denfare DID Frethet Einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands Nummer 44-1. Jahrgang Saarbrücken, Donnerstag, 10. August 1933 Chefredakteur: M. Braun In einigen Tagen erscheint: ,, Revolution gegen Hitler" die neueste Kampfschrift gegen den Faschismus. Preis 1, Franken. Bestellungen an den Verlag der ,, Deutschen Freiheit". Europa bleibt bedroht Der ungelöste deutsch- österreichische Konfliktust him- 201507 Verhängnisvoll Berlin, 9. Aug.( Eig. Draht). Die gesamte Berliner gleichgeschaltete Presse, mithin alle Zeitungen, erfüllen mit Eifer den Auftrag der Regierung, die Antwort auf die französischenglische Demarche als einen Sieg entschlossener deutschen Außenpolitik zu feiern. Nur mit Trauer und Sorge sieht man, wie wenig sich die jetzigen Methoden der außenpolitischen Beeinflussung des deutschen Volkes von denen unter Wilhelm II. unterscheiden. Die lärmenden und drohenden außenpolitischen Gesten Wilhelms II. wurden seinem Volke 25 Jahre als diplomatische Siege einer kraftvollen Nation dargestellt. Als dann rings um Deutschland die Koalitionen gegen das Reich vollendet waren und es zum Kampfe auf Leben und Tod kam, glaubte dasselbe deutsche Volt, und glaubt es in seiner großen Mehrheit noch, daß die deutsche Außenpolitik fehlerfrei gewesen sei. Im Kriege wurde die Täuschung des Volkes über die Grenzen der deutschen Machtpolitik fortgesetzt. Die Folge war nicht nur eine Verlängerung des Krieges über die Zeit hinaus, die einen erträglichen Frieden ermöglicht hätte, sondern schließlich ein militärischer, finanzieller, wirtschaftlicher und moralischer Zusammenbruch von unerhörtem Ausmaße. Die nationalsozialistische Regierung scheint diese Fehler genau wiederholen zu wollen. Sie unterrichtet das deutsche Volk so, ais sei die Frage Deutschland und Desterreich durch die kühle deutsche Antwort auf die französisch- englische Demarche erledigt und als habe Deutschland einen außenpolitischen Triumph erzielt. Wirklich national wäre es, das deutiche Volt nicht darüber im Zweifel zu lassen, daß über den jegigen deutsch- östers reichischen Konflikt hinaus die österreichische Frage schwerste Gefahren für den europäischen Frieden in sich birgt. Wer die Kommentare der französischen und der englischen Presse zu lesen versteht, wird deutlich die großen Besorgnisse erkennen. Wenn die französische Rechtspresse der franzöfischen Regierung bittere Vorwürfe über den vorläufigen Ausgang des diplomatischen Schrittes in Berlin macht, so haben wir keinen Grund, uns darüber zu freuen; denn es äußert sich darin ein sehr ernster Wille, die Aktionen gegen Deutschland zuzuspizzen. Die amtlichen Veröffentlichungen der deutschen Regierung sind schon insofern falsch, als sie glauben machen wollen, der englisch- französische Schritt sei auf Grund des Viererpattes erfolgt. Richtig ist nur, daß die beiden intervenierenden Mächte erklären ließen, die deutsche Politik gegenüber der jetzigen österreichischen Regierung widerspreche dem Geiste des Viererpaktes. Tatsächlich aber stützte sich das englischfranzösische Vorgehen auf den Artikel 80 des Versailler Vertrages, der die Selbständigkeit Desterreichs garantiert. Hier aber wird der für Europa gefährliche Punkt berührt. Die nationalsozialistische Reichsregierung betreibt im Zus fammenspiel mit den Nationalsozialisten Oesterreichs, die mindestens ein Drittel des österreichischen Volkes hinter fich haben, den Sturz des Bundeskanzlers Dollfuß. Nicht um einen beliebigen Regierungswechsel in Desterreich herbeizuführen, sondern um nach dem deutschen Beispiel den trtalen nationalsozialistischen Staat zu schaffen, der in die Totalität des dritten deutschen Reiches aufgehen soll. Als unmittelbares nächstes außenpolitisches Riel will die nationalsozialistische Reichsregierung einen deutschen Stahlblock von 73 Millionen Menschen inmitten Europas schaffen. Die Vereinigung Oesterreichs mit Deutschland ist und bleibt das Ziel jeder nationalen deutschen Politik, ob sie nun faschistisch oder sozialistisch ist. Der Unterschied liegt in der Methode und in der Ueberlegung, ob Deutschland sich eine Herausforderung von ganz Europa einschließlich Italien leisten kann. Hier sollte für jedermann dentlich der Vergleich mit der wilhelminischen Außenpolitik sichtbar werden. Die Gefahr ist größer und näher, als viele Millionen glauben wollen. In dem Augenblick, der die Gleichschaltung Oesterreichs unter einem Reichskanzler Hitler bringen würde, wäre der Versailler Vertrag aufs schwerste verletzt und würde sein gesamter Aufbau in Frage gestellt. Es kommt nicht nur darauf an, wie man als Deutscher zum Versailler Vertrag steht, sondern welche Folgerungen die vielen Garantiemächte von Versailles aus der Verletzung des Vertrages an einem seiner empfindlichsten Stellen ziehen würden. Man weiß ferner, daß ernsthaft in mehr als einem Lande der Plan erwogen wird, sich gegen die Wiedererstarfung Deutschlands und die Einverleihuna Oesterreichs dadurch zu schützen, daß man vor der Schicksalsstunde gegen das Deutsche Reich vorgeht. Außenpolitische Methoden, wie sie jetzt in Berlin beliebt werden, unterstützen die Forderung auf Präventivmaßnahmen gegen Deutschland und sind daher den deutschen Interessen abträglich. Am Ende geht es ja nicht nur um die jetzigen Machthaber, deren Untergang wir leidenschaftlich wünschen, sondern um das deutsche Volt, für dessen nationale und internationale Befreiung wir uns einsetzen. Die englische Regierung hat anscheinend ihrer Presse den Tip gegeben, die deutsche Antwort als einen Bluff zu behandeln, der dem innerpolitischen Zwecke einer Rücksichtnahme auf die nationalistis schen Leidenschaften dienen soll. In der Tat sind die maßgebenden Leute der deutschen Außenpolitik gewillt, ein ruhigeres Tempo gegenüber Desterreich einzuschlagen. Sehr zweifelhaft ist nur, ob sie weitere Flugzeugaktionen und angriffslustige Rundfunkreden hin dern können, von der Aggressivität der österreichischen Nationalsozialisten ganz zu schweigen. Die Gefahr einer Verschärfung des Konfliktes liegt nahe. Hitler- Untaten eines Tages ( Siehe Seite 3) Ziel der französischen Politik Entweder Oder Paris, 9. Aug.( Eig. Draht). Der Temp3" schreibt in seiner heutigen Morgen ausgabe: Es handelte sich darum, den deutschen Anschlägen gegen Oesterreich ein Ende zu machen, einem Feldzug, der eine unzulässige Einmischung in die inneren Verhältnisse eines dem Reich benachbarten Landes bedeutet, einer Einmischung, die den Frieden bedroht. Die diplomatischen Schritte der Mächte hatten keinen anderen Gegenstand, tein anderes Ziel, und man war bestimmt bemüht, ihnen den freund: schaftlich sten Charakter zu geben, damit das Reich sich nicht über eine Intervention zu beklagen hätte, die ihm demütigend erscheinen konnte. Nicht nur hat der deutsche Außenminister den wesentlichen Inhalt des französischen und englischen Schritts nicht zurückgewiesen, sondern er hat sie zur Kenntnis genommen, indem er immerhin aner: kannte, daß sie auf Tatsachen gegründet seien, was in sich schließt, daß er die Anschläge auf Oesterreich mißbilligt, welche die ganze Aktion veranlaßt haben. Er hat sich nicht nur nicht geweigert, die vorgebrachten Tatsachen zu erörtern, was ihm volle Handlungsfreiheit nach jeder Richtung ge= geben hätte, sondern er hat übrigens auf eine ziemlich peinliche Art- auseinandergesetzt, daß es nicht feststehe, daß die Flieger, welche österreichisches Gebiet überflogen, Deutsche seien, und daß die Radiosendungen der bayerischen Stationen sich an das süddeutsche Publikum und nicht an das österreichische wendeten. Um dem die Krone aufzusehen, wies er auf die Ueberwachung der Stationen wie der Flug häfen hin. Aber nach Kenntnisnahme des französischen und englischen Schritts hat die Reichsregierung zwar ihren freundschaft: lichen Charakter anerkannt, jedoch erklärt, daß sie jede Einmischung in die deutsch- österreichischen Auseinandersetzungen für unzulässig halte. Im Augenblick ist festzustellen, daß die Aufnahme des frans zösischen und englischen Schritts in Berlin eine ziemlich enttäuschende Erfahrung für die Politik ver: trauensvoller Zusammenarbeit bedeutet, die durch den Abschluß des Viererpaktes begonnen werden sollte. Wenn Deutschland dieses freundschaftliche und vertrauensvolle Borgehen nicht begreift und es nicht als zulässig anerkennen Unruhen in Dublin Blutige Demonstration gegen Blauhemden Dublin, 9. Aug. Gestern abend kam es im Zentrum der Stadt anläßlich einer Ballfestlichkeit der Blauhemden zu schweren Ruhestörungen. Vor dem Gebäude, in dem die Fest= lichkeit stattfand, hatten sich schäßungsweise 5000 Menschen eingefunden, die Schmährufe gegen die eintreffenden Blauhemden ausstießen. Die Menge warf auch mit Steinen gegen das Haus. Zahlreiche Personen wurden verletzt. Die Polizei unternahm einen Angriff mit dem Gummiknüppel und drängte die Menge zurück. Als der vormalige Präsident Cosgrave eintraf, zeigte sich, daß sein Wagen durch Steinwürfe beschädigt war. General O'Duffy, der Führer der„ Nationale Garde" genannten Blauhemdenorganisation, gab gestern eine Erklärung über seine politischen Pläne ab. Er sei davon über= zeugt, daß die Zahl der Mitglieder seiner Organisation sich tis Ende des Jahres verzehnfacht haben werde. Es stehe den will, muß man dann den Schluß ziehen, daß es nunmehr angebracht ist, andere Methoden und andere Mittel der Diskussion anzuwenden?... Ents weder macht die Reichsregierung ihren Umtrieben, welche die Unabhängigkeit Oesterreichs bedrohen, ein Ende, oder fie setzt sich über alles hinweg und beharrt auf ihren antiösterreichischen Aktionen, was ihr politisches Spiel vor aller Welt enthüllen würde. In beiden Fällen werden die gemeinsamen Schritte in Berlin nicht un nüz gewesen sein. ..Nicht taub" Wenn die Zwischenfälle sich nicht wiederholen wtb. Paris, 9. Aug. Die Auffassung, daß die französische Regierung die deutsche Antwort auf die Demarchen Frankreichs und Englands nicht als kategorische Ablehnung ansehe und daher die Entwicklung der Dinge abwarten möchte, be vor fie fich zu weiteren Schritten entschließt, wird durch die Stellungnahme der Morgenpresse vollauf bestätigt. U. a. argus mentiert der offiziöse Petit Parisien, daß die deutsche Ants wort keine Ablehnung", sondern nur eine„ Widerlegung" darstelle und daß die Reichsregierung schließlich gegens über den erhobenen Vorstellungen nicht taub bleiben könnte, woraufes im wesentlichen an komme. Wenn also die 3 wischenfälle sich nicht wiederholten, werde die Angelegenheit als geregelt ans zusehen sein, im entgegengesezten Falle bleibe den Mächten immer noch der Rückgriff auf den Völkerbund, der dann aller dings rigoros durchgeführt werden müsse. Diese offenbar beeinflußte Darstellungsweise wird in der Oppositionspresse scharf fritisiert, Blätter wie„ Echo de Paris"," Ordre"," Figaro" und andere werfen der Regierung vor, nicht nur äußerst ungeschickt und wenig diplomatisch vor: gegangen zu sein, so daß sie sich eine verdiente Abfuhr geholt habe, sondern fie fordern Ministerpräsident Daladier auch auf, jetzt, nachdem die Unwirksamkeit, ja Gefährlichkeit des Biermächteabfommens durch die eigenartige Haltung Itas liens und die laue Reaktion Englands erwiesen sei, der Reichsregierung feierlich zu erklären, daß Frankreich unter feinen Umständen den An= schluß oder irgend welche Revisionsbestre bungen gestatten werde. neuen Mitgliedern frei, jeder politischen Partei anzugehö ren, wenn sie sich verpflichteten, innerhalb dieser politischen Parteien für die„ Nationale Garde" einzutreten. Als Ziele der„ Nationalen Garde" bezeichnete O'Duffy die nationale Sammlung, Beseitigung der Parteipolitik und entschlossener Kampf gegen den Kommunismus. Eine derartige Politik würde nach seiner Ansicht auch am besten geeignet sein, die schließliche Vereinigung von Süd- und Nordirland herbeizuführen. Pleite Alle Angestellte bei Mosse entlassen Der große Berliner Verlag Mosse hat ultimo Juli weder Gehälter noch Löhne gezahlt und seinen sämtlichen Ange= stellten gekündigt. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß Karl Vetter, der vor etwa Jahresfrist als Reorganisator in den Verlag aufgenommen wurde, aus seiner Stellung in eine gänzlich unbedeutende Stellung versetzt worden ist. Schüsse an der österreichischen Grenze Ein Heimwehrmann getötet München, den 9. August.( Eig. Ber.) Die bayerische politische Polizei der bayerischen Naziregierung ist gezwungen, zuzugeben, daß am Montagmorgen eine bewaffnete Nazibande über die deutsch österreichische Grenze in der Nähe des Hechtsees bei Kiefersfelden vorgestoßen und mit österreichischen Heimwehrangehörigen in eine schwere Schießerei geraten ist, wobei ein österreichischer Heimwehrmann tödlich verlegt wurde und eine Reihe anderer Personen leichtere Verlegungen davontrngen. Das geschieht fast aur gleichen Stunde, in der England und Frankreich gegen die Naziübergriffe an Oesterreich protestieren und die Hitlerregierung glaubt, die bisher geschehenen Dinge als eine Lappalie bezeichnen und den Protest der Mächte zurückweisen zu dürfen. Selbst die bayerische politische Polizei erkennt, daß dieser neue; schwerwiegende Vorfall geeignet ist, die weitreichendsten außenpolitischen Folgen nach sich zu ziehen, weshalb sie heuchlerisch erklären läßt, sie werde alles tun, um die Schuldigen zu ers mitteln und sie der Bestrafung zuzuführen". Wenn das ihre wirkliche Absicht wäre, dann müßte fie unverzüglich die ganze bayerische Naziregierung mitsamt dem Reichsstatthalter, Nazigeneral von Epp, und obendrein den„ Führer" Adolf Hitler, ohne dessen Wissen, nach seinen eigenen Worten, in der Bewegung nichts geschieht, ebenso verhaften, wie die Ausführer der höheren Befehle zur Terrorisierung und Strangulierung Oesterreichs. Es ist bekannt, daß seinerzeit bereits bewaffnete Nazibanden aus dem Ruhrgebiet an die bayerisch- österreichische Grenze geschafft worden sind, um dort in dauernden Provokationen die 3ermürbung des nicht gleichschaltungswilligen Oesterreich mit allen Mitteln zu betreiben. Es ist wirklich allerhöchste Zeit, daß hier der Völkerbundsrat nicht nur seine schärffte Verurteilung ausspricht, sondern auch zu allen Mitteln greift, die ihm gegen einen derartig böswilligen Friedens störer zur Verfügung stehen. Es könnte sonst leicht sfieren, daß sich aus dem dauern den Spiel mit dem Feuer, das die Nazis an der österreichischen Grenze treiben, ein europäischer Brand ent= wickelt, dessen Ende der Untergang Deutschlands wäre! Die Toten der„ Arbeitsschlacht" Probates Mittel: Wie man die Erwerbslosen los wird In der Provinz Westfalen ist nach den amtlichen Heeresberichten über die siegreiche Arbeitsschlacht, die von Ludendorff verfaßt sein könnten, nun der Bezirk Gütersloh von Arbeitslosen frei. Er hatte allerdings nur 900 Arbeitslose. Wie sind die Leute untergebracht worden? Nach den gewiß nicht pessimistisch gehaltenen amtlichen Angaben so: 238 26,4 v. H. von der freien Wirtschaft in Dauerbeschäftigung aufgenommen. 9610,7 v. H. werden bei Notstandsarbeiten und 60,7 v. H. werden im Arbeitsdienst verwendet. 466 Arbeitslose 51,8 v. H. sind bei Erntearbeiten In der Landwirtschaft beschäftigt. Da diese Beschäftigung nur vorübergehender Art ist, ist Vorsorge getroffen für spätere Ueberführung in Dauerstellung. Die Wirtschaft hat hierfür bereits zusätzliche und durch Abbau von Doppelverdienern freigewordene Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt. Ein Teil der Ernterückkehrer wird auch bei Not standsarbeiten beschäftigt werden. 94 Arbeitslose 10,4 v. Hundert, kommen für eine geregelte Beschäftigung in der freien Wirtschaft wegen Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitsunwilligfeit nicht mehr in Betracht. Das bedeutet also, daß über die Hälfte der armen Leute vorübergehend zu Erntearbeiten kommandiert sind. Wassie verdienen, wird nicht gefagt. Was aus ihnen werden soll, wenn die Ernte eingebracht worden ist, erfährt man auch nicht deutlich. Zehn weitere Prozent sind kurz und bündig als„ ar beitsunfähig" oder als arbeitsunwillig" ausgeschieden. Mögen sie verhungern. Die Erwerbslosenstatistik kennt sie nicht mehr. Auf den Friedhöfen wird keine Zählung vorgenommen. nomen Diese einfache und sehr sichere Entlastung des Arbeitsmarktes hat einem Regierungsrat Mangels est omen fo gut gefallen, daß er in einer Vollversammlung der Industrie und Handelskammer zu Münster die Verurteilung zum Hungertode für einen großen Teil der Erwerbslosen den Unternehmern als vaterländische Pflicht empfahl. Um nicht in den Verdacht Unbesiegt.. Die deutsche Wirtschaftskrise unvermindert In ihrem Morgenblatt vom 7. August schreibt die Base= Ter Nationalzeitung" über die Wirtschaftsverhältniffe in Deutschland wörtlich folgendes: einer Greuelmeldung zu kommen, zitieren wir nach der " Frankfurter Zeitung" vom 6. August: Das Gerete- Programm habe für Westfalen nur etwa 9000 Mann für ein halbes Jahr beschäftigt. Das Programm der Reichsregierung werde ficher etwas bringen, aber bei 330 000 Arbeitslosen bedente auch das nur einen Trop= fen auf den heißen Stein. Es sei ungehener wichtig, ob es gelingen werde, einen großen Teil der unter: stützten Arbeitslosen dadurch in Arbeit zu bringen, daß bisher Beschäftigte, die als Arbeitslose nicht unterstüßungspflichtig wären, zugunsten unter stüßter Erwerbsloser aus der Arbeit entlassen würden. Das würde zu einer fühlbaren Herabsegung der Zahl der unterstüten Erwerbslosen führen, insbesondere im Textilbezirk des Münsterlandes, wo sich vielleicht sogar eine vollkommene Beseitigung der unterstüßten Erwerbs: losen erreichen lasse. Im Ruhrgebiet werde die Auswir: fung geringer, aber doch noch recht fühlbar sein. Selbst die gewiß geduldig gewordene„ Frankfurter Zeitung" findet den Vorschlag nicht gerade begeisternd. Sie meint nämlich, es ginge nicht an, daß man die Erwerbs losenversicherung entlaste und andere Rassen für die Leute, die keine Ansprüche mehr auf Erwerbslosenunterstützung die keine Ansprüche mehr auf Erwerbslosenunterstützung haben, aufkommen lasse. Es zeigt sich, daß die„ Frankfurter Zeitung" aus ihrer besseren Vergangenheit noch einige Restbestände von Hu manitätsduselei mit sich schleppt. Welche anderen Kassen sollen die entlassenen armen Teufel ernähren? Die Kassen sind doch alle leer. Nein. Herr Regierungsrat Mangels meint schon den rich Das Neueste Der ehemalige Polizeivizepräsident Bernhard Weiß in Berlin, ist von der Liste der Anwälte gestrichen worden. Bürgermeister Reuter in Düsseldorf wurde wegen Attenbeseitigung und erschwerter Untreue zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Von dem Straßburger Gericht wurden vier bei den Streifunruhen festgenommene Deutsche zu Gefängnis von einer bis drei Wochen verurteilt. Die internationale Anleihe der österreichischen Regierung wird am Londoner Markte in Höhe von 4514 200 Vfund Sterling ausgegeben werden. Die Ausgabe erfolgt in Form von 8prozentigen Sterling- Bonds. Die britische Regierung übernimmt die Garantie für Kapital und Zinsen. Die Zeichnung beginnt und endet am Donnerstag, 10. Auguft. Amtlich wird mitgeteilt: In Gemeinschaft mit den hiesigen Zoll- und Reichsbahnbehörden wurden von der Aachener Staatspolizeistelle mehrere Pakete mit Druckschriften staatsfeindlichen Inhaltes beschlagnahmt. Es handelt sich um Zeitungen, die in Paris gedruckt wurden und über Deutschland nach dem Auslande, vorzugsweise nach den nordischen Staaten, versandt werden sollten.( Ein neuer amtlicher Bes weis dafür, daß das Hitler- Zuchthaus wie auf allen internalen Postgepflogenheiten pfeift!) nationalen Bindungen, so auch auf die internatio Das Schwurgericht des Berliner Landgerichts verurteilte heute im Prozeß wegen des kommunistischen Feuer= überfalls" auf das SA.- Heim in der Boyenstraße den Hauptangeklagten Kerber wegen versuchten Totschlags zu zehn Jahren Zuchthaus, den Angeklagten Klapper zu einem Jahr Gefängnis, die übrigen Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis.( Abrechnung folgt!) Unter eigenartigen Umständen ist durch eine elektrische Hochspannung eine Familie schwer verlegt worden. Ein junger Mann wollte auf dem Dach eine Radioantenne aufs montieren, als er mit einer Hochspannungsleitung in Be rührung fam. Der starke Strom zoa ihn so an, daß er hilfs los zwischen den Drähten hing. Auf seine verzweifelten Rufe eilten sein Vater und seine Mutter herbei, die aber das gleiche Schicksal erlitten. Alle drei Personen wurden in schwerverlettem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Im Prozeß gegen drei frühere Vorstands- und vier Auffichtsratsmitglieder der Beamtenbank Bremen, G. m. b. H., wurde heute das Urteil verkündet. Die Beamten bank hatte nach dem 13. Juli 1931 ihre Schalter schließen und in Ronfurs gehen müssen. Die Angeklagten Kruse und Snoek erhielten 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und 2000 Mart Geldstrafe, fünf weitere Angeklagte Geldstrafen von 400 bis 2000 Mart. Die Arbeiter Karl Dietz und Anton Seifert aus Lauban, die beschuldigt waren, am 28. Juli 1933 im Hohwalde bet Lauban die Hitlereiche absichtlich umgebrochen zu haben, wurden heute vom Görlißer Schnellgericht zu 1 Jahr Ges fängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt, Unter der Anklage des versuchten Verrats militärischer Geheimnisse hatten sich vor dem Straffenat des Oberlandes gerichts zwei kaufmännische Angestellte zu verantworten. Das Gericht erkannte gegen den einen der Angeklagten auf drei Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, gegen den anderen auf ein Jahr Gefängnis.( Welche militärischen Ges heimnisse find das? Hat Hitler nicht„ Frieden und Abs rüstung" versprochen?) Wegen illegaler kommunistischer Betätigung, Beschimpfung der Reichsflagge wurden von dem Kommando z. b. V. fünf Personen festgenommen. Zwei von ihnen find Funktionäre der fommunistischen Bezirksleitung Hamburg. Ponta Delgada( Azoren), 9. Aug. Nach dem Start des Balbogeschwaders ist ein Flugzena ins Meer gestürzt. Ein Mann der Besayung ist ertrunken, drei weitere wurden verlegt. tigen Weg. Man wirft die mihliebigen Elemente, Marxiſten Straßburg unverändert zum Beispiel, aus den Betrieben hinaus, zahlt ihnen keine Unterstützung und läßt sie in Ruhe verhungern. Keine Ausdehnung auf Elsaß- Lothringen Heute Verhandlungen in Paris So ist zweierlei erreicht: 1. sinkt die Erwerbslosigkeit, 2. wird der Marrismus ausgerottet, denn auf dem Friedhofe sind die Marxisten noch sicherer aufgehoben als in den Konzentrationslagern, wo sie noch Unkosten für Stachel ordentlicher Zähigkeit hält die Arbeiterschaft an ihrem Ents draht verursachen. Führer zugewiesene ordnungsmäßige Aufgabe zu bes schränken. Ich habe Anweisung gegeben, in Zukunft genan zu prüfen, ob eingehende Beschwerden begründet sind. Wenn nötig, werde ich sofort Beauftragte an Ort und Stelle senden. Gez. Rudolf Seß. Der einzige Gegner Sitlers, der nubes Dank vom Hause Hitler siegt und unvermindert drohend, sein Haupt erhebt, ist- die Wirtschaftskrise. Alle Erfolge, die angeblich auf diesem Schlachtfelderrungen wurden, entstammen den findigen Büros des Propagandaminis fteriums und werden von den Handels: teilen der führenden deutschen Presse tag täglich Lügen gestraft. Gewiß, man hat durch tünftliche, auf die Dauer finanziell undurchführbare Mits tel da und dort ein paar Erwerbslose untergebracht. Aber der Export läßt zu wünschen übrig und die innere Rauftraft hat sich nach dem Bengnis deutscher gleichgeschalteter Wirts schaftsfachverständiger nicht vermehrt. Die Arise dauert unvermindert fort und so lange sie besteht, kann das Hitlerregime nicht als gesichert gelten." Noch immer! Drohungen an die ,, unbefugte" SA. Berlin, den 8. Auguft.( Eig. Meld.) Der preußische Pressedienst der NSDAP. veröffentlicht eine Verfügung des Stellvertreters des Führers, die folgens dermaßen lautet: Die deutschen Zeitungen melden kurz und schlicht: " Tarifkündigungen in Oberschlesien. Der Arbeitgeberverband der oberschlesischen Schwerindustrie hat das Gehaltstarifabkommen für die in der oberschlesischen Industrie beschäftigten Beamten und Angestellten gekündigt. Ab 1. Oktober dieses Jahres soll ein neuer Ge= haltstarif verpflichtet werden. Durch diesen wird ein Gehaltsabbau durchgeführt." " ,, Wird durchgeführt." Von Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern kann natürlich keine Rede sein, denn der Klassenkampf ist ja im dritten Reich bekanntlich beendet, die Unternehmer haben gesiegt. Gerade die Angestellten und Beamten der Privatindu. strie zählten in der Mehrzahl seit Jahren zu Hitlers getreuesten Paladinen. Jetzt empfangen sie den Lohn: Gehaltsabbau, brutale Unterdrückung. Die Versprechungen vor dem 5. März klangen ganz anders, aber die Enttäuschten mögen sich trösten sie sind nicht die Einzigen, sie sind nicht die Einzigen, die Hitler, dieses Muster deutscher Aufrichtigkeit und Treue, genasführt. Nur die Herren vom„ raffenden Kapital" sind mit ihm zufrieden. Gemäß den Anweisungen des Führers hat Reichsinnen- ,, Nicht aktuell" minister Dr. Frick in seinem bekannten Rundschreiben an die Reichsstatthalter ausgeführt: 1. daß unbefugte Eingriffe in die Wirtschaft zu unterlassen find, daß desgleichen jedes unbefugte und unberechtigte Vorgehen gegen einzelne Personen unbedingt zu unterbleiben hat, 2. daß zu keiner Zeit Instanzen der Partei bzw. ihre Unters organisationen fich Regierungsbefugnisse anmaßen dürfen. Ergänzend weise ich darauf hin, daß auch die Parteileitung in Zukunft schärfftens gegen Zuwiderhandlungen vorgehen wird. Jede Dienststelle hat sich unbedingt auf die ihr vom Vor dem Düsseldorfer Einzelhandel führte Dr. Hilland ( Berlin) u. a. aus: Auch die Warenhausfrage müffe zunächst als nicht aktuell zurückgestellt werden. Ebenso müßten auch die Maßnahmen gegen die Konsumvereine zu rückgestellt werden. Da ist nun den guten Mittelständlern immer vorgegaukelt worden, Warenhäuser und Konsumvereine müßten verboten werden. Nun ist Hitler an der Macht und nun ist das Naziprogramm nicht mehr aktuell. Straßburg, 9. Aug.( Eig. Drahtb.) Die Streiflage in Straßburg ist unverändert. Mit außer= schluß fest, obwohl sie selbst unter den Auswirkungen des Streits aufs schwerste mitzuleiden hat. Der Straßenhahns verkehr ruht nach wie vor. Uebel bemerkbar macht ju vor allem im äußeren Bilde der Stadt die Einstellung der Müll und Kehrrichtabfuhr und der Straßenreinigung. Ueble Dünfte durchziehen vor allem die proletarischen Stadtviertel. Zu Zusammenstößen ist es nirgendwo gekommen, seitdem die Gendarmerie strengste Weisung erhalten hat, jede Hers ausforderung der Arbeiterschaft zu unterlassen. Nach wie vor ist jedoch die Lage sehr gespannt. Die Nachricht, daß sich der Solidaritätsstreit auch in Lothringen und Elsaß zu verbreiten droht und bereits einige Betriebe zum Stillstand gelangt sind, trifft nicht zu. Am Oberrhein und an einigen Orten Loth ringens find Bauarbeiterstreiks wegen Lohnforderungen ausgebrochen, die jedoch mit den Straßburger Ereignissen nichts zu tun haben. Alles erwartet mit höchster Spannung die heutigen Verhandlungen in Paris. Man hofft, daß es der Regierung gelingen wird, eine Lösung zu finden, voraus gcfeßt, daß fie den Forderungen der Arbeiterschaft einigers maßen Rechnung trägt. Das Geld fehlt Die Arbeitsdienstpflicht stößt auf Widerstände Es ist allgemein aufgefallen, daß die Zahl der in den Ar beitsdienstlagern untergebrachten Personen 250 000 nicht überschreitet, und daß diese Zahl bereits vor fünf Monaten erreicht war. Es sollten bekanntlich bis zum Jult 1934 800 000 freiwillige" Arbeitsdienstpflichtige in den Lagern untergebracht sein. Die katastrophale Lage der Reichsfinanzen und starke Widerstände in der Schwerindustrie scheinen dea ganze Projekt, das ein Kernstück des Nationalsozialism ausmachte, zum Scheitern zu bringen. Klagen Klagen der Düngemittelindustrie Der Verbrauch künstlicher Düngemittel in Deutschland ist außerordentlich stark gesunken. Während man vor dem Kriege in Deutschland 1,6 Millionen Tonnen( i. J. 1913) Superphosphate benutte, wurden 1932 noch faum 700 000 Tonnen verbraucht, Dagegen ist die Einfuhr von Thomasmehl aus Frankreich und Belgien vor allem so start gestiegen, daß die deutsche Superphosphatindustrie die Regierung mit Eingaben bombardiert, welche das Verbot dieſer Einfuhr fordern. t 5) 0 Dies geschah an einem Tage... An die Zweifler! Amtliche Mordnachrichten- Hohn über die Verhafteten und Verschleppten! Immer wieder hören wir aus unserem Leserkreise: nein, wir glauben Ihnen nicht! Es sei doch unmöglich, daß in Deutschland, dem Lande eines aufgeklärten und guts mütigen Boltes, Morde und Marterungen in solch gedrängter Fülle aufeinander folgen tönnten! Selbst in Kreisen, an deren antifastischer Gesinnung nicht zu zweifeln ist und die fich politisch ganz auf der Linie der„ Deutschen Freiheit" bewegen, zeiht man uns zum mindesten der Uebertreibung. Wir können wir die Zweifler bekehren? Was können wir unter den heutigen Verhältnissen mehr tun, als jede bei uns einlaufende Greuel"-Nachricht aufs genaueste nachzuprüfen? Wie können wir die Leser überzeugen, daß unsere Mitteilungen nur ein kleiner Ausschnitt aus den Dingen sind, die in Hitler- DeutschIand täglich, stündlich sich ereignen? Vielleicht laffen sich die Ungläubigen auf andere Art belehren. Wir bringen nachstehend eine Reihe von Meldungen, die die hitler- amtlichen Nachrichtenbüros selber den Redaktionen zur freundlichen Verwendung auf den Tisch legen. Heute die Meldungen eines einzigen Tages! Mord und Vergewaltigung, Brutalität und Hohn über die Opfer: es ist die grauenhafte Bilanz von Terrorwellen, die in immer schnellerem Tempo aufeinanderfolgen. Die deutsche Presse, die diese Nachrichten gleichgültig und fommentarlos auseinanderreißt, ahnt nicht, welch unsägliche Ber Ganz Europa blickt auf dieses Schauspiel tung" wurde ein Chemnißer Funktionär der KPD.( der Name wird nicht genannt) von Schüssen durchbohrt, tot auf Das Lied vom Hasse gefunden. 4. Radhe an den Rundfunkleuten Sie ließen sich nicht rechtzeitig gleichschalten Berlin, 8. August. Wie das Geheime Staatspolizeiamt mitteilt, sind der ehes malige Intendant der Berliner Funkstunde Flesch, der ehemalige Rundfunkreporter Alfred Braun, der ehe= malige Direktor der Reichsrundfunkgesellschaft Magnus und der Ministerialrat a. D. Giesede, der ebenfalls bei der Reichsrundfunkgesellschaft tätig war, in Schukhaft ge nommen und in das Konzentrationslager Oranienburg ein: geliefert worden. Der ehemalige Direktor der Berliner Funtstunde Knöpfke, der zum gleichen Zwed in Oberhof festgenommen wurde, erlitt bei seiner Ankunft in Berlin einen Nervenzusammenbruch und wurde ins Staatskranken= haus gebracht. Berlin, 8. Auguft.( Eig. Meld.) Der ehemalige Reichskommissar Staatssekretär a. D. Bredow hat heute an das Reichsministerium für Boltsaufklärung und Propaganda ein Telegramm gerichtet, in dem er erklärt, daß für den Rundfunk, hochverdiente Männer" verhaftet und in ein Konzentrationslager ges bracht worden seien. Er fühle sich mit diesen Männern verbunden und bitte um gleiche Behandlung. die achtung sie durch ihre schamlose Haltung bei allen erzeugt, 5. Es wird sofort geschossen... in denen noch ein Fünkchen von Menschenliebe glüht. Sie ahnt außerdem nicht, wie genau diese Nachrichten im Aus= lande als unerschütterliche Dokumente braunen Hunnen: tums gelesen werden. Das ganze deutsche Volk muß in der Zange dieser Eroberer psychisch und moralisch leiden. Es wird getroffen von ihrer Barbarei, und es wird dazu vor der Welt noch mitverantwortlich gemacht, weil es solche Hentersknechte über sich duldet! Alles ist vermerkt! Nichts ist vergessen! Jeder Mord, jede Mißhandlung, jede Quälerei ist unverwischbar eingetragen auf eherne Tafeln und in Millionen Menschenherzen. Es wird eine furchtbare Abrechnung werden in jener Staude, wg das deutsche Volk die Kraft zurückgewonnen hat, die ihm ein paar Dugend Despoten mit einem Landsknechtsheere ge= nommen haben. Dafür arbeiten wir! 1. Kurt Fechenbach ermordet ,, Auf der Flucht erschossen" Detmold, 9. Aug.( Eig. Ber.) Amtlich wurde gestern bekanntgegeben, daß Felix Fechenbach, der frühere Privatsekretär von Kurt Eisner und ehemalige Redakteur des„ Boltsblattes" in Detmold, angeblich auf der Flucht" erschossen wurde. Der amtliche Bericht gibt noch an, daß Fechenbach vorgestern im Kraftwagen nach einem bayerischen Konzentrationslager ge bracht werden sollte. Unterwegs habe er einen„ Fluchtversuch" unternommen, worauf die Begleitung gefeuert habe und Fechenbach tödlich getroffen worden sei, Selbstverständlich ist diese Nachricht, soweit sie sich auf eine angebliche Flucht" Fechenbachs bezieht, ein einziger großer Schwindel und eine der frechsten Lügen des Nazisystems: Fechenbach ist elendiglich von den braunen Banditen, den Kameraden Hitlers, ermordet worden. Früher schon einmal hatten Rechtskreise auf ihn einen Attentatsversuch gemacht, der mißland- jetzt haben ihn die braunen Meuchelmörder Europas dafür um so sicherer und in aller Gemütsruhe abgetillt! Wo ist Gerhart Seeger? Die Ermordung Fechenbachs macht uns um das Schicksal des früheren Reichstagsabgeordneten Gerhart Seeger be sorgt. Er ist seit Monaten in„ Schußhaft" und man weiß, daß er großen Qualen ausgesetzt war. Seit längerer Zeit ist nichts mehr über ihn zu erfahren. Ist er schon so weit wie Fechenbach? Oder hat man ihn noch nicht auf die Flucht" geschickt. 2. Friedrich Ebert, Künstler, Heilmann In Konzentrationslager Berlin, 8. Auguft.( Eig. Meld.) Wie das Geheime Staatspolizeiamt mitteilt, sind heute der ehemalige fozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Amtlich aus Stuttgart: Die Polizeifräfte werden ange= wiesen, zur Unterdrückung von Klebekolonnen und Flugblatt: verteilern, sofort von der Waffe Gebrauch zu machen, wenn fie Flugblattverteiler und Klebekolonnen auf frischer Tat ents fliehend antreffen. 6. Der Henker arbeitet von Georg Herwegh Wohlauf, wohlauf, über Berg und Fluk Dem Morgenrot entgegen! Dem treuen Weib den lezten Kuß, Und dann zum treuen Degen! Bis unsre Hand in Asche stiebt, Sie soll vom Schwert nicht lassen; Wir haben lang genug geliebt Und wollen endlich hassen! Die Liebe kann uns helfen nicht, Die Liebe nicht erretten; Halt du, o Haß, dein jüngst Gericht, Brich du, o Haß, die Ketten! Und wo es noch Tyrannen gibt, Die laßt uns ked erfassen; Wir haben lang genug geliebt Und wollen endlich hassen! Wer noch ein Herz besitzt, dem soll's Im Hasse nur sich rühren; Allüberall ist dürres Holz. Um unsre Glut zu schüren. Die ihr der Freiheit noch verbliebt, Singt durch die deutschen Straßen: " Ihr habet lang genug geliebt, lernet endlich hassen!" Bekämpfet fie ohn' Unterlaẞ, Die Tyrannei, auf Erden, Und heiliger wird unser Haß, Als unsre Liebe, werden. Bis unsre Hand in Asche fiebt, Soll sie vom Schwert nicht lassen; Wir haben lang genug geliebt Und wollen endlich hassen! mit, daß das Todesurteil gegen Wilhelm Bolt, den Mörber Blut- Göring und sein„ Führer" Hamburg, 8. Aug. Die staatliche Pressestelle teilt Kopfas, heute vormittag auf dem Hofe des Untersuchungss gefängnisses vollstreckt worden ist. Hilfspolizei aufgelöst Die andere genügt... Oder nur Tarnung? Berlin, 8. Aug. Wie der amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Ministerpräsident und Minister des Innern, Göring, die Hilfspolizei, nachdem sie ihrer 3wedbestimmung in vollem Umfange gerecht geworden ist, mit dem 15. August 1933 aufgelöst. Eine weitere Ausbildung findet daher nicht mehr statt. Die bisherigen Runderlasse treten mit Ablauf des 15. August außer Gültigkeit. * Die Nachricht über die Auflösung der Hilfspolizei läßt mancherlei Deutungen zu. Ist die Schupo so mit zuverlässigen SS.- Leuten durchsetzt worden, daß man glaubt, unzuverlässiger" Elemente mühelos Herr werden zu können? 99 Heil Hitler!" in allen Schulen! Unter der Peitsche! Berlin, den 8. August 1933. Im Anschluß an entsprechende Maßnahmen in anderen deutschen Ländern ist jetzt auch für die preußischen Schulen der Hitlergruß eingeführt worden. In einem Erlaß des preußischen Kultusministers wird der Hitlergruß ebenso wie für die anderen Verwaltungen auch für die Kultusverwaltung eingeführt und zum Schluß gesagt, daß diese Anordnung sich auch auf die Lehrer und den Grußverkehr in den Schulen erstrect. Sein Nachfolger Inpreß meldet aus Berlin: Seitdem Görings unerwartete Konferenz die bekannten drakonischen Gefeßentwürfe publiziert und der Reichsregierung vorgeschlagen hat, ist geraume Zeit vergangen. Zunächst wurde in einem amtlichen Kommunique mitgeteilt, diese von Görings Führerfonferenz präsentierten Gesetze würden ihrer Wichtigkeit wegen in der fürzesten Zeit zu Reichsgesehen werden. Die Verzögerung, die beinahe einer Desavonierung des preußischen Ministerpräsidenten und Reichsinnenministers gleichfommt, liegt aber in der Linie, die durch das Nicht= erscheinen Hitlers bei dieser mysteriösen Göringschen Konferenz bereits vorgezeichnet wurde. Das tiefe Mißtrauen Hitlers gegen Göring, das durch die Einflüsse des Propagandaministers Göbbels immer von neuem geschürt wird, äußert sich nicht nur in dieser auffälligen Verzögerung der Promulgation neuer Terrorgesetze, sondern auch in anderen Tatsachen, die nach und nach ans Tageslicht dringen. So bedeutet die verschärfte Absperrung Hitlers in seinem oberbayrischen Ferienort weit weniger die Befürchtung, von„ Marristen" angefallen zu werden, als vielmehr die reale und wohlbegründete Angst, der Innenminister Göring fönnte bereits jezt einen Handstreich auf den„ Führer" organisiert haben... „ Volksfeindliches Vermögen Jeder wahre seine Rechte Berlin, 9. Aug. Im RGBl. vom 8. 8. 1933 wird eine Verordnung veröffentlicht, die bestimmt, daß auf Grund des Gesetzes über die Einziehung kommunistischen Vermögens vom 26. Mai 1933 und der Bestimmungen des Gesetzes über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens vom 14. Juni 1933 vermietete oder unter Eigentumsvorbehalt ge= lieferte Sachen eingezogen werden können, wenn der Berechtigte nicht seine Rechte innerhalb eines Monats nach der Beschlagnahme der Sachen oder, wenn die Sachen beim Inkrafttreten dieser Verordnung bereits beschlagnahmt waren, ähnlich macht es auch die Heilsarmee bis 1. September 1988 bei der Stelle, die die Beschlagnahme München, 8. Aug.( Inpreß.) In der Berchtesgadener Führerbesprechung, in welcher Hitler die Errichtung eines durchgeführt hat, anmeldet. Senats der Nationalsozialisten ankündigte, wurde befannt, Norderney: daß der„ Führer" den Mitgliedern dieses Senats, die er persönlich aus dem Kreise seiner Vertrauensleute ernennen wird, einen versiegelten Umschlag überreichen wird, in welchem sich, für den Fall seines Todes, der Name seines Nachfolgers findet. Hitlers Todesahnungen stehen im Zusammenhang mit den tiefen Differenzen, die in der Spitze der nationalsozialistischen Partei ausgetragen werden müssen. Stadtverordnetenvorsteher von Brandenburg a. d. Havel, Keine Unterstützung mehr! Chefredakteur der sozialdemokratischen Brandenburger Zeitung, Friedrich Ebert( Sohn des ehemaligen Reichspräsidenten), ferner der ehemalige SPD.- Abgeordnete Franz Künstler und der ehemalige Reichstags- und Landtagsabgeordnete, langjähriger Fraktionsführer der SPD. im preußischen Landtag, Heilmann, in das Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert worden. Zum Empfang der drei Volksverführer ist die gesamte Belegschaft des Oranienburger Konzentrationslagers geschloffen an getreten. Soweit der hitleramtliche Bericht des Contibüros. Ihm noch ein Wort hinzuzufügen, hieße seiner erledigenden Charakterisierung seiner Urheber und Ver faffer Abbruch tun! 3. Kommunistischer Abgeordneter ermordet Berlin, 8. August. Paul Hoffmann, Chemniß, Abgeordneter der KPD., ist den furchtbaren Verlegungen, die die Hitlerbanden ihm bei: brachten, erlegen. Nach einer Meldung der„ Bossischen Zeis Der Hamburger Senat hat. wie der Preußische Pressedienst der NSDAP. berichtet, eine Verfügung erlassen, nach der fünftig an Personen, die nachweisbar noch Mitgliedsbeiträge für die KPD. und SPD. sowie ihre Neben- und Unterorga: nisationen zahlen, staatliche Unterstügungen irgendwelcher Art nicht mehr verabfolgt werden. Drei Monate Gefängnis für den Kauf einer verbotenen Zeitung Hamburg, 7. Aug. Das Sondergericht für SchleswigHolstein verurteilte wegen Vertriebs der verbotenen tommu nistischen„ Hamburger Volkszeitung" einen Malergesellen fo= wie einen Arbeiter in Altona zu zwei bzw. zweieinhalb Jahren Gefängnis und zugleich einen Nieter wegen Bei: hilfe zu drei Monaten Gefängnis. Nach der Auffassung des Gerichts hat sich der Nieter dadurch der Beihilfe schuldig gemacht, daß er durch Zahlung des Kaufpreises für die Zeitung in Höhe von 10 Pig. die KPD. in ihren illegalen Zielen unterstützt hat... ,, Die deutsche Frau tanzt mit keinem Juden" Berlin, 8. Aug. Im Saale des Kurhauses von Norder ney hat die Badeverwaltung wie das Vdz.- Büro mits teilt ein Schild mit folgender Inschrift anbringen lassen: „ Die deutsche Frau tanzt mit keinem Juden!" Abwärts! Abwärts!" Die nationalsozialistische Presse in Köln teilt mit unvers hohlenem Jubel mit, daß am 31. Juli sechs Kindergärten und Horte geschlossen und drei weitere Kindergärten vers kleinert worden sind. Mit ebenso großer Genugtung wird in der Nazipresse bes richtet, daß die Zahnklinik der Allgemeinen Ortskrankenkasse beseitigt wird. So wird das„ marristische System" mehr und mehr abge= baut, Gesundheit und Kraft des Volkes sind nebensächlich geworden, wo die Phrase regiert. „ Deutschland ist nichts, aber jeder einzelne Deutsche ist viel, und doch bilden sich die letteren gerade das Umgekehrte ein. Verpflanzt und zer= strent wie die Juden in aller Welt müssen die Deutschen werden, um die Masse des Guten ganz und zum Heile aller Nationen zu ents wickeln, die in ihnen liegt." Goethe( zum Kanzler Müller, 14. Sept. 1808). Faschismus in den Randstaaten Estland In Estland entwickeln die Faschisten eine rege Tätigkeit, denn im Oktober kommt nach zwei Niederlagen ihr drittes Referendum über die Abänderung der estnischen Vers faffung zur Abstimmung. Diese Verfaffungsänderung enthält faktisch die Aufhebung der demokratischen Rechte des Volfes, die Zerstörung des Parlamentes und die Gewährung von diktatorischen Vollmachten an den Präsidenten der estnischen Republik. Die Faschisten arbeiten auch diesmal mit gewaltigen Geldmitteln, die ihnen nach Ansicht aller estnischen demokratisch orientierten Kreise von Hitler- Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Schon während der letzten Referendumskampagne haben die Faschisten mehr Geld für ihre Agitation ausgegeben als alle anderen Parteien zusammen. Sie haben die Schlacht trotzdem kläglich verloren. Die estnischen Faschisten verstecken sich hinter der„ Vereinigung der Befreiungskämpfer", die erst vor ein paar Jahren gegründet worden ist. Ihre Gründer und jetzigen Leiter bestehen in der Hauptsache aus ausrangierten Offizieren der alten zaristischen Armee, die kein einträgliches Plätzchen mehr in der Republik Estland gefunden haben. Da ist der General& arka, die Hauptleute Luiga, Seimen und Kubo, die Rechtsanwälte Sirk und Ricot. Die Hauptrolle spielt augenblicklich Sirt. Die Mitglieder der Befreiungsfämpfer" sind keineswegs frühere Soldaten der Befreiungskämpfe der Jahre 1917 bis 1921. Die estnische Presse hat zu ungezählten Malen hervorgehoben, daß bei den Befreiern" die durchgefallenen Führer verschiedener politischen Parteien und Gruppen Unterschlupf gefunden haben. Dazu kommen bankrotte Kaufleute und Unternehmer, verurteilte Spekulanten und selbst Veruntreuer von Staatsgeldern. Aus diesem und ähnlichem Gesindel be= steht das Gros der Befreier", d. h. der estnischen Staatserneuerer. Wie groß ist die Anhängerschar der estnischen Faschisten? Unterschriftensammlung für das bevorstehende Referendum haben sich 55000 Anhänger der Verfassungsänderung gefunden, aber jedermann weiß, daß bei UnterschriftenjammSie selber geben sie großmaulig mit 100 000 an. Bei der Iungen niemals nur die Anhänger einer Partei in Frage kommen. Schwer ins Gewicht fällt die schwankende Haltung der estnischen Bauernpartei, die sich bis jetzt noch nicht entschließen konnte zu entscheiden, ob sie das faschistische Referendum unterstüßen oder dagegen arbeiten soll. Die breiten Volksmassen werden aber kaum den Herren auf den Leim gehen, denn noch sind die Zeiten des 3arismus unvergessen und auch das Beispiel Hitler- Deutschland schreckt zur Genüge! Lettland 152 D 100-101 Die faschistischen Umtriebe in Estland haben ihrerseits Nachahmung in Lettland gefunden. Wie in Estland versuchen auch die lettischen Hitlerianer mit einem Referendum die demokratische Verfassung des Landes um 3 nstürzen, und wie der nördliche Nachbar verbergen sich die Gold in Fuglebjerg Kürzlich ging die Nachricht durch die Zeitungen. daß in dem kleinen seeländischen Ort Fuglebjerg Goldfunde gemacht worden seien. Man schickte Proben des Fundes nach Kopenhagen zur Untersuchung. Jemand haut wie wild mit den Fäusten an die klapprige Tür Harald Fenns. Der alte Harald Fenn ist ein einsamer Mann und sein Häuschen, das schon mehr eine Hütte ist, steht weit draußen am fernsten nördlichen Ende von Fuglebjerg; also hat er selten Besuch und noch nie so lärmenden Besuch bekommen. He, Harald Fenn, hallo, Harald Fenn, mach doch auf, mach schnell auf!" Endlich öffnete der Alte; er hat sich nicht sonderlich vereilt; draußen steht, mit wehendem Atem, die Tochter des Krug wirtes. „ Sollst schnell mal zu uns kommen, Harald, aber ganz schnell! Sie haben Gold gefunden! Sie brauchen dich!" Harald Fenn lacht laut, heiser auf: welch ein Wig! Er hat zwanzig Jahre lang drüben in Klondyke nach Gold gebuddelt und er hat nichts Gescheites gefunden; und jetzt wollen sie hier in Dänemark- welch ein dummer Wizz! „ Lach nicht, Harald, es ist wirklich und wahrhaftig wahr! Du weißt doch, wir lassen einen neuen Brunnen bauen im Garten, und wie die Arbeiter etwa drei Meter runter sind in die Erde, da liegt's, eine dicke Ader, Harald Fenn! Komm schnell!" Weshalb soll ich denn kommen, he? Erstens ist es kein Gold, noch nie hat man gehört, daß es in Dänemark Gold gibt, und zweitens wäre es doch nicht mein Gold, sondern eures, haha!" „ Sollst aber sagen, obs wirklich Gold ist! Komm doch schon Harald! Also wißt ihrs doch noch nicht also! Dummes Zeug. Kind, dummes Zeug!" sagt Harald Fenn. Denft er auch. Aber drin in der Kehle, da ist doch so ein Würgen, drin im Herzen, da ist doch so ein Zusammenziehen, drin im Kopf, da ist doch so ein Streisen überall drin ists doch genau so, wie es immer gewesen ist in Klondyke, wenn wieder von einer neuen Ader die Rede war. Harald Fenn tanns nicht hindern. und er geht brummend mit. Kein Mensch war zu sehen in den Straßen und Gassen, die sie durchhasteten. Das macht, ganz Fuglebjerg ist versammelt im Garten des Krugwirtes, drängt sich um den Brunnen, obwohl es doch schon auf den Abend geht und die Vesper bereitet werden müßte. Aber wer denkt an die Vesper in Fuglebjerg es gibt ja Gold! „ Harald Fenn tömmt!" ruft man.„ Macht Play!" Sie machen ihm wirklich Play, er steht bald am Brunnenschacht. Freilich ist das schon kein Brunnenschacht mehr, sie haben ihn erweitert in der Richtung der schimmernden Ader, die sie fanden; zum Teufel mit dem lächerlichen Brunnen, zum Teufel mit dem albernen Wasser! Wein wird der Krugwirt trinken hinfort, fein ganzes Leben lang nichts als Wein, denn er hat Golb gefunden! Da steht er selbst, der Wirt, dick, groß, schwißend traz der herbstlichen Kühle, leichenblaß im schwammigen Gesicht trop dem Schwitzen: er sieht aus, als werde ihn im nächsten Augenblick der Schlag treffen vor Erregung. Neben ihm steht, Faschisten auch in Lettland hinter einem Befreierbund". Die Unterschriftensammlung der Herren zeigt, wie ihre Taten im Volke bewertet werden. Nach den ersten Angaben haben das Referendum in Libau von 39 201 Stimmberechtigten 170 unterschrieben, in Windau von 11 683 166, in Hasenpoth von 2268-6, in Talsen von 2813 18, in Tufum von 5114 28, in Mitau von 22 513 131, in Goldingen von riß, ohne daß die Polizei einschritt. Der gesamten Grenzs bevölkerung hat sich eine ungeheure Wut und Empörung gegen das nationalsozialistische Blutregiment bemächtigt. Dabei mußte kein anderer als der Vertreter der deutschen Minderheiten in Dänemart, Pastor Schmid= Wodder, immer wieder zugeben, daß für die deutschen Minderheitens fragen in Dänemark nur eine einzige Partei Verständnis und Entgegenkommen ufgebracht hat: die dänische Sozialdemokratie, deren Arbeiter jett gezwungen find, gegen den Blutterror der Nazis zu demonstrieren! Kommentar überflüssig. 4627-39, in Kandu von 1093-8, in Walt von 2304-27, Gen Ostland wollten sie reiten in Wenden von 5490 40, in Wolmar von 5736 86, in Madona von 1416-27, in Resefne von 7508-28, in Düna Heute Kapitulation vor Polen! burg von 25 980 75 und in Ludsa von 3000-8. Dabei finden die lettischen Faschisten bei dieser Umsturzarbeit Unterstützung in einem der verbreitetsten Rigaer „ demokratischen" Blätter, der„ Jaunakas Sinas". Der " Sozialdemokrats" richtet daher scharfe Angriffe gegen dieses Blatt und hat dabei recht eigenartige Sachen festgestellt. Der Herausgeber und eigentliche verantwortliche Redakteur des Blattes ist ein lettischer Millionär Benjaminsch. Der Blattes ist ein lettischer Millionär Benjaminsch. Der Mann ist ein alter Bekannter im politischen Leben. Unter den Zaren gehörte er zu den begeisterten Speichelleckern seiner Majestät und zu den Vergötterern alles Russisch Reaktionären. Während des Krieges, als Kurland von den deutschen Heeren besetzt wurde, wurde Benjaminsch zu einem ebensolchen Anbeter Wilhelms II. Selbstverständlich behandelt dieser Millionär in seiner Druckerei die Arbeiter wie Sklaven, während seine Villa im früheren Rittergute Waldeck in ein Palais verwandelt worden ist. Die lettische Sozialdemokratie führt den unerbittlichsten Kampf gegen die„ Befreier", wie gegen das Millionärblatt. Dieser Tage fand in Riga eine Konferenz statt, an der 114 Delegierte aller Parteiorganisationen der Stadt teilnahmen. Die Konferenz behandelte in der Hauptsache die augenblicke liche wirtschaftliche und politische Lage und bereitete energische Aktionen vor. Dänische Dänische Arbeiter streiken. Gegen ein Hakenkreuz- Schiff Kopenhagen, 9. Auguft.( Eig. Bericht.) Bekanntlich haben sich die dänischen Arbeiter von Apenrade geweigert, ein nazideutsches Schiff, Maja", das mit der Hakenkreuzflagge in den dänischen Hafen einlief, zu löschen. Daraufhin haben jetzt zehn deutsche National fozialisten als Streitbrecher versucht das Schiff auszuladen und sich dafür den Schutz von nicht weniger als fünfzig Polizisten erbeten. Daraufhin sind die gesamten Arbeiter von Apenrade ab 4 Uhr gestern nachmittag in einen Generalstreit eingetreten und demonstrieren damit in diesem ehemals deutschen Gebiete, wie wenig diese wahrs haft deutsche und deutschsprechende Bevöl ferung mit dem undeutschen Hitlerfaschis mus zu tun haben will! Auf dem Marktplatz des ehemals deutschen Apenrade fand eine gewaltige Versammlung statt, bei der ein dänischer Reichstagsabgeordneter eine atentreuzfahne zer fast heulend im Glück, im unfaßbaren, sein hageres Weib. neben ihm steht auch mit mühsam gewahrter Fachmanns miene der Goldschmied. Er hält Harald Fenn eine faustgroße Probe hin:„ Da, es ist wirklich und wahrhaftig Gold, Harald Fenn, ich habs geprüft! Was sagst du?" Alles wird still, ganz still; alles blickt atemlos auf Harald Fenn. Der wiegt den Klumpen in der Hand: krazt mit dem Finger am Material; sieht sich die Krazer an, indem er sie ganz nahe an die Augen führt. Aber seine Seele, seine alte hungrige Seele ist nicht bei der Sache; sie sieht schon nicht mehr; sie sieht das Gold so, wie es eine Seele sieht, mit allem, was drum und dran hängt an Leben und an Lust, drum und dran am Gold- denn, daß es wirklich Gold ist, das hat er im ersten Moment weggehabt, das hat er mehr gefühlt als erkannt. Nun hört seine Seele Flüche und Grammophonmusik in verräucherten Goldgräberkneipen, nun sieht sie geschminkte Weiber tanzen von einer Art, wie sie in Fuglebjerg noch nie erlebt ward, nun hört und sieht und riecht und schmeckt sie die zwanzig Jahre Klondyke mit all ihrer Wildheit und Roheit und Grellheit und Gejagtheit.... " Nun?" fragt der Krugwirt atemlos. Harald Fenn hört es wohl nicht; jedenfalls antwortet er nicht. Seine Augen lassen das Gold los und schweifen im Kreise herum, mit fernem Blick. Halb anwesend sieht er, was sonst in der allgemeinen Gespanntheit keiner sieht, was ja jetzt auch unwesentlich ist: wie der junge, Olaf, der mit des Krugwirts Tochter heimlich versprochen ist, nach des Mäd chens Hand tastet und wie das Mädchen ihm diese Hand hart entzieht. Olaf ist arm und dieses Mädchen ist ab heute nicht mehr nur wohlhabend, ist steinreich, nein, goldreich; aus der Verlobung wird nichts! Harald Fenn weiß das schon besser und klarer als selbst das Mädchen; oh er kennt den Rummel, da kannst du nichts machen, armer Olaf, das Gold ist stärker als Liebe. Damit fehren Haralds Gedanken zurück nach Klondyke, aber drin, wo eben noch Hitze war, ist ein Frösteln geblieben. „ Nun, Harald?" fragt nochmals der Wirt. Harald besinnt sich, will antworten: jawohl, es ist ganz bestimmt Gold; da gibts einen Lärm. Man bringt einen der Arbeiter angeschleppt. Die Krugwirtin hat ihn erwischt, wie er sich davonstehlen wollte, unter der zerschlissenen Jacke einen kleinen Klumpen Goldgestein. Der Gendarm ist auch unter den Zuschauern, er nimmt den Zitternden gleich fest: und der dicke Krugwirt begreift jäh die Gefahr: zurücktreten alle", schreit er grob,„ weg von der Fundstelle! Keine zwei Stunden ists her, daß das bißchen Gold gefunden wurde, und jetzt wirds einem schon gestohlen! Weg da, ihr, weg!" Und er schiebt die Umstehenden mit den Fäusten zurück, daß sie stolpern; es sind Freunde von ihm darunter; sie machen ge= fränfte Gesichter, doch sie geben sich zufrieden, die Macht des Goldes duckt ihre feindlichen Seelen- aber feindlich sind sie dem Wirt geworden in diesem Augenblick. Harald Fenn hat noch nicht gesprochen. Er hat die allgemeine Abgelenktheit benußt, um in die Grube hinabzusteigen, als wollte er die Größe und Ergiebigkeit der Ader schäßen. Seine Seele aber, seine eben noch einfältige Seele ist zwiefältig, zwiefältig geworden; sie denft noch immer Gold, aber sie denkt die andre Seite. Seine Augen haben das Verhalten der Wirtstochter dem armen Olaf gegenüber, haben das Zittern des verhafteten Arbeiters, haben das Wüten des Wirtes und die Feindseligkeiten seiner Freunde gesehen; darum Danzig, den 9. Auguft.( Eig. Ber.) Je stärker" und großmänliger sich die Nationalsozialisten gegen die eigenen wehrs losen Volksgenossen im eigenen Lande be= nehmen, um so schmählicher und schwäch= gegenüber den Itcher verhalten sie sich starten Nachbarn. Der neue Danziger Nazi- Präsi dent Rauschning hat jetzt vor dem Danziger Voltstag über seinen Bittgang nach Warschau Bericht er: stattet und dabei kein Wort mehr davon geredet, daß die Nazis den Korridor mit Waffengewalt zurückholen und fiegreich gen Ostland reiten wollten sondern er sagte, es gäbe nur einen Weg, nämlich den, einen Ausgleich mit Polen" zu suchen! Res Das ist das glatte Eingeständnis und Be= tenntnis zu jener Verständigungspolitik, deretwegen die schwarzrotgoldene publik 14 Jahre lang verleumdet und ihre Staatsmänner wie Erzberger, Rathenau, Ebert, Stresemann usw. schnell oder lang= fam gemordet wurden! Der Danziger Nazipräsident mußte zugeben, daß er in Warschau den Polen so weitgehende Konzessionen gemacht habe, wie niemals eine deutsche Danziger Regierung vor ihm: 1. Die Danziger polnische Minderheit wird mit solchen Vorrechten und Privilegien ausgestattet, wie sie bisher an Rechten und Privilegien niemals und nirgendwo einer Minderheit gegeben wurden. 2. Der Danziger Hafen wird an Polen ans geliefert, wofür Polen verspricht, den Rückgang des Verkehrs aufzuhalten. Troßbem aber der Danziger Nazipräsident den Polen in den A... gekrochen ist und alles geschluckt hat, was die Polen von ihm verlangten, hat er nicht erreicht, daß auf dem fundamentalen Gebiete des wirtschaftlichen Güteraustausches irgendeine Besserung für Danzig erreicht wurde. Aber um überhaupt von der Gnade Polens noch eine Zeits lang existieren zu können, hat das Naziregime in Danzig ohne Gegens leistung alles bauchrutschend angenommen, was Polen hochmütig verlangt hat. Troß amtlicher Erklärungen, daß der kubanische Staatss präsident Machado nicht zurücktreten werde, ist man der Meinung, daß Machado seinen Rücktritt erklären oder Kuba verlassen werde. Roosevelt soll einer Intervention der Vereinigten Staaten abgeneigt sein. Machado hat sich im Rundfunt in einer Ansprache an die Nation mit dem Ersuchen gewendet, die Unabhängigkeit der Republik um jeden Preis zu verteidigen. $ 158 sehen seine Gedanken nur Szenen im Goldgräberlager, die mit Totschlägen endeten und mit Morden, sehen die ganze schrankenlose Selbstsucht der vielhundert Männer, die da gruben, die zuweilen das harte Gold in den Händen und immer das harte Gold in der Brust trugen: das harte, böse, golddurchwachsene Goldgräberherz sehen sie, die dummen Gedanken des alten Klondykemannes Harald Fenn. Und die Zukunft von Fuglejerg sehen sie auch, es ist eine Goldgräberzunst, schimmernd und hundsföttisch gemein und zerrissen und ohne Glück; wirklich es ist sonderbar: schimmernd von Gold und doch oder deshalb ohne Schimmer von Glück. Harald Fenn richtet sich auf, soweit das mit seinem, von jahrzehntelangen Buddeln und Auswaschen krummgewordenen Rücken gehen will. Und als er aus der Grube wieder heraus ist, schüttelt er vor dem Wirt und dem Goldschmied zögernd und heuchlerisch den Kopf.„ Es kann sein, daß es Gold ist," sagt er langsam, ,, es kann aber auch nicht sein. Es kann zum Beispiel sein, daß es Schwefelzinn ist, das kann man ohne chemische Prüfung nicht sagen." ,, Unsinn!" ereifert sich der Goldschmied. Woher soll hier Schwefelzinn kommen?" Harald zuckt die Achseln.„ Und woher soll hier Gold kommen, he? Ihr müßt jedenfalls ein paar Proben nach Kopenhagen zur Untersuchung schicken. Wir haben da in Klondyke manche Enttäuschung erlebt", lügt er. Er wundert sich, wie glatt und gut er lügen kann. Er verläßt den unzufriedenen Wirt und seine Frau, die plößlich ganz unglücklich geworden ist. Die Menschen verlaufen sich, und die meisten von ihnen wünschen inbrünstig, daß das Gold- kein Gold sein möge. Manche aber sieht man schon in ihren eigenen Gärten buddeln, obwohl es dämmerig geworden ist man fann nicht wissen, vielleicht streckt ganz Fuglejerg voll Gold. Harald Fenn geht einsam nach Hause. Die Sonne ist gesunken, ein erster Stern steht gutmütig blinzelnd hinter dem herbstlichen Laub der Bäume, ein kräftiger Erdgeruch kommt von den gepflügten Aeckern, fern singt ein Kind. Harald Fenn schüttelt den alten Kopf, schüttelt ihn lange und redet vor sich hin. Am andern Tag ist Harald Fenn dem Krugwirt behilflich beim Aussuchen der Proben, die nach Kopenhagen gehen sollen. Er wählt ziemlich kleine Stücke, reibt sie an seinem Anzug blank, hilft sie verpacken.„ Noch das da!" sagt er zum Wirt und schickt ihn um eines kleinen Brockens willen in die Grube; als der Wirt aber wiederkommt, verwirft er dies letzte Stück; es bleibt bei den bisher gewählten. Nach acht Tagen kommt Antwort aus Kopenhagen! Es ist kein Gold. Es ist Schwefelzinn.„ Wie nicht anders zu erwarten war," schreibt das Institut. Schwefelzinnabbau lohnt sich nicht, das Zeug ist ziemlich wertlos, Goldbronze gibts genug, erfährt der Wirt; erfährt es von Harald. Er glaubt alles und baut seinen Brunnen fertig. Auch die übrigen Fuglebjerger hören auf mit Buddeln. Nur Harald Fenn gräbt eines Abends in seinem Gärtchen; gräbt etwas ein, tief, sehr tief. Dabei lächelt er; denn er ge= denkt der Zeit, da er sich als Taschenspieler durchhelfen mußte. um nach Dänemark zurückzukommen. Damals ist keiner hinter seine Tricks gekommen. Diesmal auch nicht Deutsche Stimmen Feuilletonbeilage der ,, Deutschen Freiheit" omon 3333 Ereignisse und Geschichten Und so verbringt er seine kurzen Tage... Professor Harms D Der Führer liest die„ Illustrierte" und Karl May Millionen klopfender deutscher Herzen, Männern und Frauen zugehörig, sind augenblicklich tief mit der Frage bewegt, wie wohl Adolf Hitler seinen Urlaub verbringt. Wir dürfen die Besorgten beruhigen. Es geht ihm gut, er ist beschützt, kein Gewitter knurrender Mägen bestürmt ihn! Der„ Bölkische Beobachter" meldet, daß der Reichsführer der SS. und politische Polizeifommandeur Bayerns eine Bekanntmachung erlassen habe, nach der das Befahren der Straßen Berchtesgaden- Obersalzberg und Berchtesgaden- Au- Obersalzberg nur besonders zugelassenen Fahrzeugen, gestattet ist. Allen übrigen Fahrzeugen ist das Befahren der beiden Straßen polizeilich verboten. Es wird von der Bevölkerung erwartet, daß sie im Interesse der Erholung des Kanglers Adolf Hitler sich strikte an die Vorschriften hält und daß so jeder dazu beiträgt, dem Kanzler den Aufenthalt in Obersalzberg so angenehm als möglich zu gestalten. Es ist notwendig, daß jeder unnötige Lärm vor dem Haus, wie Sprechchöre oder Zurufe unter allen Umständen unterbleiben. Als gegen den guten Ton verstoßend, muß es bezeich net werden, wenn ständig jede Bewegung des Kanzlers mit dem Feld ste cher beobachtet wird...@ animit May aus den Bezirken des Erzgebirges und der sächsischen Schweiz hinausgekommen. In seiner Villa in Baubegast bei Dresden hatte er sich indianisch installiert. Er saß an einem garantiert- fitschechten Lagerfeuer und übersezte sich selbst ins Indianische, entrückte sich in die Welt heldischer Größe und schrieb im schlechtesten Deutsch Wälzer nach Wälzer. sDies ist der Lieblingsschriftsteller Adolf Hitlers. Es mag späteren Literarhistorikern der deutschen Heldenlegende überlassen bleiben, zu untersuchen, wie weit Karl May die hitlersche Eigenproduktion beeinflußt hat. May hat, das ist heute wohl sicher den Begriff an Größe und Heldentum mitgeformt, die in den Werken des Führers und in seinem Standardwerk Mein Kampf" immer wiederkehren. In der Sphäre des Unbewußten sind die Trappersiege Old Shatterhands schon seit Jahren die Siege Adolf Hitlers über das deutsche Volk gewesen, bis sie sich in der Realität mit Hilfe vieler rauher Kämpfer" offenbarten. 916 of T Hugh, ich habe gesprochen!" Also der„ Bölkische Beobachter". Aber damit ist die schid Das wird er lesen: falsschwere Frage noch nicht beantwortet, was der Führer" in seinen bayerischen Ferien eigentlich tut. Gottlob existiert Frau Lily Doblhoff, eine smarte deutsch- böhmische Journalistin, die sich auf Grund näherer Beziehungen zu Nazi- Führern gute Einblicke in Hitlers Privatleben zu verschaffen wußte. Die Dame schreibt darüber im„ Prager Tagblatt": Bücher liest Sitler nicht. Ihn interessieren nur die tatsächlichen Probleme des Lebens, mit den in toten Buchstaben gebannten, nur vorgestellten oder erfundenen Geschehnissen wolle er sich nicht befassen. Seine Lektüre bes steht aus illustrierten Zeitungen. Er bevorzugt solche, die fich mit Wohnungseinrichtungen befassen. Frau Doblhoff hat eins übersehen. In Hitlers Villa stehen sämtliche Bände Karl Mays, dessen glühender Berehrer er ist. Er liest zwar keine Bücher, aber dafür verschlingt er Schundliteratur. Wißt ihr noch, wer Karl May ist? Seine 25 Bände sind der Schwarm aller von Pubertäts- Tatenluft erfüllten Zwölfjährigen. Wenn der weiße Held Old Shatterhand die Spur der„ grauen Fahne" verfolgt, wenn er sein Ohr auf die Erde legt, um den Schritt vieler Meilen entfernt lauernder Feinde zu vernehmen, dann war iede Knabenbrust ein Meer des Entzücktseins. Aber der ganze Karl May war in Wahrheit ein einziger großer Schwindel. Er war eine sächsische Angelegenheit, denn niemals ist Karl Grashalme Der Emigrant war zur Höhe hinaufgestiegen. Immer wieder ging er gern diesen Weg aus der Stadt, an Bretterzäunen, Holzlagern und Fußballplätzen vorüber in die freien Felder, zwischen denen der grafige Pfad hinauf zur Höhe führte. Es war nur ein Hügel mit einigen Bäumen oben, aber da er ringsum frei lag, konnte der Blick rundum ins Land schweifen. Es war sein Weg, er war ihn gegangen schon in den letzten Märztagen, als noch der rauhe Wind welke Gräser zauste, dann im April, im Mai, als das ganze Land von blühenden Bäumen weiß überschäumt war. Und nun war es schon Juli. Ueber die Getreidefelder liefen seidige Windwellen, eine unaufhörliche Brandung, die endlos am Feldrain versant. Wie immer waren auch heute seine Gedanken mit ihm gegangen. Sie machten viele Umwege, kehrten zurück, vermeilten an Kreuzungen und doch liefen sie schneller als er ging, sie eilten ihm voraus in seine Zukunft; immer suchten sie dasselbe Ziel. Seine Zu unft das war ein ungewisses Land. Er war ein deutscher Emigrant. Ueber die Grenze war er gegangen, um nicht in ein Konzentrationslager verschleppt zu werden. Aber was wollte er hier, was erwartete ihn hier? Ohne Mittel, ohne Existenz. ohne Zukunft? Wie sollte es weitergchen? Was würde werden, wenn das letzte seiner geringen Barschaft vertan sein würde? Und die Frau daheim was sollte sie tun, sie ohne ausreichende Mittel wie er? Aber was sollte er drüben? Wenn es sich um eine normale Schußhaft gehandelt hätte- gut, das war zu ertragen. Aber Monate, Jahre vielleicht hinterm Staweldraht eines Konzentrationslagers, fommandiert und schikaniert von uniformierten Sadisten, mißhandelt, seelisch gequält, aufbewahrt für irgendeinen politischen Schauerprozeß, für ein juristisches Vrenaspiel oder bereitgehalten als Geisel für irgendwelche Rachebedürfnisse? Und eines Tages vielleicht auf der Flucht" erschossen? Es war immer dieselbe Kette von Fragen. Ja. er lebte und er war fret- das war für Leute wie er viel. Es war alles. Aber am Ende stand fordernd und groß immer wieder die eine Frage: Wie sollte es weitergehen? Er erhob sich aus dem Gras, in das er sich gelagert hatte. Tie Landschaft lag weit und herrlich um ihn. Dörfer flimmerten in der Sonne. Ferne Berge standen fast törperIts und doch scharf gezeichnet in schwellenden Gestalten, tiefblau, blau wie weiches Tuch. Vielerlei Grün bettete sich Leich ins Land. Rapsfelder blühten zitronengelb. Frauen mit weißen Kopftüchern gingen einen Feldweg entlang. Ei soh das alles seine Gedanken kehrten zurück in das schöne Land seines Erils. Erillte gehen. Da fiel sein Blick auf zerdrückte Gräfer. Hier hatte er gestern gerastet. Das Gras war wieder aufBestanden, nur einige Halme blieben niedergedrückt lieger Von der oben erwähnten Lily Doblhoff erfährt man, wie vernichtend der gleichgeschaltete Hanns Heinz Ewers über die Dichtung im„ dritten Reiche" denkt. Er plaudert gutgelaunt: Reinhardt hatte nicht weg müssen. Er könnte Regie führen, so viel er will. Ob er große Freude an den schleten Stücken gehabt hätte, das ist eine andere Frage. Haben Sie den Schlageter" gesehen? Ein schlechtes Stück, ein sehr schlechtes Stück. Ueber sein eigenes letztes Wert Horst Wessel!" äußerte sich Ewers: Ich empfinde dieses Buch als Wendepunkt meines Lebens. Mit diesem Werke habe ich mich zum Heroismus in der Literatur bekannt, in schroffem Gegensatz zu den Auswüchsen der Phantasie, die uns alle beherrscht haben." Uns alle? Wir wissen nur, daß die schwüle, schlüpfrige, zotige Literatur von einigen wenigen gepflegt und gemolken nurde. Zu ihnen gehört Hanns Heinz Ewers. Jetzt ist er zahnlos geworden, jest ist er Hitlerbarde, jest kann er nicht und darf er nicht mehr, ießt macht er aus der Not eine Tugend und wird heroisch". Junge Huren, alte Betschmestern. Aber ganz fommt er von ehedem nicht los, er suchte sich einen Stoff aus dem Zuhälter- und Dirnenmilieu, in dem sich Horst Wessel bewegte. Das wird Hitler lesen! tritt vom Kieler Institut für Weltwirtschaft zurück Der Professor in der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel, Geh. Regierungsrat Dr. Bernhard Harms, ist auf seinen Antrag mit Ende September 1933 von der Leitung des Instituts für Weltwirtschaft und Seeverkehr der Universität entbunden worden. Vom 1. Oktober 1988 ist zum Direktor des Instituts der o. Prof. Dr. Jessen ernannt. Das Institut, aus dessen Leitung Professor Harms nunmehr ausscheiden soll, ist 1911 von ihm selbst ins Leben ge= rufen worden, und zwar zunächst als Abteilung für Seeverfehr und Weltwirtschaft des Kieler Staatswissenschaftlichen Seminars. Professor Harms schuf sich damit eine Stätte, an der er und seine Schüler sich den Aufgaben widmen konnten, die er als besonders dringlich erkannt hatte: die Wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Lehre auf den für unser Volk lebenswichtig gewordenen Bereich der Weltwirtschaft auszudehnen. Die Leistungen, die Professor Harms und sein Institut auf diesem Gebiet vollbracht haben, haben über Deutschlands Grenzen hinaus die verdiente Anerkennung gefunden. Er ist nicht braun genug für die Ansprüche der HakenkreuzStudenten und damit des Kultusministeriums. Ein unbekannter Mann tritt an seine Stelle, der eines vor Harms be= stimmt voraus hat: die Konjunkturgesinnung.. Ein edler treuer Joachim m 吧 In Darmstadt fand vor einiger Zeit eine Zusammenkunft von Bibliothekaren statt, bei der man sich zuerst über Fachfragen unterhielt und anschließend nach Rüdesheim fuhr, um tüchtig zu saufen. Selbstverständlich war alles gleichgeschaltet und alles auf das dritte Reich" umgestellt. Man schickte Hilter ein Telegramm und drahtete auch an Hindenburg, den man offenbar dazu beglückwünschte, daß er bekanntlich in seinen ganzen langen Leben außer dem Grerzierreglement nur ein Buch gelesen hat. Das Hauptreferat hielt ein Dr. Joachim Kirchner; er wetterte wild gegen den Kultur olschewismus, schimpfte wüst darüber, daß es Deutsche gebe, die die nationale Erhebung nicht für erhebend hielten, dann ging er zu den eigentlichen Fachfragen über. Er forderte eine Einschränkung der„ internationalen" Literatur, er schimpfte über die Bibliotheken, die ihre marxistischen Bücher nicht weggeschafft, verbrannt oder zumindest verpackt haben, und forderte, die von Juden geschriebenen Bücher in den Bibliotheken müßten auf ein bestimmtes prozentuales Verhältnis beschränkt werden. Dieser Herr Kirchner iſt Direktor der Bibliothek in Frankfurt, die nach ihren Gründern und Förderern offiziell heißt: die Rothschildsche Bibliothek. 15302 Ein Mädchen singt das Hocst- Wessel- Lied Und jetzt sah er an der Stelle, wo er eben noch gelegen ,, Aufstehn, Frollein!" hatte, eine leise Bewegung. Das Gras war flach gedrückt. Aber da erhob sich ein Halm und da einer. Mit der Spannung ihrer zarten Gewebe regten sie sich und schnellten sie plötzlich auf, zurück in ihren Wuchs zum Licht. Er stand es vergingen Sekunden, Minuten, und immer wieder federte ein Halm empor oder ein anderer regte sich mit leiser Bewegung, sich der gewaltsamen Verstrickung zu entziehen. So war es gestern hier gewesen. Er hatte es nicht gesehen. Aber nun standen die Halme aufrecht, straff in ihrem Drang zum Leben. Die Gräser, zerdrückt, niedergezwungen von fremder Last, tücksichtslos zu Boden getreten sie standen wieder auf. Sie standen wieder auf das war ein Trost, eine Hoffnung, eine Zuversicht. - aber nicht alle. Die Gräser standen wieder auf. Ja Nicht alle. Einige blieben liegen. Einige blieben liegen. Würde er einer dieser einigen sein? Marfred. Jm Felde unbesiegt" Die Schlacht an der Marne ist nie gewesen, man hat sie im Kriege schon konfisziert, und was man nicht in der Zeitung gelesen, das hat bekanntlich nie existiert. 0100 Sie strecken die Bäuche und sind bezylindert, sie schultern den Regenschirm als Gewehr, ihr Größenwahn ist um nichts vermindert seit dem ,, Sonnenplatz" und der ,, schimmernden Wehr". Wo kampferte man Kaisers Traum und Schatz ein? Wo blieb der Adlerhelm im stolzen Glanz? Dort wird einmal fürs Hakenkreuz noch Platz sein und auch ein Plätzchen noch für Hitlers Lorbeerkranz Die Schlacht an der Ruhr haben sie nicht verloren, auch hier blieb im Felde man unbesiegt. Man schwitzte Billionen aus allen Poren, für die man keinen Bettel gekriegt. Jetzt heißt es das Elend der Krise zu nutzen, die, selbstverständlich die Juden gemacht, jetzt heißt es, Braunhemd und Stiefel putzen, wir verlieren grad wieder die Marneschlacht. Wo kampferte man Kaisers Traum und Schatz ein? Wo blieb der Adlerhelm im stolzen Glanz? Dort wird einmal fürs Hakenkreuz noch Platz sein und auch ein Plätzchen noch für Hitlers Lorbeerkranz. Wenzelladek Eine Firma in Berlin machte Reklame für ein neuartiges Badesalz. Sie stellte eine Badewanne in das Schaufenster und setzte in das vom Badesalz undurchsichtige Wasser ein niedliches Mädchen. Eine glänzende Reklame- Idee war das. Schwärme von Männern belagerten das Fenster, deren sehnsüchtige Hoffnung es war, daß die Kleine in der Wanne doch einmal ein bißchen mehr von sich sehen lassen werde. Diese Hoffnung trog, die Kleine saß in der Wanne, plätscherte ⚫ herum, lachte und dachte nicht daran, so zu wollen, wie die Leute draußen wollten. Da hatte ein Nazi einen Einfall. Laut und kräftig begann er das Horst- Wessel- Lied zu intonieren. Augenblicklich stand alles stramm. Der Nazi unterbrach sich für einen Augenblick: Was ist denn, Frollein," rief er ,,, uffstehn jefälligst, wenn wa den Horst Wessel bring'n!" Und das Mädchen stand auf. Stand auf und legte die Hände an die Hosennaht, die Männer standen draußen, treudeutsch und bieder, guckten und sangen dabei und sangen... Am anderen Tag stand in der Zeitung:„ Große natio= nale Kundgebung gegen jüdisches Warenhaus! Unabsehbare Menschenmenge singt das Horst Wessel- Lied." Was man sich zuflüstect Mein Kampf" in Blindenschrift Mit Genehmigung Adolf Hitlers sowie des Zentralparteiverlages der NSDAP., Franz Eher Nachf. GmbH, München, wird in der nächsten Zeit durch die Blindenstudienanstalt Marburg- Lahn, Wörthstr. 11, das Werk unseres Führers Mein Kampf" in Blindenschrift herausgegeben. „ Völkischer Beobachter". Es wird wohl gleich eine Auflage von 64 Millionen hergestellt werden, um das ganze deutsche Volk damit zu ( Aus dem„ Nebelspalter".) versorgen. In einer höheren Mädchenschule sind zu wenig Schülerinnen. Es wird beschlossen, ein paar nichtarische Kinder aufzunehmen Es melden sich zwei Kinder Hochfeudaler Eltern. Die Lehrerin fragt erstaunt: Nanu, was wollt ihr denn?" " Ja Fräulein, es ist wegen Großmütterchen." * Hitler besucht eine Frrenanstalt. Er fragt einige Kranke: " Wißt Ihr wer ich bin?" Schweigen, Kopfschütteln. Ich bin doch Adolf Hitler. Ich habe alle Macht. Ich bin so mächtig, wie der liebe Gott." Mitleidiges Lächeln der Kranken. Einer antwortet: Ja, ja, so hat es bei uns auch angefangen." Straßenbahnschaffner( ruft auf der Elektrischen aus): Adolf- Hitler- Play! Fahrgast: Amep' DAS BUNTE BLATT TAGLICHE UNTERHALTUNGS- BEILAGE Yacu- Mama! Yon Ventura Garcia Calderon In seiner Amazonenhütte am Ufer des rauschenden Ucanalt bemerkte Jenaro Valdivian überrascht, daß seine Vorräte an Lebensmitteln und Kugeln zur Neige gingen. Sein treuer Diener, jener Conivoindianer, der so gut fette Affen mit seinen Pfeilen zu treffen und sie dann vorzüglich zuzubereiten ver stand, war spazierengegangen". Ein zwei bis dreitägiger Streifzug durch die Wälder, von dem er dann gewöhnlich mit seinem gütigen, unterwürfigen Lächeln heimkehrte, eine Fülle von blutroten Orchideen und leuchtenden Schmetter lingen für das Kind in den Armen. Wie, sollte er diesen siebenjährigen Jungen allein laffen, der, von den Indianern aus Loretto aufgezogen, schon jetzt an Temperament einem Wilden glich? Er ging ans Ufer des Flusses und pfiff lange Zeit vergeblich. Ein Wirbel von Wasserblasen in der Mitte des Gewässers schien ihm Antwort zu geben, doch die gesuchte Boa wollte nicht zum Vorschein kommen. Offenbar lag sie einsam schlafend unter dem Wasser ader verdaute die tags vorher erjagte Beute. Jenaro Valdı. vian nahm seine Büchse und sein Weidmesser, sperrte Jena rito, trop den Protesten des verwöhnten Kindes, in der Hütte ein und ermahnte ihn dringend: Hüte dich, auszugehen! Ich kehre bald zurüd." Zum Trost und zur Beruhigung gab er ihm im Weggehn eine Kerze und eine Tüte voll gerösteter Ameisen, die für Kinder der Wilden eine Näscherei sind. Seit dem Vorabend war Valdivian auf seiner Hut. Als er einen Kautschukbaum aushöhlte, schien es ihm, daß aus dem Dickicht ein Tiger nach ihm ausspähe. Er kannte sehr wohl die Gewohnheiten dieser prächtigen, samtfelligen Bestie, die ihre Beute tagelang ver folgt und nur dann angeht, wenn sie die Schritte und die Behendigkeit ihres Gegners beobachtet hat. In verflossenen Nächten, wenn er im Mondschein, seine Pfeife rauchend, saß, hatte er zwei irrende, rote, sinnverwirrende Lichter im Dickicht leuchten gesehen. Ein Flintenschuß verscheuchte sie für einige Momente, aber der nächtliche Sput kehrte wieder, und der Kautschukpflanzer, der im Freien träumend, dichte Rauch wolken vor sich hinblies, sagte sich mit verdrießlichem Schauer: Der Tiger ist hier und wartet auf mich. In seinem Kanoe stromabwärts fahrend, dachte Jenaro, daß es besser wäre, sich nicht allzuweit zu entfernen. Er erinnerte sich, daß er bei der zweiten Biegung des Flusses, bei der von den Wikotoindianern verlassenen Hütte, den wunderbaren, geheimnisvollen Telegrafen antreffen würde, den„ Mangare".( Es ist dies ein knorriger Stamm, der mit so seltsamer Kunst durchbohrt ist, daß, wenn man auf seine knotigen Aeste klopft, der ganze Wald bis auf fünf Meilen Entfernung krachend widerhallt.) Sein Diener hatte ihn diese drahtlose Telegrafie gelehrt, und sicherlich würde irgendein befreundeter Indianer seine Botschaft vernehmen; oder vielleicht würde ihm sogar Gutierrez, der reichste Kautschukfarmer, einen Eilboten mit Munition und Lebensmitteln senden. Aus dem Dickicht strömte jener heiße Duft, der ihn immer wieder berauschte, wie ein Hauch von paradiesischer Fäulnis. Bis zum Ufer des Flusses drang der Urwald vor, mit seinem lärmenden, freischenden Laubwert, in dessen düsteren Gipfeln Affen und Kolibris hausten. Mit Getöse zog ein Schwarm Kleiner, grüner Papageien durch die Luft, wie Blätter eines Baumes, die ein Orkan in alle Winde gestreut hat. Das Kanoe glitt dahin mit einem tropischen Summen, vergleich bar dem eines Pfeiles oder einer Hummel. Die Heimkehr wird unerfreulich sein, dachte Jenaro, die Ruder kaum in dem schäumenden Wasser bewegend. Allein in der einsamen Hütte, verzehrte das Kind die Kerze. Nachher bildeten, während einer Viertelstunde, die gerösteten Ameisen sein Entzücken. Der Durst begann ihn zu quälen, Chinesische Geschichte von den elf Katzen Ein Reisender durchquerte China. Eines Tages tam er in ein größeres Dorf, das an der Hauptstraße lag, und sah, wie ein Kätzchen Milch aus einer Porzellanfchale trank. Bei näherem Hinschauen entdeckte der Reisende an dem Muster des Milchschälchens, daß dieses ein altes, besonders wertvolles und seltenes Stück war, das vor Jahrhunderten während der Tsching- Tschung- Dynastie gefertigt sein mußte. Gut und gern würde die Schale in Europa mit viel Geld bezahlt werden. Der Reisende überlegte, wie er wohl in den Besitz dieser Schale, von deren Wert der Chinese gewiß keine Ahnung haben mochte, kommen könnte. Mit Recht dachte er, daß der gelbe Mann hellhörig werden möchte, wenn er die Schale verkaufen solle und einen hohen Preis fordern würde. Deshalb fragte der Reisende den Chinesen, ob er ihm wohl die Katze verkaufen wolle. Nach vielem Reden und langem Handeln erklärte sich der Chinese schließlich bereit, die Katze, die in Wirklichkeit einen Wert von 100 Käsch hatte für tausend Käsch zu ver= faufen. Ein Käsch ist nur wenige Pfennige wert, und so erstand der Reisende troß des hohen Preises das Käßchen, denn immer noch glaubte er, ein gutes Geschäft zu machen. ,, Nun, mein lieber Li- Hung- Po," sagte er und nahm das Tier unter den Arm, hört, ich habe noch einen weiten Weg apal and sig und er rüttelte an der Tür. Er wollte zum Fluß hinunter und sich in dem Stauwasser des Flusses baden, wie die Kinder der Eingeborenen es zu tun pflegen. Doch Jenaro Valdivian hatte das Rohrgitter mit dem Rumpf einer riesigen, toten Schildkröte versichert. Der Siebenjährige rief im Conivo- Dialekt:„ Vacu- Mama! Yacu- Mama!" Aus dem Wasser des Flusses tauchte mit langsamem Gähnen ein zitternder Schlund auf. Die Zunge schlürfte noch immer die Frische des Gießbaches. Nach und nach tauchte der ganze Körper ans Ufer, mit einem sanften Wirbel, raschelnder Blätter gleich. Die Boa war fast fünf Meter lang und ihre Farbe glich welkem Laub. Das Kind schlug in die Hände und stieß Jubelrufe aus, als das prächtige Tier auf seinen Ruf wie ein Haushund herbeihüpfte; tatsächlich ist es Haustier und Diener der Indianerkinder. Nur diejenigen, die im Osten von Peru gelebt haben, wissen, welch großmütige Ge fährtin die Boa sein kann, wenn geschickte Hände sie bändigen. Niemand gehorchte sie so wie dem kleinen Tyrannen, der auf Schildkröten und Boas ritt, ihnen die Faust in den Schlund grub und die Schuppen mit seinem Pfeil rizzte. Mit einem Schlag seines Hauptes hatte das ringelnde Tier die Schildkröte von der Tür entfernt und hüpfte wie eine Ballettän zerin in die Hütte hinein. Jenarito rief lachend:„ Upa!" Die Boa hob thn auf die Spitze ihres Schwanzes und trug ihn bis zum Dach der Hütte, doch plötzlich wandte sie ihr Haupt zürnend dem Walde zu. Schwankend richtete sie sich auf wie ein toter Baum. Durch ihre Schuppen ging ein elektrisches Knistern, ihr Schwanz peitschte wütend den Boden, zum Entsetzen des grünblauen Kakadus, der sich in seinem Käfig schaukelte. Unbeweglich, mit blutunterlaufenen Augen, schien sie in dem vielstimmigen Lärm des Waldes ein bestimmtes Schleichen herauszuhören. In der Ferne kreischten die Affen. In welchem nahen Winkel war ein Baum gefallen? Ein Schwarm obdachloser Vögel flog auf, in dem Brausen des reich bevölkerten Waldes über dem rauschenden Lauf des Baches eine neue Zuflucht zu suchen. Es gehörte das Gehör einer Boa dazu, um in einem solchen Getöse das Krazen von Klauen herauszuhören. Der Tiger des Waldes sprang mit einem Satz herein und Ecce homo Wir leben alle zwischen Tag und Nacht, und was am Tage einer weint und lacht, ist nur ein Zufall zwischen den Gesezen. Wir leben hin aus Hunger und aus Blut, im Freuen böse und im Leiden gut, man fönnte einen für den andern setzen. Wir tragen alle erst ein Ja ins Sein, verarmen alle an des Todes Nein, find gleich mit so verschiedenen Gesichtern. Wir wachen ängstlich zwischen Schoß und Grab Ein Dunkel löst das andere ab. Inmitten liegt ein wirres Spiel von Lichtern. Kinrichtung durch Blausäure Vor einiger Zeit wurde im Staate Nevada( USA.) der erste Verbrecher durch Blausäure hingerichtet. Der Unglückliche hieß James Miller und war in vier Se funden tot. Die Haupt- und Staatsaktion nahm den folgenden Verlauf: James Miller wurde in eine hermetisch verschlossene Belle geführt, in der ein blühender Mandelbaum den angenehmsten Geruch verbreitete( Amerika bleibt Amerika). Dann wurde er auf einen Stuhl gesetzt, unter dem sich allerdings ein Behälter befand, der zu drei Vierteln mit Schwefelsäure gefüllt war, in die dann komprimiertes 3yannatrium getan wurde. Das hatte zur Folge, daß sich Blausäure bildete, die James Miller mit größter Schnellig feit ersticken ließ. Er war, wie gesagt, in vier Sekunden tot. Man fennt die Wirkung der Blausäure vom Kriege her, ja, man erfährt mit Staunen, daß die ägyptischen Priester schon vor Jahrtausenden dieses Gift den Blüten und Blättern des Pfirsichs entnommen und zur Hinrichtung von Verrätern verwendet haben. Alles wiederholt sich nur im Leben. In der Gegenwart kann man Vergiftungen durch Blausäure gelegentlich an Kindern beobachten, die bittere Mandel aßen. Die Aerzte, die als Experten dieser versuchsweisen Hinrichtung beiwohnten, stellten fest, daß an Miller zunächst eine Beschleunigung des Atmungs rhyth mus und dann sogleich ein Stocken der Atmung zu bes obachten war. Die Blausäure wirkt auf das Nervensystem und auf die roten Blutkörperchen, was das sofortige Aufhören des Luftaustausches, also die Lähmung, bewirkt. Die peitſcheng, Wie eine Eingebornenmuther brachte lie Boeif Leiche des Verbrechers strömte einen besonders charakteriſti zuerst das Kind in Sicherheit und setzte es sanft in einem staubigen Winkel der Hütte ab. Das Ringen hatte begonnen, still, schweigend und hartnäckig, wie ein Kampf zwischen Indianern. Die Riesenkaße sprang ihrem Feind an den Schlund, aber ihre Klauen schienen zu zerbrechen, und einen Augenblick blieb sie ganz verwickelt in der unsichtbaren Schlinge, daß ihre Rippen krachten. Eine Klaue hatte die Zunge der Boa zerriffen, und infolge des heftigen Schmerzes hielt die Schlange einen Augenblick in ihrer Umarmung inne, um gleich darauf den Feind um so heftiger zu umschlingen. Wildes Geheul ertönte, das in unterdrücktem Keuchen ausklang. Das Blut spritte in doppeltem Strahl, und auf dem Boden sah man nur noch einen roten Wirbel, der nach und nach zur Ruhe kam, um sich schließlich in eine unbewegliche Pfütze schwarzen Blutes zu wandeln. Das Kind hatte all dem zugesehen, mit starrem Entseßen zuerst, mit naiver Zuschauerfreude nachher. schen Geruch aus, die Augen waren glänzend, die Pupillen erweitert. Die Haut zeigte sich bläulich, Finger und Kiefer verkrampft. Die Nervenzentren und die Lungen waren mit Blut überfüllt, in den Herzhöhlen befanden sich einige Gasblasen. Das Blut war schwärzlich, aber nicht gestockt, dickflüssig und wie ölig. Die Galle hatte eine bläuliche Farbe angenommen. Der Versuch, einen Menschen auf allerschnellste Weise vom Leben zum Tode zu befördern, war als geglückt zu bezeichnen. Und es ist sehr möglich, daß diese neue Methode von Nevada nun auch in anderen amerikanischen Staaten Nachahmung findet. Ehehölle mit einem Baudiredner Ein seltsamer Scheidungsprozeß wurde kürzlich in Chikago verhandelt. Die Gattin, die als Klägerin auftrat, erklärte, niemals zu wissen, wo ihr Mann eigentlich stecke. Sie hört z. B. die Stimme ihres Mannes und denkt:„ Der gute alte Herbert! Er singt im Bad!" Aber Herbert sitt keineswegs in der Badewanne, sondern befindet sich in der Garage. Ein anderes Mal nimmt sie ein gebratenes Kotelett aus dem Kühlschrank. Und die Stimme von Herbert ertönt: He, Du! Willst Du das gefälligst liegen lassen!" Die Frau ist wie vom Schreck gelähmt, denn ( Aus dem Spanischen übersetzt von Lotte Pick) Herbert ist ja nicht im Kühlschrank, sondern sißt, wovon sie Als sechs Stunden nachher Jenaro Valdivian heimkehrte und mit einem Blick das Vorgefallene begriffen hatte, umarmte er jubelnd das Kind, aber nachher streichelte er den toten Schlund seiner zahmen Boa, der wilden Hausgefährtin, und murmelte stöhnend, mit seltsamer Zärtlichkeit: " Yacu- Mama, arme Yacu- Mama!" it ruis 39 Lachen nicfit verfernen A.: Meine Frau fällt mir allmählich auf die Nerven. Unaufhörlich spricht sie von ihrem ersten Mann. B.: Da hast du es noch gut, mein Lieber! Die meinige spricht immer schon von ihrem nächsten! fich eben noch überzeugt hat, in seinem Zimmer und raucht Pfeife. Ein anderes Mal stößt sie aus Achtlosigkeit eine Puppe, die auf dem Sofa fißt, zu Boden, und die Puppe ruft mit einer wütenden Stimme: Laß mich in Frieden." Dann steht sie ihrem geliebten Herbert gegenüber und sagt:„ Hallo, Schatz! Hast Du einen guten Tag auf der Börse gehabt?" Tie Stimme von Herbert, die von ganz weither zu komment scheint, von jenseits der Eingangstür, antwortet:„ Mit wem sprechen Sie eigentlich?" Besonders die bereits erwähnte Sofapuppe bringt die arme Frau zur Verzweiflung. Wenn fie in ein leeres Zimmer tritt, fizzt diese Puppe irgendwo und beginnt wütend zu schimpfen; als die Frau eines Tages die Puppe ärgerlich hinwirft, ruft diese empört:.„ Jezzt ist es aber genug! Ich werde es Mama sagen!" Herr Richter, erklärte die bedauernswerte Gattin, ich glaube, in einem Tollhaus zu leben; ich kann dieses Dasein nicht einen Tag länger ertragen! Eines Tages öffnete ich eine Flasche Bier, und aus der Flasche kam eine Stimme: Ein dreifaches Hoch für Mr. Volstead! Herr Richter," schloß die Klägerin,„ das war wie die Stimme in der Wüste. Ueberall gab es Stimmen hier und da und dort, die sich über mich lustig machten. Vor allem diese verdammte Puppe, die mich selbst Die dann beleidigte, wenn ich Herbert umarmte." wenn du kommst, sind wir zwet.. " Max, fommst Du Sonntag nicht mal mit zu meinem Wochenendhaus?" ,, Wochenendhaus? Wo ist denn dein Wochenendhaus?" " Draußen in Buchholz. Wundervoll, sag ich dir, mitten im Wald, ganz einsam, ein ganz fabelhaftes Plätzchen! Komm doch mal mit!" " Was macht ihr denn da draußen in deinem Wochenendhaus?" " Was wir machen? Wir singen, wir tanzen, gehen Spazieren, machen Gesellschaftsspiele, Pfänderverlosen- wir amüsieren uns köstlich!" Wie viele seid ihr denn da?" Wie viele? Also erklärt, was„ Berantwortung" bedeutet. Kann mir nun einer Lehrerin: Jetzt habe ich euch also an Hand von Beispielen selbst ein neues Beispiel geben? Mar: Ja, Fräulein. Alle meine Hosenknöpfe bis auf einen Scheidung ist bewilligt," sagte der Richter, ich würde Ihnen raten, liebe Frau, wenn Sie sich wieder einen Gatten suchen sollten, etwas vorsichtiger zu sein. Heiraten Sie um Himmelswillen keinen Bauchredner mehr." vor mi Das Näßchen würde verhungern, wenn ich ihm find mir abgegangen. Nun trägt dieser eine Knopf die ganze Flucht aus unterwegs nichts zu fressen gebe. Ich habe euch doch nun einen so hohen Preis bezahlt. Seid doch so gut und gebt mir die kleine Milchschale vom Käßchen mit, ihr könnt ja von den tausend Käsch eine neue Schale kaufen." „ keineswegs, mein Herr, kann ich euch diese Schale geben, denn sie ist mir nicht feil. Seitdem ich nämlich das Milch schälchen befize, ist dies die elfte Raße, die ich für tausend Käsch verkauft habe," antwortete der Chinese mit schlauem Lächeln, nahm die Schale und verschwand in seiner Hütte, Verantwortung! Der Lehrer hat den Kindern das Sprichwort„ Gebranntes Kind scheut das Feuer" erläutert und fordert die Kleinen auf, ihm ein ähnliches zu nennen. Prompt fliegt ein schmieriger Finger in die Höhe und Märchen verkündet triumphierend:„ Gewaschenes Kind scheut das Wasser, Herr Behrer!" der Efe Weil er vor seiner Frau Ruhe haben wollte, hat sich eint Grubenarbeiter aus Rofittnig eines Einbruchsdiebstahls be zichtigt. Vor dem Beuthener Strafrichter widerrief er das zuerst abgelegte Geständnis und zeigte nun feine Lust mehr, den Eheurlaub hinter schwedischen Gardinen zu verbringen. Da sich seine Täterschaft an dem Einbruch nicht nachweisen lossen konnte, erfolgte die Freisprechung des unzufriedenen Ehemannes. " Ein Arbeiter über Rußland „ Es gibt schon viel Gutes und noch viel Schlechtes" 1115815 Ein österreichischer Sozialdemokrat, der seit längerer tin Zeit in Rußland in einem Betrieb arbeitet, versucht im Hd Nachstehenden einen wahrheitsgetreuen Bericht zu 791 geben. Er beginnt mit der Schilderung der Schwierig keiten der richtigen Beurteilung. Je unleidlicher die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den kapitalistischen Ländern werden, um so größer wird das Interesse für Sowjetrußland, und um so stärker wird das Bedürfnis nach wahrheitsgetreuen Berichten über alles, was dort vorgeht. Bücher gibt es genug über das neue Rußland. Die einen schreiben begeistert dafür, die anderen dagegen. Also hält man sich an die Arbeiter, die Rußland erlebt haben, hört und liest, was sie berichten. Aber man trifft auch hier dieselben Widersprüche: denselben Betrieb, dieselbe Stadt lobt der eine, während der andere mit dem Schimpfen nicht fertig wird. Wie soll man sich diese gegensätzlichen Urteile erklären? Wenn die bürgerlichen Rußlandfahrer schlecht und die proletarischen gut berichten würden, so wäre die Sache einfacher. So aber hört man von manchen Bürgerlichen, die sich Rußland angesehen haben, anerkennende Worte, dagegen verTassen es viele Arbeiter mit einem sehr ungünstigen Urteil. Und gerade diese schlechten Urteile von Arbeitern und Angestellten, die in Rußland gearbeitet und gelebt haben und es mißmutig verließen, richten einige Verwirrung an. Wenn Bürgerliche Sowjet- Rußland loben, so hängt das oft mit einem Geschäft zusammen, oder es imponiert ihnen die russische Industrieentwicklung, die technisch die besten kapitalistischen Betriebe zum Vorbild hat, der reiche Mittel zur Verfügung stehen und die im Gegensatz zu den kapitalistischen Ländern einen großen Warenhunger zu befriedigen hat. Oder es gefällt ihnen das stürmische Tempo, der lebhafte Pulsschlag des großen Wirtschaftsaufbaues.. Aber uns interessiert ja vor allem, warum Rußland von Arbeitern und Angestellten so verschieden beurteilt wird. Man kann die Arbeiterberichterstatter in zwei Gruppen teilen: in Mitglieder von Arbeiterdelegationen und in Leute, die in Rußland gearbeitet haben. Kann der Rußlanddelegierte über die Sowjetunion urteilen? Mitglieb einer Rußland- Delegation zu sein, ist ganz schön. So eine Delegationsreise ist ein ununterbrochener, schöner Sonntag, der im Wiener Bahnhof beginnt und dort wieder endigt. Man wird täglich mehrmals festlich empfangen, wird gut verpflegt und unterhalten, was es Gutes und Schönes zu sehen gibt wird einem gezeigt. Zu all diesen schönen Dingen und der gehobenen Stimmung kommt eine geschickte und ständige, freundliche und unmerkbare Beeinflussung. Darin sind die Russen Meister. Und die Delegierten, die ja nicht russisch können, sind ganz auf ihre liebenswürdigen Führer angewiesen, denn sie haben keine andere Informationsquelle. Damit ist absolut nicht gesagt, daß ihnen über Rußland falsche Daten mitgeteilt werden. Alles ist wirklich, was sie sehen, und das meiste richtig, was sie hören. Aber wer kann bei der Fülle des Gebotenen das Einzelne fritisch beurteilen, bei jeder der vielen Zahlen, die ihm täglich mitgeteilt werden, sich ein Verhältnis ausrechnen und vergleichen? Da wird den Delegierten zum Beispiel über die vielen Millionen Paar Schuhe vorgetragen, die in den riesigen Schuhfabriken im lezten Jahre erzeugt wurden, und man erklärt ihnen, dieses Aus aller Welt Außergewöhnliche Atmung blo Eine feltene physiologische Abnormität wurde bei der fürzlich abgehaltenen Jahresversammlung des CarnegieInstitutes in Washington vorgeführt. Eine 30jährige Dame, übrigens selbst Wissenschaftlerin, mußte sich allen möglichen Untersuchungen durch die anwesenden Gelehrten unterziehen, weil sie nur drei-, höchstens viermal in der Minute atmet, während die Zahl normalerweise etwa das Fünffache betragen sollte. Von einem ähnlichen Fall ist bisher nie etwas be= fannt geworden, so daß das Interesse der Fachleute begreifItch ist. Uebrigens wurden Pulsschlag und Herzbewegungen bei der Untersuchten für vollkommen dem Durchschnitt entsprechend befunden, nur ist die Luftmenge, die sie bei jeder Ausweitung des Brustkorbes in die Lungen atmet, außergewöhnlich groß. Pariser Spaziergang Rassenkrieg Terrassenkrieg Für einige Boulevard- Blätter auf der ganzen Welt ist alles, was passiert, Sensation: Hitler und die Toiletten, der Selbstmord des armen Freymuth, den sie an einem Pariser Sommermorgen zu Grabe getragen haben, und die Tour de France. Eins dieser. Blätter veröffentlicht eben die Memoiren des Kronprinzen zum Hausgebrauch für Deauville. Ferner hat man die Brüder Mann nebst Lion Feucht= wanger und Arnold Zweig im Exil der Azurküste entdeckt. Heinrich Mann, der Verfasser des„ Untertan", hat ge= sagt, daß er jeßt französisch für die Presse schreiben muß. Feuchtwanger hat erzählt, daß Hitler ihm, während er in Amerika war, sein Haus, drei Wagen, die Garderobe seiner Frau und eine halbe Million Mark Bankkonto wegnahm. Alles sehr pikant. Von den Qualen der Armen, die in den Asylen wohnen, schreibt man aber weniger. Das Komitee im Judenviertel Das Hilfskomitee, das Eßscheine und Wohnzettel für die Vertriebenen ausgibt, ist abermals umgezogen. Es stieg, symbolisch fast, von der Höhe der Vergnügungsviertel von Montmartre herunter in die Ebene der Bastille, nicht weit von Vincennes, dem Wedding der Seine. Auf dem langen Wege nach dem Osten, hinter dem Rathaus von Paris, wo das Volk zwei Tage nach Sedan die Republick ausrief, beginnt das Judenviertel. Die Vorfahren dieser Juden sind schon mit den Römern, mit Cäsar und noch früher nach Gallien gezogen, und von dort sind sie an den Rhein gekommen. Hinter den Mauern von Cluny ruhen ein Rabbiner aus dem 18. Jahrhundert und seine Tochter, Jahr werden es laut Plan um soundso viele Millionen Paar mehr sein. Rechnet sich da jeder aus, daß noch nicht ein Paar Schuhe auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre kommen und kennt jeder die Qualität dieser Gegenstände? Mit den russischen Arbeitern kommen die Delegierten öfter bei Feiern und Besichtigungen, sonst aber nur wenig, und da nur auf dem Wege über den Dolmetscher zusammen. Das ist aber die Kardinalfrage: wie es dem russischen Arbeiter geht, wie er arbeitet, wohnt, ißt, denkt und fühlt, wie er sich zum Fünfjahrplan und zum Sowjetregime stellt. Was die Delegierten darüber berichten, ist eingepauft. Der Delegierte kann ruhig über seine Reise und über seine Erlebnisse berichten, aber über Sowjetrußland zu ur teilen soll er bleiben lassen. Mit Arbeitsvertrag in Rußland Ebenso einseitig, wie die guten Berichte der Arbeiterdelegierten und ebenso vorsichtig aufzunehmen sind die schlechten Berichte der Rüdwanderer. Die wenigsten fahren aus Begeisterung und Opferbereitschaft nach Rußland. Die meisten kommen hierher, weil sie in ihrem Lande keine Arbeit hatten, weil sie sich hier ständige Arbeitsmöglichkeit und erträgliche Lebensbedingungen erhoffen. Wer große Erwartungen hat, dem kann man schon im Voraus prophezeien, daß er enttäuscht sein wird. Wer aber zu Hause ein waschechter Genosse war, bleibt es auch hier. Die Einstellung und die Erwartungen, mit denen man nach Sowjetrußland kommt, sind von entscheidender Bedeutung für das spätere Urteil. Wie die einseitige antibolschewistische Propaganda viele tüchtige Leute, die in ihrer Heimat keine Arbeit haben und die Rußland sehr gut brauchen könnte, davon abhalten in die Sowjet- Union zu fahren, so führt die einseitige prorussische Propaganda dazu, daß viele mit Juu fionen herkommen, die dann sehr rasch zerstört werden und ein dauerndes Unbehagen zurücklaffen. Das gilt weniger für die Oesterreicher als für die Reichsdeutschen. Ein bißchen enttäuscht ist fast jeder, denn wer herfahren will, ist eher ge= neigt, alles Gute an den Berichten zu glauben. In seinem Kopf entsteht ein Bild von Rußland, das dann mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt, denn an einem Orte ist eben nicht alles Gute beisammen. Alles ist hier irgendwie unfertig und vieles unbequem. Bei einem richtigen Genossen ist die Enttäuschung in einigen Stunden oder Tagen überwunden, denn er sieht bald ein, daß er viel Nachsicht üben muß. Und dann ist es doch in so vielen Dingen hier angenehmer, ein Arbeiter zu sein, als anderswo. Die andern aber legen an Rußland einen viel strengeren Maßstab an, als an einem fapitalistischen Staat oder Betrieb. Der Betrieb Für den Betrieb sind die Ausländer hergerufen worden und er spielt natürlich auch bei ihnen ble größte Rolle. Wem es in der Arbeit gut geht, der fühlt sich in der Regel auch sonst wohl. Nur spürt man hier bei den Ausländern im Betrieb eine Ueberempfindlichkeit, wie sie in der Heimat nicht zu bemerken war, obwohl die Behandlung hier und dort gar nicht zu vergleichen ist. Tüchtige Leute kommen hier immer gut durch. Aber manche erwarten, daß ihre bloß mittelmäßige Qualitäten wie Wunder angestaunt und bewertet werden sollen. Sie wollen ganz einfach als Ausländer mehr sein als jeder Russe, und sind beEin Dorf faucht aus dem Meer auf Im Jahre 1895 wurde ein Fischerdorf in der Nähe von Tellicherry( North Malabar) bei einer Sturmflut vom Meere verschlungen. Jezt erst ist das Dorf bei einer neuen Sturmflut wieder aus dem Meere aufgetaucht. Als der Sturm losbrach, wurde das Gewässer zwischen den beiden Felsen Neeloth Point und Balikallu außerordentlich ruhig, während ringsherum das Meer von Sturm und Regen wild gepeitscht wurde. Plößlich kam eine Sandbank zum Vorschein, die von Minute zu Minute breiter und höher wurde und in wenigen Stunden den Balikallufelsen mit einem dritten Felsen, dem Chappakallu, verband. Das aus dem Meere neugewonnene Land weist noch die Spuren des alten Fischerdorfes und die Ueberreste eines alten Tempels auf. Auf die Kunde von dem Naturereignis sind aus der nahen und ferleidigt, wenn sie mit qualifizierten Russen konkurrieren müssen. Jeder fühlt sich hier als Spezialist, jeder will mehr können als die russischen Meister und Arbeiter, aber nicht immer ist das der Fall. Manche minderqualifizierten Leute laufen dauernd mit dem Gefühl herum und sagen es auch jedem, daß sie nicht genug beachtet und nicht hoch genug ge= schäzt werden. Fahren sie dann nach Hause, so erzählen sie, daß die Russen nichts fönnen. Auch die Herabsetzung von Akkordlöhnen ist oft ein Stein des Anstoßes für die Ausländer, obwohl sie in der Regel Garantielöhne haben. Aber so ein neuer Betrieb fängt vielmit fünfmal so hohen leicht aus verschiedenen Gründen Akkordlöhnen an, als sie dann beim normal und eingearbeitet funktionierenden Betrieb berechnet werden. Nicht jeder will diese Notwendigkeit einsehen und fährt wütend heim. Die Frauen Manche Frauen von Ausländern fügen sich mit einer Selbstverständlichkeit in die neuen und einfachen, aber für sie doch so komplizierten Verhältnisse ein und fühlen sich nach furzer Zeit hier zu Hause. Ein anderer Teil gewöhnt sich schwer ein. findet sich aber schließlich ab, einige aber wollen absolut nicht hier bleiben. Weil sie Heimweh haben, weil sie sich nicht verständigen können, weil ihnen die Küche zu klein ist, weil es überhaupt so ganz anders ist, als sie es gewöhnt sind und aus hundert anderen Gründen. Sie raunzen solange, bis auch ihren Männern alles zuwider ist und sie mit ihnen nach Hause fahren. Daß auch diese Leute über Rußland nicht gut berichten, ist erklärlich. Das Heimweh packt auch viele Männer. Anfangs hat es ja jeder; bei manchen wird es aber stärker- so stark, daß sie deshalb nach Hause fahren. Kann ein Mann sagen, daß er wegen Heimweh nach Hause gefahren ist? Unmöglich. Also muß er eine Ausrede finden, und am bequemsten ist die allgemeine: In Rußland ist es schlecht. Auch die Leute, die wegen ungenügender Leistung nach Hause fahren müssen, sind auf Rußland nicht gut zu sprechen. Es tommt auch schon vor, daß Ausländergruppen nicht auf Rosen gebettet sind. Wird zum Beispiel irgendwo in der Steppe oder tief im Walde ein neuer Schacht angelegt oder ein großes Objekt zu bauen begonnen, so haben es die Pioniere, die Ersten, nicht leicht. Es dauert immer eine Zeit, bis die Zubringung und die Organisation klappt. Natürlich fährt auch mancher zurück, weil ihm in Rußland der Lebensstandard zu niedrig ist; das sind aber Ausnahmefälle. Aus all dem Gesagten ist also zu verstehen, daß die Berichte von heimkehrenden Arbeitern in der Regel nicht gut sind. Und diejenigen, die sich in Rußland wohlfühlen, die also den schlechten Berichten ein Gegengewicht bieten könnten, die sind eben in Rußland und haben wenig Gelegenheit, in den hei= matlichen Zeitungen und Versammlungen zu berichten. Sowjetrußland ist das größte Streitobjekt der Parteien. Es gibt dort schon viel Gutes, aber noch viel Schlechtes. Wer Gutes finden will, findet mehr als genug, und auch wer Schlechtes finden will, kann mehrere Bücher damit füllen. Wer objektiv berichten will, muß auch die Tendenz feststellen: ob es besser oder schlechter wird und in welchem Tempo das kann man nicht in einigen Reisewochen erfahren, und darf in Rußland nicht den Maßstab der westlichen Länder anlegen. Wer all das berücksichtigt, dessen Bericht wird zwar nicht himmelhochjauchzend ausfallen, wie der mancher Delegierter, er wird aber bestimmt das Geschehen im heutigen Rußland bejahen. Ein Herz aus Messing Der englische Profeffor Dr. Gibbs führte in der Univer fität zu Stanford zum erstenmal ein künstliches Herz vor, das in Bau und Arbeitsweise dem echten vollkommen entspricht. Der Apparat ist aus Messing hergestellt und wird durch, Wasserdruck in Bewegung gesetzt. Hunde, Kaßen und sogar ein Maultier wurden nach Entfernung des Herzens durch die Erfindung des Gelehrten stundenlang am Leben erhalten, wobei das Blut in ganz normaler Weise durch den Körper des Versuchstieres strömte. Uebrigens wurde im Verlauf der Untersuchungen festgestellt, daß der Blutstrom eines gesunden Menschen rund hunderttausend Kilometer im Jahre zurücklegt. neren Umgebung viele Neugierige herbeigekommen, um das Abonniert die ,, Deutsche Freiheit"! zurückgewonnene Land zu sehen. Dies ist eine seltsame Welt im Viertel von St. Paul. Notre Dame, die berühmteste gotische Kirche der Welt, leuch= tet herüber, und der breite Rücken vom alten Hotel Gottes, einem Siechenhaus. Wir stapfen durch Steintreppen, vorbei an Kellern, eisengliedrigen Geländern, schmalen Gassen mit Hurenkneipen und Ramschwaren, Haus bei Haus alte Kleider. Irgendwo steht eine schmale Synagoge aus der Not dieser Zeit. Ganze Straßen voll Bettler, Schaler, Lumpensammler dehnen sich zwischen Torwegen, Brunnen, Müttern. die ihr Kind nähren. Dies war einst die feinste Gegend von Paris. Madame de Sevigne, die vornehmste Briefschreiberin der Welt, wurde hier geboren, und unzählige Helden. Jetzt ist es die Rumpelfammer der Stadt. Zwischen den Zillehöfen und Kattunweibern werden in einem weitläufigen Spital die deutschen Flüchtlinge, die ihr Vaterland mehr als Hitler liebten, abgefertigt. Molière an der Ecke Moliere, der große Komödiendichter, fist an der Ecke vor seinem Hause, der Comidie Francaise, und verkündet, daß das französische Staatstheater 56mal ihn selbst gespielt hat. An zweiter Stelle steht Alfred de Musset, der Dichter, der in weinenden Versen aus weißem Stein an der Seite dieses Theaters wächst. Von neueren Dichtern sind Paul Ge= raldy und Raynal, den man auch in Deutschland durch sein Grabmal des unbekannten Soldaten kennt, am meisten aufgeführt. Wenn man deutsche Kunst in Paris sehen will, muß man in die Oper oder ins Kino gehen. Die Pariser sehen sich heute noch mit Inbrunst die Dreigroschenoper an, und manche fleine Dactilo erfreut sich am Blauen Engel mit der Marlene. Auch die Liebelei von Schnitzler und das Weiße Rößl, hier genannt L'Auberge du Cheval Blanc, überdauern die Sommerhitze. Moliere aber fist starr, unbeweglich, mit flammenden Augen, nicht gut, ein echter Zyniker, auf dem Postament. Neben ihm, in der Rue Moliere, ist der vertriebene deutsche Theaterkritiker Alfred Kerr beim Freunde Moliere zu Gast. Nacktkultur Nacktkultur gibt es in Paris nicht, außer etwa in den dafür gemieteten Häusern. Dafür stellen sich die Franzosen aber unter Nudismus die Flußbäder und Waldstädte in Deutschland vor, die man ihnen mit Prickeln vorfilmt. In Paris nämlich ist das Baden in der Seine, abgesehen von den verschloffenen und teuren Privatbädern, verboten. Man muß schon weit hinaus fahren, am besten bis an die Marne. Dafür fährt der Pariser aber im Sommer wochenlang an die See. Er macht einfach so lange die Bude zu. Auch viele Arbeiter haben ihre Schwiegereltern oder Brüder draußen auf dem gackernden Lande. Es gibt sogar ein Gesetz, das be= zahlten Fabrikurlaub anordnet, mindestens eine Woche, und die Kammer hat Ja dazu gesagt, nur an den Herren des Senats ist das Gesetz noch nicht vorbei. Kürzlich war ein Badezug, der nach Dieppe fuhr, auf dem Bahnhof St. Lazare so überfüllt, daß die urlaubsdürstenden Pariser noch nicht einmal mehr Stehpläße genug bekommen fonnten. Da stürmten sie vor und lagerten sich zu Hunderten auf den Schienen und ließen die Lokomotive nicht eher at. fahren, bis ihnen ein eigener Sonderzug zugeteilt war. Ein Stück vergleichender Völkergeschichte, das vieles erflärt. Baptist Oesterreich und Saar st wie der Stunde des Aufbaus eines neuen Deutschlands der eigenen Volksherrschaft und der Macht seiner Arbeiterklasse eines geeinigten Proletariats! In diesem Sinne, Kameraden und Genossen, unserer und der Freiheit unserer Brüder und Schwestern im Reiche sonationale ein dreifaches: Freiheit! Freiheit! Freiheit!( Langanhaltender, immer wieder einsetzender Beifall.) sad taxiom Zwei Bastionen europäischer Politik gegen die Hitler Diktatur wie der ganzen sozialistischen Arbeiterinter, Massenkundgebung gegen das Dritte Reich an der Saar Bekenntnis zu dem Deutschland der Zukunft Saarbrücken, 8. August 1933. Aller Terror und alle Repressalien politik an der Saar, die hier genau so sorgfältig organisiert und so brutal durchgeführt wird wie im deutschen Desterreich, konnte nicht verhindern, daß sich über 5000 Teilnehmer an dem Umzuge zum Weltarbeitersporttag durch das Bergmannsstädtchen Sulzbach bewegten und daß mehr als 10 000 Teilnehmer sich an dem großen Meeting beteiligten, das anschließend auf dem Mellin- Felde stattfand. Der Führer der Antifaschistischen Front im Saargebiet, Chefredakteur M. Braun, von tosendem Beifall begrüßt, führte in seiner Festrede u. a. aus: " Unser Kampf ist der gleiche wie der der guten Deutschen Oesterreichs! Wir kämpfen im Geiste des wahren und echten Deutschtums auf dem legten Reste freien deutschen Bodens gegen die art und volksfeindliche hitlerfaschistische Ueberfremdung vom Osten her, wie wir ge: tämpft haben gegen die gleichen zeitweisen Ueberfremdungsversuche auf dem Wege des militaristisch- annexionistischen Imperialismus von Westen her, und heute wie immer gilt unser Freiheitsschwur: Niemals, niemals, niemals Hitlerterror über die Saar!( Brausender, stürmischer, unaufhörlicher Beifall.) Wir fämpfen unerbittlich und bis zum letzten Atemzuge für die Freiheitsbehauptung der deutschen Saar um Deutschlands, um der Nation, um des deutschen Volkes und seiner Freiheit willen, und vom freigebliebenen deutschen Saar: gebiet aus werden wir eines Tages die roten Fahnen der Freiheit ins Innere Deutschlands tragen! Und dann erft wird die Saar ihrer endgültigen Bestimmung restlos dienen tönnen: Die Brüde der Verständigung zu tragen zwischen den beiden großen Kulturnationen des kontinentalen Europa, zwischen einem demokratischen Frankreich, das wir be= wundern und fast beneiden um seiner natio= nalen und übernationalen Kraft und Größe willen, und einem demokratischen Deutsch= land, das wir lieben und als große Sehn sucht in unserm Herzen tragen, einem Deutschland, wie es leider heute nicht ist, tragen, einem aber wie es sein wird durch die Kraft, die Einigkeit und den Opfermut seines ge= einigten Proletariats!( Erneuter to sender, lang= anhaltender, immer wieder einsehender Beifall.) Wir demonstrieren hier nicht nur für uns: Unsere heutige Kundgebung ist ein einziger Schrei der Kameradschaftlichkeit und der Solidarität mit unsern gefnechteten, gefolterten, ge= tretenen Arbeitsbrüdern und schwestern in dem vom Nationalsozialismus ver= gewaltigten Deutschland! Und wenn wir ihnen heute als Symbol des Freiheitstampfes für uns und für sie tausende Ballons mit einem angehängten Freiheits gruß von uns und einer Kampfansage an das Mörderregiment hinübersenden, dann geschieht es in der festen Zuversicht und in unerschütterlichem Glauben, daß unsere Stunde kommt, die Stunde der Ab= rechnung, der hundertprozentigen Vergel: tung für jeden Tropfen vergossenen deutschen Arbeiter blutes( tausende Bravorufe!), Deutsche lassen ihre Möbel und sonstigen Stückgüter nach Frankreich einzig und allein befördern durch STERN- EXPRESS 31, Rue de Pétrograd- PARIS 8e ( Nähe Place Clichy) Téléphon: Europe 60.10. Kabeladresse: Sternex- Paris Sammelwaggons aus den wichtigsten Städten Deutschlands. 1-3 mal wöchentlich nach Paris- Riviera und den tranz. Provinz Städten; dadurch ermäßigte Fracht Lagerung Verpackung Versicherung Agenturen in allen Städten Deutschlands und Zentral- Europas Auskunft: Rechtsstelle für deutsche Flüchtlinge 27, Rue Jean Dolent- Paris 14 Jeder Freiheitsliebende lieft: Der Kuckuck Illustrierte Zeitung Jede Woche neu! Sr. 1,25 Buchhandlung d. Bolksstimme Saarbrücken 3 Bahnhofstraße 32 Die gewaltige Beteiligung an dieser mit allen möglichen Nazi- Drohungen verfemten Kundgebung ist um so höher zu bewerten, als die deutschen Arbeiter des Saargebietes unter einen täglichen, stünd lichen Druck seitens der Gleichgeschalteten gesetzt werden, um sie mit Hinweis auf die Repressalien, die nach einem eventuellen Einzug Hitlers in die Saar ihnen blühen würden, von einer Bekundung ihrer innersten Ueberzeugung zurückzuhalten und sie zur Unterwerfung unter den Hitlerfaschismus umzuschalten. Nervosität Geiseln nehmen; sofort schießen! Berlin, 9. Aug.( Inpreß.) Die Geheime Staatspolizei hat Anweisung gegeben, nach Dortmunder Muster überall, wo ein SA.- Mann angegriffen werden sollte, sofort bekannte frühere Angehörige der KPD., die sich jetzt noch nicht in Schutzhaft befinden oder wieder entlassen sind, als Geiseln festzunehmen". Der Berliner Polizeipräsident hat auf Anordnung Gös rings erneut den Befehl erlassen, in jedem Falle sofort rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen. Die täglichen Erschießungen, über die infolge ihrer Häufigfeit garnicht mehr Buch geführt werden kann, entsprechen diesen Anordnungen, die aus der wachsenden Nervosität zu erklären sind, von der die Regierung infolge der überall steigenden Welle der Unzufriedenheit ergriffen wird. Berantwortlich: für die Redaktion Joh. Piz: Inserate Otto Kuhn, beide in Saarbrücken. Druck und Verlag: „ Volksstimme" G. m. b. H., Saarbrücken, Schüßenstraße 5. Ende dieser Woche zu haben! wat GitH BRAUNBUCH über Reichstagsbrand und Hitlerterror VORWORT VON LORD MARLEY Das Buch enthält Originalbeiträge von Sherwood Andersen Egon Erwin Kisch Martin Anderson- Nexö Henry Barbusse Jean Richard Bloch André Gide Michael Gold Beverley Nichols Romain Rolland Lincoln Steffens John Strachey Ernst Toller Ellen Wilkinson Das Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror ( soeben erschienen) ist in der Geschäftsstelle der ,, Deutschen Freiheit" in Straßburg sofort zu haben Preis: broschiert Fr. 18,00, in Ganzleinen Fr. 24,00 Versand nach auswärts! Wiederverkäufer gesucht! Vermögens- Liquidation spez. Berlin führt gewissenhaft durch Rechtsanwalt Hans Schaul PARIS 6° rue Littre Glänzende Kapital- Anlage! Neuerbautes HOTEL erste Lage am Haupts bahnhot Metz sofort unter günstig. Beding ungen bei zirka 100 Mille Mark Anzahlung zu verkaufen Angeb. nur von Selbstreflektanten unter Nr. F 50 an die Geschäfts steile dieses Blattes. 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