Preis: 60 1. cts. Demfake Fretheil einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 35-1. Jahrgang Saarbrücken, Sonntag/ Montag, den 30. u. 31. Juli Chefredakteur: M. Braun Alle wahren Germanen gingen ins Ausland; das jetzige Deutschland ist eine vorslawische Station und bereitet dem panslawistischen Europa den Weg. Fr. Nietzsche. 100000 Franken Prämie! Für Entdeckung der geheimnisvollen Flieger in Berlin Zur Ermittlung der Wahrheit Nach einer amflichen Mitteilung der deutschen Reichsregierung haben am 22. Juni abends Flugzeuge unbekannten Typs Berlin überflogen und hundertlausend oppositionelle Flugblätter abgeworfen. Es ist im Inlande und im Auslande bezweifelt worden, ob dieser Flug über Berlin wirklich erfolgt ist. Man behauptet, die Nachricht sei nur in die Welt gefetzt worden, um die Notwendigkeit deutscher Luftrüftungen zu beweisen. Diese Gerüchte sind dadurch gestärkt worden, daß die Berliner Bevölkerung von den angeblich massenhaft abgeworfenen Flugblättern nichts gefunden hat. Als ein Blatt, das den Interessen des deutschen Volkes zu dienen bestrebt ist und in allen europäischen Ländern gelesen wird, wollen wir versuchen, zur Aufklärung des geheimnisvollen Fluges über Berlin beizufragen. Die Redaktion und der Verlag der« Deutschen Freiheit" sehen eine Belohnung von einhundert tausend französischen Franken- der Währung des Saargebietes- für denjenigen aus, der die Flieger, deren Erscheinen über Berlin so verhängnisvolle Folgen gehabt hat, so namhaft macht, daß sie zur Verantwortung gezogen werden können. Wir fordern alle Freunde Deutschlands und des europäischen Friedens auf, die Aufklärung zu schaffen, die anscheinend von den amtlichen deutschen Stellen nicht mehr zu erwarten ist. Redaktion und Verlag der« Deutschen Freiheit" Colange nicht nadgewielen ig, bak Die SA. Jesu Christie ist, daß die Flugzeuge tatsächlich über Berlin gewesen sind, bleibt der Vorfall eine schwere Schädigung Deutschlands. Die Reichsregierung und ihre großartig ausgebauten Polizeiorgane haben bisher vollkommen versagt. Seit mehreren Wochen ist nichts mehr darüber bekannt geworden, ob die Untersuchung über den geheimnisvollen Flug irgendwelche Ergebnisse gehabt hat und ob sie noch fortgesetzt wird. Die Wahrheit der Angaben des deutschen Regierungsdienstes vorausgesetzt, kann es sich bei den Flugzeugen nur um ausländische Maschinen gehandelt haben, die widerrechtlich eine Aktion gegen Deutschlands Hauptfladt unfernommen und damit Unruhe über ganz Europa gebracht haben. Im Rahmen einer Stunde der Einkehr" des Deutschlandsenders sprach heute zu dem Thema Was uns bewegt" der Reichsleiter der Glaubensbewegung Deutsche Christen, Pfarrer Hossenfelder, über die soziale Botschaft der Deutschen Christen. Die Deutschen Christen, führte der Redner aus, seien die SA. Jeju Christi im Kampfe zur Vernichtung der leiblichen, sozialen und geistlichen Not. Zeitungsmeldung Wir schlugen das Neue Testament auf und fanden, daß in der Tat schon der Herr Jesus Christus eine SA. um sich hatte. Es war der Sturm 1 von Jerusalem und Sturm führer war der Apostel Petrus. Ein marxistisch verseuchtes Individuum namens Judas Jscharioth wurde später ausmöglich war, ihn auf der Flucht zu erschießen, hängte er geschlossen. Da es damals mangels Feuerwaffen nicht 190 ich auf. 10 „ Zu Aachen in seiner Kaiserpracht" Eines Nachts hatte die SA. Jefu Christi einen schwerent Zusammenstoß mit politischen Gegnern. Der SA- Kamerad Mathäus berichtet darüber: Und siehe einer von denen, die mit Jesus waren, recte die Hand aus und zog sein Schwert aus und schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab. Da sprach Jesus zu ihm: ,, StedeDein Schwertan seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Woraus hervorgeht, daß auch damals schon die SA bes waffnet war und Zusammenstößen mit der Polizei nicht aus dem Wege ging. Die Sache lief glimpflich ab, da der Herr Jesus den Verwundeten sofort heilte. Sonst aber widersprach das Verhalten des Herrn Jesus durchaus dem kämpferischen nordischen Geiste, der in den " Deutschen Christen" lebt. Wenn der SA.- Kamerad Matthäus richtig erzählt, hat der Heiland nicht einmal „ Siegheil" gerufen, als das Ohr des jüdischen Polizisten zu Boden fiel. Der Satz gegen das Schwert ist geradezu ultrapazifistisch und würde den Herrn Jesus als Wehrkreispfarrer ganz und gar unmöglich machen. Ein Glück für uns, daß an die 1900 Jahre später ein Knäblein namens Müller unter germanischem Himmel geboren wurde, später die " Deutschen Christen" erfand und Reichsbischof wurde. Seitdem sind in der„ SA. Jesu Christi" so anti Jerusalem verkündet wurden, ganz unmöglich. Schlimmer als unter Wilhelm militaristische Gedanken, wie sie damals im Sturm 1 von Der neudeutsche Byzan inismus Schlimmer als Vor einigen Tagen besuchte der preußische Minister präsident Aachen. Die Presse berichtet darüber wie einst zu Wilhelms II. Zeiten: Die alte Kaiser- und Krönungsstadt hatte zu diesem Festtag ein farbiges Prachtgewand aus Fahnen, Grünschmuck und Blumen angelegt. Von den Giebeln und Türmen flatterten in bunter Fülle die Farben des Reiches und des SchwarzGelb der Stadt. Triumphbogen waren errichtet, und in den Umzugstraßen war kaum ein Haus zu sehen, das nicht geschmückt war. Der farbenschöne Eindruck des Straßenbildes wurde durch den Goldglanz der Julisonne festlich gesteigert. Punft 9.30 Uhr fündeten Böllerschüsse an, daß Ministerpräsident Göring am Triumphbogen Ponttor eingetroffen war. Heilrufe flangen in freudiger Begeisterung, und ein Wald von Armen reckte sich dem hohen Gast grüßend entgegen. Hitler- Jugend und Bergleute mit brennenden Grubens lampen bildeten hier an der Ehrenpforte Spalier. Nach kurzer Begrüßung durch den kommissarischen Oberbürgermeister Jansen und der Herren des Ehrengeleits und nach Ueberreichung eines Blumenstraußes durch ein kleines Mädchen setzte sich der Zug zur Fahrt durch die Stadt in Bewegung. Am altersgrauen Ponttor hielten zwei Stadtherelde in malerischer Tracht, bewaffnet mit Hellebarden, Wacht. Am Ehrenmal der Gefallenen machte Göring eine furze Pause und besichtigte unter Führung des Planverfassers, Professors Schnieders. den Weiheraum, über den er sich mit Worten böchsten Lobes äußerte. Einen Strauß roter Rosen legte der Ministerpräsident zum Andenken der Gefallenen im Dentmalsraum nieder. Dann ging die Fahrt zum Blücherplatz weiter. Ueberall waren die Straßen von Menschenmauern dicht besetzt, die dem Staatschef Preußens und dem jüngsten Ehrenbürger Aachens lebhafte Huldigungen darbrachten. Göring, der die blaue Fliegeruniform trug, stand während der ganzen Fahrt aufrecht im Wagen und dankte nach allen Seiten für die ihm dargebrachten Ehrungen. Auf dem Blücherplay war die SA. und SS. aus dem ganzen Kreis aufmarschiert, außerdem der Stahlhelm, die Hitlerjugend, der Bund deutscher Mädels, eine Bereitschaft der Schußpolizei, der Freiwillige Arbeitsdienst, die Amtswalter, die NSBO., Abordnungen der Zollbeamten, der Eisen- und Straßenbahner. Auf der Ehrentribüne grüßte Standartenführer Henrichs den Ministerpräsidenten. Ministerpräsident Göring redete. Er prahlte: Es ist in diesen Monaten, in diesen Wochen etwas so Ges waltiges, das Gott uns erleben läßt, daß wir Führer nicht erdrückt werden von der Arbeit und Verantwortung, mag sie auch noch ungeheuer schwer sein, aber daß wir ers Unser Herr Jesus Christus aber, der ansonsten, wie uns die Deutschen Christen" belehren, ein Held nordischen Geistes war, hat für seine Abneigung gegen das Schwert eine hinreichende Entschuldigung. Es sprach wohl das Blut seiner jüdischen Mutter, einer geborenen David, aus ihm. Zweifelhaft ist uns, ob die" Deutschen Christen" nicht zu bescheiden sind, wenn sie ihren Ursprung erst bei den zwölf Aposteln beginnen lassen. Wir neigen dazu, Kain, den Sohn Adams, für den ersten SA.- Mann zu halten, da er seinen Bruder Abel erschlug.land! Vielleicht überlegen sich die Deutschen Christen", diese moderne SA. Jesu Christi, ob nicht an sie das Wort Gottes gerichtet ist: Was hast du getan? ie Stimme des Blutes deines Brudersschreit 99 zu mir von der Erde." RJD 15W DIG. brüdt werden von so viel Liebe und Be Separatisten trauen, das uns das Volk entgegenbringt. Man hält es nicht für möglich. Er variiert das Lied „ Nicht Roß, nicht Reisige" und den schönen Reim: Fühl in des Thrones Glanz Die hohe Wonne ganz Liebling des Volkszusein... Dabet hat er gerade vor seiner Reise nach Aachen weit über 100 000 Mann Polizei, SA., SS. und Bahnschutz auf alle Verkehrsmittel losgelassen, um Beweise der„ Liebe" des Volkes zu finden, und vor der Liebe eines sehr wesentlichen Teiles dieses Volkes, nämlich der Margisten, will er sich durch massenhafte Todesstrafen retten. So ein Schwindler! Ihre Haftentlassung Anfangs Juli wurden in Mainz und anderen Orten frühere Separatisten" in Schußhaft genommen und in Konzentrationslager gebracht. Auf die am 7. Juli ergangene Beschwerde eines früheren Führers der rheinischen Bewe gung im Jahre 1923 beim Völkerbund, daß jenes Vorgehen den in Genf registrierten Abkommen von 1924 widersprächen, hat Genf unterm 25 Jult die Beschwerde bestätigt, die von der Sektion der Minderheiten und der Kommission der Völkerbundsverwaltungen behandelt wurde. Gleichzeitig wurde aus Mainz gemeldet, daß die anfangs des Monats verhafteten Separatisten" aus der Festseßung bereits ent lassen worden wären, Drohung mit Sanktionen one ogni mom in arlamierender Aufsatz Wladimir d'Ormessons- Deutschland doetusa ogists soll zahlen oder gezwungen werden- ,, Es ist höchste Zeit... Paris, 29. Juli 1938.( Eig. Bericht.) In der offiziösen französischen Finanzzeitschrift, dem " Capital", schreibt Wladimir d'Ormesson, daß das Schachtsche Moratorium, soweit es sich auf den Zinsen= dienst der Young- Anleihe erstreckt, eine derart eklatante Verlegung der bestehenden Ver= träge bedeutet, daß Frankreich, wenn es weiter die deuts schen Manöver duldet, sich geradezu eines Verbrechens die Zahlung ausschließt; wir bestreiten nicht, daß sich die deutsche Handelsbilanz feit fech 3 Monaten, jeitsitlers Regierungsantritt, tatastrophal verschlechtert hat, aber es bleibt immerhin noch so viel, daß Deutschland die Young- 3injen zahlen kann. Allein im Monat Mai hätte man diese Zinsen sogar doppelt zahlen können, wenn im me n. die amtlichen deutschen Veröffentlichungen Daraus ergibt sich zwingend, daß Deutschland weder Recht noch Anlaß hat, die Zinsenzahlungen abzuftoppen. Und die französische Regierung hat die Pflicht, die Einhaltung der Verträge nachdrücklichst zu fordern. schuldig machen würde. Das„ Capital" fährt wörtlich fort: ft „ Der Artikel 7 des Lausanner Protokolls vom 8. Juli 1982 stellt ausdrücklich fest, daß die in diesem Vertrage niedergelegten Rechte der Gläubiger durch nichts weder ges mindert noch geändert werden" fönnen. Hieraus geht flar und eindeutig hervor, daß die Young- Anleihe dieselben politischen, materiellen und juristischen Garantien und Sicherungen bietet, wie der Young- Plan. Das aber bes deutet, daß Deutschland außerstande ist, sich der Zinsens zahlung und der Amortisation der Young- Anleihe zu entziehen. Höhere Gewalt" liegt für Deutschs land nur dann vor, wenn dieHandelsbilanz Es ist Zeit, höchste Zeit, die Berliner Regierung hieran zu erinnern. Und wenn man dort nicht will, dann gilt es, ohne Zeitverlust die geeigneten juris stischen, wirtschaftlichen, finanziellen Maß nahmen zu treffen, um den Rechten der Gläubiger Deutschlands den gebührenden Respekt zu verschaffen!" Ein„ Brandstifter" ermordet? Taneff schweigt Es besteht Grund zu fürchten, daß Taneff, einer der drei Bulgaren, die der Mittäterschaft an der Brandlegung im Reichstag angeklagt find, in seiner Zelle im Gefängnis Moas bit in Berlin ermordet worden ist. Der dem Reichsgerichts. rat Dr. Vogt( der mit der Untersuchung des Falles betraut ift) beigeordnete Richter hat in Abwesenheit seines Vorgesezten, der auf Urlaub war erklärt, daß Taneff einen Selbstmordverinch" gemacht hat. Der bulgarische Rechtsanwalt Dr. Detscheff, der von den Freunden und Verwandten der Angeklagten veranlaßt wurde, deren Verteidigung zu übernehmen, hat alle drei schriftlich gebeten, ihn zu bevollmächtigen( gemäß dem deutschen Gesez), als ihr Rechtsbeistand zu handeln. Er ers hielt eine Antwort, datiert aus Moabit, den 19. Juli, gez. Popoff, außerdem eine weitere vom 20. Juli, gez. Dimitroff. Beide Briefe erteilen die gewünschte Vollmacht. Von Taneff aber tam keine Antwort. Was ist Taneff geschehen? Es besteht auch Grund zu befürchten, daß Popoff und Dimitroff selbst, wenn sie nicht grade körperlich mißhandelt wurden( obwohl dies ebenfalls möglich ist), fich in einem solch schlechten Gesundheitszustand befinden, wie er nicht auf nor male Weise entstanden sein kann. Es ist höchste Beit, daß alle diese Gefangenen den Besuch von ihren Freunden, von erfahrenen Journalisten oder erfahrenen Anwälten erhalten ( soweit das nach deutschem Gefeß gestattet ist), damit die ents standenen Befürchtungen und Zweifel zerstreut werden.d Torgler in Ketten Einem unserer Vertrauensleute gelang es, durch Verbindung mit den Gefängniswärtern einwandfrei festzustellen, daß alle Dementis, welche bestreiten, daß Torgler in Ketten gehalten wird, erlogen sind. Man nimmt dem gefangenen Reichstagsabgeordneten die Ketten nur ab, wenn er dritten Personen vorgeführt wird. September? November? Dezember? Der Reichstagsprozeß loveir Es ist uns schon zweimal amtlich mitgeteilt worden, daß der Prozeß gegen die sogenannten Reichstagsbrandstifter Anfang September stattfinden soll. Der bayerische Justizminister Frank, der doch sozusagen auch amtlich ist, hat laut Bossischer Zeitung" am 26. Juli in München gesagt: Es sei anzunehmen, daß der Prozeß gegen den Reichs: tagsbrandstifter van der Lübbe Ende November oder Anfang Dezember vor dem Senat des Reichsgerichts statt: finde. Die Verteidigung des Brandstifters werde durch deutsche Rechtsanwälte erfolgen. Der Senat des Reichss gerichts lehne es mit Entschiedenheit ab, Ausländer als Verteidiger auftreten zu lassen. Es habe sich herausgestellt, daß van der Lübbe unmöglich allein als Täter in Frage tommen fönne, sondern er müsse unbedingt Mittäter ges habt haben. Obgleich van der Lübbe behauptet habe, daß er mit einem Leinentuch den Brand allein angelegt habe, sei festgestellt, daß dies ganz unmöglich sei. Uebrigens fönne tein Rechtsanwalt angegriffen werden, wenn er Lente verteidige, die nicht auf dem Boden der Regierung stünden. Neben dem freien Richterstand stehe der freie Anwaltstand. Daß Lübbe Mittäter hatte, ist nie bezweifelt worden. Die Frage ist nur, wo sie sißen. Bestimmt nicht im Gefängnis. Wenn der ebenso freche wie korrupte Minister Frank sagt, es werde kein Rechtsanwalt angegriffen, der Oppositionelle verteidigt, so lügt er. Zahlreiche vor Gericht zugelassene jüdische Anwälte sind entweder mit Gewalt vertrieben oder durch stillen Boykott ausgehungert worden. Es hat bisher kein deutscher Anwalt gewagt, Torgler zu verteidigen, weil es eben keinen freien Anwaltstand mehr gibt, sondern nur Anwälte, die unter dem Terror der SA. stehen. Hitler schnorrt bei Ford Und bei wieviel Auslandkapitalisten noch? London, den 29. Juli 1983.( Gig. Bericht.) Der amerikanische Automobilkönig Henry Ford hat jetzt eine sehr wichtige öffentliche Feststellung getroffen. Der englische Schriftsteller J. Steele hatte in seinem kürzlich veröffentlichten Buche erklärt, der amerikanische Automobilkönig Ford habe die Hitler Bewegung mit mehreren Millionen Dollar finans ziert. Die Verbindung zwischen Ford und Hitler sollte Prinz Ferdinand, ein Verwandter des Exkaisers, #hergestellt haben. Nunmehr hat Henry Ford in einem Telegramm an den„ Daily Herald" erklärt, daß die Sitler- Agenten tatsächlich mit Gelbgesuchen an ihn herangetreten feien, daß er fie aber beständig abgewiefen habe und mit ihnen weder damals noch heute etwas zu tun haben wolle. Diese Erklärung des steinreichen amerikanischen Automobilkönigs seigt wieder einmal, wie die sogenannte nationalsozialistische Arbeiterpartei" die größten Rapitalisten der Welt anpumpt und sich bei ihnen als Prätorianergarde des reaktionären Kapitalismus gegen die sozialen Organisationen der Arbeiterschaft empfiehlt! Jeder weitere Kommentar dazu ist überflüssig! to thin de li ..Sie werden verschleppt!" Drohungen in Basel wie in Saarbrücken ewissen, wir haben Sie jest photographiert und in die Schwarze Liste eingetragen." Sprichts und verschwindet mit demselben Mut wie der erste Strolch. Die Arbeiter Zeitung" berichtet: Die Bafler Hitler- Brüder werden von Tag zu Tag unverschämter und frecher. Wie ihre Nichteinmischung in Schweizer Verhältnisse aussieht, erlebte vor einigen Tagen ein vor dem Hauptpostgebäude stehender Verkäufer der Freiheit". Nahte da ein mit dem Hakenkreuz gezierter Basler Reichsdeutscher, blickte sich erst nach allen Seiten um und wandte sich dann in drohendem Ton an den Kolporteur mit den bezeichnenden Worten:„ Sie, wenn Sie so weiter machen, werden Sie eines Tages ins Auto genommen und nach Lörrach abgeschleppt." Der reichsdeutsche Hitler- Bruder verschwand dann nach dieser eindeutigen Drohung so schleunigst, daß es dem Kolporteur nicht mehr möglich war, ihn festzuhalten und der Polizei zu übergeben. Ein paar Tage nach dieser Drohung, als die deutschen Nazis einsehen mußten, daß der Verkäufer fich nicht einschüchtern ließ, nahte gar ein mit dem Standartenführerabzeichen geschmückter Nazi:„ Sie, daß Sie es nur Einstein Englisches Unterhaus begrüßt den von Deutschland geächteten Gelehrten London, 28. Juli( Jnpreß). Einstein erschien im Unterhans, um die Begründung der von Locker- Lampson einges brachten Bill über die Einbürgerung von Juden anzuhören. Er wurde bei seinem Eintritt vom Hause demonstrativ begrüßt und in der Rede Locker- Lampsons, der den Hitlerismus scharf angriff, als der berühmteste Bürger Deutschlands be: zeichnet, der jetzt im Besucherbuch in der Spalte der Adresse teine" schreiben mußte, politiker des offiziellen Blattes des Quai d'Orsay, des Wladimir d'Ormesson ist einer der Außen " Temps", und ist in Deutschland vor allem bekannt geworden durch sein Buch für eine deutsch- franzö sische Verständigung, betitelt Vertrauen zu Deutschland?" D'Ormesson gehörte zu jenen französischen Politikern, die nach Locarno und Thoiry die Briand Stresemannsche Verständi gungspolitik unterstützt haben und klar erkannten, daß die deutsch- französische Frage die Schicksalsfrage nicht nur Europas, jon dern der Welt ist. Wenn er sich heute in so unzweideutiger Weise gegen die unsolide und verbrecherische Politik des Dritten Reiches wendet, dann kann man daraus ersehen, in welchem Umfange die Hitler- Ver gewaltigung des deutschen Volkes das Vertrauen zu Hitler- Deutschland untergraben hat. Verderben und Untergang über die nationalsozialisti. schen Schuldigen! Politische Morde Leichenfunde bei Berlin Bei Hirschgarten am Müggelseedamm wurde die Leiche eines Unbekannten gefunden, in Treptow eine 27jährige Sekretärin Klara Wagner, erschossen, in der Nähe der Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen der 55jährige Schneider Speer mit durchschnittner Kehle, in der Nähe der eisernen Brücke am Kupfergraben die Leiche eines 50jährigen Mannes. Es handelt sich um politische Morde, Röchling Der treudeutsche Mann mit französischen Ge schäften Auf dem deutschen Turnertag gab es eine Saarkundgebung. Das ist ganz in der Ordnung. Auch auf den sozialdemokras tischen Parteitagen ist stets die deutsche Verbundenheit mit der Saar bekundet worden. Redner war dann meist der jetzt als Landesverräter beschimpfte Mag Braun. In Stuttgart redete Röchling, und er fand in Deutsch land alles wundervoll. Frage: Hat er auch nur ein Konzens trationslager besucht? Auch nur einen der zehntausende polis tischen Gefangenen im Kerker? Hat er einen Blid in einen der tausende Folterkeller des deutschen Reichskanzlers ges worfen? Hat er sich einen Gemarterten vorstellen lassen? In wieviel Familien von Erwerbslosen hat er seine Eindrücke gesammelt? Wir werden keine Antwort erhalten. Nöchling rebet ins Blaue hinein. Er hält schwungvolle Festreden in deutsch und macht Geschäfte in französisch. Das war von jeher die Arbeitsteilung von Patrioten a la Nöchling. Wir sind immer stolz darauf, wenn solche Leute und nicht in ihrer„ nationalen" Gemeinschaft haben wollen. Abgeblitzt Papen darf nicht nach Paris Bizekanzler von Papen läßt die Meldung, daß er eine polis tische Reise nach Paris zu machen beabsichtige, dementieren. Tatsächlich hat der Plan dieser Reise bis vor kurzem bes standen. Es hat sich aber gezeigt, daß weder eine Zusammens funft Hitler- Daladier noch auch nur Papen- Daladier mögs lich ist. Das Mißtrauen in Paris ist zu start. FrancoisPoncet setzt seine Bemühungen, eine Zusammenkunft deuts scher und französischer Staatsführer zu ermöglichen, fort, Stürme verhaftet! Ins Konzentrationslager gebracht Die unmenschlichen Grausamkeiten, die in Berlin von dem Sturm 33 in Charlottenburg und von dem Sturm 17 in Köpenick verübt wurden, haben dazu geführt, daß der größte Teil des Sturms 88, sowie des Sturms 17 in ein Konzentrationslager gebracht wurden. Die Führer befinden sich im Konzentrationslager Sonnenburg. Todesurteil Harburg- Wilhelmsburg, 29. Juli. Wegen eines am 31. Januar v. 3. im Stadtteil Wilhelmsburg verübten Fenerüberfalles auf Stahlhelmer verurteilte das Sonders gericht den Bäcker Eduard Hoge wegen Rädelsführerschaft beim Landfriedensbruch zu nenn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust und den Arbeiter Richard Trampenan, der überführt worden war, bei dem Ueberfall geschossen zu haben, wegen versuchten Mordes zum Tode. Das Neueste Tepl( Tschechoslowakei). Die Frau eines Steuereins nehmers in Tepl( Tschechoslowakei) ertränkte sich mit ihren drei Kindern in einem Teich. Chinesischen Meer gelegener Juselgruppen Journal erklärt, daß die Besetzung einiger im durch Frankreich keinen imperialistischen Charakter trage, sondern wissenschaftlichen Interessen diene( Tieffeeforschung, Vermessungen usw.). Die Legalität der Befignahme durch Frankreich könne nicht bestritten werden. Bereits im Jahre im Chinesischen Meer herrschenden Stürme erst jezt durchs 1930 habe man an die Besegung gedacht, sie aber infolge der führen können. Das militarisierte Hitler- Deutschland Eine Aufnahme aus dem Tänzelfeit von Kaufbeuren: Jugendliche Infanteristen in der altbayerischen Uniform von 1870. Das Kanonenfutter des kommenden Hitler- Schlachtfeldes. Bild rechts: Ein Bild vom graufigen Schlachtfeld der Zukunft Englischer Telefonist mit Gasmaske und tragbarem Rundfunkgerät bei einem Manöver in Dartmoor. Alle technischen Erfindungen sind in den Dienst des Massenmordens gestellt- aus dem Segen der Menschheit wird ihr Fluch! Und Hitler hat den frankhaften Ehrgeiz, die Kriegsfackel in das noch friedliche Europa zu werfen! Die Potentaten- Mottentiste, die Hitler zu künstlichem Leben wieder erweckt hat. Von links nach rechts: Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg- Schwerin( in Uniform), Prinz Danilo von Montenegro, Herzog Karl Michael von Mecklenburg- Streliß, Prinz Julius Ernst zu Lippe und Prinz Hubertus als Vertreter des Hauses Hohenzollern. In Mecklenburg- Strelik fand unter großer Beteiligung zahlreicher Mitglieder der deutschen Fürstenhäuser die feierliche Beisetzung der verstorbenen Großherzogin Elisabeth von Mecklenburg- Streliz, Prinzessin von Anhalt, statt, bei der die Nazi- Kulis der SA. und SS. die Handlanger zu stellen hatten. Der Kirchenschatz gerettet! der da sein und klar zu machen versuchen, daß sie vom Herrn gesandt und berufen sind, das arme gefnechtete Volk zu erlösen. Sie werden, so wollen wir hoffen, bei der Arbeiterschaft kein Glück mehr haben. Das Zentrum hat seine Eristenz geopfert; es hat dafür das Reichskonkordat erhalten und die Kirche bleibt im Besitze ihrer unermeßlichen Reichtümer. Wenn auch dabei das Volk zugrunde geht. Die Zeit Sie sind sich in allen Ländern gleich. Warum hat sich das Zentrum unterworfen? heilt Wunden. Daß die Kirche mit dem Teufel- dieser wunderbaren Erfindung der Priester und auch mit anderen Mächten gleichzeitig Verträge abschließen kann, ist ja nur allzubekannt. Auch ist bekannt, daß die Kirche in Jahrhunderten rechnet und daß sie sich auch demgemäß ihre eigenen Gesetze geschaffen hat. Wenn sich die Kirche aber unter dem Deckmantel der Nächstenliebe in die Tagespolitik einmischt, so ist es ihr nicht immer möglich, alles und zu jeder Zeit mit der Formel:„ Es ist der Wille Gottes" abzutun. Denn der liebe Gott kann wohl nicht der Meinung sein, daß die deutsche Seele anders verwaltet" werden muß als die Seelen anderer Länder. Die politische Vertreterin der Kirche, das Zentrum, hat sich darum auch seine eigenen Prinzipien geschaffen, die es ihm erlauben, mit jedem poliische Geschäfte zu machen. Vor dem Kriege war die politische Losung des Zentrums: Für Thron und Altar. Nach dem Kriege, als sich das Volk von seinen Dußenden von Fürstenhäusern lossagte und den Versuch unternahm, sich selbst zu regieren, da erfand das Zentrum eine Formel, die es ihm erlaubte, sich mitten in das politische Leben zu stellen. Es erklärte, eine Verfassungspartei zu sein und brachte zum Ausdruck, daß es sich nichts vergibt, wenn es sich von feinen bisherigen Schirmherren, den Fürsten, losfagt. Gleichzeitig fündigte es damit auch an, mit jedem andern fich politisch einlassen zu können. So war das Zentrum seit 1919 bei jeder politischen Konstellation beteiligt. Es hatte seine geeigneten Leute für jede politische Situation. Gab es mal eine Periode, die im Interesse der Machterhaltung eine mehr nach links gerichtete Politik notwendig machte, so stellte die Kirche, die eigentliche Herrscherin im Zentrum, auch Leute wie Wirth oder den einen oder anderen Gewerkschaftsführer von den christlichen Gewerkschaften. Ansonsten war es die Politik der Kirchenfürsten. Diese wurde schon die ganzen Jahre hindurch von Rom geleitet. Der Batitan entsandte dazu seinen heutigen Staatssekretär Pa= celli, der mehr politisch als kirchlich eingestellt ist. Pacelli brachte seine Ernte heim. Es gelang ihm, alle in Frage kommenden deutschen Länder zum Abschluß von Konkordaten zu bringen. Und wenn man sich heute fragt, wieso es fommen konnte, daß eine Partei, die so großen Einfluß ausüben konnte, wie das Zentrum, trotz seiner zahlenmäßig beschränkten Man-11 tum hat weder eine geistige Verbindung mit den Freiheits- Während Torgler in Ketten -datszahl, so muß man weiter beachten, daß es in Deutschland kein freies Bürgertum gibt. Das heutige deutsche Bürgertum hat weder eine geistige Verbindung mit den Freiheitsideen der Paulskirche noch viel weniger mit den Freiheitskämpfen eines Freiherrn vom Stein. Das Zentrum, dessen geistiges und politisches Ideal nach wie vor im Mittelalter verankert ist, konnte deshalb auch gleichzeitig eine Art freiheitliche nach der deutschen politischen Sprache eine demokratische- Politik machen. Bei dieser Politik ist es dem Sentrum gelungen, die Machtsphäre der Kirche und ihrer Einrichtungen in einem Maße zu verbreitern und zu festigen, daß sie allmählich zu einer wirtschaftlichen Gefahr für das kleine Bürgertum wurde. Das Zentrum brachte zwar nie das Wort Republik über seine Lippen oder gar, daß es jemals die Hand zum geringsten Eingriff in die Besitzverteilung geboten hätte. Es sorgte aber reichlich dafür, daß die wirtschaftlichen Organisationen der Kirche alle und jede Möglichkeit ausnüßten, um eine Wirtschaftsmacht zu schaf= fen, wie es kaum eine zweite in Deutschland gibt. Der Deutsche Garitasverband mit seinem Sitz in der Bischofsstadt Freiburg im Breisgau ist die teilweise Dachorganisation dafür. Das vom Caritasverband verwaltete Vermögen beträgt zwischen 22 und 3 Milliarden Gold: mart, wie dies vor einigen Jahren durch ein holländisches Bankenkonsortium festgestellt wurde. Dazu kommen noch unzählige selbständige Wirtschaftsorganisationen, die unter den unschuldigsten und neutralsten Namen ihre Vermögenseintragungen im Grundbuch vornehmen. Für die ganzen Liegenschaften und zum größten Teil auch für die gewerblichen Betriebe ist Steuerfreiheit oder zumindest Steuernachlaß garantiert. liegt... Das„ B. T." bringt in freudeglänzendem Fettdruck folgende Meldung: Neuer Russen- Kredit 50 Millionen Mark für IndustrieLieferungen Die deutsche Industrie fann mit weiteren Bestellungen der Russen rechnen. Deshalb hat nach unseren Informationen ein Banken fonsortium jetzt beschlossen, deutschen Industriefirmen für Russenaufträge einen neuen Rediskontkredit von 50 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Derweil liegt Torgler mit zusammengefetteten Händen im Untersuchungsgefängnis und in ganz Deutschland findet sich fein Anwalt, der es wagt, die Verteidigung des Unschuldigen zu übernehmen. Ein Hoch der kommunistischen Solidarität! Es lebe die Weltrevolution! In dieses Bild paßt es auch, daß die holländischen Kommunist en auf Befehl Moskaus ihre Beteiligung an dem von der Sozialdemokratie Hollands organisierten BoyUm diese Reichtümer nicht zu gefährden, mußte sich das kott deutscher waren verweigerten! Zentrum auf Geheiß der Kirche selbst aufgeben. Man hat es seitens der Kirche sogar so weit gebracht, festzustellen, daß eigentlich der katholische Voltsteil auch ohne das Zentrum politisch vertreten ist oder vielleicht unter Hit ler noch besser als durch das bisherige Zentrum. Alles nur des lieben Mammons willen. Die geistigen Drahtzieher des Zentrums, die Geistlichen, ziehen sich aus der Politik zurück, um die irdischen Schäße zu sichern. An Stelle der Geistlichen werden Fabrikbesizer als Hospitanten zu den Nationalsozialisten entsandt, um orientiert zu sein über das, was geht. Wenn es mal nicht mehr so windig zugeht in der Politik wie heute, dann werden auch die politischen Giftmischer wie Flugzeuge ausverkauft Neue Fluchtwelle aus Deutschland Die Ereignisse der letzten Tage haben die allgemeine Unsicherheit so sehr gesteigert, daß die nach dem Ausland abgehenden Flugzeuge für Wochen ausverkauft sind. Gine Reihe wohlhabender Angehöriger der Rechtskreise hat sich unter großen Schwierigkeiten das Ausreisevisum verschafft und sucht io rasch wie möglich die deutsche Grenze zu überschreiten. 99 Füße küssen und Stiefel lecken" Ein christliches Zeugnis über die braunen Banden des deutschen Reichskanzlers- Viele haben sich in den Zellen erhängt Der Buchdrucker Desider Takacs, ein Mitglied der christlichen Gewerkschaften, ist nach dreieinhalb Monaten Haft in einem Zuchthaus und einem Konzentrationslager aus Nazideutschland in seine Heimatstadt St. Pölten in Oesterreich zurückgekehrt. Er berichtet: Jw hatte vor anderthalb Jahren bei dem Zentrumsblatt in Düsseldorf eine Stelle als Maschinenseßer gefunden. Am 17. März wurde ich von SA.- Leuten während der Arbeitszeit aus der Druckerei des Zentrumsblattes geholt. Ich kam in die Strafanstalt. Dort waren schon hunderte Schußhäftlinge in einem großen Saal. Später führte man mich in einen Raum, in dem vierzig Personen untergebracht waren. Es gab weder Tische noch Bänke, und die meisten von uns mußten auf dem Erdboden liegen, aber auch dazu war der Raum zu klein! Die Kost war nicht ausreichend. Wir wurden abwechselnd von SA.- oder SS.Leuten bewacht. Wiederholt protestierte ich gegen meine Festnahme. Man sagte mir, ich soll den Mund halten, ich werde schon drankommen. Im Laufe der Zeit wurde es immer ungemütlicher, die Kost schlechter, die Absperrung strenger, die Briefe sensuriert oder unterschlagen. Es fehlte uns die Gelegenheit, die Wäsche zu waschen, und bald entdeckten wir Läuse. Das Strafhaus, das für 350 Personen Raum hat, war mit 800 Menschen angefüllt! ,, Verhöre", die man hört Wiederholt hörten wir um 12 Uhr nachts und um 2 Uhr früh laute Hilferufe. Da wurden neu angekommene Schutzhäftlinge verprügelt. Eines Abends drückte ich auf die elektrische Klingel, um zu veranlassen, daß in unserem finsteren Raum Licht gemacht werde. Der SA.- Mann, der erschien, gab mir mehrere Ohrfeigen. Ich sagte:„ Warum schlagen Sie mich, da ich doch wehrlos bin?" Da fuhr er mich an: " Noch ein Wort!" Und hielt mir den Revolver vor das Gesicht. 2800 Menschen hinter Stacheldraht Am 28. Mai wurde ich zum Polizeipräsidium gebracht und kam von dort in das Konzentrationslager nach Siegburg. Da waren 2800 Menschen aus allen Voltsschichten: Aerzte, Advokaten, Schriftsteller, Schauspieler, auch Priester. Die Behandlung war sehr schlecht. Wir wurden als Gefangene betrachtet. Das Lager ist mit Stacheldraht eingefaßt und wurde militärisch scharf bewacht. Es war unmöglich, durchzukommen. „ Auf der Flucht erschossen" Zwei Kommunisten, die zu flüchten versuchten, wurden erschossen. Bei den kleinsten Anlässen wurden die Leute mit dem Gummiknüttel schrecklich zugerichtet. Vormittags und nachmittags mußten wir exerzieren. Wer nicht wollte, bekam den Gummiknüppel. Das Lager war in ver schiedene Klassen eingeteilt. Am schlechtesten hatten es die Kommunisten und radikalen Sozialisten in der dritten Klasse". Seht die Diätenschinder! Schweigegelder für die Nazibonzen Die neugebackenen preußischen Staatsräte erhalten, wie man weiß, eintausend Mark pro Monat. Dafür haben sie auch nichts zu beschließen. finden, weil man die gesamte Opposition Sozialdemo kraten und Kommunisten aus den Parlamenten ausgeschlossen und die Reste der bürgerlichen Parteien als noch eine Partei im Parlament sißt, die höchstens Monologe halten kann. Bei dieser Gelegenheit muß aber daran erinnert werden, Gäste" der Nazifraktion„ gleichgeschaltet" hat, so daß nur daß es außerdem noch im Reich etwa 280, in Preußen etwa 210 nationalsozialistische Diätenschlucker gibt, die für absolutes Nichtstun monatlich pro Kopf 600 RM. erhalten, d. h. insgesamt rund 500 Mann, die die öffentlichen Kassen monatlich mit 300 000 Mart, im Jahr mit 3 600 000 RM. belasten. Es sind dies die am 5. März d. J. gewählten Reichs= tags und Landtagsabgeordneten. Beide Parlamente find längst in den Schoß der Vergessenheit gesunken. Jedes hat in den fünf Monaten seines Bestehens ganze zwei und zwar rein dekorative Vollsizungen abgehalten. Sizungen von Ausschüssen, sonst die Hauptarbeit der Parlamente, finden überhaupt nicht statt, da keinerlei Ausschüsse gebildet sind. Den Parlamenten selbst sind alle Befugnisse genommen. Sie beraten weder Gesetze, noch den Staatshaushalt, noch üben sie sonst irgend eine kontrollierende Tätigkeit aus. Debatten können schon aus dem Grunde nicht mehr stattDer einzige Zweck dieser Rumpfparlamente besteht also im Diätenempfang der Regierungsanhänger. Sie haben 500 braune Bonzen mit je 7200 Mark jährlich zu füttern. Die Gegenleistung dieser Diätenschinder ist Null. Neun undneunzig Prozent von ihnen haben, seitdem die Galasitzungen vorbei sind, ihren Fuß nicht mehr in die Parlamentsgebäude gesetzt, es sei denn zum Besuch der Restaurationen. In früheren Zeiten schrien die Nazis über Diätenschinderei. Aber die Weimarer Verfassung legte den Abgeordneten ein so großes Maß von Arbeit auf, daß die meisten von ihnen ihren Zivilberuf daneben nicht ausüben fonnten. Heute zeigen die Nazis den parlamentarischen Idealzustand: Diätenbezug für absolutes Nichts tun! Rüstung zum Bürgerkrieg Gehelmschreiben an die Bürgermeister- Gas, Elektrizität und Wasser soil den..Staatsfeinden" gesperrt werden- Die Furcht der Schreckensmänner Berlin, 28. Juli. Die Reichsregierung hat sich auf Veranlassung des preußischen Ministerpräsidenten Göring in diesen Tagen an den unter Leitung des Münchener nationalsozialistischen Oberbürgermeisters Fiehler stehenden Berband der Gemeinde verwaltungen gewendet, um eine Reihe von Maß nahmen vorzubereiten, die offenbar im Zusammenhang mit vor ihr befürchteten politischen Unruhen stehen. Wenn es losgeht... In dem Schreiben der Reichsregierung, das an die Kommunalverbände der einzelnen deutschen Länder weitergeleitet wurde, beschäftigt man sich mit der Frage, was zu geschehen habe, wenn die politischen Zwischenfälle in den proletarischen Bezirken einzelner Großstädte weiter um sich greifen. Das Reichsfabinett erklärt hierzu, daß es dann nicht nur notwendig sein werde, mit allem Nachdruck und aller Unerbittlichkeit Waffengewalt in Anwendung zu bringen, sondern daß es gegebenenfalls zweckmäßig sein werde ,,, andere Maßnahmen" zu ergreifen. Licht, Gas und Wasser absperren! Die Reichsregierung denkt hierbei, so teilt sie den Gemeinden durch deren Spitzenvertretung mit, daß auch für den Fall Vorbereitungen getroffen werden müssen, in denen sich einzelne Bezirke zeitweilig im Besitz Aufständischer" befinden würden. Um hier gegenüber allen Eventualitäten gewappnet zu sein, empfiehlt die Reichs: regierung dort, wo das noch nicht geschehen ist, schleunigst sämtliche technischen Möglichkeiten zu prüfen, um im Augenblick der Gefahr die Zuleitung von Elek: trizität und Gas zu unterbrechen. Insbesondere wird aber barauf aufmerffam gemacht, daß es zur schleunigen Brechung des Widerstandes erforderlich sein könne, die Wafferzuleitung zu sperren. Es ist aber nicht bei diesen Empfehlungen und Anregungen geblieben! Jn einer ganzen Reihe von Städten haben bereits in dieser Hinsicht Beratungen zwischen den zuständigen Stadträten, den in Frage kommenden tech nischen Beamten und den Führern der SA., sowie dem Polizeipräsidium stattgefunden. Es sind auch bereits Borbereitungen im Gange, um für den Fall, daß sich die von der Reichsregierung angeregten Maßnahmen als notwendig erweisen, die in den betreffenden Bezirken wohnenden prominenten Leute der NSDAP. und des nationalen Bürgertums rechts zeitig zu einer zeitweiligen Wohnungsänderung zu vers anlassen. Die NSDAP. und die gleichgeschalteten Gemeindevertretungen sind jedenfalls entschlossen, alles zu tun, um in den Arbeiterbezirken den Einsatz militärischer Kräfte zu unterstützen, indem der proletarischen Bevölkerung Licht, Gas und Wasser gesperrt werden. Die hier veröffentlichten Mitteilungen werden zweifellos berechtigtes Aufsehen erregen. Sie bilden eine prak. tische Ergänzung zu den Göringschen Blutgefegen: all bas scheint zu beweisen, daß sich die braunen Bonzen des Dritten Reiches bereits ernsthaft vor Unruhen unter der Arbeiterschaft zu fürchten beginnen. ..Fühler" Die unliebsamen Emigranten Die Berliner Regierung hat ihre Vertretungen in Prag, Bern und Paris angewiesen, gegen die deutschfeindliche Pros paganda gewiffer Emigranten" entsprechende Schritte zu unternehmen. In Paris wurden Ende legter Woche„ ents sprechende" Fühler ausgestreckt, die sich aber sogleich zurücks ziehen mußten, da sie auf klaren Widerstand stießen. Bern foll dagegen ein gewisses Entgegenkommen bekundet haben, eine Prager Antwort steht noch ans, in London scheint man es gar nicht erst versucht zu haben. Die Juden wurden zwar von der jüdischen Gemeinde ver töftigt, mußten aber die niedrigsten Dienste verrichten: die Klosetts reinigen, den SA.- Leuten die Stiefel puzen, auf Befehl die Füße küssen oder die Stiefel lecken. Ich sah, wie ihnen die Haare ausgerissen wurden, daß Stücke Kopfhaut mits gingen. Die Juden wurden gezwungen, sich selbst zu schlagen und gegeneinander zu bogen:„ Haut euch, Hunde!" hieß die Parole. Sonst trat der Knüttel in Aktion, bis das Blut sprite. Viele bekamen Nervenzusammenbrüche, andere wurden frank. Aerztliche Visite war einmal wöchentlich. Aber da hieß es immer nur:„ Der Nächste, der nächste", ohne jemand anzuhören. Neben mir sagte einer: Die Lunge ist nicht in Ordnung, ich spude Blut." Die Antwort war: Rizinusö I!" Viele haben sich in den Zellen erhängt Die Ausländer wurden besser behandelt als die eigenen Landsleute. Was ich sage, ist nur ein Viertel von dem, was passiert ist. Biele haben sich in den Zellen erhängt. Unter ihnen auch Dr. Odenkirchner, der Bürgermeister von Düsseldorf. Endlich abgeschoben! gelegt, in dem ich mich verpflichten mußte, daß Deutsche Reich Am 1. Juli wurde mir ein Formular zur Unterschrift vor nicht mehr zu betreten. Man sagte mir, ich werde über die nächste Grenze abgeschoben. So kam ich nach Luxemburg." Was ist der wahre Sozialismus? Ley erklärt: Wenn die Arbeiter alles opfern! Seit Hitler die Revolution für beendet erklärt hat, müssen die Nazi- Häuptlinge wieder unerhörten Dampf blasen, um den, Arbeitern die Tatsache zu vernebeln, daß jetzt der nackte kapitalismus regiert. Den Voge! hat der berüchtigte Len abgeschossen, der vor den zusammenkommandierten Arbeitern in Breslau nach dem Bericht der„ Germania" folgende Weisheit verkündete: Die wahre Revolution habe jetzt das deutsche Bolt erlebt und mit ihr sei der Sozialismus, den die früheren Machthaber nur im Munde führten, wahrges macht. Das Merkmal des wahren Sozialismus sei Opferfreudigkeit. Das Opfer zertrete nicht ein Bolt, sondern erhebe es. Dieser Opfergeist werde auch weiter der Leitstern der heutigen Führer sein. Tatsächlich, die Arbeiterklasse hat den Nazis alles opfern müssen: ihre Organisation, ihr Wahlrecht, ihre Söhne. Und weil sie alles geopfert haben, ist nun der„ wahre Sozialis mus" da. Der verruchte Margismus versteht freilich unter Sozialismus die Enteignung der Kapitalisten zugunsten der Allgemeinheit. Hitlers, deutscher Sozialismus“ ist die Enteignung der Arbeiter zugunsten der Kapitalisten. Ein ganz kleiner Unterschied... SS.- Leute Haus wird besetzt Brüder... Breslau, 28. Juli 1933( Eig. Bericht). In Gleiwit bestehen seit der bekannten Hitler- Rede in Bad Reichenhall schwere Konflikte zwischen der meist aus proletarischem Milien stammenden SA. und der SS. In einer gemeinsamen Mitgliederversammlung hatte die SA. eine scharfe Resolution gegen den neuen Kurs der Regierung und für einen ents schiedenen Sozialismus eingebracht; die Abstims mung über diese Resolution aber hatte die SS. verhindert und die Versammlung wurde unter Einsatz eines Kommans dos der Schutzpolizei vorzeitig aufgelöst. Vor einigen Tagen wurde der SA. bekannt, daß sie entwaffnet und in ein schlesisches Arbeitslager abtransportiert werden solle; diese Nachricht, die außerordentliche Erregung hervorries, vers anlaßte die SA., die starke Kräfte von außerhalb herbeis gezogen hatte, sich mit einem Gewaltstreich in den Bes siz des Standquartiers und des dort sich befindlichen Waffenlagers der SS. au feßen. Die anwesenden SS. Leute wurden vers haftet, das Haus in den Verteidigungss zustand gebracht. Bisher lehnen die SA.- Leute jede Verhandlung mit dem aus Breslau eingetroffenen Bes auftragten des schlesischen Oberführers eines ab. Hauptsache: Beine Studenten und Professoren müssen vor allem marschieren Die neuen Instruktionen für die Hochschulen, die den Rustschen Geist atmen, schreiben vor allem Wehrsportübungen vor, die Wissenschaft kommt erst an letzter Stelle. Infolgedessen mußten dieser Tage Studenten und Professoren der Berliner Universität im Grunewald antreten. um Wehrsportübungen zu absolvieren. Die Studenten haben ihre Sache sehr schlecht gemacht, sie werden verschärft nachzuegerzieren haben. Dagegen haben die gleichgeschalteten Professoren sich die größte Mühe gegeben und bei einem Gepäckmarsch über 6 Kilometer unter insgesamt 60 Mannschaften der Studenten, sich an 16. Stelle placiert. Welch ein Glück für die Professoren und welch ein Glück für die Nazis. daß ihr Vorkämpfer, der berüchtigte Germanist Roethe, schon längst gestorben ist, der mit seinen stadtbefannten Plattfüßen das Team der Professoren an eine schäbige Stelle gebracht hätte. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der Deutschen Freiheit" Hod ob si Ereignisse und Geschichten bnt mi Vorschläge für Das harmlose Thema me Von Franziska Maria Rautenberg Ich hatte mich mit einem Bekannten in einem Berliner Restaurant zum Abendessen verabredet. Mit einem Bekannten, der sich in der letzten Zeit nicht gerade durch besonderen Mut auszeichnete. Sobald ich mich an seinen Tisch gesetzt hatte, flüsterte er mir mit einem scheuen Blick auf den besetzten Nachbartisch zu: " Seien Sie vorsichtig. Reden Sie nur über harmlose Themen. Man kann ja nie wissen..." " Selbstverständlich," beruhigte ich ihn und fragte mich, wohl zum hundertstenmal, wie es möglich sei, daß ein so großer, breitschultriger, blonder, blauäugiger Mensch der maßen ängstlich sein könne. Nun, ich werde ihm durch meine Unvorsichtigkeit nicht das Essen verderben, werde ausschließlich von völlig harmlosen Dingen sprechen. Natürlich fielen mir, sobald ich diesen Entschluß gefaßt hatte, lauter Themen ein, die nichts weniger als harmlos waren. Ich schluckte die Worte hinunter und zerbrach mir den Kopf, worüber wir eigentlich reden könnten. Dann fiel mir das Wetter ein: " Schrecklich, dieser ewige Regen," erklärte ich.„ Man kommt gar nicht dazu, den Sommer zu genießen." " Nicht," hauchte neben mir die verzweifelte Stimme meines Bekannten.„ Sprechen Sie nicht vom Regen. Man könnte glauben, wir seien der Ansicht, daß es dieses Jahr mehr regne als im vorigen. Man könnte glauben, daß unsere Borte eine Anspielung auf eine eventuelle schlechte Ernte sind, eine Anspielung auf die wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung." Also mit dem Wetter ist es nichts. Und dabei gibt es doch fein harmloseres Thema. Der Kellner trat an unseren Tisch; wir bestellten das Abendbrot und ich sagte:„ Und ein Glas Pilsner, bitte." Mein Bekannter fiel mir ins Wort: Wie zerstreut Sie find. Sie wollten doch ein Glas Rheinwein trinken. Zwei Glas Rheinwein, bitte?" fuhr er mit erhobener Stimme fort. Als der Kellner gegangen war, fragte ich ärgerlich:„ Weshalb muß ich Rheinwein trinken? Davon bekomme ich regelmäßig Kopfschmerzen." „ Aber Pilsner," jammerte neben mir die raunende Stimme. Ausländisches Bier. Man könnte das schon als einen feindseligen Att gegen unser Vaterland betrachten." " Mein Hausarzt sagte mir, ich müsse zunehmen, deshalb Srinke ich Bier." dem Mein Bekannter warf einen ängstlichen Blick Nachbartisch hinüber und flüsterte: Reden Sie nicht von Aerzten. Man könnte glauben, daß wir den Arierparagraphen kritisieren. Und auch, um Gottes willen, nicht von Rechtsanwälten," fügte er noch leiser hinzu. " Wann fahren Sie in die Sommerfrische?" fragte ich nach einer kurzen Pause. Mein Bekannter stöhnte leicht. Ich werde nie mehr mit Ihnen essen. Ich habe Sie doch gebeten... Können Sie nicht von harmloseren Dingen reden? „ Aber die Sommerfrische...?" Vorschläge für den Scheitechaufen Im Grunde ist es eine kleine Anzahl älterer Franzosen, is an denen ich immer wieder zurückkehre: ich glaube nur au französische Bildung und halte alles, was sich sonst in Europa„ Bildung" nennt, für Mißverständnis, nicht au reden von der deutschen Bildung. Die wenigen Fälle hoher Bildung, die ich in Deutschland vorfand, waren alle franzö= sischer Herkunft. Jetzt sagen Sie das Wort schon zum zweitenmal. Man könnte glauben, daß ich die Verordnung der Regierung beanstande, derzufolge wir Beamten unsere Ferien im Land zu verbringen haben." Ich begann zu essen. Es schmeckte mir nicht. Meine Augen schweiften gelangweilt durch den Saal und blieben an einer reizenden jungen Frau haften, die allein in einer Nische saß. „ Sehen Sie sich doch die hübsche Frau dort drüben links an," sagte ich, erfreut, endlich ein völlig harmloses Thema gefunden zu haben. Aber ich hatte mich geirrt. Mein Be fannter warf einen hastigen Blick nach der Nische und riß dann mit einem fast hörbaren Ruck die Augen weg.„ Wollen Sie mich ins Unglück stürzen?" flagte er. Erst sagen Sie " links", dann lenken Sie meine Aufmerksamkeit auf eine schwarzhaarige Frau, die noch dazu raucht. Sie wissen doch: die deutsche Frau raucht nicht. Stellen Sie sich vor, wenn ich jetzt diese Frau bewundernd angesehen hätte, so könnte man glauben, daß ich eine rauchende Fremdstämmige bewundere, also entweder ein Verräter oder kein reiner Arier bin." Mir riß die Geduld. Sie sind ein Jdiot," sagte ich heftig, ,, und ein Schwindler. Ich weiß doch, wie gut Ihnen dunkle Frauen gefallen." Mein Bekannter wurde blaß, daß ich glaubte, er werde in Ohnmacht fallen. Idiot, Schwindler," wiederholte er mit ersterbender Stimme. Ich habe Sie doch gebeten... Wenn man das hörte, könnte man glauben, Sie reden von irgend einer hochgestellten Persönlichkeit. Bitte, feine politischen Anspielungen." Ich wandte mich nun ganz meinem Essen zu. Anscheinend gab es in diesem Lande keine harmlosen Themen. Gut, also werde ich schweigen. Und ich schwieg, fünf Minuten, zehn Minuten. Mein Bekannter begann unruhig auf seinem Sessel hin und her zu wetzen. " Warum schweigen Sie?" fragte er schließlich.„ Das fällt doch auf. Man könnte glauben, daß wir uns in dem heutigen Deutschland nicht wohl fühlen. Man könnte glauben, schließ lich sind Sie ja doch eine lästige Ausländerin, eine Oesterreicherin, daß Sie über irgendwelchen Verschwörerplänen brüten und daß ich..." Er verstummte bei der Ungeheuer lichkeit dieses Gedankens. Nach einer kurzen Pause flüsterte er abermals:„ Ich habe Sie doch gebeten... Also reden Sie etwas, aber nur über harmlose Themen." Jetzt wurde es mir zu bunt. Ich stand auf. " Ich gehe," erklärte ich. Sie haben mir das ganze Essen verdorben. Ich denke nicht daran, es zu bezahlen. Das überlasse ich Ihnen." Ich hörte noch hinter mir ein klägliches: Bezahlen. Man könnte glauben, daß ich gegen das Transfermoratorium...". Aber ich befand mich schon in der Drehtür und stand eine Sekunde später auf der Straße. Den höchsten Begriff vom Lyriter hat mir Heinrich Heine gegeben. Ich suche umsonst in allen Reichen der Jahrtansende in einer gleich füßen und leidenschaftlichen Musik. Und wie er das Deutsche handhabt! Man wird einmal sagen, daß seine und ich bei weitem die ersten Artisten der deutschen Sprache gewesen sind in einer unausrechenbaren Entfernung von allem, was bloß Deutsche mit ihr ges macht haben. Nietzsche: Ecce Homo. Metaphysischer Etat " In diesem Sinne, Parteigenossen, legen wir Ihnen den Staatshaushaltplan für das Rechnungsjahr 1933 vor. Er ist das harte, aber richtige Ergebnis nationalsozialistischer Anschauungen. Er soll ein politisches Bekenntnis sein. Ich muß Sie deshalb auffordern, den Haushaltplan geschlossen anzunehmen, und an die Stelle der Kritif den Glaubenzusetzen, daß dieses nationalsozialistische Bekenntnis, dieser Haushaltplan ein geeigneter Weg im Lande Braunschweig zu einer besseren Zukunft ist." Mit diesen Worten führte der braunschweigische Finanzminister Alpers seinen diesjährigen Etat vor dem rein nationalsozialistischen Landtag ein, nachdem die sozialdemo kratischen Abgeordneten durch Folter und Prügel zum Rücktritt gezwungen worden waren. Nun, der nationalsozialistische Landtag nahm auf Wunsch seines genialen Finanzministers den Staatshaushaltplan als Mirakel entgegen und stimmte mit begeistertem Sieg Heil" geschlossen dafür. Man sagt ja gemeinhin, der Glaube sei in der Lage, Berge zu versetzen. Troßdem darf man ge= spannt sein, zu welchem Zeitpunkt das Ergebnis nationalsozialistischer Finanzpolitik sich vom Mirakel zum Spektakel entwickeln wird. Einviertel Acier Sie sammeln und organisieen sich Unter Mitwirkung angesehener Persönlichkeiten des öffent lichen Lebens ist, so heißt es bitterernst in der„ Bossischen Zeitung", in Berlin der Reichsverband christlich deut scher Staatsbürger nichtarischer oder nicht rein arischer Abstammung gegründet worden. Der neue Verband will alle christlichen Nichtarier sammeln, die auf dem Boden des neuen Staates stehen und am Wiederaufbau Deutschlands mitzuarbeiten wünschen. Alle politischen und geschäftlichen Ziele sind ausgeschlossen. Es sollen ledigMein mutiger Bekannter hat mich nie mehr aufgefordert, lich die Interessen der Verbandsmitglieder gemeinnüßig Je mit ihm zu speisen. fördert werden. Leiter des Reichsverbandes ist Dir. Gustav Friedrich, Berlin- Wilmersdorf, Trautenaustr. 16. General v. Linsingens jüdische Großmutter Rettung vor den Gottlosen Ec meldet sich beim ,, Reichsbund Soeben hat der berühmte deutsche General von in fingen seinen Eintritt in den Reichsbund füdi icher Frontsoldaten" angemeldet, weil die eifrigen Raffenforscher in Hitler- Deutschland ihn wegen seiner füdischen Großmutter zum Juden ernannt" haben. General von Linsingen war im Weltkriege Führer einer Armeegruppe des deutschen und österreichischen Heeres an der Ostfront. Er war aber, wie uns ein Freund, der die Revolution im November 1918 in Deutschland miterlebt hat, als interessante und wichtige Ergänzung mitteilt, noch etwas anderes, nämlich im November 1918 Sommandierender in den Marken", also Inhaber der höchsten Militärgewalt in der Reichshauptstadt Berlin und in der Provinz Branden burg. In dieser Eigenschaft wäre es Linsingens Aufgabe gewesen, die Revolution militärisch niederzuschlagen. Er tat es nicht. Zwar erließ er Anfang November noch eine Berfügung, durch welche die Bildung von Arbeiter und Soldatenräten verboten wurde, aber er ließ nicht auf die Arbeiter schießen. Die damals in Berlin stehen den Truppen galten nicht mehr als zuverlässig und auch das eiligst herbeigeschaffte Naumburger Jägerbataillon symDer Gerichtstag Im Regierungsviertel, dem vom Volk umraften, Wird SA. stehn, vierzigtausend Mann. In den Aemtern sehn sich mit verglasten Blicken blaßgewordne Führer an. Der Pogrom von obenher beschlossen Ward verworfen und nicht ausgeführt, Ihre Truppen haben nicht geschossen, Die da unten sich nicht weggerührt. Und sie liegen in den Lederstühlen Zitternd hingestreckt, ein Bild der Schmach. Angst im Auge, weil sie bebend fühlen: Ihre ganze arme Macht zerbrach! Und dann dröhnt es auf den Treppenstufen. Die Erblaßten zischen leis„ Verrat" Und im Raume stehn fie, ungerufen. om s Keine Hand mehr an der Hosennaht. Und der Nauschgift- Heros bengt den Nacken Und der Klumpfuß liegt am Boden: grün. Und die Fäuste werden eisern paden Und es braucht sich feiner selbst bemühn. Und die Götter, deren Augenzwinten jüdischer Frontsoldaten" Man schreibt der Prager Deutschen Preffe" aus Klagenfurt: Ju der Nacht auf Sonntag drangen bisher unbekannte Täter in die Kirche von Bodensdorf in Kärnten ein und beschmierten die Wände und sogar knapp beim Altar mit gemeinen, nicht wiederzugebenden Schmähungen gegen die katholische Religion, den Papst, die Geistlichkeit und den Bundeskanzler. Dabei fehlten natürlich nicht die Heilrufe auf Hitler und das Hakenkreuz. Das Gotteshaus wurde sofort gesperrt, um es von dem Unflat zu reinigen, ebe es wieder seiner Bestim mung zugeführt werden kann. Es ist leider nicht der einzige Fall." pathisierte mit den Revolutionären. Der sozialdemokratische Abgeordnete Otto We Is ging in die Kaserne des KaiserAlexander- Garde- Grenadierregiments, der Kaserne, bei deren Einweihung Wilhelm II. seinerzeit die berühmt gewordene Rede an die Soldaten gehalten hatte, daß sie als Elitetruppe, der der Schutz des kaiserlichen Schlosses anvertraut sei, auch bereit sein müßten, im Notfall auf taiserlichen Befehl„ auf Vater und Mutter zu schießen". In dieser Kaserne, waren jetzt als letzter Schutz der kaiserlichen Herrschaft die Naumburger Jäger untergebracht. Wels hielt eine Anspracher die Soldaten, und nicht einer der Offiziere dieser Elite- Truppe des Kaisers wagte es, den Redner niedieser Elite- Truppe des Kaisers wagte es, den Redner nie Feuerbachs Grab geschändet. derzuschießen oder festzunehmen. Die Naumburger Jäger gingen zum Volk über und damit war der Erfolg in Ber= sin entschieden. Nachdem vor einiger Zeit in Breslau das Grab des Lassalle von den Nazis geschändet wurde, wurde in Nürnberg das Grab des Philosophen Ludwig Feuerbach ebenfalls von den Nazis geschändet und gesprengt. Jetzt erst erfährt man also durch die sensationellen Ergeb nisse nationalsozialistischer Rassenschnüffelei, daß in Wahrheit nicht die Machtlosigkeit der Kaiserlichen, sondern die heit nicht die Machtlosigkeit der Staiſerlichen, sondern die DHV. Augen rechts Verseuchung des Kommandanten von Berlin mit dem jüdischen Blut seiner Großmutter die Entscheidung herbeigeführt hat... Menschen ausgerottet wie die Peft, Werden stöhnend in die Kniee finten Sich beschmugend und von Schweiß durchnäßt. Und das Haus wird im Gebält erdröhnen, Denn der Mund der vierzigtausend schreit. Ruf von Müttern, Frauen, Brüdern, Söhnen: Die Gefangenen! Sie sind befreit!! Auf den Plägen ist ein festlich Wogen Freiheitslieder Jauchzer Flüche schwirr'n. Und dann werden sie hinausgezogen Zu den Opfern. Die stehn Stirn an Stirn. Stehn zerschlagen, aber nicht zerbrochen ,. Salb gemordet, halb vor Not verreckt, Ihre Körper find nur Haut und Knochen. Doch die Fänfte halten sie gestreckt! Und sie müssen durch die Fäuste schreiten, Eine Gasse, drohend eingeengt. Und nur Blicke ihren Gang begleiten Tiefe Blicke, ganz von Haß zerjengt. Keine Fauft wird wild herniederfansen, Jebe über ihrem Schädel stehn. Manchem Führer aber wird vor Grausen Auf dem Weg der Atem jäh vergehn. Willi Eckenroth „ Nach dem Liede„ Volk ans Gewehr!" trug ein Jungangestellter einige Stellen aus dem Imperium teutonicum" Wilhelm Stapels vor. Nach dem Kommando: Stillgestanden! Augen rechts!' wurde die Verbandsfahne des DHV. eingeholt und an ihrer Stelle die Hakenkreuzfahne gehißt." ( Hannov. Kurier") Immer diese Juden! Die ehemalige Weltmeisterin im Fechten Helene Mayer, Tochter, eines iüdischen Arztes in Deutschland, hat die Meisterschaft Amerikas im Florettfechten errungen. So viele Lorbeerbänme, deren Wipfel bis in die Wolken reichen, vertrockneten bald im dürren Erdreiche. Nur wenige hielten sich, und das Grün ihrer Blätter war bleich und leblos. Der Niedergang ents stand aus der Leichtigkeit des Schaffens und aus der Trägheit zur Höchstleistung, aus dem Ueberdruß des Schönen und der Neigung zum Absonderlichen. Die Selbstgefälligkeit begünstigte gewiffe Künstler, wodurch wieder Zustände der Barbarei entstanden; diese gleiche Selbstgefälligkeit verfolgte die wahren Talente nud zwang fie, ihre Heimat zu verlassen. Die Drohnen vers jagten die Bienen. Voltaire. DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Heiratsmarkt in Indien Wer kauft eine Frau um ein Odisengespann? Das Raschmirhochland ist die nördlichste Provinz des indischen Kaiserreiches. Es liegt schon mitten im mächtigsten und höchsten Gebirgsmassiv der Erde, im Himalaja, und wird daher auch das„ Dach der Welt" genannt. Einmal im Jahre, und zwar in den ersten Julitagen, findet in der Hauptstadt Simla ein Jahrmarkt statt, dessen größte Attrattion der Heiratsmarkt bildet. In diesen Tagen ist das ganze Land in gehobener, festlicher Stimmung. Aus allen Teilen strömen sie herbei, aus den Niederungen der indischen Ebene, aus den Tälern und Schluchten und von den schneeigen Höhen des Gebirges, in ihren bunten malerischen Trach ten, jung und alt, Männer und Frauen, auf ihren Maultieren oder barfuß, wie es die Sitte vorschreibt. Die Verlobung" 99 Die Festwiese liegt etwas oberhalb der Stadt auf einer von hohen schlanken Pinien umgebenen Richtung. Auf der einen Seite befinden sich terrassenförmig ansteigend die Sigplätze, auf denen die Frauen auf ihre Wahl warten. Sie fizzen dort hinter Schlagbäumen, streng abgesondert und ganz unter sich, während die heiratslustigen Männer vor den Bänken auf und ab wandeln und sorgfältig prüfen. Es ist nicht nur die Jugend, die hier Brautschau hält. Mehr als eine der Frauen trägt einen oder zwei oder gar drei Nasenringe, was ihr Wittum anzeigt und ihren Wunsch, sich noch einmal zu verheiraten. Meist gelingt es ihr auch, denn die Paharifrauen vom Kaschmirhochland haben in ganz Indien den Ruf, schön, raffig und bescheiden zu sein. Ein Maultier für eine Frau Hat nun der Mann unter den Schönen des Landes seine Wahl getroffen, und hat die Erwählte dadurch, daß sie seinen Blick erwiderte, zu erkennen gegeben, daß auch sie mit der Wahl einverstanden ist, dann bleibt er vor dem Schlagbaum, möglichst in ihrer Nähe stehen. Und nun nähern sich ihm die nächsten Verwandten des Mädchens, um mit ihm den Kauf abzuschließen, denn die Frauen des Landes werden zur Ehe gekauft. Der Handel vollzieht sich erstaunlich rasch. Ein paar Rühe, ein Ochsengespann, manchmal gar nur ein Bergmaultier bilden den Kaufpreis. Bargeld wird zwar häufig gefordert, aber sehr selten bezahlt. Eine Braut, die ihrem Vater drei oder vier englische Pfund einbringt, muß eine ganz außergewöhnliche Schönheit sein oder sonst eine besonders gute Partie. Ist das Geschäft schließlich perfekt geworden, dann erhält die Braut einen Wink, darf ihren Plaz verlassen und sich ihrem zukünftigen Gatten nähern: Jetzt gilt sie als verlobt. Die kirdilidie Weifie Fast ohne besonderes Zeremoniell vollzieht sich auch der gelegenen Tempel, wo sie der Priester empfängt. Er läßt sie Trauaft. Braut und Bräutigam begeben sich nach dem nahe gemeinsam an einer dargebotenen Schale mit einsamöl riechen, dessen Aroma eine berauschende Wirkung zugeschrieben wird. Dann nimmt er, je nach dem Vermögen des Brautpaares, eine goldene oder silberne Münze, die er angesichts eines grell bemalten Götterbildes in ein fupfernes Meßgerät fallen läßt, und erteilt nun den Segen. Braut und Bräutigam geben sich jetzt den ersten Kuß, worauf sich auch die beiderseitigen Verwandten umarmen und verbrüdern und bald so vertraut tun, als seien sie seit langer Zeit gute Bekannte. In den meisten Fällen begibt sich das jungvermählte Paar anschließend an die Zeremonie im Tempel nun hinunter nach Simla, wo es bald im Gewühl und Trubel des Jahrmarktes untertaucht. Man kann sie dann Hand in Hand durch die Buden und Stände wandern sehen. Irgendwelche besondere Festlichkeit, selbst nur ein bescheidener Hochzeitsschmans, sind nicht üblich. Bricht dann die Nacht herein, entführt der junge Ehemann schließlich seine Gattin in sein Heim. Zefinmal Lacien Wir lesen im Journal" nachfolgende gute Anweisung, die wir des aktuellen Interesses wegen unseren Lesern nicht vorenthalten möchten: Während ich diesen Artikel schreibe, zögere ich eigentlich damit, denn Sie werden sich über mich lustig machen oder, was noch schlimmer wäre, Sie werden glauben, ich mache mich über Sie lustig. Ich sehe mich also einer doppelten Gefahr aus: für einen schlechten Spaßmacher gehalten zu werben oder für einen Narren. Der alte Arzt hatte es mir vorausgesagt: „ Ich gebe Ihnen mein Rezept," sagte er.„ Benutzen Sie es, und Sie werden es ausgezeichnet finden. Aber ich rate Ihnen, es niemandem mitzuteilen. Ich weiß Bescheid, ich habe es versucht: mit dem einzigen Erfolg, meine Patienten verjagt zu haben." Er war ein ganz kurioser Mensch. Er glaubte nicht nur an feine Arzneimittel mehr, was bei einem Arzt eigentlich nicht so erstaunlich ist, sondern er weigerte sich auch, welche zu verordnen, was noch seltener vorkommt. Er behauptete, alles mit Suggestion zu heilen; doch ich glaube, bin aber dessen nicht ganz sicher, daß er übertrieb. Ich möchte fast annehmen, daß man beide Methoden zugleich anwenden muß, wenn man trant ist; daß man zwar verschiedene Arzneien schlucken soll, ohne aber zu vergessen, zwei Gramm Vertrauen und vier Pillen guter Laune hinzuzufügen. " Nein," sagte er, es genügt die gute Laune. Schon die gute Laune allein heilt. Nur auf die gute Laune kommt's an." Als ich am Ende doch ungeduldig wurde, konnte ich es mir nicht verkneifen zu antworten: ,, Und die gute Laune, wovon hängt die ab?" Der Einwurf irritierte ihn nicht. wird dagegen protestieren und Ihnen ein paar ernüchternde Worte zuflüstern. Aber nach einigen Tagen schweigt sie. Es ist also kein Grund zur Beunruhigung mehr vorhanden. Glücklicherweise neigt der Mensch dazu, sowieso fufionen zu machen; warunt ſoll er fich da nicht von der Illusion des Guten in der Welt einnehmen lassen. Efire der Arbeit Wer den wuchtigen Hammer schwingt, Wer im Felde mäht die Aehren, Wer ins Mark der Erde dringt, Weib und Kinder zu ernähren; Wer stroman den Nachen zieht, Wer bei Woll' und Werg und Flachse Hinterm Webstuhl sich bemüht, Daß sein blonder Junge wachse: Jedem Ehre, jedem Preis! Ehre jeder Hand voll Schwielen! Ehre jedem Tropfen Schweiß, Der in Hütten fällt und Mühlen; Ehre jeder nassen Stirn Hinterm Pfluge!- Doch auch dessen, Der mit Schädel und mit Hirn, Denkend pflügt, sei nicht vergessen! Ferdinand Freiligrath. Schilddrüsenfiormon gegen Krebs Die Krebsforschung hat in den letzten Jahren, besonders dank der unermüdlichen Arbeit deutscher Wissenschaftler, eine Reihe bemerkenswerter Fortschritte zu verzeichnen. Es gelang, neue serologische Methoden ausfindig zu machen, Anfangsstadien erkennen kann. In Tiererperimenten wurde mit deren Hilfe man die Krebskrankheit schon in ihren die Krebskrankheit künstlich hervorgerufen und neuerdings auch wieder künstlich beseitigt und geheilt. Jetzt hat nun der deutsche Gelehrte Prof. W. Weichardt, Wiesbaden, die außerordentlich wichtige Entdeckung gemacht, daß man durch Einspritzen von Schilddrüsenhormon das Wachstum der Krebsgeschwülste hemmen kann! Vor wenigen Monaten hatte man gefunden, daß verschiedene Hormone unseres Körpers, besonders das Prolan, krebsfeindliche Wirkungen befizen. Prof. Weichardt stellte nun in zahlreichen Versuchen fest, daß Geschwülste in ihrem Wachstum aufgehalten werden, wenn man dem Organismus bestimmte Stoffe einsprißt. Zuerst verwendete er Eiweißinjektionen, die ja heute bei der Behandlung vieler Krankheiten eine große Rolle spielen. Es gelang auch, durch die Eiweißeinsprißungen eine 15prozentige Hemmung der Krebswucherung zu erzielen. ( Die Prozentzahlen ergaben sich aus dem Ausgleich mit gleichartigen unbehandelten Geschwülsten.) Viel wirksamer aber war das Thyrorin, das Hormon der Schilddrüse. Mit dieser Substanz erreichte er, daß die Geschwulst nun noch etwa halb so schnell nicht ausbreitete wie vorher. Die Wachstumhemmung betrug durchschnittlich 42 Prozent! Worauf diese Erfolge beruhen, ist bisher noch völlig ungeklärt; sicher ist jedoch, daß zwischen dem allgemeinen Stoffwechsel, vor allem zwischen dem Spiel der Hormone und der Entstehung des Krebses gewisse Zusammenhänge bestehen.al st Ist das erste Lächeln gelungen, schließe man die Augen Ortscfiaften mit einem Einwofiner eine halbe Minute und beginne dann zehnmal von vorn. Dann ist die gute Laune für den ganzen Tag sichergestellt. " Nämlich," sagte der alte Arzt, dieser Verächter der medizinischen Wissenschaft, der Ausdruck des Gefühls erweckt bereits das Gefühl. Bedenken Sie, mein Lieber, daß es Ihnen unmöglich wäre, sich in Rage zu verseßen, während Sie Ihr Gesicht zu einem liebenswürdigen, sanften Ausdruck zwingen. Ebenso erweckt infolge des Zusammenhangs zwischen Körper und Seele das hervorgebrachte Lächeln eine heitere Stimmung." Sie werden sagen, ich sei damals noch jung und naiv gewesen. Ich bekenne, das Verfahren probiert zu haben, und gestehe, daß ich es noch jetzt jeden Morgen übe. " Wie dumm mögen Sie dabei aussehen!" " Wenn schon." „ Und wie ist der Erfolg?" ,, Bitte fragen Sie meine Freunde! Denn, wenn ich selbst sage, ich sei vergnügt, glauben Sie es mir nicht, und wenn ich Ihnen sage, ich sei traurig, werden Sie mir doch hoffentlich erst recht nicht glauben." Aus dem Französischen von Geotto. „ Mein Gott," sagte er,„ die bringen ein paar kleine täg Ladien nicht verlernen liche Uebungen zuwege!" Und dann vertraute er mir seine Methode, oder wenn Sie wollen, den Trick des zehnmaligen Lächelns an. Man wacht auf. Man hat gut oder schlecht geschlafen, und schon beginnt man an seine Sorgen zu denken. Von hundert Menschen gibt es feinen einzigen und das besonders in den heutigen Zeiten der nicht als erstes, wenn er die Augen öffnet, seine Sorgen sähe. Da gilt es nun, sie sofort zu vertreiben. Man lege sich auf den Rücken, entspanne die Muskeln und lächle zehnmal. Wirklich, also wie man jetzt zu sagen pflegt, hundertprozentig. Das ist gar nicht so einfach, wie man sichs vorstellt. Vielen Leuten, die zu lächeln glauben, gelingt es höchstens, ihrem Gesicht einen furchterregenden Ausdruck zu verleihen. Ganz besonders muß man darauf achten, nicht die Brauen dabei hochzuziehen, nicht die Nase zu rümpfen und nicht den Mund zu verziehen. Und dann darf das Gesicht nicht zur Grimasse werden. Mit etwas Fleiß und gutem Willen ge lingt einem das breite, richtige Lächeln. Hat man es, halte man es eine halbe Minute lang fest, und dann denke man sich:„ Ich lächle, weil ich glücklich bin, und weil alles gut geht, denn ich habe überhaupt keinen Grund zu klagen. Alle, die mir auf die Nerven fallen, sind von der Bildfläche verschwunden, und ebenso alle Räuber und Menschenschinder. Um mich sind lauter gute Menschen. Sie lieben mich, und ich liebe sie wieder. Das Leben ist herrlich!" Natürlich wird es Ihnen anfangs einige Mühe machen, sich vorzustellen, daß alle unangenehmen Leute verschwunden sind und daß Sie jeder liebt. Eine geheime innere Stimme " Werden Sie auch das große Konzert besuchen?" „ Selbstverständlich, koste es, was es wolle! Können Ste mir nicht ein Freibillett verschaffen?" ,, So, Sie sind Mediziner," sagte die Tänzerin zu ihrem Partner auf dem Studentenball, also Zugführer auf der Bahn in den Himmel." " Nein," meint der Student, bloß Bremser!" * Einbrecher zum Hausherrn: Haben Sie die Hundesteuer bezahlt?" „ Ich habe gar keinen Hund!" " Haben Sie das Telefon bezahlt?" ,, Aber, bitteschön, ich habe doch gar kein Telefon!" „ Nun, dann ist's schon richtig.. machen Sie den Kassenschrank auf!" ( Nebelspalter".) „ Minna, gehen Sie zur Theaterkasse und holen Sie zwei Karten für heute abend zu je zehn Mark." Als das Mädchen zurückkommt, wird es gefragt:„ Haben Sie die Karten bekommen?" „ Ja, es gab aber keine zu zehn Mark, und da habe ich zwanzig zu einer Mark gebracht." „ Sie sind doch solch ein erfahrener Frauenfenner, lieber Schmidt. Sagen Sie, ist das unrecht, wenn man ein junges Mädchen einen Abend ausführt und feinen Pfennig für sie ausgibt?" Unrecht? Keineswegs, lieber Freund! Aber äußerst schwiePassing Show".) rig!". Seit vielen Jahren schon ist der Ort Petsoe Manor. drei Meilen von Olney, in der englischen Grafschaft Buckings hamshire gelegen, nichts, als ein ganz zerfallenes Nest. Es gehört dem Lincolne College in Orford, also einer weltbekannten Korporation. Der letzte direkte Eigentümer zog sich vor vielen Jahren schon vor den ungeheuren Scharen von Ratten zurück, die sich in allen noch stehenden Gebäuden breit machen und vor denen weder Hunde noch Kazen aufkommen können. Aus diesem Grunde wurde dieser Tage der verlassene Ort seiner Selbstverwaltung beraubt und in die benachbarte Gemeinde Emberton eingemeindet. Das Interessante ist aber, daß die Ortschaft nur einen Einwohner besitzt, und zwar einen einstigen Schaf züchter, der sich von seiner kleinen Hütte die zugehörigen Schafstallungen sind längst verfallen und vermorscht- abso lut nicht trennen kann. Mr. Percival, so der Name dieses „ Unerschrockenen", ist scheinbar nicht wenig stolz, der einzige Einwohner einer ganzen, freilich höchst minderwertig aussehenden Ortschaft zu sein. Er teilt das Schicksal mit dem „ Einzigen Einwohner" der amerikanischen Stadt Calico in Südkalifornien, die noch vor fünf bis sechs Jahren 25 000 Einwohner und eine blühende Industrie aufzuweisen hatte. Die großen Erzlager ließen das Städtchen in echt amerikanischem Tempo aufschießen. Als sich aber das Erzlager als nicht reich genug zum Abbau erwies, die Arbeiter entlassen und die Fabriken entvölkert wurden, da verließ auch wieder echt amerikanisch die ganze Bevölkerung Calicos die Stadt, und heute ist es wieder nur ein einziger Mann, der als Einwohner von Calico anzusprechen ist. Im übrigen gibt es sowohl in Amerika als auch in Europa Orte und Städte mit ganz ähnlichen Schicksalen; man denke nur an die teranische Stadt Grubb oder an die schwedische Niederlassung Boliden, nächst Stockholm. Eine Kräfie fält eine Surmufir an Auf dem sogenannten Turm des Mauren in Orvieto ( Mittelitalien) hat sich dieser Tage eine Krähe den Spaß gemacht, die Turmuhr anzuhalten. Sie hatte sich nämlich auf den Minutenzeiger gesetzt, was ihr allerdings gar nicht gut bekommen ist, denn eine Zehe wurde eingeklemmt zwischen Zifferblatt und Zeiger. So war nicht nur die Uhr, sondern auch die Krähe angehalten. Mit der bei Krähen üblichen Solidarität fanden sich Dutzende von Krähen ein, die der Gefangenen zu Hilfe kommen wollten und mit lautem Gefrächz den Turm umflogen und immer wieder gegen den Zeiger stießen. Es mußte dann aber doch ein Arbeiter auf den Turm steigen, um das Tier zu befreien, nachdem die Zeit von Orvieto eine Viertelstunde stillgestanden hatte. Wer wafir sein will, muß frei sein! Wer wahr sein will, muß frei sein. Frei von den Ketten, in die Erziehung, Bildung, Tradition uns geschmiedet haben, frei von den Zauberbrillen, mit denen die Priester unser Augenlicht verdunkelten, frei von der Tracht der Lakaien, in die die Machthaber der Erde die Abhängigen zwingen. Mittelstand- verraten und verkauft! Bahn frel für das Warenhaus- Kapital!- Alle NSBO.- Beauftragten werden aus den Einheitsgeschäften zurückgezogen, damit keine„ Hemmungen" mehr auftreten... Geschäftsleute den Lohn für treue Nazi- Hilfe Kapitulation! Die NSBO.- Leitung veröffentlicht folgende Erklärung: Berlin, den 28. Juli 1933.( Eig. Meld.) Besondere Umstände zwingen die NSBO.- Leitung, alle bisherigen NSBO.- Beauftragten für Konzerne, Behörden usw. wieder zurückzuziehen. Keiner hat daher das Recht, sich künftig als« NSBO.- Beauftragter" für Betriebe usw. zu bezeichnen. Zurückgezogen sind die Ausweise der bisherigen NSBO.- Beauftragten Draeger für die« Ep a" Betriebe und v. Kienitz für den« Karstadt"-Konzern. Das ist das endgültige Eingeständnis der testlosen Rapitulation Hitlers und des Nationalsozialismus vor dem Kapitalis mus aller Branchen, angefangen bei der Schwerindustrie und aufhörend beim Großhandel. Auch die immer wieder persprochene und in demagogischster Weise zur Aufstache lung kleinbürgerlicher Instinkte benutzte Parole gegen die Warenhäuser, Einheitspreisgeschäfte und Konsumvereine wird restlos preisgegeben und der ganze Nationalsozialismus mit Hitler an der Spike finkt mit andächtigem Händefalten vor dem reaktionärsten Rapitalismus der Welt in die Knie und betet ihn an! " Besondere Umstände" haben nach dieser amt lichen Meldung den hundertprozentigen Rück aug verursacht. Welcher Art diese„ besonderen UmStände" sind, das kann der Blinde mit dem Krückstock fühlen: Adolf Hitler ist nur der Knecht des Großagrariertums, der Portier des Schwerkapitalismus und der Unteroffizier der Militärclique. Rascher und schneller ist noch niemals eine so gründliche Entlarvung eines Erzdemagogen und Phraseurs erfolgt, als der des nationalsozialistischen„ Führers" und seines soge nannten Programms. Die Herren Kapitalisten, Großagrarier und Militaristen dürfen mit ihrem Adolf zufrieden sein- daß es die Arbeiter, Angestellten, Beamten, kleinen Gewerbe. treibenden, Kleinbauern und freien Be rufe nicht sind, steht allerdings ebenso fest! Und das wird sich auf die Dauer als aus. schlaggebend erweisen! Gestern noch brachte die nationalsozialistische„ Saar, Front" einen Artikel„ Moloch Warenhaus verschwindet!"- heute muß die Nazi- Regierung amtI ich mitteilen, daß sie nicht nur Kredite an die Warenhäuser gibt( an Hermann Ziet 1 Millionen, an Leonhard Tietz 14 Millionen), daß sie nicht nur die Aufsichtsräte mit ihren dicken Diäten durch Nazibonzen besetzt, sondern sie muß auch die NSBO.Beauftragten aus dem Karstadtkonzern und aus dem Einheitspreisgeschäfte. konzern Epa" zurückziehen! Mehr hat sich wohl noch kaum jemand von einem Tag auf den anderen blamiert als die Saar- Nazi- Front. Aber es kommt m. b. noch besser! Stürme im„ Kampfbund" Ihr habt uns belogen!" Die Nachricht, daß die Reichsregierung ben in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Warenhanskonzernen Uebers brüdungskredite in Höhe von Millionen gewährt, hat in den Kreisen des nationalsozialistischen Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand" wie eine Bombe eingeschlagen. In die Aufsichtsräte der ursprünglich jüdischen Kons gerne find jest überall Nationalsozialisten eingezogen, die dafür sorgen müssen, daß der Schornstein weiter raucht. Hinzu tommt die Protektion der Konsumvereine, die jetzt von Nationalsozialisten entweder geleitet oder entscheidend beeinflußt werden, siis 10 Die Enttäuschung in den Mittelstandkreisen ist furchtbar. Nur der Terror verhindert explosive Entladungen gegen Lüge und Berrat, Hoffen und Harren.. noch heute das Hauptkontingent ſeiner Kerntruppe, der SS., Kein Gelöbnis, das nicht gebrochen wird! Der stärkste Antrieb, den die nationalsozialistische Bewegung bis zu ihrer Machtergreifung erhalten hatte, kam von dem durch die Inflation enteigneten und durch die Wirtschaftskrise verelendeten Mittelstand: die Schuhmachermeister, die gegen die mechanisierten Reparaturwerkstätten nicht mehr auffamen; die Kleinhändler, deren Miete stieg, aber deren Umsatz zurückging; die Fleischer, denen die Ware unverkäuflich im Keller verdarb; die Schneider, die nur noch mit Flickarbeiten beschäftigt wurden; sie alle waren vom ersten Tage an Hitlers getreueste Anhänger, und ihre Söhne waren es, die ihm die ersten SA.- Standarten füllten, die bilden. Keine Gruppe des deutschen Volkes brachte dem Nationals sozialismus soviel vorbehaltloses Vertrauen und soviel blindes Hoffen entgegen wie der Mittelstand. Was die Handwerker und Kleinkaufleute von Herrn Hitler erwarteten, das waren zwei ganz reale Ziele: sofortige Schließung der Warenhäuser und sofortiges Verbot der Kons sumvereine. Denn das hatte man ihnen flammend ver: sprochen. Das hatten die Propagandisten des Dritten Reiches dem Mittelstand eingeredet: die jüdischen" Kaufhäuser und die „ marriſtiſchen“ Konsumvereine seien ihrer aller Untergang. Jetzt bekommen die kleinen So lenkte man die Krämer und Handwerker von der wirklichen Ursache ihrer Schwierigkeiten, der kapitalistischen Krise, ab und führte all ihr Hassen und all ihren Kampfeswillen auf zwei Komplexe zu: Judentum und Arbeiterbewegung, die wiederum durch gerissene Jongleurkunststückchen im Bewußtsein des Mittelstandes zu einem gemacht wurden. Der Kampf gegen Kaufhaus und Konsumverein war das Ziel, das der Partei, die es verhieß, viele Millionen Stimmen der mittelständischen Unternehmer und ihrer Angehörigen brachte. Diese Parole war wirklich zum Allgemeingut geworden, sie vertrug feine kompromißlerische Ausdeutung. Wenn Hitler alle Versprechungen brach dieses eine mußte er halten! Seit einigen Wochen aber zeigt sich: Das Dritte Reich bricht auch dieses Gelöbnis! Bis zu dem Tage, wo Hitler die Verfassung beschwor, dauerten die offiziellen Parteiaftionen gegen Warenhäuser und Genossenschaften an: Tränengasattentate wurden arrangiert und Bomben geworfen, das Personal bedroht und die Käufer beflegelt, Fensterscheiben eingeworfen und Boykottwachen gestellt. Als die Welle der Gleichschaltung tam, schlossen bereits die lokalen Instanzen einzelne Warenhäuser und Konsumfilialen und der antijüdische Boykott schien den Kaufhäusern und Einheitspreisgeschäften den Rest zu geben. Das Ganze war das Resultat einer jahrelangen Verhezung, die zu einer Volksbewegung geworden war. Je länger aber dann das nationalsozialistische Regime dauerte, um so mehr wurden die Handwerker und Gewerbetreibenden, zusammengefaßt in den viele hunderttausende Mitglieder zählenden Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand", enttäuscht. Wann kommt die Schließung der Warenhäuser und der Konsumvereine?", diese Frage wurde nationalsozialistischen Mitgliedern und Kommissaren unzählige Male gestellt. Als Antwort kamen neue Vertröstun gen und neue Versprechungen. Dann fauften, gleich schweren Stockschlägen, die Verfügungen nieder, und jede von ihnen erregte bei den mittelständischen Geschäftsleuten Hoffnungslosigkeit und Empörung: Dr. Ley, der dem Suff ergebene Oberbonze der Deutschen Arbeitsfront, garantierte die Unvers sehrtheit der genossenschaftlichen Bewegung und bedrohte im Einverständnis mit dem bayrischen Ins nenminister Angehörige des Gewerblichen Kampfbundes mit dem Konzentrationslager; Rudolf eß, Hitlers Stellvertreter in der Parteiführung, verbot jede Ak= tion gegen die Warenhäuser; die Berliner Gans leitung fprach sich zwecks Preisregulierung gegen die Schließung der am meisten bekämpften Lebensmittelabteis lungen der Kaufhäuser aus; einzelne von Nationalsozialisten geleitete Konsumvereine vergrößerten ihr Filialennet. Aber all diese Tatsachen, so ungeheuerlich sie auch vom Standpunkt der Betroffenen waren, wogen noch nichts gegen eine Behauptung, derentwegen Dutzende bayrische Krämer nach Dachau famen; die Reichsregierung sei gewillt, den " Kaufhausjuden" neue Kredite zu geben! Sofort folgte ein geharnischtes Dementi und es war erlogen denn der Berliner Warenhauskonzern Hermann Zieg hatte bereits die ersten anderthalb Millionen Mart ordnungsgemäß quittieren dürfen. Was weiter fam, war noch viel erschütternder: die NSDAP. ents sandte einen offiziellen Vertreter in den Aufsichtsrat des größten deutschen Provinzwarenhauskonzerns Leonhard Tiez und in den des westdeutschen Warenhauses A18berg, das vom Kampfbund und der nationalsozialistischen Presse besonders heftig befehdet worden war. Und schließlich erhielt die Firma Hermann Tieß in Berlin neben einem nationalsozialistischen Mitdirektor vom Reich einen fetten Ueberbrückungskredit von vierzehneinhalb Milli. onen Mart, dem weitere Kredite ohne Zweifel folgen werden. Was all diese Dinge in ihrem Zusammenhang mit dem übrigen politischen Geschehen für Millionen deutsche Nationalsozialisten beieuten, kann vielleicht nur der völlig beurteilen, derjahrelang die Art der Hitlerschen Mittelstands propaganda miterlebt hat. Der Kampf gegen die zweite Revolution" hat Hitler sicherlich bei der Arbeiterschaft nicht geschadet, weil sie ihm sowieso nicht vertraute und auch große andere Bevölkerungsschichten verstehen zu wenig die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, als daß sie sich sehr darum kümmerten. Der Bruch der Verheißungen an die Handwerker und die kleinen Geschäftsleute aber betrifft kein ideologisches, sondern ein höchst reales wirtschaftliches Moment. Das Dritte Reich hat allen Anlaß, sich Sorgen um den enttäuschten Mittelstand zu machen! DIC..staatsfcindliche" Mutter ,, Und ruft dereinst das Vaterland uns wieder...!" Aus Aurich in Ostfriesland wird uns folgendes berichtet: Ein sehr anschauliches Beispiel über den sozialen Charakter des Dritten Reiches gibt ein Vorfall, der sich vor einiger man könne keine Familie unterſtüßen, deren Oberhaupt fich Nähmaschinen Pfaff im staatsfeindlichen Sinne betätigt habe. Die Frau starb nach drei Tagen im Krankenhaus, ein Stind war schon am zweiten Tage Hungers gestorben. Die Stramm national... aber Geld stinkt nicht! Grabpredigt hielt der nationalsozialistische Pfarrer Meyer, der sonst als Wanderredner in der NSDAP. tätig ist. Er schloß die„ weihevolle Rede" mit dem Gebet, in dem es heißt: „ Unser täglich Brot gib uns heute..." Zeit hier ereignet hat. Die Frau eines arbeitslosen Sozialisten Hilfspolizist" war hochschwanger und zu gleicher Zeit schwer trank, da die Wohn- und Schlafverhältnisse wie auch die Ernährung der Familie die miserabelsten waren, die man sich denken fonnte. Ein Arzt, der die Frau in ihrem bejammernswerten Bustande sah, hielt es für notwendig, ihr einen Kaiserschnitt zu machen, um die Geburt der Kinder- es waren Zwillinge zu ermöglichen. Der nationalsozialistische Bürgermeister lehnte jedoch ab, die Kosten dafür zu tragen. Die Frau brachte trotzdem die Kinder zur Welt. Wir besuchten sie und als wir in die Türe traten, fiel uns als erstes ein großes eingerahmtes Bild in die Augen, das eine Erinnerung des unglücklichen Familienvaters an seine Militärzeit war. Mit großen Lettern stand der schöne Spruch darauf: „ Und ruft dereinst das Vaterland uns wieder, Als Reservist, als Landsturmmann, So legen wir die Arbeit nieder, Und folgen tren der Fahne dann." Wir konnten beim Lesen dieses wunderschönen Spruches ein bitteres Lächeln nicht ganz unterdrücken, wurden aber ganz ernst, als wir in das sogenannte Schlafzimmer eintraten, wo das armselige Weib mit seinen 2 Kindern, die vor Hunger schrien, lag. Der Arzt beantragte Kindermilch, da die Frau nicht stillen konnte, jedoch der nationalsozialistische Bürgermeister lehnte auch dies ab mit der Begründung, Ein Dokumment Bor uns liegt ein Original- Dokument der Geheimen Staatspolizei, das wir im Wortlaut hier wiedergeben: An den Herrn Polizeipräsident in Berlin Abteilung I Geheimes Staatspolizeiamt Berlin, 5. Juli 1988 Ila Haft Der polnische Staatsangehörige Dr. Artur Steigler ist am 14. 3. 1933 von SA.- Hilfspolizei in seinem Geschäftslokal Friedrichstraße 238 festgenommen worden. Er wurde in das SA- Heim Greifswalder Straße gebracht und von dort am 15. 3. 1933 dem Polizeipräsidium zugeführt. Bei der Festnahme wurden ihm außer 870 Mt. eine Börse mit 50 RM., Brieftasche und Aktentasche und dergl. abgenommen. Nach seinen Angaben heißt der Hilfspolizist, der die Gegenstände abgenommen hat, Reinschke, Zeuge soll sein ein gewisser SA.- Angehöriger Krause. Ueber den Verbleib der abgenommenen Sachen konnte hier nichts ermittelt werden. Ich ersuche daher ergebenst wegen der Nachprüfung der Angelegenheit als SA.- Uebergriffssache bzw. beim Kommando der Schußpolizei als Hilfspolizeisache die notwendigen Ermittlungen so bald wie möglich vernehmen zu lassen und mir von dem Ergebnis Kenntnis zu geben. J. A. Dr. Mittelbach, Staatsanwaltschaftsrat." Wir haben in Nr. 25 am Mittwoch, dem 19. Juli 1983, den folgenden Brief der Nähmaschinenfabrik G. M. Pfaff A.-G., Kaiserslautern, veröffentlicht: G. M. Pfaff A.-G. Nähmaschinenfabrik Kaiserslautern Herrn Raiserslautern, 30. Juni 1988 Wegen Ihrer früheren staatsfeindlichen Einstellung find Sie fristlos entlassen. Die nationalgesinnte Belegschaft lehnt jebes Zusammens arbeiten mit Ihnen ab. Betriebsrat der G. M. Pfaff A.-G. gez. Antoni ( Kreisbetriebszellenleiter der NSBO). Nun erhalten wir aus Brüssel folgende interessante Meldung, die den einwandfreien nationalen Charakter dieser Firma von einer anderen Seite beleuchtet. Im Schaufenster der Filiale der Nähmaschinenfabrik G. M. Pfaff A.-G. Brüssel, Boulevard Maurice Lemmonier 94, befindet sich seit einigen Tagen ein Schild mit der Aufschrift: Große Tombola zugunsten der Kriegsopfer.... Das Los 1 Fr., Ziehung am 1. 10. 1988." Was wollt ihr noch mehr von dieser treudeutschen Fabrik? In Deutschland gebärdet sie sich national, indem sie Arbeiter vor die Türe setzt, in Belgien fördert sie die belgischen Belange durch Unterstützung der belgischen Kriegsopfer, die vielleicht von jeßigen Braunen im Kriege perwundet worden sind. Das ist die Moral des Dritten Reiches. Deutschlands betrogene Bauern Es war einmal 200-2001 Wieder ist einer der wesentlichsten Punkte des sogenannten Programms der Faschisten aus der öffentlichen Diskussion verschwunden. Von der bäuerlichen Siedlung darf nicht mehr gesprochen werden. Was haben die Nazis nicht alles getrieben, solange Hugenberg Reichsernährungsminister war! Wie haben sie ihn beschimpft! Knecht des Großgrundbesizes, Osthilfeschieber, Vertreter der Landkapitalisten und Zertreter der Bauern! In Ostpreußen, der Grenzmark. in Pommern, in Mecklenburg und Schlesien fuhren sie durchs Land und arrangierten Rundgebungen gegen Hugenberg, für den Nazi- ,, Bauernführer" mit dem bodenständig- deutschen Namen Darre, für die Aufteilung des großen Grundbesizes unter die landarmen Bauern. Der bedrohte Osten sei nur durch bäuerliche Massensiedlung zu halten; gegen den Ansturm der Polen ein lebendiger Wall deutscher Bauern auf deutscher Scholle. Ihre Spieltrupps führten den Florian Gener" auf. Ihre Werber verteilten bereits die Rittergüter unter die Landarbeiter. Die jüngeren Bauernsöhne hätten fich für Hitler vierteilen lassen. Die Eroberung des Dorfes frieg den Stahlhelm, die„ Garde der Barone". Wenn die Väter und die Erstgeborenen noch deutschnational wählten, so wählten die Zweitgeborenen und die Knechte und Mägde Hitler. Sein„ Sozialismus" war ihnen höchst gleichgültig. Daß er ihn jetzt abschwört, läßt sie kalt. Aber daß die Nazi jetzt verraten, was sie diese drei Jahre in den ostpreußischen und schlesischen Dörfern gepredigt hatten, das muß die Grundlagen ihrer Macht schwer erschüttern unantastbar Es ist schon wahr, was Hitler gesagt hat: ohne die Bauern wäre der Nationalsozialismus nicht an die Macht gekommen. Verglichen mit dem ängstlichen Zagen der alten Parteien vor jedem wirklichen Angriff auf die Macht des ostelbischen Großgrundbesizes, trat der Nationalsozialismus offen revolutionär auf. Gewiß, im Sinne einer bürgerlichen Revolution. Es war sehr billig, ihm nachzuweisen, daß er auch in der Agrarfrage nicht sozialistisch sei. Was sollte denn die Großgrundbesitzer Forderung nach Ansiedlung von hunderttausend Bauern im Often auch mit Sozialismus zu tun haben? Das schlechte Gewissen ob der eigenen Versäumnisse tröstete sich mit der Feststellung, daß Hitler auf dem Lande nichts anderes propagiere als in der Stadt: die Rettung des kleinen Eigentümers. Und damit war der Fall erledigt. Als man vor einem Jahre endlich zu begreifen begann, daß die Macht der Reaktion nicht anders zerbrochen werden könne als durch die Zerstörung Großgrundbesitzes, und als die sozialistischen Zeitungen in ihrer wirtschaftlichen Grundlage, durch die Zerschlagung des den Städten davon zu schreiben begannen, da hatten sich die Nazis schon längst in den Dörfern eingenistet. Ihre SA. zerrieb in einem in den Städten gar nicht beachteten KleinDer heutige Reichsernährungsminister Darre erklärt: " Ich werde, und ich weiß, daß ich hier in voller Ueber einstimmung mit dem Reichskanzler spreche, keinen Bes siz antasten, mager so groß sein, wie er will. wenn er wirtschaftlich gesund ist und sich allein und aus eigener Kraft zu erhalten vermag. Ich werde auch feinen verschuldeten Großgrundbesitz antasten, sondern unter voller Wahrung der Privatinitia tive in der Wirtschaft es ihm überlassen, wie er sich durch dieses Wirtschaftsleben durchfindet. Sondergerichte gegen 2. Revolution Das humane Dritte Reich Thüringen ,, Männerheime" statt Konzentrationslager Maßnahmen gegen rebellierende SA.- Leute fanalerbanditen entgangen war und in der Schweiz um ſeine Die thüringische Landesregierung hat Anfang der Woche ausführliche Beratungen gepflogen, in denen sie eine Reihe von Berichten über die zunehmende unzufriedenheit in den Industrieorten und den Heimarbeiterdörfern des Landes entgegennahm. Es wurde festgestellt, daß selbst innerhalb der NSDAP. und ihrer verschiedenen Zweigorganisationen die Mißstimmung gegenüber einzelnen Regierungsmaßnahmen im Wachsen begriffen ist und infolgedeffen Unruhen und Revolten zu befürchten find. Die Staatsregierung hat deswegen eine Verfügung er gehen lassen, die sich ausschließlich gegen die innerpar teilichen Störungen richtet. Es wird angeordnet, daß in all den Fällen, in denen ein Parteigenosse eine Auflehnung gegen den Führer oder eine Störung des nationalsozialistischen Aufbaues" begeht,„ mit größter Energie, Schnelligkeit und Schärfe" eingeschritten werde. Jeder solche Versuch soll mit den schärfsten Maßnahmen ohne Ansehen der Person geahndet werden". Das thüringische Staatsministerium erklärt, daß künftigs hin die Sondergerichte nicht nur gegen Sozialdemokraten, Kommunisten, Pazifisten zuständig sind, sondern auch für diejenigen, die innerhalb der nationalsozialistischen Bewe gung„ Versuche revolutionärer Art sowohl in Worten als auch in Taten" begehen Sachsen Das sächsische Justizministerium hat eine Verordnung zur Bekämpfung der Sabotage des nationalen Aufbaues erlassen, die sich an die in Preußen erlassene Verordnung anlehnt und an die Erklärung des ReichsfanzIers erinnert, daß die Revolution beendet ist. Aufreizung zu 3 uwiderhandlungen gegen die Anor d= nungen der Regierung sowie Verbreitung unwahrer und das Ansehen der Regierung schädigender Gerüchte sind unter strenge Strafen gestellt. Unbefugte Eingriffe in die Maßnahmen der Behörden und in die Aufgaben der Wirtschaft sollen mit aller Schärfe verhindert werden. Wer ohne Auftrag einer zuständigen Stelle Aufsichtsbefugnisse oder Aufgaben der öffentlichen Verwaltung als kommissar eigenmächtig übernimmt, macht sich wegen Amtsanmaßung strafbar, ebenso derjenige, der wirtschaftliche Unternehmungen und deren Verbände in der Freiheit ihrer Entschließungen mit Gewalt oder durch Bedrohung zu verhindern sucht. Wer öffentlich zu Gewalttaten gegen Führer der Wirtschaft auffordert oder anreizt, hat Bestrafung zu gewärtigen. Wer derartige Straftaten in der Uniform oder unter dem Schutze der Abzeichen der nationalen Verbände begeht, muß nach den Sondervorschriften der Verordnung vom 21. März 1933 verfolgt werden. Die Statsanwaltschaften haben Personen, die sich als Provokateure oder als Volksschädlinge zu erkennen gegeben Ein Flüchtling aus Freiburg im Breisgau, der den Reichs. Frau und seine drei kleinen Kinder bangte, schrieb von dort an das Städtische Fürsorgeamt in Freiburg, ob man ihm nicht zum mindesten eine Unterstützung zahlen wollte, wenn er zurückkehren würde. Er erhielt darauf die folgende Ant mert: Städt. Fürsorgeamt Herrn Freiburg im Breisgau, den 14. Juni 1983. hier Da Sie sich in staatsgefährlichem Sinne betätigen, können Sie von uns nur noch Unterkunft im Männerheim und Mittagessen erhalten. Unterschrift: gez. Carle. Das freundliche Männerheim ist das Konzentrationslager auf dem Heuberg Schwarzwald. Man sieht, der braune Terrorstaat hält doch wenigstens auf humane Ausdrucksweise. haben rücksichtslos zu verfolgen. Die Straffachen Ein„ Mißgriff" sind mit größter Beschleunigung zu behandeln und vor das Sondergericht zu bringen. Das„ Nationalsozialistische Laufiger Kampfblatt für Adolf Hitlers Aufbauarbeit" ist vom zuständigen Regierungspräfidenten auf vierzehn Tage verboten worden. Es handelt sich hierbei, wie ausdrücklich festzustellen ist, nicht um eine der Zeitungen, die sich nur zur Hitler- Bewegung bekennen, ohne offizielle Parteiorgane au sein das„ Laufizer Kampfblatt" ist eine parteiamtliche, weit ver breitete Nazizeitung. 1 Es wurde verboten, weil es in einem Artikel den Ge danken der zweiten Revolution" noch in einem Zeitpunkt vertreten hat, in dem er von Hitler schon als staatsfeindlich abgetan worden war. Der Hauptredakteur, ein alter Nationalsozialist, wurde ins Konzentrationslager gebracht. Die Zeitung soll nach Ablauf der Verbotsfrist von einem zuverlässigeren Schriftleiter redigiert werden. Das Verbot ist der erste Fall der Maßregelung einer Nazizeitung im Dritten Reich. Auch der Jude darf zahlen.. Em'granten in Straßburge Adolf- Hitler- Spende nimmt sein Geld Die in Berlin erscheinende„ Zeitschrift für Textilwirtschaft" - sie ist gleichzeitig das Mitteilungsorgan des Reichsverbandes für Herren- und Knabenbekleidung e. V." bringt in ihrer Nummer vom 21. Juli 1933 folgende Mitteilung des genannten Verbandes: Nr. 110. Adolf- Hitler- Spende der deutschen Wirtschaft. Hinsichtlich der Beteiligung jüdischer Firmen an der AdolfHitler- Spende hat das Kuratorium der Spende folgende Auskunft gegeben: Die Aufforderung der wirtschaftlichen Spikenorganisationen zur Beteiligung an der Adolf- Hitler- Spende der deutschen Wirtschaft ist unterschiedslos allen organisierten und nichtorganisierten Unternehmungen zugegangen. Da es fich um eine freiwillige Aktion handelt, ist die Entscheidung über die Teilnahme insbesondere auch von jüdischen Unternehmungen in das Ermessen jeder einzelnen Firma gestellt. Eine Beteiligung jüdischer Unternehmungen ist demnach grundsäglich vorgesehen. Vorwürfe und Nachteile sollen den Firmen hieraus nicht erwachsen. Die Nichtbeteiligung bringt es mit sich, daß diese Firma, wie auch alle übrigen, die die Spende aus irgend einem Grunde nicht unterstützen, den Ausweis nicht erhalten können und demzufolge vor weiteren Einzelsammlungen nicht geschützt sind..... Wir bitten die in Frage kommenden Mitgliedsfirmen, hievon Kenntnis zu nehmen. Reichsverband für Herren- und Knabenbekleidung." ** Non olet! Das Goethe- Wort von dem rechten deutschen Mann, der keinen Franzen leiden kann, aber seine Weine gern trinkt. findet eine Variante im neudeutschen Leben. bei der man nicht weiß, was an ihr größer ist: das Maß ihres unfreiwilligen Humors oder das ihrer abgründigen Infamie. Für Flüchtlingskinder Um den Kindern der deutschen Flüchtlinge die Möglichkeit zu geben, sich den französischen Schulverhältnissen anzupassen, und vor allem die ausreichenden Kenntnisse der franzüsischen Sprache zu erlernen, hat das Comite d'Aide et d'Informations aux Refugies allemands, 8; rue des FrancsBourgeois, Strasbourg, die Abhaltung eines Ferienkursus in die Wege geleitet, der vor allem Unterricht in der französischen Sprache, Rechnen, Geschichte und Geographie umfassen soll. Der Kursus wird von einer staatlichen Lehrerin unter Billigung der französischen Schulbehörden abgehalten. Es ist vorgesehen, daß am Vormittag zweieinhalb Stunden Unterricht erteilt werden, während am Nachmittag eine Arbeitsstunde die häuslichen Arbeiten ersetzen soll, und für weitere eineinhalb Stunden Beschäftigungsspiele, Handfertigkeiten, Spaziergänge usw. vorgesehen sind. Der Kursus soll am 7. August beginnen und wird in der Thomasschule stattfinden. Die Gebühren sollen den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern angepaẞt werden. Meldungen werden erbeten bis Samstag, 29. Juli, beim obigen Komitee unter der angegebenen Adresse, mündlich oder schriftlich. Das lingskinder während der Ferien, auch für längere Zeit, bei gleiche Komitee hat auch die Möglichkeit, noch einige Flüchtersten französischen Familien im Innern, bei vorliegender Bedürftigkeit evtl. sogar fostenlos, unterzubringen. Völker verhetzung Gift zwischen Deutschland und Frankreich In München bringt eine Ausstellung„ Grenzland in Not" eine Abteilung über Elsaß- Lothringen, die mit amtlichem Material die politischen und wirtschaftlichen Tatsachen in einer Weise verfälscht, die in krasseftem Widerspruch zu dem Locaryo- Abkommen, ganz zu schweigen vom Versailler Ver= trag, steht. Die Veranstalter haben ausländischen Jour nalisten erklärt, daß einflußreiche Politiker und Zeitungen im Elsaß die Tendenz der Ausstellung durchaus billigen".(?) Wie verträgt sich die Münchener Ausstellung mit Hitlers neuester Politik gegenüber Paris?( Auch eine Berliner Schlageter- Ausstellung und eine rheinische Wanderausstel= Iung, 1918-1930" bringt eine wüste Berhehung des deutschen Boltes gegen Frankreich!) Amerikanischer Jude von 20 Nazis mißhandelt Der amerikanische Staatsangehörige Philip Zuckerman, 69, East Third Street, Neuyort, ein Pelzimporteur, wurde in Leipzig auf dem Brühl von 20 SA.- Leuten überfallen und mißhandelt. Er mußte ins Spital gebracht werden und hat sich in Berlin bei der Vertretung seines Landes über diese Behandlung beschwert. SA. und SS. beschießen sich to Das Ueberfallkommando muß kommen...? Düsseldorf, 27. Juli. In den gestrigen Abendstunden fam es in Düsseldorf in voller Deffentlichkeit zu schweren Schlägereien zwischen Angehörigen der SA. und der SS. Mehrere Schüsse wurden gewechselt; einige Personen sollen verlegt worden sein. Das telefonisch herbeigerufene Uebers fallkommando der Polizei verhaftete einige SA.- Leute. Der Grund der Schlägerei ist unbekannt. Die Par'ei der Prämienlüge Aus Wien wird gemeldet, daß die nationalsozialistische Führerschule in Wien an ihre Zöglinge die Parole ausgegeben habe, beunruhigende Falschmeldungen in die Welt zu setzen. Für die besten Falschmeldungen wurde eine Prämie von 200 Schilling ausgesetzt. Darauf liefen die Enten gegen den österreichischen Staat massenhaft ein. Es gehört zur Entwicklung der Hitlerpartei, daß die demagogische Lüge von ihnen nach Tarif belohnt wird. Verantwortlich: für die Redaktion Job Piz: Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. b H.. Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Schreibmaschinen, neu u. gebraucht, auf Teilzahlung in monatlichen Raten von Fr. 40 Unverbindliche Vorführung. Zuschriften unter Nr. 32 an die Geschäftsstelle dieses Blattes erbeten Deutscher Flüchtling( erfahr. 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