Preis: 60 1. cts. Frethel Danfaze Nummer 37 1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Mittwoch, den 2. August 1933 Chefredakteur: M. Braun Paris droht! Frankreich stellt sich neben Österreich Kriegsflüge" Paris, 1. Aug. Der„ Temps", das Blatt des französischen ( Auswärtiges Amt) diese Illusion teilen. Sie müßten wissen, von welch außerordentlicher Bedeutung die inters nationale Stimmung ist für ein Land, das so sehr in Außenministers, beschäftigt sich in seinem Leitartikel ausführs Not und in answeglojem Glenb sich befindet lich mit der österreichischen Frage. Die Zeitung schreibt: „ Es ist geradezu unglaublich, daß man sich in Berlin barüber noch nicht klar geworden ist, daß Deutschland durch feine Desterreich gegenüber beliebte Raub- Politik das Recht auf feine eigene Gleichberechtigung, um die es jahrelang ge fämpft hat, aufgibt und außerdem die gesamte internationale Meinung gegen sich mobil macht. Es ist möglich, daß dieser Erfolg den Hitlerianern gleichgültig ist, die ja in dem törichten Wahne leben, als ob fie mit ihrem Rezept die Welt beglüden könnten; fast un benkbar aber ist, daß die hohen Herren in der Wilhelmstraße Flugzeuge wie das Deutschland Hitlers. Eingeweihte Kreise wollen wissen daß der deutsche Reichskanzler dem Hezer Habicht Blancovollmacht für Oesterreich gegeben hat unter der ein: zigen Bedingung, daß durch seine Politik keine internatio: nalen Verwidlungen entstehen, Man muß annehmen, daß die Befehle des Herrn Hitler nicht genügend verstanden worden sind; denn das erste Resultat der deutschen Kriegs: flüge gegen österreichisches Territorium ist daß, daß nun glücklich die fremden Mächte sich in aller Form der Frage bemächtigt haben. Wenn die Herren in Berlin gut beraten sind, dann blasen sie jetzt schleunigft den Feldzug gegen Wien ab. Es ist allerhöchste Zeit! gegen Deutschland! Ein österreichischer Schritt in Paris Paris, 1. Auguft.( Eigener Drahtb.) Wir erfahren von zuständiger Seite, daß die österreichische Bundesregierung bei den Signatarmächten des Friedesvertrages von Saint- Germain fondiert hat, wie sie sich verhalten würden gegenüber einem etwaigen Ersuchen der Wiener Regierung, eine bestimmte Anzahl bewaffneter Polizei- Flugzeuge zu erwerben und vorübergehend in Dienst zu stellen; diese Flugzeuge sollen ausschließlich bestimmt sein zur Abwehr der unter offensichtlicher Billigung, wenn nicht Unterstüßunng der Berliner Regierung betriebenen planmäßigen Ueberfälle deutscher Flugzeuge auf österreichisches Gebiet, wobei, wie bekannt, Aufrufe gegen die österreichische Regierung abgeworfen werden. Die Regierung der französischen Republik macht, wie uns hierzu von berufener Stelle mitgeteilt wird, angesichts der besonderen Sachlage kein Geheimnis daraus, daß sie alle Miffel billigen wird und politisch zu unterstüßen entschlossen ist, die geeignet sind, die nach französischer Auffassung den Frieden Europas schwerstens gefährdenden kriegerischen Angriffe Deutschlands auf das Territorium und die Unabhängigkeit Oesterreichs rücksichtslos zurückzuschlagen und für alle Zukunft unmöglich zu machen. Troh grundsätzlicher Bedenken wird Paris daher keinen Widerstand geltend machen, wenn auf Wunsch Wiens und aus zwingenden Gründen der Sicherung Desterreichs und seiner Regierung die entsprechenden Artikel der Verträge vorübergehend, das heißt: bis zur endgültigen Niederbrechung der deutschen Angriffsluft, außer Kraft gesetzt werden. Wall gegen Pangermanismus Frankreich- Italien zum Schutze Oesterreichs Das dem französischen Generalstab nahestehende " Echo de Paris" schreibt in seinem heutigen Leitartikel( Pertinag): Auf der letzten Konferenz der„ Kleinen Entente" in Prag haben die beteiligten Staaten den bedauerlichen Beschluß ge= faßt, entgegen den früheren Vereinbarungen sich einer Mobilmachung der Wehrmacht zu enthalten, falls der Anschluß Defterreichs an Dentschland in irgendeiner Form vollzogen werden sollte. Dieser Beschluß hörte leider sehr bald auf, ein Staatsgeheimnis zu sein; im übrigen wollte man damit zum Ausdruck bringen, daß die„ Kleine Entente" alle ihre Kräfte tonzentrieren wird gegen die Wiedereinsehung der Habsburger und den die Vereinigung Oesterreichs mit uns garn. Maßgebend für den Beschluß der Staatsmänner war ferner die nicht ungeschickte taktische Erwägung, daß je weniger die„ Kleine Entente" sich in der Anschluß- Frage engagiert, desto mehr dies Italien tun wird.- Es kann aber Lügenbande! Eine Erklärung Breitscheids Der„ Bölkische Beobachter" behauptet jegt bereits zum zweiten Male, ich hätte mich beim französischen Außens ministerium um einen Poften beworben, sei aber abgebligt. " Ich stelle fest, daß das Naziblatt eine ebenso groteske wie infame Lüge verbreitet. Niemals habe ich mich um eine Ans stellung im französischen Dienst bemüht. Meine Korrespons denz mit dem Pressechef des französischen Außenministe: rium, des mir aus seiner Tätigkeit als Leiter der Infor mationsabteilung des Bölkerbundes bekannten Herrn Comert eine Korrespondenz, auf die der„ Bölkische Bes obachter anspielt- bezog sich auf die Frage, ob seiner Meinung nach in Frankreich eine private Existenzmöglichs feit für mich vorhanden sei. Außerdem bat ich Herrn Cos mert, sich wegen der Erteilung eines Bisums für einige deutsche Flüchtlinge zu bemühen. Alle unterstehen Schirach Dr. Rud. Breitscheid. Deinem Los sei'n Klagen geweiht, Europa! Aus dem Unheil schleudert in ein neues Schrecknis Dich ein Gott stets; ewig umsonst erflehst du Frieden und Freiheit! Platen. August 1914 Erinnern und hoffen! Alljährlich in diesen Tagen geht das Grinnern durch die Welt. In diesen Tagen, vor neunzehn Jahren, begann der Weltkrieg, der die Endepoche des tapitalistischen Zeitalters einleitete. Und alles, was wir heute Großes und Schweres erleben es wäre anders, tönnte man ungeschehen machen, was in jenen Tagen des Juli und August 1914 geschah. Gewiß, die Erinnerung an jenes Geschehen verblaßt. Neunzehn Jahre sind eine lange Zeit. Die damals ins Feld zogen und halbwegs heile Glieder heimbrachten, sind heute schon über die Hälfte des Lebens hinaus, und eine ganze Generation ist herangewachsen, die vom Krieg nichts weiß, als daß er manchmal in ihrer Kindheit die Mutter weinen machte. Daß er ihnen, als sie Kinder waren, die zarten Knochen verbog, daß er ihnen mit seiner Wruckenkost die Kraft aus den Gliedern sog, die Ruhe aus den Nerven riß und sie als ein nervöses, seelisch kraftloses Geschlecht hinausstieß in die Wirren, der Nachkriegszeit: das wissen viele nicht, aber die Welt spürt es. Darum soll das Geschehen nicht vergessen werden, das in fenen Julitagen 1914 seinen unheilvollen Anfang nahm. Viel ist über Kriegsbeginn und Kriegsschuld geforscht, geschrieben, gestritten worden. Viel läßt sich über den grauenhaften Mechanismus der Lüge und Gewalt erzählen, der damals seinen unheimlich rasenden, entseßlich zermalmenden Lauf begann. In Wien ein alter Raiser eines alten 3wingstaates, der die Stunde seines Zerfalls hinauszu schieben wähnte, wenn er fich jungbadete im Blute der Völfer. In Berlin ein größenwahnsinniger Narr auf dem Kaiserthron, dem ein ganzes Volk von Untertanen und Uniformen mit blißenden Säbeln und brüllendem Hurra ins Verderben folgte. In St. Petersburg ein schranken= loser Despot, der die ungezählten Millionen russischer Bauern auf die Schlachtfelder au sterben schickte, wie sie auf ben Feldern der Herren zu roboten gewohnt waren. In Paris und London Generalstäbe und Diplomaten, die das herausfordernde Säbelraffeln des deutschen Militarismus richtig als einen Konkurrenzkampf des Imperialismus um Märkte und Kolonien erkannten und mit Kanonen be= antworteten. Und darum mußten Millionen Menschen sterben, darum lag die Jugend, die Hoffnung der ganzen Belt, vier Jahre lang in laufigen Schüßengräben, watete durch Dreck und Blut, erſtidie im Schlamm, verreďte röchelnd im Stacheldraht, faulte schließlich zerfetzt im Massengrab, wurde zu bleichendem, zerfallendem Gebein, daß der Pflug des Bauern heute längst den Furchen der Erde eingeebnet hat. Und wofür das alles, wofür? Die Frage ruft ins Beere. Erschütternd ist der Rückfall, den das deutsche Bott erleiden muß. Die Tage Wilhelms II. find furchtbar übertrumpft durch den Gäsarenwahnsinn der heutigen Herrscher. Die preußische Pickelhaube war ein Sinnbild sanften Friedens gegen die SA.- Uniform. Die alte deutsche Monarchie war ein Rechts- und Kulturstaat gegen das Deutschland der braunen Barbarei. Und dieses Deutschland ist bereit, die grausame Gewalt, mit der seine Hitler und Henker heute gegen das eigene Volf, gegen die deutschen Arbeiter wüten, morgen gegen andre Völker zu kehren. Das Deutschland Hitlers ist heute in der Welt noch verhaßter als es das Deutschland Wilhelms II. war. Wie hinter den säbelrasselnden, ordenblibenden, sporenflirrenden Junkern der kaiserlichen Zeit die Kanonenfabrifanten und Grubenbarone standen, die dem Staat seine Erz in FrankPolitik, der Armee ihre Siegfriedensziele reich, Häfen in Flandern, Korn in Rußland, Bahnen nach Bagdad diftierten, so sieht man heute schon wieder hinter den Hitler und Göring die Krupp und Thyssen auftauchen, die Bergherren und Stahlmagnaten, die der nationalen Revolution" ihre Richtung weisen auf das tapitalistische Kriegsgeschäft. Nie seit dem Ende des Krieges war die Welt zerrissener, der Friede gefährdeter als in diesen Tagen, da der deutsche Faschismus zur schwersten Kriegsdrohung wird. Sind dafür die Millionen deutscher Jungen in Polen und Flandern, bei Tannenberg und Verdun gefallen- daß du unſerem Bedauern nicht beftritten werden, daß tatsäche Jugendherbergen unter Hakenkreuz ambre Hunderttausende deutscher Jungen heute wieder Unilich der Prager den Wasser auf die Mühlen getrieben hat. Angesichts dieser Lage ist es gemeinsame Pflicht Frankreichs und Italiens, gegenüber dem flegestrunkenen Bangermanismus Berlins einen Wall aufs zurichten, an dem der Expansionswahn des„ Dritten Reiches" derschellen wird. Mussolini- Sta'in Die italienisch- russischen Vertragsverhandlungen fannt. Die Gane werden nach den Ländern und den Paris, 1. Aug.„ Matin" läßt sich aus Rom melden, daß die italienisch- sowjetrussischen Vertragsverhandlungen große Fortschritte machten. Dieser Vertrag würde in seinen Be= timmungen und Auswirkungen viel weiter gehen, als die fürzlich zwischen Rußland und anderen Staaten ab= Beschlossenen Nichtangriffsverträge. Es handelt sich um ein regelrechtes politisches Abkommen, daß dem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen als Grundlage dienen werde. vdz. Berlin, 1. August. Nachdem die Hitler- Jugend die Führung des deutschen Jugendherbergswertes übernommen hat, soll dasselbe nunmehr, wie das vdz.- Büro meldet, vollständig in die Dienststelle des Jugendführers des Deutschen Reiches eingegliedert werden. Auf einer Tagung sämtlicher Gau- und Geschäftsführer des deutschen Jugendherbergswerkes gab der Kommissar des Reichsjugendführers, Bannführer Rodaß, die Grundlagen der Neuordnung bepreußischen Provinzen eingeteilt, das bisher geltende parlamentarische System ist selbstverständlich aufgehoben. Die Gauleiter sind jetzt dem Leiter des Reichsverbandes, dem Reichsjugendführer Baldur v. Schirach, verantwortlich. der als seinen ständigen Vertreter den Hitler- Jugendführer Rodaz als Kommissar für die gesamten Jugendherbergsfragen eingesetzt hat. Für Oftober ist eine große Werbeaftion im ganzen Reich geplant. Das Bauprogramm will besonders die Gaue der Grenzfreise mit neuen Bauten bedenten... form tragen, Stechschritt üben und auf den Krieg warten? Oder gar, daß andre Zehntausende hinter dem Stacheldraht der Konzentrationslager den Drill der Stahlrute, den Hieb der Reitpeitsche und den feigen Knall des Revolvers gegen Wehrlose erleben? Soll das, dieses Leben in grauenvollem Kerker, der Sinn jenes Sterbens gewesen sein? Nein, diese nationale Erhebung" der Schinder und Schufte haben die Kämpfer und Dulder des Weltkrieges. nicht, gemeint! Nein, dazu haben sie den Krieg nicht geführt, daß jetzt ein grausamer, erbarmungsloser, erbärmlicher Krieg faschistischer Gewalttäter gegen das deutsche Volk daraus werde! Dafür sind sie nicht gestorben, daß ihre Väter, Söhne, Brüder heute Feinde und Gefangene seien im eigenen Pand, schlimmer behandelt, rechtloser, wehrloser als die Gefangenen des Weltkrieges! Nur der Kampf gegen diese wütende Gewalt rettet das deutsche Volt. Nur der Krieg gegen den Faschismus verhütet ben Krieg, verhindert das Versinken der Menschheit in blutige Barbarei! Die Arbeiter Deutschlands find es, die aus dem großen Erinnern die meisten Lehren zu ziehen haben. Im Weltkrieg war es, daß Deutschlands ärmster Sohn auch sein getreuester war". Der Mann, der dieses Lied sang, der Sozialdemokrat Karl Bröger, sist heute im Konzentra tionslager. Die deutsche Arbeiterschaft erfährt den Dant des Vaterlandes. 30. Nach dem Weltkrieg geschah es, daß die Herrschenden aller Länder, zitternd vor der Nache der heimkehrenden Soldaten, der erregten, ausgebluteten Massen, ihnen einen neuen Stant, eine neue Ordnung versprachen. Damals befannten sie sich zur Republik, zur Demokratie, zur sozialen Reform, zum Weltfrieden. Heute räumen sie den„ revolu= tionären Schutt" weg und bekennen sich zur Gegenrevolu tion". Die Arbeiter haben erfahren, was die Versprechungen der Herrschenden wert sind. Sie haben gesehen, wie diejenigen, die man in der Stunde ihrer Niederlage pardoniert hat, weil sie sich damals in alle Mauslöcher verkrochen, wieder zu kommandieren beginnen, wenn sich die Zeiten ändern. Aber diese Aenderung bleibt beim heutigen Zustand nicht stehen. Es kommen auch wieder andre Zeiten! Daran denken die Arbeiter in dem großen Erinnern diefer Tage. Sie verstehen im Lichte dieser Erinnerung beffer als je, wie notwendig es ist, mit dem Aufgebote aller Kraft den Kampf gegen Hitler und gegen Habsburg zu führen. Sie wissen heute besser als je, was es bedeutet, die Macht zu befizen, was es wert ist, sie zu erobern. Heute lebt eine Generation, die aus dem Kriege kommt ege fom und in den Wirren der Nachkriegszeit erschöpft, in ihren Kräften zerrieben, um ihre Hoffnungen betrogen wird. Heute lebt eine Generation, die aus dem Kriege fommt und fürchten muß, daß die Welt in den neuen, nächsten Krieg, hineintaumle. In dem großen Grauen, das uns packt, wenn wir des Geschehenen gedenken, in der zögernden Furcht vor neuem unheilvollem Geschehen, schaudernd zwischen Ver gangenheit und Zukunft, wächst uns aus dem Erleben erst recht der Wille, eine neue Welt zu erkämpfen. Wir haben einmal den Krieg erlebt und auf ihn folgte die Revolution. Sie blieb unvollendet, sie brandet zurück aber die Geschichte geht weiter. Und in dem großen Erinnern leuchtet uns eine große Hoffnung auf. Festgehalten im Reich Wie wir soeben aus sicherer Onelle erfahren, ist vor einiger Zeit ein jugendlicher Saarländer das Opfer eines Uebers griffs reichsdeutscher Beamter geworden, ohne daß diefer Fall bisher eine Lösung gefunden hätte! Es handelt sich um einen 19jährigen faarländischen Eins wohner, der in einer Schuhfabrik in Einöd beschäftigt war. Vor einigen Wochen kam es zwischen dem jungen Mann, der aus seiner antihitlerischen Gesinnung nie ein sehl gemacht hat und einem ebenfalls in der Schuhfabrik beschäftigten reichsdeutschen SA.- Mann zu einem Disput über politische Fragen. Wie sich später herausstellte, hatte der reichsdeutsche Arbeiter nichts Eiligeres zu tun, als den ingendlichen Saars länder im Reich zu denunzieren. Als der junge Mann, der ohne jeden - wie ausdrücklich hervorzuheben verdient ohne jeden Zweifel die jaarländische Einwohnerschaft besigt, vor jezt drei Wochen nachmittags in Zweibrüden weilte, wurde er auf Grund der Denunziation furzerhand festgenommen! Man wirft ihm vor, bei dem Disput in der Schuhfabrik die deutsche Regierung beleidigt zu haben! Wegen dieser Beschuldigung, auf faarländischem Boden als Saarländer etwas gegen die Herren Hitler, Göbbels und Genossen gesagt zu haben, wird der junge Mann bis zur Stunde in Haft gehalten. Was würden die nationalsozialistischen und gleichgeschalteten Kreise im Saargebiet sagen, wenn hier die Regierungskommission mit den gleichen Methoden vorginge und die Herren Spaniol und wie sie alle heißen, die drüben den Mund recht voll nehmen, weil sie dort nicht von den Notverordnungen der Regierungskommission betroffen werden können, im Saargebiet auch sie zur Rechenschaft ziehen würde? Das würden sie als eine Rechtsverletzung, Freiheitsberaubung usw. bezeichnen. Gelseln für Turner rajaun duit Das große deutsche Turnfest" hat seinen Abschluß gefunden mit der kraftstroßenden" Hitler- Rede. Nun sind die Turner wieder heimgekehrt. Sie wußten sicher nichts davon, welche Maßnahmen getroffen waren, um sie vor einer margistischen" Ansteckung zu bewahren. Da die Nazis befürchteten, daß unter der Turnerschaft anti- hitlerische Propaganda gemacht würde, hatten sie, nach amtlichen Angaben, Juristen exerzieren... ,, Paragraphen über: ,, Rechts schwenkt marsch!" Ein Erziehungsprogramm für die deutschen Juristen der Bukunft ist vor einigen Tagen auf einem Preffeempfang im Berliner Justizministerium ausführlich entwickelt worden. Es stammt von dem SA.- Sturmbannführer Spieler, der im Nebenberuf Rechtsanwalt war und vom preußischen Justizminister zum Oberstaatsanwalt ernannt worden ist, mit dem ehrenvollen Spezialauftrag, ein GemeinschaftsIager für Referendare" vorzubereiten, Herr Spieler hat, wie er den Journalisten laut einem Bericht der„ DAZ.“ vom 8, Juli erklärte, seine Aufgabe spielend gelöst, so daß schon Mitte Juli das erste Ausbildungslager mit 50 Referendaren belegt werden kann; diese Zahl soll von Woche auf Woche bis auf 250 Mann gesteigert werden. Schon die Wahl des Lagerortes läßt für die Zukunft der deutschen Jurisprudenz das Beste erhoffen: Man entschied sich für den Truppenübungsplatz in Jüterbog, der sonst bekanntlich mehr zur Ausbildung von Reichswehrsoldaten verwendet wird. Die nach Jüterbog kommandierten Referendare werben eine einheitliche Uniform erhalten, wie Herr Spieler verriet, wogegen ihnen nicht nur ihr Geld, sondern auch ihre juristischen Bücher beim Betreten des Lagers abgenommen werden. Denn, so erklärte der Spezialbeauftragte des Justizministers: " Der Zwed des Lagerlebens solle sein, den Körper zu ftählen sowie den Geist des neuen nationalsozialistischen Staates fennenzulernen. Statt der juristischen Bücher werde daher eine Bibliothek mit weltanschaulicher natio: nalsozialistischer Literatur eingerichtet werden. Der Arbeitstag im Gemeinschaftslager der Referendare werde um 6.15 Uhr morgens beginnen. Von 6.45 bis 7.15 Uhr sei leichter Sport in Gestalt von oderungs übungen vorgesehen. Anschließend daran werde der 119rading Gaukler Göbbels Die ,, Times" und das betrogene deutsche Volk Eine der vielen Plagen, die das Dritte Reich uns beschert hat, ist das Ministerium für Propaganda und„ Voltsaufflärung". Sein Chef ist Dr. Josef Göbbels, der sich als Herausgeber des Angriff", des Berliner nationalsozialistischen Organs, auf seine hohe Aufgabe vorbereitet hat. zungen der Partei überschrie, seichnet sich durch eine völlig Dieses Skandalblatt, daß beinahe alle andern Setungehemmte Heßarbeit aus, deren Geschicklichkeit nur durch ihre Gemeinheit übertroffen wird. Dr. Göbbels ist der be= währteste Demagoge seiner Partei und daher am besten geeignet, die deutsche Presse so zu drillen, daß sie autoeignet, die deutsche Presse so au brillen, daß sie automatisch im idealen Potsdamer Gleichschritt marschiere. Vor einem Jahr hätte jede anständige", noch so nationale Beitung es abgelehnt, thn als Redakteur anzustellen, denn er pflegte fast täglich die einfachsten Regeln des journalistischen Anstands( die damals in Deutschland noch galten) zu verlezen. Der Minister Göbbels hat keineswegs die unsauberen Methoden des Skandalschreibers Göbbels aufgegeben; er faßt sein neues Amt nur als eine Erweiterung des früheren auf. Sein Ziel ist( fast hat er es ergriff au formen, damit der Nebel seiner Rügen auch nicht reicht), alle deutschen Zeitungen nach dem Muster des Andurch einen einzigen Lichtstrahl durchbrochen werde. Diese Tätigkeit nennt er Boltsaufklärung". Mit wieviel schlüssig an einem einzigen Beispiel beweisen. Recht wir sie Voltsbetrug heißen, wollen wir furz und Vor zehn Tagen ging durch die ganze deutsche Preffe folgende kurze Meldung: „ Die„ Times" wird, wie auf der ersten Seite des Blattes angekündigt wird, in der nächsten Woche Auszüge aus der autorisierten englischen Ueberlegung von Hitlers Buch Mein Kampf" veröffentlichen, das bisher der englischen Leserschaft nicht zugänglich war. Die„ Times" schreibt dazu: Unsere Auszüge werden es ber englischen Lesers schaft ermöglichen, sich mit dem einzigartig konzentrierten Geist des nationalsozialistischen Führers vertraut zu machen und ein gewisses Verständnis der deutschen Revo= lution zu erlangen." Tatsächlich hat die„ Times", wie wir schon dieser Tage erwähnten, bereits in mehreren Nummern Proben aus dem Erinnerungsbuch Adolf Hitlers gegeben und sich dann in einem grundlegenden Artikel mit den Texten auseinandergesetzt. Unter der Ueberschrift Die Verantwortung des Herrn Hitler" stellt sie folgendes fest: nicht weniger als 500 Arbeiter und ehemalige margiftische Parteifunktionäre in Saft genommen. Wie aus einer Mitteilung des württembergischen Innenministeriums hervorgeht, wurden diese Verhafteten als Geisein betrachtet, die falls der störungsfreie Verlauf des Turnfestes es rechtfertigt" nach Abschluß des Festes wieder entlassen werden, dann sagte die amtliche Bekanntmachung vorige Woche weiter: Noch(!!) in Freiheit befindliche Anhänger der Häftlinge werden sich daher in deren Interesse in den nächsten Tagen die äußerste Zurüdhaltung angelegen sein lassen. fein laffen. Selbstverständlich find von den zuständigen Stellen alle notwendigen Vorkehrungen getroffen worden, um jeden Zwischenfall unmöglich zu machen." Das Turnfest ist zu Ende. Bis jetzt ist noch keiner der Geiseln freigelassen worden. Der wahnsinnige SA.- Führer Endlich eingesperrton side misali Lütgendortmund, 31. Juli. In Lütgendortmund ist fett der Führer der SA. abgesetzt worden. Es ist festgestellt worden, daß der Mann wahnsinnig ist. Er mußte in eine Heilanstalt gebracht werden. Dieser wahnsinnige SA.- Führer hat die SA. in Lütgendortmund während der ganzen Zeit der„ nationalen Revolution" geführt und auf sein Konto gehen eine Reihe furchtbarer Mißhandlungen und Greueltaten. Morgenkaffee eingenommen. Von 8-12 Uhr folge Gelände: sport. Dann sei eine Mittagspause vorgesehen, an die fich von 14 bis 15.30 Uhr entweder Sport oder weltanschau: licher Unterricht über allgemein interessierende Fragen auschließen soll. Von 16-19 Uhr seien dann entweder Borträge geplant oder aber Puz- und Flickstunde; denn die Referendare müßten in diesen Lagern alle Arbeiten, einschl. des Kartoffelschälens, selbst verrichten." Ueber die geistige Ausbildung", die den Referendaren auf dem Jüterboger Truppenübungsplatz bevorsteht, teilt der Oberstaatsanwalt mit, sie solle im wesentlichen am Nachmittag" durchgeführt werden, und es sei dabei an folgende Themen gedacht: „ Geschichtliche Entwicklung und Wesen des National: fozialismus, Aufbau, Organisation und Wesen der SA., Raffenfrage, Bolt und Waffe, Volk und Nation, Ver: sailler Friedensvertrag, Bevölkerungspolitik, Siedlungsfragen, nationalsozialistisches Recht, d. h. deutsches Recht. Für die Ausbildung werde das Reichskurator'um Offiziere und anderes Ausbildungss material zur Verfügung stellen, daß die sportliche Schulung durchzuführen habe. Die geistige Schulung solle von bewährten Assessoren aus der SA. bzw. von Res ferenten aus den Ministerien vollzogen werden. Weibliche Referendare müßten in Arbeitss lagern für Frauen und Mädchen untergebracht werden. Nach Beendigung dieser Kurse würden die Referendare ein Zeugnis erhalten, bas entscheidend sein solle für die spätere Verwendung im Staatsdienst." Es ist, wie man sieht, jede Vorsorge für die Höherzüchtung des juristischen Nachwuchses in Deutschland getroffen; sie besteht in Wehrpflicht und zwangsweiser militärischer Ausbildung der Referendare, verschärft durch nationalsozialistische Aufklärungskurse. Der Truppenübungsplay wird Symbol deutscher Zukunft auf allen Gebieten. ( Neues Tagebuch". .80.1002/ 914 „ Niemals dürfte ein englischer Leser fähig sein, die 800 Seiten des Werts des Reichskanzlers zu Ende zu lesen. Gewisse zu rohe Ausdrücke können ins Englische nicht übersetzt werden. Außerdem sind die historischen Rückschlüffe des Herrn Hitler, von denen wir einige in unseren Spalten wiedergegeben haben, außerordentlich schlecht verdante Berallgemeinerungen, wie sie bei Halbgebildeten vorkommen." Die„ Times" hat also Ausdrücke aus den Erinnerungen Hitlers unzweifelhaft in der Absicht veröffentlicht, ihren Landsleuten eine Probe der geistigen Barbaret Die angesehenste englische Zeitung, die wegen ihrer Zurüc zu vermitteln, deren Prophet und Schwert Adolf Hitler ist, haltung und Gründlichkeit in der ganzen Welt berühmt ist, scheut sich nicht, den deutschen Reichskanzler mit unmißver kennzeichnen. ständlichen Worten als einen gefährlichen Wirrkopf zu Die von Herrn Göbbels dirigierte öffentliche Meinung bie geistige Größe des Führers endlich anerkannt habe und in Deutschland glaubt heute noch felsenfest, daß die„ Times" wolle. Das deutsche Bolt wird einer geistigen Sungen ihre Beser mit Kraststellen aus„ Mein Kampf" erleuchten blockade unterworfen, deren Wirkungen nicht viel schlim mer sein können als die einer feindlichen Abschnürung. Michel wird getäuscht, in eine Welt der Illusionen vers setzt, um noch grausamer als 1918 zu erwachen. Durch Josef Göbbels, dem geschickten Werkzeug der Hitler regierung, wird aber nicht nur die Seele des Bolts vergiftet, sondern auch der gute deutsche Name in den Schmuß ge zogen. Die plumpen Lügen des Propagandaministeriums aufgezwungene Knechtschaft das ganze Bolt gefangen hält; bleiben im Dritten Reich unwiderlegt, da freiwillige und im Ausland haben sie aber kurze Beine; man glaubt ihnen bereits nicht, wenn sie das Licht des Tages erblicken. Denn„ Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!" sagt schon die sich noch immer sträuben, die ganze Wahrheit über bag ein alter Kinderspruch. Selbst die wohlwollendsten Polititer, Dritte Reich zu erkennen, müssen schließlich einsehen, daß für Hitler und seine Leute die moralischen Grundsäße, die das Wesen der Kulturmenschheit ausmachen, teine leben, was ihm im Kriege sein unglückliches Schicksal bes Gültigkeit besitzen. So wird Deutschland noch einmal er reitet hat. Noch einmal bildet sich eine moralische Abwehrfront der gesamten Welt gegen eine organisierte und pedantische Brutalität, au der ein hilfloses und verzweifeltes Volt von gewiffenlosen Demagogen aufgehezt und gezwungen wird. Das Neueste 99 Französische Sträflinge entwichen gefangene aus Französisch- Guayana entweichen konnten un Paris, 1. Aug. Die Blätter berichten, daß sieben Straf nach zwölftägiger Irrfahrt völlig erschöpft auf der Insel Trinidad gelandet sind. Die spanischen Behörden vers weigerten den Sträflingen die Aufenthaltserlaubnis, ver sorgten sie aber mit Lebensmitteln und stellten ihnen aud ein neues Boot zur Verfügung. Die Flüchlinge sind jett nach Haiti unterwegs. Neuesten Nachrichten", ein vollkommen gleichgeschaltetes Der Breslauer Regierungspräsident hat die„ Breslauer Blatt, wegen wahrheitswidriger, unvollständiger und ins folgebeffen irreführender Berichterstattung über die Rede be Oberpräsidenten" auf dem 8. Oberschleiertag in Altheide auf drei Tage verboten. Westen der Bereinigten Staaten 40 Todesopfer ger Eine furchtbare sigewelle hat im Osten und mittleren forbert, davon in Neuyort allein zehn. Das Thermometer zeigte am Montag 37% Grad Celsius im Schatten und 60 Grad in der Sonne, was den Höchststand seit 15 Jahren bedeutet. Zur gleichen Zeit ist der Staat Montana von einer Kältewelle heimgesucht worden. Die Explosionskatastrophe im Hotel Europa in Brünn hat bis jetzt fünf Todesopfer gefordert. Gandhi ist mit seiner Frau und 88 seiner Anhänger verhaftet worden. Wie uns gemeldet wird, hat die württembergische Nazi- Regierung abgelehnt, ihre Referendare im Lager „ ausbilden" zu lassen. Sie ist vermutlich der altmodischen Auffassung, daß ein Referendar auch etwas Jurisprudens lernen muß. Emigrierte Bühnenkünstler Das„ Bureau Central de la Musique et des Spectacles" von der Liga für Menschenrechte gemeinsam mit dem Einstei Komitee ins Leben gerufen) befaßt sich mit der organisa rischen Zusammenfassung und Stellenvermittlung für säm liche Gruppen der emigrierten deutschen Bühnenfünstler und Musifer. Diese werden gebeten, soweit in Paris anwesen sich beim Bureau: Paris 16e, 28 rue de l'annunciation, Tel.: Jasmin 2571, zu melden. Die nicht z. 3t. in Paris befindlichen Bühnenkünstler und Musiker, werden gebeten, sich unter Bei fügung genauester Unterlagen über Studiengang und Enga gements schriftlich an das Büro zu wenden. Großstadt- Sommerabend Wie dicke Perlenketten ziehn sich strahlend ,. in feuchten Abendasphalt helle Flecke malend die Lampen der Cafes zu beiden Seiten. Die großen Autos, die vorübergleiten, find langfamer als [ sonst. Die Herrenfahrer blicken sträflich vom Steuer weg, um„ Guten Abend" hinzunicken zu schönen Frauen, die alleine fizzen. Der schönen Frauen Antwort- Augenblißen strahlt übermütig um die Wette mit der Cafehaus- Lampenkette. Süß und betäubend duften zwischen Auto und Cafe die [ Linden Annette Stett und manche Augenpaare werden sich heut finden. Gewerkschafts- Internationale arbeitet Die freien Gewerkschaften des Saargebietes als selbständige Organisation aufgenommen- Sympathic- Kundgebung- Protest gegen Leuschners Verhaftung M. B. Brüsse 1, 31. Juli( durch Telefon). Der Generalsekretär des Infernationalen Gewerkschaftsbundes, Walfer Scheveneis, machte heute auf dem Internationalen Gewerkschaftskongreß beim Geschäfts- und Verwaltungsbericht die Mitteilung, daß der Vorstand des JGB. beschlossen hat, die freien Gewerkschaften des Saargebietes gemäß ihrem Antrag als selbständige Landesorganisationen mit eigener Vertretung im Zentralausschuß des IGB. aufzunehmen und daß die gleiche Entwicklung für Danzig kurz vor dem Abschluß stehe. Der Kongreß nahm diese Erklärung mit lebhaftem Beifall und einer Sympathiekundgebung für die noch hitlerfreien Grenzgebiete entgegen. Der Führer der französischen Gewerkschaften, Kamerad geheuerlichen Tatsache, daß ein Mitglied des Internationalen Arbeitsamtes während der ArbeitsGenfer Niederlage des berüchtigten Ehren- Ley verbaftet wurde, folgende Resolution ein: Der in Brüssel tagende Kongreß des Internationalen Gewerkschaftsbundes erinnert daran, daß der Genosse Leuschner in seiner Eigenschaft als Mitglied des Vers waltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes unter völlig willkürlichen Umständen während der letzten internationalen Arbeitskonferens verhaftet wurde, und daß man vollkommen im Ungewissen über sein augenblickliches Schidfal ist. Der Kongreß bittet den Direktor des Inters nationalen Arbeitsamtes, in Berlin die notwendigen offis ziellen Schritte zu unternehmen, um die Beseitigung dieser Berlegung der elementarsten Prinzipien der Gerechtigkeit zu erreichen und, wenn notwendig, diese Frage vor den Bölferbundsrat au bringen." Der englische Sprecher, Kamerad Haybay, begründete diefe Resolution, die er gerne noch schärfer gefaßt hätte und geißelte das verbrecherische Nazi- System, das internationale Institutionen und ihre Repräsentanten mißachte und sich allein schon dadurch die Verachtung der Welt eintrage. Die Resolution wurde mit einer minutenlangen 3 u stimmungs fundgebung und einer spontanen Demonstragegen die Hitler- Barbarei einstimmig angenommen. Bu Eingang der heutigen Sitzung begrüßte der Direktor bes Internationalen Arbeitsamtes, Herr Butler, den Kongreß mit warmen Worten des Gedenkens für seinen uns vergeßlichen Vorgänger Kamerad Albert Thomas. tion gestriger des Dann folgte Scheven els mit dem Geschäftsbericht. Die Erläuterungen, die Schevenels zu seinem Verwaltungsbericht, der schriftlich vorlag, in einer prägnanten und einbrudsvollen Rede gab, lagen in der Richtung, in der unser Einführungsartikel die Hauptbedeutung 6. Internationalen Gewerkschaftskongresses sah. Verstärkte Sentralisation bei gleichzeitiger Vergrößerung der Machts vollkommenheiten und der Handlungsfreiheiten in wenigen entscheidenden Händen, was auf eine notwendige Erhöhung der Schlagkraft gegenüber dem Faschismus hinausläuft. Brüsseler Blickpunkte umfassend, seine Problemstellung ist zentral und stößt genössischen Uebel vor, aber durch alle Beratungen, Dishängt ein Schatten, von jenem ataviſtiſchen Barbarismus radikal in den Kern der Krise und die Wurzel unserer zeitkussionen und Referate schwingt ein Unterton, über allem des 20. Jahrhunderts ausgehend, der Kultur, Zivilisation und moderne Arbeiterbewegung gleichmäßig bedroht: dem Faschismus! An ihm ist vor wenigen Tagen die Londoner Weltwirts schaftskonferenz gescheitert. 3war nicht nur an ihm, aber in der Hauptsache an ihm. Die Unfähigkeit zum Machtgebrauch überhaupt oder aber der falsche Machtgebrauch der bürgerlichen Machthaber und die Senilität des greisenhaften Spätkapitalismus tragen ein gerüttelt Maß von Schuld aber die lähmende Erstarrung fam ihr vom Schlangenblid internationalen Beziehungen, gefördert burch die gefähr des giftigen Faschismus. Der tödliche Starrkrampf der lichen Narkotika berauschender Autartie- Schlagworte, gleitet verhängnisvoll in eine neue Anarchie der Beziehungen hinüber, die bei der skrupellosen Aggressivität des Faschismus ihre Auslösung in einem neuen Krieg finden muß, wenn man ihn nicht mit stärkster Kraftanspannung daran hindert! www Das ist die Perspektive, vor die sich der Brüsseler Kongreß gestellt sieht und der London nicht anders zu begegnen wußte als mit dem Ostpakt, der den Ring um den nationalsozialistischen Bedroher des Weltfriedens zusammenzuschweißen versuchte und Sowietrußland in ein nicht nur politisches Bündnis mit der westlichen Demokratie und dem westlichen Mammutkapitalismus brachte, demgegenüber die russische Prädikatsbezeichnung„ absolut nichts" über die Ston. ferenz wie eine agitatorische Deklamation wirkte. Das Proletariat der Welt erwartet von Brüssel mehr!& s erwartet vom Internationalen Gewerks schaftstongreß nicht nur eine allerschärfste Geißlung der nationalsozialistischen Bar= baret, wie sie Europens übertünchte Höflichkeit in London ebensowenig wie Rußlands allzu geschmeidige Geschmeidigfeit vorgenommen haben, und nicht nur eine erhebende Solidaritätstundgebung der gesam ten Arbeiterwelt für das niebergetretene deutsche Proletariat- nein, ihr ist mit der politischmilitärischen Bündnispolitik gegen den Verbrecher am Weltfrieden nicht gedient: sie erwartet den geschlossenen Einsatz des gesamten orgas nisierten Weltproletariats nach einheitlicher Marschroute und eine gemeinsame Aktion für die restlose Ausnutung aller vorhandenen Möglichkeiten zur Unschädlichmachung der faschistischen Seuche, die noch vor dem zweischneidigen Mittel des Krieges bestehen! Daß dazu besondere organisatorische Einrichtungen ebenso ( Von unserem zum 6. Internationalen Gewerkschafts- unerläßlich sind wie Häufung von Machtvollkommenheiten kongreß entsandten Redaktionsmitglied) Brüssel, 1. August 1933( durch Telefon). Aus mehr als 30 Staaten sind die Delegierten von mehr als 14 Millionen frei organisierten Hand- und Kopfarbeitern aber zum ersten Male fehlen die Reichsvertreten, deutschen! Das ist symptomatisch für den ganzen Kongreß: Seine Aufgaben sind weitgespannt, sein Rahmen ist weltin der Zentrale des JGB. und die Schaffung eines internationalen Kampffonds- darüber ist sich nur der im Zweifel, der wie viele bürgerliche Demokraten des Westens die apokalyptische Furchtbarkeit des Faschismus noch nicht erkennt. Es liegt an diesem alles überragenden Kampf um die demokratische Freiheit, wenn neben ihm die Beschäftigung Kölner Brief Begeisterung flaut ab Die Nazipresse und der Rundfunk mögen dementieren und leugnen: Sie schaffen die Tatsache nicht aus der Welt, daß fich im Inland eine Wandlung zum Antifaschismus, zumindestens aber ein Abschnitt zu formen beginnt, der bei großen Teilen des Bürgertums eine leise Apathie gegenüber der anfänglich aufgeblähten Freude am endlichen„ Umbruch der Beit" erzeugt, bei der klassenbewußten Arbeiterschaft jedoch die ersten Formen des revolutionären Widerstandes auslöst. Das ist keine Behauptung, deren Beweisführung große Schwierigkeiten macht. Wer Augen hat, sich umzusehen und Ohren, genau hören zu können, vor allem, wer mitten in der Arbeiterbewegung steht und an ihrer sozialistischen Neuformung tätigen Anteil hat, der hat es nicht nötig, gleich ängstlichen Kindern im Dunkeln ein lautes Vied anzuftimmen, um feine innere Unsicherheit wegzuargumentieren. Tatsachen mögen sprechen: Schweigen Kürzlich war eine gut besuchte Versammlung der Arbeiter und Angestellten der großen Konfumgenossenschaft offnung" in Köln. In ihr hielt der NSBO.- Vertreter ein Referat über„ Ziele der NSBO.". Als die würdigen NSBO.- Leute zu viert in das Lokal eintraten, grüßten sie fchreiend mit„ Heil Hitler". Die freigewerkschaftlich organifierten Anwesenden beachteten diesen Gruß nicht und schon donnerte einer der vier:„ Verdammt noch mal, habt ihr feine Schnauzen am Kopp!" Er heilt Hitler weiter. Nicht sonderlich mutig antworten darauf die wenigen und kürzlich eingesetzten NSBO.- Mitglieder, die zweifellos als„ März gefallene" die Konjunktur vorsorglich nüßen. Es erhält dann ein blutjunger Nazihäuptling zu einer Schwungvollen Heßrede das Wort. Erschöpftes Geschimpfe über worüber? den Marrismus natürlich. Nicht besser schnitt der Klassenkampf von unten ab. Von der Sinngebung des Klassenkampfes feinen Ton. Im übrigen wird alles anders". Der Angestelltenrat wird erneuert. Es werden die mit der Arbeit vertrauten Leute herausgeworfen. Das allein ist Volksgemeinschaft. Parteiegoismus geht vor Eigennuzz. Drecksprißer die neue Kulturepoche. Zum Abschluß wurde das Deutschlandlied gesungen. Den kaulen", das waren fast alle Anwesenden, wurde für das Nichthandhochheben Ehren des Größten des Jahrhunderts" versprochen, das nächstemal eine Stüße von der NSBO. zu bekommen. Das nächstemal! ..Säuberung" " zu Als die berühmten Maßnahmen des Jahrgangs 1933 begannen, mußte man natürlich auch die Arbeitsämter läubern". Das besorgte in Köln ein gewisser Dr. Vochem. Man mußte Platz schaffen für die alten Kämpfer", infolgedeisen floaen alle die, die auch nur einmal eine rote Blume berochen hatten. Dr. Vochem verstand zwar nichts von der Arbeitslosenversicherung, feinen Deut von der Vermittlung, aber das war ja auch nicht nötig. Den Namen schreiben konnte er, und er unterschrieb alles, was die Sachbearbeiter vorlegten. Kurse wurden aufgezogen, 50 bis 60 SA.- Leute wurden in sechs Wochen zu perfetten Vermittlern ausgebildet". Antreten zum Vermitteln! Was dabei herauskam, fann gedacht werden. Es gibt jest zwei Sorten Menschen im Arbeitsamt Köln. Diejenigen, die vor dem Schalter still und ruhig, aber mit verhaltener Wut ihre fümmerliche unterstüßung in Empfang nehmen, und diejenigen, die hinter dem Schalter neupreußisch und echt soldatisch brüllen und schleifen. Dr. Vochem übrigens, der von der Kommandobrücke des direktonalen Schreibtisches zu diri gieren versuchte, mußte vor kurzem leider auch gesäubert" werden. Er ist verschwunden und die Kasse hat ein Loch. „ Lieb Arbeitsamt, magst ruhig sein, das Geld kriegst du nicht wieder." Theater Kölns Theater politik war schon immer eine Sache für fich. Es kam schon einmal vor, daß die Pläße ausverkauft waren. Aber da mußte schon Kolonne Hund" oder„ Cyanfali" gegeben werden oder auch schon" Faust". Dann gingen nämlich die Arbeiter hin. Jetzt befieht fein Mensch das Schauspiel- oder das Opernhaus, diese„ Eckpfeiler deutscher( bitte, recht überzeugend!) Kulturpolitik". Ein Theaterarbeiter sagte mir gestern: Wissen Sie, Schlageter, Schlageter und nochmal Schlageter, wenn er nochmal lebendig würde, ich schlug ihn tot." Der Pg. Ebel, früher Nazi- Stadtverordneter ( sein geistreichster Zwischenvuf, als Adenauer fich einmal wegen des Lärms nicht verständlich machen konnte und sich darüber beklagte, war:„ Ja, da mußte mit Koks gurgele!") und Schwiegersohn eines gerichtsnotorischen Versicherungsbetrügers, wurde nach der faschistischen Revolte„ Kulturdezernent". Alle Sühner, die um den Rathausplaß zu finden sind, haben gelacht über diesen Treppenwiz stadtkölnischer Geschichte. Der und Kulturdezernent! Ein Mann, dem man den Psychopathen schon an der Schädelbildung ansieht. Die Nazis haben das auch gemerkt, denn Ebel ist nicht mehr Kulturdezernent. Sein Nachfolger heißt Dr. Zülch. Ebel wurde„ Wirtschaftsdezernent" und tauft als solcher die Flugzeuge auf Hermann Göring". Aber damit nun die Theater trotzdem besetzt wurden, ist man auf folgenden herrlichen Einfall gekommen: Alle Angestellten und Beamten der Stadt bekamen ein dienstliches Rundschreiben mit dem Inhalt, daß sie als deutsche Volksgenossen und Mittler der nationalsozialistischen Staatsauffassung die Pflicht hätten, den bedrohten städtischen Einrichtungen zu Hilfe zu kommen". Sie möchten mal bitte für sich und ihre Familie ein Jahresabonnement für die Theater nehmen. Das billigste foste 35 RM., aber davon wären nur noch wenige vorrätig. Die mit den anderen unmittelbaren Gegenwartsfragen scheint bar zurücktritt. Und doch liegt es im Wesen und der Aufgabe des Faschismus, daß durch ihn der reaktionärste Ausbeuterkapitalismus mit seinem verbrecherischen Ruf nach Beseitigung der sozialen Lasten" zu einer gewissenlosen Sabotage der Maßnahmen des Internationalen Arbeitsamtes in Genf ermutigt wird, dem die Arbeiterschaft erst recht mit einem flaren und wirkungsvollen sozialpolitischen Aktionsprogramm antworten muß, ebenso wie sie die grauenvolle Unfähigkeit und Unfruchtbarkeit des Kapitalismus, dessen reaktionärste Spielart sich dem Faschismus verschreibt, ihre planwirtschaftlichen Forderungen und deren Aufbau gegenüberzustellen und dabei zugleich zu erhärten möglich und endgültige Ueberwindung des hat, daß wirkliche demokratische Freiheit nur Faschismus nur gesichert ist im Sozialismus. In diesem Geist wird der 6. Internationale Gewerkschaftsfongreß das bewies das gestrige Massenmeeting in Antwerpen auch dem Faschismus gegenüber die unumstößliche und kampffreudige Gewißheit des Weltproletariats beweisen: Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht!" M. B. „ Juden ..Juden raus!" Die Parole eines deutschen Kultusministers Das staatliche Nordseebad Norderney Be triebsgesellschaft m. b. H. hat ein Berliner Blatt um die Veröffentlichung folgender Meldung gebeten: Auf einer vaterländischen Rundgebung, die in Norderney stattfand, sprach Kultusminister Rust auf dem Rennplatz vor tausenden von Kurgästen, der Einwohnerschaft und etwa 2000 SA.- und SS.- Männern aus dem benachbarten Ostfriesland. Die Kundgebung war für Norderney ein Ereignis insofern, als Kultusminister Rust zur Judenfrage Stellung nahm. Seine Ausführungen in dieser Beziehung lauteten: " Deutsche Volksgenossen! Sie haben mich zum Ehrenbürger von Norderney gemacht, aber das genügt mir nicht; denn ich muß auch verlangen, daß Norderney sich entscheidet für Juda oder für das Banner Adolf Hitlers. Soll auf Nordernen der Jude herrschen, oder soll auf dies r schönsten Nordsee- Insel sich wieder der deutsche Mensch heimisch fühlen? Wir wollen niemanden verbannen, aber wir müssen verlangen, daß, die Norderneyer sich entscheiden. Wir sind heute hier aufmarschiert, um damit zu sagen: Die Zeit, wo Norderney Hochburg des Judentums war, ist vorbei. Die Braunhemden wollen diese Insel für sich. Die Einwolnerschaft erklärte sich solidarisch mit den Ausführungen des Ministers Rust, so daß in Zukunft Juden auf der schönsten Nordsee- Insel, deren Bad außerdem Eigentum des Staates ist, nicht angenehm sind und daher nicht gern gesehen werden." NSBO.- Obmänner der einzelnen Verwaltungszweige mußten den notwendigen Druck ausüben, damit die Abonnements bestellt wurden( Sonst werden Sie zweifellos mit Schwierigkeiten zu rechnen haben!") und es kann nun sein, daß bei den nächsten Vorstellungen wenigstens das Parkett und die Galerie gefüllt sein werden. Aber nur dann, wenn überhaupt hingegangen wird. Verhaftungen Die panische Angst der Nazis, die unter der Oberfläche ihrer Großschnäuzigkeit zittert, beweist folgender Vorfall: Wurden vor acht Tagen urplößlich von der SA. und SS. einige Straßen des Köln- Sülzer Arbeiterviertels abgesperrt und alle Männer, die auf der Straße waren, zusammengetrieben, z. T. auch aus den Häusern herausgeholt. Den schreienden Frauen und weinenden Kindern wurde zugerufen, daß ihre Männer, Väter oder Söhne verhaftet wären und in den Bonner Wall"( berüchtigtes Polizeigefängnis, wo nur die SA. Dienst tut und fein Schupo zu sehen ist) gebracht würden. Niemand wußte, warum die Leute„ verhaftet" worden waren, wen man suchte oder was man mit der Aktion bezweckte. Heute weiß man es, ein SA.- Mann hat geplappert. Zwei Kolonnen SA.- Leute hatten an diesem Tage gerade feine Betätigungsmöglichkeit. Da kam man auf den Einfall, diese Kolonnen auf die Arbeiter von Sülz, die als Sozialisten und Kommunisten stadtbekannt sind, loszu lassen, nur zu dem einen Zweck, die SA. zu beschäftigen. Die Arbeiter wurden übrigens nicht in den„ Bonner Wall" gebracht, sondern in den Keller eines neuen SA.- Heimes in der Komödienstraße. Mißhandelt wurden sie ausnahmsweise nicht, da bei den Verhafteten" auch einige ehemalige Sommunisten waren, die nach dem März der SA. beigetreten waren. Die Leute wurden jedoch acht Tage lang im Seller des Heimes gehalten. Die Nahrung bestand ausschließlich aus Wasser und Brot. Nach acht Tagen wurden sie entlassen. Erschöpft und abgemagert schleppten sie sich nach Hause, wo man ihnen Essen einflößen mußte, als ob sie kleine Kinder wären. Wie die Erwerbslosigkeit..sinkt" Die„ Deutsche Freiheit" konnte schon berichten, daß in Köln rund 13 000 Wohlfahrtsunterstüßungsempfänger in den städtischen Betrieben und Anlagen beschäftigt werden sollen. Eine Entlohnung kann jedoch dafür nicht erstattet werden. Die einzige Vergünstigung besteht darin, daß die Unterstügungsempfänger auf der Arbeitsstelle ein Mittagessen erhalten. Gutgemerkt: Arbeitslose, die Wohlfahrts unterstützung erhalten, werden eingespannt in Betriebs- und Grünanlagenarbeit, erhalten feinen Pfennig Barlohn, son= dern ein Mittagessen für acht Stunden Arbeit. Selbstverständlich ist, daß die 13 000 Arbeitslose nicht mehr in der Kölner Arbeitsuchenden- Ziffer erfaßt werden. Eine Kolonne dieser Wohlfahrtsunterstützten arbeitet auf dem Südfriedhof in Köln- Zollstock, jätet Unkraut, säubert die Wege, sticht die Flächen gerade. Vor einigen Tagen gibt es zum Mittag Zur zwangsweisen Unfruchtbarmachung Eine wissenschaftliche Stellungnahme zu dem Sterilisierungsgesetz im Dritten Reich Ein Vorläufer Die deutsche Reichsregierung hat ein Gesetz erlassen, das der Verhütung erbkranken Nachwuchses dienen soll. Das Gesetz trägt dem Gedanken Rechnung, daß es für jedes Volk eine schwere Belastung bedeutet, wenn die Freiheit der Fortpflanzung auch für jene Menschen gilt, die an einer Krankheit leiden, deren erblicher Fortbestand von Generation zu Vergleich mit dem, was sich als nationalsozialistische Eugenik auftut, bedeutet auch schon die geringe Zahl der in dem Gefet angeführten Krankheiten nichts andres als einen lächer lichen Rückzug von ungeheuerlichen Behauptungen und Forderungen auf eine bescheidene und fast allgemein anerkannte Selbstverständlichkeit. Wüste Phantasie Inhalt der Pseudo- Eugenik, die von Lenz und den ihm unterstellten Rassenhygienikern gelehrt wird und Schritt um Schritt in die Praxis umgesetzt werden soll. Danach soll auch körperliche Schwächlichkeit und Kränklichkeit mit der Zeit ein Grund zur Sterilisierung werden, auch sie seien lilein Beichen„ minderwertiger Veranlagung" und so wäre es nach Lenz für Deutschland nur nüßlich, wenn rund ein Drittel des Volkes von der Fortpflanzung ausgeschieden würde. Man erkennt die Quelle der Hitlerschen Reden über„ nationale Geburtenpolitik". Mit der jetzt in Deutschland gebotenen Vorsicht erwidert der Kritiker in dem medizinischen Blatt, ob man denn nicht bedenke, welch kompliziertes Busammenspiel von Erbanlagen und Eri stenzbedingungen die Schwächlichkeit und Kränklichfeit der Menschen zustande bringe. Daß die offizielle Fort pflanzungshygiene in ihrem Programm auch den Wunsch nach der Sterilisierung häßlicher Menschen führt, set nur erwähnt, um die abscheuliche sittliche Entartung dieser Volksaufarter" zu kennzeichnen. Generation erwiesen ist. Die Bestrebungen, durch Steri- Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß der Anwendungsbereich lisierung die Vermehrung solcher Schwerbelasteter zu verhindern, sind keine Erfindung der Nationalfaschisten. Die deutsche Reichsregierung hat vielmehr schon vor der Machtergreifung durch Hitler alle Schritte unternommen, um so ein Gesetz herauszubringen. Die gegenwärtige Regierung hat also vorderhand nichts andres getan, als den letzten Schritt in einer von dem vielgeschmähten Wohlfahrtsstaat" begonnenen Sache. Im Juli 1932 hat ein Ausschuß des Landesgesundheitsrates in Preußen im Auftrag der damaligen Regierung den Entwurf eines Sterilisierungsgesetzes ausgearbeitet; der Entwurf war bereits von den verschiede nen Instanzen erledigt und von der Reichsregierung übernommen worden.( Unter Sterilisierung ist dauernde Unfruchtbarma chung zu verstehen, nicht Entmannung Kastration, die nach einem besonderen Gefeßentwurf nur bet schweren Sexualverbrechern angewendet werden soll. Red.) Das Erbgesundheitsgericht des Gesetzes, wie auch angekündigt wird, ständig auf andre Zustände ausgedehnt werden soll und daß dann der wüsten Phantasie der faschistischen Rassentheoretiker freie Bahn geschaffen ist. In einem vernünftigen, demokratischen kontrollierten Staatswesen wäre das Gesetz in seiner vorläufigen Fassung hinzunehmen, in besserer Fassung sogar erwünscht. In einem Staate aber, in dem nicht die wissenschaftliche Eignung, sondern die nationale Bewährung" die Fachberater und eugenischen Richter qualifiziert, in dem beispielsweise senhygienischen Fragen geworden ist, muß man befürchten, der berüchtigte Fritz Lenz der entscheidende Mann in rasdaß das Gesetz nur die er ste jener Maßnahmen ist, mit de= nen der nationale Faschismus in das intimste Leben der Menschen einzugreifen gedenkt. Lenz und die Männer um ihn, die Theoretiker jenes rassenhygienischen Phrasenschwalles, sind ja jetzt in Amt und Würden. Was sie unter Eugenik verstehen, geht weit über die Fortpflanzungshygiene hinaus, die nur die Fortpflanzung jener Geistes- und Körper. schäden verhüten will, deren Erbgang wirklich bekannt und deren Schädlichkeit wirklich erwiesen ist. Dies hervorzuheben ist deshalb von Belang, weil leicht der Irrtum entstehen könnte, als ob das Sterilisierungsgeset schon an sich ein Ausdruck jener Rassenhygiene und Eugenik wäre, die in der nationalsozialistischen Agitation eine so ungeheure Rolle spielt, in Wirklichkeit aber nichts andres als eine leere Farenmacherei ist, die von fast allen Aerzten und wirklichen Fachleuten der Erblichkeitslehre abgelehnt wird. Vergleicht man das Sterilisierungsgeseß, das auf dem eben erwähnten Entwurf aufgebaut ist, mit dem rassenhygienischen Phrasenschwall der Hitler- Leute und ihrer wissenschaftlichen Helfershelfer, dann fällt es auf, wie wenig erbliche Belastungen in dem Gesetz zitiert sind, die für eine zwangsweise Unfruchtbarmachung in Betracht kommen solIen: angeborener Schwachsinn, Schizophrenie( Spaltungsirresein), zirkuläres Irresein( Manie und Melancholie), erbliche Epilepsie, erbliche Blindheit und Taubheit, schwere erbliche körperliche Mißbildungen und schwerer Alkoholismus. Wenn es wahr ist, daß das von der Regierung zu schaffende Erbgesundheitsgericht, das über die Anträge zur Unfruchtbarmachung fallweise entscheiden soll, nach sicheren wissenschaftlichen Erfahrungen darüber entscheiden wird, ob in einem Falle die Uebertragung der Belastung auf die Kinder mit größter Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dann wird es sich herausstellen, daß selbst diese wenigen Erbleiden in ihrem Erbgang noch nicht durchweg erforscht sind und daß in vielen Einzelfällen von Schizophrenie, zirkulärem Jrrefein oder förperlichen Mißbildungen der Grad wissenschaft licher Sicherheit sehr von der persönlichen Ansicht und dem Ein Drittel des Volkes Erst vor ganz kurzer Zeit schrieb ein deutscher Universitätsdozent in der„ Berliner Klinischen Wochenschrift" einen flammenden Protestartikel gegen diese Art von Rassenhygiene und gegen den geplanten Mißbrauch des Sterilisierungsgedankens im Dienste einer pseudowissen schaftlichen Eugenit. Der mutige Gelehrte trat offen gegen die Führer dieser Bewegung im neuen Deutschland auf und schrieb:" Darüber fann fein Zweifel sein, daß die Eugenik bisher zur Hauptsache nur von einem mehr oder weniger exklusiven Kreis von Theoretikern vorwärtsgetrieben worden ist, nicht aber von Praktikern... Vielfach sind es nicht einmal medizinisch vorgebildete Theoretiker, die in der eugenischen Arbeit die Hauptrolle spielen." Er betont dann weiter, daß die Erblichkeitslehre auf vielen Gebieten, auf die man heute schon die Forderungen nach Sterilisierung und andern Auslesemaßnahmen ausdehnt, noch gar nicht die Einsichten gewonnen hat, die uns von der Art der Vererbung dieser Krankheiten wirklich verläßliche Kenntnis geben, und die uns beurteilen lassen, wie oft so manche von den erblichen Minderwertigkeiten in Verbindung mit fulturell wertvollen Eigenschaften auftreten. Er wendet sich insbesondere gegen den führenden Rassenhygieniker Hitlers, Lenz, und zitiert aus dessen Buch nur wenige medizinische Beispiele, um zu beweisen, daß alle wirklichen Sachverständigen von dieser Art„ verständnislos abrücken müssen." Empfinden der Richter bestimmt. werden wird. Aber im Noch schwerer aber wiegt der soziale und sittliche Börsensteuer steigt Im Dritten Reich Pfennig lösen. Wenn der Weg zum Arbeitsplaß zweimal täglich hin und zurück erfolgt, erhöht sich der Preis auf 15.20 Spa- Mart. Die Verteuerung beträgt also rund 70 Prozent. Berlin, 31, Juli.( Inpreß.) Während der Herrschaft der börsen und kapitalfeindlichen" Nationalsozialisten find Stille! Stille! die Steuern aus den Umsätzen an der Börse und durch Kapitalverkehr gestiegen. Vom April bis Juni 1933 gingen 3,63 Millionen Mt. aus der Börsenumsatzsteuer ein, während in der gleichen Zeit des Vorjahres nur 1.97 Millionen eingenommen wurden. Aus Kapitalverkehrssteuern gingen 8,61 Millionen Mark 1933 gegen 5.16 Millionen Mt. im Jahre 1932 während der gleichen Zeit ein. „ Es geht aufwärts!" Mit den Fahrpreisen Die Berliner Verkehrsgesellschaft hat die Monatsfarten der Straßenbahn, die bisher 9 Mark kosteten, abgeschafft. Statt dessen wird eine sogenannte Grundkarte eingeführt, für die 4 Mark zu bezahlen sind. Der Inhaber dieser Grundkarte muß für jede Fahrt einen Zusatzschein zu 10 gefochten Fisch mit„ Quallmann"( Kölner Ausdruck für Bellkartoffel). Keinen eingelegten Hering oder Rollmops mit Kartoffeln, sondern ein Stück Schellfisch ohne Sauce mit einigen Pellfartoffeln. Das Wetter war heiß und das trockene und kraftlose Essen nicht herunterzukriegen. Ein Wohlfahrtserwerbsloser geht zum wachhabenden SA. Führer hin und versucht ihm klarzumachen, daß man bei einem solchen Effen doch keine Arbeit leisten könne. Einen derartigen Fraß" habe er zu Hause im schlimmsten Hungerwinter noch nicht vorgefeßt bekommen. Der SA.- Führer sieht den Mann zynisch an und knurrt:" Da scheint es Ihnen ja noch nicht dreckig genug gegangen zu sein. Da warten Sie mal ab. Sie werden einmal froh sein, so etwas essen zu können. Marsch, gehen Sie an Ihre Arbeit."- Zur Beruhigung set noch erwähnt, daß der SA- Führer nicht aus der Mannschaftstüche" zu essen brauchte. Was braucht so ein Wohlfahrtsunterstüßungsempfänger besseres Essen zu haben. Der bekommt ja 31( einunddreißig) RM. Unterstützung im Monat. 12 RM. kostet das Zimmer, vom Rest muß er leben. Neuer Kommiß Eine Angelegenheit, über die von den Nazis strengstes Stillschweigen gewahrt wird, sind die militärischen Uebungen der SA. Es werden für die verschwiegensten Uebungen natürlich nur die SA.- Leute herangezogen, von denen die Führung glaubt, daß sie durchaus sicher und zuverlässig sind. Denjenigen, die früher fommunistisch organisiert waren oder sonst irgendeine Aeußerung der Unzufriedenheit machten, ist bie Teilnahme verboten. Die Trupps werden zu einem Platz der Stadt befohlen z. B. beim letztenmal zum Nathenau-, tezt Horst- Weffel- Plaz- Dort gibt der Oberführer den Truppenführern den Ort der abendlichen Uebung an, ber Truppenführer sieht sich noch einmal seine Leute an, schickt die Verdächtigen nach Hause und marschiert mit dem Mest zu irgendeinem verschwiegenen Gelände oder zu einer Turnhalle. Dort werden die SA.- Leute mit dem Karabinerichteken vertraut aemacht. es wird ibnen das HandgranatenEisenausfuhr hoffnungslos Ueber den Eisenausfuhrmarkt wird uns aus Hamburg geschrieben: Erfahrungsgemäß sind die Sommermonate Juli und August die stille Zeit für die Hamburger Eisenausfuhr. Um so eifriger wird aber in den Firmen die mutmaßliche Weiterentwicklung des Markts erörtert, Immer mehr verstärkt sich in Hamburg seit dem Uebergang zu Cif- Preisen die Befürchtung, ausgeschaltet zu werden. Auch der bereits voll zogenen oder noch im Werden begriffenen Organisation der Verbände steht der Hamburger Handel recht mißtrauisch gegenüber. Die Gefahr liege nahe, daß durch die internationalen Verbände und deren Organisationen das Schwergewicht der Eisenausfuhr mehr nach den westlichen Gruppen und Firmen verlegt werde. Ging bisher ein großer Teil der belgischen, luxemburgischen und französischen Eisenausfuhr abziehen gelehrt und die Maschinengewehrbedienung beigebracht. Die Waffen stammen aus Heeresgut und sind ausschließlich neue Modelle. Gewiß, die Üebungen werden ausgeführt mit der striktesten Weisung an die SA., darüber strengstes Stillschweigen zu bewahren. Das hindert den einen oder anderen doch nicht, seinen Freunden brühwarm auszuplaudern, was verschwiegen werden soll. So ein Freund hai natürlich ein Gedächtnis. Im übrigen gibt es noch manche Tatsache, die berichtet werden könnte. Aber das wird einstweilen nicht geschehen aus Gründen, die vermutet werden können, aber der Deffentlichkeit noch nicht gesagt zu werden brauchen. Nur das eine sei erklärt und darf uns geglaubt werden: Die Kölner NSDAP. hat schon Risse, breite klaffende Risse und wir jungen Sozialisten werden ihr Mauerwerk noch weiter niederzureißen verstehen. Trauerfeier für Freimuth ,, Der Mann des Rechts und der Menschengüte". Paris, 31. Juli. Im Hause der französischen Liga für Menschenrechte, in einem Saale der Rue Jean- Dolen zu Paris, versammelten sich am letzten Julisonntag die Pariser Freunde des toten Freimuth und seiner Gattin zu einer ernsten Feier, Victor Basch von der Sorbonne sprach in klassischem Französisch vor dieser Liga der Proffribierten" von den unwandelbaren Rechten und den ewigen Idealen der Griechen, der Römer und der großen französischen Revolution. Freimuth, der Mann des Rechts, der Menschenfreund hohen Mutes, habe in einer fleinen Stube des Montmartre sein Leben ausgehaucht. als er sein Ideal zusammenbrechen sah. Er glaubte an die Liebe und der Haß entstand, er predigte Verbrüderung, und die schwarze, die braune, die faschistische Peft erhob ihr Haupt. Dennoch wird es immer im Leben die erste Bedingung sein, Gefahr des Mißbrauchs fürchten, daß es zu Schlechtem mißbraucht werde. Wie groß Nicht das neue Gesetz ist also schlecht, aber man muß be die Gefahr ist, daß auf Grund so völlig aus der Luft gegriffener wissenschaftlicher Behauptungen über das Fami lienschicksal von vielen tausenden Deutschen entschieden wer den soll, kann man sich vorstellen, wenn ein Gelehrter seine ganze Zukunft aufs Spiel setzt, um die Aerzteschaft gegen solches Treiben in Aufruhr zu bringen. Geht doch die Infektion mit Hitler- Wissenschaft schon so weit, daß ein For scher vom Rang eines Verschuer, dessen Name in der gebiet abweichend, den Aerzten des Dritten Reiches ein ganzen Welt geehrt war, von seinem eigentlichen ArbeitsLehrbuch schreibt, in dem er ihnen in ganzen Kolonnen die Krankheiten aufzählt, die von den unwissenden Rassetheore tikern fälschlich als vererbbar, als Grund zu ungewollter Kinderlosigkeit bezeichnet werden. Entrüstet lesen da die Aerzte der Praxis, daß beispielsweise auch Herzklappenfehler, und zwar nicht nur angeborene, sondern auch durch Entzündung entstandene in die Reihe der auszumerzenden erblichen Krankheiten gehören sollen! Es übersteigt alle Vorstellungen, daß sich die Gelehrten Deutschlands nicht schämen, den Inhalt Hitlerscher Versammlungsreden in medizinische Lehrbücher zu preffen, aus Naziagitation mit geistiger Müh und sittlichem Ach- Wissenschaft zu machen. All dies muß aus dem Anlaß des ersten Schrittes zur Verwirklichung der Eugenik in Deutschland gesagt werden. Da die Erfinder und Propagandisten der Pseudo- Eugenik, die jeder wirklichen, von der Wissenschaft erst noch aufzu bauenden Eugenik nur Feindschaft zuziehen, heute den Generalstab der„ Erbpflege" und" Bevölkerungspolitik" in Deutschland bilden und nicht nur die Universitätslehrstühle, sondern auch die Amtssessel des Dritten Reiches besetzt haben, wird die Welt noch so manches sinnlose und abscheuliche Experiment am Körper des deutschen Volkes erleben Boltes erleben müssen. über deutsche, nicht zuletzt Hamburger Häuser, so ist heute das Bestreben unverkennbar, die Geschäfte mit belgischen, luxemburgischen und französischen Werkhandelsfirmen zu machen. Von den Ueberseemärkten sind wesentliche Aenderungen seit Anfang Juli nicht zu melden. Wenn Japan seit Ende Juni deutliche Anzeichen der Belebung aufweist, so darf man nach hamburgischer Auffassung nicht vergessen, daß die Juni- und Juli- Geschäfte mit Japan zum größten Teil auf Grund von Vorverbandsbeschlüssen noch zu billigen Preisen gebucht sind. Wie im Juni, so hält jetzt noch eine auch mengenmäßig beachtliche Kauftätigkeit In diens an, während das chinesische Geschäft wieder ganz stilliegt. Von ganz Südamerika bleibt nach wie vor nur Argen tinien ein leidlicher Abnehmer, doch wirkt sich gerade auf diesem Markt der ausländische Wettbewerb immer mehr aus. Besonders ungünstig gestaltet sich der Drahtmarkt in Uebersee. Die weitere ständige Entwertung des Dollars hat trop vorgenommener Preiserhöhungen den ameri kanischen Wettbewerb verschärft. Daher mußte der internationale Drahtverband in verschiedenen Absatzgebieten seine Preise nicht unwesentlich ermäßigen, ohne daß sich bisher, jedenfalls am Hamburger Plazz, eine Belebung des Drahtgeschäfts bemerkbar macht. fret zu sein: fret im Denken, im Glauben, im Handeln, im Regieren, und diese Fretheit wird wiederkehren!( Starker Beifall.) Georg Bernhard sprach dann von Freimuths starkem, unerschütterlichem Rechtsgefühl und seiner unendlichen Güte. Es ist erschütternd, daß Männer vom geistigen und sittlichen Maße der Braunhemden dies Deutschland regieren, dessen geistige und technische Leistungen die Bewunderung der Welt erregen.„ Und Patrokles ist gestorben und Thersites kehrt zurück." Hellmuth v. Gerlach sagte: Das Wort„ Il y a des juges a Berlin" leitete einst einen Rechtsbruch Friedrichs II. ein, aber dieser Republikaner Freimuth war in Wahrheit ein Richter zu Berlin! Unrecht tun ist schlimm, Unrecht dulden ist schlimmer, in ihm war die sittliche Rechtsidee am höchsten entwickelt! Wir wollen die Hände nicht eher in den Schoß legen, bis wir in seinem Geiste aus Deutschland wieder ein helles Land der Menschlichkeit machen! Tief aus dem Gefühl der Trauernden sprach auch ein ver triebener Sozialist und Universitätsprofeffor, der von dem ewigen Rechte von 1789 den Weg zur modernen Arbeiterbewegung wies, den auch ein Freimuth gegangen set. Die zerstörte Grabinschrift von Ferdinand Lassalle werde wieder auferstehen! Das Cello eines geflüchteten katholischen Musikers aus dem Rheinland, der sich geweigert hatte, der NSBO. beizutreten, leitete ergreifend die Trauerfeier ein und verklang als letter Abschied an den toten Richter der Republik. B- t. Sch'agerkomponist Friedrich Schwarz bekannt durch zahlreiche Lieder, die in Deutschland jedermann fang, hat sich unter tragischen Umständen in Paris das Leben genommen. Seine Beiseßung ist, wie uns ein Telegramm mitteilt, am Mittwoch. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit" Heute vor 19 Jahren... mobrodat, sib m „ Mars ist blind und des Gesichts beraubt" Cicero. Es ist kein Heil im Kriege. Um Frieden bitten wir alle. Virgil. 61910 Es gibt zwei Wege, einen Streit zu beenden: die friedliche ich gesagt des Fressens. Die Menschheit kämpft mit ihren Erörterung oder die Gewalt. Das letztere Mittel ist das der Millionen Armen, unterstügt von Millionen Maschinen, zu jeder Stunde, unter allen Himmelsstrichen gegen die wider: segliche Natur, um ihr das Futter zu entreißen, das nur mit genauer Not und auf elende Art für die Hälfte der ganzen Gattung genügt. Wenn aber dieses Futter da ist, stürzt sich der große Haufen begierig, wild und befinnungslos darauf, und jeder bedroht seinen schon allzu sehr bedrängten Nachbarn mit dem Messer. Mir diesen Feßen, denn ich branche zu essen," schreit jede Nation, und da haben Sie den Krieg, den Sohn der Not, der ewig ist wie der Hunger; und inmitten jeder Nation sind die Provinzen, die Volksklassen, die Städte, die Familien, getrieben von dem nämlichen rohen Stachel des Sungers- malesuade fames fie möchten sich nach Art der Völker aufeinander stürzen, und da sie sich nicht offen töten können, im richtigen Kampf, bringen fie fich sozusagen heimlich um durch eine wechselseitige Ausbeutung, bei der jeder auf Kosten der Substanz seines Nächsten zu leben sucht. Und es gibt unter ihnen," jagt die Schrift, „ folche, die die Menschen verschlingen, so wie man Brot verschlingt." Der Friede soll uns über alles tener sein, es gibt keinen größeren Ruhm, als den Frieden zu erhalten. Wie verächtlich ist doch der durch Greueltaten erlangte Siegesruhm. 68 ist ruhmreicher, den Krieg mit dem Worte zu töten, als Menschen mit dem Schwerte, den Frieden durch den Frieden zu gewinnen, nicht durch den Krieg. Augustinus. Sann es etwas Zürichteres geben, als daß ein Mensch das Recht hat, mich totzuschlagen, weil er am anderen Ufer des Flusses wohnt und weil sein Herricher im Streit ist mit dem meinigen, während wir beide nie einen Streit miteinander hatten? Pascal. Schopenhauer. G8 gab nie einen guten Krieg und nie einen schlechten Familie, und anstatt grausamer als die Tiere miteinander Frieden. Franklin. Jeder europäische Krieg ist ein Bürgerkrieg. In allen Kriegen handelt es sich nur darum, zu stehlen. in asb subber Voltaire. Für Staaten im Verhältnis untereinander kann es nach der Bernunft teine andere Art geben, aus dem gejeglojen u stande, der lanter Krieg enthält, herauszukommen, als daß sie, ebenso wie die einzelnen Menschen, ihre wilde( gefeßlose) Freiheit aufgeben, sich zu öffentlichen Zwangsgesehen be= quemen, und so einen( freilich immer wachsenden) Völker: ftaat, der zuletzt alle Bölker der Erde befaffen würde, bilden. Imanuel Kant. " Wissenschaft, Politik, Industrie, Aderban, Krieg, Diplomatie- alles bezieht sich mehr oder weniger auf dieses zu Bleich vulgäre und furchtbare Ziel der Ernährung, fast hätte Die Nationen der Erde bilden nur eine und dieselbe zu kämpfen, sollten sie einen großen Bund schließen in einem Kongreß aller Fürften. Der militärische Mut ist falsch, er ist nur ein Erfolg der Eitelfeit; man versteckt dahinter seine Angst und seine Schwäche. Fenelon. and( n) Skidman an Ereignisse und Geschichten Und wieder! Von Thomas Eck a gif sid didn Und so rüsten sie wieder von hinten und vorn, die großen und kleinen Staaten. is p Die Rüstung des Nachbarn ist ihnen ein Dorn im Auge. Die eigne zu klein und zu groß der Zorn. So drehn sie und drehn sie Granaten. Der Tod auf dem Land, und der Tod im Meer der Kampf in der Stratosphäre, der Tod durch Gas und Maschinengewehr, durch Tank und Bomben, und sonst noch mehr, sla wird gefordert vom Staate und der Ehre. Die Staatsbudgets haben Defizit, doch dreht man und dreht man Granaten die Schwerindustrie liebt den Rüstungskredit und Europa spielt wieder Soldaten. # 50 Göring braucht Blitz und Schwert Der preußische Ministerpräsident Göring hat angeordnet, daß der preußische Adler, das Wappentier des Göringschen Königreichs, nicht mehr nackt und kahl bleibt, sondern mit Umwandlung des Vogels hat das Kultusministerium des Herrn Rust in seine bewährte Hand genommen. Warum, ihr Krieger, kleidet ihr euch in feine Trachten mit Blik und Schwert bewehrt" werde. Die wichtige Gold, mit leuchtenden Farben? Warum arbeitet ihr immer unter Musik und mit fliegenden Fahnen? Nicht darum, um zu verbergen, was hinter eurem Gewerbe liegt? Wenn ihr die Wahrheit liebtet, würdet ihr in weißen Blusen gehen wie die Schlächter, daß die Blutflecken recht zu ſehen find; Dec deutschnationale Neger ist tot würdet ihr mit Messer und Markpfriem gehen wie ein Stücks meifter im Schlächterladen, mit Beilen, die von Blut triefen und von Talg flebrig find. Statt der Musik würdet ihr eine Schar henlender Menschen vor euch herjagen, die der Anblick des Schlachtfeldes wahnsinnig gemacht hat! Statt der Fahnen würdet ihr Leichentücher tragen und im Trosse Särge führen. Strindberg. Geschichten ,, über den Wolken" deafell gefpräche von Ratt Rothe Im Gefilde der Seligen brach die Sonne durch das All und hellte den Kosmos auf. Stresemann lehnte an einer rosa Schäfchenwolfe und sagte zu Rathenau:„ Walther, siehst du da unten den Streifen Qualm und Blutdunst? Kennst du das Land?" " Das fragst du mich? Es ist ein bißchen von Blut und Schmutz verschmiert, aber welches Land schickt jest wohl soviele Agitationsreden auf Radiowellen durch den leidenden Aether!" Iago Asian Stresemann fuhr sich über die Glaze:„ Was haben wir eigentlich verpaßt, daß da unten solches geschehen konnte? Bielleicht gaben wir diesem Volt zuviel Freiheit." " Buviel?" lächelte Rathena u. In meinem Buch über das Reich der Seele kannst du nachlesen, daß ein Volk nie an zuviel Freiheit zugrunde gehen kann." Stresemann lachte sein pfiffiges Syndizilächeln. Bücher! Du lieber Himmel! Fragen wir das Leben! Dort im Tal der Abseitigen sitzt schlageter und raucht seine Stummelpfeife. Rufe ihn!" Nathenau sah zur Seite. Richtig, dort hockte er wieder, litt an irgendeiner Wunde und rauchte." Hallo!" rief der Weise. Schlageter bummelte lang jam und mürrisch heran. " Sag uns," begann Rathenau und lud ihn zum Sißen ein, wie war es möglich, daß dieses Volt alle Freiheit von sich warf und --Schlageter murrte:„ Herrgott, immer dasselbe Gespräch! Von den irdischen Dingen bleiben einem nur noch einige Tatsachen. Man hat mich zum Nationalheiligen gemacht. Warum? Ich war polnischer Spion, ich war bereit, französischer Spion zu werden, ich verriet meine Kameraden und bin Nationalheiliger." Da gab Stresemann der rosa Wolke einen Stoß.„ Waas?" frug er, warum übertreiben Sie so, mein Lieber?" " Nig Uebertreibung," lachte Schlageter, lesen Sie feine Beitungen, Sir? Es hat doch jüngst erst wieber in französischen Blättern gestanden und blieb rechtens ohne Dementi." Rathenau und Stresemann saben einander lange an und schüttelten die Köpfe. Die rosa Wolfe verflüchtigte sich. » Und wie das, Verehrtester? Wieso wurden sie dann Natio nalheiliger?" frug Stresemann gedehnt. " Ja, Mister," entgegnete der, wenn ich Ihnen das erklären könnte! Vielleicht kann Ihnen Horst Wessel Auskunft geben. Der kam ja nach mir hier an. Hallo, Wessel!" Horst Wessel erschien am Eingang jener Höhle der Abseitigen, vor der eine Venus mit den rohen Zügen der Prostitution gemalt war. Die Herren belieben?" Und da war er schon. „ Du sollst den beiden Weisen erklären, warum uns in Deutschland Denkmäler gebaut werden," sagte Schlageter und schlenderte davon. „ Gott soll schützen!" sagte der Selige und schob die Studentenmüße noch tiefer übers Ohr, wie soll unsereins das erklären? Ich war ja noch im zweiten Semester, ba hatte ich das Verhältnis mit diesem Freudenmädchen. Die quetschte Jenseitsgespräche ich alles für die Partei!- nach Strich und Faden aus. Ein Kommunist war ja auch ihr Favorit, der Zweck heiligt Ein Kommunist war ja auch ihr Favorit, der 3wed heiligt das Mittel, und umsonst hatte ich dafür alles. Darüber ging ich hops." ,, Sie mit einer Straßendirne? Mann, waren Sie etwa Zuhälter?" Rathenau rückte zur Seite. „ Aber, aber, warum das härteste Wort, Weiser? In SA.Kasernen denkt man über sowas milder. Natürlich war sie Straßendirne. Lesen Sie denn keine Zeitungen? Es hat doch in den Blättern gestanden." Und trotzdem lief das Bolt Ihren Fahnen nach?" stotterten Rathenau und Stresemann wie mit einer Zunge. " Was heißt nachlaufen? Sie verfertigten aus mir sogar die Nationalhymne des Dritten Reiches, meine Herren." „ Entfeßlich," sagte Stresemann, während Rathenau ent schwand.„ Entfeßlich!" Wieso entsetzlich? Wenn an der Spitze der sogenannten nationalen Erhebung Männer stehen wie ein Päderaftenführer, ein Fememörder, ein ehemaliger schwedischer Irrenhäusler und Morphinist, ein von der eigenen Partei mehrfach als ehrlos erklärter Beutelschneider, ein Hinkefuß, der bis heute das belgische Gefängnis noch nicht nennen konnte, in dem er nach seinen eigenen Angaben für Hindenburg gepeitscht wurde, und schließlich ganz oben ein..." Stresemann hob flehend die Hände:„ Machen Sie einen Punkt, mein Teurer, und lassen Sie mir im Jenseits einige Illusionsreste! Ich möchte lediglich wissen, wie das alles möglich war!" Der Student schüttelte den Kopf:„ Das kann niemand. Früher, da unten, fand ich mich einigermaßen herein. Jetzt geht mir's wie Ihnen: ich weiß nicht, wie ich das HorstWessel- Lied erklären soll. Aber schließlich... wenn ein Teil des Volkes verrückt wird... bei acht Millionen Arbeitslofen... Da hörte Stresemann eine Stimme, die aus den Wolken zu kommen schien:„ Acht Millionen Arbeitsloser, mein Lieber! Da haben Sie die Erklärung. Wissen Sie nun, was verpakt worden ist?" Stresemann fuhr elektrifiert herum.„ Nanu, rebete ba nicht eben Karl Marx?" Aber im Hintergrund stand nun Lenin und sagte mit über. legenem Lächeln:„ Eine saubere Sache, diese nationale Gr. neuerung! Und was sagen die anderen Völker dazu?" „ Die anderen," gab Horst Wessel zurück, die anderen wenden sich schaudernd vom Dritten Reich ab. Nur ein Staat hat Hitler die Freundschaft erklärt!" " So, also doch einer!" meinte Lenin, der von einer längeren Agitationsreise aus dem Hinterland des Kosmos zurückgekehrt war, lächelnd, und wie heißt dieses Land der Reaktion?" „ Herr, Sie werden staunen," und Horst Wessel trat vor sichtig einen Schritt zurück, ehe er antwortete- es ist das Land, das alles, was an Ihnen sterblich war, in einem gläsernen Sarg aufbewahrt es ist Mütterchen Rußland!" Da barg Lenin sein Antlig in den Händen und entschwand wie ein Rebelstreifen lautlos über die Himmelswiese. Sambo, Kamerunneger, früher Paukenschläger im Leibgarderegiment Potsdam, später schlichter Deutschnationaler, wenn auch vermöge seiner Hautfarbe„ Untermensch", verstarb in Köln und war begraben. Der Superintendent Klingenberg sprach ergreifende Worte, und Kaiser Wilhelm schickte aus Doorn einen Kranz. Die Rassetheoretiker der NSDAP. aber raufen sich die Haare. 02 toile to de Joshi Das pocht, das zuckt!) cas " Neben der Hauskapelle der Opernhaus- Terrasse wird heute, Mittwochabend, das Musikkorps des Freiwilligen Deutschen Arbeitsdienstes, Gau Köln- Aachen, deutsche Weisen und Märsche zu Gehör bringen. Die große Anziehungskraft dieses Doppelkonzerts wird durch die außerordentlich gut besetzte Terrasse bewiesen. Erwartungsvoll sieht man dem Beginn entgegen. Nach 8 Uhr hört man in abwechselndem, harmonisch verlaufendem Spiel bald die schmiffigen Märsche der Militärkapelle, bald die stimmungsvoll- ruhigen Weisen des vortrefflichen Hausorchesters. Ohne Bedenken kann man das Spiel dieser Arbeitsdienstkapelle als erstklassig bezeichnen. Es ist eine eigene Sache um die preußisch- deutsche Militärmusik überhaupt. Unwillkürlich glaubt man bei ihren packenden Alängen die Schritte marschierender Bataillone zu vernehmen. Jedem Zuhörer zuckt und zieht es in den Beinen und Armen, gerne möchte man in rhythmisch- gleichmäßigem Taft das Spiel begleiten." ( Westdeutscher Beobachter", 28. 7.) Was man sich zuflüstert Es gibt ein Land, das heißt Deutschland. Um dieses Land liegt ein Ring, der heißt Göring. In dem Land ist ein Berg, der heißt Hugenberg. Auf dem Berg steht eine Burg, die heißt Hindenburg. In die Burg will ein Mann, der heißt Thälmann. Er braucht dazu einen Vermittler Adolf Hitler! Schiller hat für jedes Land ein Drama geschrieben: für Frankreich:" Die Jungfrau von Orleans", für England:" Maria Stuart", für Spanien:„ Don Carlos" für Italien:„ Fiesco", für die Schweiz: Wilhelm Tell", für Deutschland:„ Die Räuber". in Huais Herr Grünstein ist betrunken. In diesem Zustand sieht er ein Hitlerbild. Da ruft er:" Den tauf ich mir auch noch mal!" Nazis haben dieses Wort gehört und Grünstein wird verhaftet. Es kommt zur Gerichtsverhandlung. Grünsteins Frau wird als Zeugin vernommen. Als man ihr vorhält, was ihr Mann gesagt hat, ruft sie empört aus:" Der Kerl kauft aber auch jeden Dreck!" Die Presse hatte die Nachricht verbreitet, die ägyptische Regierung set bereit, 200 deutschen Aerzten die Niederlassung in Aegypten zu ermöglichen. 200 jüdische Aerzte kamen in Berlin zusammen und beschlossen, an den Nil zu reisen. Sie nahmen Abschied von ihren legten Patienten, die ihnen noch geblieben waren und schrieben an die ägyptische Regierung. Nach Wochen erhielten sie aus Kairo die Nachricht, daß die Zeitungsmeldung falsch set. Was nun? Die 200„ Auswanderer" kamen wieder zusammen. Sie berieten, auf welche Weise sie der Oeffentlichkeit bekanntgeben könnten, daß sie im Lande blieben. Jede Reflame ist für Aerzte in Deutschland als„ nichtstandesgemäß" verboten. Da setzten sie zitsammen folgendes Inserat in die Vossische Zeitung":" Von der Reise zurüd!" nad old 100 ili m DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Sportflüge über alle Ozeane Einer will eiliger um die Welt rasen als der andere Die Ereignisse auf bem Gebiete der Ozeanfliegerei schlagen fich geradezu. Kaum ein Tag vergeht, daß nicht vom Draht über dieses oder jenes neue Unternehmen berichtet wird. Raum daß der große Beifallssturm über Balbos geglückten Geschwaderflug nach Nordamerika sich gelegt hat und schon stehen wieder die Einzelflüge im Vordergrund. Da ist vor allem einmal ber einäugige amerikanische Weltflieger Wiley Post zu nennen, dem es nach anstrengendem Fluge gelungen ist, den von ihm zusammen mit Harold Gatty gehaltenen Weltumfliegungsrekord von 8 Tagen, 15 Stunden, 51 Minuten zu brechen und um rund 22 Stunden zu kürzen. Das Schicksal hat es mit ihm besser gemeint als mit James Mattern, der vor einigen Wochen nach ebenfalls imposantem Ozeanflug- Debut in Sibirien auf der Strecke blieb. Zwar hat Post, der also in Ozeanflug Angelegenheiten absolut tein Neuling mehr ist, etliche Male Störungen gehabt und auch sein Robot- Apparat hat nicht immer funktioniert. Aber er hat sich tapfer durchgeschlagen und sich durch nichts stören lassen. Glüdlicherweise waren die Störungen meist geringerer Art. Eine zu verschiedenen Malen defekt gewordene Del- guleitung fonnte rasch repariert werden und für den bei der Landung in Flat( Alaska) in die Brüche gegangenen Propeller war ebenfalls innerhalb furzer Zeit Ersatz beschafft. Post soll bei der Landung in Neuyork die Erklärung abgegeben haben, daß er den Flug um die Welt in 4% Tagen(??) erledigt hätte, wenn nicht verschiedene fleine Zwischenfälle ihn aufgehalten hätten. Nun, die Welt ist auch so um einen Reford reicher, und so geschwind wird ihm ein anderer die Sache nicht strittig machen. Neuport ist momentan ganz auf Empfang eingestellt. Empfang von Balbo und seinem Geschwader, Empfang von Post und nun auch des Ehepaares Mollison, das gerade über den Atlantik Neuyort auschwirrte, als Post landete. Schon am 8. Juni wollte Mollison starten. Damals sind sie aber beim Abflug durchgesackt. Der Apparat, ein zweimotoriges Landflugzeug, wurde beschädigt und die Reparatur nahm lange Zeit in Anspruch. Seit einigen Wochen warteten fie bereits auf Ozeanflug- Wetter, das in diesem Falle besonders gut sein mußte; handelte es sich doch um eine OstWest- Traversierung. Samstagmorgen sind sie in Wales zum Non- Stop- Flug nach Amerika gestartet. Sie haben den Atlantit in 20 Stunden hinter sich gebracht. Aber beinahe angesichts des Ziels hat sie ihr Schicksal erreicht. Mollison und seine sympathische Frau, die ehemalige Jmy John son, wollten infolge Benzinmangels in Bridgeport im Staate Connecticut eine Landung vornehmen, wobei sich der Apparat aus noch unbekannten Gründen überschlug und volltommen zerstört wurde. Die beiden Insassen wurden von ihren Sigen geschleudert und mußten, glücklicherweise nicht lebensgefährlich verlegt, ins Spital transportiert werden. Glück im Unglück! Man denkt unwillkürlich an das tragische Ende, das vergangene Woche in Nord- Deutschland der litauische Ozeanflug nahm und an den Atlantikflug der beiden Spanier Barberan und Collar, die den Ozean in seiner größten Breite überflogen und nachher auf der verhältnismäßig furzen Strede von La Havana nach Merito verschollen blieben. Wenn die Flieger Mollison genesen sind, wird ihnen in Neuyork doch ein splendider Empfang zuteil werden, weil das nun einmal so Mode ist, obwohl nicht durchsichtig erscheint, was mit solchen Raids bezweckt werden soll. Soloflüge in diesem Sinne sind nach wie vor als rein sportliche Unternehmen zu bewerten. Diese finden dennoch genug Nachahmer. Folgende Flüge sind gegenwärtig in Vorbereitung: Ulm, Allen und Tavlor, die fürzlich einen Flug von Australien nach England ausgeführt haben, wollen von London direkt nach Neuyork fliegen und anschließend von Ean Franzisko in Richtung Sydney( Australien) den Pazifit überqueren. Codos und Rofft, die berühmten französischen Flieger, wollen den Welt- Distanz- Neford brechen, der von den Engländern Gayford und Nicholettes mit 8592 Kilometer innegehalten wird. Sie hoffen, ab Neuport in direktem Fluge Bagdad oder den Persischen Golf zu erreichen. Williams und Bonelli beabsichtigen von Neuyork aus direkt nach Rom zu fliegen. In ihr Flugzeug haben sie, wie Wiley Post, eine selbsttätige Steuervorrichtung eingebaut, ein sog. Robot, der die Maschine in der erforderlichen Höhe und Gleichgewichtslage hält. Rem Loring, ein spanischer Pilot, wird in den nächsten Wochen einen Raid Spanien- Argentinien an Bord eines Leichtflugzeuges unternehmen. Der unbekannte Soldat der Luftfahrt Er hat einen auffallenden Namen, der Mann in dem blauen Arbeitsanzug, und fein Mensch weiß eigentlich, warum er Apparatchauffeur heißt. Der Apparat, das ist das Flugzeug, daß er zu betreuen hat, aber er lenkt es nicht. Denn der Lenker des Flugzeugs ist ber Pilot. Das weiß jeder. Der Apparatchauffeur aber ist der Mann, ohne den kein Flugzeug fliegen könnte. Und das weiß feiner. 4.30 Uhr. Der Wecker schrillt in der Proletenwohnung in Simmering. Nur sehr wenige Apparatleute fönnen am Flugfeld wohnen. Heraus aus den Federn, den Schlaf aus den Augen gewaschen und mit der überfüllten Straßenbahn geht es nach Aspern hinaus, aufs Flugfeld. Um 7 Uhr ist Arbeitsbeginn. Quietschend unb raffelnb werden die mächtigen Tore der Wellblechhangars zur Seite geschoben und langsam rollt aus einer Halle das erste Flugzeug auf den taufeuchten Rafen. Die Sonne rötet die Spizzen des Propellers: das glatt polierte Holz scheint zu glühen. Der Motor wird angeworfen und die Explosionen in den Zylindern zertrümmern die morgendliche Stille. Der Apparatchauffeur seßt sich in den Pilotenfis, er gibt Gas, und während das Flugzeug durch Bremsflöße vor den Rädern am Boden festgehalten wird, singt der Motor seinen stählernen Gesang. Eine zweite, eine dritte Maschine wird herausgeschoben, und eine zweite, eine dritte Stimme fällt ein in den brausenden Chor. Der Propellerwind wirbelt fegend abgerissene Blätter, Staub und kleine Steinchen durch die Luft und die Grashalme werden tief, tief zur Erde hinabgebeugt. Das kraftvolle, tiefe Dröhnen wird schwächer, ebbt ab: die Motorprobe ist vollendet. Große Kannen mit Del und Wasser werden herbeigeschleppt, Kühlwasser muß nachgefüllt, das verbrauchte Del muß ersetzt werden. Ein Handfarren mit einem Benzinbarrel und einer Pumpe rollt heran, der Brennstoff wird ergänzt. Dann wird die Maschine genau durchgesehen, ein ausgeleiertes Spannschloß wird ersetzt, ein etwas abgescheuertes Steuerfeil muß ausgewechselt und neu gefpleißt werden. Können Sie übrigens seilspleißen? Man bekommt ausgefranste Finger davon! Zündkerzen müssen gereinigt, Reifen nachgepumpt, Federzüge des Fahrgestells und des Schwanzsporns müssen überprüft und nachgezogen, Fett muß in die Stauffer( Schmier)-Büchsen nachgefüllt werden und... Einige Minuten vor 8 Uhr rollt die Maschine auf die betonierte Abfertigungsplattform. Der Flugfapitän erscheint, er geht um den Apparat herum und rüttelt an den Steuerorganen. Er klettert in seinen Sig, eine kurze Motorprobe, die Fluggäste steigen ein, ihr Gepäck wird verstaut und Punkt 8 Uhr heult die Sirene. Der Luftpolizist hebt die Hand, der Start ist freigegeben. Das Flugzeug rollt erst langsam, dann immer schneller über den Rasen, es hebt sich vom Boden ab, es zieht noch eine Schleife um den Plaß und entschwindet schließlich füdwärts im Dunst über der Stadt. Das erste Flugzeug nach Graz ist abgefertigt, die Apparatmannschaft macht die nächste Maschine flugbereit. Aber schon um 8.50 Uhr kommt eine Maschine aus Budapest an, zehn Minuten später ist der Flug nach Prag fällig, um 9.30 Uhr startet das Flugzeug nach Salzburg, um 9.50 Uhr kommt eine Maschine aus Graz. Dreizehn große Verkehrsflugzeuge kommen täglich in Wien an, dreizehn fliegen täglich ab, die erste Maschine startet um 8 Uhr, die letzte kommt um 19.15 aus Prag an. Sechsundzwanzig Maschinen im Tag, nein, in rund elf Stunden! Alle müssen abgefertigt, durchgesehen, betreut werden, Oel, Wasser, Benzin sind zu ergänzen die Apparatmannschaft darf nicht tarchenieren, fie muß tüchtig tschinageln"! Der Flugzeugführer ist der erklärte Held der Luftfahrt, in schmucker Uniform und goldbestickter Müße. O gewiß, er steuert sein Flugzeug sicher durch Nebel und Sturm, er lenkt es mit ruhiger Hand über weite Ebenen und hohe Gebirge. Er hat eine verantwortungsvolle, schwere Aufgabe und es ist kein Kinderspiel, Flugzeugführer zu sein. Seine Leistung soll nicht geschmälert werden. Aber kein Pilot könnte sicher und ruhig fliegen, wüßte er nicht, daß er sich auf seine Apparatmannschaft unbedingt verlassen kann. Und doch sehen die Fluggäste nur ihn und teiner denkt an den Apparatmann im öligen, blauen Anzug mit den zerfetzten Händen. Immer funktioniert der Motor, immer find Benzin, Del und Wasser gefüllt, immer haben die Staufferbüchsen genug Fett, immer sind die Gellonfenster der Kabinen von den Delsprißern und vom Schmuß gereinigt. Niemals fehlt die Luft in den Pneumatiks, niemals startet ein Flugzeug mit durchscheuertem Steuerfeil, niemals fehlt ein Bolzen, eine Schraube, ein Splint. Ein Splint? Ja, das Fehlen eines Splintes kann zu einem schweren Unglück führen und selbst der beste Pilot könnte es kaum verhindern! Eine Schraube locker in der ungeheuer komplizierten Maschine verursacht einen Todessturz. Alle Welt sieht den Piloten und feiert ihn. Geringgeschäht aber ist der Dienst der Apparatmannschaft und kein Fluggast mißt ihr besondere Bedeutung bei, wenn sie scheinbar müßig den Start der großen Verkehrsmaschine überwacht. Kein Fluggast weiß, daß der schwere Dienst dieser Arbeiter der Luftfahrt nicht sehr gut entlohnt und dabei doch auch nicht ungefährlich ist. Die Verantwortung für Leben und Gesundheit der Passagiere trägt feineswegs allein der elegante Pilot, ein gerüttelt Maß an Verantwortung ist auch aufgebürdet dem unscheinbaren, unbekannten Soldaten der Luftfahrt, dem Apparatchauffeur, Die Toten 99 an die Lebenden Von Heinrich Brachtl Wenn ihr redet, dann vergeßt es nicht, daß wir in dem Drecke verwesen. Ihr wart zu Haus bei eurer Pflicht und heute steht Ihr auf unserm Gesicht und sagt, wir sind Helden gewesen. Ein Meter unter euren Füßen das Massengrab, in dem wir liegen zerfetzt von Granaten und Schüssen. Ein Meter unter euren Füßen und Ihr redet von neuen Kriegen. Wir sind tot. Und das gibt euch den Mut, von uns zu sprechen, wie von Helden Wir starben, vergossen unser Blut, opferten Weib, Kind, Haus und Gut. Ihr sollt es der Nachwelt melden. Wir können nicht rufen und schrei'n. Unser Gerippe hat keine Kraft, sonst zögen wir euch zu uns herein. Ihr würdet nur bei jenen sein, denen Ihr oben Denkmäler schafft. Wenn Ihr redet, dann vergeßt es nicht, daß wir in dem Drecke verwesen. Ihr wart zu Hause bei eurer Pflicht und heute steht Ihr auf unserm Gesicht und sagt, wir sind Helden gewesen. Wenn Ihr redet, dann vergeßt das nicht! → Balbos Kriegsjubef General Balbo hats als erster geschafft: mit fünfund zwanzig Bombenwerfern, mit vollster und fomplettester Kriegsbelastung inklusive Propagandamaterial ist er von Europens friedlichen Gestaden zur neuen Welt vorgestoßen. Weder Sturm noch Regen, noch Jslands Romantik und das Gewicht der eigenen Gas- und Flammenbomben haben das Geschwader zurückhalten können. Der Beweis ist endgültig erbracht worden, daß der Ozean nicht mehr trennend ist für die Kriegskünfte der Völker: die territoriale Internationalität erscheint geschaffen, das große Wasser ist heute wirklich nur mehr ein Teich, der die allfälligen Kriegsoperationen höchstens um einige Stunden ver schieben, nicht aber mehr unmöglich machen kann. Und darüber haben die Sportbegeisterten Ameritas gejubelt; sie haben ganz vergessen( oder es nicht wissen wollen), daß sie nicht mehr vor der Freundschaft ihrer euros päischen Kriegskameraden geschüßt sein werden. Auch ihre Städte werden die Kunst von Arm strong- Vickers, von Junkers und Caproni kennen lernen; europäische Gasbomben und Brandwerfer können heute bis nach Neuyork vorstoßen, sie müssen das nicht mehr einzeln tun, sie können sich in Gruppen zusammenschließen und da durch sozusagen das Kriegspotential und ihren Kampfeswert stärken. Ja, müssen es denn nur 25 Flieger sein, die im Ernstfall den heute so kurzen Weg über den großen Teich antreten werden? Es werden Hunderte sein, die Tod und Verderben hüben wie drüben ausspeien müssen; Hunderte und Tausende von Fliegern werden wechsel. seitig Europa und Amerika bebomben, sie werden, zusammen an dem Untergang der Menschheit arbeiten. Und wenn es zu neuer männerfreudiger Schlacht kommen sollte, darüber, daß der immer kriegslustige Faschismus den Beweis erbringen konnte, wie sehr die Welt heute dem Kriegsmoloch, der Bestie des Mordens, untertan ist, darüber hat einträchtig Europa wie Amerika gejubelt! Ja, ia, wir leben in einer ganz großen Zeit und Intellekt der Menschen ist stets im Wachsen begriffen. Die Sofieidungsmühle von Reno Je leichter es den Amerikanern gemacht wird, sich scheiden zu lassen, desto banaler werden ihre Scheidungsgründe. In der Stadt der„ Scheidungsmühle" in Reno im Staate Nevada wird jede Scheidung innerhalb zweier Tage durchgeführt. Die Aemter zeigen den Scheidungswilligen das größte Entgegenkommen. Nach einer Meldung aus Nevada erwartet jetzt den Scheidungswilligen eine sensationelle Neuerung. Richter Clark Guild vom ersten Regierungsbezirk will in feinem Bezirk von Ort zu Ort reisen, um jede Scheidung innerhalb zweier Stunden durchzuführen. Er will der Stadt Reno Konkurrenz machen. Der amerikanische Richter Boult warnt vor dieser Scheidungspraxis und sagt ganz richtig, daß sie jeden Idealismus zerstöre. Eine eben veröffentlichte Scheidungsstatistit für das Jahr 1983 zeigt, daß im Scheidungsparadies Reno von zehn Ghen sechs innerhalb zweier Jahre beim Scheidungsrichter enden. Noch schlimmer steht es mit der Dauerhaftigkeit der Ehen in Hollywood. Der Statistik nach werden dort mehr Ehen geschieden als gegründet. Es handelt sich meist um Künstlerehen, die sich ja nie sehr dauerhaft zeigen. In den übrigen Staaten Amerifas, in denen den Eheleuten die Scheidung nicht so leicht gemacht wird, hat die Zahl der Scheidungen gegenüber dem Vorjahr abgenommen. Durchschnittlich kommt auf sechs Hochzeiten eine Scheidung. In einigen südlichen Staaten ist die Ehescheidung fast unbekannt und in West- Virginien läßt sich von fünfzehn Ehen eine einzige scheiden. Nach 17 Jahren... [ Spaten d Um die Lorettohöhe graben sie Tag und Nacht.mise Kriegstote werden gesammelt und sorgsam in Gräber gebracht. Un tausend Arbeiter schuften, ein schaufelndes Heer; Aber der Toten sind vierhunderttausend und mehr. Früh stehn die Arbeiter auf und gehn mit geschultertem Die braunen Feldwege hin neben zartgrünen Wintersaaten. Sie niden dem Bauern zu, des Pflugschar die Scholle bricht, Auftauend die Erde dem Frost und letztem herbstlichem Licht. Aber dann stehn sie auf Feldern, die gliedert kein Furchenzug. Löcher riß auf und Hügel warf hoch ein andrer Pflug. Der Stich des Spaten zerschneidet fein feimendes Korn. Gasig schwelt es herauf, Stelett an Stelett liegt verworr'n: Bierhunderttausend, und liegen seit Sechzehn hier, Wangen und Augen und Herzen zerfraß Getter; Durch der Monturen Gemürb, durch der Rippen Gitter[ gequer Bielen die schimmernden Knöpfe nach innen und schimmern [ nicht mehr. Aber die Arbeiter graben und neulich fanden sie acht, Mitsammen geschlagen vom Tode im ausbetonierten Schacht, Noch jeder die Handgranate in seiner vermoderten Hand, Noch jeder die knöchernen Finger um Stiel und Abzug [ gespannt. So traf fie der Tod, so findet der Mann sie noch, Der hinab zu ihnen ins Grauen des Bunkers froch. Acht Handgranaten warten noch immer auf Funken und Blut, Aus sechzehn Augenhöhlen starrt dunkel die alte Wut. Sie starben vor siebzehn Jahren und wissen es nicht, Daß siebzehnmal wechselten Saat und Ernte und tausend[ mal Nacht und Licht, Daß der Mann hier im Bunker schuftet um Tageslohn Und nicht mehr um Leben und Sieg der Nation. Und wie er dem ersten entzieht die Granate mit sanftestem [ Druck, Tut doch der beinerne Finger des Toten am Abzug den [ winzigen Rud, Bündet der Funke im Pulver! Tobt hoch der Tod... und Springt... I [ schlingt... Speit acht weiße Gerippe fohlend auf in die Luft, Wühlt des Lebendigen blutenden Leib in die Gruft Wirft den Vierhunderttausend den einen, Letzten noch zu, Geht zwischen Moder und Mord gesättigt zur Ruh. Um die Lorettohöhe graben sie Tag und Nacht. Aber sie haben einem ein eigenes Grab gemacht: Zum Gedenken dem Tod, der noch immer im Graben faß, Zum Gedenken dem Krieg, der einen noch fand und fraß Nach fiebzehn Jahren. Gerhart Hermann Most a r. Torglers Verteidiger Ein gehemmter Mann Es ist einem der führenden Mitglieder der Labour Party, Sir Stafford Cripps, gelungen, den Berliner Rechtsanwalt Dr. Ehlers zur Uebernahme der Vertetbigung Zorgler's zu bestimmen. Es wird aus diesem Erfolg in der englischen Presse sehr viel Wesens gemacht. Wie uns scheint, wird dabet des Guten zuviel getan. 20 Dr. Ehlers, der wenigstens als Strafverteidiger faum befannt ist, gehörte früher dem Auswärtigen Amt an, und er stand politisch etwa auf dem Boden der Deutschen Volkspartei. Er hat jetzt wir folgen den Mitteilungen der englischen Preffe die Verteidigung erst übernommen, nachdem er sich der Zustimmung Hitlers und des preußischen Justisministers versichert hatte. Daß er, wie die Dinge liegen, wesentliches zur Feststellung der Wahrheit beitragen wird und beitragen kann, darf beaweifelt werden. Das große Schweigen. Die Stimmung in den Betrieben Ein in einem Berliner Großbetrieb beschäftig ter Arbeiter schreibt uns: Die fortgesetzten Preissteigerungen für die wichtigsten Lebensmittel, haben unter den Arbeitern eine sehr unzufriedene Stimmung hervorgerufen, die ganz allgemein ist. Trozdem wagt niemand im Betriebe diese Unzufriedenheit zu äußern, weil die Nazis durch ihr Spizelsystem und ihren Terror den Zustand herbeigeführt haben, daß einer dem anderen nicht mehr traut. Besonders schlimm ist das nach ber Schwenkung Hitlers zum Kapitalismus geworden. Vorher haben die Vertreter der NSBO. noch im Betriebe eine Lippe riskiert und radikale Reden vom Weitertreiben der Revolution und der Inbesißnahme der Betriebe durch die Arbeiter gehalten. Da war es leichter möglich, sich in die Diskussion einzumischen und aufklärend zu wirken. Jezt aber haben die Mitglieder der NSBO., so weit sie ihre früheren radikalen Reden überhaupt ernst gemeint haben, mehr Angst vor Denunziationen, als alle anderen und sagen überhaupt nichts mehr. Da jeder, der nur zweimal mit einem Arbeitskollegen spricht, sich verdächtig macht, spricht teiner im Betrieb mit dem nächsten und man hat den Eindruck, daß alle Arbeiter stumm geworden sind. Hinter diesem düsteren Schweigen aber versteckt sich die Unzufriedenheit. Der Marxismus lebt Nach einem Bericht der christlich- sozialen„ Reichspost" in Wien, führte der stellvertretende Berliner nationalsozia listische Betriebsorganisations- Leiter Spangenberg auf einer Tagung der Nazi- Betriebsfunktionäre unter anderem aus: " In den nächsten Wochen und Monaten haben wir mit schweren Kämpfen zu rechnen. Der Marxismus hat die ersten Schläge überwunden und versteht es, seine Position wieder auszubauen. Der Marrismus versucht, in den Betrieben durch Aufstellen von Forderungen die Arbeitermassen aufzuheben. Deshalb muß die NSBO. den marxistischen Hezern das Handwerk legen. Wenn die Butter und die Mar„ Herr Ministerpräsident, bitte!". 99 Wie der Abgeordnete Stelling zu Tode geprügelt wurde) 219 Vor fünf Wochen sind in dem Berliner Vorort Köpenick grausamste Mißhandlungen durch die SA. begangen worden, bei denen der Gewerkschaftsangestellte Schmaus, der Reichstagsabgeordnete Stelling, der Reichsbannerführer van Essen und noch weitere etwa 12 Personen ermordet wurden. Der„ Neue Vorwärts" in Karlsbad vers öffentlicht jetzt eine erschütternde Schilderung eines Ars beiters, deffen Körper ebenfalls noch heute sichtbare Spuren der damals erlittenen grausamen Mißhandlungen trägt: „ Gegen 2 oder 2.30 Uhr nachts wurde aus dem Keller der alte Gewerkschaftssekretär Schmaus und ein zweiter Mann gebracht, der so zerschlagen war, daß ich ihn nicht erkennen fonnte. Der Mund war ihm eingerissen, die Haare waren ihm abgeschoren, im Kopf befanden sich mehrere blutende Löcher. Das ganze Gesicht war blan verschwollen. Der Truppführer trat nun vor, hielt eine Ansprache für die toten SA.- Leute und erklärte:„ Herr Ministerpräsident Stelling, bitte!", darauf erhob sich neben mir der Mann, den ich wegen seiner schweren Verlegungen nicht wieder erkennen konnte. Es war der Genosse Johannes Stelling. Der Unglücks liche, der sich kaum noch bewegen konnte, wurde aufgefordert, die Hosen herunterzulassen. Dann wurde er über den Tisch gelegt und mit einer anderthalb Meter langen und zwei bis drei Zentimeter breiten Latte geschlagen. Weitere Schläge wurden mit Schleppfäbel, Rohrstöden und dünnen Baums äften auf Oberschenkel, Gesäß und Rüden geführt. Während Stellings Schmerzensschreie in ein Wimmern übergingen, wurde er mit denselben Werkzeugen über den Kopf gehauen. 328 Dann verlor er das Bewußtsein. Vier Mann faßten ihn an und warfen ihn in den Garten. Ich habe Stelling nicht mehr zu sehen bekommen. Darauf wurde der alte Schmaus vorgeführt. Er wurde genau wie Stelling geschlagen, allerdings nicht über ben Kopf, dann wurde er wieder hingesetzt. Später wurde das 19jährige Mädchen herans geschleppt. Mit den Worten:" Du margistische Hure, Du Sau!" Ihr wurden die Kleider vom Leibe gerissen, daß sie nur Schuhe und Strümpfe an hatte. Dann wurde sie erst über Rücken und Gesäß, darauf umgedreht und mit Rohrs stöcken über Leib und Brüste geschlagen. Nun wurde sie aufs gesetzt und bis zum Zusammenbrechen über den Kopf ges schlagen, wonach man sie hinaustrug. Nach einer Schilderung der eigenen Mißhandlungen heißt es: Inzwischen kam meine Frau, die vor Schrecken über mein Aussehen in Schreien ausbrach. Dafür wurde meine Frau selber geschlagen. Sie brach zusammen. Bei den Schlägereien, die unter Leitung des Sturmbannführers Geride aus Köpenick stattfanden, war ich Augenzeuge, wie zwei Jnhaftierten die Beine auseinandergerissen und sie auf die Geschlechtsteile geschlagen wurden. Der Zeuge nennt außerdem den Sturmtruppführer Ploenzke, Uhlenhorst, Eichenallee 17, als den Leiter dieser grausamen, mit dem Tode von Johannes Stelling, van Essen und vielen anderen Sozialdemokraten endenden Mißhandlungen. Und Sie nennen uns Wilde? 9 Jewish Daily( New York). ,, Deutschfie Freiheit" NSBO. zu bilden. Auch Forderungen in den Betrieben sollen aufgestellt werden. Es ist nicht die Aufgabe der Die NSBO., Lohnforderungen aufzustellen, sondern sie hat für die Idee zu kämpfen. Die Kommunisten warten nur auf den Moment, wo sie uns die Faust ins Gesicht sehen können. Viele, die heute so national tun, werden uns in diesem Moment entgegentreten und sagen:„ Auf diesen Mo ment habe ich gewartet, du Aas!", aber wir dürsen diesen Moment nicht kommen lassen. „ Stolz weht die Flagge" Schwarzweißrote Fahnen beinahe ein Staatsverbrechen 99 muß man regelmäßig fesen Abonnieren Sie sofort! Besteffschein: Ich ersuche um regelmäßige Zusendung der ,, Deutsche Freiheit" Der Kreisleiter der NSDAP. in Stuttgart, Maier, droht in einer Anordnung denen, welche schwarz- weißrote Fahnen wehen lassen. Nachdem er festgestellt hat, daß in vielen Straßenzügen Stuttgarts die alte Reichsflagge schwarzwiegt, daß der Eindruck politischer Rückständigkeit entstehen weißrot gegenüber der Hakenkreuzfahne in einem Maße über. Genaue Adresse: kann“, erklärt er, alle Nazis und alle Mitglieder der Nebenorganisationen seien verpflichtet, die Geschäftsleute nachdrücklichst zur Aenderung ihrer politischen Haltung zu veranlassen." Er schließt mit der Bemerkung über die kombinierte schwarzweißrote hakenkreuzverzierte Fahne:„ So, wie es uns gelungen ist. die umgestaltete Kombinationsfahne in furzer Zeit nahezu auszurotten, müssen wir der Hakenkreuzfahne den ihr gebührenden Platz verschaffen." Barine teurer werben, darf man nicht get Hakenkreuzfahne eingezogen! Schimpfen. Disziplin ist die erste Aufgabe. Auch in der nächsten Zeit werden wir noch auf einiges verzichten müssen, was wir gern durchführen möchten." Nach ihm erklärte der Leiter der Berliner NSBO., Engel: Ich habe hier ein Rundschreiben der KPD.- Leitung Neutölln, in dem sie ihre Mitglieder auffordert, Zellen in der Unterschrift: Das deutsche Schiff„ Frigga" lief mit der Hakenkreuzfahne Die einzige unabhängige im Amsterdamer Hafen ein, worauf die für die Löschung dieses Schiffes vermittelten Arbeiter sofort in den Streif traten. Der Kapitän beeilte sich darauf, die Hakenkreuzfahne Tageszeitung Deutschlands einzuziehen. Dr. Otto Gabriel, London: Verschärfte Ablehnung in England vw thing Man will von der Barbarei nichts wissen Rechtsanwalt Dr. Frank, ein hysterischer Nichtskönner; Hitlers Reichstagsrede am 17. Mai hatte für turze Zeit die Stimmung des englischen Volkes gegenüber NaziDeutschland etwas gebessert. Man sprach nicht mehr viel von Deutschland, die Zeitungen schrieben nur wenig- und das ist heutzutage das Beste, was Deutschland erwarten kann. Aber lange hielt diese Atempause nicht vor. Besonders das deutsche Vorgehen gegen Desterreich ließ die Stimmung wieder umschlagen. Und jetzt findet man in der Presse fast täglich spaltenlange Berichte über die neuen Schandtaten des faschistischen Regimes in Deutschland. Unter dem Gesichtspunkt des fair play wurde in den bürgerlichen Kreisen Englands vor allem die Unterdrückung der deutschen Sozialdemokratie betrachtet. 7 Millionen wird das Vertretungsrecht geraubt, das war der Generalnenner, unter den man in England das VerDeshalb nehmen auch englische Geistliche bei allen Protesten eine führende Stellung ein. Freilich gelten auch in England mehr als in den meisten anderen Ländern die Geistlichen als die Repräsentanten der Gesamtheit, auch die englische Arbeiterbewegung liegt nicht im Rampf mit der Kirche, die sich mit Taft und Geschick aus den Parteikämpfen herauszuhalten versteht. Wenn eine Kundgebung von den Kirchenhäuptern geführt wird, kann man sie daher in England als besonders repräsentativ für die Gesamtstimmung ansehen. Das gilt auch für eine große Kundgebung in London, die sich gegen die Judenverfolgungen in Deutschland richtete. Den Vorsit führte Lord Buckmaster, ein früherer Lordkanzler in der liberalen Regierung Asquith, ein Mann, der wegen der kannteste deutsche Strafrechtslehrer, mußten gehen. Des gleichen auch der höchste preußische Richter, einer der feinsten Köpfe, der Kammergerichtspräsident Tigges, ebenso die besten Männer im preußischen Justizministerium. Was ant ihre Stelle kam, war des Nationalsozialismus würdig. Direkter Leiter der Geschicke der Justiz im Reiche wurde der ausgewachsene bayerische Junge, der Münchener Lenker der preußischen Justiz der Kasseler Rechtsanwalt Dr. Freißler, schwerer Psychopath, ehemaliger kom munistischer Lebensmittelkommissar, mehrmals angeklagt sauberen Verhaltens im Konkursverfahren der Minister vor dem Ehrengericht der Anwaltskammer wegen un sitzender des größten deutschen Landgerichts der frühere Rerrl ist neben ihm nur eine statistische Figur; Bor Magdeburger Landgerichtsdirektor Hoffmann, der megen seines rechtsbeugenden Verhaltens in der Borunter suchung gegen den jüdischen Kaufmann Haas in der skandalösen Magdeburger Mordaffäre vom Kammer gericht unter Vorsiz des Präsidenten Tigges zu einer Disziplinarstrafe verurteilt worden war. Wenn so die ver antwortlichen Persönlichkeiten in der Rechtspflege aus sehen, was ist da von dieser selbst zu erwarten? bot der SPD. brachte. Viel tiefer wurde das englische Kriegspolitik zurücktrat und nach dem Kriege an der Spike Schuld der Demokratie Bürgertum durch die Behandlung der Kirchen aufgewühlt. In religiösen Fragen ist nun einmal der Engländer auch ein großer Teil des Proletariats- fehr empfindlich. Daß die Kirche unter das Hakenkreuz gebeugt werden soll, daß Hitlers Vertrauenspastor Müller das Vaterunser abänderte, daß die Sonnenwend feier von Staats wegen mit altgermanischen, heidnischen Bräuchen gefeiert wurde bas alles erschien den Engländern als Rückfall in die tiefste Barbaret. Die religiöse Seite spielt ja auch bei der englischen Empörung über die Judenverfolgungen stark mit. Das Argument, die Juden seien das Volk der Bibel, Jesus sei aus dem Judentum hervorgegangen und deshalb dürfe man die Juden nicht schlecht behandeln, taucht in Privatunterhaltungen wie in öffentlichen Versammlungen immer wieder auf. der Versöhnungsbewegung mit Deutschland stand. Die Redner waren der Erzbischof von Canterbury, das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, ferner der Führer der englischen Freikirchen und ein führender Katholik. Die Kundgebung wurde getragen von den führenden Parlamentariern aller Parteien, von den Vertretern der Universitäten, der Kunst und Literatur, von den Gewerkschaften, den Unternehmern, Juristen und Aerzten. Seit 38 Jahren damals protestierte England gegen die Armeniergreuel hat England keine so für das ganze Volf repräsentative Kundgebung gesehen wie diese. Wenn auch die Reden, die gehalten wurden, schwach waren, die Tatsache, daß eine deraraige Kundgebung stattfinden konnte und daß die kirchlichen Oberhäupter dort sprachen, ist entscheidend. Deutsche Richter! Das Ende des Rechts im Dritten Reich Parteilichkeit! Hitlers„ arische" Barbaren machen ihren mongolischen Vorläufern in Mittel- Europa alle Ehre: sie hausen gleich Hunnen auf allen Gebieten der Geisteskultur; sie hatten es ganz besonders eilig mit der Vernichtung jedes Rechtsbewußtseins und Rechtsgefühls, mit der Zerstörung der deutschen Rechtspflege. Seit jeher alles andere als ent schiedene Beschützerin der Republik, wurde diese nun zum nackten Instrument der„ nationalen Erhebung", zur Dirne der allmächtigen SA. Der Prozeß der Entehrung und Entwürdigung des deutschen Richters ist noch lange nicht abgeschlossen. Hitlers Justizminister in Preußen Kerr I hat in einer Rede vor Referendaren also angehenden Richtern mit aller Klarheit die Forderungen an diese präzisiert. Ich verlange," sagte er,„ daß er( der Richter!) Partei ist bis zum äußersten, wenn es um den Bestand der Nation geht." Was damit gemeint war, ist vom neuen Berliner Landgerichts- Vizepräsidenten Dr. Dietrich in der gleich geschalteten" Deutschen Juristen- Zeitung" dargelegt worden: Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Tötung hätten unter gewissen Voraussetzungen straf frei zu bleiben; diesem Grundsatz werde gewiß bei der bevorstehenden Neuordnung des Strafrechts Rechnung getragen werden, damit ängstliche Gemüter unter den Strafrichtern von der Pflicht zur weitherzigen Auslegung des Gesetzes entbunden würden." Mit dieser zynischen Forderung hat der Vizepräsident des größten deutschen Gerichtes die ihm untergeordneten Richter und den deutschen Richter überhaupt zur systema tischen Untergrabung jedweden Rechtsbewußtseins und Rechtsgefühls geradezu aufgereizt. Jn Wirklichkeit hat er aber nichts anderes zum Ausdruck gebracht, als was sein werden aber Korruptionsprozesse gegen Gewerkschafts führer in Szene gesetzt und Arbeiter wegen Verbreitung von Greuelnachrichten, d. h. von Wahrheit, auf Jahre ins Gefängnis gesteckt. Selbst die Ziviljustiz wird politisiert: entlassene republikanische und füdische Angestellte werden trotz ihrer gerechten Gehaltsforderungen abgewiesen. Das ist der deutsche Richter im Dritten Reiche! Die vollkommene Umwälzung der Rechtsgrundsätze und Rechtsvorstellungen beschränkt jich aber nicht auf das Ge biet der politischen Justiz. Die Nazi- Rechtspflege enthüllt sich auch sonst als das, was sie noch in höherem Maße ift, als jede andere bürgerliche Justiz, nämlich als rücksichtsloseste Klassenjustiz. Der Erziehungs grundsatz und die soziale Fürsorge, bisher vorherrschend recht" der Abschreckung und Vergeltung Platz machen. Die in allen Gesezentwürfen, sollen als ,, Margismus im StrafStrafen sollen verschärft, neue Tatbestände wie„ Schutz der Aufartung der Rasse" und„ Schutz der völkischen Symbole" sollen eingeführt, die" hauptsächlichste Strafe für Landes- und Hochverrat Zuchthaus werden. Bereits die neuesten Erlässe weisen den Weg, der beschritten werden soll: Der„ bedingten Verurteilung" wird der Kampf er klärt, ebenso den Geldstrafen; die Begnadigungspragis wird beschränkt, Vollstreckung der Todesstrafe Regel; mirtschaftliche und sonstige Motive der Tat, auf die bisher so großes Gewicht gelegt wurde, sollen von nun ab gering eingeschätzt werden, das persönliche Verschulden tritt bei der Bemessung der Strafe in den Vordergrund. Der humane Strafvollzug, auf den Preußen mit Recht stolz sein durfte, wird verworfen, die soziale Hilfe für Gefangene eingestellt, die Gefängnisse werden militarisiert. Das ganze richtet sich gegen den kleinen Mann; er in erster Linie wird Opfer des Verbrechens als sozialer ErDie deutsche Sozialdemokratie hat, als sie an der Macht war, sich gescheut, die Unabsetzbarkeit und Unabhängigkeit der Richter anzutasten; sobald von oben der leiseste Ber such unternommen wurde, sich in die Rechtsprechung einzus mischen, schrien die richterlichen Kreise, insbesondere deren berufene Organisationen, Zeter und Mordio. Der Mut, den fie damals im Ueberfluß hatten, hat sie jetzt voll und ganz verlassen, sie haben jetzt die Hofen voll, kazbuckeln vor der SA. Politik und schleifen die deutsche Justiz durch den Dreck der Nazi- Gosse. Die Demokratie hat, wie in allen anderen Dingen, auch in der Rechtspflege die richtigen Methoden verkannt. Sie hätte die vorrevolutionäre Justiz ausmisten müssen, um einer entschieden republikanischen und demokratischen den Weg zu bahnen. Sie hat es verabsäumt und hiermit dem Hitler- Hunnentum auch in der Rechtspflege den Weg ge ebnet. Das ist eine historische Schuld. Das 9. Volksschuljahr Praetor. Das berühmte Landjahr muß bezahlt werden Der Kultusminister Rust hat die Einführung eines heraus, daß man dieses Volksschuljahr zu einer Belastung Ernährungskosten aufladen wird, während die Kinder aus der Eltern machen will, denen man einen Teilbetrag für die den Städten bei Bauern untergebracht werden sollen, wo sie dann als unbezahlte Landarbeiter die„ Verbindung zwischen Stadt und Land" verkörpern sollen. neunten Volksschuljahres angefündigt. Es stellt sich jest Zur deutschen Wirtschaftslage Zahl der Arbeitslosen in Deutschland Berlin, 31. Juli.( Jupreß.) Die folgende Berechnung läßt auf die Zahl der Arbeitss lofen schließen: Wenn Ende Juni 1932 12,8 Millionen Arbeits nehmer beschäftigt waren und Ende Juni 1938 13.1 Millis onen, d. h. um 300 000 mehr, und wenn durch die öffentliche Arbeitsbeschaffung, durch Arbeitsdienst, durch Vermittlung zur landwirtschaftlichen Arbeit, wie die Regierungsstatistiken angaben, mehr als 700 000 Mann beschäftigt werden, so muß man nach Abzug der Zahl 300 000 damit rechnen, daß im Jahre 1983 ca. 400 000 Menschen weniger reguläre Arbeit haben, als im Vorjahre. Da etwa 100 000 politische Ges fangene hinzu zu zählen sind und da außerdem mindestens 100 000 Mann in Deutschland aus politischen Gründen übers haupt keine Unterstützung erhalten und in der Statistit nicht geführt werden, kann man selbst nach vorsichtiger Schäßung feststellen, daß in Deutschland in diesem Jahre mindestens um 600 000 mehr Arbeitslose vorhanden sind, als im Vorjahre. Die führende englische Wirtschaftszeitung„ Economist" ellt fest, daß es in Deutschland„ noch keine tatsächliche Wirtschaftsbelebung gibt. Die Mehrbeschäftigung ist vor allem auf den sogenannten Gerede- Plan zurückzuführen. Diese Mehrbes schäftigung liefert nur ein Scheinbild. Außerdem werden die arbeitslosen SA.- Mitglieder nicht registriert.“ 2 scheinung. Und das nennt sich nun Nationalsozialismus Rückwärts! Rückwärts! oberster Führer, der Reichskanzler des Dritten Reiches, in seinem Gruß an die zum Tode verurteilten Meuchel und mörder des Kommunisten in Potempa vor einem Jahr ausgchen hatte. Er begrüßte sie in seinem Telegramm als Kameraden und Helden und urteilte damit die Richter ab, die nach bestem Wissen und Gewissen laut Gesetz das Todesurteil gefällt hatten. Der damals noch republikanische" Oberstaatsanwalt Steinecker gab aber diesem Hitlerschen Ausspruch die theoretische Fundierung; im„ Bölkischen Beobachter" sagte er es klipp und klar heraus: nicht die Tat, sondern die Motive haben maßgebend zu sein, die gleiche Tat, etwa Mord müsse in einem Falle drakonisch hart bestraft werden, im anderen straffrei ausgehen. Schutz braunen Verbrechern! Dieser strafrechtswissenschaftliche Grundsatz, der auch in dem neuen Strafgesetzbuch festgelegt werden soll, wurde schneller, als der Oberstaatsanwalt Steinecker es geahnt, Wirklichkeit. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand durften die SA.- Leute ungestraft ihre ungezählten sadistischen Verbrechen an Mitbürgern begehen. Die damals noch republikanische Staatsanwaltschaft versuchte einzu schreiten, sie wurde aber bedeutet, sich hübsch ruhig zu verhalten und... sie kuschte. Den Verbrechern aus diesem Stadium der„ nationalen Revolution" ist jetzt vollkom mene Straffreiheit zugesagt: eine weitgehende Amnestie. öffnet die Tore der Gefängnisse auch den nationalsozialistischen Mördern, die seinerzeit von der republikanischen Justiz erfaßt wurden. Auf das Grab der Mörder von Rathenau sind von der Nazi- Regierung Kränze niedergelegt, gemeine Verbrecher sind offiziell als Helden heilig gesprochen worden. So dürfen die SA.- Mörder ihre viehischen„ Heldentaten" an Wehrlosen auch heute noch, wie erst vor wenigen Tagen an Stelling, fortsetzen; keine Polizei, kein Staats. anwalt, kein Untersuchungsrichter rührt sich. Dafür Feine Nummern Der deutsche Richterbund wie auch der preußische, der anfangs gegen die„ Gleichschaltung" so etwas wie einen Protest wagte, erklärte schließlich seinen Beitritt zum Bund nationalsozialistischer Juristen. Ebenso wurde sein Organ,„ Die deutsche Juristenzeitung", gleichgeschaltet. Männer wie Professor Radbruch und Rechtsanmalt Otto Landsberg, beide frühere sozialistische Reichsjustizminister, wie James Goldschmidt, vielleicht der be asosid Maschinen werden in Thüringen bestraft Weimar, 26. Juli.( Inpreß.) Zwei Fabrikanten in Thit. ringen, die trotz des Erlasses ihre Blasmaschinen je vierundzwanzig Stunden lang haben laufen lassen, statt sie stillzulegen und Glasflaschen und Kugeln bei 75 Grad Hiße mit Zungenkraft blasen zu lassen, sind mit fe 1000 Mtart Strafe belegt worden. Berantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: ..Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Deutsche lassen ihre Möbel und sonstigen Stückgüter nach Frankreich einzig und allein befördern durch STERN- EXPRESS 31, Rue de Pétrograd- PARIS 8. ( Nähe Place Clichy) Téléphon: Europe 60,10. Kabeladresse: Sternex- Paris Sammelwaggons aus den wichtigsten Städten Deutschlands. 1-3 mal wöchentlich nach Paris- Riviera und den tranz. 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