffnung, aber keiner von uns würde ruhig zusehen, wenn Deutschland aufrüstet( Beifall) und eine gewaltige Macht in der Mitte Europas würde. Der beste Weg, um hiermit fertig zu werden, sei für England und seine Verbündeten, den Friedensvertrag nach Buchstaben und G..st durchzuführen und die deutsche Regierung zur gleichen Politik zu veranlassen. Aber schon jetzt sei eine Ueberwachung der Rüstungen in Deutschland nötig; er habe gehört, daß eine sehr beträchtliche Aufrüstung bereits dort stattfinde. Die Labour Party betrachte mit großer Besorgnis diese Aufrüstung unter der Leitung solcher Leute, wie sie heute in Deutschland herrschen( Beifall). Es wäre die größte Bedrohung des Friedens Europas und der Welt. Er denke nicht daran, sich bei Deutschland oder der deuts schen Regierung zu entschuldigen, wenn er auf die bruta len, unbarmherzigen Berfolgungen aufmerksam mache und den Außenminister frage, ob es nicht möglich sei, unter Berufung auf Art. 11 der Völkerbundssagung die Handlun gen der deutschen Regierung dem Völkerbund zur Kennt nis zu bringen. Die zivilisierte Welt könne nicht schweigend zusehen, wie Frauen und Kinder barbarisch behandelt werden, nur weil ihre Männer und Väter Juden, Kommunisten oder Sozialisten oder sonst Leute waren, die Herr Hitler und seine Freunde nicht möchten. Sir Austen Chamberlain( Konservativ): Maßvoll, aber gewichtig seien die Worte Lansburys über Sie Lage in Deutschland gewesen. Es sei selbstverständlich, daß er als ein ehemaliger Außenminister mit großer Reserve und Vorsicht über die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes spreche. Aber das eine dürfe man sicher sagen und die Rede Lansburys zeige, daß nicht nur die eine Seite des Hauses so denke, daß es für England schwer sei ir wahrhaft freundschaftlichen Beziehungen mit einer Nation zu leben, die aus ihrer Politik all die Ideen verbanne, die für alle britischen Parteien wesentlich seien. Können wir wahre Freundschaft mit einer Nation halten, die eine Rasse nur ihrer Rasse wegen ächtet und sich weigert, die eigenen Bürger als gleichberechtigt zu betrachten? Ist es denn möglich, daß Deutschland unsere Mitarbeit wünscht und unsere Hilfe zu erhalten erwartet, während es jedes Gefühl gröblich beleidigt, das der Lauf unsrer Geschichte in unsere Brust gepflanzt hat? Es ist schwer, als wahrer Freund mit einer Nation umzugehen, die eine innere Politik treibt, die uns nach unserer ganzen Tradition verhaßt sein muß. Der Geist, aus dem heraus Deutsche in Deutschland verfolgt werden, ist auch eine Bedrohung jeder Nation außerhalb der deutschen Grenzen und jeder Rasse, die jemals unter deutsche Herrschaft gelangen sollte. Mich berührt diese Sache besonders, weil ich 4-5 arbeitsreiche und verantwortungsreiche Jahre meine ganze Straft einsetzte und wie ich damals dachte, nicht ganz erfolglos, um Deutschland als gleichberechtigten Staat an die Gesellschaft der Nationen zurückzubringen und die Nadelstichpolitik zu beendigen, unter der es seit dem Kriege zweifellos gelitten hat. Ich habe mich bemüht, unsere Beziehungen freundschaftlich und vertrauensvoll zu gestalten und mit den alten und nenen Freunden zusammen eine bessere Zukunft für unser Land und die Welt aufzubauen. Ich muß jezt sehen, wie all diese Hoffnungen, wenn nicht zerstört, so doch zumindest vertagt find durch den Geist, der heute in Deutschland herrscht. Nicht nur in der Innenpolitik findet dieser Geist seinen Ausdruck. Locarno galt eine Zeitlang als Symbol von Frieden und Versöhnung. Im neuen Deutschland gilt der Name Stresemann nichts, ist Locarno ein Schimpfwort. Wenn Deutschland Revision der Friedensverträge und Abrüstung fordert, muß es die Welt erst von zwei Dingen überzeugen. Es muß die Welt überzeugen, daß eine vernünftige Abänderung des Friedensvertrages es zufriedenstellt und die Angelegenheit endgültig erledigt. Denn ob man nun die Geschichte der 20 oder 30 Jahre vor dem Weltkrieg oder die Geschichte der Nachkriegszeit studiert, so wird man immer das gleiche finden, solange irgendetwas Deutschland verweigert wird, ist es lebenswichtig, wenn man dann aber sagt,„ schön, wir wollen es euch geben und dann werden wir natürlich auf gutem Fuß miteinander stehen", verliert die Sache jeden Wert für Deutschland, sobald es sie erlangt hat und wird nur noch als Sprungbrett für neue Forderungen benutzt. Bis Deutschland zeigt, daß eine maßvolle, vernünftige und annehmbare Abänderung der Friedensverträge endgültig wäre und von Deutschland als endgültig betrachtet würde, ist der fein wahrer Friedensfreund, der Deutschland auch nur den Glauben an die Möglichkeit einer Re: vision gestattet. Abrüstung physische Abrüstung ist nur möglich, wenn die moralische Abrüstung soweit vorgeschritten ist, daß die Nationen fühlen, daß physische Abrüstung Sicherheit bedeutet. Solange jede Rede in Deutschland, solange jede Propaganda dort bedrohlich, aufreizend, voreingenommen und einseitig ist, wie können die Deutschen da erwarten, daß die, die sie mit ihrer Propaganda bedrohen, abrüsten, damit Deutschland sie dann besser angreifen kann. Wenn Deutschland zu seiner früheren Einstellung zurückkehren würde, wenn es die ehrliche Absicht zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zeigen würde, wenn es aufhören würde seine Nachbarn zu bedrohen, dann könnte es die Welt überzeugen, daß es mit der Forderung der Abrüstung der anderen nur die eigene Sicherheit erstrebt und nicht einfach versucht, wieder eine Machtstellung zu erreichen, von der aus es den Frieden der Welt brechen fann. Ich bin nicht traurig darüber, daß die Abrüstungskonferenz vertagt ist. Der Augenblic war nicht günstig für ihren Fortschritt. Ich bitte das Unterhaus und die Regierung sich zu hüten, jetzt die Verantwortung zu übernehmen und andere Völker, die dem Gefahrenherd näher sind als wir, zur Abrüstung zu pressen. Das Maß der Konzessionen, die man Deutschland machen kann, hängt nicht von uns ab, sondern von Deutschland. Und Deutschland muß wissen, daß es mit dieser Aufreizung seines Volkes die Erfüllung der eignen Wünsche hinausschiebt. Und durch die Drohungen, die diese aufgeregten Herrschaften gegen ihre Nachbarn ausstoßen, machen sie es für ein Volk wie das englische unmöglich, ihnen die Hilfe zu gewähren, welche wir gern gewähren würden, wenn das deutsche Volk in einer erfreulicheren Gemütsverfassung und von einer weiseren und flügeren Regierung geleitet wäre.( Beifall). General Spears( Konservativ): Deutschland muß wissen, daß England nie eine Vergewaltigung Desterreichs gestattet wird. Wir sollten es den Deutschen Klarmachen, daß kein Einfall in Desterreich geduldet würde, auch wenn er von den irregulärsten der irregulären Truppen begangen würde.( Beifall). Colonel Wedgewood( Unabh.): Er sehe nicht ein, weshalb nicht England zusammen mit den Vereinigten Staaten eine gleichlautende Note an Französische Weberei sehr gefragter Spezialartikel, sucht Kapital zum weiteren Ausbau. Referenzen, Antwort: 48 Marigny, 7, avenue Foch, Paris( XVIE) Den Abonnementsbetrag für Einzelabonnenten zuzüglich der Portospesen für den laufenden Monat werden wir jeweils am Anfang des Liefermonats, dem Wunsche der meisten Leser entsprechend, durch Nachnahme erheben. Wir bitten, diese bei Vorzeigen sofort einzulösen, um unnütze Unkosten zu ersparen Verlag ,, Deutsche Freiheit" Deutschland senden sollte unter Bezugnahme auf die Ereig nisse in diesem Lande. Das schiene ihm der einzige Weg, daß irgend etwas geschehen könne, um Deutschland zur Zivilisation zurückzuführen, für die es früher bekannt war. England ist nicht berechtigt, seine Hände zu falten und die Dinge in Deutschland gehen zu lassen nur aus der Furcht heraus, daß unsere Aktion nicht die begeisterte Zustimmung der Regierung finden würde, der wir unsere Ansichten mitteilen. Bernays( Liberal): gefehrt und er müsse sagen, daß die Lage der Juden dort Er sei gerade von einem Besuch aus Deutschland zurüc noch schlimmer sei als vor 6 Wochen. Könne die britische Re gierung nicht noch mehr als bisher für die jüdischen Emigranten tun? Was mit den Juden geschehe, sei ein Angriff auf die Zivilisation und es sei jetzt die Aufgabe der Zivilisation zu zeigen, daß ihr Gewissen sie zu Taten zwinge. Er sei aus Deutschland zurückgekehrt mit der festen Ueberzeugung, daß die Lage höchst beunruhigend sei, soweit die Abrüstung in Frage komme. Der Versailler Vertrag würde jede Stunde verletzt. Wenn man den gegenwärtigen Geist in Teutschland sich entwickeln lasse, wäre ein Krieg noch in dieser Generation unvermeidlich. Er sei aus Deutschland. mit dem Gefühl zurückgekehrt, daß alles, wofür sie im Krieg gekämpft hätten, ihnen wieder entglitte und daß all die großen Opfer vergebens gewesen wären, wenn die Völker der Welt nicht bald handelten. Mac Govern( Unabh. Labour): Man müßte Vorstellungen in Deutschland machen und er klären, daß wir mit diesem Land keinen Handel treiben kön nen, solange es sich keine vernünftige Regierung gibt. Man müßte Deutschland zeigen, daß 1933 nicht 1733 ſet. Janner( Liberal): protestierte gegen das Naziregime der Verfolgungen von Juden und Politikern in Deutschland, er sagte, daß die Unterdrückungsmaßnahmen immer ernster würden und regte an, daß der Völkerbund Deutschland mit den Mitteln behandeln solle, die ihm gegen solche Länder zur Verfügung stünden, die die Zivilisation und Menschlichkeit verletzten. Maxton( Unabh. Labour): forderte den Außenminister zu einem Eingreifen zugunsten Torglers auf, der seit dem Reichstagsbrand in Ketten und in Einzelhaft gehalten wird. Außenminister Simon( Nat. Liberal): Das Gefühl von Sorge und Bekümmernis über die all gemeine Lage, vor allem über die Lage bestimmter Minderheiten in Deutschland, ist in allen Reden zum Ausdruck ge= kommen. Er sei überzeugt, daß das, was heute gesagt wurde. nicht einem Geist engherziger Kritiksucht oder einem reinen Parteigeiste entspringe, sondern es sei der wahre Ausdruck dafür, wie das englische Volk als Ganzes, das nun einmal den Grundsatz der Toleranz vertrete, auf die Ereignisse reagiere. In England war seit Jahren eine starke Gruppe der öffentlichen Meinung vorhanden, die keineswegs blind gegenüber den Forderungen des großen deutschen Volkes war und bereit war, dessen Wünsche sympathisch zu erwägen. Es sei nun tragisch, daß die Ereignisse der Gegenwart bei diesen Menschen die Sympathien zerstört haben, die Deutschland braucht.( Beifall). Die Engländer seien gerechte und großzügige Menschen, aber es gäbe Dinge, die sie nicht verstehen könnten. Sie hegten den Wunsch, daß die Zeit kommen möge, wo sie mit gutem Gewissen und aus vollem Herzen an der Lösung der europäischen Probleme mitarbeiten könnten, aber das könnten sie nur, wenn sie die volle Gewißheit einer anständigen Behandlung der Minderheiten in allen Teilen der Welt hätten.( Beifall). Verantwortlich für die Redaktion Joh. Piz: Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. b H.. Saarbrücken. Schüßenstraße 5. Alle Ausgaben Klassiker empfiehlt Buchhandlung .Volkss imme' Bahnhofstr. 32 In Lothringen große Gelände mit. Gleisanschluß sowie große Lager, geeig net zu Fabrikräumen. Nähe Bahnhot und Ka nal; terner Geschäfts häuser im Stadtzentrum vorteilhatt zu verkau ten. Offerten unter Nr. 3882 an Agence Havas METZ, die weiterbet. Sichere Existenz! findet Herr oder Dame bei seriöse Gesellschaft in Straßburg gegen Darlehn von 100-200 000 Fr., wel. ches absolut sichergestellt wird. 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