Preis: 60 1. cts. Fretheil Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 38-1. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, den 3. August 1933 Chefredakteur: M. Braun Das ruhevolle Licht, welches der sterbende Goethe begrüßte, scheint in unserem aufgeregten Jahrhundert entschwunden zu sein; aber es wird in der Ferne widergespiegelt von den hohen sozialistischen Gipfeln, und wir begrüßen es als eine Ankündigung der Morgenröte. Jaurès. Gekaufter Mordspitzel verhaftet! Das Bild eines Menschenjägers Das ist Heinrich Müller aus Dortmund, der im Auftrage der Geheimen Staatspolizei das Saargebiet wiederholt bereift hat. Das Ziel seiner Arbeit war, fich an bekannte sozialdemokratische Emigranten herans zumachen, diese auszuhorchen und sie möglichst in die Nähe der Reichsgrenze zu loden. Seine Hintermänner hoffen, die gesuchten Sozialdemokraten dann ebenso leicht über die Grenze bringen zu können, wie ihnen das bei Homburg vor jegt zehn Tagen gelungen ist. Dieser Spigel der Geheimen Staatspolizei versuchte ferner über die illegale Arbeit im Reiche Näheres zu ers fahren. Er überbrachte Grüße von Sozialdemokraten im Reich, die ihn nie beauftragt haben. Er bot sich als Uebermittler von Nachrichten an und glaubte wohl auf diese Art, hinter einen gar nicht bestehenden Kurierdienst zu kommen. Er wurde aber nur an der Nase herumgeführt. Er war mit reichen Geldmitteln ausgestattet und glaubte burch Spenden das Vertrauen armer Emigranten erwerben zu können. Seine Auftraggeber lassen sich die sorgfältig vor: bereitete Attion etwas tosten. Für die Jagd auf Marxisten haben die Herren Hitler und Göring immer Geld. In einem alle wandte er, ganz nach der alten Methode Judas Jicharioth, den Trid an, einen Sozialdemokraten, den er von früher her kannte, zu umschmeicheln und ihn vor den drohenden Gefahren zu warnen, da er wohl dachte, ihn so besonders vertrauensselig zu machen. Auch diese Methode mißlang. Müller gilt in seiner Heimat, aus der wir uns sein Bild beschaffen konnten, als„ Kommunist". Er ist auch einmal zu 316 eineinhalb Jahren Gefängnis wegen Hochverrat verurteilt worden, brauchte aber nur knapp ein Jahr davon abzufigen. Ob er unter eine der vielen Amnestien gefallen ist oder Meincide im Reichstagsprozeß Die Nationalsozialisten kaufen Zeugen Die Hitler- Regierung ließ dieser Tage die Nachricht verbreiten, daß mit wetteren Angeklagten im Reichstagsbrandprozeß, der Anfang September in Leipzig stattfinden soll, au rechnen sei. Es ist bereits mehrfach vorgekommen, daß die Hitler- Regierung die Zahl der Angeklagten einschränkte, und dann wieder erweiterte. Sofort nach dem Reichstagsbrand behaupteten führende Leute der Hitler- Regierung, daß sie alle Beweise über die Schuld der angeblich kommunistischen Brandstifter in Händen habe. Später hörte man nur noch von der Anklage gegen van der Lubbe. Nach einiger Zeit wurde bekannt gegeben, daß nach wie vor Torgler, Popoff und Taneff in die Anklage einbezogen jeien. Der Untersuchungsausschuß zur Aufklä zung des Reichstagsbrandes hat klare Be weise in der Hand, daß die Hitler- Regierung nicht nur van der Lubbe, das Werkzeug der wahren Brandstifter,& u 19 sifont des der Geheimen Staatspolizei einzeln begnadigt worden ist, konnten wir nicht feststellen. Sicher aber ist, daß er schon vor einer Reihe von Jahren als dunkler Ehrenmann galt, der gegen entsprechende Be zahlung sich jeder Organisation als Spigel zur Verfügung ftellte. Jetzt ist er in Met verhaftet worden, und zwar im Zus sammenhang mit einer Aktion, die von Köln her zur Ver: schleppung und Ermordung führender Sozialdemokraten im Saargebiet geplant war. Heinrich Müller wird einstweilen seine Arbeit einstellen müssen. Er hat aber viele Komplicen. Vorsicht bis zum Mißtrauen ist angebracht. Die Menschenjagd wird vom Reiche her organisiert und bezahlt. Es gibt kein Verbrechen, das man nicht zu begehen entschlossen ist, wenn es verhaẞte Marristen in die Gewalt und in die Folter der Henker des Dritten Reiches zu bringen geeignet ist. Die neue Terrorwelle Paris, 2. Aug.( Inpreß.)„ Le Journal" spricht von den Ausbürgerungsankündigungen der deutschen Regierung und bemerkt in den Zusammenhang, die nationalsozialistische Preffe hete besonders gegen Breitscheid, den die„ Kreuzzeitung" sogar mit dm Tode bedrohe. „ Manchester Guardian" stellt fest, daß die ganze Kampagne wahrscheinlich nur eine Vorbereitung für eine neue Terrors welle gegen Margisten" ist. off 15/15 falschen Aussagen bewogen hat, sondern daß auch mehrere Nationalsozialisten von ihrer Parteileitung fommandiert sind, unter Eid falsche Aussagen gegen Torgler und gegen die verhafteten drei Bulgaren zu machen. Ein Beispiel für die Arbeit solcher kommandierter Zeugen ist folgende zuverlässige Nachricht:" Im Gefängnis Plößensee sitzt der Schriftsteller Werner Hirsch, der seit März verhaftet und Ende April im Horst Wessel- Haus bei einer Vernehmung schwer mißhandelt wurde. Hirschs Name wurde bisher niemals im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand genannt. Anfang Juli wurde Hirsch wieder zur Vernehmung vorgeführt und mehreren Beugen" gegenübergestellt, die aussagten: sie hätten ihn im Februar vor dem Berliner Karl Liebknecht- Haus im Gespräch mit Marinus von der Lubbe gesehen. Es droht demnach auf Grund falscher Zeugenaussagen die Einbeziehung von Werner Hirsch in die Reihe der unschuldig Angeklagten Blanke Waffe ...... Und schlagen Hitler tot!" Westfälische Kunde It Aus Dortmund wird uns geschrieben: Immer stärker wird in den Industriegebiete aber auch im östlichen Teile der Provinz der SA. und SS. Täglich wird die Bevölkerung dura cue Hiobspost erschreckt. In den vergangenen Wochen beschäftigten sich die braunen Bataillone mit Streifzügen gegen die zahlreichen Heime sowohl der Jugendorganisationen der SPD. wie des Jungdeutschen Ordens, der in der dortigen, überwiegend protestantischen Gegend eine ziemlich große Anhängerschaft besitzt. Der Zustand dieser Gebäude läßt sich kaum beschreiben. Alles ist zertrümmert, gestohlen oder verwahrlost wie überall, wo SS. oder SA.„ besetzen". Ganz offizell wird jetzt SA. nicht bloß zum Polizeihilfsdienst herangezogen, sondern man stellt sie an die Stelle der Polizei ein, die zum Zwecke militärischer Uebungen im Sennelager eingezogen" wurde. Die Polizeibeamten erhielten zu diesem Zweck Urlaub und werden nun, jedermann sichtbar, bei Paderborn militärisch gedrillt. Druck erzeugt Gegendruck. Trotz aller Maßnahmen, trotz der Beschlagnahmungen und Verhaftungen geht antifaschtstische Literatur von Hand zu Hand. In Dortmund erlebten wir vor einigen Tagen eine seltsame Ueberraschung, die den berüchtigten Polizeipräsidenten Schepmann und seine Helfer in furchtbare Aufregung versezte. An mehr als tausend Häusern der Stadt waren über Nacht Plakate angeklebt Reichswehrsoldaten und SS. worben, die folgenden Text hatten: Sannover, 1. Aug.( Eig. Bericht.) In dem Kaffeehaus Georgs- Palast" in Hannover kam es zu einem schweren Swischenfall zwischen Reichswehr- Soldaten und Angehörigen der SS. Gegen Mitternacht betraten etwa ein Dußend SS. Beute in Uniform und in offensichtlich stark betrunkenem zu stande des vollbesetzte Lokal. Als sie an dem Tische der Reichswebr- Soldaten vorübergingen, versuchten einige der ES. Leute, eine Unterhaltung mit den Soldaten zu beginnen, was diese jedoch in eindeutiger Weise ablehnten. In der Musikpause rief einer der Nationalsozialisten( seinen Abzeichen nach 8 er ein höherer Führer gewesen sein) den Reichswehr, grüßen haben Die Soldaten reagierten auch auf diese Anrempelung nicht. In seiner Wut stürzte sich in diesem Augen blid der SS.- Führer auf den Kapellmeister mit den Worten: das gleiche tue. Ein Teil der Gäste folgte der Anweisung. andere, darunter die Reichswehr- Soldaten, blieben sizzen. Hierauf sprangen die SS.- Leute gegen den Tisch der Reichswehr, schrien auf sie ein und forderten die Namen; einer der Unteroffiziere verbat sich dieses Benehmen und ersuchte die SS.- Leute, sich von dem Tisch zu entfernen. Als Antwort versuchte ein SA.- Mann, den Unteroffizier zu fassen, gleichzeitig drangen die SS.- Leute geschlossen auf die Soldaten ein. Es entstand ein Handgemenge; die mehr rückwärts stehenden Soldaten zogen in der Notwehr die Waffen. Auf diese Wenbuna tienen die eerteten Waffen uger ett Anblick der auf flohen sie mit Riesenschritten. soweit ihre Besoffenheit es gestattete, und mit Hilferufen aus dem Lokal. Braunschweig, 1. Aug.( Inpreß.) „ Wir werden diesen Burschen schon zeigen. Ich befehle Ihnen, Jüdischer S udent ermordet! lebt sofort das Horst- Wessellied zu spielen!" Der Kapellmeister verwies mit höflichen Worten darauf. daß das Spielen dieses Riedes durch Verordnung der Regierung in öffentlichen Lokalen verboten sei. Als der SS.- Führer aber auf seinem Befehl beharrte und eine drohende Haltung einnahm, wurde das Horst Wessellied intoniert. Die S.- Leute standen auf und verlangten, daß das Publikum Ein junger polnischer Student, namens Zauberel, ist von SA.- Leuten ermordet worden, weil er angeblich absprechende Bemerkungen über Göbbels gemacht hätte. Seine Leiche wurde der jüdischen Gemeinde übergeben. „ Gibt uns Adolf bis Weihnachten kein Brot, dann werden wir wieder rot und schlagen Hitler tot!" In hellen Scharen standen die Dortmunder vor diesen Anschlägen, die schließlich von Polizeibeamten mit Hilfe von SA. mühevoll entfernt wurden. Das bezeichnende Verschen aber geht unter der Dortmunder Bevölkerung von Mund zu Mund und hat bereits überall in Westfalen Eingang ge= funden, wenn es aus begreiflichen Gründen auch nur ge= flüstert werden kann. In Särgen! Barbarische Mißhandlung kommunistischer Gefangener Im Gefängnis Plößensee verübten die Nazis eine sadistische Missetat. Sie fündigten einigen kommunistischen Gefangenen an, daß diese lebendig begraben werden sollen, legten sie in Eärge, die sie vorher mit Luftlöchern versehen hatten und trugen sie lange Trepp auf und Trepp ab, damit die so Gefolterten den Eindruck hatten, daß die viehische Drohung wirklich ausgeführt würde. Später brachten sie die Gefolter ten in ihre Bellen zurück. Europa gegen Flicgerangriff auf Oesterreich ial allo Von allen Selten hagelt es proteste- Schwere Verletzung von Versailles"-Ganze Rudel von Hakenkreuz- Fliegern über Salzburg- Helle Empörung beim Publikum England will eingreifen... ,, Beispiellose Verletzung der Friedensverträge" Am Freitag erschienen neuerlich reichsdeutsche Flugzeuge über Desterreich, und zwar hatten sie diesmal die Stadt Salzburg zum Ziel ihres Raids erwählt. Die Piloten streuten Flugzettel aus, deren Inhalt Beschimpfungen gegen die Regierung enthielten. Da durch diesen Att abermals eine schwere Verlegung der Hoheitsrechte Desterreichs erfolgte, wurde wurde der österreichische Gesandte in Berlin, Ingenieur Tauschig, angewiesen, beim Reichsaußenmininochmals energisch Der Agentur Havas wird aus London gemeldet: In London wird auf die schwerwiegende Situation hins gewiesen, welche durch die reichsdeutschen Fliegerraids über öfterreichischem Gebiet zweds nationalsozialistischer Propaganda vorgenommen wird. Die britische Regierung verfolgt Diese Tätigkeit mit allem Intereffe. Troß der offiziellen Zugegen folche Uebergriffe an protestieren. rückhaltung wird diese reichsdeutsche Aktion in den verant wortlichen Kreisen als beispiellose Verlegung der Friedensverträge von St. Germain und von Bersailles aufgefaßt. Man scheint weiter damit zu rechnen, daß sich London nicht einfach mit der Rolle eines Zu schauers begnügen wird, nachdem nationalsozialistische Wühle: reien in einem Lande vor sich gehen, dessen Integrität durch Verträge zugesichert wurde, die auch Großbritannien unters zeichnet hat. Weiter wird betont, daß die britische Regierung nicht untätig eine Politit gewähren lassen könne, welche die wirtschaftlichen und politischen Verhälts niffe Desterreichs aufs Spiel sege. Braunes Armeekorps für Oesterreich? Paris, 1. Aug. Das„ Journal des Debate" bringt in seiner heutigen Ausgabe folgende Meldung: Hier ist eine Tatsache, die die Entschloffenheit Hitlers gegenüber Defterreich zeigt und an der Frankreich nicht schweigend vorübergehen kann: im Juli find die Sturmabteilungen neu organisiert worden, um sie leichter in eine all: gemeine Mobilmachung eingliedern zu können. Man hat die SA. eingeteilt in fieben Ober: gruppen", die bis auf den legten Punkt den sieben Reichs= wehrverbänden entsprechen. Man hat aber außerdem eine achte Obergruppe" geschaffen; ihr Standort ist Linz, die Hauptstadt Oberösterreichs, und fie umfaßt, wie das amtliche Kommunique sagt, den Staat Defterreich". Dieser standalöse Borgang, der in der Geschichte der Kulturvölker seinesgleichen fucht, beweist, worauf man sich bei Herrn Hitler vorzubereiten hat. „ Flleger über Salzburg" Flugblätter, die von Schmähungen strotzen, wurden abgeworfen... Wir haben schon gestern berichtet, daß die dauernden Propagandaflüge deutscher Hakenkreuzflieger über Desterreich überall großes Aufsehen erregen. Beson ders in Paris nimmt man diese neuen Herausforde rungen der Hitler- Regierung sehr ernst. Zumal es sich hier um wirtliche Flieger handelt nicht um Schatten, die in der Retorte des Propagandamini: fteriums im Einvernehmen mit Göring gezeugt wurs Sen. Seute liegt aus Salzburg folgendes Bericht vor: Wie wir von amtlicher Seite erfahren, haben sich die bane rischen Lokalbehörden bereits dahin geäußert, daß es sich hier, wie sie behaupten, um„ Schwarzstarter" handle, für deren Unternehmungen sie jede Verantwortung ablehnen. Es bleibt einer weiteren Untersuchung vorbehalten, ob diese Rechtfertigung in der Form stichhaltig ist. Die deutsche Regierung wird sich ebenfalls gegenüber dem offiziellen Protest des österreichischen Gesandten in Berlin in eindeutiger Weise äußern müssen. Ueber diesen illegalen Propagandaflug über Salzburg erfahren wir folgende Einzelheiten: Gestern vormittags gegen 11 Uhr haben vier reichsdeutsche Flugzeuge bei Reichenhall die Grenze überflogen, verweilten zehn Minuten über österreichischem Territorium und kehrten dann, ohne weitere Aktionen unternommen zu haben, wieder in der Richtung nach Reichenhall um. Es wurde ziemlich einwandfrei festgestellt, daß die Flugzeuge dieser Staffel folgende Kennzeichen trugen: D 2425, D 8485, D 2485 und D 4885. Knapp nach diesem Raid erschienen nach einer halben Stunde nenerdings drei Flieger über Salzburg. Die Hoheitszeichen waren nur ganz undeutlich zu erkennen. Bemerkenswert ist, daß sie über eine Viertelstunde lang die Stadt überflogen und viele tausend Flugzettel abwarfen. Es wurden drei Arten von Propagandaschriften gefunden. Eines dieser Flugblätter enthielt die bekannte Habicht- Rede, die nunmehr zum drittenmal hier abgeworfen wurde. Das zweite Pamphlet begann mit den Worten:„ Brüder, ballt die Faust!" und stroßte von Schmähungen gegen die Regierung. Eine ähnliche Schmähschrift war gleichfalls anläßlich des letzten Einbruches der Propagandaflieger über Salzburg verbreitet worden. Inhaltlich neu war der dritte Zettel in gelber Farbe, in dem die Bevölkerung zum Steuerstreif und zur Abhebung der Spareinlagen, also zu offenem Hochverrat und zur Sabotage gegen das Heimatland aufgefordert die Stunde gewählt, als die Deutschmeistertapelle auf dem Die Flieger hatten zum Zeitpunkt ihres Anschlags gerade Residenzplab in Salzburg tonzertierte. Das Publikum, unter dem sich zahlreiche Ausländer von Distinktion befanden und das in dichten Scharen dem Konzert beiwohnte, gab Jeiner ungeheuren Empörung In englischem Blitzlicht Deutschlands Führer in greller Beleuchtung Die ausländischen Geldquellen London, 2. August.( Inpreß.) In London erscheint ein Buch von Steel, welches Hitler mit Frankenstein, dem Belden eines Gruselfilms, vergleicht. In diesem Buch werden sensationelle Mitteilungen über die Finanzmittel der Nationalsozialisten gegeben. 10 Jahre lang habe diese Bewegung in England, Schweden, den Bereinigten Staaten von Amerika und in Frankreich Geld gebettelt... Schacht habe in Amerika den dortigen Finanzbaronen immer wieder vorgehalten, Hitler werde die von den Amerikanern in Deutschland investierten Kapitalien schützen. Nach Steel haben die Nationalsozialisten von Morgan 85 000 Dollar geschenkt be tommen, von General Motors 200 000, von Ford 40 000 Dollar. Ford wurde im Auftrage Hitlers von einem preußischen Prinzen angebettelt... Der schwedische Zündholakönig Kreuger habe Göring ungeheure Mittel gegeben. Auch die gesamte Ruhrindustrie habe immer wieder gezahlt. Durch Arnold Rechberg sei Hitler besonders auch mit der französischen Rüstungsindustrie in Verbindung getreten. Wells über Hitler London, 1. August.( Inpreß.) Der berühmte englische Schriftsteller und Historiker H. G. Wells, der eine Geschichte ber nächsten hundert Jahre schreibt, charakterisiert in diesem phantastischen Buch auch Adolf Hitler, eine der unglaub lichsten Gestalten in der ganzen Geschichte". Er bemerkt, daß Hitler nach dem Muster von Mussolini handelte, aber intellektuell weit geringer einzuschätzen ist. Er nahm das Schlechteste, was es im faschistischen Regime gab," es war in schärfster Weise Ausdruck. Laute Pfuirufe erschollen un allgemeine Entrüstung über die beispiellose Provokation wurde laut. Nach diesem Propagandafeldzug schraubten sich die Flieger in die Höhe und entfernten sich gegen Salzburg in der Richtung gegen das Salzkammergut zu. Sie wurden über verschiedenen Ortschaften gesichtet. Ste saben hier von Abwürfen ab, entfernten sich schließlich wieder in westlicher Richtung und verschwanden hinter Reichenhall... Der entscheidende Angriff steht noch bevor!" Die sehr ruhige und objektive Basler„ Nationals Zeitung" beurteilt die Lage zwischen Hitler- Deutsch land und Desterreich sehr ernst. Sie schreibt unter anderem: Hat doch der Reichskanaler soeben auch auf wirtschaft lichem Gebiet eine Marneschlacht erlebt. Die fürzlich von ihm ausgegebene Parole„ Evolution, nicht Revolution", mag vielen seiner Parteigenossen sehr unangenehm in die Ohren geklungen haben. Schon aus diesem Grunde muß Hitler auf anderen Gebieten Erfolge suchen. Da sein At tionsprogramm in letzter Zeit unter dem Druck verschiede ner Umstände start zugestutzt werden mußte, bleibt ihm sten nur noch eine aussichtsreiche Betätigungsmöglichkeit neben dem Kampf gegen Juden und Marris übrig: der Kleinfrieg gegen Desterreich. Sollte er auch hier auf unüberwindliche Hindernisse stoßen- und nach Aeußerungen von französischer Seite wäre dies feines wegs ausgeschlossen so erlitte dadurch sein Ansehen einen schweren Stoß. Großes Aufsehen hat es fürzlich erregt, daß die sonst in allen politischen Dingen äußerst zurückhaltende amtliche " Wiener Zeitung" aus der Feder eines reichsdeutschen Pub lizisten einen Artikel veröffentlichte, in dem nachdrücklichst davor gewarnt wird, jeßt der österreichischen Neigung aum Quietismus nachzugeben und es nach anscheinender Abwehr der akuten Gefahr beim Erreichten bewenden zu laffen, denn Hitler betrachte nach wie vor die Unterwer fung Desterreichs als eine feiner Hauptauf gaben. Der Artikel erinnert an die Schicksale des Generals von Schleicher, der einen Augenblick lang allzu optimistis war, vor einem entscheidenden Schlag zurückschredte unb darum von dem zwar geschlagenen, aber nicht vernichtetes Gegner bestegt wurde. Auch Desterreich müsse vor einem unberechtigten Optimismus, der sich sogar hie und da im Regierungslager zeige, auf der Hut sein, denn ber entscheidende Angriff stehe noch bevor... nationalsozialistischen Provokationsmarsches durch die Arbeiterviertel beteiligt waren, vom Sondergericht jetzt zum Tode verurteilt wurden, büßten gestern mit ihrem Leben die Tatsache, daß seit 30. Januar in Deutschland Adolf Hit ler und sein Henker Göring regiert. Das ist falter, überlegter Mord! Herr Göring, der Mor phinist, der sadistische Henker des„ Dritten Reiches", veran eine jämmerliche und tragische Phase, der Frrsinn einer mortet mit seinem Namen diese furchtbare Tat. Man mut großen Nation." Ein Porträte London, 1. August.( Inpreß.) Im Sunday Referee" schildert ein Interviewer den Minister Göbbels wie folgt: " Ich konnte kaum ein Lächeln unterdrücken: ein kleiner, rnterdurchschnittlicher Mann, der nicht übermäßig arisch aussah, ein mißratener Schädel und ein zurückweichendes Kinn, das ist der Mann, von dem es heißt, er set nächst Hitler der Mächtigste in Deutschland. Ich habe eine große Menge von Berühmtheiten interviewt Mussolini, den Papst, Strindberg, Anatole France, Shaw, Rockefeller, Morgan eine sehr gemischte Gesellschaft. Sie sahen nicht immer gut aus, aber sie hatten einen Schädel, ein Gesicht, einen Blick; fie waren starke Männer mit entschiedener Haltung, aber biefe fleine Marionette- gut, vielleicht hat sogar dieser fleine Zwerg etwas dem deutschen Volke zu sagen." Der Mann der Friedländer London, 1. August.( Inpreß.) In einem Interview mit Dr. Göbbels, das im Londoner„ Sunday Referee" mitgeteilt wird, gibt der Interviewer eine besonders rohe Aeußerung des Herrn Propagandaministers wieder." Ich schäße eine gewöhnliche anständige Prostituierte höher als eine verheisich vorstellen, daß in Deutschland junge Menschen, die in der Hitze des Wahlkampfes, unter Formen, wie sie von ben Nationalsozialisten eingeführt wurden, zur Waffe griffen, den Gegner töteten, so wie er hunderte ihrer Genossen tö tete, nun einfach auf die Guillotine geschleppt und hingerichtet werden. Die Mörder von Potempa aber, jene„ Stames raden" Hitlers, die voriges Jahr zu mitternächtiger Stunde einen Arbeiter in seinem Bette überfielen und in des Wortes wahrster Bedeutung mordeten, laufen frei herum, be decken sich mit den bluttriefenden Ehren, die der nationalso aialistische Staat in festlichen Feiern an sie außteilt! Das ist Hitler- Deutschland, das Land des Unrechtes und der Unfreiheit, das Land des Faschismus, der nun seine Mörderhand nach allen ausstreckt, die anderer Gesinnung sind. Legalisierter Mord! Das ist das Ideal des Dritten Reiches. Ihn brauchen die Herren Göring und Hitler, um ihre Gewaltherrschaft erhalten zu können. Nicht geistige Ueber windung, nein physische Vernichtung des politischen Geg ners, das ist die Parole, nach der sie ihr scheußliches Verbrecherhandwerk betreiben. Heute führt man kommunisten zur Guillotine, morgen werden es Sozialdemokraten sein und in einigen Wochen schon wütet der blutige Mordrausch des Herrn Göring gegen alle, die sein System hassen, die auch nur den leiseften Zwei fel an der Richtigkeit seiner Geseze laut werden lassen. ratete Jüdin, denn sie ist wenigstens eine christliche Landes Spanien Rußland- Frankreich tochter. Was aber ist eine Jüdin?" Die Frau des Herrn Dr. Göbbels hat einmal Friedländer geheißen. Vierfacher Mord legal Ein verärgertes Blatt Paris, 2. Aug. Der„ Ordre" beschäftigt sich in einem Ars tikel mit der Anerkennung Sowjetrußlands durch die spanische Regierung und schreibt u. a.: Die spanischen Sozialisten sollen die spanische Regierung veranlaßt haben, die Sowjets anzus erkennen. Wahrscheinlich aber ist, daß führende fran zösische Kreise, die für die Allianz mit Rußland find, von ihren spanischen Kreaturen zunächst die Anerkennung ber Sowjets gefordert haben, um fie später an einem Bündnis zu bestimmen. Ministerpräsident Azana ist darauf eingegangen Glauben, sich damit auch gegen die spanischen Fas 4 Junge Kommunisten wurden hingerichteten Der Amtliche Preußische Pressedienst teilf mif: In Altona sind heute morgen die vier Kommunisten Lütgens, Möller, Karl Wolff und Bruno Tesch hingerichtet worden, die das Sondergericht in Altona am 2. Juni 1933 wegen der Ermordung der SA.- Männer Koch und Büppig am Altonaer Blufsonntag zum Tode verurteilt hatte. Die ersten politischen Opfer der Göringschen Blutgesetze bedt der Rasen des deutschen Zuchthauses. Bier junge Kommunisten, die im vergangenen Jahr kurz vor den Juliwahlen in Altona maßgebend an der Schießerei aus Anlaß eines verteidigen zu können, die, wie man ihm erklärte, im Bunde mit Italien die Rückkehr von Alfons XIII, vorbereiten. Allianz für den nächsten Krieg. Auf militärischem Gebiet Das eigentliche Ziel ist also die spanisch franzöfifche mache fich bereits eine Annährung bemerkbar. Das Blatt ers wähnt, daß mehrere spanische höhere Offiziere an Manövern in der Gegend von Bordeauz teilnehmen. Macdonald vor dem Rücktritt? Premierminister Ramsay Macdonald soll die Absicht haben, infolge des Scheiterns der Weltwirtschaftskonferenz, deren Präsident er war, aus dem englischen Kabinett auszutreten. Er würde dann den Posten eines Botschafters in Washington übernehmen. Das Neueste Die vom Marinefturm unterstützte Kriminalpolizei in Emden hat fünf Kommunisten verhaftet, die hochverräterische Druckschriften herstellten. Die Vervielfältigungsapparate und das dazugehörige Material wurden beschlagnahmt. Die französische Regierung hat die erste Hälfte des von einer englischen Bantengruppe dem französischen Schazamt im April gewährten Kredits von 30 Millionen Pfund Sterling, also 15 Millionen Pfund Sterling, vor dem Fälligkeitstermin zurückbezahlt. Bei einer großen Razzia in Iserlohn, wurden mehrere Rommunisten verhaftet und ein Kommunistenführer bei einem Fluchtversuch erschossen. Bei Toulon find riesige Waldbrände ausgebrochen, zu deren Ortschaften find bedroht. Die Straße Toulon- Marseille i Bekämpfung auch Truppen aufgeboten wurden. Mehrere stellenweise für Wagen nicht passierbar. Ein wegen Sittlichkeitsverbrechen zu acht Jahren Zuchthaus verurteilter Italiener sollte aus dem Gefängnis in Barcelona nach einer anderen Strafanstalt geschafft werden. Seine Mit: gefangenen benutten die Gelegenheit zu einer Meuterei. Sie • zertrümmerten die Betten und Stühle der Zellen und ver= fuchten auch die Türen einzuschlagen. Ein Gefangenenwärter wurde schwer verlegt. Die Gefängnisleitung mußte Militär zu Hilfe rufen, um der Meuterer Herr zu werden. Nach Blättermeldungen soll in der Gegend von La Valle, 250 Kilometer von Buenos Aires gelegen, in 20 Meter Tiefe, ein großes Petroleumlager entdeckt worden sein. Eine vom französischen Alpenklub organisierte Expedition wird dieser Tage nach dem Kaukasus abfliegen, um einige hochgelegene Spigen der Kaukasuskette zu besteigen und zu erforschen. Anstelle der für dieses Jahr abgesagten großen franzö fischen Manöver werden jetzt im Feldlager von La Courtine von der 25. Infanteriedivision Geländeübungen abgehalten, 17 bad.. Brüsseler Kongreß einig 250 Die Arbeiter aller Länder wider den Faschismus Kundgebungen für das vergewaltigte deutsche Volk! vergewal M. B. Brüssel, 1. August 1933( durch Telefon). Der heutige Tag des JGB.- Kongresses stand ganz unter dem Eindruck des einmütigen Kampfes gegen Reaktion und Faschismus. Nach einem ausgezeichneten, zündenden Referat von Schevenels über Faschismus und Kriegsgefahr entspann sich eine sehr lebhafte Diskussion, an der sich die Delegierten sämtlicher Länder beteiligten und bei der einhellig zum Ausdruck kam, daß die furchtbaren und barbarischen Taten des deutschen Hitlerfaschismus über alle Proteste hinaus die Anwendung aller Aktionsmittel seitens des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der Sozialistischen Arbeiter- 3nternationale notwendig machen und sie mündete in den erneuten Aufruf an alle, die die Freiheit lieben, sich zu einem Kampf sowohl durch Wort und Schrift, wie durch Organisation und Erziehungsarbeit, wie mit jedem geeigneten wirtschaftlichen und politischen Mittel zusammenzufinden, um die Herrschaft der Gewalk über die Vernunft und der eisernen Faust über den freien Willen ein Ende 3u bereifen. Die Diskussion war zugleich eine eindeutige Kampfansage an den Faschismus und die Dikkatur in jeder Form und ein Bekenntnis zur Freiheit der Völker und zur internationalen Solidarität. * Ganz besonders stark kam das Mitgefühl mit dem unterdrückten deutschen Volke, das von Hitler vergewaltigt wird, zum Ausdruck. Eine tiefgefühlte Trauer über die von den Hitler- Banden hingemordeten Kameraden, wärmste Sympathie für die verfolgten, verhafteten und eingekerkerten deutschen Arbeiterführer und-funktionäre und unverbrüchliches Gelöbnis unbeschränkter Solt darität für die Notleidenden gaben dem heutigen Tag des Kongresses neben der Empörung über die nationalsozia listischen Greueltaten und furchtbaren Barbareien des Faschismus den anderen Grundton. Der Gesamtverlauf dieses Tages war ein einziger Appell an alle zivilisierten Bölker: Er stellte mit Genugtuung fest, daß alle zivilisierten Völker in spontaner Weise nicht nur durch Proteste und Kundgebungen, sondern auch durch direkten moralischen und materiellen Boy= kott und andere positive Mittel auf wirt schaftlichem, finanziellem und politischem Gebiet die unglaubliche Provokation der national= sozialistischen Barbarei beantwortet haben. Er war aber zu= gleich auch eine ernente Mahnung an das Weltgewissen, sich nicht nur der großen Gefahren für die internationale Arbeitsgesetzgebung, sondern mindestens so sehr für den Frieden und die Kultur bewußt zu werden, die dieser hemmungslose chauvinistische Nationalismus und diese politische und soziale Reaktion für die ganze menschliche Gesellschaft bedeuten. Wir werden in einem besonderen Artikel die einzelnen bereits ergriffenen Maßnahmen chronologisch aufführen. Saar- Debatte in der Kammer Protest gegen die Verschleppungen steht bevor Neutrale Truppen zum Schutz der Abstimmung? Immer wieder: die Schuld der Nationalsozialisten Paris, 1. Auguft.( Eig. Bericht.) Wie wir erfahren, ist für den Wiederzusammentritt der französischen Kammer ein Interpellationsantrag angekündigt, der sich mit der Verschleppung von zwei Franzosen durch Nationalsozialisten aus dem Saargebiet in die Pfalz befaßt. In diesem Antrag wird an die französische Regierung die Frage ges Daß solche Pläne überhaupt erörtert werden können, st eht großgeschrieben auf dem Schuldkonto der Nationalsozialisten. Immer zeigt sich, daß ihre Politit, im Reiche wie an der Saar, gegen die Interessen des deutschen Volkes gerichtet ist. richtet, was sie angesichts diefer Menschenjagden des Ratio: Die Reichsregierung„ prüft" nalsozialismus in dem dem Völkerbund unterstehenden Saargebiet, von denen, wie der vorliegende Fall beweist. Fall beweist. auch Franzosen betroffen werden, zu unternehmen gedenkt! Wie wir weiter dazu erfahren, ist die Erregung in frans zöfifchen Abgeordneten- und Senatorenkreisen über diese Verpflanzung der unmenschlichen Nazi- Methoden auch über die Saargrenze in das Hitler nicht unterstehende Saar: Eigentums und der dort vorhandenen französischen Staatstribüne zum ersten Male eine ebenso ausgedehnte wie gründliche Saar- Debatte sehen wird. gebiet angesichts der französischen Werte, des franzöfifchen denen Generalftabschef Gamelin und sämtliche ausländische bürger ſehr groß. Es ist zu erwarten, daß die Kammer: Militärattachees beiwohnen, darunter auch der deutsche Militärattachee General v. Kühlenthal. Vor den Toren von Paris hat ein großer Zirkus feine Zelte aufgeschlagen. Gegen Schluß der gestrigen Abendvorstellung stürzte der Fußboden einer Tribüne ein. 27 Tribünenbesucher wurden in die Tiefe gerissen und mußten infolge der erlittenen Verlegungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Bei Zusammenstößen zwischen Streifenden und Polizei in Brownsville( Pensylvanien) wurden 16 Streikende und ein Streifposten durch Schüsse verlegt. Eva- zu eifrig! Verbote! Verbote! Auf Anordnung des Reichsministeriums des Innern ist die von der Deutschen Frauenfront geplante Tagung bis auf weiteres verboten worden. Seit langer Zeit hat es in Frankreich keine Parlaments: debatte mehr gegeben, die sich mit dem Saarproblem beschäftigte. Der wachsende Terror der Nationalsozialisten, der vor Verschleppungen und Verhaftungen von Saarländern nicht mehr zurückschreckt, läßt vermuten, daß man Paris eine scharfe Sprache führen wird. Wie sehr durch den nationalsozialistischen Druck die Abstimmung gefährdet wird, das zeigt auch die Meinung des Berichterstatters des„ Ercelfior", der sich gegenwärtig im Saargebiet befindet. Auf Grund seiner Beobachtungen macht er den Vorschlag, der Völkerbund müsse die Saar- Abstimmung im Jahre 1935 durch neutrale, beispielsweise holländische Truppen, schüßen Iaffen. Saarbrüden, 1. Aug. Auf den Protest der Regierungss tommiffion des Saargebietes wegen der Entführung von drei Saarländern hat die deutsche Reichsregierung, wie verlautet, nun geantwortet. Es soll die Prüfung der An= gelegenheit in Aussicht gestellt worden sein. Saarländischer Wallfahrer in Trier verhaftet Wie jetzt bekannt wird, wurde vergangene Woche ein Wallfahrer aus Wehr den, der sich mit anderen Pilgern den Heiligen Rock ansehen wollte, verhaftet und bis: her noch nicht freigelassen. Dem Wehrdener Wallfahrer wollte es nicht recht zusagen, daß SA.- Lente, mit Revolvern ausgerüstet, die Wallfahrer durch sogenannten„ Ordnungsdienst" kontrollierten. Er und viele andere faßten das als Provokation auf und man unter: hielt sich auch vorsichtig darüber. Aber trotzdem hatte ein Spigel etwas aufgeschnappt und bald darauf wurde der Wehrdener Pilger festgenommen. Dieser Vorfall mag zur Warnung dienen. Man meide das Dritte Reich". Es geht um Kopf und Kragen, selbst bei der Wallfahrt ist niemand vor den Nazibanditen sicher. Der Minister vor Gericht Bon zuständige Stelle wird mitgeteilt: Zahlreiche Frauen Bayerns Justizminister und die Rechtspflege verbände, die sich in der Frauenfront gleichgeschaltet haben, haben geglaubt, sich in einem nationalsozialistischen Deutsch= land mit neuem Eifer auf die Gründung von Orts: und Jugendgruppen werfen zu müssen. Das hat zu Unstimmig keiten mit der nationalsozialistischen Frauenschaft und Jugendbewegung geführt. Da mit dem 1. August die Eingliederung der in der Frauenfront gleichgeschalteten Ver= bände in die dem Reichsministerium des Junern unterstellte Reichsarbeitsgemeinschaft deutscher Frauenverbände be= ginnt, hat der Reichsinnenminister die Gründung neuer Orts- und Jugendgruppen bis auf weiteres verboten. Aus München wird uns geschrieben: Die nationalsozialistische Regierung hat den Kampf gegen die Korruption auf ihre Fahne geschrieben und Korruption gibt es bekanntlich nur bei den Marristen. Aber was sagt man zu folgendem Fall? Der bayerische Justizminister, der berüchtigte Frank 2, hat seine Stellung benutzt, um seinen Vater, der wegen ehrenrühriger Handlungen aus dem Anwaltsstande ausgestoßen war, wider Gesetz und Recht zu rehabilitieren. Sein hohes Amt hindert ihn nicht, mit seinem Vater zusammen seine Anwaltspraxis weiter zu versehen. Und es lohnt sich! Wenn jemand mit einem Gnadengesuch bei der bayerischen Regierung Erfolg Auch Kinderballons sind staats- baben will, so wendet er sich zunächst an die Kanzlei Frank. gefährlich Die„ Frankfurter Zeitung" berichtet ernsthaft: " In der letzten Zeit sind, wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird, in verschiedenen Gegenden Württembergs, hauptsächlich im Schwarzwald und auf der Alb, sehr häufig niedergegan gene kleine Kinderballons aufgefunden worden, an denen eine Karte befestigt war, die die Aufforderung an den Finder richtete, bestimmte vorgedruckte Fragen zu beantworten und die ausgefüllte Karte an eine bestimmte Adresse abzusenden. In den meisten Fällen sind die Ballons in Frankreich abgelassen worden. Es besteht der Verdacht, daß damit be= Sie setzt ihm natürlich gegen entsprechendes Honorar das Gesuch auf, und der Justizminister Frank nimmt es mit wohlwollendem Lächeln aus den Händen des Rechtsanwalts Frant entgegen. Aber Herr Frank 2, der Vertreter und Verfechter des deutschen" Rechts, weiß auch mit widerspenstigen Gerichten umzuspringen. Vor kurzem stand die Sache eines Klienten dieser vornehmen Kanzlei vor einem Münchener Gerichtshof an. Der mit der Vertretung der Angelegenheit beauftragte Referendar beantragte Vertagung. Das Gericht lehnte sie. ab, entsprach aber dem Verlangen des Referen= dars auf eine kurze Unterbrechung der Sizung. Diese Pause benutzte der junge Herr, um Herr Frank 2 zu benachrichtigen. Was tat der Herr Minister? Er warf sich in seinen Anwaltsrock und erschien im Gerichtssaal mit den Worten:„ Jezt beantrage ich die Vertagung." Was blieb den Richtern, die in der Ferne das Konzentrationslager winken sahen, anders übrig, als sich willfährig zu zeigen. Rechtspflege im Dritten Reich! stimmte Zwecke verfolgt werden. Es wird deshalb gebeten, Verbot von Maschinen stimmte Zwecke verfolgt werden. Es wird deshalb gebeten, der Aufforderung nicht nachzukommen, sondern den Ballon und die angehängten Schriftstücke bei der nächsten Polizeibehörde abzugeben, die dann das weitere veranlassen wird. Die Regierung hat in der deutschen Zigarrenindustrie die Benutzung von Maschinen zur Herstellung von Zigarren, Zigarillos und Stumpen, sowie die Maschinen zur Anmit dem Deckblatt erneut verboten. Man sieht: Es wird immer notwendiger, daß Deutschland fertigung des Wickels und der Maschinen zum Ueberrollen eine starke Luftflotte erhält Dr. Richard Kern Das planwirtschaftliche Experiment Nordamerikas Die Unmöglichkeit der kapitalistischen Versuche zur Lösung der Weltkrise 100 mo Riesenbankrott Die größte Weltkonferenz aller Zeiten hat den größten Bankrott aller Zeiten erlebt das ist das Wort, das man der Londoner Wirtschaftskonferenz nachrufen muß. Und dieser Zusammenbruch ist von historischer Bedeutung. Stellte sie doch den Versuch der Regierungen dar, die kapitalistische Krise, die durch ihre eigene Politik immer aufs neue verschärft und verlängert worden war, mit kapitalistischen und bürgerlichen Mitteln zu lösen. Ihr völliges Scheitern verschärft die Krise aufs neue und beweist zugleich die völlige Unmöglichkeit der bürgerlichen Lösungsversuche. Das Paradore, Widerspruchsvolle der Situation bestand von allem Anfang an darin, daß die Aufgabe vom bürgerlichen Standpunkte aus klar und eindeutig gegeben war: Herstellung des Vertrauens, des politischen Vertrauens zu nächst durch Sicherung des Friedens. Aber die resultatlose Vertagung der Genfer Abrüstungs: Konferenz beweist das Utopische der Friedensbemühungen in einer Zeit, da die Diktaturen durch Uebersteigerung des Nationalismus und durch Aechtung des Pazifismus nene Kriegsgefahr hervorgerufen haben und die Lehre: Jedes Bolk ist des anderen Volkes Feind! in die Gehirne ihrer Jugend hämmern. Die politische Spannung, die Furcht vor neuem Krieg war nie größer als zur Zeit, da die Londoner Konferenz begann. Die Sachverständigen in Genf hatten das wirtschaftliche Programm und die Lösung weitgehend vorbereitet. Sunächst endgültige Erledigung der politischen Schulden. durch die die Krise ohnehin bereits den Strich gemacht hatte. Aber die amerikanischen Steuerzahler, die selbst von der Strife so schwer getroffen sind, verhinderten den Präsidenten der Vereinigten Staaten, auch nur die Diskussion der Schuldenzahlungen Englands, Frankreichs, Italiens, Belgiens und der kleinen Staaten zuzulassen, obwohl diese durch die Streichung der ihnen zufallenden deutschen Reparationszahlungen bereits eine fertige Tatsache geschaffen hatte. In einem politisch und wirtschaftlich gleich wichtigen Punkte war die Konferenz schon vor ihrem Zusammentreten lahmgelegt. Englands Währungspolitik Entscheidend für ihr Schicksal wurde aber das Verhalten Amerikas zu dem anderen Problem, von dessen Lösung nun in der Tat alle anderen Versuche abhingen, der Krise Herr zu werden, zu dem Problem der Währungsfrage. England war im September 1981 im Verlauf der ungeheuren Erschütterung, die den ganzen Geld- und Kreditverkehr der kapitalistischen Welt ins Stocken zu bringen drohte, durch die panifartige Zurückziehung der kurzfristigen Guthaben zum Verlassen der Goldwährung gezwungen gewesen. Es hatte dann zwar eine dreißigprozentige Entwertung des Goldpfundes hinnehmen müssen, aber versucht, eine Preissteigerung zu verhindern. Dies gelang in hohem Maß, da infolge der Krise die Preise der wichtigsten Rohstoffe weiter sanken. Im Innern wurde durch weitgehende Sparmaßnahmen, die der Goldwährung war in keiner Weise durch ökonomische Gründe erzwungen, sondern ein politischer Entschluß. Wie in Deutschland, so hat auch in Amerika die Krise zu einer Rebellion der Mittelschichten gegen den Kapitalismus geführt. Stürmisch verlangten vor allem die überschuldeten Farmer, die im Westen und Mittelwesten genau so wie in SchleswigHolstein gewaltsam die Versteigerungen zu verhindern begannen, Schuldenherabsetzung und vor allem Preissteigerung. In dem Gebiet der großen agrarischen Ueberschüsse sind aber die protektionistischen Maßnahmen, Zölle, Kontingente, Einsuhrverbote, wirkungslos und die Stüßungsversuche endeten mit folossalen Verlusten der Staatskaffe. So blieb als einziges Mittel die Preissteigerung durch Geldentwertung, die Inflation. Mit dem Interesse der Farmer verbündeten sich die Interessen der Regierung, die einem 4- Milliardendefizit gegenübersteht, dessen wenigstens teilweise Deckung durch direkte oder indirekte Inanspruchnahme der Notenpresse den politisch bequemsten Weg darstellt. Die widerstrebenden Interessen der großen Banken und eines Teils der Industrie wurde um so leichter überrannt, als in dem Lande ohne selbständige politische Arbeiterbewegung und ohne staatliche Sozialpolitik die mittelständlerische Rebellion fich viel ausschließlicher gegen die bisherige großkapitalistische Alleinherrschaft richtete als etwa in Deutschland. Planwirtschaft Ausgesprochenes Ziel der amerikanischen Politik war im krise als Preissturz erscheint, so wollen wir hohe Preise herGegensatz zu England Preissteigerung. Da die Wirtschaftsfrise als Preisstura erscheint, so wollen wir hohe Preise herPreise in Wirklichkeit durch bloße Aenderung des Preismaßstellen und die Prosperität ist sicher da. Daß diese„ hohen" sachen der Krise gar nicht berühren können, bleibt dabei auch stabes herbeigeführt sind und die viel tiefer liegenden Urden Befürwortern der Inflation nicht ganz verborgen. Daher die Ergänzung des Inflationsprogramms durch ein planwirtschaftliches Experiment allergrößten Umfanges. In dem Lande des ausgeprägtesten Manchesterliberalis mus, in dem die Trustgesetzgebung allerdings mit geringem, Erfolg die Freiheit der Konkurrenz gegen die kapitalistischen Monopoltendenzen zu schützen trachtete, in denen das bescheidenste soziale Versicherungsgeseß als verwerflicher Sozialismus, als Frevel gegen das heilige Gebot der Selbstver antwortung galt, in dem das Dogma der Nichteinmischung des Staates in die Wirtschaft unerschütterlich schien, erhält der Präsident vom Parlament, das bis dahin am eifersüchtigsten von allen seine Rechte gegenüber der Exekution wahrgeihre Wirkung ausgeübt. Eine fessellose Spekulation ist entstanden, die die Preise der Rohstoffe und die Aktienkurse weit über die Dollarentwertung hinaus in die Höhe getrieben hat, gestützt durch die Flucht in die Sachwerte und begleitet von einer zunehmenden Kapitalflucht. Diese spekulative Preissteigerung hat aber bereits in ihren Anfängen die Londoner Konferenz gesprengt. So lange der Dollar unbekannten Schwankungen ausgesetzt ist, ist nicht nur der internationale Kreditverkehr mit dem wichtigsten Gläu bigerland unterbrochen, es ist überhaupt jede sichere Beurteilung der Konkurrenzverhältnisse auf dem Weltmarkte unmöglich. Die Gefahr des Valutadumpings erhebt sich, obwohl vers mindert durch die spezifische Form der amerikanischen Ins flation mit ihrer Tendenz, die Preise noch über die Dollars entwertung hinaus zu erhöhen. Daher das Verlangen aller Länder an die Vereinigten Staaten nach einer Stabilisies rung des Dollars, wenigstens einer vorläufigen, während der Dauer der Konferenz. Aber die bloße Erwägung einer Stabilisierung bewirkte sofort einen starken Rückgang der Preise und Aktienkurse. Roosevelt, der nach seinen eigenen Worten ursprünglich in der Stabilisierung der Währungen eine Hauptaufgabe der Kon ferenz erblickt hatte, konnte politisch diesen Standpunkt nicht mehr festhalten. In schroffster Form lehnte er jede Stabili sierung ab. Die Engländer, schon durch ihre Dominions auf das engste mit dem amerikanischen Wirtschaftsleben verbun den, konnten angesichts dieses Verhaltens sich auf eine Binbung ihrer Währungspolitik nicht einlassen. Statt mit der Stabilisierung, mit einer Festigung des internationalen Kredit, Geld- und Preismechanismus, endet die Konferenz mit neuer Unsicherheit und den Gefahren neuer schwerer Erschüt= terungen. Denn die Ablehnung der Neuordnung der Währungen be deutete zugleich das Scheitern eines dritten entscheidenden Problems der Konferenz, der Berständigung über die Handelspolitik. über die Einschränkung der Handelshemmungen und der Autarkietendenzen. Die Schutzzollinteressenten beriefen sich auf die Gefahren des neuen Valutadumpings und die Beratungen gegen die fortschreitende Zerschlagung der Weltwirtschaft tamen gar nicht erst in Gang. Aber auch die Bestrebungen, über die Anpassung der Produktion der wichtigsten Rohstoffe an den Bedarf zu Vereinbarungen zu kommen, litten unter der verstärkten Unsicherheit und haben nur zu i unverbindlichen Empfehlungen geführt. nommen hatte, Ermächtigungsgesetze, die ihn zum unum Ausweglos schränktn Wirtschaftsdiktator erheben. Es ist in einer ganz furzen Zeitspanne eine völlige Revolution der bisher herrschenden Ideologie durch die Veränderung der ökonomischen Verhältnisse einer der eklatantesten Beweise der Nichtig keit der margistischen Geschichtsauffassung. auch die Sozialausgaben empfindlich verringerten, das Löhne und Preise Budget ins Gleichgewicht gebracht, während die Bank von England eine einschränkende Kreditpolitik betrieb und so ihrerseits jede inflatorische Wirkung zu hemmen trachtete. Zugleich ging England in Ottawa zur Schutzzollpolitik über und schränkte die Einfuhr in sein Weltreich zugunsten der eigenen Industrien und der Agrarproduktion seiner Kolos nien ein. Als Wirkung blieb im wesentlichen, daß die englischen Lohn kosten auf dem Weltmarkt um 30 Prozent verringert waren, während im Innern die Schuldenlasten der Produktion sich ebenfalls verringerten. Dies alles bewirkte eine gewisse Milderung der englischen Krise, natürlich auf Kosten der mit England konkurrierenden Länder, soweit sie am Goldstan bard festhielten. Auf der anderen Seite erfuhren die englischen Auslandsanlagen, besonders die festverzinslichen, eine der Geldentwertung entsprechende Wertminderung und die City verlor zunächst die Stellung als internationaler Banfier. Die Engländer blieben sich dabei der Gefahren der Inflation durchaus bewußt und schon vor Eröffnung der Konferenz hatte sich eine Politik der tatsächlichen Stabilisierung des Pfundes mit Hilfe eines großen Stüßungsfonds durchgesetzt. Die amerikanische Währungspolitik Im schroffsten Gegensatz zur englischen stand von Anfang an die amerikanische Währungspolitik. Amerikas Preisgabe Katastrophal zurück' Der Export der deutschen Linoleumindustrie Nach der Baseler National- Zeitung" ergibt die Entwicklung der deutschen Linoleumerporte nach einigen AbsazIänbern folgendes Bild( alles in Doppelzentner): Erstes Halbjahr Schweiz Schweden Holland Desterreich 1930 6.955 14 292 1932 1983 4 480 4 844 6 106 3168 6.758 2.000 2 186 3 783 8 161 701 Bei der Betrachtung der Exportentwicklung nach Absatzländern muß berücksichtigt werden, daß die Continentale Linoleum- Union in Zürich, also der auch die deutschen Vinoleum- Werte umfassende europäische Linoleum- Trust, in einer ganzen Reihe dieser Länder durch eigene Fabrifate bzw. Untergesellschaften vertreten ist. Es sind dies Schweden und die Schweiz, ferner seit 1929 Holland sowie seit 1980 Frankreich und Desterreich also alles Länder, die für die deutsche Linoleumindustrie als Exportmärkte von großer Bedeutung sind. Die Ausfuhr nach diesen Ländern wird daher Die Krise soll also ohne Sozialismus, aber durch weitgehendste Eingriffe der Staatsmacht überwunden werden. Der Staat will den Landwirten 8 Prozent ihres Bodens ab= pachten, um sie brachzulegen, und so die Ueberproduktion beseitigen. Industrie und Eisenbahnen sollen neu organisiert werden. Zwangskartelle sollen geschaffen werden, um die Produktion zu regulieren und die Preise zu erhöhen. Aber diese Preiserhöhung soll nicht auf Kosten der Arbeiter erfolgen. In den vom Staate regulierten Industrien soll die Arbeitszeit für Arbeiter auf 40, für Angestellte auf 35 Stunden herabgesetzt, es sollen Minimallöhne eingeführt, das Lohns niveau allgemein ber Dollarentwertung, die iegt etwa 30 Prozent beträgt, angepaßt werden. Gleichzeitig sollen in größtem Maßstabe öffentliche Arbeiten unternommen werden, für die die Notenbank bis zu drei Milliarden Dollar Kredite( d. h. Noten) zur Verfügung stellen soll. Während aber die Einschränkung der Agrarproduktion auf den Widerstand der Bauern stößt in dem Moment, in dem die Preise rasch ansteigen; während die Industrtepläne erft eingeleitet werden und Arbeitszeitverkürzung, Lohnerhöhung und Neueinstellungen dem Widerstreben der Unternehmer begegnen, hat die Inflation, die ja im Gegensatz zur englischen Währungspolitik die rasche Preissteigerung anstrebt, sofort nach beiden Richtungen hin teilweise wohl auch Einflüssen unterliegen, die außerhalb freier Wettbewerbsverhältnisse stehen. Man braucht, wenn man sich vergegenwärtigen will, wie weit diese Einflüsse unter Umständen reichen können, zum Beispiel bloß die Entwicklung des deutsch- holländischen Linoleumhandels zu betrachten. Im ersten Halbjahr 1929 belief sich die Linoleumeinfuhr Deutschlands aus Holland bei scharfer gegenseitiger Konkurrenz auf 12 885 Dz., in der ersten Hälfte des folgenden Jahres in Auswirkung der Einbeziehung der nieder ländischen Linoleumfabrit Krommenie" in die Continentale Union dagegen nur noch auf 160 Dz. Ebenso ist auf der anderen Seite auch die deutsche Linoleumausfuhr nach Holland von 9088 Dz. im ersten Semester 1929 auf 6106 D8. Die Konferenz wird am 27. Juli vertagt die Fortsehung bleibt ungewiß,- eingroßer Aufwand ward schmählich vertan. Die weitere Entwicklung aber hängt vom Verlauf des amerikanischen Experiments ab. Hier hat aber die Inflation bereits zur ersten Krise geführt. Am 20. und 21. Juli erfolgte zunächst ein Preisstura auf dem Weizenmarkt, auf dem über die Hälfte der Steigerung in dem letzten Vierteljahr verloren ging. Ihm folgte der urseinbruch auf dem Aktienmarft auf dem Fuße. Die Panik wird als die ärgste seit 1929 bezeichnet. Amerika steht eben in kürzester Zeit vor dem unausweich lichen Dilemma jeder Inflation; solange ihre Fortsegung erwartet wird, erfolgt die Flucht in die Sachwerte, ste führt zu einer vorübergehenden Belebung der Produktion und treibt die Preise über die Geldentwertung hinaus; wird der weiteren Entwertung Einhalt getan, dann stürzen die überhöhten Preise zusammen, die Produktion stockt, die Stabilisierungs- und Deflationskrise ist da und in der jetzigen Zeit mitten in der fortdauernden Krise- kann sie diese nur verschärfen. In Amerika bedroht das Inflationserperiment zugleich auch die planwirtschaftlichen Maßnahmen, vor allem die Arbeitsbeschaffung, während es die Unsicherheit in der übrigen Welt des Kapitalismus aufs neue gesteigert und die Krise verschärft hat. Der Einfluß des rebellierenden Mittelstandes auf die Wirtschaftspolitik erweist sich so als zerstörendes und zerseßendes Element, geeignet, die Widersprüche des Kapitalismus auf das Unerträglichste zu steigern, ohne imftande zu sein, sie zu lösen. Aber das Scheitern auch dieser Versuche wird die Bahn frei machen für die Ueberwindung des kapitalistischen Systems durch den Sozialismus der Arbeiterklasse. den im Tiefbau beschäftigt, und zwar mit den Säßen der Wohlfahrtsunterstüßung, mit einem Teller Suppe als Betgabe. 25 Mark monatlich in Gutscheinen werden für Abnubung an Kleidung und Schuhwerk gegeben. Diese Gutscheine sind nur bei privilegierten Händlern einzulösen, welche Schund liefern. Rechnet man zusammen, was die etwa 400 000 Wohlfahrts- Kurzarbeiter auf diese Art verdienen, so erhält man 16 Mt. pro Woche, weniger, als früher die Arbeitslosenunterstützung betrug. Da der Durchschnitts- Tarifwochenlohn nicht ganz 27 Mr. betragen sollte, sind hier die Löhne um fast 40 Prozent gesenkt. im ersten Halbjahr 1930 und 2563 Dz. im ersten Halbjahr 1981 Die billige Produktion gesunken. Hunger! Löhne in Deutschland Berlin, 31. Juli.( Inpreß.) Die bet öffentlichen Arbeiten eingesetzten Arbeitsdienstfreiwilligen, erhalten Löhne, die nur zum Lohndruck zu gebrauchen sind. Etwa 400 000 Mann werJapanische Kunstseide in Deutschland Die Steigerung der Einfuhr japanischer Kunstseide nach Deutschland ist beträchtlich. Während 1930 nur 800 Atlogramm im Werte von etwa 4000 Mt. eingeführt wurden und 1982 bereits über 50 000 Kilogramm, sind im ersten Quartal 1988 bereits 25 500 Kilogramm eingeführt worden. Die Eine fuhr steigt von Monat zu Monat. 190 Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„, Deutschen Freiheit" Ereignisse und Geschichten Lacht über sie ein me wenig! " Baldur und Sieglinde Tiepenbeink zeigen die Geburt ihres Hitlerjungen an" In der Baseler National- Beitung"( Nr. 387), die, stets mit etwas Reserve und guter Information, den Ereignissen im Dritten Reich viel Raum gewährt, finden wir diese„ Respektwidrig feiten": 1. Hitlerite und Göbbelinde Einer jener heitern und milden chinesischen Weisen vor vielen hundert Jahren meinte, große Männer seien doch nur die Landplagen ihrer eigenen Völker. Heute ist das natürlich ganz anders, heute sind große Männer ihren Völkern Manna wie vom Himmel gefallen... Volkstümlichkeit aus übervollen schäumenden Bechern schlürfen, von den Wogen der Popularität zu den Sternen gehoben, das mag eine Zeitlang wunderbar sein. Aber immer nur geschwungen und gehoben, wie die Glocke der Martinsfirche, das halten die stärksten Magennerven nicht aus! Immer nur Schämpis, viermal im Tag Schämpis, jahraus, jahrein, Tag für Tag Schämpis, Schämpis, Schämpis und dazu noch Abstinent sein wie Adolf Hitler! Immer nur Hurra und Seil, geredte Arme, verzückte Ehrenjungfrauen, fliegende Fahnen, gröhlende Lautsprecher, Stechschritte, daß man Angst hat, jetzt schmeißen sich die Leute vor Begeisterung noch die eigenen Beine aus dem Bauch, Trommeln und Pauken! Was muß mit Größe alles in Kauf genommen werden! Um welchen Preis ist man groß! Rein Mensch unter allen auf der ganzen Welt muß den Einsiedler auf den Galapagosinseln, den Dr. Ritter, so aus tiefster Seele beneiden wie Adolf Hitler. Daß die Bewunderung des Volksidols geradez't gefährlich werden kann, beweist ein jüngster Erlaß, der das Werfen von Blumensträußen in den Kanzlerwagen hinein unter Strafe verbietet. Herren des Gefolges seien durch die Drähte der aufgespießten Rosen im Gesicht mehrfach empfindlich verletzt worden. Ein zweiter Erlaß ist gerichtet gegen das Lächerlichmachen der Namen der Revolutionsgrößen an Kindstaufen. Da werden Buschis zu Hitlerinnen, Hitlerlinden, Hitlerken, Hitleriden und Herrn Propagandaminister Göbbels ehrt man mit Göbbelinden, Göbbelisen, Göbbeliken, Göbbelien. Göbbelia, so sagte der Konzertbesucher von Dräsdn und Läzch übrigens längst, er meint damit„ Coppelta", die bekannte Ballettmusik von Delibes. Hitlerinde, Hitleride, das könnte sich der Kanzler aber noch eher gefallen lassen, als eine andere Art sehr bäufiger Zeitungsannoncen. Strammer Hitlerjunge angetommen. Friz Schmudicke und Frau."" Dankerfüllt zeigen die Geburt eines prächtigen Hitlerjungen an Apotheker Suppentpof und Frau Elfriede."„ Unser Hitlerjunge ist da. Heil Hitler Baldur und Sieglinde Piepenbrink." 2. Germanensput Der gegenwärtige Zwang sei höchstens notwendiger Uebergang, trösten die maßgebenden Herrschaften sene Ungeduldigen, die die große Zeit doch etwas lang finden. Man müsse das deutsche Volt erst erziehen zum anständigen Gebrauch der Freiheit. Bitte noch etwas Geduld, dann ist der Anstandskurs vorbet, dann werden alle Gipsverbände, Beinschienen und Maulkörbe abfallen, und dann beginnt das tausendfährige Reich der wahren, der deutschen Freiheit, dagegen alle anderen Freiheiten sich wie venezianische Bleikammern ausnehmen werden. Die Scheuklappen und Maulförbe werden fallen, erlaubt wird wieder sein, was gefällt und verpönt dagegen, was Der Kriegsblinde Von Toni Baumgarten An meinen Ohren hör' ich viele Schritte Vorübergehn Auf meiner Tafel um den Hals steht:„ Bitte, bi Im Krieg erblindet!" Könnt ihr's noch verstehn? Die Menschen alle haben flinke Füße Und große Eilerastlos rast die ZeitIch habe Zeit, da ich kein Licht mehr grüße. In ihren Mantel hüllt mich Dunkelheit... Verschüttet wurde ich in den Karpathen Schon lange her... . War es ein Glück? Mich schonten die Granaten, Im Graben konnt' ich zum Verbandplat waten Man geht vorüber, niemand weiß es mehr. Nun muß ich an der Straßenecke geigen, Den gleichen Walzer, der stets neu beginnt. Nur selten, daß sich gebend Hände neigen... ' s ist nun vergessen bleibt die Tafel: Blind. langweilig ist. Freiheit, nur ein bißchen der Freiheit von einst: die Perspektive macht besonders Theaterleiter und Stückeschreiber schier wirbeln. Patriotismus ist schön und rühmenswert. Patriotische Ekstasen auf der Festwiese, in der Versammlungshalle, beim Empfang am Bahnhof, a la bonne heure, in Ordnung. Aber nur nicht in Ekstase in Permanenz! Ermüdungszeichen sind schon da. Die Theater spüren fie, bie test überall gespielten patriotischen Stücke ziehen nicht. Der„ Angriff", der das gleichfalls feststellt, Kerr spricht in Zürich„ Das doppelte Gesicht der Fegenwaet" zu denen, die ihre Bücher auf dem Scheiterhaufen brennen saben und jetzt erleben, daß ihre eigenen Schriften von ihren eigenen Verlegern nicht mehr ausgeliefert werden dürfen, gehört Alfred Kerr, der bekannte Kritiker- Schriftsteller. Jetzt hielt er in Zürich im Studio Fluntern, dem Heim der schweizerisch Schriftsteller, eine halbstündige Rede über thing » Das doppelte Gesicht der Gegenwart" Scharf geißelte er in seiner angriffslustigen Rede das charakterlose Janusgesicht unserer Zeit. Wohl ist sie an Schöpferkraft gewachsen, aber wuchs auch ihr Gewiffen? Wir, die klügsten, hochstehendsten und zugleich barbarischsten und dümmsten Menschen aller Jahrhunderte tönnen ja nicht einmal die Hungrigen sättigen; wir führen Kriege, doch zugleich schicken wir als fleischgewordene Beschwichtigung unferer verdorbenen Seele die Sanitäter auf das SchlachtHitler ein Sakcistan Der Kampfbund für deutsche Kultur ließ in Bruchsal einen Pfarrer Senn über die deutsche Seele sprechen, der eine neue Legende in die Welt setzte:„ Adolf Hitler ist der große Sakrist an, der im deutschen Dome Millionen Kerzen, die erloschen waren, wieder angezündet, daß sie brennen vom Feuer des Jdealismus." Die Sonne! Die Sonne! Ueber die Vorgeschichte und die geschichtliche Bedeutung des Hakenkreuzes sprach im Verein für Natur- und Heimatkunde Herr Sanitätsrat Dr. Wir z. Er schloß: " Das Hakenkreuz hat ein hohes Alter und eine lange Entwicklung hinter sich, aber in der kurzen Zeit, wo es uns richtig bekannt ist, hat es uns schon viel Segen gebracht. Unser Führer Adolf Hitler hat in dem Hafen freuz, dem uralten Sonnenzeichen, das rechte Symbol gewählt, mit dem nun wirklich die Sonne über Deutschland aufgegangen ist." feld. Bald haben wir 33 Parteien, bald eine einzige. Die Sozialisten und Kommunisten waren nach seiner Ansicht immer gute Deutsche, denn sie- spalteten sich. Vom Völkerbund forderte er Aufgabe des unmoralischen Prinzips, sich nicht in die Innenpolitik eines Landes zu mischen, sofern es den Frieden der Welt gefährdet. Wir haben den Internationalismus der Post, des Schecks und auch der Pleite- warum sollen wir ihn, die nationalen Eigentümlichkeiten hochhaltend, nicht auch für die Völker wünschen? Der Vortrag hatte ein Vorspiel. Es waren anonyme Drohungen erfolgt, das Vortragsgebäude in die Lust zu sprengen. Polizeilicher Schutz wurde erbeten und ge= währt. Es geschah nichts, die Drohungen hatten nur zur Folge, daß der Andrang überaus start war. Man begrüßte Kerr ostentativ. Haue nur Aciern eins ins Gesicht Es ist jedem Mitglied der Deutschen Studentenschaft an der Universität Würzburg verboten, gegen nichtarische Stubenten in irgend einem sportlichen Wettkampf anzutreten. Zuwiderhandlungen werden strengstens bestraft. gez.: Linde gez.: Eder Führer der Studentenschaft. Hauptamtsleiter L. osition( Mitteilung an die Bayerische Presse.) im Der Ruhm der tausend Schlachten ist verweht. Was bleibt vom Heldentum? Ein morscher Hügel, Auf dem das Untrant rot wie Feuer steht. Konfuzius. Der Bollendete in der Welt, der Heilige... Lebendiges umanbringen liegt ihm fern: ohne Stod, ohne Schwert, fühlsam, voll Teilnahme hegt er zu allen lebenden Wesen Buddha. Liebe und Mitleid. obssar ino oe robot sur meint zwar, sie zögen nicht, weil sie alle der Klaue des Löwen" ermangelten. Das Theaterpublikum lechzt aber mitnichten nach Löwengebrüll, sein leoninischer Bedarf ist, weiß Gott, gedeckt. Das Publikum lechzt nach Lächeln. Aber was heißt Lächeln. Nach Lachen! Nach einem Lachen, gewaltiger als alles Gelächter, angefangen von den homerischen Helden durch die Generationen hinauf bis heute zusammengenommen für den Tag, da man im Dritten Reich das frete, unge= hemmte Lachen wieder freigeben wird. Daß die Häuser dann nur festbleiben und die Brücken sich nicht btegen und der Zugspißegletscher nur nicht bis nach Garmisch hinabrutscht! Die Komödien und Lustspiele, die man dann schreiben. spielen und bejubeln wird, z. B. die Germanenschwänke und Possen. Wie mancher Autor hat sie schon in Petto! Ein wahrer Germanenspuk scheint ins deutsche Dasein eingebrochen. Unter Anleitung ernster Professoren werden ganze Heerbänne von Cheruskern, Chatten, Markomannen fostümiert, die mit Wagenburg, Kind und Kegel, mit Hifthörnern, Tuben und flammenden Fackeln auf nächtlichen Festwiesen erscheinen, als ob sie das Römische Reich nochmals zusammenhauen wollten, so daß manche Zuschauer nicht wissen, soll man Angst haben oder soll man lachen. Alle Wagnersänger und statisten, alle Marmor statuen der Parks und Karyattden, die an den Fassaden fleben, scheinen mobilisiert. Die neuesten Entdeckungen lehren, daß die alten Germanen weit besser waren als ihr Ruf. Tacitus hat sie verleumdet, und die Bühnenmaler und Garderobiers der Opernhäuser haben sie lächerlich gemacht. Die Germanen waren nicht nur keine Barbaren, sondern hatten schon tausend Jahre vor Christi Geburt eine au tranken, bis sie nicht mehr Baby jagen konnten, ist ein Schwindel. Ihr Lieblingsgetränk war ein selbstaubereiteter sanfter Sprudel, der etwa unserem Eptinger glich. Das mit den Rauschebärten ist gleichfalls Schwindel. Wotan, Hagen, Siegfried gingen glattrastert. Brünhilde schminkte und puderte sich. Die neuesten Ausgrabungen förderten scharfe Messer, offenbar Rasiermesser, aus der älteren Bronzezeit, also von 1300 bis 1000 vor Christi zutage, sowie Pinzetten zum Auszupfen der Haare eventuell auch der Augenbrauen, und Manikürmesserchen. Auch die Seife ist eine germanische Erfindung, die dann die Römer übernahmen. Germanen waren es, die die Römer lehrten, wie man sich wäscht. Alles, was die Menschheit vorwärts brachte, ist nordisch. Nach den soeben beendeten Forschungsergebnissen Prof. Hermann Wirths dürfte jetzt auch ziemlich sicher festgestellt sein, daß Christus nicht in Bethlehem, sondern in der pommerschen Kreisstadt Prenzlau geboren wurde... Der Katz, der Katz ist gerettet Dec arische Drüsenarzt Sanatorium Hohenwaldau DegerlochStuttgart Vorzügl. Erfolge dch. neuzeitl. Ernähr., individ. Bade- und biolog. Arzneibeh bei Verdauungs, Stoffw., Herz, Drüsen, Nerven und Frauenleiden. Leiter: Dr. med. Friedr. Katz Arier) Anzeige aus dem„ Stadt- Anzeiger" zur„ Kölnischen Zeitung" Manchmal auch Bei der Sondertagung des nationalsozialistischen Studentenbundes erklärte der Bundesführer, der Student habe so viele Pflichten im Hinblick auf Wehr- und Schulungsarbeit, daß er die noch freibleibende Zeit unbedingt auf sein Studium verwenden müsse". Was man sich zuflüstert Ein„ Arier" und ein Jude unterhalten sich. Sogar ganz freundlich. So etwas gibt es noch. Aber es ist nicht ungefährlich. ,, m," sagt der Jude, gestern habe ich Steuern zahlen müssen. Schrecklich. Daß man mich nicht ausgezogen hat, war ein Wunder" „ Was," staunt der Arier, Steuern haben Sie gezahlt? Mensch, dürfen Sie denn das-?" Erminister Hugenberg trifft einen Bekannten, der ihn mit dem Zuruf begrüßt:„ Herr Minister, Sie sind noch nicht verhaftet?" Im Augenblick Gott sei Dank noch nicht," erwidert Hugenberg, aber bitte, es bleibt unter uns! Es darf sich nämlich nicht herumsprechen-" * „ Es geht doch vorwärts im„ Dritten Reich"," sagte der Bäckermeister X. zu seiner Frau, der Brotpreis hat wieder angezogen. Sag' einer, was er will; so ein vernünftiger Sozialismus ist das Jdeale für den Mittelstand!" DAS BUNTE BLATT Wann werden wir wieder so sitzen... Wann werden wir wieder so sitzen, wo immer, wie heute zu dritt? Die Kammer liegt kahl, durch die Ritzen hallt dumpf im Aprilwind ihr Schritt. Sie werden vielleicht uns noch holen heut abend; dein Zug geht heut nacht, der deine am Morgen nach Polen, und ich hab noch gar nichts gemacht. Wir werden uns lang nicht mehr schreiben. ( wir wissen ja auch nicht, wohin); was wirst du, mein Pinsler, nun treiben, du Langer, wen wirst du erziehn? Von mir will ich gar nicht erst reden, ich zeichne nur auf und geschehn ist viel, nicht nur uns, nein, für jeden; Wer könnte es ganz schon verstehn?! Daß weiter zu unserer Sache wir stehn, ist nicht alles schon, nein, an uns ist es, nicht zu verflachen und allezeit wachsam zu sein. Das Herz und die Sinne stets offen fürs Leben, so laßt uns heut gehn, das äußerste tun und nichts hoffen, auch nicht, daß wir je uns noch sehn. Theodor Kramer Lautsprecher als Grabredner Der einzige Ort, der bisher von dem Lärm des Straßenlebens verschont blieb, war bis jetzt der Friedhof, der mit Recht der Ort der ewigen Ruhe" bezeichnet wurde. Jetzt hat es auch damit aufgehört und die Schallplatte und mit ihr der Lautsprecher halten jeßt Einzug in die Londoner Friedhöfe. Die Verwaltung der größten Londoner Friedhöfe hat beschlossen, überall starke Lautsprecher aufzustellen, die bei dem Begräbnis die Grabrede, den Gesang und die Orchester musik zum offenen Grabe übertragen werden. Für diesen 3wed werden Schallplatten in Mengen angefertigt, die die ganze Begräbniszeremonie je nach Geschmack wiedergeben. So können die nächsten Verwandten und vor allem die Erben des Verstorbenen ihren Toten für billiges Geld mit großem Pomp begraben lassen. TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Kleiner Mann, siefist Du es ein? Mein Wirt, Angestellter eines jüdischen Kaufhauses, war bis zum 5. März ein unpolitischer Spießer. Nun, nach dem politischen Umschwung, hat er plötzlich sein politisches Gewissen entdeckt: er ist, wie so viele Brotnazi- so heißt man bei uns die aus Brotangst gewordenen Nazi- geworden. Natürlich darf ihm das niemand sagen, weil er da teufelswild wird.„ Schon immer bin ich Nationalsozialist gewesen, nur habe ich das nicht in die Welt hinausposaunt." Man fennt diese Rede, die immer endet: Der Führer Hitler wird es schon machen!" Nach dem 5. März war mein Wirt zu meinem Aufpaffer gemacht worden, und er nahm sein Amt genau. Leider aber war er in seinem Eifer so naiv, daß er mich das wissen ließ. So fontrollierte er vergebens meine Korrespondenz, fragte meine Besucher ungeschickt aus und durchsuchte meine Bibliothet.( Das hatte übrigens schon die SA. anläßlich einer ergebnislosen Haussuchung getan.) Dieser Aufpasserposten machte ihn zum Amtswalter, er durfte das Hoheitszeichen seiner Partei tragen, aber er mußte nun auch überall dabei sein. Dankbarer Mensch besorgte er Hitlerbilder und ge= rahmte weise Aussprüche des Osafs und schmückte damit die Wände seiner Wohnung. amit So ganz nebenbei versuchte er, mich zu überzeugen. „ Sehen Sie, alles Anstemmen gegen unsere Revolution ist unnüz. Machen Sie es wie Ihr Kollege Max Barthel und kommen Sie zu uns! Wir brauchen solche Leute wie Sie!" Das sagte er mir, als ich aus vierzehntägiger Schutzhaft zurückkehrte. Als Antwort brummte ich etwas unverständliches, was ihn sichtlich befriedigte, denn es konnte ebenso gut ja wie nein bedeuten. Wie gesagt, mein Wirt ist ein tüchtiger Hitlerianer: blind gläubig bis ins Mart, gehorsam, vollkommen Angebernatur, Leugner aller Fehler, ganz und gar kritiklos und obendrein streberhaft und durch und durch geldgierig. Ist er wirklich der tüchtige Hitlerianer? Ja, nach außen hin. Und nach innen? Als die erste SA.- Reserve ausgehoben wurde jedes NSDAP.- Mitglied muß sich zur SA.- Reserve melden meuterte er zum ersten Male vor sich hin. Jezt traf es. seine Person! So hatte er nicht gewettet! Schön, den Partei beitrag und die anderen vielen Opfergaben" bezahlte er gern und mit ganzem Herzen, aber er nahm dabei an, daß er damit auch die braunen Soldaten feines Olafs bezahlte. Daß er selbst einmal- ganz in logischer Folge seines Beitritts zur NSDAP. mitmarschieren und miteɣerzieren mußte, wollte ihm gar nicht in den Kopf. So schimpfte er in seinen vier Wänden, und die Frau schimpfte auch, denn der Mann ist die ganze Woche für die Partei unterwegs. Ja, wenn das Gehalt wie man annahm gestiegen wäre! Gerade umgekehrt ist es gekommen! Diese neuen Abgaben und so!„ Das wird alles noch," tröstete mein Wirt seine Frau. Man muß Geduld und Vertrauen haben!" Er selbst glaubt aber nicht mehr recht! Ich bin stolz, meinen redlichen Teil zu dieser Glaubens erschütterung beigetragen zu haben. Was mich besonders erfreut, ist, daß ich meinen Wirt mit seiner eigenen Presse schlagen und aufmerken lassen konnte. Da brachte der Freiheitskampf" der jetzt in der gestohlenen Druckerei der Dresdner Volkszeitung" gedruckt wird in einer Nummer drei Notizen über die Konsumvereine. Die oberste Wirtschaftsstelle der Parteileitung gab amtlich bekannt, der Kampf gegen die Konsumvereine sei mit allen Mitteln und mit aller Schärfe weiterzuführen, zumal da sich die Konsumvereine durch die„ marristische Mißwirtschaft" nicht mehr lange halten könnten. Weiter unten wurde von einer Versamm lung des„ Kampfbundes des gewerblichen Mittelstandes" ( eine Naziorganisation) berichtet, in der der Kommissar der Nazis für die Konsumvereine ausführte:" Die Konsum genossenschaften find als Preisregulanten heute notwendiger denn je; ihr Bestehen schadet dem gewerblichen Mittelstande in keiner Weise, ihr Wegfallen aber ruiniert viele kleine Existenzen." Und auf der letzten Seite brachten die Konsum genossenschaften ein Mußinserat:„ Arbeiter! Nachdem die Konsumvereine unter nationalsozialistischer Leitung stehen, find die Spargroschen nicht gefährdet! Haltet der Genossenschaft die Treue!" Mein Wirt fand in diesen Notizen keinen Widerspruch. Merklich nachdenklicher wurde er einige Tage später: In einer NSDAP.- Versammlung wurde gesagt, daß bald alle Lebensmittel billiger würden, allerdings müßten vorerst im Interesse der Bauernschaft die Butter- und Fettpreise erhöht werden. Was ist das für ein grober Unfug zu sagen, die Lebensmittel werden billiger, zuvor aber müssen die Preise steigen?", schimpfte mein Wirt. Es sollte noch besser kommen. Eines Tages ist er aufgeregt.„ Hier steht es schwarz auf weiß: die Volksfürsorge( ich hatte ihn vor Jahren für diese Versicherung der Werftätigen ge wonnen) steht vor dem Zusammenbruch. Die Bonzen haben sie heruntergewirtschaftet!" Er wünschte ein Eilschreiben an den Vorstand der Versicherung, abmelden wollte er sich. Ich versicherte ihm, daß die Sache wohl nicht so schlimm sei, wie sie dargestellt wird, vielleicht sei überhaupt nichts Wahres daran.„ Dann werde ich in der nächsten Parteiversammlung aufmucken!" Er hat nicht aufgemuckt weil er nicht aufmucen darf!, obwohl schon nächsten Tages die. Meldung über den bevorstehenden Bankrott der Volksfürsorge widerrufen wurde:„ Es hat sich nach nochmaliger Prüfung herausgestellt, daß sich die genossenschaftliche Versicherung" Volks fürsorge" in geordneten und sicheren Verhältnissen befindet. Da nunmehr die Vorstandsämter in Händen von National sozialisten sind, ist kein Grund zu Beunruhigungen mehr vorhanden!" Ich könnte dieser Dinge noch viele anführen. Jedenfalls, meinem Wirt geht es wie so vielen Nazis jetzt: nach innen hin sind sie wankelmütig geworden, nach außen hin allerdings schwören sie noch auf Hitler und seine Garde; sie schwören, weil sie schwören zu müssen glauben! Dieser Weg meines Wirtes ist kein Einzelfall. Ex vers törpert das Schicksal des politischen Spießers, und es ist zit glauben, daß diese Leute bei geschickter Behandlung einft gu formen find zu Klassenkämpfern. Sie, die bisher Indifferenten, find mitgerissen in den politischen Strudel. Sie werden die braune Enttäuschung überstehen und, nach einer Zeit lethargischen Ausruhens, von neuem politisch tätig sein wollen. Aufgabe aller Antifaschisten und Sozialisten ist, diese Leute als Plattform zu benüßen. Ihre Unzufriedenheit muß gesteigert werden, bis sie eines Tages den Mut finden, alles offen herauszusagen. Sind sie soweit, dann können wir mit ihnen rechnen, und der Tag unserer Abrechnung ist nicht mehr fern. Ab Rechner. 25 Minuten im Jenseits! Abenteuer einer Greisin im Reidfie des Todes Im Krankenhaus von Loreto in Italien hat sich ein Ereignis abgespielt, das in den Annalen der ärztlichen Wissenschaft wohl als beispiellos vermerkt werden wird. Vor einigen Tagen wurde die 68jährige Adalgise Vicini mit einem schweren Anfall von Angina pectoris in das Krankenhaus eingeliefert und noch in derselben Nacht stellte sich bei der Kranken die Agonie ein. Ihr Röcheln wurde immer schwächer, und um 1.37 Uhr wie in den Prototollen des Instituts zu lesen ist hatte die Kranke aufgehört zu leben. Zumindestens im medizinischen Sinne, da sie weder atmete noch einen Puls hatte. Den im Sterbezimmer anwesenden Angehörigen teilten die behandelnden Aerzte den Eintritt des Todes mit, worauf sich alle in die Knie warfen und beteten. Aus dem Tode wiedererwacit Einige Minuten später erschien der Leiter der Abteilung für innere Krankheiten, Professor Umberto Mule, und ließ sich sofort zu der gerade verschiedenen Patientin führen, die er nachmittags persönlich behandelt hatte. Er untersuchte den leblosen Körper und erteilte dann blizschnell seine Weisungen. Genau 15 Minuten nach der Feststellung des Todes nahm er eine sogenannte Injektion intercarniaca vor. Dann trat eine Pause ein; der Professor, die Assistenten, die Angehörigen im Nebenzimmer warteten in fieberhafter Spannung auf den Erfolg. Zehn Minuten nach dem Eingriff ging ein leises, kaum wahrnehmbares Fröst ein über die Haut der Leblosen. Weitere fünf Minuten später stellte der Professor den ersten Atemzug fest. Gleichzeitig sette der Pulsschlag, allerdings nur ganz schwach, ein. Die Patientin war aus dem Reiche der Toten zu den Lebenden zurückgekehrt. Vierundzwanzig Stunden später besserte sich ihr Zustand dermaßen, daß der Professor den Angehörigen die zu erwartende Genesung der Patientin mitteilen konnte. ..Der Tod ein Safilaf ofine 3räume!" Die wunderbare Heilung der Greifin erregt in ganz Italien großes Aufsehen, und bereits am dritten Tag nach bem glänzend gelungenen Eingriff erschienen die Reporter der großen Zeitungen im Krankenhaus, um ben erfolg reichen Arzt und seine gerettete Patientin zu interviewen. Professor Mule gewährte zwei Zeitungsberichterstattern eine nur fünf Minuten währende Unterredung mit der Patientin, die sich noch immer so schwach fühlt, daß ihr ein längeres Gespräch nicht gestattet werden konnte. Auf die Fragen der Journalisten antwortete sie nur:„ Ich habe geschlafen." Auf eine weitere Frage, ob sie geträumt hätte, winkte die Greifin mit der Hand verneinend. Dann fügte sie noch hinzu:„ Aber bevor ich einschlief, sah ich alle wichtigen Ereignisse meines Lebens an mir vorüberziehen." Die aus dem Tod Wiedererwachte lächelte:„ Der Tod ist nichts Schlimmes," schloß sie. Drahtlose Kodizeit Sie konnten zusammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief. Lächerlich, olle Kamellen, heutzutage ist alles möglich: heutzutage kann man sogar über Ozeane hinweg Ehebünde fürs Leben schließen und in Konsequenz davon offenbar auch wieder auflösen. Man braucht nur zwei Mikrophone an jedem der beiden Ozeanenden, ein bißchen RadioHokuspokus- und die Verbindungen der Liebe sind geleimt. Die erste drahtlose Hochzeit hat denn auch schon wirklich stattgefunden. Die„ Opfer" waren die amerikanische Filmschauspielerin Benita Hume und der englische Automobilist B. Dunfee. Jene war in Hollywood, dieser in London beruflich festgehalten. Aber der Heiratstermin war schon lange vorher bestimmt worden und aus irgend welchen abergläubischen Gründen wollten sie ihn nicht mehr aufschieben. Vom Aberglauben zur modernsten Wissenschaft ist nur ein Schritt und demgemäß handelten sie auch: jedes von beiden tritt mit Geistlichen und Trauzeugen vor ein Mikrophon, jedes von beiden hauchte über tausende Kilometer Distanz hinweg ein seliges" Ja" in den Aether, die Geistlichen machten eine kurze Predigt dazu und aus und geschehen wars. Die erste Radiohochzeit war vollendet!... Lachen nicht verfernen Taffilo begegnet Ariste spät nachts auf der Kärtnerstraße. Wo warst denn heit abend gewesen, Aristide?" Im Theater war i gwesen." Was hat's denn geben?" I weiß net genau: einer hat halt nach Obst gschonen. „ Heuer bin ich billig davongekommen, ich hab' nämlich meiner Frau für fünfzig Groschen einen Magnet getauft!" „ Einen Magnet? Wozu braucht Ihre Frau sowas?" Weiß ich nicht, aber sie hat sich ausdrücklich etwas zum Anziehen gewünscht!" „ Na, hast du dich über deine zukünftigen Schwiegereltern erkundigt?" Nein, noch nicht, aber mir ist etwas Beunruhigendes auf gefallen." Was ist das?" „ Jedesmal, wenn ich dort bin, bemerke ich, daß die Kinder Gerichtsvollzieher spielen!" Margarete ist sehr schlau." ,, Ach, das macht sie die Leute nur glauben." Na, ist das nicht schlau genug?" Eine blutige Sache Ein Schlächtermeister ruft seinem Gesellen zu: Haben Sie schon Herrn Schulzes Lenden und Frau Meyers Rippen abgeliefert?" " Jawohl, Meester!" „ Na, dann wiegen Sie einmal Herrn Müllers Reber und schneiden Sie mal Frau Schmidts Nieren aus und hacken Sie der Frau Krumpelmann die Schweinsfüße ab!" Der Hund mit der firen Jdee. Ihr Hund sieht recht schwindsüchtig aus." Ja, der Köter rennt ja allen Autos nach." Wie kommt das nur?" Wahrscheinlich hält er die Gummireifen für Leberwürste. Der Galgen droht! diox Heldenkampf der deutschen Arbeiter plus nem olw Trog aller Drohungen und allen Terrors macht sich ber Widerstand der klassenbewußten Proletarier gegen Hitlers 3. Reich burch intensive Berbreitung von illegalem Aufs flärungsmaterial gerade in den Hanfaftädten immer # tärker bemerkbar. Das hat den Bremer Polizeiherrn zu verschärften Drohungen veranlaßt. In einem großen, Bffentlichen Anschlag stellt er bie illegale Zersegungsarbeit illegaler Streise fest und droht, daß jeder, der illegale Schriften verbreitet oder auch nur besitzt,„ auf lange Sicht in ein besonderes, nen einzurichtendes Konzentrationslager gebracht wird, in dem ihm die Luft, sich noch einmal so zu betätigen, endgültig vergehen wird". Das aber genügt dem Bremer Polizeiherrn noch nicht, weiter kündigt er an, daß jeder des Hochverrats Ueberführte mit dem Tode burch Erhängen bestraft wird". Hochverrat aber ift nach der Meinung der gegenwärtigen Herren Deutsch lands jedes kritische Wort gegen die Diktatoren und jeder Bersuch, die Herrschaft dieses Diktators zu beseitigen. Die illegale Arbeit in Deutschland hat trotz des furchtbaren Drudes und Terrors in den letzten Wochen erheblich zugenommen. Sie ist so angewachsen, daß die faschisierten BeTerror gegen die illegale Tätigkeit vorgehen. Verschiedentlich werden besondere Konzentrationslager für die bei der illegalen Arbeit Gefaßten eingerichtet und in Bremen hat ein ganz energischer nationalsozialistischer Polizeipräsident öffentlich anschlagen lassen, daß jeder, der bei hochverräterischer Tätigkeit gegen die jetzige Regierung erwischt wird, auf öffentlichem Plaz aufgehangen wird. Troß dieser Drohungen, die sehr ernst gemeint sind, wird die Zahl der Proletarier, die den illegalen Kampf gegen die faschistische Regierung führen, täglich größer. Die Arbeit setzte langsam ein. Einzelne Gruppen begannen aus eigener Initiative. Der große, unter normalen Verhältnissen gut funktionierende Organisationsapparat war taputt, von ihm waren Weisungen und Direktiven nicht mehr zu erwarten. Ganz auf sich allein gestellt begannen die fleinen Funktionäre die illegale Abwehrarbeit. Durchaus nicht einheitlich und an den meisten Stellen geschah gar nichts. Der Beginn der Arbeit war das Verdienst mutiger Kleinfunktionäre, die ganz aus eigenem Antrieb handelten. Sie produzierten kleine handvervielfältigte Blättchen und Flugblätter, heute hier, morgen dort. Alle aber, die da arbetteten, wußten nichts oder wenig von der Arbeit der nächsten Gruppe. Immer mehr Gruppen aber fanden sich, die aus eigener Initiative diese notwendige Aufklärungsarbeit begannen und gegen alle Widerstände durchführten und die dadurch zur ersten Beunruhigung des herrschenden Systems beitrugen. Du Arbelterschwein" Nach dem Sieg der Arbeiter" partei 6A Der Stablhelm, die jetzt den Nasi angeschaltete Organisa tion der deutschnationalen Fronttämpfer, bat zur BundesHymne das Erhardt- Pied bestimmt. Die Arbeiter des Dritten Reiches werden also folgende Verse fingen hören: Arbeiter, ihr Hunde! Wie wird's euch ergehn, wenn ihr die Brigade Erhardt werdet sehn. Die Brigade Erhardt schlägt alles kurz und klein. Wehe dir, ja, wehe dir, du Arbeiterschwein!" Wie es den Arbeitern im Dritten Reich ergeht, in dem die Fememörber und ihre nationalen Rumpane herrschen, haben fie nun in der Tat gründlich gesehen: schlimmer als den Hunden und den Schweinen. Nein! Arbeiter verweigern Lohnabzug für die ,, Nationale Arbeitsbeschaffung" In den Rhein- Metallwerken sind Zeichnungslisten zur Sammlung für die„ Nationale Arbeitsbeschaffung" aufs gelegt. Die vorgeschriebenen freiwilligen" Zeichnungsbei: träge werden ben Arbeitern direkt vom Lohn abgezogen, so baß jeber diese Zeichnung als indirekten Lohnabzug empfindet. Troß des terroristischen Druces hat sich ein Teil der Arbeiterschaft der Rhein- Metallwerke geweigert, für die " Rationale Arbeitsbeschaffung" zu zeichnen. Die sich weigerne den Arbeiter begründen die Weigerung mit den niedrigen Löhnen und den dauernd steigenden Lebensmittelpreisen. Polnische Gefängnisse Im Warschauer sozialistischen„ Robotnik“ vom 80. Mai erschien der folgende Artikel von Stanislaus Dubois. Selbstverständlich wurde der Auffah, dessen Erscheinen offenbar versehentlich zugelassen worden war, nachträglich tonfiszlert: Nach bem neuen polnischen Gefängnisreglement werden bie politischen Gefangenen gleich den Kriminellen behandelt. Dies bezieht sich auch auf die politischen Gefangenen in der Untersuchungshaft. Die Schöpfer des neuen Gefängnisreglements suchen die biesbezüglichen Bestimmungen durch den Hinweis auf Frankreich und England, wo die politischen und kriminellen Gefangenen auch gleich gestellt sind, zu rechtfertigen. Während es aber in diesen beiden Ländern fast teine politischen Gefangenen gibt, schmachten in den polnischen Gefängnissen Tausende politischer Häftlinge. Ueber die Zustände im Frauengefängnis in Warschau, in ber sogenannten„ Serbia", wird dem" Robotnit" berichtet: 1. Seit Mai 1982 dürfen die Gefangenen feine Schreibmaterialien befizen. Die Bibliothek, die aus den von den ehemaligen politischen Häftlingen zurückgelassenen Büchern gebildet wurde, wurde abgeschafft. 2. Der tägliche Spaziergang, der früher anderthalb bts awei Stunden dauerte, dauert nun nur noch eine halbe Stunde. Die Häftlinge dürfen auf dem Hof nur paarweise Spazieren. 8. Nicht nur Bücher, auch Handarbeiten sind verboten. 4. Die Strafen sind streng und werden sehr häufig verEs ist ein stiller und erbitterter Kampf, der da in Deutsch land ausgefochten wird, und niemand draußen vermag sich eine Vorstellung zu machen, welcher Opfermut, welche Entschloffenheit und welche Ueberzeugungs- und Charakter stärke zur Führung dieses Kampfes notwendig ist. Mit feinem geschichtlichen Vorgang in der Vergangenheit ist dieser Kampf zu vergleichen. Auch die illegale Arbeit während der Zeit des Sozialistengesetzes bietet nicht annähernd eine Möglichkeit des Vergleiches. Das Sozialistengeset war ein Gesetz, heute ist in Deutschland ein vollkommen ungefeßlicher Zustand, jeder klassenbewußte Proletarier ist vogelfrei. Damals standen der Arbeiterbewegung nur die Polizei und die Büttel Bismards gegenüber, heute steht gegen die illegal arbeitenden Proletarier neben dem gesamten staatlichen Machtapparat noch eine fanatisierte Massenbewegung und eine terrorisierte, in Angst und Schrecken gefagte indifferente Volksmasse. Dazu kommt, daß in der nationalsozialistischen Bewegung und in der SA. viel zu viel Ueberläufer sind, die die Organisationen und Funktionäre der Arbeiterbewegung überall gut fennen und die durch Verrat, Angeberet und Forsche gegen die ehemaligen Kampfgenossen Förderung, Anerkennung und Positionen erwarten. Nur wer alle diese Dinge real in Rechnung ftellt, kann sich eine ungefähre Vorstellung von den Schwierigkeiten und der Größe der Gefahren machen, die heute mit der illegalen Arbeit in Deutschland verbunden sind. Der deutsche klassenbewußte Proletarier steht einem mächtigen wie brutalen Gegner gegenüber, der alle die ihm zur Verfügung stehenden Machtmittel rücksichtslos und erbarmungslos anwendet. Jeder, der heute in Deutschland illegal gegen das herrschende faschistische System arbeitet, weiß, was ihm in der Hölle Hitlers bevorsteht: Auslieferung an die sadistischen Folterknechte der SA., furchtbare Mißhandlungen, Folterungen und Quälereien, dauernde Festsetzung in be= sonderen Konzentrationslagern, in denen jeder Tag Leben ein Tag der Erniedrigung, der Schändung und der Menschenschinderet ist. Wer wegen illegaler Arbeit nach unendlichen Quälereien in der Hölle des Konzentrationslagers endet, weiß nicht, wie lange diese Qual dort dauert. Er weiß nur, daß er ein lebendig Begrabener ist, den die Machthaber vielleicht eines Tages zur öffentlichen Abschreckung auf hängen. Der deutsche Proletarier, der heute in Deutschland arbeitet, tämpft nicht gegen Menschen, sondern gegen Bestien in Menschengestalt, die keine Achtung vor seinem mutigen Kampf und tein Erbarmen kennen. Der illegale Kämpfer weiß, daß sie nicht nur ihn foltern, sondern die Quälereien auch auf alle seine Angehörigen ausdehnen. Seine Familie bekommt, wenn er eingesperrt ist, keinerlei Unterstützung, sie wird buchstäblich ausgehungert und jede Schikane wird angewandt, um auch durch barbarische Strafung aller Angehörigen abschreckend zu wirken. Und doch finden sich in Deutschland immer mehr Prole terier, die trotz all dem Furchtbaren, daß sie nach dem Erwischtwerden bedroht, illegale Aufklärungs- und Besehungsarbeit leisten. Die( da ein Parteiapparat nicht mehr existiert) von ihren fargen Verdienst- und Unterstützungsgroschen die kleinen illegalen Blätter, die ganze illegale Arbeit noch selbst finanzieren. Welche Ueberzeugung, welche unerschütterliche Treue und Glaube an die heute in den Dreck getretene und doch sieghafte Jdee des Sozialismus, welche Charakterstärke und welcher Mut gehört dazu, sich trotz all der Gefahren mit dem Einsatz der ganzen Person für die illegale Arbeit einzusetzen. Höchstes, größtes Helbentum ist es, was unsere aktiven Kampfgenossen in Deutschland vollbringen. Mit goldenen Lettern wird ihr opfervoller Tageskampf einst in die Geschichte der kämpfenden Arbeiterbewegung eingetragen werden. Die da drüben in der Folterkammer des faschistischen Deutschland täglich bedroht von tansend Gefahren, täge lich bedroht von Berrat und Berhaftung ihr Leben für ihre Idee einseßen, find wahre Helden. Sie legen den Grundstock für den Neuaufbau der proletarischen Kampffront, sie geben uns allen die Gewißheit, daß eine Idee, die nur um ihrer selbst willen von unten auf immer wieder neu solche unerschrockenen Kämpfer gebiert, nicht niedergeschlagen werden kann sondern über alle Niederlagen und Bebrückungen hinweg doch siegen wird. Die Menschen, die heute in Deutschland den bewundernse .werten stillen Heldenkampf führen, haben nicht die Illusion, daß sie mit diesem Kampfe hente oder morgen schon ben herrschenden Faschismus stürzen und überwinden werden. Sie wissen, daß all das, was sie gegenwärtig tun, Vorarbeit ist und daß sie erst am Anfang eines langen, dornenvollen und opfervollen Weges stehen. Aber sie verzagen trotzdem nicht. Jeder, der in dem unterirdischen Kampfe fällt, refst eine schmerzliche Lücke. Aber immer wieder finden sich neue Mitkämpfer, die in die Bresche springen. Und wenn die Kampfgenossen draußen in all den anderen Ländern der Welt aus der Niederlage des deutschen Proletariats lernen und ebenso mutig wie die stillen Rämpfer in Deutschland not. mendige Konsequenzen ziehen, an der Neuformierung der neuen Rampffront und für die Schaffung des einheitlichen Kampfblockes gegen den Faschismus wirken, so ist das die beste Unterstüßung für den Heldenkampf der in Deutschland an der unterirdischen Front stehenden Proletarier. Die zwei Gesichter des dritten Reichs 鸭肉 粥 Nach außen und nach innen! hängt. Zur Strafe werden 8. B. die Lebensmittel- Pakete, die die Verwandten den Gefangenen senden, wochenlang nicht abgeliefert. Die Gefängniskost ist nicht genügend, viele Gefangene sind unterernährt und frant. 5. Den Gefangenen, die zur Strafe feine Lebensmittelpakete bekommen, wird häufig auch die Gefängnis- Hauptmahlzeit vorenthalten, so daß sie einfach hungern. 6. Um die Gefangenen zu zwingen, die Gefängnißtracht anzulegen, werden ihnen die Wäsche und Kleiderpakete, die ihnen ihre Familienangehörigen schicken, nicht zugestellt. Die von den Gefangenen in den Gefängniszellen gewaschene Wäsche wird konfisziert. 7. 3weimal in der Woche, wenn nicht häufiger, finden Beibeßvisitationen statt. Die triminellen Gefangenen werden dazu gebraucht, die politischen Gefangenen zu zwingen, sich auszukleiden. Im Winter frieren die Gefangenen in den talten Zellen dabei. Jede Protestäußerung wird streng bestraft, z. B. durch Verbot Besuche zu empfangen, Isolierung, Karzer. 8. Die Gefangenen dürfen die von den Familienangehörigen erhaltenen Lebensmittel nicht untereinander teilen. Ueberreicht eine Gefangene einer andern franken Gefangenen aus einer Nachbarzelle etwas Lebensmittel, so wird sie bestraft. 9. Das Stehen auf dem Schemel und Hinausschauen aus dem Fenster ist verboten und wird streng bestraft. 10. Politische Gefangene, die fich die geschlechtliche Untersuchung nicht gefallen lassen wollen, werden durch mehrmonatliche Folterung bestraft. Im April dieses Jahres wurden 18 politische Gefangene, darunter eine fast 40jährige Frau, einer& wangsweisen geschlechtlichen Untersuchung durch die Gefängnis- Aeratin Cyganska, die vier Wärterinnen zu Hilfe batte, unterzogen. 11. Manche Wärterinnen duzen die politischen Gefangenen und beschimpfen sie. Politische Gefangene, die fich darüber bei der Gefängnis- Verwaltung beschweren, werden mit Dunkelfammer bestraft. Durch Dunkelfammer wurde kürz lich eine politische Gefangene, die lungenkrank ist und bet der ohnehin Erblindung befürchtet wird, bestraft. 12. Den 8. bis 18. Mai dieses Jahres bekamen die Gefangenen hartes Lager ohne Strohsack und Decke zur Strafe. Eine Gruppe Gefangener, die dagegen um elf Uhr abends burch lautes Singen protestierte, wurde durch den Gefäng nisdirektor und die Gefängniswärter schwer mishan delt und sodann in den Strafzellen eingesperrt. Eine polttische Gefangene hat der Gefängnisdirektor Jankowski ben ganzen Korridor entlang an den Haaren geschleppt. In Strafzellen mußten fünf politische Gefangene balb ausgekleidet mehrere Tage lang auf bem falten Boden liegen. Während dieser Zeit durften die Toilettetübel nicht entleert werden. Zwei Tage lang mußten die Gefangenen hungern. 13. Die politischen Gefangenen beschweren sich über schlechte Behandlung, häufige Drohungen und Beschimpfungen. Eine der Drohungen lautet:„ Wir holen Hitler, er wird euch lehren!" Im Warschauer Sentralgefängnis", wo im Besuchßraum Doppelgitter eingeführt wurden, verzichten die Gefangenen bereits seit zwei Jahren auf Besuche ihrer Nächsten. Da sie nur paarweise spazieren dürfen, verzichten fie auch feit Monaten auf die Spaziergänge. Aehnliche Zustände berrschen auch im Mokotower- Gefängnis in Warschau. Um Henderson Kohlrübenwinter droht! Um Henderson Wie man heute in Berlin lebt Eine Leserin stellt uns folgenden, wahrhaft erschütternden Brief aus Berlin zur Verfügung, den sie von einer Freundin erhalten hat. Dies ist der Wortlaut des Briefes... Liebe Ruth! Du wirst erstaunt sein, daß ich Dich so lange auf Nachricht warten ließ. Aber man weiß nie, ob man und vor allem natürlich, was man schreiben darf. Sie machen immer Stichproben mit der Zensur und ich möchte Dir feine Unannehmlichkeiten bereiten. Man lebt ja hier ärger als in einem Zuchthaus; ärger des= halb, weil man im Zuchthaus weiß, was einem bevorsteht, und was man tun kann oder nicht. Hier bist Du aber ganz im stillen ausgeliefert. Jeder bespielt jeden. Man wagt faum zu sprechen. Auch mit den früher besten Freunden nicht. Wie es im übrigen Land zugeht, wissen wir nicht. Die Zeitungen dürfen nichts schreiben, durch den Funk merden ganz verwirrte und dadurch auch verwirrende Nachrichten gesendet und ich glaube, daß Du aus den Wiener Zeitungen mehr über Deutschland erfahren wirst als wir ahnen. Immer tiefer und tiefer Wir selbst leben jetzt sehr, sehr einfach und bescheiden. Man rutscht immer tiefer und tiefer, ohne es so recht zu bemerken. Aber wir haben fast nichts mehr zu essen. Seit Rudi von der Redaktion abgebaut worden ist sie wußten, daß er Sozialist ist, haben wir feinen Pfennig mehr verdient. Unlängst allerdings erhielt er einen alten Kasten zum Aufpolieren und verdiente damit ein paar Mark. Wir waren heilfroh. Nur ist das Geld schon bald alle. Die Nazis prophezeien einen ,, Kohlrübenwinter" Du kannst Dir nicht denken, wie verzweifelt ich bin. Mit Tränen in den Augen gehe ich schlafen und mit Tränen in den Augen stehe ich wieder auf. Bei Tag nehme ich mich natürlich zusammen. Aber wir nehmen uns alle so zu= sammen, daß es bald nicht mehr gehen wird. Und was soll geschehen, wenn wir bald kein Brot mehr zu essen haben werden? Dabei soll es jetzt noch glänzend gehen. Nicht ganz offen, aber da und dort schreiben die nationalen Zeitungen, daß sich Deutschland schon einmal großgehungert" hat und daß wir wieder mal einen, oh I rübenwinter" überstehen müssen. Allerdings: Wenn die ganze Welt nationalsozialistisch denken werde was bis 1960 zu erwarten sei, dann werde ein„ ungeahnter Aufschwung für Deutschland" kommen. Also sollen wir noch 27 Jahre durch= halten! iles o Bis dahin find aber mindestens 40 Millionen von den 62 verhungert, denn die Lebensmittelpreise steigen fort. Mars garine und Zucker werden auch für die anderen bald n n= erschwinglich sein. Dafür bekommt man ein Pfund Ananaserdbeeren um 15 bis 20 Pfennig. Es ist wirklich furchtbar. Rudi geht zu= grunde bei diesem Leben. Und Lilli hat in den letzten drei Monaten fast fünf Kilogramm abgenommen. Sie ist nur mehr ein kleines Stelettchen. Unsere einzige Hoffnung war noch die Funkstunde. Du wirst Dich erinnern, daß ein Vortrag Rudis angenommen wurde. Nun fam vor einigen Tagen ein Brief:„ Sehr geehrter Herr! Bitte wollen Sie uns umgehend mitteilen, ob Sie a rischer Abstammung sind. Mit Heil Hitler! Die Funkstunde." Na, und da hat er natürlich abgelehnt. Man ist doch schließlich kein Hund, der seinen Stammbaum nachzuweisen hat, ehe er auftreten darf. Und damit sind auch wieder 75 Mark weg, die wir weiß Gott wie dringend gebraucht hätten. Eine Wildwestszene aus dem Dritten Reich Vielleicht das Drückendste ist, daß sich gar nichts rührt. Daß man wie abgesperrt ist vom Leben und allem. Erstens geht fast niemand auf der Straße, außer den Braunen ( SA.) und den Schwarzen( SS.). Und wenn die einander begegnen, gibts fast immer Stunt. Und am vergangenen Sonntagnachmittag fuhr ein Lastauto vor das Haus gegenüber und drei Uniformierte sprangen heraus und verschwanden im Tor. Nachher erzählte uns das Mädchen, nas geschehen war. Die Leute klingelten oben und wiesen fich als„ Kriminalbeamte" aus. Sie sagten, daß sie von weiß ich welcher Parteistelle geschickt worden seien, um die Lebensbedingungen der Hausangestellten zu kontrollieren. Sie ließen sich das Dienerzimmer zeigen, schimpften mächtig, Isperrten dann plötzlich die Köchin drinnen ein, hielten dem Stubenmädchen den Revolver an die Brust und schleppten alles fort, was nicht niets und nagelfest war. So sieht nämlich ihre Arbeiterfreundlichkeit" in Wirklich keit aus! Das Aufladen haben wir vom Balkon aus beobachtet. Die Wohnung gehört dem Hausherrn, einem Juden, der noch rechtzeitig floh und die Mädchen in der Wohnung zurückließ, damit sie wenigstens nicht obdachlos werden. In einem Haus in Schöneberg haben sie es ziemlich ähnlich gemacht. Nur, daß sie da noch die Tele= fondrähte durchschnitten, damit die Leute keine Hilfe alarmieren konnten. Bei uns war vorderhand noch niemand, aber Du kannst Dir denken, wie sehr wir bei jedem Läuten zittern. Eine Zeitlang richteten wir sogar einen Wachdienst auf dem Balkon ein, so gefürchtet haben wir uns. Das hat jetzt aufgehört. Was einem bestimmt ist, dem entgeht man ja doch nicht. Ja, Du wirst lachen. Aber man muß schon ganz fatalistisch sein, um hier überhaupt weiter leben zu können. Sei nicht böse, daß ich Dich in diesem Brief auch r.och mit meinen Sorgen belästige; Du allein hast gewiß auch genügend. Aber von Berlin kann man nichts anderes berichten. Mit herzlichen Grüßen... Erbkranke" Fragen an die Reichsregierung Im Zusammenhang mit dem am 25. Juli verkündeten Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" und mit den beabsichtigten Maßnahmen zur„ Enimannung gemeingefährlicher Sexualverbrecher" möchte man auch etwas über die zukünftige Anwendung dieser Bestimmungen hören. Die Tatsache z. B., daß der preußische Innenminister Hermann Wilhelm Göring im Stockholmer Jrrenhaus unter der Nummer 291 und noch im Jahre 1928 in der Klinik Kahle in Köln a. Rh. als Schwermorphinist interniert war, und daß er in diesen Anstalten mehrmals in die Gummizelle eingesperrt werden mußte, beweist, daß es sich in diesem Falle um einen Kranten handelt, dessen Nachwuchs nur erbbelastet sein würde. Wird man daher auch Herrn Göring entmannen? Ein kastrierter Innenminister wäre ja eine aufsehenerregende Spezialität, wie sie sich nur das Dritte Reich leisten kann und die als Sehenswürdigkeit für den jetzt erlahmten Fremdenverkehr sehr empfehlenswert wäre! Und wie steht es mit dem Stabschef Röhm? Dieser OberNazi, der den weiblichen Verkehr ablehnt, was eine Sexualanomalie bedeutet, müßte ohne weiteres als„ gemeingefährlich" betrachtet werden. Röhm, der jetzt auf schwarzes Jünglingsmaterial verzichten und sich mit weißem, echt teutschem ( wie es in der SA. und SS. vorhanden ist) abfinden muß, bedeutet eine ständige Gefahr für das„ echte Germanentum", dem eine homosexuelle Zukunft entgegenleuchtet! Die reichsdeutschen Gerichte hatten sich in der Vergangenheit unzählige Male mit Sexualverbrechen zu beschäftigen, die sonderbarerweise meistens der Führung und Unterführung der braunen Horden angehörten. Hier eine kleine Auswahl, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch erhebt: Frey Georg, Stuttgart, wurde am 3. Januar 1932 u. a. wegen widernatürlicher Unzucht(§ 175) zu einem Jahr zehn Monaten Zuchthaus verurteilt; Engel Karl, Stargard in Pommern, wurde 1922 wegen schweren Sittlichkeitsverbrechens zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt; als führender Nazibouze wurde er 1930 erneut wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen an seiner eigenen achtjährigen Tochter, verhaftet. Göbelhardt Konrad, Jesberg bei Frizlar, ein Jahr Gefängnis wegen Sittlichkeitsverbrechen an einigen minderjährigen Mädchen. Held Hermann, Hofgeismar, Jugendführer der NSDAP., im Februar 1933 wegen geschlechtlichen Mißbrauchs von über hundert Kindern und Jugendlichen verhaftet. Seßberger Klemens, Führer des Jungsturms der NSDAP. in Halle an der Saale, anderthalb Jahre Buchthaus im Januar 1932 wegen mehrfachen Sittlichkeitsverbrechens an der ihm anvertrauten Jugend, ein Knabe erfrankte so schwer, daß man ihn im Krankenhaus unterbringen mußte! Holy Emil, Studienrat in Brandenburg und Reichstagsmitglied, am 6 März 1931 sechs Monate Gefängnis wegen sechsfachen Sittlichkeitsverbrechens. Laß Max, Rothmühl, am 8. Januar 1932 vier Jahre Zuchthauus wegen Sittlichkeitsverbrechens und Blutschande, begangen an seinen eigenen 10-, 11: und 15jährigen Töchtern; letztere erhielt ein Kind von ihrem eigenen Vater! Lehmann Kurt, Riesa a. d. Elbe, sieben Monat Gefängnis im Dezember 1981 wegen Sittlichkeitsverbrechens. Münchmeyer Ludwig, Pfarrer und Reichstagsmitglied, von dem das Schöffengericht Emden in seinem Urteil vom 7. Mai 1926 feststellte, daß er„ wiederholt an Frauen sich herangemacht habe" und sie sich„ teils unter Ausübung eines unzuläßlichen Druces, teils indem er sich als reicher Kaufmann ausgab", gefügig machen wollte. Rauschoff Ludwig, Führer der Jugendgruppe der NSDAP. in München, sechs Monate Gefängnis im Dezember 1931 wegen Sittlichkeitsverbrechens in fünf Fällen an den ihm anvertrauten Jungen. Schneider Karl, Heddernheim, im März 1981 verhaftet, weil er sich während der Dauer von anderthalb Jahren fortlaufend an seiner 14jährigen Stieftochter vergangen hatte. Was soll mit dieser auserlesenen Führer"-Kategorie geschehen? Wird man auch sie fastrieren? Oder sind sie für die moralische Erneuerung" des Volkes unentbehrlich? Eine Regierung, die sich selbst achtet, müßte doch damit beginnen, daß sie vor allem aus den eigenen Reihen den Mist auskehrt und, wenn es notwendig ist, auch vor den allerhöchsten Osafs nicht Halt macht. Ein altes römisches Sprichwort aber heißt:„ talis pater, talis filius"( wie der Vater, so der Sohn); und wir befürchten ernstlich, daß, da die Er kandidiert zum Unterhaus Emigranten Hoffnung des London, 2. August.( Eig. Ber.) Arthur Henderson, der Führer der britischen Labour Party und Außenminister im letzten Kabinett der Arbeiter partei wird nach aller Wahrscheinlichkeit bei einer Nachwahl in Clay Croß kandidieren. Der Kreis ist der Labour Party so gut wie sicher, und so darf man damit rechnen, daß die Parlamentsfraktion in der Person Hendersons einen mertvollen Zuwachs erhält. Henderson ist bekanntlich auch Präsident der internationalen Abrüstungskonferenz. Ob er aber als Mitglied des Parlamenta diesen Posten beibehalten wird, ist um so mehr zweifelhaft, als er gerade in der letzten Zeit erfahren mußte, wie schwer sich die Rücksichten auf seine führende Stellung in der Arbeiterbewegung mit seinen diplomatischen Pflichten vereinbaren lassen. In seinem höchst anerkennenswerten Bestreben um das Zustandekommen einer Verständigung zwischen den europäischen Regierungen hat er es für erforderlich gehalten, auch einen Besuch bei Hitler in München zu machen, und dieser an sich vielleicht notwendige Schritt hat ihn in einen gewissen Konflift nicht nur mit den deutschen Sozialdemokraten, sondern ganz allgemein mit den Sozialisten Europas gebracht. Jedenfalls wird Henderson als führende Persönlichkeit im britischen Unterhaus der Sache des Sozialismus und das mit des Friedens weit größere Dienste leisten können als an der Spizze einer Konferenz, deren Arbeiten ohnehin zum Scheitern verurteilt sind. Er wird im Parlament auch in der Lage sein, das Interesse der sozialistischen Emigranten mit größerem Nachdruck wahrzunehmen als es bisher ge schehen ist. Man setzt sich zur Zeit in England etwas zu aus schließlich für die jüdischen Flüchtlinge ein, und eben erst hat der konservative Abgeordnete Locker- Lampson einen Antrag eingereicht, nach dem die Einbürgerung der jüdischen Emigranten erleichtert werden soll. Dagegen ist sicher nichts einzuwenden, aber neben denen, die ihrer Rasse wegen Deutschland verließen, stehen die anderen, die wegen ihrer politischen Gesinnung aus ihrem Vaterland flüchteten, und es wäre gut, wenn auch sie im britischen Parlament einen beredten Anwalt fänden. Gegenwärtig liegen die Dinge so, daß die rigorose Handhabung der britischen Fremdengesehe mittellosen Flüchtlingen die Einreise überhaupt unmöglich macht. Fast täglich werden solche Personen in den Eingangshäfen zurückgewiesen, und gegen einen längeren Aufenthalt in England sind fast unübersteigbare Schranken errichtet. Echon das reine Menschlichkeitsgefühl sollte hier eine Aenderung herbeiführen helfen. Hundertprozen'iger Sozialismus Alle NSBO.- Beauftragten zurückgezogen Berlin, 1. Aug.( Inpreß.) Die NSBO.- Leitung veröffentlicht die mysteriöse Erklä rung:„ Besondere Umstände zwingen die NSBO.- Leitung, alle bisherigen NSBO.- Beauftragten für Konzerne, Be hörden usw. wieder zurückzuziehen. Keiner hat daher bas Recht, sich fünftig als NSBO.- Beauftragter für Betriebe usw. zu bezeichnen." Es scheint nach dieser Maßnahme, daß der Sozialismus der Nazis bereits vollständig durchgeführt ist. Der Teufel in der Kirche Es waren wieder Marxisten In einem kleinen erzgebirgischen Orte namens Bodant haben nicht die Deutschen Christen bei der Kirchenwahl die Mehrheit bekommen. Um sich bei der Parteileitung zu ent schuldigen, schrieb der dortige Naziführer diese Niederlage den Marxisten und Gottlosen auf ihr Konto. Das Resultat wurde auch sehr bald geändert: man stellte einfach fest, daß eine Reihe„ ungetaufter Heiden" bei der Kirchenwahl sich be teiligt hätten. Meschugge Hitler ein Sakristan damio.I HA Bruchsal( Baden), 29. Juli.( Inpreß.) Der Kampfbund für deutsche Kultur ließ einen Pfarrer Senn über die deutsche Seele sprechen, der eine neue Legende in die Welt fezte:„ Adolf Hitler ist der große Safristan, der im deutschen Dome Millionen Kerzen, die erloschen waren, wieder angezündet, daß sie brennen vom Feuer des Jdealismus." b Ludendorffer 2 st da 2 „ Politische Maulwürfe" 30 Sibented Bäter der deutschen Bewegung, Hitler und Göring, wie übrigens ihr römischer Geistesgroßvater Mussolini, gemeingefährliche Psychopathen und Urheber des„ Entmannungs- ,, Politische Maulwürfe" gesetzes" sind, sie nicht gewillt sein werden, sich und die " faschistische ehrwürdige Familie" den logischen Schlußfolgerungen ihrer Gesetzgeber zu unterziehen! Dr. F. M. Neudeutsche Sitte Aufforderung an die Kellner zum Spitzeln Berlin, 31. Juli.( DG.) In den Kellnerzimmern der großen Restaurants hängt folgender Anschlag: " Pgs. Kellner. Achtet auf die Gespräche der Gäste und meldet verdächtige Gäste sofort der SA.“ Diese Anweisung zur Bespißelung aller Gäste in den öffentlichen Lokalen ist wahrscheinlich an alle Kellner ergangen und jeder, der in Deutschland ein öffentliches Lokal betritt, wird gut tun, bei seinen Gesprächen in Gegenwart der Kellner recht vorsichtig zu sein. Rechtlos! Schutzhaft fällt nicht unter juristische Kategorien Zur Erklärung des bayerischen Justizministers Frank, der zugleich Justizkommissar für das Reich ist, daß Schußzhaft feine Strafbaft set, sondern eine administrative Maßnahme, bemerkt die„ Times", daß demnach jeder deutsche Staatsbürger. der in Schußhaft genommen wird, ohne jeden Rechtsschutz auf unbestimmte Zeit eingesperrt und zu Zwangsarbeit verurteilt werden kann, ohne überhaupt ein Gerichtsurteil erhalten zu haben. Bremen, 30. Juli.( Inpreß.) Bei Stade wurden zwei Mits glieder des Ludendorffschen Tannenbergbundes verhaftet. Die Polizei gab diese Verhaftung unter der Ueberschrift Politische Maulwürfe" bekannt. Die Ludendorffianer sollen die Regierung dadurch verunglimpft haben, daß sie erklärten, in Deutschland gäbe es noch Börsen und die christliche Kirche stamme von den Juden ab. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. 6 H., Saarbrücken. Schüßenstraße 5. Tuch- und Futterstoff- Großhand'ung in Paris will deutscher Reisender gründen Tätiger jüngerer Teilhaber mit Kapital 100-125000 Fr gesucht. Langjährige Kundschaft in ganz Frankreich und Untervertreter vor handen Sehr gute Existenz Aus führliche Angebote erbeten unter Nr 54 an die Geschäftsstelle d Ztg. Alle Ausgaben Klassiker empfiehlt Buchhand'uno Volkssimme Saarbrucken 3 Bahnhofstr. 32 1