Preis: 60 1. cts. 25 Poniface Freiheit Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands -O Nummer 39 1. Jahrgang Saarbrücken, Freitag, den 4. August 1933 Chefredakteur: M. Braun In einigen Tagen erscheint: ..Revolution gegen Hitler" die neueste Kampfschrift gegen das faschistische System. Preis 1, Fr. Bestellungen jetzt schon an der Verlag ,, Deutsche Freiheit". Vom Bettelstudenten zum Millionär Galerie reichgewordener Nazi- Führer- Spezialisten für Korruption Jeder für sich, keiner für alle In allen Siegesreden der nationalsozialistischen Rezifatoren hörte man immer wieder das schließlich zum geflügelten Wort gewordene Märchen von den« vierzehn Jahren". 14 Jahre Schmach, 14 Jahre Befrug, 14 Jahre Korruptionssumpf usw. usw. Und hoch und heilig schwor man, daß nun wieder Reinheit in Deutschland einkehre, daß keine Vettern- und Protektionswirtschaft in Deutschland eintreten würde! Ja, man hat die Korruptionisten der« 14 Jahre zum Teil entfernt. Hat sie und viele andere, denen man Korruption andichtet e, in Konzentrationslager gesteckt, aber die Bestechung und Erpressung feierte im felben Moment fröhliche Urständ. Eine niegeahnte Hochkonjunktur der Korruption brach herein und der Unterschied dieser neudeutschen von jener berühmten der 14 Jahre" ist nur der, daß die jetzige Reservatrecht der Führer des erneuerten Deutschlands ist. Der erste, der die günstige Gelegenheit, über Nacht reich zu werden, beim Schopfe faßte, war des neuen Reiches Propagandaminister Dr. Göbbels Ein armer Junge aus Rheydt bei Gladbach, Sohn eines fleinen Werkbeamten, der nicht mehr lebt. Die Mutter konnte den Sohn nur mit Hilfe eines Darlehns des Albertus- Magnus- Vereins studieren lassen. Noch vor einigen Jahren war Dr. Göbbels bettelarm. Dann„ er= oberte" er Berlin für die NSDAP. und sofort fand Anschluß nicht nur an die Kassen der Partei, sondern auch an die Rassen der großen Kapitalisten. Er machte schon vor dem Erwachen Deutschlands" ein gutes Geschäft, indem er sich mit der Gattin des Großindustriellen Quandt verband. Die Beziehung zu Quandt, wenn auch in dieser undeutschen Art angeknüpft, schuf nicht nur sofort gewaltige Borteile, sondern versprach auch für die Zukunft ungeahnte Berdienstmöglichkeiten. Herr Quandt selbst erkaufte sich bei der Scheidung von seiner Gattin Magda, der iurzfristigen Modeministerin, das Recht, den einzigen Sohn aus seiner Ehe für fich zu behalten. Und Frau Magda, geschäftlich beraten von ihrem Bräutigam Josef Göbbels, gab ihr Kind für eine Million Mark in bar mit Freuden hin. Das heißt, fie perfektionierte zwar den Vertrag, der bei der Scheidung gerichtlich besiegelt wurde, sie steckte auch die Million ein, aber dann gab sie das Kind doch nicht heraus. Lange zog sich der Streit hin. In: awischen kam die„ Revolution", Dr. Göbbels wurde Minister und erledigte nun den Familienstreit auf kurze Art und Weise. Er ließ sich von seiner Klugen Frau kleine dis= frete Dinge über geschäftliche Transaktio= nen des Herrn Quandt erzählen und daraufhin den Industriellen, der nur eine Million geblecht hatte und Unannehmlichkeiten machte, verhaften. Gegen Stellung der höchsten Kantion, die iemals in Deutschland verlangt und erlegt wurde 4 Millionen Mark, wurde Herr Quandt wieder auf freien Fuß gefeßt. Und nun tam erst das Glanzstück des mit allen Wassern gewaschenen Propagandaminifters. Er ers zwang von seinem ehelichen Vorgänger die Kautions= fumme für den minderjährigen Sohn und die Verwaltung und Nugnießung des Be trages für die Mutter, Frau Magda Göbbels. Selbstverständlich mußte sich Herr Quandt noch verpflichten, keinerlei Ansprüche auf den ihm vom Gericht zugesprochenen Sohn geltend zu machen. Dafür wurde das Verfahren gegen Quandt, das auf einem„ Irrtum" beruhte, wieder eingestellt. Daß diese hervorragende Transaktion im Führerkreis nicht lange geheimgehalten werden konnte, ist klar. Raum fannte man sie, so nahm man sich an Herrn Göbbels ein Beispiel. Der preußische Ministerpräsident Göring besaß schon lange gute Verbindung zu der Luftfahrtindustrie. Er legte sich tüchtig für sie ins Zeng, nahm dafür von den BMW.( Bayerische Motoren- Werke), wie inzwischen all gemein bekannt wurde, zweieinhalb Millionen Mart, von anderen Firmen entsprechend niedrigere Beträge,„ faufte" Aftien der BMW. sowie die Majorität von Junkers und schanzte den Firmen kurz danach Reichssubventionen von 50 Millionen Mark zu. Da sich Professor Junkers Schwerer Konflikt Ein gemeinsamer Schritt verschiedener Großmächten in Aussicht London, 8. Aug.( Eig. Draht.) Das Material über den Einbruch nationalsozialistischer Propaganda- Flugzeuge in Desterreich ist in London zu gleicher Zeit, wie in Rom und Paris mitgeteilt worden, und die englische Regierung ist nun in der Lage, die österreichische Frage, so wie sich heute darstellt, zu unter: suchen. Ohne Zweifel beansprucht dieses Problem gegenwärtig ihre ganze Aufmerksamkeit. Man hat den Eins druck, daß das Londoner Kabinett eine gemeinsame Intervention aller beteilgten Mächte gerne sähe, da es, wie stets in solchen Fällen gegen Einzelaktionen ist. Die deutsch- österreichischen Beziehungen lassen von Tag zu Tag ein Eingreifen der Regierung wünschens: werter erscheinen. Die englische öffentliche Meinung aller Richtungen, die mit wirklicher Sympathie die AnstrenDer Minister der Auswärtigen Angelegenheiten beschäftigt sich seit mehreren Wochen mit der zwischen der deutschen und österreichischen Regierung bestehenden Spannung. Seine Aufmerksamkeit hat sich dabei insbesondere auf die verschiedenen Zwischenfälle erstreckt, die sich in der letzten Zeit ereignet haben, nämlich die Ueberfliegung österreichischen Ge= bietes durch Flugzeuge schlecht erkennbarer Herkunft, die feindselige Flugblätter gegen den Kanzler Dollfuß abges worfen haben, über die Funksendungen deutscher Stationen, in denen die gegenwärtige Wiener Regierung angegriffen wurde. Der Außenminister hat bei einer gewissen Anzahl von Regierungen den Ernst und die Gefahren, die solche Gescheh= niffe darstellen, betont, und mit ihnen die Meinungen aus: getauscht, über Wege und Mittel, etwa die einer gemeinsamen Aktion, um die Wiederholung solcher Geschehnisse zu ver= hindern. gungen des Kanzlers Dollfuß für die Erhaltung der öfter Französischer Protest reichischen Unabhängigkeit begleitet, betrachtet eine internationale Aktion, die ihn unterstügen würde, als sehr dringlich. Frankreich amtlich: Paris, 8. Ang.( Eig. Bericht.) Nachdem die französische Presse in den letzten Tagen sich wiederholt mit den Schritten, die der österreichische Kanzler Dollfuß in Berlin, Rom und London unternommen hat, beschäftigt hat, veröffentlicht Havas folgende amtliche Mitteilung: das Eindringen in sein Lebenswert nicht gefallen lassen wollte, segte man ihn in seiner Villa gefangen, bis er klein beigab. Gleichzeitig nahm der Luftfahrtminister Interesse an den Benzwerken, die ihn baten", ihnen seine fachmännischen Kenntnisse zur Verfügung zu stellen. Natürlich bekamen die Daimler- Motore dadurch einen Vorzug vor den Produkten der Maybach- Werke bei den Lieferungen für die nationalsozialistische Luftflotte. Der Verbrauch dieser riesigen Be: stechungsbeträge machte dem Verschwender Göring keinerlei Schwierigkeiten. Getreu diesen Vorbildern handelten die übrigen Führer. Vor allem bemühten sich die bayerischen Pgs., es den Kollegen in Preußen gleichzutun. Der erste war Herr Minister Wagner der sich die bedeutendste und wertvollste Industriefirma Bayerns, die MAN.( Maschinenfabrik Augsburg- Nürnberg), als Mellobjekt anserfor. Den Hauptaktionär, den Freis herrn von Cramer- Klett, steckte man in Schußhaft und ers zwang dadurch in kürzester Zeit nicht nur die Einsetzung cines Kommissars im Wert, sondern auch eine i m Nominalwert Attien herausgabe von 800 000 Mart. Für dieses Geschenk versprach Wagner der MAN. bedeutende städtische und staatliche Lieferungen, die auch bald eintrafen. Der erste Auftrag erstreckte sich auf Lieferung von landwirtschaftlichen Maschinen im Betrage von drei Millionen Mart, Lastkraftwagen und Postautobusse für eineinhalb Millionen Mart sowie Straßenbahnwagen und Schnellzugslokomotiven für 7 Millionen Mart. Herr Wagner hat damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er wurde Großaktionär und sorgte gleich zeitig als Minister für den guten Gang seiner Firma. Zwar wurde die Sache nicht sehr ver= schwiegen behandelt, die Transaktion kam durch die benachteiligte Konfurrenz wie Maffei und Siemens in eine aller: dings beschränkte Oeffentlichkeit und schließlich auch Hitler zu Ohren. Es gab einen mächtigen Zusammenstoß, in dem jedoch Wegen der Entführung im Saargebiet " Havas" teilt mit: Der französische Botschafter in Berlin hat bei der deutschen Regierung einen entschiedenen Schritt unternommen, um gegen die Entführung französischer Staatsangehöriger aus dem Saargebiet zu protestieren. Ein gleicher Protest ist bereits über dieselbe Angelegenheit von der Regierungskommission des Saargebietes eingelegt worden. der„ Führer" am Schluß klein beigeben mußte, wollte er nicht den ganzen Dreck, den seine Paladine am Stecken hatten, breittreten. Was Herr Wagner konnte, dachte der bayerische Minister Esser auch zu Wege zu bringen. Er nahm sich die Rolle seines Pg. Freißler, des Ministerialdirektors im preußischen Justizministerium, zum Vorbild, der die Enteignung der größten deutschen Provinzzeitung, des" Dortmunder General- Ans zeiger", angeregt und hatte durchführen lassen, und machte nun dieselbe Geschichte mit dem großen Münchener Verlag Knorr u. Hirth nach. Justizkommissar Frank II seinen Vater, der wegen Betrugs vorbestraft und aus der Anwaltsliste gestrichen war, rehabilitieren" ließ? Oder wenn der berüchtigte Radauantisemit Julius Streicher in Nürnberg die jüdischen Firmen Reim n. Co., dessen Ins haber man zur Flucht zwang, und die bekannte Fahrrad- und Schreibmaschinenfabrik" Triumph" einfach annektierte? Was die großen Führer der einzigen deutschen Partei im großen betreiben, das ahmen die unteren Führer im kleinen nach. Streichers Vorbild gab den Auftakt zur„ Eroberung" von Dugenden kleinen Firmen im Namen und für Rechnung der Gauleiter, der Sturmbann- und Sturmführer. Sie ließen sich ihr Enteignungs, recht" entweder in Beträgen von 10 000 bis 60 000 Mark ablösen oder nahmen alles weg. Teilweise boten sie auch den Firmen ihre stille Teilhaberschaft an gegen das Bersprechen, das Geschäft zu schüßen. Was man bisher von Erpressung, Korruption, Betrug und Raub in der Welt gehört hat, wird alles weit überboten von jenen Methoden, die die„ Helden der Revolution" zu eigenem Nuy und Frommen angewandt haben. Fette Piründen Und die schönen Erzählungen von marxistischer Korruption. Die gleichgeschaltete deutsche Presse und auch die Zeitungen im Saargebiet, soweit sie nach der Pfeife ihrer Geldgeber in Berlin tanzen müssen, bringen noch immer Enthüllungen über„ marristische Korruption". Das Vergnügen ist sehr uns gefährlich, da niemand die Behauptungen nach prüfen kann. So wird jetzt viel von einem angeblichen Sozialdemokraten Alfred Braun in der deutschen Rundfunkgesellschaft be: richtet. Wir wissen nicht, ob der Mann Sozialdemokrat war. Er soll erst tausend Mark im Monat und schließlich soll er, wie das ja bekanntlich bei Sozialdemokraten so üblich ist, in ein Kloster gegangen sein. bis zu 4500 Mart im Monat verdient haben. Später als wahr. Dann hätte der Mann also für hochqualifizierte Unterstellen wir einmal die Angaben der gekauften Presse geistige Arbeit zunächst dasselbe Monatseinfom: men gehabt, wie jetzt die nationalsozialisti: schen Staatsräte, die für Nichstun als Schweigegeld 1000 Mark monatlich erhalten. Und selbst wenn das behauptete Höchstgehalt richtig sein sollte, würde es immer noch um mindestens 10 000 Mark hinter dem Einkommen der Nazibonzen der Nazibonzen zurü: bleiben, die Reichsstatthalter spielen, das heißt, die bes zahlten Kreaturen des Reichskanzlers find. Noch ein Fund ist ausgegraben worden. Innerhalb a cht Jahren sollen in München aus der Stadtkasse„ marxistischen oder marxistisch beeinflußten Organisationen" 268 017 Mart zugeflossen sein. Innerhalb acht Jahren! Vorsichtshalber wird nicht gesagt, was das für Organisationen waren. Zweifellos waren es taritative Zwecke, die da unterstützt worden sind, und ebenso sicher kann das nur auf Beschluß der städtischen Körperschaften geschehen sein, die eine antimargistische Mehrheit hatten. Die meisten Leser ahnen das natürlich nicht. Die Redak: teure, die solche Notizen übernehmen, wissen es natürlich, aber was sollen die armen Teufel machen? Wenn sie sich weigern, denen, die sie aushalten, zu Willen zu sein, vers lieren fie die Stellung und darum machen sie alles mit. Man darf ohne Uebertreibung sagen: abgesehen von den Straßens mädchen, gibt es zur Zeit in Deutschland keinen Beruf, mit dem man soviel Bedauern haben muß, wie mit dem der gleichgeschalteten Redakteure, Wer war Alfred Braun? Sicherlich hat, so wird uns aus unserem Leserkreis geschrieben, Alfred Braun ein sehr hohes Gehalt bezogen. Die Wahrheit gebietet jedoch, zu sagen, daß er eine einmalige und unerseßbare Erscheinung im deutschen Rundfunk gewesen ist. Dieser frühere Shauspieler hatte am Mikrofon die Gabe der Improvisation in solcher Vollendung, daß er bei jeder Gelegenheit herangeholt wurde, um ein aktuelles Ereignis den Millionen von Rundfunkhörern anschaulich zu machen. Schon der Name Alfred Braun hat dem Rundfunk unzählige neue Interessenten und Hörer gewonnen. Ganz Berlin lauschte mit, wenn er sprach und durch die Frische und Farbigkeit seiner Darstellungskunst burch die Frische und Farbigkeit seiner Darstellungskunst selbst eine trockene Angelegenheit mit lebendigem Atem plastisch zu gestalten wußte. Alle Theater Berlins rissen sich Bewunderern hinter sich. Man fann trotzdem die Höhe seines um Alfred Braun. Wo er erschien, hatte er eine Schar von Honorars tadelnswert finden. Aber man bot ihm auch das Theatern viel höhere Honorare, als er am Rundmuß gesagt werden von den verschiedensten Berliner gabe besondere Freude machte. Man darf diejenigen, die jest auch bei Alfred Braun auf die Korruptionssuche gehen, Braun, zwecks durchsichtiger politischer Propaganda in die fragen, ob sie auch die Einfünfte mancher Berliner Bühnen: fünstler, die ebenso rein arischer Abstammung sind wie Deffentlichkeit bringen werden. sunt erhielt, aber er blieb, weil ihm die hier gestellte Auf man nur einmal die geistlosen Stümper zu hören, Um Alfred Brauns Bedeutung ganz zu erkennen, braucht die heute den deutschen Rundfunk nahezu unerträglich Und immer neue Pöstchen! Die Futterkrippe wird gefüllt Zur selben Zeit, als Göbbels durch seine Schwindelpropas funk zu machen, Skandale im Rundfunk" des„ Systems" ganda versucht Enthüllungen über Großverdiener im Rundhinauszuschreien, macht derselbe Göbbels bekannt, daß er 18 Landespropagandastellen im ganzen Reich ges gründet hat und daß 13 Nazi- Oberbonzen dort die Aufgabe haben, Göbbels Lügen, Göbbels Propaganda auf die armen Landesvölker niederzulassen. Ihnen sind für Presseangelegenheiten bei den Landesstellen den Rundfunt hat er weitere 11 Referenten" bes weitere 18 Referenten" beigegeben. Und allein für den Rundfunk hat er weitere 11„ Referenten" be stellt: 42 nene Oberbonzen mit Riefen= gehältern ausgestattet, zu den in die Hunderte Gehenden anderen bemühen sich jezt die Reichskasse zu leeren. Seran an die Futterkrippe! Nach uns die Sintflut! Ausgerechnet derselbe Göbbels läßt also„ Enthüllungen" machen über„ Bonzengehälter beim Rundfunk". Gewiß, das kapitalistische System hat auch früher Riefengehälter ausgeworfen. Aber in solchem Umfange das Geld unter seine bevorzugten Parteifreunde zu bringen, ift Göbbels und den Nazis vorbehalten geblieben. Noch ein Bonzenpoffen wtb. Berlin, 2. Aug. Auf Grund des Reichsmilchgesezes hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Darre die ihm aus§ 38 dieses Gesezes zustehenden Befugnisse zur Durchführung von milchwirtschaftlichen Zusammenschlüssen auf Frhrn. v. Kanne, Breitenhaupt, übertragen und diesen im Rahmen dieser Befugnisse zum Reichskommissar für die Milchwirtschaft bestellt. Generalstreik in Straßburg Alle öffentlichen Betriebe ruhen.... Straßburg, 3. Auguft.( Eig. Ber.) Die Straßburger Bevölkerung erlebte am Mittwoch eine peinliche Ueberraschung. Mit einem Schlage ruhten alle städtischen Betriebe: die Straßenbahn fuhr nicht, die Gas: leitungen brannten nicht, die Elektrizitätsleitung versagte, soweit nicht Fernbezug vorhanden war; es gab feine Straßenreinigung und im Schlachthause keine Arbeiter. Am Abend brannte in der ganzen Stadt teine Gaslaterne. Die städtischen Arbeiter hatten sich an einem großen und wirtjamen Sympathieftreit beteiligt, der insgesamt auch am heutigen Morgen noch, 12-15 000 Arbeiter umfaßt. Welches waren die Ursachen? Die Bauunternehmer hatten in den legten Monaten den erfolgreichen Versuch unternommen, die Löhne zu drücken. Diese waren schließlich so niedrig ge= worden, daß die Existenzmöglichkeit der Beteiligten in Frage gestellt war. Nunmehr fanden langwierige Verhandlungen statt, bei denen sich die Bauarbeiter mit Recht auf die Besses rung der Konjunktur stügen konnten. Die Unternehmer lehnten jedoch jedes Entgegenkommen brüst ab und ers flärten, daß fie es länger als die Bauarbeiter, die bereits in Streit getreten waren, aushalten könnten. Als alle Ver: handlungen zu keinem Ziele führten, traten die übrigen organisierten Arbeiter Straßburgs nunmehr in der sechsten Woche des Bauarbeiterstreits in den Solidaritätsstreit, der, wie sich gestern er: wies, nahezu das gesamte Straßburger Verkehrsleben lahmzulegen vermochte. Am Donnerstag morgen fanden große Versammlungen der Arbeiter statt, die fich mit Bermittlungsvor schlägen des Arbeitsministerium& beschäftigten. In den Vormittagsstunden des 3. Auguft war jedoch die ent: scheidende Abstimmung noch nicht erfolgt. Noch ist die Streits lage unverändert. • Rache als einziges Gebot! Faust lebt 8. 00:19 In unserer Nr. 36 veröffentlichten wir einen Bericht über die Folterungen des sozialdemokratischen Abgeordneten Faust im Konzentrationslager zu Bremen. Unser Berichts erstatter verzeichnete das Gerücht von dem Tode des Abges ordneten. Wir bezweifelten dieses Endeundfors derten von der Regierung Auskunft. Die liche Erkundigungen, daß Fauft noch lebt, obwohl er Regierung ich wieg. Inzwischen hören wir auf neners tionslager gebracht worden sein. Fauft ist Elsässer und seine Schweres erdulden mußte. Er soll in ein anderes Konzentras nächsten Verwandten sind französische Staatsanges hörige. Vielleicht gelingt es ihnen, den bisherigen Abges ordneten Fauft dem Konzentrationslager zu entreißen oder ihn doch einer menschenwürdigen Behandlung zuzuführen. Menschenräuber „ Amerika, Du hast es besser..." In der gleichgeschalteten Presse las man diese Notiz Gegen den Menschenraub Albany( Neuyork), 1. Aug.( UP.) Gegen den Menschenraub, der in jüngster Zeit in ganz Amerika gefährliche Ausmaße angenommen hat, will jetzt auch der Staat Neuyork durch Sondergesetze vorgehen. Gouverneur Lehmann hat das Staatsparlament von Neuyork aufgefordert, über folgende zwei Gesezentwürfe zu beraten: 1. Entführer, die ihre Opfer nicht unversehrt zurückbringen, werden mit dem Tode bestraft. 2. Die Angehörigen von Entführten werden mit Strafen belegt, wenn sie an die Entführer Lösegeld zahlen und die Behörden nicht um gehend über alle Einzelheiten der Entführung informieren. Im Zusammenhang mit der sensationellen Entführung des jungen O. Gonnell, der seine Freiheit inzwischen zurückerlangt hat, ist es zu einer neuen Verhaftung ge tommen. Many Strowel, der die Rolle des Vermittlers zwischen den Entführern und der Familie O. Connell gespielt hatte, wurde in Haft genommen. Wir finden, daß die amerikanischen Menschenräuber wahrhaft humane Leute sind gegenüber den organisierten „ streng legalen" Verbrechertum in Deutschland. Täglich werden hier Menschen verschleppt, gepeinigt, geprügelt, aber darüber zu berichten, das läßt der„ Humor" nicht zu. Presse zur Verklärung ihres gebrochenen Rückgrats den jüngst der Staatskommissar Hinkel der deutschen empfohlen hat. So macht man das heute: ,, Auf der Flucht erschossen" Plauen, 1. August. Die deutsche Presse meldet: Eine Polizeistreife beobachtete einen Mann, der sich verdächtig machte. Als er trotz der Aufheute früh in den Anlagen in der Nähe der Pauluskirche forderung, stehenzubleiben, die Flucht ergriff, gab einer ber Beamten zunächst einen Schreckschuß ab. Nach weiterem erfolglosem Anruf schoß einer der Beamten scharf. Da ber Verdächtige trotzdem die Flucht fortsette, wurde ein dritter Schuß abgegeben, der den Fliehenden traf und seinen baldigen Tod herbeiführte. Der Erschossene war ein bekannter Kommunist. Koch- Weser als Notar entlassen Unter den Notaren, welche nach Mitteilung des„ Amtlichen Preußischen Pressedienstes" aus ihrem Amte auf Grund des Beamtengefeges neuerdings entlassen wurden, befindet sich u. a. Erich Koch- Weser. Koch ist der frühere demokratische Reichsminister. Er ist Vollblutarier und seine juristische Bedeutung ist unbestritten. Dennoch wird er hinausgeworfen. Geheimnisse SA.- Leute, die plötzlich verschwinden Es mehren sich in letzter Zeit die Fälle, daß die reichsdeutschen Zeitungen in lafonischer Kürze und ohne Kom mentar das plöbliche Verschwinden von SA.- Leuten regi strieren. So berichtet in diesen Tagen die schlesische Presse in einer ungewöhnlich farblosen, kurzen Notiz vom Verschwinden eines SA.- Mannes namens Tschoppe, der nach dem Besuch einer SA.- Versammlung vermißt wird. Ueber das„ Verschwinden" dieser SA.- Proleten kursieren in meist nicht schlecht informierten Kreisen die seltsamsten Gerüchte, denen eine gewisse Wahrscheinlichkeit nicht abzu sprechen ist. Handelt es sich vielleicht um ehrlich enttäuschte Arbeiter im braunen Hemd, die nun, nach dem hundertprozentigen Verrat des sozialistischen" Programms durch die Hakenkreus Bonzokratie, ihrer oppositionellen Meinung ein wenig zu tionslagern oder auch ein wenig tiefer untergebracht wor den sind? Die Justizminister und der Scharfrichterlich Ausdruck gegeben haben und deshalb in Konzentra Berlin, 3. August.( Eig. Draht.) Jm Reichsjustizministerium hat gestern eine Konferenz der Länder- Justizminister stattgefunden, die sich mit der Forderung Görings auf Erweiterung der Delikte für Todesstrafen befaßte. Man erinnert sich, daß Göring Gewalttaten gegen Beamte der Polizei und der Staatsanwaltschaft und gegen Angehörige der SA. und SS. und des„ Stahlhelms" mit dem Tode bestraft missen will. Aber nicht nur die Tat, schon die Vorberei tung und die Absicht soll mit dem Tode„ gefühnt" werden. Ebenso soll über der Einfuhr von Drucksachen mit sogenannten Greuelnachrichten und hochverräterischem Inhalt die Gefahr der Todesstrafe schweben. Gegen diese irrsinnigen Forderungen Görings haben sich sofort Widerstände in der hohen juristisch gebildeten Bürokratie erhoben. Jeder Jurist, der nicht gerade unzurechnungsfähig ist, empfindet eine solche Gesetzgebung als ungeheuerlich. Es muß übrigens hervorgehoben werden, daß auch der Reichskanzler, der mit dem Leben seiner Feinde nicht gerade zart umspringt, Bedenken äußerte, als ihm Göring seine Blutpläne zwischen zwei Wagneropern in Bayreuth vortrug. Göring erhielt in Bayreuth die Zustimmung zu den preußischen Blutgesetzen nicht und mußte sich damit begnügen, einen entsprechenden Antrag an die Reichsgesetzgebung zu stellen. Da die Widerstände wuchsen, sind nun gestern bie Justizminister der Länder um ihre Meinung gefragt worden. Einige der Herren haben gegen die geplan ten Geseze Opposition gemacht. Zwar waren alle mit Verschärfungen und auch mit einer Erweiterung der Anwendung der Todesstrafe einverstanden, aber sie wollten doch nicht gerade den Scharfrichter zum Symbol der deutschen Regierungskunst machen. Es ist noch ungeklärt, wie die geplanten neuen Reichsgesetze aussehen werden. Einig ist man sich über große Verschärfungen des Straf vollzugs. Mit der„ Humanitätsduselei", wie man einen menschlichen Strafvollzug bei den nationalsozialistischen Bon zuständiger Seite wird erklärt: Barbaren zu nennen pflegt, soll Schluß gemacht werden. Der Begriff„ Strafe" wird wiederhergestellt werden und der Sträfling wird sich in Zukunft einer zwar strengen, aber eben deshalb gerechten Behandlung unters ziehen müssen, die ihn bewußt werden läßt, daß er eine Strafe erleidet und nicht nur eine vorübergehende Bes schränkung seiner persönlichen Freiheit. An die Stelle der bisher üblichen spielerischen Zerstreuung wird die Körperliche Arbeit treten und der Strafgefangene wird am eigenen Leibe erfahren, daß der Rechtsbrecher im neuen Deutschland fortan zu einem niedrigeren Lebensstandard gezwungen ist, als die Millionen arbeitsloser unverschuldet in Not geratener Volksgenossen. Dies wird in ihm den Beschluß reifen lassen, niemals wieder bas Uebel der Strafe erdulden zu müssen..... Mit dem Mißbrauch des Gnadenrechts ift aufgeräumt worden, und die Möglichkeit, in mehreren Gnadengesuchen nacheinander einen Teil der Strafe nach dem andern abhandeln zu können, gibt es heute nicht mehr. Das Gnadenrecht ist in die Schrans ten des Ausnahmefalles zurück verwiesen worden und hat somit seinen vom Gesez gewollten Stand wieder erreicht. Es liegt im Interesse der Staatsautoris tät, den durch das Urteil des Gerichts geäußerten Willen des Staates nicht durch den Mißbrauch einer Fülle weites rer Instanzen im sogenannten Gnadenwege den Strafs anspruch des Staates noch einmal überprüfen zu können. Die Trägerin des Gnadenverfahrens ist die Staatss anwaltschaft. In ihrer Hand liegt es, die Fälle za berücksichtigen, in denen statt des Rechtes Gnade walten könne, aber das sollen und müssen Ausnahmefälle bleiben. Es liegt klar zutage und wirkt ermunternd ant die Verbrecherwelt, wenn die Möglichkeit besteht, auf einem auf falscher Humanitätsbuselei aufs gebauten Gnadenbeweise stets einen Teil der Strafe wieder abhandeln zu können. Das heißt also, daß der Grundsatz, den Sünder zu bessern und ihm dadurch die Aussicht auf Begnadigung zu eröffnen, aufgegeben wird. Der Strafvollzug im ,, dritten Reich" ist Rache! Programm" und„ Erfüllung" 263 260 Das Programm liegt feft, und niemals dulde ich, daß an den programmatischen Grundlagen der Gesamt: bewegung gerüttelt wird. Adolf Hitler.( Feder: Programm der NSDAP.) Es kommt jetzt nicht auf Programme und Ideen an. Adolf Hitler. Juli 1933. § 13. Verstaatlichung aller ( bisher) bereits vergesellschafteten( Trusts) Betriebe, Solche Betriebe, die als riesige Trusts nur mehr von einem Beamtenapparat bes trieben werden, bezeichnen sich damit selbst als" fo= „ Arbeit, Brot, Freiheit, Gozialismus!" war jahrelang das Versammlungssaalgeschrei der zialisierungsreif" National, sozialistischen" Deutschen„ Arbeiter" partei. Fünf Monate find vergangen, seitdem die Hitler- Göring Frick- Göbbels, vom Monopolkapital in den Sattel gehoben, in den Besitz der gesamten politischen Macht in Deutschland gelangt sind. Die werktätige Bevölkerung Deutschlands, alles, was kein Nazi- Antlig trägt, ist einem unglaublichen Blutterror ausgeliefert. Feiger Mord und grenzenlose Willkür sind an der Tagesordnung. Die Organisationen der Arbeiterschaft sind zerschlagen, ihr Vermögen gestohlen. Jetzt sollen die Tarife beseitigt, die Löhne gesenkt werden. Die Lebenshaltungskosten sind gestiegenzugleich auch die Not der Massen. Das Dritte Reich rüstet fieberhaft auf- zum neuen Völkermorden. Die Nazi führen Deutschland in die Barbarei. Arbeit, Brot, Freiheit, Sozialismus" versprachen die Nazi- Demagogen den Massen. Gemeinnng geht vor Eigennut das ist die Besinnung des Programms. G. 28). 11. Abschaffung des are beits- und mühelosen Eins tommens. Brechung der Zinstnechtschaft- das Herzstück des Programm ( S. 23), die Lösung de fozialen Frage"( S. 32). Entschädigungslose Enteignung der ge= samten Vermögen der Bank: und Börsen: fürften. Antrag Frick und Pg. im Reichstag. § 12. Restlose Eins 8iehung aller Kriegss gewinne. Einziehung aller nicht auf ehrlicher Arbeit beruhenden Kriegs-, Revos Intions, Stabilisierungsund Aufwertungs" gewinne sowie von Hamster: und Wuchergut. Letzter Schliff Und die Verwirklichung? „ Das Gesetz des Nukens in der Wirtschaft muß selbst: verständlich bleiben. Es heißt nicht, daß der Eigennut einem nebelhaften Gemeins nuz Plaz machen soll." Bernh. Köhler, Wirts schaftspol. Amt der NSDAP. Juli 1933. „ Es wird nicht experimens tiert werden. Auf keinem Gebiet. Schuldenstreichungen machen niemanden reicher. Wer der Regierung unter: stellt, sie wolle Zinsen und Renten rauben, der lügt." Staatssekretär Bang, Fes bruar 1988. auch gesellschaftlich bin ich nicht belästigt wor den." Oscar Wassermann, Gene: raldirektor der De- Di- Bant. Fehlmeldung. Jm„ Deutschen Aerzteblatt" vom 29. Juli schildert ein Dr. H. Unger aus Berlin das Reichsschulungs. lager für Aerzte in Hohenaschau( Oberbayern). Dort werden Erholungsbedürftige aus der Münchener chirurgischen Klinik durch Arbeit und Gymnastik wieder arbeitstüchtig gemacht. Gegen einen solchen Zweck ist gewiß ( Feder: S. 51.) § 14. Gewinnbeteiligung an Großbetrieben. § 15. Großzügiger Ausban der Altersversorgung. $ 16. Schaffung eines ge= funden Mittelstan= des und seine Erhaltung, sofortige Kommunalis sierung der Groß= Warenhäuser und ihre Vermietung zn billigen Preisen an kleine Gewerbes treibende, schärffte Berücks fichtigung aller kleinen Ge: werbetreibenden bei Liefe= rungen an den Staat, die Länder oder Gemeinden. § 17. Eine unseren nation nalem Bedürfnis angepaßte Bodenreform, Schaf= fung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnügige Zwecke. Abschaffung des Bodenzinses und Verhinde= rung jeder Bodenspekulas tion. § 18. Rücksichtsloser Kampf gegen diejenigen, die durch ihre Tätigkeit das Gemeindes interesse schädigen. Gemeine Fehlmeldung. „ Ich lehne jeden Sozialis fierungsversuch ab, weil jedes Sozialisierungserperiment die Gefahr in sich birgt, das schöpferische Element, das ist die Persönlichkeit, aus dem Wirtschaftsprozeß auss zuschalten." Stadtssekr. Feder, Juli 38. dem natürlichen Führer eines Betriebes, d. h. dem Unternehmer, die volle Führung wieder in die Hand geben. Entscheiden kann allein der Unternehmer." Dr. Ley, Führer der Deutschen Arbeitsfront", Juli 1983. Fehlmeldung. „ Erst wenn die Wirtschaft gedeiht, werden wir sozial handeln und Sozialpolitik treiben können." Bayer. Ministerpräsident Siebert, Juli 1983. Fehlmeldung. " Ich werde keinen Grundbesig anfasten, mag er so groß sein, wie er will, wenn er wirtschaftlich gesund ist. Ich werde auch feinen verschuldeten Großgrundbesiz antasten, wenn er sich mit dem Erbhofgefeg befreunden will, sondern unter voller Wahrung der Privatinitiative in der Wirts schaft ihn sich selbst über= lassen." Reichsernährungsminister Darre, Juli 1938. Siehe Gebr. La husen! heimwärts zu unserer Familie geht, ist doch der neue Geist, der Geist der Gemeinschaft, der Zusammengehörigkeit und Boltsverbundenheit. Und so ist uns das Schulungslager zum Erlebnis geworden, das man wohl niemals vergißt." Die Dauer jedes Lehrganges beträgt etwa zwölf Tage. Für das deutsche Volk wäre es besser, er würde auf zwölftausend Tage ausgedehnt. nichts einzuwenden. Dann dient aber das Lager- und Ein feiner Junge das ist sein hauptsächlicher Daseinsgrund der Schulung von Aerzten. Der harmlose Leser glaubt vielleicht, dort würden neue wissenschaftliche Methoden mitgeteilt oder sonst etwas für die Berbesserung der Heilkunst getan, um bei den älteren Herren die längst verschwitzte Wissenschaft aufzufrischen. Nein, weit gefehlt! In Hohenaschau betätigt man sich ausschließlich im Geiste Adolf Hitlers, der vor einigen Tagen noch vor den Turnern in Stuttgart die goldenen Worte gepredigt hat:„ Das sogenannte(?) Zeitalter liberalistischer Prägung war in seinem Halbwissen und seiner Halbkultur auf dem besten Wege, ein durch und durch krankes Menschengeschlecht heranzuzüchten. Das Leben wird aber nicht geschützt von schwachen Philosophen, sondern durch starke Männer." Doch lassen wir einen von den 42 Aerzten sprechen, von denen der jüngste Anfang 40, der älteste 59 ist und die als erste zu Hohenaschau den letzten Schliff erhielten: „ Als wir am Bahnhof in Empfang genommen wurden," so erzählt der Gewährsmann, waren wir nicht mehr als ein undisziplinierter Haufe, der keine Ahnung hatte, was ihm in den nächsten Tagen bevorstand. Aber unsere Führer hatten uns sofort in der Hand. Im Krieg war es das leztemal, daß ich gesungen habe. Und jetzt erst habe ich wieder gesungen, als wir hier ins Lager einzogen. Dieser Gesang fiel am ersten Tage noch recht tläglich aus, auch die Mars chordnung ließ erheblich zu wünschen übrig. Was aus uns geworden ist, haben Sie Der nationaldeutsche Jude Max Naumann Der Präsident des Verbandes nationaldeutscher Juden, Dr. Max Naumann, weist im„ Investigator" die außGegenübergestellt von Gert Peterssen Verbrecher, Wucherer, Schieber#sw. sind mit dem Tode zu be strafen, ohne Rücksicht auf Konfession und Raffe. Die Aufgabe der Volks: wirtschaft ist die Bedarfs= deckung und nicht eine mög= lichst hohe Rentabilität für das Leihkapital.( S. 88.) 24 Stunden nach un serer Machtergreis fung sind die Papenschen Notverordnungen restlos aufgehoben. Millionen Schaufeln und Spaten seßen sich sofort in Bewegung, die Arbeitss losigkeit hört in kurzem auf. Gauleiter Dr. Göbbels. Die Revolution an fich ist noch nicht ab= geschlossen. Noch im Laufe dieses Jahres werden Umwälzungen vor sich gehen, gegen die alles bisherige nur ein Auftakt, gewissermaßen nur eine Ouvertüre war. Reichsminister Dr. Göbbels. 21. Juni 1983. " Das Entscheidende ist, die Borauslegungen dazu zu schaffen, daß so schnell wie möglich in unserer Wirts schaft der Glaube befestigt wird, daß die Sicherheit des wirtschaftlichen Kalkulierens das Höchstmaß hat das überhaupt denkbar i" Reichswirtschaftsraißer Schmitt, Juli 1933. Binnen vier Jahren muß die Arbeitslosigkeit endgültig überwunden sein. Aufruf der Hitler- Regierung. Februar 1933, Die Regierung hält ein wachsames Auge über jene getarnten bolichewis ftischen Elemente, die von einer zweiten Revolu tion sprechen... Hitler hat unsere Revolution im richti gen Moment aufgefangen. Reichsminister Dr. Göbbels, Juli 1933, Hitler hat seine werktätigen Anhänger schamlos vers taten. Kein einziger Punkt des angeblichen Wirtschafts" Programms" der NSDAP. ist durchgeführt, nichts davon soll jemals in Angriff genommen werden. Hitler ist mit Bolldampf dabei, das wirkliche Programm des Monopol- Kapitals und Faschismus zu realisieren: Ausrottung des Margismus, Vernichtung der Arbeiterbewegung, Auslieferung des Proletariats und der werktätigen Mittelschichten an die Großagrarier und Schwerindustriellen, Steigerung der Ausbeutung und Verelendung, Vorberei tung des neuen Weltkrieges. Die zweite Revolution" ist verboten. Gegen die Werktätigen auch in den Reihen der SA. werden drakonische Mordgesetze erlassen:„ Steche, schlage, würge, wer da kann!" Und dennoch trotz alledem: Die Revolution ist nicht zu verbieten. Die kommende antifaschistische und antikapitalistische Revolution wird sich nicht auffangen" lassen! Es gilt unermüdlich an ihrer Vorbereitung zu arbeiten. Der Westdeutsche Beobachter", ein Naziblatt: Von unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, daß ein nichtarischer Testamentsvollstrecker auf Beschluß des Kölner Amtsgerichtes entlassen worden ist. Das Amtsgericht erklärte, daß das Verbleiben eines nicht= arischen Testamentsvollstreders den bes rechtigten Interessen der Beteiligten widerspräch e. Außerdem wird hervorgehoben, daß die Interessen der Erben gegenüber Dritten angesichts des herrschenden Volksempfindens nicht genügend gewahrt werden könnten. Aber den Juden geschieht in Deutschland nichts, sagt der Hitlerjude Naumann. Die jüdische Synagoge in Mannheim wurde von SA.. Leuten geschändet und geplündert. Außerdem wurden wertvolle Kultgegenstände gestohlen. Aushungerung! Auch der zugelassenen jüdischen Anwälte ländische Lügenpropaganda gegen Deutschland scharf Synagogenschändung und erklärt u. a.: Es ist vollkommen unwahr, daß die Juden in Deutschland heute den geringsten körperlichen Gefahren ausgesetzt sind. Es muß rückhaltlos anerkannt werden, daß die Regierung und die NSDAP. alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um Ausschreitungen zu verhüten. Seit dem ersten Tage nach den Märzwahlen sind nicht die geringsten Angriffe auf Juden vorgekommen. Im Interesse der Gerechtigkeit muß gesagt werden, daß die Nationalsozialisten eine eiserne Disziplin durchführen. Wir lieben unser deutsches Vaterland mit jeder vajer unseres Lebens. Den Juden selbst wird durch den wirtschaftlichen und politischen Druck des Auslandes auf Deutschland ein äußerst zweifelhafter Dienst geleistet. Naumann zieht dann einen scharfen Strich zwischen den nationaldeutschen Juden, die sich stets als Deutsche gefühlt hätten und noch fühlten, und den linksgerichteten Zionisten, die sich als Glied einer jüdischen Nation betrachteten. Außerdem gebe es eine Gruppe von unentschlossenen und schwankenden Juden, die unter dem jahrelangen Einfluß strupelloser und engstirniger sogenannter Führer die deutschen Angelegenheiten von dem Gesichtspunkt ihrer jüdischen individuellen Interessen betrachteten. Aus dieser„ Mittelströmung" seien die unerwünschtesten Elemente hervorgegangen, die seit 14 Jahren Deutschland unsagbaren Schaden zugefügt Nach dem bisherigen Verhalten des Naumann kann man Wie der„ Neue Vorwärts" mitteilt, hat die nationalsozia listische Vereinigung der Rechtsanwälte an alle arischen Anwälte ein vertrauliches Rundschreiben gerichtet, in dem sie dazu auffordert, Feststellungen zu treffen darüber, welche Leute in Deutschland sich überhaupt noch von nichtarischen Anwälten vertreten ließen. Alle diese Fälle, gleichgültig, ob es sich um prozessuale Angelegenheiten oder sonstige Rechtsgeschäfte handelt, sollen auf das Genaueste festgestellt werden. Man will auf diese Weise auch den formal zugelassenen jüdischen Rechtsanwälten, also den alten, die seit mehr als 20 Jahren tätig sind, und den Frontkämpfern jede Betätigung unmöglich machen. Es ist ein richtiger Aushunge= rungsfeldzug, in dessen Beute sich die nationalsozialistischen Rechtsanwälte teilen wollen. heute nach acht Tagen Lagerdienst gesehen. Was wir uns leider nicht an eine Fälschung glauben. Es ist anzunehmen, Sondergericht spricht frei damals als Kriegsfreiwillige an der Front er: träumten, jetzt ist es wirklichkeit geworden. Und wahr: haftig, es könnte nicht schöner sein. Im Fluge, muß man sagen, ist jeder Tag vergangen. Wenn wir als Aerzte auch in Bürgerquartieren wohnen, und wenn der Lagerführer auf unsere Leistungsfähigkeit auch jede mögliche Rücksicht nimmt es wird keinem mehr zugemutet, als er physisch leisten kann, find wir doch den ganzen Tag über im Lager und lernen für die Zeit, wo wir unsere neuen Kenntnisse zum Nußen der Nation verwerten dürfen. Muskeltater und so! Lieber Gott, mancher von uns mag heimlich die Zähne zusammengebissen haben, keiner hat es sich merken lassen, wie schwer ihm der anstrengende Dienst fiel. Aber das ist ja nicht die Hauptsache, daß wir Kreisärzte uns endlich einmal sportlich betätigen und unsern Körper stählen, das Wert: vollste und Beste, das wir mitnehmen, wenn es jetzt wieder daß Naumann wider besseres Wissen so grobe Lügen verbreitet. Die Zahl der Juden, die bis in die letzten Tage in Deutschland auch körperlich mißhandelt worden sind, geht in die Tausende. Mit derselben Post, die Naumanns verlogene Erklärung brachte selbst die Nazis verspotten ihren Hitlerjuden" erreichen uns folgende Meldungen: Die jüdische Telegrafenagentur meldet: Sechzehn junge Juden wurden in Braunschweig verhaftet; sie wurEin Denunziant Das Sondergericht in Düsseldorf hat die Personen, die unter dem Verdacht festgenommen waren, einen Handgranatenanschlag auf den Wuppertaler Polizeipräsidenten Veller geplant zu haben, freigesprochen, da die Beweisaufnahme ergeben hatte, daß ein übel beleumundeter, bereits elfmal vorbestrafter Mensch seine fünf Mitgefangenen in der Hoffnung auf eine hohe Belohnung denunziert hatte. den von SA.- Leuten in eine SA.- Saferne gebracht und bort Bomben am Rhein mit Stockschlägen und Fauststößen traktiert, so daß einer der Juden getötet und die übrigen schwer verletzt wurden. Die Verhaftung hatte in einem Lokal einer israelitischen Abendschule stattgefunden. Die Verhaftung wurde mit der Behauptung begründet, einer der Schüler habe beleidigende Aeußerungen gegen den Minister Göbbels getan. Ueber dem Rhein bei Köln wurden Geschicklichkeitsübungen für Sportflieger abgehalten, die sich vor allem mit dem Abwurf von Bombenatrappen beschäftigen. Dieses Zielschießen aus der Luft wurde auf Kreise am Ufer und auch auf fahrende Boote geübt. Das Transfermoratorium Mißtrauen in die deutsche Währung aa Peter Garwy: Der Amsterdamer Börsenverein teilt im Einvernehmen mit dem Amsterdamer Bankverein mit, daß ein von einem Berliner Blatt gebrachter Bericht, wonach die Vertreter der ausländischen Gläubiger von ihrem wiederholt ausgeDie Revanche der Geschlagenen sprochenen Wunſch abgeſehen hätten, daß, sei es der Schuld- Jllusionen um die Reichswehr mer, sei es das Deutsche Reich, sei es die Reichsbant, eine Valutagarantie für die in die Konversions fasse gezahlten Beträge übernehmen, nicht zutrifft, vielmehr hätten die ausländischen Gläubigervertreter entschieden protestiert. An dem Standpunkt der Vertreter Hollands habe sich nichts geändert, und die dieser Tage zu Berlin geführten Be sprechungen betrafen nur Einzelfragen, aber nicht grundsätzliche. Kapital ,, aufgenordet!" Abwanderung deutschen Kapitals nach Skandinavien Die deutsche Presse meldet mit Beunruhigung, daß Deutsche in Skandinavien Grundbesitz erwerben. Dazu wird in Kopenhagener Bank- und Handelskreisen bemerkt, daß in der Tat in letzter Zeit viel deutsches Kapital nach Dänemark und Schweden abgewandert ist und daß hier jedes Kapital willkommen sein wird, da es zweifellos nüßlicher angelegt werden kann, als wenn es in der deutschen Wirtschaft brach liegt oder dort aus unbekannten Gründen der Ronfistation ánheim fällt. Nichts lesen, nichts hören! alg Verbotene ausländische Zeitungen Berlin, im Juli. Für die Verbreitung in Deutschland sind, noch folgende Zeitungen bis auf weiteres verboten worden:„ Kulturprobleme der Gegenwart", Prag;„ Expreß", Prag: Deutscher Volksfreund", Freialdau( Tschechoslo= wakei); De Voltsgazet", Antwerpen;„ Sennacieca Revuo", Paris;„ Das freie Wort", Organ des antifaschistischen Kampfbundes in Amsterdam;„ Saarlouiser Journal", Saarlouts; Nebelspalter", Rorschach; Presseberichte des Internationalen Gewerkschaftsbundes", Paris;„ Das neue TageBuch", Paris und Amsterdam; und" Daily Worker", London. Hitler und Cromwell ' Amerika lacht über den ,, Führer" es Hitler hat vor einiger Zeit einer Dame eine Unterredung gewährt, die u. a. auch in Neuyork Times" veröffentlicht wurde. Die Dame hatte Hitler gefragt, wer seine historische Lieblingsgestalt set: Cäsar, Napoleon oder Friedrich der Große, worauf Hitler geantwortet hatte, er bewundere am meisten Cromwell, der das Parlament abgeschafft und das englische Volt geeinigt habe. Mit dieser Weisheit des Führers" setzt sich nun Neuyork Times" in amüsanter Weise auseinander. Das ameritanische Blatt sagt: Hitler scheine vergessen zu haben, daß Cromwells erstes und größtes Werk die Abschaffung des Königs Karl L. gewesen sei, der zuvor das Parlament abgeschafft hatte und dafür hingerichtet wurde. Wenn Hitler wirklich glaube, daß Nazisystem für alle Ewigkeit auf die Beine gestellt zu haben, so sei Cromwells Parlamentsfeindschaft ein übles Vorzeichen, denn gleich nach Cromwells Tod tam das Parlament wieder und dann kam die glorreiche Revolution von 1688, die die Souveränität des Parlaments stabilisierte und dabet set es jetzt seit 250 Jahren ge= blieben. Aber noch in einer anderen Beziehung findet„ Neuyork Times" die Berufung Hitlers auf Cromwell als Vorbild recht unglücklich. Cromwell war nämlich der Mann, der den Juden nach ihrer Vertreibung im Jahre 1290 die Rück fehr nach England gestattete. Ja, er gestattete sie nicht bloß, sondern er hieß die Juden, von denen er im wirtschaftlichen Wettkampf mit Holland eine starke Förderung Englands erwartete, hera Itch it willkommen. Der König wird verbrannt Langsam gleitet das Schiff durch das seichte Wasser des Golfes von Siem, denn die Einfahrt ich recht gefährlich. Dann tritt unsec Schiff in den uferlosen Fluß ein, wo im Waffer Arekapalmen, Tamarindenbäume und Bananenpalmen in dichten Urwäldern stehen. Die erste Stadt ist P a tnam mit der so wunderschönen Flußpagode, deren Turmspiße spiralenartig über die Dschungeln strahlt. Dann erscheint Baklat. An beiden Seiten des breiten Fluffes stehen Kokos. und Arekapalmen mit Früchten, Affen und Vögeln. Manche Vögel sind rot, grün, gelb, manche sogar schneeweiß wie die Paradiesvögel. Bald taucht am Fluß eine Insel auf, auf die mein Schiff steuert, als wolle es daran zerschellen. Doch die grüne Insel gibt geräuschlos nach, denn sie besteht aus tausenden Wasserhyazinthen. Endlich treten die Palmenwälder zurück, Retsplantagen erscheinen. Ein Klong( Kanal) durchquert unser Schiff direkt nach Bangfot. Diese Stadt ist ein asiatisches Rotterdam, ein orientalisches Hamburg. Schaluppen kreuzen unseren Weg. Sie tragen die Nationalfarben: weiß- blau- rot; es sind Schiffe der stamesischen Zollbehörde. Dann taucht das europäische Viertel auf mit der französischen Himmelfahrtskirche, die an ihren zwei häßlichen, abendländischen Türmen erkenntlich ist, mit einer uralten portugiesischen Kirche und den europäischen Gesandtschaften, die an ihren hohen, schneeweißen Masten ihre Natio= nalfarben wie Reklamen aushängen. Dahinter blendet die weiße Linie der Königsstadt mit ihren Palästen und goldenen Pagoden. Die Einfahrt in Bangkok gleicht einem Einzug in Venedig; dennoch erinnert die Stadt weniger an Venedig als an Amsterdam. Das Wasser ist hier die Grundlage des fiamesischen Religionslebens: Geburtsfeiern, Bestattungen, Staatsopfer, alles wird mit Wasser gefeiert. Zu gewissen Festen springt das ganze Volk in Festkleidern ins Wasser. Treue Beamte trinken vor ihrem König dieses schmußige Flußwasser, um ihre Unterwürfigkeit und Liebe zu beweisen. Häuser ohne Fenster Die Stadt umfaßt drei Teile. Gesandtschaftsviertel, Königs stadt und Chinesenviertel. Das Gesandtschaftsviertel liegt am Wasser und wird demnächst außerhalb der Stadt verlegt werden, wo die Puft gesünder, der Boden billiger und das Leben stiller sein wird, ein siamesisches Potsdam. Schade um die weißen Kolonialhäuser, mit deren Gärten, wo nachts Frösche ihr köstliches Konzert halten, und wo zur Regenzeit melancholisch der Regen trommelt und Blize zucken. Das Verzweiflung und eigene Schwäche erzeugen Jllusionen. Kreisen Hoffnungen an die deutsche Reichswehr. Unwissen So knüpft man immer noch in manchen antifaschistischen heit und Naivität! herrschaft darstellt, spielt die Armee eine bedeutende, mit In jedem Staate, der eine Organisation der Klassen unter sogar eine ausschlaggebende Rolle. Um mit Lassalle zu sprechen, bildet die Armee einen nicht unbeträchtlichen Teil der tatsächlichen Verfassung. Im deutschen Kaiserreich war die Armeeleitung mit der regierenden Schicht, ja mit der Monarchie verwachsen. Auch in der Republik war die Reichswehr der erstrangige Faktor. Auch zu Eberts Zeiten bildete die Reichswehr eine Art geheime Regierung. Das Schicksal der parlamentarischen Regierungen wurde oft, wie dies in den Memoiren Stresemanns bestätigt wurde, in der Kanzlei der Reichswehr entschieden. Die Reichswehr hat sich nie mit der Republik abge funden. Bestenfalls haben die Generale die Republik toleriert". Aber sie haben fortwährend mit den Feinden der T: mokratie gegen die Republik auch konspiriert. Die Geschlagenen des Weltkrieges schwärmten von einer Revanche wenn auch zuerst im Bürgerkriege. Natür lich sehnten sie sich nach einer monarchistischen Restauration zurück. Aber sie förderten gleichzeitig alle reaktionären Bewegungen, die die schwache und unerfahrene Demo kratie unterwühlten. So haben sie auch die Hitler- Bewegung gefördert. Das war der Dank der Geschlagenen für die Milde der Republik! Auch in den Kreisen der Reichswehr abge. sehen von den unzähligen Generalen und Offizieren a. D. sprach man nur zu gerne von dem„ Novemberverbrechen". Ja, es gab wirklich ein Novemberverbrechen! Heeresleitung, die den Krieg verloren hat, nicht vor das Das Novemberverbrechen bestand darin, daß man die Heeresleitung, die den Krieg verloren hat, nicht vor das Kriegsgericht gestellt hat. Das Novemberverbrechen bestand darin, daß man den geschlagenen und reaktionären die die. Armee der Republik sein sollte, überließ. Das Generalen die Schaffung und die Leitung der Reichswehr, Novemberverbrechen bestand darin, daß man aus mißver standenen nationalen Interessen die reaktionäre und revanchelustige Reichswehr als Staat im Staate gelten und zum entscheidenden Machtfaktor emporwachsen ließ. Die Dolchstoßlegende war durch die Geschlagenen des Weltkrieges zum Zwecke der Selbstentlastung erfunden. Dieselben, die die Mitschuld an der Kriegsentfesselung, die Verantwortung für die Verpassung aller Friedensschlußmöglichkeiten und für die katastrophale Niederlage zu tragen haben, haben gegen die schaffende und tragende Kraft der Republik, gegen die Sozialdemokratie, die vergiftete Waffe der Dolchstoßlegende gerichtet. So haben die politisierenden Generale 3. D. und a. D. die Hitlerpartei gefördert, die die Dolchstoßlegende zum Grundprinzip ihrer Agitation machte. Die Hitlerbewegung hat im Bunde mit dem Feldherrn Ludendorff 1923 geputscht und mit Hilfe des Feldmarschalls Hindenburg 1933 gefiegt. Dazwischen liegt ein Jahrzehnt, wo die Generale und Offiziere a. D. die braune Armee Hitlers aufgezogen und mit Hilfe der Generale und Offiziere 3. D. bewaffnet haben. Die Stärke der Hitlerbanden lag in ihrer Wahlverwandtschaft und in ihrer wenn auch verheimlichten Verbundenheit mit der Reichswehr. Freilich setzte die politisierende Reichswehrleitung nicht auf ein Pferd. Lange Zeit dachte sie Hitler, den„ unbekannten Gefreiten des Weltkrieges", nur als gefügiges weiße Haus steht nach allen Seiten den Winden und Stürmen pffen, denn in Siam sind Fensterscheiben unbekannt. Am Tage jagen die Vögel durch Zimmer und Bäume und an den weißen Decken kringeln die Widerspiegelungen der nahen Wasser im Sonnenschein. Abends lassen siamesische Diener still und ergeben die blauen Vorhänge herab und schlafen dann vor den Türen. Vor dem Haus stehen zwei Bäume, auf dem einen ſizen Gegen Mücken verbrennt man wohlriechende Spiralen. Raben und auf dem anderen hocken rote Geter. Frauen gehen. Betel kauend, vorüber. Sie haben borstiges Haar, und ihre Brüste werden mit einem Stück Tuch, das die Schultern nackt läßt, nach oben geschnürt. Die Frauen sind klein, breit und massig, seehundartig, denn ihre Vorfahren waren Wassermenschen. Die Chinesen in Siam Semping ist das Chinesenviertel von Bangkok. Der ganze Handel Siams ist in chinesischen Händen. Der Chinese verachtet den Siamesen, und der Siamese haßt tödlich den Chinesen. Der erste chinesische Laden, den ich betrete, ist ein Blumengeschäft. Vier liebliche Bernsteinmädchen bieten mir Loto an, weiße und rote, fede einzelne so groß wie ein Strauß. An Kulis verkaufen sie die schöne Tuberose und milde Jasmine, die sich in Bananenblätter( siamesisches Packpapier) einwickeln. In den Auslagen pendeln Blumenkränze mit grellen Farbeneffekten und schweren Düften. Mit diesen Blumenkränzen behängen sich alle Ozeanier von Hawai bis nach Tahiti, von Manila bis nach Neu- Seeland. Auch die Völkerbund, immer noch zu den Polynesiern zu rechnen sind. Siamesen, die troß ihrer Orfordprinzen, Aeroplane und Ueber meinem Kopf pendeln die wunderlichsten Fahnen mit allen möglichen Anpreisungen in chinesischen Schriftzeichen meist in Schwarz oder Not, manchmal in Gold. Zehn Kaufleute umringen mich, die in allen Sprachen und Hand zeichen ihre Ware als die allerbeste in ganz Siam anpreisen. In einer dunklen, engen Gasse stolpere ich über einen nackten Chinesen, der an einem Tisch fist und im matten Schein einer roten Lampe chinesische Zeilen in teuflischer Eile auf Papier bringt; dabei ergießt sich der Papierstreifen seiner Rolle über den Tisch auf den Weg und rollt dann weiter... In einer anderen Gaffe klingen Grammofone oder springen Mah- jongsteinchen wie Hagelförner auf ein Blechdach. Ja. ja ich bin wahrhaft'a schon in China, der Heimat der Leihhäuser. Für das Spiel versehen die Chinesen alles: Brillanten, Seidenkleider, Opiumpfeifen- ie mehr sie verraucht ist, desto höher wird sie vom Schäßmeister bewertet. Mit dem Werkzeug zur Zerrüttung der Demokratie und zur Niederkönnen. Sie hat die Privatarmee Hitlers als Milizerfaz werfung der organisierten Arbeiterschaft ausnuten zu zu schaffen mitgeholfen. Die Offiziere a. D. haben die SA. Anhängsel der Reichswehr vorbereitet. Aber das Militär und die SS. auf militärische Art großegerziert und als hat sich dabei verrechnet. Die Reichswehr hat mit Schleicher ihre Stunde verpaßt. Nur für einen kurzen Augenblick -die Schleicher- Episode- konnte sie das labile Gleichgewicht der entgegengesetzten sozialen und politischen Kräfte ausnutzen, um es übrigens ungeschickt zu ver suchen, auf eigene Faust eine bonapartistische Rolle zu spielen. Nicht Hitler wurde überschleichert, sondern Schleicher überhitlert. Die braune Armee wurde als Anhängsel der Reichs wehr gedacht. In der Tat wurde die stolze Reichswehr zum politischen Anhängsel der braunen Armee degra diert. Derselbe Prozeß hat bekanntlich in Italien statt gefunden. Auch dort hat die königliche Armee die faschi stische Miliz ausgebildet und bewaffnet, um später selbst Die Reichswehr wird in aller Eile gleichgeschaltet. General zum stummen Werkzeug Mussolinis degradiert zu werden. Blomberg wird aus einem Gewährsmann Hindenburgs zu einem Reichswehrkommissar Hitlers. Im dritten Reich" fungiert die Reichswehr zwar formell als Volks mehr, in der Tat aber als Parteiheer. Die Revanche der Geschlagenen hat sie hiermit in eine Sackgasse hineinmanövriert. 3war ist im„ britten Reiche" der Revanchismus der Revanchismus trotz allen Friedenspredigten Hit lers zum Staatsprinzip gehoben. Aber die außenpolitische Ohnmacht verleiht dem Revanchismus nach außen einstweilen einen mehr platonischen Charakter. Um so mehr wendet sich die Revanche der Geschlagenen nach innen, gegen das eigene Volk, gegen die Arbeiterklasse, gegen die Demokratie. Denn es ist klar: gegen die Reichs wehr wäre die„ nationale Revolution" der braunen Banden aussichtslos. Jm letzten Augenblick hat die Reichswehr ihren„ besten Mann" im Stich gelassen Schleicher mußte abtreten. Der Oberbefehlshaber der Reichswehr von Hindenburg mußte vor dem„ unbekannten Gefreiten des Weltkrieges" weichen. Es ist praktisch gleichgültig, ob Hindenburg der Gefangene oder der Gleichgeschaltete ist. Der Befehlshaber ist der Befehlsempfangende geworden. Die Reichswehr rühmte sich einst, apolitisch zu sein und über den Parteien zu stehen. Das war lauter Heuchelei. Immerhin ist sie nunmehr auch offen gleichgeschaltet, das heißt, durchwegs politisiert und zum Werkzeug der Parteis diktatur gemacht. Die selbständige politische Rolle der Reichswehr ist mit der Gleichschaltung erledigt. Ihre foziale Funktion im dritten Reiche" wird die Niederwerfung der Arbeiterklasse und die Aufrechterhaltung der faschistischen Diktatur sein. Für diese ruhmlose Funk tion sind die Geschlagenen des Weltkrieges immer noch brauchbar. Vielleicht kommt es noch hier und da zu Reibungen und Spannungen bei der endgültigen Gleichschaltung der Reichswehr. Aber es wäre verfehlt, irgend welche antifaschistische Hoffnungen an die Differenzen zwischen den schwarz- weiß- roten Generälen und dem braunen Gefreiten zu knüpfen. Nicht von oben, sondern ren unten wird die Befreiung von der braunen Best kommen. Dann wird aber die deutsche Arbeiterschaft die Fehler von 1918 das richtige Novemberverbrechen!-kaum wiederholen. Erlös machen die Himmelssöhne auf leichte Weise ihr Glück beim Staatslotto, bei Hahnen- oder Fischkämpfen, beim Buchmacher für das Zehntagepferderennen in Schanghai; ja, man wettet sogar, wieviel Kerne diese oder jene Melone enthält. Geheimnisvolle Kanäle Seltsam sehen Bangkots Straßen aus: Laos in langen Röcken, Siths in roten Turbanen, dunkle Kambodjaner und Birmanen in rötlichen Hosen, magere Bengalen und Javanen, nichtssagende Persönlichkeiten, wie in ihrem Schattentheater, schieben sich zwischen den vielen amerikas nischen Autos der reichen Chinesen, die ihre getünchten und bemalten Weiber spazieren fahren. Die Wagen der Chinesen find sechszylindrig, während die Siamesen mit den alten Modellen von 1900 zufrieden sind. Wer die Lieblichkeit der Stadt in vollen Zügen genießen will, muß in der Dunkelheit längs den geheimnisvollen Kanälen wandeln. In einem verankerten Boot sitzen bei einem Licht dunkle Gestalten und verspeisen weißen Reiß. Andere baden in den stillen, seichten Wassern der Ebbe. Gentlemen in schneeweißem Smoking wandeln zum Diner unter Palmen, die phantastisch im magischen Scheine der Osramsterne wedeln, und treten dabei auf manch fette Kröte oder sinken mit ihren belackschuhten Füßen tief in gigantische Wurzeln ein. Der König wird verbrannt Heute wird der König von Siam verbrannt Schon acht Tage steht die goldene Urne, worin der tote König in Fötusart, mit Goldtuch und Goldmaske angetan, Holz. sigt, auf einem hohen Scheiterhaufen von köstlich duftendem Eigentlich sollte der König schon längst verbrannt sein, da aber ein solches Fest mehrere Millionen kostet und die Staatstasse eine so hohe Summe nicht sofort zur freien Verfügung hatte, wurde es immer wieder verschoben. Bis dahin wurde die Königsleiche künstlich mit Quecksilber und Honig ernährt, weil nach siamesischer Auffassung eine Leiche auch Hunger verspürt. Die Brühe, die die Leiche in der Zwischenzeit bis zu ihrer Verbrennung von sich gibt, wird aufgefangen. Und gestern wurden also die letzten bengalischen Feuer zu Ehren des Königs Manen abgebrannt und die letzten Schattenspiele vorgeführt. Ich vermute überhaupt, daß das Theater seinen Ursprung in der Leichenverbrennung hat... Nun geht es los. Um den Scheiterhoufen stehen Soldaten, Brahmanen und Wahrsager. Jedermann trägt eine Flamme zum Holzstoß und hoch schwelgen Feuergarben und Rauch. So geht in Siam der König schlafen!... Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit" Ereignisse und Geschichten A Neue deutsche Kunde Ein Gedicht für die ,, Deutsche Freiheit" Braune Jacken, Litzen, Bänder, Uniformen- Kleiderständer i mai ins herrschen über deutsches Land. Ueberall die Kakerlaken! Kriechen auf gebeugte Nacken aus dem Wald und aus dem Sand. Seht die Führer auf den Hügeln! können Bestien nicht mehr zügeln, die man von der Kette ließ. Menschheit, ach, sie seufzt in Schande! Blut versickert bis zum Rande, weil die Wahrheit man verstieß. Wehrlos sind die Aetherwellen! Stehen heut mit hartem Bellen stramm vor brauner Prominenz! Auch die Sonne, gleichgeschaltet wird vom Kommissar verwaltet kraft rein arischer Potenz. Sie drehen Horst Wessel SA.- Männer stellen Kommunisten dar Die nationalsozialistische Zeitung„ NS.- Kurier" beschreibt die Arbeiten, die zur Herstellung des nationalen Films„ Horst Wessel" im Gange sind, wie folgt: Rabel liegen auf dem Boden, Scheinwerfer leuchten auf, trockene Hiße lastet im ganzen Raum, Spielleiter geben Anweisungen, der Tonmeister sitt in seiner Zelle, die Kopfhörer an den Ohren. Menschen hocken auf der Galerie und unten im Saal. Szenen für den Horst- Wessel- Film der Volksdeutschen Filmgesellschaft in den Jofa- Ateliers in Berlin- Johannisthal werden geprobt und gedreht. Die Statisten sind diesmal besonders echt und doch wieder nicht. Alles SA.- Männer, die jetzt zum Teil Kommunisten dar stellen, irgendwo in einer Versammlung zur Zeit Horst Wessels.„ Echte" Typen sieht man in dem wirklich klasfisch ausgestalteten Saal einer Kommunekneipe. Längst ver geffene Symbole, wie Sichel und Hammer, und Plakate mit den bekannten üblen Wünschen schmücken den Saal. Oben at auf der Rednertribüne probt ein Darsteller. Kleiner, alter jüdischer Hezer, lebenswahr dargestellt, wie er den lauschenden Männern und Frauen das Gift des Klaffenkampfes in die Gehirngänge injiziert. Wieder ein freches Wort gegen die Braunhemden, die rote Meute johlt und tobt. Fast könnte man glauben, die Zeiten von 1925 bis Januar 1933 feien wiedergekommen. Atme! Lächle! Schreite! Schneuze! Strecke dich am Hakenkreuze, Deutscher Bürger, frisch, fromm, warm! Turne, laufe, boxe, springe und vom Wessel- Horsten singe selbst im sanftem Liebesarm. Einmal hat sichs ausgesungen! Einmal rufts mit tausend Zungen: Fort mit S. und fort mit A, und dann rächen und vergelten bis zum Bau der jungen Welten Deutsche Freiheit, du uns nah! Ariost. Mit leichtem neigen des Kopfes Einen Horst- Wessel- Film zu drehen, bedeutet ein Wagnis. Aber es ist der Wunsch des Führers, durch künstlerische Gestaltung dem Volke das Schicksal seiner Helden nahe zu bringen. Es wird also in diesem Film noch einmal das ganze Schicksal dieses deutschen Helden abrollen in ganzer Natürlichkeit..." Leider fehlen an diesem Heldenfilm fene Szenen, in denen sich Horst Weffel in die Abhängigkeit einer Prostituierten begibt. Auf Scheinwerfer wird mehr Wert gelegt als auf geschichtliche Wahrheit. Nur eins begreifen wir durchaus: daß viele SA.- Leute Kommunisten gut darstellen können. + isola ditu Die fächsische Landeskirche hat verordnet, daß bei ihr mit Auch Du, Paul Wegener! dem Hitlergruß gegrüßt wird. Geistliche im Talar und mit Barett grüßen nach wie vor mit leichtem Reigen des Kopfes." Der pasib In Berlin- Johannisthal durfte die Presse die erste Vorführung des beinahe fertiggedrehten Horst Wessel Films sehen. In diesem Film spielt Paul Wegener, M mali nou ,, Oberbandit von Berlin" Dec sanfte Blauweiglein Jungnickel bestaunt Göbbels Mar Jungnidel bringt im„ NS.- Kurier" einen Ar: fifel„ Es spricht der Oberbandit von Berlin", dem wir wörtlich folgendes entnehmen: Ein SA.- Mann ruff:„ Der Oberbandit von Berlin, Dr. Göbbels, hat das Wort!" Ein Lachsturm durchjagt den Saal... Langsam legt er sich. Der Saal schweigt wie mit angehaltenem Atem. Göbbels spricht. Er fängt leise, etwas eulenspiegelnd an. Kleine, tronische, boshafte Lichter blinken in seiner Rede. Sein rechter Zeigefinger begleitet stechend seine Worte. Und nun sprengt er, wie ein Beelzebub, mit Brechstangen und Knüppel, die Pandorabüchse des Systems auf. Seine Rede wird nun ein raffelnder pfeifender Strich eines Herenbesens, der die Scherben und die Lumpen dieses Systems beiseite wirft. Ein Körner Heimaterde umklammert, die er vor einigen Jahren in der Tasche rieseln ließ. Also Max Jungnickel. Er war einmal der Sanfteften einer, ging, wenn er dichtete, auf die Wiese, um Gelbveiglein zu suchen und den Morgentan von den Blättern zu küssen. Dann reimte er zu jeder Strophe die zartesten Seelenträume. Hente? Er figt vor Göbbels und bewundert, unter Berufung auf Eichendorff und Beethoven, den auf einem Hegenbesen fizenden Kobold der Weltgeschichte.. Kurz, der schneeflaumige Lyriker von einst steht hente an dächtig vor der„ kalten, trockenen, unerbittlichen Guillotine!" wütender Bildersturm beginnt. Furienhaft. Jedes Wort fist. Nieder der Geist! Fressendes Pathos. Und nun rast die Rede einen Epilog der Barrikade. Ein katilinarischer Hezer? Er reißt die heimliche, unheimliche Macht des Kapitalismus aus ihrer Anonymität. Jetzt macht er sie sichtbar, frauenhaft sichtbar. Mit einem einzigen Zucken seines Mundwinkels kann er eine politische Tagesberühmtheit aufs tiefste demütigen. Der Saal tobt. Er streicht um das Haus dieses Systems wie eine Krähe um ein Aas. Ein Mahr und ein Kobold der Geschichte. Und nun wird seine Rede zur falten, trockenen, unerbittlichen Guillotine. Einer, der die Neugestaltung des deutschen Menschen von innen heraus will, der vom Ich zum Wir das Volk erziehen will. Der von Volksgemeinschaft spricht, vom fühnen Schicksal, vom Opfer. Nur solange ist der Mensch frei, solange er bereit ist, den höchsten Einsat zu wagen. Er legt die ewigen Geseze und Wahrheiten der Goethe ein Nichts! 11a din zion ,, Vielleicht erinnert sich der und jener, daß er einmal, in Dreck und Blut, an Goethe dachte, und wie dieser Olympier, den das Bürgertum mit Posaunen verkündet, plößlich wie ein Nichts aus dem Gehirne schwand. Das Bild aber eines großen Soldaten stand wie eine Vision aus Tod und Untergang vor ihm, oder er wurde in die mythischen Zeilen der Edda gezogen wie in einen Quell." May Jungnickel im„ SA.- Mann" vom 22. Juli. 4 Man sieht ,, echte Typen". der unter Reinhardt bessere Zeiten gesehen hat, einen russischen Funktionär", wie ihn sich der kleine Moritz vorstellt. Es wird eine Saalschlacht zwischen Kommunisten und Horst- Wessel- Sturm vorgeführt und außerdem die Säbel= mensur teutscher Studenten gezeigt, mit allem, was dazu gehört, auseinandergehackten Kälberfressen, dem Nähen der zerpaukten Studentenvisagen und dem feierlichen Aussaufen großer Töpfe schlechten Berliner Biers. Die deutsche Kultur, wie sie in der ganzen Welt vorgeführt werden sollte... Ethos mit Blut Spekulation auf die Instinkte des Spießers Das ist aber noch nicht alles! Um einen scharfen Trennungsstrich zwischen diesem Erzeugnis und den Studentenfilmen der früheren Jahre zu ziehen, wird eine Mensur, die in dem Film vorkommt, nicht gestellt", wie das einst üblich war, sondern von den Mitgliedern zweier Studentenverbindungen tatsächlich und ernstlich vor der Kamera ausgefochten. Im Filmatelier fließt zum erstenmal wirkliches Blut; auf dieser„ Sensation" ist die Reklame für den Horst- Wessel"-Kitsch aufgebaut. Selbst der gerissenste und bedenkenloseste Berliner Filmgeschäftemacher aus der Zeit vor der„ Gleichschaltung" hätte es nicht gewagt, so offen auf die sadistischen Gelüste des Kinopublikums zu speku lieren; es mußte erst eine gründliche Erneuerung des „ Ethos" des deutschen Films und seine Umschaltung auf die Ideale des dritten Reiches" erfolgen, ehe der Appell an die brutalsten Instinkte des Provinzspießers zu einer filmischen Großtat, zu einer Meisterleistung neudeutscher Filmregie erhoben werden konnte. Ein Anti- Hitler- Film Der Produktionsleiter der RAD.- Radio in Hollywood, Sam Jaffe, stellt derzeit einen Anti- Hitler Film her, der in den Kreisen der amerikanischen Bevölkerung mit großer Spannung erwartet wird. Der deutsche Gesandte in Washington hat gegen seine Erzeugung bei der amerikanischen Regierung protestiert, freilich ohne jeden Erfolg. Tänze auf beaunem Parkett In Doppelreihe, lustig, kurzfigurig Das offiziöse deutsche Contibitro meldet: In der ersten Sizung der Reichsfachschaft deutscher Tanzlehrer wurden nach Wahl des Reichsausschusses für den deutschen Tanz in der Reichsfachschaft folgende Tänze als deutsche Tänze anerkannt. In der Gruppe allgemeiner Tanz: 1. der Marschtanz; 2. der Rheinländer in alter und neuer Form; 3. der Walzer in alter und neuer Form; 4. der langsame Walzer; 5. an Stelle der Fortrotts der„ Wechselschrittler", ein Tanz im Viervierteltaft; 6. der Galopp. In der Gruppe Gesellschaftstana soll 1. ein Begrüßungsreigen, 2. ein lustiger furzfiguriger Gesellschaftstanz, der„ Friedrichsheimer", 3. ein aus dem Volkstanz übernommener Gleichschrittler, eine ganz neue Tanzform, statt der früheren Quadrille der sogenannte Achter getanzt werden. Durch diese neugeschaffenen Tanzformen sollen der Fortrott, der Onestep und der Tango von der Tanz- und Bildfläche verdrängt werden. Dank den reichsfachschäftlichen Bemühungen ist also jetzt auch die Tanz- und Bildfläche des Dritten Reiches gleichschrittlich gleichgeschaltet. Die im Marschtanz aufmarschierenden Doppelreihen der SA. werden durch die Wechselschrittler. vom Stahlhelm aufgefüllt, fie umtänzeln im Begrüßungsreigen die O- und sonstigen Safe und im lustigen kurzfigurigen Gesellschaftstanz trampeln sie auf den Gesichtern der Schutzgefangenen herum. So toben sie sich in alter und neuer Form aus, bis sie eines Tages merken werden, daß fie auf einem ulfan tanzen und das erwachende deutsche. Volt ihnen zum Tanz aufspielt. Preisfrage: Wie fann Goethe aus Hirnen schwinden, Kipling läßt das in denen er nie gewesen ist? Geschichte bloß. Und die Golbaten aus dem großen Striege ,, Das Land zittert". verlassen ihre verwehten Gräber. Die Gesichter derer von Langemarck tauchen auf. Jungengesichter unter dem Helm. Noch gelöst, noch von der weichen Hand der Kindheit berührt. Und in diese Gesichter fährt, wie ein Bliß, der Schrecken, brennt wie eine Fackel der Mut. Etwas Wildes, Atemloses im Gesicht des Kämpfers von Langemarck. Stählerne Romantif zeichnet Göbbels um dieses Gesicht, umloht von rotem Mohn, umhagelt von Pfeilen, wie aus der Edda geschleudert. Man fühlt auf einmal, hier steht einer, der mit dem A- Moll- Quartett Beethovens die Existenz Gottes beweisen fann. Ein künstlerischer Mensch, der vom Blut und vom Boden spricht. Heiter tut er das. Mit barocken Schnörkeln. Eine Zeile von Eichendorff grünt auf im verschatteten Licht des Saales. Und dann versenkt er beide Hände in die Rocktasche und lächelt. So unbefangen, so kindhaft, so nahe, als hätten seine Hände plötzlich in der Rodtasche einige „ Das Land zittert unter der Erregung, wie es noch nie gezittert hat. Aber es ist still... Die Regierung hat der Presse Schweigen über den Mord geboten. Sie will ohne Störung ihre Untersuchungen führen, sie fürchtet die bitteren Folgen einer politischen Auswertung der Tat, von welcher Seite sie auch vollbracht sein möge. Die Presse hält das Schweigen." Was ist das? Der Bericht eines Berliner Blattes, der Jüdischen Rundschau", über einen Mord. Allerdings über den Mord an dem Zionistenführer Chajim Arlosoroff in Tel- Awino in Palästina. von meiner Mutter Themis, die des ewigen Rechts Urweise Göttin ist, vernahm ich längst den Spruch, Daß einst Gewalt erliegt und Weisheit fiegt. Aischylos. Hakenkreuz entfernen ( Inpreß.) Rudyard Kipling hat seinen Verleger angewiesen, das altindische Zeichen des Hafenkreuzes, daß seit mehr als 30 Jahren auf dem Schußumschlag aller seiner Werke angebracht war, zu entfernen. Sicher eine sehr angebrachte Ehrenrettung für die alten Indier. Im Dunkel Adolf Hitler ging eines Abends unbekannt und ohne Begleitung in ein Berliner Kino. Das Kino ist halbleer, ein paar Liebespaare sißen in den Logen, ein Dußend SA.Leute steht als„ Saalschuß" in den Seitengängen. Als die Usa- Wochenschau das Bild des Herrn Reichskanzlers bringt, steht alles auf, nur Hitler allein bleibt in edler Selbstbescheidenheit fißen. Da flüstert es hinter ihm:„ Mensch steh doch auf, die SA. schlagt dir sonst dot." DAS BUNTE BLATT Emigrant an seine Frau Blitze fielen hernieder Und trafen uns. Aber was konnten sie zerstören? Was konnte in Ungewittern untergehen? Das Wohlbehagen und das Sattsein, Der Firnis und der Schellenklang. Nun tritt die Blöße hervor, Der Sinn des Seins hinter dem Scheln Für uns Verlorene und Vereinte. Ich sehe die Falten auf deiner Stirn, Das feine Sorgennetz Ueber deinem bangen und gütigen Auge. Denn ich weiß, warum du gelitten, Was dich gequält, hingeworfen, hochgehoben; Die Liebe und nichts als die Liebe, in deren Mantel dein Leben gehüllt ist. Wissend geworden im Leiden, Schmerzensreich gebeugt durch die Angst, glüht heute zwischen uns eine Brücke in leuchtenden Bohlen Heute und in Aeonen. Wenn auch die Wege des Daseins verwehn, Wir werden uns immer wiedersehn, Da wir die Dornen zu segnen beginnen, Die uns stachen, draußen und drinnen. Denn mit den letzten Schatten und Zeichen Werden wir beiden uns ahnen und gleichen. Robert Ranger, Der kleinste Mann der Weft Der kleinste Mann der Welt soll derzeit ein Bosnier sein, der nur 49 Zentimeter groß ist. Er ist etwa sechzig Jahre alt und Bauer. Er besitzt einen Hof, den er sehr gewissenhaft bewirtschaftet, und will sich nicht für Geld sehen lassen, obwohl verschiedene Impresarios ihm Millioneneinnahmen versprochen haben, wenn er mit ihnen eine Gastspielreise durch die Welt machen wollte. Er zieht es aber vor, seinen Acker zu bauen und das ruhige Leben eines Privatmannes zu führen. TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Der reichiste Engländer ist tot.. Vor einigen Tagen ist der reiche englische Schiffsreeder Sir John Ellerman gestorben. Nun erfährt man etwas über sein Testament: Ellerman hat seinem Sohn ein Vermögen von 30 Millionen Pfund hinter lassen, das sind weit mehr als eine Milliarde Schilling. Vier Zehntel davon kassiert allerdings der englische Staat als Steuer ein... Es war der reichste Mann Englands. Sein Jahreseintommen überschritt eine Million Pfund. Seine größten und bedeutendsten Geschäftsinteressen lagen auf dem Gebiet der Schiffahrt, daneben war er einer der zwei oder drei größten Grundstücksbesitzer Londons. Bis vor kurzem beherrschte er außerdem einen bedeutenden Teil der englischen Brauindustrie. Von besonderem Interesse dürfte die Tatsache sein, daß Sir John Ellerman deutscher Abstammung ist. Er wurde im Jahre 1862 als Sohn des damaligen deutschen General konsuls in Hull, der mit einer Engländerin verheiratet war, geboren. Jit welundzwanzig Jahren ein Bankier Wie so viele, die später im Leben ihren Mann gestanden haben, taugte auch der junge Ellerman in der Schule nicht viel. Nach manchen vergeblichen Versuchen gab ihn sein Vater schließlich in die kaufmännische Lehre, in ein kleines Bankgeschäft in London. Hier bewährte er sich so gut, daß man dem jungen Menschen, der inzwischen neunzehn Jahre alt geworden war, einen leitenden Posten antrug. Sein Ehrgeiz ging jedoch weiter. Als sein Gegenvorschlag, ihn als gleichberechtigten Teilhaber aufzunehmen, nicht afzeptiert wurde, machte er sich kurzerhand selbständig. Schon nach kurzer Zeit hatte er sich durchgesetzt. Er war noch nicht ganz zweinndzwanzig Jahre alt, als sich sein monatliches Einkommen als Chef der fleinen City- Privatbank bereits auf mehrere tausend Pfund belief. Fünf Jahre später gründete er dann mit eigenem Geld seine erste Finanzierungsgesellschaft der bald mehrere der bald mehrere folgen sollten und tat damit den für sein Leben entscheidenden Schritt. Der Tonnagesauberer Mit der ihm eigenen Energie und Zähigkeit stürzte er fich alsbald auf das ihm völlig unbekannte Gebiet des Frachtschiffahrtswesens. Als erste taufte er die Leyland- Linie auf, die vollständig banterott war. Schon nach kurzer Zeit warf das Unternehmen wieder nicht nur Gewinn ab, sondern florierte so gut, daß sich die J.- P.- Morgan- Gruppe dafür interessierte. Der Berkauf tam im Jahre 1901 zustande und warf Sir John Ellerman einen Zwischengewinn von etwa anderthalb Millionen Pfund in den Schoß. Kurze Zeit darauf sicherte er sich die Aktienmehrheit dreier neuer Linien, der City, der Hall- und der Bucknall- Linie. Auch diese Unternehmungen gehörten bald zu den aussichtsreichsten und gewinnbringendsten Gesellschaften in England. Seine Tätigkeit und seine Arbeiten waren von solchem Erfolg begleitet, daß man ihm allmählich den Spiznamen Der Tonnagezauberer" gab. Schiffahrtslinien, die nicht mehr ein noch aus wußten, tamen einfach zu Ellerman. Er übernahm sie alle und machte meist schon nach Jahresfrist Unternehmungen daraus, die wieder sehr erkleckliche Gewinne abwarfen. Kein Krieg ofme Ellerman Wenige Jahre nach dem Verkauf der Leyland- Linie kon trollierte Ellerman bereits 300 Schiffe. Jm Burenkrieg stellte er einen großen Teil dieser Tonnage der Regierung zur Verfügung; das gleiche tat er während des Weltkrieges. Damals wurde die Tonnage seiner Flotte, die zudem fast ausschließlich sein Privatbesitz war, bereits auf ein Achtel der Gesamttonnage der englischen Handelsschiffahrt überhaupt geschätzt und im Jahre 1920 wurde sein in der Schifffahrt investiertes Rapital auf 11 Millionen angegeben. Sir John Ellerman hatte jedoch, wie bereits gesagt, nicht nur ausgedehnte Schiffahrtsinteressen, sondern war ein richtiger All- round- Geschäftsmann". Auf das Grundstücksgeschäft hat er sich erst nach dem Kriege geworfen. 1930 wurde sein in Grundstücken angelegtes Kapital auf drei Millionen Pfund geschätzt. Er besaß Häuser überall in der City, außerdem im vornehmen Westend, und fast die ganze OxfordStreet gehört ihm. Allein eines der Grundstücke, im Earls Court, daß er vor drei Jahren kaufte und kürzlich wieder verkauft hat, war mit 1150 Häusern bebaut und enthielt au 200 Siedlungsblöcke. Und nun ist er tot... Chinesische Geschäftigkeit und Liebe zweimal vergeblich Aus einem Artikel von Henri Michang in " La Nouvelle Revue Francaise", Paris." Der Chinese ist der geborene Handwerker. Alles, was man durch Basteln finden kann, hat der Chinese erfunden, bzw. gefunden: Schubkarre und Buchdruckerkunst, Schießpulver und Spindel, Papierdrachen und Tarameter, Wassermühle und Anthropometrie, Akupunktur und Blutzirkulation, möglicherweise den Kompaß und noch viele andere Dinge. Die chinesische Schrift sieht wie die Sprache eines Unternehmers aus, wie eine Zusammenstellung von Werkstattzeichen. Der Chinese ist Handwerker, und zwar ein äußerst geschickter. Er hat die Finger eines Pianisten. Ohne Geschicklichkeit kann man unmöglich Chinese sein. Selbst zum Essen ist eine gewisse Geschicklichkeit nötig, wenn man sich dazu nach chinesischer Art zweier Stäbchen bedient. Und diese Geschicklichkeit ist gewollt. Der Chinese hätte, wie hundert andere Völker es taten, auch die Gabel erfinden und sich ihrer bedienen können. Aber solch ein Instrument, dessen Handhabung keinerlei Geschicklichkeit erfordert, widerstrebt ihm. In China gibt es den unsfilled worker" nicht. Gibt es etwas Einfacheres als die Arbeit des Zeitungsausrufers? Der europäische Straßenverkäufer ist ein groß mäuliger, aufgeregter Bengel, der unter Aufbietung aller Kraft aus vollem Halse seine Blätter ausschreit und einen dabei beinahe umrennt. Der chinesische Zeitungsverkäufer geht als Fachmann zu Werke. Er schäßt die Straße, die er vor sich hat, nüchtern ab, stellt fest, wo sich etwaige Käufer aufhalten, und schickt seinen Ausruf, indem er die Hände als Schalltrichter an den Mund legt, bedächtig und zielbewußt, je nachdem, hier zu einem Fenster hinauf, dort in eine Menschengruppe hinein. Wozu blind darauflosbrüllen und die Stimme ins Leere schleudern? Sogar der chinesische Bandit ist ein qualifizierter Fachmann, der seine eigene Berufstechnik hat. Es ist durchaus nicht sozialer Haß, der ihn beseelt. Er tötet niemals zwecklos. Es ist nicht der Tod seiner Opfer, sondern ihr Lösegeld, um das es ihm geht. Er bemißt den Schaden, den er zufügt, mit peinlicher Genauigkeit, schneidet dem Opfer einen Finger nach dem andern ab und schickt ihn mit Lösegeldforderungen und wohl abgewogenen Drohungen der Familie zu. In der ganzen übrigen Welt pflegen sich die Lastträger wahllos Kopf, Rücken und Schultern, so weit es eben geht, zu beladen. Man kann nicht gerade behaupten, daß sie mit viel Verstand zu Werke gehen. Die Chinese aber hat aus dem Lastentragen eine Präzisionsarbeit gemacht. Wenn er Möbel zu transportieren hat, hängt er sie auf ein über die Schulter gelegtes starkes Bambusrohr, indem er es so einrichtet, daß die Last, die er auf dem Rücken, und diejenige, die er vorne trägt, sich vollkommen die Waage halten. Bescheiden, mit Späheraugen und den obligaten Filzpantoffeln, die Hände in den Aermeln, jesuitisch, mit dick aufgetragener Harmlosigkeit, aber zu allem bereit, so tritt dir der Chinese entgegen. Aber plößlich fällt von diesem gallertartigen Gesicht die Maste, und dann kommt eine rattenartige Behendigkeit zum Vorschein.NOU Die chinesische Liebe gleicht der europäischen Liebe nicht. Die Europäerin liebt mit Leidenschaft, und dann plöglich, auf dem Bettrand, überfällt sie der Gedanke an den Ernst des Lebens, an sich selber oder an gar nichts, und sie hat dich vollständig vergessen. Die arabische Frau gleicht einer Meereswelle. Der Bauchtanz ist nicht nur eine Schaustellung für die Augen, nein, der Wirbel wälzt sich auf dich und reißt dich mit sich fort, bis du schließlich, selig und befriedigt, ohne ganz zu wissen, was und wie dir geschah, wieder zu dir kommst. Aber dann versinkt auch sie in Träumereien, ganz Arabien drängt sich zwischen euch, und alles ist zu Ende. Ganz anders die chinesische Frau. Hast du sie zu dir genommen, so brauchst du viele Tage, um dich wieder von ihr zu lösen. Denn sie beschäftigt sich mit dir, wie wenn sie dich zu pflegen hätte. Sie wendet sich niemals von dir ab, sondern bleibt mit dir verschlungen wie der Efeu, der nicht selb= ständig, ohne Halt, leben kann. Selbst dem unruhigsten Manne bleibt sie immer nahe und leicht wie ein Bettuch; fie ist gefällig, ohne irgendwie unterwürfig zu sein, mit Verständnis und Takt. dieselbe Frau gefieiratet Der Kaufmann B. in Wien heiratete im Jahre 1902 nach römisch- katholischem Ritus. Im Jahre 1914 ging diese Ehe in Brüche. Im Jahre 1921 suchte der Mann beim Magistrat um eine Dispens an. Der Magistrat erteilte die Dispens, der Mann trat aus der katholischen Kirche aus und der altfatholischen Kirche bei, ebenso seine Braut. Diese zweite Ehe wurde durch seine geschiedene Gattin im Jahre 1926 angefochten und sowohl vom Zivillandesgericht als auch vom Oberlandesgericht für ungültig erklärt. Nun versuchte der Mann neuerlich sein Glück. Wieder suchte er um die Er teilung der Ehedispens an, die ihm nun ein zweites Mal von der Wiener Landesregierung im Februar 1929 erteilt wurde. Zwei Monate darauf heiratete der Raufmann seine ungültige Dispensfrau" ein zweites Mal. Die geschiedene Frau erwies sich aber als eine äußerst hartnäckige Gegnerin, denn sie focht nunmehr die Gültigkeit auch dieser zweiten Dispensehe an. Schüßend stellte sich der Chebundsverteidiger vor die treu zueinanderhaltenden Dispensgatten. Umsonst: das Gericht erklärte die Ehe neuerlich für ungültig. In der Urteilsbegründung aber ließ sich das Gericht doch wenigstens zu der Feststellung herbei, daß die Dispensgatten fein Verschulden an der Ungültigkeit der Che treffe. Lachen nicht verlernen Geschäft mit Amerika Die große französische Filmgesellschaft drehte einen Marnefilm. Die Hauptszene bildete der Rückzug der Deutschen.„ Die Amerikaner verfolgen den fliehenden Feind," kündete der Titel. „ Das ist doch falsch," bemerkte der Kritiker, die Amerikaner waren doch gar nicht an der Marne." Der Regisseur lächelte:„ Ich weiß. Aber ich rechne bei dem Film mit dem Amerikageschäft. Die Amerikaner freuen sich doch wie Kinder darüber, wenn sie das sehen." Bilderhandel " Ist dieser Rubens auch echt?" Der Händler schwor: Und ob! Ich gebe Ihnen drei Jahre Garantie." Im Teegeschäft „ Sie wollen etwas Tee haben, Frau Hartung, welche Sorte wünschen Sie denn indischen, chinesischen oder Ceylontee?" Nein, nein, geben Sie mir doch mal Feifoklocktee, den babe ich so rühmen hören!" Aber, Männe, wo fommst du denn her?" Von einem Wiegenfest." Nicht zufrieden Frau Schönwald ist eine etwas streitbare Dame. Neulich mußte sie wegen ihrer Gallensteine operiert werden. Einige Zeit nach der Operation trifft der Arzt ihren Gatten auf der Straße.„ Nun, Herr Schönwald, ist die Operation bei Ihrer Gattin nicht gut verlaufen?" „ Das wohl, Herr Doktor", meint er fummervoll,„ die Steine find ja nun entfernt, aber die Galle, die haben Sie fizzen gelassen!" Erziehung „ Ich habe dich in letzter Zeit öfter beim Lügen ertappt, mein Sohn! Versprich mir, daß du dir das abgewöhnen willst!" Jawohl, Papa!" „ Also, gut! Nun geh' mal ans Telefon, es hat eben ge Klingelt, und wenn jemand nach mir fragen sollte, dann sag' ich sei nicht zu Hause...!" * Vater, dann hat uns der Lehrer erzählt, daß es in Afrifa Volksstämme gibt, wo der Mann seine Frau erst nach der Hochzeit kennen lernt." Nicht nur in Afrika, mein Sohnk Löhne und Gehälter sinken Die Presse muß die Senkung verschweigen Der ,, soziale Waffenstillstand" Die Nationalsozialisten rühmen sich in ihren Zeitungen und in den Verlautbarungen des Rundfunks, in Deutsch land einen sozialen Waffenstillstand" zuwege gebracht zu haben. Sie preisen es als einen riesenhaften„ Erfolg", die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, wie sie von dem von ihnen so bekämpften„ System" geschaffen wurden, zu Konservieren. Selbst wenn man es aber einmal als wahr unterstellt, die Löhne und Gehälter hätten sich bisher im Dritten Reich nicht verändert, bedeutet das noch immer nicht. daß der Reallohn nicht zu ungunsten der Arbeitnehmer gesenkt worden ist. Denn es ist zu bedenken, daß in den letzten Monaten eine sehr ins Gewicht fallende Verteurung der Artikel des täglichen Bedarfs eingetreten ist. Milch, Butter, Margarine, Fett, Fleisch, Schuhwaren, Kleidung und in vielen Fällen auch die Miete sind teurer geworden. Der soziale Waffenstillstand" hat aber jede Angleichung der Löhne an die gesteigerten Lebenshaltungskosten verhindert. Wenn man also die Behauptung der Nationalsozialisten, die Höhe des Arbeitseinkommens habe sich nicht verändert, einmal als wahr unterstellt, bedeutet das nichts anderes als eine Sentung des RealLohnes um mindestens zehn Prozent. Denn in folchem Umfang wurden die Lebensbedürfnisse der Arbeiter und der Angestellten im und durch das„ dritte Reich" verteuert. Die Lohndiktate In Wahrheit aber existiert der soziale Waffenstillstand" nur auf dem Papier und die Zahl der Lohnsenkungen nimmt von Tag zu Tag an Umfang und Bedeutung zu. Die Werkzeuge, derer sich die Unternehmer bei der Verschlechterung der proletarischen Lebenshaltung bedienen, sind in erster Linie die Streisleitungen der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisationen. Diese Kreisleitungen haben keine andere Aufgabe, als jede Lohnsenkung und jede Herabjegung der Akkordzu: schläge im Sinne der nationalsozialistischen Wirtschafts: ordnung gutzuheißen und heilig zu sprechen. Wenn sich dann die Belegschaft weigert, sich einem Lohndiktat au fügen, hat es der Unternehmer sehr einfach: Er wendet sich an die NSBO., und die erklärt jeden Widerspruch gegen die von ihr angeordnete Lohnsenkung als einen an dem britten Reich" begangenen Hochverrat. Ein Beispiel für viele: In Bede in Westfalen senkte ein Textilunternehmer die Löhne um 25 Prozent. Der- gleich geschaltete und darum nationalsozialistische- Betriebsrat erhob dagegen Beschwerde und verlangte von dem Arbeitgeber Rücknahme der Lohnsenkung, beziehungsweise ihr Aussezzen bis zur Entscheidung der Kreisleitung der NSBO. Als der Unternehmer darauf erklärte, er sei Herr in seinem Betrieb, und den Lohnabzug sofort durchführen ließ, sah sich der Betiebsrat unter dem Druck der Belegschaft. gezwungen, die sofortige Arbeitseinstellung zu verfügen. Was machte die Betriebsleitung? Sie wandte sich telephonisch an die Kreisleitung der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation. Von dort aus wurden Polizei und SS. alarmiert und die Verhaftung der nationalsozialistischen Betriebsratsmits glieder angeordnet. Inzwischen find die Mitglieder der Be. цепом Die Gegenfäße find so schlimm geworden, daß in der legten Zeit mehrmals Angehörige der Angestelltenfachgruppe der NSBO. gegen Funktionäre des Deutschnationalen Sanbs Iungsgehilfenverbandes mit Gummiknäppeln und Revol vern vorgingen und die einen gegen die anderen SA.. Schlägerkolonnen engagierten. triebsvertretung vom Schnellgericht zu je brei Monaten Treuhänder der Arbeit" Gefängnis verurteilt worden, weil sie„ voreilig" eine Maßnahme ergriffen hatten, ohne die NSBO. um ihre Ges nehmigung zu fragen. Dem Unternehmer, der die ganze Angelegenheit provoziert hatte und ohne jede Verständigung mit der Kreisleitung der NSBO. den sozialen Waffenstillstand durch die Lohnsenkung gebrochen hatte, passierte nichts! Es wurde ihm sogar ausdrücklich bescheinigt, im Intereffe der nationalen Produktion" gehandelt zu haben und darum mit seiner Lohnsenkung auf dem richtigen Wege gewesen zu sein! Aehnliches wie in dem von uns geschilderten Fall passiert in Deutschland unglaublich häufig. Einige Beispiele dafür: In Berliner Großhandelsbetrieben wurden mit Genehmigung der NSBO." die Gehälter um 15 Prozent gesenkt. In einer Königsberger Metallwarenfabrik kürzte man die Atforde um 20 Prozent. In der westfälischen Textilindustrie sind ebenfalls Lohnsenkungen an der Tagesordnung. Immer ist es die NSBO., die eine Helfershelferrolle zugunsten der Unternehmer einnimmt! Die gleichgeschalteten Gewerkschaften Die gleichgeschalteten Gewerkschaften beschäftigen sich mit drei Dingen. Erstens mit der zwangssweisen Einziehung der Mitgliedsbeiträge, die in vielen Fällen mit Hilfe der Gerichte und der Gerichtsvollzieher eingetrieben werden. Zweitens wird eine geradezu schamlose Futtertrippenwirtschaft getrieben und das Geld der Gewerkschaften alles mühevoll zusammenfür immer neue Bonzengetragene Arbeitergroschen posten verschleudert. Unzweifelhaft muß das in einiger Zeit zu einer Finanzkatastrophe führen, denn lange halten die Kaffen der Gewerkschaften eine derartige Sauwirtschaft nicht mehr aus, und es ist sehr fraglich, wie viele Monate es noch dauert, bis die Unterstüßungseinrichtungen der Gewerkschaften zahlungsunfähig geworden sind. Da die Nazi jetzt viele Hunderttausende verpulvern, werden sie nachher behaupten, sie hätten einen roten Sumpf" übernommen und ihre Vorgänger trügen die Schuld an dem Bankrott. Die dritte Beschäftigung der nationalsozialistischen Gewerkschaftsbonzen endlich find Cliquenfämpfe untereinander: jeder kämpft gegen jeden und einer denunziert den anderen. Machtgier, Sucht nach neuen Pöstchen und Revenuen sind die Ursache dieser Auseinandersetzungen. Die Sondergerichte wüten Sleben Schreckensurteile vor einem Gericht an einem Tage Der Stadt- Anzeiger" in Köln berichtet: " Am Montag tagte das Kölner Sondergericht unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Greeven. Sieben Fälle kamen zur Verhandlung, in denen Staatsanwaltschaftsrat Heuter die Anklage vertrat. Zunächst wurden drei Angeklagte aus der Untersuchungshaft vorgeführt, zwei Arbeiter und ein Kellner, denen Sprengstoffbesitz zur Last gelegt wurde. Die Arbeiter gaben zu, den Sprengstoff von einem unbekannten Bergmann zur Aufbewahrung erhalten zu haben, dann hätten sie aber gehört, daß Haussuchungen bevorstünden und deshalb den Sprengstoff in einen fremden Keller gelegt. Später hatten beide den Kellner getroffen, waren in seiner Begleitung in den Keller gegangen, hatten das Paket mit Sprengstoff herausgeholt und es dem Kellner übergeben. Dann hatte sich der eine Arbeiter verabschiedet, der andere war mit dem Kellner in dessen Wohnung gegangen und hatte ihm gesagt, das Paket enthalte Sprengstoff. Dem Kellner war aber die Aufbewahrung zu gefährlich, er machte deshalb bei der NSDAP. die Mitteilung, in seiner Wohnung befände sich Sprengstoff, der dann beschlagnahmt werden konnte. Das Sondergericht erkannte antragsgemäß gegen die Arbeiter auf fünf und zwei Jahre Zuchthans, gegen den Kellner, gegen den ein Jahr Zuchthaus beantragt wurde, auf sechs Monate Gefängnis. Weiter wurde ein 26jähriger Schreiner aus Düren wegen unerlaubten Tragens der SA.- Uniform zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und sofort im Saal verhaftet. Der Angeklagte be= hauptete, er habe sich bei der SA. angemeldet. Ein Bettler, der die Bemerkung gemacht hatte, den Juden ginge es jetzt wie den Bettlern, man gebe ihnen im Suppentopf Gift, damit sie abschwemmten, wurde wegen Verbreitung von Greuelmärchen zu drei Monaten Gefängnis und wegen Bettelns zu zwei Wochen Haft verurteilt. Ein 25jähriger Schreiner, der den Gesellentag in München besuchte, erhielt dret Monate Gefängnis, weil er bei einem Besuch an der Mosel, den er auf der Heimfahrt machte, erzählt hatte, Hitler habe in München im Braunen Haus seine Offiziere bei französischem Seft getroffen und gründlich mit ihnen abgerechnet. Selbstverständlich war an der Sache auch nicht ein Wort wahr. Ein 23jähriger Arbeitsloser schrieb aus dem Gefängnis heraus, in dem er sich seit Januar 1932 befand, an seine Verwandten einen Brief, in dem er behauptete, die Regierung fümmere sich nicht um den deutschen Arbeiter, sie sei nur bestrebt, ihn zu schädigen. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, er sei der Meinung gewesen, da er keine Zeitungen bekommen und nicht gewußt hätte, daß hinter Hitler die Par99 Es ist kein Wunder, daß unter solchen Umständen die Unternehmer freie Bahn bei ihren Lohnabbanaktionen haben. Sie werden dabei auf das lebhafteste von den„ Treuhändern der Arbeit" unterstützt. Einer dieser neuen Schlichter verkündete kürzlich stolz, die Treuhänder arbeiteten„ ehrenamtlich". Das ist nun nicht ganz richtig, weil sie Tausende Mark Spesenersaz" erhalten, wichtiger ist aber, daß auf diese Weise die Treuhänder der Arbeit weiterhin ihrem bisherigen Beruf nachgehen. Die meisten von ihnen sind also Hauptberuflich Unternehmersyndizt und nebenamtlich unparteiische Schlichter! Mit anderen Worten: Die deutschen Unternehmerverbände und Handelskammern bezahlen die deutschen Lohndittatoren. Die„ Treuhänder" der Arbeit, die über die Lohn- und Arbeitszeitreglung entscheiden, find also Untergebene der Arbeitgebers vereinigungen. Wie unter diesen Umständen ihre unparteiische und überparteiische" Treuhänderfunktion ausgeübt wird, kann sich jeder Mensch vorstellen. Wir wissen ganz zuverlässig, daß diese Schlichter zahlreiche Schiedssprüche zu ungunsten der Arbeitnehmer abgeändert haben. Allerdings ist es durch eine Verfügung des Leiters der Deutschen Arbeitsfront" Dr. Len und des Reichspropagandaministers Dr. Göbbels der deutschen Presse ausdrücklich verboten, über Gehaltssenkungen, Arbeiterentlassungen und Stillegungen zu berichten. In Wirklichkeit ist der Reallohn der deutschen Arbeitnehmer berücksichtigt man die Veränderungen des Reallohnes und die heimlichen Lohnsenkungen- um mindestens fünfzehn Prozent in der Zeit vom 1. April bis 1. Juli gesunken. Wenn man bedenkt, daß das erst die Bilanz eines Vierteljahres ist, wenn man weiter weiß, daß der Abbaubewegung von feiner Seite Einhalt geboten wird, und die Unternehmer ihren Einfluß auf die Lohngestaltung von Tag zu Tag mehr ausbauen, kann man sich vorstellen, wie die weitere Gestaltung des Reallohnes und der Lebenshaltung der Arbeiterschaft aussehen wird. Das dritte Reich" ist zu einem Paradies für reaktio= näres Scharfmachertum und zu einer Hölle für die Arbeiter und Angestellten geworden! Es hat innerhalb weniger Monate einen Verelendungsrekord sondergleichen erreicht, über den die Unternehmer befriedigt schmunzeln, die Arbeitnehmer aber in eine immer größere Verzweiflungsstimmung geraten. teilen hegerischer Druckschriften zu den geschilderten Maßs nahmen zu greifen und in jedem Falle bekannte frühere Ans gehörige der KPD., die sich bis jezt noch nicht in Schußhaft befinden oder wieder entlassen sind, als Geiseln festzunehmen. Jedem früheren KPD.- Angehörigen soll auf diese Weise zum Bewußtsein gebracht werden, daß er zweckmäßigerweise die Behörde bei der Abwehr weiterer kommunistischer Tätigkeit daß sie ihre Wühlarbeit unterlassen. tei stand, daß der Kanzler mit den andern Parteien in Ver- unterstüßt oder wenigstens auf seine Genoffen dahin einwirkt, bindung gewesen wäre. Diese Meinung wurde mit vier Monaten Gefängnis bestraft mit der Begründung, aus dem ganzen Brief ginge hervor, daß der Angeklagte durchaus über die veränderten bestraft mit der Begründung, aus dem ganzen Brief ginge politischen Verhältnisse im Bilde gewesen sei. Weiter hatte sich ein älterer kaufmännischer Angestellter zu verantworten, der in einer Wirtschaft SA.- Leute beleidigt und Hitler beschimpft hatte. Er kam mit sieben Monaten Gefängnis davon. Dabei betonte der Vorsitzende, die Strafe wäre viel höher ausgefallen, wenn der Verurteilte nicht Kriegsbeschädigter gewesen wäre und nicht in angetrunkenem Zustand gehandelt hätte. Zum Schluß wurde ein 19jähriger Arbeitsdienst freiwilliger, der an seine Eltern im Saargebiet einen Brief geschickt hatte, in dem er sich über die Zustände im Arbeitslager beklagte, zu acht Monaten Gefängnis Harte Gefängnisstrafen Flugblätter vernichtet.... Vor dem Thüringer Sondergericht standen fest mehrere Kommunisten, die Flugblätter hochverräterischen Inhalts mit Greuelmärchen, unwahrheiten über den Reichstagsbrand usw. zur Verbreitung vorrätig gehalten hatten. Bei zwei Beschuldigten nahm das Gericht als wahr an, daß die Flugblätter vernichtet worden seien. Troßdem wurde gegen Lüttich auf zwei Monate und Frau Rolle auf drei Wochen Gefängnis erkannt, weil verbotene Flugblätter der Polizei abgeliefert werden müssen, was hier nicht geschehen ist. Ehestandsbeihilfen verurteilt. Zunächst waren die Schilderungen im Brief völlig Ein großer Schwindel aus der Luft gegriffen, was der Angeklagte auch zugab mit dem Bemerken, er habe nur Geld von seinem Vater haben wollen und deshalb alles so schlecht geschildert. Diesen Brief hatte er aber auch von Kameraden unterschreiben lassen, die einen Gruß mitschreiben sollten und von dem Inhalt keine Kenntnis hatten, um die Glaubwürdigkeit des Briefes zu erhöhen. Tatsächlich hatte der Brief in bestimmten Kreisen des Saargebiets als willkommener Anlaß gedient, sich mit seinem Inhalt in einer deutsch feindlichen Zeitung zu befassen. Mit Rücksicht auf den großen Schaden fiel gegen den Angeklagten die Strafe besonders hart aus." Da wir nach dem Jargon der Nationalsozialisten zu den " deutschfeindlichen“ Zeitungen gehören, stellen wir fest, daß uns dieser Brief nicht zugegangen ist. Wahrscheinlich ist der Inhalt des Briefes wahr, und nur die Erzählung über die deutschfeindliche Zeitung ist erfunden. Geisel- Barbarci Die ,, Vergeltung" wird ausgebaut wtb. Dortmund, 3. Aug. In der Nacht zum Mittwoch wurde der SA.- Scharführer Kurz von vier Kommunisten überfallen und durch einen Unterarm- Schuß verlegt. Die Täter konnten in der Dunkelheit unerkannt entkommen. Als Gegenmaßnahme wurden von der Staatspolizeistelle fofort vier Kommunisten, die in der Nähe des Tatortes wohnen, als Geiseln festgenommen. Da sich die Uebergriffe der Koms munisten in letzter Zeit wieder vermehrt haben, sieht sich die Staatspolizeiftelle gezwungen, in Zukunft auch beim Vers Ehestandshilfe in Hitler- Deutschland. Die Dum men sind begeistert. Und lassen sich einfangen. Die Klügeren rechnen sich diesen im Zusammenhang mit dem braunen Arbeitsbeschaffungsprogramm in Aussicht gestellten Kredit zur Anschaffung von Hausrat so aus: Man verspricht mir und meinem Bräutigam tausend Mark. Die müssen wir in acht Jahren abzahlen. Legen wir auch nur zehn Mark monatlich vom Einkommen weg, so ist das viel. Mehr, als sich sonst ein Arbeiterhaushalt hente für Anschaffungen leisten kann. Werden wir es überhaupt können? Wir kriegen ja den Kredit nur unter der Bedingung, daß ich aus meinem Beruf ausscheide. Das bedeutet einen Monatsverlust von 80 Mart, im Jahr von 960 Mart, in acht Jahren von 7880 Mart. Wir verlieren also fast achtmal so viel Geld, als die Regierung uns- borgt. Also pfeife ich auf das Brautgeschenk des Führers. Hochbezahlte Spitzel Hütet euch! Die in den legten Tagen gemeldeten Verhaftungen zahls reicher Kommunisten wurden der Regierung von der Ges heimen Staatspolizei, die offenbar hochbezahlte Spigel in illegale Organisationen hat hineinschmuggeln können, wie auf Rommando geliefert, um in der nenen kommunistischen Gefahr einen Vorwand für neue Blutgefeße zu schaffen, bem die Regierung jezt auch einige barbarische öffentliche Hin. richtungen folgen lassen will, um die Zersegungserscheinungen in den Reihen der eigenen Anhänger durch Abschreckung aus rückzudämmen. Konsumgenossenschaften gleichgeschaltet und eingefügt! In der Oeffentlichkeit war, wie es heißt, Besorgnis Leipzig: Zwölf Arbeiter ermordet! entstanden, daß die Beibehaltung der Konsumgenossenschaft Der Bandenkrieg gegen sozialistische Arbeiter Gelegenheit biete, marristische 3ellen" zu unterhalten. Die Verfügungen, so berichtet das Conti- Nachrichtenbüro, die der Stellvertreter des Führers, Heß sowie der Stabsleiter der PO. und Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, inzwischen zur Konsumgenossenschaftsfrage erLassen haben, haben diese Besorgnis restlos zerstrent. Auf Anordnung von Dr. Ley seien zahlreiche Nationalsozialisten an die maßgebenden Stellen der Konsumgenossenschaften gerückt. Außerdem sei ein Wirtschaftsausschuß ge= bildet worden. Dieser Ausschuß erließ eine Erklärung, in der es heißt: Am 15. Juli fand in Hamburg eine Besprechung des in der Deutschen Arbeitsfront einberufenen Wirtschaftsausschusses zur Reglung der Konsumgenossenschaftsfrage statt. Es wurde volle Uebereinstimmung darüber erzielt, daß jede öffentliche Behandlung der Konsumgenossenschaftsfrage zu unterbleiben hat. Alle Quertreibereien im Lande werden von jetzt ab mit den schärfsten Mitteln unterbunden und verfolgt. Der Wirtschaftsausschuß ist vom Führer der Deutschen Arbeitsfront zur Lösung der Konsumgenossenschaftsfrage eingesetzt und wird diese im Sinne des Nationalsozialismus in organischer Weise lösen. Mit der Wahl eines neuen Vorfizzenden ist die planmäßige Eingliederung der Konsum genossenschaften in die nationalsozialistische Wirtschaft nach jeder Richtung gewährleistet. Es entfällt damit die Notwendigkeit, die Beschränkung aufrecht zu erhalten, welche den Konsumgenossenschaften in der Uebergangszeit selbst hinsichtlich ihres Verkehrs mit den Mitgliedern auferlegt wer den mußte. Es dürfen wieder Inserate in die Verbandsblätter aufgenommen werden." Restlos zerstreut" das heißt, daß die um Rey auch die Aus Mitteldeutschland wird uns geschrieben: In der letzten Woche wurden in Leipzig wieder rund zweis hundert Proletarier verhaftet. Das ist das Ergebnis der Durchsuchung von sechshundert Schrebergärten. Dabei gehen die Polizei und die SA. immer brutaler vor und wenden stets ohne jeden Anlaß Waffengewalt an. Vor einigen Tagen hatten sich im Norden Leipzigs eine Anzahl Arbeiter zu einer Besprechung zusammengefunden, die sich mit den Verwaltungsangelegenheiten einer Laubenfolonie, aber keinesfalls mit Politik beschäftigte. Die Zusammenkunft wurde der NSDAP. als„ kommunistisch" derunziert und SA. und SS. zum Ausheben" zusammengezogen. Das Ergebnis: Nach einem fürchterlichen Kampf wurden zwölf Arbeitern von den braunen Horden, wie es in einem Bericht der SA. an ihre vorgesetzte Dienststelle hieß,„ der Garaus gemacht"! Und dieses Hinmorden von Proletariern ift durchaus kein Einzelfall! In der Leipziger Umgebung find in den letzten Wochen eine ganze Anzahl ehemaliger Funktionäre der Arbeiterbewegung in der grausamsten Weise erschlagen worden. Vor kurzem hat ein Riesenaufgebot von schwerbewaffneter Polizei, SA. und SS. die größte Arbeitslosensiedlung Sachsens, die bei Leipzig in der Nähe von Machern liegt, bei Nacht gestürmt und dort geradezu vandalisch gehaust. Es wurden nicht nur grundlos zahlreiche Arbeitslose fürchterlich geschlagen, sondern auch ihre Frauen als„ marristische Huren" beschimpft und mißhandelt. Der größte Teil der Arbeitslosen, unter ihnen sehr viele Kinder und Jugendliche, mußte mitten in der Nacht den viele Stunden weiten Weg nach Leipzig zu Fuß zurücklegen. Auf Befehl der Polizei muß die Arbeitslosensiedlung binnen fürzester Frist vollständig verschwinden, allerdings wurde schon bei der Razzia ein großer Teil der bescheidenen Einrichtungsgegenstände der Arbeitslosen vernichtet. Wie aus Iserlohn amtlich gemeldet wird, haben zwei Hilfspolizisten natürlich in Notwehr“ den Kommunisten Solecki durch einen Kopfschuß getötet, einen andern Kommunisten durch fünf Brustschüsse( in Notwehr! Red.) lebensgefährlich verlegt. Wie der„ Angriff" erfährt, ist beabsichtigt, bei sämtlichen städtischen und Reichsbehörden die Angestellten und Beamten zu veranlassen, innerhalb kürzester Frist eine schriftliche Erklärung abzugeben, daß sie, soweit sie überhaupt jemals mit der SPD. in irgendwelchen Beziehungen gestanden sind, diese Beziehungen gelöst haben. Diese Maßnahme habe sich als notwendig erwiesen, da es urmöglich sei, daß Beamte des Reiches oder der Länder einer Organisation angehören, die von außen her gegen das Deutsche Reich und seine Regierung in maßloser und unverantwortlicher Art und Weise hezze und agitiere. Jede Nacht Nacht... aloblibu Proletarier werden zu Tode gequält und in Konsumgenoffenschaft nicht nur gleichgeschaltet, sondern auf den Rhein geworfen dem Wege des Diebstahls an den Gewerkschaftsmitgliedern in die durch Raub zustandegekommene Arbeitsfront" ein gefügt wurde... Verrücktheit in Zahlen Sowas nennt sich ,, Weltordnung" In Brasilien sind von dem Kaffeeverteilungsinstitut 612 Millionen Kilogramm Kaffee das ist rund fünfmal so viel, als die gesamte Einwohnerschaft Deutschlands in einem ganzen Jahr Kaffee verbraucht!- durch Verbrennen oder Versenken ins Meer vernichtet worden. In Australien wurden 800 000 Schafe getötet und ohne das Fleisch und die Wolle zu verwerten verscharrt. In der Bre= tagne warfen die Fischer rund 500 000 Heringe, dem Gewicht nach geschäßt, wieder ins Meer zurück. In Merito hat die Regierung Militär und Polizei aufbieten müssen, um Riesenmengen von Bananen, die in den Lagerhäusern verfaulten, rasch zu vernichten. In Uruguay, einem Land von kaum zwei Millionen Einwohnern, gibt es Rinderbestände in der Höhe von rund zehn Millionen und doppelt so viele Schafe. Auf den Kopf berechnet Säuglinge und Greise mit eingerechnet- kämen also fünf Rinder und zehn Schafe auf je einen Bürger Uruguays. In Wahrheit ist das Elend dort ungeheuer und bei zehntausenden Menschen reicht es nicht zum trockenen Brot. Nordischer Geist Die Wahrheit auf schwedisch Bei einer großen sozialistischen Jugendkundgebung in Lund in Schweden am 10. Juli sprach der schwedische Minister für soziale Fürsorge Gustav Möller, kräftige Worte über die Rassentheorie der deutschen Nazis. Er sagte unter anderem: Wenn das nationalsozialistische Deutschland an die waschechten nordischen Instinkte appelliert, dann ist sein gegenwärtiges System seine eigene Verurteilung. Sier in den nordischen Ländern wahren wir eifersüchtig die alten nordischen Volksfreiheiten. Die angeblichen Vertreter der nordischen Rasse, deren erste Tat darin besteht, die Freiheit des Volkes mit Füßen zu treten, sind nicht unsere Blutsverwandten. Wenn sie es für nötig erachten, daß reinrassige nordische Menschen Deutschland regieren, dann müßten sie sich sie von uns holen, aber sie werden bei uns keine Leute finden, die die Völker unterdrücken wollen. Es ist ein charakteristisches Zeichen der Zeit, daß die Völker Standinaviens jene sind, die von Sozialdemo= fraten regiert werden in den Augen der Nationalsozialisten die schlimmste Plage nach den Juden. Die Völker der Nordländer haben die Sozialdemokraten ans Ruder gebracht, um das Werk zu vollenden und die Demokratie und die Freiheiten des Voltes in diesen Ländern zu sichern." Das Neueste Reichstagsbrandakten Der„ Verteidiger" bekommt sie Nach einer Wolff- Notiz soll die Anklageschrift und die Atten über den Reichstagsbrand dem Verteidiger zus gestellt worden sein... Und das ist der Gegenprozeß Paris, 2. Auguft. Der Untersuchungsausschuß zur Aufflärung des Reichstagsbrandes wird die öffentliche Tagung seiner juristischen Kommission Anfang September stattfinden laffen. Der Schweizer Jurist und Nationalrat Johannes Huber, St. Gallen, wird an den Arbeiten des Untersuchungsausschusses teilnehmen. Die Vers handlungen über den Tagungsort des„ Gegenprozesses" stehen vor dem Abschluß. Eine 41föpfige Verbrecherbande ist in Köln dingfest ge= macht worden. Außer vier Einbruchsdiebstählen werden ihnen Von einem führenden sozialistischen Funktionär, der heute noch aktiv im Rheinland tätig ist, wird uns berichtet: Parallel mit der Ernennung des Großkapitalisten Thyssen zum Wirtschaftsdiktator für das rheinisch- westfälische Industriegebiet geht eine neue verschärfte Terrorwelle gegen die Arbeiterschaft. Es scheint, als ob die mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Dinge unzufriedene SA. mit dieser neuen Terroraktion gegen Proletarier beschäftigt und abgelenkt werden soll. Das, was wir hier jezt an Terror im industriellen Westen erleben, übertrifft alle Erlebnisse der vergangenen Monate. Es ist ganz unmöglich, alle Schandtaten und Morde zu registrieren. Täglich werden Proleten mit Spuren grausamſter Mißhandlungen und ausgefugelten Gliedern tot aufgefunden. In Düsseldorf hat man in der letzten Woche zweimal zu Tode geprügelte Proleten zu viert zusammengebunden aus dem Rhein gezogen. Die Zeitungen haben strikte Anweisungen, über aufgefundene Tote nicht zu berichten. Auch Todesanzeigen der Ermordeten dürfen sie nicht mehr aufnehmen. In einer der vielen Verordnungen nationalen Kampfringe und des Bismard: Bundes sowie die beschlagnahmten Uniformstücke und Waffen zugunsten des preußischen Staates eingezogen werden. Achtung! Verlangen Sie bei Ihrem Buchhändler die jeden Freitag erscheinende an allen Kiosken und Bahnhöfen des deutschs sprachigen Europas erhältliche hochaktuelle Wochenschrift, die Allgemeine wird hier bestimmt, daß bei der Beerdigung dieser Er mordeten nicht mehr als drei Angehörige teilnehmen dürfen. Jede Nacht werden Proleten aus den Betten geholt, in Folterkeller geschleppt und dort grausam mißhandelt. In Düsseldorf gibt es drei solcher Folterkeller. Der größte ist auf der Bismardstraße im Getreidehaus. Die Opfer werden oft acht Tage dort behalten und täglich in unbeschreiblicher Weise geschlagen und mißhandelt. Einem unserer Funktionäre haben sie den Geschlechtsteil braun und blau geschlagen. Die Geschlagenen müssen bei der Entlassung schriftlich erklären, daß sie nicht mißhandelt wurden. Ihnen wird verboten, einen Arzt in Anspruch zu nehmen und sie werden verpflichtet, über ihre Erlebnisse vollkommenes Stillschweigen zu bewahren. Sie müssen im Gegenteil überall erzählen, daß sie gut behandelt wurden und daß all die Greuelmeldungen über die Behandlung in den Folterkellern nicht wahr seien. Mit dieser Verpflichtung wird die Drohung verbunden, daß jeder, der nur das geringste von seinen wirklichen Erlebnissen verlauten läßt, sofort wieder geholt wird. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz; Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrüden. Drud und Verlag: Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. § Gerichts- Chronik B Anstiftung zum Mord, Eidesverlegung, Anstiftung zum Verlag: Saarbrücken 3, Johannisstraße 10 Telefon Nr. 23346 Meineid, Brandstiftungen aller Art und Sachbeschädigungen mit Versicherungsbetrug zur Last gelegt. Im„ Reichsanzeiger" ist eine Verfügung vom 29. Juli erlassen worden, wodurch das Vermögen der deutsch: .