Preis: 60 1. cts. Dentfore Frethel Nummer 36-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Dienstag, den 1. August 1933 Chefredakteur: M. Braun 00000 150 M Ich begreife nicht, wie ein ehrliebender Mann, wie ein gerechtes Herz in einem Lande wohnen kann, das von Affen bewohnt wird, die sich in Tiger verwandelt haben... Glauben Sie mir, es ist notwendig, daß die vernünftigen Männer der Menschheit gegen diese wahnsinnige Barbarei zusammenhalten. Voltaire i. J. 1766 Hindenburg, wo ist Löbe? Neue Leichenfunde Das Schicksal des Reichstagsabgeordneten Faust- Die Quäle reien in den Konzentrationslagern Seit faft zwei Monaten befindet sich der langjährige sozials demokratische Reichstagspräfident Paul Löbe in Haft. E3 ist nicht gelungen, mit ihm in Verbindung zu treten. Bon einer Haftentlassung ist nichts bekannt geworden. Daß er ein firafwidriges Verbrechen begangen oder daß man auch nur ein Verfahren gegen ihn eingeleitet hätte, hat niemand be hauptet. Vor Monaten allerdings hat man Paul Löbe dadurch au diffamieren versucht, daß man von Regierungsseite den Schwindel in die Welt fegte, Löbe habe in München ein Bankfonto von 3 Millionen Mark gehabt. Auch davon hat man nichts mehr gehört. Die Lügenterle Ley, Göbbels und Kons jorten nehmen aber die von ihnen erfundene Verleumdung Löbes auch nicht zurück. Niemand wird etwas anderes von ihnen erwartet haben. Woist nun Löbe? Im Gefängnis? Im Konzen trationslager? Wo sonst? Das Schidial aller inhaftierten Gesinnungsfreunde geht uns so nahe wie das von Löbe, aber er ist der bekannteste von Besorgnis um den Reichstagspräsidenten Löbe allen, und darum ist die Frage nach seinem Schicksal alar: mierend. Die meisten führenden Politiker in allen Ländern der Erde kennen Paul Löbe persönlich. Daß dieser Mann in Deutsch land nicht in Freiheit leben darf, wird für die politischen Köpfe des Auslandes die Lage in Deutschland deutlicher zeichnen, als tausend„ Greuelmeldungen". Die Einterferung Löbes charakterisiert aber auch die po: litische und menschliche Art- Hitler und die Seinen nehmen wir ohnehin von jedem Humanitätsbegriff aus der in Deutschland Prominenten. Dieser Meißner, dieser Papen, dieser Neurath, dieser Blomberg, dieser Schacht, und wie sie alle heißen: alle kennen sie Paul Löbe, alle haben sie be= teuert, wie sie den Mann und den Politiker über alle Gegenfäße hinweg schätzen, und nun erhebt sich keiner, um für die Freiheit des bald Sechzigjährigen ein Wort zu sagen. Und da ist auch der Herr Reichspräsident, Generalfeldmars schall Paul von Hindenburg, ein preußischer Edelmann. In die Hand des Reichstagspräsidenten Paul Löbe hat er den Eid auf die Verfassung der Republik geleistet. Hundertemal hat der Reichspräsident den Reichstagspräsidenten in seinem Hause und an seinem Tische gesehen und nun? Auch Hinden= burg schweigt! Er schweigt zu allem, was an Verbrechen in Deutschland geschieht. Nur wenn die Sippe des Großgrunds befizes, zu der er selbst gehört, ein paar Hektar Land für Bauernsöhne herausrücken soll, wird der Alte lebendig. Da erinnert sich sein sterbendes Bewußtsein, daß auch er einen großen Grundbefig an seine Sippe zu vererben hat. Uns ist die Freiheit der Menschen, die Freiheit und das Recht unserer Kameraden mehr als wirtschaftliches Denken. Der Reichspräsident hat geschworen, ein Hüter des Rechts zu sein. Wir erinnern ihn an seinen Eid. Die Ermordeten flagen an! Die Gefolterten protestieren! Die schutzlos und rechtlos Eingekerkerten rufen nach Freiheit.) Für ihrer aller Recht auf Freiheit fragen wir den deutschen Reichspräsidenten Hindenburg: Wo ist Löbe? Der gefolterte Parlamentarier Im Konzentrationslager zu Tode gemartert? Im nahen Umkreis der schilfbewachsenen Stelle, die wochenlang den Leichnam des ermordeten Reichstagss abgeordneten Stelling verbarg, find inzwischen noch acht Leichen ermordeter Marristen gefunden worden. Kein Blatt in Deutschland darf darüber berichten. Auch die Abschlachtung Stellings ist bisher in Deutschland nur durch Berichte von Mund zu Mund bekannt geworden. Welche Tragödien fich täglich in Deutschland abspielen, dafür folgende zwei turze Meldungen: Berlin, 31. Juli. In seiner Wohnung verstarb an den Folgen einer Veronalvergiftung der frühere Oberbürgermeister von Bochum, Otto Ruer." Ruer ist von den Nationalsozialisten seines Amtes ents segt worden und wurde seit Monaten von ihrem Haß verfolgt. Marxist war er nie. " Redlinghausen, 31. Juli. Der 31 Jahre alte tommunistische Funktionär Heinrich Foerding aus Coesfeld hat sich durch einen Sprung aus dem zweiten Stock des Präsidiumgebäudes das Leben genommen." Ueber das Schicksal des sozialdemokratischen Reichstagss abgeordneten Fan st, eines Mannes, der alles andere als aggressiv war, geht uns nachstehender Bericht zu. Wir haben die Darstellung nachprüfen können bis auf den Tag, der Fausts Erlösung durch den Tod gebracht haben soll. Wir halten seinen Martertod für sehr wahrscheinlich. Unser Berichterstatter behauptet den Tod. Wir konnten feinen vollen Beweis erlangen. Mag die Regierung ant worten, wenn Faust noch irgendwo sein qualvolles Leben weiterführen sollte. Aus Bremen wir uns geschrieben: Die Zeitungen der„ freien und Hanifeftadt Bremen"- vor allem die gleichgeschalteten"- brachten eines Tages die Mitteilung, daß der Chefredakteur und Reichstagsabgeordnete Alfred Faust zu seinem eigenen Schuh" in Haft genommen sei. Wir Gefangenen, die wir nun schon eine ganze Beit die uns wie eine Ewigkeit vorfam im Stonzen trationslager waren, hatten erfahren, was dies Wort " Schutzhaft" für uns und alle anderen, die noch kommen, bedeutet. Um so mehr aber wußten wir, was der Genosse Alfred Faust im Lager zu erwarten habe. Aber selbst die Schrecken, die Mißhandlungen, die wir nun schon hinter uns batten, waren nur ein Bruchteil von dem, was Faust durchzumachen hatte. Wir hatten es immerhin bereits 12 Wochen ertragen, ohne vollends auf dem Friedhof zu landen. Faust mußte dieselbe Tortur in 6 Wochen durchmachen, bevor er erlöst" und verscharrt war... Gleich den ersten Tag im Konzentrationslager- nahm man ihn vor". Man wandte zunächst die Methode an, aus einem Kopfarbeiter einen Handarbeiter zu machen. er war noch keine halbe Stunde Abgeordneter Faust, ein Mann in den fünfziger Jahren, wurde sofort in den Kohlenfeller und Heizraum„ abkommandiert". Die Posten konnten es nicht abwarten, um diesem verhaßten Faust einmal zu zeigen, wer heute„ Herr im Hause" set. Und wie man Herr im Hause sei. Ein lächerlich junger SA.- Mann ging mit dem Gen. Faust in den Keller. „ Los, du Schwein, bu Tintenfuli, pace aus, schneller, schneller, nicht so langsam! Und dann hier von den Heis zungsrohren überall den Staub abgewischt! Lo3, Bewegung!" Der Gummifnüppel trat in Aktion. Es ging nichts dahaben, weiß wohl nur er und die Posten allein. Faust kann neben... Und was sie im Keller alles mit Faust angestellt heute nichts mehr sagen, und der Posten wird nichts mehr sagen... Es wurde zwar vom„ Kommandanten" Göbel- ein ganz junges Unkraut immer wieder von humaner Behandlung der Gefangenen gesprochen, aber was der und seine Vorgesetzten schon human" nennen! An Faust haben sie ihre ganze Humanität" ausgelassen. Morgens, schon gleich um halb 6 Uhr gings mit der Humanität los! „ Füüüüüt! Aufstehen, los, Beeilung!" Der Posten, der das Kommando gegeben hat, saust gleich zu Faust: „ Los, los, aufstehen, du Tintenfopp!" Raum ist Fauft im schnellsten Tempo angezogen, wird er schon zu den ersten Arbeiten geholt. Bettenmachen im Mannschaftsraum. Dies bedeutet soviel wie: jeder, der dazu aufgelegt ist von den Posten, darf Faust in den Arsch treten. Und sie sind fast alle dazu aufgelegt... Ist die Arbeit beendet, dann sind noch so viele andere Dinge für Faust zu tun. Wafferholen! Bedeutet ebensoviel wie: jeder der dazu Lust hat, kann Faust das Galopprennen beibringen. Klosettdeckel polieren. Das bedeutet, daß jeder, der dazu Luft hat, den Kopf von Faust ins Becken drüden kann. Das sind Dinge, die den Körper zermürben. Ohnmächtig alles über sich ergehen lassen müssen; ohnmächtig, wehrs Ios... Dabei ist Faust schwer Herzkrant. Morgens bei den Turnübungen fann er nicht mehr mit. Sie nehmen ihn deshalb gerade vor. Bei der Flaggenparade, wenn morgens um 7 Uhr das Hungerkreuz gehißt wird, achten so einige bestimmte Leute darauf, daß Faust auch vorschriftsmäßige Haltung" hat und der Flagge genau nachsieht. Beim Namensaufruf muß er wie ein geölter Bliz" über den Hof sausen. Schneller als alle anderen. Sie haben alle eine grausame Ausdauer, ihn zu quälen. Eines Nachts nahmen sie ihn sich besonders vor. Wir hörten alle sein Schreien. Es war um ein vielfaches schrecklicher als all das, was wir bisher gehört oder selbst geschrien hatten. Erst hatten diese Bestien den Faust durch die spanischen Reiter, die auf dem Flur nachts stehen, hindurchgeprügelt. Was dann später mit Fauft aufgestellt wurde, wissen wir nur von einem Posten, deffen Namen ich heute leider noch nicht nennen darf, sie würden ihn sonst auf denselben Weg schicken, den Faust gehen mußte... Wir wissen, daß sie ihn zertrampelt haben. Daß fie ihn in aller Haft frühmorgens fortgefahren haben. Sang- und flanglos. Faust wußte, als er eingeliefert wurde, daß er diefe " Besserungsanstalt" nicht lebend verlassen würde. Er sollte recht behalten. Er hat diese Besserungsanstalt" verlassen. Aber gebessert"? Gebessert" verläßt sie niemand! 20 Tote in Braunschweig Der Todessprung aus dem Parteihaus Braunschweig, 31. Juli( Eig. Ber.) In den letzten Wochen wurden hier auf viehische Weise von den braunen Horden 20 blühende Menschen leben vernichtet. Zwei von ihnen wurden buchstäblich zu Tode geprügelt, und zwar der frühere Reichsbannermann Otto Rose, ein junger Mensch von 22 Jahren, über den dann die Lügenmeldung verbreitet wurde, er habe Selbstmord begangen, und der 19jährige Benno Ehlers. Ehlers gehörte einem jüdischen Jugendbund an und beging das Verbrechen, mit 14 anderen jüdischen Jünglingen einen Gepäckmarsch zu veranstalten; die anderen 14 sind noch in Haft. Otto Rose mußte daran glauben, weil er vor 1 Jahren in der Notwehr einen Nazi erschossen hatte. Sechs andere von den zwanzig wurden aus dem dritten Stock des ehemaligen Volksfreundehauses" geschmissen. nachdem sie vorher fürchterlich verprügelt worden waren. Zwei andere sind freiwillig gesprungen, und zwar einer aus dem„ Volksfreundhaus", in dem die SS.. haust, und einer aus dem Gebäude der Ortskrankenkasse, der Kaserne der SA. Von diesen acht Menschen sind bis heute erst die Namen von dreien bekannt, und zwar die beiden Kommunisten Kar! Wolf und Erich Schelpmann und der Sozialdemokrat Hermann Baise, Sekretär des Eisenbahnerverbandes. Behn weitere Menschen wurden in der Nacht vom 4. zum P. Brand. 5. Juli im früheren ADGB.- Heim in Rieseberg erschossen Die Namen dieser zehn Genossen sind leider noch nicht fest zustellen gewesen. Die eine Lesart besagt, daß es alle An gehörige der KPD. sein sollen. während die zweite lautet, daß frühere führende Genossen der SPD. dabei sein sollen. Außerdem wurde in der Nacht vom 1. zum 2. Juli ein SS.- Mann mit Namen Landmann erschossen, angeblich von Kommunisten. Es ist aber mit Bestimmtheit anzunehmen, daß er von seinen eigenen Leuten ermordet wurde. Die Kugel, die ihn traf, stammt aus einem Karabiner. Insgesamt sind hier in unserer Stadt seit Ende Juni 180 Genossen der SPD. und KPD. in Schuzhaft ge= nommen worden. Rechnung für Kerker Stuttgart, 31. Juli 1988( Eig. Ber..) Die Schußhäftlinge des senberges bekommen nach ihrer Entlassung für den Aufenthalt Rechnungen in Höhe von 600 bis 3000 Mart, je nach ihrer Vermögenslage, zugeftellt. Hansbesitzern wurden zur Begleichung der Aufenthaltss kosten" ihre Gäuser beschlagnahmt. Das Meeting der 60000 M. B. Antwerpen, 30. Juli 1933( durch Telefon). Hier fand heute die Eröffnung des 6. Internationalen Gewerkschaftskongresses durch ein Meeting im Hypodrom mit einem anschließenden Massenansmarsch durch die Stra ßen Antwerpens statt, an dem sich über 60 000 Sozialisten beteiligten. Eitrine, England, der Borſißzende der gewerkschaftlichen Internationale und Vandervelde, der Vorsitzende der politischen Arbeiter- Internationale, wiesen militaristische Gefahr des Nationalsozialismus hin, feierten die internationale Solidarität der Arbeiterklasse und brachten der geknechteten deutschen Arbeiterschaft die sozia listischen Grüße und die brüderlichste Anteilnahme der Ars beiterschaft der ganzen Welt mit dem Gelöbnis zur danern= den Hilfeleistung zum Ausdrud. in ihren Ausführungen auf die ungeheure reaktionäre und In der Massendemonstration, die das gesamte Straßenbild Antwerpens beherrschte und an der sich besonders start die Jugend in blauen Hemden mit rotem Schlips beteiligte, bemerkte man Jouhaur, den Vorsitzenden der franzöfischen Gewerkschaften, Schevenels, den Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Huy 3 mann, den Bürgermeister von Antwerpen, Mertens, den Führer der Gewerkschaften Belgiens und eine Reihe anderer führender Persönlichkeiten der Internationale. Das Hindenburg- Bäumchen ,, Fest und unerschütterlich stehen unsere Eichen' Daß es auch Ausnahmen gibt, zeigt folgender Bericht: Die am 1. Mai zu Ehren des Reichspräsidenten von Hindenburg auf dem Tempelhofer Feld von der Hitlers ingend gepflanzte Hindenburg- Eiche wurde in der Nacht auf Donnerstag von Bubenhänden zerstört. Der Wächter stellte auf seinem Stündlichen Rundgang feft, daß die Wurzel der Eiche abgesägt worden war, während sie vor einer Stunde noch vollkommen unbeschädigt stand. Dieselben Blätter, die sich über die Zerstörung eines Bäumchens entrüsten, verschwiegen alle Hitlerbestialitäten an ben Menschen. „ Probe- Mobilmachung in Deutschland" Wie Frankreich die erfolglose Polizeiaktion sieht Göring Hefert Material gegen Deutschland Paris, 31. Juli 1933. Die sehr einflußreiche Pariser Tageszeitung„ Le Rem part" veröffentlicht in ihrer heutigen Ausgabe in größter Aufmachungen Bericht ihres Berliner Korrespondenten über die Aktion des Herrn Göring am 25. Juli. Aufgrund sorgfältigster Prüfung aller Tatumstände und nach Befragen führender Persönlichkeiten des neuen Deutschlands kommt die Zeitung zu folgendem Ergebnis, das beweist, wie die Aktionen Görings zum Schaden Deutschlands ausschlagen. " Deutschland kann binnen 24 Stunden eine Million Menschen auf die Beine stellen. Das hat die Polizeiaktion vom 25. Juli, die in Wirklichkeit nur eine getarnte Probemobilmachung war, eindeutig bewiesen. Die Bedeutung der Göringschen Aktion vom 25. Juli kann überschätzt werden: mit einem Schlage hat man im ges samten Gebiet Deutschlands alle Verbindungswege unter eine Kontrolle gestellt. Diese Generalmobilmachung der Schußpolizei, der Kriminalpolizei, der Hilfspolizei, des sogenannten Bahnschutes, der A., der SS. und des Stahlhelm ist glänzend verlaufen. Der Befehl zur Mobils machung ist in der Nacht vom Samstag zum Sonntag bes schlossen worden; in der Nacht vom Montag zum Dienstag, Stunden später standen hunderttausende bewaffneter um Mitternacht, wurde der Befehl ausgegeben. Und zwölf Menschen in allen Teilen Deutschlands, besonders aber an den Grenzen bereit. Es ist allgemein bekannt, daß die Aktion in politischer Hinsicht nicht das geringste Ergebnis gezeitigt hat; in militärischer Hinsicht jedoch hat sie bewiesen, daß das„ abgerüstete" Deutschland der einzige Staat auf der ganzen Welt ist, der binnen 24 Stunden eine Armee von einer Million Bewaffneter auf die Beine zu stellen imftande ist. Die Göringsche Aktion ist ein kleiner Vorgeschmack dafür, was „ Zustand der Kriegsgefahr" proklamieren sollte, so wie geschehen wird, wenn man morgen von Berlin aus den man es in den Nachmittagsstunden des 31. Juli 1914 3 tun beliebt hat!" Paris verstimmt! Ueber die Miẞßachtung des Völkerbundes an dem Grevel, ber am 1. Mai auf dem Tempelhofer Gelb nd der Regierungskommission an der Saar Das Attentat galt natürlich nicht dem Eichbäumchen, das Feld geschah, unschuldig ist. Die Täter haben ein Mal der Heuche Iei austilgen wollen. Inzwischen ist schon ein neues Eichbäumchen, allerdings unter weniger großen Feierlichkeiten als am 1. Mai, gepflanzt worden. Die regierenden Sadisten haben angeordnet, daß allen kommunistischen Schußhäftlingen als Strafe für das zerstörte Hindenburg- Bäumchen für drei Tage das ohnehin färgliche Mittagessen entzogen werden soll. Diese amtliche Greueltat hat bei aller Barbarei zweifach Butes: 1. Beigt sie der ganzen Welt, mit wieviel Haß und Nachsucht Deutschland regiert wird. 2. Erfahren auf diese Weise alle Schußhäftlingen im ganzen Meich von der noch sehr bescheidenen„ Aktion" auf dem Tem pelhofer Feld, und wie nervös die Regierung darauf reagiert. Die Futterkrippe Eine Horde neuer hochbezahlter Beamter Das Reichsgefeßblatt veröffentlicht die Regeln für die Bildung des Büros des Stellvertreters des Reichskanzlers und der Reichsstatthalter. Das Büro des Stellvertreters Hitlers wird aus den folgenden hochbezahlten Beamten bestehen: einem MiniSterialrat, mehreren Oberregierungsräten, Ministerialamtmännern, Regierungs- Oberinspektoren, einem MinisterialKanzleivorsteher, einem Sekretär und mehreren MinisterialAmtsgehilfen. Die Büros der Reichsstatthalter werden eine Menge von Oberregierungsräten, Regierungsräten, Regierungs- Oberinspektoren, Oberregierungssekretären und Ministerial- Amtsgehilfen ins Brot sehen. Diese Leute sind ohne Ausnahme Nationalsozialisten. Denn in Deutschland gibt es feine Parteibuchbeamten. Hungerlöhne in der Nordmark Hier wird, wie in Ostpreußen, die Arbeitslosigkeit auf swangsmäßig, d. 5. unter Androhung von StrafmaßParis, 31. Juli 1933. Unser Pariser Korrefpondent drahtet uns: Die Hitler: Regierung scheint die Regierungskommission des Bölker: bundes im Saargebiet als eine Einrichtung zu werten, der gegenüber nicht einmal die elementarsten Gesetze diplomatischer Höflichkeit anzuwenden sind! So hat es der Außen: minister des Deutschen Reiches bisher nicht für nötig gehal: ten, den Empfang der Protestnote des Präsidenten Knog wegen des im Saarland verübten Raubzuges der Partei: freunde des deutschen Reichskanzlers auf Menschen auch nur zu bestätigen; Herr von Papen aber, der Vizekanzler der Regierung, läßt sich dadurch nicht im geringsten stören und stellt sich breitspurig in demselben Saarland zur öffentlichen Schau: in Vaudrevange, in der Nähe von Saarlouis, bei Alles in Butter! Wer es nicht glaubt, wird eingesperrt Die Polizeipressestelle Berlin teilt mit: Der jüdische Verwaltungsdirektor Dr. Ernst Rechnitz und der jüdische Handlungsgehilfe Albert Rosenthal, beide aus Breslau, Handlungsgehilfe Albert Rosenthal, beide aus Breslau, wurden in Schubhaft genommen und ins Konzentrationslager übergeführt. Albert Rosenthal hatte im jüdischen Gemeindeblatt, dem Amtsblatt der Synagogenseinem Schwiegervater erholt er sich davon, daß er in Paris nicht erwünscht gewesen ist. Inzwischen sind irgendwo in Deutschland zwei franzöfifche lich geraubt worden sind, eingekerfert. Kein Mensch weiß, Staatsbürger, die nach allen Regeln der Kunst auf fremden Zwei französische Staatsbürger! wo sie sich befinden, ob sie überhaupt noch am Leben sind. diese zynische Arroganz helfen keine Proteste; es gilt ein Das amtliche Deutschland aber schweigt lächelnd. Gegen Exemplum zu statuieren, wenn die Welt von diesem moders nen Kannibalentum befreit werden soll. Vielleicht könnte man sich einmal mit Herrn von Papen hierüber unterhalten.... „ Hakenkreuz am Stahlhelm" In den nächsten Tagen wird eine Verordnung über die Neuuniformierung der preußischen Polizeit erlassen werden. Darin wird angeordnet werden, daß fünftighin die Stahl helme der preußischen Schutzpolizisten auf der rechten Seite ein weißes Hakenkreuz, das schwarz umrandet ist, führen sollen. gemeinde in Breslau, einen Artikel unter dem Titel:„ Naziemissäre nach Palästina suche meine Brüder..." veröffentlicht, in dem un wahre Behauptungen über die Behandlung der Juden in Deutschland enthalten waren, die geeignet find, der Lügengreuelpropaganda neue Nahrung zu geben". Dr. Ernst Rechnitz trägt für das Erscheinen des beanstandeten Artikels die Verantwortung. Geheime Befehle Zur Fortsetzung des Judenboykotts Um die Fortsetzung des Judenboykotts sicherzustellen, ohne hitlerische Weise abgeschafft". Die Landarbeiter, die besondere Ueberwachungsabteilungen in Zivil zusammengeIn Tel- Awiv und Jerusalem sind nationalsozialistische wanderung aufheben. Entsprechende Vorstellungen sind Touristen eingetroffen, die die Araber gegen die jüdische Ein seitens der in London ansässigen zionistischen Einwan derungsorganisation bei der englischen Regierung gemacht worden. Das Neueste Große Explosion besondere in Sivil Nationalsozialistischen Partei unter Androbung des Ain einem Brünner Hotel nahmen, zur Landarbeit vermittelt werden, erhalten 2 Mr. Arbeitslohn pro Tag und 1 Liter Milch. Kommende Teuerung schlusses davor gewarnt, jüdische Geschäfte auch nur zu betreten. Ferner werden besondere Schulungskurse durch den Kampfbund für deutsche Kultur abgehalten. Die Vereinigung Solinger Stahlwarenfabrikanten e. B. Nazirevolutionsmuseum teilt u. a. mit: Die Auswirkungen des Arbeitsbeschaffungsprogramm, die Steigerung der Heiraten und der Bedarf der nationalen Verbände an Ausrüstungsgegenständen lassen in den nächsten Monaten eine wirtschaftliche Belebung über die saisonmäßige hinaus erwarten. Die Industrie- und Handelskammer in Solingen wird im August in eine Prüfung der Preisverhältnisse für Schneibwaren eintreten, um Unterbietungen der Selbstkostenpreise zu unterbinden, die auf Ueberschreitung der Tariflöhne oder Ausübung der Schwarzarbeit beruhen und für die Gesamtindustrie schädigend find. Im August werden Neuverhandlungen über die Tariflöhne in allgemein verbindlicher Form durchgeführt werden. Außerdem sind die Fachverbände angewiesen, bis fpätestens 1. August für die gangbaren Sorten die Selbstfostenpreise unter Berücksichtigung der zuletzt gültigen Tariflöhne, der Materialbeschaffungspreise und Unkosten feststellen zu lassen. Durch diese Neureglung ist mit einer Preissteigerung zu rechnen, und bei einer stärkeren Geschäftsbelebung sind auch Lieferungsschwierigkeiten nicht ausgeschlossen. Trauriger Reiseverkehr in Deutschland Die von vielen guten Beobachtern bereits festgestellten Auswirkungen der nationalen Revolution" auf den Reiseverkehr in Deutschland werden von der Reisebeilage der " Bossischen Zeitung" in jeder Hinsicht bestätigt. Es heißt da: " Der Reiseverkehr ist in diesem Jahre spät in Gang getommen... Zunächst einmal haben viele, allzu viele, in diesem Jahre die Sommerreife ganz streichen wollen.... Sum dritten muß man zugeben, daß der Verkehr aus dem Auslande in unsere Heimat gegen früher nachgelaffen hat." in Berlin In den früheren Räumen des Antikriegsmuseums ist ein Revolutionsmuseum feierlich eröffnet worden, in dem man die Kampffahne des Sturms 1, die Krankenhausakten über Horst Wessel, angebliche Waffen der KPD.( darunter eine Armbrust, die 120 Meter weit zu schießen vermag) und Zersehungsmaterial der KPD. und SPD., schließlich aber auch als bestaunenswerte Attraktion eine angeblich von Thälmann stets mitgeführte russische Fahne sehen kann. Das braune Hemd Die Reichspressestelle der NSDAP. teilt mit, daß eine Bekanntgabe des stellvertretenden Führers der Nationalsozialisten erfolgt sei wonach das Braunhemd nur von Angehörigen der SS., SA. und von Parteimitgliedern getragen werden dürfe, die ihre Aufnahmeerklärung vor dem 30. Januar abgegeben haben und endlich von solchen nach dem 30. Januar eingetretenen Personen, die im Besize eines besonderen Ausweises der Parteileitung sind, Neuer Marokkokrieg? Angeblich noch 300 Spanier in Gefangenschaft Paris, 31. Juli. Nach einer Meldung des" Journal" aus Madrid erklärte eine parlamentarische Untersuchungskommission, die Spanisch- Marokko bereist hatte, daß von Eingeborenenstämmen noch 800 spanische Offiziere und Soldaten gefangen gehalten würden. Der Korrespondent des Blattes bringt mit dieser Mitteilung die Ankündigung in Verbindung, daß im September dieses Jahres im spanischen Protektoratsgebiet umfassende militärische Maßnahmen statt finden sollen. wtb. Brünn, 31. Juli. Im Hotel„ Europa" ereignete fich heute früh um 7.45 Uhr eine Explosion, die in der ganzen Stadt zu hören mer. 60 Meter hohe Flammen schlugen aus dem Gebände heraus. Die eine Front des vierstöckigen Eds hanses stürzte mit ungeheurem Getöse auf die Straße. Durch die Explosion wurden auch die Tragpfeiler des Hauses start beschädigt, so daß Einsturzgefahr besteht. Die Gewalt der Explosion war so furchtbar, daß in den umliegenden Häusern nicht nur die Scheiben zertrümemrt und Fensterrahmen herausgerissen, sondern auch der Mörtel von den Wänden bis auf die Ziegelsteine abgerissen wurde. Die Juhaberin des Hotels konnte noch rechtzeitig aus den Trümmern herausgezogen werden. Wieviel Opfer an Menschens leben das Unglüd gefordert hat, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Bis jetzt find die Leichen einer Fran und eines Kindes von der Feuerwehr geborgen worden. Es ist aber anzunehmen, daß noch mehrere Personen verschüttet sind. Die Ursache der Explosion ist bisher noch in Dunkek ges hüllt. Gerüchtweise verlantet, daß die Frau, deren Leiche man mit ihrem Kinde aus dem Schutt gezogen hat, in selbsts mörderischer Absicht eine Etrafitpatrone zur Explosion gebracht habe. Die 20 Jahre alte Haustochter Drohm in Harburg ist in der Nacht auf dem Heimwege einem Luftmorde zum Opfer gefallen. Der Mörder wird noch gesucht. Wie wir zu dem schweren Unwetter über Pirna erfahren, sind nach den bisherigen Feststellungen drei Todesopfer zu beklagen. Ein Mann wurde in seiner Werkstatt vom Blizz erschlagen. Die beiden anderen wurden von einem umstürzenden Schornstein der Glasfabrik Elis fabeth Hütte, in den der Blizz eingeschlagen war, getötet. Bei dem Sportfest im Deutschen Stadion in Berlin stürzten zwei Fahrer in die Zuschauermenge, 18 Personen wurden schwer verletzt, drei getötet. Im Kohlenbezirk Fraytte in Pensylvanien befinden sich 16 000 Berglente im Streit. Es tam zu Unruhen, wobei es einen Toten und zehn Verwundete gab. Die prompte Justiz Dieses Tempo wunderbar! Da geschah im Februar Eine Tat. Man griff den Täter Reine fünf Minuten später Und schwur vor dem Publikum: " Der hängt, eh acht Tage um!" Tage, Wochen gehn vorbei, März wird es, April und Mai. Doch, wie auch die Monde wandeln, Leider kann man nicht verhandeln. Bis zum Troft die Welt vernimmt: Ende Juni ganz bestimmt." Sommer wirds, es kommen Ferien, Die fann kein Gericht entbehrien; hab ichs nicht gewußt Der Prozeß steigt im August. Da wird alle Welt erfahren, Wer die Bösewichter waren. Aber Im Auguft? Ich meint' September! Nein November, nein De zember. Oder auch im neuen Jahr, So im Januar, Februar, Also: spät'stens anno vierzig Der Prozeß vollziehen wird sich! Doch wohin soll es denn führen, In dem alten Dreck zu rühren? Wenn erst Licht auf alles fällt, Gott- weiß- was heraus sich stellt! Ruhiges nicht zu bewegen, Sind die Aften wegzulegen! Gleichgeschaltet melde Presse: Ohne jegliches Interesse Ist der Fall. Wer widerspricht, Rommt als ehrvergessener Wicht Ins Gefängnis kurzerhand Rein Wort mehr vom Reichstagsbrand! Mudi. Katholiken minderen Rechts Stimme aus Neuyork Brief an die., Deutsche Freiheit" Ein Leser unseres Blattes schreibt uns aus Neuyork: Ich füge diesem Schreiben den Betrag von zwei Dollar bei, weitere Beträge folgen in kurzen Abständen. Hoffentlich wird die Tätigkeit der Deutschen Freiheit" durch die neue Hitler- Verordnung nicht beeinträchtigt. Ich hoffe, daß niemand der gegenwärtigen Mitarbeiter der Zeitung noch Vermögen in Deutschland hat, welches man„ beschlagnahmen" kann oder unschuldige Verwandte, welche man in menschenunwürdige Sammellager sperren könyte wegen der Gesinnung des betreffenden Mitarbeiters. Der gritte Punkt „ Verlust des Bürgerrechtes" erscheint mir sehr wich tig, weil es in Deutschland keine Bürger mehr, sondern nur noch Sklaven gibt. Wenn mir das hohe Glück beschieden sein sollte, die schrift. liche Mitteilung zu bekommen, daß ich kein„ denticher Bürger" mehr bin, werde ich dieses als eine besondere Auszeichnung betrachten, dieses Schreiben einrahmen und ihm einen sichtbaren Platz in meinem Wohnzimmer geben. Es ist durchaus keine Ehre, Bürger eines Staates zu sein, der Menschenrechte mit Füßen tritt und in seinen Grenzen nur zwei Volksschichten duldet:„ Die Herrenkaste und die Sklavenklasse". Die Machthaber des„ Dritten Reiches" haben es verstanden, ein„ einiges Deutschland" zu schaffen, das ist ihnen auch in Neuyork gelungen. Die deutsche Bevölke= rung, welche bisher friedlich in dieser Riesenstadt lebte, ist in zwei feindliche Lager geteilt, eine Errungenschaft des „ erwachenden Deutschlands". Eine deutsche Zeitung Neuyorks, welche morgens als„ Neuvotter Staatszeitung" und abends als„ Neuyorker Herold" erscheint und bisher eine sehr loyale Haltung der Deutschen Republik gegenüber einnahm, ist zu einem faschistischen Organ geworden. Der Präsident der Staats- Herold- Coporation" war von der deutschen Regierung durch eine deutsche Schiffahrtsgesellschaft, welche ihm freie Ueberfahrt zusicherte, eingeladen worden, um sich von den wahren" Zuständen in Deutschland zu überzeugen. Dort hat man dann den guten Herrn Ridder ( das ist der Name des Präsidenten) wahrscheinlich an der Nase herumgeführt und ihm stolz alle die„ neuesten ErWie Baldur von Schirach das Konkordat auslegt rungenschaften" erklärt, den Reft wird dann der Herr Dr. Nach dem Wortlaut des Reichskonkordats bedeutet die fes einen zweifellosen Sieg der Kirche über das Dritte Reich. Nun aber beginnt der Kampf um die tatsächliche Macht über die Seelen. Der Jugendführer des Deutschen Reiches, Baldur vou Schirach, gibt bekannt: Die gleichzeitige Mitgliedschaft von Gitler- Jungen und Mitgliedern des Bundes deutscher Mädel in konfessionellen Jugendorganisationen führt zu ständigen Unzuträglichkeiten, da sich die konfessionellen Ingendorganisationen nicht auf ihren eigentlichen firchlichen Aufgabenkreis beschränken. Ich verbiete daher mit sofortiger Wirkung die gleich: zeitige Mitgliedschaft der Mitglieder der nationalsozialis ftischen Jugendorganisationen. Ich behalte mir ausdrücks lich vor, meine Maßnahmen abzuändern, wenn sich die tonfeffionellen Ingendorganisationen auf ihren eigent lichen Aufgabenkreis beschränken. bas Die Saarbrücker„ Landeszeitung", das Zentrumsblatt, wenigstens noch ab und zu demütig seine Sorgen anmelden kann, schreibt dazu: Göbbels, der Leiter der Berliner Lügenzentrale, besorgt und ihn gehörig eingeseift haben. Die besten Mitarbeiter der„ Staatszeitung" find heute entlassen oder freiwillig zurückgetreten. Anfangs gab es hier sogar eine Nazi- Vereinigung, welche ihren Sitz in der 92. Straße, Ostseite, Hatte, ein regelrechtes Werbebüro, welches Tag und Nacht geöffnet und von uni formierten Nazileuten besetzt war, welche alle behaupteten, frühere deutsche Frontoffiziere gewesen zu sein. Der Leiter dieser Vereinigung, der Name des Herrn ist mir entfallen, weil es schon Monate zurückliegt, machte durch seine Clowniaden so viel von sich reden, daß verschiedene Zei tungen aufmerksam wurden und Reporter nach der Zentrale sandten. Der nächsten Tag standen dann humoristische Artikel in ben betreffenden Zeitungen, welche hauptsächlich seine Schwaßhaftigkeit und seinen Drang, als großer Führer betrachtet zu werden, hervorhoben. Einen Hauptspaß machten sich zwei Reporter von dem„ Neuyork Journal", welche um ein Interview baten und weil sie schon von den Schwächen des betreffenden Herrn unterrichtet waren, einen fotografischen Apparat mitsichführten. Freudig und bereitwillig posierte unser Held und ließ sich interviewen. Am nächsten Tage sah man im„ Neuyork Journal" das Bild eines Nazimannes in voller Kriegsuniform, Müze mit Hakenkreuz, heruntergeklapptem Kinnriemen, die linke Hand in die Seite gestemmt, die rechte Hand zum Faschistengruß erhoben, kampfentschlossener Gesichtsausdruck mit knirschenden Zähnen. Das Bild war begleitet von einem humoristisch- satirischen Artikel, welcher völlig durchsetzt war von beißendem Spott. Seit diesem Tage hat niemand mehr etwas gehört von einer Nazi- Vereinigung. Die starke Hand des allmächtigen Herrn Hitler ist aber anch hier in Neuyork zu fühlen. Angestellte und Arbeiter des Norddeutschen Lloyd sind aufgefordert, einer Ber fammlung beizuwohnen, welche den Zwed hat, eine deutsche Arbeitsfront oder etwas ähnliches( ich weiß den Namen dieses Gebildes nicht) zu gründen. Sollte dieses gelingen, können die deutschen Zeitungen berichten, wie einig und geschlossen alles hinter dem neuen Deutschland steht. Eine illustrierte Zeitschrift sendet täglich Reporter in die Restaurants, Untergrundbahnen, kurz überall, wo Menschen zu finden sind, um Fragen an Leute zu stellen, politischer, wirtschaftlicher oder nebensächlicher Art. Die Antworten werden am nächsten Tage in der Zeitung veröffentlicht. Lange Zeit zurück wurde die Frage gestellt: " Welches war der glücklichste Tag in ihrem Leben?" Wenn ich heute gefragt würde, wüßte ich eine passende Antwort: Das heutige Regime in Deutschland wird einmal an der eigenen Unfähigkeit zusammenbrechen. Soweit wie dieses Mal das Pendel nach rechts geschlagen hat, schlägt es un weigerlich nach links, die erbitterte Volksmasse wird immer zuerst ihre Hoffnung im Extremen suchen. Eine fommunistische Welle wird Deutschland auf kurze Zeit durchziehen, Gewaltakte sind nicht zu vermeiden. Meine Antwort würde sein: „ Mein glücklichster Tag ist noch nicht gekommen, ich muß ihn erst noch erleben. Wenn der großmänlige Adolf Hitler, die körperliche und geistige Mißgeburt Dr. Göbbels, der Raufbold Hauptmann Göring u. a. von der wütenden Masse gezwungen werden, barfuß durch die Hauptstraßen Berlins au marschieren, die rote Fahne zu tragen und die Internationale dazu fingen müssen, dann ist der glücklichste Tag in meinem Leben gekommen." K. M., Neuyork. Nicht gegen Deutschland! Ift nicht zu befürchten, daß die heranwachsende Jugend, Aber gegen seine Fronvögte und Kerkermeister namentlich die männliche, wenn sie in konfeffionellen Vers bänden zusammengeschlossen ist, das Tor für noch wich== tigere Ausbildungen wir denken an den Aufstieg im Berufsleben verschlossen bekommt? Was nügte bei folcher Praris die feierliche Vereinbarung im Reichs: konkordat, wenn von staatlicher Seite Maßnahmen er= griffen werden, die sich sehr zum Schaden der konfeffionellen Jugendverbände und damit doch der jungen Menschen felbst auswirken müssen? Wenn der Katholizismus nicht Widerstand zu leisten wagt, wird er bei seinen eigenen Anhängern die bescheide nen Reste von Vertrauen, die er noch in Deutschland hatte, verlieren. Man darf nicht vergessen, daß bei den letzten Wahlen nur noch 20 v. H. der Kotholiken für das Zentrum stimmten. Der großen Mehrzahl der Taufscheinkatholiken ist das Schicksal der Kirche beinahe so gleichgültig, wie das Schicksal der Zentrumspartei. Die unreife Reichsregierung Eine Protestantenpredigt Der„ Völkische Beobachter" veröffentlicht den Inhalt einer anffehenerregenden Predigt, die der vor kurzem beurlaubte Generalsuperintendent Dr. Dibelius, einer der bekann teften evangelischen Geistlichen Preußens, in Potsdam ge= halten hat. Dibelius erklärte die Reichsregierung für unreif und machte ihr den Vorwurf, die Kirche zu unters Brücken. Die Regierung wolle Christus seiner Götts lichkeit entkleiden und ihn lediglich als zeitgebunde: nen Höhepunkt des nordischen Rassemenschen an: erkennen. Die Kirche kenne aber den Begriff der Nation nicht und sei für alle Völker da. Jetzt sei sie durch die Ge= walt unterdrückt und gehe geduldig ihren Leidensweg. Sie werde aber größer und herrlicher als je wiedererstehen, denn der Kampf gegen die Gewalthaber gehe weiter. Kampf sei die Parole. Der„ Bölkische Beobachter" wendet sich scharf gegen diese Predigt. Schluß mit Internationalen Konferenzen! Die Meinung des ,, Echo de Paris" Paris, 29. Juli.„ Echo de Paris" glaubt nicht daran, daß die Weltwirtschaftskonferenz zu neuem Leben erstehen könnte. Macdonald als Initiator habe sich natürlich optimistisch zeigen müssen und möglicherweise werde, wenn das amerikanische Experiment bis zu Ende durchgeführt sei, eine gewisse Reaktion Platz greifen. Aber in vielen Kreisen vertrete man die Ansicht, daß die Reihe der großen internationalen Konferenzen jetzt erschöpft sei. Die Abrüstungskonferenz schleppe sich noch dahin, aber recht mühselig. Wir treten, schließt das„ Echo de Paris" seine Betrachtungen, in die Aera der vier Großmächte ein, die durch den Viermächtepakt vom 16. Juli gebunden sind. In prari geht die Leitung Der Vereinigte Nationalrat, der den Gewerkschaftskongreß, die Arbeiterpartei und die Parlamentsfraktion Großbritanniens vertritt, hat folgendes Manifest erlassen, das zur Aechtung der deutschen Waren auffordert: Trotz der Proteste in der ganzen Welt setzt die faschistische Diktatur Hitlers in Deutschland ihr System des Terrors und der Tyrannei fort. Sie hat die wirtschaftlichen und politischen Organisationen der deutschen Arbeiter völlig zerstört, viele ihrer Führer ins Eril getrieben und andere ins Gefängnis geworfen. Mord und Mißhandlung unschuldiger Menschen kennzeichnen den Weg des Faschismus; alle Einrichtungen der freien Bürger und alle Friedensorganisationen sind unterdrückt, alle gegnerischen politischen Parteien sind gezwungen worden, ihre Tätigkeit einzustellen. Jede Spur politischer, sozialer und persönlicher Freiheit ist verschwunden und das deutsche Volk ist nun in den Fängen einer grausamen und rachsüchtigen Tyrannei, die von gesetzlosen Banden unterstützt wird. Gegen die Hitlerherrschaft versagen die gewöhnlichen Methoden des Protests und des Appells. Diese aller Gefühlsregungen bare Tyrannei muß mit andern Waffen bekämpft werden. Der gemeinsame Nationalrat, der den Gewerkschaftskongreß, die Arbeiterpartei und die Parlamentsfraktion vertritt, rust daher die Millionen organisierter britischer Arbeiter auf, ihren Abscheu vor der Diktatur Hitlers zum Ausdruck zu bringen, indem sie aufhören, irgendwelche Waren deutschen Ursprungs zu kaufen oder deutsche Dienste irgendwelcher Art in Anspruch zu nehmen. In unserem Lande werden viele Artikel deutscher Gr. zeugung verkauft: Haushaltgegenstände verschiedener Art, so Messer und Scheren, Kurzwaren, fotografische und optische Gegenstände, Glocken und Uhren, Werkzeuge und Maschinen, Baumwoll-, Kammgarn- und andere Textilprodukte, Kleider und Anzüge, Lederwaren, so Stiefel und Schuhe, Druck- und Schreibmaterial, Gummiprodukte, Bestandteile von Automobilen und Fahrrädern, elektrische Apparate, Musikinstrumente und eine Unzahl anderer Artikel, die in jedem Haushalt und bei jeder Person Verwendung finden, werden hier in großem Umfange verkauft. Auch manche Artikel des Konsums, so Gemüse, besonders Kartoffeln, Konfekt, Konserven, Wein und Bier werden gewöhnlich von Deutschland eingeführt. Deutsche Filme werden in den Kinos Großauf Mussolini über. Ueber den Sinn und die Tragweile dieses neuen Systems werden wir bald Aufschluß haben. Wirkliche Greuel Reisen nach Paris werden bestraft Bremen, 30. Juli.( Inpreß.) Die Geheime Staatspolizei hat hier zwei jüdische Geschäftsleute verhaftet, weil sie eine britanniens gezeigt. Ueberall werben Annoncen für deutsche Schiffe und Ferienvergnügen. Der Vereinigte Nationalrat ruft alle auf, die wie die britis fchen Arbeiter Schrecken und Abschen vor der Zerstörung der menschlichen Freiheit und der staatsbürgerlichen Rechte in Deutschland empfinden, bis auf weiteres darauf zu vers zichten, diese Waren zu kaufen oder zu benügen oder diese Dienste in Anspruch zu nehmen, wenn ihr deutscher Ursprung festgestellt werden kann. Wir fordern die Arbeiter auf, durch Anfragen bei ihren Händlern, wenn sie Waren kaufen oder Dienste in Anspruch nehmen, deutlich zu machen, daß sie nichts aus einem Land kaufen wollen, dessen Regierung das Weltgewissen herausgefordert hat! In der Vergangenheit sind solche tiefgreifenden Aktionen wie der Wirtschaftsboykott von Regierungen aus politis schen Motiven durchgeführt worden. Das Motiv, das unserer Aufforderung zugrunde liegt, ist, der deutschen Regierung und ihren Anhängern einen von Erwägungen der Menschlichkeit diftierten Proteft gegen ihren Verrat und ihre Verlengnung der Prinzipien der Gesittung und der Zivilisation zum Bewußtsein zu bringen. Das deutsche Volk aber sehen wir nicht als verantwortlich für diese Taten seiner Regierung an, die die politische Macht an sich gerissen und die soziale Freiheit im Lande zerstört hat. Wir können nicht glauben, daß das deutsche Volk sich klar darüber ist, wie seine gegenwärtige Regierung ihm die internationale Sympathie und Freundschaft genommen hat. Unser Aufruf für die Aechtung deutscher Waren und Dienste soll nicht das deutsche Volk schädigen, sondern seiner Regierung klar machen, daß die Verbrechen, die sie begangen hat und noch begeht, von den Völkern der Erde nicht vergessen werden. Wir fordern die Arbeiter Großbritanniens auf, die Achts erklärung so wirksam zu machen, daß das deutsche Volk fich gegen das Hitlertum auflehnt und auf den Weg der Freiheit und Demokratie zurückkehrt. Gegen eine wachsame und empfindliche öffentliche Meinung fann sich feine Tyrannei behaupten. Auf dem Wege dieser Achterklärung können wir einen Schlag führen für die Befreiung des deutschen Volkes von der Torannei, die es bedrückt. Reise nach Paris machen wollten und weil nach Ansicht dieser scharfsinnigen Polizei eine solche Reise nur au Zwecken der Greuelpropagoda denkbar ist. In der amtlichen Mitteilung über die Verhaftung meldet die Polizei, daß bet der Durchsuchung„ Privatkorrespondenz und sonstiges Schriftmaterial beschlagnahmt" wurde. Wenn das kein Grund zur Verhaftung istt Weinbauern protestieren Die erste wirklich falsche„ Greuchmelding" der Wer nicht mitmacht" ,, Deutschen Freiheit" schuldig Wir bekennen uns Listen der Geächteten erscheinen Mehrere Weinbauern schreiben uns aus der Pfalz: Die Deutsche Freiheit" schreibt in ihrer Nummer vom 25. Juli unter der Ueberschrift: " Ley trinkt nicht mehr", daß der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, in einer Versammlung in Stuttgart„ mit großer Eindringlichkeit den Gedanken der Entstehung eines neuen deutschen Menschen vertreten habe. Jeder einzelne müsse eine innere Wandlung durchmachen." Daraus wollen Sie von der Deutschen Freiheit" schließen, daß Herr Dr. Ley diese Aeußerung auch an sich selbst wahrmachen und sich zum„ Selterswasser trinker" befehren werde. Was Sie da schreiben, ist aber so eine richtige vom Ausland verbreitete„ Greuelmeldung". Denn daß das, was Sie verbreiten, nicht stimmt, geht daraus hervor, daß Herr Dr. Ley am 17. d. M., nachdem er am Sonntag vorher auf einer Rundgebung er NSBO. in Mannheim gesprochen hatte, mit unserem Pg. Bürfel und anderen Herren die Weinkellerei in Dürkheim besichtigt hat So etwas müßten Sie eigentlich auch wissen, denn es hat doch in den pfälzischen Zeitungen gestanden. Wenn Sie es nicht glauben, so können Sie sich aus der beiliegenden Zeitung überzeugen. Daß aber bei so einer " Weinkellereibesichtigung" etwa Malzkaffee oder Selterswasser getrunken werde, können nur Sie annehmen, der Sie von solchen Sachen keine Ahnung haben. Die Besichti gung hat vielmehr den Zweck gehabt, dem notleidenden Weinbau durch Vermehrung des Weinkonsums zu helfen und dafür haben sich die Herren durch„ praktisches, entschlossenes Borgehen" tatkräftig eingefeßt. Wir verlangen deshalb, daß Sie Ihre Lügenmeldung richtigstellen. Was hiermit geschieht! Im Ernst hatten wir selbst an der inneren Wandlung des Dr. Len gezweifelt. Wir stellen also richtig, daß er sich tren bleibt:§ 11, es wird fortgesoffen! Edelmenschen Kleine Liste aus einer Mittelstadt Aus der Pfalz wird uns geschrieben: In Pirmasens spielte der Standartenführer Anschüt seit Jahren und nach der Umwälzung erst recht eine große Rolle. Jetzt wurde ihm die schöne Uniform, in der er so aufgeblasen herumstolzieren fonnte, ausgezogen, weil er sich eine schwere Straftat zufchulden kommen ließ. Er fischte an Berlin, 31. Juli 1933( Eig. Ber.) Schilderungen über die Begeisterung, die bei den gewaltigen Die deutsche Presse bringt Tag für Tag enthusiastische Maffenanfmärschen der Deutschen Arbeitsfront usw. herrsche. Wer hinter die Kulissen sieht, weiß, wie diese Massen= aufmärsche zustandekommen und was es mit der Begeisterung auf sich hat. Mit den schärften Drohungen müssen die Proleten zur Teilnahme an den Aufmärschen gezwungen werden. So wurden beispielsweise für die Kundgebung der Deutschen Arbeitsat in Breslau in der ganzen Umgebung werkschaftsmitglieder schriftliche Aufforderungen zur Beteis an die Betriebsarbeiter und auch an die erwerbslosen Ge ligung verteilt mit dem Vermerk:„ Wer nicht teilnimmt, wird Dörfern wurde erklärt:„ Wer nicht mitmacht, wird die Folgen sehr schnell zu spüren bekommen." Auf den entstehen also die gewaltigen, begeisterten" Aufmärsche! mit dem Gummitnüppel herausgeholt!" So auszusehen. Das gibts einfach nicht. Wenn die Ortsgruppe eine Zahlung beschließt, so ist sie an leisten. Opfer müssen gebracht werden und erst recht von den neuen Parteis/ die Bewegung zu verlassen." heute bereits überall in der NSDAP. ans. Das sind nur zwei typische Beispiele. So fiebt es Wenn man daran denkt, daß Hunderttausende gezwungen worden sind, der Partei beizutreten, und daß viele andere ihr nur aus rein egoistischen Gründen angehören, so wird man sich über diese Zersegungserscheinungen nicht wundern. Keine Arbeit mehr! Berlin. 31. Juli 1933( Eig. Ber.) Dieser Tage ist uns ein Sonder rundschreiben zur Sicherung der deutschen Arbeiterverbände und gegen ver: steckte marristische Sabotage in die Hände gefallen, Heraus all die gegeben ist es von der Leitung des NSBO.- Org.- Amtes; es wurde an alle Reichs-, Gau- und Kreisführer der Deutschen sieht es nicht anders aus. Von allen Seiten wird Aber auch in der Mitgliedschaft der NSDAP. von größter Interesselosigkeit und Mangel jeglicher Arbeits: freude für die Parteiarbeit berichtet. Dieser Zustand findet Faschisten, die in den Betrieben eine führende Rolle spielen. ietzt schon seine Wiederspiegelung in offiziellen Naziblättern. So lesen wir beispielsweise in den" N S.- Nachrichten für den Kreis Niederbarnim"( Nr. 15 vom 22. Juli) folgende Bekanntmachung: „ 1. Bei der Generalmitgliederversammlung haben 25 Partei: genoffen unentschuldigt gefehlt. Es wird hiermit angeordnet, daß sämtliche Parteigenossen zu den Mitgliederversamms lungen zu erscheinen haben. Bei dringender Verhinderung ist vorherige schriftliche Entschuldigung erforderlich. 2. Jeder Parteigenosse ist verpflichtet, die NS.- Nach richten zu halten. Die Zellenwarte haben mir sofort dies jenigen Parteigenoffen schriftlich zu melden, die die Abs nahme des Blattes ablehnen. 3. Verschiedene Parteigenoffen bleiben danernd mit ihrem Beitrag im Rückstand. Ich erwarte, daß nunmehr die Beiträge pünktlich bezahlt werden. Wibrigenfalls jebe ich mich gezwungen, gegen die Betreffenden energisch vors zugehen. gez. Musaeus, Ortsgruppenleiter, Liebenwalde." In einem Bericht über eine Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Schönwalde heißt es: „ Der Leiter brandmartte in scharfen Wors ten das Verhalten einiger neuer Parteis genoffen. Diese hatten an der Beitragszahlung etwas Als Wichtigstes wird mitgeteilt, daß man eine Liste der Geächteten anfertigt. die allen Unternehmern zugeht. daß die Funktionäre der marristischen Orgas Wörtlich heißt es: Wer auf dieser Liste steht, be: fommt keine Arbeit mehr!" Weiter wird berichtet, nifationen und Parteien immer aktiver wür den und teilweife on offen aynisch aufs Geheimen Staatspolizeiamtea, Zum Schluß heißt es:„ er träten. Bekräftigt wird es durch mehrere Berichte des gestern noch überzeugter Marxist war, ist es auch heute und wird es auch morgen sein. Denn sie haffen uns Nationals wahres Wort! Oberbonzen staff Bonzen ein Ulm, 31. Juli,( Eig. Ber.) Dienst tun, ausgeschlossen worden. In Ulm find 20 SA. Leute, die seit 4 bis 5 Jahren Es wurde angedroht. Sie sollen den versprochenen Sozialismus ihnen Verschidung ins Konzentrationslager verlangt und gesagt haben, die Bonzen seien durch Oberbongen erfekt worden. Wie wahr! Die Ausbürgerung einem Gewässer ohne Berechtigung. Als ihn der Förster Rechts- und Vermögensraub stellte, nahm er ihm das Gewehr ab und verprügelte ihn. Wahrscheinlich hat es sich auch um einen guten Razi gehandelt, sonst wäre nicht eingeschritten worden. Die Sache wird nun neben dem politischen Sturz auch noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Ein gewisser Schaub, der 1924 im Stadthaus die zur Auszahlung an die städtischen Arbeiter bereit gehaltenen Löhne stahl, ist jetzt ein angesehener SA.- Führer. Er hat für seine Straftat zwei Jahre Gefängnis verbüßt. Der SA- Führer Herdt, der zwei Tage vor der Wahl einen Reichsbannermann niedergeschossen hat und frei herumlaufen durfte( ein Kriminalbeamter wurde sogar vom Dienst enthoben, weil er ihn verhaften wollte), sitzt nun in Untersuchungshaft wegen Einbruch diebstahls. Dem berüchtigten SA.- Knüppelheld Gautsche wurde auch die Uniform genommen. Es liegt zweifellos eine schwere Verfehlung vor, aber sie war noch nicht genau zu erfahren. Der Beauftragte für die Gewerkschaften H. Fink in Pirmasens ist dafür bekannt, daß er vom Schuhfabrikanten Bleiching wegen Diebstahls entlassen werden mußte. Das ist wohl der Grund, warum er sich besonders intensiv bemüht, allerdings ohne Erfolg, die Gewerkschaftsangestellten zu verdächtigen. Polizeileiter in dieser Stadt ist bekanntlich der zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt gewesene Bombenfabri fant Fritz Berni. Er ist jetzt auch in Ungnade gefallen. Das Verfahren gegen ihn schwebt noch. Sein 8uchthauskollege Rudolf Hahn, ehemaliger Gerichtssekretär, der wegen der gleichen Bombengeschichte drei Jahre Zuchthaus hatte, ist nun als Sondertommiffar der bayerischen Staatsregierung unbeschränkter Herrscher. Der Universalmensch Dr. Ramm, der es als Arzt verstanden hat, den unbeliebten Vertrauensarzt der Krankenfasse wegzudrücken, hat nun sein Ziel erreicht. Die Krankenkaffe muß ihm alle Nachuntersuchungen überweisen, wofür er pro Fall 4,50 Mt. bekommt. Das war der Grund, weshalb der Vertrauensarat wegen politischer Unzuverlässigkeit weggedrückt werden mußte. Dr. Ramm war schon bisher der Höchstbezieher von der Krankenkasse mit über 40 000 W. fährlich. Dabei ist er noch Vertrauensarzt der Eisenbahner, der Landesversicherung und der Krankenkasse. Er ist weiter Zu dem neuen Gesetz über den Widerrruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörig keit hat der Reichsinnenminister unterm 26. Juli 1933 eine Ausführungsverordnung erlassen. Die beiden, in ihrem Rechtscharakter grundverschiedenen Maßnahmen: Aberken nung der deutschen Staatsangehörigkeit mit Strafcharafter, Widerrruf der Einbürgerung als bevölkerungspolitische Verwaltungsmaßnahme werden ihrem Wesen entsprechend verschieden behandelt. Die Aberkennung der Staatsbürger. schaft im Ausland befindlicher Deutscher wegen Verlegung der Treupflicht gegen über dem Reiche erfolgt durch Reichsin nen und Reichsaußenminister. lezung der Treupflicht gegen Reich und Volk zu verDie Ausführungsverordnung sagt, was unter Verstehen ist: insbesondere ein Verhalten des Deutschen im Ausland, durch das er der feindseligen Propaganda gegen Deutschland Vorschub geleistet oder das deutsche Ansehen und die Maßnahme der nationalen Regierung herabzuwürbigen gesucht hat. Die Hand in Hand mit der Einleitung des A berkennungs- Verfahrens gehende Vermögensbeschlagnahme wird durch ein vom Reichsminister der Finanzen besonders dazu bestimmtes Finanzamt vorgenom men, und zwar nach dem sonst in Steuersachen üblichen Verfahren. Grundstücke, die nach Durchführung des Aberkennungs. verfahrens endgültig dem Reich verfallen sind, werden auf Antrag des Fininzamts im Grundbuch auf den Namen des Reichs umgeschrieben Entsprechendes gilt für Forderungen im Reichsschuldbuch oder in Länder- Schuldbüchern. Der Widerruf von Einbürgerungen, die in der Zeit zwischen dem 9. November 1918 und dem Januar 1983 vorgenommen wor den sind, kann erfolgen, wenn die Einbürgerung nicht als erwünscht anzusehen i ft. Nach den Ausführungsbestimmungen stehen im Vorder grund bei der beurteilung die raffischen, staatsbürgerlichen und kulturellen Gesichtspunkte für eine den Belangen von Reich und Volf zuträgliche Vermehrung der deutschen Be 3eit vor der Einbürgerung, sondern auch das Verhalten nach völkerung durch Einbürgerung. Nicht nur Tatsachen aus deran der Einbürgerung werden berücksichtigt. Ausdrücklich werden zwei Personen- Kategorien als„ unerwünscht Eingebürgerte" betrachtet: Ostjuden, es sei denn, daß sie auf deutscher Seite im Weltkrieg an der Front gefämpft oder sich um die deutschen Belange besonders verdient gemacht haben; und die kriminellen und die politisch unerwünschten, das heißt die Personen, die sich eines schweren Vergehens oder eines Verbrechens schuldig gemacht oder sich sonstwie dem Wohle von Staat und Volt abträglich verhalten haben. Unter den Widerrruf sollen grundsäglich nicht Eingebürgerte fallen, die vor dem 9. November 1918 Deutsche waren, ihre Staats angehörigkeit aber durch den Versailler Vertrag verloren haben, und Personen, die nach dem Staatsangehörigkeitsgesetz einen Einbürgerungsanspruch hatten. Aus dem Widerrufsverfahren selbst ist wichtig, daß Gründe für den Widerruf nicht mitgeteilt werden, daß der Verlust einer deutschen Staatsbürgerschaft auch den anderer inzwischen erworbener deutschen Staatsbürgerschaf ten nach sich zieht, und daß das Verfahren auch durchgeführt werden kann, wenn der Eingebürgerte selbst verstorben ist, um den Widerrrus hinsichtlich der eingebürgerten Familiens angehörigen zu erreichen. Der einmal ausgesprochene Wider ruf tann mit Rechtsmitteln nicht angefochten werden. Es sind also nur„ Vorstellungen" dagegen möglich. Die Christen- Internationale Borsitzender der nationalsozialistischen Aerzteorganisation, erhebt leidenschaftlich Protest gegen die Zustände in Deutschland Kreisleiter und Ortsgruppenvorfißender seiner Partei, Reichstagsabgeordneter, Stadtrat und Bezirksratsmitglied. Er hält öffentliche Vorträge gegen das Doppelverdienertum und für die Geburtenvermehrung. Sein Schlagwort ist, jede Familie müsse wieder eine fleine Kompanie werden. Aber er felbft bleibt vorerst noch Junggeselle. Schafott für SA. Todesurteile für ,, alte Garde" Zwei SA.- Leute, von denen der eine seit 1926, der andere seit 1929 der Hitlerpartei angehört, wurden vor etwa zehn Tagen dabei betroffen, als sie in Berlin- Neukölln kommu nistische Flugblätter verteilten. Das dem Geheimen Staatss polizeiamt angegliederte Schnellgericht hat diese beiden Lente nunmehr am 29. Juli zum Tode verurteilt; an der Verhand Tung nahm ein Vertreter der Reichsregierung teil, der nach ber Urteilsverkündigung erklärte, daß die Regierung von bem ihr zustehenden Recht der Begnadigung keinen Gebrauch mache. Das Urteil ist im Hof des Zuchthauses Sonnenberg in den Abendstunden durch Erschießen vollstreckt worden; das Exekutionskommando war von der SS. gestellt. ( CGJ.) Der Ausschuß des Internationalen Bundes der christlichen Gewerkschaften, der die Vertreter der angeschlossenen Landeszentralen und der christlichen Berufsinternationalen umfaßt, tagte am 20. Juli in Straßburg unter Vorsitz von Herrn J. 3 irnheld Paris, der den zurückgetretenen Borsigenden Herrn B. Otte- Deutschland vorläufig ersetzt. Der Generalsekretär des JBCG., Herr P. J. S. Gerrarens Utrecht, unterbreitete einen ausführlichen Bericht über die Ereignisse in Deutschland, die Bernich tung der deutschen Gewerkschaftsbewegung aller Rich tungen und insbesondere der christlichen Gewerkschaftsbewegung. Mit allgemeiner Stimme nahm der Ausschuß folgende Entschließung an( die wir im Auszug veröffentlichen. D. Red.): „ Der am 20. Juli 1983 in Straßburg versammelte Ausschuß des Internationalen Bundes der christlichen Gewerkschaften hat sich mit der Lage der Gewerkschaftss bewegung in den verschiedenen Ländern und namentlich in Deutschland befaßt, wo die nationalsozialistische Partei die Macht ergriffen hat. Er hat festgestellt, daß den deutschen Arbeitnehmern ihre natür: lichen Rechte unter dem Vorwande eines Kampfes gegen den Marrismus und der Schaffung einer nationalen Einheit auf der Grundlage einer neuen ständischen Wirtschaftsverfaffung entzogen worden sind, daß insbesondere auch die christlichen Gewerkschaften zerstört, ihr Vermögen beschlagnahmt und ihre Führer verjagt und geächtet worden sind. Im Namen der Grundsätze derchriftlichen Gewerkschaftsbewegung erhebt der Auss schuß des JBCG. nachdrücklichst Verwah rung gegen die derzeitigen Zustände in Deutschland, gegen die Rechtlos machung der Arbeitnehmerschaft, gegen die Vers folgungen und Verleumdungen zahla reicher Persönlichkeiten aus der Gewerks schaftsbewegung, wie auch anderer, die ein unerhörter Terror leiden läßt und sogar jeder Arbeitsmöglichkeit beraubt. „ Der Ausschuß des JBCG. richtet einen Appell an alle Bölker und namentlich an alle Arbeitnehmer, auf daß sie die chriftlichen Gewerkschaftsorganisationen stärken und sich auf Grund der christlichen Grundsäße mit großer Energie gegen jedes Streben nach Tyrannei oder Diktatur wehren, das in den verschiedenen Ländern zur Geltung kommen könnte." Der Ausschuß beschloß, den Vorstand zu ermächtigen, in der ersten Hälfte des nächsten Jahres einen außer gewöhnlichen Kongreß einzuberufen. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit" 36 13 Schlageter- Johst s Ereignisse und Geschichten slumbt sic an Juden Wetterbericht Eine Geschichte von Jehova, Fritz Kortner und Kain und Abel Herr Hanns Johst, Intendant der Staatstheater, Autor des befehlsgemäß überall im Reiche gespielten Schlageter" Dramas, wird jetzt überall den arischen Hulden und Huldinnen herumgereicht als Erempel der heilig glühenden Flamme ewig deutscher Begnadung. Von den Kathedern der deutschen Jugend zischen, wenn er spricht, die völkischen Rafeten in subtiler Sprache hoch in den teutonischen Sternen himmel. Jüngst( am 10. Juli) redete er in der Münchener Universität über ,, Wort- Schrift 3ucht". In dieser Rede be= findet sich nach dem Bericht des„ Völkischen Beobachters" fol gende Stelle: " Dir, dir Jehova will ich fingen" lernen unsere Kinder immer noch singen in der Kirche. Wir bleiben im Innersten gefährdet, wenn wir falsche Worte und damit falsche Vorstellungen für unser Empfinden auswendig lernen wollen. Wir schleppen ein Altes Testament als Bildungsgut immer noch mit, das mit unserer voltischen Moral, unserem natürlichen Wesen auch nicht das geringste zu tun hat. Wir befommen jährlich auf unserem Entwicklungswege das jüdische Volt als das auserwählte hingestellt, aber was gehen uns die unerhörten Betrugsgeschichten von Esau und Jakob, diese Erzväter und Erzgauner, an? Dafür aber werden unsere Helden als heidnisch und barbarisch abgelehnt. Und so weiter. Hanns Jobst schüttelt sich förmlich vor Abschen vor jüdischer Ueberlieferung, jüdischem Geist, jüdischen Menschen. Wenigstens seit einigen Monaten, seitdem er eine braune Prominenz ist. Früher war er gar nicht so. Im Jahre 1927 hatte er, um diesen Beweis zu liefern, ein Drama Thomas Paine" verfaßt. Sein Held war ein britischer Kolonialführer, aber das Ganze war eine ziemlich langweilige Sache, so daß sich nur wenige deutsche Bühnen entschlossen, es aufzuführen. Ein paar Vorstellungen dann vergessen! Damals machte Johst viele Bittgänge. Er kam zu jüdischen Theaterdirektoren, flehte jüdische Schauspieler an. Zu ihnen gehörte Friz Kortner, der auf die Pgs. geradezu aufreizend wirkt. Als kurz vor dem Siege der nationalen Revolution" auf einer Berliner Bühne, so teilt das Neue Lagebuch" mit, Kortner auftrat, benutte dies der heutige Pro pagandaminister Göbbels zu dem unverhülltesten Bogrom- Aufruf, der bis dahin in einer deutschen Zeitung möglich gewesen war. Die Pas. erklären vom Schauſpieler stortner, er ſei die personifizierte Beleidigung jeden wahren deutschen Gefühls und seine Art und Darstellungsweise müsse ein deutsches Blut bis zum Sieden erhitzen. Zum großen Glück für Kortner haben die SA.- Kameraden des Dichters Johst, die ihn verhaften wollten, nicht mehr angetroffen. Bei solcher Rollenverteilung hat es gewiß einen mehr als bloß historischen Wert, von Briefen des Dichters Johft an den Schauspieler Kortner in Sachen„ Thomas Paine" zu hören. Einer, vom 3. September 1927 datiert, lautet folgendermaßen: " Sehr geehrter Herr Kortner. Ein Ihnen Unbekannter überfalle ich Sie heute mit einer mir eminent wichtigen Bitte: Lesen Sie dieses mein Schauspiel, Thomas Paine". Es anspringt... Aber dann, Herr Fris Kortner, ich weiß es genau, wird und muß Sie die Melodie dieses Menschen erregen und zur Darstellung reizen. Ich höre, Herr Direktor Barnowsky hat das Stück erworben und ich hoffe, daß es gelingt, Ste für die Darstellung des Thomas Paine zu interessieren... Ich höre, daß auch Herr Jeßner vom Staatstheater sich für die Aufführung interessiert. Wo dieses mein Stück auch zur Aufführung fommt: es ist mir ein inneres Bedürfnis, von mir her zum Ausdruck gebracht zu haben, daß ich durch nichts mehr beschenkt werden könnte als durch Arbeits: fameradschaft mit Ihnen am Thomas Paine. Erlauben Sie mir Ausdruck und Versicherung meiner lebendigsten Verehrung. Mit den herzlichsten Grüßen stetig Ihr Hanns Johst." Am 11. Februar 1928 schrieb Herr Johst an Kortner einen zweiten Brief: „ Sehr geehrter Herr Kortner,... das Erlebnis meiner Berliner Tage war mir Ihre Wedekindinterpretation. Als Sie sich in den gläsernen Sarg einer imaginären Vaterschaft stürzen ließen, um die verborgenste Jungfräulichkeit eines Weibes wach zu zaubern, nahm meine Berehrung für Ihre Kraft und Ihre Persönlichkeit eine Form an, die mich zu äußerster Bescheidenheit zwang. Ich fand nicht den Mut, mich Ihnen in eigener Sache aufzudrängen ... Ich hörte, daß Sie, sehr verehrter Herr Kortner, nicht mehr so ganz positiv zum Thomas Paine stehen. Ich glaube nun, daß ein Stück es immer erleben muß, daß man sich zu ihm distanziert, daß aber der erste instinktive Eindruck wesentlich bleibt und entscheidend. Ich glaube, daß, wenn Sie das Stück für die praktischen Proben zur Hand nehmen, es Ihnen wieder aufblüht zu jenem Gesicht, mit dem Sie es begrüßten... Ich würde diese meine Bitte und Hoffnung nicht schreiben, wenn ich Ihren Paine nicht schon sähe, wenn ich diefe Beglückung nicht so sehr nötig hätte. Und so schließe ich diese Zeilen, lieber und sehr verehrter Herr Friß Kortner, mit einem Appell an unsere bisher sehr platonische Kameradschaft: Gehen Sie zu Barnowsky und sagen Sie: Ich will Paine sein! Ich weiß, es wird ein ganz großer Erfolg! Mit den lebendigsten Zeichen meiner aufrichtigen Begrüßung bin ich und bleibe ich stets Ihr Hanns Job it." Man sieht, Herr Johst hat nicht allein, woraus ihm nur ein allzu billiger Vorwurf gemacht werden könnte, mit den Jahren seine Weltanschauung geändert. Er war auch vor nenigen Jahren noch so wenig sachverständig in Fragen der Rasse, und er war so schwerhörig für die Stimmen des deutschen Blutes, daß er die allertiefste Beglückung von der artfremden Stunst eines Juden erfuhr und sehr darum bettelte, die Hauptrolle seiner Werte von einem Kortner verkörpert zu sehen. Das hat sich also gründlich geändert, und Herr Jobst könnte im Dritten Reich nicht Intendant der Staatstheater sein, wäre er nicht heute der Ansicht, daß ein Künstler, der eine jüdische Großmutter hat, fünstlerische Fähigkeiten im deutschen Sinne überhaupt nie und nimmer besitzen könne. Der zarte Hanns Johst mag die Geschichte von Esau und Jakob nicht. Vermutlich meint er die Geschichte vom verfauften Linsengericht. Es fragt sich, wer vor der höheren Warte der Sittlichkeit besser besteht: Esau, der nur einen Topf Linsen hergab, oder unser repräsentativer deutscher Dichter, der Gesinnungen auf den Konjunkturmarkt brachte und sich privat bei Juden anbiederte, die er offiziell infernalisch haßt. nicht ihr Leben... Es war war nicht Dec Blick in die Ferne Es war von Emigrantenschicksalen die Rede. Der Jude, mit dem ich sprach, sagte:„ O, lieber Herr, wir verstehen das. Kein Volk kann es so verstehen wie wir. Seit aweitausend Jahren sind wird ohne Heimat. Immer waren wir verfolgt. In Spanien, in Deutschland, in Rußland, immer und überall. Durch alle Länder und durch die Jahrhunum die ganze Erde. Aber sie dürfen nicht glauben, daß sie in irgendeinem Lande eine Heimat haben. Immer wieder einmal müssen sie geben, verfolgt und verfemt wie jest in Deutschland. Immer und überall müssen sie bereit sein. Nirgends sind wir zu Hause. Wir wissen das. Wir brauchen nicht davon zu sprechen. Es ist in uns seit zweitausend Jahren." Das Gespräch erinnert mich an eine alte Jüdin. Mit ihren zwei Kindern war sie aus dem zaristischen Rußland nach Deutschland geflohen. Der Mann war tot, Vermögen, Befig, das Stück Erde, das ihr ein Leben lang die Heimat gewesen war- alles blieb zurück. Ich weiß nicht, wie sie die ersten Jahre in Deutschland verbracht hat, wovon sie mit ihren Kindern gelebt hat; sie hat nie davon gesprochen. Die Sie besuchten deutsche Schulen. Sie wurden tüchtige, kluge Menschen und sie durften sich in Deutschland daheim fühlen, im Bereiche ihrer Tätigkeit und im Kreise gleichgefinnter Freunde. Die Mutter nicht. Sie blieb stummer Gast. Sie war nur da als Mutter ihrer Töchter. Der russische Zarismus ging im Weltfriege unter, die alte Heimat wurde polnisch. Die Mutter blieb, denn hier wurzelte nun das Leben ihrer Töchter. Jahrelang saß sie in einem Lehnstuhl am Fenster der fleinen Wohnung. Sie saß und schwieg, gütig und freundlich zu allen Menschen, die ins Haus tamen. Sie nahm stillen Anteil an den geselligen Stunden der Töchter und ihrer Gäste, aber es war nicht ihr Leben. Ihre grauen Augen blickten über das Dasein der Stunden und über alle Dinge hinaus in eine raumlose Ferne. Mit der stillen Geduld einer alten tränkelnden Frau, die viel erfahren hat, faß sie am Fenster und schien es nicht zu bemerken, wenn ihre schweigVon Wenzel Sladek Jeder Rundfunk hat seinen Wetterbericht, s der sagt, ob es schneit, ob die Sonne sticht, ob es regnet, hagelt oder taut, ob fichs umzieht, oder ob es blaut. Der Rundfunkmann, der Rundfunkmann sagt dem ganzen Reich das Wetter an, nur manchmal, wenn er meint, der Schnee werde óraun zu Quatsch und Dreck und Mulm zertaun, spürt der Prophet an den eigenen Ohren, es ist kalt geworden und es hat gefroren. Seinen Wetterbericht jeder Rundfunk hat, für den Bauern, den Bürger, den Mann in der Stadt; was den einen freut, macht dem andern Leid, so daß keiner allen zu Recht prophezeit. Der Rundfunkmann, der Rundfunkmann sagt dem ganzen Reich das Wetter an. Ueber Deutschland Wolken, Druck und Tief, ab ein Gewitter fommt, das lange schon schlief, so lange, daß der Prophet unterdessen, Bliz, Donner und Stürme ein wenig vergessen. Jeder Rundfunk hat seinen Wetterbericht, der prophetisch zu allen Deutschen spricht, was morgen und übermorgen wird sein, nur irrt er sich manchmal beim Prophezein. Der Rundfunkmann, der Rundfunkmann sagt dem ganzen Reich das Wetter an, er redet von Regen, doch der Himmel will blauen, so muß man dem Rundfunk nicht immer trauen, er redet von Sonne, doch Gewitter krachen, denn noch gibts ein Wetter, das wir selber machen. Neuer deutscher Geal Hier hat Er gesessen.. Bekanntlich hat Adolf Hitler die ihm vom Münchner Volksgericht nach dem sogenannten Hitler- Putsch im November 1923 auferlegte Festungshaft in der Gefangenenund Festungshaftanstalt Landsberg am Lech verbüßt. Nun soll die dortige Hitler- Zelle der Deffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Zelle wird so ausgestaltet, wie sie während der Festungshaft des jeßigen Reichstanzlers war. Zur Einweihung und Uebergabe der Hitler- Zelle an die Allgemeinheit find nach Mitteilungen der Landsberger Lokalpresse besondere Feierlichkeiten vorgesehen...( Aus der gleichgeschalteten Preffe.) sind mic sofort zu melden! So reden Christen! 02 Der Gauleiter der Ostmark, Pfarrer Edert, gibt folgenden Erlaß an die Bezirksleiter heraus: Geistliche, die nicht absolut im neuen Geiste arbeiten, sind mir sofort zu melden, ebenso jede Miesmacherei von Personen aus den Kirchengemeinden. Gegen solche muß mit derselben Strenge eingeschritten werden. Pastoren, die schlapp oder gehässig gepredigt haben, sind mir zu melden. Mit der firchlichen Neuordnung wird sich auch eine nicht unerhebliche Umbefeßung in den Pfarrstellen ergeben..." Die Schubladen- Dichter same Gegenwart vergessen wurde. Und wenn man fie anIch habe mir die Abwesenheit dieser klugen Augen nie ,, Jn welches Fach gehörst Du!" sprach, kam ihr Blick aus innerer Ferne zurück. recht erklären können jetzt verstehe ich sie: es war der gegenwartsferne Blick einer Vertriebenen, einer Frau, deren Gang ins Ungewisse nie ein Ende, nie ein Ziel fand, nie wieder ein Hier und Zuhause. Nur die Töchter waren noch der Sinn ihres Lebens. In den letzten Jahren wurde sie immer abgewandter. Wie ein Monument faß die kleine Gestalt auf ihrem Play am Fenster. Man hätte sie für erloschen halten können, wenn es nicht gelegentlich überrascht hätte, wie scharf und wie bitter zuletzt sie dachte. Sie wurde immer schweigiamer; wie oft mögen ihre Gedanken denselben heimlichen Weg gegangen sein. Sie saß da wie das Schweigen selbst. Und es geschah, daß die Gäste betroffen verstummten, wenn abends die Frau plöslich aufstand und wortlos durchs Simmer wie durch einen menschenleeren Raum in ihre Schlaffammer ging. Eines Tages ist sie gestorben. Nach einer Krankheit, die ihre geduldige Kraft langsam und unauffällig verzehrte. Ste starb fast unbemerkt. Mitten im Sommer. Als wir von einer Urlaubsreise zurückkamen, war die alte Mutter schon lange begraben. Die Töchter waren allein in schwarzen Kleidern. Am Fenster stand der Lehnstuhl verlassen, als warte er auf die alte stille Frau. Das ist nun einige Jahre her. Was ist seitdem aus uns geworden! Die Töchter haben den Weg weitergehen müssen, In einer Versammlung des Reichsverbandes deutscher Schriftsteller wurde die erste Fachschaft, die der Erzähler, gegründet. Der Stellvertreter des Präst denten Stoffregen Hans Richter setzte Ziel und Zweck des Verbandes auseinander. Zweck ist, das deutsche Schrifttum einzige vom Propagandaministerium aner- 1 tannte Organisation des freien Schrifttums zu einem in einen Verband überzuführen, Ziel ist, den Verband als zwangsverband auszubauen, so daß in Zukunft in Deutschland nur ein Buch erscheinen tann, dessen Autor Mitglied des Reichsverbandes ist. Im ganzen werden zehn Fachschaften gebildet, die der Erzähler( Vorsitzender Werner Beumelburg), Fachschaft der Lyriker( Albert Sergel), Fachschaft der Tagesschriftsteller( Walther), Fachschaft der Uebersetzer( Dülberg), Fachschaft der Rundfunk schriftsteller( Arnhoevler). Alle Fachschaften sollen nach demselben Prinzip, wie oben angedeutet ist, ausgebaut worden. Der Schutzverband deutscher Schriftsteller, der Verband deutscher Erzähler und der Deutsche Schriftstellerverband werden in dem Reichsverband aufgehen. den die Mutter einst angetreten hatte. Das erwachende Kosmos" von heute Deutschland" hat sie ihres bescheidenen Brotes beraubt. Vertrieben und verfemt haben sie Deutschland verlassen müssen. Wie einst die Mutter den reicheren Besit, haben sie ihre kleine Habe im Stich lassen müssen. Ohne Mittel ſizen fie nun in einem fremden Zimmer im fremden Lande. Hier in der Emigration haben wir uns wiedergesehen. Die alte Mutter ist tot. Sie ist zur rechten Zeit gestorben. Ihr Blick in die Ferne ist erloschen. Die Töchter tragen das Schicksal der Mutter weiter. Und es gibt kein Ziel. Manfred. Daß die meisten deutschen Verleger nur und nur Geschäftemacher sind, wußten wir schon lange. Es wundert uns darum nicht im entferntesten, daß sie es besonders eilig mit der Gleichschaltung hatten. Uns allen ist die Franckhsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, bekannt, die ehemals fozialiftische Bücher und Zeitschriften, u. a. den Kosmos, heraus. gegeben hat. Nun lesen wir eine Anzeige diefes tüchtigen Verlages, die fitr die von ihm veröffentlichten Uniform. tafeln der A. und SS." wirbt, DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Die Schule der Fakire Ein neuer„ Exportartikel 3ndiens In den letzten Monaten sind in Bombay, Kalkutta und anderen großen indischen Städten Fatirschulen entstanden, in denen wißbegierige junge Inder von erfahrenen Männern in der Kunst des Fakirtums unterrichtet werden. Das heißt, es werden ihnen gegen Erstattung einer recht ansehnlichen Unterrichtsgebühr alle die Tricks und Schliche beigebracht, die ein Fakir, der die Menge in Erstaunen seßen will, unbedingt wissen muß. Natürlich ist es nun nicht etwa so, daß jeder Mensch ohne weiteres sich zum Fakir ausbilden lassen kann und daß es ihm in diesen Schulen eingetrichtert wird, wie er auf einem Nagelbrett liegen kann, ohne sich zu verlegen, oder wie er sich Nadeln in den Körper stoßen fann, ohne im geringsten Schaden zu nehmen. Zum Fatirberuf gehört zunächst Talent, besser gesagt, Veranlagung, daneben vor allem eine unbändige Energie und Beherrschung des Körpers. Die Aufnahme in die Fakirschule ist deshalb in jedem Falle mit einer Eignungsprüfung verbunden und nur ein Bruchteil der sich Meldenden wird angenommen. Schauvorführungen der Fakirsofiulen Einige der seltsamen Schulen erfreuen sich eines besonders guten Rufes, und sie dürfen es sich deshalb auch leisten, Extrahonorare zu verlangen, weil an ihrer Spike berühmte Fakire stehen, deren Namen im ganzen Lande betannt sind. Nach Beendigung der Kurse, die oft mehr als ein halbes Jahr dauern, werden nicht selten Schauvorfüh Geschäft gegen Religion Vorstadt von Bombay pflegen sich Tausende einzufinden, wenn ein solcher Schülerabend stattfindet, auf dem auch der Lehrer seine Kunst zu zeigen pflegt und dabei die beste Reflame für sein Institut macht. Hinaus ins Ausland! Bemerkenswerterweise gehen die meisten Zöglinge der Fakirschulen ins Ausland, vor allem nach den Vereinigten Staaten, nach Südamerika und Australien, wo tüchtige Fakire Fatire werden ein immer besserer indischer Export in Zirkussen und Varietes sehr gesucht sind. Erstklassige artikel, nachdem die Versuche von Europäern und ameri tanischen Artisten, es den Fakiren gleichzutun, meistens gescheitert sind, wobei es nicht selten zu tragischen Zwischenfällen gekommen ist. Es hat sich eben herausgestellt, daß niemand anderer als der Inder für den Fakirberuf geeignet ist. Neben den Schulen, meistens in Verbindung mit diesen Instituten stehen oft große Agenturen, die die besten Schüler fofort nach dem Ausland vermitteln. Nicht selten pflegen diese Agenten die jungen Fatire übers Ohr zu hauen. Sie sollen dabei ein sehr einträgliches Geschäft machen. Es fragt sich nun aber, ob die Fakirschulen noch lange ungestört weiterbestehen können. Denn in bestimmten Teilen der Bevölkerung macht sich steigender Unwille darüber bemerkbar, daß das Fakirtum geschäftlich so start ausgenutzt wird. Besonders die Anhänger bestimmter Kasten sehen in dem Fakir eine geheiligte Persönlichkeit und fühlen sich durch die geschäftEin Haus der vollkommenen Ruhe Ein holländischer Gelehrter, Professor M. S. 3warbe mader, dessen Nervensystem ganz besonders auf Lärm reagiert, hat vor kurzem den Plan gefaßt, sich ein ganz isoliertes, von jeglichem Lärm abgeschlossenes Haus zu bauen. An der Peripherie der Großstadt hat er nun seine Idee verwirklicht und genau nach seinen Angaben mußten die Architekten und Baumeister ein ganz eingeschachteltes Flat errichten, das aus drei Räumen besteht, wovon einer im anderen eingebaut ist. Die Wände dieser phantastischen Woh nung sind ziemlich kompliziert hergestellt worden, und zwar eine Mauer aus Sandstein. Diese wieder ist mit einer Roßbesteht jede einzelne aus mehreren und verschiedenen Schich ten von Material. Erst ist eine luftleere Schicht, dann kommt haarschicht gepolstert und durch Stearin verbunden. Dann ist wieder eine Holzverkleidung angebracht und erst auf dieſe ist der richtige Anwurf von Mauer gekommen, der aus Sand in einer ganz bestimmten Zusammensetzung besteht. Als nun das Haus fertig war, hat dem Gelehrten und Eigenbrötler diese schalldichte Wohnung noch immer nicht genügt. Die Wände wurden erst jest mit besonders dicken Teppichen behängt. Die Fenster sind ebenso ganz luftdicht abzuschließen und werden während seiner Arbeit und Experimente mit besonders dicken Portieren verschlossen und verhängt. Der holländische Gelehrte hat erklärt, daß so eine Wohnung schon seit seiner frühesten Jugend sein Traum gewesen sei, den er, wenn auch spät, so aber doch endlich zur Ausführung bringen konnte. rungen abgehalten, nach dem Muster der europäischen liche Ausnutzung in ihrem Glauben betroffen. Berein- Ladien nicht verfernen Schülerabende, auf denen Zöglinge zeigen können, was sie gelernt haben. In der berühmtesten Fakirschule in einer zelt ist es schon zu Ueberfällen auf Schulen und zu bluti. gen Zusammenstößen gekommen. 6000 Bräute mit Diplomen Die größte Kodfizeit der Welt In Charbin, der Hauptstadt der Mandschurei, wird zur Beit eine der kuriosesten Feierlichkeiten, die die Welt je gesehen hat, vorbereitet. 6000 Paare werden demnächst durch einen einzigen festlichen Aft getraut. Die japanisdien Brautscfiufen Die japanische Regierung beschloß vor einem halben Jahr, eine Reihe von Hochschulen für angehende Bräute einzurichten, um die Heranbildung der jungen Mädchen und fünftigen Hausfrauen zu beeinflussen. In diesen Kursen, die in jeder größeren Stadt organisiert worden waren, lernte die heiratsfähige weibliche Jugend die Kunst einer vernünftigen Haushaltsführung, die Pflichten einer im Sinne der japanischen Tradition ergebenen Hausmutter, schließlich die Elemente der Kinderpflege. Der eigentliche Zweck dieser neuen Einrichtung war, dem auch bei den Japanerinnen immer mehr fortschreitenden Hang nach westeuropäischem Luxus und amerikanischem Snobismus Schranken zu sehen. Atteste über besondere auglichkeit Aus diesen Kursen gingen jest 6000 Mädchen zwischen 16 und 20 Jahren hervor und erhielten die staatlichen Atteste Die Katze Von Richard Huelsenbeck Wir erlebten die toten Tage im indischen Ozean. Niemals schien mir, hätte ich eine derartige Hiße mitgemacht; der Teer zwischen den Deckplanken begann zu schmelzen, und die Schiffsmasten waren tagsüber in eine flimmernde Hiswolfe gehüllt. Herden wohlgenährter Delphinen sprangen vor uns auf; fliegende Fische, die wie abgeblätterte Luft aussahen, berührten die glatte Wasserfläche. " Suez ist zehn Tage hinter uns," sagte Kapitän Brüggemann, zehn Tage brauchen wir von hier bis nach Sumatra. Biertausend Meter tief ist das Meer an dieser Stelle. Wollen Sie noch mehr wissen...? Wir hatten einen Steward, der Pfeil hieß und schon einmal in seinem Leben einen Selbstmordversuch gemacht hatte; aber wir wußten weder das eine noch das andere. Bei uns hieß der Mann Gottfried; der Selbstmordversuch hätte uns nicht interessiert, selbst wenn wir davon gewußt hätten. Uns band das gleiche Schicksal an ein Schiff, das zehn Seemeilen in der Stunde lief; mehr wollten wir nicht wissen. Wir wür. den fünf Monate gebrauchen, bis wir die Heimat wiedersehen durften. Gottfried brachte dem Kapitän Brüggemann täglich mehrere Flaschen Hamburger Exportbier, mehrere Flaschen Selterswasser und zur Nacht einen Whisky. Es wäre gut gewesen, wenn Brüggemann in Gottfried mehr als einen dienenden Automaten gesehen hätte. Wir saßen beim Essen und beschlossen, bis Sabang nicht auf die Küche zu fluchen. Es gab ja noch so mancherlei, woran man seinen Aerger auslassen konnte. Die Luft war schlecht in unserem Salon; die roten Plüschpolster dufteten eine Generation begrabener Hoffnungen und enttäuschter Abenteuerlust aus. Gottfried begann seinen Wahnsinn wie eine Sängerin, die zu einer langen Arie ansett. Es hörte sich zuerst an, als beabsichtige er, leise vor sich hinzusingen; was wir zu dieser Stunde, wo das Essen aufgetragen wurde, zwar absonder lich, aber nicht irrsinnig fanden. Zwischen Suppe und Fleisch als Gottfried die Küche nach der Serviette des Kapitän absuchte ertönte dann ein lauter Schrei, so hoch und metallen, daß wir sogleich von den Plüschsofas aufsprangen. " Das ist nicht erlaubt," schrie der erste Offizier, ein Mann, der sich an die Dienstvorschrift hielt. Das Klirren fallenden Geschirrs jagte uns hinaus; in der fleinen Abstellfüche, die sich an den Salon anschloß, lag Gottfried und tobte, mit Beinen und Armen wild um über ihre besondere Tauglichkeit zur Familiengründung. Nun sorgt der Staat auch für ihre Verheiratung. In den letzten Monaten sind Tausende unverheirateter japanischer Beamten in dem neuen, unter japanischem Protektorat stehenden Staat Mandschufuo eingestellt worden, und diese jungen Japaner sehnen sich nach Häuslichkeit, die den Sitten und Gebräuchen ihrer Heimat entspricht. Die japanische Regierung gab also bekannt, daß alle jenen jungen Mädchen, die in den Brautschulen ausgebildet worden seien, sich bei dem Lehrkörper ihrer Schule melden und ihren Wunsch zur Verheiratung mit jungen Japanern, die im Staate Mandschufuo im Dienste stehen, mitteilen sollten. Mit wenigen Ausnahmen meldeten sich alle 6000 diplomierten" Bräute und gleichzeitig auch ebensoviel Bräutigams aus der Mandschurei. Die Wahl war bald getroffen auf Grund der ausgetauschten Fotografien, und die Verlobung der 6000 Paare ist bereits vollzogene Tatsache. In den nächsten Wochen überqueren zahl reiche mit Blumen bunt geschmückte Schiffe das japanische Meer und bringen die heiratsluftigen jungen Mädchen ans Festland. Dann wird die größte Hochzeit der Welt in Charbin unter großen Feierlichkeiten stattfinden. 6000 junge Paare erhalten gleichzeitig den Segen und reisen dann in ihre neugegründeten Heime. sich schlagend. Auf Kapitän Brüggemanns Stirn erschien das, was die Leute die Wetterfalte nannten. Zuerst waren wir geneigt, vor allem die Unterbrechung des Mittagessens zu bedauern; aber dann begriffen wir, daß es sich um eine ernstliche, nicht so leicht zu beseitigende Störung handelte. Gottfried war wahnsinnig; er wälzte sich in einem Wulst von Porzellansplittern, Bratentunke und zerquetschten Kartoffeln. Drei kräftige Matrosen genügten nicht, Gottfried ins Lazarett zu bringen; der Bootsmann Knulp, ein schrecklich brutaler Mensch, der sich auf Jiu Jitsu verstand, mußte eingreifen. Aber dann wurde er ruhiger; man hörte das dumpfe Schreien des Kranken aus dem abgesperrten Raum. Wir begnügten uns mit dem Kaffee und einer Zigarre. „ Es ist die Hitze und die Langeweile," sagte Brüggemann. ,, Vielleicht ist es auch noch etwas anderes," meinte der erste Offizier. Die Arbeit an Bord ging an diesem Tag nur mühsam vorwärts, da alle auf Gottfrieds Schreien horchten, das langgezogen und dumpf aus der Tiefe des Schiffes tam. Der erste Offizier mußte die Rostflopfer heftig anfahren; und es herrschte allgemeine Verdrießlichkeit. Niemand konnte sich Gottfrieds Benehmen erklären. Der Mann war bis dahin ein ruhiger Diener seiner Kompanie gewesen. „ Das unangenehmste bei alledem," sagte Brüggemann, ,, werden die Scherereien in Sabang sein. Ich weiß, die Holländer lieben Frrsinnige in ihren Kolonien nicht, und wenn wir Gottfried dort absetzen, wird es auf uns zurückfallen." Am Abend kam Knulp, den wir als Wache vor Gottfrieds Tür gestellt hatte, und sagte:„ Er schreit immer nur ein Wort; es hört sich an wie Kaze..." Knulp hatte richtig gehört; die Schreie des wahnsinnigen Stewards hatten sich zu dem einen Wort Kaze- verdichtet, das schauerlich und aufregend das nächtliche Schiff erfüllte. Wir wußten nicht mehr ein noch aus. Der vierte Offizier, der die Stelle eines Schiffsarztes vertrat, erhielt den dienstlichen Befehl, dem Kranken eine Morphiumsprise zu geben; aber sei es nun, daß dieser Befehl nicht ausgeführt wurde oder daß das Morphium in der Size schlecht geworden war; Gottfried schrie weiter:„ Staße... Kaze..." Ich erinnerte mich, daß wir beim Verlassen Hamburgs eine Kaze an Bord gehabt hatten, ein kleines, graues unschein bares Wesen, das seinen Tag mit dem Zerkanen von Abfällen hingebracht hatte, die der Koch übrig ließ. Ich erkundigte mich, wo diese Kaze geblieben sei; aber niemand konnte mir darüber eine Auskunft geben. Wir hatten ein duzendmal in den verschiedensten Häfen angelegt; wir hatten geladen und entladen. Einige hatten die Katze bemerkt, aber niemand wußte, wo sie hingekommen was. Stilgefühl ist etwas sehr Schönes, nur besigen es die wenigsten Leute. Im geringsten Ausmaß jedenfalls der, der nachstehende Briefe schrieb:„ Sie irren sich, wenn Sie glau ben, daß ich glaube, daß Sie glauben, daß ich Sie beneide! So dumm sind Sie nicht, daß Sie nicht wissen sollten, daß alle Leute wissen, daß Sie in feiner Hinsicht zu beneiden find." Ein Antiquitätenhändler, der allerhand kuriose Sachen feilbot, erklärte einst einem Kunden:" Hier ist das Schwert, womit Bileam seinen Esel zu töten drohte." Dieser antwortete:„ Ich habe nie davon gehört, daß Bileam ein Schwert hatte; in der Bibel steht bloß, daß er sich ein Schwert wünschte." Sie haben ganz recht," erwiderte der Händler seinem bibelfesten Besucher, dieses ist das Schwert, daß er sich ge wünscht hat." Ein Aufschneider gab seine afrikanischen Jagdabenteuer zum besten und erzählte folgendes:„ Das Furchtbarste, das ich je erlebt hatte, passierte mir mit einer Brillenschlange, die mich im Schlafe vollständig umringelte." Wie haben Sie sich denn befreit?" fragten die entsetzten Zuhörer. „ Ganz einfach," sagte der junge Mann, in dem Augenblick, da sie mich beißen wollte, schlug ich ihr die Brille herunter, so daß sie nichts mehr sehen konnte." Es kam so, wie Kapitän Brüggemann vorausgesehen hatte; die Holländer zogen ein übles Gesicht, als wir erklärten, wir müßten einen Irrsinnigen abladen. Es gebe kein Jrren haus auf der kleinen Insel; dafür gebe es ein Gesetz, das die Einfuhr heillos Verrückter nicht gestatte. Obwohl der Kapitän, dem Rufe:„ Kaße... Kaze" heftig auf die Nerven gegangen war, alle Agenten und Hafenbeamten zu einer langen Whiskyreise einlud, wäre die Unterbringung Gott frieds doch vorbeigelungen, wenn sich nicht im letzten Augen blick ein Arzt für unseren Mann interessiert hätte. Er sagte, er habe sich lange mit dem menschlichen Wahnsinn beschäftigt, der mit Tiervorstellungen in Zusammenhang stehe, und er beabsichtige auch darüber ein Buch zu schreiben. Gottfried war für diesen Herrn, einen ziemlich typischen zweihundert pfündigen Holländer, ein willkommenes Versuchsobjekt. Der Arzt hieß Hemstert. Seit einem halben Jahr size ich wieder in Hamburg, denke darüber nach, ob meine schlechte Laune Sehnsucht nach der See ist. Heute bringt mir der Briefträger einen Brief aus Sabang mit vielen Marken, auf denen der Kopf der Königin wilhelmine zu sehen ist. Ich entnehme diesem Brief eine wichtige Stelle, Dr. Hemskerk schreibt: „ Seitdem ich dem Mann eine kleine Kaze geschenkt habe, ist er vollkommen ruhig; er wiegt das Tier wie ein Kind, er lächelt und behauptet, sich nie so wohl gefühlt zu haben. Der Arme weiß nicht, daß er unheilbar frank ist. Mein großer wissenschaftlicher Erfolg besteht darin, daß ich ohne Mühe Pfeils Vorgeschichte erfahren habe. Der Mann hatte eines nachts, als er an Bord Ihres Schiffes Wache stand, die Bordkaze mit einem Beil erschlagen und ins Meer ges worfen. Warum? Weil er sie überraschte, als sie eine Fotografie zerfeßte. Diese Fotografie stellte eine Frau dar, von der Pfeil sehr abhängig ist; aber das ist eine andere Ges schichte. Ich werde Ihnen das erzählen, wenn Sie wieder einmal nach Sabang tommen. Wie die Fotografie in die Klauen der Kaze gekommen ist, weiß Pfeil nicht zu sagen; es ist möglich, daß sie ihm aus der Brusttasche fiel, als er sich nach vorn beugte, um etwas aufzuheben. Das Gefühl der Schuld, die Kaze getötet zu haben, hat Pfeils Irrfinn ausgelöst. Es ist klar, daß der Mann sich beruhigte, als ich ihm eine Katze brachte, in der er sogleich die getötete zu ers tennen glaubte. Der Ablauf der Krankheit ist natürlich durch eine derartige Beruhigung nicht aufzuhalten. Ich er zähle Ihnen das alles später, wenn Sie wieder einmal nach Sabang kommen. Wir haben uns hier sehr modernisiert. Die Eingeborenen tragen jetzt viel öfter europäische Anzüge als früher; der Postbeamte besitzt ein Motorrad und die Sonntagsschulen vermehren sich täglich. Es wird sie vielleicht interessieren, daß meine Frau mit einem männlichen Kind niedergekommen ist, das in der Taufe den Namen Franz erhalten hat. Ihr sehr ergebener Hemstert." Henderson bei Deutschlands Henker Tragischer Zwiespalt um den internationalen Sozialistenführer Der frühere britische Außenminister und jetzige Präsident der Abrüffungskonferenz Arthur Henderson ist führendes Mitglied der Sozialistischen Internationale. Es hat einiges Aufsehen erregt, daß Henderson in den Tagen, in denen auf Hitlers Befehl barbarische blutige Unterdrückungsmaßnahmen gegen die deutschen Sozialdemokraten vorgenommen wurden, diesem Hifler eiren Besuch abstattete. Es war allerdings ein Besuch, der dem Flottmachen der festgefahrenen Abrüstungskonferenz galt. Die vom Sekretariat der Sozialistischen Arbeiter- Interationale herausgegebene Internationale Information schreibt uns zu dem Besuche Hendersons in München: Die Arbeiter in allen Ländern, die die Gefühle der britischen Arbeiter gegenüber den Hitler- Banditen teilen, wurden durch die Nachricht, daß Artur Henderson am 20. b. M. nach München gekommen ist, um Adolf Hitler d. zu besuchen, in tiefste Bestürzung versetzt. Wir wissen, daß Henderson nicht als Sekretär der Labour Party, sondern als Präsident der Ab. rüstungskonferenz seine Reise unternommen hat. Wir wissen, daß ihm in dieser Funktion nicht grausen darf vor dem Umgang mit Ranaillen aller Art und daß er in diesem Pflichtbewußtsein zu Mussolini und schließlich sogar zu Hitler gereist ist. Wir kennen die persönlichen Gefühle Artur Hendersons gegenüber den Diktaturen, wir wissen, mit welcher Energie er zur Zeit, als er Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiter- Internationale war, gegen die Berfolgung in Horthy- Ungarn, in Pilsudski- Polen und in anderen Ländern der Knechtschaft protestiert hat, wir er innern uns an die zahlreichen Rundgebungen gegen das Unterdrückungssystem Mussolinis und nicht zuletzt an seine eindrucksvolle Rede bei der Enthüllung des Denkmals Matteottis in Brüssel. Wir wissen, daß er noch kurz vor dem Antritt seiner Rundreise durch eine namhafte persön liche Spende an den Matteotti- Fonds mit der ausdrück lichen Widmung für Deutschlands Arbeiterklasse seinen Gefühlen für die Opfer des Hitlertums offenen Ausdruck gegeben hat. Wir wissen, das alles, was Henderson tut, aus kristallklarem Gewissen entspringt, daß er bei seiner Reife einzig und allein das Motiv hatte, der Sache des Friedens zu dienen aber obwohl wir dies alles wissen, bleibt die tiefe, schmerzliche Erschütterung nicht nur der unmittelbaren Opfer des deutschen Faschismus, sondern aller, die sich mit ihnen solidarisch fühlen. Für uns ist es kein Trost, daß die Kommunisten als Beherrscher Sowjetrußlands noch Aergeres getan haben, daß sie sich über die Gefühle ihrer in den deutschen Kerkern schmachtenden Genossen hinweggesetzt und mit dem Hitler. Regiment den Friedens- und Freundschaftsvertrag er neuert haben, daß sie im Interesse der Handelspolitik Sowjetrußlands ihre Anhänger in allen Ländern davon Ein englisches Urtell Die ,, Times" über Hitlers Memoiren Die deutsche Preffe hat einen ungeheuren Lärm geschlagen, als ihr die freudige Nachricht zuging, die" Times" werde einige Stüde aus Hitlers Buch Mein Kampf" abdrucken. Nachdem das Londoner Blatt in vier Fortsetzungen Beispiele der Hitlerschen ungelenken Schreibkunst und primitiven Denkungsart gegeben hat, bespricht sie in einem Leitartikel, der überschrieben ist„ Herrn Hitlers Verantwortlichkeit" diese Publikation. Das Londoner Blatt stellt fest, daß englische Leser diesen 800 Seiten langen Band nicht lesen können. Vieles darin sei reiner Humbug. Viele Roheiten des Ausdrucks seien auf Englisch nicht wiederzugeben und dazu seien viele von Hitlers historischen Schlußfolgerungen außerordentlich schlecht verdaute Berallgemeinerungen pseudowissenschaftlicher Art". Die vorher so außerordentlich begeisterten deutschen Zei tungen werden vermutlich diese Kritik nicht wiedergeben, nachdem sie in die Welt auspofaunt haben, die„ Times" drucke Hitlers Auslassungen aus purer Begeisterung für diesen großen Mann. P Scheldemann erklärt! Die grundlose Verhaftung seiner Verwandten Philipp Scheidemann schreibt dem Vorstand der SoBialdemokratischen Partei Deutschlands in Prag: Am 15. Juli wurde von Berlin aus offiziell mitgeteilt, baß auf Veranlassung des Geheimen Staatspolizeiamtes in Preußen fünf meiner Verwandten verhaftet und in ein Konzentrationslager übergeführt wurden. Als Grund der Festnahme wurde ein Artikel angeführt, den ich für die Neuyork Times" ge= schrieben haben sollte. Schon lange vorher hatte ich, durch Telegramme aufmerksam gemacht, festgestellt, daß ich für die Neuyork Times" einen Artikel überhaupt niemals geschrieben habe und daß ein als für mich besonders belastend zitierter Saz genau das Gegenteil von dem sagte, was ich in einem Artikel für ein schweizerisches Blatt tatsächlich geschrieben hatte. Es konnte sich demnach nur um die ohne mein Zutun erfolgte Uebernahme meines Artikels durch die„ Neuyork Times" handeln und um eine entweder böswillig gefälschte oder tatsächlich irrtümliche Uebersetzung des mir so schwer angekreideten Sazes. Diesen Tatbestand habe ich am 17. Juli der Geheimen Staatspolizei in Berlin mitgeteilt und die Entlassung der Geiseln beantragt. Auf jeden Fall bat ich um Angabe der Namen und des Aufenthaltes der Festgenommenen, damit ich ihnen sofort schreiben könne. Noch bevor ich auf diesen Brief eine Antwort erhalten habe, ist mir am 25. Juli durch einen europäischen Vertreter der„ Neuvork Times" mitgeteilt worden, sein Chefredakteur habe ihm aus Newyork gefa belt, er möge mir das aufrichtige Bedauern der Redaktion für alle Ungelegenheiten aussprechen, die mir dadurch ent: abhalten, sich an der Baykottbewegung gegen Hitler Deutschland zu beteiligen. Alle Mächte der Welt sind gezwungen, es in den Kauf zu nehmen, daß Hitler heute Deutschland repräsentiert. zu nehmen, daß Hitler heute Deutschland repräsentiert. Hitler zeichnet den Viermächtepakt neben Frankreich und England, Hitler schließt das Konkordat mit dem Papst, Hitler erneuert den Friedens- und Freundschaftsvertrag mit Sowjetrußland, die Gesandten aller Länder der Erde sind in Berlin und verkehren nach allen Regeln der Diplo matie mit Hitler, trotz allem Haß und aller Berachtung, die das Schandregime der Barbarei allen zivilisierten Menschen einflößt. Das, was die Kommunisten im Interesse der Handelspolitik Sowjetrußlands tun, das glaubt Henderson im Interesse des Gelingens der Abrüstung tun zu müssen. Er sieht nur die eine große Aufgabe, die ihm heute als Präfibent der Abrüstungskonferenz auferlegt ist, er sieht nicht den Widerspruch, in den er gerät zu den elementarsten Gefühlen der Arbeiter aller Länder. * Wir haben einen ähnlichen Fall vor fünf Jahren erlebt, als der seither verstorbene Albert Thomas als Direktor des Internationalen Arbeitsamtes nach Rom zu Mussolini reiste und an dem Kongreß der faschistischen Gewerkschaftsverfälscher teilnahm. Damals wurden die Ausschaftsverfälscher teilnahm. Damals wurden die Auseinandersetzungen abgeschloffen mit folgender Resolution, die das Büro der Sozialistischen Arbeiter- Internationale in seiner Sizung am 4. Juni 1928 in Brüssel unter dem Vorsitz Artur Hendersons beschloß: Das Büro stellt mit Bedauern fest, daß der Sozialist Albert Thomas dadurch, daß er anläßlich seiner Reise nach Italien die Einladung, auf dem Kongreß der faschistischen Gewerkschaften zu erscheinen und vor diesem zu sprechen, angenommen hat, zu tendenziösen Entstellungen, die er voraussehen konnte und mußte, Anlaß gegeben hat und daß seine Anwesenheit tiefe und berechtigte Mißstimmung nicht nur bei den italienischen Sozialisten, den Opfern der faschistischen Diktatur, sondern in der internationalen Arbeiterklasse hervorgerufen hat. Das Büro ist der Ansicht, daß der in der Presse durch den internationalen Sekretär Friedrich Adler erhobene Protest durch die Umstände vollkommen gerechtfertigt ist. Damit ist die ganze Angelegenheit restlos aufgeklärt, soweit ich in Betracht komme. Außer Scheidemanns völlig unbeteiligten Verwandten, die als„ Strafe" für den angeblichen Artikel in Wahrheit für den Uebersetzungsfehler ins Konzentrationslager gesteckt worden sind, wurden auch noch mehrere Bekannte Scheidemanns verhaftet. Werden sie jest freigelaffen werden? Eine Freveltat Und doch freigesprochen Das Kölner Naziblatt berichtet eine schreckliche Geschichte: Vor Gericht stand ein 38jähriger Ingenieur, der ausgerech& eichen angetan, den jüdischen Mezgerladen von Katz- Rosenthal in der Gürzenichstraße betreten hatte, ohne überhaupt Mitglied der Partei zu sein. Der Fall ist sicherlich nicht ganz identisch. Der Fall Thomas war weit schlimmer, weil sein Auftreten in Rom für ihre Zwecke ausgenügt werden konnte, während wir von den Feinden des Prinzips der Gewerkschaftsfreiheit alle ausnahmslos überzeugt sind, daß Henderson seinen Besuch in München einzig und allein gemacht hat, um der Sache der Abrüstung und des Friedens, die unser aller Sache ist, zu dienen. Der Fall Thomas war weniger schlimm, weil er sich damals vollständig als Diktator des ziehungen zur sozialistischen Bewegung auf die AufrechtInternationalen Arbeitsamtes fühlte und seine Bes erhaltung der Parteimitgliedschaft beschränkt war. Henderson ist zwar zum Präsidenten der Abrüstungskonferenz in einer Zeit gewählt worden, als er als Minister von seiner Stelle als Sekretär der Labour Party beurlaubt war, und die Beurlaubung wurde, als er tatsächlich als Präsident der Abrüstungskonferenz zu fungieren begann, wieder die ganze Welt der verantwortliche Führer der britischen erneuert, aber er bleibt trotz dieser formalen Entlastung für Arbeiterpartei. Und wenn, als Albert Thomas Mussolini begrüßte, immerhin vier Jahre seit der Ermordnung Matteottis verflossen waren, so waren es keine vierzehn Tage, seit man den bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Leichnam Johannes Stellings in einen Sack vernäht aus dem Wasser zog als Artur Hederson mit dem für diese Untat Verantwortlichen zusammentraf. * In diesem Deutschland des Grauens, wo die Barbaref Anverwandte als Geiseln auszuheben, in diesem Deutschauf die Spize getrieben wird durch das System, schuldlose land, das durchbebt ist von den blutigen Schauern des Terrors, von den sinnlosen Massenschlächtereien, wie sie Braunschweig stattfanden, in diesem Deutschland gibt es unmittelbar vor Hendersons Eintreffen in Köpenick und für Vertreter der Arbeiterklasse keine Hoffnung auf die Möglichkeit der Bekehrung Hitlers, sondern ist einzig wahr, was das Manifest des Vereinigten Nationalrates der britischen Arbeiterbewegung fagt:" Diese aller Gefühls. kämpft werden. regungen bare Tyrannei muß mit andern Waffen be Niemand zweifelt an Hendersons gutem Glauben, niemand darf seine Motive, der Abrüstung und dem Frieden Arbeiterbewegung Großbritanniens und der ganzen Welt zu dienen, in Frage stellen. Aber jeder, der weiß, was die dem Lebenswerk Artur Hendersons verdankt, wird es auf das schmerzlichste empfinden, daß er nun in den tragischen Konflikt gerät, sich mit den unmittelbarsten Gefühlen, die heute die antifaschistische Welt erfüllen, in Widerspruch zu setzen. A 510 Beobachter". Da in den letzten Tagen an der Technischen Hochschule mehrfach Exemplare der kommunistischen „ Roten Fahne" verteilt wurden, hat der Rektor der Technischen Hochschule angeordnet, eine Durchsuchungsaktion durchzuführen. Er beauftragte den Führer der Studentenschaft mit dieser Untersuchung. Die Studentenschaft führte diese Aktion mit Hilfe des nationalsozialistischen Studentenbundes und des Stahlhelm- Studentenrings durch. Uniformierte Studenten wurden planmäßig über die Schule verteilt und auf ein Signal hin ertönten überall Kommandos. Dann wurden die Studenten einzeln untersucht auf ihre Ausweise und auf das Mitführen von etwaigen staatsfeindlichen Schriften. Es wurden zunächst 12 Studenten festgenommen. Einige konnten aber wieder entlassen werden, da die Angelegenheit sich klärte. Zwei Studenten wurden der Polizei übergeben. Ob sich niemand unter Hochschullehrern und Studenten dieser Jagd auf Kommilitonen schämt? beweisen, daß er das Geschäft des Juden in seiner Der Angeklagte konnte aber durch Unterlagen dem Gericht beruflichen Eigenschaft als Vertreter und im Auftrage seines Wertes als Kundschaftsbesuch be- Konzentrationslager treten und deswegen noch nicht Mitglied der Partei geworden hatte. Er entschuldigte sich damit, daß er fälschlich angenommen habe, mit der Anmeldung auch schon Mitglied geworden zu fein. war, weil er seine Aufnahmegebühr nicht entrichtet Nach Anregung des Verteidigers verstand sich der Staatsanwalt und das Gericht zu einer Einstellung des Verfahrens nach§ 153, wegen Geringfügigkeit, weil selbst die Kreisleitung an einer weiteren Strafverfolgung kein Interesse mehr hatte. Aber als eine bodenlose Leichtfertigkeit, wenn wir uns nicht schärfer ausdrücken wollen, muß es doch bezeichnet werden, daß ein gebildeter Mensch einen Judenladen mit dem Parteiabzeichen betritt, obschon er auch wissen mußte, daß er nicht einmal Mitglied der Partei war, sagt das Naziblatt. Wir müssen auch sagen: Es passieren furchtbare, Mißverständnisse im Dritten Reich. Deutsche Rechtsprechung Dafür gibt es lange Gefängnisstrafen Das Sondergericht Berlin verurteilte den 28jährigen Kaufmann Herbert Brauner wegen unberechtigten Tragens des Abzeichens der NSDAP. zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten. Der Angeklagte, der als Reisender ein Buch vertrieb, gab sich auf seiner Tour als Mitglied der NSDAP. aus, um besseren Absatz zu finden.- 3u dret Monaten Gefängnis wurde der 28jährige Kaufmann Ludwig Sein well aus Hamburg verurteilt. Der Angeklagte hatte auf dem Rückwege von Berlin auf der Landstraße eine Autopanne. Zwei anderen Automobilisten, die ihm bei Ve hebung des Schadens behilflich waren, erzählte er im Laufe des Gesprächs, in Berlin sei einem Juden der Bart ausgerissen worden. ſtanden feien, daß ein„ ſonft abfolut zuverlässiger Mann Student oder Polizeihund? der„ Neuyork Times" leider falsch übersetzt habe." Es sei richtig, daß in meinem Originalartikel der Schlußfab gelautet habe:„ Daß dabei nicht an blutigen Krieg ge= dacht wird, ist selbstverständlich." Das ist hier die Frage Ueber eine Durchsuchung aller Studenten der Tech nischen Hochschule Berlin berichtet der Völkische für Sittlichkeitsverbrecher Und Röhm? Und Heines? onDie Hamburger Polizeibehörde hat angeordnet, daß alle rechtskräftig verurteilten gemeingefährlichen Sittlichkeitsverbrecher bei ihrer Entlassung aus der Strafhaft in Schubhaft zu nehmen sind in ein aentrationslager zu überführen sind. Die Schuzhaft können sie vermeiden, wenn sie nach Anhörung beamteter ärztlicher Sachverständiger in der Strafhaft oder unmittelbar danach in einer staatlichen Krankenanstalt sich freiwillig einer Kastration unterziehen. Und wann werden Röhm und Heines kastriert? Krieg ist das Losungswort Revolution nach außen Fememörder Heines, wie er sich selbst nennt, hielt in Bress Ian, wo er jegt Polizeipräsident ist, eine Rede, in der er betonte, er sei seit 1914 Soldat. Die Revolution nach innen sei jetzt abgeschlossen, jegt müsse die Revolution nach außen organisiert werden gegen alle die, welche Deutschland als Nation zweiten Ranges behandeln wollen. Die„ Times" kommentiert diese Rede wie folgt:„ Seine Rede enthüllt deutlich die Philosophie der Leute, welche die Nazibewegung aufgebaut haben: der Krieg ist nicht verloren worden, er ist noch nicht vorüber und die„ innere Revolution" Vorbereitung für die„ Revolution nach außen", die Abrech der letzten Zeit ist lediglich die unentbehrliche Klärung und nung mit dem äußeren Feind." Billige Arbeitskräfte Zweihunderttausend unbezahlte Landarbeiter Die Münchener Neuesten Nachrichten" teilen mit, daß die Zahl der für Großagrarier kostenlos vermittelten Arbeitsdienstfreiwilligen, die bereits 120 000 erreicht hat, demnächst 200 000 überschreiten soll. Das Gesetz gegen Erbkrankheiten boll Elne Maßnahme des Dritten Relches, die Weltauischen erregt und zu großen wissenschaftilden Diskussionen führt Paris, den 29. Juli 1938. Der bekannte französische Nervenspezialist und Sexuals forscher Dr. Toulouse ergreift erneut zur Verteidigung des deutschen Sterilisierungsgesetzes das Wort. Er fordert im„ Deuvre", daß die öffentliche Meinung aufgeklärt werde, damit sie jede Maßnahme zur Verbesserung der biologischen Qualitäten der Rassen günstig aufnehme. Vor allem müsse man mit dem laiffer- faire- System aufräumen, das zur Züchtung anormaler Existenzen führe. Natürlich sei für die unkundigen Massen eine rationelle Betrach tungsweise eines biologischen Problems schwierig, man belasse eben diese Massen bei plumpen Vorurteilen. Jeden: falls müsse man Hitler beipflichten, daß er so wagemutig ein Problem anschneide, mit dem die Franzosen sich etwas eingehender beschäftigen sollten. Wer erbkrank Ist liche Vertreter antragsberechtigt; die hierüber in dem Gesetz vorgesehenen Bestimmungen find den allgemeinen Vorschriften des Vormundschaftsrechts angepaßt. Da in weiten Kreisen eine ausreichende Kenntnis von dem Wesen und den Auswirkungen der Unfruchtbarmachung nicht vorausgesetzt werden kann, ist in dem Gesetz vorgesehen, daß dem Antrag eine Bescheinigung eines für das Deutsche Reich approbierten Arztes beizufügen ist, daß der unfruchtbar zu Machende über die Bedeutung und die Folgen des Eingriffs aufgeklärt worden ist. Um die Folgen eines übereilten Schrittes zu verhindern, ist von dem Gesetzgeber ausdrücklich gesagt, daß ein Antrag auf Sterilisation zurückgenommen werden kann. Da aber auch die Allgemeinheit ein erhebliches Interesse an der Sterilisation haben kann, ist im§ 3 bestimmt, daß auch der beamtete Arzt und bei Insassen von geschlossenen Anstalten der AnstaltsIeiter antragsberechtigt sein kann. Das Gefeß zur Verhütung erbkranken Nachwuchses bes Das Erbgesundheitsgericht stimmt eingangs, daß, wer erbkrank ist, durch chirurgischen Eingriff unfruchtbar, das heißt sterilisiert werden kann, wenn nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, daß seine Nachkommen an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden. In§ 2 ist festgelegt, welche Krankheiten im Sinne des Gesetzes als Erbkrankheiten gelten, und zwar nennt der Gesetzgeber angeborenen Schwachsinn und Chizophrenie. Weiter ist erbkrank im Sinne dieses Gefeßes, wer an zirtulärem( manischdepressiven) Irresein, an erblicher Fallsucht, erblichem Veitstanz, erblicher Blindheit, erblicher Taubheit und schließlich an schweren erblichen förperlichen Mißbildungen leidet. Besonders wichtig ist die Bestimmung, daß die Sterilisation auch an solchen Personen vorgenommen werden kann, die an schwerem Alkoholismus leiden. Bei entarteter Trunksucht wird man sich aber nur auf die schweren Formen von Alkoholismus beschränken, mit denen eine körperliche und geistige Minderwertigkeit verbunden ist, so daß Nach wuchs von diesen Personen aus zahlreichen Gründen nicht erwünscht sein kann. Ausdrücklich wird in der Begründung gesagt, daß das Gesetz sich bewußt nur auf diejenigen Krankheiten beschränkt, bei denen die Regeln des Erbganges nach dem heutigen Stande der Wissenschaft als hinreichend erforscht gelten fönnen. Selbstverständlich sei beim Fortschreiten der wissenschaftlichen Erkenntnis über die Vererbung anderer Krankheiten stets die Möglichkeit der Ergänzung gegeben. Die Antragsberechtigten § 4 regelt das Verfahren der Antragstellung, nach dem die dem Antrag zugrundeliegenden Tatsachen durch ein ärztliches Gutachten oder auf andere Weise glaubhaft zu machen sind. Die Entgegennahme des Antrages erfolgt durch das Erbgesundheitsgericht, das zur Durchführung des Gesetzes neu geschaffen wird. So bestimmt§ 6, daß das Erbgesundheitsgericht einem Amtsgericht anzuglie dern ist, wobei als Begründung gesagt wird, daß die Unfruchtbarmachung eine der Allgemeinheit dienende fürsorgerische Maßnahme nach Art der Entmündigung sein soll, weshalb es sich empfehle, die zur Entscheidung in erster Instanz berufene Behörde an ein Amtsgericht anzugliedern, doch fann sie auch mehrere Amtsgerichtsbezirke umfassen. Das Erbgesundheitsgericht besteht aus einem Amtsrichter als Vorsitzenden, einem beamteten Arzt und einem weiteren, für das Deutsche Reich approbierten Arzt, der besonders mit der Verfahren sind dem des Entmündigungsverfahrens anzuErbgesundheitslehre vertraut ist. Die Vorschriften über das gleichen, denn jeder Anklang an den Strafprozeß sollte unbedingt vermieden werden, wobei selbstverständlich ist, daß teiligten ein durch Strafandrohung gesichertes Schweigedas Verfahren nicht öffentlich sein kann und daß den Begebot auferlegt wird. Der§ 7 regelt die dem Erbgesundheitsgericht zur Durchführung der notwendigen Ermittlungen zustehenden Befugnisse, wobei die Aerzte, die als Zeugen oder Sachverständige vernommen werden, ohne Rücksicht auf das Berufsgeheimnis zur Aussage verpflichtet sind. Die Entdesscheidung über den Antrag ist unter Berücksichtigung der großen Tragweite der zu fassenden Beschlüsse nicht einem einzelnen Richter, sondern, wie der§ 8 bestimmt, einem Kollegium überlassen, das mit Stimmenmehrheit über Annahme oder Ablehnung beschließt. In dem§ 9 ist die Möglichkeit einer Beschwerde gegeben, die aufschiebende Wirfung hat. Die Entscheidung über die Beschwerde erfolgt durch eine zweite Instanz, und zwar das in§ 10 geschaffene Erbgesundheits- Obergericht, das einem Oberlandesgericht angegliedert wird. Seine Zusammensetzung ist im Prinzip dieselbe wie bei den Erbgesundheitsgerichten; denn es besteht aus einem Mitglied des Oberlandesgerichts, einem beamteten Arzt und einem approbierten Arzt. Die In§ 3 des Gesetzes ist festgelegt, daß derjenige zum Sterilisationsantrag berechtigt ist, der unfruchtbar gemacht werden soll. Bei dieser Bestimmung ist man davon ausgegangen, daß derjenige, dessen Unfruchtbarmachung zum Nuzen der Volksgesundheit notwendig ist, in vielen Fällen se l bst die nötige Einsicht aufbringen wird, um den Antrag auf Sterilisierung zu stellen. Ist im übrigen der Antragsberechtigte, was ja häufiger vorkommen wird, geschäfts unfähig oder wegen Geistesschwäche entmündigt, oder hat er das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet, so ist der gese ß Schrumpfende Wirtschaft Flaute Die Bankbilanzen zeigen an doob Schlechte Geschäftslage und sinkende Beegeisterung Die Presse des Großhandels treibt beharrliche Kritik an der Bankrottpolitik der Hitler- Regierung. Da sie aber kein Wort offen zu sagen wagt, verlegt sie ihre Kritik in gewundene Redensart. Das Hamburger Fremdenblatt" stellt beispiels: weise fest:„ Die Schrumpfung der Bankbilanzen, die seit Monaten in mehr oder weniger starken Ausmaß zu beobach ten war, hat sich im Juni in einem erheblich geringeren Aus: maß fortgesezt, als in einigen Vormonaten." Milder kann man einem Totkranken kaum sagen, daß seine Kräfte zu Ende gehen: Wenn er schon fast keine Bewegung mehr machen kann, fonstatiert man, daß das Tempo des Erlöschens auf dem Niveau, das der Patient erreicht hat, doch etwas langsamer geworden ist. Die Bilanzen der großen Banten enthüllen eine ununters brochene Schrumpfung des Wirtschaftslebens, welche fich numerisch wie folgt ausdrückt: Kredit Debit Warenvorräte ( in Millionen Mark) 6797 6984 6797 Monat März Monat April Monat Mai 4281 4312 4281 794 889 794 Dieser Rückgang spiegelt bie anhaltende Bewegung der Wirtschaft wieder und zeigt zur selben Zeit, daß die unge: heuren Summen der staatlichen Subventionen unfähig sind, den Prozeß zu dämmen. Industrie und Handel gehen un barmherzig zurück. Diese Entwicklung wird noch unterstrichen durch den Rückgang der Geschäfte, was umso bes merkenswerter ist, als die Preise nicht sinken, sondern bes ständig steigen. Der Stand der Reichsmark für die dritte Juniwoche zeigt dieselbe Entwicklung. Die Darlehen sind um 113 Mill. Mark zurückgegangen. Die Frankfurter Zeitung" vom 27. Juni schreibt sehr richtig dazu: " Die Verminderung der Kreditnachfrage ist viel größer als während der dritten Maiwoche, und fast ebenso groß wie während der entsprechenden Woche des Vorjahres." Der Geld- Umlauf ist gleichfalls vermindert. Er erreichte in der dritten Juniwoche des Vorjahres 5641 Millionen Mark und in der dritten Woche des legten Juni 5095 Milli. onen Mark. Man muß übrigens berücksichtigen, daß die Regierung Hitler alles getan hat, um den Geldumlauf zu erhöhen, nene Gehälter jeder Art, Gründung neuer Ministerien, Statt: halter und andere Funktionäre, Kommissariate, Preiser: höhung, Subventionen der Autoindustrie, Instandsegungszuschüsse usw. Alles vergebens, die Wirtschaft schrumpft weiter, In der Anilinfabrik sind immer noch Feierschichten nötig wegen dem erheblichen Rückgang des Auslandsumsatzes. Auch in der Nähmaschinenindustrie Kaiserslautern sowie beim Eisenwerk hält die verzweifelte Lage an. Es sind keinerlei Anzeichen einer Konjunkturbelebung zu beobachten. Die Schuhindustrie hält diese Woche gemeinsam ihre Ferien. Das hat sie sich im vorigen Jahr wegen dem wesent lich besseren Geschäftsgang nicht erlauben können. Um die Zahl der Erwerbslosen zu verschleiern, müssen die Wohlfahrtserwerbslosen für ihre Unterstützung vier halbe Tage arbeiten. Natürlich haben das die meisten bei der schlechten Ernährungsmöglichkeit nicht ausgehalten und wurden nun aus der Unterstützung geworfen. Auch die Notstandsarbeiten mit Unterstüßungsempfängern des Arbeitsamtes müssen. für die Unterstützung mit einer Wochenzulage von 2 bis 5 Mark verrichtet werden. Alle Geschäftsleute klagen über den starken Umsatzrückgang. Die Kaufkraft der Bevölkerung ist ganz gewaltig zurückgegangen. Die Anforderungen durch Sammlungen und Beiträge an den Kampfbund sind unerträglich gestiegen. Das Finanzamt treibt rücksichtslos seine Rückstände ein. So werden z. B. die Fettverbilligungsscheine nicht eingelöst, wenn der Ablieferer noch Steuern schuldig ist. Es wird deshalb Entscheidung des Erbgesundheitsobergerichts ist eine ende gültige. Ausdrücklich wird in der Begründung des Ge setzes betont, daß bei der Ernennung der Mitglieder dieser Gerichte mit besonderer Sorgfalt zu verfahren ist. Angesichts der ungeheuren Bedeutung, die dieses Gefeß nicht nur für die Volksgesundheit, sondern auch für den un mittelbar Betroffenen hat, ist in dem§ 11 bei den Bestim mungen über die Durchführung des sterilisierenden Eingriffes festgelegt, daß er nur von einem staatlich hier für besonders zugelassenen Arzt und nur in ausdrücklich dafür bestimmten Krantenanstalten ausgeführt werden darf. Um auch jeden Verdacht eines nicht ganz un parteiischen Verhaltens des ausführenden Arztes auszuschließen, hat der Gesetzgeber vorgesehen, daß ein Arzt, der als Antragsteller aufgetreten ist oder als Beisitzer mitge wirkt hat, die Operation nicht vornehmen kann. Die Zwangssterilisierung Wichtig ist der folgende§ 12, nach dem die Sterilisierung auch gegen den Willen des unfruchtbar zu Machenden auszuführen ist. Eine Ausnahme ist nur dann vorgesehen, wenn der zu Sterilisierende allein den Antrag gestellt hat. Entsprechende Maßnahmen und evtl. Eingreifen der Polizeibehörden sind äußerstenfalls vorgesehen. Zur Vermeidung von Fehlentscheidungen ist schließlich in dem Gesetz vor gesehen, daß das Erbgesundheitsgericht das Verfahren wieder aufnehmen kann, wenn sich Umstände ergeben, die eine nochmalige Prüfung des Sachverhalts erfordern. In§ 13 wird die Frage der Kosten des gerichtlichen Ver wendungen für das gerichtliche Verfahren trägt die Staatsfahrens und des ärztlichen Eingriffes geregelt. Die Aufkaffe. Da gegebenenfalls Krantentasse und Fürsorgeverband durch eine sachgemäße Durchführung des Gesetzes in Bu funft sehr erhebliche Kosten erspart werden, sind diese mit den Aufwendungen für den ärztlichen Eingriff zu belasten. Da den zu Sterilisierenden in der Regel fein Verschulden trifft, ist in allen anderen Fällen vorgesehen, daß der Staat bis zur Höhe der Mindestsätze der ärztlichen Gebührenordnung die Arzt- und Krankenhauskosten trägt. Nur infoweit die Kosten über das notwendige Maß hinausgehen, fallen sie dem unfruchtbar zu Machenden zu Lasten. Nach § 14 ist eine Unfruchtbarmachung, die nicht nach den Vorschriften dieses Gefeßes erfolgt, sowie eine Entfernung der Reimdrüsen nur dann keine rechtswidrige Körperverletzung, wenn sie zur Abwendung einer ernsten Gefahr für das Leben oder die Gesundheit desjenigen, an dem sie vorgenom men werden soll, und mit dessen Einwilligung erfolgt. Ausdrücklich wird in der Begründung betont, daß in allen anderen Fällen und namentlich im Falle der sozialen Judi tation die Unfruchtbarmachung eines Menschen Körper verlegung bedeutet, die nach den Bestimmungen des Strafgesetzbuches verfolgt wird. Wir behalten uns vor, dieses wichtige und einzigartige Gesetz noch von wissenschaftlicher Seite beleuchten zu lassen. Politisch gesehen, ist es eine ungeheure Gefahr, ein solches. Gesetz in der Hand einer Regierung zu wissen, die entschlossen ist, ihre Gegner auch körperlich zu vernichten. schwer geschimpft. Die Begeisterung für Hitler ist in diesen Kreisen einer großen Niedergeschlagenheit gewichen. Der Boykott wirkt Dieser Tage veröffentlichte die Preffe die Klagen der mär fischen Edelstahl- Industrie über die Auswirkung des Boyfotts. Aehnliche Klagen bringt der Schuhaußenhandel für das erste Halbjahr 1933. Die Ausfuhr sant mengenmäßig um 36 Prozent. Niedergang der Porzellan- und Glasindustrie Die meisten Betriebe der Thüringer Porzellan- und Glasindustrie arbeiten mit einem Drittel der Belegschaft bei verfürzter Arbeitszeit. Die Ausfuhrziffern betragen, bezogen auf das Jahr 1929: nach Desterreich 8 Prozent, nach Frankreich 14 Prozent, nach England 18 Prozent, nach Italien 20 Prozent, nach Belgien 22 Prozent, nach Dänemark 38 Proz. Notlage in Chemnitz Die Chemnißer Strumpf- und Wirkwarenindustrie hat für das laufende Quartal kaum noch Aufträge zu verzeichnen. Besonders fühlbar macht sich die steigende Auslandskonkurrenz in Kunstseide. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Pis: Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. b H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Alle Geldfendungen für die ,, Deutfche Freiheit" ob durch Banküberweifung, Scheck, Poftanweifung, find zu adreffieren an Verlag der Volksftimme GmbH. Saarbrücken Zu vermerken ift bei jeder Zahlung: Für Deutfche Freiheit! Bank: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Filiale Saarbrücken Pofticheck: Saarbrücken 619( Verlag der Volksftimme G. m. b. H.)