Honela Fretheil Nummer 40-1. Jahrgang Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Saarbrücken, Samstag, den 5. August 1933 Chefredakteur: M. Braun An unsere Leser! 152n Die NSDAP, Deutschlands hat einen Abwehrdienst gegen die„ Deutsche Freiheit" organisiert. Im Saargebiet, im Elsaß, in Luxemburg und in der Schweiz ist festgestellt, daß bezahlte Agenten Zweifel über die Richtigkeit unserer Berichterstattung auszustreuen versuchen. Mag die Reichsregierung doch endlich auch nur einen unserer Berichte widerlegen. Sie wird sich hüten. Wir dienen der Wahrheit und überlassen den braunen Mördern die Lüge. Reichstagsbrandstifter überführt Die geheime Denkschrift des deutschnationalen Abgeordneten Oberfohren ist echt gegenüber, die keinen deutschen Maulkorb trägt, ist man kleinlant und bänglich. So ist das dritte Reich"! Von rücksichtsloser Brutalität Alle Welt glaubt, daß das deutsche Reichstagsgcbäude nicht von den Kommunisten, sondern von Nationalsozialisten, und zwar auf Befehl von führenden Nationalsozialisten, wie Göring, in Brand gesteckt worden ist. Beweise haben naturgemäß nur wenige Menschen. Einer der Wissenden war der frühere Fraktionsführer der Deutschnationalen im Reichstage Dr. Oberfohren. Er hat vor einigen nach innen, demütig und heuchelnd nach außen.ffec Monaten in einer Denkschrift das Beweismaterial für die Brandstifterrolle der nationalsozialistischen Minister zusammengetragen, und zwar führte er den Beweis lückenlos. Es ist bezweifelt worden, daß Oberfohren wirklich der Verfasser dieser Denkschrift ift. Nun veröffentlicht das angesehene englische Blatt Manchester Guardian" einen Aufsatz, der die Echtheit der Oberfohrenschen Denkschrift nachweist. Oberfohren hat seine Arbeit mit dem Tode besiegelt. Die Wahrheit wird ihn überleben. Die berühmte Denkschrift über den Reichstagsbrand Manchester Guardian" vom 2. August 1983 schreibt: Jetzt ist es möglich, die Tatsache zu enthüllen, daß die beutschnationale Denkschrift über den Reichstagsbrand( deren Inhalt wir als erste im„ Manchester Guardian" vom 27. April in die Oeffentlichkeit brachten) auf Weifung des Dr. Oberfohren, des Leiters der deutschnationalen Reichstagsfrattion, verfaßt worden ist. Solange Dr. Ober: fahren lebte, mußte sein Anteil an der Denkschrift geheimgehalten werden. Aber seit seinem Tode besteht kein Grund mehr, das Geheimnis zu wahren. Es war sein Wunsch, daß die Dentschrift veröffentlicht werden follte, denn er war ein Mann von hohen Grundsägen und er mißbilligte scharf die von der Hitlerdiktatur angewandten Methoden. Er betrachtete den Reichstagsbrand und das Einverständnis der nationalsozialistischen Führer Göring und Göbbels( das in der Denkschrift nachgewiesen wird) als einen unverzeihlichen Frevel, und er war der Ansicht, daß dieses Verbrechen angeprangert werden müßte. Dr. Oberfohrens eigne Abschrift des Memorandums wurde in der Folge durch SA.- Leute gefunden, die sein Haus durch: fuchten. Nachdem diese seine Verantwortung für das Schrift: Stück festgestellt hatten, teilten sie ihm mit, daß er die Konse quenzen zu tragen haben würde. Dann verließen sie sein Haus. Als sie zurückkehrten, hatte er Selbstmord begangen. In feinem Punkte ist die Hitlerregierung so empfindlich, wie in der Angelegenheit des Reichstagsbrandes, und jeder, der sich damit befaßt, ihre Schuld darzulegen, wird mit uns versöhnlichem Haß verfolgt. Dr. Oberfohren, der in enger Verbindung mit dem Kabinett stand( in dem seine Partei vertreten war), war über alle Borgänge gut unterrichtet. Die Denkschrift beschreibt z. B. eine Rabis nettsigung, in der die deutschnationalen Minister den nationalsozialistischen Ministern Vorwürfe machten, weil sie ein Verbrechen wie die Brandstiftung begangen und Deutschland in den Augen der ganzen Welt in Verrufgebracht hätten. Wenn auch gewisse Einzelheiten geheimnisvoll bleiben 3. B. die Rolle, die der Agent der Nazis, van der Lubbe. spielte, so ist doch die Mitwirkung der Hitler: regierung an der Anzündung ihres eigenen Parlamentsgebäudes als eine bewiesene Tatsache zu nehmen. Der Prozeß gegen die Reichstagsbrandstifter, der nach offiziellen Meldungen in der ersten Hälfte des September stattfinden soll, wird in aller Welt mit der größten Spannung erwartet. Aber niemand außerhalb Deutschlands wartet etwa auf die Lösung der Schuldfrage, denn jeder: mann glaubt, die wahren Schuldigen in den natio:. nalsozialistischen Ministern Göring und Göbbels be: reits zu kennen. Das große Interesse ist vielmehr verursacht durch die Besorgnis, die Hitlerregierung werde ihr erstes Verbrechen, die Brandstiftung, durch ein anderes, noch größeres, zu verdecken suchen, nämlich durch die Verurteilung oder Beseitigung der unschuldig Angeklagten. Die angesehente liberale Zeitung Englands, der„ Man chester Guardian", der sich um die Aufklärung der Zus sammenhänge um den Reichstagsbrand bereits große Ver: dienste erworben hat, bezweifelte in einem vor wenigen Tagen erschienenen Artikel sehr, daß der Prozeß gegen die Brandstifter jemals stattfinden würde, und er stellte die Frage, wie die Reichsregierung sich der Häft: linge entledigen könne. Es gäbe sechs Möglichkeiten, meinte er: 1. Entweder werden ein oder mehrere Häftlinge aufgehängt in ihrer Zelle gefunden, 2. oder es werden einer oder mehrere der Häftlinge im Berlaufe eines Flachtversuches niedergemacht, 3. oder die Behörden stiften einen Lynchversuch an, bei dem einer oder mehrere der Häftlinge von der Masse, die , in verständlicher Weise" erregt sein wird, getötet werden, 4. oder es gibt einen Terroristen- Prozeß nach russischem Muster, und die Gefangenen werden dazu gebracht, eine angebliche Schuld einzugestehen, 5. oder der Prozeß wird hinter verschlossenen Türen ges führt, um dem Mangel an Beweisen abzuhelfen, 6. oder der Prozeß wird auf unbestimmte Zeit vertagt. Eine solche Aeußerung eines maßgebenden englischen Blattes zeigt, wie ernsthaft die Befürchtungen find, die Reichsregierung tönne fich durch eine neue Gewalttat aus der unangenehmen Lage befreien, in die sie der Prozeß gegen die angeblichen Brandstifter bringt. Indem der„ Manchester Guardian" die Möglichkeit erörtert, sucht er der Reichsregierung die Anwendung von Gewaltmitteln unmög= Reichsregierung die Anwendung von Gewaltmitteln unmög lich zu machen. Das ist ein verdienstvolles Bemühen, das kräftige Unterstützung verdient. Der Reichstagsbrand ist das Symbol Hitler: Deutschlands. Die ganze Welt ist der An= sicht, mit diesem Verbrechen habe das dritte Reich" fein Dasein begründet. Selbst die offiziösen Blätter des Auslandes, z. B." Le Temps", schenen sich nicht, dies als eine bewiesene Tatsache hinzustellen. Erst vor wenigen Tagen hat eine große illus strierte Zeitung Frankreichs,„ Vu", die Denkschrift Dr. Oberfohrens im vollen Wortlaut veröffentlicht. Wer sie liest. tann an ihrer Echtheit nicht zweifeln, denn die Darstellung ist so folgerichtig und wird von so vielen Tatsachen unter: stützt, daß sie auch ohne die unzweifelhafte Autorität des „ Manchester Guardian" Anerkennung finden muß. Alle die Eigenschaften, die sie zu einer so überzeugenden Anklage machen, fehlen aber den deutschen amtlichen Veröffent lichungen zum Reichstagsbrand; sie sind verworren, verlegen und widerspruchs= voll. In der Reichsregierung fitzt ein Propagandaminister, der federgewandte Dr. Göbbels. Er kommandiert die ganze deutsche Presse. Wenn einmal in einem ausländischen Blatt was äußerst selten vorkommt eine günstigere Aeußerung über Hitler steht, dann muß diese auf seinen Befehl von allen Zeitungen in großer Aufmachung nachgedruct werden. Dann heißt es in dem amtlich eingeblasenen Koms mentar:„ Auch das Ausland beginnt allmählich die unermeß: liche Größe des„ Führers" zu ahnen." Solche Propaganda ist aber Stümperarbeit, weil sie dem deutschen Volte nichts nügt, sondern es nur benebelt. Wieviel mehr würde Dr. Göbbels für die Nation leisten, wenn er z. B. der Weltmeis nung entgegenträte, daß die Hitler: Dittas tur aufeinem ungeheuren Verbrechen, näm lich dem Reichstagsbrand beruht.. Er hat nichts getan, um die moralische Blockade, unter der Deutschland seit dem 5. März leidet, zu sprengen. Die Deutschen im Ausland werden verfemt, deutsche Erzeugnisse boykottiert. Dr. Göbbels redet, schreibt, komman diert und schikaniert im deutschen Vaterland und scheint nicht an bemerken, daß die Regierung, der er angehört, von der Welt wie eine Gesellschaft von unqualifizier: baren Menschen behandelt wird. Die bequeme Ausrede, es handele sich nur um Grenellügen, mag die Dümmsten unter den deutschen Volksgenossen beruhigen; das Ausland aber sagt: Wer zu solchen Vorwürfen und Be: leidigungen schweigt, beweist, daß er schuldig ist. Der ganze mächtige Propagandapparat der Reichsregie: rung ist also völlig unnüß, wenn es sich um die nationale Geltung in der Welt handelt, er dient lediglich dazu, das eigene Bolt zu betören und aufzuheßen. Diese Aufgabe wird um so leichter gelöst, als sich keine Stimme des Widerspruchs bemerkbar machen darf. Der ausländischen Presse Reichstagsbrandkommission" Richter und Sachverständige in Verlegenheit Von besonderer Seite wird uns aus Deutschland geschrieben: Der Prozeß gegen die sogenannten Reichstagsbrandstifter soll nun in einigen Monaten stattfinden. Trotz der angekündigten Anklageschrift fehlt es aber immer noch an überzeugendem Material. Seit fünf Monaten besteht eine Reichstagsbrand kommission", zusammengesezt aus den hervorragendsten deutschen Kriminalisten und Sachver ständigen, soweit sie noch nicht durch den Arm des„ rasenden Ministers" aus Amt und Würden gestoßen worden sind, ausgestattet mit geradezu unheimlichen Vollmachten. Diese Kommission, der alle wissenschaftlichen und technischen Hilfsmittel einer modernen Polizei, der alle Beamten und Bes hörden des Staates zur Verfügung stehen, hat nur die eine Aufgabe, die bereits festgenommenen angeblichen Täter zu überführen. Welche Riesenarbeit kann von einem solchen Beamtenstabe in fünf Monaten in einer einzigen Strafsache geleistet werden! Trotzdem befindet sich die Reichstagsbrandfommission in großer Verlegenheit. Die Strafsache gegen, Torgler und Genossen wird nicht spruchreif. Der Untersuchungsrichter des Reichsgerichts. Herr Reichsgerichtsrat Vogt, hat als richterliches Mitglied der Reichstagsbrand-, kommission, dem die Zusammenstellung und Auswertung des beigebrachten Beweismaterials obliegt, ein gleichlautendes Schreiben an alle Polizeipräsidenten, Landes- Kriminal- und Staatspolizei- Stellen gerichtet und ersucht darin beschleunigte Mitteilung: 1. über alle Tatsachen, durch die eine direkte Beteiligung der APD. oder einzelner kommunistischer Persönlich keiten an der Brandlegung im Reichstagsgebäude bes wiesen werden kann, 2. Umsturzpläne der KPD., insbesondere Material, das seit Herbst 1932 aufgefunden worden ist. Bildung von Terrorgruppen usw. 3. Waffenbeschaffung durch die KPD., Sprengstoffdiebs stähle, Waffenfunde und Beschlagnahmen von Spreng stoffen, Handgranaten usw. 4. Ueberfälle auf Angehörige der nationalen Verbände seit Herbst 1932. In allen Fällen ist anzugeben, wohin die entstandenen Vermögen abgegeben sind( Aktenzeichen), ob Verurteis lung erfolgt ist oder ob das Verfahren noch schwebt. Es folgt dann noch zu 2. eine Aufzählung von angeblichen Geständnisse verhafteter Personen über konkrete Aufstandsabsichten der KPD., allerdings unter Verschweigung der Namen der Geständigen und der Orte und Behörden, in und vor denen diese Angaben gemacht worden sind. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, auf wie schwachen Füßen die ganze Anschuldigung gegen Torgler und seine angeblichen Mittäter steht, dann ist er durch dieses Rundschreiben des Reichsgerichtsrats Vogt erbracht. Das Lügengebäude der Anklage droht zusammenzubrechen. Der beabsichtigte Monstre- Prozeß wächst sich zu einer Riesensorge für die sauberen Konstrukteure des Justizmordplanes aus. Deswegen sucht Herr Vogt Beweismaterial. Er wird kaum etwas finden. Aber nehmen wir einmal an oder um uns juristisch auszudrücken unterstellen wir als wahr, daß in Konstanz SA.- Leute von Kommunisten angegriffen und in Königsberg Waffen gefunden worden sind, was hat das mit dem Reichstagsbrande, mit der Straffache Torgler und Genossen zu tun? Herr Vogt braucht sich aber nicht beunruhigen. Das GeHeime Staatspolizeiamt hat sein Grsuchen nochmals allen nachgeordneten Stellen nachdrücklichst in Erinnerung gebracht, und es dürfte nicht daran zu zweifeln sein, daß die GSP. die noch fehlenden Beweise" beibringen wird. 500! Gefängnisurteile gegen Ungläubige Eine sorgfältige Statistik verzeichnet das 500, Gefängniss urteil wegen der Behauptung, der Reichstag sei nicht von Kommunisten angezündet worden. Unser Fränzchen Wird ihm der Berliner Boden zu heiß? Paris, 3. Aug.( Jupreß.) Durch eine Indiskretion der Deutsch- französische Zuspitzung „ Deutschen Allgemeinen Zeitung" ist bekannt geworden, daß Kammer- Debatte- Auch der Völkerbundsrat soll Sitzung planen die von Paris aus verbreitete Meldung, der Vizekanzler von Papen habe Ende Juli Paris in einer„ belitaten" Mission aufsuchen wollen, den Tatsachen durchaus entsprochen hat. Die " DAZ." hat angedeutet, Herr von Papen habe diese seine Abficht teineswegs aufgegeben. Wie wir erfahren, hatte Papens Reiseplan das Ziel, für den jetzt offiziös angekündigten deutschen Diplomatenschab insofern Vorkehrungen zu treffen, als Herr von Papen, deffen Vizekanzlertätigkeit demnächst ein Ende finden dürfte, ganz besondere diplomatische Fähigkeiten beweisen wollte. Der deutsche Vizekanzler wollte den Versuch unternehmen, die französische Diplomatie für sich einzunehmen und soll sogar vorgefühlt haben, um die maßgebenden Persönlichkeiten zu veranlassen, anläßlich der bevorstehenden Abberufung des deutschen Botschafters aus Paris bei der deutschen Regierung den Wunsch zu äußern, Papen an Stelle von Köster zum deutschen Botschafter in Paris zu machen. Der Plan dürfte nach jeder Richtung von vornherein als abwegig zu betrachten sein. Prominenter Zuwachs Im Konzentrationslager Baron von Reibniz, früher sozialdemokratischer Ministerpräsident von Medlenburg, wurde in ein Konzentra: tionslager gebracht. Der Leipziger Universitätsprofessor Dr. Gerhard Keßler, wurde in ein Konzentrationslager gebracht, weil er, übrigens lange vor der Machtergreifung Hitlers, als Nationalökonom das Wirtschaftsprogramm des Nationalsozialismus kritisiert hatte. Reßler, ein Schüler des berühmten Nationalökonomen Karl Bucher, war der bedeutendste unter den jungen deutschen Volkswirtschaftslehrern. Als aufrechter Demokrat ließ er sich nicht, wie viele andere, unter das braune Joch zwingen. Jezt wird Rache an ihm vollzogen... ,, Die Reihen fest geschlossen" Austritt aus der SA. wird mit Konzentrationslager bestraft Berlin, 3. August.( Inpreß.) Ein Befehl der obersten SA.Leitung verpflichtet alle SA.- Führer, SA.- Leute, die auch nur den Wunsch äußern, aus der SA. auszutreten, sofort der Geheimen Staatspolizei zu melden. Diese Leute sollen sofort verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht werden, Wir haben kein Programm Heidelberg, 8. Aug.( Inpreß). Im Institut für ZeitungsHitler- Deutschland kommt immer stärker in Bedrängnis. Die Entführung zweier französischer Staats: bürger aus dem Saargebiet hat, wie wir schon berichteten, zu einer offiziellen Note an die Reichsregierung geführt. Das gleiche ist durch den Präsidenten nog geschehen. Sollte die deutsche Regierung die verschleppten von seiten der Regierungskommission des Saargebietes Personen nicht unverzüglich freilassen und sie ins Saargebiet zurückbefördern lassen, wird sich, wie die Blätter meinen, die sofortige Einberufung des Völkerbunds rates zu einer außerordentlichen Session nicht vermeiden lassen. Es steht jedem Natsmitgliede frei, die Einberufung des Conseils zu einer außerordentlichen Sizung zu verlangen. Die„ Ere nouvelle" hat zu dieser Frage folgenden Kommentar veröffentlicht:" Gestern haben wir erfahren, daß die Berliner Regierung auf die Note der Saarregierung wegen der Entführung von zwei Franzosen und einem Saarländer mit einer einfachen Empfangsbestätigung geantwortet hat. Welch ein Hochmut und welch eine Anmaßung in diesem Empfangsschreiben! Aber es kommt noch besser. Gestern hat man wieder in Trier und in Zweibrüden zwei Saarländer verhaftet. Das ist in Wirklichkeit die eigent liche Antwort sitlers auf die Protefte der Repräsens tanten des Völkerbundes, der Berteidiger der Menschheitsrechte und des Völkerrechts." finden uns heute vor einer ernsten internationalen Lage, vor Der„ Quotidien" schrieb zur gleichen Frage:„ Wir be gefährlichen Problemen, die nicht durch Schweigen und offizielle Nichtbeachtung gelöst werden tönnen. Wir dürfen Hitler und Göring nicht ohne zu bremsen, ben Abhang hinuntergaloppieren lassen, an deffen Fuße... Durch unsere Klugheit, durch unsere Vernunft und auch durch unsere Festigkeit müssen wir uns einen Krieg er: sparen." Hitlerpresse für Menschenraub Man schreibt uns: Was sich die von Hitler ausgehaltene Presse an der Saar herausnehmen darf, beweist eine Ueberschrift in der" Saarbrücker Zeitung". Ueber der Havasmeldung, daß Frankreichs Botschafter bei der Regierung in Berlin eine Protestnote wegen der Entführung fran= zösischer Staatsangehöriger eingereicht hat, steht dick und fett Frankreich mischt sich in Saarangelegenheiten". Demnach scheint das Hitler- Blatt anzunehmen, daß Frankreich seine Staatsbürger schutzlos irgendwelchen Hitler- Banditen preisgeben soll. Nehmen wir einmal folgenden Fall an: eine Schar von französischen Kommunisten dränge in die Pfalz ein, schleppte einige Reichsdeutsche über die Grenze und die französische Regierung ließe sich 10 Tage Zeit, bis sie auf den Zwischenfall überhaupt nur reagierte. Auch dann nur mit dem fühlen Hinweis, daß sie Erhebungen anzustellen beabsichtige. Wie würde dann die Hitler- Presse toben! Grenzzwischenfälle sind, solange nun einmal Grenzen bestehen- und die Hitler- Presse will doch die Grenzmauern noch höher haben als bisher stets eine heifle Angelegenheit gewesen. Darum muß jeder, der hüben und drüben dem Frieden dienen will, die Grenzen achten. Die Hitler- Prense im Saargebiet reizt aber zu Grenzverlegungen, und zwar nicht erst jebt, geradezu auf, indem sie Straflosigkeit für diejenigen verlangt, die ihren polis tischen Fanatismus an Leib und Leben ihrer Gegner auslassen. Eine holländische Stimme " Het Volk", die sozialistisch- holländische Zeitung, äußert sich wenig schmeichelhaft über die Schwäche, die man an gesichts der Entführung von zwei Franzosen gegenüber Hitler- Deutschland beweist. Es schreibt: Wenn dergleichen auf dem Balfan passiert, beteuert die Regierung, deren Untertanen die Banditen sind, ihre unbedingte Unschuld und ihr lebhaftes Bedauern. Sie ver spricht die sofortige Befreiung der entführten Personen und gleichzeitig die Bestrafung der Banditen. Allerdings hängt die Erfüllung der Versprechungen von der Autorität der Regierung gegenüber den Banditen, aber auch von dem Ansehen und der Autorität ab, welche die herausgeforderte Partei besitzt. Die beleidigte Regierung ist in diesem Fall nicht allein die Regierungskommission des Saargebietes, sondern auch die französische Regierung und schließlich der Völkerbund. Die französische Regierung, die unter Daladier und Paul- Boncour eine friedliche Haltung behauptet, zeigt eine vorsichtige und würdige Zurückhaltung. Man fragt sich, welche Sprache Hitler, Göring und die gleichgeschaltete deutsche Presse geführt haben würden, wenn deutsche Staatsangehörige auf deutschem Boden von Franzosen entführt und in Frankreich gefangen gesetzt worden wären! od sid Belagerungszustand in Straßburg wissenschaft sprach der badische Pressechef Moraller über Schwere Zusammenstöße- Barrikaden wurden gebaut Staat, Propaganda und Presse. Aus seinen Ausführungen ist der Satz bemerkenswert:„ Sie erinnern sich, daß man uns Nationalsozialisten vorwarf, wir hätten kein Programm. Nun, im Sinne unserer Kritiker hatten wir auch keines, denn das Leben läßt sich nicht in Programme pressen." Es läßt sich nur in Konzentrationslager pressen. „ Horst- WesselNationaldenkmal" Zwangsspenden und Fronarbeit Einer Mitteilung des Leiters des Freiwilligen Arbeitsdienstes für Niedersachsen zufolge sind für den Bau des geplanten Horst- Wessel- Nationaldenkmals im Süntel 60 000 Tagewerke des Freiwilligen Arbeitsdienstes bewilligt wor den. Der Auftrag zum Beginn der Bauarbeit ist bereits erteilt, mit den Vermessungen wird sofort begonnen. Der Denkmalsausschuß fordert schon jetzt alle Volfsgenossen auf, durch Spenden zu dem großen Wert beizutragen. „ Die Fahnen hoch" Nazibonze brennt mit der Kasse durch Der frühere Fremdenlegionär Michels war der Kassierer der Ortsgruppe Geldern. Er hat jetzt die Kasse um den Betrag von 4000 Mart bestohlen und sich selber dünne gemacht. Aus der separaten SA- kasse hat er noch 600 Mark und einem SA.- Mann den Sonntagsanzug mitgenommen. Die Behörden haben für bie Festnahme des feinen Mannes eine Straßburg, 4. August 1938.( Eig. Drahtb.) Während man in den Vormittagsstunden des Donnerstag noch vielfach vermutete, daß auf Grund der Intervention des Arbeitsministeriums der Straßburger Generalftreit in März beendet sein würde, hat sich die Lage im Laufe des geftrigen Nachmittags sehr erheblich verschärft. Es tam zu solch schweren Unruhen und Zusammenstößen, daß am heutigen Morgen der Belagerungszustand verhängt worden ist. Niemand darf stehen bleiben. Durch die Straßen patrouilliert andauernd Polizei und Militär. Die ganze Stadt ist in unbeschreiblicher Aufregung. Die Zuspigung begann damit, daß sich im Solidaritätsstreit mehr und mehr Arbeiter anderer Industriezweige anschlossen. Die Zahl der Streifenden stieg schließlich auf etwa 20 000. In den Nachmittagsstunden begannen die Unruhen. Aus ver schiedenen Lokalen heraus wurden Gendarmen mit Gläser beworfen und auch beschossen. Daraufhin ging die Polizei überall mit großer Schärfe vor. Es kam zu Straßenschlachten, die sich noch steigerten, als in den zwischen dem Gutenbergplag und dem Corbeauplatz gelegenen Stadtteil regelrechte Barrikaden gebaut wurden. Verlegungen, auch von Polizeibeamten, erfolgten in zahlreichen Fällen, ebenso wurden Dugende von Verhaf: tungen vorgenommen. Schließlich wurde während der Nacht auch noch Militär zum Abräumen der Barrikaden eins gefest Die Schuld an dieser Zuspigung wird, abgesehen von dem überaus schroffen Vorgehen der Polizei, hauptsächlich wilden Elementen zugeschrieben, die die Situation in Straßburg zu besonderen Demonstrationen ausnutzen wollten. Sicherlich find auch kommunistische Einflüsse am Werke. Leider sind nur etwa 10 Prozent der am Streit Beteiligten organisiert, so daß sie Mahnungen der Gewerkschaften, Ruhe und Besonnenheit zu bewahren, nicht den gewünschten Erfolg erreichen konnten. Ein Ende des Streifs ist im Augenblick noch nicht abzus sehen. Im Einvernehmen mit dem Arbeitsministerium ers flärte der Präfekt, daß er jede Vermittlung ablehne, solange nicht wenigstens in den städtischen Betrieben die Arbeit wieder aufgenommen werde. Stuttgarter und Saarbrücker verhaftet? Paris, 4. Aug. Einem hiesigen Blatte wird gemeldet, daß hente früh gegen 3 Uhr weitere Verhaftungen in Straßburg vorgenommen wurden; unter den Verhafteten sollen fich viele Deutsche aus Stuttgart und Saarbrücken bes finden, die mit Dolchen und Totschlägern ausgerüstet gewesen seien, Tiger und Schlange" Belohnung von 2000 Mart ausgesetzt. A.- Leute erklären, Ein Kampf auf Leben und Tod daß die Behörden auf die Festnahme des Mannes wert legen, weniger wegen des gestohlenen Geldes usw. und daß die Belohnung so unverhältnismäßig hoch angesetzt wurde wegen dieser Straftaten, als um der Erlangung wichtiger Pläne, u. a. auch über die„ Ertüchtigung" der deutschen Jugend.. In Nijmegen( Holland) haben drei SA.- Leute holländischen Arbeitern die Fahrräder gestohlen. Sie wurden festgenom men und in das Gefängnis eingeliefert. Allzu öffentlich Ein sittlicher Erneuerer Bei der Hauer- Kirmes in Cleve amüsierte sich der Sturmführer in sehr eindeutiger, dem sittlichen Programm der Nazis widersprechender Weise mit der Frau des kommissa= rischen Polizeiinspektors Neumeier. Nicht etwa im verborgenen Winkel, sondern so, daß wie vorgeschrieben Anstoß genommen werden mußte. Man zog ihm, so heißt es, auf der Stelle die Uniform aus. Segelflugweltrekord Brandenburg( Oftpr.), 4. Aug. Seit Donnerstag 7.25 Uhr befindet sich der Königsberger Student der Philologie Schmidt vom Korschenruher Segelfliegerlager aus mit seinem Segelflugzeug Lürzer, Typ Grunau Baby, in der Luft. Heute um 2 Uhr hatte er damit den deutschen und gegen 7 Uhr den Weltsegelflugreford gebrochen. Man hofft, daß Schmidt bei meiterem guten Winde bis etwa gegen Mittag in der Luft bleiben wird. Der bisherige Weltrekord betrug etwa 22 Stunden. Der Flieger ist wohlauf. Der„ Daily Herald" meldet, daß zwischen Göring u Göbbels ein Kampf auf Leben und Tod entbrannt sei, ob= wohl der„ Führer" sich um die Versöhnung der beiden bemüht. In Berliner diplomatischen Kreisen spricht man von diesem Streit als von einem Kampf zwischen Tiger und Schlange. Bis zu dem Tage, an dem Göring fich in brutaler Weise den Posten des Ministerpräsidenten in Preußen sicherte, den Posten des Ministerpräsidenten in Preußen sicherte, hatte man Göbbels immer als den unzweifelhaften Nachfolger Hitlers betrachtet. Jezt ist es Göring, von dem die nationalsozia: listischen Radikalen sprechen, wenn sie an die Zu funft denken. Das erste Zeichen der offenen Feindseligkeiten trat in der letzten Woche in Erscheinung, als Frau Göbbels auf ihre Rolle als Diktatorin der Mode verzichtete. Ihre Erfolglosigkeit und ihre Unfähigkeit, auch nur das geringste Ergebnis zu erzielen, brachten Göring in Wut, and Frau Göbbels zog es vor, auf ihr Amt zu verzichten, als einen aussichtslosen Kampf zu führen. Das Neueste Das Demonstrierende Kommunisten zertrümmerten in Prag eine Fensterscheibe der deutschen Gesandtschaft. Drei Personen wurden verhaftet. Jufolge einer ungeheuren Ueberschwemmung sind brez Brücken des Cherry- Fluffes in Colorado eingestürzt. zwischen Göring und Göbbels Die Göring- Klausel Sicherung gegen den preußischen Autokraten Berlin, 3. Aug.( Inpreß.) Die Aenderung der Geschäftsordnung des Reichskabinetts, die dem Reichskabinett alle Vollmachten überträgt und den Reichstag grundsäßlich ausschaltet, enthält nebenbei eine Klausel, die als direkte Klausel gegen Göring gedeutet wird. Das ist die Bestimmung,„ daß alle Mitteilungen, die von einem Kabinettsmitglied dem Vertreter einer Zeitung in Form eines Interviews gemacht werden, allgemein immer über die Presseabteilung des Reiches geleitet werden .müssen". Die Presseabteilung, das ist Göbbels, und selbst fachliche Mitteilungen müssen in Abschrift der Presseabteilung zugeleitet werden. Görings berühmte aus der Pistole geschossene Konferenz, die eine Reihe von Gesetzen improvi sierte, hat der Hitlerregierung den Anlaß gegeben, zwar vorsichtig, aber eindeutig zu Sicherungsmaßnahmen gegen die Uebermacht des preußischen Autokraten Göring au greifen. In Göteborg wurden drei Kommunisten verhaftet, die unter der Besagung des hier liegenden deutschen Liniens schiffes„ Schleswig- Holstein" Flugblätter verteilen wollten. Der dritte Stratosphären- Ballon- Aufstieg soll nunmehr, wie aus Brüssel gemeldet wird, bei günstiger Witterung nächste Woche stattfinden. Der riesige Ballon befindet sich unter Bewachung von Luftfahrtruppen, die auch die Ausrüstung des Ballons besorgten, 34 Jahre Zuchthaus Wirtshausstreit mit Schlägerei, die einem SÄ.» Mann das Leben kostete I» dem Prozeß um die Tötung des SA-Mannes Erich T a g a s s e r, der am 28. Dezember in dem kommunistischen Berkchrslokal in der Havelbcrger Straße erstochen wurde, sollte das Berliner Schwurgericht nach dreitägiger Verhandlung das Urteil. Wegen Totschlags in Tateinheit mit Raushandel wurde der 28jährige Chausseur Willy Brychcy zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt? der 21jährige Arbeiter Georg W i l t e r zu 8 V» Jahren Zuchthaus und S Jahren Ehrverlust? der 25jährige Dreher Fritz Schröder zu 8 Jahre» 9 Monate Zuchthaus und 18 Jahren Ehrverlust, der 22jährige Arbeiter Alexander Geisler zu 7 Jahren 1 Monate Zuchthaus und 6 Jahren Ehr, verlast. Der Borsttzende wies daraus hin, äußerlich seie» die An- greiser junge deutsche Menschen gewesen, aber verhetzt durch eine internationale raffefremde Meute von Intellektuellen, denen alles fremd und verhaßt war, was deutsch ist. ..Im KirmcssDii" Die nachsichtige Geheimpolizei Der Dberlandjägermeister Gerlach und der Landjäger- «eister Römming in Weiden bei Kürten wurden in der Nacht vom 81. Juli zum 1. August von einem SS.-Manu angeschossen. Der Täter, der in voller Uniform war, stammt aus Wermels» kirchen und heißt Otto Klus. Er feuerte in voller Trünke», heit und aus allernächster Entfernung aus die genannten Beamten mehrere Schüsse ab, die zum Glück fehl gingen. Die Geheime Staatspolizei Köln, mit der Untersuchung be, auftragt, hat diese sinnlose Tat als»im Kirmessuff be- gangenen Scherz" bezeichnet! Was wäre mit diesem Trunken- bold geschehen, wenn er nur im leisesten Verdacht, Marxist zu sein, gestanden hätte?. Wie sie hämmern! .Gespenst der Zelt" Der„Marxismus" Ein verständnisvolles Wort über den Marxismus äußert in den Schweizer„Republikanischen Blättern" Redakteur I. B. Rusch, wenn er sagt:„Marxismus, Gespenst der Zeit! Ter katalanische Dichter Maragall schildert in einem seiner Spottlicder auf die Torheit der Zeitgenossen einen Menschen, der vor sich einen mächtigen Schatten am Boden sieht. Statt sich umzudrehen und zu sehen, wer diesen Schatten hinwerfe, fühlte er sich durch den Schatten selbst gesährdet, stampfte mit seinen Füßen auf ihn, schlug die Erde mit seinem Stock, in der Meinung, dem Schatten nieh zu tun. Derweilen packte ihn rücklings der, welcher den Schatten geworfen hat, einer der Räuber auf den Paßwegcn der Pyrenäen, und würgte ihn zu Boden. An Maragalls Ge- dicht muß ich immer denken, wenn ich das Gezisch und Ge- kläff wider den Marxismus heute vernehme... Es diinkt mich grenzenlos blöd und lächerlich, wenn heute jeder Tol- patsch vom Marxismus spricht und darüber rundum urteilt, dem, wenn nicht IM, so doch 95 Prozent aller Voraus- - setzungen zum Verständnis dessen fehlen, worüber er seinen Schnabel wetzt. Das sind alles die Leute, die den Schatten schlagen, den Schatten des Räubers der Hochstraße des wirt- schaftlichen Lebens, des Großkapitalismus, von dem nie- wand mehr spricht, seit die Menschheit den Millionengaunern den Liebesdienst erweist, statt den Strolch im Auge zu be- halten, auf den Schatten des Strolches einzubengeln! Ist Das Schwert zerspringt nicht, es wird härter! der Marxismus schnld, daß die Abrüstungskonferenz er» stickte? Ist der Marxismus schnld» daß die Weltwirtschaft«- konserenz ihren Geist ausgab, ohne einer Depeschenagentur mitzuteilen, wie viel Anstrengung sie das gekostet habe? Oder hat die so bitter notwendigen Völkervcrftändigungs- bemühungen von Gens und London» wie alle zuvor, nicht der Grobkapitalismus» der drachengroße Blutegel der Völker, vereitelt?" ver I. August In Frankfurt Trotz Einsatz von Streifendienst, trotz verstärkter Ueber- # wachung der verdächtigen Mal- und Klebekolonnen, trotz Hinzuziehung von SS.- und SA.-KommandoS haben die Kommunisten dennoch am Antikriegstage Hunderte von kleinen Handzetteln mit verschiedenem Text in der Stadt verteilen können. Die Geheime Staatspolizei fühlte sich diesem Treiben gegenüber im wahrsten Sinne des Wortes ohnmächtig! Konzentrationslager Papenburg Am 1. August holte das Lagerkommando 150 Schuyhäft- linge ab, verlud sie mittels Sonderzug, der um 1.30 Uhr in Dörpen-Ems eintraf. Die Inhaftierten stammen größten- teils aus den Bezirken Aachen-Düffelborf. Wovon man nicht sprach Davon ist nie gesprochen worden. Knaben, während des Krieges geboren, sind heute Jünglinge, Leute, die damals Kinder waren, Männer. Schon versucht man wieder, ihnen den Krieg, den sie nicht kennen, schmackhaft zu machen. Darum ist es Pflicht, auszusprechen, was ist. Ter gußeiserne Soldat aus den Kriegsdenkmälern, der mit heldischer Bewegung eine Handgranate wirft, die blecherne Göttin, die eine blecherne Fahne schwingt— so sieht der Krieg nicht aus. Dreck ist Dreck. Am 20., 21. und 22. August 1911 kämpften wir auf dem Crny vrh, nördlich Prtboj. Am 21. wurde das Gefecht beider- seits abgebrochen. Die Serben marschierten nach Norden gegen eine dort eingefallene Gruppe, wir nach Bosnien zurück, nach Rudo. Das ganze 16. Korps lagerte auf Stoppel- feldern unter Zelten. Auf allen Bäumen ringsherum wachsen Zwetschen. Wir haben während der drei Gefechtstage Zwetschen gefressen, Zwetschen und immer wieder Zwetschen, weil wir nichts anderes hatten. Nachmittags ging Major Beith mit mir rund um das Lager. Jener Major Veith, der ein Gelehrter war, die Schlangen der Herzegowina und die Geschichte Julius Cäsars studierte, nach dem Krieg Ehrendoktor der Würz- burger Universität wurde und auf einer Forschungsreise in Kleinasien von Räubern erschlagen ward. Grimmig wies er mit seinem Reitstock ringsum. Die von einem dreitägigen Gefecht todmüden Leute hatten keine Latrinen ausgehoben. Die Zwetschen! Zwischen den Zelten, an den Lagerrändern, ein paar Schritte davon entfernt lag der Dreck in Hausen, stank in der bosnischen Augustsonne, und dazwischen schliefen wir, aßen wir, lebten wir. Veith fragte mich:„Weißt du, wieviel Ttuppen wir in Galizien haben?" „Ich schätze, eine Million." „Meinetwegen. Seit drei Wochen ist Krieg. Einundzwanzig Tage. In dieser Zeit hat die Armee in Galizien einund- zwanzigmillionenmal hingeschissen. Kannst du dir das vor- stellen? Siehst du, das ist der Krieg, nicht so, wie er in den Lesebüchern steht." Das ist nicht zum Lachen, meine Herren, verflucht noch einmal, nicht zum Lachen. Das ist zum Weinen. Am 11. September 1911 erstürmten wir die Höhe Jagovnik jenseits der Drina. Die Bora blies, schräg kam unendlicher Regen und wir hatten wieder seit einigen Tagen nichts als Zwetschen im Magen. Das halbe Bataillon war gefallen, die andere Hälfte blutete aus den Därmen. Und wir mochten uns hinhocken wie wir wollten— die Bora blies unS unseren blutigen Dreck klatschend gegen die Beine. Wir weinten vor Wut, Frontsoldaten, die am Von Ast Tage vorher Geschützstellungen erstürmt hatten. Hurra, der frischfröhliche Krieg! Heil dem Ttahlbad! Hoch der Seelen- ausschwungl 1916 schmiß man uns von SüdNrol nach Ostgalizien. Wir lagen vor Delatyn im Walde. Tie Russen schössen mit Fttnfzehner-Haubitzen. Eine Granate krepierte in der Latrine, der Gefreite Rozhon auch. Als der Stahltopf in der Jauche barst, bekamen wir sie in schweren Ladungen ins Genick, ins Gesicht, den Gefreiten aber hob die Explosion hoch, schleuderte ihn kopfüber in den Dreck und er erstickte darin. Gefallen auf dem Felde der Ehre. O, glorreich ist der Krieg! Von seidenen Fahnen knatternd ttberbauscht, genau so wie auf den Gemälden im Heeres- museum. Nur so etwas hat niemand gemalt: auf Doberdo hatten wir die Cholera. Die Leute starben wie die Fliegen. Latrinen mußten aus dem Karst' gemeißelt, gestemmt, ge- sprengt werden. Man nahm daher, was sich bot. ^ 1915, August. Eine Straße bei Doberdo, die durch ein Tälchen führt. In einem Steinbruch stehen zwei Dreißig« zentimetcrmörser. Der Straßengraben ist als Latrine her- gerichtet, Pflöcke sind kreuzweise in den Boden getrieben und tragen lange Stangen, auf denen zwanzig, dreißig Männer gleichzeitig sitzen können. Der Straßengraben ist strichvoll, alles ist wegen der Cholera mit Kalk bestreut. Gegen Abend hängen immer nackte Männerhintern reihen- weise über die Stangen. Etappisten, die vorüberkommen, fotografieren das manchmal, Frontschweine sehen es gar nicht mehr. Auch die Leute sehen es nicht, die von einem Sanitäts- gefreiten in langem Zug vorbeigeführt werden. Ter Sani- täter hält das Ende eines Strickes in der Hand, an dem sich Dutzende schmutziger Fäuste festhalten. Sie gehören Dützen- den von Leuten mit verbundenen Augen: im Karst wirkt jede Granate zehnfach, im Aufschlag Stahltrümmer und Steinsplitter verstreuend. Und immer gehts in die Augen. Abend für Abend defiliert ein Zug so Verwundeter vor den dreißig nackten Hintern. Die Dreißiger hießen Max und Moritz, waren in Frank- reich und Belgien gewesen und feierten auf Doberdo ihren tausendsten Schuß. So: abends wurden die tagsüber hoch- gereckten Läuse zum Entladen quer gestellt. Auch an dem Tag, an dem gefeuert und gefeiert worden war. Dabei trat ein besoffener Bormeister auf die Abzugschnur. Der Schuß ging los. fuhr unweit des Mörsers in die Erde, die Explosion verwand das Ricsengeschütz in den Lagern und warf es um, tötete einige zwanzig von der Bebienungs- Mannschaft, verwendete an die hundert, legte die Männer mit den nackten Hintern in die Choleralatrine und deckte sie mit Karsttrümmern zu. Soldatenfest im Felde. Wer auf Doberdo war, weiß, baß es die Hölle war. Be- sonders 1915, zur Zeit der ersten und zweiten Jsonzoschlacht, als wir noch so gut wie ungedeckt kämpfen mußten. Der unbarmherzige Karst nahm uns nicht auf wie die Erde in Serbien, in die wir uns verkriechen konnten. Auf den Latrinen hockte der Tod. Sie lagen natürlich eiwas abseits. Um so leichter wurde man dort getroffen, von Zielschüssen und Gellern. Täglich starben mir dort Leute. Und wenn sie nicht starben— ein Mann bekam dort einen Bauchschuß. Nennen wir ihn Huber, er lebt noch in Wien. Wir hoben ihn aus dem Dreck und konnten ihn bergen. Im Hinterland schnitt man ihm die Därme stückweise heraus. Als Rekonvaleszent lag er in den Simmeringcr Baracken. Er hatte keine Sehnsucht nach der Front. In der Baracke war ein Zugführer, Bazillenträger, tnphusverdächtig. TyphuS erkennt man, wenn man den Stuhl des Kranken ausschwemmt und einer bestimmten chemischen Behandlung unterwirft. Sind Bazillen im Stuhl, dann zeigt die Lösung jedesmal den Aerzten bekannte Erscheinungen. Und so machte der Zugführer gegen angemessene Bezahlung den andern Kranken in die Töpfe, damit der Arzt auf Typhus- verdacht erkenne. Das ist nicht zum Lachen. Und auch das nicht. Im Juli 1915 lagen wir aus Doberdo den Italienern so nahe gegenüber, baß wir einander beim Namen kannten. Der Raum zwischen unseren Stellungen war von einem Geknäuel dorthin geschmissenen Stacheldrahtes ausgefüllt, in dem Leichen der unseren und der Italiener in der Hitze faulten und stanken. Wir lagen hinter einem Mäuerchen, das Liegende eben deckte. Stahlhelme gab es noch nicht. Dafür Schnaps und Bier. Davon so viel als wir nur wollten. Begreiflich. Wären wir nicht besoffen gewesen, wären wir nicht dort geblieben. Und wir dachten uns etwas, wenn abends der Generalstabsbericht durchs Telefon kam und meldete:„Eine Patrouillennnternehmung des Gegners gegen unsere Stel- lungen auf Kote 11 endete damit, daß die feindliche Abtei- lung gefangengenommen wurde, wobei unsere Truppen die erstaunliche Feststellung machten, daß die Italiener schwer alkoholisiert waren." Der Draht voll verwesenden Fleisches war unsere einzige Deckung. Das Mäuerl nicht. Wer den Kopf hob, war hin. Drüben wars genau so. Keine Rede davon, daß man auf die Latrine konnte. ES war übrigens gar keine da. Wir schoben uns die Spaten wie Leibschüsseln unter, liegend, und schmissen dann das, was drauf war, zu den Italienern hinüber. Und sie revanchierten sich pünktlich. Manchmal flog der Dreck bis in die Stel- lungen, manchmal auf die Leichen zwischen uns. Helden- ehrung. So ist der Krieg. So und nicht anders. Und davon wurde nie gesprochen. Darum habe ich es hier getan. Mahnung der Bischöfe AB monis alb 2000 AL AC 2014 tim distaand ..In jedes katholische Haus gehört auch eine katholische Zeitung" terroristischen Konkurrenzkampf der Naziblätter schützen sollen. Die bischöflichen Aufrufe gehen davon aus, daß das Konkordat den Pfarrern die politische Tätigkeit verbiete. Dann aber fahren sie fort: Katholische Bischöfe, u. a. der Bischof von Trier in der „ Trierischen Landeszeitung", veröffentlichen Mahnungen, die sich indirekt gegen die nationalsozialistische Presse richten und die katholischen Verleger gegen den wüsten Um so mehr muß das Geistige, unbelastet von politischen Tagesmeinungen, im Lichte der Ewigkeit die Grundlage bilden, auf der unsere katholische Presse, die nach wie vor unentbehrlich ist, arbeiten wird und muß. Es darf dabei nicht übersehen werden, daß die wirtschaftliche Sicherung der Tagespresse wie auch der Sonntagsblätter die unerläßliche Voraussetzung aller geistigen Tätigkeit bleibt. Daher bitte ich meine Diözesanen, den bewährten katholischen Blättern tren zu bleiben und für sie zu werben, ihnen Anzeigen zuzuwenden und sie in jeder Weise zu unterstützen. Die katholische Attion bedarf des Apostolates von Buch und Zeitung unbedingt. Dazu kommt, daß in der katholischen Pressearbeit viele Tausende von Familien verwurzelt sind. Wenn diese durch Eingehen katholischer Zeitungen ihr Brot verlören, so wäre das auch ein großer Schaden für unser Volk. Unser deutsches Vaterland muß in den gegenwärtigen Zeiten alle aufrufen, die bereit sind, am Wiederaufbau mitzuarbeiten. Zu den hervorragendsten Pionieren dieser Tätigkeit gehören aber unsere katholischen Berufsjournalisten. Sie haben sich um Kirche und Baterland die größten Verdienste erworben. Es ist darum eine Pflicht der Gerechtigkeit, sie und ihre Familien in ihrer Existenz zu erhalten. Viele Verleger haben die allergrößten Opfer für ihre katholischen Blätter gebracht und dürfen mit Recht erwarten, daß sie von ihren Glaubensgenossen nicht im Stich gelassen werden. Darum richte ich an auch alle, geliebte Diözesanen, die eindringliche Mahnung: Schüßt und erhaltet eure katholischen Zeitungen, die Tagespreise, wie auch die Sonntagsblätter! In jedes katholische Haus gehört auch eine katholische 3ei: fung! Man darf annehmen, daß im Beichtstuhl und auf der Ranzel entsprechend nachgeholfen werden wird. Das Zen trum kann sich auflösen, aber die katholische Kirche kann sich nicht gleichschalten, wenn sie sich nicht selbst aufgeben will. Der Katholizismus macht den Anspruch, seine Gläu bigen universal zu umfassen, und die Presse ist dazu eines der wirksamsten Mittel. Zeitungssterben Tempo mittagblatt Achtuhrabendblatt ZwölfuhrDas große Pressesterben nimmt seinen durch die Verhält nisse gegebenen Fortgang. Jeßt sieht sich nun auch der Ullstein- Verlag gezwungen, den Betrieb sehr stark einzuschränken. In den nächsten Tagen wird das„ Tempo" sein Erscheinen einstellen. Das Blatt, 1927 gegründet, hatte zeits weise eine Auflage von 150 000, Seit der Gleichschaltung ist es rapid zurückgegangen und die Auflage ist bis auf kaum 20 000 gesunken. Wie es überdies noch heißt, ist der Mosses verlag entschlossen, das„ Acht- Uhr- Blatt" einzustellen. Auch das„ 12- Uhr- Blatt" wird nicht mehr lange erscheinen. Die als 20 000 zürückgegangen. Bei den deutschen Zeitungen ist Auflage auch dieses Blattes ist von über 100 000 auf weniger der Leserschwund ein allgemeiner. Der ,, Todessprung" Kriminalkommissar Tenholt wieder in Aktion Eine Zierde der Geheimen Staatspolizei Zu unserer Nachricht über den Todessprung" des kommunistischen Funktionärs Heinrich Foerding in Dortmund erhalten wir durch unseren Sonderdienst noch folgende ergänzende Mitteilung: Beim Polizeipräsidium Recklinghausen, das bis vor kurzem Sitz des„ Höheren Polizeiführers im Westen" war, scheint der Sprung aus dem zweiten oder dritten Stockwerk besonders beliebt" zu sein. Der erste, der auf diese Weise sein Leben auf dem Betonpflaster im Hofe des Präsidiumgebäudes aushauchte, war der kommunistische Reichstagsabgeordnete Albert Funk, der Vorsitzende des kom munistischen Bergarbeiterverbandes. Ihm ist nun Heinrich Foerding gefolgt. Albert Funt, der zuletzt in Essen- Ruhr wohnte, sich aber im Landkreise Recklinghausen verborgen hielt, ist durch Verrat in die Hände der Geheimen Staatspolizei geraten. Nach seiner Verhaftung wurde er im Polizeipräsidium Recklinghausen in der üblichen Weise von Nazis in Uniform und in Zivil bestialisch mißhandelt und schließlich aus dem Fenster des„ Vernehmungszimmers" auf den Hof geworfen. Der Polizeibericht meldete natürlich einen Selbstmord. Auch Foerding ist furchtbar mißhandelt worden, und sein Sprung" aus dem Fenster dürfte sich von dem Albert Funks durch nichts unterscheiden. Auch seine Verhaftung ist ebenso wie die einer Reihe anderer Funktionäre, auf Grund von Angaben des gleichen Polizeispiels erfolgt, der auch Albert Funk verraten hat. Dieses Subjekt arbeitet mit dem berüchtigten Kriminalkommissar Tenholt zusammen, der sich im Jahre 1926 in Magdeburg unsterblich blamierte. Tenholt spielte in dem aufsehenerregenden Kriminalioll Haas- Schröder, über den seinerzeit die gesamte deutsche nnd die maßgebende Presse des Auslandes wochenlang berichtete, die Hauptrolle. Tenholt, der sich schon damals antis semitisch betätigte, hatte den jüdischen Fabrikanten Haas auf Grund der Angaben eines Polizeispigels verhaftet und bezichtigte ihn des Mordes an seinem Buchhalter Helling. Die Affäre wuchs sich zu einer Krise der preußischen Kriminal: polizei aus und endete damit, daß der Berliner Kriminalkommissar Busdorf den Spizel des Tenholt als den Mörder des Buchhalters entlarvte. Tenholt wurde aber nicht aus dem Dienst entlaffen, sondern nur nach dem Polizeipräsidium Recklinghausen strafversetzt. Hier verhielt er sich keineswegs ruhig und war schon nach kurzer Zeit in verschiedene Stan: dalgeschichten verwickelt. Trotz der Magdeburger Blamage nahm man ihn in Recklinghausen in die Mordtommiffion, wo er allerdings die Aufklärung verschiedener Mordtaten genau wie in Magdeburg schuldig geblieben ist. Die„ national: fozialistische Revolution" brachte Tenholt Oberwasser. Die Nazis holten den„ bewährten Rämpen" in ihre Geheime Staatspolizei und Tenholts Ansehen stieg von Tag zu Tag, insbesondere bei dem Höheren Polizeiführer im Westen, dem Bolizeigeneral Stieler von Heydekamp. Tenholt befigt, wie der Magdeburger Fall bewiesen hat, ein ausgesprochenes Talent zur Gewinnung von Spigeln und alle seine„ Erfolge" bei der Geheimen Staatspolizei beruhen auf den Aus gaben eines gewiffenlosen Subjekts, das sich in führender Stellung unter den im Ruhrgebiet illegal tätigen Rommuniften befindet. Wenn sich nun die Angaben dieses Schweinehundes als übertrieben und teilweise frei erfunden herausstellen, wird das auf die Verstocktheit der Verhafteten zurückgeführt und nun segt der zweite Grad" der Vernehmung ein, bei dem es dann in zwei Fällen zu den erwähnten„ Sprüngen" aus dem Fenster gekommen ist. In den nächsten Tagen werden weitere Verhaftungen im Ruhrgebiet vorgenommen werden. Der Spikel braucht Geld und Herr Tenholt Lorbeeren. Tenholts Beförderung zum Kriminalrat steht bevor. Wir wollen dafür sorgen, daß er am Tage der Abrechnung weiterbefördert wird. Lage der Abs fängnis verurteilte Kommunist Pock verübte in der Strafanstalt einen Selbstmordversuch, indem er sich in einem unbewachten Augenblick von Station 7 auf Station 8 hinabstürzte. Der Grund für den Selbstmordversuch ist nicht be= kannt. Die Verlegungen Pocks find lebensgefährlich. Es ist auffallend, daß solche Selbstmorde" in den Gefängnissen sich häufen. Die neue Methode 210 Kommunistische Gefangene stürzen sich Stockwerke hinunter Düffeldorf, 3. Aug. Der wegen eines Angriffs auf einen SA.- Mann im Gerichtsgebäude zu zwei Jahren GeDie deutschen Juden werden werden ausgetilgt Die Behandlung der Juden hat vielleicht mehr als alles andere die Weltmeinung gegen Deutschland aufgebracht. Die Verfolgung, Berfemung und völlige Entrechtung einer Gruppe von Staatsbürgern wegen ihrer Abstammung gilt als ein Rückfall in urzeitliche Barbarei überall, wo selbst die ungerechte Behandlung wilder Niggerstämme im dunklen Afrika die Gemüter zu erregen vermag. Die Reichsregierung weiß auch, daß die Behandlung der Juden als Freiwild dem deutschen Volk unermeß lichen Schaden zufügt, und sie versucht mit allen Mitteln, die Juden in aller Stille ökonomisch, politich und moralisch abzumürgen und gleichzeitig die Welt über die wahren Zustände zu täuschen. Als vor fast einem Monat im englischen Unterhaus sich die Empörung über die Behandlung der Juden in Deutsch land sehr drastisch äußerte, schrieb auf Kommando die deutsche Prasse, an ihrer Spitze der„ Völkische Beobachter": " Daß die Judenfrage in Deutschland nicht uls Rassenfrage(!) behandelt wird, sollte ihm( dem englischen Unterhaus) bekannt sein. Es handelt sich vielmehr lediglich darum, das jüdische Element auf den Anteil am öffentlichen Leben und an sonstiger Betätigung in Deutschland zurückzuführen, der seiner bevölkerungsmäßigen Quote entspriat." Diese verlogene Erklärung hat natürlich im Ausland nur wenig Eindruck gemacht. Aber die große Masse, sowohl der Christen wie der Juden, weiß noch immer nicht, daß die deutsche Regierung systematisch und folgerichtig die völlige Ausrottung der Juden betreibt. of n Die sogenannten ständischen Organi sationen haben nämlich fast ausschließlich ben Sinn, die Juden aus allen Berufen und Erwerbszweigen herauszudrängen. r. Wir wollen dafür forge Die ihnen offiziell zugewiesene Aufgabe, Elemente eines neuen sozialen Aufbaus des deutschen Volkes zu werden, bedeutet nicht mehr als eine geschickte propagandistische Phrase, denn die Nationalsozialisten sind ängstlich be= müht, die bisherige wirtschaftliche und soziale Ordnung zu sichern. In den Berufsständen, in denen die Juden besonders zahlreich vertreten sind, wird der schmutzige, arische" Konkurrenzneid aufgestachelt, um die jüdischen Standesgenossen aus Amt und Brot zu verjagen. In keinem einzigen der seit vielen Jahrzehnten bestehenden Standesvereinen ist jemals die Frage erörtert worden, ob man einen Unterschied zwischen Juden und Christen machen dürfe. Erst die nationalsozialistische Regierung hat sie dazu veranlaßt, dann allerdings in dem unbegreif lichen Eigennut der„ höheren" Stände einen kräftigen Bundesgenossen gefunden. blut zu mästen, sind Juristen und MediUnübertrefflich in ihrem Eifer, sich mit Juden ziner. Sie überbieten sich in Erfindungen, um noch diejenigen jüdischen Kollegen, denen man den Lebensraum nicht ganz hatte nehmen können nämlich den Kriegsteilnehmern und den seit 1914 tätigen auch die letzte Möglichkeit, ihr Brot zu verdienen, zu nehmen. kommissars Dr. Wagner dient diesem Zweck in der wirk Der weiter unten abgedruckte Erlaß des Aerztesamsten Weise. Er soll die verbliebenen jüdischen Aerzte so isolieren und diffamieren, daß jeder Patient ernste Benachteiligungen befürchten muß, der sich ihnen anvertraut. Das Verhalten der deutschen Aerzteschaft ist ein Musterbeispiel für die Methode der Regierung, den Konkurrenzneid zu organisieren, um eine halbe Million deutscher Juden auszu rotten. Die im„ Deutschen Aerzteblatt" vom 29. Juli veröffentlichte Anordnung des Dr. Wagner hat folgenden Wortlaut: Die tassenärztliche Bereinigung Chemnig plant folgende Reglung der Zusammenarbeit von Aerzten bei der Vertrefung, bei Ueberweisungen und bei Konfilien: Nürnberg ,, Unwahre Behauptung" Das hitleramtliche Wolff'sche Telegraphenbüro hatte in diesen Tagen den Mut zu behaupten, daß die durch die Presse gegangenen Meldungen über neue schwere Judenverfolgun gen in Nürnberg„ unwahr" seien. Wolff stützte sich dabei auf Nürnberger Berichte der Wiener Allgemeinen Zeitung", dies von der gesamten europäischen Presse und auch von der Deutschen Freiheit" übernommen worden waren. Wir bewundern die Dreistigkeit des amtlichen Dementis. Es tut so, als ob den Nürnberger Juden nicht das Geringste geschehen sei, ohne zu bedenken, wie leicht eine Bestätigung der Nürnberger Ereignisse durch die Betroffenn selber gegeben werden kann. Die Nürnberger Juden, die in den frühen Morgenstunden des fraglichen Tages zu Hunderten von SS. und SA. in ihren Wohnungen besucht und gebrandschatt worden sind, wurden von einem solch panischen Schrecken ergriffen, daß sehr viele von ihnen alles im Stich ließen und so schnell wie möglich ins Saargebiet und ins Ausland flüchteten. Von diesen geflüchteten Juden haben wir hier in Saarbrücken die Bestätigung erhalten, daß die Behauptungen über unerhörte neue Drangsalierungen nicht nur richtig waren, sondern sich in Wirklichkeit noch viel Schlimmeres ereignete. Diese Flüchtlinge berichteten der Deutschen Freiheit", wie sie frühmorgens heimgesucht wurden, wie man bei ihnen Geld stahl, wie man sie nachher auf einen Kasernenhof sperrte. Hier waren bereits mehrere Hundert von Glaubens- und Leidensgenoffen versammelt, die man zu allen möglichen körperlichen Exerzitien zwang. Wer nicht wollte oder nicht mitkonnte, der wurde un barmherzig mit Peitschenhieben vorwärts getrieben oder niedergest.reckt. Als nach einigen Stunden sich endlich eine höhere Stelle" einmischte, nahm der Spuk ein Ende und die Juden waren wieder frei. Man kann sich den Schrecken der Angehörigen vorstellen, da sie zunächst von den Verschleppten nicht die geringste Nachricht erhalten konnten. Man versucht jetzt, den Ueberfall auf die Nürnberger Juden als ,, wilde Aktion" darzustellen. Das tut man immer, wenn die Sache nachher an die europäische Deffentlichkeit gelangt. Aber Nürnberg ist nur ein Einzelfall. Die Quälereien von Juden nehmen andauernd zu und drohen zu Pogromen auszuarten. Der Boykott gegen sie wird offiziell und inoffiziell in verschärfter Form gegen sie durchgeführt, worüber mündliches und bildliches Material in Fülle vorhanden ist. Troßdem wagt es das Wolff'sche Büro, von naiven Lügenmeldungen" zu sprechen. „ Es ist verboten: 1. daß deutschstämmige und frembrassige Aerzte einander vertreten; 2. daß deutschstämmige Aerzte Ueberweisungen an fremdraffige Aerzte vornehmen oder Ueberweisungen von ihnen annehmen; 8. daß deutschstämmige Aerzte fremdraffige zu Konsilien zuziehen oder sich pon ihnen zuziehen laffen.n nodig Bei Verstoß gegen dieses Verbot wird eine Konventionals strafe in eineinhalbfacher Höhe des durch den Verstoß er: worbenen Honorars erhoben und an die Spende für die Opfer der Arbeit oder eine entsprechende Einrichtung ab geführt. Die Höhe des Honorars kann gegebenenfalls durch den Vorstand geschäßt werden. Einspruch hiergegen ist ausgeschlossen. Sollten besondere örtliche Verhältnisse im Intereffe des Kranken Ausnahmen nötig machen, so ist ein begründeter Antrag an den Vorstand zu stellen. In Dringlichkeitsfällen kann dieser Antrag nachgeholt werden. Der betreffende Arzt übernimmt für sein Handeln die volle Verantwortung. Ich ordne an, daß alle Gliederungen der ärztlichen Spizenverbände in der gleichen Weise verfahren, soweit nicht die durch die Reichsversicherungsordnung vorgeschrie= bene ordnungsmäßigeärztliche Versorgung der Versicherten und ihrer Angehörigen durch diese Maßnahmen gestört wird. Ich mache ferner darauf aufmerksam: Kaffenärzte dürfen nur in Ausnahmefällen und nur mit Zustimmung der Parteien des Gesamtvertrages einen stäns digen Assistenten beschäftigen. Die Zustimmung der kassenärztlichen Bereinigung ist also in jedem Falle erforderlich. Ich erwarte von den kassenärztlichen Vereinigungen, daß fie ihre Zustimmung, sofern sie überhaupt gerechtfertigt ist, nur dann erteilen, wenn der Assistent bezüglich seiner Abstammung die Voraussetzung der Zulassungsfähigs feit erfüllt. Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der„ Deutschen Freiheit" Ereignisse und Geschichten An einen Schachrichter In strammer Haltung zu Thalia! Von Arnold Weiß- Rüthel C Daß es Leute gibt, die einem anderen den Kopf herunterschlagen, beschämt mich tiefwie, kann ich gar nicht sagen. Ich komme mir so ausgeliefert vor. Da lebt solch Mensch mit Weib und zwanzig Kindern, raucht, trinkt Kaffee und singt vielleicht Tenor, spielt Bratsche, geht zur Messe, liest Geschichten... und alles das kann diesen Mann nicht hindern, sein grauenhaftes Handwerk zu verrichten. Früh morgens, wenn mit Vogelruf und Licht ein Tag anbricht, ein neuer, heller Tag: Da mordet einer, von der Lust getrieben dort trifft und tötet ein zu rascher Schlag, den treibt der Haß, und jenen drängt die Not. Und du, du Henker, mordest gar ums Brot, das tägliche...! Teilst es mit deinen Lieben, stehst sicher in Besoldungsklasse sieben. Du träumst und weißt: der Staat wird dich befördern! Und bist der würdeloseste von allen Mördern. Hauptmann an Mussolini ,, Hier im Dorf ist ein Gericht..." s Ein Telegrammwechsel A Theaterkarten werden Beamten in Abzug gebracht Der badische Kultusminister Wader hat, so meldet das„ Theater- Tageblatt", die Beamtenschaft darauf hingewiesen, daß es Pflicht der Beamten sei, im Rahmen ihrer Wirtschaftsmöglichkeit regelmäßig das Theater zu besuchen, um damit zu dokumentieren, daß die Beamtenschaft bereit und gewillt ist, die kulturelle Aufbauarbeit des neuen Staates zu unterstüßen. Der Oberbürgermeister von Aachen hat sich mit einer ähnlichen Erklärung an die städtische Beamtenschaft in Aachen gewandt. Er hat zwecks Erleichterung der Zahlung des Abonnementspreises verfügt, daß den Beamten gestattet ist, den Abonnementspreis, auf die ganze Spielzeit verteilt, von den einzelnen Gehaltsraten in Abzug bringen zu Iaffen. Die vielgeküßte Muse Thalia wird also unter braunem Diktat zur Zwangsgeliebten. Schon vor kurzem erklärte der Führer in Sachen der Kunst und des Theaters, Kommissar Hinkel, bei einer Presse- Zusammenkunft wörtlich folgendes: „ Das Theater betrachten wir als eine nationalreligiöse Kultstätte. Wir glauben, im Theater wieder etwas Heiliges hinstellen zu sollen. Das Theater muß von den Volksgenossen wieder als etwas Religiöses empfunden werden und nicht als Stätte für Amüsement und Unterhaltung. Es wird scharf darauf geachtet werden, daß diejenigen, die sich einen Theaterbesuch leisten können, dies auch wirklich tun." Es ist anzunehmen, daß Hinkel sich mit dieser Aeußerung die Herzen der Theaterdirektoren nicht bloß der deutschen erobert hat. Wie wars denn früher? Aus dem Wust des Einlaufs wird endlich, den Wünschen der Straße Rechnung un tragend, ein Stück gewählt; komplizierte Intrigen bis zur Rollenverteilung, erschöpfende Proben mit Schauspielern, Beleuchtern, Komparsen, Schneidern, Malern; am Tag der Premiere ist das Theater ein Irrenhaus; wie der Hund auf die Schläge, wartet man dann auf Kritiken. Und jetzt erst zittert man dem unbeugsamen Urteil des Publikums ertgegen: Wird das Stück gefallen, die nächste Vorstellung gut besucht sein? Gerhart Hauptmann hat von seinem Hiddenseer Landhaus an Mussolini zum fünfzigsten Geburtstag folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet: " Der immer dankbare Gast Italiens sendet dem großen Führer seines Volkes in Verehrung viele Glückwünsche. Gerhart Hauptmann." Darauf erhielt Hauptmann folgende Antwort: " Die Glückwünsche, die mich von einem der größten lebenden Dichter erreichen, haben mich tief bewegt. Glauben Sie an meine Bewunderung und Dankbarkeit. Mussolini." Gerhart Hauptmann lebt in Italien. Der Siebzigjährige weigert sich, nach Deutschland zurückzukehren. Aber er schweigt. Er schweigt zur Schändung der deutschen Freiheit, deren Aufstieg sein eigener gewesen ist. Er läßt es wortlos geschehen, daß das„ brennende Recht" im deutschen Herz, dem er im Florian Geyer" ein Hohelied sang, von brutalen Machthabern in die Betten der Unmenschlichkeit geleitet wird. Er schweigt, daß sich an jener Humanität, der er im vorigen Jahre in unzähligen Feiern zum 70. Geburtstage beredt Ausdruck gab, heute schmutzige Stiefel abpußen dürfen. Er schweigt, wenn ihm seine Freunde, denen er alles zu verdanken hat, ihm Briefe schreiben:„ Gerhart, wo ist deine Stimme". Der Altgewordene sitt in Rapallo, von der Seebrise gegrüßt, von Palmen umwedelt. War er es, der einmal das Weberlied einfügte in sein größtes Drama: Hier im Dorf ist ein Gericht Weit schlimmer als die Femen Ganz Deutschland ist heute ein Femgericht. Er erfährt von Mussolinis Geburtstag, aber nichts vom Schrei gequälter und geächteter Menschen. Ein alt Gewordener- ein müde Gewordener. Er bedeutete alles für das gewesene- nichts für das kommende Deutschland. Ein Olympier ohne den Olymp ewig glänzenden Freiheitsglaubens. Künstler von Gesinnung... Von den berühmten Musikern, die es ablehnen, in deutschen Konzerten aufzutreten, sind jetzt die Namen Fris Kreisler, Arthur Schnabel und Pablo Casals bekannt geworden. 20000 bis 30000 Jahre zurück Die Reichsführung der SS. hat die Burg Schwalenberg von der Gräfin Friedrich zur Lippe auf die Dauer von 99 Jahren gepachtet, um das Rasseamt der SS. nach dort zu verlegen und in der angegliederten Reichsrassenschule laufende Schulungskurse aur Rasseforschung einzurichten. Der Reichsführer der SS., Himmler, führte bei einem Empfang dazu in einer Ansprache aus, man tönne die großen Zukunftsfragen nicht allein staatlich lösen; es fei von großem Werte, daß das neue Deutschland wieder die Kultur als Fundament auch des staatlichen Seins hingestellt habe. Es habe somit einen neuen Gesichtsraum gewonnen, der sich es möge vielleicht lächerlich klingen über 20 000 bis 30 000 Jahre ausdehnen wird. Die SS. ist aufgebaut auf die Kenntnis vom Werte des Blutes. Seit Jahren sei ihr bestes Blut gesammelt und so rüste sie fich für den kommenden schweren Kampf mit dem Weltbolschewismus. Diese Sorgen hat der tüchtige Hinkel mit einem Schlage verscheucht. Er wird darauf achten, daß diejenigen, die sich einen Theaterbesuch leisten können, dies auch wirklich tun. Und wenn Kommissar Hinkel darauf achtet, dann ist das mehr, als wenn ein Heer von Künstlern sich um das Publifum dienend bemüht. Wer wird es wagen, Hinfel zu widerstehn? Man könnte ja auch Konzentrationslager für KunstTheaterbesuch ist Beamtenpflicht! saboteure errichten; vielleicht gäbe es einzelne, für die der Aufenthalt dort weit erträglicher wäre als etwa der bei einer Aufführung des„ Totila" von Minister Kube, die Mehrzahl wird aber sicher lieber diese erdulden als jenes. So wird es möglich sein, Werke der neudeutschen Literatur zur Aufführung zu bringen, die freiwillig fein vollsinniger Mensch besucht hätte. Jeder Versuch eines Widerstandes ist angesichts der erprobten Organisationstüchtigkeit vergeb= lich. Nach den Geständnissen des Steuerbogens wird man das Theater besuchen müssen und es wird dafür gesorgt werden, daß niemand seine Pflicht versäume. Die bestohlene Volksbühne Große Summen fielen ihnen in die Hände Durch die Uebernahme der einzelnen Boltsbühnen- Organiz sationen hat so meldet das„ Theater- Blatt"- die " Deutsche Bühne" materiell einen außerordentlich erfreulichen Rückhalt" gewonnen. Nach den bisherigen Feststellungen übersteigt die Summe der Barbeträge und Bankguthaben, die die in die Deutsche Bühne“ überge= führten Volksbühnen- Ortsverbände beibrachten, nicht uners heblich den Betrag von 400 000 RM. Unter den Organis sationen, die finanziell derartig günstig dastehen, steht an erster Stelle Dresden mit 102 000 RM. Ihm folgt Chemnitz mit 64 000 RM., Hannover mit 50 000 RM., Stuttgart mit 37 000 RM., Köln mit 25 000 RM. In diese Beträge sind die Werte an Grundstücken, an Mobiliar usw. nicht einbe= zogen... * Sie nahmen der großen deutschen Volksbühnenbewegung den Atem der Freiheit, die Selbstverwaltung der theater= liebenden Arbeiter und Bürger, den unbeeinflußten Genuß des Spiels auf der Bühne. Aber sie nahmen ihnen nicht nur dies. Sie konfiszierten" auch ihre Kassen, Reservegelder, sorgfältig verwaltet, be= stimmt, dem Kulturwillen der Mitglieder dienstbar zu sein durch Vorträge und Konzerte. Alles ist vorbei. Ueberall sizen Kommissare", die niemals eine Muse gewiegt. Si verfügen über die Gelder, ohne Kontrolle, als Führer" über Gleichgeschaltete, die nicht aufe zubegehren wagen. Förderec", vom Führer ernannt Einst förderten sie seine Einnahmen- jetzt auch seine Ausgaben Die nationalsozialistische Presse meldet: „ Der geplante Bau eines Hauses der deutschen Kunst in München darf in seiner Idee als ureigenstes Werk des Reichskanzlers angesprochen werden. Der Führer hat jetzt die Mitglieder des Vorstandes und des Vorstandsrates ernannt. Dem Vorstand gehören an als Vorsitzender August von Finck, der Chef des Münchener Bankhauses Merck, Find u. Co., als stellvertretende Vorfizzende Dr. Christian Fischer von der Reichskreditgesellschaft Berlin, und Dr. Wilhelm Kiestalt, Generaldirektor der Münchener Rückversicherungs- Gesellschaft sowie als Mitglieder Geheimrat Böhringer von der Maximilianhütte und Direktor Friedrich Döhlemann von der Bayerischen Gemeindebank. Als Mitglieder des Vorstandsrates sind 24 Persönlichkeiten ernannt worden; als Vorsitzender Geheimrat Dr. Hermann Schmitz von der J. G. Farbenindustrie. Weitere bekannte Mitglieder sind u. a. Geheimrat Dr. Kleiner. Berlin, Dr. Robert Bosch, Stuttgart, Max von Schindel, Berlin, Kurt Freiherr von Schröder, Köln, Dr. Karl Friedrich von Siemens, Berlin, Dr. Thyssen, Mülheim a. d. Ruhr, und Generaldirektor Dr. Albert Vögler, Dortmund." Leuchtend werden hier die Herzenskönige des„ Führers" sichtbar. Es ist immerhin ein schönes Zeichen, daß er der Dankbarkeit nicht ermangelt. Alle diese Herren Generaldirektoren haben ihm früher viel Geld geopfert. Jetzt werden sie nicht nur dadurch belohnt, daß ihnen die Verwirklichung des Sozialismus erspart geblieben ist. Sie zieren jetzt auch die Debetseite dieses Volkskanzlers: von Thyssen über Vögler über jenen Baron v. Schröder, der ihn ,, Haus der deutschen Kunst" ,, Instrument Werkbund" Führer befiehlt, Kunst gehorcht Führer befiehlt, Kunst gehorcht # 3059 Zu den repräsentativen geistig- kulturellen Organisationen Deutschlands, die der neuen Formidee den Weg bahnen wollten, gehörte der Deutsche Werkbun d. Einst waren die besten Namen der freiheitlich gesinnten deutschen Architekten und Maler in seinem Lager. Heute? Durch die nationalsozialistische Presse geht diese Meldung: „ Der neue Leiter des Deutschen Werkbundes, Dipl.- Ing. Lörcher, schreibt in einem Aufruf, der in den Mitteilungen des Werkbundes erschienen ist, u. a. folgendes: Nachdem mir die Führung des Deutschen Werkbundes übertragen ist, wird es meine Aufgabe sein, den Deutschen Werkbund zu einem Kulturinstrument der nationalsozia= listischen Bewegung zu machen, das sich für Wertarbeit in Handwerk und Industrie einsetzt und hierzu alle guten deutschen Kräfte heranzieht. Das klare Bekenntnis zur Leistung und zur nationalsozialistischen Weltanschauung und das Treugelöbnis zu unsrer Regierung unter ihrein Führer und Kanzler Adolf Hitler verlangt auch Klarheit in der Organisation des Deutschen Werkbundes, die im Sinne des Führerprinzips umgestaltet wird..." Unter den„ Schwesterbünden" befindet sich auch der BDA., der große Bund deutscher Architekten. Die sogenannten Fachleute, mögen sie auf ihrem Gebiete auch Hervor= ragendes und Schöpferisches leisten, sind dem nationalsozialistischen Zauber am ehesten erlegen. In der Welt des Mythos reagieren sie ihre Fachenge ab, immer vorausgesetzt, daß sie nicht einfach aus Charakterlosigkeit mit fliegenden Fahnen ins Lager des Erfolges überlaufen. mit Papens Hilfe in den Sattel hob. Vielleicht wird man Sozialwissenschaft ihre Namen als Symbole des neuen Deutschlands eingemeißelt an Hitlers Haus der deutschen Kunst" schon in Kürze lesen dürfen. Modeamt- renoviect Statt Magda- Industrie * Das Deutsche Modeamt e. V., das unter dem Ehrenvorsitz von Frau Magda Göbbels und unter dem Vorsitz von Geeingezogen Das seinerzeit von der politischen Polizei beschlagnahmte Institut für Sozialforschung in Frankfurt a. M. ist durch Verfügung des Geheimen Staatspolizeiamts Berlin zugunsten des Freistaates Preußen eingezogen worden, da das Institut staatsfeindliche Bestrebungen gefördert hat. Leiter des Instituts war der als Sozialforscher bekannte Karl Grünberg. heimrat Boehlenheinz und Professor van Weech gegründet nur der Mund wurde, ist, wie die Textil- Woche" erfährt, in Liquidation getreten. Die Industrie hat jedoch von sich aus die Initiative zur Fortführung der bisherigen Arbeiten ergriffen und Herrn von Horst mit der Leituna des nunmehr neugeschaffenen Modeamtes betraut, dhon In einer Tagung des Verbandes sächsischer Industrieller erflärte der Vorsitzende Wittke: Der Reichskanzler wisse, daß von heute auf morgen zwar der Mund umlernt, aber nicht das Herz." DAS BUNTE BLATT Einem Tagelöhner Lange Jahre sah ich dich Führen deinen Spaten, Und ein jeder Schaufelstich Ist dir wohlgeraten Nie hat dir des Lebens Flucht Bang gemacht, ich glaube Sorgtest für die fremde Frucht, Für die fremde Traube. Nie gelodert hat die Glut Dir in eignem Herde, Doch du fußtest fest und gut Auf der Mutter Erde. Nun hast du das Land erreicht, Das du fleißig grubest, Laste dir die Scholle leicht, Die du täglich hubest! C. F. Meyer, Die Leistungsfähigkeit des Herzens Jeder Herzschlag fördert eine Blutmenge von fiebzig Rubikzentimeter. Daraus ergibt sich, wie Sie leicht nachrechnen können, eine Fördermenge von fünf Liter in der Minute oder etwa fünf Tonnen an jedem Tag. Diese Angaben gelten aber für den Zustand der Ruhe; bei mittlerer Arbeitsleistung schon steigern sie sich auf das Vier- bis Fünffache der genannten Werte. Die mittlere Geschwindigkeit dieser Blutmenge beträgt rund fünfzehn Zentimeter je Sekunde oder 054 Kilometer in der Stunde. Auch diese Werte steigern sich bei mittleren Arbeitsleistungen auf ein Vielfaches. Lachen nicht verlernen Aus der„ Frankfurter Illustrierten": " Du kannst mirs glauben, ich bin auch mal im eigenen Wagen gefahren." Freilich, und deine Mutter hat ihn geschoben!" „ Herr Notar, ich möchte meinen lezten Willen zu Papter geben." Nanu, ich denke, Sie heiraten morgen?" Eben drum." . Haben Sie einen Verteidiger, Herr Graupner?" Brauch' ich nicht, ich werde die Wahrheit sagen." Ich melde die Geburt meines sechsten Kindes an." st Berlin der Geburtsort Ihrer Frau?" Nee, nicht immer." TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Hausgehilfinnen in Salästina Zwei Zeitalter Tür an Sür Die orientaliscie Jagd und die Jungpionierin Das palästinensische Leben ist heute ein buntes und sonderbares Durcheinander von uralten orientalischen Sitten und modernen radikalsozialen Einrichtungen. Es gibt Landarbeiter, die für den arabischen Grundbesitzer unter der Peitsche des Aufsehers Frondienst machen, und gleich daneben in der benachbarten Orangenpflanzung andere Landarbeiter, die in einer sozialistischen Kommune zusammenleben und den Ertrag der Siedlung gleichmäßig unter sich aufteilen. Märdienstadt Jerusalem In der Märchenstadt Jerusalem mit ihren brennend weißen Türmen und Kuppeln gibt es Frauen, die tief verschleiert hinter vergitterten Fenstern Hocken, während man durch das gegenüberliegende Fenster andere Frauen sehen kann, die gerade eine politische Versammlung abhalten. Es gibt Hausgehilfinnen, die noch gestern nichts anderes als orientalische Sklavinnen waren, heute von der Organisation erfaßt werden und schon morgen eine ganz neuartige Stellung in ihrem Diensthaus einnehmen, eine so radikal fortgeschrittene Stellung, wie es sie in Europa vielleicht noch überhaupt nicht gibt. Die orientalische Magd"( Magd" bedeutet im Arabischen und Althebrätschen genau soviel wie Sklavin) fommt schon meistens mit zehn bis zwölf Jahren in das Diensthaus. Arme arabische oder jemenitische Eltern bringen ihre Kinder selbst zu den reichen Familien und bieten sie als Dienstmädchen an. Der armselige Lohn wird direkt an die Alten ausgezahlt, während das Mädchen sein Geld nicht einmal zu sehen bekommt. Manchmal fertigen die Dienstherren die Eltern auch mit einer einmaligen Summe ab. Wenn auch der Verkauf von Menschen gesetzlich abgeschafft ist, praktisch nimmt man es nicht so genau, und die kleine arabische oder jemenitische( arabisch- jüdische) Hausgehilfin fühlt sich, solange sie noch nicht organisatorisch erfaßt und aufgeklärt ist, tatsächlich als das willenlose Eigentum ihrer Herrschaft. Oft kann man sehen, wie so ein kleines, braunes Wesen eine ganze Achtzimmerwohnung instand hält, was fie natürlich nur durch einen sechszehnstündigen Arbeitstag, durch Verzicht auf jedes Privatleben, jede persönliche Freiheit, fertigbringen kann. Völlig neu und unvorstellbar ist es für sie, daß man höheren Lohn verlangen, eigenmächtig sein Diensthaus verlassen und auf die Schelte und Schläge der Herrin nicht nur mit einer ehrfürchtigen Verbeugung, sondern auch ganz anders antworten kann. Das große Neue Aber das große Neue, Unvorstellbare ist bereits im Lande, Die Juden und Jüdinnen, die aus Rußland, Polen und Mitteleuropa einwandern( in Palästina gibt es keine Arbeitslosigkeit), bringen eine moderne soziale Gesinnung mit. Die eingewanderten Jungproletarier( man nennt sie PioKaffe zusammen. Sind solche Arbeitskommunen nicht in der niere) schließen sich zu Arbeitskommunen mit gemeinsamer glücklichen Lage, ein eigenes Stückchen Land oder einen eigenen Betrieb zu besißen, so gehen ihre Mitglieder als Taglöbner auf verschiedene Arbeitspläße: auf die Pflan zungen, in die Fabriken, in den Haushalt. Gewerkschaftlich und politisch organisiert, durch ein streng solidarisches Leben gefestigt, gelang es diesen eingewanderten Arbeiterburschen und-mädchen, in furzer Zeit in die alten unumschränkten Unternehmerrechte eine Bresche nach der anderen zu schlagen, die Löhne energisch in die Höhe zu treiben und das An sehen ihrer Klasse energisch zur Geltung zu bringen. Was die Arbeiter konnten, das konnte das„ Dienstmädchen" natürlich auch. Junge Pionierinnen Die jungen Pionierinnen, die ihren Arbeitsplatz im Haushalt fanden, stellten einen für Palästina ganz neuen Typus der Hausgehilfin dar: ernst und selbstsicher, politisch geschult, mit dem stolzen Bewußtsein, Kultur und Forts schritt in diese orientalischen und halborientalischen Häuser hineinzubringen. Troßdem sie ihren Gnädigen" heimlich nicht wenig imponierten( einige unter den Mädchen waren sogar ehemalige Studentinnen), hatten sie es doch nicht leicht, gegen die alten Traditionen des Herrinnentums, der Unfreiheit und der Ausbeutung, aufzukommen. Trotzdem find sie heute schon so weit, daß sie den Monatslohn von 3 Pfund 50 Piaster( ungefähr 100 Schilling), einen streng eingehaltenen Achtstundentag und eine verständnisvolle, ihre Gleichwertigkeit anerkennende Behandlung erreicht haben. Nie aber hätten sie diesen Erfolg, der nicht nur für palästi nensische Verhältnisse ein ungeheurer war, erzielt, wenn sie sich nicht von allem Anfang an um ihre versklavten orienta lischen Kolleginnen gekümmert hätten. Heute ist bereits ein großer Teil der jemenitischen Hausgehilfinnen gewerkschaft lich organisiert. Von Mädchen zu Mädchen geht die Agitation, auf den Straßen, auf den Märkten, beim Einkauf und beim Botengang. Es scheint, als ob diese armen, gedrückten und geplagten Geschöpfe schon lange darauf gewartet hätten, daß endlich jemand kommt, um ihnen den Weg ins Freie zu zeigen. Mit dem ganzen Schwung ihres orientalischen Temperaments stürzen sich die Mädchen in die neue Welt des klassenbe wußten Freiheitskampfes. Von heute an arbeite ich bis sechs Uhr abends und keine Minute länger," erklärt die Leila, die schokoladebraune Je menitin, reißt sich entschlossen das bunte Tuch vom Kopfe und fletscht die weißen Negerzähne. Und dann komme ich u euch in den Kurs. Meine Herrin wird Krach schlagen, aber ich fürchte mich nicht vor ihr. Wenn man sich nichts gefallen läßt, dann kann einem auch nichts geschehen." 152: Klara Blu m. Einer, der nicht sterben konnte Ein Mann, dem es trop 7 facher Anstrengungen nicht möglich war, sich aus der Welt zu schaffen, ist von der Polizei des bosnischen Ortes Banjaluka verhaftet worden. Dieser Unglückliche wurde wegen verschiedener Betrügereien gesucht und wollte sich dem Arm der irdischen Gerechtigkeit entziehen. Er fletterte daher auf das Dach des Zuges, in dem er sich auf seiner Flucht befand. Als er einen Tunnel erreichte, da zeigte sich, daß sein Kopf unter der Tunneldecke gerade hindurchging und er unversehrt blieb. Er kletterte also wieder in sein Coupe zurück, setzte sich einen Revolver an den Kopf und drückte ab. Aber in seiner Aufregung hatte er vergessen, den Revolver zu laden. Nun wollte er es mit dem Hängen versuchen. Er befestigte einen Strid um seinen Hals, knüpfte ihn fest an das Gepäcknetz und sprang von seinem Siz herunter. Daß Gepäcknez brach ab. Nun trant er eine Flasche aus, die mit einem Opiat gefüllt war, schnitt sich mit seinem Taschenmesser die Pulsadern auf und sprang dann aus dem Fenster des fahrenden Zuges. Doch der Sturz wurde durch Dickicht gedämmt, in das er hineinfiel; die Schnitt wunden waren nicht tief genug, um ein Verbluten zur Folge zu haben, und das Opiat erwies sich als nicht giftig. Er wurde lebend aufgefunden, nach dem Krankenhaus gebracht und dort wieder ganz hergestellt. Als die Polizei erschien, um ihn zu verhaften, entfloh er aus seinem Haus und stürzte sich in den nahe gelegenen Fluß. Aber die Beamten zogen ihn heraus und brachten ihn in Sicherheit: ins Ge fängnis. Schriffbruchi Von Theodor Plivier* Ole steht auf der Brücke der„ Tromsö". Sein Blick geht über die Fläche. An Steuerbord, an Backbord, vorn, achtern überall steht das Eis.„ Nehmt den Tran mit!" brüllt er auf das Deck hinunter.„ Schneidet das Großsegel vom Mast! Schmeißt alles auf das Eis!" Am Horizont raucht Licht, hebt sich noch und spannt einen Bogen in die halbe Höhe des Himmels. Im Dunst des Polarlichtes steht ein Gesicht, sieht Ole das Gesicht Lisawetas, das ihn um die Erde gejagt hat. Hoi- ho- hoi- ho!" Auf dem Deck werden Fässer gerollt, Riften geschleppt. Tran, Rum, Proviant wird an Tauen hinutergelassen auf die gefrorene Fläche des Meeres. Die Fäuste der Männer find Schaufeln geworden. Sie schippen, schleppen, packen alles, was nicht festgeschmiedet ist, zusammen und werfen es hinunter. Acht arbeiten. Ole ist der neunte. Er steht mitten auf der Brücke. Seine Beine wurzeln in den Eingeweiden des todwunden Schiffes. Jede Bewegung registriert er wie ein Apparat. Knall! Schrei brechenden Stahls- einmal, zweimal! Nieten brechen! Neun Paar Ohren sind ein einziger Trichter! Sekunden bleibt alles still. Dann dröhnt Schlag auf Schlag. Nieten reißen wie Knöpfe an einer riesenhaften Jacke. Eine eiserne Wand rollt sich auf, Deckplanken beben. Aus der Tiefe schlottert es heraus bis in die Knie der Männer. Das Schott ist geborchen! Gestern nacht ist der Fischdampfer SS.„ Tromsö" gegen einen Eisberg ge= rannt. Mit aufgerissenem Steven hat er seinen Weg gesucht durch treibende Eisfelder. Das Schott, daß wie ein eisernes. *) Theodor Plivier steht auf der Inder- und Fegefeuer- Liste des britten Reichs", Zwerchfell das Schiffsinnere in Abteilungen trennt, hatte gehalten, eine Nacht und einen Tag... Es ist gebrochen. Wasser stürzt in den Raum. Die Mannschaft stiebt auseinander nach allen Richtungen. Westerwieken, der Steuermann, wälzt sich wie ein schwerer Sack über die Bordwand. Die andern folgen. Sie stehen auf dem Eis herum um das sinkende Schiff. Der Steuermann war der erste, der mit Trinken angefangen hatte; jetzt poltert seine Stimme in die Nacht:" I bet my boots- ich wette meine Stiefel, diese verdammte„ Tromsö" versäuft!" Das Schiff bäumt sich wie ein Tier und schüttet die fiber das Vorderdeck waschenden Wasser von sich. Noch einmal hebt es seine Nase aus der Flut, um gleich noch tiefer hineingedrückt zu werden. Das Hed mit Steuer und Schraube steigt steil in die Luft. Mit großer Fahrt sinkt die„ Tromsö" in das Meer. Einmal noch tut die Tiefe sich auf und spuckt eine schmutzige Wolke aus Rauch, Kohlenstaub und Dampf. Dann gähnt ein Loch in der Nacht. Wilder Atem der Polarnacht peitscht die Männer zu hohen Haufen. Mit blauen Zähnen nagt das gefrorne Meer an Leibern und Beinen. Ole liegt mit dem Kopf gegen ein Tranfaß. Dem Faß hat man den Boden( geschlagen und hat es in Brand gesteckt. Der Tran brennt mit roter, rußiger Flamme. Ole sieht die Sterne des Himmels über seinen Scheitel laufen. Die Scholle, auf der fie liegen, treibt. Mit ihr treiben phantastische Eisgebilde. Zertlüftete Blöcke schwimmen durch die Nacht wie Gesichte. Im Rauch der Flamme hantiert der Steuermann. Ein volles Faß Rum gießt er in das fochende Wasser. Dabei bellt er mit heiserer Stimme:" That' ll do! That' ll do!" So hat er immer in das Mannschaftlogis hineingerufen, wenn das Schiff nach beendigter Reise im Hafen angekom men und die Matrosen an Land gehen durften, " That' ll do" pulst in schweren Schlägen das Blut durch die schiffbrüchige Mannschaft; neunköpfiger Leib schrumpft zusammen unter der Decke von Lumpen, Segeltuchfezzen und Schnee. Ole fällt mit weit offenen Augen in Schlaf. Das über das Eis kriechende dunstige Leuchten des Nordens stürzt in seinen Traum. Ole ficht Licht. Licht hundertarmiger Leuchter blizendes Porzellan, Schüsseln, Gläser. Er sitzt an weißem Tisch mit tausend Gedecken, Glattrasierte Männerantlize, gepflegte Bärte. Nackte Schultern und Arme von Frauen leuchten weich wie Samt. Aber der Zahlkellner hat das Geficht von dem Schuft in Trondjem, von dem Shippingmaster, der ihn auf die " Tromsö" geheuert hat. Er macht ihm eine doppelte Rech nung. Ole sucht Geld, sucht in allen Taschen und findet keines. Lisaweta ist da. Sie hat das gelbe Kleid an. Ihre schlanken Finger hasten durch die Reisetasche. Geld findet sie nicht, Bur ein paar Notenblätter und einen seidenen Pantoffel. Ein seidener Pantoffel. Ein unermeßlicher seidner Pantoffel singt über die Eisprärie. Ole hört mit hellwachen Sinnen den Ton, hört wieder den seltsamen Ton, von dem er einmal erzählt hat, nachdem er lange Stunden mit Frau Lisaweta dem Wind gelauscht hatte im Kamin. Ein Gletscher fährt durch die Nacht. Ein Gletscher geht durch die Nacht. Riesenzahn aus dem Maul der Ewigkeit reißt durch das Eis. Weißblutende Schollen schieben sich in die Höhe. Das letzte Tranfaß brennt, ist niedergebrannt bis an den Haarschopf Oles. Der bewegt sich nicht, fühlt keinen Leib und feine Beine mehr. Seine Füße stecken in Stiefeln und sehen ihn an wie zwei Gegenstände. Aus dem Knäuel zusammengehauenen Menschenhaufens ragt eine geballte Faust gegen den Himmel. Das Antlitz von Sven Westerwieken, dem Steuermann, sieht aus wie das Geficht eines toten Seehunds. That' ll do! Der Vizekanzlerals Spion Aus den Kriegstaten Fränzchens von Papen ஓர் மணாம் In der Sokolzeitschrift„ JAS" veröffentlicht der Kapitän der tschechoslowakischen Legionen Emanuel Vittor Vosta, der während des Krieges die eng= lische Botschaft in Washington bei ihrem Spionages dienst unterstützt hatte, seine Memoiren. Bisher find lediglich die Ereignisse aus der Zeit des Kriegsbeginns erschienen. Da die Spionagetätigkeit des heutigen deutschen Vizekanzlers von Papen besonderes Intereffe beansprucht, bringen wir im Nachfolgenden Vofkas Darstellung der Ereignisse, die zu Papens Ausweisung geführt haben: " Als Papen vor mehr als einem Jahr zum deutschen Reichskanzler ernannt wurde, berichtete die Weltpresse über die 1915 erfolgte Ausweisung Papens, der damals Militärattache in Washington war, aus den Vereinigten Staaten. Danach habe Papen eine Aktentasche mit kompromittieren dem Inhalt in der Hochbahn liegen gelassen. Diese Darstellung entspricht nicht der Wahrheit. Das Mißgeschick mit der Aktentasche hatte der deutsche Finanzattache Dr. Albert und auch das spielte sich viel komplizierter ab. Nachstehend die Geschichte von Papens Ausweisung: In Washington gab es nach Ausbruch des Weltkriegs zwei gegeneinander arbeitende Spionagezentralen. An der Spitze des Spionagedienstes der Entente stand der britische Marineattache Contre- Admiral Gaunt, an der Spike des Spionagedienstes der Mittelmächte Herr von Papen. Der deutsche geheime Nachrichtendienst übertraf an Qualität den englischen. Die Tätigkeit von Papens Spionage- und SabotageZentrale war überaus mannigfaltig. Papen verkehrte mit Fren und Indern, die ihn mit Nachrichten versorgten und ihn in jeder Beziehung unterstüßten, da sie von einem Sieg Deutschlands ihre Befreiung von der englischen Herrschaft erwarteten. Darüber hinaus sprengten Papens Agenten wiederholt die Brücke in die Luft, auf der die Eisenbahn nach Halifax in Kanada führte, um amerikanische Waffentransporte über Kanada nach England unmöglich zu machen. Auch Munitionslieferungen wurden in die Luft gesprengt, auf amerikanischen Schiffen, die Waffen für die Entente führten, wurden Bomben und Sprengkapseln eingebaut, für England bestimmte Militärpferde wurden vergiftet usw. Der hohle Spazierstock Der englische Spionagedienst bediente sich überwiegend österreichischer Staatsbürger, die den Nationen angehörten, welche vom Zerfall Desterreichs thre Befreiung erhofften, also Tschechen, Slowaten, Slowenen usw. Der englische Spionagedienst besaß geheime Radiostationen, mit denen er drahtlose Meldungen deutscher U- Boote auffing, besonders erfolgreich war er aber in der Gegen spionage. Der deutsche Spionagedienst hatte, um möglichst erfolgreich arbeiten zu können, eine Handelsgesellschaft gegründet, American Import and Export Company", unter welcher Firma der Spionagedienst getarnt wurde. An der Spize dieser Gesellschaft stand der Finanzattache Dr. Albert. Voska gelang es, seine Tochter bei Albert unterzubringen und Fräulein Voska, deren Aufgabe es war, die Post der Gesellschaft jeden Abend zu expedieren, brachte diese ihrem Vater, der sie vor ihrer Absendung durchlas, wichtige Stücke abschrieb und besonders wichtige fotografierte. Einmal im Sommer 1915 teilte Fräulein Voska mit, daß ein großes Pafet im Ausmaß von 40 mal 60 Zentimeter dem ameritanischen Journalisten Archibald, dem Berichterstatter der United Preß, auf den europäischen Schlachtfeldern, mitgegeben werde. Das Paket enthalte Abrechnungen über große Lieferungen aus Amerika über Schweden und Holland nach Deutschland. Geliefert worden seien neben Waffen hauptsächlich Gummi, Fleisch und Kaffee. Das Paket enthalte weiter Pläne für neue illegale Taten vnd Sabotageatte, die Papen in Amerika beabsichtige. Weiter enthalte das Paket Rapporte an die Wiener und Berliner Regierungen und schließlich mehrere Privatbriefe. 396 untersucht. Am vierten Tag schritten bereits der holländische Gesandte wegen Verlegung der Neutralitätsrechte und der amerikanische Botschafter wegen der Verhaftung des amerikanischen Journalisten ein. Hall telegrafierte an Gaunt: " Nichts gefunden. Viktor hat sich geirrt." Viktor war der Geheimname für Voska. Washington kabelte zurück:„ Irrtum ausgeschlossen." Am fünften Tag forderte Admiral Hall den Kapitän des holländischen Schiffes auf, die Kassa zu öffnen. Dieser erwiderte, daß er dies nach dem internationalen Seemannsrecht nicht nur nicht müsse, sondern nicht einmal dürfe. Da gab Hall den Auftrag, die Kassa mit Gewalt zu sprengen. Das Paket mit den kompromittierenden Dokumenten wurde gefunden. Die Veröffentlichung der Dokumente machte in Amerika ungeheures Aufsehen. Alle Zeitungen, auch die deutschfreundlichen, brachten riesige Ueberschriften:„ Weift Papen aus!" Tatsächlich wurden kurz darauf dem österreichischen Botschafter Baron Dumba, Papen und dem deutschen Marineattachee Boy- Ed die Pässe zugestellt. Nicht ausgewiesen wurde der deutsche Botschafter Bernstorff. Einer dieser Privatbriefe Papens an seine Frau enthielt Die berühmte Aktentasche folgende charakteristische Stellen: Ich sage hier den blöden Yankees in einem fort, sie sollen bloß unseren Heroismus bewundern und das Maul halten." Eine andre Stelle lautete: In Washington machen der Kongreß und die Regierung alles, was der deutsche und der österreichische Botschafter wünschen, ohne zu wissen, daß sie das tun, was wir wollen." Ueberdies bekam Archibald einen hohlen Spazier: stock mit, in dessen Inneren sich die Pläne der amerikanischen Rüftenbefestigungen befanden. Die Küstenbefestigungen hatte ein Agent der österreichischen Regierung ausgeforscht. Aber im österreichischen Generalkonsulat waren vier tschechische Beamte, die im Dienste der Gegenspionage standen, und einer von ihnen, ein gewisser Sehnal, verriet den Inhalt des Spazierstodes dem englischen Marineattache Gaunt, Verfolgung auf hoher See Archibald fuhr mit einem holländischen Passagierdampfer, " New Amsterdam", nach Europa. Das Schiff sollte programmäßig in England landen. Gaunt ließ das schnellste englische Schiff, das er zur Verfügung hatte, ausfahren. Dieses Schiff überholte die„ New Amsterdam" auf hoher See und warf drei Tage früher an der englischen Küste den Anker aus. So wurde der Chef des englischen Spionage= dienstes, Admiral Hall, von dem Material auf dem holländischen Schiff benachrichtigt und ließ es, als es in einem englischen Hafen einlief, besetzen und Archibald verhaften. New Amsterdam" wurde drei Tage ergebnislos In Geldsachen hört die Liebe auf Mussolinis Grundsatz gegenüber Deutschland Das offiziell so hitlerfreundliche Italien sucht in der Praris aus dem Welt- Boykott deutscher Waren zu profitieren. Vom 6. bis 21. September findet in Bari die„ Levante"-Messe statt, eine Veranstaltung, die wachsende Bedeutung für die Märkte der Mittelmeerländer und der Länder des nahen Ostens ge= toonnen hat... Unter dem vom Propagandabüro dieser Messe versandten Material befindet sich die Wiedergabe des Bericht eines beauftragten Reisenden an die Direktion der Levante- Messe, in dem die italienische Industrie auf die günftige Gelegenheit hingewiesen wird, welche ihr der Boykott deutscher Waren durch den Levante- Handel gebe. Es heißt dort wörtlich: Export gleich Null Klagen der Aachener Textilindustrie Ueber die Wirtschaftslage im Aachener Bezirk berichtet der gleichgeschaltete, also gewiß unverdächtige„ StadtAnzeiger" der Kölnischen Zeitung": Was das Geschäft an sich betrifft, so kann im Inland eine gewisse Belebung festgestellt werden. Diese dürfte in der Hauptsache auf die Auffüllung der etwas mehr als sonst üblich gelichteten Lager zurückzuführen sein. Vom Ausland kommt soviel wie nichts mehr herein. Das deutsche Tuch stößt aber im Ausland, und dabei vor allem auf dem südamerikanischen Markt, auf England und die Tschechoslowakei, in jüngster Zeit besonders auch auf Italien, mit dem Deutschland in besonders scharfen Wettbewerb getreten ist. " Infolge des starken Boykotts deutscher Waren, der seit einigen Monaten sich mehr in dieser Zone wie anderswo be merkbar macht, bieten sich große Aussichten für eine stärkere italienische Ausdehnung auf diesen Märkten. Bei den Konsulaten, Banken, Handelskammern laufen täglich Nach: fragen nach italienischen Waren ein, die geeignet sind, die früher von Deutschland importierten zu erſegen. Die ita lienische Industrie muß von diesem Zustand Nutzen zu ziehen wissen und sich auf der Höhe der Situation zeigen, die in diesem Augenblick zu ihrem besonderen Vorteil ents standen ist." Ganz ähnlich wie in der Nadelindustrie liegen die Verhältnisse bei der Schirmfabrikation, einem selten in der Oeffentlichkeit beachteten Gebiet, das insofern für Aachen eine besondere Bedeutung hat, als dort bei dem für den Platz einzigen Unternehmen über 50 Prozent des gesamten deutschen Schirmbaues liegt. Während früher die Im Zusammenhang damit steht die Geschichte von der ominösen Aktentasche. In ihr befanden sich die Rechnungen für die amerikanischen Lieferungen an Deutschland, die in einem Jahr 110 Millionen Dollar ausmachten. Bald war die Aktentasche so dick, daß ihr Besizer, der deutsche Finanzattache Dr. Albert, eine neue kaufen gehen mußte. Nun wurde er aber auf Schritt und Tritt von drei Agenten des englischen Spionagedienstes verfolgt, darunter von einem amerikanischen Journalisten Brown, von der„ Newyork Times". Dieser folgte Dr. Albert in den Kaufladen, kaufte dieselbe Aktentasche und ließ dasselbe Monogramm daran anbringen. Dann füllte er sie mit Zeitungen so voll, Laß sie immer denselben Umfang hatte, wie die des deutschen Attaches. Dr. Albert gab die Aktentasche niemals aus der Hand und trug sie täglich früh von seiner Wohnung in sein Büro und abends zurück von seinem Büro in seine Wohnung. Dabei benützte er die Hochbahn. Mit ihm fuhren immer die drei Agenten Brown und zwei Tschechen. Einmal provozierten diese beiden einen Streit mit dem Schaffner, der bald in eine Rauferei ausartete. Während Dr. Albert aufstand, um zu sehen, was da eigentlich los set, vertauschte der neben ihm sizzende Brown die beiden Aktentaschen und stieg an der nächsten Station aus. Dr. Albert öffnete, zu Hause angekommen, die Aktentasche und fand sie voll von alten Nummern der„ Newyork Times". Die Dokumente über die deutschen Bestellungen in Amerika durch schwedische und holländische Strohmänner waren aber in die Hände der englischen Botschaft gelangt. freien Anleihe vorgeschlagen. Der Börsenvorstand wird mit der Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer Thyssens Vorschlag ins Leben zu rufen versuchen. Vergebliche Hoffnung... Berlin, 3. Aug.( Inpreß). Die Deutschlandreise des chinefischen Finanzministers Sung hatte aus welchen Gründen ist unbekannt in der deutschen Industrie die Illusion erweckt, China werde große Aufträge in Deutschland vergeben. Es muß festgestellt werden, daß kein einziger Auftrag im Zusammenhang mit dieser Reife vergeben worden ist. Untergebracht? Angeblich keine arbeitslosen SA.- Leute mehr in Berlin Berlin, 2. Aug.( Inpreß). Um die radikalen Stimmungen innerhalb der Berliner SA. zu brechen, hat die dortige ArLeute in alle möglichen und unmöglichen Stellen hineinbeitsbeschaffungszentrale mit besonderem Nachdruck SA.gepumpt. Der dortige Gruppenführer Ernst meldet, daß feine SA.- Leute mehr in Berlin ohne Arbeit geblieben seien. Man nannte so etwas früher: Parteibuchwirtschaft. Ausfuhr deutscher Schirme 15 Prozent des gesamten Ab- Wer kritisiert, fliegt! satzes ausmachte, ist diese auf 7 Prozent des inzwischen geschrumpften Umsatzes zurückgegangen, beträgt also tatsäch lich gegen früher nur etwa 3 Prozent. Die schärfsten Kon= kurrenten sind auch hier Japan und Italien. Japan nimmt mit stark 50 Prozent an dem gesamten Export des Welthandels teil, Italien beansprucht 20 Prozent und in die restlichen 30 Prozent teilen sich zu ziemlich gleichen Quoten Deutschland, Frankreich und England. Der Export deutscher Tuche ist jedenfalls, verglichen mit Sächsischer Schmerzensruf früheren Jahren, auf ein Minimum zurückgegangen. Als weiterer wichtiger Industriezweig neben der Tuchfabrikation kommt für Aachen die Nadelindustrie in Frage. Sie war von jeher in erster Linie auf das Export= geschäft angewiesen. Daher ist es erklärlich, daß der Absatz infolge der für viele Länder bestehenden Kontingente und der Devisenschwierigkeiten immer mehr zurückgeht. Im 2. Vierteljahr 1933 ist gegenüber dem 1. Bierteljahr ein 15-20prozentiger Rüdgang zu verzeichnen. Gegenüber den Borjahren ist dieser Rückgang noch bedeutend höher. Eine Ausfuhr nach den Ländern, die vom Goldstandard abgegangen sind, ist fast unmöglich geworden. Die Preise fonnten nicht entsprechend dem Kursrückgang der einzelnen Währungen gesenkt werden. Hinzu kommt die japanische Konkurrenz, die sich für die deutsche Nadelindustrie fatastrophal auswirkt. Sie macht sich nicht nur in Uebersee, sondern selbst auch auf dem europäischen Festland schon sehr unangenehm bemerkbar. Da die japanische Ware verständlicherweise viel billiger ist und im Export geschäft der Preis ausschlaggebend ist, so gewinnt die japanische Konkurrenz immer mehr an Raum. Es macht Jm„ Berliner Tageblatt" veröffentlicht der Vorsitzende des Verbandes sächsischer Industrieller, Wittke, einen Leitartikel, in dem es heißt: Deutschland hat seine Haltung unter den Völkern zu einem beachtenswerten Teil der Ausfuhr sächsischer Fertigwaren zu verdanken. Im Reich wird das zu wenig geschätzt. Das sächsische Volk, von dem die Reformation ausging, das den Deutschen einen Lessing, Fichte und Richard Wagner gab, wird im Reich leichtfertig ver spottet. Dieser Spott, den der Sachse ehedem gelassen hin nahm, schmerzt und schädigt heute das sächsische Volk, das seit vielen Jahren die schlimmste Wirtschafts not in deutschen Landen aufzuweisen hat. Diese Not, die sich in der Arbeitslosenzahl äußert, die viel höher ist als im übrigen deutschen Industriegebiet, ist zum großen Teil die Folge einer unorganischen Wirtschaftspolitik, bei der der In landmarkt, der für die sächsische Wirtschaft trob allen Ausfuhrbestrebungen das nächste und wichtigste Ziel ist, verödet. fich jetzt auch hier der Umstand gefahrdrohend bemerkbar, Eine Thyssen- Anleihe daß Nadelmaschinen nach vielen Ländern in großem Maße ausgeführt worden sind, wodurch sich diese Länder in der Fabrikation der Nadelartikel selbständig machen konnten. Frizz Thyssen, Staatsrat und einer der Wirtschaftsdiktatoren Deutschlands, ist zugleich Vorstand der Düsseldorfer Börse. Als solcher hat er die Auflage einer steuerAuch wenn er ein Schwerkriegsbeschädigter ist In der deutschen Presse finden wir folgenden Bericht, der kommentarlos am besten wirken dürfte: " Das Berliner Arbeitsgericht hat gelegentlich eines Einzelfalls besonders deutlich ausgesprochen, wie eng das Schicksal der deutschen Wirtschaft mit dem Bestand der nationalsozialistischen Regierung verbunden ist. Das Arbeitsgericht hatte sich mit der Klage eines Schwerkriegsbeschädigten zu beschäftigen, der innerhalb des Betriebs antinationale politische Propaganda unternommen hatte und dafür von dem Arbeitgeber entlassen worden war. Nun stehen an sich Schwerbeschädigte unter einem besonderen Kündigungsschuß. Das Berliner Arbeitsgericht hat aber das Interesse des ungestörten Ablaufs des Wirtschaftslebens in diesem besonderen Fall über den stärkeren Kündigungsschutz gestellt. In seiner Entscheidung sagt das Gericht, es sei dem Arbeitgeber nicht zuzumuten, das Arbeitsverhältnis mit einem solchen Schwerbeschädigten fortzusetzen. Das Schicksal der Arbeitgeber in ihrer freien wirtschaftlichen Entfaltung sei auf Ge deih und Verderb mit der Aufrechterhaltung und dem Fortbestand der nationalen Regierung verbunden. Daher treffe jede politische Bewegung, die auf Beseitigung der natios nalen Regierung gerichtet sei, mittelbar auch den Arbeits geber. Insbesondere könne es einem Arbeitgeber, dessen Auftragsbestand auf die Zuweisung von Aufträgen durch Behörden angewiesen ist, nicht zugemutet werden, Arbeitnehmer weiter durch Gewährung von Arbeit und Lohn im Betrieb zu halten, deren Ziel und Bestreben auf Beseitigung der jetzigen Regierungsgewalt gerichtet ist. : Das besonders Aktuelle an diesem Fall ist die Tatsache, daß der klägerische Schwerbeschädigte den Versuch unternommen hatte, die inzwischen in die nationalsozialistische Organisation übernommene Stahlhelm- Selbsthilfe dadurch zu zersetzen, daß er Kommunisten zum Eintritt in diese Stahlhelmorganisation aufforderte, um dann eine kommunistische Gegenrevolution leichter vorbereiten zu können." Wer ist politisch verdächtig"? 99 Die Schicksalsfrage für Millionen im Dritten Reich Aus Deutschland wird uns geschrieben: Das neue Deutschland hat sich in der kurzen Zeit seines Bestandes bereits einen bestimmten Jargon und eine eigene Amtssprache angewöhnt. So heißt es zum Beispiel Tag für Tag in polizeilichen Mitteilungen, es sei möglich gewesen, eine größere Zahl von„ politisch Verdächtigen" zu verhaften. Gemeint ist damit regelmäßig: den vereinten Kräften von Polizei, SA., SS., Automobil- und Motorradabteilungen sei es gelungen, eine erfolgreiche Menschenjagd zu einem für sie günstigen Abschluß zu bringen. Die Jagdbeute sind also solche Deutsche, die politisch verdächtig sind als Anhänger der Sozialdemokratie, der Kommunisten, der Pazifisten, der Ernsten Bibelforscher, des Ludendorffschen Tannenbergbundes, des Jungdeutschen Ordens, der Schwarzen Front, der deutschnationalen Kampfstaffeln, des Zentrums, der Heilsarmee, des Großdeutschen Jugendbundes und einer Un zahl anderer Organisationen, Verbänden und Weltanschauungsgemeinschaften. Gäbe es in Deutschland noch einen Funken von Recht, so müßte man annehmen: die Aktionen der Polizei und der braunen Armee sind nur gegen solche Staatsbürger ge= richtet, die etwas Strafbares begangen haben oder zu= mindest nach wie vor einem der aufgezählten verbotenen Berbände angehören. Da das nicht immer von vornherein ganz genau feststellbar ist, werden, so könnte man meinen, mitunter auch solche Personen festgenommen, gegen die ein begründeter Verdacht vorliegt, damit er auf seine Berechtigung hin geprüft werde. Sollte man meinen! In Wirklichkeit bleibt es dem einzelnen Polizeibeamten oder SA.- Mann vorbehalten, zu bestimmen, wen er für verdächtig" hält. Verdächtig im Sinne des dritten Reiches" ist man aber nicht etwa, wenn ein Anlaß dazu vom Standpunkt des Staates besteht; denn dann wird man ja sofort vor das Sondergericht gestellt oder gleich in der Zelle erschlagen verdächtig ist in Deutschland, wie es ein Führer der sächsischen SA. kürzlich formulierte, derjenige, dem man etwas Staatsfeindliches zutrauen" fann, ohne daß ein Beweis dafür vorhanden i ft. Man wird zugeben müssen, daß ein derartiger Rechts: begriff, der in ganz Deutschland gang und gäbe ist, von einem gefunden Hirn nicht mehr begriffen, sondern nur noch mit Abschen und Schandern zur Kenntnis genommen werden kann. Tausendfache Erfahrungen beweisen aber: nur einen verschwindenden Bruchteil der im Dritten Reich in den letzten Monaten Verhafteten konnte man einer Handlungsweise überführen, die selbst vom Nationalsozialismus als strafwürdig angesehen wird.„ Politisch Verdächtige" sind also in Wahrheit solche Deutsche, gegen die selbst die in ihren Gesetzen und Mitteln beispiellos grausamen Herrscher und Henker des neuen Deutschland nichts unternehmen können, weil sie sich nichts haben zuschulden kommen lassen, weil es sich in Wahrheit um in jeder Hinsicht vollkommen unschuldige Menschen handelt. Die Geschichte der Klassenjustiz ist gewiß reich an Ungerechtigkeiten und schandbaren Verlegungen des Rechtes Menschen nur deswegen ohne Urteil ins Konzentrationslager zu stecken, weil man ihnen zugegebenermaßen nichts nachweisen und sie deswegen auch nicht vor ein Gericht stellen kann, ist dem Deutschland des Jahres 1983 vorbehalten geblieben. In welchem Umfang nun bei der Frage, wer verdächtig" ift, Willtür, Denunziation, menschliche Gemeinheit, aber auch der blöde Zufall eine Rolle spielen kann, ist kaum zu schildern. Einen ähnlichen Namen wie jemand zu haben, der Funktionär war, oder, ohne zu wissen, in einer Wohnung zu wohnen, die einstmal einem Marristen" gehörte solche Dinge werden für Hunderte Menschen zum Schicksal. Eine Nachbarin, mit der man sich vor Jahren gezankt hat, oder ein Geschäftsmann, mit dem man sich einst wegen der Qualität der Winteräpfel zerstritt, hat schon mehr als einen als politisch Verdächtigen" nach Dachau oder Siegburg, nach Gollnow oder nach Hohenstein gebracht. Wie sehr aber die Nationalsozialisten die Arbeiterschaft hassen und wie genau sie wissen, daß sie unter dem ProleStreit in Südwestafrika Nationalsozialistische Aktion Ein lebhafter Streit ist im Parlament von Südwestafrika, der früheren deutschen Kolonie und dem heutigen Mandatsgebiet der Südafrikanischen Union infolge der Einbringung von zwei Gesetzesvorschlägen entstanden, die sich gegen die nationalsozialistische Betätigung richten. Der erste Vorschlag will die Propaganda der Nazis verbieten, der andere ein allgemeines Uniformverbot herbeiführen. Die geplanten Maßnahmen haben die scharfe Gegnerschaft der deutschen Abgeordneten hervorgerufen, die behaupten, es handle sich um eine ungerechtfertigte Einmischung in die privaten Angelegenheiten" der ehemaligen deutschen Kolonie. Die zugespißten Verhältnisse sind durch einen neuen Vorfall noch verschärft worden. Der deutsche Minister für Propaganda(!) hat an den Vorsitzenden des Ausschusses für die deutschen Schulen, den Direktor Brebber, ein Telegramm gerichtet, in dem er ihn auffordert, von der Schulverwaltung zurückzutreten und dem Führer der nationalsozialistischen Organisation die Gelder zu übergeben, die er jüngst auf einer Reise in Deutschland zugunsten der Deutschen der ehemaligen Kolonie gesammelt hat. Dieser Schritt hat unter den nichtdeutschen Abgeordneten lebhafte Entrüstung hervorgerufen. Sie beschuldigen die Hitlerregierung der Absicht, im Lande Unordnung zu stiften, und so darf man vermuten, daß nun gerade die beiden Gesetzesvorschläge im südwestafrikanischen Parlament angenommen werden. Nazi- Erfolg in Italien Der Flugfapitän Bauer, der Pilot des Reichskanzlers, ist, vom König. Viktor Emanuel III. mit dem Orden der Krone von Jtalien ausgezeichnet worden. tariat feinen nennenswerten Einfluß gewinnen können, erfennt man an der Tatsache, daß für die Schergen des Dritten Reiches jeder deutsche Proletarier von vorn= herein verdächtig" ist. Es bedarf immer nur eines kleinen Anlasses, einer lächerlichen Vermutung, eines mißtrauischen Blickes- und schon wird der betreffende Arbeiter von der Polizei, der SA. oder der SS. abgeholt. Dabei ist für den Geist des dritten Reiches" kennzeichnend, daß man insbesondere solche Volksgenossen für staatsfeindlich" hält, deren Leben sich außerhalb des üblichen SA.- Milieus, der Wachstube und der Kantine abspielt, die lieber Bücher lesen oder für eine vernünftige Lebensgestaltung eintreten. Mit welchem fanatischen Haß zum Beispiel die Schrebergartenbewegung verfolgt wird, wie die Nazi jeden Bewohner der Gartenstädte für einen„ Bolschewifen" halten, wie sie die Schutzhaft für Hausbesitzer Zugreifen in Schwerin Das Polizeiamt der Stadt Schwerin erläßt in der einzelnen Laubenkolonien durch immer neue Razzien drangs salieren, plündern, in Angst und Schrecken halten, ist kaum vorstellbar! Die jungen Arbeitslosen, die sich statt in den Spelunken in den Freibädern aufhalten sie trifft der Haß! Ein junger Arbeiter, der bei sommerlichen Wanderungen nicht mit Rock und Kragen bekleidet ist er ist politisch ver. dächtig! Man wird demnach heute in Deutschland politisch vers dächtig", ohne jedes Dazutun, ohne jedes Verschulden, ohne jede besondere Tat- es ist Schicksal, weil das böse Ges wissen der Unterdrüder in jedem, der unterdrückt wird, den Feind sieht. Die Folge ist: die politisch Verdächtigen werden durch die Behandlung, die man ihnen angedeihen läßt, zu politischen Gegnern des Systems: der Terror des Nationalsozialismus macht aus den passiven„ Verdächtigen" aktive Bekämpfer des Dritten Reiches. Denn jede Gewalttat, jede unberechtigte Verhaftung, jede willkürliche Razzia, jede Mißhandlung und Demütigung von Menschen, denen man nichts beweisen kann, aber alles zutraut", muß dazu führen, daß sie zu dem werden, was die gegenwärtigen Beherrscher fürchten, und was sie durch immer neue Unterdrückungsmaßnahmen nicht verhindern, sondern nur beschleunigen: zu den Totengräbern des dritten Reiches"! Richtung ihrer sozialen Verpflichtung der Allgemeinheit gegenüber nicht nachkommen, werden fünftig unnachsichtlich in Schuzhaft genommen werden. mecklenburgischen Presse einen Aufruf, in dem der Polizei Hitler liebt die Prinzen dezernent für unsoziale ausbesizer Schuhhaft androht. Das Stadtpolizeiamt weist darauf hin, daß im Interesse obdachloser Familien unter allen Umständen leer: stehende Wohnungen unverzüglich vermietet werden müssen. stehende Wohnungen unverzüglich vermietet werden müssen. In Zukunft dürfen Hausbesiger ihren Mietern ohne triftigen Grund nicht kündigen, um hierdurch lediglich einen höheren Mietzins zu erreichen. Hausbesitzer, die in dieser Der Herzog von Sachsen- Coburg- Gotha ist zum Gruppenführer der SA. ernannt worden und in dieser Eigenschaft dem Stab des„ Führers" zugeteilt worden. Verantwortlich: für die Redaktion Joh. Pis: Inferate Otto Kuhn. beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: Volksstimme" G. m. b S., Saarbrücken. Schüßenstraße 5. Deutsche lassen ihre Möbel und sonstigen Stückgüter nach Frankreich einzig und allein befördern durch STERN- EXPRESS 31, Rue de Pétrograd- PARIS 8. 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